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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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28

17.JUIM991

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

USA: HANDELSGESPRÄCHE SOLLEN NOCH
IN DIESEM JAHR BEENDET WERDEN
Interview mit dem US-Landwirtschaftsminister

KSE

KSE KANN ZUM SCHUTZ DER
AUFSTREBENDEN DEMOKRATIEN IN
EUROPA BEITRAGEN
Rede des Außenministers vor Senatsausschuß

DER KSE-VERTRAG:
ELEMENTE DES VERTRAGS
Eine Übersicht des ACDA
DER KSE-VERTRAG:
ERKLÄRUNGEN ZUM VERTRAG
Eine Übersicht des ACDA
DER KSE-VERTRAG:
VERIFIZIERUNG
Eine Übersicht des ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
17. Juli 1991

USA: HANDELSGESPRÄCHE SOLLEN NOCH
IN DIESEM JAHR BEENDET WERDEN
Interview mit dem US-Landwirtschaftsminister
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Landwirtschaftsminister Edward Madigan zufolge hegt die Regierung Bush
immer noch die Hoffnung, die Handelsgespräche der Uruguay-Runde bis Ende des Jahres abzuschließen,
betrachtet aber die politische Macht der Landwirtschaftslobby in der EG als potentiellen Hemmschuh.
In einem Interview mit USIA-Redakteur Jerry Stilkind und der Voice of America-Reporterin Linda Cashdan
erklärte Madigan, die Regierung werde jedoch nicht auf einer schnellen Beendigung bestehen. "Es wird noch
bis 1992 dauern, wenn es sein mu ß. Wir würden es vorziehen, wenn das nicht der Fall wäre," bemerkte Madigan.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview mit dem Landwirtschaftsminister, das kurz vor dem Weltwirtschaftsgipfel in London (15. bis 17. Juli 1991) geführt wurde.

Stilkind: Wir werden uns auf Handelsfragen, Weltpolitik und den Gipfel konzentrieren. Möchten Sie dazu
etwas ausführen, bevor wir Ihnen Fragen stellen?
Madigan: Ich denke, viele Europäer wundern sich,
warum die Vereinigten Staaten in ihrer Haltung zu den
GATT-Verhandlungen so unnachgiebig oder scheinbar unerbittlich sind. Die Haltung ist dazu in den
Vereinigten Staaten ziemlich hart, aber das ist sicherlich auch in anderen Teilen der Welt - Europa eingeschlossen - der Fall.
Aber die meisten Abgeordneten im Kongreß der Vereinigten Staaten vertreten die Ansicht, daß Amerika
bei allen Handelsgesprächen der vergangenen Jahre
letztlich immer zugunsten eines erfolgreichen Abschlusses der Verhandlungen alle notwendigen Zugeständnisse gemacht hat, um ein Abkommen hervorzubringen.
Das bedrückt die Kongreßabgeordneten in den Vereinigten Staaten. Schauen Sie sich das Ungleichgewicht im Handel und unsere Probleme mit dem Verhältnis der Investitionen in diesem Land zu den Investitionen dieses Landes in anderen Ländern an. Diese
ganze Angelegenheit hat sich zu unserem Nachteil
entwickelt, und sie sagen: "Bei diesen Verhandlungen
erwarten wir, daß unsere Unterhändler hart bleiben
und gewährleisten, daß die Vereinigten Staaten so fair
behandelt werden wie alle anderen."
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Mir hat noch niemand gesagt: "Wir wollen hier besondere Vorrechte", aber sie sagen schon: "Wir wollen
nicht immer die Zugeständnisse machen. Wir wollen
nicht die einzigen sein, die am Ende Konzessionen
machen. Wir sind jetzt alle gleich. Es geht uns
wirtschaftlich besser als vor 45 Jahren. Anstatt daßdie
Vereinigten Staaten alle Zugeständnisse machen, wollen
wir erreichen, daß jeder etwas anbietet." Diese Einstellung herrscht hier vor.
Andere, die eingehender über die Probleme nachdenken, erklären: "Wenn diese aufstrebenden Demokratien in Osteuropa erfolgreich sein wollen, müssen Sie
Zugang zu Märkten haben. Sie müssen ihre Produkte
exportieren können. Der Markt, der ihnen am nächsten steht, ist der Markt in Westeuropa, die Europäische Gemeinschaft."
Das gleiche gilt für Lateinamerika. Wenn die aufstrebenden Demokratien in Lateinamerika Erfolg haben
wollen, müssen sie exportieren können. Die Westeuropäer sagen, sie wollen Zugang zu den lateinamerikanischen Märkten für Finanzdienstleistungen. Sie wollen, daß dort Urheberrechte und internationale Eigentumsrechte anerkannt werden. Und die Lateinamerikaner erklären: "Das werden wir tun, aber wir wollen
Zugang zu Euren Märkten mit unseren Exporten."
Wir stehen hier also an einem Scheideweg, wo jeder
erkennen muß, daß diese Verhandlungen scheitern
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�könnten, wenn nicht generell die Meinung vorherrscht,
daß alle gerecht behandelt werden.
Cashdan: Die Cairns-Gruppe (von Agrarexporteuren)
trifft sich in Brasilien, und die Berichte von dort dokumentieren ihre Besorgnis, daß die Vereinigten Staaten
ihr Exportförderungsprogramm (Export Enhancement
Program - EEP) für Agrarexporte durchführt, daß die
Vereinigten Staaten gegenüber der Europäischen
Gemeinschaft Subventionen mit Subventionen vergelten wollen. Dennoch werden sie die Verlierer sein,
wenn es zu einem Subventionskrieg kommt. Wenn
Elefanten kämpfen, leidet das Gras. Können Sie zur
Vergeltung von Subventionen mit Subventionen oder
einem eskalierenden Krieg der Subventionen etwas
Beruhigendes sagen?
Madigan: Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Jeder kritisiert die Vereinigten Staaten für die Milliarde,
die wir dieses Jahr für Exportsubventionen ausgeben.
Die Europäische Gemeinschaft gibt 12 Milliarden für
Exportsubventionen aus - zwölfmal soviel wie wir aber wir werden zwölfmal öfter dafür kritisiert. Dafür
fehlt mir das Verständnis.
Tatsächlich haben wir uns mit Botschaftern einiger
Länder zusammengesetzt und ihnen die Zahlen gezeigt. Sie verstehen es auch nicht. Sie verstehen
nicht, warum über die Vereinigten Staaten soviel
Negatives berichtet wird, wenn wir eigentlich die Guten
und die EG die Schuldigen sind, die zwölfmal soviel
ausgeben wie wir.
Stilkind: Einige Forschungsgruppen haben erklärt,
daß das Exportförderungsprogramm (EEP) keinen
wirksamen Beitrag zum Schutz amerikanischer Marktanteile geleistet hat, insbesondere bei Weizen. Erwarten Sie Veränderungen des EEP, etwa bei seiner
Funktionsweise oder Mittelausstattung, und gibt es
eine Möglichkeit, die Marktanteile amerikanischer
Landwirte zu erhöhen?
Madigan: Wirerhöhen unsere Marktanteile, indem wir
sämtliche Subventionen - unsere und die der EG sowie
einige Maßnahmen des Canadian Wheat Board, die
ziemlich geheim ablaufen - abschaffen. Wenn all diese
Dinge abgeschafft wären und jedem gestattet würde,
das zu tun, was er am besten kann, dann würden wir
herausfinden, wer in jedem Bereich der Beste ist.
Genau dies möchten die Vereinigten Staaten tun. Wir
möchten nur die Chance haben, fair, ohne Subventionen, ohne Verabredungen im Hintergrund, ohne geheime Absprachen und ähnliches konkurrieren zu können.
Cashdan: Vor einem Jahr am Ende des Houstoner
Gipfels waren alle unglaublich euphorisch, als sie
diese wunderbare gemeinsame Erklärung zur Uruguay-Runde erhielten, eine starke Erklärung, in derein
Ende der Subventionen und Fortschritte gefordert
wurden, um die Runde rasch abzuschließen, so daß
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beim nächsten Gipfeltreffen ein Jahr später dieses
glorreiche Papier unterschrieben werden könnte.
Offenkundig ist dies nicht geschehen. Besteht am
Vorabend dieses Gipfels Grund zu Optimismus? Die
Europäische Gemeinschaft erklärt ständig, sie reformiere ihre Gemeinsame Agrarpolitik (CAP), aber sehen
Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt Grund für Optimismus?
Madigan: Nun, es handelt sich um zwei unterschiedliche Dinge: die Reform der CAP und die Reform des
GATT sind zwei völlig verschiedene Dinge, obwohl
viele Leute sie in ihrem Denken und ihren Äußerungen
vermischen.
Wenn wir nur einmal die Struktur der Europäischen
Gemeinschaft betrachten, sehen wir eine Reihe von
EG-Kommissaren. Soviel ich weiß, haben sie sich alle
für erhebliche Reformen des GATT und durchgreifende Agrarreformen innerhalb des GATT ausgesprochen. Der Widerstand kommt nicht von der EGKommission, sondern von den Landwirtschaftsministem in den einzelnen EG-Staaten, von denen jeder
entschlossen zu sein scheint, seine Klientel zu schützen.
Letztlich muß diese Entscheidung von der EG-Kommission und den Ministern der verschiedenen Länder
getroffen werden. Und ich spreche jetzt nicht von den
Landwirtschaftsministem, ich spreche von den Finanz- und Wirtschaftsministern sowie den Premierministern. Es muß auf dieser Ebene entschieden werden, wenn den Reformen Erfolg beschieden sein soll.
Nun, für die EG-Mitgliedstaaten, die Vereinigten Staaten, Lateinamerika, alle Mitglieder der Cairns-Gruppe,
insbesondere für die aufstrebenden Demokratien in
Osteuropa und Lateinamerika steht hier sehr viel auf
dem Spiel. Es steht so viel auf dem Spiel, daß sie es
meines Erachtens nicht zum Scheitern kommen lassen werden, nur weil sich die EG-Landwirtschaftsminister weigern, einigen Veränderungen zuzustimmen.
Cashdan: Genau das haben alle im Dezember gehofft. Ist seit Dezember irgend etwas geschehen, das
Ihnen das Gefühl gibt, Sie könnten heute optimistischer sein als Ende Dezember?
Madigan: Im Dezember haben sich die Vereinigten
Staaten und die Cairns-Gruppe geweigert, noch einmal Zugeständnisse zu machen als sie erklärten:
"Nein, das ist Ihr Fehler, EG. Es liegt an Ihnen, daß wir
hier scheitern. Sie verlangen, daß alle Ihnen gegenüber Zugeständnisse machen. Dies ist traditionell
bereits seit 45 Jahren der Fall. Wir werden dies nicht
tun. Es ist Ihr Fehler, dieses Scheitern liegt an Ihnen."
Die ganze Welt sah es, und die ganze Welt wußte es.
Trotz gegenteiliger Proteste seitens der EG-Vertreter
glaubte ihnen keiner. Sie alle sahen, was geschehen
war und warum. Und das war der Grund, daß Herr
Dunkel (der Generaldirektor des GATT) später sein
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�Papier vorlegte und darin feststellte: "Wir werden über
die Landwirtschaft in allen drei Reformbereichen verhandeln." Er hat dies jetzt wiederholt. Wir hören von
den Europäern, daß sie der Notwendigkeit von Verhandlungen in allen drei Bereichen zustimmen, und
deshalb bin ich optimistisch.
Stilkind: Dem MacSherry-Vorschlag der EG, wie ich
ihn verstehe, zufolge käme es zu erheblichen Kürzungen der internen Stützungsmaßnahmen. Ist dieser
Vorschlag für die Vereinigten Staaten annehmbar?
Madigan: Nein, denn das wichtigste Ziel, das es zu
verwirklichen gilt, ist der Marktzugang. Wenn wir echte
Reformen haben wollen, dann muß es für uns und
andere Zugang zu den europäischen Märkten geben,
und wir müssen wiederum den anderen Zugang zu
unseren Märkten gewähren, den sie gegenwärtig nicht
haben. Marktzugang ist hier der Schlüssel zu einem
erfolgreichen Abschluß. Die anderen Dinge werden
dann folgen.
Stilkind: Wenn dieser MacSherry-Vorschlag nicht gut
genug ist, wie begründet sich dann der Optimismus,
sie würden bis Ende des Jahres einen besseren Vorschlag machen? Wie können Sie optimistisch sein,
wenn sie sich selbst schon Folterqualen unterworfen
haben, um den jetzigen Vorschlag zu machen?
Madigan: Sprechen Sie jetzt über die Reform der
CAP oder über das GATT?
Stilkind: Über das GATT, über die Uruguay-Runde.
Madigan: Also, ich habe von Mr. MacSherry keinen
anderen GATT-Vorschlag gehört als den, über den
Herr Dunkel gesprochen hat. Ich habe nicht erlebt,
daß MacSherry den Dunkel-Vorschlag unterstützt hat,
aber ich habe von MacSherry auch keinen speziellen
GATT-Vorschlag gesehen. Sein Vorschlag betrifft die
Reform der CAP und nicht das GATT.
Cashdan: Die Sowjetunion wird sicherlich ein weiteres wichtiges Thema beim Weltwirtschaftsgipfel sein.
In der Sowjetunion wird gesagt, Kredite in Höhe von
2,5 Milliarden Dollar seien nicht ausreichend. Haben
wir in unserem Land genug Weizen, um jeder sowjetischen Nachfrage nach Weizen gerecht zu werden?
Madigan: Das denke ich auch, aber zweifelsohne sind
wir nicht die einzigen, die Weizen besitzen. Die
Kanadier, Australier und Argentinier haben Weizen.
Auch in Westeuropa gibt es Weizen. Im Jahr 1991
erstickt die Welt sozusagen in Weizen. Die Sowjets
könnten das einzige Volk sein, das keinen Weizen hat.
Cashdan: Gibt es Pläne, ihnen mehr Weizen zu
liefern oder zu verkaufen? Haben die Sowjets nicht zur
Zeit Schwierigkeiten mit den Banken, Kredite zu bekommen?
Madigan: Meines Erachtens wird es keine Probleme
geben. Die Probleme, die sie mit den Banken haben,
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sind bald gelöst. Und wie Sie wissen, gewähren wir
ihnen Kredite in drei Tranchen. Wir sagen ihnen, sie
sollen das kaufen, was sie kaufen wollen. Wir üben
keinen Druck auf sie aus, irgendeine bestimmte Ware
zu kaufen.
Wenn Käufe getätigt werden, findet im Oktober eine
zweite und im Februar eine dritte Verhandlungsrunde
statt. In der Zwischenzeit kaufen sie Futtergetreide
von Kanada und anderen Ländern. Soweit ich weiß,
werden die Europäer mehr Handel mit ihnen betreiben.
Cashdan: Wird dieses Thema Ihres Erachtens beim
Gipfeltreffen breiten Raum einnehmen? Landwirtschaft und technische Hilfe für die Sowjets, wie etwa
Nahrungsmittelverteilung ?
Madigan: Dieses Angebot haben wir den Sowjets
unterbreitet. Wie Sie wissen, wurde eine Delegation in
die Sowjetunion entsandt, die nach ihrer Rückkehr
dem Präsidenten einen umfangreichen Bericht vorgelegt hat. Der Präsident hat gegenüber Präsident
Gorbatschow seine Bereitschaft zur Entsendung von
Experten bekräftigt, um diese technische Hilfe für die
Sowjetunion bereitzustellen.
Die mit Präsident Gorbatschow nach London reisenden Sowjets haben femer ihrem Wunsch Ausdruck
verliehen, daß ihre Delegation einige Mitglieder umfassen sollte, die diese speziellen Gespräche führen. Der
amerikanische Staatssekretär für Internationale Angelegenheiten, Dr. Crowder, wird darüber hinaus zu
einem Treffen mit den Sowjets nach London reisen,
um ihnen unsere Pläne zur Bereitstellung dieser technischen Hilfe zu unterbreiten.
Cashdan: Soweit ich weiß, haben wir amerikanische
Agrarberater nach Polen entsandt. Können Sie etwas
zu der technischen Hilfe sagen, die wir an Osteuropa
und insbesondere an Polen leisten, um zum Übergang
von der Planwirtschaft zu einer marktorientierten
Landwirtschaft beizutragen?
Madigan: Dies vollzieht sich auf unterschiedlichen
Ebenen. Einige Fragen sind sehr grundlegend, wie
etwa Transport oder Lagerung bestimmter Güter. Es
wird etwas komplizierter, wenn wir über Verarbeitung
und die unterschiedlichen Arten von Gerät reden, die
beim Verarbeitungsprozeß zur Verfügung stehen.
Auf einer vollständig anderen Ebene wird über die
Schaffung von Märkten und Erarbeitung von Finanzund Wirtschaftskriterien gesprochen, werden Termini
wie "cash flow" und all diese esoterischen Begriffe
erörtert, die zum Kapitalismus gehören. All diese
Gespräche finden auf unterschiedlichen Ebenen statt,
ein Teil davon wird durch die von Ihnen erwähnten
Agrarberater geführt, ein anderer von Mitarbeitern des
US-Landwirtschaftsministeriums, die im Gegensatz
zu den Universitäten angegliederten Beschäftigten
direkt angestellt sind, und ein weiterer Teil wird von
anderen Experten geführt.
Seite 3

�Stilkind: Ich möchte noch einmal kurz auf die Uruguay-Runde zu sprechen kommen. Muß die UruguayRunde noch in diesem Jahr wegen der Wahlen in den
Vereinigten Staaten und in Großbritannien im nächsten Jahr zu Ende gebracht werden, oder kann sie
1992 fortgesetzt werden?
Madigan: Wenn es sein muß, wird sie 1992 fortgesetzt. Natürlich würden wir es vorziehen, wenn sie
nicht bis 1992 dauern würde. Wir verhandeln seit vier
Jahren. Jeder sollte allmählich die Position des anderen kennen. Zweifelsohne wissen wir inzwischen alle,
worum es dem anderen geht
Es gibt also abgesehen von politischen Erwägungen
derjenigen, die keine Konzessionen machen wollen
und denken, "Wenn wir keine Konzessionen machen
und noch ein bißchen länger aushalten, dann macht
vielleicht jemand anderes die notwendigen Konzessionen", überhaupt keinen Grund, warum dies nicht zu
Ende gebracht werden sollte. Wenn diese Einstellung

bei ausreichend vielen vorherrscht, dann wird es bis
1992 dauern, weil wir nicht all die Konzessionen machen
werden, nur um die Verhandlungen in diesem Jahr
abzuschließen.
Cashdan: Kommen wir auf das Nahrungsmittelverteilungsproblem in der Sowjetunion zurück. Sie sagten,
mit Gorbatschow würden Agrarexperten kommen.
Madigan: Ja, aber das fällt nur zufällig mit dem Gipfel
zusammen. Diese Gespräche finden nicht im Rahmen
des Gipfeltreffens statt. Zum Gipfeltreffen gehören nur
die sieben Staats- und Regierungschefs der G-7, die
im Anschluß an ihre Verhandlungen mit Präsident
Gorbatschow zusammentreffen werden.
Gleichzeitig wird Mr. Crowder vom US-Landwirtschaftsministerium jedoch in London mit seinem Amtskollegen aus der Sowjetunion Gespräche über die Mechanismen führen, die wir zur Bereitstellung der technischen Hilfe für die Sowjets erarbeiten können.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 28

�KSE
17. Juli 1991

KSE KANN ZUM SCHUTZ DER AUFSTREBENDEN
DEMOKRATIEN IN EUROPA BEITRAGEN
Rede des Außenministers vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) -Außenminister Baker zufolge kann der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) zur Überwindung der ehemaligen Teilungen und zum Schutz der aufstrebenden Demokratien in Europa
beitragen.
KSE "verändert nicht nur den Zuschnitt der militärischen Konfrontation in Europa", erklärte Baker am 11. Juli
1991. "Er schreibt stabilere und berechenbarere Sicherheitsbeziehungen in Europa fest und fördert ein
politisches und militärisches Umfeld, das zur Überwindung der ehemaligen Teilungen und zum Schutz der
aufstrebenden Demokratien in Europa unabdingbar ist."
Bei der Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats verwies Baker ferner darauf, daß der vom Senat
zu ratifizierende Vertrag zur Reduzierung der konventionellen Streitkräfte in Europa "dazu beitragen kann, die
nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten auf Jahrzehnte hinaus zu schützen".
Angesichts der fortdauernden Unsicherheiten in der Sowjetunion könne der Vertrag als Bollwerk gegen die
Rückkehr zu einer militärischen Konfrontation wie zu Zeiten des kalten Kriegs dienen, räumte Baker ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Außenminister Baker vor dem Senat im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, Ihnen heute
den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa
zur Ratifizerung vorlegen zu können. Ihre verfassungsmäßig verankerte Rolle beim Ratifizierungsprozeß ist entscheidend für den Schutz der amerikanischen Interessen auf der Welt. Aus diesem Grund
bitte ich Sie, die wesentlichen Gesichtspunkte dieses
Vertrags sorgfältig im Hinblick auf seine Auswirkungen
für unsere langfristigen strategischen, politischen und
wirtschaftlichen Interessen abzuwägen.

Fundament für ein neues Europa sondern wird auch
als Bollwerk gegen eine Rückkehr zu den Gefahren
und Feindseligkeiten des kalten Kriegs dienen. KSE
verändert nicht nur den Zuschnitt der militärischen
Konfrontation in Europa. Er schreibt stabilere und
berechenbarere Sicherheitsbeziehungen in Europa fest
und fördert ein politisches und militärisches Umfeld,
das zur Überwindung der ehemaligen Teilungen und
zum Schutz der aufstrebenden Demokratien in Europa
unabdingbar ist.

Wenn Sie diesen Vertrag mit all seinen Bestimmungen
prüfen, Herr Vorsitzender, werden Sie ihn meines
Erachtens der Ratifizierung für würdig erachten. Denn
als von den führenden militärischen und politischen
Mächten in Europa eingegangene rechtlich bindende
Verpflichtung kann er dazu beitragen, die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten auf Jahrzehnte
hinaus zu schützen.

KSE und das neue Europa
Um die Tragweite dieses Vertrags zu verstehen, müssen
wir uns die Welt vor 1989 vor Augen führen, die Welt
des kalten Kriegs, die ein ratifizierter und vollständig
verwirklichter KSE-Vertrag für immer verbannen kann.
Zu den damals von uns gehegten Besorgnissen zählten:

Der KSE-Vertrag symbolisiert eine tiefgreifende Verlagerung vom kalten Krieg zu einem ungeteilten und
freien Europa. Er ist nicht nur das unabdingbare

die massive Überlegenheit der sowjetischen
Offensivwaffen, die zu einem Angriff auf Westeuropa fähig waren,

AMERIKA DIENST 28

Seite 1

�die Gefahr eines durch die sowjetische Geheimhaltung und die geschlossenen Gesellschaften
im Osten herbeigeführten Blitzkriegs mit kurzer
Vorwarnzeit,
das politische Gewicht der sowjetischen Besatzungsmächte in Mittel- und Osteuropa, die
die Aussichten auf Reformen belasteten, und
die wirtschaftlichen Kosten der Verteidigung
gegen die Bedrohung.
Unsere Bestrebungen, diesen Besorgnissen durch die
Gespräche über Beiderseitige und Ausgewogenen
Truppenverminderungen (MBFR) zu begegnen, führten zu einer Pattsituation. 15 Jahre lang schienen
selbst relativ bescheidene Streitkräftereduzierungen
in Europa in weite Ferne gerückt. Dann, nur wenige
Monate vor Beginn der KSE-Verhandlungen, kündigte
Präsident Gorbatschow im Dezember 1988 die damals als dramatisch eingestuften einseitigen Streitkräftereduzierungen an. Dieser Abbau hätte dem
Warschauer Pakt jedoch immer noch einen Vorteil von
2 zu 1 bei wesentlichen Fähigkeiten belassen, und
diese Verminderungen waren weit davon entfernt,
unumkehrbar zu sein.
Gorbatschows Ankündigung diente jedoch als Katalysator für die KSE-Verhandlungen und schuf ein vielversprechenderes Umfeld für die Verhandlungen. Die
NATO unterbreitete einen Vorschlag, derzurgrößeren
Sicherheit aller Staaten in Europa einschließlich der
Sowjetunion beitragen würde. Wir und unsere Verbündeten waren entschlossen, die massive Vorneverteidigung der sowjetischen Streitkräfte radikal zu reduzieren. Wir hegten die Hoffnung, daß dies das Potential
des Warschauer Pakts, einen Angriff mit kurzer Vorwarnzeit auszulösen, verringern, die Aussichten auf
einen politischen Wandel in Mittel- und Osteuropa
fördern und die Verteidigungslast durch Stabilität bei
niedrigeren Streitkräfteniveaus abbauen würde.
Der KSE-Vertrag trägt dazu bei, diese Hoffnungen
Realität werden zu lassen. Ich möchte dies im einzelnen ausführen.
Im strategischen Bereich kodifiziert der Vertrag ein
radikal neues europäisches Sicherheitsumfeld und
liefert ein solides Fundament für künftige europäische
Sicherheitsverhandlungen. KSE erfordert die Zerstörung und Beschränkung wichtiger Offensivwaffen und
schreibt damit eine neue Grundlage für strategische
Stabilität in Europa fest. KSE führt das umfassendste
und einschneidenste Verifizierungsregime ein, das es
je gab und manifestiert damit Offenheit und Berechenbarkeit.
Der Vertrag wird Stabilität kodifizieren durch:
die Beseitigung von vielen tausenden Waffensystemen, vor allem durch Zerstörung, vorbehaltlich der Benachrichtigung und Beobachtung,

Seite 2

den Abbau und die Begrenzung von fünf Ausrüstungskategorien - Panzern, Artillerie, Schützenpanzer, Kampfhubschrauber und Kampfflugzeuge -, mit denen am ehesten offensive
militärische Operationen ausgeführt werden
können,
Beschränkungen für einzelne Länder, mehr als
etwa ein Drittel des gesamten vom Vertrag beschränkten Geräts in dem Gebiet zu besitzen.
Damit wird einzelnen Ländern kaum die Möglichkeit gelassen, auf dem Kontinent eine militärische und politische Vormachtstellung zu erzielen.
Beschränkung des Geräts bei aktiven Einheiten
und die Bedingung, daß anderes Gerät der Landeinheiten unter den allgemeinen Obergrenzen
in bestimmten Einrichtungen gelagert werden
muß und
die Schaffung eines verzahnten Systems geographischer Beschränkungen des Streitkräfteumfangs. Damit werden Streitkräftekonzentrationen begrenzt und Gleichgewicht nicht nur in
Mitteleuropa sondern auch an den Flanken
hergestellt.
Darüber hinaus wird der Vertrag durch ein extrem
einschneidendes Verifizierungsregime Berechenbarkeit und Offenheit kodifizieren. Im Verbund mit unseren nachrichtendienstlichen Mitteln wird dies tatsächlich die Möglichkeit einer militärisch bedeutsamen
heimlichen Aufrüstung beseitigen.
Dieses Regime umfaßt den Austausch detaillierter
Informationen, den Zwang zu Offenheit und verschiedene Formen der Vor-Ort-Inspektionen zur Ergänzung
der nationalen technischen Mittel. In militärischen
Einrichtungen aller 22 Signatarstaaten vom Atlantik
bis zum Ural werden obligatorische Inspektionen stattfinden, und bei allen verdächtigen Einrichtungen werden Ad-hoc-Inspektionen ermöglicht. Ferner sieht der
Vertrag die Einrichtung einer Gemeinsamen Beratungsgruppe vor, die Fragen der Einhaltung oder Interpretation abhandelt und Maßnahmen zur Verbesserung der Effektivität und Lebensfähigkeit des Vertrags
erarbeitet.
Im politischen Bereich trägt der Vertrag zur Festschreibung des Abzugs sowjetischer Streitkräfte aus Osteuropa bei. Der Vertrag stärkt die Souveränität der
aufstrebenden Demokratien. Er sieht vor, daß kein
KSE-Mitglied ohne die ausdrückliche Zustimmung eines
anderen Landes Streitkräfte auf dessen Territorium
stationieren kann. Der Vertrag bestätigt die bilateralen
Abkommen, in denen die Abschaffung aller stationierten sowjetischen Truppen gefordert wird und stellt
sicher, daß alle sowjetischen Stationierungen in Europa ohne Zustimmung des Gastlandes ebenfalls eine
Verletzung des Vertrags darstellen würden. Präsident

AMERIKA DIENST 28

�Havel hat im vergangenen Jahr in seiner Rede im
Kongreß erklärt, der KSE-Prozeß erleichtere nicht nur
den Abzug sowjetischer Streitkräfte aus seinem Land
sondern schaffe darüber hinaus die Bedingungen für
die Reduzierung der tschechoslowakischen Streitkräfte. In jedem Fall trägt KSE dazu bei, Unabhängigkeit,
Sicherheit und die politische Entwicklung der neuen
Demokratien in Mittel- und Osteuropa zu gewährleisten.
Wirtschaftlich gestattet es uns KSE, eine Abschrekkung auf niedrigeren Streitkräfteniveaus beizubehalten. Damit können wir die Ressourcen für Europas
Verteidigung reduzieren. Die Sowjets können neues
Denken in eine neue Politik umwandeln und ihre Verteidigungsressourcen in zivile Kanäle umleiten, indem
sie Sicherheit durch ein ausgehandeltes, rechtlich
bindendes Regime definieren und nicht mehr durch die
Bedrohung eines massiven Einsatzes von Gewalt.
Insgesamt manifestiert KSE diese einmaligen strategischen, politischen und wirtschaftlichen Tatsachen durch
einen rechtsverbindlichen Vertrag, dem die wichtigsten militärischen Mächte in Europa zustimmen. Es
stimmt, daß einige dieser Tatsachen auch durch einseitige Schritte einzelner Länder hätten hervorgebracht
werden können. Aber jede einseitige Maßnahme kann
auch einseitig widerrufen werden. Deshalb haben wir
so hart gearbeitet, um ein multilaterales, rechtlich
bindendes und wirksam verifizierbares Abkommen
hervorzubringen.
Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten in der
Sowjetunion sollte der Beitrag, den dieser Vertrag als
Bollwerk gegen jede Rückkehr der Konfrontationen
des kalten Kriegs leistet, in Ihren Überlegungen eine
große Rolle spielen. Der Präsident hat bei vielen
Gelegenheiten eindeutig herausgestellt, daß wir Perestrojka und das neue Denken unterstützen und an
deren Erfolg aktiv arbeiten. Vor fast zwei Jahren habe
ich in San Francisco erklärt: "Mit jeder Unsicherheit
über das Schicksal der Reform in der Sowjetunion
haben wir umso mehr - nicht weniger - Grund, die
gegenwärtige Gelegenheit zu ergreifen. Denn die
Ergebnisse unserer Bemühungen - eine verringerte
sowjetische Bedrohung und wirksam überprüfbare
Abkommen - können selbst dann Bestand haben,
wenn die Perestrojka scheitert. Wenn die Sowjets erst
einmal Waffen zerstört haben, wird es für jede künftige
Kreml-Führung schwierig, kostspielig und zeitraubend
sein, den Prozeß umzukehren und militärische Überlegenheit zur Geltung zu bringen. Und aufgrund eingegangener Abkommen wird jeder Versuch, Verträge zu
unterlaufen, als Anzeichen für einen Rückfall in altes
Denken dienen." Diese vor zwei Jahren geäußerten
Worte haben auch heute noch Gültigkeit.
Aus diesem Grund bitten wir Sie, Ihre Zustimmung zur
Ratifizierung dieses Vertrags zu geben.

AMERIKA DIENST 28

Artikel III und die Lösung noch ausstehender
Probleme
Ich weiß, daß viele von Ihnen über die Lösung der
sogenannten Artikel-HI-Frage besorgt sind, und ich
möchte deshalb näher auf dieses Problem eingehen.
Kurz nach Unterzeichnung des Vertrags im vergangenen November machten die Sowjets das Recht geltend, die vertraglichen Zählregeln auf eine Weise
anzuwenden, die dem Text, den Verhandlungsprotokollen und den Ansichten der anderen 21 Teilnehmer
widersprach. Vor allem behaupteten die Sowjets, daß
die Ausrüstung von der Marine unterstellten Einheiten
nicht unter die verschiedenen KSE-Begrenzungen falle,
obwohl diese Art von Ausrüstung sehr wohl von dem
Vertrag abgedeckt wird. Damit meine ich, daß sie der
Definition vertraglich begrenzter Ausrüstung entsprach
und auf Dauer in einem Land stationiert war, das zum
Anwendungsbereich der KSE gehört. Der Präsident
hat deutlich gemacht, daß dieses Problem gelöst
werden müsse, bevor der Vertrag dem Senat zur
Beratung und Ratifizierung zugeleitet werden könne.
Es gab noch weitere Probleme in Zusammenhang mit
diesem Vertrag. In den letzten Verhandlungsmonaten
wurde klar, daß die Sowjets Zehntausende von Waffensystemen östlich des Urals verlegt hatten, wo sie
nicht unter die Verfügungen des Vertrags fallen.
Schließlich ergaben sich Fragen zur Genauigkeit der
sowjetische Daten im Hinblick auf ihre Ausrüstungsbestände im Vertragsgebiet vom Atlantik bis zum Ural.
Nach monatelangen bilateralen amerikanisch-sowjetischen Diskussionen und hochrangigen Gesprächen,
Aktivitäten in der Gemeinsamen Beratungsgruppe und
einer Reihe von bilateralen Gesprächsrunden zwischen Moskau und mehreren anderen Teilnehmerstaaten haben wir ein Paket entwickelt, das die Integrität und Unverletzlichkeit des Vertrags bewahrt.
In einer getrennten, rechtlich bindenden Erklärung
verpflichtete sich die sowjetische Regierung zu einer
Reihe von Maßnahmen, um die Marineinfanterie und
Streitkräfte zur Küstenverteidigung zu reduzieren und
begrenzen. Damit werden die Sowjets die vertraglichen Obergrenzen und andere Vereinbarungen effektiv einhalten. Obwohl vom Vertrag getrennt, stellt die
Präambel der sowjetischen Erklärung ausdrücklich
fest, daß diese Maßnahmen dazu dienen, die Durchführung des Vertrags zu fördern. Diese Erklärung
bekräftigt darüber hinaus den umfassenden Charakter
der KSE-Zählregeln (das heißt, sämtliche Ausrüstung
in vertraglich begrenzten Kategorien innerhalb des
Anwendungsgebiets fällt unter die Begrenzungen des
Vertrags, falls im Vertrag und den damit zusammenhängenden Dokumenten nichts Anderweitiges festgehalten ist). Damit wird die Wahrscheinlichkeit ähnlicher Meinungsverschiedenheiten in Zukunft verringert. Schließlich löst diese Erklärung auch eine wei-

Seite 3

�tere strittige Frage, indem sie ausführt, daß Schützenpanzer in Strategischen Raketeneinheiten wie im Falle
von ähnlichen Fahrzeugen, die für analoge Funktionen
für die innere Sicherheit eingesetzt werden, nicht auf
die vertraglichen Obergrenzen angerechnet werden.
Den Sowjets ist es verboten, ihre Bestände dieser
Fahrzeuge in den Strategischen Raketenstreitkräften
zu erhöhen und diesen Streitkräften irgendwelche
anderen, vertraglich begrenzten Ausrüstungsgegenstände zu liefern.
Darüber hinaus sind die Sowjets verschiedene politische Verpflichtungen im Hinblick auf Gerät östlich des
Urals eingegangen. Bis zum Jahr 1995 werden sie
mindestens 14.500 Waffensysteme offen und unter
Beobachtung zerstören. Sie haben sich ferner verpflichtet, die zurückgezogenen Waffensysteme nicht
zur Bildung einer strategischen Reservestreitmacht zu
verwenden. Diese Zusicherungen tragen unseren
wesentlichen Anliegen im Hinblick auf Aufstellung und
mögliche künftige Verwendung dieser Systeme Rechnung. Die von den Sowjets zu liefernden Informationen und die Maßnahmen, zu denen sie sich verpflichtet haben, werden die wirksame Überwachung von
Waffensystemen östlich des Urals durch Nationale
Technische Mittel erleichtern.
Diskrepanzen zwischen unseren Schätzungen und
den von den Sowjets bis zur Vertragsunterzeichnung
gelieferten Daten sind aufgrund weiterer Analysen und

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Informationen, einschließlich von den Sowjets gelieferter Daten, erheblich verringert worden. Verbleibende Fragen werden in der Gemeinsamen Beratungsgruppe oder über andere Kanäle eingehend behandelt
werden. Unserer Meinung nach rechtfertigt keines
dieser Datenprobleme einen Aufschub bei der Behandlung dieses Vertrags.
Schlußbemerkung
Zum Schluß, Herr Vorsitzender, möchte ich noch
folgendes sagen: Im Jahr 1989 vollzog sich in Europa
ein politisches Erdbeben, ein Ausbruch demokratischer Werte, der die politische Landkarte des Kontinents veränderte. Heute arbeiten wir mit den neuen
Demokratien Mittel- und Osteuropas sowie einer sich
reformierenden Sowjetunion zusammen, um zu gewährleisten, daß die Demokratie vom Atlantik bis zum
Ural weiter gedeiht.
Einer der besten Wege, um dies zu tun, ist die Ratifizierung des KSE-Vertrags und seine anschließende
Durchführung. Denn der KSE-Vertrag kann ein dauerhafter Pakt gegenseitigen Vorteils sein, ein Vertrag, in
dem alle Europäer und Amerikaner ihre Interessen
gefördert sehen können. Damit kann der KSE-Vertrag
die Ungewißheiten bezüglich der Zukunft reduzieren
und dazu beitragen sicherzustellen, daß die militärische Landkarte Europas unsere grundlegenden Interessen widerspiegelt.

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�KSE
17. Juli 1991

DER KSE-VERTRAG:
ELEMENTE DES VERTRAGS
Eine Übersicht des ACDA
Die folgende Übersicht mit dem Titel Der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa: Elemente des
Vertrags wurde am 1. Juli 1991 vom Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.

Vertraglich begrenzte konventionelle Waffensysteme
Kampf panzer: Kampf panzer sind die wichtigsten Mittel eines offensiven Feldzugs, und ihre Begrenzung ist
ein entscheidendes Element des KSE-Vertrags. Jeder
Seite - der NATO und den Staaten des ehemaligen
Warschauer Pakts - wird eine Obergrenze von 20.000
Kampfpanzern gesetzt.
Darüber hinausgehende
Systeme müssen zerstört werden, wobei jedoch jeder
Staat bis zu 750 Panzer für zivile Zwecke umrüsten
darf. Kein einzelnes Land darf mehr als 13.300
Kampfpanzer besitzen.
Gepanzerte Kampffahrzeuge (ACVs): Diese Fahrzeuge liefern der Infanterie Beweglichkeit und Feuerunterstützung während des Gefechts. Sie können ein
entscheidender Faktor für eine Offensive sein, und
ihre Begrenzung ist deshalb mit der Notwendigkeit zur
Verringerung der Kampfpanzer verbunden. Auf jeder
Seite wird die Gesamtzahl auf 30.000 ACVs begrenzt,
wobei eine Zwischenobergrenze von 18.000 für die
kampfstärkeren Schützenpanzer (SPz) und Kampffahrzeuge mit schwerer Bewaffnung (HACVs) gilt.
Davon dürfen höchstens 1.500 HACVs sein. Systeme,
die diese Obergrenze überschreiten, sind zu zerstören, aber jeder Staat kann bis zu 3.000 ACVs für zivile
Zwecke umrüsten. Kein einzelnes Land darf mehr als
20.000 ACVs besitzen.
Artillerie: Die Artillerie liefert die wesentliche Feuerunterstützung für die Gefechtsführung. Artillerie, Panzer

AMERIKA DIENST 28

und ACVs stellen zusammengenommen den Kern der
konventionellen Offensivfähigkeit dar. Die Zahl der
Artilleriewaffen ist auf jeder Seite auf 20.000 begrenzt,
und kein einzelnes Land darf mehr als 13.700 Artilleriewaffen besitzen. Darüber hinausgehende Systeme
sind zu zerstören.
Kampfhubschrauber: Kampfhubschrauber liefern
Feuerunterstützung und Lufttransport für die Infanterie. Sie verschaffen somit einem Befehlshaber erhebliche Manövrierfähigkeit für die Gefechtsführung. Zu
den Kampfhubschraubem zählen sowohl Angriffshubschrauber als auch Kampfunterstützungshubschrauber. Für jede Seite gilt eine Obergrenze von 2.000
Angriffshubschraubern. Spezial-Angriffshubschrauber über die vereinbarten Obergrenzen hinaus sind zu
zerstören. Mehrzweck-Angriffshubschrauber, deren
Zahl die vereinbarten Obergrenzen übersteigt, können
rekategorisiert werden, indem sie für die Verwendung
von Lenkwaffen unbrauchbar gemacht werden. Kein
einzelnes Land darf mehr als 1.500 Angriffshubschrauber besitzen.
Kampfflugzeuge: Kampfflugzeuge liefern einem Offensivfeldzug zusätzliche Vielseitigkeit, Beweglichkeit
und zerstörerische Fähigkeit. Die Zahl der KampfflugzeugewirdaufjederSeiteauf6.800begrenzt. Darüber
hinausgehende Systeme sind zu zerstören. Kein
einzelnes Land darf mehr als 5.150 Kampfflugzeuge
besitzen. Ständig landgestützte Marinekampfflugzeuge werden einer politischen Verpflichtung außerhalb
des KSE-Vertrags zufolge begrenzt.

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�Regionale Differenzierung und ausreichendes Niveau:
Neben den vereinbarten Obergrenzen für die Zahl von
Waffensystemen in jeder Kategorie, die in der ATTUReduzierungen: Den Bestimmungen des KSE-Ver- Region (Atlantik bis zum Ural) stationiert werden dürtrags zufolge müssen die militärischen Fähigkeiten fen, wurden regionale zahlenmäßige Obergrenzen
aller Systeme, die die vereinbarten Obergrenzen über- ausgehandelt. Diese werden dazu beitragen, destabisteigen, auf Dauerzerstörtwerden. Diese wichtige Be- lisierende Streitkräftekonzentrationen in einzelnen
stimmung wird die rasche Wiederherstellung der mili- Gebieten zu verhindern. Eine Reihe miteinander vertärischen Fähigkeiten oder die Lagerung von Syste- bundener Unterregionen wurde geschaffen. Innerhalb
men für künftige militärische Nutzung verhindern.
jeder Region gelten spezielle zahlenmäßige Obergrenzen für jede Kategorie landgestützter Systeme.
Der Vertrag enthält präzise Definitionen für die Zerstörung jedes Waffentyps. Die ständige Überwachung Der Vertrag erkennt darüber hinaus an, daß Obergrender Zerstörung dieser Systeme wird durch das Inspek- zen für den Anteil an Waffensystemen eingeführt
tionsprotokoll geregelt.
werden müssen, die jeder Staat in der ATTU-Region
Die Umrüstung einer geringen Anzahl von Systemen besitzt. Unter dem Begriff "ausreichendes Niveau"
für zivile Zwecke, für Nutzung als Ziele oder für militä- legt diese Regel individuelle Obergrenzen für jede
rische Vorführungen wird gestattet, aber nur, nachdem Waffenkategorie fest. Den Bestimmungen des Verdie militärische Fähigkeit der Waffensysteme zerstört trags zufolge kann kein Land mehr als etwa ein Drittel
wurde. Detaillierte Vorschriften für die Zerstörung der aller in diesem Gebiet zulässigen Waffensysteme
militärischen Fähigkeiten vor der Umrüstung sind im besitzen.
Reduzierungen, regionale Differenzierung und
ausreichendes Niveau

Vertrag enthalten.

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�KSE
17. Juli 1991

DER KSE-VERTRAG:
ERKLÄRUNGEN ZUM VERTRAG
Eine Übersicht des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht mit dem Titel Erklärungen im Zusammenhang mit der
Unterzeichnung des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) wurde am 1. Juli 1991 vom
US-Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben.

Bei Unterzeichnung des KSE-Vertrags am 19. November 1990 wurden drei politisch verbindliche Erklärungen vereinbart. Diese Verpflichtungen stellen eine
Erweiterung der Bestimmungen des Vertrags dar.
Erklärung der Regierung der Bundesrepublik
Deutschland über die Personalstärke der deutschen Streitkräfte
In dieser einseitigen Erklärung verpflichtet sich die
Regierung der Bundesrepublik Deutschland, die Streitkräfte des vereinten Deutschlands innerhalb von drei
bis vier Jahren auf eine Personalstärke von 370.000
Mann zu reduzieren. Diese Reduzierung soll mit dem
Inkrafttreten des KSE-Vertrags beginnen.
Erklärung der Vertragsstaaten des Vertrags über
Konventionelle Streitkräfte in Europa in bezug auf
Personalstärken
Um die Bestimmungen des KSE-Vertrags zu erweitern, der Folgeverhandlungen fordert - die unter anderem die Erwägung von Maßnahmen zur Begrenzung
der Personalstärke in der Region vom Atlantik bis zum
Ural (ATTU) zum Ziel haben - vereinbaren die Vertragsstaaten dieses Vertrags, daß sie für die Dauer
dieser Verhandlungen den festgelegten friedensmäßigen Gesamtpersonalumfang ihrer konventionellen
Streitkräfte gemäß dem Mandat im Anwendungsgebiet nicht erhöhen werden.

gen und Gerät ein. Die Sowjets haben sich der
Anrechnung ihrer landgestützten Marineflugzeuge
(LBNA) auf die im KSE-Vertrag festgelegten Obergrenzen für Flugzeuge vehement widersetzt, da die
amerikanischen und andere westliche trägergestützte
Flugzeuge nicht gezählt werden würden. Man einigte
sich schließlich darauf, daß eine politische Verpflichtung die LBNA getrennt vom Vertrag begrenzen würde. Im Rahmen dieses Nebenabkommens verpflichtet
sich jede Staatengruppe, die Gesamtzahl von 430
solcher ständig landgestützten Marinekampfflugzeuge in der KSE-Zone nicht zu überschreiten, von denen
kein Staat mehr als 400 unterhalten wird. Es verbietet
darüber hinaus die Einbeziehung von Angriffshubschraubern in landgestützte Marinestreitkräfte.
Unmittelbar nach Unterzeichnung des KSE-Vertrags
bekräftigten die Sowjets, daß der Marine unterstellte
landgestützte konventionelle Streitkräfte und Gerät obwohl innerhalb des geographischen Gebiets des
KSE-Vertrags - nicht unter die Vertragsbegrenzungen
fallen. Alle anderen Signatarstaaten wiesen diese
Ansicht zurück. Darüber hinaus bestand tiefe Besorgnis bezüglich des Abzugs von Tausenden von Waffensystemen durch die Sowjets aus der Zone vor Unterzeichnung des Vertrags. Diese Systeme hätten andernfalls zerstört werden müssen.

Erklärung der Vertragsstaaten des Vertrags über
Konventionelle Streitkräfte in Europa in bezug auf
landgestützte Marineflugzeuge

Erklärung der Regierungen der UdSSR und anderer Vertragsstaaten des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa und Erklärung des
Vertreters der UdSSR in der gemeinsamen Beratungsgruppe vom 14. Juni 1991

Das Mandat, unter dem der KSE-Vertrag ausgehandelt wurde, bezieht ausdrücklich alle ständig in der
ATTU-Region landgestützten konventionellen Rüstun-

Nach Monaten bilateraler und multilateraler Gespräche gingen die Sowjets am 14. Juni 1991 rechtlich
bindende Verpflichtungen ein, die praktisch die Einhal-

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�tung der Obergrenzen und anderer Schlüsselbestimmungen des Vertrags bewirken. Vor allem verpflichteten sie sich, daß in Zukunft alle in der ATTU-Region
unterhaltenen landgestützten konventionellen Rüstungen in vertragsbegrenzten Kategorien - unabhängig von den Organisationen, denen sie unterstellt
sind - auf die Vertragsbegrenzungen angerechnet
würden.

eine Reihe von politischen Verpflichtungen ein, einschließlich der Verpflichtung, eine Reihe von Waffensystemen zu zerstören oder sie für zivile Zwecke
umzurüsten, abgezogenes Gerät nicht zum Aufbau
einer strategischen Verteidigung zu benutzen, Informationen über Gerät zur Verfügung zu stellen, das
abgezogen und gelagert wurde und die Arsenale schrittweise abzubauen.

Um die Besorgnis über jenseits des Urals stationierte
Waffensysteme anzusprechen, gingen die Sowjets

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�KSE
17. Juli 1991

DER KSE-VERTRAG:
VERIFIZIERUNG
Eine Übersicht des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Übersicht mit dem Titel Der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa: Verifizierung wurde am 1. Juli 1991 vom US-Amt für Rüstungskontrolle und
Abrüstung veröffentlicht.

Der KSE-Vertrag enthält ein weitreichendes Verifizierungsregime. Mit diesem Regime, bei dem zur Überwachung der Einhaltung Vor-Ort-Inspektionen Nationale Technische Mittel ergänzen, werden Land- und
Luftstreitkräfte der Vertragsstaaten im Anwendungsgebiet des Vertrags Inspektionen unterliegen, entweder bei gemeldeten Einrichtungen oder mit Hilfe von
Verdachtsinspektionen. Darüber hinaus sieht der Vertrag
einen detaillierten Informationsaustausch über die
Befehlsstruktur aller Land-, Luft- und Seeverteidigungsstreitkräfte jedes Vertragsstaats ebenso vor wie Informationen über die Anzahl, Typen und Stationierungsorte des vertraglich erfaßten militärischen Geräts jedes Vertragsstaates. Diese Information wird regelmäßig und auch dann aktualisiert, wenn erhebliche Veränderungen bei den Daten auftreten und Reduzierungen von Gerät stattfinden. Inspektionen und Informationsaustausch werden zur militärischen Offenheit der
gesamten Region beitragen und darüber hinaus das
Vertrauen und die Stabilität in ganz Europa erheblich
steigern.

Reduzierungsinspektionen von zerstörtem oder umgerüstetem vertraglich begrenzten Gerät und Inspektionen zur Zertifikation der Rekategorisierung bestimmter Hubschrauber und der Reklassifizierung bestimmter kampffähiger Schulflugzeuge. Eines der wichtigsten Ergebnisse des Vertrags wird die Zerstörung
Tausender sowjetischer Waffensysteme sein, und diese
beiden Arten von Inspektionen werden es uns gestatten, die Einhaltung aller Reduzierungsverpflichtungen
im Rahmen des KSE-Vertrags zu bestätigen.

Um die Verifizierung der Einhaltung von Vertragsbestimmungen zu fördern, haben die Vertragspartner
das Recht, eine beträchtliche Anzahl von Vor-OrtInspektionen innerhalb des Anwendungsgebiets durchzuführen und sind verpflichtet, sie zu akzeptieren.

Darüber hinaus verpflichten sich die KSE-Vertragsstaaten zur Aushandlung eines KSE-Luftinspektionsregimes während der laufenden KSE 1A-Verhandlungen. Dieses Regime soll nach Beendigung der KSEReduzierungsphase in Kraft treten.

Vor-Ort-Inspektionen bei gemeldeten Lagerungsstätten unterliegen bestimmten Quoten, können aber nicht
verweigert werden. Verdachtsinspektionen können
verweigert werden, aber wenn das der Fall ist, mu ß der
sich weigernde Staat angemessene Zusicherungen
geben, daß sich in dem spezifizierten Gebiet keine
durch den Vertrag begrenzten Waffen befinden. Solche Vor-Ort-Inspektionen wirken als Abschreckung für
Täuschungsmanöver - besonders bei gemeldeten
Einrichtungen.

Zwei der vier Arten von Vor-Ort-Inspektionen bei KSE
finden ohne Quoten oder Verweigerungsrecht statt -

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