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TERRORISMUS

27. November 1991

ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN ZUM BOMBENANSCHLAG VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

LIBYEN WEITERHIN FÜR TERRORAKTE
VERANTWORTLICH
Broschüre des US-Außenministeriums

IRANER UND PFLP-GC: DIE ERSTEN
VERDÄCHTIGEN NACH DEM SPRENGSTOFFANSCHLAG VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

LIBYSCHER TERRORISMUS
UND PAN AM-FLUG 103
Kommentar der Stimme Amerikas

DROGEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

MARTINEZ FORDERT EUROPÄER AUF, SICH
DEM DROGENPROBLEM ZU STELLEN
Rede in Brüssel

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�TERRORISMUS
27. November 1991

ZUSATZLICHE INFORMATIONEN ZUM
BOMBENANSCHLAG VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
Die libysche Regierung war für den Bombenanschlag auf Flug 103 der Pan Am am 21. Dezember 1988
verantwortlich. Die folgende Übersicht des US-Au ßenministeriums erläutert sowohl das Beweismaterial, das der
amerikanischen Anklage gegen zwei libysche Regierungsbeamte zugrundeliegt als auch Hintergrundinformationen, die Verbindungen zwischen den Beschuldigten und ranghohen libyschen Regierungsvertretern aufzeigen.
Zusammenfassung
Schottische Behörden und das amerikanische Justizministerium haben gegen zwei Libyer Anklage wegen
der Ausführung des Bombenanschlags erhoben: gegen
Abd el-Bassit el-Mikrahi, ein ranghohes Mitglied des
libyschen Geheimdienstes sowie gegen Lamin Fuheima, den ehemaligen Leiter des Büros der Libyan Arab
Airlines (LAA) in Malta. Die Beschuldigungen beruhen
auf eindeutigen Beweisen, wonach el-Mikrahi, Fuheima und andere, nicht identifizierte Mitverschwörer die
Bombe in die Maschine der Pan Am einschmuggelten,
indem sie
einen korrekt ausgefüllten Gepäckanhänger der
Air Malta beschafften und anbrachten, mit dessen Hilfe sie die Sicherheitskontrollen für Gepäck umgingen und den Koffer mit dem Sprengsatz in den Zubringerflug für die Pan Am-Maschine in Heathrow und sodann in diese Maschine selbst einschmuggelten;
den Zeitzünder so einstellten, daß der Sprengsatz etwa eine Stunde nach dem planmäßigen
Abflug der Maschine von London-Heathrow
detonieren würde;
ihr Wissen und ihren Zugang aufgrund ihres
Rangs als offizielle Vertreter der Libyan Arab
Airlines benutzten, um die Operation auf dem
Flughafen Luqa von Valletta zu unterstützen.
Damit wären sie in der Lage gewesen, die
Sicherheitskontrollen zu umgehen und sicherzustellen, daß der Koffer mit der Bombe unter
das Gepäck eines Air Malta-Fluges nach Frankfurt gelangte.

AMERIKA DIENST 47

El-Mikrahi, ein hochrangiger Mitarbeiter des libyschen
Nachrichtendienstes, handelte mit Billigung höchster
Stellen der libyschen Regierung. Wir gehen davon
aus, daß Sa'id Raschid - ein führender Planer und
Vollstrecker libyscher terroristischer Aktionen gegen
die Vereinigten Staaten und Dissidenten im vergangenen Jahrzehnt und Mitglied des inneren Kreises der
libyschen Regierung - der hohe Regierungsvertreter
war, der den Anschlag leitete. Eine derart ausgeklügelte und aufwendige Operation mit Personen, die der
libyschen Führung so nahestanden, konnte nur mit
Zustimmung hoher libyscher Regierungsvertreter stattfinden.
Der Fall
Die amerikanische Anklage stützt sich auf nachfolgend zusammengefaßte Beweise, die libysche Regierungsvertreter unmittelbar mit dem Koffer, in dem sich
die Bombe befand, sowie mit dessen Einfügung in das
Gepäcksystem in Verbindung bringen. Die Beweise
sprechen darüber hinaus für eine direkte Verbindung
zwischen el-Mikrahi und der schweizerischen Firma,
die den bei dem Anschlag verwendeten Zeitzünder
herstellte.
Der Koffer. Technischen Untersuchungen zufolge
handelte es sich bei dem Gepäckstück mit der Bombe
um einen Hartschalenkoffer der Marke Samsonite.
Folgende Beweise sprechen für eine direkte Verbindung von el-Mikrahi und Fuheima mit dem Koffer:
El-Mikrahi trifft unter falschem Namen zusammen mit Fuheima aus Libyen kommend am
Abend des 20. Dezember 1988, einen Tag vor
dem Bombenanschlag, in Valletta ein. Fuhei-

Seite 1

�ma, der frühere Leiter des LAA-Büros in Valletta, hatte weiterhin uneingeschränkten Zugang
zum Flughafen. El-Mikrahi und Fuheima führten bei dieser Gelegenheit einen großen, braunen Hartschalenkoff er der Marke Samsonite mit
sich.
Schottische Ermittler fanden heraus, daß Kleidungsstücke in dem Koffer mit dem Sprengsatz
aus einem maltesischen Bekleidungsgeschäft
stammten. Ein Libyer hatte diese Kleidungsstücke einige Wochen vor dem Anschlag, wahrscheinlich am 7. Dezember 1988, erworben.
Ankunftsformulare des Flughafens zeigen, daß
sich el-Mikrahi am 7. Dezember 1988 in Malta
aufhielt.
Im Februar 1991 wurde el-Mikrahi als dem Libyer ähnelnd beschrieben, der die Kleidung
gekauft hatte.
Die Einfügung. Unterlagen des Frankfurter Flughafens vom 21. Dezember zufolge wurde ein unbegleitetes Gepäckstück mit Flug 180 der Air Malta (KM 180)
vom Flughafen Luqa in Valletta nach Frankfurt transportiert und dort in den Zubringerflug für Pan Am 103
umgeladen. Die Beweise deuten darauf hin, daß ein
korrekt ausgefüllter Gepäckanhänger der Air Malta
den Koffer mit dem Sprengsatz zum John F. KennedyFlughafen in New York via Pan Am 103 dirigiert haben
würde. Die folgenden Beweise bringen el-Mikrahi und
Fuheima unmittelbar mit diesem Verfahren in Verbindung:
Fuheimas Terminkalender enthält einen Erinnerungsvermerk für den 15. Dezember 1988, demzufolge Gepäckanhänger der Air Malta abgeholt
werden sollten - eine Verletzung von Bestimmungen des Flughafens und der Fluggesellschaft. Andere Eintragungen deuten darauf hin,
daß Fuheima seinen Auftrag erfüllte.
Gemäß Aufzeichnungen und Aussagen von
Mitarbeitern des Flughafens Luqa wurde das
Gepäck für Flug KM 180 etwa zur selben Zeit
abgefertigt wie ihre Gepäckstücke für einen
Flug der Libyan Arab Airlines (LN 147) nach
Tripolis.
El-Mikrahi - immer noch unter falschem Namen
reisend - ging am Morgen des 21. Dezember
1988 an Bord von LN 147, demselben Morgen,
an dem der Sprengsatz unter das Gepäck von
KM 180 geschmuggelt wurde. El-Mikrahis
Rückflug nach Libyen wurde am selben Schalter
abgefertigt wie KM 180, und die Abfertigungszeiten für beide Flüge überschnitten sich.
Der Zeitzünder. Das Fragment eines zu dem Sprengsatz in Pan Am 103 gehörenden Schaltkreises war Teil
eines hochmodernen Zeitzünders des Typs, den senegalesische Beamte im Besitz zweier im Februar 1988
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festgenommener libyscher Teroristen fanden. Die als
MST-13 gekennzeichneten Zeitzünder wurden von
Meister et Bollier (MEBO), einer schweizerischen
Elektronikfirma mit Sitz in Zürich hergestellt. Die
Zeitzünder des Typs MST-13 sind einmalig. MEBO
war der alleinige Hersteller. Alle produzierten Zeitzünder dieses Typs wurden nach Libyen geliefert.
MEBO lieferte der Libyschen Organisation für Äußere
Sicherheit (ESO, auch bekannt unter dem Namen
Jamahirya Security Organisation - JSO) Ende 1985 20
MST-13 Zeitzünder. Danach wurden keine Geräte
dieses Typs mehr hergestellt. Zwei Elektroingenieure
der ESO bestellten die Zeitzünder und nahmen sie in
Empfang: Izz Eidin Hinschiri, gegenwärtig Minister für
Komunikationswesen und Verkehr, und Sa'id Raschid.
El-Mikrahi ist ein naher Verwandter und alter Weggefährte von Sa'id Raschid. Zu dem Zeitpunkt als
Raschid die Zeitzünder in Empfang nahm, war elMikrahi sein direkter Untergebener.
El-Mikrahi mietete bei MEBO ein Büro und hielt sich im
Dezember 1988 zumindest zweimal kurz in Zürich auf.
Die Verantwortlichkeit der libyschen Regierung
Die Schlußfolgerung, daß die libysche Regierung den
Anschlag auf Pan Am 103 genehmigte, ergibt sich aus
der zentralen und andauernden Rolle Abd el-Bassit elMikrahis in libyschen Geheimdienstoperationen sowie
seiner engen Verbindung mit libyschen Regierungsvertretern, die Libyens Einsatz des Terrorismus als
Instrument staatlicher Politik in den vergangenen Jahren
durchgesetzt und geleitet haben. Die langjährige
Laufbahn dieser Vertreter deutet darauf hin, daß die
libysche Regierung ihre Operationen, Taktiken und
Ziele ständig unterstützt hat.
El-Mikrahis nachrichtendienstliche Aufgaben. Abd
el-Bassit el-Mikrahis tiefe Verstrickung in die sicherheitsempfindlichsten und vordringlichsten Beschaffungsoperationen Libyens zeigt, daß er das volle Vertrauen
der libyschen Führung besaß. Wir gehen davon aus,
daß ihm seine Kontakte und Erfahrung in den Bereichen Zivilluftfahrt, Speditionswesen und Betrieb kleiner Unternehmen auch eine intakte Infrastruktur lieferten, um die Durchführung des Sprengstoffanschlags
auf Pan Am 103 zu unterstützen.
El-Mikrahi ist ein ranghoher Mitarbeiter des Nachrichtendienstes mit engen Verbindungen zum militärischen Beschaffungsapparat Libyens sowie zur ESO.
Im Jahr 1987 wurde er Direktor des Zentrums für
strategische Studien (CSS), einer Einheit, die dem
ESO und dem Ministerium für militärische Beschaffungen durch verschiedene Aktivitäten zuarbeitete, darunter
Beschaffung chemischer Grundstoffe für Chemiewaffen. Ein in Deutschland im Jahr 1988
tätiger Untergebener el-Mikrahis spielte eine

AMERIKA DIENST 47

�wichtige Rolle bei der Beschaffung und Lieferung chemischer Grundstoffe für C-Waffen nach
Libyen. El-Mikrahi wird auch mit einem führenden Manager des libyschen C-Waffenprogramms
in Verbindung gebracht;
Beschaffung von Flugzeugen und Flugzeugteilen für das libysche Militär und die LAA. Badri
Hassan, ein weiterer enger Mitarbeiter el-Mikrahis, gehört zu Libyens führenden Experten zur
Umgehung amerikanischer Embargobestimmungen, die den Verkauf amerikanischer Technologie und Flugzeugteile an Libyen verbieten;
Unterstützung libyscher Bemühungen, lateinamerikanische Terrorgruppen für sich zu gewinnen oder zu fördern. Unter der Führung elMikrahis hat das CSS anderen nach außen
tätigen libyschen Dienststellen geholfen, indem
es Propagandakampagnen beisteuerte, Informationen über die Haltung radikaler Gruppen
sammelte und die nachrichtendienstliche oder
operative Eignung von Arabern bewertete, die in
Zielländern ansässig waren;
Gründung von Reisebüros und anderen Tarnunternehmen, um Reisen sowie die Bewegung
von Gerät und Personal zu erleichtern, eine
Tätigkeit, die unserer Auffassung nach sowohl
die Beschaffungs- als auch Beeinflussungsprogramme des CSS und anderer libyscher Geheimdienstelemente unterstützte.
Zu den hochrangigen Libyern, die eng mit el-Mikrahi
und anderen an diesen Aktivitäten beteiligten Vertretern des CSS zusammenarbeiteten, gehören:
Oberst Rifi Ali el-Scherif, ein hoher libyscher
Offizier, der eine prominente Rolle bei den Beschaffungsbemühungen Libyens spielt. Oberst
el-Scherif, der Mentor und Förderer von Badri
Hassan, hat angeblich die Bemühungen elMikrahis und Badri Hassans zur Beschaffung
amerikanischer Flugzeuge über Benin in den
Jahren 1986 und 1987 unterstützt und die Gründung eines Reisebüros als gemeinsames Unternehmen von CSS/militärischer Beschaffung
in Osteuropa gefördert.
Sa'id Raschid, der im Jahr 1988 den Spezialisten el-Mikrahis in Deutschland für die Beschaffung chemischer Grundstoffe zur C-Waffenproduktion bezahlte und anleitete.
Die terroristischen Aktivitäten von el-Mikrahi
El-Mikrahis Position und Kontakte im libyschen Geheimdienstapparat machen ihn zu einem festen Mitglied im Lager seines Vetters ersten Grades Sa'id
Raschid - einem führenden Planer und Vollstrecker der

AMERIKA DIENST 47

terroristischen Maßnahmen Libyens und mächtigem
Mitglied im inneren Kreis der libyschen Führung. Vor
seinem Amtsantritt als Direktor des CSS zu Beginn
des Jahres 1987 war el-Mikrahi mindestens zwei Jahre
lang ESO-Leiter für Flugsicherheit und dabei unmittelbar Raschid unterstellt, der im Jahr 1986 Operationsleiter der ESO war.
El-Mikrahi führte seine terroristischen Aktivitäten auch
nach seinem Dienstantritt als Leiter des CSS fort. Im
Jahr 1988
traf sich el-Mikrahi in Malta mit einer Gruppe
libyscher Agenten, die eine Reise in den Tschad
zur Durchführung einer nicht bekannten Operation planten. Abdallah Senussi, der neuernannte Operationsleiter der ESO befahl der Gruppe,
die Operation abzubrechen, da sie nicht in der
Lage war, die notwendigen Flugverbindungen
herzustellen. Senussi ist einer von vier Libyern,
gegen die von Frankreich am 30. Oktober 1991
wegen des Bombenanschlags auf den Flug
UTA 772 im September 1989 Anklage erhoben
wurde. Die Maschine war nach dem Abflug aus
Ndjamena explodiert.
traf er sich mit griechischen Waffenhändlem
und interessierte sich dabei für den Ankauf von
1.000 Briefbomben und damit zusammenhängendem Gerät.
Sa'id Raschid und die libyschen
Terroroperationen
Sa'id Raschid hat kontinuierlich libysche Bemühungen
zur Durchführung terroristischer Aktionen gegen
amerikanische Interessen in den frühen achtziger Jahren
geleitet. Raschid genießt seit langem bevorzugten
Zugang zu den höchsten Ebenen der libyschen Regierung und ist an einem breiten Spektrum nachrichtendienstlicher Aktivitäten beteiligt. Er ist ranghohes
Mitglied des Büros der Revolutionskomitees, das die
Ausführung der radikalen Politik der libyschen Regierung im In- und Ausland überwacht.
Raschid stieg zwischen 1980 und 1985 rasch in den
Rängen der ESO und im Apparat der libyschen Revolutionskomitees auf, indem er sich aggressiv für die
Programme der libyschen Regierung zur Ermordung
von Dissidenten sowie die terroristischen und subversiven Aspekte der libyschen Afrikapolitik engagierte.
Ein italienisches Gericht verurteilte Raschid in Abwesenheit zu lebenslanger Haft wegen seiner Führung
eines Teams, das im Juli 1980 einen Exil-Libyer in
einem Mailänder Bahnhof ermordete. Dieser Mord
war einer unter vielen im Rahmen einer Kampagne
gegen Dissidenten, die in ganz Westeuropa stattfand
und von Raschid zumindest bis 1985 geleitet wurde.

Seite 3

�Im Oktober 1980 führte Raschid eine Gruppe
nach Togo, die die Ermordung des Präsidenten
von Tschad, Hissan Habre, plante.
Im Jahr 1983 inhaftierte Libyen widerrechtlich
37 französische Staatsbürger und übte damit
erfolgreichen Druck auf Frankreich zur Freilassung Raschids aus, der in Paris verhaftete
worden war und auf die Auslieferung nach Italien wegen der Mordanklage in Zusammenhang
mit dem Mord in Mailand von 1980 wartete.
Raschid begann Ende 1981, Anschläge speziell gegen
amerikanische Interessen durchzuführen, als er die
operative Gesamtverantwortung für die libyschen
Bemühungen zum Sturz des sudanesischen Regimes
von Dschaf ar Numeiri übernahm, der damals ein enger
Verbündeter der Vereinigten Staaten war. In dieser
Zeit zeichneten Raschid und seine Untergebenen für
Ausbildung, Ausrüstung und Anleitung sudanesischer
Terroristen verantwortlich, die versuchten, Sprengstoffanschläge gegen amerikanische Interessen durchzuführen, wobei sie verschiedentlich getarnte Sprengsätze mit "Decade"-Zeitzündern sowie Semtex-H
benutzten. Decade-Zeitzünder waren in den frühen
achtziger Jahren typisch für libysche und von Libyen
unterstützte Terroristen.
Eine dieser Bomben, die in einer Stange Zigaretten
untergebracht war, wurde beim gescheiterten Sprengstoffanschlag auf einen Pan Am-Flug im Dezember
1983 benutzt. Der Terrorist versuchte damals, ein
unbegleitetes Gepäckstück auf einen Alitalia-Flug von
Istanbul nach Rom einzuchecken. Das Gepäckstück,
das von türkischen Sicherheitskräften aufgrund verstärkter Sicherheitsmaßnahmen entdeckt wurde, war
mit einem Gepäckanhänger ausgestattet, der es auf
einen Pan Am-Flug von Rom nach New York geleitet
hätte, was in etwa dem Verfahren entsprach, das im
Fall von Pan Am 103 erfolgreich angewendet wurde.
Raschid spielte weiterhin eine Schlüsselrolle bei der
libyschen Planung von Anschlägen auf amerikanische
Interessen, nachdem die Spannungen zwischen beiden Ländern Mitte der achtziger Jahre zugenommen
hatten.
Raschids Agenten begannen mit Planungen für
einen Anschlag auf amerikanische Einrichtungen in der Türkei im Jahr 1986, die in dem
gescheiterten Sprengstoffanschlag auf den
amerikanischen Offiziersclub in Ankara Ende
April 1986 gipfelten. Der Offizier des libyschen
Nachrichtendienstes, der die Operation in der
Türkei leitete, benutzte eine Tätigkeit bei der
LAA als Deckmantel.
Raschid beauftragte mehrere Palästinenser,
Anschläge auf amerikanische Einrichtungen in
Deutschland zu verüben, und er leitete den
Sprengstoffanschlag auf die Diskothek La Belle

Seite 4

in Berlin. Dem Sprengsatz von La Belle, der
besonders amerikanische Soldaten und deren
Angehörige töten sollte, fielen drei Personen,
darunter zwei Amerikaner, zum Opfer.
Am Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf die
Diskothek La Belle reiste Raschid nach Khartum, wo er die Arbeit mit sudanesischen Oppositionellen weiterführte. Raschid hielt sich am
15. April 1986 in Khartum auf, als ein Mitarbeiter
der amerikanischen Botschaft als Vergeltung
auf den amerikanischen Bombenangriff gegen
Libyen vom selben Tag schwer verletzt wurde.
• Raschid gehörte zu den libyschen Ingenieuren,
die der schweizerischen Firma MEBO die Spezifikationen für den Bau des Zeitzünders lieferten, der bei Pan Am 103 benutzt wurde. Darüber hinaus demonstrierte er vor palästinensischen Rekruten eine von MEBO hergestellte
femgesteuerte Aktentaschenbombe.
Beide im Senegal mit dem MEBO-Zeitzünder
festgenommenen Libyer waren seit Anfang der
achtziger Jahre Raschids Untergebene.
Anfang 1987 beförderte die libysche Regierung Raschid von der ESO zum Leiter der Libyan Electronics
Company, die tief in Technologietransfer und andere
Beschaffungsaktivitäten verstrickt ist. Gleichzeitig
ernannte die libysche Regierung el-Mikrahi zum Leiter
des Zentrums für strategische Studien. Wir gehen
davon aus, daß die beiden Cousins ihre Aktivitäten im
Zuge ihres zunehmenden Engagements für Beschaffungsprogramme weiter koordinierten - wie im Falle
ihrer gemeinsamen Führung von el-Mikrahis Beschaffungsspezialisten für chemische Waffen in Deutschland.
El-Mikrahis andere Vorgesetzte. Als Direktor des
CSS war el-Mikrahi den folgenden prominenten Libyern entweder unterstellt, oder er unterhielt direkte
Kontakte zu ihnen.
ESO-Direktor Ibrahim el-Bischari benutzte das Büro
el-Mikrahis bei der MEBO in Zürich als Adresse und
behauptete, daß el-Mikrahi ihm als Direktor des CSS
unmittelbar unterstellt war. El-Bischari ist gegenwärtig
libyscher Außenminister und hat angeblich weiterhin
seinen Posten beim Nachrichtendienst inne.
Im Herbst 1988 war Abdallah el-Senussi el-Mikrahis
unmittelbarer Vorgesetzter bei der ESO. El-Mikrahi
war ein Terrorist, der beim CSS für Senussi arbeitete.
El-Senussi gehört zu den wichtigsten nachrichtendienstlichen Mitarbeitern der libyschen Regierung. Über
Jahre hinweg genehmigte, leitete und finanzierte er
eine Reihe libyscher Terroraktionen. Die französische
Justiz hat wegen des Sprengstoffanschlags auf UTA
772 vom September 1989 Anklage gegen el-Senussi
erhoben.

AMERIKA DIENST 47

�Nassir Ali Aschur wird sowohl mit el-Mikrahi als auch
den MEBO-Zeitzündern in Verbindung gebracht. Aschur,
der frühere Tests der Zeitzünder beaufsichtigte, mit
denen ihre vollständige Zerstörung bei einer Detonation sichergestellt werden sollte, wurde zwei Tage vor
dem Sprengstoffanschlag auf Pan Am 103 in el-Mikrahis Haus gesehen. Maltesische Einreiseformulare und
eine amerikanische nachrichtendienstliche Quelle
bestätigen außerdem, daß sich Aschur und el-Mikrahi
Anfang Oktober 1988 in Malta trafen und die beiden im
August 1987 gemeinsam von Zürich nach Malta reisten. Aschur ist den Franzosen zufolge der Verschwörung mitschuldig, da er massive libysche Waffenlieferungen - darunter Tonnen von Semtex-H - an die
Provisional Irish Republican Army organisierte.
Abdallah Mahmud Hidschasi ist wahrscheinlich ebenfalls ein wichtiger Kontaktmann el-Mikrahis, obwohl wir
keine konkreten Beweise für eine direkte Verbindung
besitzen. Hidschasi, Raschids langjähriger Förderer,
war bis 1986 Direktor des libyschen Ministeriums für
militärische Beschaffungen. Im Jahr 1988 war er
angeblich führend an der Organisierung libyscher
subversiver Operationen in Westafrika und im Tschad
beteiligt.
Ibrahim Najili, den die Franzosen am 30. Oktober 1991
wegen seiner Beteiligung am Sprengstoff anschlag auf
UTA 772 anklagten, wurde von mehreren Quellen als

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AMERIKA DIENST 47

*

der ESO-Vertreter in Athen identifiziert, der potentielle
Lieferanten für Waffen und Flugzeugteile mit el-Mikrahi zusammenbrachte. El-Najili wurde Mitte 1989 ESOLeiter für Flugsicherheit. El-Mikrahi hatte dieselbe
Position inne bevor er Direktor des CSS wurde.
Der historische Kontext
Vorhergehend wurden die libyschen Verbindungen zu
Pan Am 103, die beteiligten Personen sowie die zentrale Rolle dieser Personen bei terroristischen und
nachrichtendienstlichen Programmen der libyschen
Regierung beschrieben. Die Verwicklung der libyschen Regierung in den Terrorismus beginnt jedoch
nicht mit der Zerstörung von Pan Am 103 und endet
damit auch nicht. Wir haben ein konsequentes Muster
eines von Libyen geförderten Terrorismus festgestellt,
das auch nach dem blutigen Anschlag auf Pan Am 103
bis heute andauert. Dieses Muster entkräftet jedes
Argument, Pan Am 103 sei eine Einzeloperation
gewesen, die nicht die Zustimmung höchster libyscher
Stellen genossen habe. Eine so wichtige Operation
konnte nicht ohne die Zustimmung der höchsten Ebenen
der libyschen Regierung durchgeführt werden.
Zahlreiche weitere von Libyen geförderte Terroranschläge werden in öffentlich zugänglichen Weißbüchern erläutert, die vom US-Außenministerium Mitte
November 1991, im August 1990, Januar 1989 und
1986 veröffentlicht wurden.
*

*

Seite 5

�TERRORISMUS
27. November 1991

LIBYEN WEITERHIN FÜR TERRORAKTE
VERANTWORTLICH
Broschüre des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) -Nachfolgend veröffentlichen wir die vom US-Außenministerium im November 1991
herausgegebene Broschüre "Libyen weiterhin für Terrorakte verantwortlich".

Einleitung
Dieses Weißbuch soll den Kontext für die Beschuldigungen der amerikanischen und schottischen Behörden gegen libysche Staatsbürger wegen der Bombenexplosion bei Flug 103 der Pan Am im Dezember 1988
liefern. Zu diesem Zweck wird die Haltung der Regierung Gaddafi gegenüber Terrorismus und die libysche
Verantwortung für Terroranschläge dargelegt.
Anhand von Analysen des libyschen Verhaltens über
viele Jahre hinweg, auf der Grundlage der Ermittlungen der Bombenexplosion während Flug 103 der Pan
Am seit 1988, aufgrund der Struktur des libyschen
Regimes und der Beziehungen zwischen führenden
Vertretern dieses Regimes gelangen wir zu der Schlußfolgerung, daß die Bombenexplosion bei Flug 103 der
Pan Am kein Zufall sondern eine von der libyschen
Regierung autorisierte Aktion war. Libyens Unterstützung des Terrorismus begann in den frühesten Tagen
des Gaddafi-Regimes. Bereits 1972 bot der libysche
Revolutionsführer Muammar Gaddafi extremistischen
Bewegungen seine Hilfe an - einschließlich der Provisional Irish Republican Army und der Black PowerBewegung in den Vereinigten Staaten - sowie Unterstützung für alle Gruppen im Nahen Osten, die zu
einem Angriff auf Israel bereit seien. 1973 entsandte
Gaddafi Terroristen nach Italien, um ein israelisches
Flugzeug abzuschießen, und bereits 1975 befahl er
die Ermordung libyscher im Ausland lebender Systemkritiker. Obwohl Dissidenten traditionell kaum - wenn
überhaupt - eine Bedrohung für Gaddafis Herrschaft
darstellten, konzentrierte sich der libysche Revolutionsführer auf deren Beseitigung. Die Ermordungen
fanden Anfang und Mitte der achtziger Jahre statt und
dazu zählten zwei Attentate (eines davon erfolgreich)
auf libysche Studenten in den Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 47

Die libysche Beteiligung an und die Unterstützung von
Terrorakten expandierte Anfang der achtziger Jahre.
Tripolis stellte Pässe für Mitglieder der Abu Nidal
Organisation (ANO) aus, die im Dezember 1985 einen
Anschlag auf einen Ticketschalter der El AI im Wiener
Flughafen verübten. Auch die Bombenexplosion in der
Berliner Diskothek La Belle, bei der im April 1986 drei
Menschen einschließlich zwei amerikanischer Soldaten getötet wurden, geschah mit libyscher Hilfe.
Über Jahre hinweg, selbst als libysche Agenten und
ihre Handlanger Terroranschläge planten und ausführten, suchte Gaddafi regelmäßig die internationale
Besorgnis durch die öffentliche Verurteilung des Terrorismus zu beschwichtigen. 1977 plante Gaddafi
beispielsweise die Ermordung eines amerikanischen
Botschafters, nachdem er gerade Präsident Carter
versichert hatte, er sei um gute Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten bestrebt. Darüber hinaus gab
Gaddafi regelmäßig öffentliche Dementis seiner Beteiligung an Terrorakten heraus, während sein Nachrichtenapparat Terroranschläge vorbereitete.
Die libyschen Aktionen waren nicht auf israelische und
westliche Ziele begrenzt. Mitte der achtziger Jahre
unterstützte Libyen Anschläge auf den ägyptischen
Staatspräsidenten Mubarak, den ehemaligen Präsidenten des Sudan, Numeiri, den Präsidenten von Zaire, Mobutu, den ehemaligen tunesischen Präsidenten
Bourguiba und den ehemaligen Präsidenten des Tschad,
Habre. Abgesehen von Terroranschlägen und der
Unterstützung von Terrorakten hat Gaddafi immer
wieder versucht, Regierungen in Afrika, Asien und
Lateinamerika zu unterwandern.

Seite 1

�Die Bilanz der vergangenen fünf Jahre
Der Luftangriff der Vereinigten Staaten auf Libyen
1986 sowie zunehmender internationaler Druck haben
Tripolis' Unterstützung des Terrorismus nicht beendet.
Nach dem Luftangriff begann Gaddafi Scheinfirmen
und andere Organisationen einzusetzen, um die libysche Handschrift zu vertuschen. Darüber hinaus
unternahm Gaddafi besondere Anstrengungen, die
libysche Beteiligung an Terroranschlägen zu verschleiern, um Libyens Wirtschaftsbeziehungen mit seinen
afrikanischen Nachbarn und den führenden europäischen Handelspartnern nicht aufs Spiel zu setzen. Die
Libyer unterstützten unmittelbar nach dem amerikanischen Luftangriff vom April 1986 eine Reihe von
Operationen gegen die Vereinigten Staaten. Tripolis
war verantwortlich für die Schüsse auf einen Mitarbeiter der Amerikanischen Botschaft am 15. April 1986 im
Sudan und für die Schüsse auf einen anderen Botschaftsangehörigen in Sanaa (Nordjemen) am 25.
April 1986. Ferner wurden am 18. April 1986 zwei
Libyer bei dem Versuch festgenommen, einen Anschlag auf den amerikanischen Offiziersclub in Ankara
mit Granaten zu verüben, die sie vom dortigen libyschen Volksbüro erhalten hatten. Die Libyer gestanden, es sei ihnen befohlen worden, der Anschlag
müsse so viele Tote und Verwundete wie möglich zur
Folge haben, insbesondere Frauen und Kinder.
Unseres Erachtens war Libyen verantwortlich für die
Explosion bei Flug 103 der Pan Am am 21. Dezember
1988 über Lockerbie in Schottland, und in frühere
Terroranschläge auf der ganzen Welt verwickelte
hochrangige Regierungsvertreter bereiteten die Operation vor. Gerichtsgutachten zufolge konnte der
Zünder der Bombe nur aus libyschen Beständen stammen, und ein Vertreter der libyschen Fluggesellschaft
Libyan Arab Airlines konnte dank seines Rangs die
Sicherheitskontrollen in Malta umgehen, um die Operation zu unterstützen.
In den vergangenen Jahren hat Libyen palästinensische Terroristen unterstützt und ihnen geholfen, Anschläge gegen israelische und westliche Ziele auszuführen:
Im Mai 1990 versuchten Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF) einen Seeangriff auf Israel. Die Operation scheiterte, 4
Terroristen wurden getötet und 12 festgenommen. Libyen bildete die Gruppe aus und stellte
modernes Gerät, Waffen und das Schiff für die
Operation zur Verfügung.

Libyen sieht in Afrika ein attraktives Umfeld für seine
Operationen und ist verantwortlich für mehrere Anschläge dort:
Am 30. Oktober 1991 erließ ein französischer
Richter internationale Haftbefehle, in denen vier
libysche Regierungsvertreter der Beteiligung an
der Bombenexplosion während des UTA-Flugs
772 im September 1989 beschuldigt wurden.
Im März 1990 wurden libysche Diplomaten nach
einer Bombenexplosion im Hilton Hotel in Addis
Abeba - dem offensichtlichen Versuch, den dort
logierenden israelischen Botschafter zu töten ausgewiesen.
Im Februar 1988 wurden zwei bekannte Terroristen in Dakar (Senegal) festgenommen, die
sich im Besitz von Sprengstoff und Waffen
befanden.
Im Oktober 1987 explodierte eine Bombe im
Büro von World Vision, einer privaten Hilfsorganisation, die in Moudou im Tschad tätig ist.
Nach Cotonou (Benin) entsandte libysche Diplomaten unterstützten die Terroristen, die den
Anschlag verübten.
Im März 1987 explodierte eine Bombe im Cafe
"L'Historil" in Dschibuti, wobei 11 Menschen
verletzt und 50 verwundet wurden. Die Libyer
befahlen einer Palästinensergruppe, der Volkskampffront, den Anschlag auszuführen, andenfalls würde ihnen Tripolis' finanzielle Unterstützung entzogen.
Die Libyer unterstützen Terroristengruppen in Europa,
insbesondere die Provisional Irish Republican Army
(PIRA), die Oberst Gaddafi als populäre nationale
Befreiungsbewegung bezeichnet. Mitte der achtziger
Jahre versorgte Libyen die Gruppe mit Waffen. Die
libysche Handschrift wurde im Oktober 1987 offenkundig, als französische Behörden den Frachter "Eksund"
vor der Küste Frankreichs abfingen und 150 Tonnen
für die PIRA bestimmte Waffen und Sprengstoff beschlagnahmten. Libyen hat die PIRA auch finanziell
unterstützt.
Seit April 1986 habe libysche Mörder drei in Griechenland, Italien und Frankreich ansässige libysche Dissidenten und Gaddafi-Gegner ermordet. Tripolis hat
nach wie vor andere im Exil lebende vermeintliche
"Gegner" der libyschen Regierung im Visier.
Derzeitige Unterstützung des Terrorismus

Im Juli 1988 griffen Angehörige der ANO das
griechische Kreuzfahrtschiff 'The City of Porös"
an, wobei neun Menschen getötet und über 100
verletzt wurden. Libyen stellte die bei der
Operation verwendeten Waffen zur Verfügung.

Seite 2

Trotz der Bestebungen der internationalen Staatengemeinschaft ist die libysche Beteiligung an Terrorakten
noch immer umfangreich. Tripolis ist einer der größten
Geldgeber für Terroristen weltweit und gestattet Terrorgruppen weiterhin, in Lagern in Libyen zu operieren.

AMERIKA DIENST 47

�Im Nahen Osten unterstützen die Libyer ein breites
Spektrum von Terrorgruppen:
Die ANO - die über 100 Terroranschläge ausgeführt hat und auf deren Konto seit ihrer Gründung der Tod von über 280 Menschen und
mindestens 650 Verletzte gehen - erhält weiterhin beträchtliche libysche Unterstützung. Die
Gruppe hat ihr Hauptquartier in Tripolis, und
Libyen stellt der ANO Ausbildungseinrichtungen und mehrere Millionen Dollar jährlich zur
Verfügung.
Gaddafi hat für Ahmed Dschebrils Volksfront
zur Befreiung Palästinas - Generalkommando
1990 über 1 Million Dollar bereitgestellt. Die
Gruppe war verantwortlich für Bombenexplosionen in zwei amerikanischen Militärzügen in
Deutschland in den Jahren 1987 und 1988.
Teile der PLF sind weiterhin in Libyen stationiert
und erhalten finanzielle und logistische Unterstützung von der libyschen Regierung. Auf das
Konto der Gruppe geht eine lange Liste von
Terroranschlägen, einschließlich der Entführung
des Kreuzfahrtschiffes "Achille Lauro" im Oktober 1985, die die Ermordung eines an den
Rollstuhl gefesselten amerikanischen Passagiers zur Folge hatte sowie der bereits erwähnte
Anschlag auf einen Strand in Tel Aviv.
Libyen finanziert außerdem Sa'ika und Elemente des palästinensischen Islamischen Heiligen
Kriegs.
Libyen unterstützt gezielt ausgewählte Nichtpalästinensergruppen. Das Hauptkriterium scheint das Ausmaß
zu sein, in dem eine Gruppe ihre Fähigkeit und Bereitschaft zum Angriff auf die Feinde Libyens weltweit
demonstriert, einschließlich amerikanischer und westlicher Ziele.
In Europa unterhält Libyen Beziehungen zur PIRA,
trotz Gaddafis Behauptung Anfang dieses Jahres,
seine Unterstützung für diese Gruppe eingestellt zu
haben. Die Libyer haben Kontakte zu der kurdischen
Separatistengruppe PKK, die zahlreiche Terroranschläge gegen türkische Ziele ausgeführt hat.
Ein Hauptempfänger der libyschen Finanzhilfe in Asien
ist die Kommunistische Partei der Philippinen (CPP)
und ihr militärischer Flügel, die Neue Volksarmee
(NPA), die seit 1987 10 Amerikaner getötet hat. Die
Libyer haben der CPP und der NPA seit 1987 mindestens 7 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.
In Lateinamerika versuchen die Libyer weiterhin,
Gruppen ausfindig zu machen, die zur Ermordung von
Amerikanern bereit sind. Im vergangenen Jahr bezahlte Tripolis der haitianischen Befreiungsorganisation beispielsweise über 20.000 Dollar, um einen
Anschlag auf die Amerikanische Botschaft in Port-au-

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Prince zu verüben. Die Mission der Gruppe scheiterte
jedoch. Libyen hat erfolglos versucht, die Nationale
Befreiungsfront Farabundo Marti in El Salvador zu
rekrutieren, um gegen Geld anitwestliche Anschläge
durchzuführen.
Die Libyer haben femer Kontakte mit anderen Terrorgruppen in der Region unterhalten, einschließlich der
costaricanischen patriotischen Organisation Juan Santa
Maria, der revolutionären Bewegung Tupac Amaru in
Peru sowie der patriotischen Front Manuel Rodriguez
in Chile.
Das Antiimperialistische Zentrum (AIC) - auch unter
dem Namen Mathaba bekannt - wird von der libyschen
Regierung zur Unterstützung des terroristischen Netzes benutzt und spielt daher eine wichtige Rolle in
Gaddafis Terrorismusstrategie. 1982 zur Unterstützung von "Befreiungs- und Revolutionsgruppen" gegründet, hat das AIC eine Reihe von offenkundig
antiwestlichen Konferenzen in Tripolis veranstaltet.
Gleichzeitig hat das AIC den Auftrag, Revolutionäre für
ideologische und militärische Ausbildung in Libyen
auszumachen und zu rekrutieren. Während ihrer
Ausbildung in AlC-Lagern werden bestimmte Personen weiter ausgebildet, etwa im Umgang mit Waffen
und Sprengstoff sowie Indoktrinierung.
Das AIC wird von Mussa Kussa geleitet, einem Vertrauten Gaddafis, der gleichzeitig der Stellvertretende
libysche Außenminister ist. Mit Vertretern in zahlreichen libyschen Botschaften weltweit, betreibt das AIC
unabhängig verdeckte Operationen und verteilt Gelder
an terroristische, Rebellen- und subversive Gruppen.
Ausbildung
Oberst Gaddafi bildet nach wie vor Terroristen und
systemkritische Organisationen aus dem Nahen Osten, Afrika, Asien und Lateinamerika in Lagern in Libyen, auch in Tripolis, aus. Zu den größten Ausbildungslagern zählen:
El Kalah. Ungefähr 100 Kilometer südwestlich
von Tripolis gelegen, ist El Kalah die wichtigste
ANO-Einrichtung in Libyen. Im vergangenen
Jahr hat die ANO das Lager beträchtlich erweitert.
Ausbildungslager7. April. Rund 9 Kilometer von
Tripolis entfernt, werden in dieser Einrichtung
Afrikaner und Lateinamerikaner sowie libysche
Militärs in Terrorismus und Subversion ausgebildet.
Hafenanlage Sidi Bilal. Die Terroristen, die den
Seeangriff gegen Israel vom Mai 1990 verübten,
wurden hier ausgebildet.
Bin Ghaschir. Unmittelbar südlich von Tripolis
geigen, werden in dieser Einrichtung Systemkritiker aus Afrika, Asien und Lateinamerika in
Terror- und Guerillataktiken ausgebildet.
Seite 3

�Ras el Hilal. In dieser Einrichtung wurden
palästinensische Terroristen ausgebildet.
Perspektiven für terroristische Beteiligung
Terrorismus ist ein wichtiges Instrument der libyschen
Außenpolitik. Libyen wird stets Terrorakte zur Durchsetzung seiner Ziele einsetzen, insbesondere wenn
Oberst Gaddafi der Auffassung ist, seine Beteiligung
plausibel dementieren zu können. Gaddafis Einsatz
und Unterstützung von Terroranschlägen als politisches Instrument strafen seine Bemühungen Lügen,
die Welt glauben machen zu wollen, er unterstütze
keine Terrorakte. Die für Terroranschläge verantwortlichen libyschen Regierungsvertreter sind weiterhin in
hochrangigen Ämtern. Im vergangenen Jahr benannte Gaddafi Ibrahim Bischari, den Leiter des libyschen
Nachrichtendienstes und Hauptdrahtzieher bei libyschen Terroranschlägen in den achtziger Jahren zum
libyschen Außenminister.
Gaddafi und Entführungen
Daß Gaddafis Erklärungen nur Worthülsen sind, wird
am besten durch Libyens andauernde Beteiligung an
Entführungen illustriert, obgleich er dies stets weit von
sich weist. 1978 entführten libysche Agenten des
Nachrichtendienstes Imam Mussa Sadr, den geistigen
Führer der libanesischen Schiiten unmittelbar nach
dessen Ankunft in Tripolis. Mussa Sadr starb in der
libyschen Gefangenschaft. Während der achtziger
Jahre dementierte Gaddafi öffentlich die illegale Festsetzung von Geiseln durch Extremistengruppen im
Libanon. Dennoch bezahlte und veranlaßte Libyen im
April 1986 die Ermordung von drei westlichen Geiseln
im Libanon, unter anderem des Amerikaners Peter
Kilburn. Im November 1987 entführte die Abu Nidal
Organisation (ANO) die Jacht "Silco" in internationalen
Gewässern. Die Geiseln - belgische und französische
Staatsbürger - wurden nach und nach freigelassen,
die letzte erst im Januar 1991. Die Jacht wurde auf
Anweisung des libyschen Nachrichtendienstes von
Elementen der ANO entführt und einige der Geiseln
wurden sogar auf libyschem Boden festgehalten.
Vergleich zwischen Gaddafis öffentlichen
Erklärungen zu Terrorismus und den Tatsachen
Behauptung: Libyen "lehnt Terrorakte einschließlich der Ermordung von friedlichen, unschuldigen alten Männern, Frauen oder Kindern weltweit ab, sei es an Bord eines Flugzeugs oder
andernorts". Inlandsdienst Tripolis, 5. September 1986.
Tatsache: Libyen stellte der Abu Nidal Organisation finanzielle und logistische Unterstützung
für die Entführung der Pan Am Maschine auf
dem Flug 073 nach Karatschi in Pakistan zur

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Verfügung, bei der 21 Passagiere getötet und
120 verwundet wurden. 5. September 1986.
Behauptung: Libyen leugnet die Beteiligung der
Provisional Irish Republican Army (PIRA) an
dem Bombenanschlag in Enniskillen (Nordirland), bei dem 11 Menschen starben und 65
verletzt wurden. JANA, 10. November 1987.
Tatsache: Französische Behörden fangen am
31. Oktober 1987 ein Schiff mit 150 Tonnen
Waffen und Sprengstoff ab, das von der libyschen Regierung bereitgestellt wurde und für
die PIRA in Irland bestimmt war. Vier frühere
Schiffsladungen gelangten erfolgreich an ihren
Bestimmungsort.
Behauptung: "Die große Dschamahiriah praktiziert weder Terrorismus, noch unterstützt sie
ihn". Oberst Gaddafi, 11. Februar 1988.
Tatsache: Am 21. Dezember explodierte die
Pan Am Maschine 103 über Schottland. Dabei
wurden 259 Personen an Bord und 11 Einwohner von Lockerbie getötet. Die libysche Beteiligung steht außer Frage.
Behauptung: Libyen "bekräftigt nach wie vor,
daß es Terrorismus öffentlich verurteilt und
ablehnt". JANA, 9. April 1989.
Tatsache: Auf Anweisung hochrangiger Regierungsvertreter in Tripolis verüben libysche
Agenten einen Sabotageakt gegen Flug 772 der
UTA. Die Maschine explodiert über Niger, wobei
alle 171 Menschen an Bord ums Leben kommen. 19. September 1989.
Behauptung: In Bezug auf den PLF-Anschlag
auf Israel erklärt Libyen, es "bestehe keine
Verbindung zwischen Libyen und dieser Operation". JANA, 6. Juni 1990.
Tatsache: Libyen hat den Anschlag der PLF auf
Israel vom 30. Mai 1990 materiell unterstützt,
der von der libyschen Küste aus verübt wurde,
indem es den Beteiligten umfangreiche Ausbildung, militärisches Gerät sowie Navigationsinstrumente zur Verfügung gestellt hat.
Behauptung: Gaddafi erklärt der ägyptischen
Presse im Juni 1991, daß "Abu Nidal überhaupt
nicht operiert. Die Welt hat seit Jahren nichts
mehr von ihm gehört... Abu Nidal ist nicht in
Libyen."
Tatsache: Die ANO hat weiterhin ihr Hauptquartier in Tripolis und von Abu Nidal selbst wei ß
man, daß er sich mit Oberst Gaddafi getroffen
hat. November 1991.

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�Die libysche Benutzung terroristischer
Frontorganisationen
Aufgrund der öffentlichen Bloßstellung der Rolle der
Libyschen Volksbüros im internationalen Terrorismus
zu Beginn der achtziger Jahre hat Libyen in den
vergangenen Jahren einige seiner terroristischen
Unterstützungsoperationen auf andere Institutionen
verlagert. Zu diesen Institutionen gehören die Islamic
Call Society, Studentenorganisationen und Freundschaftsgesellschaften sowie libysche Tarnunternehmen. Durch den Einsatz zahlreicher Organisationen
ist Libyen in der Lage, seine Aktivitäten selbst nach
Enttarnung einer Gruppe fortzusetzen.
Scheinfirmen bieten libyschen Agenten Deckmantel
und Täuschungsmöglichkeiten. Einige dieser Unternehmen wurden wahrscheinlich als legitime Firmen
gegründet und danach durch Erpressung zur Zusammenarbeit mit den libyschen Nachrichtendiensten
gezwungen. Die Scheinfirmen stellen in der Regel
eine Partnerschaft mit einheimischen Bürgern her, um
ihre Tarnung zu verbessern. Die Partner dieser Firmen wissen selten, daß sie es mit libyschen Geheimdienstagenten oder libyschen Geschäftsleuten zu tun
haben, die ihre Befehle von der libyschen Regierung
erhalten.
Zu den libyschen Scheinfirmen, die mit Sicherheit
mittelbar oder unmittelbar an terroristischen Operationen des vergangenen Jahrzehnts beteiligt waren,
gehören Exo-Commerce sowie Sarra oder Sarrah. So
hat zum Beispiel die in Benin ansässige Firma Sarrah
Ende der achtziger Jahre unter dem Deckmantel
"legitimer" Geschäftstätigkeit Waffen und Sprengstoff
für terroristische Aktionen in benachbarte afrikanische
Länder geschmuggelt. Eine weitere Tarnorganisation,
die Germa Shipping and Stevedoring Company mit
Sitz in Griechenland besaß das Schiff Tiny Star, das
am 30. Mai 1990 für einen Angriff der PLF auf Israel
benutzt wurde, der von einem libyschen Hafen ausgegangen war.
Darüber hinaus dienen weitere Unternehmen als
Handlanger des libyschen Nachrichtendienstes. Neutron
International wird von Musbah Warfalli geleitet, einem
Planer libyscher Anschläge auf libysche Dissidenten in
den frühen achtziger Jahren. Die Libyan Arab Foreign
Investment Company (LAFICO) befindet sich vollständig im Besitz des libyschen Staates und wird bisweilen
vom libyschen Nachrichtendienst als Tarnung eingesetzt. Die General Arab African Company ist eine
weitere Handelsfirma, die als Tarnunternehmen des
libyschen Nachrichtendienstes im gesamten Afrika
südlich der Sahara dient.
Selbst libysche Geschäftsleute, die nicht sofort mit
dem libyschen Geheimdienst oder einer Tarnfirma in
Zusammenhang gebracht werden, wurden für Operationen benutzt. So nahm zum Beispiel die Regierung

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des Tschad im Januar 1991 zwei sich als Geschäftsleute ausgebende libysche Agenten fest, die offenbar
versuchten, Sprengstoff nach Ndjamena zu schmuggeln. Wir haben Grund zu der Annahme, daß zahlreiche weitere libysche Geschäftsleute und Unternehmen weltweit Verbindungen zum libyschen Nachrichtendienst unterhalten.
Die im Staatsbesitz befindliche libysche Fluglinie Libyan Arab Airlines (LAA) bietet Passagier- und Frachtdienste nach Europa, Afrika und dem Nahen Osten an.
Obwohl ihre Aktivitäten an sich legitim sind, wurde die
LAA benutzt, um Waffen, Sprengstoff und Terroristen
zu transportieren. Zu den Libyern, die in Zusammenhang mit Waffenlieferungen an die PI RA von 1985 bis
1987 beschuldigt werden, gehört auch ein Mitarbeiter
der LAA. Ein LAA-Flug wurde im August 1986 bei der
Flucht von sechs Terroristen benutzt, die für den
Anschlag auf den britischen Stützpunkt in Akrotiri
(Zypern) am 3. August verantwortlich gemacht werden. Die sechs waren als Mitglieder der Besatzung
getarnt, und der Kapitän der Maschine machte den
Flughafenbehörden gegenüber falsche Angaben über
die Anzahl des Personals, um ihre Anwesenheit zu
vertuschen. Die Fluglinie ist weiterhin in einer guten
Position, um Anschläge zu unterstützen, insbesondere da mindestens 30 Prozent der im Ausland stationierten LAA-Mitarbeiter Agenten des libyschen Nachrichtendienstes sind.
Die von den Libyern zur Propagierung des Islam
geschaffene Islamic Call Society (ICS) wird für legitime
religiöse Zwecke eingesetzt, aber Gaddafi benutzt
daneben den philantropischen Ruf der Organisation,
um sein terroristisches Programm zu fördern. Das
ICS-Büro in Curacao unterstützte Separatisten, die in
Cayenne (Französisch Guayana) im Januar 1987 einen
Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude verübten. Während eines Großteils der achtziger Jahre
benutzte Tripolis das Büro der Call Society in Cotonou
(Benin) zur Rekrutierung und Finanzierung von Terroristen in der Region.
Die Libyer setzen ferner Reisebüros in der ganzen
Welt ein, um Reisen einheimischer Terroristen nach
Libyen zur weiteren Ausbildung zu erleichtern. Das
Reisebüro bucht dabei für gewöhnlich Dissidenten/
Terroristen auf Routen über Drittländer, damit deren
eigentlicher Bestimmungsort - libysche Ausbildungslager für Terroristen - unentdeckt bleibt.
Der UTA-Flug 772
Am 30. Oktober 1991 erließ ein französischer Richter
internationalen Haftbefehl gegen vier libysche Regierungsvertreter wegen ihrer Rolle beim Bombenanschlag auf UTA-Flug 772 im September 1989. Die
Maschine auf dem Flug von Brazzaville (Kongo) nach
Paris über Ndjamena (Tschad) explodierte über der
Wüste im Südwesten von Niger. Dabei wurden alle
171 Passagiere und Besatzungsmitglieder getötet.

Seite 5

�Unter den Passagieren waren sieben Amerikaner,
darunter die Frau des amerikanischen Botschafters im
Tschad. Neben den Haftbefehlen gegen Abdallah
Senussi (ein Verwandter von Gaddafi und stellvertretender Kommandeur der libyschen Nachrichtendienste), Najili Ibrahim (ein Untergebener Senussis), Abd
El-Asragh und Abbas Musbah (ein Vertreter der libyschen Dienste in Brazzaville) erließ der Richter internationale Fahndungsgesuche gegen Mussa Kussa
(Leiter des AIC und Stellvertretender Außenminister)
und Abd El-Salam Sadma. Al-Asragh, der Erste
Sekretär des libyschen Volksbüros in Brazzaville, wird
beschuldigt, den Sprengstoff geliefert und drei Kongolesen rekrutiert zu haben, um eine Kofferbombe in der
Maschine unterzubringen. Zwei dieser drei Personen
sind zur Zeit in Haft - einer in der Volksrepublik Kongo,
der andere in Zaire.
Wie Libyen Terroristen finanziert
Die Libyer benutzen eine Reihe von Mechanismen, um
terroristische Gruppierungen zu finanzieren:
Tripolis verteilt häufig Geld an Terroristen, die
zur Ausbildung im Lande sind. Praktisch alle in
Libyen ausgebildeten aktiven Terroristen erhalten mindestens Reisegeld sowie eine kleine
Summe für persönliche Ausgaben.
Libysche Volksbüros und das AIC werden für
die Weitergabe von Geldern an Terroristen
eingesetzt.
Radikale palästinensische Gruppen erhalten
häufig libysche Mittel über Bankkonten, insbesondere im Nahen Osten.
In seltenen Fällen haben die Libyer Kuriere
eingesetzt, um Geld an terroristische Organisationen zu übermitteln. Die Übergabe findet für
gewöhnlich in einem Drittland statt.
Libysche Ausbildungslager
Libyen bildet seit den frühen siebziger Jahren Palästinenser und andere Terroristen im Land selbst aus.
Neben zwei Haupteinrichtungen in Tripolis und Umgebung haben die Libyer in den vergangenen beiden
Jahrzehnten kleinere, über das gesamte Land verteilte
Ausbildungslager betrieben. In einigen Fällen wurden
Terroristen auf libyschen Militärstützpunkten ausgebildet. So wurden zum Beispiel im Jahr 1988 Mitglieder
der radikalen Palästinensergruppe Volkskampffront
(Populär Struggle Front) auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Region Aouzou ausgebildet. Mitglieder
der Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommand sind mit Sicherheit auch in libyschen Militärlagern ausgebildet worden.
Zu den nichtpalästinensischen Gruppierungen, die in
den letzten Jahren in Libyen ausgebildet wurden,
gehören die ecuadorianische Alfaro Vive, CarajoOrganisation, die M-19 aus Kolumbien, die HaitianiSeite 6

sche Befreiungsorganisation, die Patriotische Front
Manuel Rodriguez aus Chile, die Armenische Geheimarmee für die Befreiung Armeniens und die Japanische Rote Armee.
Terroristen aus Asien, Lateinamerika und Afrika begeben sich häufig legal zur Ausbildung nach Libyen,
indem sie sich als Studenten ausgeben. Bisweilen
reisen Bürger aus Staaten der dritten Welt zu ihrer
Meinung nach legalen AusbHdungszwecken nach Libyen,
etwa zur technischen und religiösen Ausbildung. Bei
ihrer Ankunft werden sie dann jedoch am Flughafen
von Soldaten in Empfang genommen, auf einen Lastwagen verfrachtet und zu einem Ausbildungslager für
Terroristen/Dissidenten transportiert. Diejenigen Studenten, die sich libyschen Ouvertüren gegenüber
ablehnend verhalten, werden umgehend des Landes
verwiesen und als unwürdige Studenten gebrandmarkt.
Extremisten reisen auch auf anderen Wegen nach
Libyen. So fuhren etwa im Jahr 1987 Radikale aus
Mauritius nach Tripolis, wo sie angeblich an einer
Jugendkonferenz teilnahmen. Statt dessen begaben
sie sich in ein Ausbildungslager für Terroristen.
Anhang
Libysche Unterstützung des Terrorismus seit dem
15. April 1986
Sommer 1990 - Libyen stellt der Haitianischen Befreiungsorganisation 20.000 Dollar zur Verfügung, um
einen Anschlag auf die Amerikanische Botschaft in
Port-au-Prince zu verüben. Haitianische Vertreter
verhaften zwei der Agenten bevor sie den Anschlag
verüben können.
Mai 1990 - Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsfront versuchen, Israel von See her anzugreifen;
vier werden getötet und 12 gefangengenommen. Die
Libyer sind an allen Teilen der vereitelten Operation
beteiligt und liefern moderne Ausrüstung, Navigationshilfen, Know-how bei der Planung sowie die Waffen,
die beim Angriff benutzt werden.
März 1990 - Eine Bombe explodiert im zweiten Stock
des Hilton Hotels in Addis Abeba (Äthiopien). Die
Detonation ereignet sich etwa 50 Meter von der Suite
des israelischen Botschafters entfernt. Die äthiopische Regierung verweist danach zwei libysche Diplomaten wegen ihrer Verwicklung in die Tat des Landes.
September 1989 - Eine Bombe explodiert auf dem
UTA-Flug 772 über dem Niger. Alle 171 Passagiere
und Besatzungsmitglieder an Bord werden getötet.
Die französische Untersuchung des Vorfalls kommt zu
dem Schluß, daß die Operation von Libyen geplant
und vom libyschen Volksbüro in Brazzaville durchgeführt wurde. Die Franzosen haben internationale
Haftbefehle gegen vier libysche Regierungsvertreter
wegen Beteiligung an dem Anschlag erlassen.

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�April 1989 - Fünf Personen - darunter zwei Amerikaner - werden verletzt und mehrere Fahrzeuge beschädigt, als eine Bombe in der Nähe des Haupteingangs
zum US-Costa Rican Binational Cultural Center in San
Jose (Costa Rica) detoniert. Die Santa Maria Patriotic
Organisation führt diesen Anschlag durch, ihre Mitglieder wurden in Libyen ausgebildet.
Dezember 1988 - Eine Maschine der Pan Am explodiert auf Flug 103 über Schottland. Alle 259 Personen
an Bord, darunter 189 Amerikaner, kommen dabei
ums Leben. Elf Einwohner von Lockerbie werden
getötet.
Juli 1988 - Terroristen der Abu Nidal Organisation
(ANO) greifen das griechische Kreuzfahrtschiff City of
Porös mit Maschinengewehren und Handgranaten an.
Neun Personen werden getötet und nahezu 100 verletzt. Die benutzten Waffen wurden von Libyen geliefert, und die Terroristen waren mit libyschen Pässen
nach Griechenland eingereist.
April 1988 - Von Libyen unterstützte Terroristen sind
am Bombenanschlag auf eine Kommunikationseinrichtung der amerikanischen Luftwaffe bei Humosa
(Spanien) beteiligt.
Februar 1988 - Zwei bekannte libysche Terroristen
werden zusammen mit einem senegalesischen Staatsangehörigen in Dakar (Senegal) wegen Sprengstoffund Waffenbesitz festgenommen.
Dezember 1987 - Ein Sprengsatz detoniert in der
USO-Lounge in Barcelona. Dabei wird ein amerikanischer Marineangehöriger getötet, neun Personen werden
verletzt. Eine fiktive Gruppe bezichtigt sich des Anschlags. Die Untersuchung belastet jedoch Libyen als
Urheber der Operation.
November 1987 - Die ANO entführt die Jacht "Silco" in
internationalen Gewässern des Mittelmeers. Die "Silco" hat acht belgische und französische Staatsbürger
an Bord. Die letzten Geiseln werden am 21. Januar
1991 freigelassen. Der libysche Nachrichtendienst ist
bei der ANO-Aktion federführend.
Oktober 1987 - Der französische Zoll stoppt die "Eksund",
ein französisches Schiff, das 150 Tonnen Waffen und
Sprengstoff für die Provisional Irish Republican Army
an Bord hat. Zur Ladung gehören Boden-Luft-Raketen
sowie der Plastiksprengstoff Semtex. Vier frühere
Ladungen erreichen in den Jahren 1986 und 1985
ungehindert ihren Bestimmungsort.
Oktober 1987 - Eine Bombe explodiert im Büro von
World Vision, einer privaten amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation in Moudou (Tschad). Niemand
wird verletzt. Der Sprengsatz wird angeblich von
Terroristen gelegt, die vom libyschen Volksbüro in
Cotonou (Benin) unterstützt wurden.

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Juni 1987 - Zwei Libyer erschießen einen libyschen
Dissidenten in Rom. Die Killer werden verhaftet. Sie
bezeichnen sich selbst als Mitglieder des "libyschen
Revolutionskomitees".
Mai 1987 - Zwei Killer versuchen, einen prominenten
libyschen Dissidenten in Wien zu ermorden. Einer der
Täter verliert bei der Flucht seinen libyschen Paß.
April 1987 - Zwei Araber verwunden einen Stabsfeldwebel der britischen Armee und seinen Begleiter bei
einer Autofahrt nahe Limassol (Zypern) durch Schüsse. Zwei später aufgrund dieser Tat verhaftete Araber
werden als von Libyen unterstützte Terroristen identifiziert.
März 1987 - Eine Bombe explodiert auf der KousseriBrücke, die Kamerun und den Tschad verbindet. Der
Zeitzünder wurde zu früh eingestellt, so daß der Bombenleger, ein Bürger des Tschad, der für die Libyer arbeitete, getötet wurde.
März 1987 - Eine Bombe explodiert im Cafe "L'Historir
in Dschibuti. Dabei werden 11 Personen getötet und
über 50 verletzt. Die von Libyen unterstützte Volkskampffront begeht diesen Anschlag, da Libyen gedroht hat, ihr die finanzielle Unterstützung zu entziehen.
Januar 1987 - Eine Bombe explodiert in einem Regierungsgebäude von Cayenne in Französisch Guayana.
Die von Libyen geleitete Islamic Call Society in Curacao unterstützt Dissidenten aus Guayana bei der
Ausführung dieses Anschlags.
Januar 1987 - Ein libyscher Geschäftsmann und offener Kritiker von Oberst Gaddafi wird von zwei wahrscheinlich libyschen Killern außerhalb Athens erschossen.
September 1987 - Libyen liefert Sprengstoff, der bei
einem Angriff der ANO auf die Neve-Shalom-Synagoge in Istanbul verwendet wird. Dabei kommen 21
Menschen ums Leben.
September 1986- Im Verlauf einer versuchten Entführung von Flug 73 der Pan Am in Karatschi töten
Terroristen der ANO 21 Personen, darunter zwei
Amerikaner. 120 Menschen werden verletzt. Das
libysche Volksbüro in Islamabad unterstützte zumindest einen der Entführer durch Bereitstellung von
Reisedokumenten.
August 1986 - Terroristen greifen den britischen Luftwaffenstützpunkt in Akrotiri (Zypern) mit Mörsern,
raketengetriebenen Granaten und Handfeuerwaffen
an und verwunden dabei zwei britische Staatsbürger.
Die sechs Terroristen entkommen als vermeintliche
Besatzungsmitglieder eines Fluges der Libyan Arab
Airlines. Der Kapitän machte den Flughafenbehörden

Seite 7

�gegenüber falsche Angaben zur Anzahl der Besatzung, um ihre Anwesenheit zu verschleiern. Femer
zeigen Markierungen auf nach dem Anschlag aufgefundenen Mörserteilen, daß die Waffen Teil zweier
getrennter Lieferungen sind, die in den Jahren 1976
und 1977 an Libyen gegangen waren.
Juni 1986 - Ein gegen Oberst Gaddafi eingestellter
libyscher Geschäftsmann wird in Versailles von libyschen Killern erschossen.

April 1986 - Zwei Libyer werden unweit des USOffiziersklubs in Ankara festgenommen, als sie im
Begriff sind, einen Anschlag mit sechs in der Sowjetunion hergestellten Splittergranaten zu begehen, die
sie vom libyschen Volksbüro erhalten haben.
April 1986 - Libyen organisiert den Mord an einer
amerikanischen und zwei britischen Geiseln im Libanon.

April 1986 - Libyen steht mit den Schüssen auf einen
April 1986 - Libyen steht hinter der Erschießung eines amerikanischen Diplomaten in Khartum in Verbindung.
Diplomaten der US-Botschaft in Nordjemen.
* *

Seite 8

* *

AMERIKA DIENST 47

�TERRORISMUS
27. November 1991

IRANER UND PFLP: DIE ERSTEN VERDÄCHTIGEN
NACH DEM SPRENGSTOFFANSCHLAG
VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
Die vorherrschende Hypothese im Fröhstadium der
Ermittlungen nach dem Bombenanschlag auf Flug 103
der Pan Am basierte auf Hinweisen, denen zufolge der
Anschlag Ergebnis gemeinsamer Planungen des Korps
der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und der
Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC) war:
Zuverlässige Geheimdienstberichte deuteten
darauf hin, daß die PFLP-GC und Elemente der
iranischen Regierung als Vergeltung für den
versehentlichen Abschuß einer iranischen
Passagiermaschine durch ein US-Kriegsschiff
im Juli 1988 einen Anschlag auf ein amerikanisches Ziel planten.
Am 26. Oktober 1988 verhaftete die deutsche
Polizei eine von Hafis Dalkamoni geführte Zelle
der PFLP-GC. Die Polizei fand in Dalkamonis
Pkw einen Sprengsatz, der gezielt für den Einsatz gegen ein ziviles Flugzeug gebaut worden
war. Dazu gehörte ein mit einem Höhenmesser
verbundener Schalter, der gewährleistete, daß
die Bombe nach Erreichen der normalen Flughöhe detonieren würde und kurzfristige Luftdruckschwankungen während der Sicherheitskontrolle im Flughafen keine vorzeitige Explosion auslösen würden.
Frühzeitige Erkenntnisse bei den Ermittlungen
im Fall von Pan Am 103 deuteten darauf hin,
daß die Bombe ebenso wie im Falle des in
Dalkamonis Auto gefundenen PFLP-GC-Sprengsatzes in einem Kofferradio der Marke Toshiba
untergebracht war und aus weniger als 500
Gramm PETN und RDX bestand - der beiden
Komponenten, die bei SEMTEX-H Verwendung
finden.
Die Ermittler kamen zu dem Schluß, daß sich
der Koffer mit dem Sprengsatz in einem Gepäckcontainer befand, der umgeladenes Ge-

AMERIKA DIENST 47

päck eines Zubringerflugs aus Frankfurt enthielt
- dem Ort, an dem im Oktober 1988 ein Großteil
der Aktivitäten der PFLP-GC konzentriert war.
Mit der Zeit wurde jedoch die erste Theorie, wonach die
PFLP-GC in den Anschlag von Lockerbie verwickelt
war, durch neues Beweismaterial erschüttert. Die
Ermittlungen wurden in folgende Richtungen fortgeführt:
Es wurde herausgefunden, daß sich das in
Dalkamonis Pkw entdeckte Toshiba-Radio mit
der Bombe dem Aussehen nach wesentlich von
dem Radio unterschied, das den technischen
Experten zufolge den Sprengsatz von Pan Am
103 enthielt.
Zusammen mit dem Sprengsatz von Lockerbie
verpackte Kleidungsstücke waren am oder um
den 7. Dezember 1988 in Malta gekauft worden.
Darüber hinaus zeigten Unterlagen des Frankfurter Flughafens, daß der Koffer mit dem Sprengsatz als unbegleitetes Gepäckstück von einem
Flug der Air Malta, der Valletta am Morgen des
Anschlags verlassen hatte, in einen Zubringerflug zu Pan Am 103 umgeladen wurde.
Im Juni 1990 wurde entdeckt, daß der Sprengsatz von Lockerbie im Gegensatz zu den Sprengsätzen der PFLP-GC, die Höhenmesserschalter und relativ primitive Zeitzünder verwendeten, durch einen hochmodernen Zeitzünder
ausgelöst wurde. Ferner fanden wir heraus,
daß der Zeitzünder von Lockerbie im Jahr 1985
nach Libyen geliefert worden war und daß zwei
libysche Terroristen mit einem identischen Zeitzünder im Februar 1988 im Senegal verhaftet
worden waren.
An der Absturzstelle der Pan Am 103 wurden
keinerlei Hinweise darauf gefunden, daß die
Terroristen einen mit einem Höhenmesser verbundenen Schalter benutzten.
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�Zusammspiei verschiedener staatlicher Förderer?

Libyen Anschläge auf Flugzeuge zur gleichen Zeit
plante, zu der die Zelle der PFLP-GC in Deutschland
Heute machen wir die libysche Regierung für den ihre Sprengsätze baute. Tripolis wußte ferner um die
Anschlag von Lockerbie verantwortlich. Wir können Verbindung der PFLP-GC mit dem Iran - und es war
eine umfassendere Verschwörung zwischen Libyen selbst während des iranisch-irakischen Krieges ein
und anderen Regierungen oder terroristischen Organi- enger Verbündeter Teherans.
sationen nicht ausschließen. Die zur Verfügung stehenden Informationen untermauern diesen Schluß Syrien, der wichtigste politische Förderer der PFLPjedoch nicht. Wir gehen davon aus, daß Libyen - die GC und ein weiterer starker Verbündeter des Iran, war
Hauptquelle finanzieller Unterstützung der PFLP-GC zumindest im weiteren Sinne über die Bündnisse und
in den achtziger Jahren - wahrscheinlich von den Operationen der PFLP-GC informiert. Trotz dieser
früheren Plänen Dalkamonis für Bombenanschläge Verbindungen besitzen wir keine Informationen über
gegen Flugzeuge wußte. Die Aktivitäten, die im Herbst eine direkte Zusammenarbeit von Iran, Syrien und
1988 von den Libyern durchgeführt wurden, die unmit- Libyen zur Unterstützung der geplanten Bombenantelbar für den Anschlag von Lockerbie vom Dezember schläge der PFLP-GC auf Flugzeuge oder des liby1988 verantwortlich waren, deuten darauf hin, daß schen Sprengstoffanschlags von Lockerbie.

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AMERIKA DIENST 47

�TERRORISMUS
27. November 1991

LIBYSCHER TERRORISMUS UND PAN AM-FLUG 103
Kommentar der Stimme Amerikas
WASHINGTON -(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen am 15. November 1991 von der Stimme Amerikas
gesendeten Kommentar zur Sicht der US-Regierung.

Nach umfangreichen Ermittlungen sind die Vereinigten Staaten zu dem Schluß gelangt, daß die libysche
Regierung für den Sprengstoffanschlag auf ein amerikanisches Verkehrsflugzeug über Lockerbie (Schottland) verantwortlich ist. Bei der Explosion kamen alle
259 Personen an Bord der Pan Am-Maschine auf dem
Flug 103 sowie 11 Einwohner von Lockerbie ums
Leben.
In dieser Woche haben amerikanische und britische
Behörden Haftbefehle gegen zwei Libyer wegen ihrer
Beteiligung an dem Sprengstoffanschlag erlassen.
Die Anklage gründet sich auf zwingende Beweise, die
Abd el-Bassit Ali el-Mikrahi, einen hochrangigen Agenten des libyschen Geheimdienstes, und Lamem Fuheimah, den ehemaligen Leiter des Büros der Libyan
Airlines in Malta, mit dem Koffer in Verbindung bringen,
der die Bombe enthielt.
Wie der Stellvertrende Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, jedoch betonte, war der
Anschlag keine "Einzeloperation. Eine Operation dieser
Größenordnung, an der Personen aus der unmittelbaren Umgebung der libyschen Führung beteiligt waren,
konnte nur mit Genehmigung hochrangiger libyscher
Regierungsvertreter durchgeführt werden." Boucher
erklärte, die Vereinigten Staaten machten "die libysche Regierung für die Ermordung von 270 Menschen
verantwortlich".
Wie das Au ßenministerium in einem kürzlich veröffentlichten Bericht darlegt, hat Libyen seit der Machtübernahme von Moammar Gaddafi vor 20 Jahren kontinuierlich den internationalen Terrorismus unterstützt.
Bereits 1972 bot Gaddafi extremistischen Bewegun-

gen öffentlich seine Unterstützung an - einschließlich
der Provisional Irish Republican Army und der Black
Power-Bewegung in den Vereinigten Staaten - sowie
Unterstützung aller Gruppen im Nahen Osten, die zu
einem Angriff auf Israel bereit seien. Gaddafi entsandte 1973 Terroristen nach Italien, um ein isrealisches
Verkehrsflugzeug abzuschießen und befahl bereits
1975 die Ermordung im Ausland lebender libyscher
Dissidenten. Anfang der achtziger Jahre nahm die libysche Beteiligung an Terrorakten zu. Tripolis stellte
Pässe für Mitglieder der Abu Nidal Organisation aus,
die im Dezember 1985 einen Anschlag auf einen Flugschalter der israelischen Fluggesellschaft im Wiener
Flughafen verübt hatten. Darüber hinaus unterstützte
Libyen den Sprengstoffanschlag auf die Berliner Diskothek La Belle im April 1986, bei dem drei Menschen,
unter ihnen zwei amerikanische Soldaten, getötet
wurden.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater,
stellte fest, die Vereinigten Staaten "erwägen jetzt
ernsthaft, welche Maßnahmen im Hinblick auf Libyen
zu ergreifen sind". Er fügte hinzu, Präsident Bush "wird
enge Konsultationen mit dem britischen Premierminister John Major und anderen Staats- und Regierungschefs führen, um gemeinsam eine kooperative internationale Reaktion auf diese terroristische Greueltat der
Regierung Gaddafi zu erarbeiten". "Obwohl nichts die
Menschen wieder zum Leben erwecken kann, die bei
dem Sprengstoffanschlag auf die Pan Am-Maschine
ihr Leben lassen mußten", betonte Fitzwater, haben
sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, "alles in ihrer
Macht Stehende zu tun, damit Gerechtigkeit waltet und
solche Terrorakte in Zukunft verhindert werden".

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AMERIKA DIENST 47

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�DROGEN
27. November 1991

MARTINEZ FORDERT EUROPÄER AUF,
SICH DEM DROGENPROBLEM ZU STELLEN
Rede in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - Gouverneur Robert Martinez hat im Zuge seiner Bemühungen um verstärkte Zusammenarbeit mit den europäischen Ländern beim Kampf gegen Drogen erklärt, es sei jetzt an der Zeit, "unser Bündnis
bei der Bekämpfung dieses internationalen Problems zu erweitern". Der Direktor des Amts für nationale
Drogenbekämpfungspolitik verwies in seiner Rede vor dem Rat für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des
Zollwesens (CCC) in Brüssel am 20. November 1991 auf eine Studie des Europaparlaments, derzufolge über
die Hälfte der in Europa verübten Verbrechen mit Drogen in Zusammenhang stehen. Dies sollte, so stellte er
fest, "Motivation genug sein, um Ihre Bemühungen fortzusetzen".
Die abnehmende Nachfrage in den Vereinigten Staaten habe die Drogenhändler bereits dazu veranlaßt, nach
neuen Märkten Ausschau zu halten - "neuen Märkten in Europa, Lateinamerika und Asien. Wie wir... beobachten
konnten, sind große Mengen an Drogen zu Billigpreisen das Rezept für eine Drogenepidemie", erklärte Martinez
in diesem Zusammenhang.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Gouverneur Martinez im Wortlaut.
Seit meiner Bestätigung als Drogenbeauftragter Präsident Bushs habe ich eine Reihe von Auslandsreisen
durchgeführt. Meine früheren Reisen, insbesondere
nach Lateinamerika, dienten dazu, die Hilfe meines
Landes zur Eindämmung des Angebots an Drogen zu
erweitern - eines Angebots, von dem heute kein Land
verschont bleibt. Präsident Bush hat ein historisch
einmaliges Verhältnis mit Lateinamerika aufgebaut,
um dieses Ziel zu erreichen. Meine Reise nach
Europa, in deren Rahmen ich mit dieser angesehenen
Gruppe zusammentreffe, gilt jedoch einem anderen
Problemfeld, dem ich mich noch nicht gewidmet habe.
Heute spreche ich zu den Drogenverbraucherländern
als Vertreter des größten Verbraucherlands. Für uns
ist das Problem weniger das Angebot, obwohl Ihr
Gremium natürlich ein Interesse an der Eindämmung
des Angebots sämtlicher Drogen hat. Das Problem
besteht für die meisten unserer Länder darin, aus
unser aller Erfahrungen zu lernen, um unser schädliches Verlangen nach Drogen zu reduzieren.
Ich möchte jedoch ein noch tiefergehendes Problem
ansprechen - letzteres kann jedoch weder von dieser
Konferenz noch von der heutigen Generation politisch
Verantwortlicher gelöst werden. Ich muß dieses Problem aufgrund des besonderen historischen Verhältnisses zwischen unseren Ländern hier in Europa erörtern. Die hier vertretenen Staaten kämpfen nicht um
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eine demokratische Regierungsform - wir sind die
Staaten, in denen die Demokratie blüht und gedeiht.
Unsere Verfassungssysteme, die einst Experimente
waren, sind heute beispielhaft. Wir streben nicht nach
dem Ziel der demokratischen Regierung - wir setzen
den Standard. In Dschungeln und Wüsten überall auf
der Welt kämpfen Männer und Frauen heute für das,
was uns als selbstverständlich gilt. Die Menschen
Osteuropas haben Jahrzehnte gewartet, um einen
Geschmack von der für uns normalen Freiheit zu
bekommen.
Aus diesem Grund erhält meine Reise nach Europa
eine tiefere Bedeutung. Ich kann Ihnen erklären, was
wir Amerikaner aus harten Erfahrungen gelernt haben:
Drogenmißbrauch ist eine unmittelbare und besondere Bedrohung der demokratischen Regierungsform.
Er zerstört den Charakter unserer Bürger. Er führt zu
sozialer Entwurzelung. Er schädigt die Traditionen
des zivilisierten Umgangs miteinander und der Selbstkontrolle, die freien Gesellschaftssystemen Stabilität
verleihen. Er zerreißt Gemeinschaften und Familien.
Er bedeutet enorme Lasten für unser Gesundheitswesen.
So zerstörerisch Drogenmißbrauch für unsere Gesellschaften ist - der Drogenhandel ist eine noch größere
Bedrohung für Länder, die nach demokratischer Regierung streben. Der Drogenhandel bedeutet eine
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�direktere Bedrohung der aufstrebenden Demokratien
in der Welt. Ernte und Produktion von Rauschgift
zerstören viele Morgen fruchtbaren Landes. Drogendollar verzerren und untergraben ihre im Aufbau befindlichen Volkswirtschaften. Demokratien befinden
sich im Belagerungszustand. Die Waffen der Killer
fordern das Leben zahlreicher Richter, Politiker und
Führungskräfte. Und die politisch Verantwortlichen
jener Länder haben reagiert, da sie sich der Tatsache
bewußt wurden, daß die Freiheiten, für die sie so lange
gekämpft hatten, bedroht waren. Die amerikanischen
Beziehungen zu vielen Verbündeten in Drogenproduktionsländem haben sich von Ablehnung zu Zusammenarbeit gewandelt. Wo wir dereinst mit den Fingern
aufeinander zeigten, gehen wir heute Seite an Seite.
Wo wir einst kritisierten, verhandeln wir heute über die
Probleme, denen wir uns gemeinsam stellen müssen.
Wo wir einst zueinander sagten, es waren Ihre Bürger,
die das Drogenproblem geschaffen haben, erklären
wir heute, daß Drogen jedermanns Problem und wir
bereit sind, es gemeinsam zu lösen.
Bei meinem Aufenthalt in Europa, in dessen Rahmen
ich Gedanken zu Strafverfolgung sowie Angebotsreduzierung austauschen möchte, geht es also um mehr
als die Verfeinerung unsere Maßnahmen zur Drogenbekämpfung. Vor dem Hintergrund dieses politischen
Problems lautet die tief ergehende Frage, wie die Völker der Welt mit den Vorzügen der Freiheit umgehen
werden. Wir müssen uns fragen: wie werden wir
zusammenarbeiten - zur Reduzierung von Angebot
und Nachfrage illegaler Drogen -, um die Dauerhaftigkeit dieser Vorzüge sicherzustellen?
Diese Frage bildet den Kern meiner heutigen Botschaft: Drogenmißbrauch und -handel sind eine internationale Bedrohung, der wir uns gemeinsam stellen
müssen, weil das Drogenproblem auf vielfältige Art
und Weise unsere Demokratien gefährdet. Die Geißel
des Kokains, Heroins, Marihuanas und anderer Drogen hat sich von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von
Kontinent zu Kontinent ausgebreitet. Wir alle werden
uns immer stärker bewu ßt, da ß keine Gesellschaft von
dem Elend verschont bleibt, das mit Drogenherstellung und -mißbrauch einhergeht. Ich bin nicht nach
Europa gekommen, um Trübsinn zu verbreiten, künftiges Unheil oder verstärkten Drogenkonsum auf diesem Kontinent vorherzusagen - alle hier Versammelten wissen um diese Gefahren. Aber ich möchte den
CCC darüber informieren, welche Erfahrungen die
Vereinigten Staaten bei der Konfrontation mit dieser
Bedrohung sowie bei der Zusammenarbeit mit anderen Ländern zur Beseitigung des Drogenhandels
gewonnen haben.
Als Präsident Bush sein Amt antrat, waren Drogen in
den Vereinigten Staaten ein kritisches nationales und
internationales Problem. Drogenkonsum führte zu
Blutvergießen auf unseren Straßen, beraubte Mütter
ihrer Söhne und brach die Herzen vieler Familien.

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Präsident Bush gelobte, dieser Bedrohung in den
Vereinigten Staaten und im Ausland den Garaus zu
machen.
Wir haben diese Versprechen mit einer umfassenden
Strategie untermauert, die im In- und Ausland Drogenhandel und -konsum auf breiter Front in Angriff nimmt.
Wenn sich die Vereinigten Staaten ausschließlich nur
auf ein Element des Drogenphänomens konzentrieren
würden, wären unsere Bemühungen zum Scheitern
verurteilt. Wie alle Demokratien dies tun sollten,
begannen wir unseren Kampf gegen dieses Problem
im Inland beim einzelnen Bürger. Unsere innenpolitische Strategie ist sowohl weitreichend als auch bemerkenswert einfach - Reduzierung des Drogenkonsums durch Strafverfolgung, Überzeugungsarbeit und
Therapie. Strafverfolgung, Aufklärung und Therapie
stehen in keinem Spannungsverhältnis zueinander,
sie sind einander ergänzende Kräfte, die die Nachfrage nach Drogen reduzieren.
Wir haben uns in den Vereinigten Staaten dem zerstörerischen Verlangen nach Drogen gestellt. Um unsere
Verpflichtung zur Verringerung der Nachfrage nach
Drogen in den Vereinigten Staaten zu erfüllen, haben
wir die Verantwortung - und die Folgen - dem einzelnen
Konsumenten auferlegt. Wenn die Konsumenten die
Botschaft der Vernunft nicht beherzigen, dann müssen
sie um die Folgen wissen. Das Konzept der Rechenschaftspflicht des Konsumenten ist meines Erachtens
im Wesensgehalt einer freien Gesellschaft verankert daß der einzelne Entscheidungsfreiheit haben muß
und für die von ihm getroffene Entscheidung verantwortlich ist.
Wir konzentrieren so viel Aufmerksamkeit auf den
Gelegenheitskonsumenten, weil unserer Ansicht nach
der Gelegenheitskonsument der wichtigste Verbreiter
der Drogenabhängigkeit ist. Gelegenheitskonsumenten sind eine wandelnde Werbung für Drogenmißbrauch, weil sie die Illusion verbreiten, daß sie ihr
Leben unbeeinträchtigt von den schädlichen Folgeerscheinungen des Drogenkonsums weiterführen können. Der Gelegenheitskonsument sichert den Drogenhändlern das Geschäft und erhält den Fluß von
Drogen, Chemikalien und schmutzigem Geld aufrecht,
der sich durch Flughäfen, Bahnhöfe und Depots ergießt. Es sind diese Personen, nicht die mittellosen
Abhängigen auf der Straße, die andere davon überzeugen, daß Drogenkonsum niemandem schadet.
Wir haben die Einführung kreativer Sanktionen befürwortet, um jenen kritischen Augenblick der ersten Entscheidung zu verhindern - der Entscheidung, ob man
Drogen von einem Freund oder Bekannten annimmt
oder nicht. Dazu gehören der Entzug des Führerscheins, Verlust des Arbeitsplatzes sowie Entzug des
Anrechts auf eine Sozialwohnung, um nur einige zu
nennen.

AMERIKA DIENST 47

�Unsere Botschaft an die wichtigsten Gesetzesbrecher
- die Drogenbosse und die Händler auf unseren Straßen - war ebenso direkt: hartes gesetzliches Durchgreifen reduziert Drogenverbrechen, verringert das
Angebot und stört den Markt für Drogen.
Ich bin mir bewußt, daß solche Strenge von einigen als
unnötig repressiv betrachtet wird. Man sollte jedoch
solche Schlußfolgerungen vermeiden, bevor man sich
nicht mit den schrecklichen Folgen des Drogenmißbrauchs beschäftigt hat - Säuglinge, deren kleine
Körper von Drogen entstellt sind, die ineinander verkeilten Waggons eines verunglückten Zugs, der von
einem drogenabhängigen Zugführer gesteuert wurde,
vielversprechende Sportler, die jung sterben - wir
haben gesehen, wie der Konsum von Kokain in den
Vereinigten Staaten zu viele Tragödien dieser Art
verursacht hat.
Wir haben darüber hinaus ein Programm zur Unterbindung des Nachschubs entwickelt, das die Drogenhändler in der Luft, zu Wasser und zu Lande unter
Druck setzen soll. Die Vereinigten Staaten haben der
Versuchung widerstanden, ihre Grenzen abzuriegeln,
da dies weder machbar ist noch im Einklang mit
unserem Erbe als Nation von Einwanderern oder unserer
Verfassungstradition steht. Wenn wir jedoch unsere
Bestrebungen zur Unterbindung des Drogennachschubs
aufgeben würden, hieße dies, wir würden unserer
Verantwortung nicht gerecht, unsere Bürger vor der
ernsthaften Drogengefahr zu schützen.
Der CCC hat die lebenswichtige Aufgabe übernommen, nicht nur Ihre Bürger sondern alle Menschen auf
der Welt zu schützen. Durch Informations- und Gedankenaustausch sowie Koordinierung der Aktivitäten
der Zollfahndung machen Sie all unsere Gesellschaften sicherer. Ich freue mich, daß der CCC die Verabschiedung eines dem "Carrier lnitiative"-Programm
der Vereinigten Staaten entsprechenden Programms
befürwortet hat. Durch die "Carrier Initiative" hat die
amerikanische Zollfahndung enge Arbeitsbeziehungen mit privaten See- und Lufttransportgesellschaften
entwickelt, um den Drogenfluß zu verringern. Bis
heute haben über 1.800 Luft- und Seetransportgesellschaften die Sicherheit an ihren Terminals und an Bord
ihrer Flugzeuge und Schiffe verbessert und arbeiten
mit der amerikanischen Zollfahndung zusammen, um
vermutete Schmuggelversuche auszumachen und
bekanntzugeben. Wir beglückwünschen den CCC für
seine Folgeaktionen zum beim Londoner Wirtschaftsgipfel 1991 verabschiedeten "Carrier Initiative"-Abkommen. Die Tatsache, daß der Privatsektor die
Verantwortung zur eigenständigen Kontrolle übernimmt,
bevor er von den Strafverfolgungsbehörden dazu
angehalten wird, ist eine entscheidende Entwicklung
bei der Drogenbekämpfung.
Neben dem durch unsere aggressive Strafverfolgungskampagne geschaffenen Schutz haben wir eine Aufklärungsoffensive in die Wege geleitet. Programme
AMERIKA DIENST 47

zur Aufklärung und Schärfung des Bewußtseins sind
auf Arme und Reiche, Kinder und Erwachsene, auf die
Vorstädte und Innenstädte ausgedehnt worden. Wir
tragen die Verantwortung, unsere Kinder die harten
Lektionen des Drogenmißbrauchs in den Klassenzimmern zu lehren bevor sie sie in den Hinterhöfen oder
auf einer Polizeiwache lernen. Wenn es unseren
Lehrern, Rektoren und Eltern nicht gelingt, gemeinsam ein drogenfreies Umfeld zu schaffen, dann werden wir zweifelsohne unseren Kindern nicht gerecht.
Glücklicherweise haben heute praktisch alle Schulbezirke in den Vereinigten Staaten Drogen- und Alkoholpräventionsprogramme eingeführt, um im Kindergarten, in Grund- und weiterführenden Schulen die Gefahren von Crack, Kokain und anderen Drogen zu
vermitteln.
Wir wissen auch, daß die große Mehrheit der amerikanischen Drogenkonsumenten erwerbstätig ist. Aus
diesem Grund haben sich Großunternehmen und kleine Firmen dem Kampf gegen Drogen angeschlossen
und führen Drogenbekämpfungsmaßnahmen durch,
um die Beschäftigten vom Drogenkonsum abzuhalten.
Darüber hinaus werden Unterstützungs- und Beratungsprogramme für diejenigen eingeführt, die drogenabhängig sind. Ähnliche Progamme und Maßnahmen sind gesetzlich für alle Arbeitsplätze im Staatsdienst vorgeschrieben.
Seit dem Höhepunkt der Drogenepidemie in den Vereinigten Staaten hat unsere umfassende Strategie
drastische Fortschritte an der Heimatfront erzielt. Die
Drogenhändler sehen, daß wir es ernst meinen. Während
die Zahl der Straftaten 1990 insgesamt praktisch
unverändert blieb, gibt es Anzeichen, daß drogenbezogene Straftaten in unseren größeren Städten ihren
Höhepunkt erreicht haben. In den Vereinigten Staaten
ist weniger Kokain verfügbar. Und wir intensivieren
unseren Kampf gegen die Drogenhändler. Im vergangen Jahr haben die Bundesbehörden allein über 100
Tonnen an Kokain beschlagnahmt.
Diese umfassende Strategie zeitigt Erfolge. Die Hälfte
der Drogenkonsumenten in den Vereinigten Staaten
enthält sich bereits der Drogen und erhält Hilfe. Zwischen 1985 und 1990 fiel der Drogenkonsum der
Amerikaner um 44 Prozent - über 10 Millionen ehemalige Drogenabhängige nehmen keine Drogen mehr. In
nur zwei Jahren, von 1988 bis 1990, verringerte sich
der gelegentliche Kokainkonsum um 29 Prozent,
während der häufige Gebrauch um 23 Prozent abnahm.
Es gibt noch ermutigendere Anzeichen, daß die amerikanischen Jugendlichen die Drogenbotschaft erhalten. Umfragen belegen, daß unter High-School-Absolventen und Erstsemestern die Abneigung größer ist
als je zuvor. In zahlreichen Schulen treten landesweit
amerikanische Kinder drogenfreien Jugendgruppen
bei, die Reisen, Clubs und Sportereignisse organisieren, bei denen die einzige Auflage für die Teilnahme in

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�dem Versprechen besteht, keine Drogen zu nehmen.
Dies alles ergibt folgende Tatsache: der Drogenkonsum in den Vereinigten Staaten nimmt ab.
In den Vereinigten Staaten freuen wir uns über diese
Fortschritte, aber wir müssen wachsam bleiben und
weiterhin das Ausmaß und die Entwicklung unseres
Drogenkonsums sowie die Konsequenzen des Drogenmißbrauchs beobachten. Die Erstellung von Daten über die Tendenzen des Drogenkonsums in meinem Land gibt uns die erforderlichen Richtlinien an die
Hand, um kostengünstige Maßnahmen zur Unterbindung des Nachschubs an den Grenzen sowie kreative
Therapie- und Präventionsprogramme in die Wege zu
leiten, um der Drogengefahr zu begegnen. Ohne
solche Informationen werden nationale Mittel und die
Fähigkeit zur Motivierung unserer Bürger vergeudet,
sich mit dem Drogenproblem auseinanderzusetzen.
Unsere umfassende Strategie macht auch auf internationaler Ebene Fortschritte. Während wir uns der
Realität des Nachfrageproblems stellen, haben die
Kokain produzierenden Länder Lateinamerikas mit
amerikanischer Unterstützung begonnen, ihr Angebotsproblem in den Griff zu bekommen. Alte Mißverständnisse haben den Weg zu neuer Zusammenarbeit
und einer starken und zunehmenden Entschlossenheit bereitet, gemeinsam die Drogenhändler zu bekämpfen. Die aggressiven Aktionen der lateinamerikanischen Regierungen geben vielen Drogenhändlern
Anlaß zur Sorge. Zahlreiche internationale Drogenhändler sitzen in Mexiko, Kolumbien, Bolivien und
anderen Teilen der Welt im Gefängnis und warten auf
ihren Prozeß. Chemikalien, Waffen, Flugzeuge, Geld
und andere Instrumente des Drogenhandels wurden in
Rekordmenge beschlagnahmt oder zerstört.
Viele dieser Länder haben Schritte unternommen, den
Anbau von Koka, Marihuana und Mohn einzustellen.
Drogenbeschlagnahmungen sind in Lateinamerika auf
dem Vormarsch. 1987 wurden weniger als 60 Tonnen
Kokain beschlagnahmt, 1990 wurden über 160 Tonnen konfisziert und in diesem Jahr wurde die Gesamtmenge des vergangenen Jahres bereits überschritten.
Überall sind Drogenbeschlagnahmungen auf dem
Vormarsch. Im vergangenen Jahr hat die Drogenfahndung der hier vertretenen Länder 477 Tonnen illegaler
Drogen konfisziert. Weltweit haben aggressive Zollmaßnahmen den Drogenhändlern aller Nationen einen schweren Schlag zugefügt.
Die Drogenbarone von Kolumbien, Bolivien und Peru
- und allmählich weltweit - haben sich als das entpuppt,
was sie wirklich sind: Kriminelle der untersten Kategorie. Sie haben allzu deutlich gezeigt, daß sie auf jede
Taktik zurückgreifen werden, egal wie gewalttätig, mit
jedem Verbündeten kollaborieren werden, egal wie
gemein, und Demokratien unterminieren werden, egal
zu welchem Preis für die guten Menschen in ihren
Ländern. Ich bin mir bewußt, daß den meisten Ihrer
Länder die Gefahr und soziale Unruhe erspart geblie-

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ben ist, mit denen sich die Vereinigten Staaten und ihre
Partner in den Andenstaaten konfrontiert sahen, und
viele weltweit das Drogenproblem noch immer als
"amerikanisches" Problem ansehen. Aber die Drogenbanden Ostasiens, die Heroinhändler der Balkanroute
oder die Haschischverkäufer des Nahen Ostens sind
nicht weniger gravierend, nur weil sie nicht ebenso
häufig auf Gewalt zurückgreifen. Im Stillen untergraben sie das Wohlergehen von Familien, Städten, Institutionen und Nationen mit den illegalen Drogen, die sie
liefern.
Die relative Ruhe dieses Kontinenets sollte einen nicht
zu der Annahme verleiten, die Gefahr habe sich abgeschwächt oder unsere Aufgabe sei erledigt. Die jüngste Studie des Europäischen Parlaments, die belegt,
daß über die Hälfte der in Europa begangenen Straftaten drogenbezogen ist, sollte Motivation genug sein,
um Ihre Bemühungen fortzusetzen. Wir sehen bereits
Anzeichen, daß die verringerte Drogennachfrage in
den Vereinigten Staaten die Drogenhändler auf die
Suche nach neuen Märkten schickt - neuen Märkten in
Europa, Lateinamerika und Asien. Wie wir in Ländern
wie Pakistan beobachten konnten - in denen es den
Statistiken zufolge eine halbe Million neuer Heroinsüchtiger pro Jahr gibt - sind gro ße Mengen an Drogen
zu Billigpreisen das Rezept für eine Drogenepidemie.
Während die Welt ungeduldig die Entstehung des
Europäischen Binnenmarkts erwartet, sollten die europäischen Grenzen nicht Hochsaison für Drogenhändler beim Verkauf ihrer illegalen Ware signalisieren.
Wie wir in den Vereinigten Staaten sehen konnten,
schafft ein überwältigendes Drogenangebot soziale
Probleme, deren Behebung riesige Ressourcen und
viele Jahre benötigt.
Dies ist der Grund, warum multilaterale Organisationen wie der CCC so wichtig sind. Aber Kooperation
muß mehr sein, als der Austausch von Informationen,
Ideen und Ressourcen. Kooperation erfordert das
Ausräumen von Mißtrauen und Rivalität sowie bessere Koordination zwischen den Zoll- und anderen Polizei- und Strafverfolgungsbehörden, weil wir alle einen
gemeinsamen Feind haben. Alle Drogenhändler müssen
wissen, daß sie sich mit einer geschlossenen, effektiven und entschlossenen Front konfrontiert sehen.
Händlerringe werden nicht durch willkürliche, unkoordinierte Durchsuchungen auf Flugplätzen oder Häfen
zerschlagen. Aber mit enger Zusammenarbeit und
dem Austausch von Informationen können Sie etwas
bewirken. Wir düfen es internationalen Kriminellen
schlicht und einfach nicht gestatten, frei zu agieren,
während die gesetzestreuen Nationen der Welt daneben stehen und nichts tun.
Während sich die Drogenhändler weltweit auf der
Flucht befinden, haben wir die historische Chance,
dem Drogenhandel ein für allemal das Geschäft zu
versalzen. Es ist jetzt an der Zeit für Ihre Länder, Ihre
Anstrengungen zu verdoppeln, um sicherzustellen,
daß die sozialen Zerstörungen von Drogenmißbrauch
AMERIKA DIENST 47

�und -abhängigkeit nicht das Gefüge Ihrer Länder zunichte
machen. Es ist jetzt Zeit, weiter sowohl auf den
hiesigen als auch auf den von Ihnen zusammen mit
unseren Freunden in Lateinamerika und Asien in die
Wege geleiteten Strafverfolgungs-, Therapieprogrammen und Unterstützungsmaßnahmen aufzubauen. Es
ist jetzt an der Zeit, unser Bündnis bei der Bekämpfung
dieses internationalen Problems zu erweitern. Wir
müssen die Zusammenarbeit in allen Bereichen ausdehnen - nicht nur bei der Zollfahndung oder den
Strafverfolgungsbehörden - so gut sie auch sein mögen.
Wir brauchen einen besseren Austausch von Erfahrung und Know-how bei Präventions- und Therapieprogrammen sowie bei Programmen zur Aufklärung
und Schärfung des Bewußtseins.

*

AMERIKA DIENST 47

*

Mit dem Ende des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall
alter Regime ist eine neue Ära in Europa angebrochen.
Diese Ära darf nicht von den sich zusammenziehenden Wolken des Drogenmißbrauchs und der Verzweiflung verdunkelt werden. Jeder gefaßte und bestrafte
Drogenhändler, jedes Kind, das die Gefahren des
Drogenkonsums begreift, jeder Abhängige, der"clean°
und nüchtern wieder in die Gesellschaft eingegliedert
werden kann, wird die Zukunft Ihrer Länder erhellen.
Lassen Sie uns enger zusammenarbeiten, um bessere Drogenbekämpfungsprogramme sowie freie und
dauerhafte Institutionen aufzubauen, damit sich unsere Freunde in Lateinamerika, Südwest- und Südostasien und anderen drogenproduzierenden Ländern mit
uns ungeschmälert durch die Tyrannei der Drogen des
hellen Lichts der Demokratie erfreuen können.
*

*

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              <text>&lt;strong&gt;1. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zusätzliche Informationen zum Bombenanschlag von Lockerbie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Libyen weiterhin für Terrorakte verantwortlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Broschüre des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Iraner und PFLP-GC: die Ersten Verdächtigen nach dem Sprengstoffanschlag von Lockerbie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Libyscher Terrorismus und Pan Am-Flug 103&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommentar der Stimme Amerikas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martinez fordert Europäer auf, sich dem Drogenproblem zu stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Brüssel&lt;/em&gt;</text>
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