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                  <text>omcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Emfcassy

27

Daichmanns Aue 29
5300

10. Juli 1991

Bonn 2

VERTEIDIGUNG

BUSH STREBT SICHERHEIT ZU
MÖGLICHST GERINGEN KOSTEN AN
Rede des Präsidenten vor
verteidigungspolitischer Gruppe

JUGOSLAWIEN

EAGLEBURGER FORDERT FRIEDLICHE
VERHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
Interview mit dem
StellvertretendenUS-Außenminister

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER USA
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN LONDON
Eine Übersicht des Weißen Hauses

KATZ: TATEN STATT WORTE ZUR
BEENDIGUNG DER URUGUAY-RUNDE
ERFORDERLICH
Hintergrundinformation zum Londoner
Weltwirtschaftsgipfel

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�VERTEIDIGUNG
10. Juli 1991

BUSH STREBT SICHERHEIT ZU
MÖGLICHST GERINGEN KOSTEN AN
Rede des Präsidenten vor verteidigungspolitischer Gruppe
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 9. Juli 1991 sein Engagement für einen Verteidigungshaushalt
bekräftigt, der die Sicherheit der Vereinigten Staaten "zu möglichst niedrigen Kosten" garantiert.
In einer Ansprache vor der American Defense Preparedness Association gelobte Bush, wenn der Kongreß "mir
einen unzureichenden Verteidigungsetat vorlegt, der keine Mittel für notwendige Programme vorsieht und Geld
auf Kosten der militärischen Schlagkraft verschwendet... werde ich dagegen mein Veto einlegen".
Bush erinnerte an seinen im vergangenen August verkündeten Vorschlag zur Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, der einigen grundlegenden Tatsachen Rechnung trägt:
Die Vereinigten Staaten haben keinen "Blankoscheck für die Verteidigung... Wir müssen innerhalb
unseres Finanzrahmens bleiben."
Instabile Verhältnisse in der ganzen Welt bedrohen die Vereinigten Staaten, und zahlreiche Länder haben
Massenvernichtungswaffen erworben. Wenn Despoten wie der irakische Präsident Saddam Hussein
"moderne Waffen und traditionelle Ambitionen vereinen, bedrohen sie uns alle".
Die Vereinigten Staaten benötigen die richtige Art von Militär. Unsere Streitkräfte müssen hier und im
Ausland die Stärke besitzen, um Aggression abzuschrecken und die Mobilität, um unerwarteten Herausforderungen zu begegnen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um über unsere
gemeinsame Pflicht zur Aufrechterhaltung einer effektiven nationalen Verteidigung zu sprechen. Wie Sie
alle wissen, hat der Senat damit begonnen, unseren
Verteidigungshaushalt unter die Lupe zu nehmen.
Seine Beratungen könnten grundsätzliche Auswirkungen auf unsere künftige nationale Sicherheit haben.
In Anbetracht des sich verändernden internationalen
Umfelds und unter Berücksichtigung innenpolitischer
Haushaltsengpässe hat unsere Administration einen
durchgreifend gestrafften Verteidigungshaushalt vorgelegt. Man muß kein ausgebildeter Buchhalter sein
oder die Brust voller Orden haben, um zu verstehen,
daß unter den gegebenen Umständen jeder Pfennig,
den wir für unnötige Rüstungsgüter ausgeben, zu
Lasten der militärischen Schlagkraft geht.
Ich weiß, daß Haushaltskürzungen weh tun werden.
Sie werden auch einigen der hier Versammelten weh
AMERIKA DIENST 27

tun, und ich verstehe das. Wir werden jedoch neue
Prioritäten setzen und uns lediglich auf unsere wichtigsten, absolut entscheidenden Programme konzentrieren müssen. Als Präsident ist es meine Pflicht, den
nationalen Interessen zu dienen, und unsere nationalen Interessen erfordern einen Verteidigungshaushalt,
der unsere Sicherheit zu möglichst niedrigen Kosten
garantiert.
Im vergangenen August habe ich einen Plan angekündigt, um unsere Streitkräfte angesichts des Endes des
kalten Krieges und der Entstehung einer Welt neuen
Zuschnitts umzustrukturieren. Ich möchte dazu sagen, daß dieser Vorschlag von den führenden Leuten
im Pentagon sorgfältig durchdacht war - nicht nur von
den Vereinigten Stabschefs sondern auch von anderen, von Leuten, die mein großes Vertrauen besitzen.
Dieser Vorschlag trug einigen grundsätzlichen Tatsachen Rechnung: Erstens, wir besitzen keinen Blankoscheck für die Verteidigung - das war nie der Fall. Wir
Seite 1

�müssen innerhalb unseres Finanzrahmens bleiben.
Zweitens, instabile Verhältnisse in der ganzen Welt
bedrohen die Vereinigten Staaten, und zahlreiche Länder
haben Massenvernichtungswaffen erworben. Wenn
Despoten wie Saddam Hussein moderne Waffen und
traditionelle Ambitionen vereinen, bedrohen sie uns
alle. Und Saddam Hussein ist weder der einzige
Despot in der Welt, noch ist er bedauerlicherweise der
letzte.
Die Sowjetunion ist nach wie vor eine militärische
Supermacht mit einem zunehmend modernen Kriegsapparat und einem Programm zur Modernisierung
einer Reihe ihrer Waffensysteme.
Drittens benötigen wir die richtige Art von Militär.
Unsere Streitkräfte müssen im In- und Ausland über
die Stärke zur Abschreckung von Aggression, die
Mobilität zur Handhabung unerwarteter Herausforderungen und die Flexibilität zur Bewältigung sämtlicher
Probleme von ICBMs über regionale Konflikte bis hin
zu Geiselnahmen verfügen.
Diese Erwägungen bilden das Kernstück des Verteidigungsprogramms der Administration. Und gegen jeden
Verteidigungshaushalt, der sie nicht einbezieht, werde
ich mein Veto einlegen.
Vor diesem Hintergrund möchte ich beginnend mit
dem B-2-Stealth-Bomber einige Themen ansprechen,
die ich für absolut entscheidend halte. Ich habe 75 B2-Bomber gefordert - hierbei handelt es sich um das
revolutionärste Militärflugzeug in der Geschichte unseres Landes. Und wenn Sie die Beschwerden einiger
Kongre ßabgeordneten über die Kosten des B-2 hören,
dann sollten Sie sich vor Augen führen, daß ein einziger B-2 im wahrsten Sinne des Wortes die Arbeit von
Dutzenden von Flugzeugen, Panzern, Überwachungsflugzeugen und anderen Bombern verrichtet. Und
wenn einige schüchtern das Argument vorbringen,
daß wir nur einige wenige B-2-Bomber benötigen, weil
sie technologisch so weit entwickelt sind, dann stellen
Sie sich die Frage: Sollten wir unsere Sicherheit, das
Leben unserer Söhne und Töchter oder unsere nationale Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen, nur weil einige
den revolutionären Vorteil, den dieses Waffensystem
unserer Nation verschaffen wird, nicht eingestehen
wollen? Sollten wir im Vertrauen auf einen in den
vierziger Jahren entworfenen und in den fünfziger
Jahren gebauten Bomber ins 21. Jahrhundert eintreten? Nein. Der B-2 kombiniert die Reichweite und
Nutzlast des B-52 mit den enormen erwiesenen Vorteilen der Tarntechnologie. Und nicht zuletzt bietet er nukleare und konventionelle - Abschreckung über das
gesamte Spektrum hinweg.
Denken Sie an die Kosten, die militärischen Operationen, denken Sie an unsere langfristigen Sicherheitsbedürfnisse, und Sie werden zu der Schlußfolgerung
gelangen, daß wir in der Tat zwei volle Geschwader
des B-2 benötigen.

Seite 2

Einige scheinen auch zu zögern, Geld für den Schutz
der Amerikaner vor zufälligen oder beabsichtigten
Angriffen ballistischer Raketen auszugeben. Wir haben
den Kongreß gebeten, das GPAL-System - das bedeutet den weltweiten Schutz vor begrenzten Angriffen (Global Protection Against Limited Strikes) - zu
unterstützen. Jeder der davon ausgeht, daß wir uns
nicht ernsthafteren Bedrohungen als derSCUD-Rakete ausgesetzt sehen, gibt sich einer Selbsttäuschung
hin. Wenn wir uns schützen und Aggression abwenden wollen, tragen wir die Verantwortung zur Entwicklung von Verteidigungstechnologien wie "brillant pebbles", die in greifbare Nähe gerückt sind. Dies beinhaltet auch GPALs.
Während wir uns auf die Zukunft vorbereiten, müssen
wir auch die Frage stellen, welche Art von Streitkräftestruktur wir benötigen. Unsere Erfahrungen im Golfkrieg haben die wertvolle Rolle unterstrichen, die
Reservisten spielen können. Darüber hinaus haben
sie belegt, daß wir die Art von Reservistenprogrammen nicht benötigen, auf deren Beibehaltung das
Repräsentantenhaus besteht. Ginge es nach der
Verteidigungsvorlage des Repräsentantenhauses, so
würden in den nächsten fünf Jahren nahezu 12 Milliarden Dollar für unnötige Programme und Operationen
der Reservisten aufgewendet. Offen gesagt, würde
dieses Geld auf Kosten von Programmen ausgegeben, die all unsere Streitkräfte - aktive und Reservisten
- benötigen werden.
Im Golf krieg haben wir sehr viel gelernt - einges davon
habe ich bereits in meiner Rede zur Verteidigung vom
2. August vergangenen Jahres vorweggenommen, die
ironischerweise genau auf den Tag fiel, an dem Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Wir haben
gelernt, daß die Nationen der Welt kollektiv handeln
können und werden, um Aggression abzuwehren. Sie
werden erst die Mittel der Diplomatie ausschöpfen, wie
wir es tun sollten und getan haben und militärisches
Vorgehen nur als letztes Mittel einsetzen. Wir haben
gelernt, daß die Vereinigten Staaten allein die internationale Staatengemeinschaft mobilisieren und sie durch
solche Bestrebungen anführen können. Diese Führungsrolle war nicht nur ein Zufall oder ein Vergnügen
sondern die Voraussetzung für unseren kollektiven
Erfolg. Und ich möchte diejenigen im Land beglückwünschen, die diese Führungsrolle übernommen haben.
Wir haben gelernt, daß Hochtechnologiewaffen nicht
kostspieliges "Spielzeug" sind, wie Kritiker seit Jahren
behaupten. Sie begrenzen die Verluste unter der
Zivilbevölkerung auf ein Minimum, maximieren den
Schaden für militärische Ziele, verkürzen Kriege, retten Leben - das Leben der Amerikaner und in diesem
Fall auch das Leben der Koalitionsstreitkräfte und
sogar des Gegners. Wir dürfen niemals vergessen,
daß jedes unnötig gelassene Leben eine Tragödie ist,
insbesondere in Zeiten des Krieges.

AMERIKA DIENST 27

�i

Es wäre eine Schande, wenn wir so kurz nach diesem
Krieg diese Lektionen mißachten würden. Und es
wäre blanker Hohn, Geld für Verteidigungssysteme zu
verschwenden, die uns im Golfkrieg nicht geholfen
haben und nicht dazu beitragen, unseren zukünftigen
Herausforderungen zu begegnen.

lichung der von mir dargelegten Ziele außerordentlich
hilfreich sein können.

Wenn der Senat seine Erörterungen aufnimmt, bitte
ich inständig, daß er einen Haushalt verabschiedet,
der die Menschen verteidigt, der uns den nächsten und
nicht den letzten Krieg führen läßt und der unsere
nationale Sicherheit fördert - Punkt.

Ich möchte mit einem Punkt schließen, der nicht
unmittelbar mit unserem Verteidigungsprogramm
zusammenhängt. Gestern habe ich verschiedenen
Journalisten ein Interview gegeben. Ich werde bald
eine längere Auslandsreise antreten und habe mich
mit Journalisten aus vielen Ländern getroffen, die ich
bereisen werde.

Wenn mir der Kongreß einen unzureichenden Verteidigungsetat vorlegt, der keine Mittel für notwendige
Programme vorsieht und Geld auf Kosten der militärischen Schlagkraft verschwendet, werde ich dagegen
mein Veto einlegen - egal, wie umfangreich oder
dringend der Entwurf ist.
Sie sehen, wir haben uns angestrengt, versucht, die
Bundesregierung zum Maßhalten zu bewegen und
das Amt des Präsidenten einzusetzen, um Entscheidungen zu treffen, die - verständlicherweise - den
Abgeordneten oder Senatoren zu schmerzlich erscheinen. Ich verstehe, warum das so ist. Ich selbst war
Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, und
ich kenne den starken Druck auf Kongreßabgeordnete, die Interessen ihres Wahlbezirks oder Staats zu
vertreten.
Vor dreißig Jahren hat Dwight Eisenhower in seiner

Abschiedsrede an die Nation mehrere Themen angesprochen, die heute noch Gültigkeit haben. "Ein
unabdingbares Element zur Erhaltung des Friedens ist
unser militärischer Apparat", erklärte Eisenhower.
"Unsere Waffen müssen schlagkräftig und schnell
einsatzbereit sein, damit kein potentieller Aggressor
versucht ist, seine eigene Zerstörung zu riskieren."
Dennoch warnte Eisenhower auch, daß unsere Bestrebungen nationalen Interessen und nationalen
Bedürfnissen dienen müssen - und nicht den beschränkten Interessen einzelner Industriezweige oder
Interessengruppen.
t

&gt;

Eine neue Weltordnung erfordert eine neue Reihe von
Verteidigungsprioritäten. Gemeinsam können wir diese
Prioritäten verwirklichen. Da sich die Aufmerksamkeit
nunmehr auf den Senat richtet, bitte ich Sie um Hilfe bei
der Schaffung eines Militärs, das stark genug ist, um
unsere Interessen zu schützen, aber klein genug, um
den Glauben der Öffentlichkeit an die Regierung zu
erhalten.
Ich freue mich über diese Gelegenheit, für die Experten in diesem Bereich zu sprechen, die bei der Verwirk-

*

AMERIKA DIENST 27

Ich danke Ihnen für alles, was Sie getan haben. Vielen
Dank für ihre anhaltenden Bestrebungen, Amerika
sicher und stark zu erhalten.

Einer der Anwesenden fragte mich nach dem Krieg
gegen Saddam Hussein. Die Frage lautete im Hinblick
auf die Ereignisse nach dem Sieg: Hat es sich Ihrer
Ansicht nach gelohnt? Denken Sie als Land, nicht als
Einzelperson, daß es die Sache wert war? So lautete
wohl die Frage. Ich antwortete, ich sei niemals überzeugt gewesen, daß sich unsere Aktion gelohnt hat.
Manche setzen die Ziele neu. Andere versuchen, neu
zu definieren, worum es in diesem Krieg eigentlich
ging. Ging es um sofortige Demokratie in Kuwait? Um
den totalen Niedergang von Saddam Hussein? Darum
wohl nicht.
Eine internationale Koalition formte sich. Wir haben
die Vereinten Nationen auf eine nie dagewesene Weise
benutzt, die vielleicht den Vorstellungen ihrer Gründer
entsprach. Und wir haben entschieden, daß die Aggression keinen Bestand haben würde. Einer der
Gründe, warum wir der Welt erfolgreich bewiesen
haben, daß die Aggression keinen Bestand haben
würde, lautete, daß wir über die Streitkräfte, das Gerät
und dieTechnologie verfügen, um unseren warnenden
Worten Gehör zu verschaffen.
Ich bin absolut davon überzeugt, daß dieses überall
vernehmbare revisionistische Denken ganz falsch ist,
weil wir meiner Ansicht nach dank eines phantastischen Militärs, Geräts und dank der großartigen
Menschen etwas Gutes getan haben. Wir haben die
Aggression gegen Kuwait zunichte gemacht und dem
Aggressor erklärt, die internationale Staatengemeinschaft und das Völkerrecht würden diese Art Verhalten
in Zukunft nicht dulden. Genauso lautete die Botschaft. Sie ist ernstzunehmen und aussagekräftig.
Deshalb bin ich so entschlossen, in Zukunft einen
Verteidigungshaushalt und eine Verteidigungsfähigkeit zu haben, die uns gegebenenfalls gestatten, jedem Aggressor klarzumachen, daß sich Aggression
nicht auszahlt.
Ich danke Ihnen. Gott schütze unser Land.

* * *

*

Seite 3

�JUGOSLAWIEN
10. Juli 1991

EAGLEBURGER FORDERT FRIEDLICHE
VERHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
Interview mit dem Stellvertretenden US-Außenminister
WASHINGTON - (AD) - In der Fernsehsendung MacNeil/Lehrer Newshour forderte der Stellvertretende USAußenminister Lawrence Eagleburger am 2. Juli 1991 die am Konflikt in Jugoslawien beteiligten Parteien auf,
"sich zusammenzusetzen und friedlich zu verhandeln".
In Slowenien, Kroatien und Serbien gibt es Menschen, "die erkennen, daß sie auf einen Abgrund zusteuern, in
den niemand stürzen will", erklärte Eeagleburger. "Ich denke, es besteht immer noch Hoffnung, aber diese
Hoffnung wird sich nicht konkretisieren lassen, wenn sich die einzelnen Republiken nicht zusammensetzen und
friedlich verhandeln."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in wesentlichen Auszügen. (Copyright (c) 1991 Educational
Broadcasting Corporation and GWETA).

Jim Lehrer: Jetzt hören wir die offizielle Meinung der
US-Regierung zur Krise in Jugoslawien von der Nummer
Zwei im US-Außenministerium, dem Stellvertretenden
Außenminister Lawrence Eagleburger. Er war von
1977 bis 1981 Botschafter in Jugoslawien. Es freut
mich, Sie hier begrüßen zu dürfen, Herr Minister. Wem
unterstehen Ihrer Meinung nach gegenwärtig die Streitkräfte? Sind Sie außer Kontrolle geraten?

sprechen. Bis jetzt hat das nicht funktioniert, aber das
ist offensichtlich der Weg, den wir nach Möglichkeit
verfolgen müssen, denn wenn es nicht funktioniert,
wird es viele Tote geben und zu einer schrecklchen
Tragödie kommen.

Eagleburger: Ich würde nicht unbedingt sagen, sie
sind außer Kontrolle geraten, aber ich nehme an - und
das galt auch schon vergangene Woche -, daß sie
zwar ursprünglich von der Zentralregierung zum Schutz
oder zur Sicherung der Grenzen entsandt wurden.
Meiner unbewiesenen Meinung nach handeln die Streitkräfte jedoch über das Maß des von der Zentralregierung Erlaubten hinaus, und wie es aussieht, tun sie das
weiterhin. Das ist eine ziemliche Dummheit.

Antwort: In der internationalen Staatengemeinschaft
besteht dazu ein Konsens auf breiter Ebene.

Frage: Das ist tatsächlich eine Dummheit, aber ist es
aufzuhalten?
Antwort: Ich wei ß es nicht. Ich weiß nicht, ob man es
aufhalten kann. Natürlich wird das KSZE-Treffen
morgen etwas bewirken. Bei all dem Chaos, das sich
in Jugoslawien entwickelt, bestand immer die Hoffnung, daß wir die Parteien bewegen können, nicht
mehr aufeinanderzu schießen sondern zu verhandeln.
Sie müssen sich zusammensetzen und miteinander

AMERIKA DIENST 27

Frage: Wo bleiben die Kräfte des Friedens? Wer tut
etwas für den Frieden in Jugoslawien?

Frage: Das übrige Europa ist sich mit den Vereinigten
Staaten einig?.
Antwort: Von Anfang an waren wir der Auffassung,
daß die Hoffnung auf einen Zusammenschluß der
Kräfte des Friedens immer mehr schwindet, je länger
der Prozeß in seiner jetzigen Form andauert. Es gibt
immer noch solche Kräfte. Ganz sicher gibt es Menschen in Slowenien, Kroatien und auch in Serbien auch wenn sie schwer zu finden sind -, die erkennen,
daß sie auf einen Abgrund zusteuern, in den niemand
stürzen will. Ich denke, es besteht immer noch Hoffnung, aber diese Hoffnung wird sich nicht konkretisieren lassen, wenn sich die einzelnen Republiken nicht
zusammensetzen und friedlich verhandeln. Das war
von Anfang an der Tenor der amerikanischen Haltung.
Außenminister Baker hat das bei jeder sich bietenden

Seite 1

�Gelegenheit erklärt. Das ist auch weiterhin unsere
Politik.
Frage: Was die Politik der Vereinigten Staaten anbelangt, schien es letzte Woche, daß sie gegen irgendeine Form der Unabhängigkeit für Slowenien und Kroatien war. Heute scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Erklären Sie uns, was passiert ist.
Antwort: Ich denke, nichts ist passiert, und obwohl ich
nicht gern vorbereitete Stellungnahmen verlese, möchte
ich doch eine kurze Erklärung des US-Außenministeriums verlesen, die am 24. Mai im Auftrag des Außenministers veröffentlicht wurde. Ein Satz darin lautet:
"Die Vereinigten Staaten werden keine Spaltung fördern oder belohnen. Sie wird jeden Rahmen - föderalistisch, als Staatenbund oder andere Formen - akzeptieren, über den das jugoslawische Volk friedlich und
demokratisch entscheidet." Dies ist unsere Haltung,
wie sie im Mai verkündet wurde. Das war immer
unsere Haltung, und die Meinung, wir hätten unsere
Haltung geändert, stimmt ganz einfach nicht.
Es ist klar, daß wir aus der Sicht der Vereinigten
Staaten glauben, zum Vorteil des jugoslawischen Volkes
in Zukunft sei eine friedlich hervorgebrachte Form der
Einheit - ein Staatenbund oder was auch immer - die
beste Lösung. Wir haben jedoch auch deutlich gemacht, daß wir mit allen Entscheidungen über eine
demokratische und friedliche Form des Zusammenschlusses leben werden. Wir werden jedoch keine
einseitigen Erklärungen akzeptieren, die in eine Richtung führen, wie wir sie in der letzten Woche oder in den
vergangenen vierzehn Tagen beobachten konnten.
Es besteht ganz eindeutig die Gefahr eines Bürgerkriegs, und das muß sich jeder vor Augen führen. Und
es wird ein schrecklicher Bürgerkrieg werden, wenn er
stattfindet.
Frage: Aber was sagen Sie zu den Slowenen und
Kroaten, die erklären: "Wenn die Vereinigten Staaten
einen Bürgerkrieg verhindern wollen, dann verhelft uns
zur Unabhängigkeit. Gibt es hier kein Zurück?"
Antwort: Wir vertreten die Ansicht, wenn sie ihre
Unabhängigkeit einseitig herbeiführen und nicht durch
eine friedlich mit den anderen Republiken ausgehandelte Lösung, dann wird es einen Bürgerkrieg geben dessen Beginn wir jetzt beobachten konnten. Wir
befürchten stark, daß einseitiges Vorgehen genau die
Art von Ereignissen zur Folge haben wird, die wir jetzt
gesehen haben - nur noch entschieden schlimmer.
Und an den Händen von irgendjemand wird Blut kleben. Die Position der Vereinigten Staaten lautet, der
einzige Weg zur Lösung dieses Problems zum Nutzen
des gesamten jugoslawischen Volkes ist, sich zusammenzusetzen und friedlich zu verhandlen.
Frage: Wer ist für das Blutvergießen verantwortlich?
Antwort: Erstens besteht meines Erachtens kein
Zweifel - und wir haben dies hinlänglich klargestellt -,
Seite 2

daß der übermäßige Einsatz von Gewalt durch die
jugoslawische Volksarmee von Anfang an falsch war.
Dies muß verurteilt werden. Und sicherlich hat sie viel
zu dem Blutvergießen beigetragen. Andererseits muß
ich betonen - und wir sagen dies seit Monaten -, daß
einseitige Entscheidungen, den Staatenbund zu verlassen, ebenfalls bei den jetzt von uns beobachteten
Ereignissen eine Rolle spielen können und gespielt
haben.
Frage: Der slowenische Regierungsvertreter hat Judy
(Woodruff) gerade gesagt, es handle sich hierbei in
Wirklichkeit um einen Kampf zwischen Demokratie
und Kommunismus. Stimmen Sie dem zu?
Antwort: Ich wünschte, es wäre so einfach. Zweifelsohne - und ich kann und würde dies keinen Moment
bestreiten - haben das slowenische und kroatische
Volk demokratisch gewählte Regierungen, die eindeutig den Staatenbund verlassen wollen. Daran hegen
wir keinen Zweifel. Noch bestreiten wir die Tatsache,
daß es sich um demokratisch gewählte Regierungen
handelt. Unsere Position ist und war seit Monaten,
wenn sie den Wunsch haben, aus dem Staatenbund
auszutreten, sollte dies auf dem Verhandlungswege
geschehen. Wenn sie den Wunsch nach einer anderen Form des Zusammenschlusses hegen, muß dies
friedlich verhandelt werden. Und jeder andere Versuch einer Lösung - es handelt sich nicht um einen
Kampf zwischen Kommunismus und Demokratie
sondern vielmehr darum, daß das jugoslawische Volk
in einen Bürgerkrieg verwickelt wird, in dem Tausende
von Menschen getötet werden. Ich kann dies nicht
genug betonen. Und jeder kleinste Beweis deutete in
der vergangenen Woche und im Verlauf der letzten 50
Jahre in der jugoslawischen Geschichte darauf hin,
daß genau das passieren wird.
Frage: Nun, es ist eine Tatsache, daß die Zentralregierung kommunistisch ist und die anderen Regierungen nicht. Heißt das...
Antwort: Das bedeutet nicht, daß sie sich nicht
zusammensetzen und friedlich um einen neuen Staatenbund in der einen oder anderen Form verhandeln
können. Ich bestreite nicht, daß sie Kommunisten und
Demokraten sind - das ist eindeutig der Fall. Ich stelle
fest, der einzige Weg, das sich Abzeichnende zu
verhindern, sind friedliche Verhandlungen zwischen
den einzelnen Parteien und Republiken. Jeder andere
Weg wird zu einem heillosen Chaos führen.
Frage: Werden die Vereinigten Staaten dazu gehört?
Antwort: Meines Erachtens hört man uns wie auch
die Europäer in Jugoslawien bis zu einem gewissen
Grad an. Aber - und dies möchte ich nochmals
betonen -, die Gefahr besteht darin, je länger man in
der Weise vorgeht wie in der vergangenen Woche,
desto weniger Rationalität und desto mehr Emotionalität wird vorherrschen. Unter diesen Umständen

AMERIKA DIENST 27

�möchte ich die Konsequenzen nicht vorhersagen, außer,
daß sie schrecklich sein werden.
Frage: Heute abend sieht es ziemlich erschreckend
aus, oder nicht?

&gt;

Antwort: Wenn die Generale tatsächlich die von
ihnen beabsichtigte Haltung eingenommen haben,
dann ist dies ein weiterer dummer Akt des jugolawischen Militärs. Dies ist nicht der richtige Weg, das
Problem anzugehen und beweist aus unserer Sicht
erneut, daß es in Belgrad, Ljubljana und Zagreb eine
Reihe von Leuten gibt, die erst einmal tief Luft holen,
sich zurücklehnen und sagen müssen: "Wir müssen
uns an den Verhandlungstisch begeben." Dies ist der
einzige Weg zur Bewältigung dieses Problem.
Frage: Herr Außenminister, wenn wir uns einen
Moment dem schlimmsten Szenarium zuwenden - wer
hat die meisten Gewehre? Wer wird wahrscheinlich
übrig bleiben, wenn es einen totalen Bürgerkrieg gibt?
Antwort: Sollte es einen totalen Bürgerkrieg geben,
ist es eine Frage - und dies ist eines der Themen, bei
denen ich nicht mit dem slowenischen Regierungsvertreter übereinstimme. Dies ist potentiell ein größerer
Nationalitätenkonflikt. Tausende von Serben leben in
Kroatien. In vieler Hinsicht ist es ein heterogenes
Land, und wenn diese Republiken sich zu lösen begin-

nen, wird es unter den einzelnen Nationalitäten zu
einem wahren Chaos kommen. Ich weiß nicht, wer
gewinnen wird. Ich kann Ihnen sagen, wer verlieren
wird - die unschuldigen Menschen in den jeweiligen
Republiken Jugoslawiens, die dabei ums Leben kommen. Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen, wer gewinnen wird. Aber wir könnten uns mit einem wahren
Chaos auf dem Balkan und in Europa konfrontiert
sehen, zu einer Zeit, in der sich alles in Europa in die
richtige Richtung und hoffentlich zur Demokratie wendet.
Frage: Wo sind all die Gewehre hergekommen, Herr
Außenminister?
Antwort: Meines Erachtens gibt es eine Reihe von
Erklärungen dafür. Im Hinblick auf die jugoslawische
Volksarmee gibt es wohl keine Frage. Sie ist seit
Jahren beliefert worden. Ich weiß nicht genau, woher
die Gewehre in Slowenien gekommen sind, man muß
sich jedoch vor Augen führen, daß die Jugoslawen seit
Jahren Waffen in unterschiedlichen Verstecken in den
einzelnen Republiken in dem Gedanken an einen
Partisanenkrieg wie während des Zweiten Weltkriegs
gehortet haben, damit diese für die Partisanen bereit
wären. Ein Teil der Waffen kam sicherlich von dort. Ein
anderer offensichtlich von Lieferanten außerhalb Jugoslawiens.

* *

AMERIKA DIENST 27

*

Seite 3

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
10. Juli 1991

WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER USA
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN LONDON
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentliche Übersicht wurde am 8. Juli 1991 vom US-Außenministerium herausgegeben. Sie beschreibt die wirtschaftspolitischen Ziele der Vereinigten Staaten beim Weltwirtschaftsgipfel vom 15. bis 17. Juli, an dem die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten sowie Vertreter der EG teilnehmen.

1.
Uruguay-Runde: Wir werden auf einen umfassenden Abschluß der Runde in den Bereichen Landwirtschaft, Investitionen, Dienstleistungen und geistiges Eigentum drängen. Das hat Priorität, denn wenn
kein Abkommen zustande kommt, werden protektionistische Bestrebungen auf der ganzen Welt gefördert.
Eine erfolgreiche Runde wird den aufstrebenden Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas ebenso wie den
Entwicklungsländern neue Möglichkeiten im Handel
eröffnen.
2.
Wirtschaftswachstum: Beim Gipfel werden
die Notwendigkeit einer starken wirtschaftlichen Gesundung und anhaltendes Wachstum bei stabilen Preisen
erörtert werden. Ferner wird eine wachstumsorientierte Geld- und Finanzpolitik gefördert. Wir möchten
größere Handelsmärkte schaffen, was insbesondere
für die neuen Demokratien und Märkte Mittel- und
Osteuropas von Bedeutung ist.
3.
Mittel- und Osteuropa: Der Ausbau der Exporte ist entscheidend, um den Verlust des sowjetischen Markts auszugleichen und notwendige wirtschaftliche Anpassungen zu erleichtern. Dies erfordert in diesen Ländern tiefgreifende Strukturreformen,
Maßnahmen zur Verbesserung des Klimas für Auslandsinvestitionen, die Förderung des privaten Kapitäflusses und den Ausbau des Marktzugangs im Westen.
4.
Umwelt: Der Londonder Gipfel soll auf den
Initiativen von Houston aufbauen, insbesondere dem
Abkommen zum Schutz der Wälder; er soll dem EinAMERIKA DIENST 27

satz der G-7 für einen erfolgreichen Abschlu ß der 1992
stattfindenden UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung Rechnung tragen; die Tatsache berücksichtigen, daß alle Länder Verantwortung für den Umweltschutz teilen und die Bedeutung der internationalen
Zusammenarbeit bei der Lösung umweltpolitischer
Probleme betonen. Darüber hinaus sollten wir uns der
Notwendigkeit bewußt sein, Mittel zur Einbeziehung
umweltpolitischer Ziele in wirtschaftliche Entwicklung
und Wachstum zu entwickeln und die zunehmende
Verflechtung von Fragen des Handels und der Umwelt
zu erkennen.
5.
Sowjetunion: Die Einladung an Gorbatschow
zu einem Treffen mit den Gipfelteilnehmern sendet ein
starkes Signal der Unterstützung für seine Bestrebungen um politische und wirtschaftliche Reformen in der
Sowjetunion aus. Der Westen muß eine entschiedene, neue und funktionsfähige Marktreformpolitik fordern und seine Bereitschaft signalisieren, die Sowjetunion in einen schrittweisen Prozeß von Dialog und
Kooperation einzubinden. Charakter und Ausmaß
dieses Prozesses hängen davon ab, daß die Sowjets
konkrete Schritte zu Wirtschaftsreformen und politischen Veränderungen treffen. Wir zielen ganz allgemein darauf ab, auf allen Ebenen positive Veränderungen in Richtung auf eine marktwirtschaftlich orientierte
Demokratie zu stützen und die Integration der Sowjetunion in die Weltwirtschaft zu fördern. Wir halten es für
wichtig, daß die Probleme der Sowjetunion nicht den
Gipfel beherrschen, weil die Staats- und RegierungsSeite 1

�chefs der G-7 noch verschiedene andere Themen zu
erörtern haben werden.
6.
Entwicklung: Die Vereinigten Staaten und
andere Mitglieder der G-7 setzen sich dafür ein, den
Entwicklungsländern zu helfen, ihre Wirtschaftspolitik
und den Lebensstandard allgemein zu verbessern.
Hilfe für Mittel- und Osteuropa wird die Aufmerksamkeit der G-7 nicht von den Bedürfnissen der Entwicklungsländer ablenken. Wirtschaftspolitische Reformen, die diesen Ländern langfristig funktionierende
Märkte bringen, werden ein wichtiger und integraler
Bestandteil dieser Hilfe sein. Die G-7 werden durch
geeignete Behörden daran arbeiten, den Entwicklungsländern bei der Bewältigung ihrer Schuldenlast
zu helfen. Der Pariser Club wird Ausgangspunkt
derartiger Bestrebungen sein.

zeugende Drogen verzichten müssen. Die Arbeitsgruppe für finanzielle Transaktionen arbeitet mit Regierungen auf der ganzen Welt zusammen, um zu
verhindern, daß Banken und andere Finanzinstitutionen benutzt werden, um Gewinne aus dem Drogenhandel zu waschen.
8.
Energie: Wir wollen das effektive Funktionieren der Energiemärkte verbessern. Dieses Ziel wird
am besten erreicht, indem Schranken für Handel mit
und Investitionen in Energie abgebaut und die Anfälligkeit für Versorgungsengpässe durch Entwicklung
angemessener staatlich kontrollierter Vorräte redu
ziert werden.

Ein weiteres Ziel ist die Förderung hoher weltweiter
Standards und verbesserter Energieausnutzung. In
diesem Zusammenhang sind wir uns bewußt, daß
7.
Drogen: Die Arbeitsgruppe für die Verbreitung Kernenergie - vorbehaltlich größtmöglicher Sicherchemischer Stoffe beim Gipfel empfiehlt, daß Regie- heits- und Umweltstandards - eine wichtige Rolle spierungen und Industrie wirksame Maßnahmen ergreifen, len sollte, um Energiequellen zu verteilen und den
um zu verhindern, daß der legale internationale Handel Treibhauseffekt zu verringern.
mit chemischen Stoffen in die Herstellung illegaler
Drogen mündet. Effektive weltweite Zusammenarbeit, Wir messen der Integration der sowjetischen und
mit der die Umleitung wichtiger Chemikalien zur Her- osteuropäischen Energiesektoren in die Weltmärkte
stellung von Kokain, Heroin und anderer Drogen ver- große Bedeutung bei. Wir werden aktiv zusammenarhindert wird, gewährleistet, daß Drogenhändler auf beiten, um dies zu verwirklichen.
wichtige Produktionsmittel für gefährliche und suchter-

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AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
10. Juli 1991

KATZ: TATEN STATT WORTE ZUR BEENDIGUNG
DER URUGUAY-RUNDE ERFORDERLICH
Hintergrundinformation zum Londoner Weltwirtschaftsgipfel

WASHINGTON - (AD) - Beim Londoner Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli werden die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen
voraussichtlich politische Verpflichtungen zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde multilateraler
Handelsgespräche eingehen.
Dies hatten sie zwar bereits bei ihrem Treffen in
Houston im vergangenen Jahr getan, aber "selbst das
reichte nicht aus, um Ergebnisse herbeizuführen",
erklärte der Stellvertretende Handelsbeauftragte Julius Katz.
"Die im vergangenen Jahr eingegangenen Verpflichtungen zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
waren sehr weitreichend", stellte Katz in einem Interview mit dem US-Informationsamt (USIA) fest. "Es
mangelt nicht an politischem Engagement. Was fehlt,
ist die Durchführung."

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Die Uruguay-Runde und Maßnahmen zur Öffnung der
Märkte der Industrienationen für Waren aus Osteuropa werden voraussichtlich die beiden wichtigsten
Handelsthemen sein, wenn die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten
und führende Vertreter der Europäischen Gemeinschaft vom 15. bis 17. Juli zusammentreffen.
Der EG-Kommissar für Auswärtige Angelegenheiten
Frans Andriessen erklärte am 2. Juli 1991 vor Journalisten in Washington, er habe mit amerikanischen
Regierungsvertretern erörtert, wie die Gipfelteilnehmer dem Abschluß der Uruguay-Runde "neue politische Betonung" verleihen könnten.
Katz, der die amerikanische Teilnahme sowohl an der
Uruguay-Runde als auch an den Verhandlungen über
das Nordamerikanische Freihandelsabkommen beAMERIKA DIENST 27

aufsichtigt, stellte jedoch fest, jetzt seien nicht länger
Worte sondern konkrete Taten seitens der Europäischen Gemeinschaft zur Agrarreform erforderlich.
Angeführt durch die Opposition Frankreichs hat die EG
in den vergangenen vier Jahren der Verhandlungen
zur Uruguay-Runde Reformen im Agrarbereich verzögert. Die Gespräche hätten letzten Dezember beendet
werden sollen, gerieten jedoch in Brüssel in eine
Pattsituation, als einige der rund 100 Teilnehmer keine
Einigung zum Abbau staatlicher Subventionen für die
drei entscheidenden Agrarhandelsbereiche erzielten:
Exportsubventionen, interne Stützungsmaßnahmen
und Marktzugang. Im vergangenen Februar stimmte
die EG schließlich zu, über einen Abbau in jedem
dieser Bereiche zu verhandeln.
Katz erklärte, die kürzlich vom EG-Agrarkommissar
Ray MacSharry vorgelegten Vorschläge seien ein
entscheidender Schritt zur Reform der Gemeinsamen
Agrarpolitik der EG.
"Sie stellen keine Umkehr der Politik dar, sind jedoch
ein Anfang", so Katz. "Dank dieser Vorschläge werden die Preise beträchtlich gesenkt und Produktionsanreize abgebaut. Dies ist ein beachtlicher Schritt in
die richtige Richtung."
Er fügte hinzu, die EG-Kommission könnte in der
zweiten Juliwoche über ein Paket interner Agrarreformen abstimmen, das dann dem Ministerrat in der
Woche vom 15. Juli - zum gleichen Zeitpunkt, an dem
der Londoner Weltwirtschaftsgipfel stattfindet - zu
einer ersten Erörterung zugeleitet wird.
Nach der Sommerpause in Europa im August würden
die EG-Agrarminister die Vorschläge im September
einer weiteren Überprüfung unterziehen.

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�"Sie vertreten die Position, sie seien nicht bereit, die
internationalen Verhandlungen aufzunehmen, bevor
sie nicht eine gewisse Distanz zur Binnenreform
gewonnen haben", stellte Katz fest. "Also warten wir
immer noch auf die Aufnahme der Agrarverhandlungen."
Sowohl europäische als auch amerikanische Regierungsvertreter haben erklärt, die Verhandlungen der
Uruguay-Runde sollten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Und beide Seiten vertreten die Auffassung, die Verhandlungen bis ins nächste Jahr hinauszuzögern, bedeute den vollständigen Zusammenbruch
der Gespräche. Im Jahr 1992 würden die Verhandlungen von Wahlen in Großbritannien, Deutschland und
den Vereinigten Staaten sowie der wachsenden Frustration der Teilnehmerstaaten über mangelnde Erfolge bei den Handelsgesprächen überschattet, räumte
Katz ein.
Doch der Zeitplan der EG für interne Reformen innerhalb der EG läßt einen Abschluß der Uruguay-Runde
bis zum Jahresende immer unwahrscheinlicher werden.
Beim Ministertreffen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im
Juni stellte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills fest,
ein Abschluß der Uruguay-Runde bis Dezember erfordere von den wichtigsten an diesen Verhandlungen
beteiligten Ländern bis Ende Juli das Eingehen fester
Verpflichtungen in der Landwirtschaft und mehreren
anderen Schlüsselbereichen.
Katz zufolge scheint es heute klar, daß die Meinungsverschiedenheiten über die Reform der Landwirtschaft
nicht bis Juli ausgeräumt werden können.
"Ich habe keinen Grund, um Optimismus zu verbreiten, aber ich werde es auch nicht ausschließen",
erklärte Katz.
Das Problem bestehe darin, daß nicht nur über das
Ausmaß der Kürzungen in den drei Schlüsselbereichen, sondern auch über die Techniken für die Vornahme dieser Reduzierungen verhandelt werden müsse.
So müßten etwa beim Bereich der Exportsubventionen die Unterhändler entscheiden, was Exportsubventionen überhaupt sind und ob Kürzungen dieser Subventionen auf der Grundlage der Quantität oder des
Ausgabenniveaus sowie für einzelne Erzeugnisse oder
Produktgruppen erfolgen sollten.
Die Agrarunterhändler bei der Uruguay-Runde werden
sich in der dritten Juliwoche in Genf treffen, um diese
und andere Möglichkeiten für die zu treffenden Ent-

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Scheidungen zu diskutieren. Katz bleibt jedoch skeptisch im Hinblick auf mögliche wichtige Entscheidungen bei diesem Treffen.
Ein Fehlschlag in der Landwirtschaft würde wahrscheinlich auch einen Rückschritt fürdie substantiellen
Fortschritte bedeuten, die in anderen Verhandlungsbereichen erzielt wurden, etwa bei geistigem Eigentum
oder dem Handel mit Dienstleistungen, erklärte Katz.
"Es stellt sich die Frage, wie lange man so weitermachen kann. Es dauert nun schon fünf Jahre an, und die
Leute werden müde, gelangweilt und frustriert."
Er warnte davor, das Ausbleiben eines Abkommens
berge "erhebliche Bedrohungen für das multilaterale
Handelssystem". Probleme wie die in der Landwirtschaft seien wenig geeignet, um durch regionale
Handelsarrangements gelöst zu werden.
Von den Gipfelteilnehmern werden femer Überlegungen erwartet, welche weiteren Maßnahmen sie treffen
können, um ihre Märkte für Waren aus Ost- und Mitteleuropa und der Sowjetunion zu öffnen.
Amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus,
daß ein Großteil der Maßnahmen in diesem Bereich
von den EG-Ländern kommen muß, da sie geographisch nahe an Osteuropa liegen und weil die EGSchranken gegen Produkte aus der Region weiterhin
hoch sind.
Die Vereinigten Staaten könnten Katz zufolge in der
Lage sein, einige Importquoten für Textilien zu erhöhen und technische Hilfe zur Verfügung zu stellen. Sie
könnten jedoch kaum mehr tun, da die amerikanischen
Importschranken bereits äußerst niedrig seien.
Für die meisten osteuropäischen Länder gelten gegenwärtig die niedrigsten Zollsätze, die von den Vereinigten Staaten im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems eingeräumt werden, stellte Katz fest.
Obwohl die Vereinigten Staaten Beschränkungen auf
Stahl, Textilien und Milchprodukte aufrechterhielten,
würden Katz zufolge die den osteuropäischen Ländern
zugestandenen Quoten in den meisten Kategorien bei
Stahl und Textilien nicht vollständig in Anspruch genommen, in einigen Fällen um über 50 Prozent.
Die amerikanischen Beschränkungen für Stahl werden im nächsten März aufgehoben und es gebe keine
Absicht, sie zu erneuern. Die Administration habe
jedoch zur Zeit wenig Spielraum für eine Aufhebung
der Beschränkungen auf Milchprodukte, räumte Katz
ein.

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