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25. September 1991

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BUSH: EINMALIGE CHANCE FÜR
WELTWEITE ZUSAMMENARBEIT
Rede des Präsidenten bei der
UN-Generalversammlung

HISPANO-AMERIKA

BUSH: KUBANER WOLLEN IHR SCHICKSAL
SELBST IN DIE HAND NEHMEN
Rede vor Hispano-Amerikanern

AUSSENPOLITIK

EINE NEUE WELTORDNUNG DIE KONSEQUENZEN FÜR DAS BÜNDNIS
Rede von Botschafter Kimmitt

AMERIKA HEUTE

EHRENAMTLICHE ARBEIT IN AMERIKA AUF
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Zentren mobilisieren die Gemeinden

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D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�VEREINTE

NATIONEN
25. September 1991

BUSH: EINMALIGE CHANCE FÜR
WELTWEITE ZUSAMMENARBEIT
Rede des Präsidenten bei der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) -Am 23. September 1991 erläuterte Präsident Bush die Herausforderungen, die
sich bei der Schaffung von Frieden im Zeitalter nach dem kalten Krieg stellen und erklärte, jetzt bestehe die
historisch einmalige Chance für internationale Zusammenarbeit.
In seiner Rede bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen stellte Bush fest, zum ersten Mal gebe es
"eine reelle Chance", den Anspruch der UN-Charta zu erfüllen, "nachfolgende Generationen vor der Geißel des
Krieges zu bewahren" und "den Glauben an fundamentale Menschenrechte wiederherzustellen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, Herr Präsident. Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte, es ist mir eine Ehre, zur
Eröffnung der 46. Sitzung der Generalversammlung
hier zu sprechen.
Ich möchte zunächst dem ausscheidenden Präsidenten Guido de Marco aus Malta danken und unseren
neuen Präsidenten Samir Shihabi aus Saudi-Arabien
willkommen heißen. Ferner möchte ich insbesondere
Generalsekretär Javier Perez de Cuellar begrüßen,
dem noch etwa drei Monate in seinem Amt bleiben. Ich
dad wohl sagen, daß Generalsekretär Perez de Cuellar sein Amt in einer Zeit einmaliger Umwälzungen und
Unruhen hervorragend ausgefüllt hat. Seit über 10
Jahren hatte dieser Mann des Friedens die Führungsposition inne - ein Mann, den ich, wie vielen von Ihnen,
mit Stolz als meinen Freund bezeichne. Lassen Sie
uns heute also unserem Freund gratulieren und seine
außergewöhnlichen Verdienste für die Vereinten Nationen und die Menschen auf der ganzen Welt würdigen.
Darüber hinaus möchte ich die neuen Mitglieder in
diesem Plenum begrüßen: zwei Delegationen aus
Korea, insbesondere unsere demokratischen Freunde
aus der Republik Korea, die Republiken Estland, Lettland und Litauen sowie die neuen Vertreter von den
Marshall-Inseln und aus Mikronesien.
Vor zwanzig Jahren, als ich hier Ständiger Vertreter
der Vereinigten Staaten war, gab es 132 UN-Mitglieder. Vor nur einer Woche waren 159 Länder Mitglied

AMERIKA DIENST 38

der Vereinten Nationen. Heute sind es 166. Allein die
Anwesenheit dieser neuen Mitglieder bietet uns Grund
zum Feiern.
Meine heutige Rede ist anders als jede bisherige Rede
eines Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ich möchte nicht das Thema der Konkurrenz von Supermächten
vertiefen, das die internationale Politik seit 50 Jahren
dominiert hat. Statt dessen möchte ich die Herausforderungen darlegen, die sich uns bei der Schaffung von
Frieden und Wohlstand in einer Welt stellen, die vom
Ende des kalten Kriegs und einem neuen Kapitel der
Geschichte positiv beeinflußt ist.
Der Kommunismus hat die Welt jahrelang gefangengehalten. Er hat alte Streitfälle verlängert und ethnische Rivalitäten, nationalistische Hoffnungen und alte
Vorurteile unterdrückt. Mit seiner Auflösung sind verschüttete Haßgefühle wiederaufgeflammt. Menschen,
denen jahrelang ihre Vergangenheit vorenthalten wurde,
suchen jetzt nach ihrer Identität, oftmals mit friedlichen
und konstruktiven Mitteln, manchmal mit Abspaltun
gen und Blutvergießen.
Diese Neubelebung der Geschichte mündet in ein
neues Zeitalter voller Chancen und Gefahren. Wir
wollen uns zunächst den Chancen zuwenden.
Erstens versetzt das neue Kapitel der Geschichte die
Menschen in die Lage, ihrem natürlichen unternehmerischen Instinkt zu folgen. Der Kommunismus hat
diesen Prozeß eingefroren bis selbst seine Verfechter

Seite 1

�die Schäden nicht mehr ertragen konnten. Jetzt setzen die Bürger auf der ganzen Welt Unternehmertum
vor Neid, persönliche Verantwortung über die Verlokkungen des Staates, Wohlstand vor die Armut der
Planwirtschaft.
Die UN-Charta fördert dieses Abenteuer durch ihr
Gelöbnis, "zur Förderung wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts aller Völker die internationale Maschinerie einzusetzen'. Ich kann mir keinen besseren Weg
zur Verwirklichung dieser Aufgabe vorstellen als den
freien Fluß von Waren und Ideen zu fördern.
Offen gesagt verbreiten sich Ideen und Waren auch
ohne unser Zutun auf der Welt. Die Revolution im
Informationswesen hat die Waffen der erzwungenen
Isolation und Ignoranz zerstört. In vielen Teilen der
Welt hat Technologie die Tyrannei besiegt und bewiesen, daß das Inforamtionszeitalter eine Zeit der Befreiung werden kann, wenn wir die Macht des Staates klug
einschränken und unsere Menschen befreien, damit
sie sich neue Ideen, Erfindungen und Erkenntnisse
zunutze machen können.
In gleicher Weise hat die Welt erfahren, daß freie
Märkte einen Grad an Wohlstand, Wachstum und
Glück schaffen, den Planwirtschaften niemals bieten
können. Auch die wohlwollendsten Schätzungen
kommen zu dem Ergebnis, daß die Volkswirtschaften
der freien Welt in den letzten Jahren doppelt so hohe
Zuwachsraten verzeichneten wie die frühere kommunistische Welt.
Wachstum füllt nicht nur Regale auf, sondern leistet
mehr - es billigt jedem Menschen Gewinn zu - nicht auf
Kosten sondern zum Vorteil anderer. Wohlstand ermutigt
die Menschen, als Nachbarn, nicht als Raubtiere zu
leben.
Wirtschaftswachstum kann auf gleiche Weise die internationalen Beziehungen fördern. Viele der hier
vertretenen Länder sind Mitglieder des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens. Die Uruguay-Runde die jüngsten Handelsgespräche nach dem Krieg lassen die Entwicklungsländer hoffen, von denen viele
gewaltsam geteilt sind - geteilt durch falsche Versprechungen des Totalitarismus.
Hier in diesem Plenum erfahren wir etwas über NordSüd-Probleme. Aber freier und offener Handel, einschlie ßlich des freien Zugangs zu Märkten und Kapital,
bieten den Entwicklungsländern Mittel zur Selbsthilfe
und wirtschaftlicher Würde.
Sollte die Uruguay-Runde scheitern, könnte eine neue
Welle des Protektionismus unsere Hoffnungen auf
eine bessere Zukunft zunichte machen. Die Geschichte lehrt nur allzu deutlich, daß Protektionismus Wohlstand in Ländern zerstören und ihre Beziehungen
vergiften kann. Deshalb fordere ich alle Mitglieder des
GATT auf, ihre Bestrebungen zu verdoppeln, um einen
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde zu geSeite 2

währleisten. Ich gelobe, daß die Vereinigten Staaten
ihren Teil dazu beitragen werden.
Ich kann dies nicht genug betonen: wirtschaftlicher
Fortschritt wird in der neuen Welt eine entscheidende
Rolle spielen. Er liefert den Boden, auf dem die
Demokratie am besten gedeiht.
Die Menschen überall streben eine Regierung des
Volkes und durch das Volk an. Und sie wollen ihre
unveräußerlichen Rechte auf Freiheit, Wohlstand und
Unverletzlichkeit ihrer Person genießen.
Herausforderungen an die Demokratie sind gescheitert. Letzten Monat erst wollten die Verschwörer in der
Sowjetunion die Kräfte der Freiheit und Reform zum
Entgleisen bringen, aber die Bürger der Sowjetunion
sind ihnen nicht gefolgt. Die meisten Länder dieses
Plenums standen zu den Reformkräften unter Führung
von Michail Gorbatschow und Boris Jelzin und waren
gegen die Anstifter des Staatsstreichs.
Die Herausforderung, die sich dem sowjetischen Volk
jetzt stellt - der Aufbau politischer Systeme auf der
Basis der Freiheit des einzelnen, Rechten von Minderheiten, Demokratie und freien Märkten - spiegelt die
Verantwortung jedes Landes für die Förderung friedlicher, demokratischer Reformen wider. Aber sie belegt
auch die außergewöhnliche Macht des demokratischen Ideals.
Ebenso wie die Demokratie blüht die Chance für einen
dritten historischen Durchbruch: internationale Kooperation. Vor einem Jahr hat die Sowjetunion gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern
ein winziges Land gegen Aggression verteidigt - und
sich Saddam Hussein widersetzt. Zum ersten Mal
wurde bei einer wichtigen Angelegenheit die Konkurrenz der Supermächte durch internationale Zusammenarbeit ersetzt.
In einer ihrer Sternstunden haben die Vereinten Nationen eine angemessene, prinzipientreue, freiwillige
und mutige Antwort auf Saddam Hussein gefunden.
Sie haben sich gegen einen Geächteten erhoben, der
in Kuwait eingefallen war, viele Länder der Region bedrohte und im Zeitalter nach dem kalten Krieg einen
bedrohlichen Präzedenzfall schaffen wollte.
Die Anstrengungen der Koalition hatten Vorbildcharakter für die Beilegung von Streitigkeiten insgesamt.
Die Mitglieder haben das Ziel gesteckt - die Befreiung
Kuwaits - und mutige, einheitliche Mittel zur Erlangung
dieses Ziels erarbeitet.
Jetzt haben wir zum ersten Mal eine reelle Chance,
den Anspruch der Vereinten Nationen zu erfüllen und
zusammenzuarbeiten, "um nachfolgende Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren, den
Glauben an fundamentale Menschenrechte wiederherzustellen, an die Würde und den Wert des Menschen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau in

AMERIKA DIENST 38

�großen und kleinen Ländern sowie soziale Fortschritte
und besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu
erlangen". Soweit die Worte der Charta.
Wir werden diese Ideale nicht neubeleben, wenn wir
die Herausforderung nicht erkennen, die sich mit diesem neuen Kapitel der Geschichte stellt.
In Europa und Asien sind erneut Nationalitätenkonflikte aufgeflackert, die Grenzen in Frage und das Gefüge
der internationalen Gesellschaft auf die Probe stellen.
Gleichzeitig verfestigen sich auf der ganzen Welt viele
traditionelle Konflikte. Selbst hier kann man Anzeichen dieser Tumulte beobachten. Die Vereinten Nationen haben in den letzten 36 Monaten mehr Friedensmissionen durchgeführt als in den ersten 43 Jahren
ihres Bestehens. Obwohl wir uns jetzt von der Furcht
eines nuklearen Holocausts einigermaßen befreit haben,
sollten uns diese kleineren, schwelenden Konflikte alle
beunruhigen.
Wir müssen uns dieser Herausforderung ehrlich stellen: erstens, indem wir die gegenwärtig stattfindende
friedliche Lösung von Streitigkeiten verfolgen und
zweitens - und vor allem - indem wir das Ausbrechen
anderer Dispute verhindern.
Niemand hier kann versprechen, daß die Grenzen von
heute allzeit so bestehen bleiben. Aber wir müssen die
friedliche, auf dem Verhandlungswege erzielte Beilegung von Grenzstreitigkeiten gewährleisten.
Darüber hinaus müssen wir die Sache der interntionalen Harmonie durch Lösung alter Fehden fördern. Wir
sollten das Gelöbnis der Charta ernst nehmen, "Toleranz zu praktizieren und als gute Nachbarn in Frieden
zu leben".
Die Resolution der UN-Generalversammlung 3379,
die sogenannte "Zionismus ist Rassismus"-Resolution, ist mit diesem Gelöbnis und den Grundprinzipien
der Vereinten Nationen nicht vereinbar. Ich fordere
deshalb, sie außer Kraft zu setzen.
Zionismus ist keine Politik sondern die Idee, die zur
Schaffung einer Heimat für das jüdische Volk und zum
Staat Israel geführt hat. Die Gleichsetzung von Zionismus mit der unverzeihlichen Sünde des Rassismus
heißt, die Geschichte zu verzerren und das schreckliche Schicksal der Juden im Zweiten Weltkrieg und
tatsächlich in der ganzen Geschichte zu vergessen.
Die Gleichsetzung von Zionismus und Rassismus
bedeutet, Israel selbst zu negieren - ein geachtetes
Mitglied der Vereinten Nationen.
Diese Organisation kann nicht den Anspruch erheben,
Frieden zu wollen und gleichzeitig Israel das Existenzrecht absprechen. Durch die bedingungslose Außerkraftsetzung dieser Resolution werden die Vereinten
Nationen ihre Glaubwürdigkeit verbessern und der
Sache des Friedens dienen.

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Bei unserer Arbeit an den Herausforderungen, die sich
durch das neue Kapitel der Geschichte stellen, müssen wir auch die unveräußerlichen in der Charta veränderten Menschenrechte verteidigen.
Die Regierung hat versagt, wenn ihre Bürger ihre
Meinung nicht frei äu ßern, nicht frei politische Parteien
gründen und ohne Zwang Regierungen wählen, ihre
Religion nicht frei ausüben, ihre Familien nicht in
Frieden gründen können, wenn sie für ihre Arbeit
keinen gerechten Lohn bekommen, kein erfülltes Leben
führen und am Ende ihre Lebens nicht mit Stolz auf ihre
Leistungen und die Fortschritte ihrer Gesellscahft
zurückblicken können.
Politiker, die über Demokratie und Freiheit reden, aber
keine bieten, werden letztlich den Stachel der öffentlichen Mißbilligung und die Macht des Wunsches der
Menschen auf ein Leben in Freiheit zu spüren bekommen.
Manche Länder verweigern ihren Bürgern immer noch

ihre Grundrechte. Zuviele Stimmen rufen noch nach
Freiheit. Zum Beispiel werden die Menschen in Kuba
von einem Diktator unterdrückt, der nichts verstanden
hat, der eine einsame Festung in einer sonst demokratischen Region bildet, einem Mann, der sich nicht einer
Welt angepaßt hat, in der für totalitäre Tyrannei kein
Platz ist. Andernorts ignorieren Despoten die Tatsache, daß der Rest der Welt in ein neues Zeitalter der
Freiheit eingetreten ist.
Das neue Kapitel der Geschichte erlegt uns auch die
Verpflichtung auf, neuen und alten Bedrohungen
gegenüber wachsam zu sein. Wir müssen unsere
Bestrebungen zur Kontrolle der Verbreitung von Kernwaffen ausweiten. Wir müssen daran arbeiten, die
Ausbreitung chemischer und biologischer Waffen und
ihrer Trägersysteme zu verhindern.
Aus diesem Grund habe ich meine Rüstunskontrollinitiative für den Nahen Osten vorgeschlagen, einen
umfassenden Ansatz, um die Ansammlung von Waffen in diesem Teil der Welt, der am meisten zu Gewalt
neigt, aufzuhalten und wenn möglich zu beseitigen.
Wir müssen uns vor Augen führen, daß Eigeninteresse
einzelne Länder in unterschiedliche Richtungen zerren
wird und vermeintliche Interessenkonflikte manchmal
in Gewalt ausarten werden.
Wir können nie konkret vorhersagen, wo der nächste
Konflikt entstehen wird. Und wir können keinen ewigen
Frieden versprechen - nicht solange Demagogen nach
Hoffnung dürstenden Menschen falsche Versprechungen machen oder Terroristen unsere Bürger als Schachfiguren benutzen und Drogenhändler unsere Menschen zerstören. Infolgedessen müssen wir uns zusammenschließen und Angriffe auf die grundlegende
menschliche Würde abwehren.

Seite 3

�Es ist nicht länger akzeptabel, die Schultern zu zucken
und zu erklären, der Terrorist in einem Land sei der
Freiheitskämpter für ein anderes Land. Wir müssen
das Gesetz über die rohe und feige Praxis der Geiselnohme stellen.
In einer von Veränderungen gekennzeichneten Welt
müssen wir in unseren Grundsätzen so unerschütterlich sein wie in unserer Reaktion flexibel auf sich
wandelnde internationale Bedingungen. Dies gilt heute
insbesondere im Hinblick auf den Irak. Sechs Monate
nach der Verabschiedung der Resolutionen 687 und
008 des UN-Sicherheitsrats baut Saddam Hussein
sein Arsenal an Massenvernichtungswaffen weiterauf
und unterwirft das irakische Volk brutaler Unterdrükkung.
Saddam Husseins Mißachtung der UN-Resolutionen
wurde zuerst bereits im August 1990 demonstriert und
dauert bis zum heutigen Zeitpunkt an. Seine Regierung weigert sich, bedingungslose Hubschrauberinspektionen zu gestatten, und zur Zeit verhindert sie,
daß die UN-Inspektoren inspizierte Anlagen mit Dokumenten über das irakische Nuklearwaffenprogramm
verlassen.
Aus der Sicht der Vereinigten Staaten müssen wir die
UN-Sanktionen solange aufrechterhalten wie Saddam
an der Macht bleibt. Das heißt auch, wir dürfen
keinerlei Kompromisse eingehen, wenn der Irak all
seine Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme zerstören soll. Und wir werden keine Kompromisse machen.
Das soll nicht heißen - und ich möchte dies unmißverständlich klarstellen -, daß wir das irakische Volk
strafen wollen. Ich möchte wiederholen, daß wir
niemals eine Auseinandersetzung mit dem irakischen
Volk hatten, sondern mit dem brutalen Diktator, dessen Arroganz das irakische Volk entehrt. Resolution
706 des UN-Sicherheitsrats hat einen verantwortungsvollen Mechanismus geschaffen, um unschuldigen
irakischen Bürgern humanitäre Hilfe zukommen zu
lassen. Dieser Mechanismus muß greifen.
Wir dürfen unsere unerschütterliche Haltung gegenüber Saddams Aggression nicht aufgeben. Dank
kooperativen Bestrebungen wurde Kuwait befreit, und
sie können jetzt zu einer gerechten Regierung im Irak
führen. Wenn dies geschieht, wird das irakische Volk
einem besseren Leben entgegensehen - mit Freiheit
im Inland und der Freiheit, sich in einer Welt jenseits
seiner Grenzen zu engagieren.
Das neue Kapitel der Geschichte gestattet den Vereinten Nationen auch die Wiederaufnahme ihrer wichtigen Aufgabe, die von mir heute erörterten Werte zu
fördern. Dieses Gremium kann als Instrument dienen,
mit dem die betroffenen Parteien alte Konflikte beile-

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Seite 4

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gen können. Ich blicke der Arbeit mit Generalsekretär
Perez de Cuellar und seinem Nachfolger in den kommenden Monaten gerne entgegen, Frieden in so unterschiedlichen und krisengeschüttelten Ländern wie
Afghanistan, Kambodscha, Zypern, El Salvador und
der westlichen Sahara herbeizuführen.
Die Vereinten Nationen können durch ihre internationalen Kreditinstitute und Hilfsorganisationen die Entwicklung zu freien Marktwirtschaften fördern. Sie
sollten jedoch keine bestimmten Regierungsformen
für die jeweiligen Nationen vorschreiben. Sie können
und sollten die Werte fördern, auf denen diese Organisation gegründet wurde. Gemeinsam sollten wir
darauf bestehen, daß die unsere Zustimmung anstrebenden Nationen die Normen menschlicher Würde
erfüllen.
Wo die Institutionen der Freiheit zur Untätigkeit verdammt waren, können die Vereinten Nationen sie neu
beleben. Diese Institutionen spielen eine entscheidende Rolle bei unserem Streben nach einer neuen Weltordnung - einer Ordnung, in der keine Nation einen
Fingerbreit von ihrer Souveränität abweicht, einer
Ordnung, die von Rechtsstaatlichkeit statt vom Rückgriff auf Gewalt, von der gemeinsamen Beilegung von
Konflikten statt von Anarchie und Blutvergießen sowie
dem unerschütterlichen Glauben an Menschenrechte
gekennzeichnet ist.
Vielleicht fragen Sie sich, welche Rolle die Vereinigten
Staaten in der von mir beschriebenen neuen Weltordnung spielen. Ich darf Ihnen versichern, daß die
Vereinigten Staaten keine Absicht hegen, eine Pax
americana anzustreben. Wir werden uns jedoch nach
wie vor engagieren. Wir werden uns nicht zurückziehen und in Isolationismus verfallen. Wir werden Freundschaft und Führung anbieten. Kurz gesagt, wir streben
eine auf geteilter Verantwortung und gemeinsamen
Bestrebungen gegründete Pax universalis an.
Allen hier Anwesenden möchte ich versichern, daß wir
die Chance haben, unseren Söhnen und Töchtern die
Sünden und Fehler der Vergangenheit zu ersparen.
Wir können eine befriedigendere Zukunft aufbauen als
die Welt je zuvor erlebt hat. Die vor uns liegende
Zukunft ist Undefiniert - voller Versprechungen und
Gefahren. Wir können die Welt wählen, die wir wollen:
eine von den Feuern des Krieges lodernde und den
Launen von Zwang und Zufall unterworfene oder eine
durch Nachdenken und Entscheidungen friedlicher
gestaltete Welt. Nehmen Sie diese Herausforderung
ernst. Regen Sie künftige Generationen dazu an, Sie
zu würdigen und Ihr Andenken mit den Worten zu
ehren: Auf den Trümmern der Konflikte haben diese
tapferen Männer und Frauen ein Zeitalter von Frieden
und Verständnis aufgebaut. Sie haben eine neue
Weltordnung ins Leben gerufen - eine Ordnung, die es
wert ist, auf Jahrhunderte erhalten zu werden.
*

*
AMERIKA DIENST 38

�HISPANO-AMERIKA
25. September 1991

BUSH: KUBANER WOLLEN IHR SCHICKSAL
SELBST IN DIE HAND NEHMEN
Rede vor Hispano-Amerikanern
Chicago - (AD) - In einer Ansprache vor der 12. Jahresversammlung der Hispanischen Handelskammer in
Chicago prognostizierte Präsident Bush am 20. September 1991, der Tag werde kommen - eher als Castro "zu
glauben wagt - an dem das kubanische Volk sein Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen und dem westlichen
Staatenbund freier Nationen beitreten wird".
Ein Kuba auf dem Weg zu Freiheit und Demokratie wird allen demonstrieren, daß wir in ein neues Zeitalter der
Freiheit und Chancen eingetreten sind, erklärte Bush. Der Präsident betonte ferner die entscheidende
Bedeutung der Zustimmung des Kongresses zur Verlängerung des Fast-Track-Mandats für Handelsgespräche.
Ausgerüstet mit diesem mächtigen Instument, so Bush, "handeln wir ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen aus. Wenn wir diese Vereinbarung getroffen haben, werden wir eine Freihandelszone schaffen, die
vom Yukon bis Yukatan reicht - einen Markt mit 360 Millionen Verbrauchern und einer derzeitigen Jahresproduktion von 6 Billionen Dollar".
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas tragen "einer wichtigen Lektion unseres Zeitalters Rechnung: Protektionismus und staatliche
Kontrolle bringen nur Armut, Rückständigkeit und Verweigerung der Freiheit hervor".
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Vor 500 Jahren überquerten die Menschen den großen Ozean und schufen Hispano-Amerika. Seit jenen
Tagen haben wir die Konglomeration europäischer
und amerikanischer Völker auf diesem riesigen Kontinent nie als neues Territorium, neue Kolonie oder neue
Siedlung bezeichnet. Wir nannten es die Neue Welt.
Hispano-Amerika entstand aus Risikobereitschaft und
Romantik. Sein Wachstum wurde aus unterschiedlichen Kräften genährt: transozeanischem Handel, der
Wanderung und Vermischung von Völkern sowie der
großen Aufgabe der Entdeckung und Entwicklung.
Am 20. September - an eben diesem Tag - setzten
Magellan und seine Gefährten die Segel in Spanien,
um den Globus zu umsegeln. Im nächsten Monat
begehen wir den 500. Jahrestag der wagemutigen
Reise von Kolumbus.
Wir dürfen diese Leistungen nicht als etwas Altmodisches oder Unwichtiges abtun. Die Grenzen schließen sich nicht, wenn Menschen in der Wildnis siedeln
oder wenn sie Städte, Fabriken und Schulen bauen.
Moderne Zivilisationen sehen sich mit mutigen, aber
schwierigen Abenteuern konfrontiert: den Abenteuern
der Familiengründung, Kindererziehung, dem Wissen,
AMERIKA DIENST 38

daß wir unsere Welt besser machen müssen, unabhängig davon, wie schwierig oder bequem die Umstände sind. Im täglichen Leben aller Länder Amerikas, bei
unserer Aufgabe der Entdeckung und Entwicklung,
war 1492 erst gestern.
Dies trifft insbesondere auf den Handel zu. Bereits vor
Jahrhunderten haben Reisende die Handelsrouten
Amerikas aufgezeichnet, aber wir haben erst jetzt
begonnen, ihr gesamtes Potential auszuschöpfen.
Das Thema Ihrer Konferenz steht im Einklang mit
dieser Geisteshaltung: "Neue Partnerschaften ins
Leben rufen". Die über 400.000 im Besitz von Hispano-Amerikanern befindlichen Firmen in Amerika schaffen neue Arbeitsplätze und bringen neuen Wohlstand
hervor. Im Jahr 1987 pumpten diese Unternehmen
fast 25 Milliarden Dollar in unsere Wirtschaft und
schufen eine halbe Million Arbeitsplätze.
Sie glauben an sich, Ihre Fähigkeiten, Ihre Entschlußkraft, Ihre Qualitäten. Durch diesen Glauben an sich
haben Sie der Administration geholfen, die Zustimmung des Kongresses zur Verlängerung des FastTrack-Mandats für Handelsgespräche einzuholen.
Seite 1

�Ausgerüstet mit diesem mächtigen Instrument handeln wir ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen aus. Wenn wir diese Vereinbarung getroffen
haben, werden wir eine Freihandelszone schaffen, die
vom Yukon bis Yukatan reicht - einen Markt mit 360
Millionen Verbrauchern und einer derzeitigen Jahresproduktion von 6 Billionen Dollar.
Wenn wir dieses Freihandelsabkommen besiegeln,
werden die Firmen von Hispano-Amerikanern in den
Vereinigten Staaten in den Genuß großer natürlicher
Vorteile kommen. Familienbande, Sprache und Kultur, die an sich schon in Ehren gehalten werden,
erhalten als Geschäftskapital eine neue Größenordnung.
Durch Ihren Glauben an sich selbst haben Sie auch
unsere Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
allen Ländern Amerikas unterstützt, die darauf abzielt,
Investitionen und Zusammenarbeit von der Hudson
Bay bis zur Magellanstraße zu erweitern.
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und
die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas tragen einer wichtigen Lektion unseres
Zeitalters Rechnung: Protektionismus und staatliche
Kontrolle bringen nur Armut, Rückständigkeit und
Verweigerung der Freiheit hervor.
Nehmen Sie beispielsweise den Fall Mexiko. Seit
1986, als Mexiko dem GATT beitrat und seine Zollsätze von 100 auf etwas über 10 Prozent senkte, haben
sich die amerikanischen Exporte nach Mexiko mehr
als verdoppelt. Der Export von Autos und Ersatzteilen
hat sich vervierfacht. Die Exporte von Eisen und Stahl,
die sich vor vier Jahren auf ein Defizit von 12 Millionen
Dollar beliefen, erzielen jetzt einen Überschuß von 300
Millionen Dollar. Durch diesen Anstieg der Exporte
wurden in den Vereinigten Staaten fast 300.000 Arbeitsplätze geschaffen. Jede zusätzliche Milliarde an
Exporten hat beinahe 20.000 amerikanische Arbeitsplätze zur Folge.
Diese Reformen haben jedoch auch Mexiko geholfen
- eine klassische Situation, in der es nur Gewinner gibt.
Der Vorsitzende des mexikanischen Gewerkschaftsbundes, Fidel Velazquez Sanchez, hat erkannt, daß
vermehrter Handel neue Arbeitsplätze und neue Industriezweige in Mexiko schaffen wird und unterstützt
das Handelsabkommen uneingeschränkt.
Was für Hispano-Amerika gut ist, wird auch für die
Vereinigten Staaten von Nutzen sein. Mit offenem
Handel werden die amerikanischen Firmen bis zum
Jahr 2000 dank einer dynamischen Volkswirtschaft mit
100 Millionen mexikanischen Verbrauchern solide
Geschäfte machen.
Südlich von Mexiko scheinen die Aussichten genauso
aufregend zu sein. Wir fördern bereits Pläne zum
Abbau des Defizits, zur Ankurbelung von Investitionen
und Ausweitung des Handels. Wir haben jetzt RahSeite 2

menvereinbarungen zur Liberalisierung des Handels
unterzeichnet, an denen 28 Länder auf dem Kontinent
beteiligt sind. Aber wir benötigen Ihre Hilfe. Der
Kongreß hat uns immer noch keine Befugnis zur
Finanzierung des Schuldenabbaus und zur Beteiligung am Multilateralen Investitionsfonds erteilt, mit
dem Investitionen stimuliert und stabile Demokratien
in unserer Hemisphäre aufgebaut werden sollen. Die
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas (Enterprise for the Americas) ist kein Schlagwort.
Damit sollen Demokratie und Freiheit in den friedlichen
Ländern südlich des Rio Grande gefördert werden,
und sie wird den amerikanischen Exporten zugute
kommen.
Unsere Bestrebungen zum Ausbau amerikanischer
Exporte werden weiteren Auftrieb erhalten, wenn mein
Freund Jose Martinez Leiter des US-Programms für
Handel und Entwicklung wird.
Sicherlich wird ein weiteres Ereignis uns allen demonstrieren, daß wir tatsächlich in ein neues Zeitalter von
Freiheit und Chancen eingetreten sind. Ich spreche
vom Weg Kubas in Freiheit und Demokratie.
Heute vernehmen wir das Bersten und Bröckeln in
Castros Diktatur. Der Tag wird kommen - eher als
Castro zu glauben wagt - an dem das kubanische Volk
sein Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen und
dem westlichen Staatenbund freier Nationen beitreten
wird.
Wenn unser Kontinent eine Völkergemeinschaft werden soll, müssen wir mehr tun als wirtschaftliche und
politische Schranken aufzuheben. Unsere Regierung
fördert auch den Austausch im Bildungswesen und im
kulturellen Bereich zwischen unserem Land und unseren Nachbarn in der Hemisphäre. Wie im Handel
werden die Hispano-Amerikaner bei diesem Projekt
die natürliche Führungsrolle übernehmen.
Uns eint mehr als nur die Geographie. Aufgrund
gemeinsamer kultureller Wurzeln können wir für unseren Kontinent und uns selbst ein gemeinsames Schicksal anstreben.
Ich möchte in diesem Zusammenhang der Hispanischen Handelskammer für ihre Unterstützung der
Strategie im Bildungswesen "America 2000" danken.
Ich danke Ihnen für Ihre Initiative, unsere Kinder vom
Kindergartenalter an Wirtschaft und Unternehmertum
zu lehren.
Ebenso wie unsere Vorschläge zur Wirtschaft beginnt
auch "America 2000" mit einem Glaubensbekenntnis:
Wir glauben, daß Eltern sich um ihre Kinder und deren
Erziehung sorgen. Sie können Schulen finden, in
denen ihren Kindern geholfen wird, ihr Potential auszuschöpfen. Wir wollen die Wahlmöglichkeiten von
Eltern erweitern, damit Eltern beim wichtigen Thema
Bildung eine ebenso große Auswahl haben wie beim
Kauf von Erdnußbutter.
AMERIKA DIENST 38

�Wenn wir das Beste aus uns machen wollen, müssen
wir Wettbewerb zulassen und zeigen, was in uns
steckt.
Mit "America 2000" können hispano-amerikanische
Gemeinschaften auf ihre natürlichen Stärken und Werte
zurückgreifen. Mit diesem Programm können Eltern,
Lehrer, Kirchenvertreter und Geschäftsleute das Bildungswesen in Amerika neu erfinden helfen.
Zur Förderung dieses Ziels habe ich die Mitgliedschaft
von Hispano-Amerikanern in der Beratungskommission des Präsidenten über hervorragende Leistungen
angekündigt. Der Leiter von Ameritech International,
Andres Bande aus Chicago, wird den Vorsitz führen,
und seine Arbeit wird eine wichtige Rolle spielen, damit
"America 2000" eine Revolution im Bildungswesen
freisetzen kann.
Ich möchte mit einigen Worten zu einem Konzept
schließen, das wir bereits erörtert haben: Entwicklung.
In der internationalen Wirtschaft ist das natürlich ein

Standardbegriff. Wir neigen dazu, den Begriff Entwicklungsland als Euphemismus für Armut zu verwenden - für ein Land, dem es an materiellem oder
finanziellem Wohlstand mangelt.
Wenn wir den Begriff Entwicklung in diesem Sinne
verwenden, vergessen wir seine tiefere Bedeutung.
*

AMERIKA DIENST 38

*

Entwickeln sich die Vereinigten Staaten nicht auch
immer noch? Trotz all unseres gegenwärtigen Wohlstands - können wir es uns leisten, statisch zu werden
oder zu stagnieren? Wenn wir unseren Kindern kein
moralisches und intellektuelles Erbe hinterlassen, wie
es unsere Eltern uns mitgegeben haben, sind wir dann
ein entwickeltes Land?
Ich muß dabei an die Erforscher unseres Kontinents
vor fünfhundert Jahren denken. Einge von ihnen
waren klug - andere dumm. Wir erinnern uns an die
vergebliche Mühe, Cibola - die sagenhaften sieben
Städte des Goldes - zu finden. Die Abenteurer von
damals haben nicht nur an der falschen Stelle, sondern
auch nach dem falschen Schatz gesucht. Der Schatz
sind damals und heute die Menschen - das menschliche Potential -, ihr Intellekt, ihre Kraft und ihre Seele.
Diese kapitalen Reservoirs haben die Zivilisation aufgebaut.
Unsere Arbeit ist niemals zu Ende. Das ist der Schlüssel zu den aufregenden Erfahrungen des Lebens. In
diesen hoffnungsvollen Zeiten, da wir wirtschaftliche
Schranken abbauen und uns von ideologischen Eingrenzungen befreien, müssen wir unseren eigenen
Söhnen und Töchtern nach wie vor die Werte - und
damit die Grundlagen - einer guten Gesellschaft vermitteln. Gemeinsam wird uns das gelingen.

*

*

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�AUSSENPOLITIK
25. September 1991

EINE NEUE WELTORDNUNG DIE KONSEQUENZEN FÜR DAS BÜNDNIS
Rede von Botschafter Kimmitt
KNOKKE - (AD) - In seiner Rede anlä ßlich der 7. Jahreskonferenz der Leiter der Institute für Strategische Studien
in Knokke-Heist (Belgien) erklärte Botschafter Robert Kimmitt am 18. September 1991, in Augenblicken
historischer Umwälzungen sei es "von besonderer Bedeutung, sich auf Grundprinzipien zu besinnen und dann
auf ihnen aufzubauen, um kreative Strategien zu erarbeiten, die der Gegenwart angemessen sind und an die
Zukunft angepaßt werden". Der Botschafter verwies in diesem Zusammenhang auf Präsident Bushs neue
Weltordnung und ihre vier Prinzipien: friedliche Beilegung von Streitigkeiten, Solidarität gegen Aggression,
reduzierte und kontrollierte Arsenale sowie gerechte Behandlung aller Völker.
In seiner Rede ging Botschafter Kimmitt insbesondere auf die Auswirkungen der neuen Weltordnung auf die
NATO und ganz Europa sowie die Sowjetunion ein - mit Außenminister Bakers Worten: die Euro-Atlantische
Gemeinschaft. Dabei werden "Sicherheit, Stabilität und Frieden in Europa weiterhin vom amerikanischen
Engagement in Europa und der Geschlossenheit des Nordatlantischen Bündnisses abhängen". Kimmitt
bekundete Zuversicht, "daß wir uns trotz der realen Herausforderungen in den Vereinigten Staaten weiterhin
stark in Europa und im Bündnis engagieren werden" und "der Beitrag der NATO zu Frieden und Freiheit eine
zentrale Rolle spielen wird, wenn die Euro-Atlantische Gemeinschaft ihre bedeutende Position in der sich
abzeichnenden neuen Weltordnung einnimmt".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Vielen Dank für diese freundliche Einführung. Ich
freue mich, meine erste Rede "out-of-area" in meiner
neuen Funktion als amerikanischer Botschafter in
Deutschland vor diesem erlesenen Publikum halten zu
dürfen.
Ich habe Botschafter Tafts Einladung zu dieser Veranstaltung bereits im Frühjahr angenommen, als ich noch
Staatssekretär für politische Angelegenheiten im USAußenministerium war. Zu jener Zeit waren wir alle
Zeuge zweier Jahre tiefgreifender Veränderungen
geworden, zuerst in Europa und dann am Golf. Seitdem hat das Tempo dieser wirklich historischen Veränderungen unvermindert angehalten. Wer hätte gedacht, daß in dieser Zeit die Sowjetunion die Feuerprobe der Demokratie bestehen würde? Wer hätte ferner
gedacht, daß die NATO nach ihrem außergewöhnlich
erfolgreichen Gipfel des vergangenen Jahres in London beim diesjährigen Gipfel in Rom dem Europa und
der Welt von heute und morgen erst recht ihre Lebensfähigkeit und anhaltende Bedeutung beweisen würde?

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Angesichts dieser und anderer sich abzeichnender
Veränderungen freue ich mich insbesondere, gemeinsam mit Ihnen an einer so aktuellen Konferenz über
das Atlantische Bündnis und die neue Weltordnung
teilzunehmen. In diesem Augenblick solch historischer Umwälzungen ist es von besonderer Bedeutung, sich auf Grundprinzipien zu besinnen und dann
auf ihnen aufzubauen, um kreative Strategien zu erarbeiten, die der Gegenwart angemessen sind und an
die Zukunft angepaßt werden.
Eine neue Weltordnung - die Definition des Konzepts
Seit Präsident Bush den Begriff der neuen Weltordnung im Herbst 1990 verwendet hat, ist darüber viel
gesagt und geschrieben worden. Ihre Konferenz wird
als eine der ersten das Konzept in seinen Einzelheiten
und im Kontext der besonderen Belange des Atlantischen Bündnisses erforschen. Dabei kann ich das
Thema heute abend genausowenig ausschöpfen wie
Ihnen das in den nächsten Tagen gelingen wird. Ich

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�hoffe vielmehr, einen Hintergrund für Ihre Veranstaltung liefern zu können, die hoffentlich die erste vieler
solcher Gespräche in Foren wie diesem sein wird.
In einer Rede Anfang des Jahres hat Präsident Bush
die neue Weltordnung und ihre vier Prinzipien definiert:
friedliche Beilegung von Streitigkeiten, Solidarität gegen
Aggression, reduzierte und kontrollierte Arsenale sowie
gerechte Behandlung aller Völker. Er hat verdeutlicht,
daß das Ende des kalten Kriegs uns kein Zeitalter
ewigen Friedens beschert hat - wie die Golfkrise und
die gegenwärtige Situation in Jugoslawien so anschaulich gezeigt hoben.
Obwohl wir das Streben nach einer neuen Weltordnung als Möglichkeit ansehen, die Gefahr von Unordnung einzudämmen, betrachten wir die neue Weltordnung nicht als Pax americana oder Euphemismus für
die Vereinigten Staaten als Weltpolizist. Vielmehr
handelt es sich dabei um eine gemeinsame Bestrebung, durch kollektives Handeln der internationalen
Staatengemeinschaft Aggression abzuschrecken und
ihr gegebenenfalls zu widerstehen. Sie bietet eine
Möolichkeit zur Umgestaltung des internationalen
Systems auf der Basis unserer gemeinsamen Werte
und Ideale und zur Lösung von Problemen, die wir
aufgrund der Dominanz unserer Ost-West-Probleme
in den vergangenen 40 Jahren relativ vernachlässigt
haben. Die neue Weltordnung ist ganz einfach kollektives Handeln mit dem Ziel, gemeinsame Werte zu
fördern und zu schützen.
Diese Aussage sollte uns bekannt vorkommen. Sie
verkörpert die Prinzipien, die 1945 in San Francisco
der Charta der Vereinten Nationen und 1949 in Washington dem Nordatlantikvertrag zugrunde lagen. Die
Weisheit der "Gründerväter" beim letztgenannten
Ereignis zeigt sich in unseren gemeinsamen Erfolgen,
einschlie ßlich des Sieges am Golf und den über vierzig
Jahren Frieden in Europa. Dennoch zeigt die Lage, der
wir uns heute in Europa und andernorts gegenübersehen, daß wir zwar immer noch auf diese Prinzipien
bauen können, uns aber nicht auf ihnen ausruhen
dürfen. Sie müssen die Grundlage für unsere künftige
Handlungsweise sein und nicht nur Tribut an vergangene Erfolge.
Politisch sieht die neue Weltordnung die Verbreitung
der pluralistischen Demokratie vor, den Untergang
totalitärer - rechter und linker - Regime, Engagement
für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sowie
Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden Herausforderungen. In wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht
beinhaltet die neue Weltordnung Hilfe für die aufstrebenden Demokratien in Osteuropa, Lateinamerika,
Asien, im Nahen Osten und Afrika, damit sie auf der
Basis einer Partnerschaft zwischen Regierung und
Unternehmen ihre Volkswirtschaften wiederaufbauen
können. Unsere Ziele lauten nichtinflationäres Wachstum sowie ein stärkeres und offeneres Welthandelssystem.

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Ost-West-Zusammenarbei; und weltweite Fortschritte
Obwohl einige Kommentatoren die neue Weltordnung
als rhetorischen Kunstgriff bezeichnet haben, beweist
die Bilanz der Fortschritte in den letzten zehn Jahren
das Gegenteil. Zu diesem Fortschritt haben konstruktive Ost-West-Beziehungen erheblich beigetragen.
In der Sowjetunion hat Präsident Gorbatschows Politik
von Glasnost und Perestrojka grundlegende Veränderungen bewirkt und die Entstehung einer neuen sowjetischen Außenpolitik ermöglicht. Im Westen haben die
Verbündeten die sich ihnen mit der Öffnung öer Berliner Mauer bietende Gelegenheit ergriffen, die Vereinigung Deutschlands zu unterstützen und die Teilung
Europas aufzuheben. In einer Reihe von zehn amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen und 34 Treffen auf
Ministerebene seit 1995 haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion Verefnbarwgen geschmiedet
und echte Fortschritte bei Rüsflungskonttaltfe Menschenrechten und Auswanderung, im Eüdungswesen
sowie in Wissenschaft und Kultur erzielt.
Die engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion hat bei der Lösung
regionaler Konflikte besondere Früchte getragen.
Während des grö ßten Teils der Nachkriegszeit wurden
Spannungen an Brennpunkten auf de- ganzen Welt
durch die Konfrontation zwischen Ost und West verschärft. Die neue sowjetische Führung in den achtziger Jahren hat es uns gestattet, von der Konkurrenz
zur Kooperation zu gelangen. Die Praxis engerer
amerikanisch-sowjetischer Konsultationen hat Erfolgen in Mittelamerika, Fortschritten in Afghanistan und
Kambodscha und einem echten Durchbruch in Angola
den Weg bereitet. Die in diesen Fällen entwickelte
Atmosphäre des Vertrauens war die Grundlage für die
unverzügliche Verurteilung des irakischen Angriffs auf
Kuwait durch die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, die wiederum eine einmalige multinationale
Reaktion der Vereinten Nationen bewirkt hat.
Präsident Gorbatschow hat kürzlich seine Bereitschaft
zur sofortigen Aufnahme von Gesprächen über den
Abzug sowjetischer Truppen aus Kuba bekundet.
Gespräche zwischen Außenminister Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen Pankin haben letzte
Woche die wichtige amerikanisch-sowjetische Erklärung zu Afghanistan hervorgebracht. Darüber hinaus
läßt uns die amerikanische, europäische und sowjetische Unterstützung für eine Nahost-Friedenskonferenz jetzt auf positive Bewegung in dem längsten und
hartnäckigsten aller regionalen Konflikte hoffen.
Die Zusammenarbeit zwischen Ost und West hat
ferner die Möglichkeit einer größeren Rolle der Vereinten Nationen eröffnet. Während der Golfkrise konnten
wir aufgrund der Tatsache, daß der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen nicht mehr durch ideologische

AMERIKA DIENST 38

�Konfrontationen blockiert war, die UNO im Sinne ihrer
Gründer einsetzen - als Eckpfeiler internationaler Sicherheit.
Neugestaltung der europäischen Ordnung
Obwohl die Prinzipien der neuen Weltordnung per
definitionem weltweit anwendbar sind, möchte ich im
einzelnen ihre Auswirkungen auf die NATO und ganz
Europa sowie die Sowjetunion erörtern - mit Au ßenminister Bakers Worten: die Euro-Atlantische Gemeinschaft.
Sicherheit, Stabilität und Frieden in Europa werden
weiterhin vom amerikanischen Engagement in Europa
und der Geschlossenhei des Nordatlantischen Bündnisses abhängen. Ebenso wie die NATO den Schild
bot, hinter dem nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen die Gesundung der Wirtschaft und der Wiederaufbau herbeigeführt werden konnten, fördert sie jetzt ein
Klima für Frieden und Stabilität auf dem gesamten
Kontinent.
Die NATO bleibt der Eckpfeiler künftiger Sicherheitsvereinbarungen in Europa und ein vitales Forum für
den politischen Ost-West-Dialog. Sie ist das verläßlichste Gegengewicht zu einer möglicherweise vom
Osten her auftretenden Bedrohung und gegen Risiken, die zunehmend von anderen Richtungen ausgehen werden.
Es ist von grundlegender Bedeutung, daß die Revolution in der UdSSR weiterhin demokratisch und friedlich
verläuft. Daher freue ich mich, daß an dieser Konferenz auch Vertreter aus Moskau teilnehmen. So sehr
uns das Scheitern des Staatsstreichs und die sich
abzeichnenden Chancen auch ermutigt haben, können wir es uns doch nicht leisten, die potentiellen
Probleme dieser historischen Umstrukturierung zu
bagatellisieren. Wir alle müssen wachsam bleiben und
gewährleisten, daß den Hardlinern der Zugang zu den
Schalthebeln der Macht sowie die Kontrolle über Europas immer noch größte Militärmacht verwehrt bleibt.
Es ist daher entscheidend, daß die NATO ihre wichtige
Aufgabe der Verankerung Nordamerikas an die Sicherheit Europas fortführt. Amerikas Schicksal und
seine Interessen sind mit denen Europas verbunden.
Um Präsident Bush zu zitieren:
"In dem Umfang, wie unsere Verbündeten und wir die
NATO einer sich verändernden Welt anpassen, werden sich Umfang und Zusammensetzung unserer
Streitkräfte verändern, um neuen und weniger bedrohlichen Umständen gerecht zu werden. Aber wir werden in Europa bleiben, um neue Gefahren abzuschrekken, treibende Kraft der Stabilität zu sein und ganz
Europa - Ost und West - zu versichern, daß das
europäische Gleichgewicht weiterhin gewährleistet ist."
Die neue europäische Sicherheitsarchitektur umfaßt
neben der NATO die KSZE, die Europäische Gemeinschaft, die Westeuropäische Union, den Europarat
AMERIKA DIENST 38

und angeschlossene Organisationen. Die KSZE muß
eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Stabilität und
beim Krisenmanagement spielen und unter anderem
gemeinsame Ziele für Europa vom Atlantik bis zum
Ural definieren. Als Organisation kann sie keine militärische Sicherheit gewährleisten, aber ein wichtiges
Forum bieten für politische Aussöhnung, ein System
der Offenheit und Transparenz im militärischen Bereich sowie einen umfassenden Rahmen für den Aufbau einer Euro-Atlantischen Gemeinschaft. Mit der
historischen Pariser Charta der KSZE wurde ein Grundstein für die Entwicklung einer neuen Ordnung in
Europa gelegt.
Die Europäische Gemeinschaft ist dazu bestimmt,
sowohl in Europa als auch andernorts eine wichtige
Rolle in der neuen Weltordnung zu spielen. Die
Vereinigten Staaten unterstützen wie bisher die Bestrebungen der EG, die Integration auf dem Weg zu
einer politischen und wirtschaftlichen Union in Europa
voranzubringen, die auch eine sicherheitspolitische
Dimension hat. Außenminister Baker bekräftigte sein
Engagement in der gemeinsamen Erklärung mit Bundesaußenminister Genscher vom 10. Mai 1991: "Die
Vereinigten Staaten sind bereit, Maßnahmen zu unterstützen, die nach Auffassung der europäischen Verbündeten erforderlich sind, um eine gemeinsame
europäische Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik geltend zu machen." Bundesaußenminister
Genscher fügte hinzu, "eine europäische Sicherheitsund Verteidigungsidentität sollte zu der Errichtung
eines europäischen Pfeilers innerhalb des Bündnisses
führen". Wir hoffen, daß der NATO-Gipfel in Rom und
der EG-Gipfel in Maastricht die Entwicklung eines
europäischen Pfeilers im Bündnis als weiteren Schritt
zu einer europäischen Union unterstützen werden, die
als verantwortliche Kraft Strukturen kontinentaler, transatlantischer und globaler Interdependenz stärken wird.
Sicherheit darf jedoch nicht ausschließlich militärisch
definiert werden. Ebensosehr müssen die politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Elemente der Sicherheitsgleichung anerkannt und verstärkt werden.
In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere
unsere Erwartung bekunden, daß die Gemeinschaft in
den kommenden Monaten konstruktive Schritte in
Richtung auf den erfolgreichen Abschlu ß der UruguayRunde des GATT unternehmen wird. Ich kann mir nur
wenige Dinge vorstellen, die unsere Bestrebungen zur
Neubelebung der Weltwirtschaft und damit zur verbesserten weltweiten Sicherheit mehr stören würden als
ein Scheitern dieser Verhandlungen.
Die Entwicklung einerStruktur der Gemeinschaft sollte
ihre Fähigkeit zu effektiven auswärtigen Beziehungen
und Pflichten stärken. Eine der größten außenpolitischen Herausforderungen der EG besteht darin, sich
gemeinsam mit den anderen Verbündeten Osteuropa
gegenüber zu öffnen, wo ihr politischer und wirtschaftlicher Erfolg bereits als Magnet gewirkt und die wirtschaftlichen Grundlagen für einen erfolgreichen ÜberSeite 3

�gang zu Demokratie und freier Marktwirtschaft gelegt
hat. Ich freue mich daher besonders über die Anwesenheit von Vertretern aus Osteuropa bei dieser
Konferenz.
Die Vereinigten Staaten haben eminentes Interesse
an der festen Integration der osteuropäischen Länder
in die euro-atlantische Architektur. Wir möchten, daß
diese Nationen bei der Gestaltung des neuen Europas
unsere Partner sind. Die Sicherheit Europas verlangt,
daß der ehemalige Eiserne Vorhang nicht durch eine
neue Trennwand zwischen reich und arm ersetzt wird.
Präsident Bush hat den ost- und mitteleuropäischen
Nationen, die den langsamen, schmerzlichen, aber
fundamental wichtigen Übergang zu Marktwirtschaften vollziehen, Hilfe zur Erleichterung des "Übergangs
von Armut zu Wohlstand" versprochen.
Ein neues Programm für das Bündnis
Den Kampf der Sowjetunion mit dem Übergang von
einer Revolutionsmacht zu einem krisengeschüttelten
Staat, der westliche Werte und Prinzipien anstrebt,
haben wir erstaunt beobachtet und ermutigt mit maßgeblicher Unterstützung darauf reagiert. Obwohl dies
von einigen Kritikern für unmöglich gehalten wurde,
hat die NATO beachtliche Flexibilität bei ihrer Anpassung an die Metamorphose ihres Gegners bewiesen
und ihren Ansatz angesichts des drastisch veränderten europäischen Sicherheitsumfelds korrigiert.
Die Londoner Gipfelerklärung der NATO vom
Juli 1990 hat die Aufgabe der NATO von der
reinen Verteidigung gegen die Bedrohung aus
dem Osten in die Erarbeitung einer kooperativen Sicherheitsstruktur für den gesamten Kontinent umgewandelt.
Die Au ßenminister Baker und Genscher vereinbarten in ihrer Washingtoner Erklärung vom 10.
Mai, daß Stabilität in Europa über die militärische Verteidigung hinausgeht und politische,
wirtschaftliche, soziale und ökologische Dimensionen der Sicherheit umfaßt.
Die Verteidigungsminister des Bündnisses einigten sich Ende Mai auf einen neuen Ansatz
zur Abschreckung von Aggression und Behandlung von Notfällen. Statt der geographisch begründeten gestaffelten Verteidigung ("layer cake"
defense) entwickeln wir eine Gegenkonzentrationsstrategie, die zeitlich abgestuft ist - mit
unverzüglicher Reaktion, schnellen Eingreiftruppen, aktiven und Reservestreitkräften. Die Effektivität hochmobiler Eingreiftruppen wird vom
Erfolg des Bündnisses abhängen, die nationalen Kontingente fest zu integrieren.
Im Juni 1991 einigten sich die Außenminister
der NATO auf eine Reihe sicherheitspolitischer
Kernfunktionen des Bündnisses. Sie kamen
überein, daß die Erarbeitung einer europäischen
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Sicherheitsidentität das Bündnis stärken würde
und regten einen noch markanteren europäischen Beitrag zur westlichen Sicherheitspoiitik
an. Ich möchte aus dem Kommunique des
Nordatlantikrats vom 7. Juni 1991 zitieren: "Die
Entwicklung einer europäischen Sicherheitsidentität und Rolle der Verteidigung, reflektiert in
der Stärkung des europäischen Pfeilers im
Bündnis", wird nicht nur den Interessen der
europäischen Staaten dienen sondern zur Stärkung der atlantischen Solidarität beitragen.
Wir beobachten bereits positive Ergebnisse der Anpassung des Bündnisses an seine neuen Herausforderungen: das erweiterte Programm der Ost-WestPolitik, Veränderungen der Verteidigungsstrategie,
Erarbeitung neuer Rüstungskontrollpositionen, Bestrebungen zum Aufbau von Partnerschaften mit den
Ländern Ost- und Mitteleuropas sowie der Sowjetunion, Initiativen zur Intensiverung der Ost-West-Kontakte unter Sicherheitsexperten, militärischen Behörden,
Parlamentariern, Führungskräften sowie Wissenschaftlern und Umweltexperten. Ihre Konferenz ist ein
anschauliches Beispeil für diese Serie von Initiativen.

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Diese Kontakte zielen darauf ab, die neuen Länder des
Ostens einschließlich der Sowjetunion und der Republiken in die neue Architektur einzubeziehen. Allen
wird zunehmend deutlich, daß das Ziel der NATO
Sicherheit für ganz Europa ist. Außenminister Baker
erklärte im Juni vergangenen Jahres in Berlin: Wir
müssen beginnen, die transatlantische Gemeinschaft
auf Mittel- und Osteuropa und die Sowjetunion auszudehnen ... Unser Ziel ist ein ungeteiltes und freies
Europa sowie eine Euro-Atlantische Gemeinschaft,
die nach Osten von Vancouver bis Wladiwostok reicht."
Neuen Herausforderungen begegnen
Die Erfolge der NATO haben sie nicht vor der Notwendigkeit bewahrt, sich neuen Fragen und Herausforderungen zu stellen:
Die Krise in Jugoslawien und der Staatsstreich
in der UdSSR sind neue Anzeichen, daß sich die
sicherheitspolitischen Probleme in Europa zunehmend um interne Kämpfe und nationalistische Bestrebungen und weniger um rein internationale Dispute drehen werden. Am heutigen
Abend denken wir an die Tragödie in Jugoslawien, während sich die EG- und WEU-Au ßenminister auf das morgige Treffen zu diesem
Konflikt vorbereiten. Die Vereinigten Staaten
unterstützen die von Lord Carrington dargelegten Bestrebungen unserer europäischen Verbündeten, einen Waffenstillstand herbeizuführen und eine politische Lösung des Konflikts zu
fördern. Da solche Initiativen die Sicherheitsinteressen aller NATO-Verbündeten betreffen, ist
es unabdingbar, die Kommunikationswege zwischen NATO, WEU, EG, KSZE und ihren Mit-

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i

�gliedern offen zu halten. Dies ist von noch
größerer Bedeutung, wenn die Entsendung von
Streitkräften - selbst zur Bewahrung des Friedens - in Erwägung gezogen wird.
Die NATO selbst war Schauplatz häufiger Konsultationen, sowohl über Jugoslawien als auch die Sowjetunion. Dennoch wurde vielfach angeregt, daß das sich
Bündnis in Zukunft aktiver bei politisch-miltärischen
Krisen engagieren muß. Zumindest sollte die NATO
sich beraten, wie die Stabilität in einer Zeit verbessert
werden kann, die Historiker mehr an 1914 als vielleicht
1938 erinnert.
Wie bereits erwähnt, sind unsere europäischen
Verbündeten mit der Entscheidungsfindung
befaßt, wie sie eine größere Rolle bei der Festlegung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik übernehmen können. Wir
müssen offen und sorgfältig erörtern, wie ein
europäischer Pfeiler entwickelt werden kann,
ohne einen Verbündeten an den Rand zu drängen und ohne eine neue Atmosphäre der Blockbildung herbeizuführen, die einen wirksamen
Dialog in der NATO verhindern würde.
In diesem Zusammenhang haben die Vereinigten Staaten die WEU offen in der Überzeugung
unterstützt, daß sie die europäische Verteidigungszusammenarbeit verbessern, als Brücke
von der EG zur NATO und Ergänzung der
NATO beim Krisenmanagement und der Koordinierung von Bestrebungen außerhalb des
NATO-Bündnisgebiets dienen kann.
Wie in der auf Initiative von Außenminister
Genscher zustande gekommenen Transatlantischen Erklärung vorgeschlagen, haben die
Vereinigten Staaten und die EG begonnen, den
Konsultationsprozeß zu verbessern. Angesichts
der wachsenden internationalen Verantwortung
der EG muß dieses institutionelle Bindeglied
weiter verstärkt werden, wenn wir unsere gemeinsamen wirtschafts- und außenpolitischen
Zielsetzungen erreichen wollen.
Der sowjetische Staatsstreich und die osteuropäische Besorgnis über ein "Sicherheitsvakuum"
in der neuen europäischen Situation haben die
Aufmerksamkeit auf die Beziehung des Bündnisses zu den neuen demokratischen Staaten
Ost- und Mitteleuropas gelenkt. Wir müssen
überlegen, ob wir über unsere auf Verbindungen gegründeten Beziehungen hinausgehen
sollten. Dieses Thema muß sorgfältig erwogen
und auf einen wesentlichen Gedankengang
geprüft werden: wie sollen wir das Bündnis der
Zukunft stärken, da es versucht, Stabilität in
einer Zeit historischen Wandels zu fördern?
Selbst während wir diese Frage überlegen, sollten
die Verbündeten weiterhin praktische Hilfe an

AMERIKA DIENST 38

Mittel- und Osteuropa leisten: durch den Bau
von Straßen und anderen Verkehrswegen zwischen Ost und West, Hilfe beim unmittelbaren
Energiebedarf und langfristiger Energieversorgung, durch Unterstützung beim Aufbau einer
modernen Kommunikationsinfrastruktur, Bereitstellung von Know-how für Finanzwesen, Beseitigung der Umweltverschmutzung, Bildung und
Fortbildung.
Die Verbreitung atomarer, chemischer, biologischer und ballistischer Raketen stellt eine wachsende Bedrohung der amerikanischen und europäischen Sicherheit dar. Angesichts dessen
sollte sich die NATO - zusammen mit anderen
Institutionen - an der Suche nach einer Begrenzung dieser Gefahren beteiligen. Die jetzt in der
NATO gebildete 14 Nationen umfassende
Rüstungshandelsgruppe könnte beispielsweise
eine Überprüfung der Probleme vornehmen,
angefangen bei Exporten konventioneller Waffen, um sicherzustellen, daß die Besorgnis über
die Verbreitung dieser Waffen in Entscheidungen über neue Bestrebungen zur Rüstungskontrolle einfließt und um die Koordinierung mit
anderen Institutionen vorzunehmen.
Im Bereich der Rüstungskontrolle hat die NATO
ferner die Aufgabe, die Veränderungen in der
UdSSR bei der Verwirklichung des Abkommens
über die Begrenzung konventioneller Streitkräfte in Europa zu berücksichtigen. Darüber hinaus müssen wir einen gemeinsamen Ansatz zu
zukünftigen konventionellen und nuklearen
Aufgaben entwickeln.
Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Kurzstreckensysteme. Die Vereinigten Staaten
reduzieren ihren Nuklearwaffenbestand in Europa, und wie Verteidigungsminister Cheney
unlängst andeutete, sind wir zu weiteren Reduzierungen bereit. Bis zum bevorstehenden
Gipfeltreffen in Rom führen wir Konsultationen
zu diesem Thema. Die Beibehaltung einer
nuklearen Abschreckungsoption ist jedoch ein
unverzichtbarer Aspekt der NATO-Strategie,
und die nukleare Verantwortung muß entsprechend geteilt werden.
Ein letzter Bereich, den ich erwähnen möchte,
ist die Rolle der NATO bei Problemen au ßerhalb
des Vertragsgebiets, die eine lange Geschichte
hat. Bedrohungen der Sicherheit des NATOTerritoriums konzentrieren sich nicht länger auf
die Front Europa Mitte. Als Teil ihrer Anpassung
an diese neuen Gegebenheiten sollte die NATO
ihre Konsultationen über Spannungen außerhalb Europas intensivieren und Nichtmitgliedstaaten der NATO in ihre Erörterungen einbeziehen. Die Verbündeten teilen das Interesse
an der Begrenzung internationaler Krisen, ihrer

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�Bewältigung und der Abschreckung von Eskalation sowie gegebenenfalls der Bekämpfung von
Aggression. Ich argumentiere nicht für ein
Engagement der NATO bei solchen Konflikten,
aber einzelne Verbündete werden Teilnehmer
an solchen Operationen sein, und die NATOInfrastruktur könnte eine Machtprojektion erleichtern , wie sie es am Golf so erfolgreich getan
hat. Auch die WEU hat unter Beweis gestellt,
daß sie bei der Koordinierung von Operationen
in bündnisfremdem Gebiet zwischen europäischen Staaten eine nützliche Rolle spielen kann.
In diesem Zusammenhang möchte ich den derzeitigen
Besuch von Generalsekretär Wörner in Japan erwähnen - der erste Besuch dieser Art eines hochrangigen
NATO-Vertreters. Während wir eine Euro-Atlantische
Gemeinschaft erwägen, die sich ostwärts von Vancouver nach Wladiwostok erstreckt und Vorschläge zur
Erörterung eines weltweiten Verbots von in Europa
und darüber hinaus stationierten Systemen unterbreitet werden, müssen wir die Ansichten dieser anderen
Regionen - insbesondere Asiens - berücksichtigen.
Die Perspektive
Wenn wir Bilanz der internationalen Entwicklungen in
den vergangenen Jahren ziehen, gelangen wir heute
abend zu einer sehr positiven Einschätzung, obwohl
zweifelsohne noch Herausforderungen bestehen. Die
seit Jahrzehnten durch rigide ideologische Regime
unterdrückten Völker Osteuropas haben ihr Joch
abgeworfen und sind auf dem Weg zu freien und
demokratischen Gesellschaften. Das kommunistische Organisationsmodell für Gesellschaft, Regierung
und Wirtschaft ist gescheitert, und eine neue Ära der
Ost-West-Kooperation zeichnet sich ab.
Die Entwicklungen in der Sowjetunion seit 1985 haben
eine große Rolle in diesem historischen Prozeß gespielt. Die Fortschritte erfolgten nicht ohne Rückschlä*

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ge und Verzögerungen - in jüngster Zeit mit einem
Putschversuch. Es ist noch zu früh, Kurs und Haltung
der zukünftigen sowjetischen Außenpolitik zu umreißen. Wir wissen nicht genau, wie weit die Dezentralisierung in der Sowjetunion gehen wird, und die Beschäftigung mit internen Problemen könnte den Blick
für internationale Themen trüben. Das Scheitern des
Staatsstreichs hat eindeutig den Tagen des sowjetischen Abenteurertums ein Ende bereitet.
Unsere Leistungen der vergangenen Jahre sind eine
wahre Quelle der Hoffnung: der Fall der Berliner
Mauer, die dreißig Jahre lang als Symbol für die brutale
und künstliche Teilung Europas stand, kollektives
Vorgehen zur Niederschlagung der irakischen Aggression und der Trend zu Demokratie und freien Marktwirtschaften in allen Teilen der Welt.
Diese Leistungen wären ohne die politische Solidarität
und das Gefühl militärischer Sicherheit schlicht und
einfach nicht möglich gewesen, das die NATO in den
vergangenen 42 Jahren vermittelt hat. Zu einer Zeit, in
der wir zu Recht die NATO-Strategie überprüfen,
müssen wir auch die Beständigkeit, Geschlossenheit
und Zuverläßligkeit bewahren, die uns dieses Bündnis
gegeben hat.
Die Vereinigten Staaten - eine mit Überflu ß gesegnete
Nation - tragen die Verantwortung, anderen zu helfen,
dasselbe zu erreichen. Ich bin zuversichtlich, daß wir
uns trotz der realen Herausforderungen in den Vereinigten Staaten weiterhin stark in Europa und im Bündnis engagieren werden.
Und ich bin ebenso zuversichtlich, daß der Beitrag der
NATO zu Frieden und Freiheit eine zentrale Rolle
spielen wird, wenn die Euro-Atlantische Gemeinschaft
ihre bedeutende Position in der sich abzeichnenden
neuen Weltordnung einnimmt. Ich danke Ihnen. Alles
Gute für einen erfolgreichen Verlauf dieser wichtigen
Konferenz.

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AMERIKA DIENST 38

�AMERIKA

HEUTE
25. September 1991

EHRENAMTLICHE ARBEIT IN AMERIKA
AUF DEM VORMARSCH
Zentren mobilisieren die Gemeinden

WASHINGTON - (AD) - In Amerika ist es üblich,
ehrenamtliche Arbeit zu leisten, um einem Nachbarn,
einem Freund oder sogar einem Fremden in Not zu
helfen.

ländlichen Gebieten. Viele Organisationen, die zur
Verbesserung der Lebensqualität von Familien beitragen und Nachbarschaftshilfe leisten - das Rote Kreuz,
die Pfadfinder - bestehen aus Freiwilligen."

Einer Untersuchung von Gallup zufolge scheinen
Amerikaner der ehrenamtlichen Tätigkeit nie müde zu
werden. Von 1988-90 hat die Zahl der Erwachsenen,
die freiwillig den weniger vom Schicksal Begünstigten
helfen, um 23 Prozent zugenommen.

Trotz unserer schnellebigen Zeit und der Familien mit
Doppelverdienern finden die Menschen Gallaghan
zufolge Zeit, sich gegenseitig zu helfen - manchmal
auch die ganze Familie. "Die Organisatoren ehrenamtlicher Programme verfügen über sehr gute Führungseigenschaften und sind sich der Tatsache bewußt, daß diese freiwillige Tätigkeit in einem akzeptablen Zeitrahmen geleistet werden sollte", so Gallaghan. "Freiwillige Arbeit kann in gemeinnützigen Organisationen von ungelernten Tätigkeiten bis zu Führungsaufgaben reichen - aber die Organisatoren können diese Arbeit in kleine Teilbereiche zerlegen."

Seit 1990 engagierten sich in Amerika 98,4 Millionen
Erwachsene - 54 Prozent der erwachsenen Bevölkerung - freiwillig in ihren Gemeinden. 1988 waren es
noch 80 Millionen, die angaben, ehrenamtlich zu arbeiten, um anderen zu helfen oder eine gute Sache zu
unterstützen. Der Untersuchung zufolge engagieren
sich insbesondere Jugendliche und Menschen mittleren Alters des Mittelstands sowie schwarze Amerikaner für ehrenamtliche Aufgaben.
Das Verhältnis der Geschlechter ist bei ehrenamtlichen Tätigkeiten etwa gleich. Über die Hälfte der
freiwilligen Helfer üben eine Vollzeitbeschäftigung außer
Haus aus und widmen sich etwa vier Stunden in der
Woche einer selbst gewählten Aufgabe.
Warum arbeiten Bürger ehrenamtlich? Die Leiterin der
Programme beim National Volunteer Center, einer
Organisation mit Sitz in Washington, erklärt, ehrenamtliche Hilfe sei "seit der Kolonialisierung Bestandteil
amerikanischer Geschichte und Kultur. Wir waren
immer eine Nation von einzelnen, die sich zu gemeinnützigen Tätigkeiten zusammenschlössen, zuerst in
den kleinen Städten, dann auf größerer Ebene. Die
meisten der Feuerwehren im Land arbeiten mit Freiwilligen besonders ausgeprägt ist diese Tradition in
AMERIKA DIENST 38

"Amerikaner lieben das Gefühl, persönlich etwas
bewirken zu können," erklärt Gallaghan. "Als Nation
begann unsere Geschichte damit, daß wir uns von
England losgesagt haben. Wir sind traditionell ein Volk
mit der Erfahrung, daß wir das Kommando und die
Verantwortung übernehmen sowie auf lokaler Ebene
oder in unseren Gemeinden Dinge zum Besseren
verändern können, ohne auf den Staat warten zu
müssen.
Den traditionellen ehrenamtlichen Helfer - die nicht
arbeitende Ehefrau mit viel Zeit - "gibt es praktisch
nicht mehr," erklärt Vicki Clark von National Volunteer.
"Der neue ehreamtliche Helfer kann Mann oder Frau
sein, Teenager oder Angehöriger einer Minderheit."
Clark verwies ferner auf jüngste ehrenamtliche Programme in verschiedenen Teilen des Landes, "Habitat
for Humanity", eine Organisation, die Häuser für Arme
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�baut oder renoviert, "Shareable Wearables", im Rahmen dessen Arbeitnehmer eines Unternehmens die
Verteilung von Schulkleidung an Kinder organisieren,
Programme wie "Parent Aides", um jungen Eltern zu
helten, die Kurz davor stehen, ihre Kinder zu mißhandeln sowie Helfer für mißhandelte Frauen, die in Frauenhäusern leben."
Andere erfolgreiche Programme sind etwa "Meals on
Wheels", bei dem Freiwillige älteren Menschen heiße
Mahlzeiten liefern, 'Telephone Reassurance", wo ältere Menschen angerufen werden und "Baby Buddies"
für alleinerziehende Mütter. Andere ehrenamtliche
Helfer besuchen Krankenhäuser und Sterbekliniken,
um den Kranken und Sterbenden zu helfen.
"Freiwillige Helfer decken in der Tat fast jeden Aspekt
der Dienstleistungen am Menschen ab", erklärt Gallaghan, "sei es Krankenversorgung, Telephonseelsorge, Hilfe bei Vergewaltigung - all diese Dienste werden
von bezahlten und unbezahlten Arbeitskräften personell unterstützt oder geleitet".
Der Bedarf an Freiwilligen steigt Clark zufolge in Amerika,
weil traditionell kleine Gemeinden größeren weichen
und Familien kleiner werden. Da heutzutage Eltern
und Großeltern selten zusammenleben, verfügt der
einzelne in seinem späteren Leben über weniger hilfroinho Familienbande.
Clark erklärt ferner, viele Freiwillige sind Menschen,
die selbst von ehrenamtlichen Helfern Unterstützung
erfahren haben und nunmehr anderen helfen wollen.
Andere Helfer wollen in neuen Gemeinden Freunde
oder gleichgesinnte Gruppen finden, die sich für spezielle soziale Reformen engagieren. "Für junge Menschen bietet eine freiwillige Tätigkeit die Möglichkeit,
etwas über Berufswege zu lernen und ein Netz von
professionellen Kontakten zu knüpfen."
"Freiwillioe Tätigkeit kann das Gefühl der Befriedigung, etwas geleistet zu haben und Teil einer Gemeinschaft zu sein, vermitteln," erklärt Gallaghan. "Es
macht Spaß, weil man mit seiner Arbeit tatsächlich
etwas bewirkt."
Seit über zwanzig Jahren leistet Gallaghan zufolge
The National Volunteer Center technische Hilfe und
liefpti Informationen für ein Netz von (jetzt) etwa 400
autonomen Zentren im ganzen Land. Diese Zentren

versuchen ehrenamtliche Tätigkeiten in einer Gemeinde zu koordinieren. Organisationen freiwilliger Helfer
können - so Clark - groß sein, wie die Ortsgruppen der
Pfadfinder oder "so klein, daß sie von Schulen oder
Kirchen gebildet werden".
"Das Gute an ehrenamtlicher Arbeit ist, da ß sie auf die
Bedürfnisse der einzelnen Gemeinde eingeht," fügt
Clark hinzu. Die Organisationen des National Volunteer Center streben Verbindungen zwischen den 400
Zentren und lokalen "Geschäftsleuten, Kirchenvertretern und Stadtvätern an - all den Menschen, die
zusammenkommen sollten, damit freiwillige Arbeit
Gewicht erhält." Die Zentren finanzieren sich durch
eine Mischung von karitativen Stiftungen, einzelnen
Spenden, Mitgliedsbeiträgen sowie Zuschüssen der
Kommunen und der Bundesregierung.
Der frühere Gouverneur von Michigan und Vorsitzende von National Volunteer, George Romney, konstatiert, daß lokale Zentren und koordinierte Bestrebungen für ehrenamtliche Tätigkeit in den letzten 25
Jahren stark zugenommen haben. "Viele Institutionen
in diesem Land könnten ohne Freiwillige nicht funktionieren," erklärt Romney.
Richard F. Schubert, dem Präsidenten der Stiftung
"Points of Light", zufolge helfen die ehrenamtlichen
Helfer von heute Probleme zu bekämpfen wie "Drogenmißbrauch, Schwangerschaften von Minderjährigen, Hunger, Obdachlosigkeit, Mißbrauch von Erwachsenen und Kindern, Analphabetismus - wir müssen uns auf Probleme konzentrieren, von denen jeder
weiß, daß sie uns wirklich bewegen." Romney erklärt,
seine nationale Organisation hoffe - aufgrund der
Kombination mit 'Points of Light' - zu einer nationalen
"Anlaufstelle für lokale Zentren und Gemeindevertreter zu werden, welche Arten freiwilliger Tätigkeiten für
Gemeinden im ganzen Land effektiv sind".
Ehrenamtliche Helfer mögen nicht alle sozialen Probleme lösen, aber diejenigen, die das oftmals tun,
entwickeln ein starkes Engagement, um ihren Gemeinden zu helfen. "Die effektivste Methode der
Problemlösung auf Erden ist in den meisten Fällen die
Bereitschaft der Menschen, sich zusammenzuschließen, um das zu tun was getan werden muß," stellt
Romney fest.

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Seile 2

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AMERIKA DIENST 38

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