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cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

9. Oktober 1991

*?

DEUTSCH-AMERIKANISCHER
TAG

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN TAG 1991

AUSSENPOLITIK

EAGLEBURGER: FREIHANDELSORDNUNG
ERSTE PRIORITÄT DER USA
Rede des Stellvertretenden Außenministers
vor Unternehmern

GATT

UNTERHÄNDLER ARBEITEN AM
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
von Louis Murphy

KSZE

USA MIT MOSKAUER KSZE-TREFFEN
ÄUSSERST ZUFRIEDEN
Eine Erklärung des Außenministeriums

GOLFKRISE

KALTER KRIEG UND GOLFKRIEG DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN NAHEN OSTEN
von Richard Haass

UMWELT

DAS UMWELTPROGRAMM DER
BUSH-ADMINISTRATION
Eine Übersicht zum Umweltschutz

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�DEUTSCH-AMERIKANISCHER

TAG
9. Oktober 1991

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN TAG 1991
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush lobte anläßlich des 3. Oktober 1991, des ersten Tages der deutschen
Einheit nach der Wiedervereinigung, die Ostdeutschen für ihren Mut zur Überwindung einer tyrannischen
Ideologie.
Bei der Unterzeichnung der Proklamation zum Deutsch-Amerikanischen Tag begrüßte Bush insbesondere die
Vertreter aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.
Dem Präsidenten saß im Roosevelt-Saal Bundesaußenminister Genscher zur Seite, als er erklärte, er wolle
"ganz besonders unsere 17 Millionen neuen deutschen Freunde aus den östlichen Bundesländern, der
ehemaligen DDR, würdigen. Wir bewundern Ihren Mut, mit dem sie die Fesseln einer schrecklichen Ideologie
abgeschüttelt und sich Ihren Brüdern im Westen angeschlossen haben, um ein neues ungeteiltes und freies
Deutschland aufzubauen."
Bush bezeichnete die Ostdeutschen als "wichtige neue Mitglieder unserer transatlantischen Gemeinschaft und
Teil des besonderen Bandes zwischen Deutschen und Amerikanern. Amerikaner und Ostdeutsche waren seit
über zwei Generationen voneinander getrennt... Deshalb begrüße ich Sie, die Besucher aus dem Osten,
besonders herzlich."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten zum "Deutsch-Amerikanischen Tag" am 6.
Oktober 1991 und am 6. Oktober 1992.

Als sich die deutschen Siedler am 6. Oktober 1693 in
der Nähe von Philadelphia niederließen, legten sie
damit den Grundstein für die vielen Bande zwischen
den Vereinigten Staaten und Deutschland. Seitdem
haben Generationen deutscher Einwanderer und ihre
Nachkommen hervorragende Beiträge zur amerikanischen Geschichte und Kultur geleistet. Dennoch sind
die Bande, die wir heute feiern, nicht nur rein verwandtschaftlich, sondern basieren auch auf gemeinsamen
Werten und Hoffnungen. In der Tat beseelt dieselbe
Freiheitsliebe, die die ersten deutschen Einwanderer
zu diesen Ufern geführt hat, immer noch die amerikanisch-deutschen Beziehungen.
Seit über 40 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg
standen die Vereinigten Staaten zu ihren Freunden in
der Bundesrepublik Deutschland, um diesem Land
Freiheit und Sicherheit garantieren zu helfen und unsere
gemeinsamen Interessen zu fördern. Dennoch hegten
wir gemeinsam die Hoffnung, daß eines Tages alle
Deutschen die Segnungen der Freiheit in einem vereinigten, demokratischen und souveränen Deutschland
genießen könnten. Die dramatische Öffnung der
AMERIKA DIENST 40

Berliner Mauer im November 1989 und die offizielle
Vereinigung Deutschlands knapp ein Jahr später haben
die Verwirklichung dieses Ziels belegt. Heute sehen
die Vereinigten Staaten der Fortsetzung der Freundschaft entgegen, die unsere beiden Völker so lange
genossen haben. Aktiver Handel und enge politische
Zusammenarbeit im Kontext des Atlantischen Bündnisses zählen zu den wichtigsten Dimensionen dieser
Beziehungen. Dennoch messen wir auch unseren
verschiedenen Kontakten "von Mensch zu Mensch"
und Austauschprogrammen große Bedeutung bei.
Deshalb haben wir zur Förderung des Austauscht von
Informationen und Ideen mit den fünf neuen Bundesländern - die allzu lange durch ihr kommunistisches
Regime isoliert wurden - gemeinsam mit der Bundesregierung die RIAS-Stiftung gegründet. Die Stiftung
wird gemeinsame Radio- und Fernsehprogramme
fördern und darüber hinaus Ausbildungs- und andere
Programme für Studenten, Rundfunkjournalisten und
andere Medienvertreter anbieten. Ferner haben die
Vereinigten Staaten in diesem Jahr ein neues Generalkonsulat in Leipzig eröffnet und damit die Bande zwischen unseren beiden Völkern noch enger geknüpft.
Seite 1

�Mit dem neuen vereinigten Deutschland verbindet die
Vereinigten Staaten Freundschaft aber auch eine
Partnerschaft in der Führungsrolle. Nach der brutalen
Invasion irakischer Streitkräfte in Kuwait am 2. August
1990 hat sich Deutschland der internationalen Koalition angeschlossen, die die Aggression verurteilt und
sich für eine Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkei*
entschieden hat. Darüber hinaus symbolisiert Deutschland heute nicht nur ein neues ungeteiltes und freies
Europa, sondern steht auch bei den Bestrebungen zur
Verwirklichung dieses Ziels an vorderster Front.
Gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen
westlichen Nationen gewährt Deutschland den aufstrebenen Demokratien Mittel- und Osteuropas seine
Unterstützung durch Investitionen, Ausbildungsprogramme und technische Hilfe.
Im Einklang mit seiner verbesserten Position als Kraft
für Frieden und Stabilität in der Weltpolitik wird Deutschland Gastgeber des nächsten Gipfels der sieben führenden Industrieländer der Welt sein. Die Vereinigten
Staaten sehen diesem Treffen im Juli 1992 in München

*

Seite 2

entgegen und begrüßen die zahlreichen Chancen, die
sich in den deutsch-amerikanischen Beziehungen bieten.
Mit der gemeinsamen Entschließung 151 des Senats
hat der Kongreß den 6. Oktober 1991 und den 6.
Oktober 1992 zum "Deutsch-Amerikanischen Tag"
erklärt und den Präsidenten ermächtigt und ersucht,
zur Würdigung dieser Tage eine Proklamation zu
erlassen.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den 6.
Oktober 1991 und den 6. Oktober 1992 zu DeutschAmerikanischen Tagen. Ich bitte die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, diese Tage mit angemessenen Feiern und Veranstaltungen zu begehen.
Unterzeichnet am 3. Tag des Oktober, im Jahre des
Herrn 1991 und im 216. Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.
(Unterzeichnet) George Bush

* * *

*

AMERIKA DIENST 40

�AUSSENPOLITIK
9. Oktober 1991

EAGLEBURGER: FREIHANDELSORDNUNG
ERSTE PRIORITÄT DER USA
Rede des Stellvertretenden Außenministers vor Unternehmern
WASHINGTON -(AD) - Die Aufrechterhaltung der internationalen Freihandelsordnung sollte erste Priorität der
Vereinigten Staaten in derAußenpolitiksein, erklärte der Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger
in einer Rede vor amerikanischen Unternehmern am 3. Oktober 1991 und unterstrich das sicherheitspolitische
und wirtschaftliche Interesse der Vereinigten Staaten am Erfolg des "derzeit in Osteuropa und der Sowjetunion
stattfindenden Experiments zu Demokratie und freien Marktwirtschaften".
Darüber hinaus "verfolgen wir die Vision einer Freihandelszone auf dem Kontinent, mit der amerikanische
Exporte angekurbelt und die Demokratie für Jahrzehnte in der (westlichen) Hemisphäre gestärkt werden könnte".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Außenministers bei dem von der Zeitschrift
Business Week veranstalteten Symposium.

Der Zusammenbruch der internationalen Nachkriegsordnung hat in jüngster Zeit in diesem Land eine
heftige Debatte über die amerikanische Außenpolitik
und Zielsetzung der Vereinigten Staaten in einer stark
veränderten und sich verändernden Welt ausgelöst. In
einer Demokratie wie der unseren ist eine solche
Debatte fruchtbar und notwendig. Mit ihrer Hilfe können wir herkömmliche Maßnahmen im Hinblick auf ihre
Relevanz unter neuen Bedingungen überprüfen - mit
den Worten Abraham Lincolns können wir dank ihr
"neu denken".
Diese Debatte hat gerade erst begonnen und wird
wahrscheinlich keinen Konsens hervorbringen bis eine
neue internationale Ordnung Gestalt angenommen
hat - ein anscheined vages Ziel, zumindest für die
absehbare Zukunft. Es gibt jedoch einen Aspekt
dieser Debatte, den ich beunruhigend finde und heute
im Hinblick auf seine besondere Relevanz mit dieser
hier unter der Schirmherrschaft von Business Week
versammelten Gruppe von Führungskräften erörtern
möchte.
Ich beziehe mich auf die These, daß die Elemente, die
den Erfolg der Vereinigten Staaten im kalten Krieg
bewirkten, eine Verantwortung in einer von diametral
entgegengesetzten Herausforderungen gekennzeichneten Welt nach den kalten Krieg sind. Mit anderen
Worten, es wird das Argument vorgebracht, unser
militärischer und diplomatischer Heldenmut seien
bestenfalls irrelevant und schlimmstenfalls ein HandiAMERIKA DIENST 40

cap für uns in der bevorstehenden Auseinandersetzung über neue Probleme und Herausforderungen von denen die meisten wirtschaftlicher Art sein werden. Infolgedessen sehen wir uns gezwungen, unsere
Verteidigungsausgaben drastisch zu kürzen und unser Engagement in Übersee einzuschränken, um uns
für den vor uns liegenden gnadenlosen wirtschaftlichen Konkurrenzkampf zu wappnen.
Zur Zeit wird dieses Argument zumindest in seiner
extremsten Form vorwiegend vom Rande des politischen Spektrums vorgebracht. Es ist jedoch einigermaßen offenkundig, daß es innerhalb des Staates
insgesamt fruchtbaren Boden gibt, auf dem solche
Gefühle gedeihen können. Es ist eine Tatsache, daß
das amerikanische Volk den wohlbegründeten Wunsch
nach Bewältigung unserer Herausforderungen im Inland hegt sowie zur Übernahme eines größeren und
faireren Anteils der internationalen Verantwortung durch
unsere Verbündeten. Es besteht die Gefahr, daß
diese berechtigten Sorgen genutzt werden können,
um die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Art der
amerikanischen Führungsrolle zu untergraben, die
nach wie vor wichtig ist - selbst im Hinblick auf die
engste Definition unserer nationalen Interessen.
Ich beabsichtige nicht, die Verdienste bestimmter
außenpolitischer Programme oder Verpflichtungen zu
erörtern, und als der für den Etat des US-Außenministeriums Verantwortliche gestehe ich als erster ein,
daß wir angesichts sich verändernder Realitäten und
Seite 1

�knapper Ressourcen vor allem Prioritäten setzen
müssen. Ich räume jedoch ein, daß sich die Vereinigten Staaten international finanziell grundsätzlich nicht
übernommen haben und unsere Probleme im Inland
nicht aus unserem Engagement in Übersee herrühren
oder aus der aktiven Außenpolitik, die wir in den
vergangenen 45 Jahren betrieben haben. Im Gegenteil, meines Erachtens hängt unser nationales Wohlergehen einschließlich einer gesunden Volkswirtschaft
von einer stabilen internationalen Ordnung ab - einer
Ordnung, die nicht existieren wird, wenn wir sie nicht
gestalten und die Führungsrolle übernehmen.
Daher möchte ich heute die These vorbringen, daß
das, was wir getan haben, um den kalten Krieg zu
gewinnen, in der Tat für die Herausforderungen äußerst relevant ist, mit denen wir uns im In- und Ausland
konfrontiert sehen und wir den Sirenengesang derjenigen ignorieren müssen, die uns drängen, "heimzukommen" und die Last der internationalen Führungsrolle
abzuwerfen, die uns im kommenden Dezember vor 50
Jahren aufgebürdet wurde. Ich vermute oder hoffe
zumindest, daß ich hier in diesem Saal zu den Konvertierten predige, von denen zahlreiche an vorderster
Front darum kämpfen, die Vereinigten Staaten bei
dem harten Konkurrenzkampf auf den Weltmärkten
wettbewerbsfähig zu haften. Die Öffentlichkeit als
Ganzes muß jedoch davon überzeugt werden, daß wir
- da wir den kalten Krieg gewonnen haben - jetzt ein
Disengagement vermeiden und statt dessen bereit
sein müssen, uns mit der Konfusion und Instabilität
auseinanderzusetzen, die unweigerlich auf diesen Sieg
folgen werden.
Ein kluger Mann hat einmal gesagt, diejenigen, die
nicht aus der Geschichte lernen, sind zu ihrer Wiederholung verdammt. Wir müssen uns nur vor Augen
führen, wie erschreckend die erste Hälfte des 20.
Jahrhunderts war - vielleicht der tragischste Fünfzigjahreszeitraum in den Annalen der Geschichte - und
wie das amerikanische Disengagement zu den Desastem jener Zeit beigetragen hat. Wir müssen uns auch
vor Augen führen, daß das amerikanische Engagement und die Führungsrolle den kalten Krieg bewirkt
haben, der einer Ära der Stabilität und des Wohlstands
für uns und unsere westlichen Partner folgte.
Die Geschichte konfrontiert uns also mit zwei diametral entgegengesetzten Ansätzen der amerikanischen
Außenpolitik in diesem Jahrhundert mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Es ist offenkundig, daß wir
beim Eintritt in ein neues Zeitalter unseren Ansatz
überdenken und die erforderlichen Änderungen vornehmen müssen, um neuen Herausforderungen zu
begegnen. Wenn wir jedoch nicht wollen, daß die Zeit
nach dem kalten Krieg der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ähnelt - was sie bereits in einiger Hinsicht tut
- dann müssen wir das ausmachen, was wir während
des kalten Kriegs richtig gemacht haben und lange und
intensiv überlegen bevor wir diese Politik über Bord

Seite 2

werfen. Kurzum: wir müssen besondere Vorsicht
walten lassen, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten.
Die Geschichte unserer Leistungen im kalten Krieg
begründet sich aus dem Scheitern der europäischen
und amerikanischen Diplomatie, den Sieg im Ersten
Weltkrieg in einen stabilen und dauerhaften Frieden
umzuwandeln. Wir traten in diesen Konflikt ein, um
eine imperiale Macht davon abzuhalten, den europäischen Kontinent unter ihre Kontrolle zu bringen. Aber
nachdem wir dieses Ziel mit der militärischen Niederlage des Kaiser-Deutschlands erreicht hatten, gelang
es uns aufgrund unserer mangelnden Bereitschaft, die
der Weltmacht - zu der wir geworden waren - entsprechende Verantwortung zu übernehmen nicht, es zu
sichern. Das Ergebnis war ein Wiederaufleben der
deutschen Bedrohung der europäischen Ordnung und
ein zweiter weltweiter Flächenbrand, in den wir unweigerlich hineingezogen wurden.
So lehrreich diese Lektion war, erlagen wir gegen Ende
des Zweiten Weltkriegs beinahe ein zweites Mal der
Versuchung des Disengagements. Angesichts der
Roten Armee vor den Toren und eines Westeuropas in
Ruinen wurde jedoch deutlich, daß wir entweder selbst
eine neue internationale Ordnung schmieden müßten
oder es überhaupt keine internationale Ordnung geben würde. Aus diesem Grund beschlossen wir zum
ersten Mal in unserer Geschichte, Risiken einzugehen, Verpflichtungen zu übernehmen und Opfer im
Namen von und in Verbindung mit anderen Nationen
zu bringen. Kurz gesagt, wir bildeten ein eng verflochtenes Bündnis und knüpften unser Schicksal auf einer
mehr oder weniger permanenten Basis an das weit
entfernter Völker.
Das war praktisch eine Revolutionierung der amerikanischen Außenpolitik und stand in vollständigem
Gegensatz zu unseren Traditionen sowie unseren
tiefverwurzelten Neigungen als Volk. Die Architekten
dieser Revolution waren von Vision und Mut geleitete
Männer - Harry Truman, George Marshall, Dwight
Eisenhower, Dean Acheson, Arthur Vandenberg und
andere Republikaner und Demokraten -, und sie brachten eine ganz neue Welt hervor, in der souveräne
Nationen ihre Wirtschaftspolitik koordinieren und zugunsten einer gemeinsamen Verteidigung zusammenarbeiten würden. Darüber hinaus verankerten sie
dieses neue Gefüge der internationalen Zusammenarbeit institutionell, indem sie multilaterale Gremien wie
IWF, Weltbank, OECD und die NATO schufen.
Meines Erachtens ist es unvorstellbar, daß die demokratischen Bewegungen in Osteuropa und der Sowjetunion entstanden wären, wenn nicht aufgrund des
Vermächtnisses dieser Pioniere. Bei der Konfrontation zwischen einem totalitären Koloß mit scheinbar
unbegrenzten militärischen Ressourcen und einem
Bündnis parlamentarischer Demokratien hielt die gegen

AMERIKA DIENST 40

�die sowjetische Expansion gezogene Linie 45 Jahre
stand. Aut unserer Seite dieser Linie konsolidierten die
Westeuropäer hinter dem Schild der NATO und gestärkt durch den Marshallplan ihre demokratischen
Institutionen, integrierten ihre Volkswirtschaften und
erlangten phänomenales Wachstum und Wohlstand.
Diejenigen hinter dem Eisernen Vorhang ließen sich in
der Zwischenzeit durch den Erfolg der Westeuropäer
und ihre Unbeirrbarkeit gegen sowjetische Einschüchterung und Aggression inspirieren. Auf lange Sicht
konnte das totalitäre System das Beispiel von Freiheit
und Wohlstand vor seiner Türschwelle einfach nicht
ignorieren. Unfähig, dieses Beispiel auszuradieren,
verkümmerte das System und ging an seinen eigenen
inneren Widersprüchen zugrunde.
Während wir heute über unseren Sieg im kalten Krieg
nachsinnen, ist es ernüchternd, sich vor Augen zu
führen, daß wir schon früher so waren. In der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts haben wir zweimal große
Opfer gebracht, um einen Feind zu bekämpfen, der
unsere demokratischen Freunde zu überwältigen und
eine Hegemonie in Europa zu schaffen drohte - nur um
diese Siege in Friedenszeiten entweder zunichte
gemacht oder bedroht zu sehen. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus sind wir heute erneut mit der
Versuchung konfrontiert, uns aus internationalen
Angelegenheiten zurückzuziehen und Nabelschau zu
betreiben.
Man kann die vor uns liegende Wahl aus zweierlei
Blickwinkeln betrachten. Für mich ist es unumstößlich,
daß wir den grundlegenden Ansatz bewahren sollten,
der uns während des kalten Kriegs nicht nur Sieg
sondern Frieden und Wohlstand beschert hat. Für
andere bedeutet das Ende des kalten Kriegs ipso
facto, daß eine neue Ära einen neuen Ansatz verlangt.
Wie zuvor in diesem Jahrhundert muß bei der Lösung
unseres Dilemmas zwischen Engagement oder Rückzug ein weiter Weg zurückgelegt werden, um die
Gestalt der vor uns liegenden Welt zum Guten oder
Schlechten zu bestimmen. Wir sind einfach zu groß,
als daß es anders sein könnte. In der Zwischenzeit ist
die Welt nach dem kalten Krieg nicht sicher, welche
von zwei höchst unterschiedlichen Richtungen sie
einschlagen soll. Einerseits könnte sie den Weg
Osteuropas und der Sowjetunion in den vergangenen
45 Jahren gehen, wo Unterdrückung den Haß zwischen Volksgruppen und Nationalitätenkonflikte nicht
mildem konnte, die jetzt an die Oberfläche kommen.
Dort könnte die Geschichte zu einem Vergeltungsschlag ausholen, die Konsolidierung der Demokratie
bedrohen und auf neue Unruhen nach dem kalten
Krieg hindeuten.
Auf der anderen Seite steht das Beispiel dessen, was
die westlichen Nationen seit dem Zweiten Weltkrieg
geleistet haben. In diesem kurzen Zeitraum wurden
alte Feindseligkeiten begraben, Muster der Zusammenarbeit institutionell verankert und Armeen unter
AMERIKA DIENST 40

einem einheitlichen Kommando integriert statt gegeneinander aufgestellt. Dort wurde die Geschichte überwunden und ein Modell geschaffen, das den Weg zur
möglichen Gestaltung der neuen Weltordnung weist.
Wir müssen also versuchen, auf diesem Modell aufzubauen, indem wir weiterhin unser Schicksal an das
unserer demokratischen Partner knüpfen. Wir müssen die Institutionen stärken, die multilaterale Kooperation gefördert und gleichzeitig die demokratische
Runde auf unsere ehemaligen Feinde im Osten erweitert haben. Genauso haben wir nach dem Zweiten
Weltkrieg Feinde zu Verbündeten gemacht.
Wir solten uns keinen Illusionen darüber hingeben,
daß eine Aufrechterhaltung - von einer Erweiterung
gar nicht zu reden - des Vermächtnisses der Zusammenarbeit nach dem Krieg leicht ist. Eine solche Kooperation sucht in der Geschichte ihresgleichen und
wurde durch Umstände ermöglicht, die selbst einmalig
waren und nicht mehr existieren - die rigide bipolare
Logik des Systems im kalten Krieg. Vorbei ist der
Kreuzzug gegen den Kommunismus, der Amerika bei
seinen internationalen Aufgaben vereinte und die Außenpolitik oftmals zu einer einfachen Wahl zwischen
Gut und Böse werden ließ. Vorbei ist auch eine
sowjetische Bedrohung in einem Ausmaß, das die
westlichen Demokratien zwingt, Konzessionen zu
machen und sich ständig auf die Interessen anderer
einzustellen.
Und dennoch, wenn wir nicht den Willen aufbieten, aus
der Geschichte zu lernen, könnten wir einmal mehr
Opfer der Geschichte werden. Tatsache ist, daß wir es
mit einer zerfallenden Welt zu tun haben. Der Untergang der Struktur des kalten Kriegs hat sich in einen
Verlust der Kontrolle souveräner Staaten über ihre
inneren Angelegenheiten und des internationalen
Systems über die Behandlung seiner Mitglieder verwandelt. Die multipolare Welt, in die wir zurückkehren,
ist eine Welt, in der einzelne Länder versucht sind,
ihren eigenen Weg zu gehen und kaum Rücksicht auf
das Gemeinwohl oder die internationale Ordnung zu
nehmen. Saddam Hussein mit seinen hemmungslosen Ambitionen und seinen Massenvernichtungswaffen hat uns einen Eindruck davon vermittelt, wie die
Welt aussehen könnte.
Diejenigen, die ein Disengagement Amerikas predigen, haben nicht viel über unser Verhalten in einer
zerfallenden Welt zu sagen, außer der Behauptung,
was außerhalb unserer Grenzen vorgeht, habe für uns
kaum Bedeutung. Tatsächlich können wir uns unmöglich von einer Unmenge internationaler Probleme oder
ihren Konsequenzen abschirmen - von Schulden,
Überbevölkerung, Umweltverschmutzung und Drogenhandel bis zu Terrorismus und Verbreitung von Waffen. Vielleicht am wichtigsten ist, daß wir uns nicht vom
sich schnell integrierenden Weltmarkt isolieren können, von dem wir im Hinblick auf Arbeitsplätze, Technologie, Rohstoffe und Kapital zunehmend abhängen.

Seite 3

�Deshalb sollte die Aufrechterhaltung des freien Welthandels außenpolitisch höchste Priorität haben. Unsere
Wirtschaft hängt ebenso davon ab wie Frieden und
Wohlstand in einer Welt, die unter Umständen stark an
die dreißiger Jahre erinnern könnte, wenn wir ein
Abgleiten in den Protektionismus nicht vermeiden.
Kurzum: die Vereinigten Staaten benötigen eine
Außenpolitik, die eine stabile, aber keineswegs statische internationale Ordnung fördert. Wir sind zum
Beispiel stark interessiert am Erfolg des Experiments
mit freien Märkten und Demokratie in Osteuropa und
der Sowjetunion, das in politischer, sicherheitspolitischer und letztlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht
gemessen werden kann. In ähnlicher Weise verfolgen
wir das Konzept einer Freihandelszone auf dem Kontinent, die amerikanische Exporte beleben und in den
nächsten Jahrzehnten Demokratie auf dem gesamten
Kontinent stärken könnte.
Letztlich bricht also das Argument "Amerika zuerst"
zusammen - es dient nicht nationalen amerikanischen
Interessen, weil es sie zu eng definiert. Wir sind
eindeutig Teil einer Welt, die es sich nicht leisten kann,
ohne die von den Vereinigten Staaten in den letzten 50
Jahren ausgeübte Führungsrolle zu bestehen. Wir
sind nach wie vor der einzige Kandidat mit der Klugkeit,
der Erfahrung und dem weltweiten Einfluß, wie sie für
diese Arbeit erforderlich sind. Sogar unsere unmittelbarsten Interessen werden leiden, wenn wir nicht
unseren Beitrag leisten, um die Kräfte der Anarchie auf
der Welt unter Kontrolle zu halten.

*

Seite 4

*

In diesem Sinne trifft es zu, daß unsere Fähigkeit zur
Ausübung einer weltweiten Führungsrolle Ordnung in
unserem wirtschaftlichen Haus erfordert. Es ist ferner
unvermeidlich, daß wir von dem hohen Stand unseres
auswärtigen Engagements und unserer Ausgaben im
kalten Krieg herunterkommen und auf unsere wohlhabenden Freunde und Verbündeten blicken, auf daß sie
ihren gerechten Anteil an den internationalen Verpflichtungen übernehmen. Wir haben das nach dem
Zweiten Weltkrieg getan - jetzt müssen sie das tun.
Wir sollten uns jedoch daran gewöhnen, auch mit
ihnen die Entscheidungsfindung über eine Vielzahl von
Fragen zu teilen, bei denen unsere Ansichten nicht
unbedingt übereinstimmen. Es ist ganz einfach eine
Tatsache in der Zeit nach dem kalten Krieg, daß die
Durchsetzung unserer Meinung Konzessionen und
Einsatz erfordert. Wenn Saddam Hussein den Weg
der weltweiten Anarchie gewiesen hat, so hat George
Bush die einzige Alternative aufgezeigt: eine Welt, in
der die Vereinigten Staaten als führende Kraft und als
Katalysator internationaler Kooperation und kollektiven Handels fungieren.
Wir treten zweifellos in eine neue und andere Welt ein.
Die alten schlechten Tage des potentiellen nuklearen
Holocaust liegen hoffentlich für immer hinter uns. Aber
Armut, Hunger, Konkurrenz um Märkte, zügellosen
Nationalismus und Instabilität gibt es immer noch.
Wenn das 21. Jahrhundert eine Zeit der Hoffnung und
keine Wiederholung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sein soll, dann nur, weil die Vereinigten Staaten
bereit waren, den Weg dorthin zu ebnen.

*

*

AMERIKA DIENST 40

�GATT
9. Oktober 1991

UNTERHÄNDLER ARBEITEN AM
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
von Louis Murphy
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Leiter der Abteilung multilaterale Angelegenheiten im Handelsministerium.
Der nachfolgend veröffentliche Artikel erschien erstmals am 23. September 1991 in der Publikation des
Ministeriums, Business America.

Die Vorteile, die sich aus einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde von Verhandlungen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT)
ergeben, sind kaum zu überschätzen. Präsident Bush
hat zum Beispiel die Uruguay-Runde mit ihren 108
Teilnehmerländern als Motor bezeichnet, "der die
amerikanische und die Weltwirtschaft ins 21. Jahrhundert steuern kann" und als "Initiative für den stärksten
Wettbewerb". Die Vereinigten Staaten waren eine
treibende Kraft, um die Länder an den Verhandlungstisch zu bringen, und für die Bush-Regierung hat die
Runde nach wie vor höchste Priorität in der Handelspolitik. Das überrascht nicht: schätzungsweise könnte
ein erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde in einem Zeitraum von 10 Jahren nach Abschluß dieser
Runde eine Gesamtzunahme der US-Produktion von
mehr als 1 Billion Dollar zur Folge haben.
Die Uruguay-Runde ist die jüngste in einer Reihe von
acht Verhandlungsrunden über die Liberalisierung des
Handels, die seit der Einführung des GATT im Jahr
1947 abgehalten wurden. Diese im September 1986
in Puntadel Este (Uruguay) aufgenommene Runde ist
bis heute die bei weitem ehrgeizigste und komplexeste
- die Zahl der Teilnehmer und der verhandelten Themen ist größer als je zuvor.
In den fünf Jahren seit Beginn der Uruguay-Runde
haben sich die Zielsetzungen der Vereinigten Staaten
nicht verändert. Wir streben nach wie vor ein umfassendes Paket von Vereinbarungen an, darunter:
niedrigere tarifäre und nichttarifäre Hemmnisse
für Fertigwaren und andere Güter,

AMERIKA DIENST 40

effektive Regeln über die Beilegung von Streitfällen, Subventionen, Antidumping, Normen, Zahlungsbilanz, Importlizenzen, Importschutz und
das Funktionieren des GATT-Systems (FOGS),
Regeln zum Schutz geistigen Eigentums amerikanischer Unternehmer (die Verhandlungsgruppe über handelsbezogene Aspekte des Rechts
auf geistiges Eigentum - TRIPs),
Regeln für den Handel mit Dienstleistungen,
weniger Beschränkungen für US-Investoren, im
Ausland zu operieren (Verhandlungsgruppe über
handelsbezogene Investitionsmaßnahmen TRIMs),
eine grundlegende Reform des Handels mit
Agrarerzeugnissen, die zu fairerem Wettbewerb
und offeneren Märkten führt und
volle Beteiligung der Entwicklungsländer am
Welthandelssystem.
Von den hier beschriebenen Verhandlungsbereichen
werden drei - Dienstleistungen, TRIMs und TRIPs - als
"neue Themen" bezeichnet. Darüber hinaus ist diese
Runde die erste, die Verhandlungen über eine weitreichende Liberalisierung des Agrarhandels umfaßt. Wir
haben Bestrebungen zur Einbeziehung dieser vier
Bereiche in die Tagesordnung der Uruguay-Runde voll
und ganz unterstützt. Ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft ist unbestreitbar. 1989 wurde geschätzt, daß
allein diese vier Bereiche mehr als ein Drittel des
gesamten Welthandels oder über 1,5 Billionen Dollar
ausmachten.

Seite 1

�Wie sieht der Zeitplan für den Abschluß der Runde en und den Welthandel anzukurbeln. Dennoch muß
dieser Motor mit dem politischen Willen aller Teilnehaus?
mer betrieben werden. Die Vereinigten Staaten tun
Seit Wiederaufnahme der Verhandlungen im Februar alles in ihrer Macht Stehende, um zu gewährleisten,
1991 nach ihrer Unterbrechung beim Brüsseler Mini- daß die Uruguay-Runde in ein umfassendes und
stertreffen haben sich die Teilnehmer auf die Lösung substantielles Paket von Abkommen mündet. Jetzt ist
so vieler technischer Fragen wie möglich konzentriert es an unseren Verhandlungspartnern, dasselbe Maß
und damit die schwierigste der politischen Fragen auf an Zielstrebigkeit zu beweisen.
den Herbst dieses Jahres verschoben, wo sie von den
Unterhändlern geprüft werden soll. In jüngster Zeit hat Im folgenden werden kurze Abrisse der Entwicklungen
der Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel, gefor- in jeder Verhandlungsgruppe seit Wiederaufnahme
dert, die Verhandlungen sollten beschleunigt werden der Verhandlungen im Februar dieses Jahres dargeund die Teilnehmer dürften nicht länger Unterschei- legt. Ferner werden Probleme beschrieben, die in
dungen zwischen "technischen" und 'politischen" Fragen jedem Bereich noch gelöst werden müssen. Darüber
machen. Er erklärte, bei der Runde sei das Stadium hinaus legen wir einen Bericht über ein jüngstes Seminar
gekommen, da eine Entscheidung ("Dealmaking") des Handelsministeriums und des Büros der USgetroffen werden müsse, und die Teilnehmer sollten Handelsbeauftragten vor, um Vertreter der Bundesbereit sein, "hart zu verhandeln und die Verknüpfun- staaten und Kommunen über potentielle Entwicklungen zu informieren, die für sie bei den Verhandlungen
gen zwischen den Problemen positiv zu nutzen".
über staatliche Beschaffung und Dienstleistungen reDie Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Fortset- levant sind.
zung der Verhandlungen in diesem Monat auf schnelle
Fortschritte hinzuarbeiten. Beim jüngsten Weltwirt- Marktzugang
schaftsgipfel in London hat Präsident Bush gemeinsam mit anderen Staats- und Regierungschefs sein Diese Kategorie umfaßt die Verhandlungen über tariEngagement für einen substantiellen und umfassen- färe und nichttarifäre Maßnahmen und - für die Entden Abschluß der Uruguay-Runde bekräftigt und vor- wicklungsländer - Textilien und Landwirtschaft. Die
geschlagen, alle Mitglieder des GATT sollten sich den Verhandlungsgruppen über tropische und RohstoffAbschluß der Runde im Jahr 1991 zum Ziel setzen. produkte sind Teil dieser Verhandlungen.
Dennoch sind die Vereinigten Staaten realistisch über
den Arbeitsumfang, bevor das letzte Paket von Verein- Im Frühjahr und Sommer wurden die Verhandlungen
barungen zur Uruguay-Runde Gestalt annehmen kann, über Marktzugang vor allem in einer Reihe von bilateinsbesondere in wichtigen Verhandlungsbereichen wie ralen und plurilateralen Treffen der Teilnehmer geführt. Darüber hinaus fanden multilaterale Treffen zur
Landwirtschaft.
Überprüfung bilateraler und plurilateraler Fortschritte
statt.
Die Vereinigten Staten konzentrieren sich nach
Landwirtschaft wird auch als Dreh- und Angelpunkt
wie
vor
auf Vorschläge zum Abbau von Zöllen auf der
der Runde bezeichnet. Die Zustimmung der IndustrieBasis
der
Gegenseitigkeit ("Zero/Zero") in 10 Sektoländer, Landwirtschaft zu verhandeln, war einer der
ren:
Fischereiwesen,
Baumaterial, medizinische Hilfswichtigsten Faktoren, um die Entwicklungsländer an
güter,
Elektronik,
nichteisenhaltige
Metalle, Holz, Papier,
den Verhandlungstisch zu bringen und bestimmt ihre
Stahl,
Arzneimittel
und
Bier.
Die
meisten wichtigen
Unterstützung für mehrere Elemente im industriellen
Teilnehmer
haben
sich
bereits
verpflichtet,
ihre Zölle
Paket. Die Vereinigten Staaten haben sich uneingeauf
Arzneimittel
und
Stahl
auf
Null
zu
senken.
Denschränkt für die Verhandlungen über Landwirtschaft
noch
hat
die
Europäische
Gemeinschaft
die
meisten
engagiert. Dennoch ist nicht klar, ob sich einige
unserer Handelspartner, insbesondere die Europä- anderen Sektoren noch nicht unterstützt, und Japan ist
ische Gemeinschaft, bei der Runde ernsthaft für die nicht zu Verhandlungen über Fischereiwesen und Holz
Verhandlungen über grundlegende Reformen in der bereit.
Landwirtschaft einsetzen.

Bei den bilateralen Verhandlungen engagieren sich die
Vereinigten
Staaten in technischen Diskussionen mit
Verständlicherweise sind die Vereinigten Staaten ebenso
über
30
Handelspartnern,
um substantiellen Verhandwie andere Verhandlungsteilnehmer nicht bereit, bei
lungen
im
Herbst
den
Weg
zu bereiten. Dennoch wird
dem Abkommen Inhalte zugunsten von Geschwindigder
Erfolg
ebenso
wie
bei
den
"Zero/Zero"-Vorschläkeit zu opfern. Unserer Meinung nach wird ein neuer
gen
in
den
meisten
unserer
bilateralen
Verhandlungen
Termin festgesetzt, sobald es in allen Berichen ernstvon
Fortschritten
bei
Verhandlungen
mit
unseren größhafte Verhandlungen gibt, einschließlich Landwirtschaft,
ten
Handelspartnern
abhängen:
der
Europäischen
Dienstleistungen und Marktzugang. Diese Bereiche
waren Gegenstand umfangreicher Arbeit auf techni- Gemeinschaft und Japan. Im Sommer haben die
Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinscher Ebene in Genf.
schaft Forderungslisten und erste Reaktionen auf diese
Präsident Bush hat erklärt, die Uruguay-Runde könne Interessen ausgetauscht. Dieser Austausch wird den
als Motor fungieren, um Handelsschranken abzubau- Grundstein für Fortschritte im Herbst legen. Im HinSeite 2

AMERIKA DIENST 40

�blick auf Japan drängen die Vereinigten Staaten weiterhin auf Zollsenkungen unter die gegenwärtig in
Japan geltende Sätze sowie auf erhebliche Senkungen der Zölle auf verarbeitete Agrarerzeugnisse. Im
Fall der Entwicklungsländer müssen bestimmte Probleme bei den Agrarverhandlungen gelöst werden,
bevor größere Fortschritte beim Marktzugang erzielt
werden können. Bei den nichttarifären Maßnahmen
drängen die Vereinigten Staaten weiterhin auf begrenzte Verpflichtungen zur Liberalisierung bestimmter
länderspezifischer Maßnahmen.
Textilien
Im Sommer ist die Arbeit in der Verhandlungsgruppe
Textilien zur Definition der Produkte in einem Abkommen über Textilien und Bekleidung fortgeführt worden.
Mögliche Methoden der Beurteilung einer Liberalisierung von Quoten und ein US-Vorschlag für die Durchsetzung von Quoten (Nichtumgehung) wurden ebenfalls erörtert. Der vom Vorsitzenden der Gruppe
vorbereitete Text, der auch beim Brüsseler Ministertreffen im Dezember vergangenen Jahres als Diskussionsbasis diente, bleibt Ausgangspunkt künftiger
Verhandlungen.
Die wichtigste Entwicklung bei Textilien in den letzten
Wochen war die ohne Revision erfolgte Verlängerung
des Multifaserabkommens (MFA). Das Abkommen,
das am 31. Juli 1991 auslaufen sollte, wurde bis Ende
1992 um 17 Monate verlängert. Die Verlängerung war
notwendig, um Berechenbarkeit und Stabilität im Textilund Bekleidungshandel zu gewährleisten, bis die
Endergebnisse der Uruguay-Runde durchgeführt werden
können.
Landwirtschaft
Seit Wiederaufnahme der Konsultationen über Landwirtschaft im März in Genf sind technische Fortschritte
erzielt und wichtige Themen in jedem der drei Schlüsselbereiche neu definiert worden - Unterstützung im
Inland, Exportsubventionen und Marktzugang. Dennoch gibt es immer noch technische Probleme in
jedem Bereich, und über den Grad und den Zeitrahmen von Verpflichtungen zur Reduzierung sind keine
Vereinbarungen getroffen worden.
Im Hinblick auf die Unterstützung im Inland sind generell Fortschritte über die Definition einer Reihe von
Maßnahmen erzielt worden, die von den Verpflichtungen zur Reduzierung ausgenommen werden sollen.
Differenzen bestehen weiterhin über die Definition des
Instruments für Verpflichtungen zur Reduzierung "inländischer Unterstützung". Beim Marktzugang gab es
Fortschritte bei der Methode zur Umwandlung nichttarifärer Maßnahmen (non-tarif measures - NTMs) in
Zölle, eine Politik, die von den Vereinigten Staaten
befürwortet wird. Dennoch haben nicht alle Teilnehmerzugestimmt, ihre NTMs in Zölle umzuwandeln. Im
Bereich Exportsubventionen gab es Fortschritte bei

AMERIKA DIENST 40

der Identifizierung von Maßnahmen, die in ein Abkommen umgesetzt werden sollen. Differenzen über die
Definition bleiben bestehen, und eine Übereinstimmung, wie diese Programme zu reduzieren sind, muß
noch erzielt werden.
Die nächsten Konsultationen über Landwirtschaft sind
für Mitte September geplant. Die Teilnehmer müssen
die Instrumente definieren, mit denen in den drei
ungelösten Schlüsselbereichen die Unterstützung in
der Landwirtschaft bewertet und reduziert werden
kann. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, werden
Fortschritte bei den Verhandlungen über Landwirtschaft von der Bereitschaft der Europäischen Gemeinschaft abhängen, in allen Bereichen ernsthaft zu verhandeln.
GATT-Institutionen
Die Verhandlungsgruppe Institutionen hat die früheren
Verhandlungsgruppen überdie Beilegung von Streitigkeiten und die Funktionsweise des GATT-Systems
(FOGS) abgelöst. Diese Gruppe wird auch die Verantwortung für den Entwurf der die Ergebnisse der Runde
umfassenden letztlichen Instrumente tragen. Sie kann
möglicherweise auch eine neue Organisationsstruktur
entwerfen, die nach der Runde ausgearbeitet werden
soll.
Die Funktionsweise des GATT (FOGS). Ein wichtiges Ziel bei den Verhandlungen über FOGS besteht
darin, die Position des GATT zu verbessern und GATTPrinzipien bei der Entwicklung einer Welthandelspolitik durch alle GATT-Mitglieder zu stärken. Infolge des
bei der Zwischenbilanz der Runde erzielten Abkommens haben die Teilnehmer einen Überprüfungsmechanismus für eine substantielle neue Handelspolitik
vereinbart, mit dem das GATT die Handelspolitik einzelner Länder überwachen kann. Darüber hinaus
wurde vereinbart, durch eine stärkere Beteiligung der
Minister an den GATT-Aktivitäten die institutionelle
Effektivität zu verbessern. Ferner will man den Beitrag
zur Weltwirtschaftspolitik steigern, auch durch engere
Verbindungen zwischen dem GATT und den internationalen Finanzinstitutionen.
Bei GATT-Konsultationen über FOGS haben sich die
Teilnehmer geeinigt, Gespräche über die Schlußakte
(mit der die bei der Runde ausgehandelten Vereinbarungen in das GATT aufgenommen werden) zu verschieben. Das Problem der Einheitlichkeit (Handel,
Geldpolitik und Haushalt) in der Wirtschaftspolitik wird
ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt aufgegriffen.
Beilegung von Streitfällen. Als Ergebnis der Zwischenbilanz der Uruguay-Runde wurden am 1. Mai
1989 wichtige Interimzusätze zum Prozeß der Beilegung von Streitfällen verabschiedet, die bis zum Abschluß der Runde gelten sollen. Dann wird eine
Entscheidung fallen, ob sie permanent verabschiedet
werden sollen. Diese Zusätze korrigieren viele verfah-

Seite 3

�renstechnische Schwachstellen im Prozeß der Beilegung von Streitfällen, beseitigen Möglichkeiten zur
Verzögerung der Einrichtung eines Ausschusses oder
der Verfahren nach dessen Gründung.

Dennoch scheinen die weniger entwickelten Länder
das Thema der Zahlungsbilanzreform eher als politisches Anliegen denn als kritisches Element des Verhandlungspakets der Uruguay-Runde anzusehen.

Trotz dieser Verbesserungen wird der Prozeß zur
Beilegung von Streitfällen immer nuch von der Möglichkeitderunterliegenden Partei behindert, die Verabschiedung von Ausschußberichten durch das Fehlen
effektiver Verfahren zu blockieren, mit denen sichergestellt werden soll, daß die Ausschußergebnisse
unverzüglich durchgeführt werden sowie die Fähigkeit
der Verliererpartei, die Forderung der Gewinner zu
blockieren, sich bei Nichteinhaltung zu rächen. Die
Vereinigten Staaten streben darüber hinaus eine Vereinbarung über enge Zeitrahmen für den Prozeß der
Beilegung von Streitigkeiten an, die im Einklang mit
dem in Paragraph 301 des erweiterten Handelsgesetzes von 1974 erlaubten Zeitrahmen stehen. Diese und
andere Probleme werden von den Unterhändlern für
die Beilegung von Streitfällen aufgegriffen, wenn die
Gruppe Ende September wieder zusammentritt.

Die Vereinigten Staaten führten die jüngsten Entwicklungen bei Artikel XVIII b als Beweis dafür an, daß sich
bei der Zahlungsbilanzreform Chancen abzeichnen.
Die Vereinigten Staaten stellten fest, daß eine Reihe
von Ländern bei der Bewältigung der Zahlungsbilanzprobleme bereit ist, einen neuen Kurs einzuschlagen - einen politischen Kurs, der Liberalisierung des
Handels und wirtschaftliche Effizienz betont. (Brasilien, Argentinien und Peru haben kürzlich die Anwendung
des Zahlungsbilanzausgleichs aufgehoben, mit dem
handelsverzerrendende Praktiken gerechtfertigt wurden).

Bei den jüngsten Diskussionen über die Reform der
Zahlungsbilanz zeigten die Vertreter der Entwicklungsländer, die sich bisher der Verhandlung dieses Themas vehement widersetzt hatten, größere Flexibilität.

ausstehende Thema, das bei dem angestrebten neuen Subventionsabkommen gelöst werden muß. Es
gibt jedoch noch andere Probleme, die ebenfalls angesprochen werden müssen bevor die Verhandlungen

Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen. Die
Vereinigten Staaten waren einer der vehementesten
Verfechter der Stärkung des GATT-Abkommens über
Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen. Enttäuscht
vom begrenzten Erfolg des Subventionskodex der
Tokioter Runde zur Begrenzung von Subventionen
G ATT-Regeln und TRIMs
strebten die amerikanischen Unterhändler eine neue
Die Konsultativgruppe über GATT-Regeln umfaßt Subventionsvereinbarung an, die 1. multilaterale
Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen, Import- Subventionsregeln und -disziplinen insbesondere bei
schutz, GATT-Artikel, Normen, Antidumping, Importli- "Binnensubventionen" klären und stärken, 2. den
zenzen, staatliche Beschaffung und Zollbewertung. Schlichtungsmechanismus vereinfachen, 3. EntwickFerner behandelt diese Konsultativgruppe zwei Pro- lungsländer in den Rahmen der Subventionsverpflichbleme im Zusammenhang mit multilateralen Verhand- tungen voll einbeziehen und 4. die Wirksamkeit natiolungen über Marktzugang, Inspektionen vor dem Trans- naler Hilfsmaßnahmen bei Ausgleichszöllen aufrechtport und Herkunftsbezeichnungen. Seit kurzem wer- erhalten würde. Obwohl diese Ziele von einigen andeden auch TRIMs von dieser Gruppe abgedeckt.
ren Ländern geteilt wurden (einige Ziele zwar mehr als
andere) waren viele unserer Handelspartner praktisch
Die Länder haben die Verhandlungstexte ad referen- ausschließlich an Verhandlungsregeln interessiert, die
dum akzeptiert (die Unterhändler haben einen Text bestimmte Subventionen gegen Ausgleichszölle oder
vereinbart, der vor dem endgültigen Abschluß der GATT-Maßnahmen immunisieren würden.
Uruguay-Runde nicht erneut verhandelt wird) für Inspektionen vordem Transport, Herkunftsbezeichnun- Dieses breite Interessenspektrum spiegelt sich in dem
gen, Importlizenzen, Zollbewertungen und staatliche zum Ministertreffen in Brüssel weitergeleiteten VerBeschaffung (Zulassung weiterer Länder) sowie GATT- handlungstext wider, obwohl er insgesamt nur von
Artikel (über staatlichen Handel, Neuverhandlung von sehr wenigen Ländern verabschiedet und von den
Zollkonzessionen und die Festschreibung anderer Zölle wichtigsten Verhandlungspartnern als unausgewogen
und Abgaben im Zollsystem). Weiterhin gibt es folgen- bezeichnet wurde. Anhand des beim Ministertreffen in
de Entwicklungen:
Montreal im Dezember 1988 vereinbarten "Ampelprinzips" definiert er drei Kategorien von Subventionen:
GATT-Artikel. Das wichtigste von dieser Verhanverbotene Subventionen, zulässige aber einklagbare
dlungsgruppe erörterte Thema ist die Reform der ZahSubventionen sowie zulässige, nicht einklagbare
lungsbilanz-Bestimmungen des GATT. Die VereSubventionen. Beim Brüsseler Ministertreffen warder
inigten Staaten streben eine Änderung der ZahlungbiHauptstreitpunkt ein angemessenes "Gleichgewicht"
lanz-Bestimmungen an, so daß andere Länder (insbezwischen entweder formal oder tatsächlich verbotesondere die weniger entwickelten) präzisere, konnen und nicht einklagbaren Subventionen, unabhänstruktivere Regeln zu Verfügung haben u nd sich für die
gig davon, ob die nicht einklagbaren Subventionen
am wenigsten handelsverzerrenden Maßnahmen entgegenteilige Wirkung auf den Handel hätten.
scheiden können, wenn sie die Anwendung dieser Verfügungen in Zukunft für notwendig erachten.
Diese Frage des "Gleichgewichts" ist das wichtigste

Seite 4

AMERIKA DIENST 40

�erfolgreich abgeschlossen werden können. Diese
Themen beziehen sich auf eher technische Fragen,
etwa wie bestimmte Subventionen ausgemacht und
bewertet oder wie Entwicklungsländer und Länder "im
Übergang zu Marktwirtschaften" behandelt werden.
Obwohl seit dem vergangenen Winter nicht sehr viel
mehr als organisatorische Aktivitäten und Bestandsaufnahmen stattgefunden haben, werden die Unterhändler erwartungsgemäß diese substantielleren
Themen im Laufe dieses Monats erneut behandeln.
Antidumping. Der aktuelle GATT-Kodex zu Antidumpingpraktiken wurde während der Tokioter Runde
ausgehandelt, und die Vereinigten Staaten waren in
den vergangenen zehn Jahren mit seiner Anwendung
im großen und ganzen zufrieden. Daher sind wir nicht
für eine radikale Überarbeitung dieser Vereinbarung
obwohl die amerikanischen Unterhändler bestimmte
Bereiche ausgemacht haben, in denen Verbesserungen der Regeln wünschenswert wären. Die Vereinigten Staaten haben insbesondere die Verhandlung von
Regeln befürwortet, die größere Transparenz und
Verfahrensschutz für die Antidumpingsysteme aller
Länder gewährleisten würden sowie Regeln zur Bewältigung des Problems der Umgehung von Antidumpingmaßnahmen. Eine Reihe anderer Länder würde
statt dessen die erneute Aushandlung der Grundlagen
des Kodex bevorzugen, mit der präzise und detaillierte
Regeln zur Abschaffung praktisch der gesamten
administrativen Befugnis der Prüfungsbehördern aufgestellt würden. Obwohl wir nicht gegen größere
Klarheit bei einzelnen Bestimmungen des Kodex sind,
lehnen wir Bestrebungen zur Abschaffung der herkömmlichen Antidumpingmethoden und zur Schwächung von Maßnahmen gegen Antidumping ab.
Infolge dieser tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten konnten sich die Unterhändler nicht auf einen
einzigen Text - nicht einmal als Verhandlungsgrundlage - einigen. Dennoch besteht im großen und ganzen
Konsens zwischen den Teilnehmern bezüglich der
verfügbaren Optionen zur Behandlung der ausstehenden Themen falls ein Abkommen über das wahre
Ausmaß und die Art des neuen Kodex erzielt wird.
Bisher ist noch unklar, ob die Befürworter radikaler
Veränderungen jetzt bereit sind, ein bescheideneres
Paket zu akzeptieren, das für alle betroffenen Länder
annehmbar wäre.
Staatlicher Beschaffungskodex. Die Unterzeichner
des GATT-Beschaffungskodex arbeiten an der Erweiterung der Regeln und Verfahren des Kodex auf vom
Staat betriebene Einrichtungen, Beschaffung von
Dienstleistungen sowie nachgeordnete Regierungsstellen. Zur Zeit werden die Bestimmungen des Kodex, mit denen die nicht differenzierende Vergabe von
Regierungsverträgen gewährleistet wird, nur auf die
Beschaffung für Waren im Wert von über 172.000

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Dollar durch bestimmte Regierungsinstitutionen angewendet. Die Unterhändler hoffen, auch die Regeln und
Verfahrensweisen zu verbessern, die auf die gesamte
Beschaffung zutreffen, einschließlich der Einrichtung
eines nationalen Systems, um Einspruch gegen Ausschreibungen zu erheben, mit dem Beschwerden gegen
bestimmte Beschaffungen unverzüglich und wirksam
ausgeräumt und die Einschränkungen für vom Kodex
abgedeckte Beschaffungen gelockert werden.
Ein Hauptstreitpunkt bei den Verhandlungen bezieht
sich auf den Kodex für Anlagen, insbesondere Telekommunikationsnetze. Die amerikanischen Hersteller
warten sehr gespannt auf die Öffnung der EG-Märkte
für staatliche Elektrizitäts- und Telekommunikationsanlagen, die bisher "nationale Vorreiter" bei ihren
Entscheidungen über Beschaffungen bevorzugt haben.
Normenkodex. Am 18. Oktober 1990 wurde ein
Textentwurf vereinbart, der das Abkommen der Tokioter Runde über technische Handelshemmnisse (den
"Normenkodex") überarbeitet. Dieser Textentwurf
beinhaltet einige wichtige amerikanische Zielsetzungen, einschließlich erweiterter Disziplinen für Konformitäts-Beurteilungsverfahren, Abdeckung von Verarbeitungs- und Produktionsmethoden, Abdeckung nichtstaatlicher regionaler Normenentwicklung sowie verbesserte Transparenz. Seit der Wiederaufnahme der
Verhandlungen im Februar haben die Vereinigten
Staaten mehrere ausstehende Themen mit den wichtigsten Delegationen bei einer Reihe bilateraler und
multilateraler Treffen erörtert, unter anderem: die
Verpflichtung der Bundesregierung, die Einhaltung
von Bestimmungen des Kodex durch die Bundesstaaten und Kommunen sowie des Vorschriftenkodex bei
der Entwicklung freiwilliger Normen sicherzustellen.
TRIMs. Bei ihren Bestrebungen, die staatliche Anwendung handelsbezogener Investitionsmaßnahmen
in die GATT-Disziplin einzubeziehen, stoßen die Vereinigten Staaten weiterhin auf den Widerstand der
Entwicklungsländer gegen eine Disziplin für TRIMs
und insbesondere auf die Ablehnung des Verbots
solcher Maßnahmen durch die Entwicklungsländer.
Hardlinerunterden Entwicklungsländern verhinderten
die Vorlage eines Texts des Vorsitzenden beim Ministertreffen in Brüssel, der das Verbot enthielt. Obwohl
die TRIMs-Gruppe im Augenblick keinen Text vorliegen hat, sind die TRIM-Unterhändler in diesem Frühjahr und Sommer mehrfach zur Erörterung der Tagesordnung zusammengekommen. Das Treffen im Juli
bewirkte keine offizielle Änderung in der Position der
Länder, brachte jedoch eine Erklärung zum uneingeschränkten Engagement fürdas von der Europäischen
Gemeinschaft vorgelegte Thema hervor. Die TRIMsGruppe wird in diesem Monat erneut zusammentreffen.

Seite 5

�TRIPs
Die TRIPs-Unterhändler befassen sich mit den unangemessenen internationalen Normen für den Schutz
von solchen Eigentumsrechten wie Patenten, Warenzeichen, Urheberrechten, Handelsgeheimnissen, Design
von Halbleiterchips sowie der Verwirklichung dieser
Normen. Die Unterhändler streben ferner die Erarbeitung eines wirksamen Schlichtungsmechanismus bei
Meinungsverschiedenheiten an, mit dem Probleme
beim Recht an geistigem Eigentum angesprochen
werden sollen, da derzeit kein effektiver, international
anwendbarer Mechanismus existiert. Bis heute haben
die Verhandlungen einen Text hervorgebracht, der
mehrere Optionen zu ausstehenden Fragen enthält.

laysia bis zu entwickelten Märkten wie Japan und der
Europäischen Gemeinschaft. Diese Angebote unterscheiden sich im Umfang. Amerikanische Regierungsvertreter haben bilaterale Konsultationen mit rund
40 Ländern geführt, um die Vorlage von Angeboten zu
ermutigen, die bereits unterbreiteten zu klären und auf
den Abbau von Handelshemmnissen zu drängen.
Die Vereinigten Staaten haben ihr erstes Angebot im
November 1990 vorgelegt. Die amerikanische Regierung überarbeitet dieses Angebot derzeit zur Vorlage
im Herbst dieses Jahres.

Im Juni 1990 haben die Vereinigten Staaten andere
Länder über rund 28 spezifische Hemmnisse informiert, die den Export amerikanischer Dienstleistungen
behindern.
Die Vereinigten Staaten sind zur Zeit mit
Seit Wiederaufnahme der Uruguay-Runde in diesem
einer
Überprüfung
dieser Liste von HandelshemmnisFrühjahr haben zwei Treffen der TRIPs-Verhandlungssen
befaßt.
Diese
überarbeitete
Liste sollte um den 20.
gruppe stattgefunden. Alle Teilnehmer stimmten überein,
September
vorgelegt
werden,
ein
Termin, auf den wir
daß die TRIPs-Gruppe bei technischen Fragen so
uns
mit
unseren
Handelspartnern
für die Vorlage von
große Fortschritte wie derzeit möglich gemacht hat.
Anträgen
zum
Abbau
von
Handelshemmnissen
für
Die Teilnehmer der TRIPs-Gruppe waren sich einig,
Dienstleistungen
auf
den
jeweiligen
Märkten
verständaß die wichtigsten Probleme nicht gelöst werden
können, bis die Verhandlungen in anderen Bereichen digt hatten. Amerikanische Regierungsvertreter er- insbesondere Landwirtschaft - weiter vorankommen. warten die Aufnahme noch intensiverer bilateraler
Verhandlungen nach Erhalt dieser Anträge im Hinblick
Die TRIPs-Gruppe konnte nach wie vor bei mehreren auf den Austausch von Konzessionen, um Hemmniswichtigen Themen keine Einigung erzielen, beispiels- se für bestimmte Sektoren anzusprechen.
weise, ob die Patentnormen alle Technologien - so
etwa Arzneimittel - schützen und welche Disziplinen Auch beim Text für ein Dienstleistungs-Rahmenabfür die obligatorische Patentlizenzvergabe angewandt kommen wurden Fortschritte erzielt. Bei mehreren
werden, ob Aufzeichnungsrechte (die Rechte von Themen zeichnet sich ein Konsens ab, wie etwa bei
Herstellern von Tonaufzeichnungen, Sendern und der Auslegung des Prinzips der "nationalen BehandDarstellern) von dem Abkommen und die Art der lung", den Verfahren zur Abdeckung bestimmter SekBestimmungen bei der Bezeichnung des Herkunfts- toren sowie einigen Teilen getrennter Anhänge, die
landes (Behandlung geographischer Bezeichnungen) sich mit Mobilität der Arbeitskräfte und finanziellen
abgedeckt werden. Diese Themen werden jedoch von Dienstleistungen befassen.
der TRIPs-Gruppe als politischer Natur angesehen
und müssen oberhalb der Verhandlungsebene gelöst Im Herbst werden die Unterhändler versuchen, die
werden. Das nächste Treffen der TRIPs-Verhand- verbleibenden Differenzen bei bestimmten Rahmenverfügungen einzugrenzen, die nicht verabschiedet
lungsgruppe war für Mitte September anberaumt.
werden konnten. Dazu zählen Fragen wie etwa, ob der
Ausschluß vom Meistbegünstigungsstatus zeitlich
Dienstleistungen
begrenzt werden kann, die Wirksamkeit von ZahlungsNach der Wiederaufnahme der Gespräche im Februar bilanz-Schutzmaßnahmen, Verpflichtungen im Zusamdieses Jahres unterstrich die Verhandlungsgruppe menhang mit Technologietransfer sowie der internaDienstleistungen die Notwendigkeit zur Liberalisierung tionale Zahlungsverkehr.
bestimmter ausländischer Handelshemmnisse als
grundlegendes Element zur Erlangung eines Dienst- Seminar über Beschaffung und Dienstleistungen
leistungs-Abkommens. Ein wesentliches Ziel der für die US-Unterhändler
Vereinigten Staaten bestand darin, die Länder zu
drängen, ein "Angebot" der Sektoren zu unterbreiten, Ende Juli nahmen Regierungsvertreter aus den Bundie sie in dem vorgesehenen Dienstleistungs-Rahmen- desstaaten und Gemeinden an einem vom Handelsmiabkommen abdecken werden. Die Vereinigten Staaten nisterium und der US-Handelsbeauftragten (USTR)
streben die Abdeckung in kommerziell entscheiden- veranstalteten Seminar in Washington, D.C., über
den Bereichen wie Finanz- und Versicherungswesen, staatliche Beschaffung und Dienstleistungen teil - zwei
freiberufliche Dienstleistungen, Telekommunikation, Bereiche, die in der Uruguay-Runde verhandelt werden und direkten Einfluß auf die Regierungen der
audio-visuelle und gewerbliche Dienstleistungen an.
Bundesstaaten und Gemeinden haben. Dieses SemiBis heute wurden Angebote von 35 Ländern vorgelegt, nar bot den amerikanischen Unterhändlern Gelegenvon weniger entwickelten Ländern wie Chile und Ma- heit, die Vertreter der Bundesstaaten und Gemeinden

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�über den Stand der Verhandlungen zu informieren. in, mit dem Angebot der Europäischen Gemeinschaft
Auch die amerikanischen Unterhändler profitierten enorm gleichzuziehen, alle regionalen Beschaffungsbehörvon den Informationen der Teilnehmer.
den einzubeziehen.
Im Hinblick auf Dienstleistungen haben die Vereinigten
Staaten die Regierungen der Bundesstaaten und
Gemeinden gebeten, ihnen bei der Vorlage des überarbeiteten Angebots behilflich zu sein. Das Washingtoner Seminar wurde abgehalten, um den Bundesstaaten eine Chance zu geben, die amerikanische
Handelsdelegation über Bestimmungen der Bundesstaaten zu Dienstleistungen für das überarbeitete
Angebot zu beraten. Die amerikanischen Unterhändler rechnen mit einer umfassenden Antwort auf diese
Fragen, um sicherzustellen, daß sich die Interessen
der Bundesstaaten genau in der amerikanischen Verhandlungsposition niederschlagen.

Bei dem Washingtoner Seminar wurden die Vertreter
aus den Bundesstaaten und Gemeinden über den
Stand der Genfer Verhandlungen und die Vorteile
unterrichtet, die sich für die Bundesstaaten und
Gemeinden ergeben werden, wenn sie der Anwendung
des Kodex zustimmen. Mehrere prominente amerikanische Geschäftsleute - etwa von General Electric
und AT&amp;T - unterstützten die amerikanischen Unterhändler bei der Befürwortung der Anwendung des
Kodex. Gouverneur Tommy Thompson aus Wisconsin kündigte seine Absicht an, die Anwendung des
Kodex auf die Beschaffungspraktiken in seinem Bundesstaat zu betreiben.

Im Hinblick auf staatliche Beschaffungen beabsichtigen die amerikanischen Unterhändler, die staatlichen
und lokalen staatlichen Beschaffungsstellen einzubeziehen, die sich freiwillig dazu bereiterklärt haben. Die
Vereinigten Staaten haben die staatlichen und lokalen
Regierungen gebeten, den Kodex entsprechend dem
Geltungsbereich des Kodex für die amerikanische
Bundesregierung auf ihre Beschaffungsverträge anzuwenden. Die amerikanische Strategie besteht dar-

Bei der knapp einen Monat später anberaumten Jahresversammlung der National Govemor's Association
gaben die amerikanischen Gouverneure ihre Übereinstimmung bekannt, auf die Anwendung des Kodex in
allen Staaten hinzuarbeiten. Sie stellten fest, daß
verbesserter Zugang zu europäischen Märkten ebenso wie die Möglichkeit zur Senkung ihrer Haushaltstitel
die Abschaffung zuwiderlaufender Gesetze - "Buy
America" und "Buy State" - zugunsten offener Märkte
im Ausland rechtfertigen.

*

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*

Seite 7

�KSZE
9. Oktober 1991

USA MIT MOSKAUER KSZE-TREFFEN
ÄUSSERST ZUFRIEDEN
Eine Erklärung des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Das Außenministerium erklärte am 4. Oktober 1991, die Vereinigten Staaten seien
"äußerst zufrieden" mit den Ergebnissen der Moskauer KSZE-Konferenz über die Menschliche Dimension und
die "kooperative Atmosphäre, in der sie stattgefunden hat".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Stellvertretenden Sprechers Richard Boucher.

Das am 10. September 1991 begonnene Moskauer
Treffen der KSZE-Konferenz über die Menschliche
Dimension wurde am Freitag nachmittag, den 4. Oktober 1991 beendet. Wir sind äußerst zufrieden mit den
Ergebnissen der Zusammenkunft und der kooperativen Atmosphäre, in der sie stattgefunden hat.
Das Moskauer Treffen ist ein weiterer Schritt zur
Bereicherung des KSZE-Prozesses, ein Ziel, das
Au ßenminister Baker in seiner diesjährigen Rede beim
Aspen-Insitut in Berlin gesteckt hat. Der Aufruf des
Außenministers, dem Mechanismus der menschlichen
Dimension Delegationen als fünften Schritt hinzuzufügen, ist durch die Einführung eines Verfahrens der
"guten Dienste" erfüllt worden, mit dem die Lösung von
Menschenrechtsproblemen erleichtert werden soll.
Der Leiter der US-Delegation, Botschafter Max Kampelman, seine Mitarbeiter und die Delegationen der
anderen Teilnehmerländer haben hart gearbeitet, um
ein Schlußdokument zu erarbeiten, das die ernsthafte
Verpflichtung der KSZE-Länder für die Achtung der
Menschenrechte widerspiegelt.

Zusätzlich zum Verfahren der "guten Dienste" stärkt
das Schlußdokument den KSZE-Mechanismus der
menschlichen Dimension, indem es das Engagement
der KSZE-Teilnehmer für eine große Bandbreite von
Menschen-, Bürger- und politischen Rechten fördert,
einschließlich der Rechte der Frauen auf Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Förderung der Rolle
nichtstaatlicher Organisationen (NGOs).
Darüber hinaus erkennt das Schlußdokument zum
ersten Mal ausdrücklich an, daß besondere KSZEVerpflichtungen im weiten Feld der Menschenrechte
und Grundfreiheiten Probleme von legitimem internationalen Interesse und nicht ausschließlich den inneren Angelegenheiten eines Landes zuzurechnen sind.
Das Treffen, in dessen Rahmen die Baltenstaaten der
KSZE beitraten, unterstützte ferner die Erweiterung
des Büros für freie Wahlen, damit es in den Teilnehmerländern demokratische Institutionen stärken kann.
Dieser ursprünglich von Außenminister Baker in Berlin
unterbreitete Vorschlag wird bei den kommenden KSZETreffen erörtert werden, auch beim Expertentreffen
über Demokratische Institutionen, das vom 4. bis 15.
November in Oslo stattfindet.

* * * *

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*

Seite 1

�GOLFKRISE
9. Oktober 1991

KALTER KRIEG UND GOLFKRIEG DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN NAHEN OSTEN
von Richard Haass
Der Autor ist Sonderberater des Präsidenten und Leiter der Abteilung Naher Osten und Südasien im Nationalen Sicherheitsrat. Der nachfolgende Artikel "Das Ende des kalten Kriegs und des Golfkriegs: Konsequenzen
für den Nahen Osten und den Golf" ist einer kürzlich beim Washingtoner Institut für Nahostpolitik gehaltenen
Rede entnommen.

1991 war das Jahr der Beendigung zweier Kriege. Der
erste, bekannt als "kalter Krieg", aber auch als "friedliche Koexistenz" und "Entspannung", begann (abhängig von Ihrer Geschichtsschreibung) entweder vor 75
Jahren und endete (wiederum abhängig von Ihrer

Geschichtsschreibung) 1990 oder 1991. Der zweite
Konflikt, der Golfkrieg, begann am 2. August 1990 und
wurde mit der vernichtenden Niederlage des Irak und
der darauffolgenden Befreiung Kuwaits beendet.
Den Vereinigten Staaten war in diesen beiden äußerst
unterschiedlichen Konflikten aus ähnlichen gelagerten
Gründen Erfolg beschieden. Zum Teil, weil wir bei der
Wahl unserer Gegner Glück hatten. Die Sowjetunion
litt unter systemimmanenter Schwäche, war Opfer
ihrer politischen und wirtschaftlichen Ideologie. Der
Irak litt unter eher persönlichen Einbrüchen, in diesem
Fall Saddam Husseins ungezügeltem Ehrgeiz und
autokratischem Führungsstil.
Unsere Leistungen sprechen jedoch auch für unsere
Bestrebungen. Die Sowjetunion und Saddam Hussein
gleichermaßen hätten die Konsequenzen ihrer Fehler
verhindern oder zumindest verzögern können, wenn
sie nicht auf eine entschlossene und geschlossene
Opposition gestoßen wären. Ich meine die Stärke des
Westens und die diplomatische und militärische Führungsrolle der Vereinigten Staaten.
Die sich uns hier und jetzt stellende Frage ist die der
Konsequenz - oder besser Konsequenzen - dieser
beiden Hand in Hand gehenden Entwicklungen für die
Region. Unter "Region" verstehe ich das geographische Gebiet, das sich von Marrakesch nach Bangladesch erstreckt- Nordafrika, die Levante, den Golf und
AMERIKA DIENST 40

Südasien - aber insbesondere den Nahen Osten und
den Golf. Ich habe mich auf diese Unterregionen nicht
nur konzentriert, weil die südasiatischen Länder weitgehend mit ihren eigenen Belangen befaßt und die
nordafrikanischen geographisch getrennt sind sondern auch, weil Technologie, Politik und Bevölkerungsstruktur die Geschicke des Golfs und des Nahen
Ostens zunehmend verflechten.
Zunächst sollte man den Blick auf die Sowjetunion und
den Irak richten. Die Sowjetunion wird voraussichtlich
durch die internen Probleme politischer und wirtschaftlicher Reformen sowie das Verhältnis zwischen der
Zentralregierung und der Peripherie abgelenkt, wenn
nicht sogar vollständig absorbiert. Auch der Irak wird
sich weiterhin mit regionalen und ethnischen Herausforderungen konfrontiert sehen. Aber anders als die
Politiker der Sowjetunion, die auf maßgebliche politische und wirtschaftliche Unterstützung des Auslands
zählen können, sehen sich die derzeitigen Machthaber
im Irak einer Zukunft unnachgiebiger politischer Isolation und wirtschaftlicher Sanktionen inmitten einer
Gesellschaft gegenüber, die sich von der Zerstörung
des Kriegs zu erholen versucht.
Daher wird aus unterschiedlichen Gründen keines der
beiden Länder in der Lage sein, soviel Einfluß auf die
oder in der Region auszuüben wie zuvor. Im Falle der
Sowjetunion bin ich nicht sicher, ob dies wirklich gut ist.
Obwohl die Sowjets seit Jahrzehnten allzu oft durch
die Bewaffnung des einen oder anderen Satellitenstaats, einzelner Gruppierungen oder Vereitelung der
amerikanischen Diplomatie zu regionalen Spannungen beitrugen, hat die Sowjetunion in den vergangenen Jahren und Monaten eine zunehmend konstruktiSeite 1

�ve Rolle gespielt. Jeder, der dies bezweifelt, muß sich
nur eine vor dem Hintergrund politischer und militärischer Unterstützung der Sowjetunion für den Irak
abgewickelte Golfkrise oder einen Friedensprozeß
vorstellen, der in jeder Hinsicht mit Moskaus Machenschaften zu kämpfen gehabt hätte.
Eine geschmälerte sowjetische Rolle hat jedoch einen
negativen Aspekt. Selbst auf der Höhe des amerikanisch-sowjetischen geopolitischen Wettkampfs konnte man normalerweise darauf zählen, daß der Kreml
die Rivalität unter Vasallen nicht bis zu dem Punkt
ausarten lassen würde, an dem direkte amerikanischsowjetische Konfrontation möglich wurde. Es ist in der
Tat eine plausible Annahme, daß der irakische Aggressionskrieg gegen Kuwait zum Teil aufgrund der
irakischen Einschätzung geführt wurde, die Sowjetunion sei zu schwach und abgelenkt, um irgendetwas
anderes zu unternehmen als Zurückhaltung zu üben.
Dies ist die Art "internationaler Deregulierung", von der
ich vor fast 18 Monaten bei einer anderen Washingtoner Sitzung gesprochen habe, in dem Fall über die
möglichen Konsequenzen der Beendigung des kalten
Kriegs. Bedauerlicherweise ist dies eine der wenigen
von mir gemachten Vorhersagen, die sich erfüllt haben.
Im Falle Iraks besteht sehr viel weniger Grund, seine
entschieden beeinträchtigte Fähigkeit zu bedauern,
Einfluß auf das Schicksal der Golfregion und des
Nahen Ostens auszübern. Obwohl die irakische
Fähigkeit, militärische Gewalt einigermaßen wirksam
einzusetzen, nicht immer unwillkommen war - man
muß nur einige Jahre zurückdenken, als der Westen
Bagdad bei der Verteidigung gegen den Iran zur Seite
stand, zu der Zeit die gefährlichere regionale Möchtegern-Hegemonialmacht -, ist die relative Entmachtung
des von Saddam Hussein geführten Irak eine überwältigend positive Entwicklung. Alle Staaten der Region,
und alle Staaten, die ein Interesse an der Region
haben, können ihren Geschäften in dem Wissen nachgehen, daß der bis vor kurzem am wahrscheinlichsten
ihr Wohlergehen bedrohende regionale Akteur dazu
jetzt sehr viel weniger in der Lage ist.
Diese Veränderungen sind nicht notwendigerweise

von Dauer. Wir müssen abwarten, was sich aus der
bisherigen Sowjetunion ergibt. Mit der Zeit können
eine oder mehrere der Republiken oder ein wiedergeschaffenes Ganzes erneut zu einer wichtigen Kraft in
der Region werden, die die Dinge zum Guten oder
Schlechten wendet. Und der Irak - insbesondere ein
Irak unter einer anderen Führung - der dazu bereit ist,
in Frieden mit seinem eigenen Volk und seinen Nachbarn zu leben, kann sich aus der selbstverursachten
Isolierung befreien und wiederum eine zentrale Rolle
am Golf und im Nahen Osten spielen. Im Augenblick
sind jedoch die vom Ausland - vor allem den Vereinigten Staaten, aber auch der Europäischen Gemeinschaft und anderen - beeinflußten regionalen Staaten
der Schlüssel für die Zukunft dieser Region.
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Wenige Konflikte enden, wenn überhaupt, mit automatischen oder unvermeidbaren Konsequenzen. Der
kalte Krieg und der Golfkrieg bilden keine Ausnahme.
Das Ende jedes dieser beiden Kriege könnte im Rückblick als historischer Wendepunkt angesehen werden,
als Markierungslinie, die gefährlichen Wettkampf von
konstruktivem Einvernehmen trennt. Oder das Ende
eines der beiden Konflikte könnte nicht so sehr als
Wendepunkt oder sogar das Ende eines Krieges gesehen
werden, sondern einfach als Beendigung eines Kampfes, der wiederum den Weg für neue Auseinandersetzungen bereitet hat. Kurz gesagt, Kriege und ihre
Nachwirkungen bieten Chancen für Veränderungen Ordnung oder Unruhe können die Folge sein. Was im
aktuellen Kontext geschehen wird, hängt größtenteils
davon ab, wie gut wir und die Staaten in der Region die
vor uns liegenden Herausforderungen meistern. Ich
möchte daher die wichtigsten Herausforderungen im
Nahen Osten und am Persischen Golf sowie das
umreißen, was zu tun bleibt, wenn wir all das Geleistete in etwas Dauerhaftes und Nützliches umsetzen
wollen.
Erstens ist die Erkenntnis wichtig, daß der Irak weder
entwaffnet noch gewandelt ist. Er stellt nach wie vor
eine akute und potentielle Bedrohung für seine Nachbarn dar. Infolgedessen müssen wir den Druck auf den
Irak solange aufrechterhalten, wie er nicht alle entsprechenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrats - insbesondere Resolution 687 - und alle Aspekte des
Waffenstillstands vollständig einhält und solange er
seiner derzeitigen Führung untersteht. Diplomatische
und wirtschafltiche Sanktionen können mit der Zeit
gleichermaßen die immer noch bestehende Fähigkeit
des Irak zur Kriegführung schwächen und das irakische Volk davon überzeugen, daß seine Zukunft nur
dann vielversprechend sein kann, wenn sich ein Führungswechsel vollzieht. Darüber hinaus vertreten wir
die Auffassung, daß eine neue, pluralistischere politische Ordnung für den Irak möglich ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir uns jedoch bewußt, daß Frieden in der Region und für das irakische Volk unmöglich
ist, solange Saddam Hussein an der Macht bleibt. Wir
sind nach wie vor der Ansicht, daß Saddam in nicht
wiedergutzumachender Weise diskreditiert ist. Infolgedessen bleiben alle möglichen Sanktionen solange
in Kraft bis er abgetreten ist. Die Iraker werden nicht
an den sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen
Vereinbarungen für die Region nach der Krise beteiligt,
bis ein Regimewechsel stattgefunden hat. Wenn dies
geschieht, sind wir bereit, die Sanktionen aufzuheben
und eine Lockerung der Reparationszahlungen in
Erwägung zu ziehen, während wir die Rückkehr des
Irak ins normale internationale Leben erleichtern.
Zweitens müssen wir weiterhin tragfähige Verteidigungsarrangements verwirklichen, die Abschreckung
leisten können und gegebenenfalls neue Bedrohungen der Stabilität am Golf verteidigen, obwohl die
irakische Niederlage die Notwendigkeit einer Containment-Strategie drastisch verringert. Die UNO-BeobAMERIKA DIENST 40

�achterdelegation befindet sich bereits an der irakischkuwaitischen Grenze. Die Konsultationen über eine
bescheidene arabische Friedesstreitmacht, die in Kuwait
stationiert würde, dauern an. Wir haben mit der
kuwaitischen Regierung ein Abkommen über Zugang
und einsatznahe Bereitstellung paraphiert. Es muß
jedoch noch mehr getan werden. Die Umrisse des von
uns Angestrebten zeichnen sich ab: erweiterte Marinepräsenz der Vereinigten Staaten, regelmäßigere
Übungen, Ausbildung und Planung der amerikanischen Eingreiftruppen, einsatznahe Bereitstellung von
Gerät, besserer Luft- und schneller Seetransport sowie
verbesserte Zusammenarbeit mit den Staaten in der
Region. Wir sind nicht an Stützpunkten oder der
permanenten Stationierung amerikanischer Landstreitkräfte in der Region interessiert. Wir beabsichtigen die
Entwicklung eines Ansatzes, der Sicherheitserfordernisse erfüllt ohne politischen Druck zu schaffen, der
eben die Stabilität bedrohen könnte, die wir fördern
wollen.
Der dritte Aspekt dessen, was wir am Golf leisten,
betrifft den Bereich der Rüstungskontrolle. Wir haben
soeben einen erschreckenden Eindruck von der
möglichen Zukunft einer Region gewonnen, in der
Kriege nicht auf Schlachtfelder, Soldaten und konventionelle Munition beschränkt sind. Es handelt sich
vielmehr um eine Zukunft, in der Städte zu Schlachtfeldern und Zivilisten zu Kämpfern werden, in der Massenvernichtungswaffen auf ballistischen Raketen die
bekannte, aber ebenso todbringende Welt von Infanterie und Panzern ergänzen. Wir können nicht einfach
die Hände in den Schoß legen und dieses Phänomen
beobachten. Wir müssen versuchen, es zu beseitigen
oder zumindest daran zu arbeiten.
Das tun wir. Wir haben eine umfassende Rüstungskontrollinitiative vorgeschlagen, die potentielle Lieferanten und Empfänger gleichermaßen einbezieht und
mit deren Hilfe die Verbreitung destabilisierender
konventioneller und nichtkonventioneller Waffen sowie deren Trägersysteme eingedämmt und möglicherweise zurückgeschraubt werden kann. Wir haben
Übereinstimmung zwischen den fünf führenden Exporteuren konventioneller Waffen in die Region sichergestellt, damit sie über Waffenlieferungen konsultieren
und Leitlinien erarbeiten, um in Zukunft destabilisierende Rüstungsexporte in die Region zu begrenzen.
Ferner besteht Grund zu Optimismus, daß wir die
Verbreitung von Technologie zur Verbesserung nichtkonventioneller Waffen eindämmen können. Gleichzeitig wünschen wir uns multilaterale Verhandlungen
über Rüstungskontrolle und regionale Sicherheit als
Teil des Friedensprozesses. Realistischerweise können Fortschritte in diesem Bereich erst nach politischer Versöhnung erfolgen - danach könnte die Chance für Fortschritte bei der Förderung vertrauensbildender Maßnahmen bestehen, wodurch die Möglichkeit
einer Fehleinschätzung oder eines versehentlichen
Krieges gemindert würde. Wir engagieren uns, um

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jeden möglichen Weg zu erforschen, der die Verbreitung ballistischer Raketen aufhalten oder noch besser
rückgängig machen könnte.
Viertens tun wir alles in unserer Macht Stehende, um
dem Friedensprozeß im Nahen Osten Auftrieb zu
verleihen. Unser Ziel ist die Einberufung einer Konferenz, die direkte Verhandlungen zwischen Israel, den
arabischen Ländern und den Palästinensern einleitet.
Dabei würde Israel zum ersten Mal seinen arabischen
Nachbarn gegenübersitzen. Die Prinzipien, von denen
sich unsere Bestrebungen leiten lassen, sind bereits
bekannt - wir streben einen umfassenden Frieden an,
auf der Basis der Resolutionen 242 und 338 des UNSicherheitsrats. Wir streben einen echten Frieden an,
der Israel einbezieht und ihm wirklich Sicherheit garantiert. Gleichzeitig bemühen wir uns um einen gerechten Frieden, der den Palästinensern ihre legitimen
politischen Rechte sichert und eine Lösung für die
Probleme bezüglich Land, Wasser und Sicherheit findet, die in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
dieses Landes eine zentrale Rolle spielen. Wir unternehmen diese Anstrengungen nicht mit einem Plan
oderder Fähigkeit des Friedensstifters sondern mit der
Entschlossenheit, ein Katalysator für den Frieden zu
sein und denjenigen zu helfen, die sich tatsächlich
selbst helfen wollen.
Unserer Meinung nach haben wir eine gute Chance,
das zu tun. Die Vereinigten Staaten besitzen eine
hohe Glaubwürdigkeit in der Region. Der Konflikt am
Golf war nicht nurfür den Irak eine Niederlage, sondern
auch für die Kräfte des Radikalismus in der arabischen
Welt. Das Ende des kalten Kriegs hat ein Signal
gesetzt, daß die Sowjetunion nicht länger eine Alternative zur Kooperation mit dem Westen und der übrigen
internationalen Staatengemeinschaft bietet. Mehr
arabische Länder als jemals zuvor sind bereit, Israels
Existenz zu akzeptieren und sich an direkten Verhandlungen zu beteiligen. Die Bereitschaft wichtiger arabischer Staaten, den wirtschaftlichen Boykott gegenüber Israel aufzuheben, wenn Israel die Besiedlung
aufgibt, ist ein weiteres Beispiel für diesen Wandel.
Und auch in Israel finden Veränderungen statt, weil der
Golfkrieg demonstriert hat, daß Territorium in einem
Zeitalter nichtkonventioneller Waffen nicht unbedingt
Sicherheit bietet. Ob diese neue Haltung genug Material für erfolgreiche Friedensbemühungen bietet, bleibt
abzuwarten - klar ist jedoch, daß potentielle Friedensstifter wie wir mehr Arbeit haben als zu irgendeinem
Zeitpunkt der jüngsten Vergangenheit.
Im Libanon haben die Taif-Vereinbarungen erhebliche
Fortschritte bewirkt. Eine rechtmäßige Regierung ist
jetzt funktionsfähig und gewinnt an Autorität. Mehrere
Milizen sind entwaffnet worden, und in Beirut und
andernorts ist wieder das normale Leben eingegekehrt. Natürlich muß noch viel getan werden, bevor
der Libanon tatsächlich souverän und von allen nichtlibanesischen Truppen befreit ist. Auch der Libanon

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�steht auf der Tagesordnung der Friedenskonferenz,
an deren Einberufung wir so hart arbeiten.
Fünftens sind wir uns bewußt, daß Stabilität in dieser
oder einer anderen Region der Welt nicht nur durch die
Beziehungen einzelner Länder untereinander erzielt
werden kann. Auch die Bedingungen in diesen Ländern sind wichtig. Wir versuchen, größere Achtung der
Menschenrechte, bessere Vorkehrungen für substantielle politische Beteiligung sowie höhere Wirtschaftsproduktivität und Zusammenarbeit zugunsten von Entwicklung zu fördern. Fortschritte in diese Richtung beobachten wir in Kuwait. Die für Oktober 1992 geplanten Wahlen werden das parlamentarische Leben wiederherstellen und Kuwait zum führenden Verfechter
der politischen Mitbestimmung am Golf machen.
Allgemeiner gesprochen gibt es keinen Grund für die
Völker und Länder im Nahen Osten und am Persischen Golf, nicht an den intellektuellen, politischen und
wirtschaftlichen Strömungen unserer Zeit teilzuhaben
- Strömungen, die das Leben der Menschen auf der
ganzen Welt verbessert haben. Übermäßige staatliche Kontrolle der politischen Arena oder des Markts
sind in Mißkredit geraten. Ich möchte in diesem
Zusammenhang zu etwas Bescheidenheit mahnen.
Bei der Förderung solcher Veränderungen sollten wir
uns bewußt sein, daß wir den sozialen Vertrag für
Gesellschaften und Kulturen mit langen und eigenständigen Traditionen nicht schreiben und erst recht
nicht diktieren können.
Sechstens berücksichtigt unser Ansatz für eine Ordnung an Golf humanitäre Fragen und spricht sie auch
an. Die Vereinigten Staaten haben eine Führungsrolle
übernommen, indem sie andere ermutigen, notwendige Hilfe für die vielen Flüchtlinge zu leisten, die Saddam Husseins Gewalt und Unterdrückung zu entfliehen suchen. Von Anfang an wollten wir diese dringenden Bedürfnisse der Menschen stillen, ohne militärisch
in die inneren Konflikte des Iraks verwickelt zu werden.
Damit würden wir dann endgültig zu einer Zeit zum
Weltpolizisten, in der es in der Welt oder hier im Inland
keinen Konsens gibt, der uns eine solche Rolle zubilligt
- und keine Garantie, daß wir selbst mit einer solchen
Zustimmung erfolgreich wären.
Siebtens werden wir weiterhin Terrorismus bekämpfen und an der Freilassung der Geiseln arbeiten. Wir
sind ermutigt durch das Ausbleiben von Terrorakten,
die die Golfkrise ausgelöst haben, ferner ermutigen
uns Signale, daß die Geiselnehmer bereit sein könn-

ten, ihr zynisches und inhumanes Tun aufzugeben.
Wenn der Iran also bereit ist, all seinen Einfluß gegen
Geiselnahmen geltend zu machen und den Einsatz
von Gewalt auf der ganzen Linie aufzugeben, sind wir
bereit, unsere Politik Teheran gegenüber zu überprüfen. Irans Verhalten im Golfkrieg und seitdem gibt uns
Grund zu Optimismus, aber wir müssen eine eindeutige Chance für eine Verhaltensänderung wahrnehmen, bevor wir reagieren.
Dies sind also die wichtigsten Herausforderungen, die
vor uns liegen. Lassen Sie mich mit zwei Punkten
schließen. Man mag das Argument vorbringen, diese
Herausforderungen seien so groß, daß sie keine Veränderung zum Besseren bewirken. Das trifft nicht zu.
Die Geschichte ist in dem Teil der Welt, in dem unsere
Geschichte begonnen hat, keinesfalls zu Ende. Aber
die Bewältigung dieser Herausforderungen aufgrund
von Erfolgen - so schwierig sie auch sein mögen - ist
eindeutig dem vorzuziehen, was aus dem Versagen
entstanden wäre, die irakische Aggression abzuwehren. Wir haben in der ersten Phase des Zeitalters nach
dem kalten Krieg ein gutes Stück auf dem Weg zur
Errichtung eines neuen, konstruktiven Gefüges in der
Weltpolitik zurückgelegt. Eine Akzeptanz der irakischen Invasion und Annexion Kuwaits hätte nicht nur
in der Region ernste, negative Konsequenzen gezeitigt. Andere potentielle Aggressoren hätten daraus die
Lehre gezogen, daß sich Aggression auszahlt, mögliche Opfer hätten gesehen, daß Beschwichtigungspolitik der einzige Weg ist. Statt dessen haben wir einen
nützlichen Präzedenzfall für Beschränkung und Kooperation in einer Region geschaffen, die für Gewalt
und Konflikt bekannt ist.
Abschließend möchte ich darauf verweisen, daß die
Vereinigten Staaten mehr als irgendeine andere außenstehende Partei dazu beitragen können, diese
verbleibenden Herausforderungen zu lösen. Die Vereinigten Staaten können einen einzigartigen Beitrag
leisten: als Mittler bei den Streitigkeiten in der Region,
als Vorbild und als motivierende Kraft für politische und
wirtschaftliche Entwicklungen. Aber wir können das
nicht allein leisten, so sehr wir uns auch bemühen.
Letztlich sind es die Menschen und vor allem die
Politiker im Nahen Osten und am Golf, die den Löwenanteil des Einflusses auf ihre Zukunft tragen werden.
Sie sind es, die bestimmen werden, ob die mit der
erfolgreichen Beendigung des kalten Kriegs und des
Golfkriegs geschaffenen Möglichkeiten ausgeschöpft
oder vertan werden.

* *

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*

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�UMWELT
9. Oktober 1991

DAS UMWELTPROGRAMM
DER BUSH-ADMINISTRATION
Eine Übersicht zum Umweltschutz
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Rat für Umweltqualität am 7. Oktober 1991
herausgegebene Übersicht.

Präsident Bush hat zum Schutz der Umwelt folgende Schritte in die Wege geleitet:
Luftreinheit. Die umfassendsten und marktorientiertesten Gesetze zur Reinhaltung der Luft vorgeschlagen und unterzeichnet, mit denen die Schwefeldioxidemissionen um 50 Prozent reduziert, die Luft in städtischen Ballungsgebieten verbessert, Schadstoffemissionen um 90 Prozent verringert sowie die Ozonschicht weltweit durch das vollständige Verbot von
FCKW bis zum Jahr 2000 geschützt werden sollen.

dent hat Programme zum Schutz des Fischereiwesens, verbesserte Erholungsmöglichkeiten für Camper, Wanderer, Bootsfahrer und Sportler, zum Schutz
von Feuchtgebieten und Vogelflugbahnen sowie zum
Schutz gefährderter Spezies geschaffen.
Durchführung.
In zwei Jahren 40 Prozent der
Bußgelder aller vom Umweltschutzamt (Environmental Protection Agency - EPA) zeit seines Bestehens
gewonnenen Zivilverfahren eingenommen.
Ein neues Strafmaß bei Umweltvergehen verhängt.

Vereinbarungen zwischen Industrieunternehmen und
Umweltschutzorganisationen gefördert, um saubere
Brennstoffe und verbesserte Sicht im Grand Canyon
Nationalpark zur Bedingung zu machen.
Küstenschutz. Bis über das Jahr 2000 hinaus ein
Moratorium für die Off-shore-ÖI- und Erdgasförderung für 99 Prozent der kalifornischen Küste und alle
Küsten von Washington, Oregon, Süd-Florida und
Neuengland angekündigt.
Maßgeblich an Abkommen über das Verbot der Entsorgung von Klärschlamm im Meer bis 1992 mitgewirkt
und ein Pilotprogramm zum Aufspüren medizinischer
Abfälle ins Leben gerufen.
America The Beautiful. Eine langfristige Kampagne
zur Erweiterung und Verbesserung des Bestands an
Nationalparks, Wäldern, bedrohten Arten und Erholungsgebieten in den Vereinigten Staaten in die Wege
geleitet.
Seit ihrem Amtsantritt hat die Bush-Administration den
Etat für amerikanische Parks, Wälder und öffentliches
Land um 750 Millionen Dollar aufgestockt. Der PräsiAMERIKA DIENST 40

Die Rate der Beseitigung von Sondermülldeponien
verdreifacht. Die Arbeitskosten wurden von den Verursachern getragen und im Rahmen des Superfondsprogramms durchgesetzt.
Beispiellose Prozesse zum Schutz der Everglades,
Chesapeake Bay, der Great Lakes und der Ozonschicht weltweit geführt.
Schutz der Ozonschicht. Ein 1990 in London erzieltes internationales Abkommen unterzeichnet, mit dem
das vollständige Verbot aller die Ozonschicht der Erde
zerstörenden Substanzen gefordert wird.
Gesetze verabschiedet, um den amerikanischen Zeitplan für das Verbot unterden internationalen Fristen zu
halten und ein Bußgeld für die Produktion von FCKW
in den Vereinigten Staaten zu verhängen, mit dem die
Vereinigten Staaten dem Plan weit voraus sind.
Weltweite Klimaveränderungen. Einen weltweiten
Vertrag über Klimaveränderungen gefordert, der von
den führenden Nationen der Welt im Juni 1992 bei der
UNO-Konferenz in Brasilien unterzeichnet werden soll.
Seite 1

�Eine nationale Energiestrategie vorgeschlagen, die falls verwirklicht - die amerikanischen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 auf oder unter dem
1987 festgesetzten Niveau ohne Einbußen beim Wirtschaftswachstum festschreibt.
Den damit in Zusammenhang stehenden Forschungsetat um das 5fache auf rund 1 Milliarde im Haushaltsjahr 1991 aufgestockt und für das Haushaltsjahr 1992
1,2 Milliarden vorgeschlagen.
Pflanzen von Bäumen. Ein ehrgeiziges Wiederaufforstungsprogramm vorgeschlagen, um landesweit in
Amerika 1 Milliarde Bäume zu pflanzen. Dank dieses
Programms werden die Kohlendioxidemissionen in
unserer Luft absorbiert und die Trinkwasser- und Luftqualität verbessert.
Darüber hinaus hat der Präsident den Vorschlag für
eine weltweite Forstkonvention unterbreitet, um die
Wälder der Welt zu schützen.
Ölpest. Ein Gesetz und ein internationales Protokoll
zur Verbesserung der Gesetze über den Öltransport
vorgeschlagen und unterzeichnet. Das neue Gesetz
forciert einen doppelt verstärkten Schiffsrumpf bei neuen
Tankern, verbessert die Reaktionsfähigkeit entlang
unserer Küsten sowie die Haftbarkeit der Verursacher.
Gesetz über landwirtschaftliche Betriebe. Hat das
umweltpolitisch progressivste Gesetz über landwirtschaftliche Betriebe von 1990 unterzeichnet. Es umfaßt
Schutz von Feuchtgebieten, Wiederaufforstung, Einsatz von Pestiziden sowie die Trinkwasserqualität. Mit
dem Gesetz werden die Agrarsubventionen gekürzt
und ein "Feuchtgebietreservat" von bis zu 400.000 ha
geschaffen.
Kabinettsbeschluß zu EPA. Einen Gesetzentwurf
zur Gründung eines US-Umweltministeriums vorgelegt.
Schutz der Antarktis. Ein Gesetz und eine internationale Vereinbarung über die Verbesserung des Umweltschutzes und das Verbot unbegrenzten Abbaus
und der Verarbeitung von Mineralien in der Antarktis
unterzeichnet.
Feuchtgebiete. Die Mittel für Forschung, Schutz und
Verbesserung der Feuchtgebiete von 295 Millionen
Dollar im Jahr 1989 auf 480 Millionen Dollar 1991
aufgestockt. Darüber hinaus hat der Präsident eine
weitere Anhebung von 48 Prozent (auf 710 Millionen
Dollar) für das Haushaltsjahr 1992 vorgeschlagen.
Den Kauf von Land in die Wege geleitet, um den
amerikanisch-kanadischen Waterfowl Management Plan

*

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zu verwirklichen und den Everglades Nationalpark um
42.400 ha zu erweitem.
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas. Neue Schritte beim Schuldenerlaß im
Austausch für Umweltmaßnahmen und die Gründung
von Umweltfonds vorgeschlagen, um langfristige
Umweltschutzmaßnahmen in Lateinamerika und der
Karibik zu fördern.
Marktorientierte Lösungen. Wirtschaftliche Anreize
eingeführt, um die Emmission von Schwefeldioxid und
ozonzerstörenden Substanzen sowie Schadstoffen
einzudämmen.
Das Projekt "Green Lights" ins Leben gerufen, um die
Umwelt durch innovative und freiwillige Initiativen des
Privatsektors zu schützen.
Artenschutz. Den Schutz der Arten auf staatlichem
Land verbessert und eine Strategie zum Schutz der
Vielfalt heimischer Arten dargelegt.
Eine Führungsrolle beim internationalen Verbot des
Handels mit afrikanischem Elfenbein übernommen.
Darüber hinaus überredete er andere Länder, die
Einfuhr des Schildpatts von Meeresschildkröten zu
verbieten und stand bei Bestrebungen zum Verbot von
Treibnetzfischerei zum Schutz der Meeressäugetiere
an vorderster Front.
Bildungswesen. AMERICA 2000, das Programm
des Präsidenten für die Reform des Bildungswesens,
enthält Bestimmungen zur Verbesserung der Umwelterziehung in allen Schulstufen. Andere Maßnahmen,
einschließlich der Verabschiedung von Gesetzen und
Einführung interministerieller Aktivitäten, zielen auf die
Verbesserung des Bewußtseins auf College-Ebene.
Entwicklung von Länderhilfe. Leistete Polen und
dem osteuropäischen Umweltzentrum in Budapest
(Ungarn) Hilfe.
Leitete Bestrebungen ein, um gemeinsame amerikanisch-mexikanische Umwelt- und Wirtschaftsprogramme zu erweitern und zu koordinieren.
Green Fund. Bewilligte dem Umweltbüro der Weltbank, dem sogenannten "Green Fund", 150 Millionen
Dollar, um Entwicklungsländern zu helfen, weltweite
Umweltprobleme zu lösen, wie etwa die Zerstörung
der Ozonschicht und weltweite Klimaveränderungen.
Verabschiedete Gesetze zur Förderung der Beurteilung von Auswirkungen auf die Umwelt durch multilaterale Entwicklungsbanken.

*

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