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28. August 1991

34

SOWJETUNION

DAS ENDE DES STAATSSTREICHES
IN DER S O W J E T U N I O N

Die Berichterstattung in Amerika

USA - UDSSR

SECHS JAHRE AMERIKANISCHSOWJETISCHE BEZIEHUNGEN
Chronologie der Beziehungen
von 1985-1991

NATIONALISMUS

DIE ZUKUNFT DES AMERIKANISCHEN
NATIONALISMUS
von Clyde Wilson

:

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�SOWJETUNION
28. August 1991

DAS ENDE DES STAATSSTREICHS
IN DER SOWJETUNION
Die Berichterstattung in Amerika
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen haben dem Ende des Staatstreichs in der
Sowjetunion und der Wiedereinsetzung einer progressiven Regierung ihre Leitartikel gewidmet. Nachfolgend
veröffentlichen wir Auszüge aus verschiedenen Kommentaren.

The New York Times
Die Anstifter des Staatsstreichs behaupteten, das
System vor dem Chaos zu bewahren. Statt dessen
haben sie in ihrer Verzweiflung die alte Ordnung in der
Sowjetunion zerstört. Am Schluß hat selbst die
Kommunistische Partei jede Verbindung zu diesen
alten treuen Parteigängern aufgekündigt... Die wilde
Flucht der Verschwörer zeigt, wie gründlich Gorbatschows Revolution die Sowjetunion verändert hat...
Bis jetzt schrecken andere Länder davor zurück, Milliarden in ein schwarzes Loch zu buttern, in dem das
Wort "Markt" ganz zu schweigen von dessen Implikationen kaum verstanden wird. Aber sie würden wahrscheinlich gern Investitionen und Hilfe fördern, wenn
es in der Sowjetunion ein glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm gäbe. Bis jetzt ist Gorbatschow überzeugenden Vorschlägen immer wieder in letzter Minute
ausgewichen.
Wenn er einem solchen Programm jetzt zustimmt,
kann dieser verheerende Staatsstreich dennoch eine
konstruktive Lehre beinhalten. Die Selbstzerstörung
der alten Garde kann es ihm - und künftigen sowjetischen Präsidenten - ermöglichen, den Menschen in
der Sowjetunion den Lebensstandard zu geben, für
den sie diese Woche auf die Straße gegangen sind.
Dieser Prozeß kann heute beginnen.

Kampf beginnen, aber nicht beenden konnte. Seine
bisherigen Leistungen für die Reformen sind beeindruckend, aber seine Bedeutung für die Zukunft wird
sich neu erweisen müssen. Es ist gedemütigt worden,
und er hat Schaden genommen.
Nationale Reformen (in der Sowjetunion) werden in
einem politischen Kontext erfolgen, der durch die
Entlassung und Diskreditierung der alten Garde von
Kommunisten und die Schwächung des Mannes in der
Mitte - Gorbatschow - verändert wurde. Zumindest
kurzfristig könnte dies weniger Forschritte und mehr
Unruhe mit sich bringen.
The Christian Science Monitor
Probleme der Butter auf dem Brot waren nicht der
Hauptgrund, warum 150.000 Moskowiter am Dienstag
auf die Straße gegangen sind ... und sich vor dem
russischen Parlamentsgebäude versammelt haben,
um Boris Jelzin zu unterstützen. Es steht etwas
wichtigeres auf dem Spiel - die neuen Rechte und die
Selbstbestimmung, in deren Genuß die Sowjets erstmals mit Glasnost gekommen sind. Vielleicht ist das
nur einer Minderheit von Russen bewußt und nicht
egal, aber diese Minderheit nimmt zu...
Etwa 150.000 Moskowiter gingen auf die Straße, weil
sie sich an die Geschichte erinnern und weil sie auf den
Geschmack der Demokratie gekommen sind.

The Washington Post
Boris Jelzin repräsentiert den Aufstieg der Demokratie
- er ist ein demokratisch gewählter Politiker und nunmehr kampferprobt. Die Tatsache, daß er für Grundsätze und Rechtmäßigkeit gekämpft hat, deren Nutznießer jemand anders - Michail Gorbatschow - war,
verleiht ihm besondere Größe. Bei seiner Rückkehr
ins Amt wird Gorbatschow Rechenschaft ablegen
müssen, wie er eine Revolution und einen politischen
AMERIKA DIENST 34

Im weiteren Sinne heißt der Scheideweg, an dem sie
jetzt stehen "Bürgerrechte".
The Baltimore Sun
Gorbatschow ist heute nicht nur wegen des persönlichen Mutes und der Führungskraft des russischen
Präsidenten Boris Jelzin wieder im Amt sondern auch,
weil sich auch alle anderen Republiken weigerten, dem

Seite 1

�reaktionären Putsch gegen die Zentralregierung zu
folgen.... Es ist... ziemlich sicher... daß die Republiken eine stärkere Teilung der Macht mit einem Präsidenten fordern werden, den zu retten sie halfen...
Der Michail S. Gorbatschow, der seine Amtsgeschäfte
im Kreml wiederaufnimmt, wird wahrscheinlich ein
Übergangspräsident sein, der die Umgestaltung seines Landes zu einer Föderation, vergleichbar einem
Commonwealth, leitet. Da es unwahrscheinlich ist,
daß er sich um eine Wiederwahl bemüht, wird die
politische Arena in der Sowjetunion voller neuer Gesichter und Allianzen sein... All dies führt zu einem
Domino-Effekt, der die bereits verringerte Rolle der
kommunistischen Partei weiter einschränken wird.
Die Ereignisse der vergangenen Tage sind Grund zum
Feiern, da sie zeigen, daß die Ideen Gorbatschows
von Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit in wichtigen Bereichen sowjetischen Lebens Wurzeln geschlagen haben. Das Militär hat sich im großen und
ganzen geweigert, an diesem Putsch teilzunehmen.
Auch die meisten Polizeigruppen außerhalb des KGB
blieben den rechtmäßigen Regierungen, der zentralen
als auch den lokalen, treu.
The Philadelphia Inquirer
Der Zusammenbruch hat... gezeigt, daß viele der TopOffiziere in der sowjetischen Armee nicht bereit sind,
einen Angriff auf ihre Mitbürger zu befehlen. Dies war
der Schlüsselfaktor, der die Macht der Putschführer
untergrub und eine Frage beantwortet, die Zweifel
geweckt hatte.
Auch die schlimme Aura des KGB wurde bloßgestellt.
Der KGB mag weiterhin seine Tentakel über die gesamte Sowjetunion ausbreiten, aber es wird nicht
unerkannt bleiben, daß er nicht die Macht zur Vereitelung dieses Staatsstreichs besaß...
Am schwersten wiegt jedoch, wie der fehlgeschlagene
Putsch gezeigt hat, daß sich Hunderttausende von
einstmals durch brutale Führungen eingeschüchterten
Sowjetbürgern heute frei genug fühlen, ihr Leben zur
Verteidigung demokratischer Fortschritte zu riskieren.
Dieses neue Selbstvertrauen muß Auswirkungen auf
die Zukunft des Landes haben. Demokratisch gewählte Führungen der sowjetischen Republiken und großen Städte - zuerst und besonders der russische
Präsident Boris Jelzin - werden nun als Helden und
mächtigste Politiker der Sowjetunion hervortreten...
The Los Angeles Times
Eine mögliche - wenn auch zum jetzigen Zeitpunkt
vorläufige - Erklärung für den politischen Reinfall der
Junta ist die Tatsache, daß der Vorwand der Verschwörer, sie handelten im Rahmen der Verfassung,
ihre Handlungsweise einschränkte. Die heimischen
Medien wurden trotz Zensur niemals vollends zum
Schweigen gebracht. Kritische Stimmen waren wei-

Seite 2

terhin zu hören. Am bedeutendsten ist vielleicht, daß
nicht frühzeitig versucht wurde, das russische Parlamentsgebäude in Moskau zu besetzen, das rasch zum
Schwerpunkt der Opposition wurde. Unter Stalin,
Chruschtschow oder Breschnew wäre in dem Glauben, daß die Welt zwar klagen, aber nicht intervenieren
würde, die ganze Macht des Staates eingesetzt worden, um den Widerstand zu brechen. Dieses Mal
scheint die Junta - freiwillig oder nicht, bewußt oder
unbewußt - erkannt zu haben, daß die Weltmeinung
nicht so einfach ignoriert oder beleidigt werden kann.
Sie scheint ferner entweder vor ihren Aktionen oder
unmittelbar danach erkannt zu haben, daß sie sich
nicht auf den blinden Gehorsam aller Armee-Einheiten
verlassen konnte. Die Junta irrte, indem sie viele
Dinge unberücksichtigt ließ. Dazu gehörten die Wahlergebnisse in der russischen Föderation. Als sie die
freie Wahl hatten, unterstützten die meisten Mitglieder
der Streitkräfte Jelzin bei seiner Kandidatur für das
Amt des Präsidenten.
USA Today
Vor drei Tagen hätten viele bezweifelt, daß die Sowjetbürger gegen ein Ende der Reformen protestieren
würden. Heute nicht.
Vor drei Tagen hätten viele in Frage gestellt, daß die
Menschen im Westen sich für die Unterstützung der
sowjetischen Politik der Offenheit stark machen würden. Heute nicht.
Alle Fragen oder Zweifel über die Richtung, die die
Menschen weltweit einschlagen wollen, sind ausgeräumt worden.
Der Weg ist nicht leicht. Er kann Rückschläge bergen.
Aber aus den Trümmern des Staatsstreichs erwächst
die Hoffnung auf ein Ende der Ost-West-Konfrontation
und den Beginn weltweiter Zusammenarbeit, um die
Bedürfnisse der gesamten Menschheit zu erfüllen.
The Wall Street Journal
Die Vereinigten Staaten sollten öffentlch bekanntgeben, daß sie die politische Legitimität aller sowjetischen Republiken anerkennen, die jetzt demokratisch
gewählten Regierungen unterstehen. Es sind die
Republiken Rußland, Armenien, Moldawien und Georgien. In der Ukraine und in Aserbaidschan sind für
Ende des Jahres Wahlen anberaumt.
Gleichermaßen sollten die Vereinigten Staaten formell
die souveräne Unabhängigkeit von Litauen, Lettland
und Estland anerkennen.
Die neue Weltordnung - eine Ära der engen politischen
und wirtschaftlichen Zusammenarbeit, deren Ziel das
Wohlergehen aller Völker ist - hängt entscheidend von
dem Bürgerrechtsprinzip der Selbstbestimmung ab.

AMERIKA DIENST 34

�Das sowjetische Volk hat mit den Wahlen in den
Republiken unter Beweis gestellt, daß es zur Teilnahme an der weltweiten demokratischen Evolution bereit
ist. Die Völker des Baltikums haben niemals etwas
anderes gesagt.
The Washington Times
Wie Jelzin Präsident Bush telephonisch mitgeteilt hat,
waren die unverzügliche und entschiedene westliche
Verurteilung des Staatsstreichs und die Erläuterung
der Konsequenzen seines Erfolgs für die Beziehungen
zwischen dem Westen und der Sowjetunion außerordentlich hilfreich für die Sache des russischen Präsi-

*

AMERIKA DIENST 34

denten. Dies gilt auch für die Bestrebungen der
Stimme Amerikas und der BBC, die zum wiederholten Male die einzige verläßliche Informationsquelle in
der Sowjetunion waren...
Jelzins Forderung nach der Rückkehr von Präsident
Gorbatschow sprach für die außerordentliche Verpflichtung zur Rechtsstaatlichkeit. Es handelte sich
hierbei nicht um Jelzins Gegenputsch, sondern vielmehr um einen Ausdruck seiner Verpflichtung zur
demokratischen und verfassungsmäßigen Politik in
der Sowjetunion... Gorbatschow selbst wird sich dem
demokratischen Test stellen müssen.

* * *

*

Seite 3

�USA-U DSSR
28. August 1991

SECHS JAHRE AMERIKANISCHSOWJETISCHE BEZIEHUNGEN
Chronologie der Beziehungen von 1985 -1991
WASHINGTON - (AD) - Während der sechsjährigen Amtszeit von Michail Gorbatschow hat die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ein neues Gefühl der Stabilität auf der internationalen
Bühne und zunehmende Hoffnung auf dauerhaften Frieden weltweit hervorgebracht.
"Es ist unabdingbar, sich die tiefgreifenden Veränderungen vor Augen zu führen, die sich vollzogen haben - zu
Offenheit, Reform, Wandel in Osteuropa, der neuen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und anderen
Ländern während der Golfkrise und in zahlreichen anderen Bereichen", erklärte Präsident Bush bei einer
Pressekonferenz am 19. August 1991, als der von kommunistischen Hardlinern in Moskau durchgeführte
Staatsstreich den sowjetischen Präsidenten entmachten sollte. Präsident Bush betonte: "Es gibt einen völlig
neuen Bereich der Zusammenarbeit, und wir möchten, daß dies so bleibt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Chronologie der wichtigsten Ereignisse ab Gorbatschows Amtsübernahme
im Jahr 1985.

März 1985

10.-12. Oktober 1986

Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Schrittweise
führt er das Land auf den Weg zu wirtschaftlichen,
politischen und sozialen Reformen durch seine Programme von Glasnost und Perestrojka.

Reagan und Gorbatschow treffen sich in Reykjavik und
erzielen grundsätzliche Einigung über die Verringerung strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent.
Obwohl sie auch Fortschritte bei einem Abkommen
über Mittelstreckenraketen (INF) erzielen, stellt Gorbatschow ein Junktim zu weiteren Fortschritten bei
diesem Thema und zwischen Reduzierungen der strategischen Streitkräfte und der amerikanischen strategischen Verteidigungsinitiative SDI her, das die Vereinigten Staaten als inakzeptabel erachten.

1 9 . - 2 1 . November 1985
Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow
kommen in Genf zusammen. Sie fordern rasche
Fortschritte bei der Reduzierung der strategischen
Offensivstreitkräfte. Die beiden Staats- und Regierungschefs unterzeichnen ein Allgemeines Abkommen über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit
in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Bildung,
Kultur sowie anderen Gebieten und vereinbaren die
Wiederaufnahme des zivilen Flugverkehrs zwischen
beiden Ländern. Darüber hinaus einigen sie sich
darauf, die Gründung von Zentren zur Verringerung
des atomaren Risikos zu prüfen, die Bestrebungen
über ein wirksames und verifizierbares Verbot chemischer Waffen zu beschleunigen und Wege zu Verhinderung der Verbreitung dieser Waffen zu erörtern.
Andere Gesprächsthemen betreffen Angola, Äthiopien, Nicaragua und Kambodscha. Ferner wird die
Eröffnung von Konsulaten in New York und Kiew
vereinbart.
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15. September 1987
Die beiden Länder unterzeichnen ein Abkommen über
die Gründung von Zentren zur Verringerung des atomaren Risikos in ihren jeweiligen Hauptstädten. Die
Zentren haben den Abbau des Konfliktrisikos zum Ziel,
das sich zufällig, aufgrund einer Fehlinterpretation
oder falschen Einschätzung der jeweiligen Seite ergeben könnte.
7.-10. Dezember 1987
Reagan und Gorbatschow kommen in Washington zur
Unterzeichnung des INF-Abkommens über die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen bodengestützten Raketensysteme mit einer Reichweite von
Seite 1

�500 bis 5.000 Kilometern zusammen. Darüber hinaus
erörtern sie auf bilateraler Ebene Menschenrechtsund regionale Fragen unter besonderer Berücksichtigung von Mittelamerika, Afghanistan, dem iranischirakischen Krieg, dem südlichen Afrika und Kambodscha. Die beiden Politiker weisen ihre Unterhändler
bei den Rüstungskontrollverhandlungen an, ihre Bestrebungen zur Erlangung eines Vertrags über die
Verringerung strategischer Rüstungen (START) zu
intensivieren. Die Unterhändler sollen ferner einen
neuen, getrennten Vertrag über Fragen der Verteidigung im Weltraum erarbeiten, der jede Seite zur Einhaltung des Vertrags über die Abwehr ballistischer
Raketen von 1972 verpflichtet, während gleichzeitig
die erforderliche Forschung, Entwicklung und Erprobung durchgeführt wird. Ein Abkommen über die
Erweiterung des Flugverkehrs zwischen den beiden
Ländern wird unterzeichnet, und auch das Abkommen
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über die Weltmeere wird erweitert.

9. Januar 1989
Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über Betäubungsmittel wird unterzeichnet. Damit dokumentieren die Sowjets ihr gesteigertes Bewußtsein zu den
Drogenproblemen im In- und Ausland.
15. Februar 1989
Gorbatschow überwacht den Abzug aller sowjetischen
Truppen aus Afghanistan.
9. März 1989
Die NATO und die Warschauer-Pakt-Staaten nehmen
in Wien Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) auf.
25. April 1989
Die Sowjetunion beginnt mit ihren ersten einseitigen
Truppenreduzierungen in Osteuropa.

29. M a i - I . J u n i 1988

12. Mai 1989

In Moskau findet das vierte Treffen zwischen Reagan
und Gorbatschow statt, bei dem regionale Themen
erörtert werden, unter anderem der Nahe Osten, das
südliche Afrika, das Hörn von Afrika, Zentralafrika,
Afghanistan, Kambodscha und die koreanische Halbinsel. Ferner werden die Ratifizierungsurkunden zu
INF ausgetauscht. Amerikanische und sowjetische
Regierungsvertreter unterzeichnen ein Abkommen über
die vorherige Notifizierung des Abschusses strategischer ballistischer Raketen und die Vereinbarung über
ein gemeinsames Verifizierungsexperiment bei Atomtests. Fernerwerden Abkommen überdie Erweiterung
der kulturellen und bildungspolitischen Austauschprogramme zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion unterzeichnet sowie über die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei der friedlichen
Nutzung von Kernenergie und zur Erforschung des
Weltraums, Such- und Rettungsunternehmen auf See,
Fischereiwesen, Verkehrstechnologie und Funkbetrieb.

Präsident Bush fordert die Sowjetunion und andere
Mitglieder des Warschauer Pakts und der NATO auf,
seinem Vorschlag über offene Himmel zuzustimmen,
damit unbewaffnete Überwachungsflüge über den
jeweiligen Territorien als vertrauensbildende Maßnahme durchgeführt werden können.

Oktober 1988
Gorbatschow wird Präsident der Sowjetunion.
7. Dezember 1988
Reagan und Gorbatschow treffen bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York zusammen.

12. Juni 1989
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterzeichnen in Moskau ein Abkommen zur Verhinderung
gefährlicher militärischer Aktivitäten.
21. - 23. September 1989
Die Außenminister beider Länder unterzeichnen in
Wyoming ein Abkommen über strategische Verifizierung und stabilisierende Maßnahmen, ein Abkommen
über die Unterrichtung von strategischen Übungen,
eine Regierungsvereinbarung über einen bilateralen
Datenaustausch und Verifizierungsexperimente für CWaffen, ferner Abkommen über die Beringstraße,
einschließlich der Wanderungen von Eskimos und
Gründung einer regionalen Kommission. Darüber
hinaus wird eine gemeinsame Erklärung über die
Auslegung von Regeln zur friedlichen Durchfahrt von
Schiffen veröffentlicht. Der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse stimmt der im Mai vorgeschlagenen amerikanischen Initiative "Offene Himmel" grundsätzlich zu.

Dezember 1988
Nach einem verheerenden Erdbeben in Armenien
akzeptiert die Sowjetunion zum ersten Mal seit dem
Zweiten Weltkrieg Katastrophenhilfe aus den Vereinigten Staaten.

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23. Oktober 1989
Die Vereinigten Staaten begrüßen Schewardnadses
Erklärungen, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan habe sowjetische und internationale Gesetze

AMERIKA DIENST 34

�mißachtet, das Radar von Krasnojarsk verletze den
ABM-Vertrag und die Sowjetunion akzeptiere den
politischen Pluralismus in Osteuropa.
12. November 1989
Die Sowjetunion und die übrige Welt werden Zeuge,
als die DDR mit dem Abbau der Berliner Mauer beginnt.
2 . - 3 . Dezember 1989
Gorbatschow und Bush treffen sich in Malta zu einem
Minigipfel auf Schiffen. Sie erörten die bemerkenswerten Ereignisse, die zu friedlichen und demokratischen
Veränderungen in Ost- und Mitteleuropa geführt haben, und Bush bekundet seine Unterstützung für
Gorbatschows Programm der Perestrojka. Darüber
hinaus werden die Wirtschafts- und Handelsbeziehungern zwischen beiden Ländern besprochen, ferner
Umweltprobleme, die Verbreitung von Raketen und
die Lage im Libanon. Zum Thema Rüstungskontrolle
erörtern beide Spitzenpolitiker die Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte, strategische Waffen, chemische Waffen, den Schwellenverrag und Verifizierung.
29. Dezember 1989
Beide Länder tauschen Daten über ihre C-Waffenarsenale und Produktionsstätten aus.
16. Januar 1990
In Wien treffen sich hohe Militärs der 35 KSZE-Mitgliedsländer, darunter der Vorsitzende der Vereinigten
Stabschefs, Colin Powell, und der sowjetische General Moissejew, um Möglichkeiten zum Abbau der Spannungen in Europa zu erörtern.
13. Februar 1990
Bei der Konferenz über offene Himmel in Ottawa
kommen Vertreter der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Frankreichs und Großbritanniens mit westund ostdeutschen Politikern zusammen und einigen
sich auf eine "Zwei-plus-Vier"-Formel für die Vereinigung Deutschlands. Die Sowjetunion und andere
KSE-Länder akzeptieren einen früher unterbreiteten
Vorschlag von Präsident Bush über Streitkräftereduzierungen in Europa.
31. M a i - 3 . Juni 1990
Bei ihrem Gipfeltreffen in Washington unterzeichnen
Bush und Gorbatschow Schlüsselelemente einer
Vereinbarung in bezug auf einen Vertrag über strategische Rüstungen, eine Vereinbarung zur Reduzierung der amerikanischen und sowjetischen Chemiewaffenbestände auf 5.000 Tonnen sowie ein Abkommen zum Abbau der Beschränkungen des amerikanisch-sowjetischen Handels. Ein amerikanisch-sowjetisches Getreideabkommen mit fünfjähriger Lauf-

AMERIKA DIENST 34

zeit wird ebenso unterzeichnet wie die Protokolle zum
Schwellenvertrag von 1974 und zum Vertrag über
Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken von 1976.
Darüber hinaus werden bilaterale Abkommen über
kulturellen und wissenschaftlichen Austausch abgeschlossen.
3. August 1990
Die beiden Länder verabschieden eine gemeinsame
Erklärung, in der die irakische Invasion Kuwaits verurteilt und eine Einstellung der Waffenlieferungen an den
Irak gefordert wird.
9. September 1990
Gorbatschow und Bush treffen in Helsinki zu Gesprächen über die irakische Invasion und Annexion Kuwaits zusammen. Sie veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Solidarität bei der Ablehnung der irakischen Handlungen sowie ihre Absicht
zum Ausdruck bringen, bei der Beendigung der Golfkrise umfassend zusammenzuarbeiten.
12. September 1990
Gemeinsam mit den Außenministern Frankreichs,
Großbritanniens und der beiden deutschen Staaten
unterzeichnen die Außenminister Baker und Schewardnadse den "Vertrag über die abschließende
Regelung in bezug auf Deutschland", mit dem der
Zwei-plus-Vier-Prozeß abgeschlossen und der Weg
für die formelle Wiedervereinigung Deutschlands am
3. Oktober bereitet wird.
18. Oktober 1990
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verabschieden eine gemeinsame Erklärung mit der Forderung nach der friedlichen Beilegung des Bürgerkriegs
in El Salvador.
19. November 1990
Die Staatschefs der Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion treffen sich in Zusammenhang mit der
KSZE in Europa und unterzeichnen bei dieser Gelegenheit mit den anderen Staats- und Regierungschefs
der NATO und des Warschauer Pakts den KSEVertrag sowie eine Nichtangriffsverpflichtung. Die
Gespräche konzentrieren sich auf die Golfkrise und die
sowjetische Unterstützung einer vorgeschlagenen UNOResolution, mit der die Anwendung von Gewalt gegen
den Irak legitimiert wird.
Dezember 1990
Bush hebt die Jackson-Vanik-Handelsbeschränkungen auf, die mit der Bedingung verknüpft, daß die
Sowjetunion ihre Auswanderungspolitik liberalisiert.
Er bietet der Sowjetunion ein Hilfspaket an, das nahezu 1 Milliarde Dollar an Krediten zum Ankauf amerikanischer Nahrungsmittel und anderer Erzeugnisse umfaßt.

Seite 3

�I.April 1991

3 0 . - 3 1 . Juli 1991

Der Warschauer Pakt löst offiziell seine militärische
Struktur auf und beendet seine Existenz.

Bush und Gorbatschow unterzeichnen in Moskau den
START-Vertrag zur Reduzierung der strategischen
Offensivsysteme um ein Drittel. Der Vertrag umfaßt
eine 50prozentige Reduzierung der sowjetischen
schweren Raketen und Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen sowie eine 35prozentige Verringerung
der amerikanischen Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen. Daneben werden weitere Vereinbarungen
zur amerikanischen Katastrophenhilfe an die Sowjetunion sowie Hilfe für deren Wohnungsbau und wirtschaftliche Entwicklung unterzeichnet. Der Präsident
kündigt an, er werde den Kongreß ersuchen, der
Sowjetunion den Meistbegünstigungsstatus im Handel einzuräumen. Darüber hinaus werde er ein Programm vorlegen, um dem Land bei der Umrüstung
seiner militärischen Produktion zu zivilen Zwecken zu
helfen.

12.-13. Mai 1991
Baker und der sowjetische Außenminister Alexander
Bessmertnych treffen in Kairo zusammen, um Gespräche über den Friedensprozeß im Nahen Osten, das
kurdische Flüchtlingsproblem im Nordirak sowie Rüstungskontrolle und bilaterale Fragen zu führen.
31. Mai 1991
Der von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
vermittelte Friedensschluß in Angola wird in Gegenwart von Baker und Bessmertnych sowie anderen
amerikanischen und sowjetischen Vertretern in Lissabon unterzeichnet. Damit wird der Bürgerkrieg in dem
afrikanischen Land beendet.

18. August 1991
17. Juli 1991
Gorbatschow soll angeblich erkrankt sein und wird in
einem Putsch abgesetzt. Ein selbsternanntes Notstandskomitee übernimmt die Kontrolle über die Zentralregierung und deutet an, es werde sich an die
internationalen vertraglichen Verpflichtungen halten.
Präsident Bush erklärt seine Unterstützung für die
Forderung des russischen Präsidenten Jelzin nach
Wiedereinsetzung von Präsident Gorbatschow.

Bush und Gorbatschow treffen sich beim Wirtschaftsgipfel der G-7 in London. Die beiden Staatschefs
verkünden den Abschluß des START-Vertrages zur
Reduzierung der Interkontinentalraketen um etwa 30
Prozent, und sie sprechen über die wirtschaftliche
Lage in der Sowjetunion.

* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 34

�NATIONALISMUS
28. August 1991

DIE ZUKUNFT DES AMERIKANISCHEN
NATIONALISMUS
von Clyde Wilson
Clyde Wilson ist Professor für Geschichte an der University of South Carolina in Columbia. In seinem
nachstehenden Artikel, der zuerst im November 1990 in der Zeitschrift Chronicles erschien, definiert er
Nationalismus "als Vorstellung eines Volkes von sich selbst, seine mehr oder weniger bewußte öffentliche
Identität, in der sich seine Geschichte und Werte widerspiegeln. Dies ist die stillschweigende Grundlage seines
inneren Zusammenhalts und seiner mobilisierten Interaktion mit anderen Staaten. Dabei werden die aus der freundschaftlichen oder feindseligen - Interaktion mit anderen Völkern gewonnenen Erfahrungen rückwirken und
formativen Einfluß auf sein Identitätsgefühl zeitigen."
(c) 1990 by the Rockford Institute. Alle Rechte vorbehalten.

Um den Charakter des amerikanischen Nationalismus
und sein Verhältnis zum Nationalismus in anderen
Teilen der Welt zu verstehen, ist zunächst eine historische Perspektive sowie die Beschreibung des heutigen Bewußtseinsstands erforderlich. Eins steht fest:
Der amerikanische Nationalismus hatte in seinen erkennbaren Aspekten und verglichen mit nationalistischen Strömungen Europas stets etwas Doktrinäres
an sich und drückte sich eher in Gestalt eines Überzeugungssgeflechts aus. Dagegen bildeten in Europa die
Verwandtschaft durch Blut, Dynastie, Sprache, Geschichte, Religion und Territorium den Kern des Gefühls nationaler Identität. Das soll nicht unbedingt
heißen, daß der amerikanische Nationalismus immer
eines ethnischen oder religiösen Kerns entbehrt hätte
oder stets als universeller Begriff verstanden wurde,
der für die gesamte Menschheit gelten sollte.
Die 13 britischen Kolonien in Nordamerika, die sich
zusammenschlössen, um einen erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg zu führen und eine föderale Union mit
einer Verfassung zu gründen, waren ihrer Geschichte,
Wirtschaft und Kultur sowie ihren Interessen nach sehr
unterschiedlich. Gemeinsam war ihnen jedoch die
britisch-protestantische Herkunft, ein starkes Gefühl
vom Wert dieser ererbten Teile britischer, verfassungsmäßig garantierter Freiheit und Selbstregierung,
die für sie besonders nützlich und geeignet waren,
sowie die Erfahrung der Revolution und der Verfassungsgebung selbst.
AMERIKA DIENST 34

Was die amerikanischen Staaten in einer lockeren
politischen Einheit zusammenhielt, war nicht Nationalismus sondern eine verfassungsmäßige Abmachung,
die föderale republikanische Prinzipien beinhaltete.
Einer der stillschweigenden Aspekte dieser Vereinbarung war die Bewahrung einer bereits bestehenden
Identität. (Die Amerikaner geloben ihre Treue immer
noch der Verfassung, nicht der Nation oder irgendeiner
expliziten Reihe von Dogmen). Diese historische
Wahrheit wird heute wenig verstanden. Offiziell geht
man in Amerika vielmehr davon aus, daß die Unabhängigkeitserklärung der Beginn eines endlosen aktiven
Prozesses in Richtung auf eine immer egalitärere und
universellere Gesellschaft gewesen sei.
Vordem Bürgerkrieg (1861 -1865) gingen die Amerikaner bei der Durchsetzung ihrer Rechte und Ehre gegenüber anderen Staaten sowie beim Pochen auf die
Überlegenheit ihrer republikanischen verfassungsmäßigen Freiheiten gegenüber Willkürregierungen andernorts häufig ziemlich brutal vor.
Bis zum Bürgerkrieg war Nationalismus ein Gefühl mit
zahlreichen unterschiedlichen, allgemein anerkannten
Konnotationen. Er war kein instrumentales Konzept,
außer gelegentlich zur Selbstbehauptung gegen ausländische Einmischung. Er beinhaltete keine besonderen Imperative oder organisierten Missionen, außer
im Hinblick auf die offenen Weiten jenseits der Grenzen der Union, die zu künftigen Bundesstaaten werden
Seite 1

�konnten. Aber auch der Zug nach Westen war im
großen und ganzen eine Sache von Eigenitiative des
einzelnen und nicht nationaler Selbstbehauptung.
Es war die Feuerprobe des Bürgerkriegs, die zuerst
einen amerikanischen Nationalismus im engeren Sinne hervorbrachte. Für Generationen von Amerikanern, die zwei Weltkriege, ein weltweites Imperium und
enorme soziale Veränderungen erlebt haben, sind die
Erinnerung an den Bürgerkrieg und seine Bedeutung
verbla ßt. Trotzdem ist der Bürgerkrieg - im Hinblick auf
die Mobilisierung und die Opfer sowie mit Blick auf die
Folgen - immer noch das größte Ereignis in der amerikanischen Geschichte.
Die zentrale Frage des Bürgerkriegs, der sich alle
anderen Fragen einschließlich Sklaverei und Zentralisierung unterordneten, war die Hinwendung der amerikanischen Gesellschaft zur Modernisierung. Modernisierung bedeutet unter anderem Zentralisierung und
Nationalismus in Wirtschaft, Politik und Kultur.
Während des Bürgerkriegs wurde der amerikanische
Nationalismus mit Appellen an die Union als mystisches, unauflösliches Band, an die unbegrenzte Ausübung der Macht durch die Vertreter einer angenommenen nationalen Mehrheit, an Loyalitätseide und das
archetypische Bild von Uncle Sam zum Leben erweckt. Durch das Ergebnis wurden bestimmte Probleme für immer geregelt. Die ehemals pluralistischen
Vereinigten Staaten waren jetzt ein Nationalstaat mit
einer zentralisierten Wirtschaftspolitik unter der Leitung einer Bundesregierung, die nur durch die ihr
selbst eigenen verfassungsmäßigen Kontrollen eingeschränkt wurde. Darüber hinaus hatte der Verlauf des
Kriegs das Konzept der amerikanischen Staatsbürgerschaft zumindest immens erweitert, wenn nicht völlig
universell gestaltet. Entgegen weitverbreiteter Überzeugung war die Einwanderung neuer Völker in die
Vereinigten Staaten in den frühen Tagen der Republik
ein untergeordnetes Phänomen. (George Washingtons Familie lebte bereits in der fünften Generation in
Amerika.) Erst in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Einwanderung zum bedeutenden
Faktor. Zu den wichtigsten Komponenten des neuen
Nationalismus' wurden die irischen und deutschen
Einwanderer, die den Ausgang des Bürgerkriegs praktisch ermöglichten.
Zu jener Zeit weniger wichtig und ursprünglich nicht als
Konsequenz beabsichtigt, aber doch von großer Bedeutung für die Zukunft war die Emanzipierung und
Befreiung der afro-amerikanischen Bevölkerung, wobei
der erste Schritt eine militärische Maßnahme und der
zweite eine politische Notwendigkeit für die herrschende Partei war. Vor dem Krieg hätte kein ehrbarer
Politiker aus dem Norden gewagt, mehr vorzuschlagen als die Beschränkung der Sklaverei auf die Territorien, und ein möglicher langsamer Abbau dieser
Institution wäre höchstens für die Zukunft angedeutet
worden, ohne daß konkret gesagt worden wäre, wie

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dies vonstatten gehen solle oder welchen Status die
Freigelassenen erhalten sollten.
Doch in der nationalistischen Mythologie, die sich im
Kampf um die Union bildete, kam der moralische
Imperativ von Gleichheit und universeller Staatsbürgerschaft, wie er im 14. Verfassungszusatz verankert
ist, an Bedeutung gleich hinter der Union an zweiter
Stelle. Der Erfolg dieser neuen Mythologie wurde
anhand der Tatsache demonstriert, daß es zwar möglich
ist, nahezu alles an der amerikanischen Geschichte zu
kritisieren, es aber selbst aus begrenzten historischen
Gründen nahezu unmöglich ist, die Rechtschaffenheit
der Bewegung für die Emanzipierung und Gleichstellung der Freigelassenen zu kritisieren. Mit dem Kreuzzug für Gleichheit hatte der amerikanische Nationalismus nicht nur seine politischen und wirtschaftlchen
Ziele erreicht, sondern er hatte darüber hinaus in
überzeugender Form einen moralischen Imperativ
geschaffen.
Was jedoch dabei entstand, war eine eigenartige Form
universeller Demokratie. Regierung des Volkes durch
und für das Volk erstreckte sich von nun an in einer
neuen und einzigartig amerikanischen Art und Weise
auf alle Menschen. Dieses universelle Prinzip bestand
jedoch im täglichen Kontext einer amerikanischen
Gesellschaft, die nicht nur ihrer Zusammensetzung
sondern auch ihren Werten und Zielen nach immer
noch weitgehend von britischen Protestanten geprägt
war. Tatsächlich war ja gerade das Ziel von Freiheit
und Chancengleichheit für alle an sich ein Ausdruck
des Idealismus, der auf dem besonderen angelsächsischen Erbe beruhte.
In den fünfzig Jahren zwischen dem Sezessionskrieg
und dem Ersten Weltkrieg war der amerikanische
Nationalismus großen Belastungen ausgesetzt. Der
Regionalismus verschwand nicht. Der Süden schottete sich in vieler Hinsicht ab, und in den neuen Staaten
der Prärie und der Rocky Mountains kam es zu ziemlich radikalen Volksaufständen. Noch bedeutender
waren die Belastungen durch die Entstehung eines
modernen industriellen Nationalstaats, der zum Teil
Klassen, Orte, Berufe und Lebenstile ausradierte und
neue schuf. Diesen Belastungen war jede Gesellschaft auf dem Weg in die Modernität ausgesetzt, und
die Belastungen selbst können große Brüche hervorrufen. Aber in Amerika fand gleichzeitig mit diesen
ungeheuren Veränderungen eine weitere einmalige
Verschiebung statt: Ein immenser Einwanderungsschub neuer Völker aus dem Osten und Süden Europas, mit dem sich die ethnische und religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung in einem Ausmaß veränderte, wie es keine andere moderne Gesellschaft je
erlebt hatte.
Die Geschichte sucht immer neue Formen des Gleichgewichts. Aus dieser sozialen Feuerprobe entstand,
zögerlich und uneinheitlich, eine neue Form des
amerikanischen Nationalismus, die schließlich die

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�Oberhand gewann. Die endgültige Form war untrennbar mit der Ära des Fortschritts vom ausgehenden 19.
Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg verbunden. Das
Zeitalter des Fortschritts war keineswegs die klar
umrissene Reformbewegung, wie sie die Geschichtsbücher beschreibt - es war eine tiefgreifende Bewußtseinsveränderung, die Vervollständigung eines Stadiums der intellektuellen Modernisierung mit ungeheuren und oftmals ambivalenten und widersprüchlichen
Auswirkungen, mit denen die Amerikaner heute immer
noch leben und die von Historikern noch kaum angemessen beschrieben worden sind.
Die neue Zeit des Fortschritts, die in unterschiedlicher
Weise von Politikern wie den Präsidenten Theodore
Roosevelt und Woodrow Wilson und Schriftstellern
wie Herbert Croly und Walter Lippmann verkörpert
wird, hatte zwei Seiten. Äußerlich implizierte sie den
Aufstieg der Vereinigten Staaten zur Weltmacht ersten
Ranges, zusammen mit Großbritannien, Frankreich
und Deutschland. Es gab Unstimmmigkeiten über die
präzisen Auswirkungen und die einzuschlagende Politik, aber es wurde schnell klar, daß die traditionelle
Isolierung Amerikas einer Entschlossenheit zu aggressive Handeln auf der Weltbühne weichen würde.
Eines der offenkundigsten innenpolitischen Ergebnisse des Triumphs der nationalistischen Fortschrittsbewegung war eine Veränderung im Charakter der
amerikanischen Führungsspitze. Die alte Oberschicht,
die Politiker aus der Region gestellt hatte, wurde von
einer nationalen - sogar internationalen - Klasse von
Politikern, Publizisten, Experten, Intellektuellen und
Künstlern verdrängt, die in vieler Hinsicht zusammenarbeitete, im allgemeinen dieselben Ziele hatte und
sich selbst als die natürlichen Herren des Landes
betrachtete. Zum großen Teil war der neue Nationalismus kein Produkt der Basis, sondern eine Ideologie
der Herren.
Ein weiterer innenpolitischer Aspekt des neuen Nationalismus war der "Schmelztiegel". Der Schmelztiegel
war die amerikanische Antwort auf die ungeheuren
Veränderungen durch die neue Einwanderungswelle.
Er hatte viele Facetten und konnte seinen Charakter je
nach dem Blickwinkel verändern, aus dem man ihn
betrachtete. Er war vage genug, um sowohl dem
Amerikaner alten Schlages, der mit den über sein Land
hinwegfegenden Veränderungen unzufrieden war als
auch dem Einwanderer mit Zweifeln über seinen Platz
in der neuen Welt Trost zu spenden.
Dem Einwanderer eröffnete der Schmelztiegel die
Möglichkeiten der Assimilierung: eine Amerikanisierung, die Wohlstand und volle Beteiligung an der
Demokratie mit sich brachte. Für den alteingesessenen Amerikaner bot er die Möglichkeit, eine unbekannte Masse in eine Form zu gießen, die seinen Werten
entsprach. Es war etwas unklar, ob der Einwanderer

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mit der Zeit ein Angloamerikaner werden würde oder
alle zusammen etwas Neues bilden sollten. In dieser
Unbestimmtheit lag die Stärke.
Sie war mit dem Aspekt verbunden, daß der alteingessene Amerikaner dem Neuankömmling seine Kultur
als Bedingung für Akzeptanz auferlegt. Dies sollte
hauptsächlich auf die erprobte Weise geschehen, in
der die Bewohner Neuenglands die wilden Bewohner
des Südens und Westens zu zähmen pflegten - durch
Schulen, harte Arbeit, wirtschaftlichen Fortschritt,
moralische Ermahnungen und Appelle an einen Idealismus über die amerikanische Einzigartigkeit. Sie war
femer mit dem Aspekt verbunden, daß der Einwanderer selbst eigene Beiträge zu einer neu aufstrebenden
Kultur leistet. Diese Mehrdeutigkeiten wurden nie
geklärt. Die Macht des Schmelztiegels liegt nicht in
seiner Logik, sondern in seiner Fähigkeit, die Zustimmung unterschiedlicher Gruppen zu bündeln.
Der Prozeß zeitigte eine Reihe konkreter Ergebnisse.
Katholiken und Juden, erst tolerierte Kleingruppen,
wurden gleichberechtigte Partner der Protestanten
beim religiösen Engagement in Amerika. Die Anglikaner wurden von einer überwältigenden zu einer schwachen Mehrheit. Ein Erbe an unterschiedlichen Werten
komplizierte jedoch nach wie vor viele Bereiche amerikanischen Lebens und amerikanischer Politik - die
Form und Funktion von Kommunalregierungen, die
Rolle der öffentliche Schulen, das Verhältnis zwischen
Kirche und Staat, und - vielleicht am wichtigsten - die
Haltung des Landes gegenüber anderen Nationen, die
oftmals das Heimatland oder der traditionelle Feind
großer Wählergruppen waren.
Sowohl der alteingessene als auch der neue Amerikaner mußten sich, in dem Maße, in dem sie ihre eigene
Kultur und Religion bewahrten, mit dem Kompromiß,
der sie verband, etwas unbehaglich fühlen. Dennoch
bot Amerika im allgemeinen einen höheren Lebensstandard, bessere wirtschaftliche Möglichkeiten, große Ellbogenfreiheit und Freiheit vom Druck der Konformität, wie er durch Bedrohungen von außen entsteht.
Der aus dem Schmelztiegel entstandene Nationalismus war ein voller Erfolg, auf den Amerikaner zu Recht
stolz waren. In seinem besten Sinne bot er eine
taktvolle Überwindung von Problemen, wie sie keine
große Gesellschaft jemals hatte, und im allgemeinen
förderte er in bemerkenswerter Weise Toleranz und
Zusammenhalt. Der Erste Weltkrieg enthüllte einige,
aber nicht unüberwindliche Spannungen. Der Zweite
Weltkrieg konsolidierte den Erfolg der Amerikanisierung. Ein Regiment von Amerikanern japanischer
Abstammung verzeichnete große Kampferfolge, und
die Alliierten Truppen in Europa wurden von einem
Deutschamerikaner, Dwight Eisenhower, zum Sieg
geführt. Die Amerikaner waren sich praktisch alle
einig, erstens in ihrem Zögern, in den Krieg einzutreten
und dann in ihrer Entschlossenheit zum Sieg.

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�Darüber hinaus legte der Zweite Weltkrieg mit der
Ausdehnung der föderalen Macht und der Mobilisierung einer Front gegen den Faschismus die Basis für
eine weitere wichtige Bewegung - die Ausdehnung der
de facto bestehenden Gleichheit schwarzer Amerikaner, die vor einigen Generationen der Sklaverei entronnen waren.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg machte die
amerikanische Gesellschaft zum dritten Mal einen
gefährlichen Sprung in den Hexenkessel der Geschichte und kondensierte den bestehenden Konsens zur
optimistischen Aussicht, sich eine neuere und gewagtere Form zu geben. In den sechziger Jahren fand
gleichzeitig die Bürgerrechtsrevolution und eine radikale Änderung der Einwanderungsgesetze statt. Es
war als ob der Schmelztiegel, der seine Fähigkeit unter
Beweis gestellt hatte, ganz Europa zu verschmelzen,
nun seine Fähigkeit erproben sollte, das gleiche mit der
ganzen Welt zu tun. Dies erschien als ein so natürlicher und unvermeidbarer nächster Schritt im erfolgreichen Verlauf der amerikanischen Demokratie, daß er
kaum beachtet wurde. Der nahezu uneingeschränkte
Erfolg der Ideale des Schmelztiegels wird durch die
Tatsache belegt, daß die Amerikaner ohne offenkundige Einwände das hundertjährige Jubiläum der Freiheitsstatue nicht als Monument der Freiheit sondern
als Symbol der ethnischen Vielfalt feierten.
Der Versuch, eine dritte Form des amerikanischen
Nationalismus zu schaffen, hatte darüber hinaus auch
einen außen- und innenpolitischen Aspekt. Von einem Akteur auf der Weltbühne wurden die Vereinigten
Staaten gezwungenermaßen zum Führer der Welt. Ihr
Wohlstand, ihre Sicherheit und das Fehlen größerer
Belastungen im Inland, ihre Toleranz und ihr Vertrauen, daß die Gegenwart immer besser als die Vergangenheit ist und die Zukunft stets besser als die Gegenwart sein wird, hatten Vorbildcharakter für die Welt zumindest in den Köpfen ihrer politisch Verantwortlichen.
Zum ersten Mal begann die amerikanische Führungsklasse - die Politiker und Intellektuellen, die Erben des
Glaubens der Ära des Fortschritts an Elite und Herrschaft von Fachwissen, an Technik, Optimismus und
Fortschritt - Amerikas Erfolg als Mittel zum Zweck zu
sehen. Die erfolgreiche Mobilisierung gegen den
Totalitarismus der Rechten, in dem sie - vielleicht
fälschlicherweise - vielmehr einen Dämon der Vergangenheit als ein Omen der Zukunft sahen, stellte für sie
die Notwendigkeit und Möglichkeit weltweiter Demokratie nach amerikanischem Vorbild unter Beweis einer nach amerikanischem Lebensstandard, Gepflogenheiten der Mittelklasse und technologischem Fachwissen entworfenen Demokratie.
Im Inland ist die amerikanische Gesellschaft jetzt mit
dem Experiment befaßt, die Grenzen auszuloten,
innerhalb derer ein schlüssiger Nationalismus in einem
demokratischen System durch die gemeinsame DokSeite 4

trin von Gleichheit und Wohlstand ohne irgendeinen
bindenden kulturellen, ethnischen, religiösen oder
ethischen Zusammnhalt aufrechterhalten werden kann.
Die Strategie der Führungsrolle bei diesem Problem ist
Optimismus.
Die Geschichte Amerikas war stets davon geleitet,
eine realistische Grundlage für Optimismus zu schaffen. Bisher hat es immer Neinsager und Propheten
des Untergangs gegeben, und Amerika hat sie stets
ignoriert und eines Besseren belehrt. Es steht außer
Frage, daß die amerikanische Gesellschaft bereits die
Grenzen aller bisherigen Erfahrungen bei der Schaffung nationaler Einheit aus der Vielfalt heraus erprobt
und überschritten hat. Optimismus, die Erwartung des
Besten, sind an sich schon die Ursachen des Erfolgs
- glauben die Amerikaner - während Pessimusmus
zweifelsohne das vorfindet, was er erwartet.
Die Essenz der Staatskunst besteht jedoch darin, die
Gefahren der Zukunft zu erkennen und sich darauf
vorzubereiten. Es ist vielleicht nicht zu pessimistisch
anzumerken, daß die endgültige Antwort zum jüngsten
und noch andauernden Experiment, die Grenzen des
nationalen Zusammenhalts zu erproben, noch nicht
vorliegt. Weite Teile der amerikanischen Gesellschaft
erhielten und ehalten zunehmend hispanischen und
asiatischen Charakter. Niemand kennt die langfristigen Konsequenzen dieser Entwicklung. In gewisser
Weise wirkt dies nicht nur der traditionellen westlichen
Kultur und Religion entgegen sondern auch liberalen
Tendenzen wie die Trennung von Kirche und Staat
sowie Feminismus. Viele der neuen Einwanderer
haben Wertesysteme, die nicht völlig mit dem herkömmlichen und zukünftigen Funktionieren der amerikanischen Gesellschaft in Einklang zu bringen sind.
Zahlreiche Beobachter, einschließlich der neuen Einwanderer selbst, stellen das Ideal des Schmelztiegels
in Frage. Einige betrachten es als unerträgliche Unterdrückung, Spanisch für Englisch oder ihre traditionelle
männliche Überlegenheit für amerikanische Normen
größerer Gleichberechtigung aufzugeben. Gleichheit
zwischen Gruppen läßt sich nicht zwangsläufig in
Freiheit unter Einzelpersonen umsetzen. Und was für
bestimmte Gruppen gut ist, wird zunehmend ersetzt
durch das, was für die Gesellschaft als Ganzes gut ist,
selbst über das Maß hinaus, in dem es das Ideal der
Demokratie als auf Konsens beruhendem Kompromiß
zwischen verschiedenen Gruppen gestatten würde.
Das Streben nach Amerikanisierung wurde ersetzt
durch das Streben nach Status in einer Hierarchie der
"Opfer".
Ein Pessimist würde auf den zunehmenden Schwund
der Werte und Institutionen verweisen, die bisher
Einheit und Vielfalt boten. Die dezimierten öffentlichen
Schulen bieten keine gemeinsamen Normen von Kultur und Werten mehr, ganz zu schweigen von einem
gemeinsamen Leistungsstandard bei der Bildung. Bisher
waren die Amerikaner durch die Verfassung geeint -

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�die im großen und ganzen als negativer Druck auf die
Regierung gesehen wurde. Heute bedeutet die Verfassung jedoch das, was die mächtigsten und geschicktesten politischen Kräfte ihr an Bedeutung beimessen.
Aufgrund eines kuriosen Paradoxons sind es die unterprivilegierten Gruppen, die sich nach wie vor einem
bedingungslosen amerikanischen Nationalismus verschrieben haben - das heißt, einer echten Liebe zum
Land, die über die Frage hinausgeht, "Was bietet es
mir?" Amerikaner aus dem Mittelwesten und den
Südstaaten, die offiziell weniger anerkannten und privilegierten ethnischen Gruppen haben höchst bereitwillig auf die Formulierung des amerikanischen Nationalismus im Hinblick auf Stolz und Möglichkeiten reagiert.
Eine gemeinsame Kultur hat in der Vergangenheit eine
Grundlage für Einheit unter ansonsten verschiedenartigen Menschen geschaffen. Die dauerhaftesten und
wertvollsten Kulturformen sind jedoch - zumindest in
ihrem formativen Stadium - ein Produkt von Homogenität und Stabilität. Die Amerikanisierung tendiert
dahin, sowohl die Hoch- als auch die Volkskultur zu
verwässern. Was an Vielfalt gewonnen wurde, ging
als Mittelpunkt verloren. Wie der französische Sozialwissenschaftler des 19. Jahrhunderts, de Tocqueville,
und andere Beobachter frühzeitig feststellten, geht die
Schubkraft der amerikanischen Demokratie zur Standardisierung - einer Standardisierung, die sich auf

einer recht bequemen Ebene vollziehen kann, die
jedoch dahin tendiert, die höheren Manifestationen der
Kultur abzuwerten.
Amerikaner bauen herrliche Paläste, in denen in anderen Jahrhunderten und anderen Kontinenten geschaffene Kunstwerke ausgestellt werden. Ihre Kultur ist
abgeleitet und von oben kommend, nicht von der Basis
her entwickelt, und sie verbindet daher nur begrenzt.
Ohne Autoren aus den Südstaaten und jüdischer
Herkunft - die nur unzulänglich amerikanisiert sind gäbe es Ende des 20. Jahrhunderts praktisch keine
amerikanische Literatur von Weltruf. Die beiden ursprünglichsten Formen amerikanischer Volkskultur schwarze Musik aus den Südstaaten (die unterschiedlichen Formen des Jazz) und die weiße Musik aus den
Südstaaten ("Country-music") - werden durch die
Standardisierung verwässert, während sie gleichzeitig
auf der ganzen Welt als bewundernswert und einzigartig amerikanisch geschätzt werden.
Für viele erscheint der Verlust eines gewissen kulturellen Zusammenhalts als geringer Preis für tolerante
Vielfalt, hohen Lebensstandard und demokratisches
Denken. Kultur ist jedoch nicht nur wertvoll an sich
sondern ein unabdingbares Bindeglied, das ein Volk
selbst in Zeiten der Rückschläge und Unterdrückung
zusammenhalten kann. Es könnte sich sogar auf
lange Sicht erweisen, daß eine gemeinsame Kultur zur
wirtschaftlichen Notwendigkeit wird.

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