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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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DROGEN

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15. Januar 1992

Bonn

BUSH: FORTSCHRITTE BEI DER
DROGENBEKÄMPFUNG ZU VERZEICHNEN
Rede des Präsidenten vor dem Rat
gegen Drogenmißbrauch

FORTSCHRITTE IM KAMPF
GEGEN DROGEN ERZIELT
Überblick über Maßnahmen im Jahr 1991

MARTIN LUTHER KING

DAS MARTIN-LUTHER-KING-ZENTRUM FÜR
GEWALTFREIEN SOZIALEN WANDEL
von Kathryn Johnson

WAHLEN '92

DREI PHASEN DER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Vorwahlen, Konvente und die
Präsidentschaftswahlkampagne

US-AUSSENPOLITIK

ENTSTEHUNG UND GESTALTUNG DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
von Barbara Beroth

WELTWIRTSCHAFT

EINE STRATEGIE FÜR WELTWEITES
WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�DROGEN
15. Januar 1992

BUSH; FORTSCHRITTE BEI DER
DROGENBEKÄMPFUNG ZU VERZEICHNEN
Rede des Präsidenten vor dem Rat gegen Drogenmißbrauch
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede bei der Sitzung des Rats gegen Drogenmißbrauch erklärte Präsident Bush
am 10. Januar 1992 in Washington, bei der Drogenbekämpfung seien Fortschritte zu verzeichnen, "es bleibt
jedoch noch viel zu tun".
"Wir sehen Fortschritte", fuhr Bush fort. "Für 1990 überschreiten wir unser Ziel bei der Reduzierung des
allgemeinen Drogenkonsums. Wir hatten eine Abnahme von 10 Prozent zwischen 1988 und 1990 erwartet - und
der Drogenmißbrauch ging noch stärker- um 11 Prozent - zurück."
"Es bleibt jedoch noch viel zu iun", stellte Bush fest und verwies darauf, daß noch immer 12,5 Millionen Amerikaner Drogen konsumieren und 1,9 Millionen Amerikaner zur Zeit Kokain nehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich freue mich, nach einer interessanten Reise wieder
hier zu sein. Zehn faszinierende Tage des Redens,
Zuhörens und Lernens im Femen Osten - der harten
Arbeit für Ziele, die wir alle teilen beim Versuch, unsere
Exportmärkte zu erweitern. Wir haben unseren Freunden auch vc"r!chv«rt, daß wir im Pazifik weiterhin
engagiert bleiben. Wie Sie wissen, hegen wir angesichts all der Veränderungen in Osteuropa die Hoffnung, daß die Menschen, die sich einst gehaßt haben,
ehemals Feinde waren, jetzt im Nahen Osten miteinander sprechen. Einige im Pazifischen Raum dachten,
wir hätten unsere Interessen in diesem Teil der Welt
einfach aufgegeben. Ich wollte daher die politisch
Verantwortlichen dort davon überzeugen, daß wir unsere
Sicherheitsbelange in diesem entscheidenen Gebiet
wahrnehmen und in dieser Region engagiert bleiben.
Hierbei handelt es sich im übrigen um unseren größten
Handelspartner.
Ich bin jedoch heute in der Überzeugung hierher
gekommen, daß das von uns Geleistete für das
Wohlergehen unseres Landes unabdingbar ist. Das
wollte ich Ihnen sagen. Unser Land weiß die unerläßliche Arbeit Ihrer gemeindeorientierten Koalition zur
Drogen bekämpf ung zu schätzen, und unser Land ist
jedem einzelnen von Ihnen äußerst dankbar.
Wir alle arbeiten hart, um den Ruch der Drogen von
unserer Landkarte zu verbannen. Unsere Bestrebungen zur Drogenbekämpfung stehen im Bundeshaushalt an oberster Stelle aller innenpolitischen Initiativen.

AMERIKA DIENST 2

Unser Haushaltsvorschlag für 1992 sieht 11,7 Milliarden Dollar zur Drogenbekämpfung vor - eine Aufstokkung von 82 Prozent seit dem Beginn meiner Amtszeit
und eine 11 prozentige Zunahme seit dem vergangenen Jahr. Dies ist einer der höchsten Beträge im
gesamten Haushalt.
Sie und ich kennen die Antwort in unserem Kampf
gegen Drogen - wir sehen Fortschritte. Ich bin nicht
sicher, ob das gesamte Land dies versteht, aber
meines Erachtens können wir Fortschritte verzeichnen. Für 1990 überschreiten wir unser Ziel bei der
Reduzierung des allgemeinen Drogenkonsums. Wir
hatten eine Abnahme von 10 Prozent zwischen 1988
und 1990 erwartet - und der Drogenkonsum ging noch
stärker, ich glaube um 11 Prozent, zurück. Gelegentlicher Kokainkonsum ist seit der Festsetzung unseres
Ziels um 29 Prozent gesunken, und ich glaube, das
Ziel, das wir vor Augen hatten, waren 10 Prozent. Für
1991 belegen die Zahlen, daß wir viele unserer Ziele
noch weiter überschritten haben, insbesondere im
Bereich des Kokainkonsums unter Erwachsenen. Sie
und ich wissen, daß dies ein Problem ist. Es ist
schrecklich, daran zu denken, daß Erwachsene Kokain nehmen. Aber es ist eine Tatsache, und es ist hart
genug. Wir machen jedoch Fortschritte. Wir hatten
gehofft, den Konsum ab 1988 um 30 Prozent zu
reduzieren, und er ist um über 60 Prozent zurückgegangen. Unsere Arbeit bewirkt also Fortschritte. Was
Sie tun, zeigt Wirkung und rettet das Leben von
Kindern.

Seite 1

�Aber wir müssen uns vor Augen führen - es bleibt
jedoch noch viel zu tun. Zur Zeit konsumieren noch
über 12,5 Millionen Amerikaner Drogen - 1,9 davon
Kokain. Der Drogenkonsum unter Erwachsenen ist
zurückgegangen, aber noch über 1,3 Millionen unserer
Kinder nehmen derzeit Drogen.
Wir haben uns ferner der Verschärfung der Drogengesetze verschrieben. Wir verwenden mehr Zeit und
Arbeit auf Drogenbekämpfung als auf jeden anderen
Verbrechensbereich. Aber wir können es nicht alleine
schaffen. Wir benötigen Bundesdrogengesetze, die
auf der Seite der Menschen stehen. Wir brauchen
überparteiliche Bestrebungen, damit die Strafverfolgungsbehörden die Gegenwart und Zukunft unserer
Kinder schützen. Wie ich bereits vor zwei Jahren bei
der Ankündigung der Drogenstrategie sagte, sehen wir
uns bei diesem Drogenproblem mit der schwersten
Herausforderung in Jahrzehnten konfrontiert. Wir
stellen uns dieser Herausforderung nicht als einzelne
sondern als Nation.
Wir haben es immer gesagt - wir können den Drogenkrieg nicht durch Strafverfolgung allein gewinnen. Ich
bin davon überzeugt, daß wir im Bereich der Strafverfolgung mehr tun könnten. Und ich beglückwünsche
diejenigen, die unsere Gesetze durchsetzen. Aber wir
können nicht mit Strafverfolgung allein gewinnen. Wir
benötigen wirksame Therapieprogramme und nationales Vorgehen.
Vor über zwei Jahren haben wir diesen Rat gegen
Drogenmißbrauch gegründet. Amerika hatte außerordentlich großes Glück, diese herausragenden Amerikaner für unser gemeinsames Ziel gewinnen zu können, dieses Land von den durch illegale Drogen verursachten Verwüstungen zu befreien. Ich möchte den
Mitgliedern unseres Rats heute meinen besonderen
Dank aussprechen, die unermüdlich daran arbeiten,
die enormen Kräfte zu mobilisieren, die der Privatsektor im Kampf gegen Drogen aufbringen kann. Blicken
Sie auf den ersten Tisch, blicken Sie um sich, blicken
Sie auf die Namen der Männer und Frauen, die sich
dieser Sache verschrieben haben - und Sie sehen, hier
widmen sich äußerst engagierte, erfolgreiche Menschen der Hilfe für andere.
Darüber hinaus ist jeder der heute hier Anwesenden
ein Soldat in unserem Krieg gegen Drogen. Sie führen
die Bestrebungen unseres Landes auf lokaler Ebene
zum Abbau des Drogenmißbrauchs am Arbeitsplatz,
in den Schulen und in der Nachbarschaft an. Wir
haben ein gutes Programm. Vor nicht allzu langer Zeit
wurde ich von AI Casey und anderen über ihre Arbeit
unterrichtet, und Jim ist nach Camp David gekommen,
um mir über sein Konzept zum drogenfreien Arbeitsplatz zu berichten. Und wir machen Fortschritte. Es
bleibt jedoch noch viel zu tun.
Sie organisieren Ihre Gemeinden zu Koalitionen. Der
Schlüssel zur Gesundung diesei Nation liegt an der

Seite 2

Basis, bei den von mir so bezeichneten "Punkten des
Lichts" - indem Sie dem Nachbarn Ihre Hand reichen.
Und die hier Versammelten sind sicherlich im besten
Sinne Beispiele für die Hilfsbereitschaft von Amerikanern.
Wenn Amerikaner Ihre Geschichten hören, werden sie
sich bewußt, daß es eine Alternative zu Drogen gibt und der Name dieser Alternative lautet Hoffnung. Sie
hören die Geschichte von Leuten wie Brad Gates, dem
Sheriff in Orange County, der sich über von Drogen
verursachte Todesfälle so viele Gedanken machte,
daß er das Programm "Drug Use is Life Abuse" (Drogenkonsum ist Lebensmißbrauch) ins Leben rief.
Zusammen mit Unternehmern initiierte er ein massives Aufklärungsprogramm über Drogen, das sich an
die Jugendlichen seines Bezirks richtete. Und dieses
Programm funktioniert, weil es die Einstellung der
Menschen ändert - es bewirkt einen grundlegenden
Wandel in der Einstellung zu Drogen.
Dasselbe gilt für die Bemühungen Tad Footes. Als er
sah, wie Drogen seine Gemeinde zerstörten, versammelte er führende Unternehmer wie Alvah Chapman
und andere - die engagiertesten und erfolgreichsten,
und sie gründeten The Miami Coalition, eine Gemeindeorganisation auf breiter Grundlage. Sie verschrieb
sich dem Ziel, auf jeden Aspekt des Drogenproblems
einzugehen - und gründete deshalb acht Arbeitsgruppen. Sie überzeugte über ein Drittel aller Unternehmen
Miamis, Maßnahmen für drogenfreie Arbeitsplätze und
damit verbundene Hilfen für die Beschäftigten einzuführen. Ferner haben sie über 1.500 Crack-Häuser
geschlossen. Dies ist wirklich ein Erfolg, und er beruht
einzig und allein auf freiwilligen Anstrengungen.
Der entscheidende Punkt lautet: keine Gemeinde wirklich keine - muß Drogenmißbrauch hinnehmen.
Amerikaner müssen nicht in Furcht leben. Drogen und
zahlreiche andere soziale Probleme können aus jeder
Gemeinde verbannt werden - wenn jede Gemeinde
sich genug dafür engagiert, die Hand auszustrecken
und es zu versuchen.
Den Amerikanern gebührt großes Lob für ihre individuellen und kollektiven Bemühungen. Aber es bleibt
immer noch viel zu tun. Dieser Krieg fordert Opfer. Wir
leben in einem Zeitalter, in dem Jahr für Jahr Zehntausende drogengeschädigter Babies geboren werden.
Dies bedeutet eine echte Tragödie. Wenn Sie eines
dieser Babies in ihren Armen halten, kann Ihnen dies
nur das Herz brechen. Wir leben in einem Zeitalter, in
dem einer von 4.000 amerikanischen Jugendlichen
von eigener Hand oder der eines anderen stirbt, und
allzuoft spielen Drogen eine Rolle - eine grundlegende
Rolle - bei diesen Tragödien. Wir leben in einem
Zeitalter, in dem die Geißel der Drogen den Preis eines
Menschenlebens billig gemacht hat und das moralische Gefüge dieser unserer großen Nation auszuhöhlen droht.

AMERIKA DIENST 2

�Nun, Sie haben Zeichen gesetzt, die sich mit dem
folgenden Text der von Bürgern Albuquerques geschaffenen Anti-Drogen-Plakate zusammenfassen
lassen: "Es ist einfacher, ein Kind aufzubauen als
* *

AMERIKA DIENST 2

einen Erwachsenen zu reparieren." Mit dieser Art
unerschütterlichen Engagements werden wir den Sieg
davontragen. Jeder einzelne von Ihnen kann etwas
bewirken, und Gott möge Sie alle dafür segnen.
* *

Seite 3

�DROGEN
15. Januar 1992

FORTSCHRITTE IM KAMPF GEGEN DROGEN ERZIELT
Überblick über Maßnahmen im Jahr 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, der sich mit den im Jahr 1991 erzielten
Fortschritten bei der Bekämpfung von Drogenhandel und- konsum beschäftigt.
Die beiden wichtigsten amerikanischen Regierungsvertreter zu Drogenfragen betrachten 1991 als ein Jahr
erheblicher Fortschritte bei der Zerschlagung von
Operationen der Kokain-Kartelle sowie der verbesserten regionalen und internationalen Zusammenarbeit.
"Im Lauf des Jahres haben wir unsere kooperativen
Programme mit den drei Andenstaaten im Hinblick auf
Strafverfolgung und wirtschaftliche Aspekte verbessert, und das Ergebnis waren eine stärkere Konzentration dieser Länder auf das Problem, mehr nationaler
Wille, mehr Drogenhändler im Gefängnis, mehr zerstörte Start- und Landebahnen," so Melvyn Levitsky,
Abteilungsleiter für internationale Drogenprobleme im
US-Au ßenministerium.
"In zwei weitr-""* wichtigen Bereichen, der Geldwäsche und Kontrolle chemischer Substanzen, haben wir
ebenfalls internationale Fortschritte erzielt", stellte
Levitsky fest und erklärte, die Europäische Gemeinschaft sowie die Organisation Amerikanischer Staaten
hätten über die Interamerikanische Kontrollkommission gegen Drogenmißbrauch (CICAD) Leitlinien zur
Überwachung von zur Drogenherstellung verwendeten chemischen Substanzen erlassen. Beide Organisationen bereiteten darüber hinaus Vorschriften oder
Modellgesetze gegen Geldwäsche vor.
Dem Direktor des Büros für Nationale Drogenkontrollpolitik (ONDCP), Bob Martinez, zufolge sind die Vereinigten Staaten "außerordentlich erfreut, daß seit dem
ersten Andengipfel (im Februar 1990) die beteiligten
Länder zusammen mit Mexiko ihre Fähigkeit unter
Beweis gestellt haben, Drogenlieferungen ins Ausland
abzufangen und zu unterbinden und damit den KokainKartellen echten Schaden zuzufügen.... Wir haben
eine großartige Zusammenarbeit auf bilateraler Grundlage festgestellt."
Levitsky führte darüber hinaus Ecuador und Venezuela an und verwies dabei auf ein Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und Venezuela - das erste
seiner Art - zur Identifizierung und Unterbindung von
AMERIKA DIENST 2

Drogenhandel zur See. Infolgedessen kam es in den
Vereinigten Staaten im vergangenen Monat zur zweitgrößten jemals erfolgten Beschlagnahmung von Kokain - nahezu 11 Tonnen, die in auf venezolanischen
Frachtschiffen transportierten Betonpfosten versteckt
waren.
Die amerikanisch-kolumbianische Zusammenarbeit ist
Levitsky zufolge weiterhin sehr eng. Jm Dezember
führten kolumbianische und amerikanische Drogenfahnder in Kolumbien gleichzeitig 32 Razzien gegen
Finanzoperationen des Cali-Kartells durch. Bankkonten in Kolumbien, Großbritannien, Deutschland, Hongkong und den Vereinigten Staaten im Gesamtwert von
über 15 Millionen Dollar wurden eingefroren.
Er verwies femer darauf, "in Bolivien wie in Kolumbien
hätten sich nicht nur Pablo Escobar, sondern auch
andere Drogenhändler entweder gestellt oder sie seien verhaftet worden, mehr denn je sind im Gefängnis,
und einige wurden bei Polizeieinsätzen getötet". Escobar,
der Gründer des Medellinkartells in Kolumbien, wurde
inhaftiert, nachdem er sich im Juni vergangenen Jahres den Behörden gestellt hatte.
Darüber hinaus steht der frühere panamaische Diktator General Manuel Noriega wegen zwölf Vergehen im
Zusammenhang mit Kokainhandel vor Gericht. Noriega wird beschuldigt, das Medellinkartell bei seinem
Drogenhandel und der Geldwäsche in Panama unterstützt und gedeckt zu haben.
Levitsky zufolge gab es 1991 in Kolumbien und Mexiko
bei den Festnahmen einen "drastischen" Anstieg, "und
auch in den Ländern Mittelamerikas, wo in Zusammenarbeit mit uns wichtige Einsätze durchgeführt wurden,
erfolgten mehr Festnahmen".
Insgesamt - so Levitsky - " war es auf der Grundlage
der vorliegenden Zahlen unserer Meinung nach ein
gutes Jahr, aber es bleibt immer noch viel zu tun... Wir
sehen uns mit denselben Problemen konfrontiert, die
die Effektivität lokaler Streitkräfte und Korruption beSeite 1

�treffen ... Die illegale Drogenindustrie ist immer noch
stark, wir haben jedoch gezeigt, daß unser Programm
wirkungsvoll sein kann, wenn wir mit diesen Ländern
zusammenarbeiten."
Er erklärte, die Vereinigten Staaten hätten im Mai ein
bilaterales Abkommen mit Peru unterzeichnet, das
den Rahmen für die Entwicklung eines vielschichtigen
Drogenbekämpfungsprogramms bietet. Darüber hinaus wurden besondere Durchführungsvereinbarungen abgeschlossen, die denen mit Kolumbien und
Bolivien ähneln. Ein Teil der Hilfe für Perus Drogenbekämpfung ist eingefroren, bis der Kongreß davon
ausgehen kann, daß Peru all die damit verbundenen
Bedingungen erfüllt.
Peru sollte 1991 60 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe
erhalten- im Rahmen der Strategie für die Andenstaaten der Bush-Administration, einem Fünfjahresplan in
Höhe von 2,2 Milliarden Dollar Hilfe für die Andenstaaten, damit sie den Drogenhandel reduzieren und wirtschaftliche Alternativen zur Kokaproduktion entwickeln können. Einige Gelder sind vom Kongreß freigegeben worden.
Im Rahmen der Strategie für die Andenstaaten hat
Kolumbien 50 Millionen und Bolivien 88 Millionen Dollar erhalten. Die Wirtschaftshilfe zur Drogenbekämpfung beläuft sich 1992 auf 50 Millionen Dollar für
Kolumbien und auf jeweils 100 Millionen Dollar für Peru
und Bolivien. Alle drei Länder erhalten darüber hinaus
Hilfe für die Strafverfolgung und militärische Drogenbekämpfungsprogramme.
Levitsky verwies femer darauf, "wir haben eine bessere Koordinierung mit den Europäern bei Programmen
in den Andenstaaten eingeleitet. Die EG hat ihr
Engagement erhöht, um mit ihnen zusammenzuarbeiten und finanzielle Ressourcen bereitzustellen, und
manche der einzelnen Länder leisten den Andenstaaten mehr Hilfe."
Am 4. Dezember hat Präsident Bush das Gesetz über
Handelspräferenzen gegenüber den Andenstaaten
unterzeichnet, das zollfreie Behandlung für die meisten Produkte aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien und
Peru autorisiert. Das Gesetz ergab sich aus einer von
Bush beim Gipfel im Februar 1990 gegenüber den
Präsidenten der Andenstaaten in Cartagena (Kolumbien) eingegangenen Verpflichtung, diesen Ländern
zu helfen, ihre Wirtschaft zu stärken und den KokaAnbauem alternative Verdienstmöglichkeiten zu bieten.
Bush hat eine Einladung der Präsidenten Boliviens,
Kolumbiens, Ecuadors, Perus und Venezuelas angenommen, an einem zweiten Drogengipfel teilzunehmen, der auf die in Cartagena erzielten Ergebnisse
aufbauen würde. Er schlug vor, den Gipfel Anfang
1992 in den Vereinigten Staaten abzuhalten und hat
dazu die fünf Präsidenten und den Präsidenten von
Mexiko eingeladen.
Seite 2

"Alle Länder sind sich der Tatsache bewußt, daß man
mit dem Drogenproblem nicht fertigwerden kann, indem man sich Land für Land vornimmt. Eine bilaterale
Basis ist nicht möglich," erklärt Levitsky. "Nicht nur
diese sechs Länder sind gefordert, sondern internationale Kooperation ist notwendig, an der wir mit den
Europäern und Ländern in der Karibik und in Mittelamerika sehr hart arbeiten."
"Wir müssen das Ausmaß der Zusammenarbeit auf
dem Kontinent immer noch steigern und einen noch
stärkeren regionalen Ansatz verfolgen," fügte er hinzu,
"die Zeichen dafür stehen günstig... Das Problem ist
sehr groß, und deshalb muß der Schlag, den wir der
Drogenindustrie versetzen, in den nächsten Jahren
noch größer sein. Wir hoffen, der Gipfel und andere
Aktivitäten werden dies 1992 noch steigern."
Unter den Themen, die Martinez zufolge bei einem
zweiten Gipfel zur Sprache kommen werden, sind
"neue Herausforderungen - die Herausforderung der
kolumbianischen Drogenhändler, im Heroin-und
Kokainhandel in Europa Fuß zu fassen und das Ausufern (des Drogenhandels) von einem Land zum
anderen." Darüber hinaus wird ihm zufolge die Reduzierung der Nachfrage wichtig sein. "Wir in den Vereinigten Staaten machen weiterhin Fortschritte, indem
wir die Zahl der Drogenkosumenten verringern, aber
die weltweite Nachfrage muß zurückgehen."
Eine neue Untersuchung in amerikanischen Haushalten deutet darauf hin, daß seit Mitte der achtziger Jahre
eine Verlangsamung oder Verflachung des steilen
Rückgangs beim Drogenkonsum stattgefunden hat,
aber Martinez betonte, der Stand sei immer noch um
die Hälfte niedriger als in den Jahren des Spitzenkonsums 1979 bei Marihuana und 1985 bei Kokain, insbesondere unter Jugendlichem im After von 12 bis 17
Jahren.
Der Kokainkonsum in einer Gruppe - bei den über
35jährigen - ist zwischen 1990 und 1991 gestiegen,
obwohl er immer noch weit unter dem Stand von 1985
liegt. Der gegenwärtige Konsum (im letzten Monat)
der untersuchten Gruppe stieg von 0,6 auf 0,8 Prozent,
1985 betrug er 2 Prozent. Die Raten lagen am höchsten bei Männern, Arbeitslosen, Schwarzen, Hispanoamerikanern und Bewohnern großer Städte.
In der Altersgruppe der 12- bis 17jährigen fiel der
Kokainkonsum von 0,6 Prozent auf 0,4 Prozent der
Untersuchten. Der gegenwärtige Konsum aller Drogen nahm von 8,1 Prozent auf 6,8 Prozent ab. 1979,
im Jahr des Höchststandes, betrug der Konsum aller
Drogen 17,6 Prozent.
Darüber hinaus stieg die Zahl der mit Kokain in Zusammenhang stehenden ambulanten Behandlungen, eine
Tendenz, die die steigenden medizinischen Konsequenzen von Langzeitabhängigen widerspiegelt.

AMERIKA DIENST 2

�"Es ist klar, daß die Botschaft zur Aufklärung und
Verhinderung funktioniert" und Jugendliche von Drogenkonsum abhält, erklärt Martinez. "Wir drehen den
Abhängigen den Hahn zu, weil die Jugendlichen auf
die Botschaft reagieren."
Die Gruppe der über 35jährigen hat wohl vor Jahren
begonnen, Drogen zu nehmen, als dies sozial stärker
akzeptiert war. Viele von ihnen sind Martinez zufolge
jetzt abhängig. "Es handelt sich hierbei um Menschen,
die zu einer Zeit jung waren, als es in den Vereinigten
Staaten keine nennenswerten Programme zur Aufklärung und Vermeidung gab", erläuterte Martinez. "Diese
Gruppe müssen wir ansprechen."
Als Teil der Nationalen Drogenbekämpfungsstrategie
hat Martinez zufolge die Bush-Administration den
Kongreß um zusätzliche 99 Millionen Dollar gebeten,
um die Behandlung von bedürftigen Bevölkerungsgruppen finanzieren zu können, der Kongreß hat jedoch nur 9 Millionen Dollar bewilligt.
Der Etat für die Drogenstrategie im Haushaltsjahr 1992
- der alle Drogenbekämpfungsaktivitäten der Bundesregierung sowie Unterstützung für die Programme der
Bundesstaaten und Kommunen umfaßt - beträgt 11,6
Millionen Dollar, gegenüber 1991 ein Anstieg von 11
Prozent und seit Bushs Amtsantritt 1989 eine Steigerung um 82 Prozent.
Rückblick auf 1991
Im Inland hat die Beschlagnahmung von Heroin durch
die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA
gegenüber 1990 um 70 Prozent zugenommen, bei
Kokain ist sie um 19 Prozent und bei Marihuana um 28
Prozent gesunken. Die US-Zollbehörde meldete eine
15prozentige Zunahme der Beschlagnahmung von
Heroin, eine 3prozentige Steigerung bei Kokain und
eine 29prozentige Zunahme bei Marihuana. Die
Küstenwache verzeichnete keine Beschlagnahmung
von Heroin, aber eine 79prozentige Zunahme bei
Kokain, während sie nur ein Drittel des Marihuanas
beschlagnahmt hat, das 1990 gefunden wurde.
*

AMERIKA DIENST 2

Die DEA verzeichnet auch einen Rückgang der Beschlagnahmung von gefährlichen Drogen wie LSD und
PCP, bei der Aufdeckung geheimer Labors zur Herstellung von Amphetaminen und anderen Drogen sowie
der Beschlagnahmung von Geld und Vermögen. Die
Zahl der Verhaftungen blieb mit 22.900 relativ konstant, während die Ausrottung kultivierter Marihuanapflanzen, einschließlich Sinsemilla, um 12 Prozent
zurückging.
Bis Ende des Jahres hatten 53 Länder bindende
Instrumente zur Ratifizierung, zu Beitritt oder Zustimmung zur UN-Konvention über Drogenhandel von 1988
unterbreitet.
Der Londoner Weltwirtschaftsgipfel verabschiedete
die von der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung chemischer Stoffe (Chemical Action Task Force - CATF)
empfohlenen Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von Chemikalien zur illegalen Drogenherstellung. Die CATF empfahl, daß 10 zusätzliche Chemikalien in die Kontrollbestimmungen der UN-Konvention über Drogenhandel von 1988 aufgenommen werden sollten. Die UN-Kommission zur Internationalen
Kontrolle von Betäubungsmitteln prüft eine US-Petition, der zufolge diese Chemikalien aufgenommen
werden sollten, und die Europäische Gemeinschaft
überarbeitet ihre Kontrollvorschriften für Chemikalien,
die am 1. Juli vergangenen Jahres in Kraft traten und
die CATF-Empfehlungen berücksichtigen.
Viele Länder haben Schritte zur Bekämpfung der
Geldwäsche unternommen. Paraguay hat zum Beispiel eine Vorschrift erlassen, daß Banken Überweisungen von über 10.000 Dollar melden müssen, und
die Schweiz hat angekündigt, 1992 anonyme Bankkonten abschaffen zu wollen. Kolumbien hat eine
interministerielle Arbeitsgruppe zur Bekämpfung von
Geldwäsche ins Leben gerufen, die von Präsident
Cesar Gaviria angewiesen wurde, Empfehlungen für
die Gesetzgebung auszusprechen.

* * *

*

Seite 3

�MARTIN

LUTHER

KING
15. Januar 1991

DAS MARTIN-LUTHER-KING-ZENTRUM FÜR
GEWALTFREIEN SOZIALEN WANDEL
von Kathryn Johnson
WASHINGTON - (AD) - Am 20. Januar 1992 wird in den Vereinigten Staaten der Geburtstag von Dr. Martin
Luther King Jr. als gesetzlicher Feiertag begangen. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir den nachstehenden
Artikel, der sich mit Geschichte und Auftrag des Martin-Luther-King-Zentrums für gewaltfreien sozialen Wandel
in Atlanta (Georgia), Geburtsort und Wirkungsstätte von Dr. King, befaßt. Die Autorin ist Mitarbeiterin von Cable
News Network (CNN) in Atlanta (Georgia).

Es ist der Hüter seines Traums.
Dr. Martin Luther King Jr. wurde am 4. April 1968
ermordet, aber "Der Traum" lebt weiter im MartinLuther-King-Zentrum für gewaltfreien sozialen Wandel in Atlanta (Georgia).
Das Zentrum ist ein Gebäudekomplex, dessen Mittelpunkt Kings Grabstätte bildet - ein weißer Marmorsarkophag und eine ewige Flamme, die sich inmitten
eines Wasserbeckens, des "Reflecting Pool" befinden.
Daneben erhebt sich die Ebenezer Baptist Church, in
der King, sein Vater und sein Großvater in ihren
Predigten die Lehren von Menschenwürde und Gewaltlosigkeit verkündeten. Auf der anderen Straßenseite liegen das Martin Luther King Jr. Community
Center sowie das öffentliche Schwimmbad dieses
Stadtviertels. Ein paar Meter die Straße hinauf befindet sich Kings im viktorianischen Stil errichtetes Geburtshaus.
In diesen beiden Häuserblocks entlang der historischen Auburn Avenue kann man auch heute noch die
Wurzeln der Bürgerrechtsbewegung und das geistige
Zentrum des Amerikas des Schwarzen erkennen.
Das im Jahr 1968 gegründete Zentrum ist der Kristallisationspunkt der nationalen Bestrebungen, Kings
Traum und sein Vermächtnisder Gewaltfreiheit lebendig
zu erhalten. Sein Hauptziel ist die Bewahrung und
Förderung von Kings unvollendetem Werk durch Vermittlung, Interpretation, Befürwortung und Förderung
der Gewaltlosigkeit. Durch die unermüdliche Energie
Coretta Scott Kings findet seine Botschaft ein weltweites
Echo.
AMERIKA DIENST 2

Für Millionen schwarzer Amerikaner war Martin Luther
King Jr. der Prophet, der ihrem Kampf für rassische
Gleichberechtigung eine überzeugende Stimme verlieh. Er sprach ihr Leiden aus, rief ihren Schlachtruf für
Menschenwürde, derMann.derfürsie eine machtvolle
neue Waffe - den gewaltfreien Protest - als Taktik im
Kampf gegen die Rassentrennung schuf.
Für Millionen wei ßer Amerikaner gehörte King zu einer
Gruppe führender Persönlichkeiten, die eine Brücke
der Kommunikation zwischen den Rassen aufrechterhielten als um die Mitte der sechziger Jahre in den
Vereinigten Staaten ein Rassenkrieg drohte.
Im Jahr 1964 wurde King für "die konsequente Durchsetzung des Prinzips der Gewaltlosigkeit" der Friedensnobelpreis verliehen. Er erhielt diese Auszeichnung als dritter Schwarzer, 12. Amerikaner und jüngster Preisträger überhaupt in der Geschichte des Friedensnobelpreises.
Das King-Zentrum ist Teil einer nationalen historischen Gedenkstätte und zieht Jahr für Jahr Millionen
Touristen an. Bei ihrem Gang durch das zweistöckige
Geburtshaus Kings, während ihnen Geschichten aus
seiner Kindheit erzählt werden, können die Besucher
und ihre Kinder Andenken an den Kampf für die
Menschenrechte in Amerika sehen, berühren und
fühlen.
Ein Ausstellungssaal, der sich im Verwaltungs- und
Archivgebäude befindet, in dem auch Veranstaltungen
abgehalten werden, enthält die umfassendste Sammlung von Erinnerungsstücken an Kings Wirken über-

Seite 1

�haupt, darunter seine zahlreichen hochkarätigen
Auszeichnungen.

King schrieb diesen Brief im April 1963 an einen
weißen Geistlichen in dieser Stadt Alabamas, der ihn
kritisiert hatte, weil er den Massenprotest gegen die
In großen Glasvitrinen sind viele persönliche Gegen- Rassentrennungspraxis in dieser Stadt anführte. Bei
stände Kings ausgestellt. Er bevorzugte dunkle Anzü- dieser Demonstration war King festgenommen worge, von denen er einen trug, als ihn eine geistig den.
verwirrte Frau in New York zu erstechen versuchte.
Dieser Anzug sowie zahlreiche andere Artikel - ein- Darüber hinaus können Besucher die Unterlagen von
schließlich einer handschriftlich verfaßten Predigt und neun Bürgerrechtsorganisationen einsehen, darunter
des Schlüssels für sein Zimmer im Lorraine Motel in die Southern Christian Leadership Conference u nd der
Memphis (Tennessee), wo er erschossen wurde - Congress of Racial Equality, sowie 5.000 Bände von
gehören zu den Ausstellungsstücken.
Werken und Unterlagen zur afro-amerikanischen
Geschichte.
Mit Photographien und Begleittexten kann der Besucher Kings Leben zurückverfolgen, er kann Filme Die Bibliothek besitzt ferner die seltenen 87bändigen
ansehen, in denen die dramatischen Märsche und "Collected Works of Mahatma Gandhi", die von der
Demonstrationen im Süden während des Kampfs für indischen Regierung gespendet wurden. Hinter einer
Gerechtigkeit und Gleichheit in den sechziger Jahren Eichentür befindet sich ein klimatisierter,
noch einmal lebendig
abgeschlossener
werden. Ferner wird
Raum mit schätauch
an
Kings
zungsweise 500 Dokuenormen
Einfluß
menten und pererinnert, als sich die
sönlichen Stücken des
Turbulenzen
des
ehemaligen Führers
Rassenkonflikts auf
der Bürgerrechtsden Norden der Vereibewegung - darunter
nigten Staaten ausseine Uhr und seine
breiteten. Im EinLesebrille.
gangsbereich steht
eine große Statue mit
Im Zentrum nehmen
dem Titel "Behold". Sie
Studenten aus den
wurde von Patrick
gesamten Vereinigten
Morelli geschaffen, der
Staaten an Workshops
sie als universelle
über Gewaltlosigkeit
Verherrlichung des
teil, um Lösungen für
Lebens und fortdie scheinbar undauernde Ehrung für
lösbaren Probleme
Martin Luther Kings Grabstätte
Mut und Standvon Krieg, Gewalt und
haftigkeit des Menschen betrachtet
Rassenkonflikten zu finden. Das Stipendienprogramm
führt Studenten der besten Colleges und Universitäten
Die King-Bibliothek und das angeschlossene Archiv Amerikas zusammen, die an einemvoll angerechneten
beherbergen die weltweit größte Sammlung von Pri- Seminar über Geschichte, Philosophie und Methodik
märquellen zu King und der amerikanischen Bürger- der gewaltfreien Aktion teilnehmen.
rechtsbewegung, darunter auch den Großteil der perDie Freedom Hall ist eine internationale Konferenzsönlichen Unterlagen Kings.
und Kultureinrichtung mit einem großen Theater- und
Der Leiterder Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums, Steve Konferenzsaal sowie einem Geschenkeladen. Das
Klein, bezeichnet es als "die beste Bürgerrechtsbiblio- Treppengeländer stammt von einem Sapeli-Baum aus
thek der Welt". Sie zieht zahlreiche Wissenschaftler, Nigeria. An einer Wand hängt ein Relief aus der
Schriftsteller, Forscher und Studenten aus vielen Republik Sambia mit dem Titel "Freedom and Justice".
Ländern an. Der leitenden Archivarin Diane Ware
zufolge wurde die Bibliothek im Jahr 1990 von nahezu Im Jahr 1968 wurde Kings Leichnam auf einem Eselskarren zum Southview Cemetery überführt. 1970
4.000 Personen aus 30 Ländern besucht.
wurden seine sterblichen Überreste dann in dem weiDer Besucher kann über 1.200 Predigten, Reden und ßen Marmorsarkophag beim Zentrum beigesetzt. Der
Manuskripte sowie 14.000 Briefe und Mitteilungen Sarkophag befindet sich auf einem kreisrunden PoKings in Augenschein nehmen, darunter seinen be- dest inmitten des "Reflecting Pool" von 82,8 Metern
rühmten "Brief aus dem Gefängnis in Birmingham". Länge, der den lebensspendenden Charakter des

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�Wassers symbolisiert. Coretta King zufolge ist der
Platz, an dem ihr Gatte heute ruht, derselbe Ort, an
dem er sich als Kind an Sommernachmittagen häufig
unter einer Eiche niedergelegt hatte.

gen wissenschaftlichen Edition der Reden, Predigten
und Korrespondenz von King und anderen Autoren.
Über 15.000 Forschungsanfragen wurden seit Beginn
des Projekts bearbeitet.

Als King im Jahr 1929 an der Aubum Avenue geboren
wurde, war das Viertel von einer dynamischen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Die
Geschichte der Aubum Avenue begann am Ende des
Bürgerkriegs (1861-65), als Schwarze auf der Suche
nach Freiheit ihre Chance in Atlanta suchten. Da sie
vom gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben der Stadt ausgeschlossen waren, taten sie
sich zusammen und begannen ihr Aufbauwerk.

Als zentrale Quelle für das Studium von Martin Luther
King Jr. und der Bürgerrechtsbewegung enthalten
diese Papiere seiner Witwe zufolge in erheblichem
Umfang noch unveröffentlichtes Material. Das Vorhandensein von Tonband- und Filmaufzeichnungen Mittel, die den meisten Forschern bisher nicht zur
Verfügung standen - trägt ebenfalls zur Einzigartigkeit
des Projekts bei.

Auburn wurde eine unabhängige, autarke schwarze
Gemeinde, die gleichzeitig den Kampf um Gerechtigkeit und Gleichheit innerhalb der Gesellschaft als
Ganzem fortführte. Auf der von einem der frühen
Bürgerrechtler Atlantas auf den Namen "Sweet Auburn" getauften Straße konnten Schwarze stolz erhobenen Hauptes einhergehen. Auburn brachte schwarze Führungspersönlichkeiten hervor, die ihr Leben und
ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen. Sie wurden
Geistliche, Pädagogen, Verleger, Freiberufler und
Geschäftsleute. Bereits etabliert waren die großen
Kirchen der Auburn Avenue - Wheat Street Baptist, Big
Bethel und Ebenezer.
King wurde in dieses Viertel hineingeboren. Es war
zwar nicht rassisch gemischt, beherbergte jedoch
Angehörige aller sozialen Schichten.
Kings Geburtshaus wurde soweit möglich in dem
Zustand wiederhe.yestellt, in dem es sich bei Kings
Geburt im Ja'""' 1Q&lt;29 befand. Im Eingangsbereich
hängen mehrere Porträts, darunter eines des Reverend A.D. Williams, Kings Großvater mütterlicherseits.
Eine Treppe führt nach oben zu seinem Gebu rtszimmer,
einemgroßenSchlafzimmermitzweigroßen Fenstern,
stilvoll möbliert mit einem Doppelbett, einer Kommode
sowie einem Frisiertisch mit einem mannshohen Spiegel. In diesem Haus verbrachte King seine ersten 12
Lebensjahre.

Forscher werden in der Lage sein, nicht nur Entwürfe
und vorbereitete Texte sondern auch Reden und Predigten miteinander zu vergleichen, von denen keine
schriftlichen Aufzeichnungen existieren und so tiefere
Einblicke in wichtige Reden Kings zu gewinnen.
Das in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Stanford University und unter der Leitung von Dr. Edward
Claybome Carson, Professor für Geschichte an dieser
Universität, durchgeführte Papers Project wurde aus
Mitteln der amerikanischen Nationalstiftung für Geisteswissenschaften, der Nationalen Kommission für
Historische Veröffentlichungen und Aufzeichnungen
sowie der Rockefeller-Stiftung finanziert
Das Zentrum arbeitet femer mit Bildungsinstitutionen
zusammen, um Filme und Dokumentationen zur Verfügung zu stellen, die in Tausenden von Klassenzimmern der gesamten Vereinigten Staaten gezeigt werden. Klein zufolge sind die Programme des Zentrums
heute wesentlich anspruchsvoller - so daß es ein
"lebendiges Laboratorium" für die Lehren der Gewaltlosigkeit darstellt.

Bei einer Führung erfährt der Besucher, daß King als
Junge auf dem Flurderoberen Etagegeme Brettspiele
spielte, daß er sich piekfein kleidete und sich als
kleines Kind häufig im Badezimmer versteckte, wenn
er mit dem Geschirrspülen an der Reihe war.

Das Zentrum entwickelt Aus-und Fortbildungsprogramme, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene
ihren gesellschaftlichen Status verbessern, ein positives Bild von sich selbst gewinnen und gleichzeitig
lernen können, Gewaltfreiheit im Alltagsleben zu praktizieren. Es arbeitet ferner mit Institutionen von Bundes- und Staatsregierungen sowie Gemeindeverwaltungen zusammen, um Strategien zur Verringerung
von Gewalt und Konflikten innerhalb von Familien, in
Schulen, am Arbeitsplatz, in Strafvollzugsanstalten, in
den Streitkräften, in Stadtvierteln und zwischen Nationen zu entwickeln.

Im Jahr 1984 wurde als Teil der anhaltenden Bemühungen zur Bewahrung des historischen Erbes der
Bürgerrechtsbewegung das Martin Luther King Jr.
Papers Project ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt des
Projekts steht die Zusammenstellung einer 12bändi-

Das Gemeindezentrum beherbergt ein Zentrum für
Vorschulerziehung, das Betreuung für Kinder aus
einkommensschwachen Familien bietet. Darüber
hinaus erlernen Eltern und Kinder dort die gewaltfreie
Bewältigung von Alltagsproblemen.

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�Das King-Zentrum wird in den Worten Coretta Kings
"dem Vermächtnis Martins nur dann gerecht, wenn wir
uns weiterhin den Problemen der Gewalt widmen, die
uns heute betreffen... Armut, Krieg und Ungerechtigkeit", und sie fügt hinzu: "Martins Vision existiert auch
heute noch unter uns... und das gleiche gilt für seine
Botschaft der Standhaftigkeit und Liebe."

Die Nationalparkverwaltung plant, weitere Häuser in
dem gleichen Block unter Denkmalschutz zu stellen
und zu restaurieren, in dem King geboren wurde. Die
nationale historische Gedenkstätte umfaßt 67 Wohnund Geschäftshäuser in unterschiedlichem
Erhaltungszustand. Die meisten wurden zwischen
1890 und 1910 erbaut.

Gegenüber von Kings Geburtshaus stehen zum Beispiel zahlreiche bescheidenere Häuser. Diese als
"Shotgun"-Häuser bezeichneten Gebäude wurden um
das Jahr 1905 errichtet. Bei den "Shotgun"-Häusem
sind die einzelnen Räume hintereinander angeordnet,
wobei die Wände in der Mitte Türen aufweisen und
keine Flure existieren. Einer Redensart zufolge konnte
Nach einigem Nachdenken erklärt Frau King heute, man, wenn alle Türen geöffnet waren, ein Gewehr
daß die Welt erhebliche Fortschritte auf dem Weg zu (shotgun) durch die Eingangstüre abfeuern, und die
mehr Freiheit, Menschenrechten und Frieden gemacht Kugel würde am Hinterausgang wieder austreten ohne
habe. Sie glaubt, daß das King-Zentrum mit Program- irgend etwas getroffen zu haben.
men für Gruppen aus Deutschland, den Philippinen,
Griechenland, der Sowjetunion, Nordirland, Südafrika Arbeiter in den "Shotgun"-Häusern, Freiberufler in
und anderen Ländern seinen Teil dazu beigetragen größeren Anwesen - Akademiker, Arbeiter, arm und
reich, gebildet und ungebildet - sie alle wohnten an der
hat.
Auburn Avenue.
"Obwohl der kalte Krieg beendet wurde, haben uns die
Krise am Persischen Golf gemeinsam mit dem Fortbe- Viele sind der Ansicht, daß King in seiner Jugend
stehen der Apartheid und dem Leid am Hörn von Afrika dadurch beeinflußt wurde, daß er miterlebte, wie
daran erinnert, wieviel wir noch tun müssen, bevorwir Menschen verschiedener Herkunft miteinander arbeiDr. Kings Traum von einer Welt ohne Armut, Rassis- teten, lebten und in der Nachbarschaft zusammenarmus und Gewalt verwirklichen können", erklärt Frau beiteten.
King.
King wuchs darüber hinaus in einem religiösen und
Im Jahr 1990 besuchte sie mit mehreren Mitarbeitern gesellschaftlich aktiven Elternhaus auf, das von Mendes Zentrums Südafrika, um an der Gründung eines schen geprägt war, die Leistungen vollbrachten und
King-Luthuli-Zentrums mitzuwirken, die Lehren von sich Ziele setzten.
King zu verbreiten und damit zum Ende der Apartheid
beizutragen. Das Zentrum hat darüber hinaus in den In den zwanziger Jahren führte sein Großvater, der
Vereinigten Staaten umfangreiche Feiern zum Ge- Prediger A.D. Williams, den Boykott einer Zeitung an,
burtstag von Mahatma Gandhi im Oktober 1990 aus- die für ihre zahlreichen negativen Artikel über Schwargerichtet. Coretta King zufolge will es auch einen ze berüchtigt war. In den dreißiger Jahren war sein
sinnvollen Beitrag zu den Olympischen Spielen 1996 in Vater, der Reverend Martin Luther ("Daddy") King Sr.
Anführer einer Kampagne für die gleiche Bezahlung
Atlanta leisten.
schwarzer und weißer Lehrer in Atlanta. In den vierziDas Zentrum spielt ferner eine wichtige Rolle als Teil ger Jahren beteiligte sich King Sr. aktiv an Kampagnen
der nationalen historischen Gedenkstätte und des zur Registrierung schwarzer Wähler.
unter Denkmaschutz gestellten Viertels, das im Jahr
1980 zum Teil des US-Nationalparksystems erklärt Heute führt das Zentrum diesen sozialen Aktivismus
wurde. Der Leiter des Martin Luther King Jr. Historie fort. Darüber hinaus bietet es als Erinnerungsstätte an
Site, Jerry Belson, stellt fest, der Zweck sei die Ehrung King den Gemeinden, Organisationen und EinzelperKings sowie der Schutz und die begleitende Erläute- sonen Hilfe bei der Organisation von Veranstaltungen
rung der Orte gewesen, an denen er geboren wurde, zum Geburtstag von Martin Luther King. Darüber
arbeitete, betete und beigesetzt wurde. Durch den hinaus bildet es das Kernstück von Kings Stadtviertel
Schutz und die Restaurierung wichtiger Gebäude in - einer blühenden Gemeinde, in der Menschen leben,
diesem Bezirk trägt die Nationalparkverwaltung der ihren Alltagsgeschäften nachgehen und sich bei warVereinigten Staaten dazu bei, daß Besucher einen mem Wetter einer Fülle kostenloser kultureller VeranEindruck von den bemerkenswerten Erfolgen der staltungen im Freien, am "Reflecting Pool" erfreuen
Schwarzen in Atlanta zu Beginn des 20. Jahrhunderts können.
gewinnen.

Den ersten Spatenstich für das Zentrum tat Coretta
King am 15. Januar 1975, dem Tag, an dem ihr Mann
46 Jahre alt geworden wäre. Sieben Jahre später
wurde es offiziell eröffnet. Als in vielen unterschiedlichen Bereichen tätige Institution erhielt das Zentrum
staatliche Zuschüsse und privaten Spenden.

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�"Das Zentrum bewegt auch heute noch Herzen und
Geist von Menschen überall", stellt Coretta King fest
und verweist dabei auf die Gästebücher mit Eintragungen von Besuchern aus Brasilien, Japan, Schweden,
Deutschland, Griechenland und vielen anderen Ländern. Über die Besucher sagt sie:

"In dem Maß, in dem das King-Zentrum in diesen
Herzen und Seelen Gnade und Liebe stimulieren kann,
können wir sicherstellen, daß es nicht zum Monument
für Martins Tod sondern zu einem Meilenstein der
Größe und des Lebens wird."

* * * *

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�W A H L E N '92
15. Januar 1992

DREI PHASEN DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Vowahlen, Konvente und die Präsidentschaftswahlkampagne
WASHINGTON - (AD) - Die Präsidentschaftswahlkampagne begann dieses Mal schleppender als sonst,
aber das ändert sich sehr schnell: inzwischen stellen
sich mehr als sechs Kandidaten, Themen werden
debattiert und Programme vorgestellt, und im kommenden Monat werden die ersten offiziellen Schritte in
dem nahezu ein Jahr dauernden Wahlproze ß erfolgen.
Wie alle vier Jahre wird ein dreistufiger Prozeß stattfinden, in dem festgelegt wird, wer die Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren führen wird.
Stufe eins besteht aus den Vorwahlen oder Parteiversammlungen in den 50 Bundesstaaten und dem District of Columbia, wobei in jeder der wichtigsten
politischen Parteien eine Kandidatenliste vorliegt. Stufe
zwei sind die nationalen Nominierungskonvente der
Demokraten und Republikaner, bei denen jede Partei
ihren Kandidaten offiziell wählt. In der letzten Phase
reisen die nominierten Kandidaten zwei Monate lang
quer durch 'lz.z Land, um Wählerstimmen für die
landesweiten Wahlen am 3. November zu gewinnen.
Nach Ansicht des erfahrenen politischen Beobachters
Thomas Mann von der Brookings Institution handelt es
sich hierbei um "einen sich ständig verändernden
komplexen Prozeß". Mann erläuterte ferner, im Hinblick auf einzelne Kandidaten oder Probleme träten
Fragen auf, die vor einem Monat bei den Wahlen noch
keine Rolle gespielt hätten oder an die niemand gedacht hätte.
Insgesamt wird dies ein Jahr der Reden, Kundgebungen, Medienspektakel, Werbekampagnen, Slogans
und oftmals nicht eingelösten Wahlversprechen. Auf
dem Spiel stehen nicht nur die Präsidentschaft, sondern auch 12 Gouverneursposten der Bundesstaaten,
35 Senatssitze und alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus.
Die Demokraten kontrollieren beide Häuser des Kongresses mit einer großen Mehrheit, und es gibt keinen
Grundzu der Annahme, daß die Republikanerin einem
von beiden die Kontrolle erlangen können, egal wie die
Präsidentschaftswahl ausgeht. In den ersten 165
Jahren der amerikanischen Geschichte hat die eine

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oder andere politische Partei den Kongreß und das
Präsidentenamt nur vierzehn Jahre lang gleichzeitig
innegehabt. Vor 35 Jahren hat sich jedoch die Philosophie der Wähler verändert, und seitdem haben sich
in allen - außer 12 - Jahren Demokraten und Republikaner die Regierung geteilt. Meinungsumfragen zeigen, daß die meisten Wähler jetzt dieses System der
gegenseitigen Kontrolle und geteilten Verantwortung
zwischen den beiden Teilen der Regierung vorziehen.
Die Wahlkampagne beginnt traditionell in Iowa, wo
sich dieses Mal am 10. Februar die Bürger des Staates
in Bezirksversammlungen treffen, um öffentlich einem
Präsidentschaftskandidaten ihre Unterstützung zu
bekunden. In einer komplizierten Berechnung von
Prozentsätzen gewinnen die Kandidaten eine anteilige
Zahl von Delegierten für die Konvente der Bezirke und
Bundesstaaten, die dann ihrerseits bestimmte Delegierte in die nationalen Nominierungskonvente wählen. Die nationale Aufmerksamkeit konzentriert sich
auf die Versammlungen in Iowa als dem ersten Test für
den Pulsschlag der amerikanischen Wähler.
Acht Tage später findet die erste Vorwahl in New
Hampshire statt, und das aufreibende Tempo wird bis
zum 2. Juni anhalten, wenn in Kalifornien und vier
anderen Staaten die Saison der Vorwahlen und Parteiversammlungen endet. Der sogenannte Super Tuesday fällt auf den 10. März, weil dann in 11 Staaten zumeist im Süden - die Vorwahlen stattfinden.
Obwohl Präsident Bushs Kandidatur zur Wiederwahl
bisher noch nicht offiziell bekanntgegeben wurde, hat
er die notwendigen Schritte unternommen, um auf den
Stimmzetteln für die Vorwahlen aufgeführt zu werden,
und seinem Büro zufolge wird die formelle Erklärung in
Kürze folgen. Bush genie ßt nicht den Vorzug, automatisch von der Republikanischen Partei zur Wiederwahl
nominiert zu werden. Er muß um seine erneute
Nominierung kämpfen. Herausforderer sind der konservative Kolumnist und Fernsehkommentator Pat
Buchanan sowie der ehemalige Ku-Klux-Klan-Führer
David Duke. Duke bewirbt sich ohne den Segen der
Republikanischen Partei, die in zahlreichen Staaten
sogar versucht, seinen Namen nicht auf den Stimmzetteln erscheinen zu lassen.

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�Bei den Demokraten treten fünf Bewerber an: Der
Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, Senator Tom
Harkin aus Iowa, Senator Bob Kerrey aus Nebraska,
der ehemalige Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown
sowie der frühere Senator Paul Tsongas aus Massachusetts. Alle sind in ihren Heimatstaaten sehr bekannt, haben aber ein geringes nationales Profil.
Mehr Aufmerksamkeit als die Bewerber erregten diejenigen politischen Persönlichkeiten, die ankündigten,
sich nicht um eine Kandidatur zu bemühen. Prominentester Vertreter in diesem Kreis, zu dem auch der
Bürgerrechtler und ehemalige Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson gehört, ist der Gouverneur von New
York, Mario Cuomo.
Einer der erklärten Kandidaten, der Gouverneur von
Virginia, Douglas Wilder, hat seine Bewerbung bereits
zurückgezogen und dabei erklärt, er müsse seinem
Staat beim Kampf gegen die Rezession helfen. Mehrere
andere werden erwartungsgemäß im Lauf der Vorwahlkampagne aufgeben, und am Tag der Nominierungskonvente wird wahrscheinlich in jeder Partei ein
Kandidat genügend Stimmen von Delegationen aus
den Bundesstaaten besitzen, um die Nominierung
sicherzuhaben.
Dieses Szenarium kann jedoch die Demokraten nicht
von ihrer Geschichte langwieriger Vorwahlschlachten
befreien. Die führenden Köpfe der Partei sähen es am
liebsten, wenn ein Kandidat schon frühzeitig in Führung ginge und zur Mitte der Vorwahlen bereits die
Nominierung in der Tasche hätte, was diesem Bewerber dann einen fliegenden Start in den Präsidentschaftswahlkampf ermöglichen würde.
Bis zum 17. März wird bereits die Hälfte der Delegierten für die Nominierungskonvente in verschiedenen
Vorwahlen ausgewählt sein. Die Demokratische Partei wendet in jedem Staat ein Verhältniswahlrecht an,
bei dem die Prozentzahl der auf einen bestimmten
Kandidaten festgelegten Delegierten auf dem Anteil
der für ihn abgegebenen Stimmen beruht. Die Republikaner benutzen dagegen das Alles-oder-Nichts-Prinzip, nach dem alle Delegiertenstimmen demjenigen
zufallen, der aus einer Vorwahl als Sieger hervorgeht.
Die Rolle der Konvente - die dieses Mal für die Demokraten Mitte Juli in New York und für die Republikaner
Mitte August in Houston stattfinden - wurde im Lauf der

Zeit immer geringer, da die im Vorwahlkampf erfolgreichen Kandidaten schon im ersten Wahlgang von den
Delegierten aus den Bundesstaaten zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurden. Die Konvente
erschöpfen sich heute vornehmlich in der Verabschiedung der Wahlkampfplattform, der Zustimmung zu
dem von dem nominierten Präsidenschaftskandidaten
ausgewählten Vizepräsidentschaftskandidaten und
dienen darüber hinaus als nationale Bühne für Kandidaten und Programme der jeweiligen Partei.
Das Wochenende zum Tag der Arbeit Anfang September bildet traditionell den Auftakt zum Präsidentschaftswahlkampf der von beiden Parteien nominierten Kandidaten, der von ständigen Reisen in Begleitung eines
großen Pressekorps gekennzeichnet ist. Bisweilen
kreuzen sich dabei ihre Wege, besonders bei der
Teilnahme an einem landesweit übertragenen Streitgespräch im Femsehen, das von einer überparteilichen Organisation veranstaltet wird. Damit erhalten
die Wähler eine Gelegenheit, die Ansichten der Kandidaten zu verschiedenen Themen zu vergleichen.
Die meisten politischen Beobachter gehen davon aus,
daß der Zustand der amerikanischen Wirtschaft, die
sich zur Zeit in einer Rezession befindet, das wichtigste Thema des Wahlkampfs 1992 sein wird. Niemand
kann mit Sicherheit vorhersagen, wie das Bild am
Ende des Wahlkampfs aussehen wird, aber allgemein
wird angenommen, daß es der Amtsinhaber leichter
hat, seine Position zu behaupten, wenn sich die Wirtschaftslage zu diesem Zeitpunkt nicht weiter verschlechtert.
Auf allen Regierungsebenen von der Gemeinde bis zur
Bundesregierung verwenden die Kandidaten viel Zeit
und enorme Geldsummen darauf, um die Stimmen
einer äußerst kleinen Wählergruppe, der sogenannten
"Wechselwähler", zu kämpfen. Der politische Beobachter Harrison Hickman, Inhaber eines eigenen Meinungsforschungsinstituts, meint, daß vor zahlreichen
Wahlen der Vergangenheit 45 Prozent als Wähler der
Repu blikaner und 40 Prozent als Wähler der Demokraten galten. Damit blieben Hickman zufolge 15 Prozent
Unentschlossene übrig, die deshalb die einzig echte
Zielgruppe für die Jagd der Kandidaten nach Stimmen
seien. Diese Jagd wird mit großer Intensität gefüh t,
die schließlich mit der Stimmabgabe am 3. November
ihren Abschluß findet - bis zum nächsten Mal.

* * * * *

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�US-AUSSENPOLITIK
15. Januar 1992

ENTSTEHUNG UND GESTALTUNG DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
von Barbara Beroth
In dem nachfolgenden Artikel stellt Barbara Beroth, freie Journalistin in Washington, die an der Gestaltung der
amerikanischen Außenpolitik beteiligten Kräfte und Persönlichkeiten vor.
Ende 1945 lag der Großteil Europas nach sechs
Jahren eines verheerenden Krieges in Schutt und
Asche. Unzählige Wohnhäuser und Fabriken waren
zerstört. Brücken existierten nicht mehr, Straßen und
Schienenwege waren schwer beschädigt. Die Bauern
hatten kaum Saatgut und Dünger, um den Anbau auf
dem verwüsteten Boden wiederaufzunehmen. Selbst
die erzeugten Nahrungsmittel erreichten aufgrund der
zerstörten Verkehrswege nur unter Schwierigkeiten
die städtischen Ballungsgebiete.
Der Zweite Weltkrieg brachte nicht nur für Europa
sondern auch für r"« Zielrichtung der amerikanischen
Außenpolitik erhebliche Veränderungen, war es doch
dieser Krieg gewesen, der die Vereinigten Staaten von
einem nach innen gewandten mit seinen eigenen
Problemen beschäftigten zu einem nach außen, auf
internationale Lösungen und internationale Maßnahmen orientierten Land machte.
An keinem anderen Beispiel kam dies so klar zum
Ausdruck wie beim Marshallplan von 1947. Begründung, Entwicklung und Verwaltung des Plans (der
offiziell als Europäisches Wiederaufbauprogramm
bezeichnet wurde) zeigen, wie Außenpolitik in den
Vereinigten Staaten zustandekommt und welche
Auswirkungen amerikanische Maßnahmen für andere
Staaten haben können.
Am 5. Juni 1947 stand der amerikanische Außenminister George C. Marshall, der im Zweiten Weltkrieg
Stabschef und General des Heeres gewesen war, vor
einem Abschlußjahrgang der Harvard University in
Cambridge (Massachusetts), wo ihm die Ehrendoktorwürde verliehen werden sollte. Er sprach über seine
Hoffnungen und Pläne zum Wiederaufbau Europas.
Nachdem er die immer noch in Europa bestehenden
verzweifelten Bedingungen beschrieben hatte (obwohl bereits durch das Hilfswerk der Vereinten Nationen für den Wiederaufbau ein gewisses Maß an Hilfe
gewährt worden war), erklärte Marshall:
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"Unsere Politik ist nicht gegen irgendein Land
oder eine Doktrin, sondern gegen Hunger, Armut,
Verzweiflung und Chaos gerichtet. Ihr Zweck
sollte es sein, die Weltwirtschaft wiederherzustellen, um das Entstehen politischer und sozialer Verhältnisse zu ermöglichen, unter welchen
freie Institutionen existieren können."
Dies war der Beginn eines neuen Ansatzes in der
Außenpolitik und Auslandshilfe - nicht nur Hunger und
Armut zu bekämpfen, sondern die Systeme an sich,
die sie hervorbrachten.
Marshall stellte darüber hinaus fest: "Es wäre für die
amerikanische Regierung weder passend noch wirksam, einseitig ein Programm zu entwerfen, das bestimmt, wie Europa wirtschaftlich wieder auf die Füße
gestellt werden kann. Das ist die Aufgabe der Europäer selbst."
Und so geschah es dann auch. 18 europäische
Staaten beschlossen, an dem Programm teilzunehmen. Die Sowjetunion und die Länder Osteuropas
waren zur Teilnahme eingeladen, lehnten jedoch ab.
Die Teilnehmer trafen sich am 12. Juli 1947 als Konferenz über europäische wirtschaftliche Kooperation in
Paris. Es war eine Konferenz voller Debatten - wieviel
Verantwortung und welchen Anteil an der Leitung
sollten die Europäer für einen Plan übernehmen, der
von den Vereinigten Staaten finanziert werden würde?
Und wieviel "Führung" sollten die Vereinigten Staaten
haben, und mit welchem Nachdruck sollten sie diese
ausüben, denn es mußte ja letztlich ein Plan erarbeitet
werden, der für den amerikanischen Kongreß als
Kontrollinstanz über die Mittel eines solchen Programms annehmbar war.
Des weiteren wurde darüber debattiert, wieviel Kapital
erforderlich wäre (die Europäer gingen anfänglich von
29,2 Milliarden Dollar für ein Vierjahresprogramm aus,
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�was jedoch von den Vereinigten Staaten für zu hoch
gehalten wurde) und welche Rolle das besiegte und
geteilte Deutschland bei den Wiederaufbauplänen
spielen sollte. (Die Vereinigten Staaten brachten
schließlich über 13 Milliarden Dollar für diesen Plan
auf.)
Während die Konferenz in Übersee stattfand, gingen
Präsident Harry S. Truman und seine Administration
an die Arbeit, um den Plan dem amerikanischen Volk
und dem Kongreß näherzubringen, dessen gewählte
Mitglieder in Repräsentantenhaus und Senat sehr
aufmerksam die Stimmung des amerikanischen Wählers
verfolgten.
Der Marshallplan - wie er später genannt wurde - stand
ziemlich im Einklang mit der Linie Trumans und seiner
Administration. Marshall konzipierte seinen Plan,
nachdem er solide Ratschläge von innerhalb und
außerhalb des Außenministeriums eingeholt hatte. Es
war fast schon eine Frage, wer "die Rede" als erster
halten würde.
George F. Kennan, ein Karrierediplomat, der von
Marshall zum Leiter des politischen Planungsstabes
im Außenministerium ernannt worden war, gab seine
Ansicht zu den Elementen eines solchen Plans mit den
Worten wieder, daß "es einen vier- oder fünfjährigen
Gesamtplan geben sollte; es darf kein Stückwerk von
einem Jahr zum anderen stattfinden."
Truman schuf drei Sonderausschüsse, um die Angelegenheit zu untersuchen. Ein Ausschuß beschäftigte
sich mit dem Verhältnis zwischen amerikanischen
Bodenschätzen und europäischem Wiederaufbau, ein
anderer untersuchte die Auswirkungen eines umfangreichen Hilfspakets auf die amerikanische Wirtschaft
und der dritte, den man als den wichtigsten ansah,
erarbeitete eine detaillierte Analyse des europäischen
Bedarfs auf regionaler und Rohstoffbasis, anstatt jedes Land einzeln zu untersuchen. Der von dem
ehemaligen Wirtschaftsminister W. Averell Harriman,
der von 1943 bis 1946 amerikanischer Botschafter in
der Sowjetunion gewesen war, geleitete dritte Ausschuß war eine aus Bankiers, Vertretern von Industrie
und Gewerkschaften, Verwaltungsfachleuten von
Universitäten und einem ehemaligen US-Senator
zusammengesetzte Gruppe.
Aufgrund der Dringlichkeit des Bedarfs bat der Präsident im Dezember 1947 um Nothilfe für Europa im
Winter 1947/48, die vom Kongreß gewährt wurde.
Nach einigen Debatten und mehreren Anhörungen im
Kongreß wurde das Gesetz zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Europa im Jahr 1948 vom Kongreß
verabschiedet. Für das erste Jahr des Programms
wurden 4,3 Milliarden Dollar bewilligt. Das Gesetz trat
am 3. April 1948 in Kraft.
Die nächste Frage bestand darin, wer das Hilfsprogramm aus amerikanischer Sicht verwalten sollte. Der
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Kongreß war nicht bestrebt, dem Außenministerium
die Programmaufsicht zu übertragen. Das Außenministerium stimmte in der Annahme zu, daß der zeitaufwendige und detaillierte Charakter des Projekts nicht
mit den anderen Funktionen des Ministeriums vereinbar wäre. Deshalb wurde entschieden, zur Verwaltung
des Programms eine neue autonome Behörde ins
Leben zu rufen. Der Unternehmer Paul G. Hoffman,
Präsident des Automobilkonzems Studebaker, wurde
als deren Leiter berufen. Hoffman war bereits Mitglied
im Ausschu ß Averell Harrimans gewesen, und nun war
Harriman an der Reihe, in Hoffmans Behörde als
Sonderbeauftragter für den Marshallplan in Europa zu
dienen. In der Zwischenzeit hatten die europäischen
Staaten in Paris die Organisation für Europäische
Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEWZ) gegründet.
Hier also war amerikanische Außenpolitik in der Entstehung begriffen. Außenminister George C. Marshall, ein Mitglied im Kabinett des Präsidenten und
verdienter Offizier, stand vor einem Publikum in Harvard, das nicht nur Dozenten und Studenten sondern
auch die Presse umfaßte, um einen Plan zu vermitteln,
der zu seiner Verwirklichung die Führung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Zustimmung und
Finanzierung des Kongresses sowie die Aufsicht eines
Unternehmers und zu seiner Unterstützung die Akzeptanz beim amerikanischen Volk erforderte.
Der Marshallplan hatte seine Kritiker: diejenigen, die
gegen ein weiteres Engagement in Europa waren,
insbesondere zu so hohen Kosten für den amerikanischen Steuerzahler, diejenigen, die ihn als zu provokativ für die Sowjetunion erachteten, und diejenigen, die
in ihm nur einen weiteren Versuch zur Öffnung von
Märkten für amerikanische Produkte sahen.
Diese Argumente waren jedoch nichtig angesichts der
vordringlichen Bedürfnisse der Völker Europas und
einer übermächtigen Besorgnis - zu verhindern, daß
Europa erneut in einen Krieg verstrickt wurde. Die
Lektion des Ersten Weltkriegs (1914 -1918) lautete:
ein vernichtender Friedensvertrag, der sehr viele
Ressentiments hervorrief und lähmende Reparationszahlungen von den Besiegten verlangte, die letztlich
wirtschaftliche Depression und den Zweiten Weltkrieg
zur Folge hatten.
Handelsbelange haben stets eine wichtige Rolle in der
amerikanischen Außenpolitik gespielt. Was sich seit
dem Zweiten Weltkrieg verändert hat, ist das Engagement.
Ende des 18. Jahrhunderts, als die Vereinigten Staaten eine unabhängige Nation wurden, wollten sich die
politisch Verantwortlichen in Amerika aus der europäischen Politik und den damit einhergehenden Bündnissen heraushalten. Sie kannten die lange Geschichte
europäischer Konflikte und vertraten die Auffassung,
die Unterstützung des einen oder anderen Landes
würde sie nur in diese Konflikte hineinziehen.

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�Von Präsident George Washington (1789 - 1797),
dessen Devise lautete, "sich von permanenten Bündnissen mit irgendeinem Teil der übrigen Welt fernzuhalten", bis zu Präsident Thomas Jefferson (1801 1809), der von verwickelnden Bündnissen sprach, war
die amerikanische Außenpolitik derart formuliert, solche Konflikte zu vermeiden. Die riesige Distanz zwischen Europa und Nordamerika tat ein übriges.
Während heute der Begriff "Isolationismus" als Politik
des Rückzugs eines Landes aus Bündnissen und Verpflichtungen gegenüber anderen Nationen definiert
wird, bedeutet isoliert, losgelöst oder getrennt zu sein,
und die natürlichen Grenzen der Vereinigten Staaten
und ihrer Nachbarländer spielten eine wichtige Rolle in
außenpolitischen Entscheidungen. Reisen, die heute
Stunden dauern, wurden damals in Wochen, wenn
nicht Monaten gemessen.
Die natürlichen Grenzen des Landes erlaubten den
Vereinigten Staaten eine Entwicklung in relativer Sicherheit und Frieden. Darüberhinaus entwickelte sich
ein optimistischer Zug des amerikanischen Charakters, der solche Sicherheit fördert. Der letzte größere
Krieg auf amerikanischem Boden unter Beteiligung
einer anderen Nation (Großbritannien) war der Krieg
von 1812 - ein in beiden Ländern höchst unpopulärer
Krieg. Er entstand vornehmlich aus dem andauernden
britisch-französischen Konflikt (den Napoleonischen
Kriegen), und war genau die Art von Verwicklung, die
die amerikanischen Politiker zu vermeiden gehofft
hatten. Aber nachdem man sich amerikanischer Schiffe
und Seeleute bemächtigt hatte (die Briten behaupteten, die Seeleute «eion britische Staatsbürger - einige
waren es, andere nicht), und Versuche unternommen
wurden, die &amp;. germanischen Schiffe von französischen
Häfen fernzuhalten, war Krieg unvermeidbar. Am
Ende gab es keine echten Gewinner, obwohl die
Amerikaner das Gefühl hatten, einen Erfolg errungen
zu haben und die Briten sehr großzügigen Friedensbedingungen zustimmten, mit denen praktisch der Status
quo wiederhergestellt wurde.
Andererseits gaben die europäischen Konflikte den
Vereinigten Staaten jedoch die Möglichkeit, ihrTerritorium durch Verträge und Verhandlungen zu erweitern,
einschließlich des direkten Kaufs von Land.
Der Kauf von Louisiana war eine solche Vereinbarung.
1803 befahl Napoleon seinem Außenminister Talleyrand, das gesamte französische Territorium Louisiana
(die westliche Hälfte des Mississippi-Beckens) den
Vereinigten Staaten zu einem Preis von rund 15 Millionen Dollar anzubieten. Was genau verkauft wurde,
war nie klar, aber mit diesem einen Kauf verdoppelten
die Vereinigten Staaten ihr Gebiet.
Das soll nicht hei ßen, daß die amerikanischen Politiker
sämtliche Konfrontationen mit europäischen Mächten
vermieden. Was sie zu umgehen versuchten, waren

AMERIKA DIENST 2

Bündnisse in diesen Konfrontationen. Die Monroedoktrin - noch heute Bestandteil des diplomatischen Vokabulars - ist ein solcher Fall. Bis 1823 hatten eine Reihe
ehemaliger spanischer Kolonien in Lateinamerika ihre
Unabhängigkeit erhalten, bestimmte europäische
Mächte wollten jedoch die spanische Herrschaft wiederhergestellt sehen. Sowohl Großbritannien als auch
die Vereinigten Staaten erhoben Einwände. Die Vereinigten Staaten waren femer über einen möglichen
russischen Vorstoß und die russische Besiedlung im
pazifischen Nordwesten besorgt. Großbritannien schlug
ein gemeinsames Vorgehen zu Lateinamerika vor. Die
Vereinigten Staaten lehnten diesen Vorschlag ab.
Statt dessen legte Präsident James Monroe (1817 1825) seine Doktrin in der traditionellen Jahresansprache des Präsidenten vor dem Kongreß dar, in der er
unter anderem feststellte: "die amerikanischen Kontinente dürfen aufgrund des freien und unabhängigen
Status', den sie errungen haben und bewahren, fortan
nicht mehr als Objekt künftiger Kolonialisierung durch
irgendeine europäische Macht angesehen werden..."
Das war eine kühne Doktrin für eine neue - und noch
immer schwache - Nation. Was zu ihrem Funktionieren beitrug, war die Zustimmung Großbritanniens zu
dieser Politik, und - was noch wichtiger war - die
mächtige britische Marine, die zwischen Europa und
Lateinamerika stand.
Amerika wuchs weiter, gelegentlich zur kurzsichtigen
Belustigung seiner Bürger. 1867 verhandelte Außenminister William Henry Seward mit dem russischen Zar
über den Kauf von 1.524.640 kmz nahezu unbekannten Landes zum Preis von 7,2 Millionen Dollar. Zu
jener Zeit wurde der Kauf als "Sewards Torheit" und
"Sewards Eisfach" verspottet. Es handelte sich um
das Gebiet Alaska.
In dem Maße, in dem Amerikas Wirtschaftsmacht
wuchs, nahm sein internationales Engagement zu.
Der spanisch-amerikanische Krieg von 1898 und der
Erste Weltkrieg waren nur Vorläufer des entscheidensten Engagements - des Zweiten Weltkriegs. Innenpolitische Belange konnten nicht länger getrennt von
der Außenpolitik betrachtet werden. Verteidigungsausgaben, die Kosten der Auslandshilfe, multinationale Unternehmen und Handel, Menschenrechtsfragen all dies bedeutete, daß "Verwicklungen" globalen
Ausmaßes jetzt zur Tagesordnung gehörten.
In seinem 1988 erschienenen Buch Diplomacy and
the American Democracy schreibt der ehemalige
amerikanische Botschafter in Libyen, Indonesien und
auf den Philippinen, David D. Newsom:
"Die Tatsache, daß sich Außenpolitik auf innenpolitische Belange gründet, ist ein Zeichen der Stärke, nicht
der Schwäche. Die Außenpolitik einer Demokratie
kann nicht effektiv sein, wenn sie nicht letztlich Unterstützung im Inland erfährt."

Seite 3

�Obwohl der amerikanische Präsident zweifelsohne die
Führungsrolle übernimmt und den Kurs der heutigen
Au ßenpolitik bestimmt, gibt es enorme Kräfte, die auf
ihn wirken: der Kongreß mit seinen Bewilligungsprivilegien und der Macht seiner Stimmen, die amerikanisehen Wähler, die sowohl die Kongreßabgeordneten
als auch den Präsidenten wählen, und eine freie und
unabhängige Presse.
Letztlich zählen die Resultate. Im Juni 1952, als der
Marshallplan auslief, lag die europäische Industriepro-

duktion 35 Prozent über dem Niveau der Vorkriegszeit
und die Agrarproduktion 10 Prozent darüber. Der
Marshallplan hat funktioniert. Anfangs vornehmlich für
die Beschaffung von Nahrungsmitteln, landwirtschaftlichem Gerät, Düngemitteln und Futter, Maschinen
und Material für den Fertigungsbereich gedacht, wurde der Plan auf Militärhilfe und Bündnisse ausgedeht
(die NATO wurde 1949 gegründet). Heute liegt die
Bedrohung eines Dritten Weltkriegs in weiter Feme
u n d i s t i m Verschwinden begriffen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 2

�WELTWIRTSCHAFT
15. Januar 1992

EINE STRATEGIE FÜR WELTWEITES
WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Eine Übersicht des Weißen Hauses
TOKIO - (AD) - Am 8. Januar 1992 haben Präsident Bush und der japanische Premierminister Miyazawa eine
gemeinsame Strategie zur Förderung einer weltweiten wirtschaftlichen Erholung angekündigt. Dazu veröffentlichte das Weiße Haus die folgende Übersicht.
Die Strategie
Die Strategie ist eine wichtige Deklaration der jeweiligen Verpflichtungen, die von den Vereinigten Staaten
und Japan zur Förderung des Wirtschaftswachstums
übernommen werden. Die Strategie trägt der Tatsache Rechnung, daß Wirtschaftswachstum das wichtigste Anliegen der Weltwirtschaft ist, und sie ist deshalb
als kooperative politische Antwort konzipiert, um das
Wachstum der Weltwirtschaft zu stärken. Die Effektivität der Strategie würde durch die Einbeziehung weiterer Länder noch verbessert, und wir haben Gespräche mit den anderen Mitgliedstaaten der G-7 eingeleitet, um deren Ansichten über die Möglichkeit einer
Erweiterung ^mzunolen.
Die wirtschaftlichen Aussichten
Das Wachstum ist in den G-7-Ländern von 2,6% im
Jahr 1990 auf 1,1% im Jahr 1991 zurückgegangen. Im
Jahr 1992 wird eine Erholung auf 2,0% prognostiziert.
Die Inflationsrate in den G-7-Staaten ist im Jahr 1991
von 4,8% im Vorjahr auf 4,4% gefallen. Sie wird im
Jahr 1992 voraussichtlich weiter auf 3,7 Prozent sinken.
Die japanische Regierung prognostiziert für das am 1.
April beginnende Haushaltsjahr 1992 ein Wirtschaftswachstum von 3,5%. Diese Schätzung gründet sich
auf eine erwartete 3,6prozentige Steigerung der Binnennachfrage und einen 0,1prozentigen Rückgang
der Nettoauslandsnachfrage. Die Inflation soll im
gleichen Zeitraum von 2,9% auf 2,3% abnehmen.
Die wichtigsten Elemente der Strategie
Die Strategie trägt den besonderen Verpflichtungen Rechnung, die Japan und die Vereinigten Staaten eingegangen sind, um Maßnahmen
anzustreben, die die Weltwirtschaft und das
Welthandelssystem stärken.
AMERIKA DIENST 2

Die Strategie enthält eine gemeinsame Verpflichtung für Wirtschaftswachstum und die Durchführung kooperativer Maßnahmen im Inland,
um das Wachstum zu fördern.
Die Strategie könnte erweitert werden, um auch
andere Länder einzubeziehen, die zur Unterstützung von Maßnahmen zur Förderung des
Wirtschaftswachstums bereit sind.
Die Strategie beschreibt bestimmte haushaltsund geldpolitische Maßnahmen zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums.
Japan wird dem Parlament einen Haushalt vorlegen, mit dem die Binnennachfrage angekurbelt wird, um im Haushaltsjahr 1992 ein
3,5prozentiges Wachstum und eine Verringerung des Außenhandelsüberschusses zu erzielen. Die japanische Regierung wird den Fortschritt dieser Maßnahmen beobachten um zu
gewährleisten, daß die erwarteten Auswirkungen realisiert werden.
Die US-Zentralbank hat die Zinssätze im Lauf
des Jahres 1991 kontinuierlich gesenkt. Die
jüngste Rücknahme des Diskontsatzes der USZentralbank um einen vollen Prozentpunkt hat
diesen wichtigsten Zinssatz auf 3,5 Prozent und
damit den niedrigsten Stand seit 25 Jahren
gesenkt.
Am 30. Dezember 1991 hat die japanische
Zentralbank ihren Diskontsatz um 0,5% auf
4,5% verringert.
(Anmerkung: Das japanische Haushaltsjahr 1992 läuft
vom 1. April 1992 bis zum 31. März 1993, das amerikanische Haushaltsjahr 1993 vom 1. Oktober 1992 bis
zum 30. September 1993.)

Seite 1

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