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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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6

Library Services
Deichmanns Aue 29
5300 Bonn 2

12. Februar 1992

WEHRKUNDETAGUNG

REDE VON VIZEPRÄSIDENT QUAYLE BEI DER
WEHRKUNDETAGUNG IN MÜNCHEN

GUS-HILFE

BAKER: "PROJEKT HOFFNUNG"
INVESTITION IN STABILITÄT
Erklärung am Frankfurter Flughafen

GUS

HUMANITÄRE HILFE DER USA AN DIE
GUS ANGEROLLT
Rede von Außenminister Baker
vor dem Kongreß

UMWELT

USA BEREIT ZUM ENTWURF EINES PLANS
ZUR KONTROLLE VON TREIBHAUSGASEN
Interview mit Robert Reinstein

EINWANDERER

EINWANDERUNGSPOLITIK: OFFEN FÜR
OFFENE GRENZEN
von Stephen Moore

GESUNDHEITSWESEN

NEUE GESETZESVORSCHLÄGE IM
GESUNDHEITSWESEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WEHRKUNDETAGUNG
12. Februar 1992

REDE VON VIZEPRÄSIDENT QUAYLE
BEI DER WEHRKUNDETAGUNG IN MÜNCHEN
MÜNCHEN - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Rede, deren vorbereiteten Text wir abdrucken, wurde am
9. Februar 1992 von Vizepräsident Dan Quayle anläßlich der Münchner Wehrkundetagung gehalten.
Ich danke Ihnen allen. Ich freue mich, wiederum an
dieser hervorragenden Konferenz über Sicherheit in
Europa teilzunehmen. Das erste Mal liegt schon über
zehn Jahre zurück. Und für die Akten möchte ich
festhalten - dies ist die überragende Konferenz weniger würde unser unser geschätzter Gastgeber
auch nicht zulassen.
Vergangenes Jahr habe ich Herrn Baron von Kleist die
Auszeichnung für besondere öffentliche Verdienste
verliehen - die höchste zivile Auszeichnung, die das
US- Verteidigungsministerium zu vergeben hat. Ihnen,
Ewald, nochmals meinen Glückwunsch. Seit Jahren
kamen wir hier als Verbündete in einem großen Kampf
zusammen, heute sind wir Partner in einem großen
Sieg. Wir haben den kalten Krieg gewonnen. Europa
hat erneut eine dramatische Umgestaltung erfahren.
Deutschland ist vereinigt, und die Sowjetunion gibt es
nicht mehr. Der Eiserne Vorhang hat sich gehoben, die
dunkle Wolke nuklearer Vernichtung hat sich verzogen. Wir haben viel zu feiern und vielen zu gratulieren:
Diplomaten, Soldaten, Intellektuellen und vor allem
den unterdrückten Völkern, die ihren Traum von Freiheit niemals aufgaben. Sie sind die wahren Sieger des
kalten Kriegs.
Obwohl sich die Bedingungen positiv verändert haben,
trifft dies nicht für den Bedarf an Sicherheit zu. Vielfach
wird die Frage laut, wie das Atlantische Bündnis in die
neue Weltordnung paßt. Für meine Kollegen in diesem Raum, Experten für europäische Sicherheit, ist
die Antwort klar: Die NATO war die erfolgreichste
Allianz in der Geschichte. Aber dieser Erfolg ist keine
Begründung, um getrennte Wege zu gehen, im Gegenteil ist er der Grund, zusammenzustehen. Und,
meine Freunde, meine Botschaft heute lautet, daß die
Mitglieder des Atlantischen Bündnisses einander immer
noch brauchen - und die Welt braucht das Bündnis,
wenn sie einen gerechten Frieden erreichen will. Die
Bedrohungen werden nicht für immer verschwinden sie werden vielmehr in neuer Gestalt wiederauftauchen. Und eine neue Bedrohung wird sich viel leichter
entwickeln als daß sich ein neues Bündnis etabliert.
AMERIKA DIENST 6

Wir haben Faschismus, Nazismus, Kommunismus
und den extremen islamischen Fundamentalismus
erlebt. Wir wissen nicht, wann und wo der nächste
"...ismus" einen gerechten Frieden bedroht. Aber es
wird Bedrohungen und Konflikte geben. Es stimmt
natürlich, daß in den nächsten Jahren die sicherheitspolitischen Probleme, denen sich die NATO stellen
muß, einen größeren politischen Schwerpunkt haben
als je zuvor. Aber es wäre ein Fehler zu denken, daß
alle Probleme von morgen politischer Natur sein werden.
Das wird nicht der Fall sein. Niemand bestreitet die
Tatsache, daß die Welt immer noch ein gefährlicher
Ort ist. Die Aufgabe der NATO ist immer noch grundsätzlich Sicherheit. Tatsächlich können die Hauptfunktionen des Bündnisses immer noch mit den Worten des 25 Jahre alten Harmel-Berichts über die sicherheitspolitische Konzeption des Bündnisses beschrieben werden. Die vordringlichste Pflicht des
Bündnisses besteht dem Bericht zufolge darin, "eine
ausreichende militärische Stärke und politische Solidarität beizubehalten, um gegenüber Aggressionen
abschreckend zu wirken und das Gebiet der Mitgliedstaaten zu verteidigen". Die zweite ist "die weitere
Suche nach Fortschritten in Richtung auf dauerhafte
Beziehungen, mit deren Hilfe die grundliegenden politischen Probleme gelöst werden können". Diese beiden Funktionen sind nach wie vor gültig und entscheidend.
Aber die Art und Weise, wie wir sie erfüllen, hat sich
verändert.
"Ausreichende militärische Stärke" erfordert zum Beispiel nicht mehr acht NATO-Korps an der deutschen
Grenze, um sich gegen doppelt soviele Truppen des
Warschauer Pakts auf der anderen Seite zu verteidigen. Die NATO kann diese konventionellen Streitkräfte erheblich reduzieren und umstrukturieren. Zum
Beispiel werden die US-Streitkräfte in Deutschland
von zwei Korps mit vier Divisionen auf ein Korps mit
zwei Divisionen reduziert. Dementsprechend wird

Seite 1

�auch der Umfang der US-Streitkräfte in Europa abgebaut. In den nächsten Jahren wird der Schwerpunkt
auf flexiblen und sehr mobilen Eingreiftruppen liegen,
die eine große Bandbreite von Eventualfällen abdekken können.
"Auf Aggressionen abschreckend zu wirken", erfordert
nicht länger zahlreiche landgestützte Nuklearwaffen
auf dem europäischen Kontinent. Im Einklang mit
Präsident Bushs Initiative, der die NATO zustimmt,
ziehen wir diese Waffen ab und zerstören sie. Ebenso
nehmen wir einschneidende Reduzierungen bei der
Zahl luftgestützter Nuklearwaffen in Europa vor. Das
historische Vertrauen der NATO auf Nuklearwaffen
wird dem Wortsinn gerecht - es wird ein Teil der
Geschichte. Die nukleare Abschreckung hat funktioniert und bleibt für die NATO-Strategie wichtig. Das
neue strategische NATO-Konzept fordert eine angemessene Mischung nuklearer und konventioneller
Waffen - auf erheblich reduziertem Niveau.
Was die Bewahrung der "politischen Solidarität" angeht, so ist die Aufgabe der NATO angesichts der
politischen und wirtschaftlichen Integration Europas in
mehrfacher Hinsicht sogar noch anspruchsvoller
geworden. Seit Amtsantritt dieser Administration hat
Präsident Bush den gesunden und langwierigen Prozeß der europäischen Integration unterstützt. Er
bekräftigte diese Haltung beim Gipfeltreffen der NATO
in Rom. Es ist jedoch von lebenswichtiger Bedeutung,
daß die Integration auch ein Mittel zur Zusammenarbeit mit Nordamerika darstellt. Darüber hinaus sollte
die Außenpolitik eines integrierten Europas auf dem
Sicherheitsfundament des Atlantischen Bündnisses
aufbauen. Um Präsident Bush zu zitieren: "Wir sehen
keinen Ersatz für das Bündnis als Garanten unserer

Verteidigung und der Sicherheit Europas. "Wir unterstützen die Entwicklung der WEU, weil sie das Bündnis
ergänzen und die europäische Rolle darin stärken
kann... Aber wir betrachten die WEU nicht als europäische Alternative zum Bündnis. Unsere Prämisse
lautet, daß die amerikanische Rolle bei der Verteidigung und den Angelegenheiten Europas durch die
europäische Union nicht überflüssig gemacht wird."
Ich bitte Sie, sich der Tatsache zu erinnern, daß die
Vereinigten Staaten vor einem halben Jahrhundert
dem Isolationismus entsagten ... und eine dauerhafte
Verpflichtung für die Sicherheit und Stabilität Europas
eingingen. Wir taten dies als Ergebnis einer sehr
harten Lektion. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen wir
uns unklugerweise aus Europa zurück. Wir versäumten es nicht nur, Beziehungen auf der Grundlage
gemeinsamer Interessen zu entwickeln, sondern weigerten uns häufig auch noch, solche Interessen zur
Kenntnis zu nehmen. Blinder Isolationismus und verhängnisvoller Protektionismus waren an der Tagesordnung und zogen verheerende Folgen nach sich.
Amerika wird diesen Fehler nicht noch einmal machen.

Seite 2

In diesem Präsidentschaftswahljahr werden Sie Stimmen von links und rechts vernehmen, die sagen "Komm
nach Hause, Amerika". Nun, Europa ist unser Zuhause, und solange wir willkommen sind, werden wir
hierbleiben. Die Vereinigten Staaten verstehen heute
in der Tat die Bedeutung der "politischen Solidarität"
auf der ganzen Welt. Unsere Rolle im Atlantik wird
ergänzt von einem ebenso entscheidenden Bündnis
im Pazifik. Als einzige Nation mit wichtigen Bündnissen in beiden dieser strategisch wichtigen Regionen
sollten die Vereinigten Staaten als Sicherheitsbrücke
zwischen den beiden betrachtet werden.
Ein weiterer Begriff, die "Verteidigung des Gebiets" der
NATO-Mitgliedstaaten, erhält ebenso eine neue Bedeutung. Die sich verändernde Welt birgt neue Quellen der Ungewißheit und Besorgnis - politischer wie
auch militärischer Art - die sich unmittelbar auf unsere
Interessen auswirken. Eine dieser Quellen ist die
Tendenz zu stärkerer nationaler und ethnischer Identität. Dies ist auf vielfältige Art und Weise eine positive
und anregende Entwicklung, denn sie beinhaltet eine
Wiederbelebung uralter Träume und kultureller Identitäten, eine Erneuerung geschätzter Institutionen sowie
eine Wiedergeburt des Glaubens. Doch in einigen
Regionen wird diese Entwicklung vom Wiederauftreten leidenschaftlicher Rivalitäten begleitet. Man braucht
nur nach Armenien oder Aserbeidschan zu blicken
oder auf die Schrecken Jugoslawiens, um die möglichen Gefahren solcher Rivalität zu verstehen. Und
jeder dieser Konflikte kann sich potentiell auf unbeteiligte Länder ausbreiten oder Flüchtüngsstrcme hervorbringen. Dies sollte für uns eins Angelegenheit anhaltender Besorgnis und Erörterungen sein.
Eine weitere entscheidende Frage bei der "Verteidigung des Gebiets" betrifft natürlich die Waffen - wer sie
besitzt, wer sie beschafft, wo sie gelagert werden und
welche Fähigkeiten sie haben. Die Auflösung des
imperialen Kommunismus hat die nukleare Bedrohung
durch eine sowjetische Supermacht beseitigt. In der
ehemaligen Sowjetunion existieren jedoch noch Tausende von Kernwaffen. Dies ist ebenfalls für uns alle
ein drängendes Thema. Diese Waffen müssen einer
verläßlichen zentralen Kontrolle unterstellt werden und
den Händen instabiler oder bedrohlicher Regime entzogen bleiben. Gemeinsam mit unseren Verbündeten
erörtern wir dieses Thema mit den Mitgliedern der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Ich fühle mich
durch unsere Fortschritte ermutigt. So hat zum Beispiel Präsident Jelzin in Camp David angekündigt, daß
alle taktischen Kernwaffen aus Kasachstan abgezogen wurden, bald vollständig aus Weißrußland und bis
zum 1. Juli 1992 aus der Ukraine abgezogen würden.
Damit verblieben taktische Nuklearwaffen nur noch in
Rußland. Mit Nachdruck begrüßen wir diese Nachricht, und wir fordern die Mitglieder der GUS auf,
ebensolche Fortschritte im Bereich der strategischen
Kernwaffen zu machen.

AMERIKA DIENST 6

�Generell gesprochen beschleunigt sich das Tempo der
Weiterverbreitung in andere Regionen. Diesem Thema wurde kürzlich besondere Aufmerksamkeit gewidmet, als die UN-Sonderkommission beunruhigende
Einzelheiten über den modernen Stand der Fähigkeiten spezieller Waffengattungen des Irak enthüllte.
Während wir hier konferieren, besitzt eine Reihe von
Staaten bereits - nukleare, chemische oder biologische - Massenvernichtungswaffen und deren Trägersysteme oder ist aktiv um deren Entwicklung bestrebt.
Der Irak, Libyen und der Iran sind nur die augenfälligsten Bedrohungen, die der Überwachung bedürfen.
Bis zum Jahr 2000 werden schätzungsweise 15 Nationen der dritten Welt die Fähigkeit zur Produktion
ballistischer Raketen im eigenen Land besitzen. Bis zu
30 Länder verfügen möglicherweise über die Fähigkeit
zur Herstellung chemischer Waffen. Zehn könnten
unter Umständen biologische Waffen stationieren und
acht könnten Nuklearfähigkeiten besitzen. Unser Ziel
muß eine kollektive Aktion zur Begrenzung von Entwicklung und Transfer solch destruktiver Waffen und
deren Trägersystemen sein.
Im vergangen Jahr hat sich die Zahl der dem Nichtverbreitungsvertrag beigetretenen Nationen um fünf erhöht. Frankreich und China haben ihre Absicht zum
Beitritt bekundet, und wir sollten darauf hinarbeiten,
auch die ehemaligen Sowjetrepubliken einzubeziehen. In eben dieser Woche hat Präsident Bush die
Nichtverbreitungsbestrebungen der US-Regierung
zentralisiert und nur einem Koordinator, Robert Gallucci, unterstellt. Mit Blick in die Zukunft ist es meines
Erachtens an der Zeit, bei der Konferenz über die
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr
1995 auf eine unbefristete Verlängerung zu drängen.
Darüber hinaus sollten wir die Verbesserung der bestehenden Nichtverbreitungsmaßnahmen anstreben
wie das Raketentechnologie-Kontrollregime MTCR und
neue, wie die von Präsident Bush verabschiedete
Konvention über ein Verbot chemischer Waffen.
Wir müssen uns eine der wichtigsten Lektionen des
Golfkriegs und die in seinem Anschluß erfolgten Enthüllungen vor Augen führen. Das Vertrauen auf Abschreckung durch Androhung von Vergeltung wird
labile Diktatoren oder Terroristen nicht von der Beschaffung und dem möglichen Einsatz dieser modernen Waffentechnologien abhalten. Aus diesem Grund
hat Präsident Bush das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative SDI geändert, so daß es sich
erneut auf die Gewährleistung von Schutz vor begrenzten Angriffen mit ballistischen Raketen konzentriert, welcher Herkunft sie auch sein mögen. Wie wir
alle wissen, hat die NATO der Rolle der Verteidigung
gegen Raketen in unserer Nichtverbreitungsstrategie
Rechnung getragen. Während die Vereinigten Staaten mit SDI und ihrem Programm zum weltweiten
Schutz gegen begrenzte Schläge (global protection
against limited strikes - GPALS) Fortschritte machen,

sind wir für das Engagement und die Zusammenarbeit
mit unseren Verbündeten offen. Nicht zuletzt aus
geographischen Gründen ist Europa sehr viel wahrscheinlicher einer Bedrohung durch einen Angriff mit
ballistischen Raketen von Ländern wie dem Irak ausgesetzt als die Vereinigten Staaten. Wir haben uns zur
Aushandlung eines neuen Vertragsregimes verpflichtet, das die begrenzte Stationierung von Verteidigungssystemen gestattet. Europa sollte sein Interesse und Engagement für ein ATBM-System verstärken.
Femer begrüßen wir das wachsende Interesse an
Verteidigung in der GUS - insbesondere die von Präsident Jelzin in New York und Camp David unterbreiteten Vorschläge.
Zwei dem Bündnis zugrundeliegende Definitionskonzepte - das "Streben nach stabileren politischen Beziehungen" und die Lösung "grundliegender politischer
Fragen" - beinhalten jetzt die Notwendigkeit, Wege zur
Bewältigung der Sicherheitsanliegen der neuen Demokratien im Osten zu erarbeiten. Die Völker dieser
Nationen erwaten von uns Hilfe - und die Zusicherung,
daß sie nie wieder der Tyrannei unterworfen werden.
Wir sollten und müssen diese Hilfe und Zusicherung
bieten. In Rom haben die NATO-Mitgliedstaaten die
Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats
beschlossen. Der NACC hat sein erstes Treffen der
Außenminister im Dezember abgehalten, und zeitgleich mit dieser Tagung sind das Bündnis und seine
Liaison-Partner mit der Entwicklung eines Programms
befaßt. Der NACC ist eine Erfolgsstory, die jetzt
geschrieben wird. Wir alle müssen sicherstellen, daß
er wirklich das Tor zu einer neuen Sicherheitsbeziehung mit diesen Ländern wird. Schließlich lehrt die
Geschichte, daß die Aussichten für Stabilität, Frieden
und langfristige Sicherheit verbessert sind, wenn
demokratische Institutionen Fuß fassen.
Demokratische Institutionen stehen für mehr Freiheit
und Gleichheit, ihr Kernstück bilden Fair play, Verständnis und Zusammenarbeit. Angesichts aufstrebender demokratischer Werte lauten die Schlagworte
von morgen: Freiheit, Gleichheit, Fair play, Verständnis und Zusammenarbeit.
Und diesen Worten möchte ich das unerläßliche Element der Kommunikation hinzufügen. Die Konstruktion einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa ist
absolut abhängig von einem effektiven, geschlossenen Forum für Konsultationen. Glücklicherweise haben
wir ein solches Forum - auf Prinzipien gegründet, von
Vertrauen getragen und von der Zeit erprobt. Seit über
vierzig Jahren wußten die Bündnispartner, selbst wenn
es Meinungsverschiedenheiten gab, daß ihre Ansichten in einem respektvollen, geordneten Rahmen geäußert werden konnten. In der Welt von gestern hat uns
- und der Sache des Friedens - dieser Rahmen außerordentlich gute Dienste geleistet. Wenn wir unseren
historischen Geist der Zusammenarbeit bewahren,
wird dies auch für die Welt von morgen gelten.
*

AMERIKA DIENST 6

*
Seite 3

�GUS-HILFE
12. Februar 1992

BAKER: "PROJEKT HOFFNUNG"
INVESTITION IN STABILITÄT
Erklärung am Frankfurter Flughafen
FRANKFURT - (AD) - Zum Beginn des "Projekt Hoffnung" hat US-Außenminister Baker am 10. Februar 1992
auf dem Frankfurter Flughafen erklärt, das Vorhaben zur Lieferung dringend benötigter Nahrungsmittel und
medizinischer Hilfsgüter in die Republiken der ehemaligen Sowjetunion sei eine Investition in "weltweite
Sicherheit und Stabilität auf Jahrzehnte hinaus".
"Projekt Hoffnung ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung; es ist eine Partnerschaft für eine bessere Zukunft",
stellte Baker fest und charakterisierte dabei das amerikanische Militär, das sich an den Sonderflügen zur
Lieferung der Hilfsgüter beteiligt, als "Friedensstifter".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Erklärung im Wortlaut.

Erst vor 18 Tagen haben wir in Washington das
"Projekt Hoffnung" angekündigt - eine helfende Hand
für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion. Unser Ziel war nicht nur Hilfe, um eine
steigende Flut menschlicher Not zu bekämpfen, sondern auch die Aussendung einer Botschaft der Hoffnung und Unterstützung in harten Zeiten.

tigte Nahrungsmittel und Medikamente für Waisenhäuser, Altersheime und Schulen transportieren. Sie
werden helfen, die Kranken zu behandeln und die
Hungernden zu verpflegen. Vor allem werden sie den
Menschen der neuen unabhängigen Staaten eine
dramatische Botschaft der Hoffnung überbringen. Diese
Botschaft ist schlicht:

Ich möchte zu Beginn den anderen Mitgliedern der
internationalen Staatengemeinschaft danken, die
beschlossen haben, sich den Bemühungen der Vereinigten Staaten nicht nur hier, sondern auch an anderen
Orten auf der Welt anzuschließen. Noch während ich
hier spreche, steigen weitere Hilfsflüge von Ankara
und Incirlik auf, und wir beglückwünschen die Türkei
für die Bereitstellung dieser entscheidenden "Brücke"
in die neuen unabhängigen Staaten. Auch von Japan
werden Hilfsgüter an Bestimmungsorte im Fernen
Osten Rußlands transportiert. Dies zeigt erneut, daß
die internationale Staatengemeinschaft auf dem Weg
der Arbeitsteilung die dringenden humanitären Bedürfnisse in der ehemaligen Sowjetunion besser erfüllen
kann.

Der kalte Krieg ist beendet, und jetzt ist es an der
Zeit, daß sich alle zum Aufbau eines neuen
Friedens zusammenschließen.

Meine Damen und Herren, wir wissen, daß 54 amerikanische Hilfsflüge nicht alle leeren Regale Rußlands
und Tadschikistans, Armeniens und Turkmeniens füllen können. Wir wissen, daß 54 amerikanische Hilfsflüge nicht alle leeren Apotheken der Ukraine, Usbekistans oder Aserbeidschans mit Medikamenten versorgen können. Aber diese Flüge werden dringend benö-

AMERIKA DIENST 6

Wir blicken auf Sie als Partner, nicht Gegner.
Wir bewundern Ihren Mut beim Aufbau neuer
Gesellschaften auf der Basis freier Märkte und
freier Ideen. Wir wissen, daß dies nicht leicht
sein wird und werden dabei helfen.
Diese Flugzeuge sollen unsere Boten sein und unser
Engagement symbolisieren, die Freiheit in diesen neuen
Ländern zum Blühen zu brigen. In Minsk und Moskau,
Kiew und Eriwan, Bischkek und Alma-Ata werden
unsere Flugzeugbesatzungen keine alten Feinde
sondern neue Freunde finden - Freunde, die unsere
wichtigsten Werte teilen: eine demokratische Regierung, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft. Unsere
Besatzungen werden keine demütigen Nationen vorfinden, die Almosen entgegennehmen wollen, sondern
stolze Völker, die unsere Hilfe bei der Gestaltung ihrer
demokratischen Schicksale verdienen.

Seite 1

�Unsere jungen Menschen, die diese Nahrungs- und
Arzneimittel verteilen, werden entdecken, daß das
Ende des kalten Kriegs ein Sieg nicht nur für Amerika
und seine Verbündeten war: Es war ein Triumph des
menschlichen Geistes überall. Jeder, der Freiheit
schätzt, hat gewonnen, als der Kommunismus verloren hat. Und jeder, der Freiheit schätzt, wird gewinnen,
wenn die Demokratie in den neuen unabhängigen
Staaten erfolgreich ist.

Meine Damen und Herren, ich halte es nur für richtig,
daß sich das US-Militär an diesem Feldzug der Hoffnung beteiligt. Es ist richtig, weil die Männer und
Frauen der US-Streitkräfte sich niemals als Kriegstreiber sondern als Friedensstifter verstanden haben.
Ebenso wie sie den Krieg verhindert haben, können sie
jetzt den neuen Frieden schaffen.
Als Friedensstifter nehmen sie heute am Projekt Hoffnung teil.

Projekt Hoffnung ist keine Wojltätigkeitsveranstaltung.
Als Friedensstifter wünschen wir ihnen: Viel Glück und
Es ist eine Partnerschaft - Partnerschaft für eine
bessere Zukunft. Darüber hinaus ist es eine Investition Gott mit Ihnen!
in die Sicherheit - die Sicherheit des Westens, weltweite Sicherheit und Stabilität auf Jahrzehnte hinaus.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 6

�GUS
12. Februar 1992

HUMANITÄRE HILFE DER USA
AN DIE GUS ANGEROLLT
Rede von Außenminister Baker vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Bestrebungen der Vereinigten Staaten, den ums Überleben kämpfenden neuen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu helfen, sind in die Wege geleitet worden, erklärte der Au ßenminister am
5. Februar 1992 vor dem Kongreß.
"Projekt Hoffnung" - eine umfassende, kurzfristige Luftbrücke mit Hilfsgütern für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) - läuft in der nächsten Woche an, berichtete Baker vor dem Senatsausschuß für Auswärtige
Beziehungen. Dann werden "Flugzeuge der US-Luftwaffe dringend benötigte Nahrungsmittel und medizinische
Güter in jeden der 12 neuen unabhängigen Staaten fliegen, in dem ein solcher Transport kein Risiko bedeutet."
"Allein in den nächsten drei Monaten", fuhr Baker fort, "werden wir die am meisten Gefährdeten - die Alten, die
Jungen und die Kranken - mit Weizen, Molkereiprodukten, Babynahrung, Speiseöl, Fleisch, Antibiotika und
anderen Medikamenten versorgen."
Die langfristige Herausforderung besteht Baker zufolge darin, diesen Staaten zu helfen, "ihren Platz als friedliche,
demokratische und wohlhabende Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft zu finden... Wie wir diese
Herausforderung angehen, wird...das internationale Geschehen im nächsten Jahrhundert beeinflussen."
Baker erläuterte vor dem Ausschuß den Antrag der Administration zur Bewilligung der Mittel für internationale
Angelegenheiten im Haushaltsjahr 1993.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Außenminister Baker im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, vor diesem
Ausschuß unseren Antrag zur Bewilligung der Mittel
für auswärtige Angelegenheiten im Haushaltsjahr 1993
erläutern zu dürfen. Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich
meine detaillierten schriftlichen Ausführungen ins
Protokoll aufnehmen lassen.
Ein Jahr der Umgestaltung
Herr Vorsitzender, in dieser Woche vor einem Jahr
habe ich diesem Ausschuß unseren Haushaltsentwurf
1992 vorgelegt. In der inzwischen vergangenen Zeit
haben wir ein dramatisches Jahr erlebt, ein Jahr rascher Veränderungen, ein Jahr, das das Ende einer
Ära und die Geburt einer neuen symbolisiert, ein Jahr,
über das unsere Kinder und Enkelkinder in ihren Geschichtsbüchern lesen werden.
Es war das Jahr, in dem eine beispiellose, von
den Vereinigten Staaten angeführte Koalition
die irakische Aggression zunichte machte, die
legitime Regierung Kuwaits wiedereinsetzte und
sicherstellte, daß wir nicht zur Geisel der Ambitionen eines Diktators wurden.

AMERIKA DIENST 6

Es war das Jahr, in dem unsere Investitionen in
den Frieden weltweit Dividenden zu bringen begannen, als ehemalige Gegner in El Salvador,
Kambodscha und Südafrika begannen, Jahrzehnte des Mißtrauens zu überbrücken.
Es war das Jahr, in dem wir sogar im Nahen
Osten - für Jahrzehnte Schauplatz von Kriegen,
Bitterkeit und Haß - Zeuge wurden, wie ehemalige Feinde sich zu Gesprächen zusammensetzten: Nur ein erster Schritt, jedoch ein lebenswichtiger auf dem Weg zum Frieden. Die Vereinigten Staaten können auf ihre Rolle bei diesem historischen Durchbruch stolz sein.
Es war das Jahr, in dem wir die Verhandlungen
über ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen aufgenommen haben - ein Abkommen, das auf lange Sicht den größten Markt der
Welt mit einer Jahresproduktion von 6 Billionen
Dollar und über 360 Millionen Menschen schaffen wird.

Seite 1

�Vor allem jedoch war es das Jahr, in dem der
Stalinismus und die Sowjetunion zusammenbrachen und ein Dutzend neuer Staaten um
ihren Platz in der demokratischen Staatengemeinschaft kämpften. Herr Vorsitzender, beim
Treffen zwischen Präsident Bush und seinem
Amtskollegen Jelzin am vergangenen Wochenende wurde diese Umgestaltung offiziell in der
Erklärung von Camp David festgeschrieben:
Der kalte Krieg ist beendet, und jetzt haben wir
die Chance, einen demokratischen Frieden zu
schmieden, einen dauerhaften, auf gemeinsamen Werten - Demokratie sowie politische und
wirtschaftliche Freiheit - aufgebauten Frieden
Der Triumph dieser Werte in Rußland und den
anderen neuen unabhängigen Staaten wird in
den kommenden Jahrzehnten die sicherste
Grundlage für Frieden bieten - und die stärkste
Garantie unserer nationalen Sicherheit. Es
werden jedoch weitere Herausforderungen auf
uns zukommen.
Herr Vorsitzender, die Welt ist heute ein vielversprechenderer und besserer Ort als noch vor einem Jahr.
Die dramatischen Ereignisse, die wir beobachten und
mitgestaltet haben, berechtigen zu Optimismus. Dieser Optimismus sollte - und darf - uns jedoch nicht
gegenüber den verbleibenden Herausforderungen blind
machen. Diese Herausforderungen sind real. Ich
möchte nur einige nennen:
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen ist nach wie vor eine tödliche Bedrohung des
internationalen Friedens. Die Enthüllungen über
das moderne Atomwaffenprogramm des Irak
und das Gespenst eines Käufermarktes für
sowjetisches Know-how lehren uns eine deutliche Lektion: Nur durch konstante, koordinierte
Wachsamkeit - die Art von Wachsamkeit, die
uns den Sieg im kalten Krieg beschert hat können wir unsere nationale und internationale
Sicherheit gewährleisten.
Regionale Konflikte wurden beigelegt - aber
nicht überall und nicht gleich schnell. Indien und
Pakistan haben beispielsweise gerade erst den
schwierigen Versöhnungsprozeß begonnen.
Ebenso wie im Nahen Osten wird der Friedensschluß schmerzlich in die Länge gezogen. Den
Frieden in El Salvador, Kambodscha und andernorts zu bewahren, wird teuer. Wir und die
internationale Staatengemeinschaft dürfen bei
unserer Unterstützung für beides nicht wanken.
Die Öffnung von Märkten für amerikanische
Güter und Dienstleistungen stellt uns vor eine
besonders große Herausforderung. Auf bilateraler Ebene müssen wir verhandeln um sicherzustellen, daß bestimmte Auslandsmärkte sich
nicht gegen unsere Güter und Dienstleistungen
abschotten. Regional müssen wir die Antriebs-

Seite 2

kraft zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen erhalten. Und international müssen
wir die Führungsrolle übernehmen, um den Erfolg
der Uruguay-Runde und den Abbau von Handelshemmnissen weltweit zu gewährleisten.
Und, Herr Vorsitzender, wir dürfen die Aufgabe
der Konsolidierung demokratischer Werte nicht
außer acht lassen. Der Sieg der Demokratie
wurde nicht überall errungen, und er ist sicherlich nicht selbstverständlich. In einem Großteil
der Welt stehen repräsentative Regierungen
und Rechtsstaatlichkeit noch immer auf schwachen Füßen oder sind nach wie vor ein femer
Traum. Wir müssen uns vor Augen führen, daß
die Vereinigten Staaten mehr sind als die grö ßte
Demokratie der Welt: Wir sind überall der
Sprecher der demokratischen Staatengemeinschaft. Keine dieser Herausforderungen kann
durch Wunschdenken bewältigt werden, keine
wird verschwinden, wenn wir unsere Augen
schließen. Ich bin jedoch überzeugt, daß wir bei
der Verfolgung unserer Interessen in einer freien, wohlhabenden und friedlichen Welt eine
wirksame Politik erarbeiten können. Dies gilt
insbesondere im Hinblick auf die größte heute
vor uns liegende Herausforderung: Den neuen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion dabei zu
helfen, ihren Platz als friedliche, demokratische
und wohlhabende Mitglieder der internationalen
Staatengemeinschaft zu finden. Wie wir diese
Herausforderung angehen, wird meines Erachtens das internationale Geschehen im nächsten
Jahrhundert beeinflussen. Herr Vorsitzender,
ich glaube jedoch, daß wir das Instrument zur
Bewältigung dieser Herausforderung zur Hand
haben - ein Instrument, das unsere bilaterale
Diplomatie verbessert und unseren Einfluß
erweitert. Es ist ein Instrument, das uns geholfen hat, über den Irak zu siegen. Und es ist das
Instrument, das in unserer Außenpolitik einen
noch größeren Stellenwert einnehmen wird, wenn
wir die Politik des Containment hinter uns lassen.
Vom Containment zum kollektiven Engagement
Dieses Instrument ist kollektives Engagement: Nationen ergreifen zur Verfolgung gemeinsamer Interessen
und Lösung gemeinsamer Probleme konzertierte
Maßnahmen. In den vergangenen Wochen habe ich
dieses Konzept bereits auf der ganzen Welt in Aktion
gesehen:
In Prag bin ich mit den anderen 47 Mitgliedern
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zusammengekommen, um ihre
wertvolle Aufgabe als Gewissen eines Kontinents voranzubringen und dazu beizutragen,
Demokratie von Vancouver bis Wladiwostok
aufzubauen.
AMERIKA DIENST 6

�In Moskau traf ich drei Dutzend Minister, während die Nahost-Friedensgespräche eine neue
multilaterale Dimension annahmen, indem sie
die Interessen der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten, Frieden in diese krisengeschüttelte Region zu bringen.
In New York kam Präsident Bush mit 14 Staatsund Regierungschefs und Generalsekretär
Boutros Ghali zusammen, um einen neuen Kurs
für den UN-Sicherheitsrat zu entwerfen - ein
Gremium, das als Forum für internationale
Konsensbildung und gemeinsames Vorgehen
jetzt zu voller Reife gelangt und
- vielleicht am außergewöhnlichsten von allem
- in Washington versammelten sich 54 Nationen
und internationale Organisationen zu einer Koordinierungskonferenz, um die Arbeit bei der
Befriedigung der dringenden humanitären Bedürfnisse der ehemaligen Sowjetunion untereinander aufzuteilen.
Eine zweite Koalition
Herr Vorsitzender, diese Konferenz hat eine neue
Koalition hervorgebracht, eine nicht weniger wichtige
Koalition, als diejenige, die Kuwait befreite:
Eine Koalition zur Unterstützung von Demokratie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.
Eine Koalition, die den Menschen bei ihrem
Kampf mit dem schmerzlichen Übergang zu
einer Marktwirtschaft hilft.
Eine Koalition zur Bewältigung eines dringenden, sehr menschlichen Notstands. Und - vor
allem eine Koalition, die in harten Zeiten Hoffnung
bietet - Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht
nur für die Menschen in den neuen unabhängigen Staaten sondern auf der ganzen Welt.
Die Erwartungen
Viele derjenigen, die bei der Koordinierungskonferenz
eine helfende Hand ausgestreckt haben, waren einstmals - ebenso wie wir - Gegner der Sowjetunion.
Einige wurden bisher vom Stalinismus beherrscht.
Aber alle waren in der gemeinsamen Wertschätzung
der mit dem Zusammenbruch des Totalitarismus in der
Sowjetunion einhergehenden außerordentlichen Erwartungen geeint. Diese Erwartungen wären noch vor
wenigen Jahren unvorstellbar gewesen:
Die Aussicht, daß an die 300 Millionen Menschen aus einem über 70jährigen Alptraum der
totalitären Herrschaft erwachen und ihr demokratisches Schicksal selbst in die Hand nehmen.

AMERIKA DIENST 6

Die Chance, daß sich die 12 Nachfolgestaaten
von einer siechenden Kommandowirtschaft zu
pulsierenden freien Märkten wandeln.
Und - am wichtigsten vielleicht - die reale Hoffnung, den Alptraum der nuklearen Konfrontation der Welt hinter uns zu lassen.
Gemeinsame Interessen, konzertierte Aktionen,
amerikanische Führungsrolle
Um aus meiner Rede vor der Koordinierungskonferenz
zu zitieren: Globale Probleme erfordern globale Lösungen. Und so war es bei der Konferenz: Nicht nur
die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten sondern Länder aus Osteuropa, dem Fernen Osten, Lateinamerika und dem Persischen Golf
setzten sich zusammen, um Bewertungen zu vergleichen und Aktionspläne zur Befriedigung humanitärer
Bedürfnisse zu schmieden.
Diese Koalition ist ebenso wie die Koalition, die den
Sieg am Golf erlangte, tief im Prinzip der geteilten
Verantwortung verwurzelt. Das heißt nicht, eine
Rechnung zu addieren und dann den Betrag zu teilen.
Es bedeutet die Aufbietung - finanzieller, technischer
und menschlicher - Ressourcen aller interessierten privaten und öffentlichen - Parteien zur Unterstützung
eines gemeinsamen Ziels. Durch Zusammenarbeit
mit den anderen internationalen Protagonisten - insbesondere den Ländern der G-7, der Europäischen
Gemeinschaft und der NATO - können wir gemeinsam
das erreichen, was wir alleine niemals leisten könnten.
Und diese Koalition erfordert ebenso wie diejenige, die
wir während der Golfkrise gebildet haben, daß die
Vereinigten Staaten wiederum Führungskraft demonstrieren. Ebenso wie wir das Bündnis angeführt haben, das den kalten Krieg gewonnen hat, müssen wir
jetzt mit die Koalition zur Erlangung des Friedens
anführen. Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, Herr
Vorsitzender - unsere Bestrebungen sind in die Wege
geleitet:
In der vergangenen Woche traf in Minsk ein
"Kontaktteam" mit Vertretern der Nachfolgestaaten zusammen, um die Aktionspläne der
Koordinierungskonferenz zu erörtern und den
Prozeß der internationalen Zusammenarbeit bei
der Bewältigung eines globalen Notstands zu
beschleunigen.
Projekt Hoffnung - eine umfassende, kurzfristige Luftbrücke mit Hilfsgütern an die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) - läuft in
der nächsten Woche an. Flugzeuge der USLuftwaffe werden dringend benötigte Nahrungsmittel und medizinische Güter in jeden der 12
neuen unabhängigen Staaten fliegen, in dem
ein solcher Transport kein Risiko bedeutet.
Allein in den nächsten drei Monaten werden wir
die am meisten Gefährdeten - die Alten, die
Seite 3

�Jungen und die Kranken - mit Weizen, Molkereiprodukten, Babynahrung, Speiseöl, Fleisch,
Antibiotika und anderen Medikamenten versorgen.

müssen wir sicherstellen, daß die neuen Staaten ihr Versprechen einhalten, die Atomwaffen
weiterhin einer zentralen Kontrolle zu unterstellen;

Und wir haben Botschafter Richard Armitage,
einen erprobten Krisenmanager, zum Koordinator der amerikanischen Bemühungen ernannt.
Diese und andere Hilfsleistungen für die neuen
Staaten sind kein Ersatz für durchgreifenden
Reformen in den jeweiligen Ländern. Diese
neuen Staaten müssen ihrer Verpflichtung zu
wirtschaftlichen und politischen Reformen nachkommen. Wir wissen das ebenso wie die Politiker und Völker dieser neuen Staaten. Ich bin
jedoch überzeugt, daß internationale Hilfe bei
der Bewältigung dieses Notstands und der
Herbeiführung von Reformen eine entscheidende Rolle spielen kann.

müssen wir die Zerstörung taktischer Nuklearwaffen weiterführen, wie sie Präsident Bush in
seiner dramatischen Initiative vom 27. September vorgeschlagen hat. Wir helfen den neuen
Staaten, die Zerstörung von Atomwaffen zu
beschleunigen;

Das Risiko
Ich habe bereits von den mit dem Zerfall der Sowjetunion einhergehenden Erwartungen gesprochen. Ich
möchte jetzt offen über die Risiken sprechen. Die
neuen unabhängigen Staaten kämpfen tapfer, um
neue, auf eine repräsentative und rechenschaftspflichtige Regierung gegründete Gesellschaften, Rechtsstaaten und freie Märkte zu schaffen. Sie tun dies
jedoch mit der von über 70 Jahren der politischen und
wirtschaftlichen Mißwirtschaft hinterlassenen Last. Die
Versuchungen ethnischer Konflikte und autoritärer
Herrschaft sind weiterhin groß. Und trotz der dramatischen Fortschritte bei der Rüstungskontrolle sind
noch immer über 30.000 Nuklearwaffen in den Staaten
der ehemaligen Sowjetunion stationiert. Während wir
also bei der Bewältigung des humanitären Notstands
vorankommen, müssen wir den neuen Staaten auch
helfen, die Sicherheit von Nuklearwaffen zu gewährleisten, einen Großteil dieser Waffen zu beseitigen und
Vorsorge gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und Technologien zu deren Herstellung
treffen. Im Hinblick darauf habe ich Rußland, die
Ukraine, Kasachstan und Weißrußland besucht, um
mit den neuen Regierungen über die Notwendigkeit zu
sprechen, sich für eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik zu engagieren und diese auch durchführen.
Wir haben den Staatssekretär für internationale Angelegenheiten, Botschafter Bartholomew, im vergangenen Monat zu Gesprächen über Themen wie die
Führungs- und Kontrolleinrichtungen für Atomwaffen,
die Zerstörung von Waffen und Nichtverbreitung im
allgemeinen in die frühere Sowjetunion entsandt.
Darüber hinaus habe ich letzte Woche in Moskau
ebenso produktive Gespräche mit Präsident Jelzin
geführt wie Präsident Bush in Camp David. Daran
werde ich anschließen, wenn ich nächste Woche nach
Moskau reise. Die Zusicherungen, die wir bei diesem
Dialog auf höchster Ebene erhalten haben, waren sehr
positiv, und wir freuen uns auf ihre Fortsetzung. Bei
weiteren Fortschritten

Seite 4

müssen wir erkennen, daß die neuen Staaten
ihr Versprechen einhalten, die START-,KSEund Nichtverbreitungsverträge durchzuführen;
müssen wir den neuen Staaten der früheren
Sowjetunion bei der Erarbeitung effektiver Exportkontrollen helfen. Präsident Jelzins angekündigte Absicht, Gesetze zum Umgang mit
Mehrzwecktechnologie zu verabschieden, ist
dabei sehr willkommen;
müssen wir einzelne Vorschläge für die wissenschaftliche Zusammenarbeit entwickeln, mit dem
Ziel, daß den Wissenschaftlern der Anreiz
genommen wird, ihr Know-how potentiellen
Weiterverbreitern zur Verfügung zu stellen. Wir
werden in Kürze einen hochrangigen Beamten
des Außenministeriums benennen, der diese
Bestrebungen koordinieren soll.
Natürlich müssen auch wir selbst den START-Vertrag
ratifizieren. Herr Vorsitzender, ich kai m diesen letzten
Punkt nicht eingehend genug betonen. START bleibt
entscheidender Bestandteil unserer Beziehungen zu
den neuen Staaten. Erstens erhöht das Verifizierungsregime von START Transparenz und Offenheit
zu einer Zeit turbulenter Veränderungen. Zweitens
schafft START ein rechtsverbindliches Regime, das
Verpflichtungen aufstellt, die es uns leichter machen,
substantielle und stabilisierende Reduzierungen festzuschreiben. Drittens liefert START eine stabile Struktur und ebensolche Grundregeln, im Rahmen derer
weitere Reduzierungen schnell erreicht werden können. Schließlich werden durch START die Ukraine,
Weißrußland und Kasachstan ermutigt, eine nichtnukleare Zukunft anzustreben. Ich möchte hier keinen
Alarm schlagen. Vielmehr bin ich, ebenso wie die
Politiker und Menschen in den neuen Staaten selbst,
voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie und
uns. Aber ich muß betonen: die Auffassung, die Welt
sei sicher genug, um eine geringfügige Vernachlässigung durch Amerika zu vertragen, ist ganz einfach
falsch. Diese Regierung vertritt die Meinung - und
unser Haushalt geht davon aus -, daß die amerikanische Führungsrolle nach wie vor eine Notwendigkeit kein Luxus - ist.

AMERIKA DIENST 6

�Überblick über unsere Haushaltsvorlage
Herr Vorsitzender, im Haushaltsjahr 1993 fordern wir
22,1 Mrd. Dollar als frei verfügbare Ausgabeermächtigung für internationale Angelegenheiten und 20,6
Milliarden Dollar an Ausgaben. Im Haushaltsjahr 1992
betrug die geforderte oder gewährte Ausgabeermächtigung 22,2 Milliarden Dollar und 20,1 Milliarden Dollar
für Ausgaben. Unser Antrag liegt im Rahmen der
Bestimmungen über die Ausgabeermächtigung und
Ausgaben des Haushaltsgesetzes von 1990. Als
Außenminister bin ich täglich den Herausforderungen
ausgesetzt, denen sich die Vereinigten Staaten auf der
ganzen Welt stellen müssen. Aber ich bin auch ein
Staatsdiener und mir damit meiner Pflicht bewußt, die
Dollars des Steuerzahlers in einer Zeit wirtschaftlicher
Schwierigkeiten hier im Land sparsam einzusetzen.
Der Haushalt spiegelt diese beiden Tatsachen wider.
Es ist ein magerer Haushalt für magere Zeiten. Aber
es ist auch ein flexibler Haushalt, der dem veränderten
internationalen Umfeld Rechnung trägt, in dem wir
leben. Bevor ich einen allgemeineren Überblick gebe,
möchte ich zwei Initiativen hervorheben.
Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten
Hilfe für die Staaten der früheren Sowjetunion ist das
Kernstück unserer Haushaltsvorlage. Wir fordern für
die Haushaltsjahre 1992 und 1993 620 Millionen an
neuen Mitteln:
500 Millionen für einen Sonderfonds für besondere humanitäre und technische Hilfe, um vordringlichen humanitären Bedürfnissen und
besonderem Bedarf an Hilfe gerecht zu werden;
100 Millionen für den Wirtschaftshilfefonds zur
Unterstützung demokratischer Reformen, wirtschaftlicher Umstrukturierung und Umwandlung
der Rüstungsindustrie;
10 Millionen Dollar Entwicklungshilfe für die
ärmeren Republiken und
10 Millionen im Rahmen des Projekts PL-480,
"Food for Peace" für ein technisches Hilfsprogramm von Farmern für Farmer.
Zusammen mit den im Rahmen geltender Gesetze
verfügbaren 860 Millionen Dollar und 3,75 Milliarden
an Exportgarantien wird unser Vorschlag den neuen
Staaten dringend benötigte Hilfe in Höhe von über 5
Milliarden Dollar leisten.
Unterstützung internationaler Organisationen und
multilateraler Friedensbestrebungen
Bei den Friedensmissionen beabsichtigen wir ebenso
wie bei unserer Hilfe für die Republiken der früheren
Sowjetunion, unser Geld dort zu verteilen, wo es auch
uns besonders zugute kommt. Wir wollen die neue

AMERIKA DIENST 6

Solidarität der Vereinten Nationen stärken, die sich
erstmals während der Golfkrise zeigte und ihre Schlüsselrolle bei der Entschärfung internationaler Konflikte
unterstützen. Deshalb schlagen wir 350 Millionen
Dollar als Ergänzung zum Haushalt 1992 und 350
Millionen zusätzlich zum Haushalt 1993 vor, um unseren gerechten Anteil an den neuen und erwarteten
Friedensmissionen in Kambodscha, El Salvador, Afrika, dem Nahen Osten und vielleicht Jugoslawien zu
leisten. Wir betrachten diese Mittel als Investitionen in
den Frieden. Darüber hinaus schlagen wir vor, eine
dritte Rate von 115 Millionen der Rückstände zu zahlen, die wir den Vereinten Nationen und anderen
internationalen Organisationen schulden, und wir fordern einen Vorschuß auf die Haushalte 1994 und
1995, um die kontinuierliche Abzahlung der Rückstände sicherzustellen. Darüber hinaus halten wir es auch
für entscheidend, unseren Verpflichtungen im Hinblick
auf die Erhöhung der Beteiligung am IWF nachzukommen. Gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten würden wir damit das Kapital des IWF erhöhen, das
notwendig ist, wenn diese Institution eine führende
Rolle bei der Förderung wirtschaftlicher Umstrukturierung in Rußland und den anderen jetzt unabhängigen
Staaten übernehmen soll.
Auslandshilfe
Auslandshilfe bleibt in den neunziger Jahren ein wichtiges Instrument zur Förderung amerikanischer Interessen. Sie gestattet die rechtzeitige, flexible Unterstützung unseres Interesses an politischem Pluralismus, der Entwicklung freier Marktwirtschaft, Friedenstiftung und starken Bündnissen. Die Auslandshilfe
wird insgesamt im Haushaltsjahr 1993 um 465 Millionen Dollar gesenkt, von 16,3 Milliarden in unserer
Haushaltsvorlage 1992 auf 15,8 Milliarden Dollar.
Herausragende Merkmale unseres Programms bilateraler Hilfe für das Haushaltsjahr 1993 sind:
Ein 11 prozentiger Abbau der Militärhilfe von 4,7
Milliarden auf 4,2 Milliarden Dollar, was die
geringeren internationalen Spannungen widerspiegelt. Israel und Ägypten erhalten etwa 70
Prozent der gesamten Militärhilfe, der Rest geht
an andere Verbündete, darunter Portugal, die
Türkei, Griechenland und die Andenstaaten.
Eine Kürzung um 100 Millionen Dollar bei Wirtschaftshilfefonds von 3,2 Milliarden auf 3,1 Milliarden Dollar. Israel und Ägypten werden etwa
65 Prozent aller Mittel aus diesem Programm
erhalten. Andere wichtige Empfänger sind die
frühere Sowjetunion, El Salvador, Nicaragua
und die Andenstaaten.
Eine Steigerung um 50 Millionen Dollar bei der
Osteuropahilfe von 400 Millionen auf 450 Millionen Dollar, mit dem Schwerpunkt der Stärkung
demokratischer Institutionen und Marktwirtschaft.

Seite 5

�In etwa konstante Wirtschaftshilfe von 2,5 Milliarden Dollar, einschließlich des Entwicklungsfonds für Afrika. Erwartungsgemäß werden wir
70 Ländern Hilfe mit Programmen leisten, die
dauerhaftes breitgefächertes Wirtschaftswachstum betonen.
Ein Sonderfonds für Kapitalprojekte im Umfang
von 100 Millionen Dollar, um den Empfängerländern bei Investitionen in ihre Infrastruktur zu
helfen.
Eine Umweltinitiative für Asien über 25 Millionen
Dollar, um die ernsthaften Umweltprobleme anzugehen, die Asiens Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.
1,3 Milliarden Dollar Nahrungsmittelhilfe im
Rahmen des Programms PL-480, mit dem Ziel,
Bedürftigen auf der ganzen Welt zu helfen und
künftige Märkte für US-Agrarprodukte zu erschließen.
286 Millionen Dollar für die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas, um die Schuldenlast gegenüber den Vereinigten Staaten abzubauen, die Länder auf dem
Weg zur wirtschaftlichen Liberalisierung angesammelt haben.
eine Investition in die Zukunft eines schnell
wachsenden Markts für amerikanische Exporte.
Multilaterale Entwicklungsinstitutionen
Für das Haushaltsjahr 1993 fordern wir 1,8 Milliarden
Dollar für multilaterale Entwicklungsorganisationen,
die wirtschaftliche Reformen und Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern fördern. Darin enthalten
sind 100 Millionen Dollar für den von der Interamerikanischen Entwicklungsbank verwalteten Multilateralen
Investitionsfonds EAI. Der Fonds gewährt Ländern
technische Hilfe und finanzielle Unterstützung, die ihre
Investitionsregimes liberalisieren. Darüber hinaus
schlagen wir eine neue vierjährige Auffüllung des
Entwicklungsfonds für Asien vor, mit einer ersten Rate
von 170 Millionen Dollar im Jahr 1993.
Freiwillige Beiträge
Femer fordern wir für das Haushaltsjahr 1993 257
Millionen Dollar für freiwillige Beiträge an internationale Organisationen wie das UN-Entwicklungsprogramm
(124 Millionen Dollar) und den Kinderhilfsfonds der
Vereinten Nationen (60 Millionen Dollar).
Flüchtlingsprogramme
Die Vereinigten Staaten spielen seit langem eine wichtige und entscheidende Rolle beim Umgang mit dem
weltweiten Flüchtlingsproblem - 1991 nirgendwo offensichtlicher als bei unserer unmittelbaren Hilfe für die

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Kurden. Unser Antrag für das Haushaltsjahr 1993
umfaßt 550 Millionen Dollar an Auswanderungs- und
Flüchtlingshilfe und 20 Millionen Dollar zur Aufstokkung des Notfonds für Flüchtlingshilfe. Für unsere
Flüchtlingsprogramme im Ausland beantragen wir 265
Millionen Dollar, um internationale Bestrebungen zu
unterstützen und Flüchtlingen Schutz, Versorgung,
Hilfe bei Umsiedlung und Repatriierung zu gewähren.
Zur Finanzierung unseres Programms für die Einreise
und Umsiedlung von Flüchtlingen beantragen wir 208
Millionen Dollar. Damit werden die Ausgaben für
schätzungsweise 122.000 Flüchtlinge gedeckt, deren
Einreise in die Vereinigten Staaten geplant ist. Schließlich schlagen wir zur Fortführung eines 1973 eingeführten Programms 50 Millionen Dollar für die Umsiedlung von Flüchtlingen in Israel vor.
Drogenbekämpfung
Im Haushaltsjahr 1993 beantragen wir etwa 580 Millionen Dollar für internationale Drogenbekämpfungsprogramme, um dem Fluß illegaler Drogen in die Vereinigten Staaten Einhalt zu gebieten - eine oberste nationale Priorität. Dabei sollen mit 173 Millionen Dollar
Aktivitäten des Amts für Internationale Drogenangelegenheiten finanziert werden, unter anderem polizeiliche Maßnahmen in Lateinameria und Asien und die
Drogenbekämpfung per Flugzeug. 250 Millionen Dollar Hilfe aus dem Wirtschaftsförderungsfonds werden
Kolumbien, Peru und Bolivien dabei unterstützen, ihre
legale Wirtschaft neuzubeleben und Alternativen zum
Koka-Anbau zu schaffen. Programme von FMF, dem
US-Amt für internationale Entwicklung und dem USInformationsamt runden das Paket zur Drogenbekämpfung im Rahmen der Außenpolitik ab.
Investitionen in die Diplomatie
Der Zusammenbruch der Sowjetunion verschafft uns
eine einzigartige Chance, amerikanische Interessen
und Werte weltweit zu fördern. Eine unserer ersten
Prioritäten wird die Eröffnung neuer Botschaften in der
früheren Sowjetunion und die Verstärkung unserer
Präsenz im Baltikum und in Kambodscha sein. Erst im
vergangenen Monat haben wir Botschaften in Kiew,
Minsk, Alma-Ata, Bischkek und Eriwan eröffnet. Wenn
wir diese Chance nutzen wollen, müssen wir auch das
Einwanderungsgesetz von 1990 durchführen, Amerikanern im Ausland konsularische Dienste anbieten,
unsere Beamten ausbilden, neue Sprachen zu sprechen und neue Probleme zu erkennen und unser lange
aufgeschobenes Programm für Instandsetzung, Modernisierung oder Neubau unserer diplomatischen und
konsularischen Vertretungen fortsetzen. Im Haushaltsjahr 1993 beantragen wir 2,1 Milliarden Dollar für
den Betrieb des Au ßenministeriums - eine Steigerung
von 115 Millionen Dollar gegenüber dem laufenden
Jahr. Darüber hinaus fordern wir 600 Millionen Dollar
für unser Bauprogramm im Ausland. Von dieser
Gesamtsumme werden 140 Millionen Dollar in die

AMERIKA DIENST 6

�Fertigstellung moderner und sicherer Gebäude in
Moskau fließen - ein wichtiger Schritt, um dieses noch
ausstehende Problem zu lösen.

zu 500 Freiwillige in die Republiken der früheren
Sowjetunion entsandt, ohne daß unsere Bestrebungen an anderen Orten verringert werden müßten.

Öffentlichkeitsarbeit

Schlußbemerkung

Die amerikanische Öffentlichkeitsarbeit nahm bei der
amerikanischen Politik gegenüber den Revolutionen in
Osteuropa und der früheren Sowjetunion einen hohen
Stellenwert ein. Im Haushaltsjahr 1993 fordern wir 1,1
Milliarden Dollar für das US-Informationsamt, das seine
Aktivitäten in den Ländern der früheren Sowjetunion
und in Kambodscha auszuweiten plant. Ferner streben wir 220 Millionen Dollar für den Internationalen
Rundfunkrat an.

Herr Vorsitzender, nach diesem Parforceritt durch
unseren Haushalt für die Au ßenpolitik möchte ich gern
auf eine Beobachtung zurückkommen, die ich zu Beginn
dieser Ausführungen gemacht habe: Wir sind auf dem
Weg in ein neues Zeitalter. Es ist so neu, daß dafür
noch eine Bezeichnung gefunden werden muß. Wir
erfreuen uns der einmaligen Chance, an der Gestaltung dieser neuen Ära mitzuwirken und sie für künftige
Generationen zu definieren. Wird sie als Zeitalter des
Neoisolationismus bekannt werden? Das Zweite Zeitalter des Protektionismus? Das Zeitalter der Weiterverbreitung? Die Ära schmutziger kleiner Kriege?
Oder wird sie als Zeitalter des Wohlstands, der Demokratie, des langen Friedens in die Geschichte eingehen? Wir haben die Wahl.

Peace Corps
Im Haushaltsjahr 1993 fordern wir 218 Millionen Dollar
für das Peace Corps. Damit werden vordringliche
Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa unterstützt und bis

*

AMERIKA DIENST 6

* * *

*

Seite 7

�UMWELT
12. Februar 1992

USA BEREIT ZUM ENTWURF EINES PLANS ZUR
KONTROLLE VON TREIBHAUSGASEN
Interview mit Robert Reinstein
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind bereit, bis Juni 1993 einen Plan zur Kontrolle von
gasförmigen Emissionen - darunter Kohlendioxid - zu erarbeiten, die durch die Erwärmung der Erde möglicherweise zu den weltweiten Klimaveränderungen beitragen.
In einem Interview mit dem US-Informationsamt erklärte der Referatsleiter für Umweltfragen im US-Außenministerium, Robert Reinstein: "Eine einschneidende Verringerung von Treibhausgasen läßt sich ohne die
Einbeziehung von Kohlendioxid nicht erreichen, da Kohlendioxid einen solch erheblichen Anteil an den
Gesamtemissionen hat."
Reinstein ist der amerikanische Chef Unterhändler beim Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuß (INC) von
Vertretern aus etwa 130 Ländern, die gegenwärtig ein Rahmenabkommen über Grundsätze der Erforschung und
Kontrolle von Treibhausgasen erörtern. Die Unterhändler bemühen sich, bis zur Umweltkonferenz der Vereinten
Nationen in Rio de Janeiro vom 1.-12. Juni 1992 einen solchen Vertrag zu erarbeiten.
Reinstein zufolge könnte der amerikanische Entwurf für einen Plan zur Eindämmung von Treibhausgasen
frühestens ein Jahr nach Unterzeichnung eines internationalen Rahmenabkommens fertig sein. Für gewöhnlich ist bis zur Ratifizierung eines Vertrags, die meistens ein Jahr nach der Unterzeichnung oder noch später
stattfindet, kein Land zum Handeln verpflichtet.
Wissenschaftler haben herausgefunden, daß sich durch die Verbrennung von Kohle und Öl entstehendes
Kohlendioxid und andere Gase in der Atmosphäre konzentrieren und so das Entweichen eines Teils der
Erdwärme in den Weltraum verhindern. Es ist nicht sicher, ob dies schwerwiegende Klimaveränderungen zur
Folge haben wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview mit Reinstein in Auszügen.

Frage: Soviel ich weiß, fand das letzte, das vierte
Treffen des Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses im Dezember in Genf statt. Wurden bei der
Konvention über Klimaveränderungen Fortschritte
erzielt?

lich, den viele jedoch noch nicht demonstriert haben,
sowie viel Geduld und harte Arbeit. Wir können dies
leisten, aber viele werden im Februar mit der Bereitschaft antreten müssen, auf eine praktische und
machbare Lösung hinzuarbeiten...

Antwort: Nun, die gute Nachricht lautet, daß zahlreiche Länder ziemlich detailliert ihre nationalen Positionen und Interessen dargelegt haben, indem sie entweder eigene Sprachregelungen für bestimmte Verfügungen vorgeschlagen oder gewisse andere Sprachregelungen abgelehnt haben. Die nationalen Positionen einer Reihe von Staaten sind also jetzt wesentlich
deutlicher. Das ist die gute Nachricht.

Einige der unterbreiteten Vorschläge sind jedoch in der
kurzen noch verbleibenden Zeit einfach nicht zu verwirklichen. Sie liegen zu weit außerhalb des allgemeinen Konsenses und sind zu komplex, um in dem zur
Verfügung stehenden engen Zeitrahmen verabschiedet zu werden.

Die schlechte Nachricht ist, daß dieser Text im Ergebnis so viele Klammern enthält, daß er nahezu unlesbar
ist. Um bis April eine Einigung herbeizuführen, ist von
zahlreichen Staaten der politische Wille dazu erforderAMERIKA DIENST 6

Frage: Können Sie mir sagen, wie die amerikanische
Position in den Verhandlungen aussieht? Wurden im
Dezember Veränderungen an der amerikanischen
Position vorgenommen? Ganz konkret, haben die
Vereinigten Staaten erklärt, sie würden die Verpflichtung eingehen, innerhalb von sechs Monaten nach
Seite 1

�Unterzeichnung einer Rahmenkonvention in Rio einen
Zeitplan für die Verringerung von Treibhausgasen
vorzulegen?
Antwort: Ja, das trifft in etwa zu. Unsere Position hat
sich in der Tat nicht grundsätzlich verändert. Sie hat
sich an den ursprünglich entwickelten Leitlinien orientiert, sich aber grundsätzlich nicht verändert, und das
heißt, daß wir grundsätzlich einer Rahmenkonvention
zustimmen sollten.
Innerhalb dieser Rahmenkonvention könnten wir weitergehen als bei den früheren Rahmenkonventionen,
etwa bei der Wiener Konvention zum Schutz der
Ozonschicht, und einen Prozeß der Zusammenarbeit
und Weiterentwicklung nationaler Ansätze zu Klimafragen schaffen.
Diese Art von Ansatz geht über eine reine Rahmenkonvention hinaus. Wir sind der Ansicht, daß diese Art
von Ansatz dem gegenwärtigen Wissensstand und
Verständnis von Klimafragen sowie den technischen
und wirtschaftlichen Aspekten von Reaktionen auf
Klimaveränderungen gerecht wird und die größtmögliche Zahl von Ländern in eine Konvention einbeziehen
würde.
Im Dezember haben wir lediglich darauf verwiesen,
daß wir im Februar des vergangenen Jahres einen
Aktionsplan zu Klimaveränderungen veröffentlicht
hatten, der eine erste Bestandsaufnahme von Maßnahmen umfaßte, die im Hinblick auf das Klima Vorteile bringen könnten.
In Genf habe ich dargelegt, daß wir die Maßnahmen
und Zahlen überprüfen, die in Zusammenhang mit
dem Bericht genannten Schätzungen von Treibhausgasen, um herauszufinden, ob es bei diesen Zahlen
Veränderungen gegeben hat, ob noch andere Maßnahmen, die vor einem Jahr noch nicht einbezogen
wurden, als weitere Schritte zur Bewältigung der Klimaveränderungen hinzugefügt werden könnten.
Wir haben erklärt, daß wir einige Ergebnisse dieser
Überprüfung im Rahmen des Verhandlungsprozesses
mit anderen Ländern teilen würden. Das heißt, wir
würden sie über die vorgesehenen Maßnahmen informieren, die wir kurzfristig zur Unterstützung der allgemeinen Reaktion auf die Klimaveränderungen ergreifen würden.
Zu einer Konvention oder einem Abkommen dieser Art
gehört für gewöhnlich eine Regelung für das Inkrafttreten. Der Vertrag tritt erst in Kraft, nachdem eine
bestimmte Zahl von Ratifizierungen erfolgt ist... Die
Konvention würde voraussichtlich bis zu einem bestimmten Termin nach dem Inkrafttreten die Unterbreitung nationaler Klimaaktionspläne fordern. Die Vorlage dieser nationalen Aktionspläne könnte somit erst
bis 1994 oder 1995 erforderlich werden.

In Genf habe ich darauf verwiesen, daß die Vereinigten
Staaten nach der Unterzeichnung einer solchen Konvention im Juni dieses Jahres die Arbeit an ihrem
nationalen Aktionsplan aufnehmen und einen Entwurf
erwartungsgemäß innerhalb eines Jahres nach Unterzeichnung veröffentlichen würden. Das ist vor dem
Inkrafttreten und natürlich lange vor dem Termin, den
die Konvention für die Unterbreitung eines solchen
Plans fordert.
Frage: Das heißt also, innerhalb eines Jahres nach
Rio?
Antwort: Innerhalb eines Jahres - bis Juni 1993 - wird
es einen Entwurf der Vereinigten Staaten geben, nicht
unbedingt zum Zweck der Zustimmung und Kommentierung durch die Öffentlichkeit, aber sicher zu deren
Information.
Frage: Was sollte ein solcher Plan enthalten? Würde
er das umfassen, was man gemeinhin Ziele und Zeitpläne nennt?
Antwort: Das könnte sein, aber er sollte unserer
Meinung nach keine ausdrücklichen Ziele und Zeitpläne enthalten, an die sich alle Teilnehmer der Konvention halten müßten. In den einzelnen Ländern gibt es
unterschiedliche Situationen, die solch starre Ziele und
Zeitvorgaben insbesondere bei Umweltproblemen
unangemessen erscheinen lassen.
In einigen Bereichen könnten sie angemessen sein.
Zum Beispiel bei Schwefeldioxid und saurem Regen.
Es könnte auch für Fluorchlorkohlenwasserstoffe (die
das Ozon in der Atmosphäie zerstören) zutreffen. Im
Hinblick auf das Klima wünschen wir uns eher, daß
sich einzelne Länder zu Maßnahmen bereiterklären
und die Resultate abschätzen, damit wir die Maßnahmen ingesamt auf internationaler Ebene einschätzen
können.
Projektionen von Ergebnissen hängen notwendigerweise von einer Reihe Faktoren ab, etwa Wirtschaftswachstum, den Weltpreisen und der Entwicklung
einer Vielzahl von Technologien, die heute noch nicht
existieren oder kommerziell genutzt werden. Deshalb
gibt es im Aktionsplan eines jeden Landes natürlich
viele Vorbehalte.
Japan hat zum Beispiel vorgeschlagen, bis zur Jahrtausendwende 40 neue Atomkraftwerke zu bauen.
Das ist ein guter Trick. Man braucht dazu nicht nur
Geld sondern auch die Zustimmung der Öffentlichkeit.
Manchmal sind im Hinblick auf den Standort des neuen
Kraftwerks wichtige politische Fragen zu lösen. Meiner Ansicht nach müßte sich jedes Land mit einem
nationalen Plan verpflichten, sein Bestes zu tun, um
bestimmte Ergebnisse zu erzielen.

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 6

�Aber jeder muß sich der Tatsache bewußt sein, daß
die tatsächliche Realisierung bestimmter Lösungen
von einer Reihe wirtschaftlicher und politischer Faktoren abhängt, die nicht von einer kleinen einflußreichen
Gruppe kontrolliert werden.
Frage: Wie Sie wissen, konzentrieren sich viele
Umweltschützer in diesem Land und viele Kongreßabgeordnete auf das, was sie als Notwendigkeit zum
Abbau von Kohlendioxidemissionen betrachten. Würden
Sie prognostizieren, daß im Falle eines Abkommens
der US-Plan innerhalb eines Jahres Bestimmungen
zur Stabilisierung oder Reduzierung von Kohlendioxidemissionen enthalten würde?
Antwort: Wir haben uns nicht entschieden, ein Treibhausgas wie etwa Kohlendioxid hervorzuheben. Es
gibt andere Treibhausgase, die ebenso wichtig sind.
Ozon ist ein sehr wichtiges Treibhausgas. Weiterhin
ist Methan sowohl im Energiesektor als auch im Agrarsektor ein sehr wichtiges Treibhausgas.
Unserer Meinung nach muß unser Ansatz umfassend
sein, alle Treibhausgase einbeziehen und sowohl ihre
Quellen als auch ihre Einsickersteilen (Ozeane, die
Wärme absorbieren) berücksichtigen. Die Haltung der
Vereinigten Staaten dazu hat sich nicht verändert, und
es gibt sehr gute wissenschaftliche und wirtschaftliche
Gründe, warum sie sich nicht verändern sollte. Kohlendioxid ist das am weitesten verbreitete Treibhausgas, das durch Aktivitäten des Menschen entsteht.
Und meiner Meinung nach wird sich jeder von den
Vereinigten Staaten oder einem anderen Land veröffentlichte Plan mit Kohlendioxid beschäftigen. Eine
einschneidende Verringerung von Treibhausgasen läßt
sich ohne die Einbeziehung von Kohlendioxid nicht
erreichen, da Kohlendioxid einen solch erheblichen
Anteil an den Gesamtemissionen hat.
Kohlendioxid muß also unbedingt angesprochen werden, aber unserer Meinung nach als Teil einer umfassenden Reaktion, die nicht andere wichtige Treibhausgase unberücksichtigt läßt.
Frage: Dieses Angebot war im Dezember neu?
Antwort: Wir hatten es bisher noch nicht unterbreitet,
aber es ist in der Tat ganz vernünftig. Wir haben
vorgeschlagen, daß andere Länder ähnliche Verpflichtungen eingehen. Ich habe noch nicht gehört, daß
irgendein anderes Land eine solche Verpflichtung
ausdrücklich eingegangen ist. Auf der anderen Seite
wurden ausdrücklich Zusagen im Hinblick auf Ziele
und Zeitpläne bei Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen gemacht, einige nur bei Kohlendioxid, andere
bei Treibhausgasen insgesamt.
Ich sehe nicht, wie sie die Ziele ohne einen nationalen
Plan oder im Fall der EG einen regionalen Plan mit
besonderen Maßnahmen zur Erlangung der Reduzierungen erreichen wollen. Ziele reduzieren noch keine
Emissionen, Taten reduzieren Emissionen. Ohne eine
AMERIKA DIENST 6

Festlegung der Maßnahmen ist es sehr schwierig zu
erkennen, wie sie die zur Erlangung der Ziele erforderlichen Maßnahmen verwirklichen wollen.
Jetzt hat die EG-Kommission eine Energiesteuer vorgeschlagen, die zum Teil eine Kohlesteuer, zum Teil
tatsächlich eine Energiesteuer ist, die im Falle ihrer
Verabschiedung einen wichtigen Beitrag zur Erlangung der Stabilisierung leisten könnte. Aber ich möchte darauf verweisen, daß die EG tatsächlich eine
solche Steuer noch nicht verabschiedet hat, obwohl
die Umwelt-und Energieminister der EG im Dezember
vereinbarten, die Kommission zu ermächtigen, einen
eingehenden Vorschlag bis zum Frühjahr nächsten
Jahres zu erarbeiten... Die Einzelheiten, wie eine
solche Steuer funktionieren sollte, sind noch nicht
bekannt und werden bis zum Frühjahr auch nicht
bekannt werden. Es bleibt abzuwarten, ob sie verabschiedet werden wird.
Als früherer Energiefachmann kann ich dazu sagen:
Wenn diese Steuer so verabschiedet wird, wie sie von
der Kommission vorgeschlagen wurde - 50 Prozent auf
Kohlendioxid und 50 Prozent andere Energie, wenn sie
mit dem Gegenwert von 3 Dollar pro Barrel Öl im Jahr
1993 beginnt und auf 10 Dollar pro Barrel bis zum Jahr
2000 ansteigt, aber energieintensive Industriezweige
unberücksichtigt läßt und einkommensneutral angelegt ist - wenn sie so verabschiedet wird, würde sie
nicht die Hälfte dessen erzielen, was zur Stabilisierung
erforderlich ist.
Ich erkenne also immernoch nicht, daß diejenigen, die
Ziele vorgeschlagen haben, auch die Maßnahmen zu
deren Verwirklichung bestimmen, außer Japan vielleicht, aber auch abhängig vom Bau der 40 neuen
Atomkraftwerke und unter der Annahme niedrigerer
Wachstumsraten als die Wirtschaft gegenwärtig verzeichnet.
Frage: Könnten Sie bitte die Position der Entwicklungsländer in Genf oder danach umreißen? Gibt es
einen einheitlichen Ansatz?
Antwort: Nein. Die sogenannte Gruppe der 77 oder
G-77 der blockfreien Länder, die sich jetzt auf nahezu
130 Länder plus China beläuft, hat in der Tat keinen
Konsens über die Sprachregelung bezüglich der Verpflichtungen erzielt.
Es bestehen erwartungsgemäß einige signifikante
Unterschiede innerhalb einer solch großen Gruppe
und es gibt ein beträchtliches Gefälle bei der Wirtschaftsentwicklung der G-77. Der Grad der Betroffenheit durch Klimaveränderungen variiert, was zur Gründung des Verbands kleiner Inselstaaten geführt hat,
die eine sehr aggressive Position einnehmen, da sie
über den Anstieg des Meeresspiegels besorgt sind.
Und dann gibt es natürlich die Organisation der erdölausführenden Länder (OPEC), die sich über voreilige Aktionen zur reduzierten Verwendung fossiler BrennSeite 3

�Stoffe - insbesondere ö l - angesichts noch immer nicht
wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse Sorgen macht.
Und dann bestehen natürlich andere unterschiedliche
Interessen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb
der Gruppe. Aber es ist ihnen nicht gelungen, einen
Konsens zu einer gemeinsamen Position bezüglich
der Verpflichtungen in Genf zu erzielen.

vernünftige Weise finanziert werden können, wobei wir
so weit wie möglich auf bestehende Institutionen,
Verfahren und Ressourcen zurückgreifen.
Frage: Bedeutet das, den Weg über die Internationale
Umwelteinrichtung der Weltbank zu gehen?
Antwort: Das ist unser bevorzugter multilateraler
Mechanismus. Natürlich gibt es auf bilateraler Ebene
beträchtliche Aktivitäten. Hier ist Geld im Spiel, eine
beachtliche Menge ... rund 100 Millionen Dollar an
Projekten. An die Adresse derjenigen, die sagen, die
Vereinigten Staaten tun nichts, lautet die Botschaaft:
Wir tun ziemlich viel. Und vielleicht sollten wir mehr
über das spechen, was wir tun.

Frage: Herrscht allgemein die Position vor, daß eine
Reduzierung der Treibhausgase beträchtliche zusätzliche Finanzhilfe sowie einen Austausch von Technologie und Know-how benötigt?
Antwort: Ja, all dies wurde erwähnt. Sie haben dies
immer wieder in Bezug auf praktisch jedes internationale Umweltabkommen gesagt. Und sie haben es
natürlich im Hinblick auf das Klima gesagt - sollten
irgendwelche Aktionen oder Verpflichtungen von ihnen gefordert werden, die über diejenigen hinausgehen, die sie in jedem Fall im Gefolge der nationalen
Wirtschaftsentwicklung vorgenommenen hätten, müßten
diese bezahlt werden - die zusätzlichen Kosten hätten
die Industrienationen zu tragen, und jede erforderliche
Technologie mü ßte ihnen bevorzugt und auf nichtkommerzieller Basis übermittelt werden. Wir haben diese
Forderungen nicht akzeptiert.

Frage: Konnten Sie feststellen, daß die amerikanische Position in den Verhandlungen unterstützt wurde? In diesem Land wurden von den Umweltschützern
und sogar von Kongreßabgeordneten wiederholt
Anschuldigungen vorgebracht, die Vereinigten Staaten seien praktisch isoliert bei den Verhandlungen?
Antwort: Ich würde nicht sagen isoliert, und ich
glaube, in dem Maße, in dem die Länder verstanden
haben, was wir sagen, haben eine ganze Reihe ihre
Unterstützung zum Ausdruck gebracht, teils privat,
teils öffentlich.

Frage: Gibt es eine Vorstellung, wie hoch diese
Kosten sein könnten?

Einige haben den Eindruck, wir seien isoliert. Meines
Erachtens ist dies ein falscher Eindruck, aber in dem
Maße, in man nicht verstanden hat, was wir sagen, war
man vielleicht nicht so sehr zur Unterstützung bereit
wie sonst. Wir müssen die offenkundig positive Seite
der von uns eingenommenen Position deutlicher zum
Ausdruck bringen.

Antwort: Das hängt von der Definition ab. Einigen
Berechnungen zufolge - von einem Delegationsmitglied aus einem Entwicklungsland wurden sie als massiv
bezeichnet. Aber aus einer anderen Perspektive - und
abhängig davon, wie man den Nutzen für die Umwelt
berechnet, die wirtschaftliche Vorteile einbezieht und
die durch die Einsparungen auf Dauer erzielte Wirtschaftlichkeit berücksichtigt, erfordern viele diese Dinge
in der Tat keine zusätzlichen Kosten.

Frage: Sind Sie optimistisch oder pessimistisch, daß
in Rio ein Abkommen erzielt werden kann?
Antwort: Ich möchte mich nicht 100prozentig festlegen, bin aber eher optimistisch als pessimistisch.
Meines Erachtens ist es eindeutig möglich. Wie ich zu
Anfang gesagt habe, wird es politischen Willen, Geduld und harte Arbeit erfordern, aber es ist sicherlich
möglich. Und ich habe Anzeichen gesehen, daß eine
Reihe von Regierungen bereit ist, das Erforderliche zu
tun, um es zuwegezubringen, und so könnte es zweifelsohne Zustandekommen.

Auf der anderen Seite wurde das Argument vorgebracht, daß die Entwicklungsländer sehr viel tun könnten, indem sie einfach einem anderen Entwicklungsmuster beim Energieverbrauch folgen als die Industrienationen in früheren Jahren, als bestimmte Dinge
nicht gemacht wurden und bestimmte Technologien
nicht zur Verfügung standen, und dies ist für die
Entwicklungsländer nicht besonders lästig oder belastend.

Aber auch dies wird davon abhängen, daß einige
Regierungen von ihren teils unrealistischen Erwartungen Abstand nehmen, was in der begrenzten verfügbaren Zeit und beim aktuellen Stand von Wissenschaft
und Wirtschaft erreicht werden kann.

Wir müssen Chancen für kostengünstige oder kostenlose Maßnahmen ausmachen oder ihnen dabei helfen,
dies zu tun und dann darüber hinaus prüfen, ob weitere
Maßnahmen, die zusätzliche Kosten verursachen auf
* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 6

�EINWANDERER
12. Januar 1992

EINWANDERUNGSPOLITIK:
OFFEN FÜR OFFENE GRENZEN
von Stephen Moore
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Einwanderungspolitik ist seit langem ein kontroverses Thema, der
Konsens scheint jedoch dahin zu gehen, daß eine liberale Einwanderungspolitik der amerikanischen Kultur und
Wirtschaft dient. In dem nachfolgenden Artikel geht der Autor näher darauf ein. Der Artikel darf - mit folgendem
Zusatz versehen - nachgedruckt werden: Nachdruck mit Genehmigung von Business and Society Review,
Frühjahr 1991, Nr. 77. Copyright (c) 1991, Management Reports, Inc., 25-13 Old Kings Highway North, Suite
107, Darien, Connecticut 06820.
Stephen Moore ist zuständig für Einwanderungspolitik am Cato Institute, einer Denkfabrik mit Sitz in Washington.
1961 flüchtete Alfred Sklar aus Kuba in die Vereinigten
Staaten - einer von Tausenden, die dem kommunistischen Regime Castros entflohen. Heute ist Sklar einer
der führenden amerikanischen Unternehmer im Bereich der Hochtechnologie. Als Gründer und Forschungsdirektor bei Phoenix Laser Systems ist Sklar
als führender Kopf bei Pionierprojekten zur Perfektionierung der operativen Lasertechnik anerkannt, mit
der verschiedene Formen der Erblindung geheilt und
letztlich die optische Chirurgie revolutioniert werden
könnte.
Skiars Erfolgsstory in den Vereinigten Staaten ist in der
Tat anregend. Sie ist jedoch keineswegs ungewöhnlich. Er ist nur einer von Hunderttausenden von
Einwanderern, die dazu beitragen, die weltweite Führungsrolle der Vereinigten Staaten in den Hochtechnologiebranchen sicherzustellen. In den achtziger Jahren wendeten sich Tausende von Hochtechnologieunternehmen an die Einwanderer als Quelle von Talent
und Einfallsreichtum - ein Faktor, der vielen zufolge
dazu beigetragen hat, die Wettbewerbsfähigkeit der
Vereinigten Staaten bei der Entwicklung hochmoderner Computer, elektronischer, pharmazeutischer und
medizinischer Technologien aufrechtzuerhalten.
Amerikanische Unternehmer sehen Einwanderer
zunehmend als unabdingbare Quelle für neue Talente
und Ideenreichtum. Das soll nicht heißen, daß die
amerikanische Erfindungsgabe nicht mehr funktioniert, scheinen die amerikanischen Industriebosse zu
sagen. Das Problem ist vielmehr, daß die Nation mehr
davon benötigt.
AMERIKA DIENST 6

Im Oktober 1990 wurden die Rufe der Unternehmer
nach mehr hochqualifizierten Einwanderern zumindest teilweise erhört. Der amerikanische Kongreß
verabschiedete ein historisches Einwanderungsreformgesetz, das in den neunziger Jahren sehr viel mehr
Einwanderern die Tore öffnen wird. Dies war seit rund
25 Jahren die erste Überarbeitung der amerikanischen
Einwanderungsgesetze und insgesamt erst die fünfte.
Die Gesamteinwandererzahl wird ungefähr um 30
Prozent erhöht - auf 800.000 Neuankömmlinge pro
Jahr. Ebenso wichtig ist, daß die Zahl der anhand ihrer
hohen Qualifikation und Ausbildung zugelassenen
Einwanderer pro Jahr von 54.000 auf 140.000 fast
verdreifacht wird. Gleichzeitig bleibt der Eckpfeiler der
amerikanischen Einwanderungspolitik - die Familienzusammenführung - im wesentlichen intakt.
Trotz dieses neuen Gesetzes ist Einwanderung jedoch
nach wie vor eines der umstrittensten nationalen Themen.
Geschäftsinteressen, private Denkfabriken und ethnische Gruppen fordern weiterhin höhere Quoten.
Gleichzeitig ist die breite Öffentlichkeit skeptisch bezüglich der liberalisierten Einwanderungsbestimmungen. Einer jüngsten öffentlichen Meinungsumfrage
zufolge lehnen rund 70 Prozent der Amerikaner höhere Quoten ab.
Das ist natürlich nicht Neues. Die amerikanische
Einstellung gegenüber Ausländern war immer ein
kurioses Paradoxon. Obwohl eine Nation der Einwanderer, hat Amerika die jeweils letzten Neuankömmlinge nie mit offenen Armen empfangen.

Seite 1

�Gefühle gegen Einwanderer werden von einem sich
ausdehnenden Netz laut- und finanzstarker Einheimischer geschürt. Zu der Bewegung zählen führende
Umweltschutz- und Bevölkerungskontrollgruppen, die
Einwanderer als Ursache zunehmenden Drucks auf
die Umwelt betrachten, Gewerkschaftsverteter, die
Einwanderer als Konkurrenten verunglimpfen und sozialkonservative Organisationen, die fürchten, die Einwanderer verwässerten das weiße, europäische Erbe
der Vereinigten Staaten.
Die Dachorganisation dieses Netzes ist die 50.000
Mitgliederzählende Federationfor American Immigration Reform (FAIR). FAIR vertritt folgende Auffassung: "Zahlreiche soziale und ökologische Probleme
entstehen durch unkontrollierte Einwanderung. Sie
rangieren vom Mißbrauch unserer Rohstoffe über höhere
Steuern bis zu einer Überlastung des sozialen Netzes."
Natürlich haben diese Einheimischen in dem Sinne
recht, daß Einwanderer nicht eine ungetrübte Segnung sind. Wenn sie in den Vereinigten Staaten
ankommen, verursachen die Neuankömmlinge der
Gesellschaft durch ihren Schulbesuch, die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, der Straßen und der
Infrastruktur im allgememeinen häufig Kosten. In
rasch wachsenden Vororten, wo Verkehrsstaus und
Wohnungsmangel akut sind - Los Angeles, Miami und
Seattle beispielsweise - ist die Furcht der Öffentlichkeit
gegenüber ausländischen Neuankömmlingen verständlich. Zahlreiche Amerikaner sind insbesondere besorgt über den beobachteten Widerstand einiger Gruppen von Einwanderern, sich in die amerikanische
Gesellschaft zu integrieren - der sich am offenkundigsten in der Abneigung, Englisch zu lernen, manifestiert.
Dies alles sind berechtigte öffentliche Anliegen. Für
die meisten Amerikaner besteht das wichtigste Problem jedoch darin, ob es sich die Vereinigten Staaten
leisten können, erheblich mehr Einwanderer aufzunehmen. Werden die Vorteile steigender Einwanderung für die Gesellschaft - auf angenommen eine
Million Visa pro Jahr - die Kosten aufwiegen? Dieses
Problem beinhaltet demographische, wirtschaftliche
und kulturelle Erwägungen.
Was den ersten Punkt - Bevölkerungsentwicklung betrifft, so deutet alles darauf hin, daß Amerika weitere
Einwanderer aufnehmen kann. Verglichen mit früheren Zeitabschnitten der amerikanischen Geschichte
ist die Einwanderungsquote heute nicht besonders
hoch. Die neue Obergrenze von 800.000 Einwanderern pro Jahr liegt immer noch etwa 25 Prozent unter
dem Höchststand von einer Millionen jährlich in der
Zeit der großen Völkerwanderungen um die Jahrhundertwende. Als Prozentsatz der amerikanischen
Bevölkerung - eine nützliche Meßlatte für die Fähigkeit

Seite 2

des Landes, Einwanderer in die neue wirtschaftliche
und soziale Infrastruktur zu integrieren - akzeptiert
Amerika drei Einwanderer pro eintausend Einwohner.
Das ist fünfmal weniger als die höchsten Einwanderungsquoten und die Hälfte des geschichtlichen Durchschnitts.
Die meisten als Erwachsene in die Vereinigten Staaten
einreisenden Immigranten streben sofort auf den
Arbeitsmarkt. Können sie aufgenommen werden,
ohne daß viele Amerikaner den Verlust ihres Arbeitsplatzes riskieren? Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts der USA bestätigen, daß sie es
können. Der Arbeitsmarkt in Amerika wird in den
neunziger Jahren langsamer wachsen als in vier der
letzten fünf Jahrzehnte. Auf den Arbeitsmärkten besteht
landesweit ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.
Die Untersuchungen des Amts zeigen, daß der Arbeitsmarkt in den neunziger Jahren jährlich um genau
ein Prozent wachsen, die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften im technischen Bereich aber um das
Doppelte steigen wird. Das legt den Schluß nahe, daß
die Einwanderer genau zu der Zeit zahlreicher kommen, wo sie auf dem Arbeitsmarkt am meisten benötigt
werden.
Eine wichtige Studie des US-Arbeitsministeriums über
die Auswirkungen der Einwanderung auf den Arbeitsmarkt kommt zu dem Ergebnis, daß kein Beweis die
Annahme stützt, Einwanderer drängten US-Bürger
aus ihren Arbeitsplätzen. "Weder US-Arbeitnehmer,
die ungelernte Tätigkeiten ausüben noch die meisten
Minderheiten angehörenden Arbeitnehmer scheinen
durch Einwanderung beeinträchtigt zu werden", schließt
der 1988 veröffentlichte Bericht. George Borjas von
der University of California in Davis bestätigt diese
Erkenntnis. Borjas erklärt: "Die moderne Ökonometrie kann auch nicht den Funken eines Beweises dafür
erbringen, daß Einwanderer negative Auswirkungen
auf die Löhne und Gehälter sowie die Arbeitsmarktchancen gebürtiger Amerikaner haben.
Einwandererfüllen oftmals auf dem Arbeitsmarkt wichtige Nischen. Eine Prüfung der Berufsgruppenkategorien von im Ausland Geborenen zeigt, daß sie unverhältnismäßig häufig entweder Arbeitsplätze mit sehr
hohen Qualifikationsanforderungen - in Wissenschaft,
Medizin und Technik - innehaben oder auf der untersten Stufe des Dienstleistungsbereichs beschäftigt
sind, wo sie Geschirr spülen, Kinder betreuen oder
Obst und Gemüse pflücken. Manche dieser Tätigkeiten werden so ausschließlich von Einwanderern ausgeübt, daß ganze amerikanische Industriezweige ohne
sie geschrumpft oder ganz verschwunden wären. Das
gilt zum Beispiel für einen Großteil der landwirtschaftlichen Industrie in Kalifornien und im Staat Washington, die Viehzüchter in Idaho und New Mexico, die
Geflügelindustrie in Maryland und den New Yorker
Stadtteil, wo die Textilindustrie ansässig ist. Der

AMERIKA DIENST 6

�Präsident der Gewerkschaft Damenoberbekleidung,
Mazaffar Christie, vertritt die Auffassung, daß dieser
heimische Industriezweig in den vergangenen Jahrzehnten nur durch die ständige Zuwanderung neuer
Einwanderer am Leben erhalten wurde. Dasselbe trifft
einem Bericht der New York Times zufolge für einige
städtische Krankenhäuser in New York zu, die schließen müßten, wenn es keine Einwanderer gäbe, die als
Krankenschwestern oder Sanitäter arbeiteten. Diese
verborgenen Vorteile eingewanderter Arbeitnehmer
werden in der Debatte über Einwanderungspolitik selten erwähnt.

Rats der Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten. Dazu gehörten acht Nobelpreisträger, darunter Milton Friedman, Theodore W. Schultz, George
J. Stigler, James Tobin und James M. Buchanan. Der
Untersuchung zufolge sind 80 Prozent dieser international anerkannten Wirtschaftswissenschaftler der
Meinung, daß Einwanderer insgesamt einen "sehr
günstigen Einfluß auf das Wirtschaftswachstum des
Landes in diesem Jahrhundert" ausgeübt haben. Ebenso
waren nahezu zwei Drittel für eine Erhöhung der
Einwanderungsquoten als Weg, um "den Lebensstandard in den Vereinigten Staaten anzuheben".

Es sind nicht nur Beschäftigungen, die mittlere Qualifikationen erfordern, deren Überleben und Rentabilität
von Einwanderern abhängt. Die amerikanische Hochtechnologieindustrie blüht heute zum großen Teil, weil
Amerika immer wieder auf die besten und fähigsten
Köpfe aus der ganzen Welt zurückgreifen kann. Ein
gutes Beispiel dafür ist die erfolgreiche kalifornische
Computerfirma Intel, wo drei Mitglieder der Geschäftsleitung, einschließlich des Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden Andrew S. Grove (aus Ungarn) Einwanderer sind. Viele der bekanntesten Erfindungen bei
Computerchips für Mikroprozessoren wurden in den
siebziger und achtziger Jahren von Einwanderern
gemacht. "Unsere gesamte Industrie basiert auf Erfindungen für die nächste Generation der Computertechnologie," erklärt dazu ein Abteilungsleiter von Intel,
Dick Ward. "Der Motor, der diese Suche antreibt, ist

Die Bewertung kultureller und sozialer Auswirkungen
der Einwanderung für das moderne Amerika läßt sich
nicht einfach anhand von Statistiken und Zahlen vornehmen. Ob sich neue Einwanderer erfolgreich in die
amerikanische Gesellschaft integrieren, hängt zum
großen Teil von der Einstellung des Betrachters ab.
Viele, die in der Nähe von Little Saigon oder rein
hispanisch geprägten Vierteln in Los Angeles leben,
beschweren sich, daß sich diese neuen Amerikaner
nicht "amerikanisieren". Ein Autor spottete, Los Angeles sei zur amerikanischen Version einer Stadt in der
dritten Welt geworden.

Intelligenz. Und hier bei Intel sind es Einwanderer, die

einen großen Teil dieser Intelligenz stellen."
Im Jahr 1988 hat der hochangesehene Nationale
Forschungsrat (National Research Council) die Bedeutung im Ausland geborener Ingenieure für Branchen der amerikanischen Spitzentechnologie untersucht. Dabei ergab sich, daß viele amerikanische
Industriezweige von Wissen und Talent der Einwanderer profitieren. Die Schlußfolgerung des Rats ist es
wert, wiederholt zu werden: "Sehr wichtige positive
Aspekte ergeben sich aus der Anwesenheit im Ausland geborener Ingenieure in unserer Gesellschaft.
Die Vielfalt von geistigem Hintergrund und Erfahrungen, die im Ausland geborene Ingenieure in der Vergangenheit mitgebracht haben, hat erheblich zur technischen Leistungsfähigkeit der Vereinigten Staaten
beigetragen, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß neue Einwanderer nicht einen ebensolchen
Beitrag leisten werden."
Die Einwanderung ist eine der wenigen Fragen, bei
denen sich nahezu alle Wirtschaftswissenschaftler
über die positiven öknomischen Auswirkungen einig
sind. Im Jahr 1990 habe ich für das Hudson-Institut
und das amerikanische Einwanderungsinstitut eine
Untersuchung über 38 prominente Wirtschaftswissenschaftler durchgeführt - ehemalige Präsidenten des
amerikanischen Wirtschaftsverbands (American Economic Association) sowie ehemalige Mitglieder des
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Es ist jedoch nichts Neues, daß sich neue Einwanderer
in ethnischen Enklaven ansiedeln. Wellen von deutschen, griechischen, ungarischen, irischen, italienischen, jüdischen und polnischen Einwanderern in
Boston, Chicago, Milwaukee und New York haben
diesen Metropolen einen nachhaltigen ethnischen
Stempel aufgedrückt. Im 19. Jahrhundert weigerten
sich deutsche Einwanderer Englisch zu lernen und
versuchten beharrlich, ihre Sprache zu bewahren, bis
diese schließlich ausstarb. Damals wie heute war die
Klage dieselbe: Die "neuen" Einwanderer weigerten
sich, sich zu assimilieren. Dies wirft eine Frage auf:
Wenn sich die Europäer bei ihren Landsleuten niederließen, sich aber schließlich in die amerikanische
Gesellschaft einfügten, warum sollten wir uns dann
solche Sorgen darüber machen, ob neue asiatische
und hispanische Einwanderer im großen und ganzen
dem gleichen Muster folgen werden?
Amerika ist immer noch der Schmelztiegel, der es
schon vor 50 und 100 Jahren war, obwohl sich die
Geburtsorte der neuen Einwanderer verändert haben.
So ist zum Beispiel die Zahl der Ehen zwischen Angehörigen der verschiedenen ethnischen Gruppen in den
Vereinigten Staaten heute höher als je zuvor. Der
Volkszählung von 1980 zufolge heiraten 30 Prozent
der mexikanischstämmigen Amerikaner außerhalb ihrer
Volksgruppe. Dasselbe gilt für 60 Prozent der "sonstigen Hispanier" und 40 Prozent der Amerikaner chinesischer Herkunft. Die Besorgnis, Englisch werde in
den Vereinigten Staaten zur Zweitsprache und die
Vereinigten Staaten würden zur vielsprachigen Gesellschaft ist unbegründet. Im Jahr 1980 sprachen 98
Prozent der Amerikaner zumindest teilweise Englisch,
Seite 3

�so das amerikanische statistische Bundesamt, ein
höherer Prozentsatz als jemals zuvor in der amerikanischen Geschichte. Nahezu alle Kinder von Einwanderern beherrschen die englische Sprache neben ihrer
Muttersprache.

nehmerischsten Talente aus der ganzen Welt anzuziehen - sei die Formel, mit der Energie und Ehrgeiz der
Nation ständig aufgefrischt werden. Dieser Ansicht
zufolge sind Einwanderer der größte Wettbewerbsvorteil Amerikas in der Welt.

Die amerikanische Einwanderungspolitik scheint an
einem kritischen Punkt angekommen zu sein, während sich die Vereinigten Staaten für das nächste
Jahrhundert rüsten. Es gibt solche, wie etwa den
konservativen Kommentator Pat Buchanan, die vehement das Argument vertreten, die Stärke Amerikas
liege in seiner "euro-amerikanischen" Tradition. Millionen Amerikaner teilen diese Meinung. Zahllose andere jedoch, darunter viele führende Industrievertreter,
beharren darauf, die kulturelle Vielfalt Amerikas - seine
Fähigkeit, die fleißigsten, engagiertesten und unter-

Die Frage, wer diese entscheidende Debatte über die
Zukunft der nationalen Einwanderungspolitik gewinnen wird, steht weiterhin im Raum und bleibt weitgehend unbeantwortet. Wenn die Geschichte uns in
diesem Punkt leiten soll, so wird sich am Ende sicherlich die letztere Ansicht durchsetzen. Es erscheint
unvorstellbar, daß der Wert des Einwanderungsprozesses, der den Vereinigten Staaten seit über zweihundert Jahren zum Vorteil gereicht, heute in Zweifel
gezogen werden und zu Mißtrauen Anlaß geben sollte.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 6

�GESUNDHEITSWESEN
12. Februar 1992

NEUE GESETZESVORSCHLÄGE
IM GESUNDHEITSWESEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Zu Präsident Bushs Reformplänen im Gesundheitswesen hat das Weiße Haus die
nachfolgend veröffentlichte Übersicht herausgegeben, die Kernpunkte des Programms enthält.
Verbesserter Zugang zu Krankenversicherung
Übertragbare Gutscheine für die Krankenversicherung oder Steuervergünstigungen sollen eingeführt
werden, damit sich Familien mit bescheidenem oder
sehr geringem Einkommen eine Krankenversicherung
leisten können. Etwa 95 Millionen Amerikaner würden
damit unterstützt. Bei Einführung dieser Maßnahme
würden Familien mit nicht steuerpflichtigem Einkommen, das etwa an der Armutsgrenze liegt, einen Gutschein über bis zu 3.750 Dollar erhalten, was ausreichen würde, um bei der Krankenversicherung eine
Grundversorgung zu bezahlen. Dementsprechend
würden Einzelpersonen 1.250 Dollar und Familien mit
zwei Personen 2.500 Dollar erhalten. Einzelpersonen,
aus zwei Personen bestehende und größere Familien
mit Jahreseinkommen bis jeweils 50.000, 65.000 und
80.000 Dollar könnten den übertragbaren Gutschein
zur Krankenversicherung oder Steuervergünstigungen (auch bis zu 3.750 Dollar pro Familie) in Anspruch
nehmen.
Marktreformen
Grundversorgung. Die Bundesstaaten müßten ein
elementares Kranken versicherungspaket im Wert der
übertragbaren Gutscheine entwickeln. Damit könnten
Familien mit geringerem Einkommen eine ausreichende Krankenversicherung bezahlen.
Versicherungsgarantie. Arbeitnehmer, die ihre Stelle
wechseln, müßten sich nicht mehr um ihre "Kettung an
den Arbeitsplatz" sorgen - sie würden nicht mehr an
einem Arbeitsplatzwechsel gehindert, weil sie den
Verlust ihres Versicherungsschutzes fürchten. Die
Versicherungsträger müßten allen Arbeitgebern Leistungen gewähren, die dies wünschen. Der Versicherungsschutz wäre garantiert, verlängerbar, und bisherige Einschränkungen bei den Konditionen würden
abgeschafft.

AMERIKA DIENST 6

Gebündelte Kaufkraft bei Krankenversicherungsnetzwerken (Health Insurance Networks - HIN). Im
Hinblickauf Krankenversicherung haben kleine Betriebe nicht die vielen Vorteile der Gro ßbetriebe. Gro ßuntemehmen können selbst versichern und damit teure
Leistungsverordnungen und Versicherungssteuem vermeiden. Großunternehmen können Leistungen ebenso wie kleinere Firmen kaufen, aber zu viel niedrigeren
Preisen. Mit HINs - der neuen Art und Weise des
Abschlusses von Versicherungen - könnten kleinere
Firmen eine preiswerte und qualitativ gute Krankenversicherung erwerben. Damit könnten Kleinunternehmen auch preiswertere Versicherungen abschließen, weil die Verwaltungskosten gesenkt und die
durch sie erworbenen Versicherungen von übermäßigen Vorschriften der Bundesstaaten, einengenden
Gesetzen und Versicherungssteuern befreit würden.
Zum ersten Mal wären Gruppen wie der Nationale
Verband unabhängiger Unternehmen, die Vereinigung
von mittelständischen Unternehmen und die US-Handelskammer in der Lage, ihren Mitgliedern landesweit
eine bezahlbare Krankenversicherung zur Verfügung
zu stellen oder sich mit anderen Gruppen zusammenzuschließen, um die Kaufkraft am Markt des Bundesstaats oder des Standorts zu erhöhen.
Finanzierung der Versicherung. In absehbarer Zeit
dürfen die Beiträge für ähnliche, den Firmen eines
Industriezweigs verkaufte Versicherungspolicen um
nicht mehr als 50 Prozent variieren. Eine Anpassung
des Gesundheitsrisikos durch den Versicherungsträger wird stufenweise eingearbeitet, wodurch Unterschiede bei der Beitragsbemessung ausgeglichen
würden und dem Plan Flexibilität im Rahmen eines
neuen Versicherungsmarktes eingeräumt würde, der
von Wettbewerb bei Qualität und Kosten gekennzeichnet ist.

Seite 1

�Kostendämpfung im Gesundheitswesen
Vermeidung von Kunstfehlern. Ein drohender Prozeß wegen ärztlicher Kunstfehler veranlaßt die Ärzte,
Tests vorzuschreiben und Verfahren anzuwenden, mit
denen sie sicherstellen können, daß alles zur bestmöglichen Krankenversorgung unternommen wurde.
Diese defensiven Praktiken sind außerordentlich kostspielig für das System. Zur Behebung dieses Mißstands sieht der Plan des Präsidenten folgende Anreize für die Bundesstaaten vor: 1) Abschaffung der gemeinschaftlichen und Einzelhaftung für nichtwirtschaftliche Schäden, 2) Begrenzung nichtwirtschaftlicher
Schäden, 3) Aufhebung von Bestimmungen, die zweimalige Rekonvaleszenz gestatten, 4) Forderung gestaffelter Vergünstigungen, 5) Erarbeitung von Alternativen vor einem Gerichtsverfahren und 6) Einführung neuer Verfahren zur Verbesserung der Qualität
der Versorgung. In Zusammenarbeit mit Medizinern
entwickelte Normen für das Gesundheitswesen sollten
femer als Mittel zur Behebung von Unsicherheiten des
Arztes bezüglich der Bestrafung bei Kunstfehlem geprüft
werden.
Verbesserung der Verbraucherinformation. Um
Einzelpersonen und Arbeitgebern bei der Beurteilung
der unterschiedlichen Krankenversicherungspolicen
behilflich zu sein, erhalten die Verbraucher Zugang zu
ähnlichen Informationen wie in den "blauen Büchern"
über die durchschnittlichen Kosten der Dienstleistungen und die von Ärzten, Kliniken, Kliniklabors und
anderen Institutionen angebotenen Qualität der Versorgung. Dies trägt zur Kostendämpfung bei, indem
den Verbrauchern Vergleichswerte zur Verfügung gestellt
werden, anhand derer sie eine fundiertere Entscheidung treffen können.
Senkung der Verwaltungskosten. Dem Plan des
Präsidenten zufolge werden die Verwaltungskosten die sich jetzt auf 43 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen
- durch elektronische Verrechnungsstellen für den
Anbieter der Leistungen, elektronisch erstellte Krankenscheine für den Versicherten, vereinfachte Handhabung sowie eine Reform des Versicherungsmarkts
gesenkt.
Änderungen der Gesetze zur Krankenversicherung
und Marktreformen werden die Papierflut reduzieren,
mit der sich jeder versicherte Amerikaner konfrontiert
sieht - und die Milliarden von Dollar kostet. Einheitliche
Erstattungsverfahren und andere Reformen werden
die administrativen Kosten senken. Für Kleinunternehmen machen die Verwaltungskosten bis zu 40
Prozent der abgeschlossenen Versicherung aus. Für
den Versicherungsträger sind Kleinunternehmer kostenintensiv. HINs, in denen sich mehrere Versicherungsnehmer zusammenschließen, würden die Kosten für Verwaltung und Beiträge der Versicherung
reduzieren. Diese Kosten liegen für Großunternehmen gewöhnlich bei unter 10 Prozent. Staatlich zuge-

Seite 2

lassene HINs wären femer für einheitliche Erstattungsverfahren erforderlich - einerweiteren Quelle zur
Senkung der Vewaltungskosten.
Stärkerer Einsatz aufeinander abgestimmter
Versicherungen. 1990 hatten rund40 Millionen Amerikaner aufeinander abgestimmte Krankenversicherungen abgeschlossen - verglichen mit 10 Millionen im
Jahr. 1980. Der Plan des Präsidenten ermutigt die
breitere Nutzung abgestimmter Versicherungen einschließlich bevorzugter Versicherungsträger, unterschiedlicher Versicherungspläne, HMOS, Pflegeversicherung und anderer Formen abgestimmter Vorsorge.
Die Bundesstaaten werden zur Erarbeitung aufeinander abgestimmter Gesundheitsvorsorgesysteme ermutigt und Gesetze verboten, die dem wirksamen
Einsatz dieser Systeme zuwiderlaufen. Überdurchschnittliche staatlich vorgeschriebene Lesitungen - die
die Versicherungskosten aufblähen - werden verboten.
Reformen bei Medicare würden zu verstärkter und
aufeinander abgestimmter Mitgliedschaft in der Krankenversicherung ermutigen und die Anreize für koordinierte Krankenversicherungssysteme zum Vertragsabschluß mit Medicare steigern. Der Plan des Präsidenten würde es darüber hinaus den Anspruchsberechtigten von Gruppenkrankenversicherungen für
Rentner erleichtem, Leistungen aufeinander abgestimmter Gesundheitssysteme in Anspruch zu nehmen.
Verstärkte Flexibilität von Programmen
der Bundesstaaten. Die Bundesstaaten werden ermutigt, ein koordiniertes ieistungsbezogenes Medicaid-Programm zu verwirklichen. Darüber hinaus würden
sie die Flexibilität haben, ihr gesamtes Krankenversicherungssystem umzugestalten.
Die Bundesstaaten könnten entscheiden, die heutige
Finanzierung von Medicaid mit den neuen, durch die
Krankenversicherungsgutscheine gewährten Leistungen zu kombinieren, um eine einheitliche Krankenversicherung für einkommensschwache Einwohner zu
entwickeln.
Durch die neuen, vom Bund gewährten Krankenversicherungsgutscheine wird allen armen Einwohnern ohne
zusätzliche Belastung der Bundesstaaten eine medizinische Grundversorgung garantiert. Damit wird es den
Bundesstaaten ermöglicht, ihre Ressourcen im Gesundheitswesen gezielter für Medicaid und die nichtarme Bevölkerung einzusetzen.
Erweiterung kostengünstiger Dienstleistungen
In unterversorgten Gebieten. Die Innenstädte und
ländlichen Gebiete sind von akuten Engpässen bei der
Zahl der Ärzte und Krankenhäuser gekennzeichnet.
Der vom Präsidenten unterbreitete Haushalt 1993
erweitert die Finanzierung von gemeindeeigenen

AMERIKA DIENST 6

�Gesundheitszentren, mobilen Gesundheitszentren und
des Nationalen Gesundheitsdienstes, um die Gesundheitsvorsorge in diesen Gebieten zu verbessern.
Prävention.
Der vom Präsidenten vorgelegte Haushalt 1993 enthält 26,4 Milliarden Dollar für Vorsorgemaßnahmen,
was einer Steigerung um nahezu 4 Milliarden Dollar
oder 18 Prozent entspricht. Die Mittel für Vorsorgemaßnahmen wurden seit 1989 um über 11 Milliarden
Dollar oder 74 Prozent gesteigert. Der Haushalt 1993
schlägt eine Aufstockung um 18 Prozent bei Schutzimpfungen für Kinder sowie zur Reduzierung der Kindersterblichkeit, um 27 Prozent beim Programm Head
Start und für die frühkindliche Entwicklung, um 24
Prozent für die Vorsorge gegen Brust- und Gebärmutterkrebs sowie um 90 Prozent für die Prävention von
Bleivergiftungen im Kindesalter vor.
Alternative Ansätze
Die beiden alternativen Ansätze zur Reform des
Gesundheitswesens weisen grundlegende strukturelle Schwächen auf:
Das kanadische Modell. In Kanada haben weder
Leistungsanbieter noch Verbraucher einen Anreiz zur
Effizienz. Die Kosten im Gesundheitswesen wachsen
schneller als in den Vereinigten Staaten. Die Patienten
müssen lange Schlangen und Wartezeiten bei Operationen sowie Zugang zu moderner Technologie in Kauf
* *

AMERIKA DIENST 6

nehmen, und hochwertige medizinische Versorgung
ist rationiert. Ein Plan nach kanadischem Muster
würde zwischen 250 und 500 Milliarden Dollar an
neuen Steuern erfordern. Für qualitativ hochwertige
medizinische Versorgung begeben sich viele Kanadier
in die Vereinigten Staaten.
Das "Play-or-Pay"-Modell. Das "Play-or-Pay"-Modell (wonach der Arbeitgeber Beiträge entweder in eine
private oder eine öffentliche Krankenversicherung
einzahlen müßte) würde den Arbeitnehmern schaden,
indem es einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge
haben und zahlreiche Arbeitgeber zwingen würde, zur
Bewältigung der vorgeschriebenen Kosten die Löhne
zu senken. Einer Studie zufolge würde dieses System
kurzfristig zwischen 400.000 und 700.000 und langfristig bis zu 2 Millionen Arbeitsplätze kosten. Das "Playor-Pay"-System ist strukturell unsolide und wird zwangsläufig zu einer nationalen Krankenversicherung degenerieren. Mit seiner Einführung würden 59 Millionen
privat versicherter Amerikaner unter diesen öffentlichen Plan fallen, und die Instabilität des Plans würde
rasch eine allgemeine öffentliche Versicherung erzwingen. "Play-or-Pay" ist eine Steuer für einkommensschwache Arbeitnehmer und würde zum Verlust
von Millionen von Arbeitsplätzen führen. Schließlich
würden jährlich mindestens 37 Milliarden Dollar von
durch den Steuerzahler finanzierten Subventionen
erforderlich, um diesen öffentlichen Plan angemessen
zu finanzieren.

* *

*

Seite 3

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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 12.02.1992</text>
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          <name>Description</name>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Wehrkundetagung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Rede von Vizepräsident Quayle bei der Wehrkundetagung in München&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: "Projekt Hoffnung" Investition in Stabilität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung am Frankfurter Flughafen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Humanitäre Hilfe der USA an die GUS angerollt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Baker vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA bereit zum Entwurf eines Plans zur Kontrolle von Treibhausgasen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Robert Reinstein&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Einwanderer&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Einwanderungspolitik: offen für offene Grenzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen Moore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Gesundheitswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Gesetzesvorschläge im Gesundheitswesen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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