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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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5300

19. Februar 1992

GUS

NEUE DEMOKRATIEN WERDEN PROBLEME
LÖSEN UND ÜBERLEBEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

UMWELT

USA BESCHLEUNIGEN ABBAU
OZONSCHÄDIGENDER STOFFE
Eine Übersicht des Weißen Hauses

AMERIKA HEUTE

WAS MACHT EINE NATION GROSS?
von Max Lerner

WAHLEN '92

BUSH HOFFT AUF ERNEUERUNG
SEINES MANDATS
Porträt des republikanischen
Präsidentschaftskandidaten Bush
IN NEW HAMPSHIRE GEFALLT DAS SYSTEM
DER VORWAHLEN
Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 2003 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS
19. Februar 1992

NEUE DEMOKRATIEN WERDEN PROBLEME
LÖSEN UND ÜBERLEBEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers
NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 11. Februar 1992 vor dem Institut für Ost-WestSicherheitsstudien gehaltene Rede des Stellvertretenden Außenministers Lawrence Eagleburger.
Es erübrigt sich zu sagen, daß wir historische Zeiten
durchleben. Ob dies jedoch - ebenso wie am Ende
eines früheren revolutionären Jahrhunderts - die besten oder die schlechtesten Zeiten sind, bleibt abzuwarten. Einige preisen das Zeitalter der Demokratie
als neues Jahrtausend, andere fürchten ein Zeitalter
des Chaos. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen beiden Extremen. Zweifelsohne muß die
Euphorie, mit der die Welt die demokratischen Revolutionen in Osteuropa und danach in den Ländern der
ehemaligen Sowjetunion begrüßt hat, jetzt durch ein
gewisses Maß an Vorsicht gedämpft werden.
Aber heute abend möchte ich Ihnen beweisen, daß die
Menschen dieser Region nicht durch die Geschichte
zu einer chaotischen und undemokratischen Zukunft
verdammt sind. Im Gegenteil - die Zukunft liegt
vielmehr in ihren und unseren Händen und die zur
Gewährleistung der Demokratie erforderlichen Opfer
bewegen sich im Rahmen unserer Möglichkeiten. So
schmerzlich diese Opfer auch sein mögen, sie sind
sicherlich verschwindend gering verglichen mit den
enormen Kosten eines Scheiterns.
Lassen Sie uns zunächst das Positive hervorheben:
Der Stern der Freiheit hat seit dem späten 18. Jahrhundert auf der Welt nicht mehr so hell geleuchtet wie jetzt.
Es gab eine Zeit, in der die geistigen Väter der Demokratie - die Männer der Aufklärung - davon ausgingen,
daß die Menschheit dazu bestimmt sei, immer rationaler, zivilisierter und freier zu werden. Sie glaubten, daß
freie Regierungen sich auf der ganzen Welt durchsetzen und die Nationen eher zu friedlichem Handel als
Krieg veranlassen würden. Ihre Annahmen wurden
jedoch durch die kollektivistischen Ideologien im 19.
Jahrhundert auf die Probe gestellt und ihre Hoffnungen
durch den sich verbreitenden Totalitarismus im 20.
Jahrhundert zunichte gemacht. Es schien eine Zeit-

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lang, als ob Demokratie - weit davon entfernt, unvermeidbar zu sein - in der Tat zum Scheitern verurteilt
sei.
Jetzt ist es plötzlich möglich, sich zumindest vorzustellen, daß der universelle Traum der Aufklärung verwirklicht werden kann. Es ist möglich, in den tragischen
Erfahrungen des 20. Jahrhunderts ein bloßes Zwischenspiel auf dem Weg der Demokratie zu universeller Herrschaft zu sehen. Unleugbar ist, daß die
Demokratie heute keinen glaubwürdigen ideologischen
Rivalen auf der internationalen Bühne hat. Sie ist,
zumindest für einen Moment, der Maßstab politischer
Legitimität für die Menschen überall auf der Welt, und
dank dem Untergang der Rivalen der Demokratie ist
die unnatürliche Teilung Europas beendet, und die
Menschen im Osten haben jetzt die Chance, sich dem
Weg der westlichen Zivilisationen anzuschließen. Sie
klopfen an unsere Tür, und hinter ihnen stehen Milliarden mehr Menschen, deren Erwartungen von den
Gedanken der westlichen Ausklärung geweckt und
revolutioniert wurden.
Auch eine pessimistischere Einschätzung ist möglich
- die in den jüngsten Ereignissen nicht den Fortschritt
der Demokratie sondern den Zusammenbruch des
internationalen Systems und eine Rückkehr zu derselben Instabilität sieht, mit der das Jahrhundert begann.
Es ist auf jeden Fall schwierig für uns, den Glauben der
Aufklärung an die Perfektionierbarkeit des Menschen
und die Unvermeidlichkeit von Fortschritt nach diesem
Jahrhundert der Gaskammern und Gulags zu teilen.
Uns ist die dunklere Seite der menschlichen Natur
sowie das jedem Menschen innewohnende Potential
für Gewalt und Haß zu gut vertraut, als daß wir mit
naivem Optimismus in die Zukunft blicken könnten.
Wir sind auch mit unseren Schwächen und Verpflichtungen - unseren David Dukes und sonstigen Defiziten

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�- zu gut vertraut um zu verkennen, daß Demokratie
selbst unter widrigen Umständen ein herausforderndes Unterfangen ist.
Und genau das ist der Haken - die Umstände, unter
denen die Demokratie entstand. Nur drei Jahre nach
Beginn der demokratischen Revolution im Osten sehen wir uns mit einigen sehr ernüchternden Fakten
konfrontiert.
Zuallererst besteht die Tatsache instabiler Wirtschaftsverhältnisse. Die Bedingungen, die den Fall der
Kommunisten bewirkten, haben sich größtenteils nicht
verbessert, und in einigen Fällen wie de- hemaligen
Sowjetunion verschlechtern sie sich weiter. Würde
man den Menschen in der Region Präsident Reagans
berühmte Frage von 1980 stellen - Geht es Ihnen
heute besser als vor vier Jahren? - könnte die rein auf
materielle Aspekte gegründete Antwort sehr wohl "Nein"
lauten.
Jeder denkende Mensch weiß natürlich, daß der wirkliche Grund für wirtschaftlichen Niedergang die zu
vielen Jahre des Kommunismus sind und daß schmerzliche Reformen die unabdingbare Medizin für langfristige Gesundung sind. Darüber hinaus beginnen die
Reformen Erfolg zu zeitigen - in Polen, wo sich die
Währung stabilisiert und Waren reichlich vorhanden
sind; in Ungarn, wo die privaten Sparguthaben steigen,
ausländische Investitionen die Wirtschaft ankurbeln
und Arbeitsplätze schaffen sowie auch andernorts in
der Region. Aber langfristige Perspektiven stehen in
den Köpfen der meisten Menschen nicht an erster
Stelle. Die Tatsache, daß die Zeiten hart sind und in
einigen Ländern härter werden, steht im Mittelpunkt
der Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere für Rußland, wo der Verlust der imperialen Herrschaft und des
Supermachtstatus eines stolzen Volkes das Gefühl
der Demoralisierung verschärft hat.
Eine zweite ernüchternde Tatsache ist der offenkundige Druck, den harte Wirtschaftsbedingungen auf die
zerbrechlichen neuen demokratischen Institutionen
der Region ausüben. Es ist im Westen nur natürlich,
daß der Mißwirtschaft beschuldigte Reigerungen
abgewählt werden. In Ostmitteleuropa und der ehemaligen Sowjetunion gibt es jedoch Beweise für Ungeduld mit dem demokratischen System selbst und auf
einigen Seiten eine Sehnsucht nach der Art von strenger Führung und Eindeutigkeit der nationalen Aufgabe, an die die Völker so lange gewöhnt waren.
Grundlegender ist, daß der Region offenkundig der
soziale und wirtschafliche Unterbau fehlt, der für die
Stabilität der Demokratie im Westen so wichtig ist beispielsweise die allgemeine Verteilung von Kapital
und Privateigentum, das der Bürgerschaft einen Anteil
an der demokratischen Ordnung und den Veränderungen insgesamt verschafft und die pluralistischen Institutionen einer bürgerlichen Gesellschaft, die zur Schlich-

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tung konkurriernder Ansprüche tendieren und die großen
Belastungen des Lebens in einem demokratischen
und kapitalistischen System absorbieren. Wo eine
bürgerliche Gesellschaft schwach oder nichtexistent
ist, blicken die Bürger nicht auf sich selbst oder den
anderen für Lösungen, sondern nach oben zur Erlösung von der unter ihnen herrschenden Verwirrung.
Wenn sie keine zufriedenstellenden Antworten von
verantwortungsbewußten demokratischen Politikern
erhalten, werden sie ein leichtes Opfer von Demagogen, die autoritäre Lösungen versprechen oder die
ausländische Gegner oder ethnische Minderheiten
zum Sündenbock für Probleme machen, die sie nicht
bewältigen können.
Dennoch, trotz dieser beim Übergang von einer Diktatur zur Demokratie unvermeidlichen Probleme bin ich
der festen Überzeugung, daß die Völker Ostmitteleuropas und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
sowohl das tragische Vermächtnis der Geschichte als
auch die enormen Probleme von heute überwinden
werden. Sie werden mit der Zeit eine Zukunft für
Demokratie und Wirtschaftswachstum sicherstellen vorausgesetzt, sie finden in sich die Kraft, andauernden Härten zu widerstehen und im Westen einen
Partner, der bereit ist, mit ihnen Blut, Schweiß und
Tränen zu vergießen solange es dauert.
Mein Optimismus gründet sich auf mehrere Faktoren.
Erstens haben die Menschen in der Region Kraft,
Flexibilität und vor allem eine große Liebe zur Freiheit
unter Beweis gestellt - nicht nur in dem, was sie in den
vergangenen Jahren geleistet, sondern in dem, was
sie einen Großteil dieses Jahrhunderts erduldet haben. Die schrecklichste totalitäre Herschaft seit Menschengedenken überlebt zu haben und dennoch den
Durst nach Wahrheit und Freiheit zu stillen, ist eine bemerkenswerte Leistung, die sie nicht leichtfertig vergeuden werden. Aus diesem Grund würde ich auf Präsident Reagans Frage die Antwort "Ja" wagen - trotz
der materiellen Härten, denen sie immer noch ausgesetzt sind. In Rußland hat sich die gerade entstandene
bürgerliche Gesellschaft, angefeuert durch den Mut
Boris Jelzins, als ausreichend stark erwiesen, um den
Versuch der Putschisten zu vereiteln, die Uhr in das
vordemokratische Zeitalter zurückzudrehen. Und auch
in Rußland sind die alten von den Zaren und Kommissaren verwendeten Argumente zur Unterdrückung
bürgerlicher Freiheiten - vor allem notwendig zur Aufrechterhaltung des Imperiums und zum Schutz gegen
Gefahren von außen - durch die jüngsten Ereignisse
überholt worden. Mit anderen Worten, die Menschen
in der Region verstehen im großen und ganzen, daß
die derzeitigen Härten den Grundstein für zukünftigen
Wohlstand legen. Sie werden der Demokratie die
Chance bieten, die sie benötigt, solange Hungersnöte
vermieden und ethnische Konflikte überwunden oder
unter Kontrolle gehalten werden können.

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�Der zweite Grund, warum ich optimistisch bin, ist - so
hart das klingen mag -, daß es in diesen Tagen einfach
keine Alternative zu dem zur Vervollständigung des
Übergangs zur Marktwirtschaft erforderlichen Schmerz
und den Opfern gibt. Nur durch Privatisierung der
Wirtschaft und Einführung der Regeln von Profit und
Effizienz können die Volkswirtschaften des Ostens
umgestaltet werden. Dies ist keine vom Westen
aufgezwungene Realität, es ist eine altbekannte Tatsache in einer aufstrebenen Weltwirtschaft, die allen
schwierige Anpassungen auferlegt - uns selbstverständlich eingeschlossen. Das Fazit ist mit anderen
Worten, daß Demagogen die Güter nicht liefern können und wollen. Ein Reformgegner kann die Macht
ergreifen oder ins Amt gewählt werden, aber er wird mit
der wirtschaftlichen Realität fertigwerden müssen, und
er wird letztlich mit den Konsequenzen der Nichtlieferung leben müssen.
Natürlich ist die Gefahr und die echte Herausforderung
für den Reformprozeß im Osten, daß - wie in Georgien
und Jugoslawien - Demagogen sich statt dessen dafür
entscheiden könnten, mit Haß zu bezahlen, indem sie
ethnische Spannungen ausnutzen und die Rechtsstaatlichkeit unterminieren. Aber selbst unter solchen
Umständen besteht berechtiger Anlaß zur Hoffnung,
daß die Situation mit der Zeit in den Griff zu bekommen
ist und umgekehrt werden kann. Was wir vielleicht
nicht ausreichend zu schätzen wissen, ist die Tatsache, daß die demokratischen Institutionen im Osten
heute durch eine größere bürgerliche Gesellschaft
gestützt werden als in der Region selbst existiert. Sie
werden durch eine größere Gemeinschaft von Demokratien verstärkt, der diese Nationen beitreten wollen
und deren Unterstützung für ihr Überleben unabdingbar ist.
Obwohl es im Bereich der Wirtschaftspolitik wichtig ist,
daß die Menschen in der Region ihre eigene Medizin
wählen und nicht das Gefühl haben, bestimmte
Patentrezepte würden ihnen aufgezwungen, ist es für
den Westen unerläßlich, die Normen eindeutig zu definieren, die wir respektiert sehen wollen, was Werte
und politisches Verhalten anbetrifft. Ich beziehe mich
letztlich auf die Normen, die sich die westlichen Nationen in den vergangenen fünfzig Jahren selbst auferlegt haben - Normen, die es dem Westen ermöglicht
haben, de facto eine Gemeinschaft von Demokratien
zu gründen und die Beziehungen unter allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft zu befrieden, einschließlich
derjenigen, die noch vor wenigen Jahrzehnten Gegner
waren.
Außenminister Baker hatte diese Normen im Blick, als
er im vergangenen September die Grundsätze umriß,
die den amerikanischen Beziehungen mit den neuen
unabhängigen Staaten zugrunde liegen. Er bezog sich
dabei nicht auf amerikanische Prinzipien als solche,
sondern auf allgemeingültige Regeln die für uns alle

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im Westen bindend sind und auch für diejenigen bindend sein müssen, die danach streben, sich uns
anzuschließen und unsere Zusammenarbeit und Hilfe
in Anspruch nehmen möchten. Zu diesen Normen
gehören die Wahrung der Menschenrechte - einschließlich von Gruppen- und Minderheitenrechten, die Einhaltung demokratischer Praktiken sowie die Achtung
des Prinzips friedlicher und auf dem Verhandlungsweg
erzielter Veränderungen internationaler Grenzen.
Die Artikulierung dieser Normen impliziert jedoch weder
ein Recht des Westens, über den Osten zu richten,
noch legt sie die selbstgefällige Annahme nahe, daß
unsere eigenen Handlungen immer diesen Idealen
gerecht werden - was nicht der Fall ist. Sie bedeutet
schlicht und einfach, daß wir einen Hebel besitzen, den
wir einsetzen können und sollten, um den neuen
Demokratien bei der Abwehr jeglicher antidemokratischer Tendenzen zu helfen, die ihre eigenen Gesellschaften noch nicht einzudämmen in der Lage sind.
Wir im Westen können diese Art von positiver Verstärkung jedoch nicht leisten, wenn die Menschen in der
Region glauben, daß ihnen die Tür zur Mitgliedschaft
im westlichen Staatenbund verschlossen ist. Wir
können sie nicht um Geduld bitten, wenn sie verhungern, und wir können sie nicht in gutem Glauben
auffordern Opfer zu bringen, wenn wir nicht bereit sind,
dasselbe zu tun. Wir müssen deshalb eine Reihe von
Dingen tun, die nicht nur den Schmerz des Übergangs
lindem, sondern auch den Menschen Hoffnung geben,
daß sie eines Tages eine bessere Zukunft haben
werden, wenn sie dem demokratischen Kurs treu
bleiben. Wir müssen humanitäre Hilfe leisten, um
sicherzustellen, daß Nahrungsmittel und Medikamente verfügbar sind und gerecht verteilt werden, technische Hilfe, um der Region bei der Entwicklung der
Institutionen einer pluralistischen zivilen Gesellschaft
beizustehen, Strukturhilfe, um die Einleitung des
makroökonomischen Übergangs zur Marktwirtschaft
zu fördern und schließlich Investitionen, um Arbeitsplätze zu schaffen und reales langfristiges Wirtschaftswachstum hervorzubringen.
Ich möchte heute abend nicht auf einzelne Programme
eingehen, die wir für Ostmitteleuropa und die neuen
unabhängigen Staaten entwickelt haben, sondern das
tun, was mir vom Präsidenten und vom Außenminister
im vergangenen Dezember aufgetragen wurde - nämlich,
für unsere Hilfsmaßnahmen zu "werben". Ich möchte
jedoch klarstellen, daß wir keinesfalls vorschlagen, mit
unseren Bemühungen diejenigen der Menschen in der
Region zu ersetzen. Sicherlich müssen sie ihr Haus
selbst in Ordnung bringen, und wenn sie beispielsweise nicht genügend Anreize geben, damit ausländisches Kapital in ihren Volkswirtschaften investiert wird,
wird dieses Kapital andernorts eingesetzt. Kein Land
kann sich im ausgehenden 20. Jahrhundert den Gesetzen des Weltmarkts entziehen.

Seite 3

�Es ist überdies wichtig zu verstehen, daß unsere Politik
und unsere Hilfsbemühungen in der Region keine
Wohltätigkeitsveranstaltung sind, ebensowenig wie
der Marshallplan im Jahr 1947 ein Akt der Wohltätigkeit war. Wir tun, was den Interessen der Vereinigten
Staaten und dem Wohl des amerikanischen Volkes
dient. Es ist eben so, daß wir uns selbst helfen, wenn
wir andere dabei unterstützen, dem internationalen
Konzert der Demokratien, dem wir angehören, beizutreten und dieses damit zu stärken. Mit der Erweiterung dieser Gemeinschaft durch Einbeziehung ehemaliger Gegner nach dem Zweiten Weltkrieg haben
wir Sicherheit und Wohlstand unseres Vo!' 3 über alle
Maßen gemehrt - und das ibi genau das, wozu wir
heute aufgerufen sind.
Unser Interesse an diesem Vorhaben ist weder rein
abstrakter Natur, noch unterliegt es Einschränkungen
im Gesamtzusammenhang der nationalen Prioritäten.
Tausende junge r Amerikaner gaben in zwei Weltkriegen in diesem Jahrhundert ihr Leben, um ein Europa
zu gewährleisten, das freundlich gesonnen, friedlich
und demokratisch ist. Wir haben während des kalten
Kriegs Billionen von Dollar ausgegeben, um die Ambitionen eines expansionistischen totalitären Systems
zu zügeln, das die Fähigkeit besaß, uns, unsere Freunde und den größten Teil der Welt auszulöschen. Ja,
der kalte Krieg endete im Triumph, aber dieser Triumph
darf nicht mit einem Sieg auf Dauer verwechselt werden. Was wir gewonnen haben, ist die Chance für
einen Sieg - die Chance sicherzustellen, daß befreundete und demokratische Kräfte weiterhin das Schicksal von Völkern bestimmen werden, die einst gegen
uns standen.

kratischen Westens gemeinsam erfüllen müssen. Denn
ebenso fest steht, daß die Folgen eines Scheiterns in
Bonn, Brüssel, Paris, London und Tokio direkter und
unmittelbarer zu spüren wären als in Washington.
Die Bundesrepublik Deutschland hat rasch und großzügig gehandelt, um den demokratischen Wandel in
Ostmitteleuropa und der ehemaligen Sowjetunion zu
unterstützen. Die Europäische Gemeinschaft und
unsere anderen Freunde und Verbündeten in Europa
haben ebenfalls einen erheblichen Beitrag geleistet.
Aber dies ist auch nur recht und billig, denn von den
Vereinigten Staaten, die ihre politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen während des Großteils
eines halben Jahrhunderts stark belastet haben, um
die freie Welt zu verteidigen und weltweite Stabilität zu
erhalten, kann und sollte nicht erwartet werden, die
einzige - oder auch nur die hauptsächliche - Quelle zur
Unterstützung von Reformen und Wiederbelebung im
Osten zu bilden. Darüber hinaus sollte die Tatsache
berücksichtigt werden, daß die Vereinigten Staaten als
einzige Weltmacht weiterhin eine weltweite Last von
Verpflichtungen tragen, die bei weitem größer ist als
die von jeder anderen Nation getragene.
Ich möchte dies ganz präzis feststellen: Ich möchte
nicht anklingen lassen, daß die Vereinigten Staaten
ihren eindeutigen und erheblichen Verpflichtungen
gegenüber Ostmitteleuropa und den neuen unabhängigen Staaten ausweichen können oder sollten. Präsident Bush und Außenminister Baker nahen klargestellt, daß wir unseren Teil beitragen und noch mehr
tun werden. Aber diejenigen, deren Sicherheit und
Wohlstand zumindest in erheblichem Umfang die Folge
des amerikanischen Engagements während eines
halben Jahrhunderts ist, haben eine besondere Verpflichtung, heute als Mitglieder einer ebenbürtigen
Partnerschaft, um deren Verwirklichung sie und wir
uns solange bemüht haben, Leistungen zu erbringen.

Natürlich sind dies schwere Zeiten für die Vereinigten
Staaten, Zeiten, in denen die meisten Amerikaner der
Meinung sind, unsere begrenzten Mittel sollten zuerst
und vorrangig für dringende innenpolitische Erfordernisse eingesetzt werden. Es trifft ebenfalls zu, daß es
für Politiker während eines Wahljahrs besonders schwierig sein wird, gegen den Strom anzuschwimmen. Aber
wenn ausreichend erklärt wird, was auf dem Spiel
steht, gehe ich fest davon aus, daß sich das amerikanische Volk nicht als Pfennigfuchser erweisen wird.
Die Summen, die wir gegenwärtig ausgeben, sind
sicherlich erheblich. Aber sie sind nichts im Vergleich
zu dem, was wir zur Abwehr der sowjetischen Bedrohung während des kalten Kriegs ausgaben, und sie
sind nichts im Vergleich zu den Mitteln, die wir vielleicht
aufwenden müßten, wenn ein wirtschaftlicher und
politischer Zusammenbruch zu einer Wiederkehr autoritärer Herrschaft im Osten führen sollte. Künftige
Generationen würden uns schlechter beurteilen als wir
dies selbst überhaupt könnten, wenn wir ihnen die Last
einer Bedrohung hinterlassen würden, deren endgültige Beseitigung in unserer Macht stand.

Ich begann meine Ausführungen heute abend mit dem
Hinweis, ich würde weder die Euphorie noch die düsteren Prognosen akzeptieren, von denen die westlichen
Reaktionen auf die Revolutionen in Ostmitteleuropa
und der ehemaligen Sowjetunion gekennzeichnet waren.
Die Probleme, mit denen diese Länder konfrontiert
sind, sind erschreckend, und dasselbe gilt für die
Härten, die ihre Völker jetzt bewältigen müssen. Es ist
meines Erachtens unmöglich zu sagen, welches die
schwierigere Herausforderung ist - der wirtschaftliche
Übergang vom Kommunismus zum freien Markt oder
der politische Übergang vom Totalitarismus zur Demokratie. Die Völker der Region versuchen beides zu
leisten, und indem sie dies tun, versuchen sie, Phasen
der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zu
überspringen, für deren Überwindung der Westen
Jahrhunderte benötigte.

Aber die Unterstützung für die Festigung der Demokratie im Osten ist sicherlich eine kollektive Pflicht zur
Übernahme von Lasten, die alle Nationen des demo-

Trotzdem werden sie es schaffen - unter der Voraussetzung, daß wir und sie bereit sind, die Schwierigkeiten dieser Übergangsphase gemeinsam zu meistern.

Soito A

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�Ein Großteil Ostmitteleuropas gehört traditionell zum
Westen und hat zu den politischen und kulturellen
Fortschritten der europäischen Aufklärung beigetragen oder davon profitiert. Die Region nahm ihre
Lehrzeit in freier Marktwirtschaft vor dem kommunistischen Zwischenspiel auf, und ihre Bewohner haben in
den letzten Jahren wahre politische Reife unter Beweis
gestellt. Darüber hinaus sind die Hindernisse, die sie
zur Wiedereingliederung in Europa überwinden müssen, nichts im Vergleich zu den Schrecken, die sie in
den vergangenen Jahren erdulden mußten. Sie müssen
nur das Vertrauen besitzen, daß die Tür zum Westen
offensteht und für sie selbst dann offen bleibt, da wir
weiter nach Osten blicken, um weitere Völker in den
Schoß der Demokratie aufzunehmen.
Die Aussichten sind für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion sicherlich schwieriger, aber ich bin optimistisch, daß auch sie erfolgreich
sein werden. Ihre Geschichte ist heldenhaft. Sie
haben eine enorme Opferfähigkeit demonstriert, und
sie werden letztlich in Zeiten größter nationaler Gefahr
obsiegen. Die Russen sind eines der großen Völker
der Geschichte, und wir Amerikaner haben in mehreren der dunkelsten Stunden dieses Jahrhundert wenn
es hart auf hart kam mit ihnen großartige Dinge vollbracht. Was sie und ihre Nachbarn jetzt von uns
benötigen, liegt sicherlich nicht außerhalb unserer
Möglichkeiten. Sie benötigen etwas Nahrung auf dem
Tisch, um mehrere Jahre des Übergangs zur Marktwirtschaft zu überstehen. Sie benötigen unser Fachwissen, um ihnen beim Aufbau einer modernen Wirtschaft zu helfen. Sie benötigen das Know-how von
Durchschnittsamerikanern aus allen Lebensbereichen,
um eine starke, pluralistische bürgerliche Gesellschaft
aufzubauen, und sie brauchen unsere Unternehmer,
um zum Vorteil für unsere beiden Länder in ihre
Zukunft zu investieren.
Es ist wohlbekannt, daß Rußland seit Anbruch des
Zeitalters der Aufklärung ein zwiespältiges Verhältnis
zum Westen hatte. Während sie sich zu Freiheit und
materiellem Fortschritt des Westens hingezogen fühlten, schreckten die Russen davor zurück, was sie als
westlichen Materialismus und geistigen Niedergang
betrachteten. Das Dilemma, ob man sich dem Westen
anschließen solle oder nicht, ist älter als Dostojewski,
und es besteht auch heute noch, sogar bei der prowestlichsten Regierung in der russischen Geschichte,
die heute im Kreml sitzt. Aber eine russische Entscheidung, die Eintrittskarte zum Westen zurückzugeben,
würde eine selbstmörderische Rückkehr zur Tyrannei

*

AMERIKA DIENST 7

im eigenen Land bedeuten. Es gibt einfach keinen
Mittelweg. Was für die Russen existiert, ist eine
Chance, die Moderne und den Westen in einer russischen Version mitzugestalten - das heißt, im Einklang
mit denjenigen, die die russische Nation über Jahrhunderte der Prüfungen bewahrt haben. Kurzum: Es ist
an der Zeit, daß ein Volk, das der Zivilisation auf der
Welt in Form von kulturellen und wissenschaftlichen
Errungenschaften soviel gegeben hat, jetzt auch seinen Stempel im politischen und wirtschaftlichen Bereich aufdrückt.
Sich die Alternative auszumalen, ist furchteinflößend nicht nur für die Russen, sondern auch für uns alle.
Eine Rückkehr zu einer feindseligen autoritären Herrschaft im Osten würde allen Hoffnungen auf eine
Wiederholung des westlichen Erfolgs nach dem Zweiten Weltkrieg einen schrecklichen Schlag versetzen,
als wir den Kreis der demokratischen Nationen erweiterten und den Rahmen für ein halbes Jahrhundert von
Frieden und Wohlstand schufen. Dies würde wahrscheinlich einen Triumph der Geschichte - das heißt,
des endlosen Kreislaufs der Feindschaft und Gewalt anstatt einer Transzendenz der Geschichte bedeuten,
die von den westlichen Staaten innerhalb ihres eigenen Kreises in der Nachkriegszeit kollektiv verwirklicht
wurde. Dies würde wahrscheinlich auch unsere jüngsten Hoffnungen zunichte machen, das ursprüngliche
Versprechen der Aufklärung zu retten, um die gesamte
Menschheit von den Schrecken und dem Pessimismus dieses Jahrhunderts zu befreien.
Denn wir müssen uns der Tatsache erinnern, daß
unsere Vorfahren die Welt ins 20. Jahrhundert brachten und dabei völlig unvorbereitet waren, um in den
Griff zu bekommen, was sich als eine der barbarischsten Episoden erwies, seit es geschichtliche Aufzeichnungen gibt. Wir, die Überlebenden dieser Periode
arbeiten unter der historischen Verpflichtung, ihre Fehler
nicht zu wiederholen. Wir müssen deshalb unsere
neuen Partner in Ostmitteleuropa und der ehemaligen
Sowjetunion fest und auf Dauer in den Schoß des
Westens aufnehmen, wenn wir uns angesichts immer
verzweifelterer Anspruchsteller und einer immer gefährlicheren Welt nicht beim Aufbau einer Wagenburg
wiederfinden wollen. Die Geschichte hat uns eine
zweite Chance gegeben, um das Versprechen der
Aufklärung einzulösen. Wie wir auf diese Chance
reagieren, wird großenteils darüber entscheiden, ob
unsere Kinder in ein 21. Jahrhundert eintreten, das
sicherer und gesünder ist als die schreckliche Periode,
die wir hinter uns gelassen haben.

* * *

*

Seite 5

�UMWELT
19. Februar 1991

USA BESCHLEUNIGEN ABBAU
OZONSCHÄDIGENDER STOFFE
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat angekündigt, die Vereinigten Staaten würden - als Reaktion auf neue
Erkenntnisse zu den Ozonschäden über der nördlichen Erdhalbkugel - den stufenweisen Abbau chemischer
Stoffe, die die Ozonschicht der Erde zerstören, beschleunigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir dazu eine vom Weißen Haus am 11. Februar 1992 herausgegebene Übersicht
über den Zeitplan des beschleunigten Abbaus.

Beschleunigter Abbau
ozonzerstörender Substanzen
Präsident Bush hat heute erklärt, daß die Vereinigten
Staaten die Verringerung von Substanzen einseitig
beschleunigen werden, die die Ozonschicht der Erde
zerstören, und er forderte andere Länder auf, einem
Zeitplan für einen beschleunigten Abbau zuzustimmen. Die gegenwärtige US-Produktion liegt bereits
über 40 Prozent unter den im Montrealer Protokoll
erlaubten Niveaus und mehr als 20 Prozent über den
in Europa verwirklichten Verringerungen. Nach dem
neuen Zeitplan des Präsidenten werden die Vereinigten Staaten die meisten ozonzerstörenden Substanzen fünf Jahre vor den gegenwärtigen internationalen
Fristen verringern und damit die amerikanische Führungsrolle beim Schutz der Ozonschicht erneut bekräftigen.
Wissenschaftliche Handlungsgrundlagen
Die vom Menschen verursachten Emissionen von
Chemikalien einschließlich Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), Halonen, Tetrachlorkohlenstoff und
Methylchloroform sind dafür bekannt, daß sie das
stratosphärische Ozon über der Antarktis zerstören
und scheinen die Ursache für die Zerstörung des
Ozons zu sein, die das ganze Jahr überin mittleren und
höheren Breitengraden auf beiden Erdhalbkugeln
beobachtet wird.
Die Zerstörung des stratosphärischen Ozons führt zu
einem Anstieg der schädlichen ultravioletten Strahlen,
die die Erde erreichen und unter Umständen auch
mehr Fälle von Hautkrebs, Störungen im Immunsystem des Menschen, Überflutungen und Umweltschäden mit sich bringen.
AMERIKA DIENST 7

Die jüngsten im Rahmen des Umweltprogramms der
Vereinten Nationen gewonnenen Erkenntnisse, niedergelegt im internationalen Ozonbericht des UNOUmweltprogramms (Oktober 1991) und die US-Expedition zur Erforschung der arktischen Stratosphäre
(Februar 1992) deuten auf eine schnellere, um sich
greifende Zerstörung der Ozonschicht hin, als bisher
angenommen wurde und liefern Einblicke in Prozesse,
die unter Umständen zu diesem Schwund beitragen.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Zeitplan
zum Abbau beschleunigen
Der Präsident hat heute folgende Maßnahmen angekündigt:
Die Vereinigten Staaten werden die Produktion von
FCKWs und den meisten anderen ozonzerstörenden
Substanzen bereits bis Dezember 1995 - statt bis zum
Jahr 2000 - aufheben, wobei letztere Frist in den
Londoner Zusatzartikeln zum Montrealer Protokoll über
ozonzerstörende Substanzen gesetzt wurde.
Zur kurzfristigen Beschleunigung von Fortschritten hat
der Präsident die US-Industrie aufgefordert, die Produktion von 1992 auf die Hälfte des Stands von 1986
zu reduzieren. Nach den geltenden Gesetzen sind
Herstellern 1992 80 Prozent des Stands von 1986
erlaubt.
Der Präsident hat angekündigt, daß die Vereinigten
Staaten den Zeitplan der Abschaffung von FCKWs
prüfen und jüngste Beweise berücksichtigen wollen,
die die mögliche Notwendigkeit der Beseitigung von
Methylbromid nahelegen.

Seite 1

�Da weniger als 20 Länder die Londoner Zusätze zum
Montrealer Protokoll ratifiziert haben, hat der Präsident andere Länder aufgefordert, mit dem Engagement der Vereinigten Staaten gleichzuziehen, das
erweiterte Protokoll zu ratifizieren und ihre Zeitpläne
für eine Beseitigung entsprechender Stoffe zu beschleunigen.
Im Artikel VI des Gesetzes zur Luftreinhaltung sind für
wichtige Anwendungsbereiche Ausnahmen von der
Beseitigung zugelassen, etwa für Feuerlöscher und
Inhaliergeräte für Asthmatiker. Die neue Politik läßt die
Verfügbarkeit begrenzter Mengen für solche Anwendungsbereiche und die Wartung der in Beirieb findlichen Geräte zu.
Der Präsident hat eine beschleunigte Überprüfung von
FCKW-Ersatzstoffen angeordnet, die die Ozonschicht
in geringerem Umfang schädigen.
Eine Bilanz der jS-Führungsrolle
Politische Maßnahmen. Zum großen Teil aufgrund der
Nutzung innovativer, marktorientierter Mechanismen
wie Gebühren und wiederverkäufliche Boni liegt die
US-Produktion von FCKWs gegenwärtig 42 Prozent
unter dem Stand von 1986 und damit unter der im
Gesetz zur Luftreinhaltung und dem Montrealer Protokoll geforderten Reduzierung. Damit wird eine kontinuierliche Führungsrolle der Vereinigten Staaten zum
Schutz der Ozonschicht demonstriert. Unter anderem
wurden amerikanische Maßnahmen zum Schutz der
Ozonschicht ergriffen.
1978 haben die Vereinigten Staaten einseitig und
freiwillig den Einsatz von FCKWs als Treibmittel in

Spraydosen verboten. Viele Länder nutzen FCKWs
weiterhin für diesen Zweck.
1985 waren die Vereinigten Staaten Vorreiter bei
Bestrebungen zur Unterzeichnung der Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht, dem Vorläufer
des Montrealer Protokolls.
Mit dem Haushaltsgesetz von 1990 haben die Vereinigten Staaten eine Steuer auf die FCKW-Produktion
erhoben, einen Schritt, den noch kein anderes Land
unternommen hat. Die Steuer richtet sich auf das
ozonzerstörende Potential jeder Substanz und bieten
einen Anreiz für die baldige Abschaffung der schädlichsten Substanzen.
Im Februar 1989 war Präsident Bush unter den ersten
Politikern der Welt, die sich für eine vollständige Beseitigung von FCKWs und anderen ozonzerstörenden
Substanzen bis zum Jahr 2000 aussprachen.
Durch die Verabschiedung der Zusatzartikel zum Gesetz
über die Luftreinhaltung von 1990 waren die Vereinig-

ten Staaten das erste Land, das die vollständige
Beseitigung von FCKWs gesetzlich verankert hat.
Die Vereinigten Staaten waren ferner das erste Land,
das in den multilateralen Fonds einzahlte, um den
Entwicklungsländern zu helfen, ihren im Montrealer
Protokoll eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Die Vereinigten Staaten übernehmen volle 25
Prozent der Gelder des Fonds, das Doppelte des
Beitrags jedes anderen Landes.
Die Vereinigten Staaten waren das erste Land der
Welt, das Verletzungen von FCKW-Bestimmungen
strafrechtlich verfolgt hat.
Die wissenschaftliche Führungsrolle
Seit Jahren haben amerikanische Wissenschaftler einen
großen Teil der Wissensgrundlage für den Umgang mit
diesem Problem geliefert. Mitte der siebziger Jahre
haben Forscher der University of Michigan und der
University of California-Irvine erstmalig die Verbindungen zwischen FCKWs und der Zerstörung der Ozonschicht entdeckt und in weiteren Forschungen Ursache und Wirkung aufgedeckt.
Über 100 amerikanische Wissenschaftler haben an
der jüngsten unter der Schirmherrschaft des UNUmweltprogramms (U.N. Environment Programme UNEP) durchgeführten Untersuchung mitgewirkt, unter
anderem Experten der NASA, des Büros für Ozeane
und Atmosphäre, des Umweltschutzamtes, des Energieministeriums und anderer Behörden ebenso wie
der Universitäten und der Privaiindustrie.
Die Arbeit im Rahmen des US-Forschungsprogramms
über globale Veränderungen liefert zusätzliche wissenschaftliche Informationen über das Ozonproblem.
Seit 1990 hat die Regierung Bush die Finanzierung
dieser Arbeit von 659 Millionen Dollar auf 1,1 Milliarden
Dollar angehoben und für das Haushaltsjahr 1993 1,3
Milliarden Dollar gefordert.
Mit Hilfe des Spektrometers zur Ozonkontrolle (Total
Ozone Management Spectrometer - TOMS) und des
Forschungssatelliten für die obere Atmosphäre (Upper
Atmosphere Research Satellite - UARS) haben Wissenschaftler den Umfang und das regionale Ausmaß
der Ozonzerstörung präzise gemessen. Beobachtungsstationen auf der Erde und Modellstudien werden
Einblicke in künftige Ozonverluste geben.
Erst kürzlich ist in den Vereinigten Staaten mit Hilfe
staatlich geförderter Forschung - unter Einsatz des
UARS und amerikanischer Flugzeuge bei der ArktisExpedition zur Untersuchung der Stratosphäre - die
Möglichkeit einer weiteren Zerstörung der Ozonschicht
aufgedeckt worden.

* *

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�AMERIKA

HEUTE
19. Februar 1992

WAS MACHT EINE NATION GROSS?
von Max Lerner
Die Stärken Amerikas können auf die langfristigen revolutionären Veränderungen - in der Vermittlung von Wissen
und in der Telekommunikation - sowie seine das Vorstellungsvermögen der Menschen weltweit fesselnde Rolle
als "Mythos" und seine persönliche Verpflichtung auf das Streben des einzelnen nach Selbstverwirklichung
zurückgeführt werden, schreibt der Autor und umreißt darüber hinaus die bleibenden Herausforderungen.
Max Lerner ist Historiker und politischer Theoretiker. Er ist der Autor von America as a Civilization (Neuausgabe 1987 bei Holt). Sein jüngstes Buch hat den Titel Later Than You Think: The Need for a Militant
Democracy (1988), Neuausgabe mit einer Einführung von James MacGregor Burns und einem Vorwort des
Autors (Transaction Press 1989).
Ein Nachdruck dieses Artikels ist mit folgendem Zusatz gestattet: "Dieser Artikel ist in der Ausgabe Juli 1991
von The World &amp; I, einer Publikation von The Washington Times Corporation erschienen und wird mit
Genehmigung des Verlags nachgedruckt. Copyright (c) 1991.
Eine große Nation erfordert eine große Idee - eine
Idee, die sie beseelt und ihr einen besonderen Charakter verleiht. Amerika hatte eine solche Idee, seit der
Zeit der ersten Siedler aus England und Westeuropa
bis zur jüngsten Welle von Einwanderern.
Dabei handelt es sich um mehr als die Idee von Freiheit
und Rechten des einzelnen, so grundlegend diese
auch sein mag. Was den Ruf des amerikanischen
Mythos begründet und Menschen aus den entferntesten Winkeln der Erde geradezu magisch angezogen
hat, ist die Idee vom eigentlichen Wert individueller
Anstrengungen. Es ist die Überzeugung, daß man es
in Amerika mehr als andernorts durch harte Arbeit und
seine Fähigkeiten im Leben zu etwas bringen kann.
Diese Idee macht Amerika zu mehr als einer Anhäufung individueller Begierden und der Jagd nach gesellschaftlichem Status.
Aber eine Idee ist abstrakt, sie benötigt Fleisch und
Blut sowie Persönlichkeiten, um zum Leben zu erwachen. Vor der Schaffung der Verfassung, in den
achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts, stellte Hector
St. John in seinen Letters f rom an American Farmer
die heute historische Frage: "Was ist denn nun der
Amerikaner, dieser neue Mensch?" Seine Antwort
lautete, er sei "ein neuer Mensch, der nach neuen
Prinzipien handelt".
Über zwei Jahrhunderte danach erscheint es nahezu
als ein Wunder, daß die Welt immer noch diese Frage

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stellt und diese Antwort gibt. Es ist nicht allzu oft
geschehen, daß sich in der Geschichte der Zivilisation
ein "neuer Mensch" herausbildete. Es gab den griechischen Menschen, den römischen Menschen, den
Renaissancemenschen, den westlichen Menschen und
dann "den Amerikaner, diesen neuen Menschen".
Nach 1917 wurde sogar der Versuch unternommen,
einen "kommunistischen Menschen" zu schaffen,
komplett mit einer neuen politischen Religion. Aber er
erwies sich als "der Gott, der scheiterte" und zerfiel
gemeinsam mit dem Zusammenbruch der dem Kommunismus zugrundeliegenden Idee. Der utopische
Traum, der dem Kommunismus den Weg bereitet
hatte, wurde zum Alptraum. Der kommunistische
Mensch war nicht mehr glaubwürdig.
Als Nation ist Amerika immer noch jung. Wenig mehr
als zwei Jahrhunderte sind für eine Nation keine lange
Zeitspanne. China, Indien, Japan, der europäische
Westen - sie alle bestehen bereits viel länger. Aber sie
alle haben auch bedeutende Brüche erlebt, sei es
durch Tyrannei, das Unglück des Krieges, Besetzung
oder Holocaust. Amerika hat die Kontinuität eines
freien Volkes in einer bürgerlichen Gesellschaft mit
verfassungsmäßigen Schutzmechamismen und Rechtsstaatlichkeit bewahrt. Das Element der Dauerhaftigkeit, der Kontinuität inmitten des Wandels, liegt der
Qualität des Optimismus zugrunde, der Amerika von
Anfang an charakterisiert hat.

Seite 1

�Kann dies von Dauer sein? Die Antwort lautet, daß
Amerika eine Abfolge beängstigender Herausforderungen im Innern überlebt hat. Der "neue Mensch" hat
sich rücksichtslos über die Indianer und ihren Lebensstil hinweggesetzt, die den Fortgang der Besiedelung
behinderten. Bei der Bewältigung des Krebsgeschwürs
der Sklaverei als Institution wurde die Nation vom
Bürgerkrieg fast zerrissen. Die Agonie der Reconstruction hinterlie ß im Süden ebenso wie im Norden ein
Vermächtnis lokalpatriotischer und rassischer Bitterkeit. Das "Ende der Grenze" in den neunziger Jahren
des 19. Jahrhunderts erschien vielen als Ende des
amerikanischen Raums für Expansion und -'oshalb als
"Ende der Geschichte". Dies trat jedoch nicht ein.
Die Nation mußte jedoch noch weitere traumatische
Erfahrungen verarbeiten. Mit der Jahrhundertwende
und der beschleunigten Einwanderung entwickelte
sich in Amerika Fremdenfeindlichkeit gegen eine
Überflutung mit "Ausländern". Nach den Auseinandersetzungen über Woodrow Wilsons Völkerbund kam es
zu einer starken Welle des Isolationismus. In den
dreißiger und vierziger Jahren bildeten die Große
Depression, der New Deal und die unmittelbare Bedrohung durch die Nazis eine dreifache Herausforderung,
die die amerikanische Idee auf eine harte Probe stellte.
Die sechziger Jahre mit der Ermordung Kennedys und
dem "Vietnam-Syndrom" verursachten zahlreiche
Traumata. Die siebziger Jahre waren vom WatergateSchock und der Geiselnahme in Teheran geprägt, und
in den achtziger Jahren kam es zur Iran-Contra-Aff äre.
Dies ist alles andere als eine Idylle. Ein freimütiger
Historiker könnte es kaum als Saga einer glücklichen
Republik bezeichnen. In den zwei Jahrunderten seiner
Existenz als Nation hat Amerika eine stürmische historische Entwicklung durchgemacht. Allein in diesem
Jahrhundert erlebte es als Präsidenten eine Reihe
mächtiger Varianten von Macchiavellis Fürst, von den
beiden Roosevelts in der ersten Hälfte des Jahrhunderts bis zu Harry Truman, Dwight Eisenhower und
John Kennedy um die Jahrhundertmitte sowie Ronald
Reagan und George Bush in den achtziger und frühen
neunziger Jahren. Aber wie Harvey Mansfield Jr.
einmal feststellte, war die Geschichte der Präsidenten
auch stets von der "Zügelung des Fürsten" gekennzeichnet, die eine Beschneidung der Macht der Exekutive zur Folge hatte.
Für eine große Nation kann die Reise durch die Geschichte nicht reibungslos verlaufen. Aber trotz der
Tumulte resultiert die Stärke Amerikas zu einem großen Teil aus der Tatsache, daß es die großen politischen und moralischen Katastrophen vermeiden konnte, von denen Europa erfaßt wurde. Sie entstanden
aus der Geißel des Kommunismus, der Kierkegaardschen "Krankheit bis zum Tode" Europas unter den
Nazis, dem radikalen Unheil des Holocaust.

QoitQ O

In America as a Civilization (1957, Neuausgabe
1987) habe ich diese Abweichung vom Weg Europas
als "amerikanischen Sonderweg" bezeichnet. Wäre
Amerika dem europäischen Weg gefolgt, hätte es
keine große Nation bleiben können. Glücklicherweise
verfolgte es seinen eigenen Weg - mit allen Fehlern,
Traumata, schöpferischen Taten. Walt Whitman wußte
dies bereits sehr früh, wie er in seinem leidenschaftlichen Credo mitteilte, das er öffentlich an Ralph Waldo
Emerson richtete: "Meister, ich bin ein Mensch des
völligen Vertrauens. Meister, wir haben nicht Jahrhunderte, Kasten, Heroismen, Freiheiten überdauert, um
heute in diesem Land innezuhalten!"
Auch in der heutigen Zeit gibt es in Amerika kein
Innehalten. Ich sage dies trotz der Vielzahl innerer
Verletzungen, von denen die Nation blutet. Sie sind
uns heute nur zu vertraut: Drogen, Verbrechen, verkommene Städte, massive Defizite, der Angriff auf die
Familie, ein Schulsystem, das in Leistungsdefiziten
und Gewalt versinkt, ein Gefühl ethnischer Ungerechtigkeit, der Verfall traditioneller Werte.
Es ist jedoch eine auffällige Tatsache, daß zu keiner
Zeit in der Geschichte Amerikas zeitgenössische Kritiker Schwierigkeiten hatten, ein vergleichbar beängstigendes Szenarium scheinbar unlösbarer Probleme
zu konstruieren. Sie gehören zum Wesensgehalt der
Demokratie. Die Frage lautet nicht, ob sie existieren das tun sie -, sondern ob in Kultur und Gesellschaft
Stärken vorhanden sind, derer sich die Amerikaner zu
ihrer Lösung bedienen können.
Eine Nation universeller Prägung
Eine Methode, um diese Frage zu beantworten, ist die
Untersuchung des Auf und Ab langfristiger revolutionärer Veränderungen, die Amerika umgestaltet und
seine neuen Konturen geprägt haben.
Die zentrale und fortdauernde Veränderung ist die
Revolution des Wissens, die eine neue Kategorie des
Wissens und eine neue Computer- ("Informations"-)
Sprache und Bildung hervorgebracht hat. Selbst die
schärfsten Kritiker Amerikas haben sein kreatives
wissenschaftliches Klima als eine der primären Komponenten seines historischen Rangs anerkannt. Andere
Nationen - Japan, Deutschland, Korea - haben die
Fähigkeit bewiesen, die wissenschaftlichen Errungenschaften Amerikas zu nutzen und sie in äußerst konkurrenzfähige Technologien umzusetzen. Aber die
Kombination von Wissenschaft und Technik - von
Griechenland und Rom - verleiht Amerika eine beispiellose Rolle.
Genau das ist es, was das sinkende Niveau des
naturwissenschaftlichen Unterrichts und der damit
verbundenen Fähigkeiten im heutigen amerikanischen
Schulsystem zu einem solch prägnanten Paradoxon

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�macht. In diesem Bereich ist die Größe Amerikas
besonders verwundbar geworden. Die Bedrohung gilt
nicht nur der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit
auf den Weltmärkten, sondern auch der beständigen
empirischen Innovationstätigkeit, die Amerika seit den
Tagen Benjamin Franklins, Thomas Jeffersons und
der ersten Werkzeugmacher unter den Yankees charakterisierte.
Die zweite gro ße Revolution - Telekommunikation - hat
eine Debatte über ihre Auswirkungen auf den Zustand
und Erfolg amerikanischer Kultur entfacht. Sie hat
dazu geführt, daß alles, auch Nachrichten und Kultur,
für jedermann sofort verfügbar sind. In diesem Sinne
verbindet sie die Nation in einem kollektiven Bewußtsein, das von einer Mode zur anderen, von einem
Skandal zum nächsten treibt und sich an ständig
wechselnden Prominenten orientiert.
Sie macht eine bereits fieberhafte Kultur noch fieberhafter, treibt sie dem Vergänglichen eher entgegen als
dem Dauerhaften. Dies bringt eine zweifelhafte Verlagerung mit sich - statt Arbeitsethos bezahltes Vergnügen, statt Produktivität und Sparen wird Konsum und
Geldausgeben propagiert, anstatt daß eine Kultur von
Helden gefeiert wird, werden Stars aus der Unterhaltungsbrache imitiert.
Diesen Ausführungen muß ich etwas hinzufügen, was
langfristigere Auswirkungen zeitigen könnte. Der
demokratisierende Effekt der amerikanischen Medien
auf Ereignisse in der Welt tritt überall zutage. Die
Medien haben Amerikas anregende Idee auf der ganzen
Welt verbreitet - daß Menschen, nicht unpersönliche
"Kräfte", Geschichte machen, indem sie die Gestaltung ihres persönlichen Schicksals selbst in die Hand
nehmen. In diesem Sinne sind die amerikanischen
Medien eine weltumspannende Lingua franca von
China über Warschau bis Pretoria, von Moskau und
Berlin bis zu den Hauptstädten des Nahen Ostens
geworden.
Zur gleichen Zeit, da Amerika von seinem vielzitierten
"Niedergang" einem unzweifelhaften Aufstieg entgegengeht, hat es auch an "Mythos" gewonnen. Ich
meine das in einem tieferen Sinn, der die Phantasie der
Menschen auf der ganzen Welt einbezieht, auf viele
magische Anziehungskraft ausübt und Feinden wie
Neidern als Zielscheibe dient.
Die Dimension des Mythos läßt sich noch stärker auf
die neueste Welle von Einwanderern in Amerika
anwenden, die sich von diesem Land angezogen fühlen, um Armut, Tyrannei oder beidem zu entrinnen. Mit
der Zeit wird eine neue Ausrichtung der Einwanderungspolitik erforderlich werden, die sich auf diejenigen mit den Fähigkeiten und der Ausbildung konzentriert, die Amerika am dringendsten benötigt. In der
Zwischenzeit übernehmen die Medien die Aufgabe,
Neuankömmlinge in das amerikanische Leben zu inte-

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grieren und das zu bilden, was Ben Wattenberg ein
Amerika genannt hat, das "die erste Nation universeller Prägung" wird.
Aber auch eine ausgesprochen persönliche, die das
Streben des einzelnen nach Individualismus unterstützt. Tatsächlich ist die Aufteilung zwischen dem,
was für das Leben des einzelnen gut ist und dem Wohl
der Allgemeinheit dient, falsch. Von den frühen Siedlern bis zur jüngsten Flut von Einwanderern haben die
- von Tocqueville so genannten - "Gewohnheiten des
Herzens" an das Überleben eines jeden Menschen das
Überleben aller geknüpft. Bei der schwierigen Durchführung des Lebens haben sich Individualismus und
Unterstützung als Notwendigkeit für eine starke Nation
erwiesen.
Wir müssen hier zwischen zwei Arten von Individualismus unterscheiden, die oft durcheinander gebracht
werden. Eine ist die Betonung der Individualität nach
Emerson, die ihren Ausdruck in Selbstbewußtsein und
Selbstvertrauen findet. Die andere übt sich in Aufgeblasenheit und Selbstverherrlichung. Dem "Ich" wird
es ermöglicht und sogar notwendig gemacht, Teil des
"Wir" zu werden. Das andere ist das imperiale Ego,
Kennzeichen der "Ich-Generation" in den siebziger
und frühen achtziger Jahren.
In den neunziger Jahren entdecken Amerikaner wieder, daß das "Wir" das "Ich" übertrifft, obwohl sie ein
gesundes Selbstbewußtsein beibehalten. "Vereinfacht, Vereinfacht!" war Henry David Thoreaus Einwurf bereits in einem Zeitalter, da das Leben wesentlich weniger komplex war als heute. Nach dem Konkurrenzdenken und dem auffallenden Überfluß der
achtziger Jahre streben die Amerikaner in den neunziger Jahren ein einfacheres Leben an, das ihnen Zeit
sowohl für Einsamkeit als auch für Gesellschaft läßt,
ferner für die Fortsetzung einer Arbeitsethik in einem
Kontext enger Familienbindungen und die Erziehung
einer neuen Generation mit Hilfe traditioneller Werte,
die in Gefahr sind, in Vergessenheit zu geraten.
Die Familie ist der Schlüssel
Wenn im Amerika der neunziger Jahre eine Wiederbelebung von Werten stattfinden soll, dann sind die
Bestandteile dafür bereits vorhanden und warten darauf, zusammengeführt zu werden. Man geht davon
aus, daß ein zu hektischer wirtschaftlicher Wettbewerb zu einem ausgebrannten Leben führt. Man
macht sich keine Illusionen überzu starken Dirigismus,
was ein Neuaufleben von privatem Engagement zur
Folge hat - Gleichgesinnte schließen sich für eine
gemeinsame Sache zusammen -, das Tocqueville als
charakteristisches Merkmal Amerikas betrachtete. Da
die politischen Parteien immer weniger Einfluß haben
und die Bundesregierung immer stärker zu einem
Leviathan wird, will dieser vom einzelnen ausgehende
Impuls des Zusammenschließens den Einfluß unper-

Seite 3

�sönlicher Kräfte auf verletzbare Menschenleben
dämpfen. Als George Bush dies mit dem Begriff
"Tausend Punkte des Lichts" umschrieb, zeigte der
Grad der Reaktion, daß er damit bei den Amerikanern
einen Nerv getroffen hatte.
Anfang des Jahrhunderts schrieb der Ökonom Joseph
Schumpeter über die "kreative Zerstörung", die der
Kapitalismus hinterläßt, wenn er alte Technologien
und Ineffizienz zerstört. Die Nebenwirkungen technologischer Veränderungen lassen sich auch in Form
von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, zerstörten Karrieren und ruinierten Menschenleben beschreiben.
Für diejenigen, die an der Beseitigung dies„. Zustände
mithelfen können, ist dies eine Möglichkeit, sich gebraucht und nützlich zu fühlen. Die Sorge für andere
kann dem Leben mehr Sinn geben und die beste Form
der Therapie sein.
Es gibt jedoch starke Anzeichen dafür, daß Amerikaner ihr Vertrauen auf eine andere und kleinere Gemeinschaft konzentrieren - ihr Zuhause. Sie ziehen
sich darin zurück als den Hafen von Kontinuität in
stürmischen Zeiten ständigen Wandels. Viele betrachten es als Refugium vor der Hetzjagd eines
qualvollen Wettbewerbs, Konsumterror und einem
Jahrmarkt der Eitelkeiten voller Statussymbole. Was
auch die Motive sein mögen, es gibt einen deutlich
erkennbaren Trend - kurz- oder langfristig - zu einer
neuen Ausrichtung von Energien, bei der die Bestreitung des Lebensunterhalts nur Teil einer größeren
Anstrengung ist, das Leben zu meistern.
Eine Kultur, bei der das Zuhause im Mittelpunkt steht,
bedeutet für die meisten Amerikaner eine familienorientierte Kultur. Diese gewinnt an Bedeutung, wenn
man sich die Angriffe vor Augen führt, denen die
Familie in den letzten 25 Jahren ausgesetzt war,
beginnend mit der Kulturrevolution der sechziger Jahre.
Wir erkennen zunehmend, wie zentral die Auflösung
der Familie für das Auftreten eines ganzen Komplexes
von Problemen war, die in den Städten auftraten. Mit
dieser Erkenntnis kam die Abwendung von den Riesenstädten, den Straßen, in denen Gewalt und den
Schulen, in denen Drogen regieren.
Dies könnte auch die gegenwärtige Rückkehr zu Heiraten in jüngeren Jahren erklären, insbesondere bei
Frauen, die ihren Kinderwunsch nicht mehr aufschiebenwollen. Das bedeutet weniger Scheidungen, mehr
zweite Ehen und erneut ein Amerika, in dem Kinder im
Mittelpunkt stehen. Damit einher geht eine starke
Entschlossenheit zum Wiederaufbau eines Schulsystems, das zum Konkursverwalter einer auseinanderfallenden Familie und Gemeinschaft wurde und von
den sämtlichen Verirrungen der Gesellschaft zersetzt
wird.
Der Wiederaufbau der Schulen wird jedoch die Auseinandersetzung mit einem verzerrenden Paradox mit
sich bringen. Eine starke Nation muß ihre jungen

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Bürger irgendwie mit den neuen Fähigkeiten und Einsichten ausstatten, damit sie neuen Technologien
gewachsen sind, ihnen aber auch die Sicherheit traditioneller und erwiesener Werte vermitteln, unter anderem Arbeitsethos, persönliche Integrität sowie die
Bereitschaft zu Opfern und Engagement. Die Familie
bleibt das, was sie seit dem Start der Republik ist - der
Schlüssel zur Erziehung, weil sie der Schlüssel zur
frühen Verinnerlichung von Werten und zum Zusammenhalt der Gesellschaft ist.
In den sechziger Jahren wurde der Ruf nach "Befreiung" laut, von Zwängen, Einschränkungen und Bindungen. Übrig blieb nur ein atomistischer Hedonismus, der dieser Zivilisation nicht besser gedient hat als
früheren. Ich erkenne jetzt eine andere Art von Hunger
- den Hunger nach Bindungen. Ich benutze diesen
Begriff im Sinn langfristiger Bindungen, die Liebe,
Wünsche, Geschlechter, Kinder, Familien und die
Gemeinschaft durch eine große Kette der Zugehörigkeit verbinden. Ich möchte hinzufügen, daß dies eine
Kette ist, deren schwächstes Glied sie zerbrechen
kann. Dieses Glied ist die Abspaltung von Gruppen,
insbesondere an den Universitäten, die jetzt als "kulturelle Vielfalt" gelten. Amerika war immer pluralistisch,
eine "Nation von Nationen". Aber es gibt eine starke
Tendenz, es in eine Herrschaft einander feindlich
gegenüberstehender Aktivitäten einzelner Völkergruppen umzuwandeln. Wenn das imperiale Ego der
siebziger und achtziger Jahre eine schlechte Medizin
war für das, was Amerika weh tat, wäre oin Mischmasch imperialer Gruppenegos in den neunziger Jahren
noch schlimmer. Rückgratloses Scheitern von Hochschullehrern und -Verwaltungen bei ihrer Bekämpfung
würde zu einem Verrrat an den Hochschulen führen.
Es kann ein ethnisches Bewußtsein geben, das die
Nation spaltet oder eines, das ihr hilft, zusammenzuhalten. Der Kampf zwischen beiden, manchmal sogar
als miteinander kämpfende Kräfte in derselben Brust,
wird über die Zukunft und ihre Richtung entscheiden.
Das gilt auch für die große Flut religiöser Gefühle, die
die achtziger Jahre bestimmt haben und in den neunziger Jahren keine Anzeichen für einen Rückzug zeigen. Davon ist keine etablierte Religionsgemeinschaft
unberührt geblieben. Bis jetzt hat sie nicht die trennende Wand zwischen Kirche und Staat durchbrochen, die
amerikanische Freiheiten unterstützt. Die verfassungsmäßigen Schutzmechnismen bleiben bestehen. Die
grundlegende Herausforderung gilt nicht der Freiheit
sondern der stark weltlichen Orientierung, wie sie
immer noch in Europa vorherrscht und es damit von
einem religiös orientierten Amerika abgrenzt.
Man sollte das, was in Amerika vorgeht, als weniger
und mehr als eine Auferstehung der Religion betrachten. Ich ziehe es vor, es als Rückkehr zu einem Sinn
für Sakrales zu betrachten - Ehrfurcht und Verbeugung
vor Mysterien, die unser Verständnis übersteigen und

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�dennoch die Lebensführung bestimmen. In diesem
Sinne dient die Rückkehr zum Sakralen als Basis einer
Innerlichkeit, die organisierte Religion übersteigt, die
Heiligkeit aller Rituale des täglichen Lebens und der
Bindungen anerkennt, die wir zu anderen Menschen
eingehen, mit denen wir nicht verwandt sind.

Es handelt sich auch um Bindungen mit der Ökologie
der Erde selbst und dem Platz des Menschen und des
zivilisierten Lebens in der Natur. Amerikaner könnten
daraus lernen, daß ein Volk nicht groß sein kann, wenn
es nicht die Bindungen wertschätzt, die es nicht nur
untereinander vereint sondern auch mit ihrem Lebensraum auf der Erde, den Gott ihnen gegeben hat, um ihn
zu "pflegen und zu bewahren".

* * * * *

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�WAHLEN

'92
19. Februar 1992

BUSH HOFFTAUF ERNEUERUNG
SEINES MANDATS
Porträt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bush
WASHINGTON - (AD) - Die Aussicht auf einen weiteren Wahlkampf ist genau das richtige für Bushs Konkurrenzdenken. "Ich kann es nicht erwarten", erklärt er,
den Angriff gegen die politischen Gegner aufzunehmen, die "den Präsidenten demontieren wollen". Der
Wahlkampf hat tatsächlich begonnen - mit fünf Demokraten, die die Nominierung durch ihre Partei anstreben, um gegen Bush anzutreten und einem überzeugten Konservativen, Patrick Buchanan, der Bush die
Nominierung durch die Republikanische Partei abringen will. Bush strebt bei der allgemeinen Wahl am 3.
November 1992 eine zweite vierjährige Amtszeit im
Weißen Haus an, wenn er erwartungsgemäß im August erneut nominiert wird. Bush bekundet offen, daß
er seine Stärke - die Außenpolitik - in den Vordergrund
stellen will, obwohl er eine zunehmend aktive Rolle
beim Umgang mit der desolaten Wirtschaft übernimmt.
Indem er die Wähler bittet, auf den Beginn seiner
Amtszeit im Jahr 1989 zurückzublicken, erinnert der
Präisdent sie daran, daß die Welt damals "in einen
enormen Kampf verwickelt war, den man als nukleares
Patt bezeichnen könnte" und fügt hinzu, heute "haben
wir sehr viel mehr Grund zur Dankbarkeit", nicht zuletzt
für den "Weltfrieden... Es ist gut, daß meine Enkelkinder ... mit weniger Furcht vor Nuklearwaffen aufwachsen können." Der Präsident fügt hinzu, heute "ist der
kalte Krieg (mit) einem großen Sieg für diese Nation
beendet."
Nicht nur der kalte Krieg ist vorüber, der Präsident ist
auch der anerkannte Führer internationaler Bestrebungen, mit denen Saddam Husseins Aggressionsversuch vereitelt wurde, Washington ist der Katalysator dabei, Israel und seine arabischen Nachbarn an
den Verhandlungstisch zu bringen, und die amerikanischen Beziehungen zu einem Großteil der Welt sind
ausgezeichnet.
Da Frieden und Wohlstand stets stimmenträchtige
Themen für amerikanische Präsidenten waren, ist
Präsident Bushs Betonung der radikalen Veränderungen der vergangenen vier Jahre verständlich. Seine

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Gegner wollen die Wähler auch an 1988 erinnern,
konzentrieren sich jedoch auf das wirtschaftliche
Wohlergehen der Amerikaner.
Buchanan und die fünf demokratischen Herausforderer - sowie die Medien - führen den Wählern vor Augen,
daß Bush ihnen 1988 rundweg versprochen hat, es
werde ihnen wirtschaftlich besser gehen, wenn er
gewählt würde. Er versprach ferner, daß seine Administration die Schaffung von 30 Millionen Arbeitsplätzen in fünf Jahren übernehmen werde. Bush ist der
erste Präsident in über 20 Jahren, in dessen Amtszeit
sich die Kaufkraft des Durchschnittsamerikaners - um
rund 2 Prozent - verringert hat. Über 8 Millionen
Amerikaner sind arbeitslos, und die Bush-Administration kann nur die Schaffung von 1,8 Millionen Arbeitsplätzen in den ersten drei Jahren ihrer Amtszeit für sich
in Anspruch nehmen.
Vielleicht mit diesen Zahlen vor Augen versucht der
Präsident die Erinnerung der Wähler an die bemerkenswerteste Leistung des vergangenen Jahres - die
Versammlung der Golfkoalition - mit dem Kampf zur
Behebung der wirtschaftlichen Misere in Verbindung
zu bringen. Bush erklärte wiederholt, er wolle sein
Streben nach wirtschaftlichem Aufschwung mit der
Einstellung untermauern, von der die Operation Wüstensturm geleitet gewesen sei. Im Hinblick auf Wüstensturm stellt er fest: "Das Land hat etwas unter
Beweis gestellt, das wir seit dem Zweiten Weltkrieg
verloren hatten: Wir kamen im Krieg zusammen, und
wir kamen im Sieg zusammen. Dies hat dem Land
Auftrieb gegeben. Ich möchte diese Einstellung nehmen - die Haltung, wir schaffen es - und sagen, 'mal
sehen, ob uns dasselbe auch mit unserer Wirtschaft
gelingt.'"
Um dieses Ziel zu verwirklichen, schlägt Präsident
Bush einen Aktionsplan vor, von dem er sich die
Wiederbelebung der stagnierenden US-Wirtschaft
erhofft. Kernstück dieses - in seinem Bericht zur Lage
der Nation am 28. Januar 1992 angekündigten -

Seite 1

�Maßnahmenpakets sind einige neue und einige in den
vergangenen Jahren vorgeschlagene, vom Kongreß
jedoch abgelehnte Steuersenkungen. Der Präsident
fordert ferner einschneidende Kürzungen bei den
Verteidigungsausgaben - weitere 50 Milliarden in den
nächsten fünf Jahren. Er verspricht, sich bei seinem
Etatentwurf an die Haushaltsvereinbarung von 1990
zu halten, die die Aussetzung von Steuersenkungen
und Ausgabenzuwächsen fordert, um einen weiteren
Anstieg des Defizits zu verhindern.

Monaten besonderen Wert auf die Feststellung gelegt,
daß ein internationales Abkommen über die Öffnung
von Märkten eine potentielle Zunahme amerikanischer
Arbeitsplätze bedeutet, da die amerikanischen Exporte steigen.
Aus diesem Grund hat der Präsident verschärft auf
Siege bei Handelsfragen gesetzt, bis hin zu dem
Abkommen über die Öffnung von Märkten mit Japan
für Computer, Glas, Papierprodukte und Autos sowie
die in der Uruguay-Runde erörterten Maßnahmen zur
Liberalisierung des Handels. Er befürwortet ferner ein
Freihandelsabkommen mit Mexiko, mit dem eine
Nordamerikanische Freihandelszone geschaffen würde, da Kanada teilnimmt.

Der Präsident weist Anschuldigungen zurück, er habe
sich zu ausgiebig der Außenpolitik gewidmet. Er
erklärt, er habe "ein anhaltendes Interesc. an Innenpolitik" und entkräftet die Voi würfe mit der Feststellung, "wir befinden uns im Wahljahr und da hört man
alle möglichen Behauptungen und Gegendarstellungen".

Sieg oder Niederlage - Bush könnte sehr wohl der
letzte Angehörige der Generation des Zweiten Weltkriegs sein, der als Präsident dient. Keiner seiner
erklärten Gegner war alt genug, um in dem zu dienen,
was häufig als der "letzte gute Krieg" - der Kampf zur
Ausrottung des Faschismus in Deutschland und Japan
- beschrieben wurde.

Seiner Ansicht nach erkennen die Amerikaner "sein
Engagement", P'CH der Innenpolitik zu widmen. "Ein
Teil dieses Engagementsfürdie Innenpolitik", erläutert
er, "wurde durch die phantastischen Veränderungen in
den Hintergrund gedrängt, die auf der Welt stattgefunden haben. Wenn Sie auf meinen Terminkalender
blicken... werden Sie feststellen, daß dieses Engagement stets vorhanden war..."

Der Präsident war einer der jüngsten Kampf piloten der
US-Marine, der von der USS San Jacinto aus Torpedobomber zum Kriegsschauplatz im Pazifik flog. Am
Ende des Krieges schrieb er sich an der Universität
Yale ein und machte im Jahr 1948 seinen Abschluß in
Wirtschaftswissenschaften. Zwei Amtsperioden lang
war Bush Abgeordneter im Repräsentantenhaus, verlor den Kampf um einen Sitz des Bundesstaates Texas
im US-Senat und war von 1971 bis 1972 Ständiger
Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen. 1973 und 1974 führte er den Vorsitz des
Nationalen Ausschusses der Republikaner und 1974
und 1975 war er Leiter des US-Verbindungsbüros in
Peking. Im darauffolgenden Jahr wurde er Direktor
des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA.

Beim Handel hat Bush das beste Argument, indem er
die Außenpolitik und innenpolitische Erwägungen sowie
die Gesundung der Wirtschaft miteinander in Verbidung bringt. Die Botschaft des Präsidenten lautet, der
von Buchanan und einigen Demokraten befürwortete
Protektionismus sei ein Schuß, der nach hinten losgeht, da er die überseeischen Märkte für amerikanische Produkte eingrenze und damit zu weiterer Arbeitslosigkeit führe. Bush würde die Nation auch auf
einen anderen Kurs führen mit dem Versprechen, für
"ein ausgewogenes Aktionsfeld" im internationalen
Handel zu kämpfen und sicherzustellen, daß der
amerikanische Arbeitnehmer bessere Produkte produzieren und sie stärker absetzen kann, wenn der
Handel frei und fair ist.

In seiner Funktion als Vizepräsident von 1981 bis 1989
bereiste Bush im Auftrag von Präsident Reagan 74
Länder.
Bush und seine Frau Barbara haben vier Kinder und 10
Enkelkinder.

Bush hat sehr empfindlich auf den Vorwurf reagiert, er
widme außenpolitischen Belangen zuviel Zeit und
Aufmerksamkeit und hat in den vergangenen drei

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�W A H L E N '92
19. Februar 1991

IN NEW HAMPSHIRE GEFÄLLT
DAS SYSTEM DER VORWAHLEN
Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten
CONCORD (NEW HAMPSHIRE) - (AD) - Ideologisch Meilen voneinander entfernt, aber eigentlich nur acht
Haustüren auf der gegenüberliegenden Stra ßenseite vom Sitz des Gouverneurs voneinander getrennt, sind sich
die Republikanische und Demokratische Partei New Hampshires in ihrer Bewertung des Systems der Vorwahlen für das Präsidentenamt in ihrem Bundesstaat ziemlich einig: es gefällt ihnen.

Wie andere im Bundesstaat auch, gestehen sie ihm
Schwachstellen und Eigenarten zu, sind aber der
Meinung, es funktioniere im großen und ganzen gut.
Die lokalen Parteien verhalten sich den Kandidaten
gegenüber neutral. Noch spielen sie nur eine unterstützende Rolle. Im Hinblick auf die Logistik räumen
sie den Kandidaten Platz in ihren Informationsblättern
und Veranstaltungsprogrammen ein. Darüber hinaus
interagieren sie mit den Kandidaten - landesweit prominenten Persönlichkeiten - und den Medien, wobei
sie versuchen, den Mitarbeitern der Kampagne des
Kandidaten das Terrain zu bereiten. Dem demokratischen Parteivorsitzenden Chris Spirou zufolge liegt
hier die Idee zugrunde, "zu versuchen, Harmonie zu
erhalten, so daß wir uns nach den Vorwahlen für das
Präsidentenamt auf die Durchführung der Wahlen im
Bundesstaat konzentrieren können".
Spirou, seit vielen Jahren Politiker in New Hampshire,
hat in seinem Bundesstaat viele Vorwahlen erlebt, die
er als "politisches Labor (betrachtet), in dem die Ideale
und die Ausdauer der Kandidaten alle vier Jahre
getestet werden".
Ihm zufolge handelt es sich hierbei um ein gut funktionierendes System, in dem die Politik von der Basis
ausgeht. 1952, als junges Mitglied des Parlaments,
arbeitete er an der Verabschiedung des Gesetzes mit,
nach dem die Vorwahlen in New Hampshire jeweils die
ersten im Land sein sollten.
"Ursprünglich fanden unsere Vorwahlen am ersten
Dienstag im März statt, damit sie auf den Tag der
Stadtratssitzung fielen," erklärt Spirou. "Aber bereits
1974 haben die anderen Bundesstaaten erkannt, daß

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New Hampshire ungeheuren Einfluß auf den Präsidentschaftswahlkampf hat und suchten die Termine
für ihre Vorwahlen vorzuverlegen." Schrittweise, so
Spirou, haben "wir dann auch unsere vorverlegt".
Jetzt finden die Vorwahlen in New Hampshire am
dritten Dienstag im Februar statt und Spirou zufolge
besteht eine Abmachung mit der nationalen Parteiebene, daß nicht mehr versucht wird, dies zu ändern.
Spirous republikanischer Amtskollege ist ebenfalls der
Meinung, daß das System gut funktioniert. Es ist
einmalig, erklärt die Vorsitzende der Republikanischen
Partei, Rhona Charbonneau, weil "Kandidaten auf die
Straße gehen, mit den Menschen reden und ihnen
dabei in die Augen schauen müssen". Das erwarten
die Menschen in New Hampshire mittlerweile, und sie
werden die Kandidaten nicht als ehrlich empfinden,
wenn sie ihnen nicht ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit schenken, erläutert Charbonneau.
Charbonneau - ebenfalls Abgeordnete im Parlament
des Bundesstaats vor Übernahme ihrer Position in der
Partei - erklärt, das System der Vorwahlen im Bundesstaat wird auch in Zukunft in seiner gegenwärtigen
Form bestehen, weil die Kandidaten das Gefühl haben, in New Hampshire gewinnen zu müssen. Der
Grund? "Aberglaube und Tradition", glaubt sie.
In vielen Staaten muß ein Kandidat, der auf dem
Stimmzettel für die Vorwahl erscheinen möchte, zunächst von seiner Partei in dem betreffenden Bundesstaat die Genehmigung dazu einholen. Das gilt jedoch
nicht für New Hampshire, wo dieses Jahr eine Rekordzahl von 63 Namen auf dem Stimmzettel steht. Ein
Bürger muß lediglich einen einseitigen Antrag ausfül-

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�len und eine Gebühr von 1.000 Dollar bezahlen, so
Wahlleiter Bill Gardner. "Es ist leicht, auf dem Stimmzettel aufgeführt zu werden. Wir meinen, daß wir
verpflichtet sind, Exklusivität auszuschließen." Das
Büro des Wahlleiters in Concord ist für den Druck der
Stimmzettel und deren unversehrte Lieferung an 297
Städte und Gemeinden in New Hampshire zuständig.
Es wird allgemein angenommen, daß viele Stimmberechtigte den ersten Namen auf der Liste wählen, und
da sich dieses Jahr bei den Republikanern und Demokraten gleichermaßen so viele Kandidaten zur Wahl
stellen, hat Gardner dieses Mal ein Rotationssystem
angewandt. Auf Stimmzetteln an verschiedenen Orten in New Hamshire erscheinen belspb.c-.veise die
Namen der demokratischen Kandidaten Bill Clinton
und Paul Tsongas an verschiedenen Stellen.
Wenn die Funktionsweise der Vorwahl in New Hampshire überhaupt kritisiert wird, dann wegen der Rolle
der Medien bei der Berichterstattung darüber, erklärt
Robert Hackey, ci.i Politologe am St. Anselm College
in Manchester.
Hackey zufolge neigen die Medien dazu, die Vorwahl
wie ein Pferderennen zu betrachten und sie ebensosehr im Hinblick auf gefühlsmäßige Reaktionen wie auf
die wirklichen Resultate zu analysieren. Schneidet ein
Kandidat besser als erwartet ab - selbst wenn er noch
nicht einmal zweiter oder dritter wird -, so wird ihm
dieses Ergebnis Hackey zufolge "Auftrieb" verleihen
und seinen Bekanntheitsgrad vor der nächsten Vorwahl in einem anderen Staat erhöhen. Medienberichte
jedoch, wonach ein Kandidat weniger Stimmen erhalten hat als erwartet, können einen negativen Schneeballeffekt hervorrufen. "Ob zu Recht oder zu Unrecht,
es wird so betrachtet, als ob damit ein Kandidat gemacht oder erledigt wird", stellt Hackey fest.

Dies traf bei mehreren Vorwahlen der Vergangenheit
zu, meint ein anderer Politologe, Professor Bob Craig
von der University of New Hampshire in Durham. Craig
verweist darauf, daß Präsident Truman im Jahr 1952
die Vorwahl gegen einen demokratischen Konkurrenten verlor und danach beschloß, nicht zur Wiederwahl
zu kandidieren.
Ähnliches geschah im Jahr 1968 mit Präsident Johnson. Er gewann zwar die Vorwahl in New Hampshire,
aber wie Craig feststellt, war sein Vorsprung gegenüber dem damaligen Senator Eugene McCarthy so
gering, daß sein Erfolg als Niederlage gewertet wurde.
Auch Johnson beschloß schließlich, nicht mehr zu
kandidieren.
Im Jahr 1972 galt Senator Edmund Muskie allgemein
als Favorit. Auch er gewann in New Hampshire, jedoch
mit einem solch kleinen Vorsprung, daß sein Sieg als
Niederlage aufgefaßt wurde und er später aus dem
Rennen ausschied, so Craig.
Wie sich das Rennen im Jahr 1992 entwickeln wird,
steht wenige Tage vor der Abstimmung noch in den
Sternen. "Es gibt dort noch eine Menge unentschlossener Wähler, und sie haben viel Zeit, um ihre Meinung
zu ändern", meint Craig.
Der Wahlexperte bei der Zeitung Concord Monitor,
Michael Birkner, meint, bei den Demokraten sei das
Rennen "offen. Der Gouverneur von Arkansas, Bill
Clinton, hat seine Spitzenstellung in den Meinungsumfragen eingebüßt, aber die Schwankungsbreite unter
den Wählen ist hoch." Bei den Republikanern hat sich
Birkner zufolge "die Diskussion weniger darauf konzentriert, wer gewinnen wird, sondern darauf, wieviele
Prozent Pat Buchanan erringen muß, um seine Abtrünnigenkampagne weiterzuführen und dem Präsidenten weh zu tun".

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