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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

6. November 1991

44

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DENSKONFERENZ BUSH: FRIEDEN IM NAHEN OSTEN "MUSS KEIN
TRAUM BLEIBEN"
Rede des Präsidenten bei der Madrider Konferenz

GATT

HILLS OPTIMISTISCH IM HINBLICK AUF
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Rede bei der OAS

BAUCUS SCHLAGT GATTUMWELTGESPRÄCHE VOR
Rede des Vorsitzenden im Senatsunterausschuß
für Handel

KONGRESS

AUS DER ARBEIT DES KONGRESSES
Vermittlungsausschuß schließt Arbeit am
Verteidigungshaushalt ab

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NAHOST-FRIEDENSKONFERENZ
6. November 1991

BUSH: FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
"MUSS KEIN TRAUM BLEIBEN''
Rede des Präsidenten bei der Madrider Konferenz
MADRID - (AD) - In seiner Rede zur Eröffnung der Madrider Nahost-Friedenskonferenz erklärte Präsident Bush
am 30. Oktober 1991, Frieden im Nahen Osten "muß kein Traum bleiben".
Dem Präsidenten zufolge ist "der ägyptisch-israelische Friedensvertrag ein greifbarer Beweis, daß ehemalige
Gegner Frieden schließen und bewahren können". Darüber hinaus respektieren die Parteien in der Region
"Abkommen nicht nur auf der Sinaihalbinsel sondern auch auf den Golanhöhen".
"Was wir anstreben, ist ein naher Osten, in dem Ressourcen nicht länger ausschlie ßlich für Rüstungen verwendet
werden", betonte Bush. "Einen Nahen Osten, in dem junge Menschen nicht länger ihr Leben dem Kampf widmen
und allzuoft dabei lassen müssen. Einen Nahen Osten, der nicht länger in den Fängen von Furcht und Terror
ist. Einen Nahen Osten, in dem jedermann ein normales Leben führen kann."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Herr Ministerpräsident Gonzalez, Präsident Gorbatschow, Exzellenzen. Ich möchte zunächst der spanischen Regierung meinen Dank aussprechen, als
Gastgeber dieser historischen Zusammenkunft zu
wirken. Das spanische Volk und seine politisch Verantwortlichen haben in kürzester Zeit diesen glanzvollen Rahmen geschaffen. Wir hoffen, daß diese Madrider Konferenz für den Anfang eines neuen Kapitels der
Geschichte des Nahen Ostens stehen wird.
Darüber hinaus möchte ich gleich zu Beginn meine
Freude über die Anwesenheit von Präsident Gorbatschow zum Ausdruck bringen, der Mitveranstalter
dieser Konferenz ist. In einer Zeit enormer Herausforderungen in seinem eigenen Land haben Präsident
Gorbatschow und seine Führungsmannschaft die
Absicht bekundet, die Sowjetunion als Kraft positiven
Wandels im Nahen Osten einzubringen. Dies ist ein
deutliches Signal für alle, die nach Frieden streben.
Wir sind nach Madrid in einer Mission der Hoffnung
gekommen - die Arbeit an der gerechten, dauerhaften
und umfassenden Beilegung des Konflikts im Nahen
Osten aufzunehmen. Wir sind hierher gekommen, um
Frieden für einen Teil der Welt zu schaffen, der in der
langen Geschichte der Menschheit viel zuviel Haß,
Schmerz und Krieg erfahren mußte. Ich kann mir kein
wertvolleres - oder notwendigeres - Unterfangen vorstellen.

AMERIKA DIENST 44

Unsere Zielsetzung muß klar und eindeutig sein. Es
geht nicht nur darum, den Kriegszustand im Nahen
Osten zu beenden und durch eine Waffenruhe zu
ersetzen. Das ist nicht genug und wäre nicht von
Dauer. Vielmehr streben wir Frieden, echten Frieden
an. Und unter echtem Frieden verstehe ich Verträge.
Sicherheit. Diplomatische Beziehungen. Wirtschaftsbeziehungen. Handel. Investitionen. Kulturaustausch.
Selbst Tourismus. Was wir anstreben, ist ein Naher
Osten, in dem Ressourcen nicht länger ausschließlich
für Rüstungen verwendet werden. Einen Nahen Osten,
in dem junge Menschen nicht länger ihr Leben dem
Kampf widmen und allzuoft dabei lassen müssen.
Einen Nahen Osten, der nicht länger in den Fängen
von Furcht und Terror ist. Einen Nahen Osten, in dem
jederman ein normales Leben führen kann.
Niemand darf die Grö ßenordnung dieser Herausforderung verkennen. Der Kampf, den wir beenden wollen,
hat eine lange und schmerzliche Geschichte. Jedes
verlorene Leben - jede Greueltat und jeder Gewaltakt
- ist tief in die Herzen und die Geschichte des Volkes
in dieser Region eingegraben. Ihre Geschichte wiegt
schwer gegen die Hoffnung. Und dennoch muß die
Geschichte nicht zwangsläufig den Menschen beherrschen.

Seite 1

�Ich erwarte, daß einige sagen werden, ich wolle das
Unmögliche. Aber erinnern Sie sich. Wer hätte im Jahr
1945 gedacht, daß Frankreich und Deutschland nahezu ein Jahrhundert lang erbitterte Rivalen - nach
dem Zweiten Weltkrieg Verbündete würden? Und wer
hätte noch vor zwei Jahren den Fall der Berliner Mauer
vorhergesagt? Und wer hätte Anfang der sechziger
Jahre geglaubt, der kalte Krieg würde zu einem friedliche Ende kommen und durch Zusammenarbeit ersetzt - anschaulich belegt durch die Tatsache, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion heute hier
anwesend sind - nicht als Rivalen, sondern als Partner,
wie Ministerpräsident Gonzalez ausgeführt hat.
Nein, Frieden im Nahen Osten muß kein Traum bleiben. Frieden ist möglich. Der ägyptisch-israelische
Friedensvertrag ist ein greifbarer Beweis, daß ehemalige Gegner Frieden schaffen und bewahren können.
Und darüber hinaus respektieren die Parteien in der
Region Abkommen nicht nur auf der Sinaihalbinsel
sondern auch auf den Golanhöhen.
Die Tatsache, daß wir alle heute hier zum ersten Mal
versammelt sind, belegt eine neues Potential für Frieden. Jeder von uns hat durch die Zusammenkunft hier
in Madrid einen entscheidenden Schritt zu echtem
Frieden unternommen. All die Formulierungen auf
dem Papier, all die hehren Erklärungen der Welt werden keinen Frieden bewirken, wenn es keinen praktischen Mechanismus für Fortschritt gibt.
Frieden wird nur infolge von direkten Verhandlungen,
Kompromiß, Geben und Nehmen möglich sein. Frieden kann nicht von außen von den Vereinigten Staaten
oder irgend jemand aufgezwungen werden. Während
wir weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun
werden, um den Parteien bei der Überwindung der
Hindernisse behilflich zu sein, muß Frieden von innen
heraus entstehen.
Wir sind als Realisten nach Madrid gekommen. Wir
erwarten nicht, daß Frieden in einem Tag, einer Woche,
einem Monat oder selbst einem Jahr ausgehandelt
werden kann. Er wird und sollte Zeit erfordern - Zeit,
damit die Parteien, die solange Krieg geführt haben,
lernen, miteinander zu sprechen und einander zuzuhören. Zeit, um die Wunden zu heilen und Vertrauen
aufzubauen. Bei diesem Streben darf die Zeit nicht
dem Fortschritt im Wege stehen.
Was wir uns vorstellen, ist ein Prozeß direkter Verhandlungen, die auf zwei Ebenen geführt werden,
einmal zwischen Israel und den arabischen Staaten
und zum anderen zwischen Israel und den Palästinensern. Die Verhandlungen sollten auf der Grundlage
der Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats
geführt werden.
Die wirkliche Arbeit wird nicht bei dieser Plenarsitzung
sondern in direkten bilateralen Verhandlungen geleistet werden. Diese Konferenz kann den Teilnehmern

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keine Lösung aufzwingen oder ein Veto gegen Vereinbarungen einlegen. Ebenso wichtig ist, daß die Konferenz nur mit Zustimmung jedes einzelnen Teilnehmers wiedereinberufen werden kann. Der Fortschritt
liegt in den Händen der Parteien, die mit den Folgen
leben müssen.
Schon bald nach Aufnahme der bilateralen Gespräche
werden die Parteien ebenfalls zusammentreffen, um
multilaterale Verhandlungen zu organisieren. Diese
werden sich auf die Fragen konzentrieren, die nationale Grenzen überschreiten und die gesamte Region
betreffen: Rüstungskontrolle, Wasser, Flüchtlingsprobleme, wirtschaftliche Entwicklung. Fortschritte in
diesen Foren sind nicht als Ersatz dessen gedacht,
was in den bilateralen Gesprächen entschieden werden muß. Im Gegenteil, Fortschritte bei den multilateralen Fragen können zu einer Atmosphäre beitragen,
in der seit langem bestehende bilaterale Streitfragen
leichter gelöst werden können.
Für Israel und die Palästinenser gibt es bereits einen
Rahmen für diplomatische Bemühungen. Die Verhandlungen werden in Phasen stattfinden und mit
Gesprächen über Interimslösungen für eine Selbstregierung beginnen. Wir sind bestrebt, ein Abkommen
innerhalb eines Jahres zu erlangen. Nach Erzielung
dieses Abkommens wird diese Interimsregelung zur
Selbstregierung fünf Jahre gültig sein. Vom dritten
Jahr an werden Verhandlungen über den dauerhaften
Status stattfinden. Niemand kann genau vorhersagen,
wie das Endergebnis aussehen wird. Unserer Meinung nach muß etwas entwickelt werden, das für
Israel, die Palästinenser und Jordanien akzeptabel ist,
das den Palästinensern eine sinnvolle Gestaltung ihres eigenen Lebens und Schicksals ermöglicht und
gleichzeitig die Akzeptanz und Sicherheit Israels
gewährleistet.
Wir alle können verstehen, daß sowohl Israel als auch
die Palästinenser über Kompromisse besorgt sind,
daß sie sich Sorgen machen, selbst beim unbedeutendsten Punkt Kompromisse zu schließen, weil sie
fürchten, einen Präzedenzfall für die wirklich wichtigen
Fragen zu schaffen. Niemand sollte jedoch einen
Kompromiß bei Interimsregelungen vermeiden, und
zwar aus einem einfachen Grund: nichts, was heute
beschlossen wird, wird die Verhandlungen über den
dauerhaften Status präjudizieren. Im Gegenteil, diese
Folgeverhandlungen werden aufgrund ihrer eigenen
Verdienste bewertet werden.
Frieden kann nicht allein von Kompromissen abhängen. Echter Frieden - dauerhafter Frieden - muß auf
Sicherheit für alle Staaten und Völker, einschließlich
Israels, gegründet sein. Zu lange hat das israelische
Volk in Furcht gelebt, umgeben von einer arabischen
Welt, die es nicht akzeptierte. Heute ist für die arabische Welt der ideale Moment gekommen, um zu
zeigen, daß sich Einstellungen verändert haben, daß

AMERIKA DIENST 44

�die arabische Welt bereit ist, mit Israel in Frieden zu
leben und Zugeständnisse an Israels begründete Sicherheitsbedürfnisse zu machen.
Wir wissen, daß Frieden auch auf Fairneß gegründet
sein muß. Ohne Fairneß wird es keine Legitimität
geben - keine Stabilität. Dies gilt besonders für die
Palästinenser, von denen viele vor allem anderen
Unruhen und Frustration erfahren haben. Israel hat
heute die Gelegenheit zu zeigen, daß es bereit ist, ein
neues Verhältnis mit seinen palästinensischen Nachbarn einzugehen, das auf gegenseitiger Achtung und
Zusammenarbeit beruht.
Im gesamten Nahen Osten streben wir eine stabile und
dauerhafte Lösung an. Wir haben nicht definiert, was
dies bedeutet. Ich mache diese meine Ausführungen
in der Tat ohne Landkarte, die anzeigt, wo die Grenzen
letzlich gezogen werden sollen. Trotzdem gehen wir
davon aus, daß ein territorialer Kompromiß für den
Frieden unumgänglich ist. Grenzen sollten die Qualität
von militärischen und politischen Regelungen widerspiegeln. Die Vereinigten Staaten sind bereit, alles zu
akzeptieren, was die Parteien selbst akzeptabel finden. Wie ich am 6. März erklärt habe, streben wir eine
Lösung an, die die doppelte Probe auf Fairneß und
Sicherheit besteht.
Ich weiß - und ich nehme an, wir alle wissen -, daß
diese Verhandlungen nicht einfach sein werden. Ich
weiß auch, daß diese Verhandlungen nicht reibungslos verlaufen werden. Es wird Meinungsverschiedenheiten und Kritik, Rückschläge und - wer weiß - möglicherweise Unterbrechungen geben. Verhandlungen
und Kompromisse sind immer schmerzhaft. Der Erfolg
wird uns versagt bleiben, wenn wir uns nur auf das
konzentrieren, was aufgegeben werden muß.
Wir müssen unsere Vision dessen definieren, was
echter Frieden bringen würde. Frieden bedeutet doch
schließlich nicht nur die Vermeidung von Krieg und den
Kosten, sich darauf vorzubereiten. Der Nahe Osten ist
mit großen Ressourcen gesegnet: physischen, finanziellen und vor allem menschlichen. Neue Möglichkeiten befinden sich in greifbarer Nähe - wenn wir nur das
Vorstellungsvermögen besitzen, sie zu ergreifen.
Um Erfolg zu haben, müssen wir uns vor Augen führen,
daß Frieden im Interesse aller Parteien liegt - und Krieg
für niemand einen absoluten Vorteil bringt. Die Alternative zum Frieden im Nahen Osten ist eine Zukunft
der Gewalt, Verschwendung und Tragik. Jeder künftige Krieg beinhaltet die Gefahr des Einsatzes von
Massenvernichtungswaffen. Wie wir im Golfkrieg gelernt
haben, ermöglichen moderne Waffenarsenale Angriffe auf städtische Ballungszentren - um das Leben
unschuldiger Männer, Frauen und Kinder zu bedrohen, Straßen, Schulen und Kinderspielplätze der Städte in Schlachtfelder zu verwandeln.

AMERIKA DIENST 44

Heute können wir beschließen, einen anderen Weg in
die Zukunft einzuschlagen - Konflikte zu vermeiden.
Ich fordere alle Parteien auf, einseitige Maßnahmen,
sei es in Wort oder Tat, zu vermeiden, die Vergeltung
nach sich ziehen oder - noch schlimmer - diesen
Prozeß selbst beeinträchtigen oder bedrohen würden.
Ich appelliere an alle Parteien, Maßnahmen in Betracht zu ziehen, die gegenseitiges Vertrauen fördern
- Schritte, die ein ernsthaftes Engagement für eine
Aussöhnung signalisieren.
Ich möchte etwas zur Rolle der Vereinigten Staaten
von Amerika sagen. Wir haben eine aktive Rolle dabei
gespielt, diese Konferenz zu ermöglichen. Sowohl der
Außenminister, Jim Baker, als auch ich werden eine
aktive Rolle dabei spielen, dem Prozeß zum Erfolg zu
verhelfen. Zu diesem Zweck haben wir Israel, Syrien,
Jordanien, dem Libanon und den Palästinensern schriftliche Zusicherungen gegeben. Im Geist der Offenheit
und Ehrlichkeit werden wir alle Parteien über die
Zusicherungen informieren, die wir den anderen gegeben haben. Wir sind bereit, Garantien zu geben,
Technik und Unterstützung zu liefern, wenn der Frieden dies erfordert. Wir werden ferner unsere Freunde
und Verbündeten in Europa und Asien auffordern, sich
uns bei der Bereitstellung von Ressourcen anzuschließen, damit Frieden und Wohlstand Hand in Hand
gehen.
Außenstehende können helfen, aber letztlich obliegt
es den Völkern und Regierungen des Nahen Ostens,
die Zukunft des Nahen Ostens zu gestalten. Es ist ihre
Chance und ihre Pflicht, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um diese Versammlung zu nutzen, diese
historische Versammlung und alles, was sie symbolisiert und verspricht.
Niemand sollte annehmen, daß die vor uns liegende
Chance zum Friedensschluß bestehen bleibt, wenn
wir es versäumen, diesen Moment zu nutzen. Ironischerweise ist diese Gelegenheit aus dem Krieg geboren - der Zerstörung vergangener Kriege, der Furcht
vor künftigen Kriegen. Die Zeit ist gekommen, um dem
Krieg ein Ende zu bereiten - die Zeit ist gekommen, um
den Frieden zu wählen.
Stellvertretend für das amerikanische Volk möchte ich
bekräftigen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,
die Suche nach Frieden zu erleichtern, als Katalysator
zu wirken, wie wir dies in der Vergangenheit und bis vor
Kurzem getan haben. Wir streben nur ein Ziel an, und
das tun wir nicht für uns selbst, sondern für die Völker
der Region und besonders die Kinder: daß diese und
künftige Generationen im Nahen Osten die Bedeutung
und Segnungen des Friedens erfahren.
Wir haben zu viele Generationen von Kindern gesehen, deren gequälte Augen nur Furcht widerspiegeln zu viele Beerdigungen von Brüdern und Schwestern,

Seite 3

�Müttern und Vätern, die zu früh starben - zu viel Haß,
zu wenig Liebe. Und wenn wir nicht den Mut aufbringen können, für uns selbst die Vergangenheit hinter
uns zu lassen, so laßt uns beschließen, es für unsere
Kinder zu tun.

Möge Gott das Werk dieser Konferenz segnen und
leiten, und möge diese Konferenz uns auf den Weg des
Friedens führen,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�GATT
6. November 1991

HILLS OPTIMISTISCH IM HINBLICK AUF
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Rede bei der OAS
WASHINGTON - (AD) - Die US-Handelsbeauftragte Carla Hills hat in einer Rede bei der Konferenz der
Handelsminister der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am 29. Oktober 1991 in Washington erklärt,
sie sei in bezug auf den erfolgreichen Abschluß der nun schon fünf Jahre andauernden Uruguay-Runde
multilateraler Handelsgespräche seit langem nicht mehr so optimistisch gewesen.
Wir veröffentlichen die Rede von Hills, die darüber hinaus auf das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada sowie die Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas (EAI) einging, nachfolgend im Wortlaut.

Einleitung
Bei einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen
Hauses anläßlich des ersten Jahrestages der EAI
bekräftigte Präsident Bush im vergangenen Juni sein
Engagement zum "Aufbau einer soliden Grundlage für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Wohlstand" auf
dem Kontinent. "Freier Handel", erklärte der Präsident, "muß unsere gesamte Hemisphäre erfassen."
Die Organisation Amerikanischer Staaten war bei diesem
entscheidenden Unterfangen ein zuverlässiger Verbündeter und Befürworter.
Wenn wir umfassenden und dauerhaften Wohlstand
erlangen wollen, müssen wir uns bemühen, die Wohlstand schaffende Macht offener Märkte über die Grenzen unserer Hemisphäre hinaus auszudehnen. Wir
müssen zusammenarbeiten um sicherzustellen, daß
unsere Güter und Dienstleistungen in der ganzen Welt
frei bewegt werden können. Der Weg, um dies zu
ermöglichen, ist die Schaffung eines wirklich offenen
und pulsierenden Welthandelssystems.
Die amerikanische Handelspolitik
Aus diesem Grund ist die Handelspolitik von Präsident
Bush darauf ausgerichtet, jede Chance zu ergreifen
und jedes Forum zu nutzen, um die Weltmärkte für
Unternehmer aller Länder zu öffnen.

AMERIKA DIENST 44

Um diese Politik zu verwirklichen, bemühen wir uns
energisch,
die Verhandlungen über den Welthandel im
Rahmen der Uruguay-Runde erfolgreich abzuschließen;
mit Mexiko und Kanada Verhandlungen über ein
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen zu
führen;
die Initiative des Präsidenten zur Förderung der
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas mit
dem Endziel einer Freihandelszone in der gesamten Hemisphäre zu verwirklichen.
Die Uruguay-Runde
Zweifelsohne sind die Welthandelsgespräche im
Rahmen der Uruguay-Runde für alle Nationen heute
das wichtigste Verhandlungsforum zum Handel. Die
108 am Verhandlungstisch vertretenen Staaten repräsentieren über 90 Prozent des Welthandels.
Die Nationen Amerikas verstehen die Bedeutung der
Uruguay-Runde und des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Costa Rica, El Salvador und
Venezuela sind in den vergangenen zwei Jahren dem
GATT beigetreten. Guatemala wird seinen Beitritt in
wenigen Monaten vollzogen haben. Honduras wird mit
dem Beitrittsprozeß beginnen, und Panama hat gerade die Aufnahme beantragt.

Seite 1

�Der Grund dafür, daß Sie alle Teil des GATT werden
möchten, ist einfach. Eine multilaterale Liberalisierung
des Handels hat eine größere Durchschlagskraft als
regionale Handelsvereinbarungen (selbst bilaterale
Freihandelsabkommen). Sowohl das Nordamerikanische Freihandelsabkommen als auch die EAI bieten
den Teilnehmern wichtige Vorteile, aber jedes ist letztlich durch die Größe der beteiligten Märkie begrenzt
Es ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit: 108 Nationen,
die 90 Prozent des Welthandels vertreten, können
zusammengenommen mehr erreichen, um Märkte zu
öffnen, den Handel auszuweiten und Wohlstand hervorzubringen als 3 oder 30 Länder.
Die Uruguay-Runde ist die weitreichendste jemals
veranstaltete Runde weltweiter Handelsgespräche.
Eine Verringerung traditioneller Marktzugangshemmnisse - tarifäre und nichttarifäre Maßnahmen wie etwa
Quoten - um ein Drittel durch die Runde könnte die
Weltproduktion im nächsten Jahrzehnt um 5 Billionen
Dollar erhöhen.
Die Vereinigten Staaten und andere Regierungen
Amerikas müssen nicht nur zusammenarbeiten, um
diesen wirtschaftlichen Impuls zu verwirklichen, sondern auch, um folgende Entwicklungen sicherzustellen:
Öffnung neuer und Ausweitung bestehender
Märkte;
Abbau handelsverzerrender Agrarsubventionen;
neue Rechte an geistigem Eigentum;
Öffnung der Dienstleistungsmärkte;

länger hinziehen. Die Regierungen müssen heute
entscheiden, ob sie ein Abkommen schließen wollen
oder nicht.
Generaldirektor Dunkel hat einen kühnen Plan in Angriff
genommen, um diese Entscheidung zu erzwingen und
die Verhandlungen zu beschleunigen. Er beabsichtigt,
bis Mitte November ein umfassendes Abkommen
vorzulegen. Er hat die Vorsitzenden der wichtigsten
Verhandlungsgruppen aufgefordert, umgehend zusammenzutreten. Dunkel hat erklärt, er werde Lösungen
für die noch ausstehenden Probleme vorschlagen,
wenn sie keine Übereinkunft erzielen können.
Wir können Substanz nicht durch Geschwindigkeit
ersetzen. Wir benötigen ein umfassendes Paket von
Vereinbarungen, das für Unternehmer weltweit ein
breites Spektrum von Möglichkeiten schafft. Die Vereinigten Staaten brennen darauf, mit den Handelspartnern zusammenzuarbeiten, um diese entscheidenden
Verhandlungen zu einem erfolgreichen Ergebnis zu
führen.
Der Dunkel-Plan könnte die erforderliche Antriebskraft
liefern, um der Runde zum Gelingen zu verhelfen. Vor
zwei Wochen hat Wirtschaftsminister Möllemann den
EG-Handelsministern beim Treffen in Den Haag berichtet, daß Deutschland seine Position geändert hat
und jetzt bereit ist, eine Reduzierung der Agrarsubventionen auszuhandeln. Die EG-Handelsminister treffen
am kommenden Sonntag und die Außenminister am
Montag erneut zusammen.
Dies ist der Augenblick, in dem die Mitglieder der
Organisation Amerikanischer Staaten zusammenarbeiten können, um alles in ihrer Macht Stehende zu
tun, die Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluß

Förderung arbeitsplatzschaffender Investitionen.
Die enthusiastische Unterstützung der Regierungen
Amerikas - einzeln sowie durch Organisationen wie die
OAS - für ein umfassendes Abkommen der UruguayRunde könnte entscheidend dazu beitragen, die von
uns allen angestrebten wachstumsfördernden Handelsreformen zu verwirklichen.
Liegt ein Abkommen in greifbarer Nähe?
Es besteht kein Zweifel: die Vorteile einer erfolgreichen Uruguay-Runde könnten enorm sein. Nahezu
ein Jahr nach dem Patt von Brüssel stellt jeder die
Frage "Wird es ein Abkommen der Uruguay-Runde
geben?"
Ich bin lange nicht mehr so hoffnungsvoll gewesen wie
heute.
Der Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel, hat
unlängst die Delegationsleiter in Genf zusammengerufen, um eine eindeutige Botschaft zu übermitteln: die
Verhandlungen der Uruguay-Runde dürfen sich nicht

Seite 2

zu bringen.
Es ist fünf Minuten vor zwölf, was die Uruguay-Runde
anbetrifft. Die Vereinigten Staaten haben ein vollständiges Verhandlungsteam nach Genf entsandt, das zu
Fortschritten bereit ist. Ich fordere alle heute hier
anwesenden Regierungen auf, hochrangige Experten
aus ihren Hauptstädten nach Genf zu entsenden. Die
Zeit ist knapp, und wir müssen Erfolg haben.
Während wir am erfolgreichen Abschluß der Runde
arbeiten, müssen wir uns auch mit der Öffnung von
Märkten befassen, wo immer dies weltweit möglich ist.
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
Ich bin gestern aus Zacatecas in Mexiko zurückgekehrt, wo ich zum dritten Mal mit meinen Amtskollegen
aus Mexiko und Kanada zusammengetroffen bin, um
die Verhandlungen über ein Nordamerikanisches
Freihandelsabkommen fortzusetzen. Gemeinsam
könnten wir einen Markt mit 360 Millionen Verbrauchern und Produzenten und einer Jahresproduktion im
Wert von 6 Billionen Dollar schaffen.

AMERIKA DIENST 44

�Die Vorteile eines Nordamerikanischen Freihandelsabkommens sind jedoch nicht auf die drei Teilnehmerländer begrenzt. Jedesmal, wenn "der Kuchen wächst",
gibt es mehr für alle.

Als ersten Schritt der EAI haben die Vereinigten Staaten in der Zwischenzeit Rahmenabkommen mit praktisch allen Ländern Mittelamerikas sowie den meisten
Ländern Lateinamerikas und der Karibik geschlossen.

Mexikos dynamisches Wachstum wird vermehrte
Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen schaffen, die Sie, seine Nachbarn auf dem Kontinent, am
besten liefern können. Sie kennen den Geschmack,
Bedarf und die Wünsche der Mexikaner. Sie werden
einen natürlichen Vorteil beim Verkauf an ein reicheres
Mexiko haben.

Diese Abkommen sehen eine Reihe fester Handels und
Investitionsprinzipien, die Verpflichtung zu regelmäßigen Konsultationen sowie eine vorläufige Tagesordnung der Konsultationen vor.

Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen wird
als Vorreiter für den besseren Schutz von Patenten,
Urheberrechten und anderem geistigem Eigentum
dienen und Märkte für Anbieter von Dienstleistungen
sowie Investoren öffnen. Parallele Gespräche werden
Normen für die Rechte von Arbeitnehmern und den
Umweltschutz festsetzen. Dies sind nicht nur Vorteile
für die Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada. Auch
andere Länder in der Region werden von unseren
Erfahrungen und unserem Beispiel profitieren.
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
den Ländern Amerikas (EAI)
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen kann
als Wegweiser bei unserem gemeinsamen Unterfangen zur Schaffung einer Freihandelszone auf dem
gesamten Kontinent dienen - einem langfristigen Ziel
der Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen hat Modellcharakter für künftige Abkommen.
Die notwendigen technischen und politischen Grundlagen für weitere Freihandelsabkommen benötigen
Vorbereitungszeit. Es dauerte vier Jahre von der
Aushandlung eines Rahmenabkommens zwischen den
Vereinigten Staaten und Mexiko bis zur Aufnahme der
Gespräche über ein Freihandelsabkommen.
Der amerikanische Kongreß wird die positiven Ergebnisse des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
sehen wollen, bevor er der Administration die Befugnis
erteilt, neue Freihandelsabkommen mit anderen Handelspartnern in der Region in die Wege zu leiten.
Die Mitglieder des Kongresses werden wissen wollen,
ob die an einem Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten interessierten Länder ihr Engagement
für offene Märkte unter Beweis gestellt haben. Die
Bereitschaft des Kongresses zur Aufnahme solcher
Verhandlungen wird davon abhängen, ob die Länder
verbesserten Zugang zu ihren Märkten haben, und
zwar nicht nur für Waren sondern auch für die Anbieter
von Dienstleistungen und Investoren, und ob sie dem
Weltstandard entsprechenden Schutz an geistigem
Eigentum anbieten können.

AMERIKA DIENST 44

In unseren wildesten Träumen hätten wir niemals
erwartet, daß so viel in so kurzer Zeit nach Ankündigung der EAI erreicht werden würde.
Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Nachbarländern in Lateinamerika unmöglich gewesen. Diese Rahmenabkommen belegen die außerordentliche Übereinstimmung unserer Philosophien
und Zielsetzungen. In ganz Lateinamerika herrscht ein
kühner, neuer Geist der Freiheit und freier Märkte.
Brücken bauen
Es wurde jedoch die Besorgnis geäußert, daß die
regionalen Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur
Öffnung von Märkten eine Abkehr von unserer Unterstützung des multilateralen Handelssystems signalisieren, das uns seit über 40 Jahren so gut gedient hat.
Nichts könnte jedoch weniger der Wahrheit entsprechen. Unser Ziel besteht im Abbau von Handelsschranken, wo immer und wann immer möglich, und
wir hegen keinerlei Intention, einen nach innen gerichteten Handelsblock zu schaffen oder zu unterstützen.
Bestrebungen zum Abbau regionaler Handelshemmnisse beeinträchtigen nur dann das Gefüge des Welthandelssystems, wenn sie neue Schranken für die
übrige Welt zur Folge haben. Im Gegenteil - unsere
regionalen Bestrebungen in Mexiko, Lateinamerika
und Asien sollen unsere weltweiten Bestrebungen zur
Öffnung von Märkten und Erweiterung des Handels
verstärken.
In der Tat lehnen wir den Aufbau protektionistischer
Handelsblöcke in allen Teilen der Welt ab und warnen
davor. Wir versuchen, die Liberalisierung des Handels
überall voranzutreiben.
Schlußbemerkung
Mit der Uruguay-Runde, dem Nordamerikanischen
Freihandelsabkommen und der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas
haben wir einzigartige Chancen, Präsident Bushs Vision
einer von einem dynamischen Welthandelssystem
getriebenen neuen Weltordnung zu verwirklichen.
Unseres Erachtens werden diese Initiativen zur Marktöffnung zusammengenommen alle Länder Amerikas
an die Schwelle einer neuen, wechselseitig vorteilhaf-

Seite 3

�ten Wirtschafts- und Handelsbeziehung mit unseren
weltweiten Handelspartnern führen.
In seiner Rede vor den Vereinten Nationen erklärte
Präsident Bush im vergangenen Monat: "Wachstum
füllt nicht nur Regale auf, sondern leistet mehr - es
billigt jedem Menschen Gewinn zu - nicht auf Kosten

sondern zum Vorteil anderer. Wohlstand ermutigt die
Menschen, als Nachbarn, nicht als Raubtiere zu leben."
Das ist unser Ziel. Gemeinsam können wir es verwirklichen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 44

�GATT
6. November 1991

BAUCUS SCHLÄGT GATT-UMWELTGESPRÄCHE VOR
Rede des Vorsitzenden im Senatsunterausschuß für Handel
WASHINGTON - (AD) - Einem einflußreichen US-Senator zufolge soll das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen auch den Bereich Umwelt umfassen.
Der Vorsitzende des Unterausschusses für Handel, Max Baucus, schlug dem Institut für Weltwirtschaft am 30.
Oktober 1991 vor, die GATT-Mitglieder könnten nach dem Vorbild des Subventionskodex einen Umweltkodex
aushandeln.
Der neue Kodex sollte einzelnen Ländern die Verhängung von Handelssanktionen für Importe anderer Länder
gestatten, die international vereinbarte Normen verletzen sowie eine Schlichtungsstelle ähnlich der nach dem
Subventionskodex eingerichteten schaffen, erklärte Baucus.
Ihm zufolge würde die Annahme des Vorschlags demonstrieren, daß das GATT Umweltschutz als ebenso
wichtiges Ziel der Handelspolitik betrachtet wie nationale Sicherheit oder Naturschutz, US-Firmen "die gleiche
Ausgangsbasis" verschafft, damit sie höhere Umweltschutzmaßstäbe als ausländische Konkurrenten erfüllen
können und einzelne Länder zur Verabschiedung einer zuverlässigen Umweltpolitik ermutigt.
Nachfolgend veröfentlichen wir Baucus' Rede im Wortlaut.

Die Welt steht in den nächsten zehn Jahren vor zwei
großen Herausforderungen: erstens dem Schutz der
Umwelt und zweitens der Schaffung eines freieren
Welthandelssystems.
Aber diese Herausforderungen stehen nicht für sich
allein. Die Verknüpfung zwischen der Umwelt und der
Handelspolitik ist in den letzten Monaten sehr deutlich
geworden.
Handelspolitik ist ein weltvolles Instrument zur Stimulierung eines Umweltbewußtseins im Ausland. Aber
Handelssanktionen können - insbesondere in den
Entwicklungsländern - Ressentiments gegen die Vereinigten Staaten hervorrufen und ernsthafte Streitigkeiten im Handel entfachen.
Eine der zentralen Herausforderungen, die sich uns
bei den bevorstehenden Gesprächen über den Welthandel stellt, ist die Verabschiedung umweltbewußter
Handelsabkommen - Abkommen zum Schutz der
Umwelt, die gleichzeitig die Handelsinteressen der
Vereinigten Staaten schützen.
Die Einbeziehung von Umweltthemen in Handelsvergespräche ist nur der letzte Schritt in einer natürlichen
Folge. Angesichts der zunehmenden Verflechtung der
Volkswirtschaften der Welt müssen auch die Handelsgespräche erweitert werden.
AMERIKA DIENST 44

Ursprünglich haben sich die Handelsgespräche nur
auf Zölle konzentriert. Aber uns ist nach und nach
bewußt geworden, daß nichttarifäre Hemmnisse - wie
Quoten und Einfuhrgenehmigungen - ebenso wichtig
sind. Später haben wir erkannt, daß andere Themen
wie Subventionen und Preispolitik ebenso angesprochen werden müssen, um die gleiche Ausgangsbasis
für alle zu gewährleisten.
Wir haben jetzt begonnen, noch weitere Themen wie
den Schutz geistigen Eigentums und Antitrustmaßnahmen bei den Handelsgesprächen zu erörtern. Die
Einbeziehung dieser neuen Themen hat zur weltweiten Öffnung der Märkte und Erweiterung des Handels
beigetragen.
Jetzt ist es an der Zeit, den Umweltschutz der länger
werdenden Liste von Themen hinzuzufügen, die bei
den Handelsgesprächen erörtert werden müssen.
Sollte sich ein Land nicht zur Einführung angemessener Umweltschutzbestimmungen entscheiden, verringert es die Kosten wirtschaftlicher Tätigkeit in diesem
Land zu Lasten der Umwelt. Zusätzlich zur Belastung
der Umwelt verschafft dies einen relativen Vorteil
gegenüber Nationen, die die Umwelt schützen. Dieser
Vorteil kann in Handelsprofite umgesetzt werden und
zusätzliche Investitionen anziehen.

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�Die Handelspolitik ist einer der wenigen Hebel, die die
Vereinigten Staaten ansetzen können, um andere
Nationen zum Schutz der Umwelt zu veranlassen. Es
wird großer Druck zur Verhängung von Handelssanktionen ausgeübt, um die Ziele des Umweltschutzes
durchzusetzen.
Angesichts dieses Trends können Umweltfragen nicht
länger von Handelsthemen getrennt werden.
Nach gro ßem Druck seitens des Kongresses steht das
Thema Umwelt jetzt definitiv auf der Tagesordnung
der Gespräche über eine Freihandelszone zwischen
den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada. Und ich
bin ziemlich zuversichtlich, daß der Kongreß kein
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen verabschieden wird, das weder in dem Handelsabkommen
noch in einer parallelen Vereinbarung strenge und
durchsetzbare Umweltschutzbestimmungen enthält.
Die Logik, die uns zur Einbeziehung der Umweltthemen in diese Verhandlungen veranlaßt hat, gilt jedoch
auch weltweit.
Es ist an der Zeit, das Handelspaket der Welt - das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) - zu
erweitern, um Umweltbelange anzusprechen. Im
Optimalfall könnte ein internationales Abkommen
ausgehandelt werden, um angemessene Umweltnormen weltweit festzusetzen. Ein solches Abkommen
liegt wahrscheinlich noch in weiter Ferne. In der
Zwischenzeit sollte meines Erachtens ein GATTUmweltkodex entsprechend dem aktuellen Subventionskodex ausgehandelt werden.
Zahlreiche Details eines solchen Kodex müssen den
Verhandlungen vorbehalten bleiben, sollten jedoch
folgenden Hauptelemente umfassen;
Jeder Nation sollte gestattet werden, ihre eigenen Umweltschutznormen festzulegen.
Jeder Nation sollte erlaubt werden, den Import
von Waren zu verbieten oder anderweitig einzuschränken, die unter Verletzung international
anerkannter Normen hergestellt wurden, wie
beispielsweise mit Treibnetzen gefangener
Thunfisch, und Handelssanktionen zu verhängen, um internationale Umweltschutzabkommen durchzusetzen.
Wenn importierte Produkte oder das zur Herstellung dieser Produkte verwendete Verfahren
nicht den Umweltnormen des Importlandes
entsprechen, kann das importierte Produkt mit
Zöllen belegt werden, vorausgesetzt zwei Kriterien sind erfüllt:
Erstens müssen die verwendeten Umweltschutznormen eine solide wissenschaftliche Grundlage haben.

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Zweitens müssen dieselben Normen für die
gesamte Inlandsproduktion gelten.
Die Höhe der Ausgleichszölle sollte ausreichen,
um jeglichen wirtschaftlichen Vorteil auszugleichen, der sich ergibt, wenn ein Produkt unter
weniger strengen Umweltschutzauflagen hergestellt wird.
Ein GATT-Schlichtungsgremium vergleichbar
dem nach dem Subventionskodex gebildeten
Gremium sollte Streitfälle in bezug auf die Durchführung des Umweltkodex regeln.
Ein solcher Kodex hätte drei bedeutende Vorteile.
Erstens würde der Kodex ein offenkundiges Defizit des
GATT korrigieren, wie es erst unlängst in der Entscheidung eines Schlichtungsausschusses im mexikanischen Thunfischfall zum Ausdruck kam. In diesem Fall
entschied der Schlichtungsausschu ß, daß die von den
Vereinigten Staaten auf Thunfischimporte aus Mexiko
verhängten Beschränkungen aufgrund der Tatsache,
daß mexikanische Fischer weiterhin Delphine abschlachten, das GATT verletzten. Der Beschluß des Ausschusses mag die bestehenden Regeln des GATT
exakt widerspiegeln. Dies ist jedoch ein Argument für
die Änderung des GATT und nicht für die Beendigung
der Bemühungen zum Schutz der Delphine.
Wir können nicht zulassen, daß das GATT zu einem
Schutzschild für die Staaten wird, die international
anerkannte Normen für den Umweltschutz unterlaufen. Das GATT muß den Umweltschutz ebenso als
legitimes Ziel der Handelspolitik anerkennen wie nationale Sicherheit und Naturschutz.
Zweitens wäre er hilfreich, um eine gleiche Ausgangsbasis für amerikanische Unternehmen zu schaffen, die
gezwungen sind, schärfere Umweltauflagen zu erfüllen als ihre ausländischen Konkurrenten. Der Umweltschutz würde nicht mehr unbedingt negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer
Unternehmen haben.
Schließlich würde der Kodex die Nationen dazu ermutigen, eine gesunde Umweltschutzpolitik einzuführen.
Ein Großteil der aus lockeren Umweltschutzbestimmungen resultierenden wirtschaftlichen Vorteile würde verschwinden. Darüber hinaus würde der Anreiz,
Zölle zu vermeiden, die Staaten dazu veranlassen,
bessere Umweltschutzvorschriften einzuführen.
Der neue von mir beschriebene GATT-Kodex würde
eine sinnvolle Norm schaffen, mit deren Hilfe Staaten
legitime umweltpolitische Ziele verfolgen könnten, ohne
mit ihren Verpflichtungen im Rahmen des GATT in
Konflikt zu geraten. Natürlich muß ein solcher Kodex
sorgfältig ausgearbeitet werden, damit sich legitime
Umweltschutzmaßnahmen von verstecktem Protektionismus unterscheiden lassen.

AMERIKA DIENST 44

�Zweifelsohne steckt das Konzept eines Umweltkodex der nächsten Runde von GATT-Verhandlungen wernoch in einem sehrfrühen Entwicklungsstadium. Es ist den - einer Runde, die hoffentlich wegen ihrer Konzennoch nicht ausreichend verfeinert worden, um in die tration auf die Umwelt als Grüne Runde bekannt
Uruguay-Runde von GATT-Verhandlungen Eingang werden wird,
zu finden. Er sollte statt dessen ein zentrales Thema
* * * * *

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�KONGRESS
6. November 1991

AUS DER ARBEIT DES KONGRESSES
Vermittlungsausschuß schließt Arbeit am Verteidigungshaushalt ab
Die Mitglieder des Vermittlungsausschusses von
Repräsentantenhaus und Senat haben im großen und
ganzen die Arbeit am Verteidigungshaushalt in Höhe
von 291 Milliarden Dollar abgeschlossen, der die
Ausgaben für strategische Verteidigung erhöht, Finanzhilfe für die Sowjetunion bewilligt und das Programm zum Bau des umstrittenen Tarnkappenbombers B-2 kürzt.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des
Senats, Sam Nunn, erklärte am 1. November 1991, die
Leitlinien des Berichts lieferten einen "Fahrplan" für die
Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) und definierten, was "im Hinblick auf ein wirksames, begrenztes Verteidigungssystem getan werden sollte, um Schutz
gegen versehentliche (Raketen)-Abschüsse und gegen Bedrohungen aus der dritten Welt zu gewähren,
wie sie in Zukunft auftreten könnten".
Der Bericht, der jetzt vom Repräsentantenhaus und
Senat verabschiedet werden muß, sieht die höchsten
jemals bewilligten Ausgaben für strategische Verteidigungssysteme vor (4,15 Milliarden Dollar) und genehmigt darüber hinaus die Entwicklung eines ersten
amerikanischen ABM-Systems (ABM = Raketenabwehr), das im Jahr 1996 stationiert werden soll (die
Sowjets besitzen ein solches System bereits). Während der erste Standort (mit 100 bodengestützten
Abwehrraketen) dem ABM-Vertrag von 1972 zufolge
gestattet ist, wäre dies bei zusätzlichen Standorten,
wie sie im Rahmen des GPALS-Programms (GPALS
= Globaler Schutz gegen begrenzte Schläge) erforderlich sind, nicht der Fall. Deshalb unterstützten die
Mitglieder des Vermittlungsausschusses unverzügliche Gespräche mit der Sowjetunion, um den Vertrag
dahingehend abzuändern, daß zusätzliche ABM-Standorte zulässig sind.
Senator John Warner, der zusammen mit Nunn am 1.
November an einer Pressekonferenz zum Thema
Verteidigungshaushalt teilnahm, stellte fest, die Gespräche mit den Sowjets würden sich auf die Erweiterung amerikanischer Rechte zur Stationierung zusätzlicher ABM-Verteidigungssysteme konzentrieren, um
"eine hochwirksame Verteidigung gegen begrenzte
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Schläge mit ballistischen Raketen zu gewährleisten".
Die Mittel für SDI würden "die künftige Sicherheit
unseres Landes, die Unversehrtheit unserer Streitkräfte in Übersee sowie unserer Freunde und Verbündeten" sicherstellen, fügte er hinzu.
In Zusammenarbeit mit dem Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, Les
Aspin, schlug Nunn eine überraschende, in letzter
Minute vorgestellte amerikanisch-sowjetische Kooperationsinitiative in Höhe von 1 Milliarde Dollar vor. Ein
Teil dieses Vorschlags würde die Benutzung amerikanischer Militärmaschinen zum Transport von Nahrungsmitteln und Medikamenten in die Sowjetunion bei
Notlagen gestatten, wie sie im strengen Winter erwartet werden.
Darüber hinaus werden Mittel für Austausch- und
Umschulungsprogramme bewilligt, um den Sowjets
beim "Abbau ihrer Streitkräfte" zu helfen. Diese
Maßnahme muß in Zusammenhang mit einer möglichen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
gesehen werden, erklärte er, da Länder der dritten
Welt versuchen könnten, arbeitslose sowjetische Ingenieure und Wissenschaftler anzuwerben.
Senator Trent Lott kritisierte diese Hilfsregelung für die
Sowjetunion, indem er bei einer getrennt veranstalteten Pressekonferenz erklärte, es würde angesichts der
hilfsbedürftigen Menschen in den Vereinigten Staaten
ein falsches Signal gegeben. Senator Robert Smith
fügte hinzu, ein solcher Plan sei in Anbetracht der
Rezession in den Vereinigten Staaten "empörend".
Warner zufolge wurden die Bestrebungen zur Abschaffung des Tarnkappenbombers B-2 "erfolgreich
abgewendet". Nunn beschrieb das Programm als
"lebendig, aber nicht ganz gesund". Bisher wurden 15
B-2 genehmigt, die Bush-Administration möchte jedoch insgesamt 75 dieser Flugzeuge beschaffen.
Obwohl der Bericht des Vermittlungsausschusses die
vier von der Administration in der Haushalts vorläge für
1992 beantragten B-2 nicht bewilligt, stellt er 1,8
Milliarden Dollar zur Erhaltung der Produktionsanla-

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�gen für das Flugzeug bereit. Darüber hinaus wird 1
Milliarde Dollar zum Kauf eines sechzehnten B-2 zur
Verfügung gestellt, wenn das Flugzeug erwiesenermaßen alle technischen Voraussetzungen erfüllt. Warner
erklärte, ihm sei von Verteidigungsminister Cheney
am 1. November 1991 versichert worden, Präsident
Bush würde gegen den Kompromißvorschlag zum
Verteidigungshaushalt 1992 wegen der im Zusammenhang mit dem B-2 ergriffenen Maßnahmen nicht
sein Veto einlegen.
Die Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus
einigten sich ferner auf den Kauf weiterer 48 F-16Kampfflugzeuge zu einem Gesamtpreis von 1.073
Milliarden Dollar. Der erfolgreiche Einsatz des F-117
Stealth-Kampfflugzeugs am Persischen Golf ermutigte die Gesetzgeber, den Kauf zusätzlicher vier Flugzeuge zu einem Gesamtpreis von 560 Millionen Dollar
zu bewilligen. Darüber hinaus stimmten sie der Finanzierung von 4 weiteren C-17-Transportflugzeugen für
1,6 Milliarden Dollar zu.

*

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Der Bericht des Vermittlungsausschusses sieht im
kommenden Haushaltsjahr 548 Millionen Dollar für die
Midgetman-Interkontinentalrakete (ICBM) vor. Im
Einklang mit der Initiative des Präsidenten zur Reduzierung der Nuklearwaffen wurden für die schienengestützte MX-Peacekeeper-Rakete keine weiteren Mittel
bereitgestellt.
Die Bewilligung sieht 552,6 Millionen Dollar für Minenräummaßnahmen der Marine vor, einschließlich 361,1
Million für die drei Minensuchschiffe der Küstenwache
sowie 129 Millionen Dollar für Minensuchhubschrauber.
Zwischen 1991 und 1995 werden die US-Streikräfteniveaus um 25 Prozent reduziert.
Frauen sind nicht länger automatisch vom Einsatz in
Kampfflugzeugen ausgeschlossen. Statt dessen erteilt der Kongreß dem Präsidenten die Befugnis, eine
15köpfige Kommission zur Prüfung der Verwendung
von Frauen im Militär zu benennen und fordert ihn auf,
dem Kongreß bis zum 15. November 1992 seine
Empfehlungen vorzulegen.

* * *

*

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