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22. Januar 1992

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DEUTSCH-AMERIKANISCHE
BEZIEHUNGEN

DEUTSCHLAND UND DIE VEREINIGTEN
STAATEN IM ANGESICHT GLOBALER HERAUSFORDERUNGEN IN EINER VERÄNDERTEN WELT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
bei der Friedrich-Ebert-Stiftung

WEITERVERBREITUNG

USA: BESORGNIS ÜBER WEITERVERBREITUNG
KONZENTRIERT AUF GUS UND NORDKOREA
CIA-Direktor Gates vor dem Senat

MARTIN LUTHER KING

BUSH WÜRDIGT VERMÄCHTNIS
MARTIN LUTHER KINGS
Proklamation zum gesetzlichen Feiertag

GOLFKRIEG

UNTERNEHMEN WUSTENSTURM EIN JAHR DANACH
von Henry E. Catto

WAHLEN '92

DIE LISTE DER VORWAHLEN UND
WAHLVERSAMMLUNGEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�DEUTSCH-AMERIKANISCHE

BEZIEHUNGEN
22. Januar 1992

DEUTSCHLAND UND DIE VEREINIGTEN STAATEN
IM ANGESICHT GLOBALER HERAUSFORDERUNGEN
IN EINER VERÄNDERTEN WELT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
BONN - (AD) - In einer Rede bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn hat sich der Botschafter der Vereinigten
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 21. Januar 1992 für eine
aktivere weltpolitische Rolle Deutschlands ausgesprochen. Er verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten
Deutschland nach wie vor als "Partner in der Führung" betrachten und äußerte sich befriedigt darüber, daß die
Bundesregierung sich zur Übernahme größerer Verantwortung in der Welt bekannt habe.
Botschafter Kimmitt fuhr dann fort: "In den vergangenen Wochen wurde vor allem von 'ungenannten Quellen'
häufig gesagt und geschrieben, die Amerikaner seien über das deutsche Selbstbewußtsein, das heißt
'assertiveness', besorgt, wenn nicht sogar beunruhigt. Ich möchte hier klar und unmißverständlich feststellen,
daß wir dieses deutsche Selbstbewußtsein im Rahmen kollektiver Aktionen zur Verwirklichung gemeinsamer
Ziele und Vorstellungen begrüßen und schätzen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters im Wortlaut.

Herr Minister Gerster,
Herr Börner,
Herr Dr. Lübkemeier,
meine Damen und Herren,
vielen Dank für diese freundlichen Einführungsworte.
Ich bin Ihrer Einladung, hier im Rahmen einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu aktuellen Fragen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses Stellung zu nehmen, sehr gerne gefolgt. Gerne deshalb,
weil ich weiß, welche wichtige, ja einzigartige Rolle die
politischen Stiftungen im politischen Leben und in der
politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland
spielen: sei es mit ihrer breit angelegten politischen
und gesellschaftlichen Bildungsarbeit im Geiste der
Demokratie oder in ihrer Funktion als Mittler und
Förderer des internationalen Austausches und - nicht
zu vergessen - im Bereich der Politikberatung und
wissenschaftlichen Forschung. Diese Merkmale zeichnen alle politischen Stiftungen in Deutschland aus,
aber gerade die Friedrich-Ebert-Stiftung als die älteste
deutsche Stiftung dieser Art kann hier natürlich auf
eine besonders lange und erfolgreiche Tradition zurückblicken.
AMERIKA DIENST 3

In den Vereinigten Staaten verfügen wir über Institutionen mit ähnlichen Zielen, die ebenfalls Zuschüsse der
Regierung erhalten. Dazu zählen die vier regionalen
Institute der AFL-CIO, die National Endowment for
Democracy sowie die Stiftungen der Republikanischen
und Demokratischen Partei. Ich hoffe, die sich verändernde Welt wird neue Möglichkeiten der Kommunikation und Kooperation zwischen diesen verwandten
deutschen und amerikanischen Institutionen eröffnen.
Mein Vorgänger, der von mir sehr geschätzte Botschafter Vernon Walters, hat fast auf den Tag genau
vor zwei Jahren hier an dieser Stelle eine Rede zur
deutschen Frage und zur europäischen Sicherheit aus
amerikanischer Sicht gehalten.
Ich erwähne dies deshalb, weil schon an der Themenstellung deutlich wird, mit welch rasanter Geschwindigkeit in den letzten beiden Jahren wahrhaft revolutionäre Veränderungen von welthistorischer Bedeutung
vor unseren staunenden Augen stattgefunden haben.
Das Thema der europäischen Sicherheit stellt sich
heute, nach der Herausbildung demokratisch legiti-

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�mierter Regierungen in Mittel- und Osteuropa, nach
der Auflösung des Warschauer Paktes, nach dem
Zerfall der Sowjetunion und nach den Erfahrungen des
Golfkrieges in einem ganz neuen und radikal veränderten Lichte dar.
Die deutsche Frage, das heißt die Wiedererlangung
der staatlichen Einheit Deutschlands, die damals immer
noch auf der internationalen Tagesordnung stand,
aber von einer Lösung noch Jahre entfernt schien, ist
inzwischen bereits Geschichte, wenn auch, zugegebenermaßen, die Vollendung der inneren Einheit noch
viel Geduld und Zeit braucht.
Mein Land ist stolz darauf, daß es Deutschland von
Anfang an bei der Wiedererlangung seiner staatlichen
Einheit in Freiheit tatkräftig und ganz ohne Vorbehalte
unterstützt hat. Wir haben es jedoch dabei nicht
bewenden lassen. Genauso engagiert sind wir dabei,
einen Beitrag dazu zu leisten, daß auch die innere
Einheit Deutschlands in all ihren Aspekten möglichst
bald vollendet werden kann.
100 amerikanische Firmen sind in den fünf neuen
Bundesländern tätig geworden; sie schaffen und erhalten über 20.000 Arbeitsplätze und erzielen ein Investitionsvolumen von 2 Milliarden DM. Ich weiß Produkte
aus dem Osten persönlich zu schätzen. Meine Eltern
haben im Jahr 1947 in Berlin geheiratet, und ich wurde
exakt neun Monate später in den Vereinigten Staaten
geboren. Ich bin also auch "Made in Germany".
Wie ich am 6. Januar in Neubrandenburg bekanntgab,
haben wir die Mittel für das amerikanisch-deutsche
Fulbright-Programm, den Englischunterricht und andere Austauschprogramme trotz unserer Haushaltsengpässe um über eine Million Dollar aufgestockt. Bei
diesem Besuch in Neubrandenburg habe ich auch der
dortigen Regionalbibliothek 16.000 Bücher eines unlängst geschlossenen amerikanischen Militärstützpunkts
in Gelnhausen übergeben. Die Zahl der von West
nach Ost gespendeten Bände ist damit auf über 100.000
gestiegen. Was wäre besser, um Schwerter zu Pflugscharen zu verwandeln, als eine ganze Bevölkerung
mit den kulturellen, akademischen und anderen Charakteristika eines anderen Landes und Volkes in Berührung zu bringen. Unsere Verpflichtung, die U.S.A.
der Bevölkerung der neuen Bundesländer näher zu
bringen, hat auch dazu geführt, unsere Handelspräsenz im Osten zu verdoppeln, ein neues Konsulat und
bald ein Amerika-Haus in Leipzig zu eröffnen, und die
RIAS Kommission in Berlin zu errichten, die es den
Ostdeutschen erlauben wird, die USA zu besuchen
und Einsicht aus erster Hand in die amerikanischen
Medienerfahrungen zu bekommen.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft
Als Präsident Bush in seiner Mainzer Rede vom Mai
1989 zum ersten Mal von Deutschland als Amerikas
Partner in der Führung sprach, wurde diese Geste hier
wohlwollend aufgenommen. Ich möchte jedoch beSeite 2

zweifeln, ob in dieser Aussage in der Bundesrepublik
damals mehr gesehen wurde als nur ein willkommenes
Zeichen dafür, daß unser bilaterales Verhältnis über
die Jahre einen so hohen Grad der Reife erreicht hat,
daß wir damit zu gegenseitig sich vertrauenden und,
wenigstens vom Grundsatz her, gleichberechtigten
Partnern geworden sind. Wer wollte jedoch bestreiten,
daß dieses deutsch-amerikanische Verhältnis heute,
nach der Wiedererlangung der Einheit Deutschlands
und der Wiedergewinnung seiner vollen Souveränität,
nach den dramatischen internationalen Umwälzungen
der letzten zweieinhalb Jahre entscheidender denn je
ist und eine Bedeutung erlangt hat, die von vielen
damals vielleicht noch nicht erkannt wurde?
Partnerschaft in der Führung bedeutet, daß ein jahrzehntelanges enges und freundschaftliches Verhältnis
eine neue Dimension erlangen muss. Ihre erste
Bewährungsprobe bestand diese Partnerschaft bei
der Behandlung und schließlich bei der Regelung der
äußeren Aspekte der deutschen Vereinigung. Der
Zwei-Plus-Vier Prozeß, der es erst ermöglichte, daß
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten so
schnell und scheinbar reibungslos zustande kommen
konnte, entstand aus den engen deutsch-amerikanischen Konsultationen. Ich freue mich, daß als angemessenes und aufregendes Zeichen dieser Partnerschaft, der deutsche Astronaut Ulf Merbold - so Gott
will - morgen gemeinsam mit einer amerikanischen
Besatzung zu einem Flug mit der Raumfähre starten
wird.
Präsident Bush hat in Mainz auch darauf verwiesen,
daß der ständige Begleiter der Führungsrolle die Verantwortung ist. Nach seiner Vereinigung hat Deutschland wegen seiner gewachsenen Größe und seinem
gestiegenen Einfluß international eine höhere Verantwortung zu übernehmen. Mit Genugtuung können wir
feststellen, daß Bundeskanzler Kohl und andere führende deutsche Politiker in mehreren öffentlichen
Erklärungen im letzten Jahr Präsident Bushs Angebot
zur Partnerschaft in der Führung dankbar begrüßt und
sich zu der Übernahme größerer Verantwortung in der
Welt bekannt haben.
In den vergangenen Wochen wurde vor allem von
"ungenannten Quellen" häufig gesagt und geschrieben, die Amerikaner seien über das deutsche Selbstbewußtsein, das heißt "assertiveness", besorgt, wenn
nicht sogar beunruhigt. Ich möchte hier klar und
unmißverständlich feststellen, daß wir dieses deutsche Selbstbewußtsein im Rahmen kollektiver Aktionen zur Verwirklichung gemeinsamer Ziele und Vorstellungen begrüßen und schätzen. Eine Partnerschaft bringt diejenigen mit gemeinsamer Sichtweise
und Orientierung einander näher, die ihre Erfolgschancen durch die Synergie kollektiven Vorgehens verbessern wollen. Ist das Ziel einmal gesteckt, wird von
jedem Partner erwartet - ja gefordert - bei der Verwirklichung dieses Ziels Selbstbewußtsein an den Tag zu
legen. Die Lektion der jüngeren Geschichte lautet, daß
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�uns mit kollektiven Aktionen eher Erfolg beschieden
sein wird als durch nationale Alleingänge. Und mit
wem könnten die Vereinigten Staaten besser gemeinsam vorgehen als mit Deutschland - einem vertrauenswürdigen, verläßlichen Verbündeten, mit dem wir täglich auf der Grundlage von Respekt und Gleichberechtigung agieren, einem Land, das unter aggressiven
nationalen Alleingängen gelitten, sich davon abgewandt und sie durch eine nahezu fünfzigjährige Bilanz
der Konsultationen und des Multilateralismus ersetzt
hat?
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind traditionell stark, und der Ruf nach Partnerschaft ist daher
nur natürlich, weil sie sich auf eine sehr solide Grundlage gemeinsamer Prinzipien und Werte stützen:
Demokratie, freie Marktwirtschaften, Achtung der Rechte
und Freiheit des einzelnen und Rechtsstaatlichkeit
sowie die Bereitschaft, den Bedürftigen eine helfende
Hand zu reichen. Diese gemeinsamen Interessen
waren die Basis für unsere Kooperation in der Nachkriegszeit, in der NATO, beim Wiederaufbau Deutschlands und Europas, im Handel, im Golfkrieg und bei
einer Reihe anderer Fragen.
Wie ich bereits ausgeführt habe, gibt es zwischen uns
eine breite gemeinsame Basis bei sehr vielen Fragen.
Man kann meiner Ansicht nach mit Sicherheit sagen,
daß die Vereinigten Staaten und Deutschland bei ihren
Ansätzen zu internationalen Problemen vielleicht zu
95 Prozent übereinstimmen. Es ist unvermeidlich, daß
wir von Zeit zu Zeit unterschiedliche Meinungen und
Interessen haben. Aber ungeachtet dieser Differenzen - den 5 Prozent der Themen, bei denen wir nicht
übereinstimmen - ist es ein größerer Beweis unserer
guten Beziehungen, daß wir die Notwendigkeit erkennen, auch in diesen Fällen unsere Ansichten auszutauschen und - mit anderen Worten - einander 100prozentig zu konsultieren. Partner können unterschiedlicher Meinung sein, aber die zugrundeliegenden gemeinsamen Werte - Eckpfeiler der Beziehungen stehen niemals in Frage.
Die Übereinstimmung unserer beiden Länder wird
besonders darin sichtbar, daß wir in den Zielen stets
einig waren. Uneinigkeit gab es nur über Mittel und
Wege, diese Ziele zu erreichen - wie zum Beispiel in
jüngster Zeit im Falle Jugoslawien. Wir streben beide
eine friedliche Einigung in Jugoslawien an, auf der
Basis bestimmter Prinzipien, wie sie in der Schlußakte
von Helsinki und anderen Erklärungen, zum Beispiel
der Pariser Charta, niedergelegt sind.
Trotz unserer Differenzen bei der Anerkennung ist es
jetzt an der Zeit, sich in der EG und in den Vereinten
Nationen auf multilaterale Ansätze zu konzentrieren,
die auf eine Lösung des Konflikts hoffen lassen. Am
vordringlichsten ist die Stärkung der Präsenz internationaler Beobachter, um die Elemente in Jugoslawien
zu stärken, die ihre Streitigkeiten ohne weitere Rück-

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griffe auf Gewalt beilegen wollen. Deutschland, die
Vereinigten Staaten und andere Länder müssen alles
in ihrer Macht Stehende tun, um die notwendigen
Bedingungen für die effektive Arbeit der Friedensmissionen in diesem krisengeschüttelten Land zu schaffen.
Die Vereinigung beider deutscher Staaten bedeutet für
uns außerdem, daß es wieder ein ungeteiltes Europa
gibt, und wir haben unsere bilateralen Beziehungen zu
Deutschland immer als einen wesentlichen Bestandteil des europäischen Integrationsprozesses betrachtet. Was die Weiterentwicklung der Europäischen
Gemeinschaft zu einer wirtschaftlichen und politischen
Union mit einer wichtigen Sicherheitskomponente betrifft,
so sind wir uns Deutschlands Rolle als treibender Kraft
bei der Verwirklichung dieses Zieles wohl bewußt und
wissen diese zu würdigen. Die Vereinigten Staaten
unterstützen die Bestrebungen zur Integration Europas genauso vorbehaltlos und energisch wie bereits
vor 35 Jahren und so, wie sie das Ziel der deutschen
Einheit in Freiheit ohne wenn und aber unterstützt
haben. Denn ein erfolgreiches, vereintes Europa hat
positiven Einfluß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand auf der ganzen Welt.
Aber ebenso wie bei der deutschen Vereinigung gewisse Fragen im Rahmen des Zwei-plus-Vier Prozesses in einer alle Seiten zufriedenstellenden Form gelöst werden konnten, gilt es nun, bestimmte Fragen in
Zusammenhang mit der europäischen Integration, wie
es sich unter Freunden gehört, offen zu diskutieren
und einer Lösung zuzuführen. Dies betrifft zum Beispiel die Offenhaltung der EG für den Handel mit
andern Ländern und die Frage, wie die auch von uns
geförderte Schaffung einer europäischen Verteidungsidentität mit der bestehenden NATO-Struktur in Einklang gebracht werden kann.
Dabei müssen wir uns immer vergegenwärtigen, daß
der transatlantische Verbund nichts von seiner Wichtigkeit eingebüßt, sondern im Gegenteil, angesichts
der neuen, nur gemeinsam zu bewältigenden Herausforderungen, noch weiter an Bedeutung gewonnen
hat. Die Vereinigten Staaten sind eine europäische
Macht und haben nicht die Absicht, diese Rolle aufzugeben. Verteidigungsminister Cheney erklärte bei
seinem jüngsten Besuch in Bonn, Amerika würde
erhebliche Streitkräfte in Europa und Deutschland
beibehalten, solange seine Verbündeten dies wünschen. Mit Freude habe ich von praktisch allen offiziellen Vertretern Deutschlands, mit denen ich gesprochen habe, einschließlich der SPD-Führung, starke
Worte der Unterstützung für eine glaubwürdige amerikanische Präsenz vernommen. Aber ein Element der
geteilten Verantwortung, auf das ich bereits verwiesen
habe, ist Deutschlands Pflicht, öffentlich die Gründe
dafür darzulegen, warum eine US-Präsenz immer
noch erforderlich ist.

Seite 3

�Dies trifft nicht nur auf den von mir bereits angesprochenen europäisch-amerikanischen Sicherheitsverbund
im klassischen politisch-militärischen Sinne zu. Wie
wir alle wissen, kann man heutzutage Sicherheit nicht
mehr allein unter diesem Aspekt sehen. Sicherheit in
allen ihren Dimensionen umfaßt auch wirtschaftliche,
ökologische, soziale und kulturelle Gesichtspunkte,
die bei der heutigen Sicherheitsgleichung eine mindestens ebenso große Rolle spielen wie die militärischen.
Gemeinsame Bemühungen in der ehemaligen
Sowjetunion
Wenn wir weiteeWenn wir weiter nach Osten blicken,
stehen wir alle noch unter dem Eindruck der atemberaubenden Entwicklungen, die sich in den letzten
Wochen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion
ereignet haben. Ich weiß, daß dieselben Fragen in
Deutschland sowohl für Politiker als auch für die Öffentlichkeit von großem und unmittelbarem Interesse
sind. Vor ein paar Wochen habe ich zu einer Gruppe
wichtiger Vertreter der Partei gesprochen, der diese
Institution angeschlossen ist, und ich war von dem
starken und intensiven Interesse an den Problemen
der Integration der neuen Demokratien im Osten und
dem Umgang mit der zerfallenden Sowjetunion beeindruckt.
Aus vielen Kommentaren an diesem Tag war herauszuhören, die Vereinigten Staaten täten nicht genug,
um die Probleme in diesem Teil der Welt lösen zu
helfen. Ironischerweise war dies derselbe Tag, an
dem Außenminister Baker in Princeton einen starken
und aktiven Ansatz zu genau diesen Themen darlegte,
auf den ich gleich zurückkommen werde.
Lassen Sie mich deshalb im folgenden einige Zahlen
und Beispiele für die von den USA geleistete wirtschaftliche und humanitäre Hilfe für Osteuropa anführen. Vorausschicken möchte ich, daß ich mir dessen
wohl bewußt bin und es zu würdigen weiß, daß gerade
Ihr Land auf diesem Gebiet bereits enorm viel geleistet
hat und auch weiterhin einen nicht unerheblichen Teil
dieser Verantwortung trägt. Schließlich hat Deutschland klar gemacht, daß es hier schon allein wegen
seiner geographischen Nähe, seiner speziellen Verbundenheit mit den deutschen Volksgruppen im Osten
und auch wegen seiner im Zusammenhang mit dem
Abzug der sowjetischen Streitkräfte übernommenen
Verpflichtungen eine besondere Verantwortung zu tragen
hat.
Die für die Integration der neuen Länder notwendigen
Opfer sind ebenso Teil der Bestrebungen wie die
verschiedenen Formen der Hilfe, die Deutschland und
die Deutschen der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa leisten - von Finanzhilfe bis zu freiwilligen
Nahrungsmittel- und Kleiderspenden. Deutschland
stand an vorderster Front in dem Bestreben, die neuen

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Länder Ost- und Mitteleuropas in europäische Foren
wie die Europäische Gemeinschaft und die KSZE
einzuführen und sie enger an die NATO zu binden.
Das jüngste Zeichen dessen war Deutschlands starke
Unterstützung für die Schaffung des Nordatlantischen
Kooperationsrats und seine Initiative, die neuen Republiken der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten in
dieses Gremium einzubeziehen.
Die bilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelund Osteuropa und für die ehemalige Sowjetunion ist
umfangreich und breit gefächert. Die Nahrungsmittelhilfe für die Sowjetunion und ihre Nachfolgestaaten
hatte im Jahre 1991 einen Umfang von vier Milliarden
Dollar. Größtenteils handelte es sich hier um Warenkreditbürgschaften, aber diese Hilfe schließtauch 165
Millionen Dollar an humanitärer Nahrungsmittelhilfe
ein. 1991 schickten die USA 18 Millionen Tonnen
Lebensmittel in die Sowjetunion - mehr als jedes
andere Land. 72 Prozent unserer Nahrungsmittelhilfe
ist bereits freigegeben und geliefert worden. Hinzu
kamen medizinische Hilfsgüter im Wert von rund 25
Millionen Dollar. Die USA sind ebenfalls ein Teilnehmer am Abkommen über eine zeitweise Aussetzung
der Schuldenrückzahlung und unterstützen die schnelle Mitgliedschaft im Internationalen Währungsfonds
und der Weltbank.
Der Gesamtumfang der bilateral vergebenen Hilfe für
die anderen osteuropäischen Länder lag in den Jahren
1990-91 bei rund zwei Milliarden Dollar. Allein die
Lebensmittelhilfe belief sich in diesem Zeitraum auf
218 Millionen Dollar. Die USA haben einen Beitrag von
200 Millionen Dollar zum polnischen Stabilisierungsfonds geleistet und beteiligen sich außerdem an den
umfangreichen Programmen der Weltbank (neun Milliarden Dollar für Osteuropa über einen Zeitraum von
drei Jahren), des Internationalen Währungsfonds (fünf
Milliarden Dollar 1991) und der Europäischen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (sieben Milliarden Dollar
über fünf Jahre). Der amerikanische Anteil an Kapitalbeiträgen an diese Institutionen ist der Größte aller
Länder und beträgt 20 Prozent an den Internationalen
Währungsfonds, 18 Prozent an die Weltbank und 10
Prozent an die Europäische Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung.
Exportförderung und Entwicklung der Privatwirtschaft
bilden einen Schwerpunkt unseres Hilfsprogramms.
Die Initiative des Präsidenten zur Förderung des Handels
könnte Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei helfen,
ihre Textil-, Käse-, und Stahlexporte in die USA zu
verdreifachen. Für mehrere osteuropäische Länder
gibt es bilaterale Fonds zur Unternehmensförderung,
deren Kapitalausstattung 400 Millionen Dollar übersteigen wird. Allein in polnische und ungarische Privatunternehmen sind bereits über 130 Millionen Dollar
geflossen. Für die CSFR sind 65 Millionen Dollar
vorgesehen, für Bulgarien 50 Millionen.

AMERIKA DIENST 3

�Dies sind einige der größeren Einzelposten unseres
Hilfsprogramms. Neben den staatlichen amerikanischen Hilfsprogrammen laufen auch noch eine Vielzahl privater Initiativen, die die mit öffentlichen Mitteln
geförderten Projekte ergänzen und später oftmals
sogar ersetzen können. Dabei sollte man nicht vergessen, daß die Vereinigten Staaten jahrzehntelang
Hunderte Milliarden von Dollar für die Aufrechterhaltung des Friedens und die Gewährleistung der Sicherheit in Europa ausgegeben haben, was im Endeffekt
eine Grundvoraussetzung für die nach 1989 eingetretene Entwicklung gewesen ist.
Doch wenden wir uns nun der Zukunft zu. Die Aufgabe
ist immens, und die Zeit drängt. Wir haben beide viel
geleistet, aber uns allen bleibt noch wesentlich mehr zu
tun.
Wir im Westen, allen voran unsere beiden Länder,
haben dabei eine ganz besondere Verantwortung
wahrzunehmen. Wie Außenminister Baker in seiner
Rede im letzten Monat in Princeton darlegte, erwächst
aus dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums für den Westen die "historische Aufgabe",
seinen Beitrag dazu zu leisten, daß Demokratie und
wirtschaftliche Freiheit in den Nachfolgestaaten der
Sowjetunion und in den anderen Reformstaaten Osteuropas kräftige Wurzeln schlagen und schließlich
blühen und gedeihen können. Gleichzeitig müssen wir
alles daran setzen, daß sich eine Situation, wie wir sie
in den letzten neun Monaten in Jugoslawien erlebt
haben, nicht wiederholt.

anderer moderner Waffentechnologien über die Grenzen der ehemaligen Sowjetunion hinaus kommt.
Schließlich müssen wir Unterstützung bei der Entmilitarisierung der Wirtschaft und bei der Aufstellung von
Konversionsprogrammen leisten.
Der zweite wichtige Bereich einer koordinierten westlichen Hilfe betrifft den Aufbau stabiler Demokratien
und die Schaffung politischer Legitimität in den Staaten Mittel- und Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion. Bereits im September letzten Jahres hatte
Außenminister Baker fünf Prinzipien definiert, von
denen sich die amerikanische Politik gegenüber diesen Staaten leiten läßt und die nach wie vor gültig sind.
Wir müssen uns dafür einsetzen, daß sie:
das Selbsbestimmungsrecht ihrer Völker achten;
demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien
einhalten;
Menschenrechte, einschließlich des Schutzes
von Minderheiten gewährleisten;
bestehende Grenzen achten und ihre Veränderung nur mit friedlichen Mitteln und mit Zustimmung der anderen Seite anstreben;
und schließlich internationale Verpflichtungen
und die Normen des Völkerrechts einhalten, insbesondere die Bestimmungen der Schlußakte
von Helsinki und der Charta von Paris.

Deshalb beginnt morgen in Washington auf Vorschlag
von Präsident Bush eine internationale Konferenz zur
Koordinierung der westlichen Hilfsleistungen für die
Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Bereits im
Vorfeld dieser Konferenz hatte Außenminister Baker
die Hauptpunkte eines solchen Aktionsprogramms
gemeinsamer westlicher Hilfe umrissen, insbesondere
die dringend benötigte humanitäre Soforthilfe zur
Deckung des lebenswichtigen Bedarfs, zum Beispiel
an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Wir sind
erfreut, daß Außenminister Genscher die deutsche
Delegation anführen wird.

Wenn das demokratische System in diesen Ländern
dauerhaft verankert werden soll, dann ist es vor allem
wichtig, den Menschen demokratisches Denken und
Handeln nahezubringen, insbesondere bei den Trägern und Repräsentanten staatlicher Gewalt. Ähnlich
wie es hier bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und bei
anderen deutschen politischen Stiftungen spezielle
Austausch- und Ausbildungsprogramme für Angehörige der öffentlichen Verwaltung aus den Ländern Mittelund Osteuropas gibt, hat auch die United States
Information Agency ihre Arbeit auf diesem wichtigen
Gebiet intensiviert und ausgeweitet.

Darüber hinaus nannte er drei vordringliche Aufgaben,
zu deren Bewältigung ein kollektives Aktionsprogramm
des Westens aufgebaut werden sollte:

Der wirtschaftliche Wiederaufbau und die Einführung
marktwirtschaftlicher Strukturen in den Ländern Osteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion
ist der dritte große Bereich, in dem eine koordinierte
westliche Hilfe von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Nach jahrzehntelanger kommunistischer Mißwirtschaft,
die praktisch zu einem Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems geführt hat, ist dies wohl das
schwierigste, aber auch dringendste Problem. Es
erfordert eine gewaltige Anstrengung aller Industriestaaten des Westens, dafür zu sorgen, daß in den
betroffenen Ländern das zarte und gerade erst aufkeimende Pflänzchen der Demokratie nicht wieder im
eisigen Wind wirtschaftlicher Widrigkeiten zugrunde
geht.

Erstens geht es darum, daß wir den Nachfolgestaaten
der Sowjetunion helfen, die militärischen Relikte des
kalten Krieges zu zerstören und zu kontrollieren, insbesondere die atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen. Am besten wäre
es, wenn diese Waffen - wie unlängst in Minsk beschlossen - dauerhaft unter einheitlicher, zentraler
Kontrolle bleiben würden. Wir haben ein elementares
Interesse daran, daß die START- und KSE-Verträge
von den betroffenen Republiken möglichst bald ratifiziert und umgesetzt werden. Genauso wichtig ist es,
daß es nicht zu einer Weiterverbreitung atomarer und
AMERIKA DIENST 3

Seite 5

�Denn die Wendung zur Demokratie und Marktwirtschaft in den Ländern des ehemaligen Ostblocks kann
nur dann auf Dauer erfolgreich sein, wenn sie sich von
innen heraus nährt, wenn sie auf Erfolgen aus eigener
Kraft aufbaut. Nur so können sie zu integralen und
vollwertigen Mitgliedern einer euro-atlantischen Gemeinschaft von Staaten werden, die fast die gesamte
nördliche Erdhalbkugel, von Vancouver bis Wladiwostok umspannen und die sich auf die freiheitlichen und
demokratischen Prinzipien der Schlußakte von Helsinki stützen wird. Außenminister Baker hat diese kühne
Vision in seiner Berliner Rede im Juni letzten Jahres
entworfen, und sie ist und bleibt das Leitbild für die
neuen, umwälzenden Entwicklungen in der internationalen Politik am Ende dieses Jahrhunderts bis weit in
das nächste hinein.
Der erste konkrete Schritt auf dem Wege zu dieser
euro-atlantischen Gemeinschaft wurde am Ende des
vergangenen Jahres mit der Schaffung des Nordatlantischen Kooperationsrates getan. Schon wenige
Wochen, nachdem die NATO auf ihrem Gipfel in Rom
das Ziel formuliert hatte, ein stärker institutionalisiertes
Verhältnis der Konsultation und Kooperation in politischen und Sicherheitsfragen zwischen ihren Mitgliedsstaaten und den Staaten Mittel- und Osteuropas zu
entwickeln, konnte das Atlantische Bündnis dieses
Vorhaben in die Tat umsetzen.
An dieser Stelle möchte ich hervorheben, daß gerade
unsere beiden Länder bei der Vorbereitung und Ausarbeitung des sogenannten Liaison-Konzeptes, das dem
Nordatlantischen Kooperationsrat zugrunde liegt, ganz
wesentlich und an führender Stelle beteiligt waren. In
der Tat geht der Kooperationsrat auf eine gemeinsame
Initiative der beiden Außenminister Baker und Genscher vom Oktober letzten Jahres zurück. Hier haben
wir ein gutes Beispiel dafür, wie der von Präsident
Bush geprägte Begriff von der deutsch-amerikanischen Partnerschaft in der Führung erfolgreich in die
Praxis umgesetzt und mit Leben erfüllt werden kann.
Gemeinsame Bemühungen in anderen Teilen der
Welt
Schon in meiner ersten Rede als Botschafter in Deutschland im September vergangenen Jahres habe ich
weitere Bereiche erwähnt, in denen Deutschland und
die Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen haben und sich ihnen die Möglichkeit zu einer fruchtbaren
Partnerschaft in der Führung bietet. Dies sind Bereiche, in denen wir unsere diplomatischen, politischen
und wirtschaftlichen Ressourcen zu unserem beiderseitigen Vorteil zusammenlegen können. Insbesondere mit dem Ende der die Nachkriegszeit beherrschenden Ost-West-Konfrontation ist nun für unsere beiden
Länder die Zeit reif, einen neuen, kreativen und umfassenden Kurs in der Weltpolitik in Europa und auch
darüber hinaus abzustecken.
Dazu möchte ich ein paar Beispiele anführen. Mittelamerika ist eine Region, in der diese und andere
Seite 6

deutsche Stiftungen seit langem eine Schlüsselrolle
spielen. Ihre Kontakte zu allen Ebenen und Schichten
dieser Gesellschaften liefern viele Möglichkeiten, um
Ihre Freunde in Gespräche über demokratische und
marktwirtschaftliche Grundsätze einzubeziehen, die
das beste Rezept für die langfristige Stabilität einer
Gesellschaft sind. Mit einer von der UNO vermittelten
Schlichtungslösung in El Salvador und der beginnenden Verankerung der Demokratie in Nicaragua können
wir in bisher einzigartiger Weise moralische und materielle Unterstützung leisten, um den Fortschritt in dieser Region zu fördern.
Deutschland hat beim Eintreten für Menschenrechte in
bestimmten Teilen Afrikas sein erhebliches Gewicht in
die Waagschale geworfen, und seine politischen Stiftungen sind bereits seit langem dort aktiv. In Korea und
Kambodscha bietet die Erfahrung der deutschen
Wiedervereinigung und Aussöhnung eine Hilfe zur
Überwindung der Teilung. Im Nahen Osten werden
Ihre Bindungen und Ihr Einfluß zweifellos zu den Ende
dieses Monats in Moskau beginnenden multilateralen
Gesprächen beitragen. Ob bei EG-Ratssitzungen
oder direkt in den betroffenen Regionen, Ihre Initiative
und Ihr Beispiel können in all diesen Fällen eine
bedeutende Führungsrolle spielen. Aus diesem Grund
betrachte ich den deutsch-amerikanischen Dialog bei
solchen regionalen Konflikten als so wichtig und vielversprechend für die Entwicklung unserer Partnerschaft.
Dasselbe gilt für dringende grenzüberschreitende
Probleme. Dazu gehören der Schutz der Umwelt, die
Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung und
unser gemeinsamer Kampf gegen die Geißel der Drogen.
Dazu zählen ferner die Förderung des freien Handels,
wo im Hinblick auf den erfolgreichen Abschluß der
Uruguay-Runde im Rahmen des GATT für unsere
beiden Länder so viel auf dem Spiel steht.
Ich habe bereits unser gemeinsames Interesse daran
zum Ausdruck gebracht, die Kernwaffen im Osten
unter einer verantwortungsbewußten, zentralen Kontrolle zu belassen und die in den vergangenen Jahren
mit der ehemaligen Sowjetunion so sorgfältig ausgehandelten Abrüstungsmaßnahmen sicherzustellen.
Ebenso stellen jüngste Ereignisse in der gesamten
Welt für uns Herausforderungen für die Nichtverbreitung nuklearer, biologischer und chemischer Waffen
sowie ballistischer Trägersysteme dar. Als technologisch führende Staaten müssen unsere beiden Länder
an vorderster Front der Bemühungen zur Nichtverbreitung stehen, wenn wir die Welt für uns und unsere
Kinder sicherer gestalten möchten.
Dies sind einige Beispiele für unsere Partnerschaft in
der Führung außerhalb des Bündnisgebiets der NATO.
Dieses Konzept basiert teilweise auf der Tatsache,
daß wir den deutschen 'Input' bei diesen Fragen sehr
hoch bewerten. Es liegt aber auch daran, daß wir
wollen, daß Deutschland eine klare und unzweideutige
Vorstellung davon hat, wie wir unsere Interessen defiAMERIKA DIENST 3

�nieren, in der Hoffnung und in der Erwartung, daß die
Bundesrepublik ihren Einfluß geltend machen wird,
damit es zum Aufbau einer stabilen neuen Weltordnung kommen kann.

log" zwischen Europa, Japan und Nordamerika. Sie ist
unentbehrlich sowohl für ein globales wirtschaftliches
Wachstum wie auch für weltweite politische Aktivitäten.

Deutschland sollte die Vereinigten Staaten beim Wort
nehmen. Wir haben die Vereinigung bereits in der
Vergangenheit unterstützt - jetzt unterstützen wir mit
gleicher Kraft eine aktivere weltpolitische Rolle der
Bundesrepublik. Und wir unterstützen eine aktivere
deutsche Rolle nicht, wie einige gemeint haben, nur
aufgrund ihres Scheckbuchs, sondern wegen des breiten
Spektrums von Talenten, die sie für die uns konfrontierenden schwierigen Fragen mitbringt. Ich möchte
hinzufügen, daß wir zusätzlich zu erweiterter Zusammenarbeit bei wirtschafts- und außenpolitischen Fragen ein Deutschland begrüßen würden, das zur Übernahme größerer Verantwortung im Bereich der kollektiven Sicherheit in der Lage ist. Eine solche Entscheidung muß zweifelsohne den deutschen Wählern und
den politisch Verantwortlichen überlassen bleiben. Aus
den jüngsten Bemerkungen schließe ich jedoch, daß
die Debatte über militärische Aktivitäten in bündnisfremdem Gebiet auch innerhalb der SPD vorankommt.

Unsere Vorgänger - und damit meine ich alle Menschen, die in der Nachkriegszeit, gleich ob in öffentlicher Funktion oder auf private Initiative hin, die deutschamerikanischen Beziehungen gefördert haben - diese
Menschen haben in den letzten vierzig Jahren an
dieser Brücke der transatlantischen Partnerschaft gebaut
und sie zu einem beeindruckenden, fast alles überragenden Bauwerk in der Architektur der internationalen
Politik des 20. Jahrhunderts geformt. Genausowenig
- wie ich mir habe sagen lassen - können die Ausbesserungs- und Erhaltungsarbeiten an einem Weltbauwerk wie dem Kölner Dom jemals eingestellt werden,
genausowenig dürfen wir zulassen, daß die Arbeiten
an dieser transatlantischen Brücke jemals zum Erliegen kommen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß
diese Brücke einmal unpassierbar wird.

Mit Beginn dieses Jahres hat die Bundesrepublik
Deutschland den Vorsitz der G-7, der Gruppe führender Industriestaaten übernommen, und es wird auch
im kommenden Juli Veranstalter des Gipfels der G-7 in
München sein. Diese Gipfel verleihen der Koordinierung weltweiter wirtschaftlicher und politischer Fragen
eine wichtige neue Dimension. München wird ein
bedeutendes Forum für die deutsche Führungsrolle
werden. Diese Rolle steht auch in Einklang mit Präsident Bushs Forderung nach einem verbesserten "Tria-

*

AMERIKA DIENST 3

Ich habe bereits darauf verwiesen, daß wir vielleicht
hier eine neue Fahrspur bauen und dort eine neue
Strebe einziehen müssen. Jedenfalls bleibt die Weiterentwicklung und Stärkung der transatlantischen
Partnerschaft, und hier insbesondere der deutschamerikanischen Freundschaft, eine immerwährende
Aufgabe. Ich fordere uns alle auf, wo immer im
einzelnen unser Verantwortungsbereich diesseits oder
jenseits des Atlantiks liegen mag, unseren Beitrag zur
Erfüllung dieses weit ins nächste Jahrhundert hineinreichenden Auftrages zu leisten.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

* * *

*

Seite 7

�WEITERVERBREITUNG
22.Januar 1992

USA: BESORGNIS BEI DER WEITERVERBREITUNG
KONZENTRIERT AUF GUS UND NORDKOREA
CIA-Direktor Gates vor dem Senat

WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Vereinigten Staaten die internationale Staatengemeinschaft erfolgreich
mobilisiert haben, die Weiterverbreitung von Waffen nach dem Golfkrieg zu bekämpfen, warnt ein wichtiger
Vertreter des US-Nachrichtendienstes vor "einer kontinuierlichen und besorgniserregenden Zunahme der
Weiterverbreitung moderner Waffen".
Der CIA-Direktor Robert Gates erklärte am 15. Januar 1992 im Kongreß, der Zerfall der früheren Sowjetunion
und die aufstrebende neue Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bedrohe die Stabilität der in Moskau
zentralisierten Führungs- und Kontrolleinrichtungen und könne zu einer Freisetzung von 'Technologien und
Material führen, die bisher streng kontrolliert wurden".
Gates warnte den Senatsausschuß für Regierungsangelegenheiten, "das Potential für technologische Überraschungen in der dritten Welt" steige mit dem Ende des kalten Krieges "da einige internationale Beschränkungen
für den ausländischen Zugang zu Mehrzwecktechnologie gelockert werden".
Der CIA-Direktor verwies auf die große Sorge, mit der die Vereinigten Staaten Nordkoreas Atomwaffenprogramm beobachten. "Pjöngjang besitzt die gesamte zur Entwicklung von Kernwaffen erforderliche Infrastruktur", erklärte er, "vom Uranabbau über die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen bis zur Plutoniumgewinnung". Die Pir^c Jer Vereinigten Staaten betrifft Gates zufolge nicht nur die koreanische Halbinsel, weil "die
Möglichkeit besteht, daß Pjöngjang mit diesen Waffen und seiner Nukleartechnologie auf den Weltmarkt geht".
Gates erörterte darüber hinaus die Verbreitung chemischer und biologischer Waffen durch den Irak, Iran, Syrien,
Israel, Saudi-Arabien, Ägypten, Libyen, Algerien, Indien, Pakistan und China.
Nachfolgend veröffentlichen wir Gates' Anhörung im Wortlaut.

Wir beobachten eine kontinuierliche und besorgniserregende Zunahme der Weiterverbreitung moderner
Waffen. Heute verfügen mehr als 20 Länder über
nukleare, biologische oder chemische Waffen und ihre
Trägersysteme, sind vermutlich in deren Besitz oder
entwickeln diese Waffen.
Für die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
gibt es verschiedene Gründe. Erstens sind die für
diese Waffen benutzten Technologien freier verfügbar
und von Dritte-Welt-Ländern eher zu beschaffen als je
zuvor. Die Technologie für nukleare und ballistische
Raketen ist, an den Vereinigten Staaten gemessen,
eine Technologie aus den vierziger Jahren. Die Technologie für biologische und chemische Waffen ist noch
älter, und sie ist einfacher und preiswerter zu entwickeln.
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Zweitens handelt es sich bei den meisten dieser Technologien um Mehrzwecktechnologien - das heißt, sie
können auch zu legitimen zivilen Zwecken verwendet
werden. Das macht es schwierig, den Handel mit
ihnen zu beschränken, weil wir die Fähigkeit der Entwicklungsländer, sich weiterzuentwickeln, beschneiden würden. Zum Beispiel ist ein großer Teil der
Technologie für ein ballistisches Raketenprogramm
dieselbe wie für ein Weltraumprogramm. Die chemischen Verbindungen für Nervengase werden auch bei
der Herstellung von Kunststoffen und der Verarbeitung
von Lebensmitteln eingesetzt. Darüber hinaus könnte
eine moderne pharmazeutische Industrie ebenso leicht
Mittel zur biologischen Kriegführung herstellen wie
Impfstoffe und Antibiotika.

Seite 1

�Ein dritter Grund für die Zunahme besteht darin, daß
Einzelpersonen, Firmen und manchmal auch einzelne
Länder, die sich bei ihren legitimen Geschäften scharfer Konkurrenz ausgesetzt sehen, schnelle Gewinne
durch illegalen Absatz machen wollen.

fen, die diese Raketen erwerben, werden das bereits
im Nahen Osten und Südasien stattfindende Wettrüsten noch ausweiten und beschleunigen.

Länder wie der Irak sind nicht länger zufrieden mit
zweitklassiger Technologie, die ihnen von größeren
Mächten überlassen wird. Statt dessen wollen sie
modernste Waffen, die ihnen Prestige ebenso verleihen wie erstklassige Fähigkeiten. Wenn dieser Trend
anhält und Haushaltskürzungen sowie Rüstungskontrollabkommen unsere Fortschritte einschränken,
werden wir zunehmend technisch ausgereifte Waffen
in der dritten Welt sehen, die für die Verteidigungssysteme der Vereinigten Staaten eine Herausforderung
wären.

Die neunziger Jahre sind gerade erst angebrochen,
aber das Problem der Weiterverbreitung hat bereits
eine neue Dimension. Der Zerfall der Sowjetunion
bedroht die Stabilität der in Moskau zentralisierten
Führungs- und Kontrolleinrichtungen und kann zu einer
Freisetzung von Technologien und Material führen, die
bisher streng kontrolliert wurden. Rußland und die
anderen neuen Republiken sehen sich mit vielfältigen
inneren Krisen konfrontiert - dem möglichen Zusammenbruch der Autorität, einer potentiell großen Unruhe unter der Zivilbevölkerung und sich auflösender
sozialer Disziplin - während sie immer noch über
30.000 Nuklearwaffen verfügen, deren mächtigte auf
uns gerichtet sind.

Wenn schließlich manche Länder Massenvernichtungswaffen erwerben, sehen sich ihre Nachbarn gezwungen, aus politischen Gründen, Stolz und wegen der
Abschreckung vergleichbare Fähigkeiten zu entwickeln.
Lassen Sie mich nun die Bedrohung in ihren Einzelheiten darlegen. Nur China und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten verfügen mit ihren Raketen über die
Fähigkeit, direkt das Territorium der Vereinigten Staaten zu erreichen. Wir erwarten kein stärkeres Risiko
für unser Territorium durch die Waffen anderer Länder
- im konventionellen militärischen Sinne - für mindestens zehn weitere Jahre. Dennoch ist die Bedrohung
für Europa, den Nahen Osten und Asien real, und sie
nimmt zu:
Im Ausland stationierte US- oder multinationale Streitkräfte könnten bis zum Ende des Jahrzehnts einer
zunehmenden Bedrohung durch luftgestützte Atomwaffen ausgesetzt sein. Mehrere Länder verfügen
jetzt über Raketen, die nukleare Gefechtsköpfe tragen
können, und andere könnten in den nächsten Jahren
ballistische Raketen mit nuklearen Gefechtsköpfen
stationieren. Wenn irgendeins dieser Länder auch nur
wenige nukleare Gefechtsköpfe erwerben könnte, würde
es bald zu einer nuklearen Bedrohung werden können.
Die meisten der wichtigen Länder im Nahen Osten
verfügen über Programme zur Entwicklung chemischer Waffen, und manche von ihnen haben Arsenale,
die gegen Zivilisten oder schlecht verteidigte militärische Ziele eingesetzt werden könnten. Die meisten
Länder haben ihre Trägersysteme noch nicht für
Massenvernichtungswaffen ausgerüstet, aber in den
nächsten zehn Jahren werden viele Länder - von
Nordafrika bis Südasien - dies tun, wenn dem nicht mit
Hilfe internationaler Bestrebungen Einhalt geboten
werden kann.
China und Nordkorea könnten anderen Ländern Raketen größerer Reichweite und die Technologie zu deren
Herstellung verkaufen. Länder mit besonderen WafSeite 2

Die GUS-Dimension

Moskaus zentralistisches Führungs- und Kontrollsystem für die Nuklearwaffen funktioniert weiterhin, auch
wenn die Kontrolle der konventionellen Streitkräfte
sich in die Republiken verlagert. Der Präsident der
russischen Förderation, Jelzin, übernahm am 1. Weihnachtstag von Präsident Gorbatschow die Kontrolle
der strategischen Nuklearstreitkräfte der GUS. Unter
den gegenwärtigen und absehbaren Umständen glauben wir, daß die Nationalen Kommandobehörden in
der Lage sein werden, ihr nukleares Arsenal weiterhin
effektiv zu kontrollieren. Dennoch war dieses ausgefeilte und zentralistische System so konzipiert, daß es
teilweise auf professionelle Integrität baut. Wenn wir
den Zerfall der Führung und des Militärs beobachten,
müssen wir uns um die zunehmende Unzufriedenheit
unter Angehörigen der Streitkräfte Sorgen machen,
auch denjenigen, die für die Bewachung, den Einsatz
und die Wartung von Nuklearwaffen zuständig sind.
Traditionell verfügten die Sowjets über drei Koffer zur
Kontrolle der Atomwaffen, jeweils einen für den Präsidenten, den Verteidigungsminister und den Generalstabschef. Heute scheinen es nur noch zwei zu sein.
Der vorläufige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der
Gemeinschaft (und frühere Verteidigungsminister)
Schaposchnikow erklärte vor zwei Wochen, er und
Präsident Jelzin seien die einzigen mit einem solchen
Koffer. Der dritte befindet sich jetzt in Reserve.
Wir warten immer noch ab, wie Rußland und die
anderen Republiken die Besitzverhältnisse der Atomwaffen ordnen und welche Verfahren sie zu ihrer
Wartung und Kontrolle ausarbeiten. Kasachstan,
Wei ßru Bland und die Ukraine haben erklärt, sie wollten
die auf ihrem Territorium befindlichen Waffen Rußland
zurückgeben, damit sie zerlegt und zerstört werden
können. Sie wollen die Entscheidungen gemeinsam
mit Rußland treffen, aber das Ausmaß, in dem sie die
Entscheidungen beeinflussen können, ist noch nicht

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�klar. Insbesondere wird der Aufbau eines Führungsund Kontrollsystems schwierig sein, das es den politisch Verantwortlichen außerhalb Moskaus gestattet,
an der termingerechten Befehlsausführung teilzuhaben.
Im Hinblick auf die Fähigkeit zur Zerlegung von Nuklearwaffen behaupten Vertreter Rußlands, etwa 1.500
Waffen pro Jahr zerstören zu können. Wir glauben
ihnen schon, daß sie das können, aber es würde über
10 Jahre dauern, wenn sie die 15.000 Waffen zerlegen, die sie zerstören wollen.
Wenn wir uns der Frage der Weiterverbreitung infolge
des Zerfalls der Sojetunion stellen, sehen wir uns mit
einer Reihe von beunruhigenen Möglichkeiten konfrontiert, unter Umständen etwa dem Verkauf von
Material, Waffen oder einer "Abwanderung" von Waffenprogrammen ins Ausland. Als Reaktion darauf gibt
es internationale Bestrebungen unter Führung der
Vereinigten Staaten, aber in Kooperation mit den meisten
Ländern Europas und der GUS, um die Gefahr zu
bannen. Boris Jelzin und die meisten anderen Führer
der Republiken wollen dies ernsthaft verhindern und
haben Maßnahmen angekündigt, um ein solches
Ausbluten zu verhindern.
Wir erwarten Versuche der Rüstungsindustrie der
früheren Sowjetunion, besorgniserregende Mehrzwecktechnologie zu vermarkten, insbesondere für die Nutzung der Kernenergie und für Weltraumraketen. Zum
Beispiel hat sich die Weltraumbehörde Glawkosmos
neu organisiert, um ein gemeinsames russisch-kasachisches Weltraumprogramm zu vermarkten, wozu
Rußland SS-25-Antnebsraketen für Raketenstarts liefert.
Andere LäncL-i -.m ehrgeizigen Waffenentwicklungsprogrammen werden sicherlich die Möglichkeit in
Erwägung ziehen, einige der modernsten Waffentechnologien der Welt und entsprechendes Material zu
Schleuderpreisen zu erwerben.
Uns liegen eine Reihe von Presseberichten vor, denen
zufolge spaltbares Material der Sowjets bereits auf
dem schwarzen Markt angeboten wird. Bis jetzt liegen
uns noch keine Beweise für die Echtheit dieser Geschichten vor. Alles, was wir bisher überprüft haben,
hat sich als falsch herausgestellt. Aufgrund der gro ßen
Nachfrage nach diesem Material, der Schwierigkeit
zur Bestimmung der Herkunft von spaltbarem Material
und der weitverbreiteten Verfügbarkeit kleiner Mengen
Urans und Plutoniums in Forschungseinrichtungen
werden wir erwartungsgemäß noch viel Schwindel
aufdecken. Dadurch wird unsere Arbeit noch schwieriger.
Trotz der Bestimmungen der Gemeinschaft könnten
einige Republiken oder Regionen sich enger an ihre
nicht der GUS beigetretenen Nachbarländer anschließen. Harte Devisen bringender Handel wird voraus-

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sichtlich ermutigt, und Vorbehalte gegen den Handel
mit bestimmten Waffengattungen oder Gerät könnten
schwächer und ganz ausgeräumt werden.
Wir behalten die Abwanderung von Wissenschaftlern
aus den ehemaligen sowjetischen Republiken im Auge.
Die bloße Zahl von mit sowjetischen Waffenprogrammen vertrauten Personen läßt den möglichen Umfang
der Abwanderung erahnen. Unseren Schätzungen
zufolge waren nahezu 1 Million Sowjets auf die eine
oder andere Weise an Nuklearwaffenprogrammen
beteiligt, nur ein- oder zweitausend sind jedoch in der
Lage, Nuklearwaffen zu konstruieren. Und wenige
Tausend verfügen über das Wissen und die Fähigkeiten, biologische Waffen zu entwickeln und herzustellen. Das beunruhigende Problem sind wahrscheinlich
diejenigen, deren Fähigkeiten im zivilen Erwerbsleben
nicht vertreten sind, wie die Konstrukteure von Atomwaffen und Ingenieure, die auf die Waffenausrüstung
mit chemischen und biologischen Wirkstoffen spezialisiert sind. Sie wurden unter dem sowjetischen System gut behandelt und werden Schwierigkeiten haben, jetzt vergleichbare Positionen zu finden.
Die meisten auswanderungswilligen sowjetischen
Wissenschaftler würden es wahrscheinlich vorziehen,
sich im Westen niederzulassen, aber der Westen kann
sie wohl nicht alle aufnehmen. Aufgrund der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion in
den achtizger Jahren verfügen Kuba, Indien, Syrien,
Ägypten und Algerien am ehesten über die Kontakte
und bereits im Lande lebende Wissenschaftler, die den
emigrierenden Sowjets behilflich sein könnten. Voraussichtlich möchten Rußland und die anderen Republiken ab einem gewissen Punkt die Abwanderung von
Talenten aufhalten. Aber die Wissenschaftler müssen
das Land überhaupt nicht verlassen, um Spezifikationen oder ihren Rat an Agenten anderer Länder weiterzugeben.
Ich muß hinzufügen, daß wir auch das Durchsickern
von Informationen über hochmoderne aber weniger
kontrollierte "konventionelle" Militärtechnologie und
Waffensysteme aus den ehemaligen sowjetischen
Republiken beobachten könnten. Zu den Anlaß zur
Sorge gebenden Technologien zählen "getarnte"
Systeme und Systeme zu deren Abwehr, Wärmebildtechnologie und elektronische Kriegführung. Bei den
Waffen könnte es sich um Brennstoff/LuftgemischSysteme, präzisionsgesteuerte Munition und moderne
Torpedos handeln.
In den kommenden Jahren wird unsere größte Herausforderung darin bestehen, die Entwicklung ausländischer militärischer Fähigkeiten zu verfolgen. Das
Potential für technologische Überraschungen in der
dritten Welt wächst, da einige internationale Beschränkungen für den ausländischen Zugang zu Mehrzwecktechnologien gelockert werden.

Seite 3

�Die einzelnen Regionen
Irak
Es besteht kein Zweifel, daß die Operation Wüstensturm den speziellen Waffenproduktionsprogrammen
des Irak beträchtlich geschadet hat. Es wird unterschiedlich lange dauern, bis Bagdad die Herstellung
folgender Waffensysteme wiederaufnehmen kann:
Die Atomwaffenproduktion wird wahrscheinlich am
längsten benötigen. Obwohl das technische Fachwissen noch vorhanden ist, muß ein Großteil der Infrastruktur für die Produktion von spaltbarem Material
wiederaufgebaut werden. Wir gehen bei der erforderlichen Zeit jedoch eher von wenigen als von vielen
Jahren aus.
Auch die Infrastruktur zur Herstellung chemischer
Waffen wurde ernsthaft beschädigt und muß wiederaufgebaut werden. Ein Großteil der schwer zu erwerbenden Produktionsgeräte wurde jedoch verlagert und
versteckt bevor die Bombardierung begann und wäre
für den Wiederaufbau verfügbar. Wenn die UNOSanktionen gelockert würden, könnte der Irak unseres
Erachtens praktisch sofort bescheidene Mengen chemischer Wirkstoffe herstellen, es würde allerdings ein
Jahr oder länger dauern, um die bisherige C-Waffenfähigkeit wiederzuerlangen.
Auch das B-Waffenprogramm wurde beschädigt, das
dafür entscheidende Gerät jedoch ebenfalls während
des Krieges versteckt. Da nur eine geringe Menge an
Gerät benötigt wird, könnten die Iraker B-Waffenmaterial in wenigen Wochen produzieren, sobald die Entscheidung dafür getroffen wird.
Unseres Erachtens ist noch immer eine beachtliche
Anzahl - vielleicht Hunderte - SCUD-Raketen und
Condor-Produktionsgerät vorhanden. Zeit und Kosten
der Wiederbelebeung des Raketenprogramms hängen von dem kontinuierlichen Inspektionsregime und
dann davon ab, wie leicht entscheidendes Gerät aus
dem Ausland erworben werden kann.
Aus unserer Sicht wird der Irak - zumindest solange
Saddam Hussein an der Macht bleibt - weiterhin die
größte Bedrohung bei der Verbreitung darstellen. Der
Kader von für diese Programme ausgebildeten Wissenschaftlern und Ingenieuren wird in der Lage sein,
alle ruhenden Programme unverzüglich wiederzubeleben. Zweifelsohne hofft Saddam Hussein, seine
Kompromißlosigkeit würde die internationale Entscheidung zu Sanktionen überdauern. Glücklicherweise ist
die internationale Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung der Sanktionen einschließlich der UNO-Inspektionen weiterhin ungebrochen. Solange dies andauert,
wird Saddam ernsthaft am Wiederaufbau seiner Waffenprogramme gehindert sein.

Seite 4

Sollte die irakische Regierung jemals ernsthaft in
Erwägung ziehen, ihre Fähigkeit zur Produktion von
Massenvernichtungswaffen - wie durch UNO-Resolution 678 vorgeschrieben - aufzugeben, könnte sie für
ihr bisheriges Vorgehen voll und ganz verantwortlich
gemacht werden. Dazu würde eine Bestandsaufnahme des irakischen Nuklearmaterials zählen, femer
eine Beschreibung der Infrastruktur zur Produktion
von Raketen und Gefechtsköpfen, das Eingeständnis,
daß Bagdad in der Tat ein offensives biologischen
Waffenprogramm unterhält einschließlich der Herstellung und Waffenausrüstung mit biologischen Wirkstoffen und vor allem eine genaue Liste der an den
Programmen beteiligten wichtigsten Personen sowie
ausländischen Lieferanten, so daß die Vereinten Nationen die Einstellung verbotener Aktivitäten besser
überwachen können.
Iran
Der Irak ist nicht das einzige Land, das am Golf und im
Nahen Osten Anlaß zur Sorge bereitet. Der Iran hat
übergreifende Bestrebungen zur Entwicklung seiner
Rüstungsindustrie in die Wege geleitet. Diese Bestrebungen umfassen Programme für Massenvernichtungswaffen, nicht nur um sich gegen das mögliche
Wiederauftreten einer Bedrohung mit speziellen Waffen durch den Irak zu wappnen, sondern um die
Vorrangstellung des Iran am Golf und in Südwestasien
zu festigen.
Der Iran kauft nach wie vor auf westlichen Märkten
Nuklear- und Raketentechnologie ein und versucht,
einige der von Teheran in den achtziger Jahren ausgewiesenen technischen Experten zurückzulocken. Der
Iran hat sich jedoch zunehmend an asiatische Quellen
für militärische und technische Hilfe gewandt und hofft,
Kontakte in Kasachstan werden ihm das Anzapfen der
sowjetischen Waffentechnologie gestatten. Teherans
Hauptquelle für spezielle Waffen seit dem iranischirakischen Krieg sind Nordkorea für SCUDs längerer
Reichweite, China für Gefechtsfeldraketen, Marschflugkörper und verwandte Technologien.
China liefert beispielsweise einen Miniaturneutronenquellenreaktor und einen elektromagnetischen Isotopentrenner. Diese Geräte dienen legitimen friedlichen
Zwecken, die öffentlichen Erklärungen des Iran, er sei
im Besitz von Atomwaffen, legen jedoch einen anderen Schluß nahe. Der Iran beansprucht ferner das
Recht auf chemische Waffen angesichts des Einsatzes chemischer Waffen gegen Iran durch den Irak.
Unseres Erachtens hat er diese Option ausgeübt.
Wir haben darüberhinaus Grund zu der Annahme, daß
der Iran mit anderen potentiellen Waffenkonstrukteuren in der Region gemeinsame Vereinbarungen trifft.

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�Syrien
Auch Syrien hat sich an Nordkorea gewandt. Da
Damaskus keine SS-23 von der Sowjetunion erhielt,
beschaffte es eine Rakete mit größerer Reichweite
von Pjöngjang. Ferner wird offensichtlich die Unterstützung Chinas und westlicher Firmen für verbesserte
Fähigkeiten mit C- oder B-Waffengefechtsköpfen
angestrebt. Im nuklearen Bereich verhandelt Damaskus mit China über einen Reaktor.
Israel, Saudi Arabien, Ägypten
Andere Länder in der Region scheinen sich vor kurzem
für die Verstärkung ihrer Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten als Absicherung gegen langfristige
Bedrohungen aus dem Iran und dem wieder erstarkenden Irak entschieden zu haben.
Die Israelis investieren weiterhin in die Entwicklung des Abwehrflugkörpers gegen den taktischen Flugkörper Arrow und erproben ihre ballistischen Raketenstreitmacht.
Die Saudis erweitern ihre CSS-2 Raketenunterstützungseinrichtungen.
Ägypten hat eine Raketenproduktionseinrichtung, die jederzeit den Betrieb aufnehmen könnte.
Libyen
Trotz internationaler Proteste wird das C-Waffenprogramm Libyens in Nordafrika fortgesetzt. Unseren
Schätzungen zufolge hat die Einrichtung in Rabita
einen Bestand von annähernd 100 Tonnen chemischer Wirkstoffe produziert.
Die Libyer haben die Anlage in Rabita gereinigt, vielleicht als Vorbereitung für die lange erwartete Öffnung
der Anlage für die Öffentlichkeit, um ihre angeblich
zivile Produktion von Arzneimitteln unter Beweis zu
stellen. Die Anlage muß jedoch noch umgebaut werden, um die Herstellung chemischer Wirkstoffe auszuschließen.
Selbst wenn Rabita geschlossen wird, beabsichtigen
die Libyer nicht, ihre C-Waffenproduktion aufzugeben.
Einer Reihe von Berichten zufolge bauen die Libyer
eine neue Anlage - von der sie hoffen, sie entgeht der
internationalen Aufmerksamkeit.
Seit einigen Jahren haben die Libyer verstärkte Anstrengungen zum Bau einer B-Waffenanlage unternommen, sind jedoch nicht sehr weit gediehen. Unseres Erachtens benötigen sie Unterstützung von technologisch weiter entwickelten Ländern, um die Einrichtung zu bauen und in Betrieb zu nehmen.

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Anhaltende Bestrebungen, den Libyern den Zugang
zu atomaren und biologischen Waffen sowie der Technologie für deren Trägersysteme zu verweigern, haben zweifelsohne die Weiterentwicklung dieser Programme in großem Umfang vereitelt und Gaddafi
gezwungen, sich weniger weit entwickelter Technologie und weniger vertrauenswürdigen Quellen auf grauen und schwarzen Märkten in den Entwicklungsländern zuzuwenden.
Libyen hat keineswegs sein langfristiges Ziel aufgegeben, seinen militärischen Aktionsradius über den östlichen Mittelmeerraum hinaus auszudehnen. Durch
Rückschläge ist Libyen auf die SCUD-Raketen mit
relativ kurzer Reichweite beschränkt, die sich derzeit in
seinem Besitz befinden. Sowohl Rußland als auch
China haben libysche Kaufanfragen abgelehnt. Tripolis bemüht sich zur Zeit in der ganzen Welt eingehend
um alternative Bezugsquellen, und jüngste Darstellungen Südkoreas deuten darauf hin, daß Nordkorea zum
Verkauf solcher Waffen an Libyen bereit sein könnte.
Algerien
Wie Sie wissen, hat Algerien den Bau eines von China
gelieferten Kernreaktors nahezu vollendet. Sowohl die
Algerier als auch die Chinesen haben uns versichert,
daß der Reaktor nur für friedliche Zwecke eingesetzt
wird. Dennoch machen wir uns aufgrund der Geheimhaltung des ursprünglichen Abkommens und des
Fehlens von Inspektionen Sorgen.
Der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO)
zufolge hat Algerien mit dieser Behörde ein Abkommen über die Sicherheit dieses Reaktors ausgehandelt. Das Leitungsgremium der IAEO wird diese
Vereinbarung bei seinem Treffen im Februar erörtern.
Wir hoffen, daß es eine rasche Inspektion zur Folge
haben und einige unserer Bedenken ausräumen wird.
Indien und Pakistan
In Südasien ist das Wettrüsten zwischen Indien und
Pakistan ein Grund zu starker Besorgnis. Beide Länder unterhalten nicht nur Programme zum Bau von
Kernwaffen und Trägersystemen, sie waren unlängst
auch bestrebt, chemische Waffen zu beschaffen. Diese
Programme sind wegen der ständigen Spannungen
und Konflikte in Kaschmir besonders besorgniserregend.
Wir haben keinen Grund zu der Annahme, daß Indien
oder Pakistan fertig montierte oder stationierte Atombomben besitzen. Solche Waffen könnten jedoch
rasch zusammengebaut werden, und beide Länder
besitzen Kampfflugzeuge, die sich im Krisenfall zu
Trägersystemen umrüsten lassen. Beide haben sich
öffentlich zu gewissen vertrauensbildenden Maßnahmen bereiterklärt, einschließlich des Versprechens,

Seite 5

�die Nukleareinrichtungen des Gegners nicht anzugreifen, und hoffen, daß der anhaltende Dialog Früchte
tragen wird.
Die Vereinigten Staaten lehnen weiterhin Exporte von
Technologie zum Bau von Trägerraketen oder modernen Rechnersystemen an beide Länder durch die
GUS, China oder die MTCR-Partnerab, da eine solche
Technologie mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein
Programm zum Bau ballistischer nuklearer Langstrekkenraketen eingesetzt würde.
Nordkorea
Die Programme Nordkoreas bilden die dringlichste
Bedrohung unserer nationalen Sicherheit in Ostasien.
Die Volksrepublik Korea hat erhebliche Investitionen in
seine Streitkräfte vorgenommen und hängt im Hinblick
auf seine Deviseneinnahmen großenteils von Waffenverkäufen ab. Sie hat sowjetische SCUD-Raketen im
Eigenbau hergestellt und an mehrere Staaten des
Nahen Ostens geliefert. Darüber hinaus hat sie ihre
SCUDs modifiziert, ihnen dadurch eine grö ßere Reichweite verliehen als die der irakischen Raketen und
solche Raketen an den Iran und Syrien verkauft.
Pjöngjang steht kurz vor der Verkaufsreife einer wesentlich größeren Rakete mit einer Reichweite von
mindestens 1.000 km - genug, um nach einer Stationierung in Nordkorea Osaka, Wladiwostok oder Schanghai zu erreichen.
Dem Nuklearprogramm des Nordens gilt unsere größte Besorgnis. Pjöngjang besitzt die gesamte zur
Entwicklung von Kernwaffen erforderliche Infrastruktur, vom Uranabbau über die Wiederaufbereitung von
Kernbrennstoffen bis zur Plutoniumgewinnung. Es hat
zwei Kernreaktoren gebaut, deren einziger Zweck die
Produktion von Plutonium ist. Einer dieser Reaktoren
arbeitet bereits seit vier Jahren, der zweite, wesentlich
größere wird dieses Jahr den Betrieb aufnehmen.
Im Dezember haben Nord- und Südkorea ein historisches Abkommen ausgehandelt, das im Prinzip eine
kernwaffenfreie koreanische Halbinsel vorsieht. Jede
Seite hat sich dazu verpflichtet, Kernwaffen nicht "zu
erproben, herzustellen, zu produzieren, beschaffen,
besitzen, lagern, stationieren oder einzusetzen". Beide Seiten haben sich ferner darauf geeinigt, keine
Einrichtung zur Wiederaufarbeitung oder zur Anreicherung von Uran zu besitzen. Die Verifizierung,
einschließlich von Vor-Ort-Inspektionen, muß jedoch
noch ausgearbeitet werden.
Unseres Erachtens kann die Bedeutung - ja, der Wert
- des Nuklearabkommens zwischen Nord- und Südkorea nur aufgrund des Inspektionsregimes bewertet
werden, dem Pjöngjang letztlich zustimmen wird.
Nordkorea war bis vor kurzem bei diesem Thema nicht

Seite 6

gerade entgegenkommend. Es hatte im Dezember
1985 den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen unterzeichnet und war danach verpflichtet, alle
nuklearen Einrichtungen anzumelden und internationaler Kontrolle zu unterstellen. Aber erst diesen Monat
hat sich Pjöngjang endlich bereiterklärt, bis Februar
eine Kontrollvereinbarung zu unterzeichnen. Wir sind
weiterhin besorgt darüber, wie der Norden seine Pflichten zur Gestattung von IAEO- Inspektionen interpretieren wird. Der Norden hat bisher noch nicht einmal die
Existenz seiner Reaktoren zur Plutoniumgewinnung
und der Wiederaufarbeitungsanlage im Forschungszentrum Jöngbjon zugegeben, geschweige denn diese angemeldet. Er hat konsequent die Fristen für den
Abschluß der einschlägigen Verfahren verstreichen
lassen und für den Beitritt zu dem Abkommen Zusatzbedingungen gestellt.
Unsere Besorgnis über die nuklearen Bestrebungen
des Nordens geht insgesamt weit über die koreanische
Halbinsel hinaus. Wir sind nicht nur über die Konsequenzen für die Stabilität in Nordostasien besorgt,
wenn der Norden Kernwaffen beschafft, sondern
ebenfalls darüber, daß Pjöngjang mit diesen Waffen
und seiner Nukleartechnologie auf den Weltmarkt geht.
China
Als Nachbar Nordkoreas hat China einige wichtige
öffentliche Erklärungen abgegeben, die auf seine Absicht
verweisen, internationale Abkommen zur Verbreitung
von Raketen und Kernwaffen einzuhalten. Beijing
entwickelt gegenwärtig zwei mit Festtreibstoff betriebene ballistische Kurzstreckenraketen - die M-9 und
die M-11 -, die in Reichweite und Nutzlast die Begrenzungen des MTCR (500 Kilogramm und 300 Kilometer) übertreffen. Es hat diese Raketen in der Vergangenheit zum Verkauf angeboten, aber angedeutet,
seine bedingte Verpflichtung zur Einhaltung der MTCRLeitlinien und -Parameter träfe auf beide Raketen zu.
Im vergangenen August verpflichtete sich China zur
Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrags, und
der Nationale Volkskongreß ratifizierte dieses Abkommen. China ist heute verpflichtet, von allen Abnehmern für Nuklearkomponenten die Einhaltung der IAEONormen zu verlangen. Diese Entwicklung ist wichtig,
weil China seit langem ein Lieferant von Nukleartechnologie in die dritte Welt ist. Obwohl China behauptete,
all diese Exporte dienten lediglich friedlichen Zwecken,
hat es nicht immer von den Empfängern die Einhaltung
von Kontrollbestimmungen verlangt. Trotz seines
Beitritts zum Nichtverbreitungsvertrag sind wir weiterhin besorgt darüber, daß Beijing behaupten könnte,
bestehende Verträge würden Bestandsschutz genießen und seien deshalb von den lAEO-Kontrollen ausgenommen.

AMERIKA DIENST 3

�Westliche Quellen
Bedauerlicherweise muß ich Ihnen berichten, daß
westliche Unternehmen auch weiterhin sensible Technologie an Länder liefern, die Massenvernichtungswaffen entwickeln. Dieser Handel wird teilweise über
Scheinfirmen oder Drittländer an harmlos klingende
Empfänger abgewickelt. Die meisten Verkaufe betreffen Gerät mit teilweise legitimen Zwecken, die Behauptungen von Lieferanten und Exportkontrollbehörden rechtfertigen, sie hätten nicht wissen können, daß
eine bestimmte Lieferung für ein besonderes Programm zur Waffenentwicklung gedient habe. In allzu
vielen Fällen wußten die Exporteure jedoch sehr gut,
mit wem sie es zu tun hatten. Sie hatten sich vielleicht
sogar um solche Geschäfte bemüht und mit dem
Käufer zusammengearbeitet, um die Exportbestimmungen zu umgehen.
Libyen, der Iran und Indien erhalten zum Beispiel
weiterhin modernes Material wie etwa SpezialStähle,
hochreines Graphit und Verbundwerkstoffe für Raketenmotoren aus westeuropäischen Beständen. Der
Verkauf von Präzisionswerkzeugmaschinen mit möglichen Anwendungsbereichen in der Raketen- und
Nukleartechnik bietet besonderen Anlaß zur Sorge.
Internationale Kontrollbestrebungen
Von der Weiterverbreitungsfront sind gute Nachrichten zu vermelden, die zum großen Teil auf die amerikanische Führung zurückgehen. Seit dem Golfkrieg
und den Enthüllungen über Saddams Programme
haben zahlreiche verantwortungsbewußte Staaten ihre
Exportkontrollgesetze verschärft, die Strafen förderen
Verletzung erhöht und die Durchführungsmaßnahmen
verstärkt. Internationale Organisationen und Abkommen, wie etwa die IAEO und das Regime zur Kontrolle
von Raketentechnologie (MTCR), wurden mit neuem
Leben erfüllt. Die Regierungen mehrerer Schlüsselstaaten haben dem US-Außenministerium versichert,
sie hätten Programme zum Bau von Kernwaffen oder
ballistischen Raketen eingestellt. So hat zum Beispiel
*

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Südafrika den Nichtverbreitungsvertrag unterzeichnet, und Argentinien und Brasilien haben Schritte
unternommen, die eine Abkehr von ihren nuklearen
Optionen bedeuten. Südkorea und Taiwan, die eine
Entwicklung von Kernwaffen in der Vergangenheit
erwogen hatten, haben beide dieser Option eine Absage erteilt. Die jüngsten Wiedervereinigungsgespräche
mit Nordkorea haben gezeigt, daß der Süden es mit
seinen Bemühungen zur Erlangung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel ernst meint.
Israel hat öffentlich angekündigt, es werde sich an die
Leitlinien des MTCR halten und wird israelischen
Presseberichten zufolge nicht mehr mit Südafrika bei
der Entwicklung ballistischer Raketen zusammenarbeiten. Brasilien hat angekündigt, sein Weltraumprogramm sei unter zivile Kontrolle gestellt worden, und
die argentinische Regierung erklärte, sie überprüfe zur
Zeit das unterbrochene Condor-Il-Programm.
Obwohl die Mitgliedstaaten des MTCR und der Australien-Gruppe - des Regimes zur Kontrolle von C- und BWaffentechnologie - neue Mitglieder aufgenommen
und die Spezifikationen für betroffenes Gerät und
Material verfeinert haben, sind den Leistungen, die wir
von multilateralen Kontrollregimen erwarten können,
Grenzen gesetzt. Einige Länder werden einen Beitritt
niemals als in ihrem Interesse liegend empfinden.
Selbst die Mitgliedschaft ist keine Garantie für positives Verhalten. Handels- und andere Anreize, die auf
eine Mitgliedschaft ausgerichtet sind, könnten einige
Staaten zum Beitritt zwingen, auch wenn sie kaum die
Absicht hegen, sich an die Verfügungen zu halten.
Trotz des geschärften Bewußtseins und verstärkten
Interesses daran, etwas zur Lösung des Problems der
Weiterverbreitung zu tun, deuten die größere Verfügbarkeit einschlägiger Materialien und Technologien,
die schwierige Wirtschaftslage in vielen potentiellen
Lieferstaaten sowie anhaltende regionale Animositäten darauf hin, daß sich das Problem weiter verschärfen wird.

*

*

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�MARTIN

LUTHER

KING
22. Januar 1992

BUSH WÜRDIGT VERMÄCHTNIS
MARTIN LUTHER KINGS
Proklamation zum gesetzlichen Feiertag
ATLANTA (GEORGIA) - (AD) - Präsident Bush hat am 17. Januar 1992 das Vermächtnis des ermordeten
Bürgerrechtlers Martin Luther King gewürdigt, weil dieser "mutig für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung
eintrat, obgleich seine Botschaft der Harmonie zwischen den Rassen auf hartnäckigen und manchmal sogar
brutalen Widerstand stieß".
King habe gewußt, daß sein "Handeln im Geist der Gewaltlosigkeit das Leiden zur Tugend erheben konnte",
erklärte Bush in einer Proklamation zum landesweiten gesetzlichen Feiertag am 20. Januar 1992.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.

"Ein Mann wird letztlich nicht daran gemessen, welchen Standpunkt er in Zeiten des Wohlergehens und
der Ruhe einnimmt, sondern wie er sich in Zeiten der
Herausforderungen und Kontroversen verhält." Am
63. Geburtstag des Reverend Dr. Martin Luther King,
Jr., ehren wir einen Amerikaner, der mutig für Gerechtigkeit und f^'^berechtigung eintrat, obgleich seine
Botschaft der Harmonie zwischen den Rassen auf
hartnäckigen und manchmal sogar brutalen Widerstand stieß.
Martin Luther King rief uns trotz der grausamen Realität der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten
zu: "Ich habe immer noch einen Traum. Es ist ein
Traum, der tief im amerikanischen Traum verwurzelt
ist. Ich träume davon, daß sich diese Nation eines
Tages erheben und gemäß der wahren Bedeutung
ihres Bekenntnisses leben wird." Er glaubte daran,
daß mit der wahren Erfüllung dieses Bekenntnisses
seine Kinder "eines Tages in einer Nation leben, in der
sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem
Charakter beurteilt werden".
In all seinen Jahren als Führer der Bürgerrechtsbewegung blieb Dr. King der Ethik der Gewaltlosigkeit treu.
Immer wieder appellierte er inständig an seine Zuhörer: "Laßt uns nicht danach streben, unseren Durst
nach Freiheit zu stillen, indem wir vom Kelch der
Bitterkeit und des Hasses trinken. Wir müssen uns
stets auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin
bewegen." King wußte, daß viel Geduld, Mut und
Tapferkeit erforderlich waren, um angesichts biswei-

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len bitteren Widerstandes einen friedlichen Kampf zu
führen, aber er wußte auch, daß ein Handeln im Geist
der Gewaltlosigkeit das Leiden zur Tugend erheben
konnte. "Der gewaltfreie Ansatz... verändert zunächst
etwas in den Herzen und Seelen derjenigen, die sich
ihm verschrieben haben", stellte er fest. "Er verleiht
ihnen neue Selbstachtung, er fördert neue Reserven
an Stärke und Courage an den Tag, derer sie sich
überhaupt nicht bewußt waren." Dr. King drängte
seine Zuhörer, sich auf die Kraft der moralischen
Wahrheit zu verlassen.
In Anerkennung der erlösenden Kraft von Liebe und
Opfern strebte King danach, die Bürgerrechtsbewegung im Einklang mit seinen hehren Zielen anzuführen. "Man kann Gutes nicht mit schlechten Mitteln
erreichen", erklärte er, "weil die Mittel die Saat und der
Zweck der Baum sind." Dr. King wollte nicht nur
Gesetze ändern, sondern in den Herzen und Köpfen
des amerikanischen Volkes ein neues Gefühl der
Brüderlichkeit wecken.
Kings Ansatz war mehr als die Ablehnung von Bitterkeit und Gewalt - es war die lautstarke Bekräftigung der
Würde und Möglichkeiten jedes einzelnen. Im Vertrauen auf den Glauben, der ihm seit seiner Kindheit
vermittelt worden war, erklärte er, der Schlüssel zu
"Frieden auf Erden und gutem Willen gegenüber den
Menschen ist die ... Bekräftigung der Heiligkeit jeglichen menschlichen Lebens. Jeder Mensch bedeutet
etwas, weil er ein Kind Gottes ist." Diese Botschaft ist
es wert, heute wiederholt zu werden.

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�In den vergangenen Jahrzehnten unternahm unsere
Nation enorme Anstrengungen, um gleiche Chancen
für alle zu gewährleisten. Die Bürgerrechtsgesetze
von 1957 und 1964 sowie das Gesetz über das Wahlrecht von 1965 waren nur der Anfang zahlreicher
entscheidender Fortschritte für die Minderheiten angehörenden Männer und Frauen - Fortschritte, die bis
zum heutigen Tag andauern. Obwohl wir das schmerzliche Vermächtnis der Rassentrennung in diesem Land
überwunden haben, sind wir uns bewu ßt, daß nach wie
vor noch viele Herausforderungen bestehen. Zu einer
Zeit, in der zu viele Menschenleben durch Gewalt in
unseren Städten, Drogenmißbrauch oder durch ungenutztes Potential gefordert werden, zu einer Zeit, in der
zu vielen jungen Amerikanern das Vertrauen in sich
und die Zukunft fehlt, sind wir gut beraten, erneut über
Martin Luther Kings zeitlose Botschaft nachzudenken
- eine Botschaft, die die Bedeutung von Glauben,
Familie, Selbstachtung und Achtung des anderen
hervorhebt.

ablehnte, trug Martin Luther King seinen Zuhörern
folgendes auf: "Laßt uns in diesen entscheidenden
Tagen, diesen Tagen der Herausforderung danach
streben, Amerika zu einer besseren Nation zu machen...'' Indem wir uns an diese Worte und an seinen
Traum für Amerika erinnern, wollen wir diesen Gedenktag zum Anlaß nehmen, unsere Verpflichtungen
gegenüber unseren Familien und Mitmenschen zu
erneuern.
Per Gesetz 98-144 ist der dritte Montag im Januar
jedes Jahres zum gesetzlichen Feiertag erklärt worden.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der mir von
der Verfassung und dem Gesetz verliehen Autorität
Montag, den 20. Januar 1992 zum Gedenktag für
Martin Luther King, Jr.

Unterzeichnet am 17. Tag des Januar, im Jahre des
Herrn 1992 und im 216. Jahr der Unabhängigkeit der
In seiner letzten öffentlichen Rede, gehalten am Abend Vereinigten Staaten von Amerika.
bevor er Opfer der Gewalt wurde, die er so vehement
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�GOLFKRIEG
22. Januar 1992

UNTERNEHMEN WÜSTENSTURM EIN JAHR DANACH
Von Henry E. Catto
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, den der Direktor des US-Informationsamts, Henry E. Catto, zum Jahrestag des Unternehmens Wüstensturm im Golfkrieg geschrieben hat.
Krieg ist niemals etwas, dem Staatsmänner oder Bürger
den Vorzug vor allen anderen Möglichkeiten geben. In
den Monaten nach dem brutalen Einmarsch des Irak in
Kuwait stellte Krieg auch für die amerikanische Regierung die letzte noch verbleibende Möglichkeit dar. In
enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen
schöpfte Präsident Bush jede andere Möglichkeit aus,
um die Krise zu einem friedlichen Abschluß zu bringen.
Bedauerlicherweise erwies sich Krieg als notwendig.
Ein Jahr später gibt es Stimmen, die behaupten, daß
der Golfkrieg kein richtiger Sieg gewesen sei, weil in
der Region immer noch zahlreiche Probleme bestehen. Tatsächlich wurde das Hauptziel des Golfkriegs
jedoch erreicht i ^ d er führte zu mehr Verbesserungen, als dies bei Kriegen gemeinhin der Fall ist. Die
Bilanz ist wie folgt:
Nach einem 43tägigen Luftkrieg, der bemerkenswerterweise nur geringe Verluste unter der
Zivilbevölkerung forderte, und nach einer glänzend geplanten und durchgeführten 1OOstündigen Bodenoffensive wurde Kuwait befreit.
Saddam Husseins Machtposition am Persischen
Golf sowie seine Fähigkeit, diese Region zu destabilisieren, wurden drastisch eingeschränkt.
Die Massenvernichtungswaffen des Irak wurden größtenteils zerstört. Vor einem Jahr stand
der Irak kurz davor, die Fähigkeit zur Herstellung einer Atomwaffe einfacher Bauart zu erwerben. Dem ist bis auf weiteres ein Riegel
vorgeschoben.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
behielten Zugang zu den Ölvorkommen des
Mittleren Ostens. Im Gegensatz dazu hätte der
Irak 20 Prozent der Welterdölreserven kontrolliert, wenn man die Eroberung Kuwaits hinge* *
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nommen hätte, und sogar mehr als die Hälfte,
falls der Irak die Kontrolle über die Vorkommen
in Saudi-Arabien und in dessen schwächeren
Nachbarländern gewonnen hätte.
Indem Amerika von Anfang an mit seinen Verbündeten und anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen kooperierte, trug es dazu bei, eine
bislang einzigartige internationale Koalition gegen
Aggression zusammenzubringen.
Derzeit läuft die bislang einzige multinationale
Verhandlungsrunde, an der sowohl Israel als
auch die arabischen Staaten teilnehmen. Es ist
zwar noch zu früh, um sagen zu können, was am
Ende stehen wird, aber in der Geschichte des
Mittleren Ostens wurde eindeutig ein neues
Kapitel aufgeschlagen.
Der britische Militärwissenschaftler und Autor John
Keegan hat vielleicht am besten erklärt, worin der
Haupterfolg des Golfkriegs besteht. Im Londoner
Sunday Telegraph vom 12. Januar schrieb er, daß es
nun so etwas wie eine neue Weltordnung gebe, in
deren Rahmen Aggressoren nicht nur bestraft, sondern auch entwaffnet werden können, solange die Völkergemeinschaft ihre Entschlußkraft wahrt und solange Amerika und seine Verbündeten bereit sind, kraftvoll und umgehend zu handeln. Die meisten Möchtegern-Saddams scheinen dies begriffen zu haben.
Saddam selbst hat es sicherlich begriffen. Sein Größenwahn ist zunichte geworden, und seine Tage sind
gezählt. Nein, der Golfkrieg hat nicht alle Probleme
des Mittleren Ostens gelöst. Er hat jedoch die Lage in
der Region und sogar auf der Welt insgesamt zu unser
aller Nutzen deutlich verbessert - keine schlechte
Leistung, über die sich einige von denen, die gern alles
rückgängig machen würden, Gedanken machen sollten.
* * *
Seite 1

�W A H L E N '92
22. Januar 1992

DIE LISTE DER VORWAHLEN UND
WAHLVERSAMMLUNGEN 1992
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine chronologische Liste der im Wahljahr 1992
anstehenden Wahltermine. In den Bundesstaaten werden zur Auswahl eines Präsidentschaftskandidaten und
der Delegierten für die Nominierungskonvente entweder Vorwahlen (Primary - P) oder Wahlversammlungen
(Caucus - C) veranstaltet. Innerhalb eines Staates können Demokraten (D) und Republikaner (R) entgegengesetzte Systeme verwenden. In vielen Fällen werden die Kongreßvorwahlen (Kong) später abgehalten als die
Termine zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten.

10. Februar
Iowa (C)
18. Februar
New Hampshire (P)
23. Februar
Maine (C)
25. Februar
South Dakota (P)
3. März

8. März
Nevada (C)
10. März
Delaware (C)
Florida (P)
Hawaii (C)
Louisiana (P)
Massachusetts (P)
Mississippi (P)

Colorado (P)

Missouri (C)

Georgia (P)

Oklahoma (P)

Idaho (D) (C)

Rhode Island (P)

Maryland (P)

Tennessee (P)

Minnesota (D) (C)

Texas (P)

Utah (C)
Washington (C)
5.-19. März
North Dakota (D) (C)
7. März
Arizona (C)
South Carolina (P)

17. März
Illinois (P)
Michigan (P)
24. März
Connecticut (P)
31. März
Vermont (C)

Wyoming (C)

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�9. Juni

2. April

Maine (Kong)

Alaska (C)

North Dakota (R) (P)

7. April
Kansas(P)

South Carolina (Kong)

Minnesota (R) (P)

Virginia (Kong)
21. Juli

New York (P)

Georgia (Kong)

Wisconsin (P)

4. August

11. April

Kansas(Kong)

Virginia (C)

Michigan (Kong)

28. April

6. August

Pennsylvania (P)

Missouri (Kong)

5. Mai

Tennessee (Kong)

District of Columbia (P)

11. August

Indiana (P)

Colorado (Kong)

North Carolina (P)

18. August

Ohio (P)

Wyoming (Kong)

12. Mai
•

25. August

Nebraska (P)

Alaska (Kong)

West Virginia (P)

Oklahoma (Kong)

19. Mai

I.September

Oregon (P)

Florida (Kong)

26. Mai

Nevada(Kong)

Arkansas(P)

8. September

Idaho (R) (P)

Arizona(Kong)

Kentucky (P)

New Hampshire (Kong)

2. Juni
Alabama (P)

Utah (Kong)

Kalifornien (P)

Vermont (Kong)

Iowa (Kong)
Montana (P)
New Jersey (P)

l

Wisconsin (Kong)
12. September
Delaware (Kong)

New Mexico (P)
South Dakota (Kong)

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�15. September
Connecticut (Kong)
Massachusetts (Kong)
Minnesota (Kong)

19. September
Hawaii (Kong)
3. Oktober
Louisiana (Kong)

New York (Kong)
Rhode Island (Kong)
Washington (Kong)

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Seite 3

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