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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

30

Deichmanns Aue 29

31. Juli 1991

5300 Bonn 2

MOSKAUER GIPFEL

BUSH: UMFASSENDE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN MIT SOWJETUNION IN
GREIFBARER NÄHE
Rede beim Moskauer Staatsinstitut
für internationale Beziehungen

START

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER DIE
VERRINGERUNG STRATEGISCHER
RÜSTUNGEN
Eine Übersicht des ACDA

NAHER OSTEN

PARISER TREFFEN ERSTER SCHRITT
ZUR BEGRENZUNG VON
WAFFENLIEFERUNGEN IN
DEN NAHEN OSTEN
Bartholomew vor Unterausschuß des Senats

UMWELT

PRÄSIDENT ERNENNT KOMMISSION
FÜR UMWELTQUALITÄT
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�MOSKAUER

GIPFEL
31. Juli 1991

BUSH: UMFASSENDE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
MIT SOWJETUNION IN GREIFBARER NÄHE
Rede beim Moskauer Staatsinstitut für internationale Beziehungen
MOSKAU - (AD) - Mit dem Ziel der vollständigen Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zur Sowjetunion
wird Präsident Bush dem amerikanischen Kongreß ein Handelsabkommen vorlegen, das der UdSSR den
Meistbegünstigungsstatus einräumt.
In einer Rede beim Moskauer Staatsinstitut für internationale Beziehungen am 30. Juli 1991 erklärte Bush
darüber hinaus, er werde die Aufhebung gesetzlicher Beschränkungen anstreben, mit denen den Sowjets der
Zugang zu staatlichen Krediten und Kreditbürgschaften der Vereinigten Staaten versperrt werde. Bush zufolge
bemühen sich die Vereinigten Staaten "die Türen für den sowjetischen Eintritt in die Weltwirtschaft zu öffnen".
Sie würden die Vollmitgliedschaft der UdSSR im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen unterstützen,
nachdem die Sowjetunion die notwendigen Wirtschaftsreformen durchgeführt hat.
Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede des US-Präsidenten im Wortlaut.

Über vier Jahrzehnte hinweg waren unsere beiden
Staaten in einem Konflikt verhaftet, als der kalte Krieg
seine Schatten auf einen bewaffneten und unsicheren
Frieden warf. Dieser Gipfel markiert einen neuen
Anfang, die Aussicht, daß wir einem langen Zeitalter
der Gegnerschaft ein Ende bereiten, ein neues Kapitel
in der Geschichte unserer beiden Staaten schreiben,
eine neue Partnerschaft und einen soliden Frieden
schmieden können.
Wir haben Grund zur Hoffnung. Ja, wir haben sogar
guten Grund zur Hoffnung. Eine nach der anderen
treten die grausamen Realitäten des kalten Krieges in
den Hintergrund, und eine neue Welt der Möglichkeiten ruft uns auf, vorwärts zu schreiten. In Europa, das
40 Jahre lang die Trennungslinie im Ost-West-Konflikt
bildete, finden die Nationen Mitteleuropas heute ein
gemeinsames Haus in der Demokratie vor. Weit über
die Grenzen dieses Kontinents hinaus, von Afghanistan bis zum Hörn von Afrika, von Angola bis Mittelamerika drohen regionale Konflikte nicht länger zu
Auslösern einer Konfrontation zwischen den Supermächten zu werden. Weltweit ist das Risiko eines den
Globus umspannenden Krieges heute niedriger als
jemals in der Nachkriegszeit.

AMERIKA DIENST 30

Die Herausforderung, der wir bei diesem Gipfeltreffen
gegenüberstehen, die Herausforderung, mit der Sie
als gegenwärtige und künftige Führungskräfte dieser
großen Nation konfrontiert sind, lautet schlicht und
einfach folgendermaßen: gemeinsam müssen unsere
beiden Nationen ein halbes Jahrhundert des Mißtrauens überwinden, um diese Gelegenheit zu ergreifen
und einen dauerhaften Frieden aufzubauen.
In den vergangenen zwei Jahren haben Präsident
Gorbatschow und ich substantielle Fortschritte beim
Aufbau dieses neuen Verhältnisses erzielt. Gemeinsam haben wir - die sowjetische Seite und die amerikanische Seite - der Rüstungskontrolle neue Chancen
eröffnet. Im vergangenen Herbst haben wir in Paris
epochemachende Reduzierungen der in Europa stationierten konventionellen Streitkräfte vereinbart. Morgen
werden wir im Kreml den historischen START-Vertrag
unterzeichnen, den ersten Vertrag, der die gefährlichsten und destäbilisierendsten atomaren Waffen erheblich reduziert.
Die Abnahme von Spannungen hat es ferner unseren
beiden Staaten ermöglicht, die Wirtschaftsbeziehungen zu normalisieren. Präsident Gorbatschow und ich

Seite 1

�haben dies beim Gipfeltreffen in Malta zur Priorität
erklärt, und ich freue mich heute berichten zu können,
daß dieser Prozeß der Normalisierung jetzt nahezu
abgeschlossen ist. Im Mai hat der Oberste Sowjet das
Haupthindernis für den Ausbau des Handels beseitigt:
die sowjetischen Beschränkungen für freie Auswanderung. Das neue sowjetische Auswanderungsgesetz
bedeutet einen wichtigen Schritt nach vom, einen Sieg
für alle, die den Menschenrechten einen hohen Wert
beimessen.
Als Folge dieses Prozesses werde ich nach meiner
Rückkehr nach Washington dem Kongreß der Vereinigten Staaten das von uns vor einem Jahr unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen
vorlegen. Danach können wir der Sowjetunion den
Meistbegünstigungsstatus einräumen.
Ich werde den Kongreß auffordern, die Byrd- und
Stevenson-Zusätze aufzuheben, Beschränkungen, mit
denen die Kreditvergabe eingeschränkt und der Handel behindert wird. Darüber hinaus werden wir unsere
Bemühungen beschleunigen, ein Steuerabkommen
und ein bilaterales Investitionsabkommen abzuschließen.
Einen Großteil dieses Jahrhunderts stand die Sowjetunion au ßerhalb des Weltmarkts. Sie stand abseits als
die Kräfte des freien Markts im Westen einzigartigen
Wohlstand schufen. Die Ergebnisse dieser selbstgewählten Isolation von der Weltwirtschaft erwiesen sich
als äußerst kostspielig.
Aber nun haben Veränderungen eingesetzt. Beim
Londoner Gipfeltreffen diesen Monat sprach Präsident
Gorbatschow vom Interesse der Sowjetunion an einer
vollständigen Integration in die Weltwirtschaft.
Die Sowjetunion sollte vollständig an der Weltwirtschaft teilhaben, und die Vereinigten Staaten werden
Sie bei diesen Bemühungen unterstützen. Über den
beiderseitigen Handel hinaus bemühen sich die Vereinigten Staaten, die Türen für den sowjetischen Eintritt
in die Weltwirtschaft zu öffnen. Und deshalb haben die
Vereinigten Staaten den sowjetischen Beobachterstatus beim GATT unterstützt - und die Vollmitgliedschaft,
wenn die UdSSR die notwendigen Reformen vollendet, die sie in Angriff genommen hat. Aus diesem
Grund habe ich ferner im vergangenen Dezember
vorgeschlagen - und die G-7 hat dem soeben zugestimmt -, daß die UdSSR eine besondere Assoziierung
mit IWF und Weltbank eingeht. Die Sowjetunion hat
unlängst ihr massives Wiederaufbauprogramm einer
Wirtschaftsreform in Angriff genommen. Ihre Bedeutung und ihre schiere Grö ße berechtigen sie zu diesem
Sonderstatus, der schneller zu dem Tag hinführen
wird, an dem sie sich vollständig für die Leistungen der
internationalen Finanzinstitutionen qualifiziert.
Mit diesen Maßnahmen werden der Sowjetunion Hilfe
und Fachwissen zur Verfügung gestellt, die dazu bei-

Seite 2

tragen können, den schwierigen Übergang zu einer
Marktwirtschaft zu erleichtern und den Lebensstandard des sowjetischen Volks zu verbessern.
Der krönende Beweis dafür, daß wir die Animositäten
des kalten Kriegs überwinden, bleibt jedoch unsere
Zusammenarbeit am Persischen Golf. Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges hätte die irakische Aggression gegen einen kleinen Nachbarstaat unsere beiden
Nationen und sogar die ganze Welt sehr wohl an den
Rand eines Konflikts bringen können. Statt dessen hat
unsere Zusammenarbeit die internationale Isolierung
Saddam Husseins sichergestellt. Und wenn Saddam
Hussein gedacht hat, er könne unsere Differenzen zu
seinem eigenen Vorteil ausbeuten, so hat er sich total
verrechnet. An jedem entscheidenden Punkt der Krise
arbeiteten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zusammen, um Saddam ein starkes und anhaltendes Signal zu senden, daß diese Aggression nicht
Bestand haben würde.
Und heute gibt unsere Zusammenarbeit am Golf Anlaß
zu der Hoffnung, daß wir zusammen auf einen gerechten und dauerhaften Frieden in Weltregionen hinarbeiten können, die heute im Nahen Osten, Kambodscha
und Afghanistan von Konflikten geschüttelt werden, so
wie wir zusammengearbeitet haben, um Frieden und
freie Wahlen nach Namibia, Angola und - ja - Nicaragua zu bringen.
Bei jedem Aspekt unserer Beziehungen - militärisch,
politisch, wirtschaftlich - sehen wir positive Anzeichen
einer neuen Partnerschaft. Aber trotz aller von uns
erzielten Fortschritte - darüber sollten wir uns nicht
hinwegtäuschen - bleiben Hindemisse bestehen. Unsere
Fähigkeit, sie zu überwinden, wird die entscheidende
Probe für die Stärke dieser neuen Beziehung sein, von
der ich spreche.
In vielen Fällen sind wir mit Konflikten und Streitigkeiten konfrontiert, die ihren Ursprung in dem Weltkrieg
haben, der vor 50 Jahren gekämpft wurde und die
durch den darauf folgenden langen kalten Krieg in
ihrem damaligen Zustand eingefroren wurden. Dazu
gehören Auseinandersetzungen wie der von uns unterstützte japanische Anspruch auf seine nördlichen
Territorien. Dieser Streitfall könnte Ihre Integration in
die Weltwirtschaft behindern, und wir möchten alles in
unserer Macht Stehende tun, um beiden Seiten bei
seiner Lösung zu helfen.
Auch die Fragen im Hinblick auf die Zukunft der
baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sind
schwierig. Heute bittet eine neue demokratisch gewählte und den Willen der baltischen Völker widerspiegelnde Generation politisch Verantwortlicher im Baltikum eine neue Generation sowjetischer Politiker, eines der dunkelsten Kapitel der Stalin-Ära zu schlie ßen.
Zweifelsohne können vernunftbegabte und von gutem
Willen geleitete Männer und Frauen einen Weg finden,
um den baltischen Völkern Frieden zu geben.

AMERIKA DIENST 30

�Nur aufrichtig geführte Verhandlungen mit den baltischen Regierungen können das Streben ihrer Völker
nach Freiheit erfüllen. Wir dürfen die positiven Fortschritte, die wir erzielt haben, nicht Gefahren ausgesetzt oder in Zweifel gezogen sehen. Vor allem
benötigen wir eine eindeutige und uneingeschränkte
Verpflichtung zu friedlichem Wandel.
Ein weiteres Hindernis liegt unmittelbar vor der Türschwelle der Vereinigten Staaten. Ich bin sicher, Sie
alle wissen, wovon ich spreche. Neunzig Meilen vor
der Küste Floridas befindet sich noch immer dieses
Hindernis - Kuba. Die Vereinigten Staaten stellen
keine Bedrohung für Kuba dar und aus diesem Grund
besteht für die Sowjetunion keine Notwendigkeit, Millionen von Dollar an Militärhilfe nach Kuba zu pumpen,
insbesondere da der uneinsichtige, durch seinen eigenen veralteten Totalitarismus isolierte Castro seinem
Volk jeden Schritt zur Demokratie verweigert. Castro
teilt weder Ihr Vertrauen in Glasnost noch Ihr Vertrauen in Perestrojka.
Schlie ßlich ist es an der Zeit, daß Ihr Militärapparat den
Friedenszeiten angepaßt wird. Es ist Zeit, die Militärausgaben zu reduzieren. In den Vereinigten Staaten
tun wir das bereits. Die Welt hat sich verändert.
Während Sie darum kämpfen, Teil der Weltwirtschaft
zu werden, bieten wir unsere Hilfe bei der Umrüstung
Ihres militärisch-industriellen Potentials zu produktiven, friedlichen Zwecken an. Wir sind uns der Schwierigkeiten der Militärreform und der konkurrierenden
Bedürfnisse des Volkes bewußt, das sich in einem
Vakuum befindet, wenn das Ende des kalten Krieges
den Weg zu einer neuen Weltordnung freimacht, aber
wir wissen auch: die Entmilitarisierung Ihrer Volkswirtschaft ist der Schlüssel zu wirtschaftlichem Umbruch.
Er wird Sie in die Lage vesetzen, mehr Ressourcen für
Wirtschaftswachstum aufzuwenden und die Regale in
Ihren Läden füllen.
Die größte Herausforderung - der einzelne, wesentlichste Faktor beim Schmieden einer neuen Partnerschaft zwischen unseren beiden Nationen - ist nach
wie vor das Ergebnis des Experiments der Umgestaltung der sowjetischen Wirtschaft und Gesellschaft.
Führen Sie sich die Sowjetunion von heute vor Augen
- die Tage, an denen ein kleiner, hinter den hohen
Mauern des Kreml versteckter Kader die Hebel der
Macht bewegte, sind vorüber. Die Tage eines Parlaments der Ja-Sager und des Einparteienmonopols,
das eine Meinung durchsetzte, gehören der Vergangenheit an.
Statt dessen sehen wir unverkennbare Zeichen der
neuen Sowjetunion. Einstmals in der Verbannung
schmachtende Dissidenten sind heute Abgeordnete
im Volkskongreß. Samisdat wurde von offen auf der
Straßen geäußerter Kritik abgelöst. Eine neue sowjetische Revolution hat begonnen - eine vom Auftreten
vieler Meinungen innerhalb und außerhalb der Regierung und der Bildung zahlreicher politischer Parteien

AMERIKA DIENST 30

hier in Moskau und allen Teilen der unendlichen Weite
dieses großen und wundervollen Landes gekennzeichnete Revolution.
Die Kräfte des reaktionären Widerstands haben noch
immer große Macht, aber jeder Tag schafft neue
Bündnisse, ein neues Manifest für Wandel, einen
neuen Ruf nach Aktion. Inmitten dieses sich verändernden Szenariums stellen einige die Frage: "Was
für eine Politik vertreten wir gegenüber all diesen
Gruppen? Wen und was unterstützen wir?" Und
meine Antwort ist klar. Die Vereinigten Staaten stehen
zu den Kräften der Freiheit und Reform, wo immer sie
anzutreffen sind.
Mein Land ist bereit, dieser neuen sowjetischen Revolution zu helfen. Im wirtschaftlichen Bereich muß die
Umgestaltung von innen kommen. Weder der Mangel
an ausländischem Kapital hat Ihre Wirtschaft in die
Krise gestürzt, noch können Ihre wirtschaftlichen
Schwächen mit einer simplen Kapitalspritze kuriert
werden. Nur durch echte Reformen kann die Sowjetunion die kontraproduktive Kommandowirtschaft abschaffen, nur durch echte Reformen kann sie die
Talente, Energie und das unternehmerische Potential
ihres Volkes freisetzen.
Während die Marktreformen Fortschritte machen, sind
die Vereinigten Staaten zur Unterstützung Ihrer Bestrebungen bereit. Der nächste Schritt ist meines
Erachtens jetzt, eine Wirtschaftsstrategie mit dem IWF
und der Weltbank zu erarbeiten, eine Strategie, die
sich der Unterstützung der internationalen Investoren
erfreut. Es sollte sich um ein Programm handeln, das
Prioritäten festsetzt und Ihre enormen natürlichen
Schätze sinnvoll nutzt. Vor allem aber muß es ein Plan
sein, der Ihr großes menschliches Potental - das
sowjetische Volk - freisetzt. Der Fortschritt hängt vom
Tempo Ihrer Reformen ab - der Geschwindigkeit, mit
der Sie von einem auf Kommando und Kontrolle gegründeten zu einem auf Angebot und Nachfrage basierenden System übergehen. Ebenso wie in Osteuropa
wird unsere Hilfe mit dem Tempo Ihrer Reformen
Schritt halten.
Unsere neue Partnerschaft muß jedoch über die
Regierungsstellen in Washington und Moskau und den
Hauptstädten Westeuropas hinausgehen. Angesichts
ihrer knappen Ressourcen haben die westlichen
Regierungen nicht viel Handlungsspielraum. Aus diesem
Grund müssen wir die Geschäftsleute aus Europa und
Amerika und ihre Partner in der gesamten Sowjetunion
zusammenbringen.
Unsere neue Partnerschaft muß die Tausenden von
Meilen zwischen amerikanischen Kleinstädten und
Städten in der Sowjetunion überbrücken. Das bedeutet, den Austausch von Wissenschaftlern, Künstlern
und Technikern zu erweitern. Und von den großen
Städten Moskau und Kiew, den Ebenen Zentralasiens
und den Dörfern in Sibirien bis zum Hafen von Wladi-

Seite 3

�wostok und für alle dazwischenliegenden Orte heißt
dies, daß Schüler an amerikanischen Schulen lernen
und bei amerikanischen Familien leben werden, weitere Tausende amerikanischer Studenten in die Sowjetunion kommen, um Ihre Vergangenheit zu erforschen und aus erster Hand die Zukunft zu erleben, die
Sie schaffen.
Vier lange Jahrzehnte war Zusammenarbeit dieser Art
Opfer des kalten Krieges. Lassen Sie also diesen
Moskauer Gipfel als eindeutiges Symbol für das Ende
dessen stehen, das - und darin sind wir uns wohl alle
einig - ein Zeitalter des Mi ßtrauens war, und lassen Sie

ihn ein Symbol für den Neuanfang zwischen unseren
beiden Nationen sein. Ein Zeitalter des Fortschritts zu
einer neuen Welt des Friedens und der Partnerschaft.
Ich danke Ihnen nochmals für die Gelegenheit, vor
diesem Institut sprechen zu dürfen. Ich möchte Ihnen
versichern, daß die Beziehugnen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten gut sind und
besser werden, und es ist mein Ziel als Präsident der
Vereinigten Staaten, danach zu trachten, daß sie noch
besser werden. Ich danke Ihnen. Gott schütze das
Volk der Sowjetunion.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

�START
31. Juli 1991

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER DIE VERRINGERUNG
STRATEGISCHER RÜSTUNGEN
Eine Übersicht des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht über die START-Verhandlungen wurde am 29. Juli 1991 vom
Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.

Der START-Vertrag - Was er umfaßt

Regierungsvereinbarung zu Daten

Der Vertrag über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) enthält den grundlegenden Vertragstext sowie eine Reihe von Begleitdokumenten.
Darüber hinaus umfaßt er mehrere Protokolle, die
Durchführungsverfahren vorsehen, mit denen die Verpflichtungen des Vertrags unterstützt werden und die
integraler Bestandteil des Vertrags sind.

enthält die Bezugsdaten und Kategorien des Vertrags,
die regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht
werden.

Das Vertragsdokument
Die 17 Artikel, in denen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion sich auf die Verringerung und Begrenzung ihrer strategischen Offensivwaffen einigen, umfassen Rüstungsbegrenzungen, Zählregeln, Umrüstung
oder Beseitigung von Waffensystemen, Verifizierung
und Inspektionen, kooperative Maßnahmen, die Gründung einer Gemeinsamen Einhaltungs- und Inspektionskommission (Joint Compliance and Inspection
Commission - JCIC) sowie Verfahrensweisen für Inkrafttreten, Änderung, Gültigkeitsdauer und Abzug.
Anhang zu vereinbarten Erklärungen
beinhaltet vereinbarte Erklärungen zur Erweiterung
der grundlegenden Vertragsbestimmungen.
Anhang zu Definitionen und Terminologie
enthält die Defintion der durchgängig im Vertrag verwendeten Termini.
Protokoll zu Umrüstung oder Beseitigung
legt die Verfahren zur Umrüstung oder Beseitigung
von vertraglich begrenzten Gegenständen fest.

AMERIKA DIENST 30

Protokoll zur Inspektion
enthält detaillierte Bestimmungen über die Vertragsverpflichtungen zu Vor-Ort-Inspektionen und kontinuierlicher Überwachung. Legt die Verfahren zur Durchführung der Inspektionsbestimmungen fest.
Protokoll zur Notifizierung
unterstützt die Verifizierungsbestimmungen, indem die
erforderlichen Notifizierungen über den Stand derstrategischen Atomwaffen festgelegt werden.
Protokoll zum Wurfgewicht
legt die Verfahrensweisen für Feststellung und Offenlegungspflicht der Wurfgewichte von ICBMs und SLBMs
fest.
Protokoll über die Gemeinsame Einhaltungs- und
Inspektionskommission (JCIC)
legt die Verfahren für Aktivitäten und Vorgehensweise
der JCIC fest.
Protokoll zu Telemetrie
legt die Bestimmungen für den Austausch telemetrischer Bänder, Ausnahmen, interpretierbare Daten und
Beschleunigungsprofile fest.
Übersicht: START - die grundlegenden Bestimmungen des Vertrags.

Seite 1

�START-Reduzierungen
Verringerungen auf gleiche Niveaus strategischer
Offensivwaffen, ausgeführt in drei Phasen binnen sieben
Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags.
Spezifische, gleiche Zwischenniveaus für vereinbarte
Kategorien strategischer Offensivwaffen bis zum Ende
jeder Phase.
Die zentralen Begrenzungen umfassen:
1.600 strategische Trägersysteme (SNDVs)
6.000 anrechenbare Gefechtsköpfe
4.900 Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
1.540 Gefechtsköpfe auf 154 schweren Interkontinentalraketen (ICBMs) für die sowjetische
Seite. Die Sowjets haben ferner in einem Begleitschreiben den Abbau von 22 SS-18-Trägersystemen pro Jahr für die Dauer von sieben
Jahren vereinbart, um dieses Ziel zu verwirklichen.
1.100 Gefechtsköpfe auf stationierten mobilen
ICBMs
Obergrenze des Wurfgewichts von 3.600 Tonnen
Trägersysteme
Eine Obergrenze von 1.600 für die Anzahl der SNDVs,
die stationierte ICBMs und ihre Trägersysteme, dislozierte unterseebootgestützte ballistische Raketen
(SLBMs) und ihre Trägersysteme sowie schwere Bomber
umfaßt.
Gefechtsköpfe
Eine Obergrenze von 6.000 anrechenbaren Gefechtsköpfen umfaßt die auf die Anzahl der stationierten
ICBMs und SLBMs angerechneten Gefechtsköpfe, die
Anzahl der für LRNA ausgerüsteten schweren Bombern angerechneten nuklearbestückten luftgestützten
Marschflugkörper längerer Reichweite (LRNA) sowie
einen Gefechtskopf, der auf jeden nur für nuklear
bestückte Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer
Reichweite (SRAMs) ausgerüsteten schweren Bomber angerechnet wird.
Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
Jeder Gefechtskopf auf ballistischen Raketen, der
einer Rakete zugerechnet wird, zählt als ein Gefechtskopf innerhalb der Obergrenze von 6.000 Gefechtsköpfen.
Keine Flugerprobung von Raketen mit Wiedereintrittsflugkörpern (RVs) über die angerechnete Anzahl hinaus.
Eine Quote von Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung, daß dislozierte ballistische Raketen nicht mehr
RVs enthalten als die Anzahl der ihnen angerechneten
Gefechtsköpfe.

Seite 2

Verbot neuer Typen von ICBMs und SLBMs mit mehr
als 10 Gefechtsköpfen.
Verbot der Aufstockung der angerechneten Gefechtsköpfe bei zukünftigen Typen von ICBMs und SLBMs.
"Downloading"
Die Anzahl der Gefechtsköpfe auf bis zu drei Typen
von ballistischen Raketen und ihre Anrechnung im
Rahmen von START kann bis auf eine Gesamtzahl
von 1.250 RVs reduziert werden ("downloading").
Jede sowjetische SS-N-18 kann mit 3 RVs angerechnet werden; insgesamt 896 SS-N-18-Gefechtsköpfe
fallen unter die Obergrenze für "downloading".
Amerikanische Minuteman III können um 1 oder 2 RVs
reduziert werden.
Soweit innerhalb der Obergrenze von 1.250 gestattet,
können bis zu 500 RVs auf zwei anderen bestehenden
Typen ballistischer Raketen reduziert werden (bis zu 4
RVs pro Rakete).
Verbot des "downloading" neuer Typen. Verbot der
Stationierung neuer Typen mit mehr Gefechtsköpfen
als der reduzierte Typ (mit Ausnahme der Minuteman
III und der SS-N-18). Verbot des "downloading" schwerer ICBMs.
Wenn eine ICBM um mehr als 2 RVs reduziert wird,
muß sie mit einer neuen Steuer- und Kontrolleinheit in
der Raketenspitze ausgerüstet werden, und alle alten
Einheiten sind zu zerstören.
Schwere Bomber
Zusätzlich zu der erforderlichen Reduzierung stationierter schwerer ICBMs und ihrer Gefechtsköpfe um
50 Prozent beinhalten weitere Einschränkungen bei
schweren Raketen folgendes: kein "downloading",
keine Erhöhung des Abschuß- oder Wurfgewichts,
keine mobilen Abschuß Vorrichtungen für schwere
ICBMs, Verbot neuer Typen schwerer Raketen. Die
Konstruktion neuer Silos für schwere ICBMs ist gestattet, jedoch nur in Ausnahmefällen für die Verlegung
und nur als Ersatz für beseitigte schwere ICBM-Silos
unter außergewöhnlichen Umständen. Es sind maximal 154 solcher Silos gestattet. Die Modernisierung
und Erprobung der bestehenden schweren ICBMs
kann fortgesetzt werden.
Neue Typen von ICBMs und SLBMs
Eine ICBM oder SLBM wird als neuer Typ einer ICBM
oder SLBM angesehen, wenn sie eines der folgenden
Kriterien erfüllt: Geänderte Anzahl der Stufen, Veränderungen beim Typ des Treibmittels, 10prozentige
Veränderung der Länge der Rakete oder ihrer ersten
Stufe, 10prozentige Veränderung des Abschußgewichts der Rakete, 5prozentige Veränderung des
Durchmessers, Sprozentige Veränderung der Länge
der ersten Stufe mit 21 prozentiger Erhöhung des
Wurfgewichts.

AMERIKA DIENST 30

�Eine Obergrenze von 21 Prozent bei erlaubten Erhöhungen des Wurfgewichts bestehender Typen von
ICBMs und SLBMs.
Die Anrechnung von Gefechtsköpfen auf zukünftige
Typen von ICBMs und SLBMs entspricht der Höchstzahl erprobter und simulierter RVs, jedoch nicht weniger als die Anzahl, die man erhält, indem man 40
Prozent des Raketenwurfgewichts durch das Gewicht
der leichtesten erprobten RVs auf diesem Typ von
ICBM oder SLBM dividiert. Die Anwendung der 40Prozentregel auf neue Systeme mit nichtkonventioneller Raketenspitze wird in der JCIC erörtert.
Schwere Bomber
Jeder schwere Bomber zählt als ein strategisches
Trägersystem (SNDV). Jeder für Atomwaffen außer
atomaren luftgestützten Marschflugkörpern längerer
Reichweite (d.h. nur für Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite - SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber wird als ein Gefechtskopf auf die Obergrenze von 6.000 angerechnet. Eine vereinbarte Zahl von
schweren Bombern könnte durch Umrüstung zu rein
konventionellen Systemen von der SNDV-Obergrenze von 1.600 ausgenommen werden. Für atomare
ALCMs längerer Reichweite (LRNA) ausgerüstete
schwere Bomber werden von anderen schweren
Bombern zu unterscheiden sein.
Im Gegenzug für die Ausklammerung des Tupolew22-M-Bombers (Backfire) aus dem START-Vertrag
wird die Sowjetunion eine politisch bindende Erklärung
abgeben, derzufolge sie nicht mehrals 300 Backfire für
die Luftwaffe und nicht mehr als 200 Maschinen dieses
Typs für die Marine stationieren wird und diese Bomber keine interkontinentale Fähigkeit erhalten.
Atomare luftgestützte Marschflugkörper längerer
Reichweite (LRNA)
Atomar bestückte ALCMs mit einer Reichweite von
über 600 Kilometern (LRNA) werden vom STARTVertrag betroffen sein. Neue weitreichende, konventionell bestückte ALCMs, die sich von nuklear bestückten ALCMs unterscheiden lassen, werden von START
nicht begrenzt und können auf jedem beliebigen Flugzeug stationiert werden.
Für die Anrechnung auf die Obergrenze von 6.000
Gefechtsköpfen werden die betreffenden Gefechtsköpfe folgendermaßen den für LRNA ausgerüsteten
schweren Bombern zugerechnet: jeder bestehende
und zukünftige für LRNA ausgerüstete schwere Bomber der Vereinigten Staaten zählt soviel wie 10 Gefechtsköpfe, darf jedoch maximal mit 20 LRNA ausgerüstet werden (Ausnahme siehe unten). Jeder bestehende und zukünftige für LRNA ausgerüstete schwere
Bomber der UdSSR zählt soviel wie 8 Gefechtsköpfe,
darf jfidoch mit maximal 16 LRNA bestückt werden
(Ausnahme siehe unten).

AMERIKA DIENST 30

Die Vereinigten Staaten dürfen die obengenannte
Zählregel auf bis zu 150 für LRNA ausgerüstete schwere Bomber anwenden; die Sowjetunion kann die obengenannte Zählregel für bis zu 180 für LRNA ausgerüstete schwere Bomber anwenden. Für alle über diese
Obergrenzen hinausgehenden für LRNA ausgerüsteten schweren Bomber gilt, daß die Zahl der anrechenbaren Gefechtsköpfe der Zahl von LRNA entspricht,
für die die Bomber tatsächlich ausgerüstet sind.
Atomare ALCMs längerer Reichweite mit Mehrfachgefechtsköpfen sind verboten.
Mobile ICBMs
Im großen und ganzen wurde Übereinstimmung über
zulässige Bewegungen und damit einhergehende
Notifizierungsverfahren erzielt.
Nichtstationierte mobile ICBMs und Abschuß Vorrichtungen werden zahlenmäßig und geographisch begrenzt (siehe unten Nichtstationierte Raketen).
Sowjetische mobile Systeme: SS-24, SS-25. Aufgrund des Prinzips der Gegenseitigkeit wird das
amerikanische Peacekeeper-System als mobil eingestuft, obwohl es nie als mobile ICBM getestet wurde.
Nichtstationierte Raketen
Bei nichtstationierten ballistischen Raketen wird für
alle ICBMs eines Typs, der bereits von einer mobilen
Abschußrampe im Flug erprobt wurde, eine zahlenmäßige Obergrenze von 250 eingeführt; von diesen dürfen höchstens 125 nichtstationierte Raketen schienengestützt sein. Darüberhinaus werden nichtstationierte
Abschußvorrichtungen für mobile Raketen auf 110
begrenzt. Davon dürfen höchstens 18 nichtstationierte Abschußvorrichtungen für schienengestützte ICBMs
sein.
Andere nichtstationierte ballistische Raketen werden
keinen zahlenmäßigen Begrenzungen unterliegen. Es
wird jedoch Beschränkungen im Hinblick auf Standort
und Bewegungen geben, und sie werden in den erforderlichen Datenaustausch einbezogen.
Ferner werden verschiedene andere Bestimmungen
vereinbart, um das rasche Nachladen von ICBMAbschußrampen zu verhindern.
Beide Seiten haben ferner vereinbart, daß die Zahl der
Marschflugkörper und anderer Waffen für schwere
Bomber keinerlei Begrenzung unterworfen wird. Die
Stationierungsorte der LRNA werden teilweise begrenzt.
Ausnahmen von den vertraglichen Obergrenzen
75 nichtmoderne für nichtnukleare Waffen ausgerüstete schwere Bomber, ehemalige schwere Bomber
und schwere Bomber für Schulungszwecke.
20 schwere Bomber zu Testzwecken.

Seite 3

�25 Siloabschußvorichtungen zu Testzwecken sowie
20 mobile Abschuß Vorrichtungen zu Testzwecken in
Erprobungsstellen.
SLCMs
Seegestützte Marschflugkörper (SLCMs) werden vom
START-Vertrag nicht begrenzt. Jede Seite wird jedoch der jeweils anderen eine politisch bindende
Deklaration über die atomaren SLCMs längerer Reichweite, also atomare SLCMs mit einer Reichweite von
über 600 Kilometern, zukommen lassen. In jährlichen
Deklarationen wird die geplante Höchstzahl dieser
stationierten atomaren SLCMs für jedes der folgenden
fünf Vertragsjahre präzisiert werden. Die geplante
Höchstzahl wird 880 atomare SLCMs längerer Reichweite nicht überschreiten. Nuklear bestückte SLCMs
mit einer Reichweite von 300 - 600 Kilometern werden
einem vertraulichen jährlichen Datenaustausch unterworfen. Die Seiten werden keine atomaren SLCMs mit
Mehrfachgefechtsköpfen produzieren oder stationieren.
Verifizierung
Die Verifizierung spielte bei der Konzeption des Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen
(START) eine große Rolle, und Verifizierungsmaßnahmen wurden parallel zu anderen Aspekten ausgehandelt. Deshalb ist die Grundstruktur des Vertrags
darauf ausgelegt, die Verifizierung durch nationale
technische Mittel (NTM) zu erleichtem. Der STARTVertrag enthält detaillierte, ineinander übergreifende
und sich wechselseitig verstärkende Bestimmungen
zur Ergänzung nationaler technischer Mittel, um ein
wirksames Verifizierungsregime zu schaffen. Dieses
Regime sieht den Austausch von Daten sowie Notifizierung im Hinblick auf vertraglich erfaßte strategische
Systeme und Einrichtungen, ein Verbot der Verweigerung telemetrischer Daten, zwölf Arten von Vor-OrtInspektionen und Vorführungen, die kontinuierliche
Überwachung von Einrichtungen zur Endmontage
mobiler ICBMs sowie kooperative Maßnahmen vor.
Diese Elemente werden nachfolgend dargestellt.
Nationale technische Mittel (NTM)
Der START-Vertrag sieht die Anwendung und Nicht-

behinderung nationaler technischer Mittel zur Verifizierung - also Satelliten - vor. Er enthält ausdrückliche
Bestimmungen zum Verbot der Behinderung von NTM
oder von Maßnahmen zur Geheimhaltung, die einer
Verifizierung durch NTM im Wege stehen würden.
Telemetrie
Den Parteien ist jegliche Aktivität untersagt, die den
vollständigen Zugang zu telemetrischen Informationen während der Flugerprobung von Raketen verweigert, wobei gewisse begrenzte Ausnahmen zulässig
sind. Darüber hinaus sind die Parteien verpflichtet,
telemetrische Bänder, interpretierbare Daten und
Beschleunigungsprofile für jeden Testflug auszutauschen.

Seite 4

Datenaustausch und Notifizierung
Vor Unterzeichnung des Vertrags werden beide Seiten
Daten überzahlen, Standorte und technische Charakteristika von START-spezifischen Waffensystemen
und Einrichtungen austauschen. Danach werden sie
einander regelmäßig notifizieren und fortgeschriebene
Daten liefern.
Kooperative Maßnahmen
Siebenmal pro Jahr kann jede Partei von der anderen
die offene Vorführung von straßengestützten mobilen
Abschußvorrichtungen, schienengestützten mobilen
Abschußvorrichtungen und schweren Bombern auf
von der inspizierenden Partei zu bestimmenden Stützpunkten verlangen. Zusätzliche kooperative Maßnahmen können nach einer operativen Auflockerung
beantragt werden.
Kontinuierliche Beobachtungsaktivitäten
Der START-Vertrag schafft eine kontinuierliche Überwachung von Umfeld sowie Ein- und Ausgängen der
mobilen ICBM-Montageeinrichtungen beider Seiten.
Die Vereinigten Staaten hätten demnach das Recht
zur Etablierung eines Beobachtungspostens in Wotkinsk, wo sich die Endmontageeinrichtung für die SS25 befindet, sowie in Pawlograd, der Endmontageeinrichtung für die SS-24. Die sowjetische Seite hätte das
Recht zur Beobachtung von Thiokol Strategie Operations in Promontory (Utah), der Endmontageeinrichtung für die anrechenbare Stufe der PeacekeeperRakete. Eine solche Beobachtung würde auch für jede
künftige Einrichtung zur Montage mobiler ICBMs eingeführt.
Vor-Ort-Inspektionen
Es gibt zwölf Arten von Vor-Ort-Inspektionen und
Vorführungen. Dies sind: Inspektionen zur Verifizierung von Ausgangsdaten, Inspektionen zur Überprüfung neuer Daten, Inspektionen neuer Einrichtungen,
Inspektionen mutmaßlicher Standorte, Inspektionen
von Wiedereintrittsflugkörpern, Inspektionen zur Überwachung der Auflockerung nach Übungen, Inspektionen zur Überprüfung der Umrüstung oder Beseitigung
von Systemen, Abschlußinspektionen nach Schließung von Standorten, Inspektionen zur Überprüfung
ehemals gemeldeter Einrichtungen, Vorführungen
technischer Charakteristika, Unterscheidbarkeitsvorführungen sowie Vorführungen der Grundausführungen schwerer Bomber.
Einhaltung
Anliegen im Hinblick auf die Einhaltung des Vertrags
können von jeder Seite in der Gemeinsamen Einhaltungs- und Inspektionskommission (JCIC) oder bei
jedem anderen geeigneten Forum vorgebracht werden.
Verweigerung von Daten
Vereinbarung zur Übertragung aller telemetrischen

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�Informationen von Erprobungsflügen von ICBMs und
SLBMs und zum Verbot sämtlicher Maßnahmen
(darunter Verschlüsselung, Verkapselung und Störung), die den vollständigen Zugang zu telemetrischen
Informationen verhindern. Begrenzte Ausnahmen sind
zulässig.
Pflicht zur Bereitstellung vollständiger telemetrischer
Bänder, Beschleunigungsprofile sowie gewisser besonders aufgeführter interpretierbarer Informationen
nach jedem Erprobungsflug eines ICBM oder SLBM.
Als Geste des guten Willens kamen die Seiten überein,
120 Tage nach der Unterzeichnung des Vertrags auf
Verschlüsselung oder Störung des Funkverkehrs zu
verzichten.
Vertragsdauer

nicht vorher durch ein Folgeabkommen abgelöst wird.
Mit Zustimmung beider Seiten kann der Vertrag für
weitere Zeiträume von jeweils fünf Jahren verlängert
werden.
Nichtumgehung/Drittlandsfragen
Kein Transfer strategischer Offensivwaffen an Drittländer, es sei denn, bestehende Strukturen der Zusammenarbeit werden nicht berührt.
Es wird keine dauernde Stationierung strategischer
Offensivwaffen und keine Inspektionen au ßerhalb des
jeweiligen nationalen Territoriums geben. Eine vorübergehende Stationierung schwerer Bomber in Übersee ist gestattet, aber dafür gelten gewisse Notifizierungspflichten. Anlegen von SSBNs in Häfen ist
gestattet.

Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren, sofern er

* * * *

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Seite 5

�NAHER

OSTEN
31. Juli 1991

PARISER TREFFEN ERSTER SCHRITT ZUR
BEGRENZUNG VON WAFFENLIEFERUNGEN
IN DEN NAHEN OSTEN
Bartholomew vor Unterausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Das Treffen der fünf führenden Waffenlieferanten in den Nahen Osten - Vereinigte
Staaten, Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und China - Anfang dieses Monats in Paris markierte den
"ersten wichtigen Schritt zur Begrenzung destabilisierender Waffenlieferungen in den Nahen Osten", erklärte der
Staatssekretär für internationale Sicherheitsbelange, Reginald Bartholomew, am 25. Juli 1991.
In einer Rede vor den Unterausschüssen des Repräsentantenhauses für Europa, den Nahen Osten und
Rüstungskontrolle, internationale Sicherheit und Wissenschaft verwies Bartholomew auf die von den fünf
Nationen in Paris bei der "Entwicklung eines pragmatischen Verhaltenskodex für Waffenlieferungen" erzielten
Fortschritte. Ein solcher Kodex sollte den Standard setzen, an dem das Verhalten anderer waffenexportierender Nationen gemessen wird, fügte er hinzu.
Bartholomew, der Leiter der US-Delegation bei den Pariser Gesprächen war, betonte, daß jeder Versuch zur
Verhängung eines Moratoriums auf legale Rüstungsverkäufe der Vereinigten Staaten an verbündete Nationen
im Nahen Osten jedoch zum Scheitern verurteilt wäre.
"Ein Moratorium würde unsere Bestrebungen zum Aufbau eines effektiven internationalen Systems für die
Selbstbeschränkung der Lieferanten vereiteln, die anderen führenden Lieferanten von der Zusammenarbeit mit
uns abschrecken und 'Renegaten' einfach gestatten, unseren Platz einzunehmen", führte er aus.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bartholomews Rede im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, vor diesen
beiden Unterausschüssen meine Sicht des vor kurzem
beendeten Treffens von Rüstungslieferanten in Paris
sowie unsere kontinuierlichen Bestrebungen zur Förderung der Stabilität im Nahen Osten darzulegen. Ich
weiß Ihr anhaltendes Interesse an der Rüstungskontrollpolitik der Administration und die ermutigenden
Worte von Ihnen und Ihren Kollegen zu den Ergebnissen des Pariser Treffens zu schätzen. Ich möchte mit
einem Abriß der Ereignisse beginnen, die zu dem
Pariser Treffen geführt haben.
In seiner Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten
vom 29. Mai 1991 schlug der Präsident ein Treffen der
fünf wichtigsten Rüstungslieferanten für den Nahen
Osten - Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich, China und die Sowjetunion - vor, um die Trans-

AMERIKA DIENST 30

parenz im Prozeß der Rüstungslieferungen zu erhöhen. Der Präsident unterbreitete den Vorschlag zu
ersten Gesprächen zwischen diesen fünf Ländern, die
in den vergangenen Jahren eine beachtliche Menge
von Waffen in die Region geliefert haben.
Bei dem Treffen sollten sich die Gespräche auf die
Schaffung eines Regimes zur Verhinderung destabilisierender Exporte konventioneller Waffen und das
Verbot des Transfers von Massenvernichtungswaffen
sowie verwandter Technologien konzentrieren. Die
Fünf kamen vom 8. bis 9. Juli 1991 in Paris zusammen,
um Gespräche dieses Inhalts aufzunehmen.
Bei dem Pariser Treffen strebten die Vereinigten Staaten die Zustimmung der anderen Teilnehmer zu drei
grundlegenden Elementen von Präsident Bushs Vor-

Seite 1

�schlag an. Erstens die Entwicklung einer Reihe von
Richtlinien zu konventionellen Rüstungslieferungen
und einen Mechanismus für Konsultationen, Notifizierung und Informationsaustausch zu ihrer Unterstützung. Zweitens die Entwicklung von Richtlinien zur
Verhinderung des Transfers von Massenvernichtungswaffen, Boden-Boden-Raketen und verwandter Technologien. Drittens, eine Reihe spezifischer Rüstungskontrollvorschläge für die Region mit Unterstützung
der fünf Teilnehmerstaaten durchzuführen. Nach
anderthalbtägigen Gesprächen verabschiedete die
Gruppe diese grundlegenden Prinzipien. In dem von
den Fünf herausgegebenen Kommunique fanden diese Prinzipien und die Tatsache ihren Niederschlag,
daß die von Präsident Bush vorgebrachten Ideen als
Grundlage der Gespräche dienten.
Die Fünf einigten sich, erstmalig Regeln der Selbstbeschränkung in Form von Richtlinien beim Transfer
konventioneller Waffen in den Nahen Osten einzuhalten. Diese Richtlinien bilden das Kernstück eines
anhaltenden Prozesses, der Konsultationen und Informationsaustausch zu Rüstungslieferungen in die Region
beinhaltet.
Die Fünf vereinbarten darüber hinaus, strikte nationale
und so weit wie möglich harmonisierte Kontrollen zur
Eindämmung des Transfers von Massenvernichtungswaffen und verwandtem Material zu entwickeln und
aufrechtzuerhalten.
Die Fünf unterstützen die Initiative des Präsidenten für
ein umfassendes Programm zur Rüstungskontrolle im
Nahen Osten uneingeschränkt:
Sie verabschiedeten das Einfrieren der Erprobung und Beschaffung von Boden-Boden-Raketen mit dem Ziel ihrer endgültigen Beseitigung.
Sie vereinbarten, daß alle nuklearen Aktivitäten
in der Region unter die Sicherheitsbestimmungen der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) fallen sollen.
Sie unterstützen ein Verbot der Einfuhr und
Herstellung von nuklearfähigem Material und
sie erzielten Einigung, daß alle Staaten in der
Region Unterzeichner der Konvention zum Verbot
chemischer Waffen werden sollten, sobald diese (im Jahr 1992) abgeschlossen wird.
Die Gruppe vereinbarte, die in Paris begonnene Arbeit
mit der nächsten Plenarsitzung kommenden Oktober
in London fortzusetzen. In der Zwischenzeit wird im
September in London ein Treffen auf Expertenebene
abgehalten, um die im Kommunique geforderten
Konsultationsmechanismen und Richtlinien zu erörtern.

Seite 2

Das Pariser Treffen ist der Anfang einer neuen Form
der Zusammenarbeit zwischen ä&amp;n fünf führenden
Rüstungslieferanten in den Nahen Osten. Wir haben
von den Fünf die gegenseitige Verpflichtung erhalten,
die Konzepte von Transparenz und Selbstbeschränkung der Lieferanten bei Rüstungstransfers beschleunigt zu entwickeln. Kurzum: Wir haben in Paris ein
höheres Maß an Einigung zur Quintessenz des Ansatzes von Präsident Bush zu einem früheren Zeitpunkt
erzielt als viele Beobachter dies für möglich gehalten
hätten.
Wir fühlten uns durch die positive Reaktion ermutigt,
die die internationale Staatengemeinschaft den Ergebnissen des Pariser Treffens entgegenbrachte. Beim
jüngsten Gipfeltreffen der G-7 haben Deutschland,
Italien, Japan und Kanada gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich die Notwendigkeit für Transparenz und Konsultatioen im Rüstungstransferprozeß
hervorgehoben.
In ihrer Gipfelerklärung betonten die G-7 den internationalen Charakter dieses Problems. Dem können wir
nur zustimmen. Ein Teil unserer Diskussionen in Paris
konzentrierte sich auf die Notwendigkeit, wirksame
Maßnahmen auf internationaler Ebene zu erarbeiten.
Die Vorschläge von Premierminister Major und Präsident Mitterrand tragen diesem Punkt Rechnung. Nichtverbreitung ist ein internationales Problem und die
Administration nimmt es als solches in Angriff. Aber
selbst wenn wir unsere Arbeit bei bestehenden Nichtverbreitungsregimen intensivieren und bilaterale Bestrebungen zu Themen von weltweitem Interesse
verfolgen, müssen die Fünf vordringlich das Problem
der Weiterverbreitung im Nahen Osten - dem Gebiet,
das uns die größten Sorgen bereitet - ansprechen. Ich
denke, wir sind uns alle einig, daß der Golfkrieg diesen
Punkt in sehr drastischer Art und Weise illustriert hat.
Herr Vorsitzender, gerade die Tatsache, daß die Fünf
überhaupt zusammentrafen, um das sensible Thema
Waffenlieferungen zu erörtern, ist eine bedeutende
Leistung an sich. Daß sie darüber hinaus übereinkamen, destabilisierende Lieferungen zu begrenzen,
beweist die Stärke des Ansatzes des Präsidenten zu
dieser äußerst schwierigen Frage.
Wir sind zwar mit dem Ausmaß des in Paris erzielten
Erfolgs sehr zufrieden, geben uns im Hinblick auf die
noch vor uns liegenden Herausforderungen jedoch
keinen Illusionen hin. Obwohl alle dem Konzept der
Zurückhaltung zustimmten, wird es sehr schwierig
werden, die Fünf zu einer Einigung auf bestimmte
Maßnahmen zur Begrenzung von Waffenlieferungen
zu bewegen. Dies wird ein beispielloses Ausmaß an
multilateraler Zusammenarbeit erfordern. Wir müssen
gewisse Lieferanten, die für gewöhnlich heimlich Waffen
exportieren, dazu bringen, diesen Prozeß für Konsultationen, Notifizierung und Informationsaustausch transparent zu machen.

AMERIKA DIENST 30

�Durch die Initiative des Präsidenten führen wir gleichzeitig im Nahen Osten Konzepte ein, die dort bisher
praktisch unbekannt waren. Wir fordern Staaten in
dieser Region, die normalerweise ihre nationale Sicherheit auf Geheimhaltung und Anhäufung von Waffen aufbauen, dazu auf, einen Ansatz zu akzeptieren,
der Transparenz und Rüstungsbegrenzung verlangt.
Auch dies wird nicht einfach sein. Aber wie der
Präsident bei der Ankündigung der Initiative im Mai
erklärte, ist der Weg zum Frieden niemals leicht.
Trotzdem hoffen wir, daß der Erfolg des Pariser Treffens bei den Staaten der Region einen neuen Realismus im Hinblick auf ihre Sicherheitsbedürfnisse hervorrufen wird. Wir haben bereits Anzeichen in diese
Richtung festgestellt. Saudi Arabien hat seine Führungsrolle unterstrichen, indem es mutig seine Bereitschaft erklärte, sich an alle Beschränkungen für Massenvernichtungswaffen zu halten und zu den ersten
Nationen zu gehören, die von diesen Beschränkungen
erfaßte Waffen vernichten. Wie in der MubarakInitiative zum Ausdruck kommt, unterstützt Ägypten
weiterhin unsere Bemühungen und teilt unsere Ziele
für Rüstungskontrolle im Nahen Osten. Die Administration begrüßt diese Schritte wärmstens und ermutigt andere Staaten in der Region zu ähnlichen Gesten.
Solche Schritte werden der Zurückhaltung seitens der
Lieferländer eindeutig Vorschub leisten und der Rüstungskontrolle im Nahen Osten mehr Legitimität verleihen.
Unsere Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets haben uns eine sehr wichtige Lektion gelehrt.
Selbst in Zeiten tiefer Feindschaft und starken Mißtrauens kann Rüstungskontrolle dem Abbau des militärischen Wettbewerbs und der Einbeziehung eines
Elements der Berechenbarkeit und Stabilität in die
politische Gleichung förderlich sein.
Mit zunehmendem Auftrieb des arabisch-israelischen
Friedensprozesses werden wir unsere Bemühungen
zur Eindämmung des regionalen Rüstungswettlaufs
intensivieren. Rüstungskontrolle und der Friedensprozeß sind keine aufeinanderfolgenden Ereignisse. Sie
verstärken sich wechselseitig. Sie sind Teil unseres
umfassenden Gesamtkonzepts zur Vertrauensbildung
und Behandlung der Probleme in der Region.
Eine wichtige Komponente bei diesem Prozeß der
Vertrauensbildung ist die Stärkung der Sicherheit unserer
Freunde und Verbündeten in der Region. Unsere
Waffenlieferungspolitik dient einzig und allein dem
friedlichen Zweck, ihnen die Mittel bereitzustellen, um
Aggression abzuschrecken und sich gegebenenfalls
dagegen zu verteidigen. Wie die fünf wichtigsten
Waffenexporteure in Paris bekräftigten, garantiert die
Charta der Vereinten Nationen jedem Staat das Recht
auf Selbstverteidigung sowie das Recht, die Mittel zu
seiner Verteidigung zu erwerben.

AMERIKA DIENST 30

Wir sind uns jedoch der Tatsache bewußt, daß Selbstverteidigung durch die verantwortungsvolle Lieferung
konventioneller Waffen gewährleistet werden sollte,
die legitimen Verteidigungszwecken dienen und keine
destabilisierenden konventionellen Ungleichgewichte
hervorrufen. Dies war stets eine Komponente unserer
Politik und ist eines unserer Ziele bei der Entwicklung
von Beschränkungen seitens der Lieferanten.
Herr Vorsitzender, ich bin mir der Sorgen voll und ganz
bewußt, die Sie und Ihre Kollegen über eine Rückkehr
zu "business as usual" im Nahen Osten empfinden.
Dazu möchte ich folgende Anmerkungen machen.
Erstens möchte ich Ihnen versichern, daß die Vereinigten Staaten im Hinblick auf ihre Militärhilfeprogramme niemals eine Haltung des "business as usual"
eingenommen haben. Wir genehmigen nur solche
Waffenlieferungen, die im Einklang mit unseren Exportgenehmigungsverfahren stehen, zur regionalen
Verteidigungsfähigkeit beitragen und damit die Stabilität stärken sowie die amerikanische militärische
Zusammenarbeit mit der Region verbessern. Wir
werden weiterhin eine kluge Militärhilfepolitik verfolgen, mit der die defensiven Erfordernisse verantwortungsbewußter, befreundeter und friedliebender Regierungen gestärkt werden.
Erinnern Sie sich bitte an einen sehr wichtigen Punkt:
Es waren nicht von den Vereinigten Staaten gelieferte
Waffen, die zur Krise am Golf führten. Glaubt irgendein verantwortlicher Experte wirklich, daß der Verkauf
von Waffen an Israel, Ägypten und Saudi-Arabien die
brutale Invasion Kuwaits heraufbeschworen hat? Femer
liefern wir auch keine Waffen an solche Staaten des
Nahen Ostens, die eine ständige Quelle aggressiven
Verhaltens und unverantwortlicher Aktionen sind. Wir
sind nicht die Quelle übertriebener Arsenale im Nahen
Osten. Unsere Bilanz verantwortungsbewußter Waffenlieferungen kann sich sehen lassen und spricht für
sich.
Zweitens haben wir eine einzigartige Chance, in dieser
Angelegenheit die Führungsrolle zu übernehmen. In
der Tat tun wir mit der Initiative des Präsidenten genau
dies. Wir bringen andere Lieferanten dazu, die Art von
Zurückhaltung bei Waffenlieferungen zu übernehmen,
die stets integraler Bestandteil der amerikanischen
Rüstungsexportpolitik gewesen ist. Wir haben den
fünf führenden Lieferanten ein Forum geboten, um die
Probleme zu erörtern, bevor sie gefährlich außer Kontrolle
geraten. Wir entwickeln einen pragmatischen Verhaltenskodex für Waffenlieferungen, der Normen dafür
schaffen wird, wie die Aktionen der anderen waffenexportierenden Staaten bewertet werden. Die Bemühungen der fünf wichtigsten Lieferanten in Paris zeugen von diesem Ziel.
Vor dem Golfkrieg existierte weder ein Überwachungssystem, um die Aufrüstung des Irak zu verhindern,

Seite 3

�noch gab es irgendeine Vereinbarung, um destabilisierende Waffenlieferungen zu erörtern. Genau das
wollen wir ändern, und das ist die Richtung, in die
unsere Führungsrolle weist.
Schließlich müssen wiruns vor Augenführen, daß jede
einseitige Maßnahme der Vereinigten Staaten beim
Streben nach einer Veränderung des weltweiten
Waffenhandels, wie etwa die Verhängung eines Moratoriums, von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
Wird die einseitige Einstellung amerikanischer Waffenlieferungen in den Nahen Osten unsere Chancen
verbessern, andere Waffenlieferanten dazu zu veranlassen, unserem Beispiel zu folgen? Die Administration geht davon aus, daß genau das Gegenteil der Fall
wäre.
Es ist mehr als wahrscheinlich, daß ein Moratorium
unsere Bestrebungen zum Aufbau eines effektiven
internationales Systems für die Selbstbeschränkung
der Lieferanten vereiteln, die anderen führenden Lieferanten von der Zusammenarbeit mit uns abschrecken
und "Renegaten" einfach gestatten würde, unseren
Platz einzunehmen.

*

Seite 4

Noch schwerer wiegt die Tatsache, daß damit unseren
regionalen Verbündeten demonstriert würde, daß die
Vereinigten Staaten kein verläßlicher Unterstützer ihrer
legitimen Verteidigungsbedürfnisse sind. Es bestehen
kaum Zweifel daran, daß diese sich dann an andere
wenden werden, um ihre Verteidigungsbedürfnisse zu
befriedigen, wenn wirnicht bereit sind, dies zu tun. Das
einzige greifbare Ergebnis eines Moratoriums wäre
also eine Verringerung der amerikanischen Fähigkeit,
das von uns angestrebte Resultat zu beeinflussen.
Herr Vorsitzender, das Pariser Treffen war der erste
wichtige Schritt zur Begrenzung destabilisierender
Waffenlieferungen in den Nahen Osten. Wir fühlen
uns durch die Bereitschaft der Fünf ermutigt, bei der
Sondierung des ungewohnten Terrains der Selbstbeschränkung seitens der Lieferanten zusammenzuarbeiten. Während wir die Initiative des Präsidenten
weiterverfolgen, hoffe ich mit Ihrer anhaltenden Unterstützung und der des Ausschusses rechnen zu können, um ein von uns allen geteiltes Ziel zu erreichen:
die Stärkung der Stabilität im Nahen Osten.

* * *

*

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�UMWELT
31. Juli 1991

PRÄSIDENT ERNENNT KOMMISSION
FÜR UMWELTQUALITÄT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 23. Juli 1991 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu Organisation und Aufgabe der von Präsident Bush ernannten Kommission für Umweltqualität.

Präsident Bush hat heute 25 führende Vertreter von
Umweltorganisationen, Wirtschaft, Wissenschaft und
Stiftungen als Mitglieder seiner Kommission für
Umweltqualität benannt.
Zweck dieser Kommission ist die Bewertung von
Möglichkeiten, um wichtige umweltpolitische Herausforderungen der neunziger Jahre durch Vernetzung
der Ziele Umweltqualität, Wirtschaftswachstum und
Lebensqualität in Angriff zu nehmen. Die Kommission
wird Bündnisse und Partnerschaften fördern, die innovativen Umweltprogrammen Schwungkraft verleihen.
Diese Aktivitäten werden über bestehende gesetzliche
und behördliche Auflagen zur Verbesserung der
Umweltqualität hinausgehen.
In den vergangenen 20 Jahren haben behördliche und
gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
beigetragen. Der Präsident beabsichtigt, diese Bemühungen zu ergänzen, indem die Aufmerksamkeit auf
Möglichkeiten gelenkt wird, den Wirkungsgrad der
Marktkräfte schöpferisch zur Verbesserung der
Umweltqualität zu nutzen.
Organisation
Die Kommission wird regelmäßig zusammentreten
und dem Präsidenten über Fortschritte Bericht erstatten. Der Vorsitzende des Rats für Umweltqualität im
Leitungsbüro des Präsidenten wird der Kommission
als Vorsitzender dienen. Ein Direktor wird die Maßnahmen der Kommission leiten. Besondere Expertengruppen, die sich auf das Fachwissen des Privatsektors stützen, werden mögliche Maßnahmen identifizieren und Modellprogramme zur Behandlung dieser
Bereiche fördern. Die Arbeit der Kommission ist auf
zwei Jahre begrenzt. Eine Verlängerung ist möglich.
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Leitlinien

Die Leitlinien der Kommission beinhalten eine innovative umweltpolitische Tagesordnung. Sie stellen sich
wie folgt dar:
Nutzung der Marktkräfte - ihrer Vitalität, Flexibilität und Effizienz.
Befähigung der Bürger, freiwillige Maßnahmen
zu ergreifen, durch Verstärkung des Informationsflusses in alle gesellschaftlichen Bereiche.
Förderung der Prävention von Umweltverschmutzung, die sich als Synergie umweltpolitischer
und wirtschaftlicher Ziele darstellt, anstatt Mittel
auszugeben, um nach erfolgter Verschmutzung
Altlasten zu beseitigen.
Förderung der Umweltqualität durch einen
ganzheitlichen Ansatz zu Umweltfragen, indem
Ressourcen so effizient wie möglich genutzt
werden und Umweltqualität zu einem wichtigen
Bestandteil der wirtschaftlichen Grundlagen
gemacht wird.
Förderung kooperativer Partnerschaften zwischen unterschiedlichen Gruppen und Interessen.
Die Tagesordnung der Umweltqualität
In den vergangenen 20 Jahren hat das Land bemerkenswerte Fortschritte bei der Behandlung vieler
Umweltprobleme gemacht. Die Kosten des traditionellen, auf behördlichen Anordnungen und Vorschriften
beruhenden Regimes sind jedoch erheblich, und viele
Fragen lassen sich nicht administrativ lösen. Für die
Seite 1

�Arbeit der Kommission wurden vier Themenkomplexe
identifiziert, in denen sich die neue umweltpolitische
Tagesordnung widerspiegelt und die Chancen für
meßbare Fortschritte bieten. Dies sind:
Verhinderung von Umweltverschmutzung
und Management der Umweltqualität: Solide Managementpraktiken resultieren aus der
Einbeziehung umweltpolitischer Gedanken in
die tägliche Entscheidungsfindung. Die Verlagerung des Schwerpunkts von nachträglichen
Gegenmaßnahmen zur Verhinderung der
Umweltverschmutzung von Beginn an ist eine
der aussichtsreichsten Methoden zum Umgang
mit einem Spektrum von Umweltproblemen.
Diese Strategien vereinen für gewöhnlich Kosteneinsparungen, Effizienz und Wettbewerb
mit der Forderung deröffenlichkeit nach Schutz
der Umwelt sowie der öffentlichen Gesundheit
und Sicherheit.

in positive Maßnahmen für die Umwelt umzusetzen. Über die Studien, Debatten und institutionellen Maßnahmen hinaus ist letzlich der
einzelne die treibende Kraft beim Schutz der
Umwelt. Bürger, Konsumenten, Arbeitnehmer,
leitende Angestellte und Entscheidungsträger
können über die Medien, Berufsverbände, Marketjngkanäle und besonders durch das Bildungswesen erreicht werden - wo unsere Schulen die
Bewahrer der Erde von morgen ausbilden.
Durchführung des Programms
Die Arbeit der Kommission wird durch Erreichen folgender Ziele verwirklicht:
Schaffung eines Führungsnetzes von Einzelpersonen, die dem Präsidenten bei der Förderung einer gesunden Umwelt und starken Wirtschaft helfen werden, indem sie Zeit und Mittel
für die Förderung von Maßnahmen und Bildungsprogrammen auf freiwilliger Basis einsetzen.

Umgang mit natürlichen Ressourcen: Der
vernünftige Umgang mit unseren natürlichen
Ressourcen wird durch kooperative Managementpläne sowie Partnerschaften zwischen
öffentlichem und privatem Sektor gestärkt, der
traditionelle Praktiken der Bewirtschaftung von
Boden und Wasser übersteigt.
Innovative
Bündnisse stellen die Vorteile umweltpolitischer
Partnerschaften unter Beweis und führen Behörden, Ressourcen Verwalter, Partner aus der
Industrie, Bürgervertreter und Freiwillige zusammen.
Internationale Zusammenarbeit: Die Förderung umweltpolitisch sensibler wirtschaftlicher
Entwicklung und technologischer Zusammenarbeit bietet Möglichkeiten, um die Bedingungen nicht nur im In- sondern auch im Ausland zu
verbessern. Die Verflechtung der Umweltqualität über nationale Grenzen hinweg ist mit dem
Auftreten globaler Umweltfragen immer stärker
in Erscheinung getreten. Die internationale
Zusammenarbeit ist für unsere Zukunft von entscheidender Bedeutung, wenn wir die von weltweiter Umweltverschmutzung ausgehenden
Bedrohungen abbauen, dauerhafte Entwicklung
fördern und die internationalen Beziehungen
verbessern wollen.
Bildung und Kommunikation: Durch breite
Unterrichtung der Öffentlichkeit kann die Kommission den Bürgern dabei helfen, ihre Sorgen

Identifizierung erfolgreicher Modelle dafür, was
der Privatsektor auf kooperativer freiwilliger
Grundlage leisten kann, indem er seine eigenen
Ressourcen und schöpferischen Fähigkeiten
nutzt.
Anregung weiterer Maßnahmen durch Informationsprogramme, die öffentliche Nachfrage und
Unterstützung dieser Bemühungen verstärken
sowie Schaffung einer Infrastruktur für technische Hilfe.
Verbesserung durch Resonanz, Betonung einer
Überprüfung der Effektivität von Aktionen, die
den bestmöglichen Einsatz von Ressourcen zur
Bewältigung umweltpolitischer Herausforderungen fördern.
Durch diese zu verwirklichenden Ziele wird die Kommission einen Rahmen für Maßnahmen verfechten,
der Einzelpersonen und Organisationen dazu veranlassen wird, sich für ein gesundes ökonomisches und
wirtschaftliches Umweld der Vereinigten Staaten einzusetzen.
Weitere Informationen sind erhältlich bei: Patricia
Kearney, Director, President's Commission on Environmental Quality, 722 Jackson Place, Washington
DC., 20503.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 30

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              <text>&lt;strong&gt;1. Moskauer Gipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: umfassende Wirtschaftsbeziehungen mit Sowjetunion in greifbarer Nähe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim Moskauer Staatsinstitut für internationale Beziehungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Start&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pariser Treffen erster Schritt zur Begrenzung von Waffenlieferungen in den Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bartholomew vor Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident ernennt Kommission für Umweltqualität &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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