<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2207" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2207?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-03T23:38:28+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2218">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/7ad719e815630a192b1a14e87ee458e0.pdf</src>
      <authentication>448353a3519058adcd4dc361dc4f252f</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="11224">
                  <text>amcrika
dicrv&gt;t

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
4k

31

er9**
•-'

n1

yySP
^

7. August 1991

KSZE

KAMPELMAN: BEHANDLUNG DER
MINDERHEITENPROBLEME VORDRINGLICH
Rede von Botschafter Kampelman
vor Kongreßkommission

GOLFKRISE

UNO NACH WIE VOR UNBEUGSAM
GEGENÜBER IRAK
Interview mit Botschafter Pickering

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG
IN AMERIKA
Umfrage zur Golfkrise

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse in den
Monaten Juni und Juli 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�KSZE
7. August 1991

KAMPELMAN: BEHANDLUNG DER MINDERHEITENPROBLEME VORDRINGLICH
Rede von Botschafter Kampelman vor Kongreßkommission
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der Kongreßkommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation bei der bevorstehenden Moskauer Konferenz über die
Menschliche Dimension, Botschafter Kampelman, am 31. Juli 1991 zum Ausmaß, in dem die Vereinigten Staaten
Menschenrechtsbelange in Moskau vorbringen werden: "Ich habe mich in meinem Handlungsspielraum niemals
eingeschränkt gefühlt". Zur Frage der Menschenrechte im allgemeinen fügte er hinzu, er sei bereit, einzelne Fälle
vorzutragen.
In seinen Ausführungen unterschied Kampelman zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Recht
auf Abspaltung. Seiner Ansicht nach sei das Recht auf Sezession "durch die Schlußakte von Helsinki nicht für
unverletzbar erklärt oder legitimiert". Minoritäten, die eine Abspaltung befürworteten, sollten diese "durch
friedliche Verhandlungen" anstreben.
Kampelman kommentierte ferner das kürzlich in Genf beendete KSZE-Treffen zu Minderheiten. Er erwähnte
den dort von den Vereinigten Staaten eingebrachten Vorschlag, dereinen Schlichtungsprozeß der KSZE fordert,
"um die in Europa bestehenden irritierenden und gefährlichen Minderheitenprobleme" zu behandeln. Dieser
Vorschlag habe "breiten Konsens" erzielt und es herrsche das Gefühl vor, er solle auf die "gesamte menschliche
Dimension" ausgeweitet werden, fuhr der Botschafter fort. "Dies ist daher eines der Hauptziele, die unsere
Delegation in Moskau verfolgen wird", fügte er hinzu.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kampelman im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihnen heute meine
Bilanz des jüngsten KSZE-Treffens zu nationalen
Minderheiten darlegen zu können. Ich bin sicher, Sie
sind über die einzelnen greifbaren Ergebnisse bereits
informiert, da sie in dem einstimmig beim Genfer
Treffen verabschiedeten Schlußbericht enthalten sind.
Sie waren bescheiden, jedoch von entscheidender
Bedeutung. Sie haben auch die von mir bei dem
Treffen abgegebenen Erklärungen sowie die Beiträge
unserer Delegationsmitglieder gesehen.
Bevor ich fortfahre, möchte ich jedoch Ihnen und den
Mitgliedern der Kommission meinen Dank für die
ausgezeichnete Unterstützung aussprechen, die Sie
unserer Delegation gewährt haben, indem Sie uns Ihre
Mitarbeiter als Delegationsmitglieder zur Verfügung
gestellt haben. Ohne sie hätten wir nicht angemessen
arbeiten können. Unter der Anleitung von Samuel
Wise und David Evans haben Ihre hervorragenden
Mitarbeiter unserer Delegation mit Erfahrung, Kennt-

AMERIKA DIENST 31

nis nichtstaatlicher Organisationen, Urteilsvermögen,
Schriftsätzen und Verhandlungsgeschick zur Seite
gestanden.
Das Genfer Treffen war besonderer Art und nicht
vorgesehen, als Ende 1988 in Genf die Entscheidung
getroffen wurde, die KSZE-Fahne zwischen dem Folgetreffen in Wien und dem geplanten Folgetreffen in
Helsinki 1992 hochzuhalten. Dieses besondere Treffen wurde von den Außenministern und Staats- und
Regierungschefs beim Pariser Gipfel im vergangenen
November in Anbetracht der wachsenden Erkenntnis
anberaumt, daß wir mit Abbau der Spannungen zwischen Ost und West einen krassen Anstieg der Spannungen bei Minderheiten beobachten konnten. Dies
wurde mit Beginn unseres Genfer Treffens am 1. Juli
deutlich.
Die in Jugoslawien ausgebrochene Gewalt überschattete unsere Sitzungen, als wir unsere Erörterungen

Seite 1

�aufnahmen. Die Gefahr, daß die Gewalt über die
jugoslawischen Grenzen ausufern und andere Staaten einbeziehen würde, war real. Zwei im Rahmen der
KSZE-Verfügungen mögliche außerordentliche Sitzungen wurden in die Wege geleitet als wir uns versammelten. Eine davon in Wien, durch die eindeutigen
Anzeichen gerechtfertigt, daß in Jugoslawien ungewöhnliche militärische Aktivitäten stattfanden. Ein
weiteres Treffen wurde in Prag unter den vereinbarten
Bestimmungen für eine friedliche Lösung von Streitfällen zwischen Staaten einberufen. Dies war das Hauptthema unserer Besorgnis und Gespräche während der
ersten Woche. Am Sonntagabend vor Eröffnung unserer
Sitzung traf ich mit Botschafter John Maresca zusammen, der die Vereinigten Staaten sowohl bei den
Pariser als auch bei den Wiener Gesprächen vertritt,
und der nach Genf gekommen war, um mich über die
Ereignisse in Jugoslawien aus seiner Sicht zu unterrichten. Darüber hinaus stellten wir fest, daß eine
Reihe der für unser Treffen in Genf vorgesehenen
Delegationsleiter in Wien und Genf anderweitig beschäftigt waren.
Glücklicherweise erzielten die Delegationen in Genf
einen Konsens, daß es nicht unsere Aufgabe sei, die
spezielle jugoslawische Krise zu behandeln, während
sie andernorts bereits angesprochen wurde. Es lag
jedoch auf der Hand, daß die Spannungen zwischen
Serbien, Kroatien und Slowenien sowie die Probleme
bezüglich Albaniens und des Kosovos die Aufmerksamkeit Europas erforderten und vom KSZE-Prozeß
nicht ignoriert werden konnten. Unsere jetzt von einem
Gefühl der Dringlichkeit geleitete Aufgabe bestand
darin zu sondieren, wie die KSZE gegebenenfalls
europaweite Interessen bei der Beilegung von Spannungen bei Minderheiten vertreten könnte, wo immer
sie ohne Gewalt und im Kontext der Stabilität entstehen.
Die amerikanische Delegation war bei diesem Genfer
Treffen von zwei umfassenden Prinzipien geleitet.
Erstens waren wir an der Erarbeitung eines Konsenses interessiert, daß die KSZE bei der Behandlung
dieser Minderheitenprobleme eine unanfechtbare Rolle
zu spielen hat. Zweitens wollten wir unser Treffen nicht
ohne einen wirklich substantiellen Schlu ßbericht beenden, der nicht nur die Vereinbarungen von Kopenhagen wiederholen sollte.
Als wir nach Genf kamen, vertrat ich die Meinung, daß
es wahrscheinlich keinen Weg gab, mit dem wir die
Vereinbarungen von Kopenhagen signifikant verbessern könnten. Es war nur ein Jahr vergangen, seit
diese außerordentliche Erklärung verabschiedet worden war. Ich hatte vielmehr das Gefühl, unsere
Aufgabe sollte darin bestehen zu erforschen, wie die
Kopenhagener Vereinbarungen verwirklicht wurden
und wie diese Verwirklichung infolge unserer Erörterungen verbessert werden könnte. Es war mir außerordentlich daran gelegen sicherzustellen, daß wir nicht

Seite 2

versuchen sollten, das in Kopenhagen Niedergelegte
zu wiederholen - aus der Sorge heraus, dies könne die
Vermutung nahelegen, die in Genf nicht wiederholten
Kopenhagener Verfügungen könnten von geringerer
Bedeutung sein. Glücklicherweise wurden unsere
Zielsetzungen von nahezu allen anderen Delegationen geteilt.
Die in Europa bestehenden Spannungen bei Minderheiten wurden in unseren Sitzungen deutlich, aber es
schien kein Wunsch zu bestehen, diese Dispute durch
besondere Betonung in Genf zu verschärfen. Es wird
Sie nicht verwundern, Herr Vorsitzender, daß die
amerikanische Delegation die Unterdrückung im Kosovo in ihre Liste von Anliegen aufnahm, weil wir nicht
der Auffassung sind, die Behandlung ernsthafter Probleme bestehe darin, sie zu ignorieren. Wir verwiesen
ferner auf die andauernde Diskriminierung der Ungarn
in Rumänien. Wir haben einen tiefgreifenden Gedankenaustausch mit Vertretern beider Länder in dem
Bestreben geführt, diesen verständlicherweise bitteren Disput in konstruktive Bahnen zu lenken. Wir
haben die beachtlichen Verbesserungen in Bulgarien
festgestellt, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung der türkischen Minderheiten in diesem Land. Wir
haben jedoch auch Privatgespräche über die ernsthafte Kritik geführt, die wir in Bulgarien über die Mängel
der neuen Verfassung vernommen haben. Darüber
hinaus wurden die Probleme zwischen Griechenland,
der Türkei und Zypern bei unserem Treffen festgehalten, obwohl unsere Delegation sie nicht behandelt hat,
weil offensichtlich in anderen Foren ernsthafte Bemühungen zur Bewältigung dieses Problems im Gange
sind.
Sie sind sich zweifelsohne bewußt, daß die Vereinigten Staaten in ihrer Eröffnungs- und Schlußerklärung
den Wunsch der baltischen Staaten nach Unabhängigkeit unterstützt und der Hoffnung Ausdruck verliehen
haben, daß Estland, Lettland und Litauen in nicht allzu
ferner Zukunft Vollmitglieder der KSZE werden. Darüber hinaus schloß sich unsere Delegation der Initiative der schwedischen Delegation an, die den Vorsitz
einer Gruppe "Freunde des Baltikums" übernommen
hat. Wir sind mit den baltischen Vertretern zusammengetroffen, haben sie unterrichtet und versucht, ihnen
bei ihren Bestrebungen behilflich zu sein, das Bewußtsein der Delegationsmitglieder für ihre Belange zu
schärfen.
Zwei unserer Tagesordnungspunkte zur Überprüfung
der Durchführung und auf nationaler Ebene gesammelte Erfahrungen könnten für das Treffen bei der
Behandlung von Minderheitenfragen hilfreich sein. Wir
haben natürlich in beiden Bereichen umfassend mitgearbeitet. Wir mußten einige Überredungskünste aufbieten, um eine Reihe unserer Verbündeten dazu zu
veranlassen, mit uns gemeinsam den Tagesordnungspunkt Durchführung zu behandeln. Einige taten es.
Andere entschieden sich dafür, ihre Kommentare zur

AMERIKA DIENST 31

�Durchführung in den Kontext ihrer auf nationaler Ebene
gesammelten Erfahrungen zu stellen. Ich möchte in
diesem Zusammenhang anmerken, daß ich vom
Ausmaß der geäußerten Selbstkritik positiv beeindruckt war. Wir haben ferner sehr viel darüber erfahren, was von einzelnen Ländern getan wird, um die
Chancen und demokratischen Rechte ihrer Minderheiten auszubauen. Wir haben zu diesem Lernprozeß
erheblich beigetragen, indem wir unsere eigene Bürgerrechtsbilanz und unsere Bemühungen in diesem
Bereich sowie unsere Minderheitenprobleme erörterten und ausführliche Erklärungen zu unseren rechtlichen Traditionen und Praktiken in diesem Bereich einschließlich unserer Gesetze über Verbrechen aus
Haß - abgaben.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß die Kommission
bei anderen Gelegenheiten ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht hat, den Begriff "nationale Minderheit"
zu definieren. Das ist nicht geschehen. In der Tat
drangen zahlreiche Delegationen ausdrücklich darauf,
dies nicht zu tun, weil es sich als ein Ding der Unmöglichkeit erweisen könnte. Ein ranghoher Diplomat wies
mich zum Beispiel darauf hin, daß die Vereinten Nationen in all den Jahren ihres Bestehens außerstande
waren, eine solche Definition zu erarbeiten.
Dies ist ein wichtiges Thema. Seine Bedeutung wurde
mir in Kopenhagen bewußt, als einer meiner europäischen Kollegen nach einer intensiven Verhandlungsrunde mit einer Reihe unserer Verbündeten und Freunde darauf hinwies, daß die meisten europäischen
Länder im Gegensatz zu uns in den Vereinigten Staaten eine solch umfassende Definition von Minderheiten einfach nicht kennen - und genau dies sei die
Wurzel einiger unserer Meinungsverschiedenheiten
darüber, wie wir dieses Problem angehen sollten. Er
gab zu verstehen, für die meisten europäischen Staaten müsse eine besonders geschützte Minderheit
einheimisch und tief in der jeweiligen Gesellschaft
verwurzelt sein. Neueinwanderer kämen ihm zufolge
in ihre neue Heimat in dem vollen Bewußtsein, daß sie
in ein Land einwanderten, dessen Kultur und Sprache
sich von ihrer unterscheiden. Sie reisten aus freien
Stücken dorthin und hätten deshalb die Pflicht, die
Kultur der Mehrheit anzunehmen ohne der betreffenden Gesellschaft eine zusätzliche Last aufzuerlegen.
Wir in den Vereinigten Staaten gehen natürlich über
den einheimischen Indianer und die in unserer Gesellschaft lebenden einheimischen Schwarzen hinaus und
bieten auch den Neueinwanderern unseren gesetzlichen Schutz.
Wir haben alles in unserer Macht Stehende unternommen, um die amerikanische Position zur Frage der
Minderheiten zu erläutern. Für uns ist der gemeinsame Nenner das Individuum, dessen Menschenrechte
es zu schützen gilt. Wir gingen davon aus, daß die
europäischen Staaten in dem Maße, in dem sie den
Erfordernissen des Kopenhagener Dokuments gerecht werden, die Rechte des einzelnen schützten;
AMERIKA DIENST 31

daß ihre Gesellschaften auf politischer Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit und politischem Pluralismus gründeten. Per definitionem käme die unvermeidliche
Folge dieses Geflechts aus Recht und Politik allen
zugute, unabhängig von den Gruppen, denen sie
angehörten. Wenn also einer Einzelperson zum Beispiel das Recht gewährt würde, jede von ihr gewünschte Sprache zu sprechen und sich frei mit Gleichgesinnten unabhängig vom politischen, wirtschaftlichen, religiösen oder sozialen Zweck zu versammeln, so wäre
es nicht erforderlich oder gar wüschenswert, besondere Gruppenrechte gesetzlich festzuschreiben. Dieses
Konzept wird bei künftigen KSZE-Treffen erneut vorgetragen werden, da eine Reihe europäischer Staaten
diesen Ansatz zu Rechten und Gemeinschaften nicht
als selbstverständlich annimmt oder versteht.
Ich möchte nun kurz auf das Schlußdokument eingehen, das ich als "bescheiden" bezeichnet habe. Wir
sind über Kopenhagen hinausgegangen, indem wir die
erforderlichen Mittel zur Verwirklichung der Kopenhagener Prinzipien identifiziert haben. Wir haben vierzehn alternative Möglichkeiten aufgelistet, die in verschiedenen Staaten ausprobiert wurden, um den Opfern
von Diskriminierung Abhilfe zu bieten.
Wir haben die Kopenhagener Anliegen im Hinblick auf
Haß erweitert, und zwar auf eine Art und Weise, die mit
unserer Verfassung in Einklang steht. Wir haben den
Gedanken akzeptiert, daß Akte, die eine Anstachelung
zur Gewalt darstellen, verboten werden sollten. Wir
haben die Versammlung femer über unser Gesetz zur
Statistik für Haßverbrechen von 1990 informiert und
stießen auf Zustimmung, daß auch in anderen Staaten
eine Schärfung des öffentlichen Bewußtseins für Vorurteile und Haß durch die Veröffentlichung solcher
Statistiken erforderlich ist.
Wir haben ausführlich über verschiedene Arten grenzüberschreitender Zusammenarbeit gesprochen, die
wünschenswert seien, um einen freien Informationsfluß zu gewährleisten. Wir stellten fest, daß es selbst
bei voller Wahrung von Minderheitenrechten erforderlich sei abzuschätzen, daß auch innerhalb von hauptsächlich von einer Minderheit besiedelten Gebieten
Angehörige anderer Minderheiten sowie der Bevölkerungsmehrheit leben könnten, die ebenfalls ein Recht
auf Schutz haben. Wir betonten den Wunsch, lokale
Probleme mit einer Zentralregierung auf ein Mindestmaß zu beschränken, indem die örtlichen Vertreter
gewählt und nicht von der Zentralregierung ernannt
werden. Darüber hinaus befürworteten wir die Anwesenheit von Beobachtern bei Wahlen unterhalb der
nationalen Ebene.
Ich möchte hier noch ein Wort zu den Zigeunern
sagen. Vor wenigen Monaten suchte mich ein Vertreter der europäischen Zigeuner hier in Washington auf.
Ich versicherte ihm, wir würden einen Weg finden, um
das Bewußtsein für ihre Notlage in Europa zu schärfen. Das Kopenhagener Dokument enthielt zum er-

Seite 3

�sten Mal eine Anerkennung dieses Problems. Ich
habe ihn darüber hinaus jedoch aufgefordert, im Plenum erzieherisch zu wirken. Ich freue mich sagen zu
können, daß solche Bemühungen wirklich stattfanden
und sich als wirksam erwiesen. Eine Reihe von
Delegationen erwähnten die Notlage der Zigeuner in
den von ihnen vertretenen Staaten. Viele nahmen an
den von Zigeunern organisierten Veranstaltungen teil,
die dazu dienten, das Bewu ßtsein zu schärfen und das
Wissen über ihre Kultur und Schwierigkeiten zu vergrößern.
Es gibt zwei wichtige Probleme von möglicherweise
großer Bedeutung für die Zukunft, die ich nun kurz
ansprechen möchte. Das erste betrifft die ganze
Frage der "Selbstbestimmung der Völker". Dieses
Konzept wird heute allgemein anerkannt, aber es
besteht überhaupt keine Übereinstimmung darüber,
was es bedeutet, und es ist für sich gesehen zweifellos
von begrenztem Nutzen. Es gibt keine Definition
davon, was unter "Völkern" zu verstehen ist und keine
Klarheit über die Grenzen des von diesen Völkern
bewohnten geographischen Gebiets.
Eine der Hauptschwierigkeiten besteht meines Erachtens in der Tatsache, daß das Recht auf Selbstbestimmung in den Köpfen vieler Menschen - darunter auch
vieler Staatsoberhäupter - mit dem Recht auf Sezession verwechselt wurde. Das ist nicht dasselbe. Es
handelt sich um unterschiedliche Rechte, und das
Recht auf Sezession wird meines Erachtens durch die
Schlußakte von Helsinki nicht für unverletzlich erklärt
oder legitimiert. Ein Land kann in seiner Verfassung
oder seinen Gesetzen das Rechtauf Sezession verankern, und das ist in Ordnung. Andere Länder können
das Recht auf Sezession verweigern, und auch das ist
der Schlußakte von Helsinki zufolge in Ordnung. Wir
wollten die Achtung des einzelnen: Rechte, unabhängig von der Zugehörigkeit des einzelnen zu Mehrheit
oder Minderheit. Wir wollen, daß Mitglieder von Minderheiten - wenn sie dies wünschen - die Möglichkeit
haben, sich friedlich zu versammeln und politisch,
wirtschaftlich oder gesellschaftlich zu wirken, wie sie
möchten, ihre Muttersprache zu sprechen, wenn sie
möchten, ihre Kinder mit ihrer traditionellen Kultur
vertraut zu machen, wenn sie möchten. Aber wenn sie
sich abspalten möchten, so ist dies meiner Meinung
nach kein Recht, das sie gemäß der Schlußakte von
Helsinki geltend machen können. Dies ist ein Ziel, das
sie durch friedliche Verhandlungen anstreben sollten.

*

Seite 4

*

Herr Vorsitzender, diese theoretische Unterscheidung
hat einen praktischen Zweck. Aber, so möchte ich
gleich hinzufügen, sie ist nicht auf das Verhältnis der
baltischen Staaten zur Sowjetunion anwendbar. Wir
und viele andere Staaten haben den Akt sowjetischer
Aggression niemals anerkannt oder legitimiert, der zur
Eroberung dieser Staaten durch die Streitkräfte der
Sowjetunion führte. Ihre Forderung nach Unabhängigkeit ist keine Forderung nach Selbstbestimmung. Es
ist die Forderung nach Wiedererlangung der Freiheit,
die ihnen durch Akte bewaffneter Aggression geraubt
wurde.
Meine letzte Bemerkung bezieht sich darauf, was die
Geschichte einst als wichtigste Entwicklung von Genf
einstufen mag. Die Vereinigten Staaten unterbreiteten
einen formlosen Vorschlag zur Schaffung eines Schlichtungsverfahrens der KSZE, um die in Europa bestehenden irritierenden und gefährlichen Minderheitenprobleme zu behandeln. Uns allen schien offenkundig,
daß der Ansatz in Genf auf breite Unterstützung stieß.
Tatsächlich herrschte die starke Überzeugung, daß
das von uns geforderte Schlichtungsverfahren für die
gesamte menschliche Dimension und nicht nur für
Minderheitenprobleme gelten solle. Dies ist deshalb
eines der Hauptziele, die unsere Delegation in Moskau
verfolgen wird. In der bis zum Moskauer Treffen
verbleibenden Zeit beabsichtigen wir, andere Staaten
zu konsultieren und unsere Gedanken neu zu definieren.
Zum Abschluß, Herr Vorsitzender, möchte ich erklären, daß ich die von Ihren Mitarbeitern angefertigte
Zusammenfassung unseres Treffens gelesen habe
und es nicht für notwendig halte, die Substanz dieses
Berichts heute nachmittag noch einmal zu wiederholen. Es trifft zu, daß die Vereinigten Staaten eine
wichtige Rolle dabei gespielt haben sicherzustellen,
daß ein konstruktives Schlußdokument bei diesem
Treffen erstellt wurde. Ohne diese Bemühungen wäre
es wahrscheinlich nicht zu einem solchen Dokument
gekommen. Wir freuen uns, daß wir in diesem Maß
dazu beitragen konnten.
Schließlich möchte ich Ihnen nochmals meinen Dank
aussprechen für das Entgegenkommen, das Sie mir
erwiesen haben und für die wirklich besondere Zusammenarbeit, die ich stets von Ihnen und den Mitarbeitern
der Kommission erfahren durfte.

*

*

AMERIKA DIENST 31

�GOLFKRISE
7. August 1991

UNO NACH WIE VOR UNBEUGSAM GEGENÜBER IRAK
Interview mit Botschafter Pickering
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der "Schock und die Abscheu" gegenüber Saddam Husseins Invasion und
Besetzung Kuwaits sowie seiner Mißachtung der UN-Resolutionen trugen dazu bei, die internationale Koalition
zu schmieden, die sich zusammenfand, um Iraks Aggression Einhalt zu gebieten, erklärte der amerikanische
Botschafter Thomas Pickering in einem Interview mit dem US-Informationsamt USIA am 2. August 1991
anläßlich des Jahrestages der irakischen Invasion in Kuwait.
Obwohl zahlreichen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und der blockfreien Länder der Einsatz von Gewalt zur
Vertreibung der irakischen Truppen aus Kuwait zunächst unbehaglich war, erleichterte Saddam Husseins
Reaktion auf die Resolutionen des Sicherheitsrats Botschafter Pickering zufolge das Vorgehen des Rats.
"Auf lange Sicht war unsere Richtschnur, daß wir uns in der Sicherheitsstruktur nach dem kalten Krieg mit einer
riesigen Kluft konfrontiert sehen würden, die nirgendwo überbrückt werden kann, wenn die Bestrebungen des
Rats scheitern", erklärte Pickering.
Ein Jahr nach der Besetzung Kuwaits zog Botschafter Pickering Bilanz über die Entscheidungen des Sicherheitsrats und betonte, der Rat sei nach wie vor "der Verwirklichung seiner Resolutionen stark verpflichtet".
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview mit Botschafter Pickering in wesentlichen Auszügen.

Frage: Könnten Sie rückblickend erklären, wie und
warum es der gegen Saddam Hussein gebildeten
internationalen Koalitionsstreitmacht möglich war, sich
so schnell zu formieren?
Antwort: Das Bemerkenswerteste war, daß die Koaliton
sich praktisch von Anfang an aufgrund des Schocks
und der echten Abscheu gegenüber Saddam Husseins Vorgehen selbst gebildet hat. Es war in der Tat
die Art seiner Aggression und sein Verhalten gegenüber dem Rat - oder in den meisten Fällen seine
Mißachtung des Rats - die dazu beitrugen, die Menschen in der absoluten Notwendigkeit zusammenzuführen, der Aggression durch Aktionen im Sicherheitsrat zu begegnen. Der erste Gedanke waren Sanktionen. Sie wurden unverzüglich durchgeführt und dann
in jedem Stadium verstärkt, in dem Saddam - wie ich
sagte - den Rat zu mi ßachten schien, dessen Maßnahmen zu ignorieren versuchte und Drohgebärden machte.
In der Tat wurde das außerordentlich hohe Maß an
Konsens über den Einsatz von Gewalt - Resolution
678 - erzielt, weil Präsident Bush und Außenminister
Baker beide der Überzeugung waren, es sei eine
absolut notwendige Maßnahme, die von jedem rational denkendem Menschen, der sich mit der Angelegenheit befaßte, als weiterer Schritt abgesehen von
AMERIKA DIENST 31

einem Krieg angesehen würde. Ihr enormes persönliches Engagement in dieser besonderen Phase bewirkte einen ungeheuren Wandel bei der Konsensbildung . Da die Entscheidung, einen Krieg zu führen oder
ihn zu genehmigen von den Staats- und Regierungschefs selbst getroffen wird, erfordert es diplomatisches Geschick des Präsidenten und des Außenministers, um den Zusammenhalt des Rats zu bewahren
und auf den nächsten Schritt vorzubereiten.
Meines Erachtens war den Ratsmitgliedern der Gedanke nicht ganz behaglich, daß der Rat seine Entscheidungen nicht durchsetzen konnte und dies zum
Einsatz von Gewalt führen würde. Sie konnten jedoch
ruhigen Gewissens dem Gedanken zustimmen, daß
wir eine Entscheidung zugunsten des Einsatzes von
Gewalt treffen, eine Pause des guten Willens einlegen,
Diplomatie zur Lösung des Problems anwenden sollten, und dann - wenn alle anderen Bemühungen
scheiterten - lautete das oberste Gebot, daß das
Prinzip der internationalen kollektiven Sicherheit gegebenenfalls unter Einsatz von Gewalt verteidigt würde.
Frage: Sie deuteten Überraschung über Saddam
Husseins Mißachtung des Rats an und erklärten, dies
habe sich im Nachhinein als hilfreich erwiesen. Könnten Sie das etwas erläutern?

Seite 1

�Antwort: Es war Saddams Reaktion auf die Ratsentscheidungen, die es erleichterten, die Geschlossenheit im Rat zu kräftigen und von einem schwierigen
Schritt zum nächsten zu gehen. Das war die Überraschung. Wenn jemand zu Anfang gesagt hätte, der
Rat bliebe unbeugsam und würde diesen gesamten
Prozeß so durchlaufen, wie er im Jahr 1945 vorgesehen worden war, hätte ich gesagt, die Chancen sind
ziemlich gering.
Aber als der Prozeß voranschritt, gewannen wir alle
meines Erachtens mehr Zuversicht, daß der Rat zusammenhalten würde und das Faszinierende an der
Sache war, daß es zu allen Resolutionen 12 oder 13
Ja-Stimmen gab. Der andere interessante Aspekt ist,
daß der Rat weiterhin der Verwirklichung seiner Resolutionen stark verpflichtet ist.
Frage: Schien die Stimmung der Ratsmitglieder zu
schwanken - vielleicht unbeugsamer gegenüber Saddam Husseins offensichtlicher Kompromißlosigkeit als Sie sich zusammensetzten, um Saddams Aggression zu stoppen?
Antwort: Auf lange Sicht war unsere Richtschnur,
daß wir uns in der Sicherheitsstruktur nach dem kalten
Krieg mit einer riesigen Kluft konfrontiert sehen würden, die nirgendwo überbrückt werden kann, wenn die
Bestrebungen des Rats scheitern.
Wenn wir Erfolg haben würden, hätten wir einen ernsthaften Fortschritt im Geiste und in der Tat im Wortlaut
der UN-Charta bei der Schaffung eines Systems der
internationalen kollektiven Sicherheit erzielt, eines
Systems, das zum Einsatz von Gewalt zur Bekämpfung eindeutiger und offenkundiger Aggression bereit
ist, wenn es für die internationale Staatengemeinschaft absolut notwendig ist.
Frage: Als Sie die Resolutionen gegen den Irak
verabschiedeten, konnten Sie sich da an Präzedenzfällen orientieren oder haben Sie generell Neuland
beschritten?
Antwort: In jeder Phase gab es herkömmliche Elemente und bahnbrechende Elemente mit Auswirkungen auf die Zukunft, bis zur letzten umfangreichen
Resolution 687 - die an sich schon einzigartig ist, weil
der Sicherheitsrat erstmals Stellung zu den Schritten
nach dem Konflikt beziehen mußte, um eine solidere
Grundlage für regionale Sicherheit zu schaffen.
Zum Beispiel waren die ersten Sätze der Resolution
660 von gesundem Menschenverstand geleitet. Die
Resolutionen über Sanktionen basierten auf entsprechenden früheren Resolutionen, zum Beispiel auf denen,
die sich mit der Rhodesien-Frage und anderen Problemen beschäftigten.
Was die Resolutionen über eine Verschärfung der
Sanktionen betrifft, so hatte die Resolution über den

Seite 2

Einsatz der Marine zumindest in etwa einen Vorläufer
in einer Maßnahme bei der Rhodesienkrise. Bei der
Resolution über den Einsatz von Gewalt mußte man
natürlich nur einem Vorbild folgen: was 1950 in Korea
getan worden war. Es war nicht ganz dasselbe, weil
man neue und andere Gegebenheiten in Betracht
ziehen mußte.
Aber der Rat mußte im Hinblick auf Resolution 687
tatsächlich Neuland beschreiten, weil er sich der Notwendigkeit gegenübersah, eine ganze Bandbreite von
Problemen nach dem Konflikt zu lösen. Wie Sie
wissen, befaßte er sich unter anderem mit dem Problem eines Schadenersatzfonds, den Grenzen und
einer Sonderkommission für Inspektionen. Dies alles
bringt neue Probleme mit sich, mit Ausnahme der
Beobachtermission, die an der Grenze zur entmilitarisierten Zone patrouilliert.
Frage: Waren Sie überrascht über die in Saddam
Husseins Arsenal entdeckten Waffen und darüber, wie
schnell die Koalitionsstreitkräfte die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieben haben?
Antwort: Wir waren uns alle darüber im klaren, daß er
ungeheure Geldsummen und viel Zeit in die Programme der Massenvernichtungswaffen und auch der
konventionellen Waffen gesteckt hatte. Aber meiner
Ansicht nach waren wir trotzdem angenehm überrascht - auch wenn manches nicht eindeutig klar war
und wir auf Vermutungen angewiesen waren - daß sein
Militär tatsächlich nach einem viertägigen Landkrieg
zusammenbrach.
Ich denke, der alliierten militärischen Führung und
allen Boden-, Luft- und Seestreitkräften gebührt Dank
dafür, daß wir diese Ziele so schnell erreicht haben.
Dieser ganze Prozeß bietet viele kleine und große
Überraschungen. Es gab Hinweise, daß er über ein
umfangreiches C-Waffenprogramm verfügte, aber
trotzdem haben uns die Details und präzisen Zahlen
erst vor Augen geführt, daß dieser Mensch unglaublich
viel Geld ausgab und Aufwand trieb, um eine große
Militärmaschinerie aufzubauen. Seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnten ihn veranlaßt haben,
einen weiteren Eroberungsfeldzug zu führen. Der Irak
befand sich in einer Art Teufelskreis, der wohl eine
Zeitlang unterschätzt worden ist.
Nach seiner Invasion Kuwaits konnte man ihn kaum
noch unterschätzen. Vorher war es leichter zu unterschätzen, wer und wie er war und was er vorhatte.
Frage: Der Sicherheitsrat hat bis jetzt die Gratwanderung zwischen Festigkeit gegenüber Saddam Hussein
und Mitgefühl und Verständnis für die Leiden der
kurdischen Flüchtlinge und andere Zivilisten in der
Region bewältigt. Glauben Sie, daß dies dem Sicherheitsrat in den kommenden Monaten weiterhin gelingen wird?

AMERIKA DIENST 31

�Antwort: Das glaube ich schon. Es war die auch vom
Präsidenten geäu ßerte Grundlage unserer Politik, daß
die Vereinigten Staaten ein starkes humanitäres Interesse am Wohlergehen des irakischen Volkes haben,
und wir nehmen unsere Verpflichtung in dieser Hinsicht sehr ernst. Wir sind bestrebt, alles in unserer
Macht Stehende zu tun, um es aus seiner besonderen
Zwangslage zu erlösen, obwohl seine Führung in
unseren Augen verwerflich handelt.
Jüngste Meinungen hier in New York und andernorts
gehen dahin, daß im Hinblick auf die humanitären
Probleme nicht die internationale Staatengemeinschaft
die Rechnung zahlen soll, sondern der Irak. Aber der
Irak sollte es auf eine Weise tun, bei der die gegen
Saddam Hussein und seine Partei getroffenen Regelungen nicht gefährdet werden. Es scheint, daß
Möglichkeiten dazu jetzt von den Ratsmitgliedern
vorgeschlagen und vorsichtig erwogen werden, und
meiner Ansicht nach ist dies eine wichtige und nützliche Entwicklung.
Daher sprechen wir nicht mehr über die Aufhebung von
Sanktionen sondern darüber, daß der Irak für die
humanitäre Hilfe direkt zahlen soll - möglicherweise
durch Öllieferungen - und die Sanktionen gegen Saddam und sein Gefolge in Kraft bleiben. Sie sollen
isoliert bleiben und sich keine Vorteile verschaffen
können.
Ich habe dem Kongreß vorgetragen, daß ein solches
Vorgehen den Vereinten Nationen zwei wichtige Rollen verschaffen würde, die den Druck aufrechterhalten
und vielleicht sogar noch verstärken würden. Die
Vereinigten Staaten würden die Erlöse aus dem Verkauf von Öl kontrollieren. Die Vereinten Nationen
könnten bei der Überwachung der Verteilung von
Nahrungsmitteln und Medikamenten im Irak strenger
und sorgfältiger vorgehen, um zu gewährleisten, daß
Saddam nicht mehr - wie in der Vergangenheit geschehen - Mittel nur für seine Parteilieblinge, seine Freunde
im Militär und die Leute abzweigt, die ihm in seiner
Heimatstadt und deren Umgebung grundlegende
Unterstützung gewährt haben.
Frage: Glauben Sie, daß diese Ereignisse am Golf
positive Veränderungen im Hinblick auf den Vertrag
über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, das Verifizierungsregime und die Einhaltung des Vertrags über
C- und B-Waffen hervorbringen wird?
Antwort: Davon gehe ich aus. Meines Erachtens
haben wir gelernt, daß kurzfristig anberaumte Verdachtsinspektionen als Bestandteil eines Rüstungskontrollregimes teilweise die Fähigkeit liefern, Betrugsmanöver aufzudecken und ans Licht zu bringen.
Es gab sicherlich kein vollständig vereinbartes Regime, und es ist klar, daß der Irak seine Sicherheitsarrangements laut Nichtverbreitungsvertrag ständig
gebrochen hat. Ebenso waren die irakische Behandlung der Inspektionen sowie die Art und Weise, in der
die Iraker mit den Inspektionen umgegangen sind
AMERIKA DIENST 31

unserer Ansicht nach eindeutige Verletzungen der
Resolution 687 und ihrer Verfügungen.
Dies scheint seitens des Irak chronisch zu sein. Bisweilen scheinen die Iraker einerseits bis zu einem
gewissen Punkt weitere Informationen zu liefern. Das
ist wie bei einem Kriminellen, der hofft, daß er die von
ihm begangenen schwerwiegenden Verbrechen verschweigen kann, wenn er ein Geständnis über die
weniger bedeutenden ablegt. Aber wie bei jedem
Kriminellen, der sich vor Gericht oder in den Händen
der Polizei befindet, ist es offensichtlich, daß diese
Leute versuchen werden, den ganzen Fall zu lösen.
Über die IAEO und die Sonderkomission bemühen
sich die Vereinten Nationen derzeit intensiv, dies zu
tun.
Frage: Im Hinblick auf die irakische Weigerung,
umfassend mit den Inspektionsteams zusammenzuarbeiten, die sich um die Überprüfung der atomaren,
chemischen und biologischen Waffen des Irak bemühen, können Sie unter den Sicherheitsratsmitgliedern
eine Tendenz feststellen, derzufolge das Verifizierungsregime der IAEO gestärkt oder erneut untersucht
werden soll?
Antwort: Dr. Hans Blix, der Generaldirektor der IAEO,
hat selbst von möglichen Wegen zur Stärkung des
Regimes gesprochen, und er selbst wei ß sehr wohl um
den Wert einiger der Inspektionsverfahren, die in
Resolution 687 ausgeführt sind. Ich bin deshalb sicher, daß man sich sehr sorgfältig mit diesem Teil
beschäftigen wird.
Eines ist dabei zutage getreten, nämlich die Tatsache,
daß ein Land mit einer relativ modernen industriellen
Struktur, mit Entschlossenheit und dem notwendigen
Ausbildungsstand keiner großartigen Hilfe von außen
bedarf, um mit der Entwicklung eines Nuklearprogramms zu beginnen. Sicherlich schienen die vom
Irakin Angriff genommenen Verfahren zurelektromagnetischen Trennung von Isotopen in diese Kategorie
zu fallen.
Man kann daher nicht alle Kontrollen zur Nichtverbreitung einzig auf dem Gedanken aufbauen, daß nur
importiertes Material oder importierte Technologien
oder Aktivitäten zu kontrollieren sind. Es müssen
vielmehr durchgreifende Maßnahmen getroffen werden, um sicherzustellen, daß die einzelnen Staaten
ihre Verpflichtungen auch bei national produziertem
Material erfüllen. Das ist eine schwierigere Frage,
wenn nicht irgendeiner Organisation das Recht eingeräumt wird, Inspektionen durchzuführen, insbesondere dort, wo einzelne Staaten dies nicht melden und wo
die Überwachung des internationalen Handels nicht
zur Entdeckung dieser Materialien führt.
Frage: Glauben Sie, daß die Effektivität der Vereinten
Nationen bei der Lösung der Golfkrise andere Nationen dazu veranlaßt hat, die UNO um Hilfe bei der
Lösung ihrer Probleme zu bitten?
Seite 3

�Antwort: Das ist möglich. Man sollte in diesem
Zusammenhang zwei Punkte erwähnen. Der eine ist,
daß der Wandel in den Vereinten Nationen bereits vor
einiger Zeit eingesetzt hat und bereits einige Zeit
anhält, und dies war unterschwellig eine Grundlage für
die folgende Entwicklung. So ergab sich die Regelung
für Angola aus der Lösung für Namibia. Es dauerte
zehn Jahre, um die Regelung für Namibia zu erreichen.
Die UNO spielte in den vergangenen zwei Jahren eine
wichtige Rolle bei ihrer Verwirklichung.
Bei der weiteren Entwicklung dieser Prozesse spielt
jedoch meines Erachtens zunehmend das durch den
Golf krieg geschärfte Bewußtsein der Öffentlichkeit

*

Seite 4

*

und der politisch Verantwortlichen in der Welt sowie
das enorme weltweite Interesse daran und die Berichterstattung der Medien über den Golfkrieg eine Rolle.
Dies hat die Möglichkeiten der UNO zur Erfüllung einer
effektiveren Rolle in all diesen Bereichen in den Augen
der Menschen erhöht, die sich zu diesem Zweck an sie
wenden oder auf sie stützen könnten.
Es handelt sich um eine Symbiose. Es hängt zusammen. Es war nicht der Golfkrieg, der die UNO verändert hat. Vielmehr vollzog sich in der UNO gerade ein
Wandel, als der Golfkrieg ausbrach. Die UNO und die
Veränderungen und der Golf krieg waren Teil gemeinsamer Bemühungen.

* *

AMERIKA DIENST 31

�GOLFKRISE
7. August 1991

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG IN AMERIKA
Umfrage zur Golfkrise
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einige in Amerika aktuelle Problembereiche zur Golf krise
und die Meinung der Bürger zu diesen Themen, wie sie aus jüngsten Meinungsumfragen hervorgehen. Das
Material zu diesen Umfragen wurde vom Roper Center for Public Opinion an der University of Connecticut
gesammelt.

Amerikanische Maßnahmen am Golf immer noch
gut zu begründen

Saddam Hussein soll nicht mehr die Macht haben,
Kriege zu führen

Ein Jahr nach der irakischen Invasion Kuwaits halten
die meisten Amerikaner den Golfkrieg immer noch für
gerechtfertigt und geben an, immer noch über die
Bedingungen in der Region besorgt zu sein. Eine Mitte
Juli durchgeführte Umfrage von Associated Press
fragte, welcher der folgenden Punkte (im nachhinein)
"für die Vereinigten Staaten eine gute oder keine gute
Begründung waren, um gegen den Irak Krieg zu führen".

Antworten:

Der Irak soll daran gehindert werden, ein wichtiges Weltölreservoir zu kontrollieren.

Antworten:

Antworten:
Gute Begründung

72%

Keine gute Begründung

25%

Keine Meinung

3%

Der Irak soll an der Entwicklung von Atomwaffen
gehindert werden.
Antworten:
Gute Begründung

86%

Keine gute Begründung

12%

Keine Meinung

AMERIKA DIENST 31

Gute Begründung

85%

Keine gute Begründung

12%

Keine Meinung

2%

Irakische Truppen dürfen die Menschen in Kuwait
nicht mehr töten und mißhandeln

Gute Begründung

86%

Keine gute Begründung

13%

Keine Meinung

1%

Die kuwaitische Regierung muß wiedereingesetzt
werden
Antworten:
Gute Begründung

69%

Keine gute Begründung

26%

Keine Meinung

5%

1%

Seite 1

�Gegenwärtige Sorgen

Die Mehrheit hält den Golfkrieg für gerechtfertigt

USA Today befragte die Amerikaner über ihre aktuellen Sorgen zur Golfregion. Auf die Frage, ob sie über
"Kuwaits demokratische Fortschritte" besorgt seien,
antworteten sie:

Es wurde ferner die Frage gestellt: "Meinen Sie
aufgrund dessen, was Sie heute wissen, daß der
amerikanische Angriff auf die irakischen Streitkräfte
richtig oder falsch war?"

Sehr besorgt

24%

Etwas besorgt

47%

Richtig

79%

Nicht sehr besorgt

18%

Falsch

16%

Überhaupt nicht besorgt

9%

Keine Meinung

5%

Antworten:

Keine Meinung

Von der Nachrichtenagentur Associated Press wurde darüber hinaus gefragt, ob rückblickend "die Vereinigten Staaten den Kampf (gegen den Irak) hätten
fortsetzen sollen, um Saddam Hussein zu stürzen?"

Das irakische Atomwaffenprogramm
Sehr besorgt

67%

Etwas besorgt

22%

Nicht sehr besorgt

6%

Überhaupt nicht besorgt

4%

Keine Meinung

1%

Antworten:

43%

Etwas besorgt

40%

Ja

70%

Nein

22%

Keine Meinung

8%

Die von USA Today gestellte Frage, ob die Vereinigten Staaten "derzeit (weitere) militärische Maßnahmen gegen den Irak ergreifen sollten", wurde dagegen
folgendermaßen beantwortet:

Das Schicksal der Kurden
Sehr besorgt

5%

21%
Nicht sehr besorgt

8%

Überhaupt nicht besorgt

5%

Keine Meinung

4%

71%
Keine Meinung

7%

Saddam Husseins weiterer Verbleib an der Macht
Sehr besorgt

74%

Etwas besorgt

17%

Nicht sehr besorgt

4%

Überhaupt nicht besorgt

5%

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�GOLFKRISE
7. August 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse in den Monaten Juni und Juli 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Fortsetzung der Chronologie zu den Ereignissen
am Golf.

5. Juni
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater,
konstatierte in einer Sondererklärung des Weißen
Hauses, der Irak habe systematisch erhebliche Mengen der im Rahmen des Weltnahrungsmrttelprogramms
(World Food Program - WFP) gelieferten Nahrungsmittel in reguläre Lebensmittelrationen des Handelsministeriums umgewandelt. "Dies ist ein weiteres
Beispiel für Saddams zynische Mißachtung schwacher Gruppen von Frauen und Kindern zugunsten von
Stützungsmaßnahmen für sein Regime", erklärte Fitzwater. Das WFP beschränkt die Verteilung von Lieferungen in dem Land, bis das Problem angemessen
gelöst ist.
7. Juni
Den Vereinten Nationen zufolge soll die erste Gruppe
von Waffenexperten zur Überwachung der Zerstörung
von chemischen und biologischen Waffen des Irak am
9. Juni in Bagdad eintreffen.
Die Sonderkommission der Vereinten Nationen (U.N.
Special Commission - UNSCOM) zur Überwachung
der Abrüstung im Irak schätzt, daß der Irak etwa 600
Tonnen chemische Waffen besitzt und erklärt, sie
verfüge über "Hinweise einiger Regierungen, daß es
mehr chemische Waffen gibt als der Irak zugibt." Die
Inspektionen von UNSCOM werden bestimmen, ob
der Irak Material zur Herstellung biologischer Waffen
besitzt, das zerstört werden sollte.
8. Juni
Die kuwaitische Regierung verkündet eine Aufhebung
des Kriegsrechts zum 25. Juni. Der kuwaitische JuAMERIKA DIENST 31

stizminister erklärt, alle Gerichtsverfahren würden nach
dem 25. Juni von regulären Gerichten erneut verhandelt.
Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen ist für die Abwicklung der Operation Provide
Comfort - dem gemeinsamen Hilfsprogramm für kurdische Flüchtlinge in Nordirak - zuständig. Er wird
femer die Rolle der nichtstaatlichen und privaten Hilfsorganisationen koordinieren, die Nahrungsmittel und
Wasser verteilen, medizinische Hilfe leisten und im
Irak Versorgungscamps für die Flüchtlinge aus dem
Irak aufbauen.
10. Juni
Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Kuwait,
Edward Gnehm, begrüßt Kuwaits "unglaubliche Leistungen" beim Wiederaufbau seit der Befreiung von
der irakischen Besetzung. Gnehm fordert die Kuwaitis
auf, "in demselben Maße Gerechtigkeit und Kontinuität
für alle Menschen in Kuwait walten zu lassen, in dem
die ganze Welt diese Grundsätze für die Kuwaitis
erkämpft hat".
11. Juni
Die irakische Einhaltung von Resolution 687 des UNSicherheitsrats zur Beendigung des Krieges war "weniger als eine angemessene, befriedigende Einhaltung," deshalb werden die Handelssanktionen gegen
Bagdad wahrscheinlich weiterhin gelten, erklärte der
US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Alexander Watson, nach einem zweistündigen Folgetreffen
des UN-Sicherheitsrats. Resolution 687 stellt einen
Zeitplan auf, nach dem der Irak die Bedingungen
erfüllen muß. Die Resolution fordert eine schrittweise
Seite 1

�Aufhebung des Handelsembargos, wenn der Irak entsprechende Bedingungen erfüllt.

Beamte der Vereinten Nationen bestätigen, daß etwa
10 Beamte und Waffenexperten der IAEO und UNSCOM in den Irak zurückkehren sollen, um Berichte
12. Juni
über zusätzliche Einrichtungen zu prüfen, die zur
Waffenherstellung
Uran verarbeiten. Die Gruppe will
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar leitet eine KonBehauptungen
eines
irakischen Wissenschaftlers
ferenz in Genf, um Geld für die Programme an der
verifizieren,
der
im
Nordirak
zu den US-Truppen überGrenze des Irak zu Kuwait, der Türkei und dem Iran zu
gelaufen
ist
und
demzufolge
das irakische Regime
sammeln. Die Vereinten Nationen erklären, ihren
versucht
hat,
Uran
zur
Waffenherstellung
zu verarbeiHilfsprogrammen für den Irak, Kuwait, den Iran und die
Türkei fehlten 240 Millionen Dollar, und sie benötigten ten und über vier geheime Einrichtungen verfügt, die
dringend Geld für Nahrungsmittel und zur Unterstüt- im Krieg nicht von den Bomben der Alliierten zerstört
wurden.
zung der UNO-Truppen in kurdischen Städten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschie13. Juni
det einstimmig die UN-Resolution 699, die dem Plan
US-Botschafter Alexander Watson erklärt dem UN- des Generalsekretärs zustimmt, daß die IAEO und
Sicherheitsrat, daß 50 Prozent der irakischen Ölein- UNSCOM die Zerstörung irakischer Waffen durchfühnahmen zur Abgeltung der Schäden des Golfkriegs ren sollen.
verwendet werden sollten. Watson zufolge liegt Perez
de Cuellar mit seiner Empfehlung von 30 Prozent In einer gesonderten Abstimmung verabschiedet der
"etwas zu niedrig". Die obligatorischen Sanktionen UN-Sicherheitsrat Resolution 700, mit der das Waffengegen irakisches Öl sind jedoch immer noch in Kraft, embargo gegen den Irak bestätigt wird. Das Embargo
deckt alle Arten von konventionellen Waffen und miliund in absehbarer Zukunft werden keine irakischen
tärischem Gerät ab, chemische und biologische WafÖlverkäufe erwartet.
fen und ihre Bestandteile, alle ballistischen Raketen
mit einer Reichweite über 150 Kilometer und Atomwaf14. Juni
fen, Material oder Bestandteile. Der Rat bittet alle
Der Stellvertretende UN-Generalsekretär Richard Foran Länder, Waffenlieferungen zu überwachen und für
erklärt, Kuwait werde die erste größere Lieferung Verletzungen Strafen zu verhängen.
seines vom Irak erbeuteten Eigentums - 3.216 Goldbarren - in zwei Wochen erhalten, bei einer Übergabe 20. Juni
in Arar, Saudi-Arabien, 60 km südlich der irakischen
Grenze und 400 km westlich von Kuwait. Foran Der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums,
zufolge gibt es bisher keine Hinweise, daß Exponate Richard Boucher, bekräftigt die Sorge der Vereinigten
Staaten über die Notwendigkeit angemessener Rechtaus den kuwaitischen Museen auf dem internationalen
sprechung bei den weiterhin nach dem Kriegsrecht
Kunstmarkt gehandelt werden.
geführten Prozessen in Kuwait. "Wir haben der kuwaitischen
Regierung gegenüber... immer wieder betont,
17. Juni
wie wichtig die Achtung der Menschenrechte und
Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium, John ordentliche Prozesse sind, und das haben wir auch bei
Kelly, erklärt dem Kongreß, die Vereinigten Staaten den laufenden Gerichtsverfahren betont," erklärt
werden weiterhin die Vereinten Nationen ermutigen, Boucher.
die Bestimmungen der Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats zu verwirklichen, die ein andauerndes Em- 21. Juni
bargo militärischer Lieferungen an den Irak fordert,
ferner die internationale Überwachung der Zerstörung Das US-Finanzministerium setzt sieben Personen auf
von irakischen Massenvernichtungswaffen und balli- seine Liste von Firmen, die als Tarnunternehmen für
stischen Raketen mit Reichweiten über 150 Kilome- den Irak gearbeitet haben. Damit setzt das Ministerium seine Untersuchung fort, um die weltweite Betern.
schaffung und das finanzielle Netzwerk des Irak aufzuDem Stellvertretenden Sprecher des Weißen Hauses, decken und unschädlich zu machen. Es handelt sich
Richard Boucher, zufolge ist es wichtig, daß die In- um Ali Hassan Al-Majid, Saddams Cousin väterlicherspektionsteams der IAEO und UNSCOM ihre Autorität seits und Innenminister des Irak; Hussein Kanel Al"bestmöglich nutzen", um "kurzfristige Inspektionen Majid, Saddams Schwager und Leiter des Ministeverdächtiger Einrichtungen" durchzuführen und somit riums für Industrie und militärische Industrialisierung;
die Beseitigung der Fähigkeit des Irak zur Herstellung Barzan Ibrahim Hassan Al-Takriti, Saddams Halbbruvon Atomwaffen zu gewährleisten. Vorsitzender der der und Ständiger Vertreter des Irak bei den Vereinten
UNSCOM ist Botschafter Rolf Ekeus aus Schweden, Nationen in Genf; Sabawi Ibrahim Al-Takriti, Saddams
sein Stellvertreter ist Dr. Robert L. Gallucci aus den Halbbruder und Leiter des irakischen NachrichtenVereinigten Staaten. Der Kommission gehören Abrü- dienstes; Watban Al-Takriti, Saddams Halbbruder und
Beamter im irakischen Präsidentenpalast; Udai Sadstungsexperten aus 19 weiteren Ländern an.

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�dam Hussein, Saddams ältesten Sohn und Latif Nusayyif Jaasim, Mitglied des Revolutionären Kommandorats und früherer Minister für Kultur und Information
in der irakischen Regierung.
Die Mehrheit der 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
einigt sich darauf, daß die Handelssanktionen gegen
den Irak nicht aufgehoben werden. Die Aufrechterhaltung der Handelssanktionen gegen den Irak sei jedoch
nicht gegen irakische Zivilisten gerichtet, erklärt Botschafter Alexander Watson. "Die Lage im Irak kann
aus einer Vielzahl von Gründen schwierig sein ... die
auf das Verhalten der irakischen Regierung zurückzuführen sind", fügt der Botschafter hinzu.
24. Juni
Das von der Sonderkommission der Vereinten Nationen (UNSCOM) entsandte Team zur Zerstörung der
C-Waffen veröffentlicht eine Erklärung über die Ergebnisse seiner ersten Inspektion der Muthanna-Anlage
im Irak. Es berichtet, irakische Vertreter hätten dem
Team gegenüber erklärt, die Anlage sei für die Produktion der Unkrautvernichtungsmittel Propanil und Dalapon sowie für Forschung an den Nervengasen Soman
und VX verwendet worden, eine umfangreiche Produktion von Nervengasen habe jedoch nicht stattgefunden. Der Bericht gelangt zu dem Schluß, daß die
Besichtigung "nur eine erste Sondierungsinspektion"
gewesen und es nicht möglich sei, Schlußfolgerungen
über den Wahrheitsgehalt der generellen Erklärung
des Irak zur Muthana-Anlage zu ziehen.
25. Juni
Die kuwaitische Regierung gibt die Aufhebung des
Kriegsrechts bekannt.
26. Juni
Die Vereinigten Staaten beschuldigen den Irak der
absichtlichen Täuschung der Vereinten Nationen und
der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
über sein Atomwaffenprogramm und verurteilen Bagdad für die Verhinderung der Überraschungsinspektion einer Militäranlage, in der Material zur Kernspaltung vermutet wird. Die Vereinigten Staaten "sind tief
besorgt über die Umgehung der Verpflichtungen des
irakischen Regimes gemäß UN-Resolution 687", stellt
die Sprecherin des US-Außenamts, Margaret Tutwiler, in einer Sondererklärung fest.
Der Irak verweigert der Sonderkommission der Vereinten Nationen (UNSCOM) im Irak die Verifizierung und
Offenlegung von Material zur Kernspaltung und Massenvernichtungswaffen des Irak, erklärt der Abteilungsleiter im US-Außenministerium, John Kelly, vor
dem Kongreß. Der Irak verhindert den Zugang zu
Anlagen, "in denen verdächtige Aktivitäten stattfinden", so Kelly. "Wir sind nicht bereit, Nein als Antwort
zu akzeptieren.. Wir sind fest entschlossen, für die
vollständige Durchführung dieser Resolutionen Sorge

AMERIKA DIENST 31

zutragen. Wir werden darauf drängen, daßdie Vereinten Nationen eine unerschütterliche Haltung gegenüber dem Irak einnehmen, weil diese Art von Verletzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats... nicht
hinnehmbar ist."
Der UN-Sicherheitsrat hält offizielle und inoffizielle
Sitzungen ab, "um tiefe Bestürzung über den Versuch
des Irak zum Ausdruck zu bringen, das Ausmaß seiner
mit Atomwaffen zusammenhängenden Programme zu
verschleiern." Der Rat weist seinen derzeitigen Präsidenten, den Vertreter der Elfenbeinküste, Jean-Jacques Bechio, an, sich mit dem ständigen Vertreter des
Irak zu treffen, um "neue schriftliche Versicherungen
der Einhaltung von Resolution 687 durch den Irak" zu
fordern. Der Ratspräsident ist angewiesen, die unbeugsame Haltung des Sicherheitsrats anzudeuten,
daß der Irak unverzüglich der Sonderkommission das
von der Anlage im Irak entfernte Gerät zur Verfügung
stellt.
27. Juni
Der Unterabteilungsleiter im US-Außenministerium,
David Mack, beruft den Leiter der irakischen Interessenvertretung in Washington ins Außenministerium,
um Bagdad zu warnen, daß es die Bestimmungen der
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats bezüglich der
Inspektion seiner Nuklearanlagen strikt einhalten muß.
28. Juni
Die Vereinigten Staaten erklären, am 28. Juni seien
Warnschüsse auf Inspektionsteams abgefeuert worden, als irakische Behörden die Überraschungsinspektion einer Militäreinrichtung zum zweiten Mal binnen
einer Woche verhinderten. Mit der Verurteilung der
"totalen Mißachtung" der Resolution 687 des UNSicherheitsrats durch den Irak, die den ungehinderten
Zugang zu vermuteten Atomanlagen fordert, charakterisiert die Sprecherin des US-Außenministeriums,
Margaret Tutwiler, das Verhalten des Irak als "einen
eindeutigen und offenkundigen Bruch der Resolution
687 des UN-Sicherheitsrats".
In einer in Kennebunkport (Maine) abgegebenen Erklärung bekräftigt Präsident Bush, daß der irakische
Präsident Saddam Hussein die UN-Resolutionen einhalten muß. "Wie alle anderen möchte auch ich die
vollständige Verwirklichung dieser UN-Resolutionen
sehen", stellt der Präsident fest.
Der UN-Sicherheitsrat entscheidet die Entsendung
einer Sonderdelegation nach Bagdad, um mit den
irakischen Behörden den jüngsten Vorfall zwischen
dem irakischen Militär und einem UN-Team zu erörtern, das versuchte, vermutlich in eine zweite irakische
Anlage verlegtes uranangereichertes Material zu inspizieren. Dem schwedischen Diplomaten Rolf Ekeus
zufolge, der die UN-Sonderkommission leitet, wurde
dem Team am Morgen des 28. Juni erneut der Zugang
zur AI Falluja-Anlage verweigert. Mit diesem ZwiSeite 3

�schenfall hat der Irak zum zweiten Mal in einer Woche
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats verletzt.
30. Juni
Eine UN-Delegation mit Botschafter Rolf Ekeus, dem
Vorsitzenden der UNSCOM, Hans Blix, dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation und Yasushi Akashi, dem Stellvertretenden UNGeneralsekretär für Information bricht in den Irak auf.
5. Juli
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen umfangreiche
diplomatische Konsultationen zum kontinuierlichen
Widerstand des Irak gegen internationale Nuklearinspektionen, erklärt der Stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Roman Popadiuk.
9. Juli
Die Vereinigten Staaten fordern die vollständige Enthüllung der Nuklearaktivitäten des Irak und unverzüglichen Zugang zu irakischen Einrichtungen für UNInspektoren. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Margaret Tutwiler, erklärt, die irakische Regierung habe in einem 29 Seiten umfassenden Schreiben
an UN-Generalsekretär Perez de Cuellar zugegeben,
aus bestimmten "nationalen Sicherheitserwägungen"
Gerät vor der UN und IAEO versteckt zu haben, jedoch
eingeräumt, ihr Programm diene nur friedlichen Zwekken. Die vom Irak abgegebenen Erklärungen zum
Umfang seiner Fähigkeiten decken sich nicht mit den
wissenschaftlichen Daten der Vereinigten Staaten über
die irakischen Programme, so Tutwiler. "Wir finden
dies völlig inakzeptabel", stellt sie fest und verweist auf
die Zustimmung des Irak zu Resolution 687 des UNSicherheitsrats und deren vollständiger Verwirklichung.
Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete
Williams, erklärt, von den auf dem Höhepunkt der Krise
rund 500.000 Geflohenen, "verbleiben nur ungefähr
9.500 im UN-Camp in Sacho". Ihm zufolge ist die
humanitäre Mission der amerikanischen Streitkräfte
im Nordirak "praktisch abgeschlossen".
Beim Treffen der fünf Ständigen Vertreter des UNSicherheitsrats über Rüstungstransfers und Nichtweiterverbreitung in Paris wird eine von Massenvernichtungswaffen freie Zone im Nahen Osten gefordert. Die
Vereinigten Staaten, Großbritannien, China, Frankreich und die Sowjetunion erklären den Nahen Osten
zum Hauptspannungsgebiet und vereinbaren ein Treffen im September, um Konsultationen und einen Informationsaustausch über Waffenlieferungen in die Region
zu erarbeiten.
11. Juli
Die Regierung des Irak ist sowohl im Rahmen des
gültigen Völkerrechts als auch der Resolution 687 des
UN-Sicherheitsrats "voll und ganz verantwortlich" für

Seite 4

während der Besetzung Kuwaits verursachte "mutwillige" Umweltverschmutzung, erklärt der Rechtsberater
des US-Außenministeriums, Michael J. Matheon, vor
dem Kongreß.
12. Juli
Dem Pentagon-Sprecher Pete Williams zufolge haben
die Nordirak verlassenden Koalitionsstreitkräfte den
Irak vor einer erneuten Verletzung des Friedens in der
Region gewarnt. Williams erklärt, irakische Regierungsvertreter seien über die besonderen Forderungen der Koalitionsstreitmacht informiert worden: Irakische Flugzeuge dürfen nicht nördlich des 36. Breitengrades fliegen, und die irakische Armee, Sonderpolizei
und militärischen Grenzschutzbeamten müssen ausserhalb der Sicherheitzone bleiben.
Die fünf Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats mahnen
den Irak, in den nächsten zwei Wochen sein gesamtes
Nuklearwaffenmaterial offenzulegen oder sich auf
ernsthafte Konsequenzen gefaßt zu machen. Westliche Diplomaten geben keine Einzelheiten über das
Treffen hinter verschlossenen Türen zwischen den
fünf Botschaftern und dem irakischen Botschafter Abdul
Amir Al-Anbari preis. Die Fünf räumen Bagdad eine
Frist bis zum 25. Juli zur uneingeschränkten Zusammenarbeit mit den UN-Teams im Land ein.
Der kurdische Rebellenführer Jalal Talabani trifft mit
dem irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein
zusammen und erklärt anschließend, das Gespräch
habe einige Hindemisse auf dem Weg zu einer Vereinbarung über kurdische Autonomie aus dem Weg geräumt. Dagegen stellt der Anführer der Kurdischen
Demokratischen Partei, Massud Barzani, fest, es gebe
noch eine Reihe ungelöster Probleme mit der irakischen Regierung, darunter der Umfang des künftigen
autonomen Kurdengebiets sowie Bestimmungen in
einem Mehrparteiengesetz, die es allein der regierenden Baath-Partei Saddam Husseins gestatten würden, in den Streitkräften und Sicherheitszonen zu
werben.
15. Juli
Die humanitären Grundbedürfnisse des irakischen
Volkes könnten dem Stellvertretenden Sprecher des
US-Außenministeriums, Richard Boucher, zufolge im
Rahmen der bestehenden Sanktionen des UN-Sicherheitsrats befriedigt werden. Gleichwohl gingen die
Vereinigten Staaten davon aus, daß jeder zur Grundversorgung des irakischen Volkes entwickelte Liefermechanismus "strikte Kontrollen und genaue Überwachung beinhalten muß". Boucher erklärt, daßseitdem
22. März 1991 Lieferungen von über 1,1 Millionen
Tonnen an Nahrungsmitteln (für den Irak) bekanntgeworden seien, also etwa eine Tonne auf 18 Iraker. Die
Vereinigten Staaten stünden "in engen Konsultationen
mit den Mitgliedern des Sicherheitsrats und unseren
Koalitionspartnern".

AMERIKA DIENST 31

�Die UNO-Sonderkomission (UNSCOM) berichtet, sie
habe eine weitere viele Milliarden Dollar teure Stätte
zur Anreicherung von Uran ermittelt, die Bagdad in
seiner Deklaration für den UN-Sicherheitsrat nicht
erwähnt habe. Dem Bericht zufolge bestehen weiterhin Diskrepanzen zwischen den von Irak gemeldeten
Beständen und den Ermittlungsergebnissen der Experten bei Inspektionen von Einrichtungen im gesamten Land. Das Team erklärt, der Typ der bisher
untersuchten Einrichtungen sei für die friedliche Nutzung der Kernenergie ungeeignet.
Die UNSCOM bestätigt Berichte, wonach sie am 18.
Juni 1991 abgeschickte Dokumente vom Irak erhalten
habe, in denen Bagdad den Bau einer "Superkanone"
zugibt. Noch im Mai hatte der Irak den Besitz einer
solchen Kanone dementiert. Aus diplomatischen Kreisen
verlautet, die Kommission versuche herauszufinden,
ob diese Waffe chemischen, biologischen oder nuklearen Zwecken dienen sollte.
18. Juli
Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium, John
Bolton, erklärt in einer Stellungnahme im Kongreß zur
Freigabe irakischer Vermögenswerte und deren Übergabe an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
(UNICEF), die Vereinigten Staaten stünden den Bedürfnissen des irakischen Volkes und den Absichten
dieses Vorschlags wohlwollend gegenüber. "Der erste
Schritt muß jedoch von Bagdad ausgehen. Man hat
dort keinerlei humanitäre Anzeichen gegeben."
US-Botschafter Thomas Pickering erklärt nach einer
scharfen Verurteilung der irakischen Verletzungen des
Waffenstillstandsabkommen zur Beendigung des
Golfkrieges vor dem Kongreß, jegliche Hilfslieferungen an irakische Bürger müßten strikt kontrolliert und
von der internationalen Staatengemeinschaft überwacht werden.
19. Juli
Die UNSCOM erklärt, "es bleibt noch viel zu tun", um
das gesamte Ausmaß des irakischen Programms zu
klären. Ein Drittel der Nuklearexperten und IAEOVertreter besichtigten gegenwärtig Standorte und
sammelten Daten im Irak.
Die U NO-Truppen im Nordirak berichten von Zusammenstößen zwischen kurdischen und irakischen Streitkräften. Erste beim Chefdelegierten Prinz Sadruddin
Agha Khan in Genf eingegangene Berichte sprechen
von 50 bis 500 Opfern. Die Zahl der Verletzten ist
unklar.
23. Juli
Das Exekutivrat der UN-Entschädigungskommission,
dem Vertreter der gegenwärtigen 15 Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats angehören, tritt zum ersten Mal in

AMERIKA DIENST 31

Genf zusammen, um Leitlinien für die Stellung und Bewertung von Forderungen aufgrund der irakischen Besetzung Kuwaits festzulegen.
24. Juli
Fausto Pocar, Menschenrechtsexperte aus Italien und
Vorsitzender des Menschenrechtskomitees der Vereinten Nationen, kritisiert den Irak wegen "unbefriedigender" Antworten auf Fragen zur Einhaltung internationaler Menschenrechtsnormen und erklärt, das
Komitee "sei überhaupt nicht zufrieden" mit den Antworten des Irak auf Fragen über seine Aktionen im
Umfeld der Invasion Kuwaits. In einigen Fällen seien
die Antworten "nicht existent", stellt er fest.
25. Juli
Die von den fünf Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats gesetzte Frist für die vollständige Bekanntgabe seines Nuklearprogramms durch den Irak verstreicht, ohne daß die Diplomaten mit den Antworten
Bagdads zufrieden sind.
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO)
erklärt, der Irak habe nicht - wie von der Waffenstillstandsresolution des Sicherheitsrats verlangt - das
vollständige Ausmaß seines Atomprogramms preisgegeben und darüber hinaus den Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen gebrochen. Die IAEO
plant deshalb eine vierte Inspektion der Einrichtungen
des Irak. Der britische Botschafter Hannay stellt in

diesem Zusamenhang fest: "Wir alle überlegen uns
sehr sorgfältig, was wir nun unternehmen, und dies ist
in den kommenden Tagen ein Hauptanliegen für den
Sicherheitsrat." Er fügt hinzu: "Auf die eine oder
andere Weise wird das Atomprogramm des Irak beseitigt werden."
Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete
Williams, stellt fest, obwohl "Äußerungen über militärische Aktionen nie besonders an den Stichtag 25. Juli
gebunden waren ... sind wir weiterhin bereit, militärische Maßnahmen zu ergreifen, wenn wir den Befehl
dazu erhalten".
26. Juli
Präsident Bush benachrichtigt den Kongreß, daß er
die Anweisungen vom 2. und 9. August 1990 über ein
vollständiges Embargo für den Handel mit dem Irak
verlängert hat.
Dem Präsidenten zufolge hat das irakische Regime
"weiterhin grundlegende Menschenrechte verletzt, indem
es die irakische Zivilbevölkerung unterdrückt, ihr
humanitäre Hilfe vorenthalten und es versäumt hat,
sich voll und ganz an die verbindlichen Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats zu halten. Die Vereinigten
Staaten werden die Wirtschaftssanktionen aufrechterhalten, um den Irak von der Bedrohung des Friedens
und der Stabilität der Region abzuschrecken."

Seite 5

�30. Juli
UN-Vertreter bestätigen, daß Kuwait das Gold, die
Banknoten und Währungsreserven, die vom Irak
gestohlen wurden, ab dem 5. August 1991 zurückerhalten wird.
Die Überführung von 3.216 Goldbarren wird von den
Vereinten Nationen in der saudiarabischen Stadt Arar
60 Kilometer südlich der irakischen Grenze und 400
Kilometer westlich von Kuwait überwacht. Hans Glittenberg, Verwaltungschef des Wiener UNO-Büros,
wird den Transfer beaufsichtigen. Zwei Goldexperten
der Österreichischen Nationalbank werden daran teilnehmen.

der chemischen Waffen und Einrichtungen", die sie
Mitte Juni während ihrer ersten Inspektion eines Standorts von 25 Quadratmeilen Größe bei Samarra vorfanden, überrascht gewesen. Als Ergebnis der Enthüllungen wird die Sonderkommission Ekeus zufolge "ein
umfassendes und komplexes Inspektionsprogramm"
mit "fünf aufeinanderfolgenden Inspektionen" durchführen. Ein Team von 70 Chemiewaffenexperten soll
im September für sechs bis acht Wochen in den Irak
reisen. Zwei weitere Missionen an anderen Standorten sollen im August stattfinden.

Der Generaldirektor der IAEO, Hans Blix, erklärt in
einem Bericht an den Sicherheitsrat über die Ergebnisse der dritten Inspektion der irakischen Nukleareinrichtungen,
einen bevorstehenden Besuch zur BesichtiUNSCOM-Inspektoren zufolge besitzt der Irak46.000
gung
biologischer
Waffenstandorte und Pläne zur
Chemiewaffen - viermal soviel wie ursprünglich gemelÜberwachung
der
langfristigen
Einhaltung der Waffendet. In seinem Bericht an den UN-Sicherheitsrat hatte
stillstandsbedingungen
durch
den
Irak, das vollständiBagdad angegeben, es besitze 11.100 mit Wirkstoffen
ge
Ausmaß
der
irakischen
nuklearen
Fähigkeiten sei
gefüllte Waffen sowie 1.000 Tonnen an Wirkstoffen
unbekannt
und
die
IAEO
besitze
noch
keine Aufstelund chemischen Grundstoffen.
lung allen Nuklearmaterials in dem Land.
"Die Mitglieder des Sicherheitsrats waren von den
neuen Zahlen über chemische Waffen und der Menge 2. August
der Bestände schockiert, die ihnen zum ersten Mal Ein UN-Team von Inspektoren für biologische Waffen
mitgeteilt wurden", erklärt Botschafter Pickering.
trifft in Bagdad ein, obwohl der Irak erklärt hat, er habe
Der Vorsitzende von UNSCOM, Botschafter Rolf Ekeus, kein B-Waffenprogramm.
stellt fest, die Ermittler seien von "Menge und Umfang

Seite 6

AMERIKA DIENST 31

l

'

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11219">
              <text>07.08.1991</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11220">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11221">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11222">
              <text>Amerikadienst 07.08.1991</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11223">
              <text>&lt;strong&gt;1. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampelman: Behandlung der Minderheitenprobleme vordringlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kampelman vor Kongreßkommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UNO nach wie vor unbeugsam gegenüber Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Botschafter Pickering&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die öffentliche Meinung in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfrage zur Golfkrise&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse in den Monaten Juni und Juli 1991&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
