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                  <text>o C ^ S ^

amcrikci
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^sft*
2. Oktober 1991

ABRÜSTUNG

PRÄSIDENT BUSHS RUSTUNGSKONTROLLINITIATIVE
Amerikanische Pressestimmen

JUGOSLAWIEN

SERBIEN UND BUNDESARMEE
FÜR KAMPFHANDLUNGEN
IN JUGOSLAWIEN VERANTWORTLICH
Rede des Außenministers
vor dem UN-Sicherheitsrat

FLÜCHTLINGE

USA HOFFEN AUF REPATRIIERUNG
DER FLÜCHTLINGE
Rede des Stellvertretenden Außenministers

OST-WEST-BEZIEHUNGEN

OST-WEST-BEZIEHUNGEN IN EINER ZEIT
DES WANDELS - DER AMERIKANISCHE
BLICKWINKEL
Ansprache des Gesandten George F. Ward

DROGEN

FORTSCHRITTE BEI DER BEHANDLUNG
VON DROGENABHÄNGIGEN IN DEN USA
Erfolge in den Therapiezentren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�ABRÜSTUNG
2. Oktober 1991

PRÄSIDENT BUSHS RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Bush am 27. September 1991 angekündigte Rüstungskontrollinitiative wurde in amerikanischen Zeitungen eingehend kommentiert. Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche
Auszüge aus Leitartikeln.

The New York Times, 29.9.1991

The Washington Post, 29.9.1991

Zum ersten Mal seit zwei Generationen sind gestern
die B-52 zurück in ihre Hangars gerollt, und die Welt
hat erleichtert aufgeatmet.

Zweifelsohne wird es nach der ersten Euphorie über
die Rede des Präsidenten zu Rüstungsreduzierungen
Kontroversen zwischen denjenigen geben, die sich
Sorgen machen, er sei zu weit gegangen, und denjenigen, die sagen werden, es sei ein bescheidenes
Unterfangen - eine Mogelpackung. Es ist jedoch eine
Tatsache, daß Bushs am Freitag abend vergangener
Woche angekündigte Initiative, die den weitreichenden, unverzüglichen Abbau von Nuklearwaffen, Maßnahmen zur Entschärfung militärischer Spannungen
sowie das Versprechen zur Aushandlung weiterer
einschneidende Reduzierungen von Nuklearwaffen
beinhaltet, gleichermaßen spektakulär und opportun
war. Eine amerikanische Regierung hat sich der
Herausforderung eines historisch entscheidenden
Augenblicks mit einer entsprechend umfassenden und
ideenreichen Antwort gestellt...

Diese rund um die Uhr in "ständiger Alarmbereitschaft"
stehenden atomaren Bomber waren seit langem der
unleugbare, dröhnende Beweis für das nukleare Vernichtungspotential. In seiner bemerkenswerten Initiative zum Abbau der Nuklearwaffen hat Präsident Bush
jetzt die Alarmbereitschaft für diese Flugzeuge aufgehoben, die massive Reduzierung des atomaren Arsenals der Vereinigten Staaten in die Wege geleitet und
der sowjetischen Regierung zu einem günstigen Zeitpunkt den Anreiz geboten, gleichzuziehen.
Unabhängig davon waren Bushs Vorschläge unvermeidbar und wurden durch das Ende des kalten Kriegs,
Ungeduld im Kongreß sowie Besorgnis über den Zerfall der Sowjetunion ausgelöst. Dennoch hat der
Präsident das Unabdingbare zu einem Riesenschritt
zurück vom Abgrund gewandelt, indem er die Vorschläge unverzüglich zu einem Paket bündelte...
Der begrüßenswerteste Schritt des Bush-Plans liegt
jedoch in der Erkenntnis, daß der beste Weg zur
Kontrolle der sowjetischen Nuklearwaffen in ihrer
Abschaffung liegt. Er muß sich noch vollständig verinnerlichen, daß er sowjetische Reduzierungen nur
herbeiführen kann, wenn er das Gleiche zu tun bereit
ist.

AMERIKA DIENST 39

Los Angeles Times, 28.9.1991
Jedes künftige Geschichtsbuch über internationale
Beziehungen wird wahrscheinlich als unvollständig
betrachtet werden ohne einen bewundernden Hinweis
auf Präsident Bushs entscheidende Rede zur Verteidigung vom vergangenen Freitag. Tatsächlich erklärt
dieser republikanische Präsident - der von seiner
Partei so eindeutig mit gewaltigen Verteidigungsausgaben und der Außenpolitik eines Falken identifiziert
wird - daß ein Erfolg verbucht werden kann. Der kalte
Krieg ist zwar vorbei, aber auch dem Krieg der Nuklearwaffen muß ein Riegel vorgeschoben werden.

Seite 1

�Der erste greifbare Beweis, daß ein neues Kapitel in
der Weltpolitik geschrieben wurde, erfolgte zweifellos
am 31. Juli, als Moskau seine letzten Vorbehalte
schweren Herzens aufgab und den Vertrag über die
Verringerung strategischer Rüstungen (START) unterzeichnete. Nachdem sie sich 40 Jahre lang Auge in
Auge gegenüber gestanden hatten, bis an die Zähne
bewaffnet und bereit, jeden Moment loszuschlagen,
erkennen beide Seiten jetzt, wie sehr sich ihr Verhältnis in nur zwei Jahren gewandelt hat und zwinkern sich
zum ersten Mal lächelnd zu.
Aber in der Rede vom Freitag abend wurde vorgeschlagen, sogar darüber hinaus zu gehen. Es war ein
einseitiges Zwinkern. Bush schlug eine grundlegende
Reduzierung der Bedrohung eines nuklearen Holocaust und eine grundsätzliche Neuorientierung des
US-Verteidigungskonzepts vor...
Das hätte man von einem Republikaner niemals erwartet. Aber jetzt hat er es getan. Ob es für die
Republikanische Partei gut war, ist eine Frage, die
nächstes Jahr beantwortet werden wird. Aber ob es
gut für die Welt ist - die Frage kann man heute
beantworten.
Es ist in der Tat eine gute Sache.
The Boston Globe, 29.9.1991
Die von Präsident Bush am Freitag angekündigten
Entscheidungen über die Reduzierung von Waffen
spiegeln bahnbrechende Fortschritte in seinem Denken darüber wider, wie Amerika in der Welt nach dem
kalten Krieg sicherer gemacht werden kann. Er verdient Beifall und Ermutigung. Dennoch muß er noch
einen langen Weg zurücklegen, um mit den Ereignissen Schritt zu halten, sei es in der Sowjetunion oder in
der US-Wirtschaft...
Bush verdient großes Lob dafür, daß er die Bedeutung
einseitiger Schritte verstanden hat, die jede Seite aus
eigenen Gründen unternehmen kann. Die Rückschläge beim Schachern über Rüstungskontrolle sind seit
langem offensichtlich. Wenn die Verträge unterzeichnet werden, sind sie manchmal bereits überholt, im
Falle des START-Vertrags werden die Arsenale nach
Durchführung der "Reduzierungen" größer bleiben als
zu Beginn der Verhandlungen.
* *

Seite 2

The Baltimore Sun, 30.9.1991
Präsident Bushs kühner einseitiger Schritt zur Beseitigung oder Reduzierung empfindlicher Atomwaffensysteme, die anachronistisch oder sogar kontraproduktiv geworden sind, ist ein weiterer Beweis dafür,
daß er bei der klugen Wahrung amerikanischer Sicherheitsinteressen sein Bestes gibt. Staatskunst ist immer
ein Rennen, bei dem man mit der Realität Schritt halten
muß, und in diesem Fall ist Bushs Zeitplan exemplarisch...
Am meisten beeindruckt jedoch bei Bushs Leistung die
Kühnheit, mit der er auf die bahnbrechenden Veränderungen in der Welt reagiert. Mehr als jeder andere
Präsident seit Harry Truman ist er sensibel für die
Anliegen der Verbündeten, noch stärker als Präsident
Truman ist er sensibel für die Zwänge, von denen die
Politik in weniger freundlich gesinnten Ländern geleitet
wird. Bush vereinigt diese Faktoren in einer Politik, die
amerikanischen Interessen dient, indem sie die Welt
zu einem sichereren Ort macht und sichert sich damit
einen herausragenden Platz in der Geschichte.
The Wall Street Journal, 30.9.1991
Es ist angemessen, daß Präsident Bushs erste Initiative nach dem Niedergang des Sowjetkommunismus
eine Reduzierung der nuklearen Arsenale ist. Die
Lehre, die sich die beobachtende Welt merken sollte,
lautet nicht, daß Rüstungkontrolle erfolgreich war,
sondern daß Containment funktioniert hat...
Tatsächlich hat Bushs einseitige Entscheidung, das
amerikanische Inventar taktischer Nuklearwaffen
abzubauen, deutlich bewiesen, daß Rüstungskontrolllabkommen ein unwichtiges Ablenkungsmanöver sind...
Zweifellos ist 1991 ein zukunftsträchtiges Jahr in der
Geschichte, Ein Großteil der Welt wendet sich vom
Totalitarismus zur Demokratie und verläßt den Weg
des totalen Kriegs offensiver Nuklearwaffen zugunsten von Verteidigungssystemen. Die Zukunft kann
noch vielversprechender sein, so lange wir uns vor
Augen halten, warum wir bis jetzt Erfolg hatten.

* *

*

AMERIKA DIENST 39

�JUGOSLAWIEN
2. Oktober 1991

SERBIEN UND BUNDESARMEE FÜR
KAMPFHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
VERANTWORTLICH
Rede des Außenministers vor dem UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Mit der Feststellung, daß die Krise in Jugoslawien "sich zu einem Krieg
ausgeweitet hat", warnte Außenminister Baker am 25. September 1991, daß "die Anhänger der Gewalt damit
nur ihren Ausschluß aus dem neuen Europa besiegeln".
In einer Rede anläßlich der Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats erklärte Baker, die serbische Regierung und
die jugoslawische Bundesarmee trügen besondere und zunehmende Verantwortung für das Blutvergießen und
die Gewalt, die den Vielvölkerstaat heimgesucht hätten und "eine direkte Bedrohung für Frieden und Sicherheit
auf der ganzen Welt" darstellen.
"Die jugoslawische Bundesarmee fungiert offenkundig nicht als unparteiischer Garant eines Waffenstillstands
in Kroatien", stellte Baker fest. "Im Gegenteil - die Armee hat die lokalen serbischen Streitkräfte aktiv bei der
Verletzung des Waffenstillstands unterstützt, der den Tod von Bürgern zur Folge hatte, die sie laut Verfassung
schützen muß."
Baker zufolge unterstützen die Vereinigten Staaten "vorbehaltlos" eine Resolution des UN-Sicherheitsrats, mit
der die Parteien unverzüglich zur friedlichen Beilegung ihrer Streitigkeiten aufgefordert werden. Die Resolution
bringt ferner die uneingeschränkte Unterstützung für die Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft und die
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zum Ausdruck, einen Waffenstillstand und Dialog
zwischen den kriegführenden Parteien in Jugoslawien herbeizuführen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker vor dem Sicherheitsrat.

Wir sind heute hier zusammengekommen, weil die
Krise in Jugoslawien sich zu einem Krieg ausgeweitet
hat. Dieser gewalttätige Konflikt bedroht alle Völker
Jugoslawiens mit verheerenden wirtschaftlichen und
sozialen Folgen, der fundamentalen Verletzung grundlegender Menschenrechte und Freiheiten und vor allem massivem Blutvergießen und Verlust an Menschenleben.

Zahlreiche Parteien in Jugoslawien haben zu der
Tragödie beigetragen, die dieses Land heimsucht.
Wovor wir im Juni und in den vorausgegangenen
Monaten gewarnt hatten, ist Wirklichkeit geworden.
Einseitige Handlungen auch der Republiken haben die
Optionen für friedliche Verhandlungen zunichte gemacht und die Lösung der tragischen Situation in
Jugoslawien schwieriger und komplizierter gestaltet.

Wir alle sind besorgt über die gefährlichen Auswirkungen auf die Nachbarländer Jugoslawiens, die sich mit
Flüchtlingsströmen, Energieengpässen und der Gefahreiner Ausweitung der Kampfhandlungen konfrontiert sehen. Es ist die Gefahr der Eskalation, die dies
zu einer Angelegenheit von vordringlicher Bedeutung
für den Sicherheitsrat macht.

Da bereits sehr viel Blut vergossen wurde, ist es an der
Zeit, daß alle Parteien sich für die friedliche Lösung
ihrer Streitigkeiten engagieren. Alle Parteien - insbesondere die Serben und Kroaten - müssen die Kampfhandlungen einstellen. Der Waffenstillstand muß als
erster Schritt zur Gestaltung einer anderen Zukunft
eingehalten werden.

AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�Die serbische Regierung und die jugoslawische Bundesarmee tragen besondere und zunehmende Verantwortung für die düstere Zukunft, die die Völker
Jugoslawiens erwartet, wenn sie dem Blutvergießen
nicht Einhalt gebieten und den jetzt eingeschlagenen
gewalttätigen Kurs revidieren.
Die jugoslawische Bundesarmee fungiert offenkundig
nicht als unparteiischer Garant eines Waffenstillstands
in Kroatien. Im Gegenteil - die Armee hat die lokalen
serbischen Streitkräfte aktiv bei der Verletzung des
Waffenstillstands unterstützt, der den Tod von Bürgern zur Folge hatte, die sie laut Verfassung schützen
muß. Das Militär ist in einer Weise vorgegangen, die
nur als eindeutige militärische Intervention gegen
Kroatien bezeichnet werden kann, während es die
Autorität der jugoslawischen Regierungsinstitutionen
nicht mehr akzeptiert, die versuchten, es unter Kontrolle zu bringen.
Es ist ebenso eindeutig, daß die serbische Führung
den Einsatz von Gewalt in Kroatien durch militante
Serben und das jugoslawische Militär aktiv unterstützt
und ermutigt.
Das offenkundige Ziel der Hand in Hand arbeitenden
serbischen Führung und des jugoslawischen Militärs
lautet, ein "kleines Jugoslawien" oder "Großserbien"
zu schaffen, das Slowenien und einen Rest Kroatiens
ausschließen würde. Diese neue Einheit würde sich
auf die Art der Unterdrückung gründen, die serbische
Behörden seit Jahren im Kosovo ausüben. Diese
Einheit würde auch auf dem Einsatz von Gewalt basieren - der in Kroatien tagtäglich beobachtet werden
kann und sich in Bosnien-Herzegowina abzeichnet um die Kontrolle über Territorien außerhalb Serbiens
zu erlangen.
Die Aggression in Jugoslawien stellt deshalb eine
direkte Bedrohung für Frieden und Sicherheit auf der
ganzen Welt dar.
Femer ist Aggression zur Festlegung der künftigen
inneren Grenzen Jugoslawiens oder Serbiens eine
fundamentale Herausforderung für die Werte und Prinzipien der Schlußakte von Helsinki, der Pariser Charta
und der Charta der Vereinten Nationen.
Wir verstehen die Anliegen aller Völker Jugoslawiens,
auch die Sorge der Serben in Serbien und andernorts
über ihre Zukunft im Falle einer Auflösung Jugoslawiens.
Die Vereinigten Staaten können und werden jedoch
keine Unterdrückung und keinen Einsatz von Gewalt
im Namen dieser Anliegen dulden. Wenn wir das
täten, würde damit genau das untermininiert, was wir
in der KSZE mit unserer Arbeit der vergangenen 16
Jahre erreichen wollten.

Seite 2

Aus diesem Grunde unterstützen de Vereinigten Staaten
die in der heutigen Resolution zitierte Erklärung der
KSZE-Mitglieder vom 3. September, keine gewaltsam
erzielten territorialen Gewinne oder Veränderungen
innerhalb Jugoslawiens zu akzeptieren.
Seit Sonntag (22. September) herrscht zwischen dem
jugoslawischen Militär und Kroatien ein vorläufiger
Waffenstillstand. Gegenwärtig werden Gespräche
über die weitere Durchführung des von Serbien, Kroatien und dem Militär unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens vom 17. September geführt. Die Friedenskonferenz in Den Haag unter Vorsitz von Lord
Carrington nimmt morgen ihre Verhandlungen wieder
auf.
Wir fordern alle Parteien auf, diese Gelegenheit zu
ergreifen, einen echten Waffenstillstand auszuhandeln und ein auf dem Verhandlungswege erzieltes
Abkommen über die Zukunft Jugoslawiens auszuarbeiten.
Femer müssen wir gemeinsam der Ausbreitung dieses Kreislaufs der Gewalt auf eine weitere jugoslawische Republik vorbeugen. Es besteht kein Zweifel,
daß das Schicksal von Bosnien-Herzegowina ebenfalls am seidenen Faden hängt. Die serbische Führung und die jugoslawische Bundesarmee haben es in
der Hand, die gewalttätigen Provokationen und die
unrechtmäßige Besetzung dieser Republik unverzüglich zu beenden.
Die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft und die gesamte KSZE haben den Völkern
Jugoslawiens eine eindeutige Botschaft übermittelt:
Zur Lösung politischer Differenzen oder Veränderung
äußerer und innerer Grenzen in Jugoslawien ist der
Einsatz von Gewalt keineswegs akzeptabel. Diejenigen, die in Jugoslawien auf Gewalt zurückgreifen,
einschließlich der serbischen und kroatischen Freischärler, werden über sich und die Völker Jugoslawiens nichts als Unglück bringen. Die Aggressoren
isolieren sich nur selbst stärker von der internationalen
Staatengemeinschaft, indem sie die Gewalt fortsetzen. Wenn sie ihren gegenwärtigen Kurs weiter verfolgen, werden die Anhänger der Gewalt damit nur ihren
Ausschluß aus dem neuen Europa besiegeln.
Wir bezweifeln, daß die Völker Jugoslawiens tatsächlich den hohen Preis dieses Krieges bezahlen wollen.
Die damit einhergehende soziale und wirtschaftliche
Unterdrückung sowie die politische und wirtschaftliche
Isolation sind ein Preis, den unserer Meinung nach
kein vernünftiger Menschen zu zahlen bereit wäre.
Wir würdigen und unterstützen die Bestrebungen der
Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten
sowie die Arbeit der KSZE, einen Waffenstillstand
herbeizuführen, Beobachter zu entsenden, eine Kon-

AMERIKA DIENST 39

�ferenz einzuberufen und eine Schiedskommission für
die friedliche Lösung alier Streitigkeiten einzurichten.
Wir werden weiterhin die regionalen Arrangements der
EG und KSZE in diesem Sinne unterstützen.
Darüber hinaus begrüßen wir die Unterstützung dieser
Resolution für das internationale Waffenembargo, das
die Vereinigten Staaten am 3. Juli dieses Jahres
vorgeschlagen haben. Gleichzeitig unterstützen wir
die Aufforderung der Resolution an den UN-Generalsekretär, die Situation in Jugoslawien durch die Vermittlungsdienste dieser Organisation und mit Hilfe der
Institutionen in der Region zu beeinflussen.
Den Völkern Jugoslawiens steht noch ein anderer Weg
offen. Sie können durch einen Prozeß des friedlichen
Dialogs ihre legitimen Hoffnungen und Anliegen sowie
*

AMERIKA DIENST 39

*

die Interessen aller nationalen Gruppen in jeder Republik ansprechen und in Einklang bringen. Im Endeffekt
müssen sie das tun.
Die heutige Resolution unterstreicht und bekräftigt die
den Völkern Jugoslawiens von der KSZE und ihren
Mitgliedern übermittelte Botschaft. Sie bekundet die
volle Unterstützung des UN-Sicherheitsrats für die
Bestrebungen der KSZE und der Europäischen Gemeinschaft, um den Völkern Jugoslawiens auf ihrem
Weg zum Frieden zu helfen.
Wir unterstützen sie uneingeschränkt. Und wir hoffen,
die Völker Jugoslawiens werden ihr Beachtung schenken und sich aus dem Krieg zurückziehen, mit dem
jetzt in ihrem ganzen Land Blut vergossen wird.

*

*

Seite 3

�FLÜCHTLINGE
2. Oktober 1991

USA HOFFEN AUF REPATRIIERUNG
DER FLÜCHTLINGE
Rede des Stellvertretenden Außenministers
WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Unterausschuß des Senats für Einwanderung und
Flüchtlingsfragen stellte der Stellvertretende Außenminister Lawrence S. Eagleburger am 24. September 1991
fest, auch wenn die Ära des Sowjetkommunismus vorüber sein mag, wird das Flüchtlings- und Migrationsphänomen weiterbestehen, und fügte hinzu: "Wir hoffen, daß die internationale Staatengemeinschaft ihre
Ressourcen zur Repatriierung einer großen Zahl von Flüchtlingen auf der Welt aufwendet. Während in den
letzten vierzig Jahren die Zahl der Flüchtlinge auf der ganzen Welt ununterbrochen gestiegen ist, besteht unser
Ziel für die neunziger Jahre darin, diese Zahl drastisch zu senken."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Stellvertretenden Außenministers im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute vor diesem Ausschu ß über
die Aufnahme von Flüchtlingen in die Vereinigten
Staaten im Haushaltsjahr 1992 berichten zu dürfen.
Botschafter Laf ontant-Mankarious und ich werden den
offiziellen Vorschlag des Präsidenten über die Aufnahme von bis zu 144.000 Flüchtlingen im Haushaltsjahr
1992 erläutern. Soweit ich weiß, hat der Ausschuß
auch einen Bericht erhalten, der die im Statut niedergelegten Einzelheiten enthält.
Flüchtlinge in der Welt von heute
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich einige
Minuten darauf verwenden, unsere Flüchtlingspolitik
in den umfassenderen Kontext der amerikanischen
Außenpolitik und aktueller Entwicklungen in der Weltpolitik zu stellen.
Meines Erachtens sind wir in eine Periode historischen
Umbruchs in unseren auswärtigen Beziehungen eingetreten. Die Ära des kalten Kriegs ist zu Ende,
Demokratie verbreitet sich nicht nur in Osteuropa und
der Sowjetunion sondern auf der ganzen Welt. Unsere
Vision der neuen Weltordnung beinhaltet die Hoffnung, daß humane Lösungen fürdas Leid der Millionen
von Flüchtlingen in der Welt von heute gefunden
werden.
Das Symbol der Zuflucht ist eines der herausragendsten in der Ära des kalten Kriegs. Ebenso wie man
sagen könnte, daß die Berliner Mauer als drastischstes Symbol für die Ost-West-Konfrontation in Europa
stand, waren es die einzelnen Menschen, die versuch-

AMERIKA DIENST 39

ten, über die Grenze in die Freiheit zu gelangen, die so
offenkundig die durch das kommunistische System
verursachte menschliche Tragödie darstellte. Wo
diese autoritäre Ideologie in die dritte Welt exportiert
wurde - in Afrika, Kuba, Mittelamerika und Asien - war
das Ergebnis Konflikt, Verfolgung und der massive
Strom von Menschen, die versuchten, ihr Leben zu
retten und in die Freiheit zu entfliehen. Während der
Nachkriegszeit zählten diese Menschen - die Flüchtlinge der Welt - Millionen.
Mit dem Zerfall des Sowjetkommunismus sind wir jetzt
in eine Zeit weltweiter Konfliktlösung eingetreten. Im
vergangenen Jahr konnten Fortschritte in Angola und
Äthiopien sowie die äußerst begrüßenswerte politische Einigung in Afrika beobachtet werden. Vor zwei
Wochen gaben Außenminister Baker und Präsident
Gorbatschow eine Erklärung ab, von der wir hoffen,
daß sie der erste Schritt zur Konfliktlösung in Afghanistan sein wird. Die kambodschanischen Parteien
haben sich in jüngster Zeit sehr viel stärker dem Plan
einer umfassenden politischen Schlichtung angenähert. Auf unserem Kontinent steht heute nur noch
Kuba außerhalb der Gruppe demokratisch gewählter
Regierungen. Obwohl aus einem anderen historischen Kontext entstanden, ist das Leid der Palästinenser ein zentrales Anliegen der US-Außenpolitik, während wir eine Nahost-Friedenskonferenz anstreben.
Obwohl diese Entwicklungen uns optimistisch in die
Zukunft blicken lassen, sind wir uns auch bewußt, daß
der Lösungsprozeß althergebrachter Konfliktsituatio-

Seite 1

�nen weder schnell noch leicht sein wird. Jede Situation
ist unterschiedlich und komplex. Erstens muß Einvernehmen über die Einstellung der Feindseligkeiten
bestehen. Alle Parteien müssen sich für die friedliche
Verteilung von Macht engagieren. Es muß Pläne für
freie Wahlen und die Institutionen der Demokratie
geben. Und es muß gut organisierte Programme für
die sichere Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen in ihre Heimat geben.
Obwohl wir das Ziel der Konfliktlösung und Repatriierung von Flüchtlingen umreißen können, hat das vergangene Jahr gezeigt, daß wir die potentiellen Strömungen und Konflikte nicht vorhersagen können, da
die Relikte des kalten Kriegs und kommunistischer
Unterdrückung entfernt wurden. Die Kämpfe in Jugoslawien sind ein verheerendes Beispiel für die immanente Gefahr in dieser Zeit der Instabilität. Mit äußerster Aufmerksamkeit beobachten wir die Erarbeitung
von Maßnahmen zu Menschenrechten und der Behandlung von Minderheiten in allen Gebieten der
ehemaligen Sowjetunion. Auch ethnische und politische Konflikte, die überhaupt nichts mit dem Umfeld
des kalten Kriegs zu tun haben, bedrohen die Stabilität
- wie wir es in Liberia beobachten konnten. Allein
dieser Konflikt bewirkte einen Flüchtlingstrom von
zusätzlichen 600.000 Menschen in den vergangenen
zwei Jahren.
Weltweite Hilfe
Der Zweck dieser Konsultationen besteht darin, die
Zahl der Flüchtlinge festzustellen, die im Haushaltsjahr 1992 in die Vereinigten Staaten umgesiedelt werden
sollen. Umsiedlung ist ein Hauptelement unseres
Schutzes für Flüchtlinge, und wir stehen in dieser
Hinsicht an erster Stelle in der Welt. Umsiedlung ist
jedoch nicht nur ein Kernstück unserer Reaktion auf
die Flüchtlingssituation. Die überwiegende Mehrheit
der Flüchtlinge auf der Welt wartet auf die Chance,
nach Hause zurückzukehren und nicht ihr Heimatland
für immer aufzugeben. Vordringlich müssen die Grundbedürfnisse befriedigt werden: Nahrungsmittel, Wasser, Gesundheitsfürsorge und Ausbildung der Kinder.
Langfristig ist die Behebung von Konflikten oder Unterdrückung erforderlich, aufgrund derer sich die Menschen zur Flucht gezwungen sahen.
Das Hilfspaket unseres Flüchtlingsprogramms ist daher
von großer Bedeutung. Ich freue mich, sagen zu
können, daß wir dank der Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem Kongreß unsere Ressourcen zur
Befriedigung dieser Grundbedürfnisse ständig erhöhen konnten, selbst während wir die Kosten unseres
Aufnahmeprogramms durch verschiedene Kürzungsmaßnahmen reduziert haben. Im Haushaltsjahr 1991
wurde unser Flüchtlingshilfebudget gegenüber dem
Haushaltsjahr 1990 um 90 Millionen Dollar aufgestockt
einschließlich der Mittelentnahme aus dem Nothilfefonds für Flüchtlinge und Migration des Präsidenten.
Für das Haushaltsjahr 1992 erwarten wir einen weiter-

Seite 2

en Anstieg, insbesondere bei grundlegenden Förderprogrammen und der Repatriierung von Flüchtlingen in
ihre jeweiligen Heimatländer. Die jüngste Geschichte
hat uns zweifelsohne gelehrt, daß Kriege, Aggression
und Verfolgung weiterhin neue Flüchtlingsströme zur
Folge haben werden, und wir müssen vorbereitet sein,
ihnen bei der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zu
helfen.
Als ich vor einem Jahr vor diesem Ausschuß das
Flüchtlingsprogramm des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1991 erörtert habe, drehten sich unsere
Gedanken vor allem um die irakische Invasion Kuwaits. Damals war es unmöglich vorherzusagen, was
die nächsten Monate bringen und wie sich dieser
Konflikt in Flüchtlingsströmen und dem Bedarf an
humanitärer Hilfe manifestieren würde. In den ersten
zehn Wochen dieses Konflikts flohen über 1 Million
Menschen unterschiedlichster Nationalitäten aus dem
Irak und Kuwait. Wirklich außerordentliche internationale Bestrebungen wurden in die Wege geleitet, um
das physische Wohlergehen dieser Menschen zu
gewährleisten und die Repatriierung in ihre Heimatländer zu veranlassen. Dies war jedoch nicht das Ende.
Einen Monat nach Beendigung des Krieges entflohen
im März fast 2 Millionen Iraker - Kurden, Schiiten,
Turkmenen, Assyrer und andere Minderheiten - binnen Wochen der Unterdrückung Saddam Husseins.
Sowohl die reinen Zahlen als auch der komprimierte
Zeitrahmen dieser massiven Bewegung verblüfften
die Welt.
Nur das beispiellose Vorgehen Präsident Bushs, dem
Verteidigungsministerium die Befugnis für entscheidende Hilfmaßnahmen, Nachschub und Transport zu
erteilen, verhinderte die Katastrophe. Das amerikanische Militär und unsere Koalitionspartner haben diese
humanitären Hilfsleistungen brilliant durchgeführt, bis
die Gesamtkoordination dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen übergeben werden
konnte. Ich sollte jedoch hinzufügen, daß die Gesamtausgaben der Vereinigten Staaten für die irakische
Flüchtlingskrise über 600 Millionen Dollar betragen
können.
Aufgrund dieser Erfahrungen erarbeiten wir Wege,
damit die Vereinigten Staaten auf solche Situationen
besser reagieren können und einseitige Aktionen nicht
erforderlich werden. Wir erwarten, daß zu diesem
Thema mehrere Vorschläge in der UN-Generalversammlung erörtert werden. Wir werden uns daran
aktiv beteiligen, damit die konstruktivsten Vorschläge
im Rahmen des UN-Reformprogramms verabschiedet
und durchgeführt werden.
Auswanderung aus der Sowjetunion
Jüngste Entwicklungen in der Sowjetunion, insbesondere im Hinblick auf Auswanderung, hatten direkte
Auswirkungen auf das von uns hier erörterte USAufnahmeprogramm für Flüchtlinge.
AMERIKA DIENST 39

�Im Mai dieses Jahres hat der Oberste Sowjet eine
weitreichende Auswanderungsgesetzgebung verabschiedet, die erwartungsgemäß mit neuen weniger
belastenden Ausreiseverfahren verbunden ist. Wir
werden die Durchführung dieser Gesetzgebung auf
der Ebene der Union und der Republiken kontinuierlich
beobachten. Uns liegen in letzter Zeit einige beunruhigende Berichte vor, daß lokale Auswanderungsbehörden wieder auf die vor der Durchführung des neuen
Gesetzes herrschenden restriktiven Praktiken zurückgreifen. Unsere Botschaft in Moskau geht diesen
Berichten nach. Wenn sich solche Tendenzen verstärken, während die Republiken von der Zentralregierung
mehr Verantwortung für Auswanderung übernehmen,
schadet dies den Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Republiken, die solche restriktiven Verfahren
anwenden. Bei seinem jüngsten Besuch in Moskau
hat Außenminister Baker die Haltung der Vereinigten
Staaten verdeutlicht, daß die Menschenrechtsnormen
der KSZE auf der Ebene der Republiken und der Union
Anwendung finden, ungeachtet der von den Völkern
der Sowjetunion vereinbarten endgültigen Struktur der
Union.
Die dramatischen Ereignisse in der UdSSR seit dem
Putschversuch haben die Auswanderungen in die
Vereinigten Staaten nicht behindert. Tatsächlich ist
die Zahl der aus der Sowjetunion in die Vereinigten
Staaten kommenden Flüchtlinge in den letzten Wochen kontinuierlich gestiegen.
Im Hinblick auf die Auswanderung in die Vereinigten
Staaten wollen wir im Haushaltsjahr 1992 den Überhang angehen, der sich im Haushaltsjahr 1991 vor der
Verabschiedung der sowjetischen Auswanderungsgesetze gebildet hat. Viele Personen mit einer Genehmigung der amerikanischen Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde (Immigration and Naturalization
Service - INS) konnten nicht ausreisen, weil sie von der
Sowjetunion keine Genemigung zum Verlassen des
Landes erhalten hatten. Wir hoffen, daß die Durchführung der neuen sowjetischen Gesetze dieses Problem
lösen wird. Der stetige Anstieg der Zahl von Personen,
die seit dem 1. Juli ausgereist ist, macht uns Mut. Dem
Vorschlag des Präsidenten zufolge soll der sowjetische Überhang aus dem Haushaltsjahr 1991 den
50.000 Genehmigungen hinzugefügt werden, die der
Präsident in seiner Haushaltsvorlage für nächstes
Jahr eingeplant hatte. Ich freue mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß in den vergangenen Wochen viel mehr
sowjetische Flüchtlinge in die Vereinigten Staaten
eingereist sind als erwartet. Wir werden den im
Vorschlag des Präsidenten bisher auf 13.000 Personen geschätzten Überhang des Jahres 1991 auf 11.000
Personen abbauen. Aufgrund der bisherigen Maßnahmen der Bewilligungsausschüsse sind wir optimistisch,
daß die notwendigen Mittel verfügbar sind.

AMERIKA DIENST 39

Die Zulassung von Flüchtlingen aus Vietnam
Neben den Auswirkungen der Entwicklungen in der
Sowjetunion auf die Aufnahmeprogramme für Flüchtlinge möchte ich dem Ausschuß auch über die Situation in Südostsien berichten. Da Vietnam leider immer
noch ein kommunistisches Regime hat, verlassen
Tausende von Menschen das Land, weil sie aufgrund
ihrer Vergangenheit oder gegenwärtig verfolgt werden.
Über zwei Jahre sind vergangen, seit ich unsere Delegation bei der Genfer Konferenz geleitet habe, bei der
über 50 Länder eine Vereinbarung getroffen haben den umfassenden Aktionsplan (Comprehensive Plan
of Action - CPA) -,um die zahlreichen Probleme der
Asylsuchenden aus Vietnam in Südostasien zu lösen.
CPA hat größtenteils bemerkenswert gut funktioniert.
Die Zahl neuer Bootsflüchtlinge ist nur noch ein Bruchteil dessen, was sie vor einem Jahr betrug, ausgenommen in Hongkong. In den meisten Ländern wird
weiterhin Asyl gewährt, und die Verfahren werden
verbessert. Dennoch bereitet uns die unnachgiebige
Haltung Malaysias Sorgen, und wir sind ferner beunruhigt über die schleppenden Fortschritte bei der Behandlung alleinstehender Minderjähriger.
Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor gegen eine
Zwangsrückführung nach Vietnam. Wir glauben fest
daran, daß man sich besser darauf konzentrieren
sollte, die Zahl der freiwilligen Rückkehrer zu erhöhen,
wofür es in den letzten Monaten hoffnungsvolle Anzeichen gab. Die freiwillige Rückkehr ist problematisch,
weil die Betroffenen kein Angebot mehr zur Umsiedlung erhalten.
Die Umsiedlung von Personen, die als Flüchtlinge
anerkannt sind, ist nach wie vor eine der wichtigsten
Aufgaben des CPA. Für die Vereinigten Staaten
repräsentiert der Vorschlag von 50.000 Genehmigungen im Haushaltsjahr 1992 ihr Engagement für den
dauerhaften Erfolg des CPA und für die Umsiedlung
von Amerikanern asiatischer Abstammung sowie
ehemaligen Insassen von Umerziehungslagern in
Vietnam durch das Programm der ordentlichen Ausreise.
Im vergangenen Jahr konnten die Vereinigten Staaten
durch Zusammenarbeit der INS und des Außenministeriums die Zahl der Personen, die jeden Monat im
Rahmen des Programms der ordentlichen Ausreise
befragt werden, auf 10.000 steigern. Infolgedessen
hoffen wir, bis Mitte des Jahres 1992 alle Befragungen
von Personen amerikanisch-asiatischer Abstammung
durchgeführt und bis Ende des Jahres 1992 den
Rückstand an ausgestellten Visa in Vietnam aufgeholt
zu haben. Zur Zeit wird monatlich etwa 2 000 ehemaligen Insassen aus Umerziehungslagern die Einreise

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�in die Vereinigten Staaten genehmigt. Unserer Meinung nach zeugt diese drastische Zuwachsrate von
unserem Engagement, diese Menschen aus humanitären Gründen in die Vereinigten Staaten umzusiedeln. Gleichzeitig hoffen wir auf das Verständnis von
Personen, die eine heimliche Ausreise mit dem Schiff
erwägen, daß wir das Programm der ordentlichen
Ausreise als sicherste Methode und Kernpunkt der
US-Maßnahmen für Flüchtlinge aus Vietnam betrachten.

Menschenrechte und Volksgruppen reduzieren. Die
Vereinigten Staaten werde jede Gelegenheit ergreifen, um an der Lösung von Konflikten und friedlichen
politischen Regelungen auf der ganzen Welt zu arbeiten. Wir hoffen, daß die internationale Staatengemeinschaft ihre Ressourcen zur Repatriierung einer großen
Zahl von Flüchtlingen auf der Welt aufwendet. Während in den letzten vierzig Jahren die Zahl der Flüchtlinge auf der ganzen Welt ununterbrochen gestiegen
ist, besteht unser Ziel für die neunziger Jahre darin,
diese Zahl drastisch zu senken.

Andere Regionen der Welt
In anderen Teilen der Welt - Afrika, dem Nahen Osten,
Lateinamerika und Osteuropa - führen die Vereinigten
Staaten den lokalen Bedürfnissen angemessene
Umsiedlungsprogramme durch. Darüber hinaus arbeiten wir mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen zusammen, um einen Mechanismus einzurichten, mit dessen Hilfe unsere Aufnahmeprogramme bessere Möglichkeiten der Umsiedlung
von Risiko- oder anderen vordringlichen Fällen schaffen können. Einzelheiten über unsere Aufnahmequoten für diese Regionen finden sich in dem der Kommission vorgelegten Bericht.
Schlußbemerkung
Es ist schwierig, die Lehren zusammenzufassen, die
wir im letzten Jahr aus der Flüchtlingsproblematik
gezogen haben. Der Zusammenbruch des totalitären
Kommunismus in der UdSSR ist eindeutig ein Grund
für Optimismus. Die Vereinigten Staaten suchen ihre
bestehenden Verbindungen und Kontakte zu den
Baltenstaaten und den Sowjetrepubliken auszubauen,
aber wir werden keinesfalls unser Engagement für

*

Seite 4

*

Es gibt jedoch nach wie vor Herausforderungen.
Kommunistische Regime in Vietnam und Kuba werden
weiterhin Flüchtlinge produzieren. Der Irak, Liberia,
das Hörn von Afrika und jetzt Jugoslawien demonstrieren nur allzu deutlich das Potential für regionale Konflikte und Instabilität. Darüber hinaus werden die
neunziger Jahre neben den Flüchtlingsströmen, die
vor Verfolgung und Konfliktsituationen fliehen, auch
die Industrienationen mit beunruhigenden politischen
und rechtlichen Fragen konfrontieren, wenn sie die
große Zahl von Asylsuchenden und anderen internationalen Flüchtlingen bewältigen wollen. Es wird Aufgabe der Vereinigten Staaten sein, sich - gemeinsam
mit unseren Verbündeten und Freunden und auch mit
den Herkunftsländern - zu engagieren, um auf weltweiter Ebene Lösungen für diese Probleme zu finden.
Auch wenn das Zeitalter des Kommunismus in der Sowjetunion zu Ende sein könnte, wird das Phänomen
der Flüchtlinge und Auswanderer nicht verschwinden.
In absehbarer Zukunft werden die Vereinigten Staaten
weiterhin die humanitäre Führungsrolle übernehmen,
die im Zeitalter des kalten Kriegs so eindeutig belegt
hat, worum es in der freien Welt geht.

*

*

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�OST-WEST-BEZIEHUNGEN
2. Oktober 1991

OST-WEST-BEZIEHUNGEN IN EINER ZEIT DES
WANDELS - DER AMERIKANISCHE BLICKWINKEL
Ansprache des Gesandten George F. Ward
KOBLENZ - (AD) - In seiner Rede bei der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in Koblenz verwies der Gesandte
George F. Ward am 25. September 1991 auf die bemerkenswerten Leistungen in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen seit der Vereinigung beider deutscher Staaten.
Ward erläuterte femer den amerikanischen Ansatz zu den Ost-West-Beziehungen und seine drei Hauptziele. Er
erklärte: "Wir wollen die Entwicklung demokratischer, pluralistischer Institutionen und Verfahren fördern, die auf
Menschenrechten und der Freiheit des einzelnen basieren. Wir wollen bei der Umgestaltung in Marktwirtschaften helfen, die einen starken Privatsektor haben und in die Weltwirtschaft integriert sind. Darüber hinaus wollen
wir die Lebensqualität in Mittel- und Osteuropa verbessern, während diese Länder politische Reformen und eine
wirtschaftliche Umstrukturierung durchführen."
Dennoch ist Ward zufolge erkennbar, daß noch viele Probleme gelöst werden müssen - "von wirtschaftlicher
Unterentwicklung bis zu Feindseligkeiten zwischen benachbarten Volksgruppen." Er erklärte ferner, es habe
niemals eine vielversprechendere Zeit größerer Hoffnung gegeben als heute in Europa, "da der Traum, der 1975
die Schlußakte von Helsinki hervorgebracht hat, sich zu erfüllen scheint. Die Vereinigten Staaten leisten ihren
Beitrag, um eine integrierte, demokratisch orientierte, wirtschaftlich produktive und wohlhabende transatlantische Gemeinschaft zu schaffen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Gesandten im Wortlaut.

In wenigen Tagen wird Deutschland den ersten Jahrestag der Vereinigung feiern. Im Rückblick auf diese
historische Leistung vergißt man leicht, wie wenige
von uns erwartet hatten, daß dies so rasch und reibungslos erreicht werden konnte. Ich sage wenige,
weil unser ehemaliger Botschafter, Vernon Walters,
bereits bevor Tausende von Ostdeutschen die ungarische Grenze in die Freiheit überquerten, prognostizierte, daß Deutschland bald wieder ungeteilt sein
würde. Aufgrund des unerschütterlichen Vertrauens
der Vereinigten Staaten, daß die Vereinigung eines
Tages kommen würde und müßte, war Washington
jedenfalls mit einem Plan zur Unterstützung von Bundeskanzler Kohls Bestrebungen vorbereitet.
Wenn wir die verwirrende Abfolge von Ereignissen in
Osteuropa und natürlich insbesondere der Sowjetunion betrachten, hat sich die Lage heute nicht geändert.
Da sich die Völker Osteuropas unverzüglich für den
demokratischen Weg entschieden haben und die
Bestrebungen der Sowjetunion zur Reform von innen

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heraus durch den gescheiterten Staatsstreich beschleunigt wurden, könnte das Tempo der Ereignisse erneut
unsere Erwartungen überflügeln. Dank der unerschütterlichen Überzeugung der Vereinigten Staaten, daß
die internen Funktionsstörungen und Widersprüche
des sowjetischen Systems eines Tages sein Ende
bewirken würden, konnten wir jedoch rechtzeitig, hilfreich und angemessen auf die jüngsten Ereignisse
reagieren.
Der Trend hatte sich tatsächlich sehr viel früher abgezeichnet. Die dramatischen, tragischen Vorfälle im
Jahr 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei
und 1981 in Polen haben bewiesen, daß nur Gewalt
das sowjetische Imperium zusammenhalten konnte.
Anfang der achtziger Jahre wandten sich zahlreiche
Nationen in Afrika und Lateinamerika zugunsten von
Marktwirtschaften und politischen Reformen vom
"sozialistischen" Modell ab. Diese Tendenz hat das
Versagen der Systeme unterstrichen, an denen die
UdSSR festgehalten hatte.

Seite 1

�Lassen Sie uns Rückschau auf die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
der jüngsten Vergangenheit halten. Als Präsident
Gorbatschow eindeutig erklärte, er sei an Reformen im
Inland und erweiterter Zusammenarbeit mit dem Westen
interessiert, ermöglichte er - wie Präsident Bush kürzlich bemerkte - "eine ganz neue Ära der Zusammenarbeit". Seit 1985 haben wir gehandelt - häufig zusammen mit Deutschland und anderen unserer engsten
Verbündeten - um die Früchte der neuen "Entspannung" in einer Weise zu ernten, die nicht nur Europa
sondern der ganzen Welt Stabilität und Frieden brachte.
Zu den bemerkenswerten Leistungen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen seit jener Zeit zählen:
Acht Gipfeltreffen und eine sehr viel größere
Zahl von Gesprächen auf Ministerebene, die
Fortschritte an vielen Fronten von Rüstungskontrolle über Menschenrechte bis zu regionaler Außenpolitik ermöglichten.
*

Die Unterzeichnung von vier wichtigen Rüstungskontrollabkommen - dem Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) von 1987, mit dem
eine gesamte Klasse von Raketen abgeschafft
wurde; der Vereinbarung von 1990 zur Reduzierung der Chemiewaffenbestände; einem weiteren Abkommen im Jahr 1990 über den Abbau der
konventionellen Streitkräfte in Europa (KSE)
und des Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) im Jahr 1991.

*

Über ein Dutzend Austausch-und Kooperationsvereinbarungen in den Bereichen darstellende Künste, Bildung, Forschung, Weltraum,
Fischereiwesen, Seenotrettung sowie Bekämpfung des Drogenhandels.

*

Femer wurden zwei vertrauensbildende Abkommen über militärische Aktivitäten unterzeichnet
- eines im Jahr 1987 über die Verringerung des
nuklearen Risikos und das andere über gefährliche militärische Aktivitäten im Jahr 1969.
In vielen Teilen der Welt hat die neue Kooperationsbereitschaft der Sowjetunion bei regionalen Themen beachtliche Fortschritte ermöglicht.
Die sowjetische Zusammenarbeit war beispielsweise für den Waffenstillstand in Angola unabdingbar. Die erfolgreiche internationale Koalition, die Saddam Husseins unrechtmäßige
Besetzung Kuwaits beendete, hing in hohem
Maße von der neuen sowjetischen Haltung ab.
Und das sowjetische Engagement für eine NahostFriedenskonferenz steigert unsere Hoffnungen
auf Fortschritte bei diesem schwelenden beunruhigenden Problem.

Seite 2

Der Staatsstreich vom 19. August und sein Scheitern
haben eindeutig veränderte Gegebenheiten geschaffen. Präsident Bushs frühzeitiger Ruf nach der Wiedereinsetzung Gorbatschows verdeutlicht zum einen
die Überzeugung, daß wir ein "Zurückdrehen" der
Fortschritte in der Sowjetunion nicht zulassen dürfen
und zum anderen das Vertrauen in eine erneute Vereinigung der Reformkräfte. Und genau das ist geschehen. Die endgültige Brüchigkeit des sowjetischen
Systems wurde durch den Widerstand des Volkes
wirksam demonstriert, das den Putsch vereitelte. Das
Tempo, mit dem die Demokratie Wurzeln in einem Volk
schlug, das sie bisher kaum in der Praxis erlebt hatte,
war eine wunderbare Illustration der Macht des demokratischen Ideals.
Unter den bedeutenden Auswirkungen war die Beschleunigung des Bruchs mit dem alten System. Der
Staatsstreich war der Todesstoß und hat die Kommunistische Partei, die alte Garde des Militärs, den KGB
und andere der letzten Spuren von Legitimität beraubt,
die Reformen unterdrückt oder zu verzögern versucht
hatten. Dennoch ließ er Präsident Gorbatschow nicht
genügend freie Hand, um seine Vision der Reformen
fortzusetzen. Statt dessen erweiterte der Staatsstreich die Rolle der einzelnen Republiken und ihrer
demokratisch gewählten Regierungen bei der Bestimmung des zukünftigen Kurses, den sie und ihr Volk
einschlagen werden.
Gleichzeitig hat die neue unstrukturierte und sich rasch
verändernde Situation in der Sowjetunion herkömmliche Verantwortungsbereiche verwischt, wenn nicht
sogar vollständig aufgehoben. In der Sowjetunion ist
es heute schwierig, jemanden zu finden, der bereit und
in der Lage ist, die Verantwortung für eine außenpolitische Entscheidung zu übernehmen und zuversichtlich über die Zukunft zu sprechen. Die Verwirrung wirft
zwangsläufig einige Fragen auf. Wie können wir
sicherstellen, daß die Errungenschaften der vergangenen sechs Jahre - die bereits aufgezählten für den
Frieden in der atlantischen Gemeinschaft entscheidenden Abkommen und das Zwei-plus-Vier-Abkommen, das die deutsche Einheit festschrieb - dauerhaft
sind und von der Zentralregierung respektiert werden,
was für eine Form sie auch annimmt? Wie rasch
werden die sowjetischen Versprechen, Militärhilfe an
die Regierung von Afghanistan einzustellen und sowjetische Truppen aus Kuba abzuziehen, eingelöst?
Mit wem müssen wir verhandeln, wenn wir Themen
wie Handel und Investitionen erörtern? Wie wirkt sich
die Lage auf unsere Sicherheit aus? Und vor allem wer ist verantwortlich, und bei wem liegt die Autorität?
Alle westlichen Länder sind jetzt mit diesen Fragen der
Beziehungen zwischen der Zentralregierung und den
Republiken befaßt. Zweifelsohne hängt viel von den
Antworten ab. Wir in den Vereinigten Staaten erachten
es als unabdingbar, daß eine zentrale Struktur aufrechterhalten wird, um die sicherheitspolitischen und

AMERIKA DIENST 39

�wirtschaftlichen Beziehungen mit der übrigen Welt zu
koordinieren. Gleichzeitig können wir nicht umhin, mit
dem legitimen Streben der Völker in der Sowjetunion
nach Selbstbestimmung zu sympathisieren.
In der Tat scheint der Staatsstreich zu einer Situation
geführt zu haben, in der Veränderungen nicht länger
von oben nach unten aufgezwungen werden, sondern
sich vielmehr von den Interessen der Regionen und
Republiken nach oben entwickeln. Wie Au ßenminister
Baker vor zwei Monaten in Berlin bemerkte, sind
Evolution und Devolution keine Alternativen sondern
ergänzen sich und sind interdependent. Die neue
Situation erhöht tatsächlich die Chancen für die stabile
Entwicklung demokratischer Strukturen und Wirtschaftsreformen, weil bei dem Prozeß viele Stimmen hörbar
werden und sich bemerkbar machen. Amerikaner und
Deutsche mit ihren leicht unterschiedlichen föderativen Strukturen fühlen sich mit diesem Arrangement
wohl und sollten dadurch ermutigt werden. Selbst in
Europa insgesamt hat sich der Trend zur Entscheidungsfindung auf untere Ebenen verlagert, oder es gilt
- wie es in Brüssel heißt - das Prinzip der Subsidiarität.
Meines Erachtens haben wir in den Vereinigten Staaten das "Menetekel an der Wand" gesehen und sind
auf diese Situation relativ gut vorbreitet. Seit einiger
Zeit hat sich die amerikanische Politik auf die Fortsetzung unserer Unterstützung von Präsident Gorbatschows Reformbemühungen konzentriert, und gleichzeitig haben wir Kontakte zu den neuen Politikern in
den Regionen und Republiken aufgenommen, die
wiederum aufgrund dieser Reformen im Amt sind.
Erneut gleichzeitig Evolution und Devolution. Unser
Ansatz ist nach dem Staatsstreich ebenso gültig wie
davor.
Präsident Bush hat erkannt, daß die Wahl zwischen
Unterstützung für Gorbatschow und Unterstützung der
Politiker in den Republiken eine falsche Wahl ist. Statt
dessen haben die Vereinigten Staaten versucht, Politiker zu unterstützen, die Demokratie, Freiheit und ein
freies Wirtschaftssystem anstreben, wo immer sie in
der Sowjetunion auch sein mögen. Wir unterstützen
nach wie vor die Regierung Präsident Gorbatschows,
der schließlich sehr viel erreicht hat. Wir haben jedoch
auch unseren Wunsch zum Ausdruck gebracht, gute
Beziehungen zu den Republiken zu unterhalten.
Bezeichnend für diesen Ansatz sind der Besuch von
Präsident Jelzin in den Vereinigten Staaten, Präsident
Bushs Besuch in der Ukraine Anfang August und
Außenminister Bakers kurzer Aufenthalt in Alma Ata
sowie eine große Bandbreite von Kontakten in Moskau, Leningrad und den baltischen Republiken.
Die Vereinigten Staaten haben auf die dramatischen
Veränderungen in der Sowjetunion mit Programmen
reagiert, die darauf abzielen, sowohl die unmittelbaren
als auch die langfristigen Herausforderungen anzusprechen, mit denen sich das Land konfrontiert sieht.
Im Bereich der Nahrungsmittelbeschaffung und -VerAMERIKA DIENST 39

teilung wurden beispielsweise Kreditbürgschaften in
Höhe von 2,5 Milliarden Dollar für den Kauf von amerikanischen Agrarprodukten zur Verfügung gestellt.
Ein gemeinsamer amerikanisch-sowjetischer Vorschlag
zur Verbesserung der Nahrungsmittel verteilung wurde
unterbreitet. Diese Bestrebungen konzentrieren sich
auf die Einführung von Marktanreizen, um die Produktion anzukurbeln und die Verteilungssysteme zu verbessern. Zwei hochrangige amerikanische Delegationen werden in diesem Monat in die Sowjetunion
reisen, um den Nahrungsmittelimportbedarf der Sowjetunion für den bevorstehenden Winter zu ermitteln.
Ein medizinisches Hilfsprogramm für die Sowjetunion
wurde ins Leben gerufen. Bei dem Programm handelt
es sich um ein von öffentlichen Stellen und privaten
Trägern in die Wege geleitetes Projekt von einjähriger
Dauer, mit dem der Sowjetunion geholfen werden soll,
akute, unmittelbare Engpässe bei Arzneimitteln und
grundlegender medizinischer Versorgung zu bewältigen. Seit Februar haben die Vereinigten Staaten über
8 Millionen Dollar an medizinischen Hilfsgütern in die
Ukraine, das Gebiet des Aralsees bei Kasachstan und
Usbekistan sowie die unabhängigen Baltenrepubliken
transportiert. Wir haben Finanzhilfe in Höhe von 5
Millionen Dollar zur Deckung der Verwaltungskosten
dieses Programms bereitgestellt.
Präsident Bush hat die Bedeutung eines Handelsabkommens mit der Sowjetunion immer wieder unterstrichen. Seine Verabschiedung wird den Meistbegünstigungsstatus für die Sowjetunion zur Folge haben.
Dank dieser Klausel werden sowjetische Waren mit
den niedrigsten amerikanischen Zollsätzen belegt was einen entscheidenden Schritt zur Schaffung eines
amerikanischen Markts für sowjetische Waren bedeutet.
Im Juli wurde ein Protokoll über technische wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vereinbart. Das Protokoll
betont marktwirtschaftliche Konzepte und die Entwicklung gemeinsamer Projekte mit reformorientierten
Institutionen der Zentralregierung, Republiken und
Kommunen einschließlich des aufstrebenden Privatsektors und nichtstaatlicher Organisationen. Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kongreß werden
der Sowjetunion im am 30. September 1992 endenden
Haushaltsjahr 15 - 20 Millionen Dollar an technischer
Hilfe gewährt.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, der Sowjetunion
bei der Reform ihres Energiesektors und der Aufstokkung ihrer Öl- und Erdgasproduktion behilflich zu sein.
Im Juli fand in Moskau eine Konferenz statt, die sich
auf die Haupthindernisse für Investitionen im sowjetischen Öl- und Erdgassektor konzentrierte. Die Vereinigten Staaten waren mit über 20 Führungskräften aus
ölfirmen und Erdgasuntemehmen mit Einblick in die
sowjetische Produktion vertreten.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, sachkundige Regierungsvertreter und Experten aus der
Privatwirtschaft in die Sowjetunion zu entsenden, um
bei der Umleitung von Ressourcen aus der Rüstungsindustrie für zivile Zwecke behilflich zu sein sowie
Hilfsmaßnahmen für durch die Kürzung der Verteidigungsausgaben betroffene Gemeinden zu erarbeiten.
Darüber hinaus werden sowjetische Vertreter der
Rüstungsindustrie von staatlichen und privaten Institutionen in die Vereinigten Staaten eingeladen. Zwei
solcher Gruppen waren bereits im Juli in den Vereinigten Staaten.
Beim Treffen der G-7 in London haben wir eine besondere Assoziierung der Sowjetunion mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank unterstützt.
Der Präsident fördert darüber hinaus die mögliche
Vollmitgliedschaft im IWF, womit Beschränkungen auf
staatliche Kredite und Kreditbürgschaften für US-Exporte
in die UdSSR aufgehoben und Bestrebungen beschleunigt würden, zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion Verträge über Investitionen und
Steuern sowie die Vollmitgliedschaft im GATT auszuhandeln, sobald die Sowjetunion erforderliche Reformen durchgeführt hat.
Die Notwendigkeit für Hilfe an die Sowjetunion wird
vielfach diskutiert. Wir bezweifeln nicht den ungeheuren Bedarf - er ist überall offenkundig. Dennoch
vertreten wir die Ansicht, daß die Sowjets der Obrigkeit
klare Linien ziehen und deutliches Engagement für
einen spezifischen Wirtschaftsplan bekunden müssen. Ohne diese Basis wird es nahezu unmöglich sein,
irgendeine Form von Finanzhilfe effektiv zu gewähren.
Andernorts gewonnene Erfahrungen haben gelehrt,
daß Hilfe, die ohne klar definierte Zielsetzungen und
innenpolitischen Konsens der Empfänger über die
Prioritäten gewährt wird, wahrscheinlich verschwendet ist, oder - noch schlimmer - die Probleme und
Ungleichgewichte in der Wirtschaft verschärft.
Bei seinen jüngsten Gesprächen in der Sowjetunion
hat Außenminister Baker den Politikern dort fünf Prinzipien dargelegt, die unser Konzept für die politischen
Veränderungen in der Sowjetunion leiten werden. Als
Ansatzpunkt für meine Ausführungen zur amerikanischen Politik verdienen sie es meiner Meinung nach,
hier wiederholt zu werden. Sie lauten:
Erstens müssen die Völker der Sowjetunion die Zukunft ihres Landes selbst bestimmen, und zwar friedlich und im Einklang mit demokratischen Werten und
Verfahrensweisen sowie den Grundsätzen der Schlußakte von Helsinki.
Zweitens sind bestehende innere und äußere Grenzen
zu achten, wobei Veränderungen nur mit friedlichen,
durch Konsens erzielten Mitteln im Einklang mit den
KSZE-Prinzipien erfolgen dürfen.

Seite 4

Drittens müssen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
unterstützt werden, und Veränderungen dürfen nur
durch ordnungsgemäße, demokratische Verfahren,
insbesondere Wahlen, bewirkt werden.
Viertens wird die Achtung der Menschenrechte gefordert, auf der Basis von Respekt für den einzelnen und
einschließlich der Gleichbehandlung von Minderheiten.
Fünftens sind das Völkerrecht und internationale Verpflichtungen zu wahren, insbesondere die Einhaltung
von Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki und
der Pariser Charta.
Dies scheint der geeignete Augenblick, um sich Mittelund Osteuropa zuzuwenden, weil die starke Betonung dieser fünf Punkte durch den Außenminister bei
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa die Verbindung zwischen unseren Ansätzen
gegenüber der Sowjetunion und den Demokratien
Mittel- und Osteuropas herstellt, die sich in anderer
Hinsicht oftmals unterscheiden. In beiden Fällen ist
das übergreifende Konzept die Integration dieser Länder
in die transatlantische Staatengemeinschaft. Diese
Werte werden überzeugend in den Schlüsseldokumenten der KSZE dargelegt, zuletzt in der Pariser
Charta. Welches bessere Forum gäbe es also für
diesen Prozeß als die KSZE, die seit ihrer Gründung
auf dem Konzept der Allgemeingültigkeit basiert?
Der gemeinsam am 10. September in Moskau unternommene Schritt - die Begrüßung der baltischen Staaten in der KSZE - verkörpert dieses Konzept der
Allgemeingültigkeit in konkreter Form, indem es die
neuesten osteuropäischen Länder in das Forum einführt.
Estland, Lettland und Litauen werden in der ganzen
Welt als Sonderfälle anerkannt. Die Vereinigten Staaten haben ebenso wie Deutschland niemals die gewaltsame Eingliederung dieser Länder in die Sowjetunion gebilligt. Jedes dieser Länder war in den letzten
fünfzig Jahren in Washington vertreten, und ihre Fahnen standen all die Jahre neben denen der anderen
unabhängigen Länder der Welt in der Eingangshalle
unseres Außenministeriums.
Wir haben uns gefreut, am 2. September die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen bekanntgeben zu können, auf der Grundlage von Präsident
Gorbatschows Erklärung, mit der er das Recht der
Baltenstaaten auf Freiheit anerkannt hat. Ich möchte
hinzufügen, Gorbatschow wußte unserer Meinung nach
zu schätzen, daß wir bis zu diesem Schritt - der von uns
ermutigt wurde - gewartet haben. Ich kann Ihnen
versichern, daß die Regierungschefs des Baltikums
unsere Zurückhaltung in dieser Hinsicht voll und ganz
verstehen. Wie ich ausgeführt habe, sind diese drei
Länder bereits Nutznießer einiger Hilfsprogramme,

AMERIKA DIENST 39

�etwa von Arzneimittellieferungen und medizinischen
Versorgungsgütern. Wir haben aus unserem Haushalt
1991 Hilfe in Höhe von 14 Millionen Dollar für Estland,
Lettland und Litauen zur Verfügung gestellt. Darüber
hinaus haben wir eine vom Unterabteilungsleiter im
Außenministerium, Curtis Kamman, geführte Delegation entsandt, um den künftigen Bedarf an Hilfe zu
ermitteln und Pläne für die Eröffnung diplomatischer
Vertretungen dort zu erarbeiten.
Bei unserer Haltung gegenüber den baltischen Staaten werden wir natürlich auf dem Rahmen aufbauen,
den wir bereits für andere neue Demokratien Mittelund Osteuropas abgesteckt haben. Obwohl unsere
Politik und unsere Ziele für Mittel- und Osteuropa den
von uns für die Sowjetunion postulierten ähneln, unterscheidet sich die Situation in der Region qualitativ.
Erstens haben diese Länder viel eher als die Sowjets
den Reformkurs eingeschlagen. Zweitens verfügen
sie über eine Tradition demokratischer Regierungen
und Unabhängigkeit, auf der sie aufbauen können.
Drittens erfolgte ihr Engagement für demokratische
Regierungen, Menschenrechte und Marktwirtschaft in
den meisten Fällen entschieden und schnell (obwohl
es offensichtlich Ausnahmen wie in Rumänien gibt, wo
uns die Menschenrechte immer noch Sorge bereiten).
Viertens haben die Vereinigten Staaten seit der Zeit
vor 1948 traditionell gute Beziehungen mit vielen dieser Länder gepflegt. Infolgedessen haben sich unsere
Bande mit ihnen viel rascher entwickelt.
Unser Ansatz konzentriert sich auf drei Hauptziele.
Wir wollen die Entwicklung demokratischer, pluralistischer Institutionen und Verfahren fördern, die auf
Menschenrechten und der Freiheit des einzelnen
basieren. Wir wollen bei der Umgestaltung in Marktwirtschaften helfen, die einen starken Privatsektor
haben und in die Weltwirtschaft integriert sind. Darüber hinaus wollen wir die Lebensqualität in Mittel- und
Osteuropa verbessern, während diese Länder politische Reformen und eine wirtschaftliche Umstrukturierung durchführen. Bei der Entwicklung von Programmen zur Erlangung dieser Ziele streben wir danach,
Flexibilität zu bewahren, um auf besondere Bedürfnisse und Entwicklungen in jedem Land einzugehen.
Ein weiterer Beweis für die Langfristigkeit unserer
Planung sind die Bestrebungen der Vereinigten Staaten, den neuen Ländern Osteuropas zu helfen. 1989
hat Präsident Bush die Einführung derG-24 gefordert,
und wir waren die ersten, die die Finanzierung eines
polnischen Stabilisierungsfonds unterstützt haben. Die
amerikanische Hilfe wird fast ausschließlich in Form
von Zuschüssen gewährt, so daß die Regierungen
Mittel- und Osteuropas den größten Teil nicht zurückzahlen müssen. Trotz ihrer angespannten Haushaltslage haben die Vereinigten Staaten erhebliche Beiträge für die wirtschaftliche Umgestaltung der Region
geleistet und darüber hinaus eine Vielzahl von bildungspolitischen Programmen eingeführt.

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Unsere Unterstützung für Demokratie und Pluralismus
zeigt sich in vielfältiger Weise. Wir haben die Wahlen
in Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien beobachtet.
Die Vereinigten Staaten passen eine große Bandbreite
von Programmen den Bedürfnissen einzelner Länder
an, um Know-how oder Unterstützung für die Entwicklung freier Gewerkschaften und Reformen in der
Regierung zu bieten, ferner für den Entwurf von Verfassungen und Gesetzen, die Einführung einer unabhängigen Gerichtsbarkeit, freier Medien sowie der
Reform des Bildungswesens. Wir haben mit Hilfe des
Peace Corps Polen, Ungarn, der CSFR und Bulgarien
Schulbücher geliefert und Englischunterricht eingeführt.
Zur Förderung von Wirtschaftsreformen haben wir 200
Millionen Dollar für die Gründung eines Stabilisierungsfonds für Polen und fast 20 Prozent der Mittel für
IWF- und Weltbankprogramme in der Region bereitgestellt. Wir waren Gründungsmitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, mit
einem Beitrag von 70 Millionen Dollar im ersten Jahr.
Im Privatsektor führen wir in Polen, Ungarn, der CSFR
und Bulgarien bilaterale Unternehmensfonds ein. In
der gesamten Region bieten wir Programme zur Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums
an, femer technische Hilfe zur Privatisierung von Staatsunternehmen und zum Aufbau mittelständischer Betriebe. Wir arbeiten an der Ausbildung von Führungskräften und anderen Bildungsprogrammen.
Bei Handel und Investitionen waren wir um die Normalisierung der Beziehungen zu Osteuropa bestrebt. Wir
haben mit Polen, der CSFR, Ungarn und Bulgarien
Handels- und Wirtschaftsabkommen geschlossen. Vor
den gegenwärtigen Unruhen wurde mit Jugoslawien in
dieser Hinsicht verhandelt. Wir haben Polen, Ungarn,
Jugoslawien und der CSFR den Meistbegünstigungsstatus gewährt und hoffen, daß Bulgarien bald die
rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllt. Die USEximbank und die Entwicklungsgesellschaft OPIC sind
in der Region aktiv. Schließlich verfolgen wir eine
Reihe wichtiger Programme im Bereich der Umwelt.
Humanitäre Hilfe ist die Hauptkomponente der kurzfristigen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität. Dazu zählen medizinische Hilfsgüter, Grippeimpfungen, spezielle Hilfe für rumänische Kinder und
umfangreiche Nahrungsmittelhilfe für bestimmte Länder.
Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Albanien - ein
Land, zu dem wir erst kürzlich Beziehungen aufgenommen haben - konzentriert sich auf Nahrungsmittelhilfe und Entwicklung der Landwirtschaft, Einführung
einer Marktwirtschaft und den Aufbau demokratischer
Institutionen. Anderen wichtigen Bereichen wie Bildungs- und Gesundheitswesen, Arbeit und Umwelt
gilt ebenfalls unsere Aufmerksamkeit. Die Termine für
unsere Hilfe werden sich ergeben, wenn die Bedürfnisse Albaniens klarer werden, die albanische Regierung

Seite 5

�ihre Bereitschaft bekundet und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Um nur einige Zahlen zu nennen:
Seit 1989 beläuft sich die US-Hilfe an Mittel-und
Osteuropa auf 2,1 Milliarden Dollar (einschließlich
etwa 600 Millionen Dollar Schuldenerlaß).
Jugoslawien ist ein weiterer Sonderfall und ähnelt eher
der Sowjetunion, da das Land seinen Kurs für die
Zukunft noch nicht festgelegt hat. Ebenso wie in der
Sowjetunion warten wir ab, wie sich die Situation
entwickelt, bevor wir etwas unternehmen. In Jugoslawien beobachten wir jedoch einen Kreislauf von Gewalt
und Blutvergießen.
Zur Lösung politischer Differenzen oder Veränderungen der Grenzen ist Gewalt im Europa von heute nicht
akzeptabel. Wir haben alle Konfliktparteien aufgefordert, den Einsatz von Gewalt aufzugeben und die
KSZE-Prinzipien als Basis zur Gestaltung neuer politischer Beziehungen zu akzeptieren. Darüber hinaus
unterstützen die Vereinigten Staaten kontinuierliche
europäische Bestrebungen, eine friedliche Lösung
herbeizuführen, die das Land vor einem andauernden
Bürgerkrieg retten kann.
Leider spiegelt der enttäuschende Fall Jugoslawien
die Gefahren wieder, die in vielen Teilen Osteuropas
und der Sowjetunion lauern, weil traditionelle Feindschaften zwischen Volksgruppen in vielen Teilen des
Landes, von Nagorny-Karabach bis zum Kosovo,
aufflackern könnten. Der Schutz der Rechte nationaler Minderheiten ist eines der wichtigsten Probleme,

die wir im Umgang mit jedem Land in dieser Region
und auch bei den Unabhängigkeits- oder Autonomiebestrebungen der Sowjetrepubliken oder ihrer Teile
beachten müssen.
Glücklicherweise bietet die KSZE einen geeigneten
Rahmen für die friedliche Beilegung solcher Konflikte.
Trotz bestehender Spannungen konnte Gewalt zwischen Volksgruppen bisher, außer in Jugoslawien,
vermieden werden.
Wenn wir von Bonn aus den Blick ostwärts nach
Wladiwostok richten, erkennen wir, daß noch viele
Probleme gelöst werden müssen - von wirtschaftlicher
Unterentwicklung bis zu Feindseligkeiten zwischen
benachbarten Volksgruppen. Dennoch gab es niemals eine vielversprechendere Zeit größerer Hoffnung
als heute in Europa, da der Traum, der 1975 die
Schlußakte von Helsinki hervorgebracht hat, sich zu
erfüllen scheint. Die Vereinigten Staaten leisten ihren
Beitrag, um eine integrierte, demokratisch orientierte,
wirtschaftlich produktive und wohlhabende transatlantische Gemeinschaft zu schaffen. Wenn ich mir den
amerikanischen Ansatz zu Osteuropa und der Sowjetunion im einzelnen vor Augen führe, staune ich ebenso wie Sie wahrscheinlich - über die starken
Parallelen zwischen unserem Ansatz und dem Ansatz
Deutschlands. Der Erfolg bei der Verwirklichung unserer
gemeinsamen Ziele in Mittel- und Osteuropa sowie der
Sowjetunion wird eine entscheidende Probe für unsere
Partnerschaft in der Führung sein. Ich bin zuversichtlich, daß wir Erfolg haben werden.
Ich danke Ihnen.

* * * *

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�DROGEN
2. Oktober 1991

FORTSCHRITTE BEI DER BEHANDLUNG VON
DROGENABHÄNGIGEN IN DEN USA
Erfolge in den Therapiezentren

MONTREAL - (AD) - Vertreter der US-Regierung berichten von großen Fortschritten bei der Behandlung
von Drogenabhängigen durch Therapieprogramme auf
der Grundlage strenger Regeln, persönlicher Opfer
und Sanktionen für Fehlverhalten.
Der Leiter des Büros des Präsidenten für nationale
Drogenpolitik, Robert Martinez, erklärte bei einer vom
23. bis 27. September 1991 in Montreal stattfindenden
internationalen Konferenz von Drogenexperten, die
Behandlung von Drogenabhängigen funktioniere am
besten im Verbund mit Strafmaßnahmen, nicht unabhängig davon.
"Wir dürfen der Öffentlichkeit nicht den Eindruck vermitteln, Suchttherapie sei mit Straf maßnahmen nicht
in Einklang zu bringen und die Behandlung sei irgendwie 'mitfühlend', während Strafen 'hart' seien. In
Wirklichkeit ist eine erfolgreiche Suchtbehandlung
anspruchsvoll, schwierig sowie physisch und emotional aufreibend", erklärte er.
Bei der 14. Weltkonferenz von Therapiezentren erläuterte Martinez, in den Vereinigten Staaten sei es zum
größten Teil einer Kette von Therapiezentren zu verdanken, daß die Zahl der Alkohol- und Drogenabhängigen drastisch gesunken sei - von 23 Millionen im Jahr
1985 auf unter 13 Millionen im Jahr 1990.
"Ich bin von der Art und Weise beeindruckt, in der diese
Therapieform strenge Werte lehrt, wie sie für eine
Heilung von der Drogensucht von entscheidender
Bedeutung sind," erklärte Martinez.
In einem - oftmals öffentlich und privat finanzierten Therapieprogramm sind Drogenabhängige zeitweise
in Familien, nicht als Patienten in einer Institution

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untergebracht. Die Teilnehmer leben in einer fürsorglichen, aberfordernden Familiensituation, in der es vor
allem darum geht, Verantwortung für sein eigenes
Leben zu tragen und es zu verbessern. Die Behandlung kann je nach Programm zwischen sechs Monaten
und zwei Jahren dauern.
Martinez verwies insbesondere auf ein - von einem
Verwaltungsbezirk des Staats Arizona finanziertes Therapieprogramm in Phoenix, bei dem nicht vorbestrafte Drogenabhängige die Möglichkeit erhalten, statt
einer Strafverfolgung an dem Programm teilzunehmen. Das Program basiert auf einem sehr strengen
Gesetz des Bundesstaats, das bereits den Besitz sehr
kleiner Mengen von Drogen zum Straftatbestand erklärt. Die Teilnehmer müssen für ihre Behandlung mit
einem bestimmten Anteil ihres Einkommens aufkommen.
Der Direktor des National Institute on Drug Abuse
(NIDA), Charles Schuster, gab am 24. September
1991 die Vergabe von Fördermitteln für die Dauer von
5 Jahren zur Gründung des ersten Forschungszentrums für Behandlungserfolge bei den Programmen
der Therapiezentren in den Vereinigten Staaten bekannt.
Der Schwerpunkt des Zentrums, das seinen Sitz in
New York haben wird, liegt bei der Ausbildung von
Forschern und Ärzten sowie dem Aufbau einer Datenbank für die Forschung der Therapiezentren. Zunächst wird das Zentrum die Behandlungsverfahren
und -erfolge bei Erwachsenen, Häftlingen und psychisch kranken Medikamentenabhängigen erforschen.
Die Finanzierung des Zentrums beläuft sich im ersten
Jahr auf 1 Million Dollar.

Seite 1

�Schuster zufolge soll das Zentrum, das er als wichtige
Errungenschaft für NIDA und die therapeutischen
Bestrebungen auf Gemeindeebene bezeichnet, als
nationale und internationale Anlaufstelle für laufende
Forschungsvorhaben dienen.
Jüngste Studien belegen, so Schuster, daß über 90
Prozent derjenigen, die sich einer Behandlung in einem Therapiezentrum unterzogen haben, nach der
Behandlung drogenfrei blieben.
Obwohl beachtliche Anstrengungen gegen gelegentlichen Drogenmißbrauch unternommen wurden, erklärt
Martinez, gibt es immer noch einen hohen Prozentsatz
von Abhängigen oder Konsumenten harten Drogen.
Seinen Schätzungen zufolge sind in den Vereinigten
Staaten über 5,7 Millionen Menschen von einer illegalen Droge abhängig.

Bush zufolge wurde auch die Finanzierung zweier
probeweiser Entziehungskurkliniken vorgeschlagen.
Das bedeutet, daß bis zu acht unterschiedliche Leistungsträger an einem Ort nahezu 10.000 Patienten
betreuen können. Diese Einrichtungen konzentrieren
sich auf die Bereiche der Bevölkerung mit dem höchsten Risiko, vor allem Erwachsene, Minderheiten,
Schwangere sowie weibliche Abhängige und deren
Kinder.
Schuster berichtet, daß die Forscher zwischen 1985
und 1990 einen drastischen Rückgang von 44 Prozent
bei Amerikanern im Alter von 12 Jahren und darüber
beobachteten, die illegale Drogen einnahmen.

"Dies berechtigt zu Hoffnungen, daß unsere Bestrebungen, über Drogenkonsum zu informieren, ihm den
Reiz zu nehmen und vom Gebrauch abzuschrecken,
Auswirkungen auf die öffentliche Meinung haben",
Zur Bewältigung des Problems der Konsumenten harter erklärt Schuster. "Unsere spezifische Forschung zu
Drogen hat Präsident Bush vom Kongre ß für das am 1. Vorsorge- und Behandlungsstrategien beginnt wirkOktober beginnende Haushaltsjahr 1992 1,7 Milliar- lich effektive Modelle hervorzubringen, auf die Kampaden Dollar zur Behandlung von Drogenabhängigen gnen gegründet werden können", fügte er hinzu.
gefordert, einschließlich 100 Millionen zur Aufstokkung der Behandlungsprogramme in Gebieten mit
dem größten Anteil von Drogenabhängigen.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 39

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