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SOWJETUNION

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BUSH FORDERT DIE WIEDEREINSETZUNG
DES SOWJETISCHEN PRÄSIDENTEN
Erklärung des Präsidenten

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DER STAATSSTREICH
IN DER SOWJETUNION
Die Berichterstattung in Amerika

CHEMISCHE WAFFEN

USA FORDERN ENDE DER HINHALTETAKTIK
BEI C-WAFFENVERTRAG
Erklärung von Botschafter
Ledogar in Genf

AMERIKAS ZUKUNFT

EINE ZEIT DER ERNEUERUNG
Von Richard Rosecrance

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�SOWJETUNION
21. August 1991

BUSH FORDERT WIEDEREINSETZUNG
DES SOWJETISCHEN PRÄSIDENTEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat seine tiefe Besorgnis über die Ereignisse in der Sowjetunion zum
Ausdruck gebracht und erklärt, er unterstütze die Forderung des russischen Präsidenten Jelzin "nach
Wiedereinsetzung der rechtmäßig gewählten Machtorgane und Bestätigung des Präsidenten der UdSSR,
Michail Gorbatschow, im Amt".
In einer am 19. August 1991 vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung konstatierte Bush: "Unserer Meinung
nach muß die Reformpolitik in der Sowjetunion fortgeführt werden, darunter die Demokratisierung, der Prozeß
der friedlichen Aussöhnung zwischen der Führung und den Republiken sowie die Neuordnung der Wirtschaft."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Die Ereignisse der letzten Stunden in der Sowjetunion
haben uns tief beunruhigt, und wir verurteilen den
verfassungswidrigen Rückgriff auf Gewalt. Obwohl
die Lage noch im Fluß ist und die Informationen
unzureichend sind, werfen die Ausrufung des Notstandes sowie die Stationierung sowjetischer Streitkräfte in
Moskau und anderen Städten sehr ernste Fragen über
den künftigen Kurs der Sowjetunion auf. Mit diesen
fehlgeleiteten und nicht berechtigten Bestrebungen
wird das Gesetz in der Sowjetunion umgangen und der
Wille des sowjetischen Volkes mißachtet.
In diesem Sinne unterstützen wir Präsident Jelzins
Forderung nach Wiedereinsetzung der rechtmäßig
gewählten Machtorgane und Bestätigung des Präsidenten der UdSSR, Michail Gorbatschow, im Amt.
Grö ßere Demokratie und Offenheit in der sowjetischen
Gesellschaft, darunter Schritte zur Verwirklichung der
sowjetischen Verpflichtungen gemäß der Schlußakte
von Helsinki unchJer Charta von Paris haben in den
vergangenen Jahren einen entscheidenden Beitrag
zur begrüßenswerten Verbesserung der Ost-WestBeziehungen geleistet.
Angesichts dieser Umstände wird sich die Politik der
Vereinigten Staaten von folgenden Grundsätzen leiten
lassen:

AMERIKA DIENST 33

Wir glauben, daß die Reformpolitik in der Sowjetunion
fortgeführt werden muß, darunter die Demokratisierung, der Prozeß der friedlichen Aussöhnung zwischen der Führung und den Republiken sowie die
Neuordnung der Wirtschaft.
Wir unterstützen alle verfassungsmäßig gewählten
Amtsträger und erheben Einspruch gegen den Einsatz
von Gewalt oder Einschüchterung, um diese zu unterdrücken oder ihr Recht auf freie Meinungsäußerung zu
beschneiden.
Wir erheben Einspruch gegen den Einsatz von Gewalt
im Baltikum oder gegen andere Republiken, um demokratisch gewählte Regierungen zu unterdrücken oder
abzulösen.
Wir fordern die Sowjetunion auf, ihre internationalen
Verträge und Verpflichtungen einzuhalten, einschließlich ihrer Verpflichtungen zur Wahrung der Menschenrechte und demokratischer Verfahrensweisen nach
der Schlußakte von Helsinki und der Pariser Charta.
Wir werden auf jede nur mögliche Art und Weise
Aktionen vermeiden, die diesen Umsturz rechtmäßig
erscheinen lassen, und wir werden ihn auch nicht
unterstützen.

Seite 1

�Wir haben kein Interesse an einem neuen kalten Krieg Gleichzeitig werden wir keine Wirtschaftshilfe mehr
oder an der Verschärfung der Spannungen zwischen leisten, wenn weiterhin verfassungswidrige Mittel eingesetzt werden.
Ost und West.

*

Seite 2

*

* *

AMERIKA DIENST 33

�SOWJETUNION
21. August 1991

DER STAATSSTREICH IN DER SOWJETUNION
Die Berichterstattung in Amerika
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe von amerikanischen Zeitungen widmete ihre Leitartikel der Entmachtung
Michail Gorbatschows von seinem Amt als Präsident der Sowjetunion. Nachfolgend veröffentlichen wir daraus
einige Auszüge.

Washington Post
Der Staatsstreich in Moskau ist ein schrecklicher und
verabscheuungswürdiger Rückfall in den Stalinismus
durch eine Clique, die in ihrem Bestreben nach Rechtfertigung ihres Tuns nicht die geringste Chance hat,
die von ihr zitierten Übel "Chaos und Anarchie" zu
bekämpfen. Im Gegenteil verfügen die acht in Moskau
- obwohl sie angeblich die traditionellen Polizeielemente der Autorität kontrollieren - über keine anderen
Rechte und Mittel als massive Unterdrückung, um die
von Michail Gorbatschow freigesetzten Elemente der
Demokratie und Reform nach ihrem Willen umzugestalten. Es würde der Bilanz von sechs Jahren unter
Gorbatschow Hohn spotten, wenn die Menschen in der
Sowjetunion den Staatsstreich einfach hinnehmen
würden. In den Straßen von Moskau rollen die Panzer,
und dieses Mal lautet die wahrscheinliche Prognose
mehr "Chaos und Anarchie" in Form öffentlichen
Widerstands. Der Staatstreich ist noch nicht beendet.
New York Times

Jeder wußte, daß der sowjetische Präsident einen
DrahtseilaM vollführte. Und es wurde vor einem Staatsstreich, wie es Gorbatschows alter Verbündeter, Alexander Jakowlew, tat, gewarnt. Trotzdem hatten die
Amerikaner, nachdem sie jahrzehntelang an der Schwelle einer nuklearen Konfrontation standen, bereits
begonnen, den Kräften des Wandels zu vertrauen, die
Gorbatschow freigesetzt hatte.
Jetzt plötzlich gefährdet die rücksichtslose Übernahme durch Mitglieder einer in Verruf gerateten alten
Kommunistengarde die Wogen des Fortschritts. Sie
können noch stürzen, wenn die sowjetische Öffentlichkeit sie wegfegt und den Weg zu politischen und
AMERIKA DIENST 33

wirtschaftlichen Reformen wieder beschreitet. Aber
auch wenn der Staatsstreich andauert, verfügen die
Verschwörer nicht über die Berechtigung und die Vision, die für einen Erfolg nötig sind.
Baltimore Sun
Präsident Bush hat zu Recht die Hoffnung bekundet,
das sowjetische Volk solle diesem illegalen militärischen Staatsstreich ein Ende bereiten und zu der
freieren Ausdrucksweise und wirtschaftlichen Liberalisierung der Ära Gorbatschow zurückkehren. Sein
nationaler Sicherheitsberater Brent Scowcroft hat jedoch
ebenso deutlich gemacht, daß innenpolitische Ereignisse in der Sowjetunion außerhalb amerikanischer
Kontrolle liegen. Mahnungen und Druck durch ausländische Staaten können nur am Rande geltend gemacht werden.
Nur einen Augenblick schien die Chance zu bestehen,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bei
der Gestaltung der neuen Weltordnung Verbündete
und nicht Gegner sein könnten. Heute ist es Amerikas
vornehmste Aufgabe, diese Aussicht für den sicheren
Tag aufrechtzuerhalten, an dem das sowjetische Volk
das strahlende Licht der Freiheit wiedergewinnt, das
es nur kurze Zeit gekannt hat.
Washington Times
Wenn die Ereignisse in Moskau und Michail Gorbatschows Hausarrest auf der Krim Präsident Bush und
seinen Beratern überhaupt etwas sagen, dann dies,
daß die Zeit des business as usual mit der Sowjetunion
enden muß. Das Regime auf dem Roten Platz könnte
eine größere Bedrohung der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten darstellen als jemals zuvor, und

Seite 1

�eine der ersten Maßnahmen, die Präsident Bush zu
deren Verringerung ergreifen kann, ist die Einstellung
jeglicher finanzieller und wirtschaftlicher Hilfe für die
neuen Machthaber.
... Selbst unter Gorbatschow entwickelte die Sowjetunion die Maschinerie zur Neuausrüstung ihres militärisch-industriellen Komplexes mit Geld und Technologie des Westens. Jetzt, da die kommunistischen
Hardliner Gorbatschow abgesetzt haben - wobei niemand wirklich weiß, mit welchem Ziel - muß Bush alle
Hilfe, die er dem Osten zu gewähren bereit war,
einstellen und die amerikanischen Verbündeten in
Europa drängen, dasselbe zu tun.
USA Today
Wird die sowjetische Umwälzung auf die mitgenommene US-Wirtschaft durchschlagen?
Der Rückgang des Aktienindexes um 70 Punkte am
Montag war vorhersehbar. Die Getreidepreise erlitten
mit der Aussetzung von 1,5 Milliarden Dollar an Kreditbürgschaften für die Sowjetunion drastische Einbußen. Diese Reaktionen werden wahrscheinlich nur
vorübergehenden Charakter haben.
Eine legitimere Sorge gilt dem Druck auf unsere
Bemühungen zur Verringerung des Defizits im Bundeshaushalt, falls es zu einem neuen Wettrüsten kommt.
Die "Friedensdividende" einer 20prozentigen Reduzierung der amerikanischen Streitkräfte bis 1995 würde
zunichte gemacht.
Wall Street Journal
Das sowjetische Volk wurde von den Ereignissen nicht
überrascht. Seit Monaten erwartete man einen Staatsstreich der Kommunistischen Partei. Die Händler des
Arbat verkauften ihre Matrioschka-Puppen der Diktator-Serie mit einer Nach-Gorbatschow-Figur - einem
Militärdiktator mit einem Fragezeichen als Gesicht, der
Gorbatschows Kopf in Händen hält. Die Frage wurde
beantwortet. Das Land befindet sich heute in den
Händen des KGB und der sowjetischen Armee - der
Männer, die die Gewehre kontrollieren.
Was sich als nächstes aus der sowjetischen Feuerprobe ergeben wird, ist schwer vorherzusagen. Aber
selbst wenn sich Boris Jelzin in diesem Trümmerhaufen behaupten könnte oder Gorbatschow auf wunder*

Seite 2

same Weise zurückkehren würde, sollten die westlichen Staats- und Regierungschefs eine ernüchternde
Lektion gelernt haben: die freien Menschen des Westens
können sich nicht auf die guten Absichten derjenigen
verlassen, die das sowjetische System regieren, das
so byzantinisch wie eh und je ist.
Los Angeles Times
Mit beschwichtigenden, wenn auch nicht überzeugenden Worten suggeriert die neue Führung, daß sie die
besten Elemente von Gorbatschows Perestrojka
bewahren will. Obwohl der entmachtete Staatschef
viel von seiner früheren Popularität verloren hatte,
mißt man zahlreichen seiner Reformen noch immer
hohen Wert bei. Der Gedanke, daß die reaktionären
Kräfte, die die Macht erobert haben, beabsichtigen, die
marktorientierten Reformen und die Liberalisierung
des politischen Lebens fortzusetzen, scheint völlig
absurd. Ihr Betriebskapital sind Ordnung, Disziplin,
Kontrollen. Ihre Sicht einer soliden Regierung - wir
befehlen, ihr gehorcht - ist absolut nicht mit dem
Konzept der freien Wahl und der Meinungsfreiheit in
Einklang zu bringen.
Philadelphia Inquirer
Wir hatten uns an den Mann gewöhnt. Aber noch mehr
hatten wir uns an die neue, berechenbarere, weniger
bedrohliche Welt gewöhnt, die durch die Außenpolitik
von Präsident Gorbatschow eingeläutet worden war.
Die Vereinigten Staaten müssen alles in ihrer Macht
Stehende tun, um sicherzustellen, daß diese Ära nicht
beendet wird.
So schlecht die Dinge liegen, ist das Spiel noch lange
nicht beendet. Über fünf Jahre von Glasnost und
Perstrojka haben die Sowjetunion tiefgreifend verändert. Diese Ära derteilweisen Demokratie, mitgewählten Institutionen und einer zunehmend freien Presse
haben die Angst des Volkes vor Unterdrückung gemindert und ihm das Gefühl vermittelt, daß es in seinem
Leben ein gewisses Sagen haben sollte.
Präsident Bush hat gestern erklärt, man habe die
Meinung des sowjetischen Volkes zu dem Coup noch
nicht gehört. Das trifft zu. Aber auch Bush hat eine
Rolle zu spielen. Er muß sicherstellen, daß das
sowjetische Volk von den Vereinigten Staaten hört und weiß, daß sie auf seiner Seite sind.

* * *

*

AMERIKA DIENST 33

�CHEMISCHE

WAFFEN
21. August 1991

USA FORDERN ENDE DER HIN HALTETAKTIK
BEI C-WAFFENVERTRAG
Erklärung von Botschafter Ledogar in Genf
GENF - (AD) - In einer Erklärung bei der Genfer Abrüstungskonferenz (CD) hat Botschafter Stephen Ledogar
am 15. August 1991 die Enttäuschung der Vereinigten Staaten darüber zum Ausdruck gebracht, "daß eine kleine
Zahl von Delegationen die Einigung über ein Arbeitsprogramm blockiert, das den Ausschuß für chemische
Waffen bis Januar nächsten Jahres leiten soll". Die amerikanische Regierung finde dies angesichts der Chance,
diese Verhandlungen abzuschließen und nächstes Jahr eine Konvention zu verabschieden, schwer verständlich.
Ledogar zufolge sollte die Arbeit zur Fertigstellung einer Konvention über chemische Waffen bis 1992 "zum
gegenwärtigen Zeitpunkt zentrales Ziel unserer Konferenz" sein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafter Ledogar im Wortlaut.

Ich möchte ein amerikanisches Papier vorstellen, das
sich mit der im vergangenen Jahr durchgeführten
nationalen Versuchsinspektion einer Produktionseinrichtung der amerikanischen Chemieindustrie beschäftigt. Diese Inspektion ist eine von mehreren derartigen
Übungen, die von der amerikanischen Regierung bei
privaten und staatlichen Einrichtungen durchgeführt
werden. Anstatt zum jetzigen Zeitpunkt auf Einzelheiten der bei diesem produktiven Unternehmen gewonnenen Erfahrungen einzugehen, möchte ich lediglich
feststellen, daß dieses Papier dem Sekretariat zur
Weitergabe als offizielles Konferenzdokument übergeben wurde. Es sollte Ihnen in Kürze zur Verfügung
stehen.

allen Umständen. In Artikel 2 besteht jetzt kein Zweifel
mehr über die Verpflichtung, die Zerstörung der chemischen Waffen binnen 10 Jahren nach Inkrafttreten der
Konvention abzuschließen. Eine Einigung scheint in
greifbare Nähe gerückt, daß Artikel 10 und 11 in
Anhang 1 des zur Debatte stehenden Textes eingearbeitet werden, und wir sollten in der Lage sein, dasselbe mit einem verbesserten Artikel 6 zu tun. Wir
befinden uns heute inmitten ernsthafter Erörterungen
von Verdachtsinspektionen, vielleicht das dornigste
Problem in unserer Konvention. Wir sind ferner der
Ansicht, daß Fortschritte in einer Reihe anderer Bereiche wie etwa Gerichtsbarkeit und Kontrolle ihren Niederschlag in dem vorläufigen Text finden werden.

Das dritte und vierte Element meiner heutigen Ausführungen behandelt chemische Waffen und den Prozeß
zur Erstellung eines Berichts, mit dem sich die CD zur
Zeit beschäftigt. Obwohl das letztere Thema im Hinblick auf den Zeitdruck, dem wir ausgesetzt sind,
dringlicheren Charakter hat, möchte ich mich zunächst
auf das zum gegenwärtigen Zeitpunkt wesentlich wichtigere und zentrale Ziel unserer Konferenz konzentrieren: den Abschlu ß der Arbeit an einer Konvention über
chemische Waffen bis 1992.

Im Hinblick auf unser Ziel mache ich Sie darauf aufmerksam, daß wir heute die gezielte Entscheidung
treffen müssen, für den Rest des Jahres 1991 unsere
Energien stärker auf die wichtigsten Probleme zu
konzentrieren. Meines Erachtens bestehen im jetzigen Stadium vier solche Fragen: Verdachtsinspektionen, Verifizierung in der chemischen Industrie, Zusammensetzung und Entscheidungsfindungsprozeß
des Exekutivrats sowie Allgemeingültigkeit. Ich werde
nun zu jedem dieser Probleme Stellung nehmen.

Seit Präsident Bush am 13. Mai 1991 seine C-Waffeninitiative verkündete, hat der Ad-hoc-Ausschuß zu CWaffen bedeutende Fortschritte erzielt. Artikel 1 des
Konventionsentwurfs untersagt jetzt ausdrücklich den
Einsatz chemischer Waffen gegen jeden und unter

Zu den Verdachtsinspektionen haben die Vereinigten
Staaten, Großbritannien, Japan und Australien wie Sie
wissen im vergangenen Monat einen neuen Ansatz
vorgelegt, der die Konferenz zumindest der Lösung
dieses Schlüsselproblems näherbringen soll. Die vier

AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�Delegationen haben versucht, das richtige Gleichgewicht zwischen dem für effektive Verifizierung erforderlichen Zugang und der Notwendigkeit zu finden,
sicherheitsempfindliche Aktivitäten zu schützen, die
nicht mit chemischen Waffen in Verbindung stehen
und potentiellen Mißbrauch der Bestimmungen über
Verdachtsinspektionen zu vermeiden.
Das von uns vorgeschlagene Regime schafft einen
Ausgleich aller Sicherheitsinteressen der beteiligten
Staaten. Es wird die Aussichten für eine allgemeine
Einhaltung verbessern und nach seinem Inkrafttreten
der internationalen Inspektionsbehörde die Fähigkeit
verleihen, die Fakten aufzudecken. Es wird mögliche
Vertragsverletzer abschrecken und gleichzeitig den
beteiligten Staaten vernünftigen Schutz ihrer legitimen
Aktivitäten gewähren.
Kein Text ist vollkommen. Wir haben die im Ad-hocAusschuß geäußerten Ansichten zu diesem Vorschlag
aufmerksam zur Kenntnis genommen. Wir fühlen uns
von der für das Konzept abgestuften, kontrollierten
Zugangs zu verdächtigen Standorten in den bisherigen Diskussionen gezeigten allgemeinen Unterstützungermutigt. Wirsind uns derTatsache bewußt, daß
einige Delegationen mehr obligatorischen Zugang und
andere wiederum stärkere Mechanismen zum Schutz
sicherheitsempfindlicher Standorte bevorzugen würden. Wir freuen uns ferner darüber, daß unser Vorschlag eine nützliche konzeptionelle Diskussion über
die Rolle des Exekutivrats zur Folge hatte. Es bleibt
noch manches Problem zu lösen, aber wir sind zuversichtlich, daß wir einen Konsens über diese entscheidende Frage erzielen können.
Im Hinblick auf die Überwachung der chemischen
Industrie war der Vorschlag der acht blockfreien Delegationen ein wichtiger Fortschritt. Er erhält wesentliche Merkmale des gegenwärtig in Artikel 6 des vorläufigen Texts ausgeführten Regimes, schließt aber ein
wichtiges Schlupfloch, daß vielen betroffenen Produktionsstätten gestattet hätte, sich der Inspektion zu entziehen. Infolge des Vorschlags der acht Delegationen
steht der Ad-hoc-Ausschuß nahezu vor einem Konsens, um die Bestimmungen zur Überwachung in
Artikel 6 auf alle Einrichtungen zur Herstellung von CWaffen auszudehnen. Wir müssen weiterhin daran
arbeiten, um die Industrie einzugrenzen und solche
Firmen auszuschließen, die kein Risiko darstellen, und
wir müssen das Inspektionsregime ausarbeiten. Unserer
Ansicht nach sollte sich die allgemeine Unterstützung
für die Abdeckung dieser Einrichtungen in Anhang 1
des vorläufigen Texts widerspiegeln.
Über den Auswahlprozeß für zu inspizierende Produktionsstätten sind viele Gespräche geführt worden. Wir
stehen nicht allein mit unserer Meinung, daß der
Auswahlprozeß Sicherheitsinteressen widerspiegeln
muß. Angesichts der vielen tausend Produktionsstätten müssen die einzelnen Länder die Aufgabe übernehmen, Einrichtungen für die Inspektion zu bestimmen. Dieser Ansatz ist keine verschleierte VerdachtsSeite 2

inspektion. Diese Inspektionen sind Routine und werden
genauso durchgeführt werden. Wir sind uns der
Sorgen um den Mißbrauch bei nationaler Auswahl
bewußt und glauben, daß Sicherheitsmaßnahmen
eingearbeitet werden müssen, zum Beispiel vereinbarte Beschränkungen der jährlichen Zahl von Inspektionen in einem bestimmten Land. Wir sind in diesem
Zusammenhang dankbar für die Arbeit, die der Vorsitzende der Gruppe B zu dieser Frage leistet und werden
den von ihm vorgeschlagenen Ansatz eingehend prüfen.
Vielfach herrscht die Meinung vor, daß die Zusammensetzung und die Entscheidungsbefugnis des
Exekutivrats nur am Ende dieser Verhandlungen vereinbart werden können. Im Gegensatz dazu glauben
wir, daß sich im Ausschuß ein breiter Konsens entwickelt und Einigung über die Struktur und Vorgehensweise dieses wichtigen Exekutivauschusses uns helfen wird, andere substantiellere Fragen zu lösen. Unserer
Ansicht nach gibt es breite Zustimmung für einen
Exekutivrat mit etwa 20 bis 25 Mitgliedern.
Die Auswahl würde auf der Basis einer Kombination
von geographischen und industriellen Kriterien erfolgen. Die Entscheidungsfindung über substantielle
Fragen würde durch eine qualifizierte Mehrheit erfolgen. Mehrere Delegationen haben bereits ihre Meinung zum Exekutivrat geäußert, und wir hoffen, daß
die Arbeitsgruppe C dies sofort aufgreifen kann.
Der vierte wichtige Punkt, den ich ansprechen möchte,
ist Allgemeingültigkeit. Wie kann die Konferenz die
Konvention beeinflussen und alle Länder zum Beitritt
ermutigen? Ich möchte meine Übereinstimmung mit
einem argentinischen Kollegen, Botschafter Garcia
Moritan bekunden, der vergangene Woche erklärt hat,
eine C-Waffenkonvention sei primär eine Sicherheitsvereinbarung.
Andere Delegationen haben auf die Notwendigkeit
hingewiesen, daß die Konvention Beschränkungen
und abschreckende Maßnahmen für diejenigen Länder beinhalten muß, die sich nach einem angemessenen Zeitraum entscheiden, dem Abkommen nicht
beizutreten. Dem stimmen wir uneingeschränkt zu.
Wir haben vorgeschlagen, daß Vereinbarungen über
den Handel mit chemischen Stoffen für C-Waffen nach
einem angemessenen Zeitraum NichtUnterzeichner
ausschließen sollte. Unser Vorschlag wird verlangen,
daß die Parteien den Handel mit Material für C-Waffen
mit allen Ländern ablehnen, die nicht innerhalb eines
angemessenen Zeitraums Mitglieder der C-Waffenkonvention werden. Diese Bestimmmungen betreffen
direkt den eigentlichen Zweck der Konvention und die
Sicherheit künftiger Mitglieder. WirwerdenSieum Ihre
Zustimmung zu diesen Prinzipien bitten.
Ich möchte heute noch ein weiteres Problem ansprechen, nämlich die seit langem anstehende Frage "alter" oder "stillgelegter" chemischer Waffen. Dieses
Problem ist jetzt kein wichtiges Hindernis für den
AMERIKA DIENST 33

�Abschluß der Konvention. Wenn es jetzt gelöst werden kann, muß es auch keins werden. Dennoch
müssen wir es jetzt in den Griff bekommen.

problem erwähnt, das politische Aufmerksamkeit verlangt und letztlich Bestandteil eines möglichen Pakets
sein könnte.

Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß diese Frage
eine Reihe unterschiedlicher Probleme widerspiegelt,
die alle politisch heikel sind. Zum Beispiel sind Befürchtungen über negative Reaktionen der Öffentlichkeit zu der Bezeichnung "chemische Waffen" laut
geworden. Die Bezeichnung "chemische Waffen" hat
starke emotionale und politische Implikationen und
gibt in der Öffentlichkeit Anlaß zu Mißverständnissen.
Aus diesem Grund vertreten wir die Auffassung, man
sollte die Möglichkeit eines differenzierten Ansatzes
bei den erforderlichen Erklärungen erforschen. Damit
würde gewährleistet, daß die unterschiedlichen Situationen nicht pauschal unter der einzigen Bezeichnung
"chemische Waffen" zusammengefaßt werden.

Anfang dieses Sommers haben die Vereinigten Staaten beachtliche Fortschritte bei vielen dieser Schlüsselprobleme erzielt, insbesondere den Fragen nach
dem Recht auf Vergeltung und unserem 2 ProzentVorschlag, um Allgemeingültigkeit zu erzielen sowie
den Artikeln 10 und 11. Darüber hinaus haben wir Bestimmungen zu Ad-hoc-lnspektionen eingeführt und
sind bereit, mit dem Exekutivrat die Frage der Kosten
zu erörtern.

Eine weitere Befürchtung betrifft die Verantwortung für
die Zerstörung, wenn chemische Waffen eines Landes
auf dem Territorium eines anderen Landes gefunden
werden. Es wäre am besten, wenn solche Angelegenheiten zwischen den betroffenen Ländern gelöst werden könnten. Jedenfalls können wir uns kein Schlupfloch leisten und einem Staat die Beibehaltung chemischer Waffen auf seinem Territorium gestatten, sondern sie müssen vom Eignerstaat beseitigt und zerstört werden.
Leider hat ein Großteil der Gespräche zu diesen
Fragen ohne angemessene Informationen stattgefunden. Ich schlage vor, daß die Konferenz nicht länger
auf der Basis von Gerüchten oder Halbwahrheiten
operiert. Wir fordern die Regierungen auf, die Probleme mit alten oder stillgelegten Chemiewaffen haben,
technische Informationen über die Art des bestehenden Problems zu liefern. Das könnte zum Beispiel
beim Treffen der Zerstörungsexperten im Herbst dieses Jahres geschehen. Unserer Meinung nach würden solche Informationen nicht nur zur Klärung der
Situation beitragen, sondern auch gemeinsame Bestrebungen erleichtern, um zu gewährleisten, daß die
Waffen sicher beseitigt werden. In diesem Zusammenhang möchte ich das Angebot der Vereinigten
Staaten wiederholen, die bei der Zerstörung chemischer Waffen jedem Staat, der sich mit diesem Problem konfrontiert sieht, technische Hilfe anbieten.
Einige der Verhandlungsteilnehmer haben noch keine
Informationen zur Verfügung gestellt, ob sie C-Waffen
besitzen oder nicht. Wir haben sie aufgefordert, dies
zu tun, damit die Konferenzteilnehmer eine genaue
Beurteilung der Dimension des C-Waffenproblems
vornehmen können.
Abschließend möchte ich eine Bilanz zum Stand der
Verhandlungen ziehen. Wie ich bereits ausgeführt
habe, wurden viele der Themen, bei denen wir im
Verlauf des Sommers Fortschritte erzielten, bereits in
dem Papier des Vorsitzenden des C-Waffen-Ad-hocAusschusses vom vergangenen Frühjahr als HauptAMERIKA DIENST 33

Angesichts dieser Schritte hat sich bei mir in den
vergangenen Tagen eine gewisse Enttäuschung über
substantielle und verfahrensmäßige Fragen eingestellt. Wir haben von einzelnen Delegationen Drohungen vernommen, sie würden die Verabschiedung
bestimmter Artikel verzögern, wenn ein anderer Artikel
nicht ihren Wünschen gemäß formuliert würde. Solche taktischen Manöver, die jeglicher Rationalität
entbehren, führen nur dazu, daß Gleiches mit Gleichem vergolten wird.
Wenn wir bis zum Jahr 1992 eine Konvention über
chemische Waffen haben wollen, sollten beim derzeitigen Stand der Verhandlungen unseres Erachtens
alle ernsthaften Vorschläge und insbesondere Vorschläge, die breite Unterstützung erhalten, ihren Niederschlag in einem vorläufigen Text gegebenenfalls
mit Fu ßnoten oder Klammern finden. Es ist an der Zeit,
allgemeine Diskussionen ohne konkreten Inhalt zu
beenden. Wenn wir Lösungen für diese Probleme
finden wollen, ist die beste Grundlage dafür die für die
Konvention vorgesehene aktuelle Sprachregelung. Wir
können unsere Bemühungen dann auf den vorgeschlagenen Vertragstext selbst konzentrieren, wo irgend möglich Kompromisse anstreben und wenn dies
nicht möglich ist, eindeutige Alternativen für eine politische Lösung aufzeigen.
Ich möchte unsere Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringen, daß eine kleine Zahl von Delegationen
die Einigung über ein Arbeitsprogramm blockiert, das
den Ausschu ß für chemische Waffen bis Januar nächsten Jahres leiten soll. Meine Regierung hat angesichts der Möglichkeit, diese Verhandlungen zu Ende
zu bringen und bis zum nächsten Jahr eine Konvention
zu erarbeiten, Schwierigkeiten, diese Haltung zu verstehen. Meine Delegation betrachtet diese Angelegenheit nicht als abgeschlossen, und wir werden während
der acht Wochen dauernden Überprüfungskonferenz
der Konvention über biologische Waffen und der Sitzung des ersten Ausschusses weiterhin auf Arbeit an
einer Konvention zu C-Waffen drängen. Zu diesem
Zweck fordern wir die hier vertretenen Hauptstädte
auf, ihre Delegationen entsprechend aufzustocken.
In meinen heutigen Ausführungen habe ich die Bereiche erläutert, auf die sich meines Erachtens die Arbeit
konzentrieren und welchen Ansatz wir verfolgen sollSeite 3

�ten. Ich möchte das Thema C-Waffen mit einer
Mahnung abschließen. Ich habe gehört, daß einige
der in diesem Saal Anwesenden der Meinung sind,
nach dem Golf krieg und der Operation "Wüstensturm"
hätten die Vereinigten Staaten weniger Interesse an
einer Konvention über chemische Waffen. Diesem
Argument zufolge hätten wir selbst demonstriert, daß
der C-Waffenfähigkeit eines Aggressors mit Waffen
aus unserem konventionellen Arsenal begegnet werden könnte, und wir und die Sowjetunion hätten das
Problem unserer eigenen riesigen C-Waffenbestände
und der Sicherheitsanforderungen durch unsere bilateralen Abkommen bewältigt.
Diese Art der Argumentation ist falsch. Die Sicherheit
der Vereinigten Staaten wird durch die Konvention
verbessert. Darüber hinaus haben die Vereinigten
Staaten Verbündete und Freunde auf der Welt, deren
Sicherheit - einschließlich dem Schutz vor einem CWaffenangriff - für uns lebenswichtig ist. Das von den
Präsidenten Bush und Gorbatschow am 1. Juni ver-

gangenen Jahres unterzeichnete bilaterale amerikanisch-sowjetische Abkommen ist untrennbar mit der
Erlangung einer Konvention über chemische Waffen
verbunden. Wir werden also weiterhin so hart wie
bisher für ein Abkommen in diesem Bereich arbeiten.
Es wäre jedoch ebenso falsch zu glauben, daß die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mehr an der
Erlangung einer C-Waffenkonvention interessiert seien als andere Konferenzteilnehmer und dem Vertrag
entsprechend eine zunehmende Zahl von Bestimmungen hinzugefügt werden kann, die nicht mit dem Vertrag in Verbindung stehen, in der Annahme, wir würden
weiterhin Konzessionen machen. Wir sind bei diesen
Verhandlungen nicht die Bittsteller. Der Abschluß
einer Konvention über chemische Waffen wird die
Sicherheit jedes einzelnen Staates verbessern, der
Vertragspartner wird. Dies ist ein wichtiges, erstrebenswertes Ziel. Wir sollten es nicht aus den Augen
verlieren.

* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 33

�AMERIKAS

ZUKUNFT
21. August 1991

EINE ZEIT DER ERNEUERUNG
von Richard Rosecrance
Das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem begünstigt heute einen erneuten Aufstieg der Nation
außerordentlich.
Die Geschichte lehrt, daß große Mächte aufsteigen und ihr Niedergang durch wirtschaftliche Lähmung im Insowie weitreichende Verpflichtungen im Ausland vorprogrammiert ist. Während der vergangenen Jahre haben
Wissenschaftler, Politiker und andere Diskussionen geführt, ob die Vereinigten Staaten ihre wirtschaftliche
Vormachtstellung verlieren und die Nation dem selben Abwärtstrend der Geschichte folgen wird wie andere
große Mächte vor ihr. Im vorliegenden Artikel sieht der Politologe Richard Rosecrance hier Aussichten für eine
Erneuerung Amerikas. Er erläutert, daß die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu vergangenen Mächten ein
Land von der Größe eines Kontinents mit enormen natürlichen Ressourcen, einer gebildeten Bevölkerung,
hochentwickelten Industriebasis und Vormachtstellung in wissenschaftlicher Forschung sind. Darüber hinaus
begünstigen internationale Institutionen - mit der Liberalisierung der osteuropäischen Märkte und dem Schritt zu
weltweitem freiem Handel - in einzigartiger Weise die Ankurbelung der amerikanischen Wirtschaft.
Richard Rosecrance ist Professor für Politologie und Stellvertretender Direktor des Zentrums für internationale und strategische Angelegenheiten an der University of California (Los Angeles). Er ist Verfasser mehrerer
Bücher, unter anderem America's Economic Resurgence: A Bold New Strategy (1990), dem dieser Artikel
entnommen ist. Copyright (c) 1990 by Richard Rosecrance. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von
Harper Collins, Publishers.
Heute herrschen drei grundlegende Sichtweisen zur
Zukunft Amerikas vor. Die eine lautet, daß sich die
Vereinigten Staaten ebenso wie Großbritannien im 19.
Jahrhundert im Endstadium der wirtschafltichen Lähmung und des Niedergangs befinden. Der zweite
Blickwinkel ist, daß sich die Position der Vereinigten
Staaten nicht merklich verändert hat, obwohl die Nation Höhen und Tiefen erlebt hat. Die dritte Ansicht, die
ich teile, lautet, daß die Vereinigten Staaten einen
spürbaren wirtschafliehen Niedergang erfahren mußten, jedoch ein Comeback erleben können und werden.
Die Propheten des Niedergangs - eine Gruppe, der
Akademiker wie David Calleo von der Johns Hopkins
University und Politiker wie der ehemalige Gouverneur
von Colorado, Richard D. Lamm, angehören - verweisen darauf, daß kurz nach dem Zweiten Weltkrieg 45
bis 50 Prozent des Bruttosozialprodukts der Welt auf
die Vereinigten Staaten zurückzuführen war, sie heute
jedoch nur noch 22 Prozent ausmachen und dieser
Anteil bald unter 16 Prozent fallen könnte. Dieser
Niedergang war zum Teil aufgrund der Gesundung
Westeuropas, Japans und Ostasiens nach dem Zweiten Weltkrieg zu erwarten. Die Propheten des Niedergangs argumentieren jedoch, daß die Wende im SchickAMERIKA DIENST 33

sal Amerikas schwerwiegender ist, als diese Zahlen
andeuten. Von der Position des führenden Industrieexportlands sind die Vereinigten Staaten auf den dritten Platz hinter Deutschland und Japan zurückgefallen. Seit 1975 hatten sie jedes Jahr ein Handelsdefizit
zu verzeichnen. (Im Jahr 1989 belief sich das Zahlungsbilanzdefizit auf rund 109 Milliarden Dollar). Um
den amerikanischen Appetit auf Importe jeglicher Art
von Autos und Mineralwasser bis zu Werkzeugmaschinen und Computer zu stillen, wurde das Land zum
größten Schuldner der Welt. Die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten beträgt heute über 600
Milliarden Dollar und wird beim derzeitigen Stand
Anfang der neunziger Jahre die eine Billion überschreiten. Alles in allem beläuft sich die nationale und von
amerikanischen Firmen und Verbrauchern angehäufte
private Verschuldung auf rund 7 Billionen Dollar. Dies
macht nahezu 140 Prozent der jährlichen Gesamtproduktion des Landes aus und über 1 Drittel des weltweiten BSP. Selbst wenn die Vereinigten Staaten ihr
Gleichgewicht im Handel in fünf Jahren wiedererlangen - was ihnen mit einem gerüttelt Maß an Glück
gelingen könnte -, würden galoppierende Zinsen und
Dividendenzahlungen an das Ausland einen Großteil
dieser Fortschritte zunichte machen.

Seite 1

�In einem Industriezweig nach dem anderen haben
amerikanische Unternehmen ihre Führungsrolle verloren. Das Wall Street Journal formulierte diese Situation jüngst mit eindeutigen Worten: "Während amerikanische Produzenten im Jahr 1969 82 Prozent der
Fernsehgeräte, 88 Prozent der Autos und 90 Prozent
der Werkzeugmaschinen des Landes herstellten, wurden
(1988) praktisch überhaupt keine Fernsehgeräte produziert, und sie haben die Hälfte des Binnenmarktes
für Werkzeugmaschinen und 30 Prozent des Automobilmarktes aufgegeben. Selbst in einem neuen Industriezweig wie Halbleiter ist der Anteil des Landes am
Weltmarkt von 85 Prozent im Jahr 1980 auf 15 Prozent
gesunken."
Als Amerika seine Führungsrolle bei Autos, Verbraucherelektronik und modernen Werkzeugmaschinen
verloren hatte, tröstete man sich mit dem Gedanken,
die Vereinigten Staaten stünden im Finanzwesen und
bei Dienstleistungen an oberster Stelle. Aber in allen
Bereichen haben Japan und andere Nationen aufgeholt. Heute zählt keine einzige amerikanische Bank zu
den 10 größten Geldinstituten der Welt - sie sind alle
japanisch. Bei Biotechnik, zivilem Flugzeugbau,
modernen Halbleitern und Computern steht Japan an
der Türschwelle der Vereinigten Staaten. Selbst die
prahlerische Behauptung der amerikanischen Farmer,
sie seien die effizientesten Nahrungsmittelerzeuger
der Welt, wird angefochten.
Die Propheten des amerikanischen Niedergangs vertreten die Auffassung, daß die vernichtende Studie
des Yale-Historikers Paul Kennedy, Aufstieg und
Fall der großen Mächte (1987), Amerikas Zukunft
voraussagt. Sie verweisen darauf, daß sich intelligente Holländer im 17. Jahrhundert und vorausschauende
Briten im 19. Jahrhundert sehr wohl der Bürde ihrer
Länder bewußt, jedoch unfähig waren, diesen Niedergang aufzuhalten. Was erwartet die Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert? Kennedy schreibt: "Die
einzige Antwort auf die zunehmend von der Öffentlichkeit diskutierte Frage, ob die Vereinigten Staaten ihre
derzeitige Position aufrechterhalten können, lautet
'Nein' - weil es einfach keiner einzigen Gesellschaft
vergönnt war, ständig über allen anderen zu stehen,
denn dies würde ein Einfrieren des diffenzierten Gefüges von Wachstumsraten, technologischem Vorteil
und militärischer Entwicklung bedeuten, das seit undenklichen Zeiten besteht."
Die zweite gedankliche Richtung zum Niedergang der
Vereinigten Staaten bietet einen sehr viel beruhigenderen Blickwinkel. Die Vertreter dieser Richtung sind
entweder der Auffassung, in den Vereinigten Staaten
gäbe es keinen Niedergang oder jeder Niedergang sei
vorübergehend und erklärbar, ungefährlich oder leicht
zu beheben.
Einige gelangen zu der Schlußfolgerung, Amerika
habe nur unerhebliche Rückschläge erlitten, und es
gebe kein Projekt, das nicht zu bewältigen sei, wenn
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die Bürger mit neuen Steuern zu seiner Finanzierung
bereit sind. In Can America Compete? (1984) spricht
Robert Z. Lawrence vom Brookings Institute stellvertretend für eine Gruppe, die der Ansicht ist, der Fertigungsbereich floriere so gut wie eh und je. Und selbst
wenn die Fertigung abgenommen hat, so argumentieren andere, sind die Vereinigten Staaten bei Dienstleistungen so konkurrenzfähig wie ehedem. Noch andere bemerken, bei der Wirtschaftslage Amerikas gebe
es relativ gesehen nichts dramatisch Neues. Mitte der
sechziger Jahre produzierten die Vereinigten Staaten
rund 24 Prozent des BSP der Welt - heute beläuft sich
diese Zahl auf ungefähr 22 Prozent. In der Tat ist der
amerikanische Anteil am weltweiten BSP nicht sehr
viel geringer als 1938.
Wenn die Vereinigten Staaten einen spürbaren Niedergang erlebten, so argumentieren die Verfechter
des Status quo, dann wegen und nicht trotz der amerikanischen Politik. In diesem Tenor stellt Joseph Nye
von der Harvard University fest, da ß Ende der vierziger
Jahre "die Vereinigten Staaten sich für die Ankurbelung der wirtschaftlichen Gesundung ihrer Verbündeten entschieden statt Hegemonie über sie anzustreben und als Gegengewicht zur sowjetischen Macht
eine strategische Partnerschaft zu schaffen".
Eine weitere Erklärung für den schwindenen Einfluß
Amerikas lautet, daß wir heute in einer komplizierteren
und widerspenstigeren Welt leben. Die unentwickelten, nicht mobilisierten Völker, die im 19. Jahrhundert
den britischen Imperialismus passiv übersieh ergehen
ließen, haben sich zu widerborstigen und harten neuen
Nationen entwickelt. Kleine, ehedem schwache Mächte sind heute ziemlich einflu ßreich - ebenso wie solche
neuen "Spieler" auf der internationalen Bühne wie
multinationale Unternehmen und multilaterale Institutionen. Selbst die stärkste Macht kann in solch einer
interdependenten Welt nicht immer davon ausgehen,
ihren Willen zu bekommen. Worum es laut dieser Sicht
heute geht, ist Überzeugungskraft.
Dieser Argumentation zufolge haben im übrigen nicht
nur die Vereinigten Staaten sondern auch Japan einen
Niedergang erlebt. Samuel Huntington von der Harvard University schreibt: "Es gibt wenige Gründe,
warum die japanische Wirtschaft insgesamt sehr viel
schnellerwachsen sollte als die amerikanische, und es
gibt keinen Grund zu der Annahme, daß ein einzelner
amerikanischer Arbeitnehmer entschieden produktiver als ein japanischer sein sollte. Anhand solcher
Indikatoren der Wirtschaftsleistung sollte man langfristig eine Annäherung zwischen Ländern mit gleicher
Wirtschaftsentwicklung und vergleichsweise komplexen Volkswirtschaften erwarten."
Wieder andere Autoren, die mit der Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten zufrieden sind, sagen
zum Thema wirtschaftlicher Niedergang: "Na und?" In
der neuen Wirtschaft "einer Welt" fallen die amerikanischen Handelsdefizite mit Japan und Südkorea nicht

AMERIKA DIENST 33

�mehr ins Gewicht als das Handelsdefizit von Maine mit
Kalifornien. Das Kapital fließt frei über nationale
Grenzen und die Geschicke eines Gebildes bedeuten
nicht viel solange das System als Ganzes funktioniert.
Bundeshaushaltsdefizite? Als Prozentsatz des BSP
ist das Defizit von einer Höchstmarke von 6 Prozent
des BSP im Jahr 1983 auf heute nur 3,5 Prozent
gesunken - weniger als das von Japan Mitte der
siebziger Jahre unschwer Erreichte.
Es überrascht nicht, daß diejenigen, die den Niedergang Amerikas leugnen, der Auffassung sind, die
Vereinigten Staaten könnten weiterhin beträchtliche
militärische und diplomatische Verpflichtungen eingehen. Wenn das Defizit irgendwann abgebaut werden
muß, könnte eine Kürzung von einem Drittel leicht
bewirkt werden indem man beispielsweise eine höhere
Mineralölsteuer erhebt. Und wie der ehemalige französische Präsident Valery Giscard d'Estaing einmal
feststellte: "Es ist schwerlich ernstzunehmen, daß ein
Land tiefgreifende Probleme hat, wenn diese gelöst
werden können, indem man die Mineralölsteuer um 25
Pfennig pro Liter erhöht."
Eine Untergruppe innerhalb der zweiten Schule akzeptiert einen Teil der Niedergangstheorie, geht jedoch
gleichzeitig davon aus, daß dieses Argument überstrapaziert worden ist. Aaron Friedberg von der Universität Princeton zum Beispiel behauptet, daß die Militärausgaben für den Niedergang der großen Mächte der
Vergangenheit nicht verantwortlich waren. Schlimmstenfalls hätten die Verteidigungslasten die Probleme
eines Landes akzentuiert, das bereits wirtschaftlich
angeschlagen war. Friedberg glaubt, daß die Zunahme des Konsums oder der Sozialausgaben in den
meisten Fällen Ursache für den Niedergang waren,
und dies treffe auch für die Vereinigten Staaten von
heute zu.
Die dritte mögliche Perspektive zum Niedergang, die
auch von mir vertreten wird, lautet, da ß die Vereinigten
Staaten in der Tat einen Niedergang erlebt haben, daß
ihnen jedoch ein Comeback gelingen kann und wird.
Die Beweise für den Niedergang Amerikas sind unwiderlegbar. Im Jahr 1929, also lange bevor die Vereinigten Staaten den künstlichen Vorteil ihres Siegs im
Zweiten Weltkrieg besaßen, nahmen sie über 43 Prozent
der Weltindustrieproduktion für sich in Anspruch. Heute
sind dies nur noch 22 Prozent. In zwanzig Jahren wird
Japan den zweiten Platz in unmittelbarer Nähe zu den
Vereinigten Staaten eingenommen und die Aussicht
haben, in den zwanziger Jahren des nächsten Jahrhunderts den Spitzenplatz zu belegen. China wird die
Sowjetunion vom dritten Platz verdrängt haben und ein
starkes Wachstum aufweisen. Wenn darüber hinaus
die Europäische Gemeinschaft ihr Ziel einer echten
politischen und wirtschaftlichen Union nach 1992 verwirklicht, könnte sie die Führung der Vereinigten Staaten herausfordern. Die daraus resultierende multipolare Welt wird ein wesentlich unsicherer Ort sein als die
AMERIKA DIENST 33

relativ schlichte Weltordnung von heute. Dies könnte
leicht eine Rückkehr zur Situation der dreißiger Jahre
bedeuten: enorme Konflikte über Handelsfragen und
die Schaffung gegnerischer Zollblöcke. Nur ein kontinuierlich wachsender amerikanischer und Weltmarkt
wird solche Wirtschaftskonflikte verhindern können.
Die Literatur darüber, was geschieht, wenn eine ehemals dominierende Wirtschaftsmacht verfällt, ist schier
unerschöpflich. Viele Gelehrte ziehen den Schluß,
ohne eine einzelne Führungsmacht werde die internationale Ordnung zusammenbrechen. Aufsteigende
Herausforderer weigern sich, die Kosten zu zahlen etwa in Form von Krediten oder Märkten für Staaten in
Not - um das internationale Wirtschaftssystem offen zu
halten. Die drei oder vier Staaten auf den folgenden
Plätzen neigen zur Aufrechterhaltung hoher Zollschranken, die den Welthandel hemmen, wie während der
großen Depression derdreißiger Jahre. Die Geschichte ist in diesem Punkt überzeugend: es ist weit besser,
wenn eine Großmacht das Steuer der Weltwirtschaft
übernimmt. Die Vereinigten Staaten sind unter Umständen jedoch nicht in der Lage, ihre Führungsrolle
aufrechtzuerhalten. Selbst heute können sich die
Vereinigten Staaten und ihre engsten Verbündeten in
Westeuropa über viele wichtige Maßnahmen zur Wirtschafts- und Handelspolitik nicht einigen. Werden
sich ein triumphierendes Japan und ein aufstrebendes
China in 20 Jahren eher veranlaßt fühlen, mit den
Vereinigten Staaten zu einer Verständigung zu kommen?
In Zukunft wird es einer höheren amerikanischen
Wachstumsrate - von durchaus erreichbaren drei Prozent
oder mehr - und eines dynamischen amerikanischen
Markts bedürfen, um andere davon zu überzeugen,
daß sie auf amerikanische Maßnahmen reagieren und
ihre Volkswirtschaften für den Außenhandel öffnen
müssen. Um jedoch ein stärkeres Wachstum hervorzubringen, muß ein massiver Wandel der amerikanischen Prioritäten einsetzen. Die nationale Sicherheit
muß so neu definiert werden, daß sie Stärke und
Produktivität der Wirtschaft einbezieht, denn diese ist
schließlich die Grundlage militärischer Fähigkeiten.
Einige Einsparungen aufgrund reduzierter amerikanischer Verpflichtungen in Übersee - plus eventuell
Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen im Inland
- werden erforderlich sein, um einen wirtschaftlichen
Wiederaufstieg anzukurbeln, der es den Vereinigten
Staaten letztlich erlauben wird, erneut ihre Führungsrolle in der Welt einzunehmen.
Wenn Amerikas Schicksal mit neuem Leben erfüllt
werden soll, werden die politisch Verantwortlichen
hierzulande die Amerikaner dazu auffordern müssen,
der Ethik des "Lebens auf Pump" zu entsagen. Besondere Anreize sollten denjenigen gewährt werden, die
für den Ruhestand oder die Ausbildung ihrer Kinder
sparen. Die grassierende Inflation der siebziger Jahre
erzog eine ganze Generation von Amerikanern dazu,
zu kaufen anstatt zu sparen, Geld zu leihen anstatt zu
Seite 3

�investieren. Die Geschichte zeigt, daß große Zivilisationen durch solche Selbstgefälligkeit tödlich geschwächt
wurden.
Großbritannien durchlief eine solche Phase der Dekadenz im Zeitalter König Edwards vor dem Ersten
Weltkrieg. Die Vereinigten Staaten scheinen heute in
eine ähnliche Phase eingetreten zu sein. Finanzstrategien, in deren Mittelpunkt die Maximierung kurzfristiger Profite steht, lösen die langfristigen Ziele der
Verbesserung von industrieller Wettbewerbsfähigkeit
und Erhöhung von Marktanteilen ab. Das Ethos harter
Arbeit und der Teamgeist der industriellen Pioniere
degeneriert zu Egoismus und auffälligem Konsumverhalten der Enkel. Kurzum: wenn die Kritiker der
heutigen Lage in den Vereinigten Staaten recht haben,
sind die Vereinigten Staaten in ein Stadium praktisch
unaufhaltsamen Abstiegs eingetreten.
Aber die Pessimisten, selbst die historisch gebildeten,
haben nicht immer recht. Nationen können untergehen und dann wieder aufsteigen. So schienen Deutschland und Japan in den dreißiger Jahren ihren wirtschaftlichen Zenit erreicht zu haben. Trotzdem erlebten beide nach einem drastischen Niedergang eine
bemerkenswerte Renaissance nach dem Zweiten
Weltkrieg. Das zaristische Rußland erreichte im Jahr
1913 einen ökonomischen Höhepunkt, aber das stalinistische Rußland verzeichnete in den späten zwanziger und den dreißiger Jahren ein starkes Wachstum.
Es trifft zu, daß Rußland eine Revolution und Japan
und Deutschland im Zweiten Weltkrieg eine Niederlage erleben mußten, um den wirtschaftlichen Umbruch
einzuleiten. Es scheint ebenfalls richtig zu sein, daß
keiner absteigenden Macht hegemonialen Ranges
jemals ein echtes Comeback geglückt ist. Spanien, die
Niederlande und England sind der Wiedererlangung
ihres früheren Status' niemals nahe gekommen.
Aber mit der möglichen Ausnahme Rußlands war
keines dieser Länder eine mit enormen Ressourcen
und einer großen, gut ausgebildeten Bevölkerung
ausgestattete Macht kontinentalen Ausmaßes. Keines, einschließlich Rußlands, besitzt wie die Vereinigten Staaten von heute eine gewaltige, hochmoderne
Industrie sowie die Fähigkeit, Spitzentechnologie zu
schaffen. Trotz gewisser Parallelen zur Vergangenheit bleiben die Vereinigten Staaten in einer besonderen Stellung. Kein Hegemonialstaat blieb in anderen
geschichtlichen Abschnitten bei der Gesamtproduktion von Waren und Dienstleistungen seinen Konkurrenten weit voraus. Keiner der imperialen Vorgänger
besaß aufgrund der Beiträge anderer Länder nahezu
unbegrenzte Investitionsmittel. Kein anderer Staat
hatte bei Forschung und Wissenschaft eine beherrschende Stellung inne.
Darüber hinaus verhandeln die Vereinigten Staaten im
Gegensatz zu ihren hegemonialen Vorgängern, um
ihre Stellung zu bewahren. Großbritannien versäumte
es am Ende des 19. Jahrhunderts, als der wirtschaftSeite 4

liche Niedergang begonnen hatte, die britische Industrie zu untergraben, eine Öffnung des deutschen und
amerikanischen Markts auszuhandeln. In harten
Handelsgesprächen mit den Japanern und anderen
haben die Vereinigten Staaten jedoch gezeigt, daß sie
nicht bereit sind, Ländern, die für amerikanische Waren
verschlossen sind, einen unbegrenzten Markt zu bieten.
In der Geschichtswissenschaft ist es traditionell üblich,
Aufstieg und Fall als aufeinanderfolgende Ereignisse
zu beschreiben. Die Historiker haben angenommen,
daß Nationen wie biologische Organismen zur Macht
aufsteigen und dann altern und absterben. Ein Abstieg
kann jedoch auch das Vorspiel zur Wiedergeburt sein.
Bei wichtigen Ländern (wenn auch noch nicht bei den
Gro ßmächten) gingen Abstieg und Verlust häufig einer
wirtschaftlichen Wiederbelebung voraus. In seinem
Buch The Rise and Decline of Nations von 1982
legte der Wirtschaftswissenschaftler Mancur Olson
von der University of Maryland überzeugend dar, daß
Staaten eine starke Erschütterung benötigen, um sich
von alten Gewohnheiten und Institutionen zu befreien
und das Wachstum zu erneuern. Länder, die noch
nicht weit genug abgestiegen sind, die noch nicht den
nationalen Schock von Niederlage und Verzweiflung
erleben mußten, hatten größere Schwierigkeiten, das
Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten als diejenigen, denen dies widerfahren ist. Japan, Deutschland,
Frankreich, die "kleinen Drachen" Ostasiens und die
kleinen Demokratien West- und Mitteleuropas - ihnen
wurde durch die Niederlage und Besetzung im Krieg
ein mächtiger wirtschaftlicher Impuls zuteil. Dagegen
wurden Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland und die Vereinigten Staaten - allesamt Sieger nicht angestoßen, um nach wirtschaftlichem Wiederaufstieg zu streben.
Der Sieg in zwei Weltkriegen sanktionierte eine Geschichte träger wirtschaftlicher Anstrengungen und
schwachen sozialen Fortschritts in Großbritannien. In
den Vereinigten Staaten brachte der kalte Krieg nicht
die erforderliche Neubewertung wirtschaftlicher Strategien zustande. Der Rüstungswettlauf der Supermächte behinderte die notwendigen Reinvestitionen in
die zivile Volkswirtschaft bei beiden Gegnern. Paul
Kennedy zufolge fesselten militärische "Überdehnung"
und hohe Verteidigungsausgaben gerade das Investitionskapital, das für die Regeneration des Wirtschaftswachstums benötigt wurde.
Die Sache ist jedoch nicht so einfach, denn Militärausgaben müssen eine Volkswirtschaft nicht lähmen, wenn
der Verbrauch im Inland unter Kontrolle bleibt. Dies
war zweifellos der Fall bei Großbritanniens kostspieligen Kriegen gegen das napoleonische Frankreich
zwischen 1795 und 1812, die der Industriellen Revolution in Großbritannien keinen Abbruch taten. Militärausgaben können sogar zu industriellem Wachstum
führen, wenn es beträchtliche ungenutzte Industriekapazitäten gibt. Es waren hauptsächlich Ausgaben für
AMERIKA DIENST 33

�die Aufrüstung und nicht die Sozialausgaben des New
Deal, mit denen Präsident Franklin D. Roosevelt Amerika
schließlich aus der Großen Depression herausführte.
Ebenso scheint kaum bezweifelt zu werden, daß die
Militärausgaben der Reagan-Administration dazu beitrugen, die Nation aus der Rezession von 1981-82 zu
führen.

'

k

Alle imperialen Mächte mußten ein Gleichgewicht
zwischen Verbrauch, Investitionen und den Kosten zur
Erhaltung des Imperiums finden. Im frühen 18. Jahrhundert verhängte Holland ruinöse Steuern, um seine
Kriege gegen das Frankreich Ludwigs XIV. zu finanzieren. Die Preise stiegen rapide, und damit sank die
Wettbewerbsfähigkeit holländischer Erzeugnisse.
Gegen Ende der holländischen Kolonialmacht ermutigte die Inflation die einstmals konservativen Bürger,
ihr Geld mit vollen Händen auszugeben. Die holländischen Händler versäumten es, ausreichend in die
nunmehr weniger gewinnträchtigen Auslandsmärkte
zu investieren und schickten ihr Geld lieber nach
London, wo es mehr abwarf. Kurzfristige wirtschaftliche Gewinne der Ober- und Mittelklasse hatten Vorrang vor dem Aufbau einer starken Binnenwirtschaft.
Dies zeigt, daß für das Wirtschaftswachstum umfangreiche Spareinlagen ebenso notwendig sind wie Investitionen, ferner mu ß der Konsum einen vergleichsweise festen Prozentsatz des BSP betragen, und die
Ausgaben für Verteidigung und Außenpolitik müssen
gering bleiben, außer in Zeiten eines Konjunkturrückgangs. Aufsteigende Mächte können diesen Bedingungen eher gerecht werden als etablierte. Die aufstrebende Macht sieht sich jedoch unweigerlich irgendwann rivalisierenden Militärmächten oder der
Notwendigkeit gegenüber, die Verbraucher für ihre
Opfer in der Vergangenheit zu belohnen. Wenn dies
gleichzeitig erfolgt, ist das betreffende Land gezwungen, seine Vermögenswerte anzugreifen.

'

Beim Aufstieg Gro ßbritanniens hat das Volk investiert,
gespart und langfristiges Wachstum angestrebt. Als
die Briten jedoch die Vorherrschaft erlangt hatten,
erlagen sie der Versuchung, die Hände in den Schoß
zu legen und ihre Stellung zu genießen. Kurzfristige
Gewinne wurden wichtig, um Aktionäre und Investoren zu beschwichtigen und das Risiko gering zu halten.
Fabrikbesitzer behielten ihre alten Maschinen und
tätigten oftmals keine neue Investitionen, wenn diese
nicht unmittelbar Gewinne brachten. Deshalb gaben
britische Hersteller nach 1870 weniger für die Entwicklung neuer Produkte aus als ihre Kollegen in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Sie taten weniger,
um die Produktivität der Arbeitskräfte zu steigern und
gaben sich mit schlechter ausgebildeten und technisch
kaum versierten Arbeitnehmern zufrieden. Als sie im
Inland weniger gewinnträchtige Investitionsmöglichkeiten vorfanden, entschieden sie sich zunehmend für
die Anlage ihres Geldes im Ausland.
Was lehrt uns das Beispiel der Briten über wirtschaftAMERIKA DIENST 33

liche Verkrustung und wirtschaftlichen Niedergang?
Die Geschichte belegt nicht, daß Verteidigungsausgaben Ursache des Niedergangs waren. Lange bevor
man es gezwungen hatte, Mittel aus der zivilen Wirtschaft in die Aufrüstung umzuleiten, hat Großbritannien versäumt, in demselben Umfang zu investieren
wie Deutschland und Amerika. Mit dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Prozeß nur abgeschlossen.
Es überrascht nicht, daß die holländische Kolonialmacht, Großbritannien und die Vereinigten Staaten
sich alle dem doppelten Problem hohen Konsums und
großer Militärausgaben gegenübersehen. Die Vereinigten Staaten wollen heute nicht nur ihre Vorherrschaft zur See erhalten, sondern trotz der abnehmenden sowjetischen Bedrohung wahrscheinlich auch
umfangreiche Bodentruppen in Europa beibehalten.
Die irakische Herausforderung könnte sogar ein neues
langfristiges Engagement von Streitkräften im Nahen
Osten bedingen.
Noch stärker als bei der Aufrüstung im Vietnamkrieg
sollten die hohen Verteidigungsausgaben in den achtziger Jahren den Konsum der Zivilbevölkerung nicht
mindern, sondern sie wurden durch Kredite im In- und
Ausland finanziert. Diese Strategie brachte für Großbritannien nach den Napoleonischen Kriegen keine
großen Schwierigkeiten mit sich, weil das Land über
solide Zahlungsbilanzüberschüsse verfügte. Im Gegensatz dazu ließ man in den achtziger Jahren in
Amerika zu, daß die Exporte im Vergleich zu den
Importen erheblich sanken, und damit gab es keine
Möglichkeit, die steigenden Auslandssschulden des
Landes abzuzahlen.
Die zeitliche Steuerung großer Steigerungen bei den
Militärausgaben kann ebenso wichtig sein wie deren
Höhe. In den Vereinigten Staaten blieb die Frage
bisher unbeantwortet, ob die nationalen Spareinlagen
und Investitionen rechtzeitig aufgestockt werden können, um bei der Produktivität höhere Wachstumsraten
zu erzielen. Kann Amerika die Beschränkungen überwinden, die großen Mächten von der Geschichte vielfach auferlegt werden?
Die Geschichte liefert uns keine ausreichende Perspektive, um die Auswirkungen der gegenwärtigen
Situation Amerikas vorauszusehen. In manchen Punkten
ist die Lage beispiellos. Die militärische Belastung der
großen Mächte der Vergangenheit wurde niemals
erleichtert. Heute scheint für die Vereinigten Staaten
eine verminderte militärische Belastung möglich, wenn
sie ein kostspieliges dauerhaftes Engagement im Nahen
Osten vermeiden können.
Jede Hegemonialmacht der Vergangenheit mußte sich
ständig vergewissern, wer sie unter Umständen übervorteilen wollte. Spanien mu ßte auf Frankreich und die
Niederlande achten, Holland auf Frankreich und England, und Großbritannien durfte die deutsche Herausforderung nicht außer acht lassen. In den neunziger

Seite 5

�Jahren sieht sich die Welt jedoch mit einer ganz neuen
Situation konfrontiert. Esgibtkeinen Nachfolger für die
Vereinigten Staaten in ihrer Vormachtstellung, und es
wird wahrscheinlich auch keinen geben. Obwohl militärische Bedrohungen bestehen werden, gegen die
man sich wappnen muß - wie die irakische Invasion
Kuwaits bewiesen hat - wird kein einzelner militärischer Herausforderer den Vereinigten Staaten die
Führungsrolle streitig machen können. Wenn Amerika
sich umsieht, dann ist das aufholende Land keine
große Militärmacht, sondern vielmehr eine Handelsnation - Japan. Es gibt keine große und anhaltende
territoriale Bedrohung für die bestehende Ordnung.
Deshalb war die Wahl, mit der sich führende Politiker
der Welt in der Vergangenheit konfrontiert sahen, eine
andere als die der Vereinigten Staaten. Früher mußte
man ständig - mit verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen - um die Vorherrschaft kämpfen, wenn man
nicht aus dem Rennen der großen Mächte fallen
wollte. Mehrere große Mächte mußten aufgeben. Die
Vereinigten Staaten stehen nicht vor einem solchen
Dilemma. Sie können, wenn auch in einer etwas
weniger großen Rolle, weitermachen, weil es keine
kombinierte militärische und wirtschaftliche Herausforderung gibt.
Die Geschichte lehrt, daß in der Regel ein Schock
erforderlich ist, um das stabile soziale und wirtschaftliche System einer großen Macht zu erschüttern. Aber
es gibt verschiedene Gründe zu glauben, daß ein
Schock - abgesehen von einem anhaltenden Krieg ausreichen wird, um die Vereinigten Staaten aufzurütteln. Erstens sieht sich das Land bereits mit einer
großen wirtschaftlichen Herausforderung in Form einer Rezession konfrontiert. Zweitens gibt es die
Herausforderung des Außenhandels. In der Vergangenheit waren andere Staaten mit einer Führungsrolle
in der Welt, insbesondere Holland und Großbritannien,
Haupthandelsmächte, aber die Konzentration auf militärische Belange hielt sie davon ab, sich weiterhin um
den Handel zu kümmern. Allzu lange schleppten sie
sich dahin und versuchten, ihre Rolle als Großmacht
mit einem florierenden Exportsektor zu kombinieren.
Als sie herausfanden, daß beides nicht möglich war,
hatten sie ihre Vormachtstellung im Handel verloren.
Das Ende des kalten Kriegs erspart den Vereinigten
Staaten ein ähnliches Schicksal. Im Gegensatz zu
ihren Vorgängern werden die Vereinigten Staaten
zunehmend in der Lage sein, sich auf den Außenhandel zu konzentrieren.
Gleichzeitig begünstigt das internationale Wirtschaftsund Finanzsystem einen erneuten Aufstieg Amerikas
außerordentlich. Die Unterstützung für den Außenhandel hat nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auf der ganzen Welt zugenommen. Früher gab
es immer große Konflikte zwischen Ländern mit geringerem und solchen mit reichlich vorhandenem Kapital.
Im allgemeinen gilt, daß Länder mit viel Kapital niedrige Zölle wollten und von expandierendem Handel

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profitierten. Im Gegensatz dazu befürworteten Länder
mit kurzer Kapitaldecke und wenig Land Protektionismus. Da nach dem Zweiten Weltkrieg ein Land nach
dem anderen (in jüngster Zeit Südkorea) das Stadium
des Kapitalüberflusses erreichte, haben dominierende
wirtschaftliche Interessen in diesen Ländern ein Interesse an niedrigen Zöllen mit sich gebracht. Dies
könnte der Grund sein, warum es in den Vereinigten
Staaten trotz des beunruhigenden Handelsdefizits keine
Tendenz zu höheren Zöllen gibt. Bestimmte Industriesektoren haben um Erleichterung gebeten und sie
auch erhalten, aber Japan verkauft weiterhin 36 Prozent seiner Exporte auf dem amerikanischen Markt. In
den dreißiger Jahren verschanzten sich die Vereinigten Staaten hinter hohen Zöllen, heute bleiben sie auf
den Weltmärkten. Es gibt eben noch größere Anreize
für die Modernisierung der Industrie als die Herausforderung des Außenhandels.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß Länder
mit einem stimulierenden Schock und einer günstigen
Weltlage eine Spirale des Niedergangs abwenden
können. Ein neuer Aufstieg wird möglich, wenn die
Tatsache des Scheitern nicht länger ignoriert werden
kann und neue Ressourcen verfügbar sind, um eine
alternative Strategie zu finanzieren. Dann macht die
Herausforderung an die nationale Psyche frühere
Vorstellungen und eingefahrene Verhaltensmuster
zunichte. Der aufgerüttelte Staat kann Einsparungen
und Umstrukturierungen vornehmen, Militärausgaben
und Konsum einschränken und sich auf eine neue
Strategie konzentrieren, die Modernisierung der Industrie und Ausbau der Exporte kombiniert.
Sicherlich kann eine zu große Verzögerung bei der
Rückkehr zu einer solchen Strategie den nationalen
Wirtschaftsinstitutionen irreparable Schäden zufügen
und ein Aufholen unmöglich machen. Die amerikanische Forschung in Wissenschaft und Technologie
setzt immer noch Maßstäbe für die Welt. Wichtige
Industriezweige der Vereinigten Staten, wie etwa die
zivile Luftfahrt, die chemische Industrie, Pharmakonzerne, Computerhersteller und Software-Entwickler
sind nach wie vor führend. Aber es muß eine Renaissance in Amerika geben, und die Vernachlässigung
dieser wertvollen Ressourcen muß ein Ende haben.
Was getan werden muß, ist kein Geheimnis: bürokratische Verkrustungen müssen aus dem öffentlichen
und privaten Sektor verschwinden; die Steuerpolitik,
die eine Verschuldung der Unternehmen fördert, muß
sich ändern; die Defizite der Regierung und andere
politische Maßnahmen zur Anhebung der Kosten für
Investitionskapital müssen abgebaut werden, und es
könnte notwendig sein, daß die Regierung Kapital
direkt der Industrie zuleitet. Schließlich sind Verbesserungen an amerikanischen Schulen notwendig, damit
amerikanische Arbeitnehmer international konkurrenzfähig bleiben.
Aus zwei Gründen kann man zuversichtlich sein, daß

AMERIKA DIENST 33

�die Vereinigten Staaten ihr Gleichgewicht wiederfinden. Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte
unserer Zeit stimulieren die internationalen Beziehungen - in diesem Fall die Weltwirtschaft - nationale
Veränderungen. In der Vergangeheit waren internationale Beziehungen von epochemachenden Ereignissen in einzelnen Ländern geprägt - der Französischen
Revolution oder der Oktoberrevolution. Die Realität
von heute sind der Aufstieg Japans, eines typischen
Handelslandes und die überragende Bedeutung des
Wettbewerbs im Welthandel. Wenn die Sowjetunion,
Osteuropa und China ihre Wirtschaft liberalisieren,
werden diese neuen Herausforderungen sicherlich
eine Wiederbelebung der amerikanischen Industrie
ankurbeln.

*

AMERIKA DIENST 33

Die neue Betonung auf wirtschaftlichem Wettbewerb
wird darüber hinaus ein günstigeres Umfeld für ein
Wiederaufleben Amerikas schaffen. Weil das Wachstum eines Landes das Wachstum eines anderen Landes nicht behindert (sogar eher fördern kann), wird das
Streben nach Wirtschaftswachstum internationale
Konflikte abbauen und den Vereinigten Staaten Gelegenheit geben, ihre kostspieliegen ausländischen
Belastungen zu verringern. Die Herausforderungen
der Weltpolitik sind Wirtschaft und Au ßenhandel, nicht
die Kriegführung. Unter diesen neuen Bedingungen ist
der Niedergang einzelner Länder nicht mehr endgültig.
Große Mächte können sich erholen und wieder aufsteigen.

*

Seite 7

�</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 21.08.1991</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Sowjetunion&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush fordert die Wiedereinsetzung des sowjetischen Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Staatsstreich in der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Berichterstattung in Amerika&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Ende der Hinhaltetaktik bei C-Waffenvertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Ledogar in Genf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Amerikas Zukunft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Zeit der Erneuerung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard Rosecrance&lt;/em&gt;</text>
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