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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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4. Dezember 1991

US-AUSSENPOLITIK

VEREINIGTE STAATEN MÜSSEN SICH NEUER
WELTLAGE ANPASSEN
Rede des Stellvertretenden
Außenministers Eagleburger

EUROPA

HERAUSFORDERUNGEN FÜR EUROPA NACH
DEM UMBRUCH
Rede von Botschafter Dobbins

KONGRESS

AUS DER ARBEIT DES KONGRESSES
Sowjethilfe, Irak, Verkehr, Banken
Bildungsfonds

UMWELTSCHUTZ

WACHSENDES UMWELTBEWUSSTSEIN DER
AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
von Jay Stuller

AMERIKA HEUTE

ÜBER MORGEN NACHDENKEN
von Paul Sweeney

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�US-AUSSENPOLITIK
4. Dezember 1991

VEREINIGTE STAATEN MÜSSEN SICH NEUER
WELTLAGE ANPASSEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers Eagleburger
WASHINGTON - (AD) - Dem Stellvertretenden US-Außenminister Lawrence Eagleburger zufolge müssen sich
die Vereinigten Staaten heute an "eine andere und zutiefst herausfordernde Welt" anpassen. In einer Rede bei
der Elliott School of International Affairs der George Washington University erklärte Eagleburger am 21.
November 1991 in der amerikanischen Hauptstadt, die Unterscheidung zwischen Außen- und Innenpolitik sei
"zunehmend künstlich". Es sei wichtig, das amerikanische Volk auf die Integration in eine hochkomplizierte und
von scharfem Wettbewerb gekennzeichnete Weltwirtschaft vorzubereiten. Dies, so stellte er fest, "ist heute
unsere wichtigste außenpolitische Herausforderung".
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.
Jahrestage sind für gewöhnlich ein Anlaß, um Rückschau zu halten, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und zu feiern. Genau dies tun wir am heutigen
Abend, indem wir nicht nur die Gründung der Elliott
School of International Relations vor 25 Jahren würdigen sondern auch die Beiträge der George Washington University zu internationalen Studien in diesem
Land seit dem Zeitpunkt, als die Vereinigten Staaten
am Ende des vergangenen Jahrhunderts das erste
Mal zur Weltmacht aufstiegen.
Zufällig stehen wir gleichzeitig am Vorabend einiger
wichtiger Jahrestage in der amerikanischen Geschichte, von denen jeder für uns ein Grund ist, eine Bestandsaufnahme dessen vorzunehmen, woher wir kommen und wohin wir in einer Zeit revolutionärer Veränderungen in der ganzen Welt gehen.
In wenigen Monaten würdigen wir den 500. Jahrestag
der Ankunft von Kolumbus in Amerika und die Geburt
einer neuen Welt in dieser Hemisphäre.
In wenigen Wochen begehen wir den 50. Jahrestag
des Angriffs auf Pearl Harbor und der Übernahme
weltweiter Pflichten sowie des Aufstiegs der Vereinigten Staaten zur Supermacht.
Und morgen gedenken wir jenes Freitags im November vor etwas über einem Vierteljahrhundert, als ein
Attentäter der Psyche dieser Nation - die bis zu jenem
Zeitpunkt im Kampf des kalten Kriegs um die Vorherrschaft in der Welt enthusiastisch jeden Preis bezahlte
und jede Last ertrug - einen schweren Schlag versetzte.
AMERIKA DIENST 48

Das Bemerkenswerte beim Verlauf der Zeit besteht
darin, daß er unsere Sichtweise zu Ereignissen verändern kann, deren Bedeutung ehemals felsenfest zu
sein schien. So sprechen wir zum Beispiel nicht mehr
von der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, als ob
jene, die vor ihm an diese Gestade kamen und seit
Jahrtausenden hier lebten, vor seiner Ankunft nicht
existiert hätten.
Heute sind wir uns auch des Leids bewußt, das die
Ankunft der Europäer sowohl für die Ureinwohner
Amerikas als auch für die Afro-Amerikaner bedeutete,
die in Ketten hierher kamen. Und mit dem Näherrükken des 7. Dezember beginnen wir erneut darüber
nachzudenken, welch hohen Preis wir bezahlt und
welche Lasten wir während des Großteils eines halben
Jahrhunderts getragen haben, um nicht nur für uns
selbst den Frieden zu sichern und die Freiheit zu
verteidigen sondern auch für einen Großteil der Welt.
Aber trotz alledem ist unbestreitbar, daß die Eroberung der neuen Welt durch die alte der Menschheit ihre
atemberaubendste Chance verschaffte, um den Fesseln der althergebrachten Sitten, Gebräuche und
Überzeugungen zu entkommen und sich selbst neu zu
definieren. Es ist unleugbar, daß zumindest in diesem
Land unsere Vorväter diese Chance nicht vergeudeten
sondern statt dessen freie politische Institutionen
schufen, die weiterhin dazu beitragen, den amerikanischen Traum heute ebenso zur Realität zu machen wie
zur Zeit der ersten Einwanderer. Es ist ebenfalls
unbestreitbar, daß wir die Freiheit während des ge-

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�samten gefahrvollsten Jahrhunderts der Geschichte
geschützt haben, indem wir vor 50 Jahren die Führungsrolle in der Welt übernahmen.
Es kann für das, was wir als Gemeinwesen und Weltmacht erreicht haben, kein beredteres Zeugnis geben
als die Tatsache, daß unsere ideologischen Gegner
gescheitert sind und die Welt nahezu einmütig hinter
unseren politischen Idealen steht. Gleichwohl hat
unser Erfolg im kalten Krieg die Frage aufgeworfen,
was wir im außenpolitischen Bereich als nächstes tun
sollten. Es steht außer Frage, daß wir die alte Politik
im Licht der neuen und sich verändernden Umstände
überprüfen sollten. In einer Demokratie ist die kritische
Untersuchung dieser Art eine Notwendigkeit. In einem
Wahljahr kann sie auch eine Katastrophe sein. Den
Vereinigten Staaten ist jedoch die Tatsache eigen, daß
jede Generation nicht nur über die Vorzüge dieser oder
jener Politik diskutiert sondern über den existentiellen
Zweck der amerikanischen Außenpolitik selbst. Eine
solche Debatte wäre in den meisten anderen Ländern
undenkbar, in denen die Außenpolitik nationalen Interessen dienen soll, die als zeitlos und unveränderlich
angesehen werden.
In den Vereinigten Staaten neigen wir jedoch seit jeher
zu der Annahme, daß unsere Außenpolitik einem
moralischen Zweck dienen muß, und wir haben eine
sehr düstere Ansicht zu dem vertreten, was wir als den
unmoralischen Kampf um egoistische Vorteile betrachteten, derdie Beziehungen zwischen souveränen
Staaten seit Menschengedenken kennzeichnete.
Bisweilen waren wir versucht, diese verderbte Welt
nach unserem Ebenbild neu zu erschaffen, und manchmal wurden wir gezwungen zu intervenieren, um einen
internationalen Drachen zu töten. Historisch gesehen
bestand unsere Position jedoch darin, uns von der
gefallenen Welt jenseits unserer Gestade so weit wie
möglich fernzuhalten.
Diese Politik des Ausweichens vor den Rivalitäten
zwischen den großen Mächten wurde von einigen
unserer brilliantesten Denker und prominentesten
Persönlichkeiten der frühen Republik als Klugheit
empfohlen. Als es uns jedoch nicht länger möglich
war, Sicherheit in der Isolation zu finden, erachteten
wir es für notwendig, unser Engagement nicht im Sinne
des nationalen Interesses sondern auf der Grundlage
eines moralischen Kreuzzuges zu rechtfertigen, eines
Kreuzzuges, um die Welt im Ersten Weltkrieg sicherer
für die Demokratie zu machen, eines Kreuzzuges
gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg und
eines Kreuzzuges gegen den Kommunismus und
sowjetischen Expansionismus im kalten Krieg.
Aber auch Kreuzzüge nehmen ihren Lauf, und wir
finden uns dann nach Beendigung des Kreuzzuges
ohne eine au ßenpolitische Grundlage wieder. Daraus

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resultierten unsere Rückkehr zum Isolationismus nach
dem Ersten Weltkrieg und die überhastete Demobilisierung unserer Streitkräfte nach der Niederlage der
Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg.
Es könnte durchaus dazu kommen, daß wir uns in den
letzten Jahren dieses Jahrhunderts an der Schwelle
einer Periode befinden, in der ebenfalls keine klaren
Ziele vorhanden sind. Der moralische Kreuzzug gegen den Kommunismus ist vorbei. Nach dem Ende
des kalten Kriegs suchen wir eine neue Grundlage, um
unseren Standort und unser Ziel in der Welt zu bestimmen. Und selbst der missionarische Impuls scheint in
einer Welt, die einer raschen Übernahme unseres
ModeRs und unserer Ideale immer näher kommt, überholt
zu sein.
Vor mehreren Jahren spürte ich bereits, daß diese
existentielle Debatte auf uns zukommen würde, und
ich hielt aus diesem Anlaß eine Rede, in der ich vor der
Gefahr der Selbstzufriedenheit warnte, vor der Gefahr,
daß wir der Versuchung erliegen könnten, das Spiel für
beendet und gewonnen zu erklären und das Spielfeld
zu verlassen. Mein Argument lautete damals, daß wir
von der relativ stabilen aber historisch ungewöhnlichen bipolaren Struktur des kalten Kriegs in eine Ära
eintreten würden, in der Macht und Einfluß unter einer
Vielzahl von Staaten verteilt sind. Dies müsse sich der
Natur der Sache nach als instabile Lage erweisen,
argumentierte ich und fuhr fort, daß auch in den
folgenden Jahren eine weltweite Führungsrolle der
Vereinigten Staaten zur Vermeidung des Chaos erforderlich sein würde. Ich wurde deshalb als Nostalgiker
des kalten Kriegs beschuldigt.
Rückblickend machte ich mich meines Erachtens jedoch ehereines Understatements schuldig. Einerseits
ist heute dank Saddam Hussein, der Ereignisse in
Jugoslawien und andernorts klar, daß die Welt nach
dem kalten Krieg instabiler ist als ich vorhergesehen
hatte und für den internationalen Frieden und die
amerikanischen Interessen echte Gefahren birgt.
Andererseits habe ich nicht vorhergesehen, in welchem Maß die Debatte über Außenpolitik nicht nur von
Selbstgefälligkeit sondern auch von den Auswirkungen der schlechten Wirtschaftslage bestimmt werden
würde.
Trotzdem diskutieren wir heute über den Standort der
Vereinigten Staaten in der Welt nach dem kalten Krieg
zu einer Zeit innenpolitischer Schwierigkeiten und am
Vorabend einer Präsidentschaftswahl. Dies sind sicherlich keine idealen Bedingungen. Die Debatte läuft
Gefahr, ausschließlich von wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt zu werden. Darüber hinaus läuft sie
Gefahr, von kurzfristigem politischem Kaikühl beherrscht
zu werden. Demagogie im Hinblick auf Auslandshilfe
und Außenpolitik hat bereits ihr häßliches Gesicht

AMERIKA DIENST 48

�gezeigt. Aber in der Demokratie ist alles erlaubt, und
die Verfechter einer verantwortungsbewußten Außenpolitik für die vor uns liegende instabile Phase werden
Mut beweisen und ihre Argumente dem amerikanischen Volk überzeugend präsentieren müssen.
Was mich angeht, so werde ich nicht einen Augenblick
lang die Tatsache in Frage stellen, daß wir ernste
Probleme im Inland haben, die unsere Ressourcen
und unsere Aufmerksamkeit erfordern. Ich habe keine
Zweifel an der Notwendigkeit sicherzustellen, daß die
Auslandshilfe konkreten amerikanischen Interessen
dient und für diese Hilfe im Licht der veränderten
internationalen Bedingungen neue Prioritäten festzulegen.
Im Gesamthaushalt ist die Auslandshilfe jedoch nur ein
verschwindend geringer Teil, und die Politiker wissen
dies. Die unlängst im Kongreß geäußerte Behauptung, wir könnten unsere innenpolitischen Probleme
lösen, indem wir die Auslandshilfe streichen, ist ein
Trugbild und meines Erachtens ein Beispiel für Demagogik der übelsten Sorte.

Trotz der Gefahr einer zu starken Vereinfachung bin
ich der Auffassung, daß es drei Kriterien der Ära nach
dem kalten Krieg gibt, die die von den Vereinigten
Staaten vertretene Außenpolitik und internationale
Rolle bestimmen sollten. Erstens, die Tatsache einer
zerfallenden und instabilen Weltordnung. Zweitens,
der relative Niedergang der amerikanischen Macht
oder zumindest der Fähigkeit, unseren Weg im Alleingang zu gehen. Und drittens, die Tatsache einer
integrierenden Weltwirtschaft.
Die Realität einer zerfallenden Weltordnung hängt
zunächst mit der Tatsache zusammen, daß die Welt
nicht länger dem Regime von zwei Blocksystemen
unterliegt, die während des gesamten kalten Kriegs
existierten. Noch vor wenigen Jahren wäre Saddam
Hussein beispielsweise durch seinen Herrn und Meister entmutigt und es wäre ihm verboten worden,
einseitige Schritte zu unternehmen, die das Risiko
einer umfassenderen Konfrontation bergen. Diese
Beschränkung besteht nicht mehr. Und auch das
Band, das den Westen zusammenhielt - die Angst vor
der Sowjetunion - existiert nicht mehr.

Andererseits habe ich überhaupt keine Probleme mit
der Behauptung, die Vereinigten Staaten sollten nicht
mehr dieselben finanziellen, politischen und militärischen Lasten der weltweiten Führungsrolle tragen wie
während des kalten Kriegs. Tatsache ist doch, daß wir
Verbündete in Westeuropa und Asien haben, die
beginnen müssen, Verantwortung für die weltweite
Stabilität zu übernehmen, die mit ihrem erheblichen
Wohlstand in Einklang steht.

Die zerfallende Weltordnung spiegelt sich auch in dem
Verlust der Kontrolle einer wachsenden Zahl souveräner Staaten über ihre inneren Angelegenheiten wider.
Dieser Niedergang der Autorität der Zentralmacht, den
wir in Jugoslawien, der Sowjetunion und allen Entwicklungsländern beobachten, ergibt sich aus einer Reihe
von Faktoren wie etwa der Schuldenkrise, der Bevölkerungsexplosion und dem allgemeinen Scheitern der
Kommandowirtschaften sowie der repressiven Regime, mit einer internationalen freien Marktwirtschaft
Ich darf Ihnen versichern, daß ich bei all der Zeit, die ich
Schritt zu halten. Zunehmend resultiert er auch aus
damit verbringe, die Amerikaner dazu zu ermahnen,
der Unfähigkeit unterschiedlicher ethnischer Gruppen,
weiterhin zu tun, was wir in der Welt tun müssen,
Seite an Seite, geschweige denn, unter einem Dach zu
mindestens ebensoviel Zeit darauf verwende, andere
leben.
Länder dazu aufzurufen, mehr zu tun als sie derzeit
leisten. Kurzum, es muß eine neue Verteilung von
Mit anderen Worten, der Status quo befindet sich
Rollen und Pflichten unter den führenden demokrati- weltweit im Belagerungszustand, wir müssen uns jedoch
schen Mächten geben.
vor Augen führen, daß er sich zum ersten Mal im
Atomzeitalter im Belagerungszustand befindet. Wie
Ich möchte jedoch auf die aufflammende Debatte im
sicher ist eine Welt, in der die Sowjetunion mit TausenInland über unsere angemessen Rolle in der Welt
den von Nuklearwaffen in Anarchie oder Bürgerkrieg
zurückkommen. Wir sind gefährlich nahe daran, diese
verfallen könnte? Wie sicher ist eine Welt, in der selbst
Debatte ausschließlich an Ressourcen oder vielmehr
kleine Nationen den Wettlauf mit ihren Nachbarn ander Besorgnis über Ressourcen festzumachen. Und
treten, um Nuklearwaffenfähigkeiten zu erwerben?
dann liegt es nahe, unsere Schlußfolgerungen von der
Wie sicher ist eine Welt, in der Saddam Hussein
Frage der Ressourcen diktieren zu lassen. Meines
Massenvernichtungswaffen anhäufen kann? OffenErachten hieße dies, den Karren vor das Pferd zu
kundig überhaupt nicht.
spannen.
Als erstes sollten wir die Herausforderungen definieren. Was für eine Welt liegt jetzt vor uns? Was sind
unsere nationalen Interessen? Wie lauten die Bedrohungen dieser Interessen? Und was für eine Welt
wollen wir für unsere Kinder? Nur nach Beantwortung
dieser Fragen können wir die Themen Strategie,
Maßnahmen und Ressourcen angehen.

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Das heißt, ein Versuch der Vereinigten Staaten, Sicherheit im Rückzug oder in der Isolation zu finden, ist
heute ebensowenig gültig wie zu dem Zeitpunkt als sie
zum ersten Mal durch sowjetische Interkontinentalrakten angreifbar wurden. Die Quintessenz ist, daß wir
von einer stabilen internationalen Ordnung abhängen
und unseren Beitrag zur Gestaltung einer solchen

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�Ordnung leisten müssen. Es ist gleichfalls eine Tatsache, daß wir im Hinblick auf Arbeitsplätze, Kapital,
Technologie und Know-how von der Weltwirtschaft
abhängen und unseren Teil zur Gewährleistung eines
offenen und stabilen internationalen Handelssystems
beitragen müssen.
Kurzum: Leben und Arbeitsplätze in den Vereinigten
Staaten, unsere Sicherheit und unser Wohlstand hängen
in höherem Maße als je zuvor seit wir eine unabhängige Nation wurden vom Ausland ab. Die Unterscheidung zwischen Innen-und Außenpolitik wird zunehmend künstlich, und wir werden teuer für eine billige
Außenpolitik bezahlen müssen. Wir werden auch
teuer bezahlen müssen, wenn wir in einem multipolaren Zeitalter zu leicht den Gedanken akzeptieren, daß
einzelne Nationen ungeachtet des Gemeinwohls ihren
eigenen Weg gehen. Angesichts der Tatsache, daß
wir nach wie vor der einzige Kandidat für eine internationale Führungsrolle sind, wird unsere Reaktion auf
diese beiden Sirenengesänge entscheidend dazu
beitragen, ob der kalte Krieg einer neuen Weltordnung
oder Instabilität internationalen Ausmaßes den Weg
bereitet.
Meines Erachtens benötigen wir als erstes eine Außenpolitik, die auf den offenkundigen Leistungen der
US-Diplomatie während des kalten Kriegs aufbaut den institutionalisierten Mustern der Zusammenarbeit
zwischen den westlichen Demokratien. Die in Institutionen wie NATO, OECD und GATT verkörperte Zusammenarbeit erwuchs aus der Erkenntnis, daß zum
ersten Mal in der Geschichte alle Nationen des Westens sich als Teil eines gemeinsamen Ganzen sahen,
die ein gemeinsames Schicksal teilten. Wir müssen
jetzt diesen Kreis erweitern, um die vielen neuen
Mitglieder der demokratischen Staatengemeinschaft
aufzunehmen - in Osteuropa, Lateinamerika und
andernorts - und in der Tat die Neigung zu Kompromiß
und Beilegung von Meinungsverscheidenheiten allgemeingültig machen, die sowohl während des kalten
Kriegs als auch heute unabdingbar für die Sicherheit
des Westens war und ist. Ob wir wollen oder nicht - wir
müssen auch bereit sein, solange kontinuierlich internationale Krisen zu bewältigen, wie der Aufbau eines
neuen internationalen Systems oder Gleichgewichts

nach dem kalten Krieg dauert.
Ich frage mich, wie diejenigen, die uns auffordern,
auswärtigen Angelegenheiten den Rücken zu kehren,
auf Saddam Husseins Aggression in einer Region von
großer Bedeutung für unsere Wirtschaft und Sicherheit reagiert hätten. Ich frage mich, ob sie die durch
unseren Sieg gebotene Chance ergriffen hätten, um
Verhandlungen in die Wege zu leiten, die auf lange
Sicht sehr wohl amerikanische Menschenleben retten
könnten. Ich frage mich, ob sie die Notwendigkeit
erkannt hätten, die NATO in einer Periode großer
Instabilität in Europa zusammenzuhalten und das
Augenmerk auf Themen wie die Verbreitung von

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Massenvernichtungswaffen und freien Handel zu lenken, die tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben
und den Lebensunterhalt des amerikanischen Volkes
haben könnten. Ja, all dies sind Themen auf der
außenpolitischen Tagesordnung, aber ich möchte den
sehen, der ihre Relevanz für die innenpolitische Tagensordnung in Frage stellt.
Darüber hinaus benötigen wir einen Außenpolitik, die
sich der Unterstützung eines Kongresses erfreut, der
immer noch an der Tradition der Überparteilichkeit von
Rayburn und Vandenberg, Acheson und Dulles, Truman und Eisenhower festhält - einem Kongreß, der
nicht das Weite sucht, wenn zu Hause alles aus dem
Ruder läuft. Die Außenpolitik des Landes wird zweifelsohne Schwierigkeiten haben, wenn die Führung
sich nur nach der öffentlichen Meinung richtet statt
offen mit dem amerikanischen Volk über die Gefahren
zu reden, mit denen wir uns konfrontiert sehen und die
Verantwortung, die wir in einer instabilen und sich verändernden Welt weiterhin auf uns nehmen müssen.
Femer müssen der Kongre ß und alle Amerikaner - was
das anbetrifft, auch ich - aufhören, beides haben zu
wollen. Wir können nicht einerseits behaupten, unsere
Ressourcen seien begrenzt - was tatsächlich der Fall
ist - während wir andererseits handeln, als könnten wir
auf der Welt unseren Willen noch immer so und in dem
Maße durchsetzen wie vor 20 Jahren.
In diesem Land wird praktisch immer noch automatisch angenommen, wenn wir Gewalt oder irgendeine
Krise im Fernsehen sehen, müßten die Vereinigten
Staaten Abhilfe schaffen. Es herrscht immer noch
automatisch die Neigung, einen ausländischen Schurken zu bestrafen, selbst wenn wir durch unseren
Alleingang nur uns selbst bestrafen würden. Es herrscht
immer noch automatisch die Neigung, einem bevorzugten Land Schutz zu gewähren, selbst seitens derjenigen, die am lautesten von uns verlangen, unsere
Auslandshilfeprogramme zu kürzen.
Wir müssen uns vor Augen führen, daß unsere Fehlertoleranz in der Außenpolitik geschrumpft ist, und zwar
beträchtlich. Wir werden mehr als in der Vergangenheit für unsere diplomatischen Fehler bezahlen müssen und benötigen deshalb eine Außenpolitik, die
nuancierter ist als bisher. Die amerikanische Diplomatie wird sich auf Realität gründen und viel mehr gegen
die Konsequenzen als de Absichten abgewogen werden
müssen. Und sie wird konkreten amerikanischen
Interessen ebenso wie amerikanischen Idealen dienen
müssen.
Vor allem müssen wir erkennen, daß die Förderung
sowohl unserer Ideale als auch unserer Interessen die
Zusammenarbeit mit anderen Nationen erfordert. Das
ist eine Binsenwahrheit in der Ära nach dem kalten
Krieg. Sie bedarf der Kompromisse und des Engagements in einer Welt, die für gewöhlich nicht im Einklang
mit unseren Idealen steht und die nicht länger attraktiv

AMERIKA DIENST 48

�für unser Sendungsbewußtsein und unseren moralischen Auftrag ist.
Schließlich - und vor allem -werden wir eine Außenpolitik benötigen, die die Unterstützung und das Verständnis des amerikanischen Volkes genießt. Einige
unserer neoisolationistischen Kritiker haben kürzlich
beklagt, daß unser internationalistischer Ansatz seit
dem Zeiten Weltkrieg elitär war und den echten Bedürfnissen der Amerikaner nicht Rechnung trug. Ich
muß ihnen indirekt zustimmen, auch wenn das amerikanische Volk keine Elite braucht, um ihm zu sagen,
was es zu tun habe - selbst wenn es hart auf hart geht,
wie es jüngst am Golf der Fall war.
Meines Erachtens enthält das Argument jedoch ein
Quentchen Wahrheit, daß die öffentliche Unterstützung für eine internationalistische Außenpolitik nicht
automatisch dem Zusammenbruch eines bösen Imperiums folgt. Es liegt für die meisten Amerikaner nicht
auf der Hand, warum wir weiterhin internationale Verpflichtungen auf uns nehmen sollten insbesondere,
wenn die wohlhabenden Demokratien, die so lange
von unserer Größe profitiert haben, noch nicht bereit
sind, ihren gerechten Anteil der Last zu übernehmen.
Und wir könnten psychologisch noch nicht bereit sein
zur Unterstützung einer aktiven Außenpolitik im Namen
so prosaischer Ziele wie internationaler Stabilität und
moralisch neutraler wie nationaler Interessen.
Der Prozeß der amerikanischen Anpassung an eine
andere und zutiefst herausfordernde Welt muß beginnen, und zwar jetzt. Es ist natürlich in gewissem Maße
eine Frage der Erziehung, wenn auch nicht zwangs-

läufig der Erziehung im Hinblick auf unsere Herausforderungen und Verantwortung in der Außenpolitik
schlechthin. Dies war die Art von Erziehung, die wir
während des kalten Kriegs nahezu ausschließlich den
außenpolitischen Eliten und Experten zukommen ließen. Wir haben gute Arbeit geleistet. Nehmen Sie
zum Beispiel die Leistungen der Elliott School, die wir
heute Abend würdigen. Nehmen Sie schließlich unseren historischen Sieg im kalten Krieg selbst.
Es ist vielmehr eine Frage der Vorbereitung des
amerikanischen Volkes auf die Integration in eine
hochentwickelte und von scharfer Konkurrenz geprägte Weltwirtschaft. Das ist heute unsere erste Herausforderung in der Außenpolitik. Wir müssen wettbewerbsfähigerwerden und, um dies zu werden, müssen
wir ein besser ausgebildetes und kosmopolitischeres
Volk werden: ein Volk, das Fremdsprachen lernt und
offen für ausländisches Know-how und Innovationen
ist. Falls uns dies gelingt, werden wir feststellen, daß
wir auch eine Öffentlichkeit ausgebildet haben, die die
kreative internationale Führungsrolle eher versteht
und unterstützt, die wir in der Ära nach dem kalten
Krieg weiterhin spielen müssen.
Die Herausforderung ist da und nicht allzuschwer
auszumachen. Es liegt an Institutionen wie der Elliott
School sicherzustellen, daß diese Herausforderung in
Angriff genommen und bewältigt wird, so daß in 25
Jahren, wenn eine andere Generation zusammenkommt, um 50 Jahre des Fortschritts zu würdigen, sie
dies in einem Amerika tut, das noch immer die größte
Hoffnung der Menschheit ist. Ich danke Ihnen.

*

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�EUROPA
4. Dezember 1991

HERAUSFORDERUNGEN FÜR EUROPA
NACH DEM UMBRUCH
Rede von Botschafter Dobbins
BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Vertreter bei den Europäischen Gemeinschaften, Botschafter James
Dobbins, erklärte am 22. November 1991, der erfolgreiche Aufbau neuer euro-atlantischer Strukturen zur
Bewältigung der Herausforderungen des Wandels in Europa "wird die Fähigkeit der westlichen Nationen unter
Beweis stellen, ihre Institutionen an eine sich rasch verändernde Welt anzupassen".
In einer Rede vor der 8. Jahresversammlung des Center for European Policy Study (CEPS) mit dem Thema "Zu
einer Euro-atlantischen Gemeinschaft" erläuterte Dobbins im einzelnen die Anpassungen, die der Westen in den
vergangenen Jahren aufgrund von Ereignissen wie der Befreiung Osteuropas, der Vereinigung Deutschlands
und der Umgestaltung in der Sowjetunion vornehmen mußte.
Dobbins zufolge sollten die atlantischen Partner zum gegenwärtigen Zeitpunkt zusätzlich zu neuen Strukturen
"weiterhin die ihnen zur Verfügung stehenden unterschiedlichen institutionellen Ressourcen - insbesondere
NATO, EG und KSZE - nutzen, um die Entwicklung stabiler demokratischer Institutionen in Mittel- und Osteuropa
sowie der ehemaligen Sowjetunion und ihren Republiken zu fördern und damit die Grundlage für eine echte Euroatlantische Gemeinschaft zu schaffen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Dobbins im Wortlaut.

Wir kommen heute hier zu einer Zeit äußerster Aktivität zusammen, die das Gefüge der europäischen und
atlantischen Beziehungen verändern wird.
Am 22. Oktober vereinbarten die EG und die
EFTA, den Europäischen Binnenmarkt auf 19
Länder und 380 Millionen Menschen auszuweiten.
Am 8. November haben die Staats- und Regierungschefs der NATO alle Nationen des ehemaligen Warschauer Pakts zum Beitritt zu einer
von der NATO geförderten neuen Sicherheitsstruktur eingeladen, die sich "von Wladiwostok
bis Vancouver" erstreckt.
Am 9. November gelang es dem Präsidenten
der Europäischen Gemeinschaft, der Europäischen Kommission und den Vereinigten Staaten bei einem Treffen in Den Haag, die Handelsgespräche der Uruguay-Runde einem frühzeitigen Abschluß näherzubringen.
Vom 9.-10. Dezember werden die Staats- und
Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft in Maastricht zusammenkommen, um die

AMERIKA DIENST 48

Pläne für eine europäische politische und
Währungsunion abzuschließen.
Am 20. Dezember werden die Außenminister
der Sowjetunion und ihrer fünf ehemaligen Verbündeten im NATO-Hauptquartier in Evere am
ersten Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats teilnehmen.
Innerhalb dieses Zeitrahmens beabsichtigen wir eine
europäische Energiecharta zu vervollständigen, und
die EG hofft, die Assoziierungsabkommen mit der
Tschechoslowakei, Polen und Ungarn zu verabschieden.
In nur zwei Monaten können die atlantischen Partner
gemeinsam und im Alleingang so endgültig folgendes
schaffen:
einen Europäischen Wirtschaftsraum,
eine Europäische Währungsunion,
eine Europäische Politische Union,
ein internationales Handelsabkommen,

Seite 1

�eine Europäische Energiecharta und
ein euro-atlantisches Sicherheitsforum.
Der Erfolg dieser Unternehmungen wird die Fähigkeit
der westlichen Nationen unter Beweis stellen, ihre
Institutionen an eine sich rasch verändernde Welt
anzupassen. Konfrontiert mit Turbulenzen im Osten
haben Nordamerika und Westeuropa ihre Tagesordnung fest im Griff. Als Reaktion auf den Zusammenbruch des Kommunismus bietet der Westen neue
institutionelle Strukturen, um die Entwicklung zu
Demokratie und freien Marktwirtschaften in ganz Europa zu unterstützen. Angesichts der Herausforderung
zum Aufbau einer neuen Weltordnung unternehmen
die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Partner
entschiedene Schritte zur Schaffung einer echten Euroatlantischen Gemeinschaft.
Diese kreativen Impulse zu neuen euro-atlantischen
Strukturen wurden vor nahezu zwei Jahren gegeben.
Ihre erste Phase fand im Jahr 1990 statt, als Reaktion
auf die Befreiung Osteuropas und die Vereinigung
Deutschlands. Die zweite Phase erhielt 1991 Auftrieb
durch das sich immer noch beschleunigende Tempo
der Veränderungen in der Sowjetunion selbst.
So ehrgeizig die bereits in die Wege geleiteten Modifizierungen der europäischen und atlantischen Architektur auch sein mögen, so müssen die atlantischen
Partner auf noch weiterreichende Veränderungen in
der Zukunft vorbereitet sein, während wir auf den
Zusammenbruch des Kommunismus und die Auflösung des sowjetischen Imperiums reagieren, indem
wir den Menschen im Osten neue Strukturen, Institutionen und kooperative Arrangements anbieten, denen sie sich anschließen können.
Phase 1: Die Befreiung Osteuropas und die Vereinigung Deutschlands
Phase 1 der euro-atlantischen institutionellen Anpassung erhielt ihren mächtigsten Impuls durch die Ereignisse am 9. November 1989 in Berlin. Die Mauer fiel
und das deutsche Volk manifestierte seinen Wunsch
nach Vereinigung. Einen Monat später, am 12. Dezember, bot Außenminister Baker in Berlin einen ersten Beitrag zur europäischen Architektur nach dem
kalten Krieg an.
Bei dieser Gelegenheit sprach er von einem neuen
Europa und einem neuen Atlantizismus. Er unterbreitete folgende Vorschläge:
eine wiederbelebte NATO mit neuer politischer
Verantwortung,
eine institutionalisierte KSZE mit neuen Strukturen und Mandaten und
eine geschlossenere Europäische Gemeinschaft
mit stärkeren, offiziellen Verbindungen zu den
Vereinigten Staaten.
Seite 2

Gleichzeitig war der am meisten beachtete Teil der
Rede, daß Außenminister Baker als vierten Pfeiler
dieses neuen Europas und neuen Atlantizismus' ein
vereinigtes Deutschland ausmachte.
Binnen weniger als einem Jahr wurde diese Vision
verwirklicht. Im Juli 1990 nahmen die Staats- und
Regierungschefs der NATO bei ihrem Londoner Treffen Abstand von neuen Nuklearwaffenstationierungen. Sie erklärten Atomwaffen zum "letzten Ausweg".
Sie luden alle Länder des Warschauer Pakts ein,
Vertreter nach Evere zu entsenden und direkte Beziehungen mit dem Atlantischen Bündnis aufzunehmen.
Am 3. Oktober gelangten die "Zwei-plus-Vier"-Verhandlungen über die Vereinigung Deutschlands zu
ihrem historischen Abschluß.
Am 21. November unterzeichneten die europäischen
Staats- und Regierungschefs in Paris den Vertrag zur
Begrenzung der Konventionellen Streitkräfte in Europa und vereinbarten eine neue institutionelle Grundlage für die KSZE, unter anderem ein Sekretariat, ein
Konfliktverhütungszentrum, ein Büro für freie Wahlen
und eine parlamentarische Versammlung.
Zwei Tage später, am 23. November, gaben die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft
eine gemeinsame Erklärung heraus. Sie erweiterten
den Rahmen ihrer Zusammenarbeit und vereinbarten,
sechs Treffen auf höchster Ebene pro Jahr abzuhalten
- zwei Gipfel, zwei Treffen der 12 Außenminister der
EG mit dem der Vereinigten Staaten sowie zwei Treffen hochrangiger Mitglieder der Kommission und des
amerikanischen Kabinetts. Ferner kamen sie überein,
diesen dichtgedrängten Terminplan von Kontakten auf
höchster Ebene durch ein erweitertes Gefüge der
Zusammenarbeit auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter und Experten zu unterstützen.
Phase 2: Umbruch in der Sowjetunion
Kaum waren diese Innovationen der europäischen und
atlantischen Architektur eingeführt, begann sich das
Tempo der Veränderungen im Osten erneut zu beschleunigen. 1990 hatten die atlantischen Partner ihre
Zusammenarbeit für Verhandlungen mit einem befreiten Osteuropa und einem vereinigten Deutschland
verstärkt. Im Jahr 1991 verlagerte sich ihr Augenmerk
auf die Liberalisierung und die sich abzeichnende
Auflösung der Sowjetunion.
Am 18. Juni, durch Zufall wiederum in Berlin, unterbreitete Außenminister Baker weitere amerikanische
Vorschläge für europäische und atlantische Strukturen. Indem er die Evolution in Westeuropa zu supranationalen Autoritätsformen der Auflösung im Osten
gegenüberstellte, argumentierte Baker, die grundlegende Herausforderung der Demokratie bestehe darin, "ethnische Bande auf der Basis gemeinsamer - und
viel stärker noch universeller Werte - zu umfassen und
zu repräsentieren, aber auch zu überwinden". Im

AMERIKA DIENST 48

�Osten wie im Westen mußten neue Strukturen und
Muster multikultureller internationaler und vielleicht
supranationaler Zusammenarbeit geschaffen werden.
Das langfristige Ziel, so gab er zu verstehen, bestehe
in der Schaffung einer "Euro-atlantischen Gemeinschaft", die im Lauf der Zeit die atlantische Partnerschaft freier Völker und demokratischer Regierungen
auf das Gebiet "von Vancouver bis Wladiwostok"
ausdehnen solle.
Um diesem Ziel näherzukommen, schlugen die Vereinigten Staaten eine zusätzliche Erweiterung des NATOMandats zur Zusammenarbeit mit ehemaligen Gegnern sowie neue Funktionen für die KSZE vor, darunter
die Fähigkeit zur Reaktion auf Krisen sowie die Ausdehnung ihrer rüstungskontrollpolitischen Tagesordnung.
Aufbau einer Euro-atlantischen Gemeinschaft: Die
vor uns liegende Aufgabe
Bei seiner Verkündung im vergangenen Juni erschien
dieses Ziel einer Euro-atlantischen Gemeinschaft als
Arbeit für eine ganze Generation. Im August hatte
diese Aufgabe jedoch nach dem gescheiterten Putsch
in der Sowjetunion bereits neue Dringlichkeit gewonnen.
Die gegenwärtig stattfindende zweite russische Revolution könnte wie die erste fehlschlagen. Eine Form der
Diktatur könnte durch eine andere ersetzt werden.
Ethnische Konflikte und nationale Rivalitäten könnten
auf massive Art und Weise die Tragödie wiederholen,
die sich heute in Jugoslawien vollzieht.
Das erste russische Experiment mit der Demokratie
lief unter dem Druck des Weltkriegs aus dem Ruder.
Im Vergleich zu 1917 ist das internationale Klima heute
jedoch wesentlich freundlicher. Mit der richtigen Mischung aus Rat und Tat hat der Westen dieses Mal
eine gute Chance, der zweiten russischen Revolution
dabei zu helfen, sich irgendwo in der Mitte des politischen Spektrums zu stabilisieren.
In ganz Osteuropa haben wir bereits gesehen, daß
sich eine künstlich eingeimpfte Feindschaft, die nicht
aus tiefverwurzeltem historischem Groll entstanden
ist, rasch in herzliche Freundschaft verwandeln kann.
Der Beginn eines solchen Umschwungs ist auch unter
reformorientierten Elementen der sowjetischen Gesellschaft offenkundig. In den kommenden Monaten
könnte der Westen die Chance haben, ein Verhältnis
zur ehemaligen Sowjetunion und ihren Republiken
aufzubauen, das in gewisser Weise mit dem Verhältnis
der Vereinigten Staaten zu Deutschland und Japan
nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist - ein
Verhältnis, bei dem auf aufgeklärtem Eigeninteresse
beruhende Großzügigkeit unsererseits dauerhaften
Respekt und Freundschaft seitens der Völker der
ehemaligen Sowjetunion fördert.

AMERIKA DIENST 48

Die dominierende Herausforderung wird für die sowjetische "Außen"-politik der kommenden Monate die
Neugestaltung der Beziehungen mit ihren Republiken
sein. Neben dieser Aufgabe wird das Hauptaugenmerk der nach außen gerichteten Politik des Zentrums
und der meisten Republiken, insbesondere Rußlands,
darauf konzentriert sein, die Verbindungen zu den
Vereinigten Staaten und Westeuropa zu stärken und
engere Beziehungen mit den verschiedenen westlichen Institutionen, einschließlich von G-7, IWF, IBRD,
OECD, Europarat, EG und NATO, herzustellen. Wir
werden sorgfältig prüfen müssen, wie wir auf diese
Ouvertüren reagieren. Einerseits müssen wir die
Integrität und Effektivität unserer Institutionen bewahren, während wir uns gleichzeitig anschicken, die
aufstrebenden Demokratien im Osten in eine erweiterte euro-atlantische Partnerschaft einzubeziehen.
Die atlantische Partnerschaft beruht auf drei Hauptpfeilern - NATO, KSZE und amerikanisch-europäische
Beziehungen. Jeder dieser drei Pfeiler wird eine
wichtige Rolle bei der Stützung der Reformen im Osten
und Schaffung breiterer Strukturen der Zusammenarbeit spielen müssen.
Die NATO hat - zumindest seit dem Harmel-Bericht zur
Mitte der sechziger Jahre - eine doppelte Mission der
Verteidigung und des Dialogs. Als Reaktion auf den
Zusammenbruch des Kommunismus und die Umgestaltung der Sowjetunion wird das Dialogelement des
NATO-Mandats stark erweitert.
Die Zusammenarbeit im Rahmen der KSZE wird
ebenfalls intensiviert. Der jüngste NATO-Gipf el hat mit
dem Vorschlag, ein Büro zur Entwicklung demokratischer Institutionen zu gründen, soeben einen weiteren
Schritt zur Institutionalisierung dieses paneuropäischen
Prozesses unter kommen.
Der Europäischen Gemeinschaft fällt bei der Entwicklung einer Euro-atlantischen Gemeinschaft eine zentrale Rolle zu. Die Erweiterung der ursprünglichen
Gemeinschaft hat bereits Stabilität, Wohlstand und die
Konsolidierung der Demokratie in Spanien, Portugal
und Griechenland gefördert. Viele erwarten heute von
der EG, ebenfalls die Umgestaltung im Osten zu
bewirken, die sie bereits so erfolgreich an ihrer westlichen und südlichen Peripherie gefördert hat.
Läßt man die Frage der Mitgliedschaft einmal beiseite,
so kann die Europäische Gemeinschaft mehrere wichtige Beiträge zur Integration Mittel- und Osteuropas,
einschließlich der Sowjetunion, in den umfassenderen
internationalen Rahmen leisten. Erstens ist und bleibt
die Gemeinschaft eine unverzichtbare Quelle der
Solidarität unter den Staaten Westeuropas bei der
Bewältigung dieser Aufgaben. Zweitens liefert die
Gemeinschaft, wie ich bereits ausführte, den Völkern
des Ostens ein Modell und eine Quelle anhaltender
Inspiration. Die Geschichte der Europäischen Ge-

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�meinschaft in den vergangenen 40 Jahren ist ein
Paradebeispiel dafür, daß historische Gegensätze und
ethnischer Haß durch geduldigen, mühsamen Aufbau
supranationaler Strukturen überwunden werden können. Drittens kann die Gemeinschaft zusammen mit
den Vereinigten Staaten und anderen den sich entwickelnden Demokratien des Ostens konkrete Hilfe
und, was vielleicht noch wichtiger ist, Zugang zu ihren
Märkten bieten. Die führende Rolle der EG-Kommission beim G-24-Prozeß ist symptomatisch für die
zentrale Rolle der Europäischen Gemeinschaft in diesen Fragen.
Bei der Erörterung der künftigen Entwicklung der
Gemeinschaft sind sich die Amerikaner bewußt, daß
der Erfolg der Europäischen Gemeinschaft in den
vergangenen 40 Jahren ebenso stark aus ihrem moralischen Gehalt wie aus dem Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik resultierte. Die Verpflichtung, nationalen Ehrgeiz
einem umfassenderen Ideal - dem Ideal eines vereinten Europas - unterzuordnen, hat die Gemeinschaft
durch alle Krisen geleitet und ihr gestattet, aus jeder
dieser Krisen mit gestärkten Institutionen hervorzugehen. Wenn die Gemeinschaft nun die Frage ihrer
Erweiterung innerhalb eines Kontinents erörtert, der
plötzlich frei von ideologischen Schranken ist, hoffen
wir, daß sie Lösungen finden wird, die diesen grundlegenden und entscheidenden Impuls bewahren.
Gemeinsame Ziele, sich überschneidende Kompetenzen
In den kommenden Monaten werden NATO, KSZE
und EG, deren Kompetenzen sich bisweilen überschneiden, weiterhin ihre Aktivitäten und Beziehungen
nach Osten erweitern. Dies wird vielleicht ein gewisses Maß an Überschneidungen, Konkurrenz und sogar
Verwirrung nach sich ziehen. Zu einer Zeit, da der
Westen jedoch die größtmöglichen Anstrengungen
unternehmen muß, um Beziehungen mit den demokratischen Kräften in der Sowjetunion aufzubauen und
deren Erfolgsaussichten zu stärken, ist es sinnvoll, all
unsere institutionellen Ressourcen einzusetzen und
gleichzeitig einige grundsätzliche Festlegungen im
Hinblick auf institutionelle Mandate und Mitgliedschaft
in den wichtigsten westlichen Organisationen zurückzustellen, bis der Lauf der Ereignisse in der Sowjetunion klarere Konturen gewinnt.
Zum jetzigen Zeitpunkt sollten die atlantischen Partner
deshalb weiterhin die ihnen zur Verfügung stehenden
verschiedenen institutionellen Ressourcen, insbesondere NATO, EG und KSZE, nutzen, um die Entwicklung stabiler demokratischer Institutionen in Mittelund Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion
und ihren Republiken zu fördern und damit die Grundlage für eine echte Euro-atlantische Gemeinschaft zu
schaffen. Wir sollten das Liaisonkonzept der NATO
mit allen unseren ehemaligen Gegnern zu einer wahrhaft kooperativen Sicherheitsbeziehung ausbauen. Die
Intensivierung der europäischen Integration und die

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Öffnung der Märkte der EG sowie der Vereinigten
Staaten für Osteuropa und die Sowjetunion sollten
parallel ablaufen. Vor allem sollten die atlantischen
Partner weiterhin die Reformen und Reformer in der
Sowjetunion unterstützen und sich bemühen, die
Sowjetunion und ihre Republiken in die umfassendere
Euro-atlantische Gemeinschaft zu integrieren sowie
die grundlegenden europäischen und atlantischen
Institutionen in einem Tempo und in eine Richtung neu
zu orientieren, die von dem Tempo und dem Umfang
bestimmt werden, in dem diese Reformen Fuß fassen.
Die Zukunft Osteuropas und besonders die Zukunft
der Sowjetunion können nicht ausschließlich im europäischen oder auch euro-atlantischen Kontext betrachtet werden. Ein Großteil der Sowjetunion liegt in
Asien. Entwicklungen in diesem Land sind für Japan
ebenso wichtig wie für die Vereinigten Staaten oder
Europa. Die Probleme der sowjetischen Wirtschaft
sind einfach zu umfangreich als daß sie nur im regionalen Kontext behandelt werden könnten. Deshalb
liegt es sowohl im amerikanischen als auch im europäischen Interesse, daß internationale Institutionen wie
IWF, Weltbank, OECD und GATT eine zentrale Rolle
bei der Integration der Sowjetunion und ihrer Republiken in die Weltwirtschaft spielen. In diesem Zusammenhang ist ein erfolgreicher Abschluß der UruguayRunde eine besonders wichtige Komponente jeder
Strategie, die darauf ausgerichtet ist, den Erfolg der
Umgestaltung Osteuropas und der Sowjetunion zu
Marktwirtschaften und demokratischen Gesellschaften zu sichern.
Ich habe meine Ausführungen mit der Feststellung
begonnen, daß wir inmitten einer dramatischen Periode des Wandels zusammenkommen. Die potentiellen
Errungenschaften dieses Herbstes - ein Europäischer
Wirtschaftsraum, ein Nordatlantischer Kooperationsrat, ein weltweites Handelsabkommen, eine Europäische Energiecharta, eine Europäische Politische Union
und eine Europäische Währungsunion - werden uns
besser in die Lage versetzen, die im Osten stattfindenden Veränderungen zu bewältigen. Das Tempo des
Wandels beschleunigt sich dort jedoch noch. Unsere
Fähigkeit zur Innovation und Anpassung wird in den
kommenden Monaten weiter auf die Probe gestellt.
Wir werden sowohl auf die kurzfristigen Hilfsanforderungen der ehemaligen Sowjetunion und ihrer Republiken reagieren müssen als auch auf ihre langfristigen
Bedürfnisse der Eingliederung in eine umfassendere
Gemeinschaft demokratischer Staaten und freier
Marktwirtschaften. Wir müssen dem Bürgerkrieg in
Jugoslawien ein baldiges Ende setzen - dem ersten
Krieg Europas nach 1945. Wir sollten zusammenarbeiten, um eine europäische Verteidigungsidentität zu
fördern und sicherzustellen, daß ihre Entwicklung auch
die lebenswichtige atlantische Verbindung verstärkt.
Aufgrund der Bilanz der vergangenen beiden Jahre
und der in den nächsten Wochen für uns in greifbarer
Nähe liegenden Errungenschaften gehe ich davon
AMERIKA DIENST 48

�aus, daß die atlantischen Partner in der Lage sein
werden, diesen Herausforderungen im Vertrauen auf
unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit, zum Treffen
* *

AMERIKA DIENST 48

schwieriger Entscheidungen und zur Schaffung einer
echten Euro-atlantischen Gemeinschaft zu begegnen.
*

*

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�KONGRESS

4. Dezember 1991

AUS DER ARBEIT DES KONGRESSES
Sowjethilfe, Irak, Verkehr, Banken, Bildungsfonds

WASHINGTON - (AD) - Vor den langen Parlamentsferien hat der 102. Kongreß noch eine Reihe von Maßnahmen verabschiedet. In der letzten Woche vor der Pause fanden in beiden Kammern Marathonsitzungen statt.
Zu den getroffenen Entscheidungen gehören die Zustimmung zu einem Hilfspaket, mit dem sowjetische
Abrüstungsmaßnahmen unterstützt werden sollen, die Verabschiedung eines umfassenden Verkehrsgesetzes
sowie die Bereitstellung zusätzlicher Gelder, um in Schwierigkeiten geratene Banken zu retten. Ein besonderer Bildungstreuhandfonds wurde geschaffen, um auf die veränderte Weltlage zu reagieren. Ein Ausschußbericht stellte darüber hinaus fest, daß der irakische Präsident Saddam Hussein schweres Gerät aus dem Irak
verlegt und damit die UN-Sanktionen verletzt.

Plan zur Unterstützung sowjetischer Abrüstungsmaßnahmen verabschiedet

Irak verletzt UN-Verbot durch Verlegung von Gerät
in den Iran

Der Kongreß bewilligte 500 Millionen Dollar - die dem
Verteidigungshaushalt entnommen werden - zur Unterstützung der Sowjetunion beim Abbau ihrer Kernund C-Waffenarsenale. Die Abgeordneten gehen
davon aus, daß der Plan im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten liegt, da er dazu
beitragen wird, die Sicherheit sowjetischer Waffen vor
möglichem Mißbrauch zu verbessern, falls es in den
Republiken während des erwarteten harten Winters in
der Sowjetunion zu Unruhen kommen sollte.

Einem Sonderbericht des Auswärtigen Ausschusses
des Senats zufolge verletzt Bagdad mit der Verlegung
von schwerem Gerät in den Iran ein von den Vereinten
Nationen verhängtes Verbot.

Mit dieser Maßnahme werden 400 Millionen Dollar für
die 50prozentige Reduzierung von Moskaus nuklearen Gefechtsköpfen bewilligt -15.000 von 30.000. Die
verbleibenden 100 Millionen werden für Flüge amerikanischer Militärmaschinen zum Transport von Nahrungsmitteln in die sowjetischen Republiken im Rahmen der Soforthilfe für diesen Winter eingesetzt.
Der Kongreß genehmigte die Mittel als Teil eines
Gesetzes, mit dem die Regelungen des historischen
Vertrags über die Verringerung der konventionellen
Streitkräfte in Europa (KSE) umgesetzt werden, der
vom Senat am 25. November 1991 ratifiziert worden
war.

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Ein am 27. November 1991 vom Ausschuß veröffentlichtes Dokument stellte fest, im Nordirak operierende
kurdische Verbände, die in Opposition zu Saddam
Hussein stehen, hätten berichtet, daß "ganze Fabriken" mit verbotenem Gerät über die Grenze gebracht
worden seien. Die Kurden sprachen direkt mit Mitarbeitern des Kongresses, die sich in der Gegend aufhielten.
Diese Mitarbeiter beobachteten selbst Aktivitäten, die
die Behauptungen der Kurden untermauern. Ein führendes Mitglied der amerikanischen Gruppe erklärte:
"Es ist klar, daß der Irak seine Infrastruktur zu Schleuderpreisen in den Iran exportiert." Er habe in einer
Grenzstadt Bulldozer, Kräne, Bagger und Muldenkipper gesehen, die auf ihre Weiterfahrt in den Iran
warteten.
Dem Bericht zufolge kontrollieren kurdische Widerstandskräfte 80 Prozent des kurdischen Gebiets im

Seite 1

�Irak. Mindestens 600.000 Kurden haben jedoch keine
Unterkunft und es steht ihnen ein katastophaler Winter
bevor. Massengräber wurden gefunden und legen den
Schluß nahe, daß 182.000 angeblich vom Regime
1988 in den Süden umgesiedelte Kurden statt dessen
von Saddam Husseins Truppen ermordet wurden,
stellt der Bericht fest.

Den in Schwierigkeiten geratenen Banken werden bei
Anzeichen drohender Zahlungsunfähigkeit striktere
Kontrollen ihrer Aktivitäten auferlegt. Die Bundesaufsichtsbehörde hat die Befugnis, die Aktiendividenden
und die Zinssätze auf Einlagen zu begrenzen sowie
hohe Gehälter und Prämien für leitende Mitarbeiter
und Angestellte zu verbieten.

Der Ausschuß Vorsitzende Claibome Pell drängte auf
äußerst strikte Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
den Irak und forderte begrenzte Militärhilfe für die
Kurden und andere irakische Rebellen, um Saddam
Husseins Regime zu stürzen.

In dem Bestreben, einen weiteren Skandal wie den der
Bank of Credit and Commerce International (BCCI) zu
vermeiden, hat der Kongreß der Bundesnotenbank die
Befugnis zur Prüfung aller ausländischen Bankoperationen in den Vereinigten Staaten erteilt. Die Zentralbank wäre ferner befugt, neue Büros ausländischer
Banken zu schließen und die Eröffnung neuer Büros
zu verbieten.

Verabschiedung eines umfassenden Verkehrsgesetzes
Am 27. November verabschiedete der Kongreß ein
Verkehrsgesetz in Höhe von 151 Milliarden Dollar.
Das Repräsentantenhaus stimmte mit 372 zu 47, der
Senat mit 79 zu 8 Stimmen für die Maßnahme.
Das Gesetz sieht 119,5 Milliarden Dollar für Bau und
Instandhaltung von Straßen und Brücken sowie 31,5
Milliarden Dollar für Bau und Erweiterung des Nahverkehrsnetzes vor. Die Kongreßabgeordneten begrüßten die Maßnahme mit der Begründung, daß damit in
den nächsten vier bis sechs Jahren zwischen 2 und 4
Millionen Arbeitsplätze geschaffen würden. Präsident
Bush hat die Unterzeichnung der Gesetzesvorlage
zugesagt.
Bereitstellung zusätzlicher Mittel zur Unterstützung von Finanzinstitutionen
Der Kongreß stimmte für die Bereitstellung zusätzlicher Mittel zur Unterstützung von Bundesbehörden,
die mit dem Zusammenbruch von Finanzinstitutionen
kämpfen müssen. Die praktisch zahlungsunfähige
Bundeseinlagen-Versicherungsgesellschaft wird damit
zur Aufstockung der Anleihen von 5 Milliarden Dollar
auf 30 Milliarden Dollar in der Lage sein, die sie bei der
öffentlichen Hand aufnimmt. Darüber hinaus kann sie
dann Anleihen in Höhe von bis zu 90 Prozent der
Vermögenswerte aufnehmen, die sie von bankrotten
Institutionen beschlagnahmt hat.
Der Gesamtumfang der durch diese beiden Programm
getätigten Anleihen beläuft sich auf 70 Milliarden Dollar.

*

Seite 2

Genehmigung eines internationalen Bildungsfonds
Die Gesetzgeber haben der Bereitstellung von 150
Millionen Dollar für das umfassendste internationale
Programm im Bereich der Hochschulbildung seit 1950
zugestimmt. Der Fonds dient der Unterstützung eines
internationalen Bildungstreuhandfonds, der Stipendien
für Auslandsstudien, zum Studium von Fremdsprachen sowie Mittel für Universitäten zur Erweiterung
ihrer Fremdsprachen- und Landeskundeprogramme
vorsieht.
Der Fonds beträgt zunächst 35 Millionen pro Jahr. In
den folgenden Jahren erfolgt die Finanzierung durch
Zinsen aus dem verbleibenden Kapital.
Die Mittel kommen aus dem Bildungsbudget. Der
Vorsitzende des Bildungsausschusses des Senats,
David Boren, erklärte, der Fonds spiegele die neue
Realität der Zeit nach dem kalten Krieg wider. "Vier
Jahrzehnte lang sprach die Welt unsere Sprache.
Diese Zeit ist vorüber", so Boren.
"Um wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu sein und unsere diplomatischen und nationalen Sicherheitsinteressen zu schützen, müssen wir international denken",
stellte er fest. "Wenn uns dies nicht gelingt, werden wir
eine entscheidende Bedrohung unserer nationalen
Sicherheit und unserer Fähigkeit ignorieren, eine
Führungsrolle in der Welt zu spielen."

*

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�UMWELTSCHUTZ
4. Dezember 1991

WACHSENDES UMWELTBEWUSSTSEIN DER
AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
von Jay Stuller

WASHINGTON - (AD) - Amerikanischen Unternehmen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für verbesserten
Umweltschutz - Zusammenarbeit mit Umweltexperten im US-Kongreß, Aufwendung beträchtlicher Mittel zur
Erfüllung der Auflagen zur Reinhaltung der Luft sowie Recycling und Entwicklung alternativer Energiequellen.
Der Autor ist freiberuflicher Schriftsteller. Der nachfolgende Artikel wurde erstmals in The American Legion
Magazine veröffentlicht. Copyright (c) 1990.

Die Herstellung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen
(FCKW) war ein solides Geschäft mit einem Jahresumsatz von 750 Millionen Dollar für E l . Du Pont de
Nemours &amp; Co., den amerikanischen Chemiegiganten. Wissenschaftliche Untersuchungen gelangten
jedoch zu dem Schluß, daß FCKW die Ozonschicht
der Erde abbauen. Daher gab Du Pont die Einstellung
der Produktion des profitablen Kühl- und Reinigungsmittels bekannt und wendete bis zu 1 Milliarde Dollar
zur Erforschung eines Ersatzstoffes auf.
Werden sie zu Umweltfanatikern? Du Pont gibt freiwillig schätzungsweise 50 Millionen Dollar mehr für
Umweltprojekte aus, als Gesetze und Auflagen fordern.
Räumen die Fanatiker das Feld? Nicht ganz. Anhand
der bei der Reinigung und Verbesserung ihrer Chemiefabriken gesammelten Erfahrungen hat Du Pont eine
Abteilung zur Unterstützung anderer Industriefirmen
eingerichtet, die Probleme mit giftigen Stoffen haben eine Abteilung mit prognostizierten Jahreseinnahmen
in Höhe von rund 1 Milliarde Dollar. Das Unternehmen
geht davon aus, daß die Abteilung und neue umweltfreundliche Produkte bis 1995 Jahresumsätze von bis
zu 8 Milliarden Dollar erzielen werden.
Dem Vorsitzenden von Du Pont, Edgar Woolard Jr.,
zufolge ist der Druck der Umweltschützer "ein zweischneidiges Schwert. Eine Schneide ist Verletzbarkeit, die andere sind Chancen."

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Du Pont ist nur eines von vielen amerikanischen Unternehmen, die Chancen zur Entwicklung eines Umweltbewußtseins ausgemacht haben. Nach nahezu 20
Jahren des Meckerns über Gesetze zur Reinhaltung
von Luft und Wasser, Verzögerungstaktiken bei deren
Erfüllung und gelegentlichem Kampf bis aufs Messer
über diese Gesetze werden Unternehmen mit Köpfchen zunehmend umweltbewu ßt - und es ist eine kluge
Untemehmensentscheidung.
In seinem Buch The Environmental Factor schrieb
der Autor Michael Silverstein: "Um es einmal ganz
unmoralisch zu formulieren: Bisher konnte man gutes
Geld damit verdienen, die Umwelt zu ignorieren oder
zu ihrer Zerstörung beizutragen. In Zukunft wird man
noch besseres Geld damit verdienen, zur Beseitigung
des Mülls beizutragen."
Zu den Rennern der von Börsenmaklern angebotenen
Aktien zählen die von Umweltschutzfirmen. Unternehmen von der herkömmlichen Müllabfuhr bis zu Firmen,
die Abgaskontrollgeräte, Umweltschutztechnologien
und alternative Energiequellen entwickeln, expandieren am schnellsten.
"Umweltbewußte Verbraucher" wählen bereits Produkte oder Markenzeichen, die das umweltfreundlichste Image verbreiten. Um Justizminister Hubert
Humphrey III. aus Minnesota zu zitieren: "Wir beobachten eine grüne Revolution in den Regalen der
amerikanischen Geschäfte."

Seite 1

�An Wall Street vollzieht sich ein Szenenwechsel. Für
berufliche Aufsteiger hei ßt das Schlagwort Umwelt. In
Berufen, die vor 10 Jahren noch nicht existierten,
beschäftigen führende petrochemische Unternehmen
und kleinere Dienstleistungsbetriebe Tausende von
Ingenieuren, Chemikern, Laboranten, Biologen sowie
Spezialisten für die Arbeit im Umweltschutz. Einige
Unternehmen vergeben sogar Prämien und Gehaltserhöhungen zur Belohnung des umweltbewußten
Verhaltens der Geschäftsführung.
In altruistisch anmutender Kooperation arbeiten viele
Großunternehmen mit Umweltexperten auf dem Kapital bei der Erarbeitung noch strengerer Auflagen zusammen. In einem Artikel in National Review stellt
David Brooks in einem Leitartikel jedoch fest: "Ein
Großunternehmen kann Gesetzeshürden überspringen, die kleinere Firmen vom Aufstieg abhalten." Obwohl
damit der Wettbewerb verringert wird, profitiert die
Gesundheit des Planeten dennoch.
Egal aus welchem Blickwinkel man es auch betrachtet
- die Umwelt ist das Thema der neunziger Jahre.
"Umweltbewu ßtsein wird das entscheidende Kriterium
sozialer Reformen und das absolut wichtigste Thema
für die Unternehmen sein", erklärt Gary Miller, ein
Fachmann für Öffentlichkeitsarbeit an der Washington
University in St. Louis (Missouri). Präsident Bush will
das Amt für Umweltschutz (EPA) zu einem Ministerium machen. Und wie der Vorsitzende von Monsanto,
Richard J. Mahoney, bei einem Abendessen der National Wildlife Foundation zu Ehren der Umweltschutzarbeit seines Unternehmens sagte: "Die Fackel des
Umweltschutzes ist - wenn sie auch noch nicht hell
leuchtet - in amerikanischen Unternehmen zumindest
entzündet worden."
Sie wurde teils durch die Spannungen zwischen Auflagen auf Bundes-, Staaten- und Gemeindeebene sowie
die Kosten der - fahrlässig oder routinemäßig verursachten - Umweltverschmutzung gezündet. Strafen
werden in Form von Geldbußen, Gerichtsverfahren
und Reinigungskosten verhängt und es wird öffentlich
Unmut geäußert wie im Fall des durch die Exxon
Valdez verursachten Ölteppichs in Alaska. Bei Fabriken sind die Strafen für die Nichteinhaltung der Grenzwerte inzwischen höher als das durch die Verschmutzung gesparte Geld. Intellekt, Fähigkeiten und Bestrebungen kluger Wissenschaftler, Ingenieure und Führungskräfte konzentrieren sich auf Sparmaßnahmen
und die Umwelt.
Zu viele staatliche Vorschriften waren schon immer ein
Greuel für Unternehmen und viele Bürger. Man kann
jedoch argumentieren, daß Umweltvorschriften in die
Kategorie fallen, die von Ökonomen als "das Gemeinwohl" bezeichnet werden wie ein solides Bildungswesen und eine ausreichende nationale Verteidigung.

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Die Öffentlichkeit ist eindeutig zu Ausgaben bereit. Bei
einer von der New York Times und CBS regelmäßig
durchgeführten Meinungsumfrage wird die Frage gestellt,
ob Umweltschutz so wichtig ist, daß die Auflagen nie
zu streng sein können und ob Verbesserungen unabhängig von den Kosten vorgenommen werden sollten.
1981 stimmten nur 45 Prozent zu, während 42 Prozent
dies ablehnten. In jüngster Zeit stimmten nahezu 80
Prozent der Öffentlichkeit zu.
Zahlreiche Umfragen belegen, daß fast alle sich in
gewissem Maße als Umweltschützer betrachten. Es
überrascht daher nicht, daß in den Reihen der amerikanischen Führungskräfte das Umweltbewußtsein
Einzug hält. Generationen, die Ende der sechziger
Jahre erwachsen wurden, als die verheerenden Auswirkungen der Verschmutzung offenkundig wurden,
nehmen jetzt Führungspositionen ein. Anstatt die Industrie von außen zu bekämpfen, ändern sie sie von
innen heraus. "Unternehmen wie unseres erleben
das, was nur als Revolution des Umweltbewußtseins
bezeichnet werden kann", stellt Mahoney fest.
Die Unternehmen geben derzeit schätzungsweise 32
Milliarden Dollar jährlich für die Erfüllung der Auflagen
zur Reinhaltung der Luft aus. Die klugen wenden
jedoch noch mehr auf. "Wenn man einen Betrieb baut,
der die Vorschriften jetzt gerade eben erfüllt, wird man
in Zukunft sehr viel mehr bezahlen müssen", erklärt
Lester Lave, Professor für Öffentlichkeitsarbeit und
Ingenieur an der Wirtschaftsfakultät der CarnegieMellon University in Pittsburgh (Pennsylvania).
Ein Vertreter der Minnesota Mining &amp; Manufacturing
(3M) stimmt dem zu. "Die Bestimmungen drohen uns
zu überschwemmen", so Robert Bringer, Vizepräsident für Umweltschutz und Abgaskontrolle. "Die einzige Art und Weise, damit fertigzuwerden, besteht in
der Reduzierung der Emissionen, die die Auflagen
nach sich ziehen."
Die 3M-Produktion beschichteter Erzeugnisse, etwa
selbstklebender Notizzettel und Videobänder, war früher
mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Durch
die Wiederaufbereitung von Lösungsmitteln, die einst
in die Atmosphäre gelangten sowie den Ersatz flüchtiger Lösungsmittel durch solche auf Wasserbasis, hat
die Firma die Notwendigkeit teurer Geräte zur Eindämmung von Umweltbelastungen verringert.
Innovative Unternehmen reduzieren nicht nur die
Emissionsmenge, die in die Atmosphäre abgegeben
wird, sondern auch den Materialanteil, der in Mülldeponien entsorgt wird, deren Gebühren zur Zeit explosionsartig in die Höhe schießen. Diese Praktiken
führen überdies zu einer besseren Nutzung von Ressourcen. So hat zum Beispiel ein unternehmensweites
Projekt der ölfirma Chevron mit dem beziehungsrei-

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�chen Titel "Save Money and Reduce Toxics (SMART)"
den von der Firma verursachten Sondermüll seit 1986
um über 60 Prozent verringert.
Die Beschäftigung mit Sondermüll und selbst mit
gewöhnlichem Müll ist zu einem extrem gewinnträchtigen Geschäft geworden. Waste Management of
North America, das im Jahr 1989 einen Umsatz von 4,5
Milliarden Dollar und einen Gewinn von 562 Millionen
Dollar verzeichnete, bedient als führendes Müllentsorgungsunternehmen der Vereinigten Staaten 7,6 Millionen Haushalte. Obwohl es eine Zielscheibe von
Umweltschützern ist, die Waste Management einer
Reihe von Umweltvergehen beschuldigen, ist das
Unternehmen in aller Stille ebenfalls zur führenden
Recyclingfirma der USA geworden.
Waste Management sammelt in 1,2 Millionen Haushalten Aluminium, Glas, Zeitungen und Kunstoffe.
Dieser Nebenerwerb ist zwar noch nicht in der Gewinnzone, bietet aber gute Wachstumsaussichten. "Der
Enthusiasmus für die Wiederverwertung ist überwältigend. Die Leute haben das Gefühl, daß sie etwas
bewirken können", erklärt der Vorsitzende von Waste
Management, Dean L Buntrock.
Diese Begeisterung und ein wachsender Markt für
wiederverwertetes Material bringen wirtschaftliche
Möglichkeiten hervor. Der Präsident von Hafner Industries in New Haven (Connecticut), Edwin Hafner,
beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Entwicklung und
Finanzierung eines Verfahrens zur Wiederverwertung
von PVC und anderen Kunststoffen. "Ich kann PVC
wiederaufbereiten und dabei eine 10Oprozentig neuwertige Qualität zu lediglich 20 Prozent der Energiekosten erreichen, die bei der Herstellung neuen PVCs
anfallen", erklärt Hafner.
In The Environmental Factor stellt Silverstein fest,
daß etwa 2.500 Hersteller heute umweltorientierte
Erzeugnisse und Geräte produzieren und über 3.000
Firmen Umweltberatung anbieten. An der Wall Street
werden die Aktien von etwa 80 Firmen in diesem
Bereich notiert. Das Umsatzwachstum der größten
Umweltdienstleistungsunternehmen übersteigt 20
Prozent im Jahr, wobei einige Umsatzsprünge von 40
bis 80 Prozent verzeichnen.
Neben Empfehlungen, in Dienstleistungsunternehmen
zu investieren, messen Anlageberater bei der Aktienbewertung auch der Umweltbilanz eines Unternehmens immer größere Bedeutung bei. Eine Firma, die
sich nicht energisch um den Abbau von Umweltbelastungen kümmert, mag zwar heute noch profitabel
sein, bietet jedoch Risiken für den künftigen Ertrag.
Und Verbrauchergruppen können diesen Ertrag kontrollieren. So gibt es heute bereits "grüne" Wertpapier-

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fonds, die ihre Investitionsentscheidungen großenteils
aufgrund der umweltpolitischen und sozialen Praktiken von Unternehmen treffen. Die Franklin Research
&amp; Development Corporation in Boston sowie der Calvert Social Investment Fund in Maryland legen kein
Geld in Firmen an, die eine schlechte Umweltbilanz
aufzuweisen haben.
Die Betonung der Umwelt bereitet auch anderen Unternehmen den Weg, insbesondere im Bereich alternativer Energien. Nach einem Jahrzehnt der Enttäuschungen sind Windkraftwerke - vielleicht die umweltfreundlichste Form der Elektrizitätsgewinnung - heute
gesunde Unternehmen, die Investitionen selbst von
konservativen Firmen der Wall Street anziehen.
Die Windenergie, die Mitte der achtziger Jahre mit dem
Wegfall von Steuervergünstigungen in eine Krise geriet, schafft es heute auch ohne steuerliche Anreize. In
Kalifornien, wo über 90 Prozent der Weltwindenergie
gewonnen werden, hat ein Konsortium aus der Pacific
Gas &amp; Electric Company, U.S. Wind Power und dem

Electrical Power Research Institute ein mit 15 Millionen
Dollar ausgestattetes, auf fünf Jahre ausgelegtes
Programm zur Entwicklung einer neuen Generation
von Windturbinen gestartet. U.S. Wind Power, das
größte Unternehmen seiner Art, beschäftigt 300 Mitarbeiter.
Die Sorge um die Umwelt schafft auch Arbeitsplätze.
So arbeiten etwa 16.000 Mitarbeiter für das amerikanische Umweltbundesamt EPA, während 27.000
Beschäftigte der Bundesstaaten und viele mehr bei
den Kommunen im Umweltbereich tätig sind. Etwa
5.000 Techniker arbeiten seit 1985 an der Reinigung
von Sondermülldeponien. Das Kongreßbüro für die
Bewertung von Technologien (Office of Technology
Assessment) schätzt, daß bis 1995 insgesamt 22.000
benötigt werden. Du Pont beschäftigt etwa 3.000
Mitarbeiter im Bereich Umwelt, deren Gehälter und
Sozialleistungen sich zusammengenommen auf 240
Millionen Dollar belaufen.
Schulen bilden Schüler für den wachsenden Arbeitsmarkt im Umweltbereich aus - in Fähigkeiten, die die
Wirtschaft benötigt und von Neueinstellungen zunehmend auch verlangt. Über 700 Universitäten veranstalten heute Umweltprogramme, und zahlreiche traditionelle Studiengänge zur Ausbildung von Chemikern
und Ingenieuren widmen heute der Umwelt größere
Aufmerksamkeit.
Produkte, die Umweltfreundlichkeit verbreiten, werden vom Verbraucher bevorzugt. In einer Reihe von
Umfragen gaben Verbraucher an, sie seien bereit, für
Verpackungen, die entweder aus wiederverwertetem
Material gewonnen, selbst wiederverwertbar oder biologisch abaubar sind, bis zu 5 Prozent mehr zu zahlen.

Seite 3

�Unter Berücksichtigung dieses Trends hat die Firma
Procter &amp; Gamble damit begonnen, den Kunststoffanteil an ihren Verpackungen zu verringern. So enthalten
zum Beispiel ihre Flaschen mit Crisco Oil weiterhin die
gleiche Menge öl, aber der Kunstoffanteil der Flasche
wurde um 28 Prozent verringert.
Das Unternehmen fördert heute die Herstellung von
Konzentraten - die dem Produkt Vorrang vor der
Verpackung gibt - in sogenannten "Enviropaks". Es
hat eine Linie "multifunktionaler" Produkte entwickelt,
zum Beispiel das Waschmittel Tide mit Bleichmittel, so
daß der Verbraucher ein Paket anstatt zwei kauft.
Darüber hinaus laufen Markttests für eine Reihe von
Reinigungsmitteln und Weichspülem in Kunstofflaschen aus Altmaterial.
Genau dies ist die Art von "grünen" Produkten, die WalMart Stores, der Einzelhandelsgigant mit einem Jahresumsatz von 16 Milliarden Dollar, heute seinen Kunden
empfiehlt. In einem ehrgeizigen Programm fordert der
Konzern seine Lieferanten auf, an ihren Produkten und

*

Seite 4

Verpackungen Umweltverbesserungen vorzunehmen,
die dann von Wal-Mart in den Geschäften besonders
herausgestellt werden.
Umweltschutz ist in den Vereinigten Staaten zu einer
nationalen Leidenschaft geworden. Ein Professor
stellte in diesem Zusammenhang fest: "Unsere Gesellschaft hat einen neuen Konsens gefunden, wonach
Umweltverschmutzung moralisch falsch ist - nicht nur
schädlich oder gefährlich sondern falsch."
Wir müssen uns jedoch auch der Tatsache bewußt
sein, daß Umweltbelastungen ein Nebenprodukt von
Herstellungsprozessen sind, von Erzeugnissen und
Dienstleistungen, die den Amerikanern eine Lebensqualität geliefert haben, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Die Tatsache, daß die amerikanische
Gesellschaft es sich leisten kann, Mittel fürdie Verbesserung der Umweltqualität einzusetzen, ist ein Zeichen nationaler Stärke. Wenn die Wirtschaft in den
neunziger Jahren gesund bleibt, wird die amerikanische Wirtschaft sicherlich eine grüne Wirtschaft sein.

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AMERIKA DIENST 48

�AMERIKA

HEUTE
4. Dezember 1991

ÜBER MORGEN NACHDENKEN
von Paul Sweeney
WASHINGTON - (AD) - Gedanken über die Zukunft nehmen in den Vereinigten Staaten zunehmend breiten
Raum ein, und eine wachsende Zahl von Klein- und Großunternehmen wenden sich an professionelle
Futurologen zur Prognose der Trends von morgen.
Paul Sweeney ist freiberuflicher Schriftsteller in Washington. Der nachfolgende Artikel erschien erstmalig in
American Way, dem Flugmagazin von American Airlines. Copyright (c) 1991, American Airlines.

In New York lesen die Angestellten von Inferential
Focus pro Monat 300 Publikationen, wobei sie ihr
Augenmerk insbesondere auf ominöse Artikel über
anscheindend unzusammenhängende Themen wie
die asiatische Wirtschaft und Rockmusik lenken.
Warum? Weil 52 Kunden der kleinen Unternehmensberatung jährlich über 2 Millionen Dollar für die Beschaffung eines breiten Spektrums an Informationen
zahlen, anhand dessen es die Zukunft der Welt prog nostiziert. Die Unternehmen, die solche Vorhersagen
in Auftrag geben, kommen aus allen Sparten des
Geschäftslebens, von Converse-Sportschuhen bis zu
Fidelity Investments, einer Investmentgesellschaft.
Ihnen gemeinsam ist die Überzeugung, daß diese
Prognosen zu besseren Unternehmensentscheidungen beitragen.
Das Erahnen der Zukunft bevor sie eintritt ist zu einem
florierenden Geschäft geworden. Die Futures Group
in Washington ist beispielsweise eine Untemehmensberatung mit einem Umsatz von 20 Millionen Dollar, die
eine ganze Bandbreite von Experten einsetzt - von
ehemaligen Offizieren des militärischen Nachrichtendienstes bis hin zu Soziologen - und versucht, alles von
Schauplatz und Grausamkeit des nächsten größeren
Kriegs bis zur sich abzeichnenden Bevölkerungsentwicklung in Erfahrung zu bringen. Die Unternehmen
bezahlen für die Zukunftsprognosen der Unternehmensberatung. Der Präsident von The Futures Group,
Robert H. Smith, räumt jedoch ein, "Wir prophezeien
nicht, wir prognostizieren. Prophezeien ist die Domäne der Wahrsager."
Wie auch immer sie ihre Arbeit beschreiben, so sind
die wachsenden Legionen der "Futurologen", wie wir
sie bezeichnen, emsig damit beschäftigt, über morgen
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- und darüber hinaus - nachzudenken. Für gewöhnlich
verlassen sich Futurologen auf die Gesetze der Wahrscheinlichkeit, leistungsfähige Computer, wissenschaftliche Forschungsmethoden, umfangreiche Lektüre und
kreatives Denken. Viele haben sogar ihre Talente in
Studien über Futurologie an Colleges wie der Univer-

sity of Hawaii oder der University of Houston in Texas
vertieft.
"Futurologen betrachten das gesamte Zusammenspiel der Kräfte - sozialer, politischer, technologischer,
wirtschaftlicher und umweltpolitischer", erklärt Thomas Mandel, 44, der Direktor des VALS-Programms
bei SRI International (einem Forschungs- und Beratungsunternehmen in Menk) Park, Kalifornien, mit einem
Jahresumsatz von 300 Millionen Dollar), der sein Examen
in Futurologie abgelegt hat. "Sie geben keine Zukunftsprognosen unter nur einem Aspekt ab", fügt er hinzu.
"Sie erfassen die Trends und Unwägbarkeiten vielmehr durch die Entwicklung alternativer Szenarien."
Darüber hinaus blicken die Futurologen weiter voraus
als je zuvor. "Jeder weiß, was in den nächsten zwei
oder drei Jahren geschehen wird", so Mandel, "aber
die Nachfrage nach langfristiger Forschung steigt.
Professionelle Futurologen prognostizieren die nächsten 10 Jahre und darüber hinaus."
Gedanken über die Zukunft wird zunehmend Aufmerksamkeit und Respekt zuteil. "Insbesondere an der
Seh welle der neunziger Jahre besteht ein wachsendes
Interesse an langfristigen Zukunftsstudien von Regierungen und Organisationen aller Art", erklärt Timothy
H. Willard, geschäftsführender Redakteur von The
Futurist, einer von der World Future Society in Bethesda (Maryland) herausgegebenen Zeitschrift.
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�"Es gibt immer mehr Gruppen, die 'Futurologe' in ihrem
Titel führen", so Willard. "Das Interesse wird auch
durch die wachsende Zahl von Ländern belegt, die
Studien zum 'Jahr 2000' erstellen. An die 50 oder 60
Regierungen untersuchen das nächste Jahrhundert.
Selbst Schulverwaltungen, die nie über das nächste
Jahr hinausdachten, fragen: 'Was ist unser Bedarf im
Jahr 2000?'"
Auf die Frage, wieviele Futurologen es tatsächlich
geben könnte, gibt es keine eindeutige Antwort insbesondere, weil keine Einigung darüber besteht,
was einen Futurologen genau ausmacht. Michael
Marien, Redakteur von Future Survey, stellt fest:
"Viele Menschen, die über die Zukunft schreiben oder
nachdenken, bezeichnen sich nicht als 'Futurologen'."
Marions Meinung nach sollte der Titel eines Futurologen "sehr viele Akademiker einbeziehen, die sich
selbst als 'Analysten' bezeichnen sowie Tausende von
Umweltschützern". Mandel von SRI zufolge sind alles
in allem vielleicht 5.000 bis 10.000 Menschen in den
Vereinigten Staaten professionell an Trends, Vorhersagen und möglichen Folgen interessiert. Unter ihnen,
stellt Marien fest, sind viele diametral entgegengesetzter Meinung, was legitim ist und was Torheiten oder
sogar Scharlatanerie ausmacht.
Nimmt man zum Beispiel den Fall von Michael S.
Jenkins, einem Anlageberater und Herausgeber von
Stock Cycles Forecast, einem Börseninformationsdienst. Jenkins gründet seine Prognosen über die
Fluktuationen des Aktienmarkts auf die KondratieffWelle, eine Theorie, derzufolge der Markt von 54 bis 60
Jahre dauernden Zyklen gekennzeichnet ist. Jenkins
sieht in den neunziger Jahren "ein Zeitalter der Liquidation" und drängt die Investoren, ihr Geld in Edelmetallen wie Gold anzulegen.
Jenkins kann auf eindrucksvolle Erfolge verweisen.
Sein Informationsdienst hat beispielsweise den Zusammenbruch des Markts im Oktober 1987 genau
antizipiert. Dennoch erzeugt die Theorie der Kondratieff-Welle vornehmlich Skepsis unter den vielen Futurologen. Jenkins räumt ein, daß "viele über unsere
Arbeit lachen".
Nicht, daß die meisten Futurologen der Geschichte
nicht Tribut zollen würden. Aber nicht viele betrachten
die Vergangenheit als bombensicheren Wegweiser in
die Zukunft. So erklärt Smith von der Futures Group
zum Beispiel: "Die Geschichte ist kein Prophet für die
Zukunft, sie ist lediglich deren Vorläufer. Wenn man
seine Schlüsse ausschließlich aus der Geschichte
zieht, ist es ebenso wahrscheinlich, Recht zu haben
wie Unrecht."
Recht zu haben, war jedoch nicht immer das Ziel der
Zukunftsforscher. Frühe Futuristen wie die Schriftsteller Aldous Huxley (Schöne neue Welt) und George

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Orwell (1984) benutzten ihre Gedanken über die Zukunft eher, um ihre Mitbürger zu schockieren und als
politische Aussagen über eine außer Kontrolle geratene Technik. In den letzten beiden Jahrzehnten sind
jedoch Sachbücher zum bevorzugten Genre von Autoren geworden, die sich mit der Zukunft beschäftigen.
Alvin Tofflers Werke Der Zukunftsschock und The
Third Wave sowie Paul Ehrlichs The Population
Bomb erwiesen sich überraschenderweise als Bestseller. In jüngster Zeit ging Ronald Reagans sozialer
und politischer Optimismus mit den von Zuversicht und
Optimismus geprägten Büchern Megatrends und
Megatrends 2000 John Naisbitts einher. Trotz eines
ausgesprochen schwachen Echos seitens der Futuristengemeinde haben sich die Megatrends-Bücher
erstaunlich gut verkauft.
An sich waren wirtschaftliche Entscheidungsträger
bisher im großen und ganzen geneigt, Erörterungen
über die Zukunft in Bausch und Bogen als Unsinn zu
verdammen. Um eine Aufgabe durchzuführen, verlasse man sich lieber auf harte Arbeit, Intuition und
angeborene Erfindungsgabe.
Es deuten sich jedoch bereits Veränderungen an. So
beschäftigte die Werbeagentur J. Walter Thompson
einmal einen Vize-Präsidenten mit dem Titel "Futurologe". Ein weiteres Beispiel ist der Fall des multinationalen ölkonzems Royal Dutch/Shell. In den Annalen
der Wirtschaft gibt es in der Tat nur wenige Unternehmen, die es an Weitblick und Planung in den vergangenen 20 Jahren mit Shell Oil aufnehmen können.
Als der durch den arabisch-israelischen Krieg im Oktober 1973 ausgelöste erste ölschock die ölverbraucherstaaten traf, war Shell das am besten vorbereitete
Unternehmen der ölbranche. Donald N. Michael, ein
Unternehmensberater und Zukunftsforscher aus San
Francisco, verweist darauf, daß Shell bereits "Alternativszenarien" für den Fall von Unruhen im ölreichen
Nahen Osten ausgearbeitet hatte und deshalb "unbeschadet aus dieser Episode hervorging".
Und zu Beginn der achtziger Jahre mit ihrer "Forderung nach Straffung und Umstrukturierung", schrieb
Pierre Wack, ein ehemaliger Strategieplaner für Shell
Oil in der Zeitschrift Harvard Business Review, "war
Shell bereit, weil das Unternehmen diesen Prozeß
bereits frühzeitig eingeleitet hatte. Shell prognostizierte für die achtziger Jahre konsequent ein sehr geringes
Wachstum des Energieverbrauchs."
Aufgrund solcher Erfolge in wichtigen Bereichen der
Wirtschaft hat die Zukunftsforschung an Glaubwürdigkeit gewonnen. Trotzdem sind Unternehmen, die sich
um Vorausschau bemühen, häufig über die Zukunftsaussichten verärgert - insbesondere, nachdem sie
Zehntausende Dollar an Beraterhonoraren gezahlt
haben. M.H. Roboff, Direktor für strategische Planung

AMERIKA DIENST 48

�bei Converse Inc., einem Unternehmen aus der Schuhbranche, findet nicht immer Gefallen an dem, was er
von Inferential Focus zu hören bekommt: "Meistens ist
das, was man uns erzählt, für uns nur schwer zu
akzeptieren", erklärt Roboff.
Trotzdem sei die Bilanz von Inferential Focus so gut,
daß die leitenden Angestellten die Ermahnungen dieser Firma berherzigten. "Ihre Prognose zu Osteuropa
war in berkenswertem Maße korrekt", so Roboff. "Sie
sagten die Veränderungen ein Jahr vor ihren Eintreten
voraus." Darüber hinaus habe Inferential Focus sein
Unternehmen frühzeitig auf negative Entwicklungen
wie etwa den schwindenden Einfluß von Donald Trump
(dem Multimillionär und Stadtentwickler aus New York),
den Niedergang der Fernsehserien Denver-Clan und
Dallas sowie von Gucci-Handtaschen hingewiesen,
was IF als Trendwende zu einer Abkehr von öffentlich
zur Schau getragenem Reichtum interpretierte. Die
amerikanische Gesellschaft wird bodenständigeren
Ansätzen mehr Wert beimessen. Diese Art von Wissen könnte Roboff zufolge bei der Neukonzeption
einer Marketing-Kampagne seines Unternehmens
ausschlaggebend sein.
Es nimmt nicht wunder, daß auch der US-Kongreß
diesen Faden aufgenommen hat. Das Congressional
Clearinghouse on the Future, eine kaum bekannte
Organisation mit Sitz in Washington, wurde im Jahr
1976 geschaffen, um rund 100 Kongreßabgeordnete
und Senatoren über "sich anbahnende Themen" zu
informieren. Es gibt darüber hinaus ein Congressional
Institute for the Future, eine gemeinnützige bildungspolitische Organisation, die mit dem Kongreß sowie
führenden Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft

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und regionalen Verwaltungen zusammenarbeitet. Mit
Mitteln der Carnegie-Stiftung untersucht das Institut
die politischen Auswirkungen neuer Technologien.
Obgleich viele von Futurologen entworfene mögliche
Szenarien Furcht einflößen - Atomkrieg, weltweiter
Zusammenbruch der Wirtschaft, rasche Klimaveränderungen durch den Treibhauseffekt -, sehen andere
eine Zukunft, die von solchem Unheil verschont bleibt.
Es gibt sogar Erwartungen, da ß bessere Technologien
den Alterungsprozeß aufhalten und die Gesundheit
verbessern sowie die Lebenserwartung verlängern
werden. Auch Fortschritte bei Robotik und Heimcomputern könnten die Lebensqualität im Alltag enorm
verbessern.
Das Morgen könnte also eine Verbesserung des Heute
bringen. Anstatt über die Unberechenbarkeit des
Menschen zu lamentieren und sich auf Sterndeuter zu
verlassen, so die Futurologen, müssen wir mehr über
die Beschaffenheit des Universums in Erfahrung bringen.
Moderne Zukunftsforscher könnten den Wink des
Römers Cicero aufgenommen haben, der vor 2000
Jahren feststellte: "Von Beginn der Welt an war
bestimmt, daß gewisse Zeichen gewisse Ereignisse
ankündigen sollten." Clarke Burnham, ein Experimentalpsychologe an der University of Texas in Austin, lobt
die ernsthafte Arbeit der Futurologen und stellt fest,
daß sie sowohl die Reichweite als auch den Umfang
des menschlichen Einflusses erweitert. "Mit der
modernen Technologie und dem Wissen dieses Landes sollten wir das Gefühl bekommen, daß wir mehr
Kontrolle über die Zukunft haben als frühere Kulturen."

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