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*

3. Juli 1991
*

JUGOSLAWIEN

BAKER FORDERT EINHEIT UND MEHR
AUTONOMIE IN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Außenministers

PORTRAIT

BUSH ERNENNT SCHWARZEN KONSERVATIVEN ZU MARSHALLS NACHFOLGER
Portrait von Clarence Thomas

EXPORTKONTROLLEN

EXPORTKONTROLLEN UND HANDEL
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
Von Botschafter Allan Wendt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWIEN
3. Juli 1991

BAKER FORDERT EINHEIT UND MEHR
AUTONOMIE IN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker hat am 26. Juni 1991 dazu aufgerufen, die Krise in Jugoslawien
durch Dialog und Verhandlungen statt durch Gewalt beizulegen. In einer Rede bei der Gannett Foundation, einer
Institution, die sich der Förderung der Pressefreiheit verschrieben hat, bekräftigte er, die Vereinigten Staaten
unterstützten die Einheit Jugoslawiens und stellte gleichzeitig fest: "Wir können mehr Autonomie und
Souveränität der Republiken - mit anderen Worten eine neue Grundlage der Einheit in Jugoslawien befürworten..."
Baker erklärte, die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft, die anderen Mitglieder der Konferenz
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die internationale Staatengemeinschaft untersuchten zur
Zeit, "welche Maßnahmen wir jetzt ergreifen sollten, um in Jugoslawien den Dialog zu fördern und größere
Gewalt zu vermeiden".
Der Außenminister erörterte in seiner Rede ferner das KSZE-Außenministertreffen in Berlin, die Lage im Irak,
den freien Handel und die Sowjetunion.
Wir veröffentlichen die Rede Bakers nachfolgend im Wortlaut.

Ich freue mich besonders, heute abend mit Ihnen
gemeinsam für die grundlegenden Bürgerrechte, wie
sie in unserem ersten Verfassungszusatz enthalten
sind, in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion
eintreten zu können. Denn es sind diese Grundrechte,
die das neue, demokratische Europa untermauern
müssen, dessen Aufbau wir alle anstreben.
Bei meiner Reise nach Berlin, Belgrad und Tirana
erhielt ich in der vergangenen Woche einen lebendigen Eindruck der Chancen und Risiken des neuen
Europas. Ich kehrte mit der erneuerten Überzeugung
zurück, daß die Werte und Interessen Amerikas den
Atlantik überbrücken. Unser Schicksal bleibt untrennbar mit einem Europa verknüpft, das ungeteilt und frei,
stabil und sicher, wohlhabend und offen für den freien
Fluß von Informationen ist.
Beim Außenministertreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Berlin haben wir
zusammen mit den anderen Signatarstaaten dieses
gemeinsame Ziel bekräftigt. Darüber hinaus haben wir
eine gemeinsame Erklärung im Hinblick auf die Lage in
Jugoslawien verabschiedet, in der die einhellige UnterAMERIKA DIENST 26

stützung der Menschenrechte, Demokratie und territorialen Unversehrtheit Jugoslawiens unter Beweis gestellt
wurde. Meine anschließenden Gespräche in Belgrad
mit verantwortlichen Politikern der Bundesregierung
und der Republiken ergaben Punkte der Übereinstimmung. Aber auch wenn man die schwülstige Rhetorik
berücksichtigt, stellte ich eine gewisse Realitätsferne,
eine Unfähigkeit seitens mancher führender Politiker
der Republiken fest, die gefährlichen Konsequenzen
ihrer Handlungsweise zu verstehen.
Ich reiste nach Jugoslawien wegen unserer großen
Sorgen über die dortige Lage und unseres starken
Wunschs, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um
ein Unglück abzuwenden. Aber unsere Sorgen wurden nicht zerstreut, und die Wahrscheinlichkeit zunehmender Gewalt und wachsenden Blutvergießens und
Zerfalls wird größer. Es handelt sich um das sprichwörtliche Pulverfaß, und die Lage verschlechtert sich
weiter, während ich hier spreche.
Wir werden weiterhin die politisch Verantwortlichen
der Bundesregierung und der Republiken eindringlich
auf die Bedeutung des politischen Dialogs und einer
Seite 1

�Lösung auf dem Verhandlungsweg hinweisen. Aber
ich wäre nicht offen, wenn ich nicht auch erkennen
würde, daß die Ereignisse in Jugoslawien eine Eigendynamik entwickelt haben, die in den gestrigen Unabhängigkeitserklärungen Kroatiens und Sloweniens und
den heutigen Ereignissen zum Ausdruck kommt.
Ich möchte an der amerikanischen Haltung keinen
Zweifel aufkommen lassen: Wir unterstützen die
Anwendung der KSZE-Prinzipien und kooperative
Bemühungen zur friedlichen Beilegung politischer
Streitigkeiten. Wir werden einseitige Maßnahmen
nicht belohnen, die einen Dialog oder die Möglichkeiten einer Verhandlungslösung zunichte machen, und
wir werden Einschüchterung oder den Einsatz von
Gewalt energisch ablehnen. Die Vereinigten Staaten
anerkennen und unterstützen weiterhin die territoriale
Unversehrtheit Jugoslawiens, einschließlich der Grenzen seiner einzelnen Republiken. Gleichzeitig können
wir mehr Autonomie und Souveränität der Republiken
- mit anderen Worten eine neue Grundlage der Einheit
in Jugoslawien - befürworten, jedoch nur mit friedlichen Mitteln wie Verhandlungen und Dialog. Wir
werden weiterhin Demokratie, marktorientierte Reformen und die Wahrung der Menschenrechte jedes
Bürgers in Jugoslawien fördern. Gemeinsam mit den
Staaten der Europäischen Gemeinschaft und anderen
Mitgliedern der KSZE und der internationalen Staatengemeinschaft untersuchen wir gegenwärtig, welche
Maßnahmen wir jetzt ergreifen sollten, um in Jugoslawien den Dialog zu fördern und größere Gewalt zu
vermeiden.
Sicherlich kann niemand in Jugoslawien - und niemand
in Europa - es sich leisten, die tragischen Fehler der
Vergangenheit zu wiederholen.
Dies gilt umso mehr, wenn die Zukunft so vielversprechend sein kann, wenn die Freiheit weltweit auf dem
Vormarsch ist - und wenn demokratische Prinzipien so
umfassend aufgenommen werden wie nie zuvor. Diese
neue Realität wurde für mich lebendig, als ich am
vergangenen Samstag Albanien besuchte.
Als ich auf jenem überfüllten Platz in Tirana in die
Gesichter der nach Freiheit schreienden Menschen
sah, erlebte ich einen verfrühten 4. Juli. Dieser spontane Ausbruch echter Zuwendung und Unterstützung
für unsere Delegation war sehr bewegend und erfüllte
mich mit tiefem Stolz, Amerikaner zu sein. Unser Land
und unser Beispiel von Freiheit sind deutliche Symbole
der Hoffnung für das albanische Volk, das über einen
solch langen Zeitraum hinweg nichts zu hoffen hatte.
Diese Menschen waren nach über fünfzig Jahren der
Unterdrückung, Isolation und Unfähigkeit, ihre Meinung zu äußern, völlig von der Freiheit berauscht. Es
war fast so, als ob ein seit langem untätiger Vulkan
ausgebrochen sei. Die Menschen schrien von den
Dächern das Wort "Freiheit" - Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit. Mit anderen Worten:
sie nahmen freudig gerade diejenigen Menschenrech-

Seite 2

te und Grundrechte auf, die von Ihrer Stiftung seit
langem hier in unserem Land verteidigt wurden und für
die Sie heute auch im Ausland eintreten.
Und übrigens - ich möchte Sie zur Umbenennung
dieser Stiftung in Freiheitsforum beglückwünschen.
Denn genau das ist es, was wir benötigen - eine
Plattform für die Grundrechte, wie sie im ersten Zusatz
unserer Verfassung enthalten sind, die stark genug ist,
freie Gesellschaften weltweit zu unterstützen.
Im Februar 1990 habe ich in einer Rede in Prag die
Notwendigkeit betont, die freie Presse als Mittel zur
Sicherung neugewonnener Freiheit in Ost- und Mitteleuropa und der Sowjetunion zu fördern. Heute bleibt
die Stärkung der unabhängigen Medien für uns nicht
nur ein wichtiger Faktor, sondern eine vordringliche
Angelegenheit für alle, die sich wünschen, daß die
Demokratie Fuß faßt.
In Prag habe ich Thomas Jefferson zur politischen
Philosophie einer freien Presse zitiert. In meinen
darauffolgenden Gesprächen mit den demokratisch
orientierten Politikern der Regierung und der Opposition in ganz Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion habe ich nie gehört, daß irgendjemand mit den
allgemeinen Prinzipien freier Medien nicht übereingestimmt hätte. Ich habe jedoch vernommen, wie unbedingt notwendig unsere Hilfe ist, um diese Prinzipien so
schnell wie möglich in die Tat umzusetzen.
In Bulgarien und Rumänien haben mir die Oppositionspolitiker von ihrem verzweifelten Bedarf an Zeitungspapier berichtet. Mir wurde erklärt, daß heute allein in
Rumänien über zweitausend Zeitungen existieren, und
sie benötigen dringend Material wie etwa Zeitungspapier. In Albanien hatte die demokratische Opposition
bei den Wahlen Erfolg, sah sich jedoch mit dem
Problem konfrontiert, ihre Botschaft in das Land zu
tragen, weil die Zentralregierung die Ressourcen
kontrolliert.
Um die Vordringlichkeit dieses Bedarfs zu illustrieren,
möchte ich das Beispiel eines erfolgreichen Verlegers
anführen, der ein Zeitgenosse von Thomas Jefferson
war. Er kümmerte sich weniger um die Theorie der
Grundrechte als um die Praxis. Erst spät in seinem

Leben kam er in Berührung mit dem Aufbau der
Demokratie und Diplomatie. Ben Franklin hielt nicht
viel von Menschen, die "viel reden, aber wenig leisten". Er ist ein gutes Vorbild für uns, weil er immer
Taten vor Worte stellte.
Ich fordere Sie also auf, Ihre Energie und Ihr Geld für
das einzusetzen, was ich hier erkläre. Finanzieren Sie
konkrete Programme, mit denen unabhängige Journalisten einen guten Start haben. Ich denke, wir sind uns
alle einig, daß jetzt - da Länder im Frühstadium der
Ausarbeitung neuer Verfassungen sind, Rechtsordnungen aufarbeiten und bürgerliche Gesellschaften
aufbauen - die Zeit gekommen ist, wo es darauf
ankommt. Langfristig kann eine freie Presse nur in
AMERIKA DIENST 26

�einem demokratischen und marktwirtschaftlich orientierten Umfeld überleben. Der Schlüssel ist, daß wir
uns dort engagieren und unabhängige Stimmen unterstützen, bis sie sich selbst helfen können. Andernfalls
könnte unsere Hilfe zu spät kommen.
Es ist bereits viel gute und hilfreiche Arbeit zur Dekkung bestimmten Bedarfs geleistet worden: von Gannett,
dem US-Informationsamt, dem Internationalen Rundfunkrat, dem National Endowment for Democracy,
dem Internationalen Medienfonds, derSoros Stiftung,
der New York Times Stiftung, den Mittel- und Osteuropäern und Sowjets selbst und auch von vielen anderen. Jetzt ist die Zeit gekommmen, um praktische
Arbeit zu leisten.
Natürlich haben wir Amerikaner kein Monopol an Erfahrungen, und wir können nicht unsere eigenen Lösungen einfach übertragen. Zweifellos funktionieren
private Medien bei uns und auch bei anderen gut.
Wenn wir jedoch den Mittel- und Osteuropäern und
den Sowjets beim Aufbau unabhängiger Medien helfen, sollten wir uns nicht allzu sehr damit beschäftigen,
ob das Modell der Unabhängigkeit BBC, PBS, NBC
oder C-Span heißt - vorausgesetzt, Unabhängigkeit
heißt Freiheit von der Regierung oder von politischer
Kontrolle und politischem Einfluß.
Wir erkennen, daß Gruppen wie das Freiheitsforum
keine Fonds mit US-Regierungsstellen vermischen
wollen, obwohl sie unabhängig arbeiten. Aber wir
denken, daß kreative Möglichkeiten für parallele Arbeit
existieren. Wenn Sie also Möglichkeiten der Hilfe
erwägen, dann fordere ich Sie auf, den Bestrebungen
Priorität einzuräumen, die baldige und konkrete Ergebnisse in vier Schlüsselbereichen hervorbringen können.
Erstens: Ressourcen. Vielversprechende unabhängige Projekte werden ausschließlich mit ganz geringen
Mitteln und lokaler Initiative durchgeführt. Sie können
die Mittel bereitstellen, sie zu einer Zeit am Leben zu
erhalten, da der Übergang von Plan- zu Marktwirtschaften Maschinen und Material - wie Zeitungspapier, Computer, Satellitenschüsseln, Faxmaschinen
und Desktop-Publishing- schwer zugänglich undteuer
macht.
Zweitens: Investitionen: Sie können westliche Investitionen ermutigen, die der örtlichen Presse bei ihrem
Aufbau hilft. Sie können darüber hinaus Investitionen
fördern, um bestehende Medien zu privatisieren.

*

AMERIKA DIENST 26

Drittens: Fragen, der Kontrolle, Pressegesetze und
des Zugangs. Sie können dazu beitragen, die staatliche Kontrolle der Medien abzubauen. Die Einführung
eines angemessenen rechtlichen Rahmens ist eine
Möglichkeit zur Lösung des Problems. Ein weiteres
besteht darin, den unabhängigen Medien Zugangsrechte zu verschaffen, wo Frequenzen oder knappes
Material wie Zeitungspapier aus politischen Gründen
von offizieller Seite vorenthalten werden. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Unterstützung des Internationalen Medienfonds für SOTI, die rumänische Gesellschaft zur Schaffung einer unabhängigen Fernsehgesellschaft, mit seiner schwierigen Kampagne für den
Zugang zu den Frequenzen.
Viertens und letztens: Ausbildung. Ein unabhängiger
ungarischer Journalist hat es richtig formuliert: "Wir
müssen lernen, daß Fakten wichtiger sind als Ideologien ... Wir müssen lernen, die Wahrheit unter all den
Lügen und der Korruption auszugraben, lernen, andere Meinungen zu tolerieren und verstehen, daß Konkurrenten nicht unbedingt Feinde sind."
Ich kann nicht genug die konkreten Beiträge betonen,
die wir in den vier von mir gerade beschriebenen
Hauptbereichen machen können. Auch wenn es die
Anlagen zur Störung von Rundfunk und Fernsehen,
Zensurgesetze und die Berliner Mauer selbst nicht
mehr gibt, bleiben noch viele ernsthafte Schranken für
den freien Informationsfluß: autoritäre Methoden,
verkrustete alte Strukturen, isolationistische und intolerante Einstellungen.
Die Überwindung dieser Schranken wird das erfordern, was Präsident Bush als "harte Arbeit der Freiheit" bezeichnet hat. Aber wir dürfen uns oder die
Menschen in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion nicht täuschen: der Aufbau der Demokratie ist eine
schwierige Aufgabe. Er hat in den Vereinigten Staaten
und Westeuropa Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte
gedauert. Die Straße der Freiheit ist oftmals eine
unwegsame - auch die Menschen in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion müssen das wissen.
Aber sie müssen auch wissen, daß wir sie in ihrem
Streben nach Freiheit unterstützen. Wir können ihren
Erfolg nicht garantieren. Das können nur sie selbst.
Aber wir können ihnen eine helfende Hand reichen,
wenn sie die neue Grenze - die Grenze namens
Freiheit - überschreiten.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�PORTRAIT
3. Juli 1991

BUSH ERNENNT SCHWARZEN KONSERVATIVEN
ZU MARSHALLS NACHFOLGER
Portrait von Clarence Thomas

WASHINGTON - (AD) - Als der schwarze Konservative Clarence Thomas Anfang 1990 bestätigt wurde, um
einen von drei freien Posten im 12 Mitglieder umfassenden amerikanischen Berufungsgericht des District
of Columbia zu übernehmen, lag auf der Hand, daß er
abgesehen von seinem Sitz im einflußreichen Berufungsausschuß als Kandidat für die Nachfolge von
Thurgood Marshall - dem einzigen Schwarzen im
Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten - in die
engere Wahl gezogen würde, sollte Marshall seinen
Abschied nehmen.

jedoch davon Abstand und seine Nominierung wurde
vom Rechtsausschuß mit nur einer Gegenstimme
genehmigt.

Nach Marshalls Ankündigung seines Rücktritts am
Ende der Gerichtssitzung vergangene Woche, wenn
sein Nachfolger vom Senat bestätigt ist, hat Präsident
Bush jetzt den 42jährigen Thomas für dieses Amt
benannt.

Einer seiner stärksten Befürworter, der republikanische Senator Orrin Hatch, stellte während der Anhörung fest, Thomas' für einen schwarzen Regierungsvertreter ungewöhnliche Positionen hätten ihn in eine
"unbequeme und schwierige" Lage manövriert, in der
er häufig von anderen schwarzen Politikern angegriffen würde.

Vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat wäre
Thomas, der in der Reagan-Administration sieben
Jahre lang Vorsitzender des Ausschusses für Chancengleicheheit am Arbeitsplatz war, nach Marshall der
einzige Schwarze, der je dem obersten Gericht der
Vereinigten Staaten gedient hat.
Der Kandidat, der für seine freimütig bekannte konservative Einstellung und insbesondere seinen Widerstand gegen Gleichstellungsprogramme einschließlich Quotenregelungen und Zeitplänen zur Unterstützung der Minderheiten vielleicht am besten bekannt
ist, hat von einigen Bürgerrechtsgruppen und Interessenvertretungen der Minderheiten Kritik geerntet.
Die Leiter von Organisationen wie dem Nationalen
Verband für die Förderung von Farbigen (National
Association for the Advancement of Colored People NAACP), die mit der Begründung, er gehe lasch bei der
Durchsetzung von Gesetzen gegen Diskriminierung
vor, Einwände gegen seine Qualifikation für das Distrikt-Berufungsgericht vorbringen wollten, nahmen

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Während der Anhörung versicherte Thomas den
Ausschußmitgliedern, die Verwirklichung der Gesetze
werde nicht durch seine persönlichen Überzeugungen
beeinträchtigt. "Meines Erachtens steht es einem
Richter nie zu", erklärteer, "seine eigenen Intentionen
vor die Intention der Gesetzgebung zu stellen. Selbst
wenn meine eigene Meinung beträchtlich abwich, habe
ich dem Gesetz Vorrang eingeräumt."

"Das ist eine Wahl zwischen Prinzip und Popularität,"
erklärte Thomas dem Ausschuß.
"Ich bestehe nachdrücklich darauf," schrieb Thomas
1987 an das Wall Street Journal, "daß die Verfassung
farbenblind ausgelegt wird. Demnach ziehe ich schwarze Selbsthilfe einer Quotenregelung und anderen
rassenspezifischen rechtlichen Kunstgriffen vor, die
das eigentliche Problem nur verschärfen."
Der Kandidat für den Obersten Gerichtshof wurde von
seinen Großeltern im ländlichen Süden in der Nähe
von Savannah, in der Stadt Pinpoint (Georgia) in Armut
aufgezogen. Sein Vater M.C. Thomas verließ seine
junge Frau, als Thomas zwei Jahre alt war. Bis zu
seinem sechsten Lebensjahr lebte er mit seiner Mutter, ihrer Tante und ihrem Onkel sowie zwei Geschwistern in einem Haus ohne fließendes Wasser und
einem Holzofen zum Heizen.

Seite 1

�Seine Mutter arbeitete als Dienstmädchen und in einer
nahegelegenen Konservenfabrik. 1955 wurden Thomas und sein jüngerer Bruder nach Savannah geschickt, um bei den Großeltern zu leben.

Als Student an der Yale Law School heiratete er seine
erste Frau, mit der er einen heute 18jährigen Sohn hat.
1983 wurde er geschieden und heiratete 1987 seine
jetzige Frau Virginia Lamp.

Zu seiner Kindheit sagt Thomas, daß Lebensmittel
knapp waren und Schuhe nur zur Schule getragen
wurden. Einem Journalisten gegenüber erklärte er:
"Man hat wirklich keine Ahnung, was Hunger ist, wenn
man nicht in der Vorstellung gelebt hat, nie genug zu
essen zu haben."

Nach seinem Juraexamen arbeitete Thomas für den
damaligen Justizminister von Missouri und heutigen
republikanischen Senator John Danforth. 1977 wurde
er Anwalt für Monsanto, eine Chemiefabrik in St. Louis.
Drei Jahre später zog er nach Washington, um als
Rechtsberater für Danforth zu arbeiten, der zu dieser
Zeit bereits Senator war.

Obwohl Thomas' Großvater kaum lesen und schreiben konnte, zwang er die beiden Jungen, regelmäßig
zur Schule zu gehen. In ihrer Freizeit halfen sie ihm,
Öl und Eis auszuliefern.

1981 trat Thomas ins Erziehungsministerium ein, wo
er Leiter der Abteilung Bürgerrechte wurde. Ein Jahr
später - Thomas war 33 - wurde er als Vorsitzender
des Ausschusses für Chancengleichheit am ArbeitsThomas kam zum ersten Mal mit der Welt der Wei ßen
platz bestätigt.
in Kontakt, als er 1964 das St. John Vianny Seminary
in Savannah besuchte. Sein erstes Jahr im College Sein gegenwärtiger Arbeitgeber, das Berufungsgeverbrachte er im Immaculate Conception Seminary in richt des District of Columbia, wird allgemein als zweitMissouri, dann wechselte er an das Holy Cross College höchstes Gericht nach dem Obersten Gericht betrachin Worcester, Massachusetts, wo er 1971 sein Bakka- tet, weil es Einsprüche von Bundesbehörden ebenso
annimmt wie Fälle aus Vorinstanzen.
laureat mit Auszeichnung ablegte.

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Seite 2

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�EXPORTKONTROLLEN
3. Juli 1991

EXPORTKONTROLLEN UND HANDEL
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Botschafter Allan Wendt
BONN - (AD) - Der Autor ist im US-Außenministerium mit Fragen der strategischen Technologie befaßt. Dieser
Artikel basiert auf einer Rede, die Botschafter Wendt am 11. Juni 1991 zum Thema "US-Exportkontrollen in einer
sich verändernden Welt" beim Symposium der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Irvine (Kalifornien)
gehalten hat.

Kein Ereignis hat in den letzten Jahren das Interesse
und die Hoffnungen der Welt so gefangengenommen
wie die Vorfälle, die dazu geführt haben, daß Europa
das Joch des Kommunismus abgeworfen und die
lange und schwierige Reise zu Demokratie und Marktwirtschaft angetreten hat. Darüber hinaus verändern
Glasnost und Perestrojka die Sowjetunion. Infolgedessen hat eine erhebliche Liberalisierung der Exportkontrollen stattgefunden, insbesondere beim Treffen
hochrangiger Vertreter (High Level Meeting) des
Koordinationsausschusses für ost-westliche Handelspolitik (COCOM) im Juni 1990 und auch beim Treffen
derselben Gruppe am 23. Mai 1991. Bei diesem
letzten Treffen einigte man sich auf eine neue gekürzte
Kernliste eindeutig strategischen Geräts und strategischer Technologie. Diese Kernliste soll ab 1. September dieses Jahres gelten.
Dennoch steht die Welt immer noch vor beängstigenden Herausforderungen, die eine vollständige Abschaffung der Exportkontrollen verhindern. Die Unterdrückung der Baltenstaaten durch die Sowjets beweist
die Notwendigkeit für Vorsicht bei der Erleichterung
von Exportkontrollen für die Sowjetunion. Darüber
hinaus waren die sowjetischen Militärausgaben trotz
der jüngsten Reduzierungen im vergangenen Herbst
noch höher als bei Gorbatschows Amtsantritt. Die
sowjetischen Interkontinentalraketen (ICBM) werden
modernisiert, nach wie vor stationiert ist die silogestützte und schienengestützte ICBM des Typs SS-24,
die straßengestützte SS-25 und eine neue Version der
SS-18 mit 10 Gefechtsköpfen (mit größerer Sprengkraft und Zielgenauigkeit). Bomber der Typen BEAR
H und BLACKJACK werden mit Marschflugkörpern
längerer Reichweite disloziert, und qualitative Verbes-

AMERIKA DIENST 26

serungen erfolgen bei den mit ballistischen Raketen
ausgerüsteten U-Booten vom Typ DELTA IV und
TYPHOON, die jeweils 16 und 20 Atomraketen an
Bord haben. Bei der strategischen Verteidigung haben
die Sowjets ihr zweistufiges Raketenabwehrsystem
um Moskau modernisiert und verfügen weiterhin über
die Fähigkeit zur Zerstörung von Satelliten. Die Forschung über noch modernere Systeme wie etwa Laser
beweist das starke sowjetische Interesse an der militärischen Nutzung des Weltraums.
Noch beunruhigender ist die Tatsache, daß die militärische Modernisierung in der Sowjetunion zu einer Zeit
großer politischer Unberechenbarkeit stattfindet.
Niemand ist sicher, ob die von Gorbatschow eingeleiteten politischen und wirtschaftlichen Reformen von
Dauer oder erfolgreich sein werden, und wir können
auch nicht wissen, wie lange Gorbatschow oder seine
potentiellen Nachfolger die Kontrolle innehaben. Unter diesen Umständen sind Exportkontrollen tatsächlich eine wichtige Form der Versicherung gegen Irrwege.
Unsere Sorge gilt nicht allein der Sowjetunion. Chinas
Politik der Weiterverbreitung von Raketen und Nukleartechnologie fordert ebenfalls Vorsicht und anhaltende Aufmerksamkeit. Ferner bekräftigen die Ereignisse am Persischen Golf die Notwendigkeit effektiver
nationaler und multilateraler Kontrollen von Waren und
Technologien, die zur Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beitragen können.
Als Reaktion auf steigende Besorgnis über die Verbreitung solcher Waffen hat die Regierung die Initiative zur
verbesserten Kontrolle der Weiterverbreitung (Enhanced Proliferation Control Initiative - EPCI) ins Leben
Seite 1

�gerufen, um unsere Fähigkeit zur Kontrolle von Gütern
und Technologie zu verbessern, die zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden und für die Herstellung
chemischer und biologischer Waffen und Raketen
nützlich sein können. Erhebliche Fortschritte wurden
beim Treffen der 20 Länder umfassenden AustralienGruppe im Mai erzielt, die sich zum Ziel gesetzt hat, zur
Herstellung chemischer und biologischer Waffen verwendetes Gerät und Material zu kontrollieren und eine
Liste von zu kontrollierendem Mehrzweckgerät aufzustellen. Die Liste der Australien-Gruppe folgt im allgemeinen der Initiative des Präsidenten zur verbesserten
Kontrolle der Weiterverbreitung. Wiederum hat die
Führungsrolle der Vereinigten Staaten die internationale Staatengemeinschaft zum Handeln bewegt.
In ähnlicher Weise wird die US-Initiative zur Erlangung
multilateraler Zustimmung zur Kontrolle von unterschiedlich einsetzbaren Waren und Mehrzwecktechnologie immer stärker akzeptiert. Andauernde Gespräche mit wichtigen Lieferanten entsprechender
Anlagen haben einen zunehmenden Konsens über die
Notwendigkeit zutage gefördert, ein multilaterales
Rahmenwerk einzurichten, um Exporte zu verhindern,
die weiterverbreitenden Ländern bei der Entwicklung
nuklearer Fähigkeiten helfen könnten.
Zum Teil infolge der Ereignisse am Persischen Golf
sind mehrere neue Länder dem Kontrollregime zur
Raketentechnologie beigetreten. Die Bilder von Zivilisten, die im Golfkrieg in Erwartung eines Raketenangriffs mit chemischen Waffen Gasmasken anlegen,
haben die dringende Notwendigkeit unterstrichen, den
Erwerb solcher Raketensysteme durch instabile Regime zu unterbinden.
Im November 1990 forderte Präsident Bush Bestrebungen zur Verbesserung der multilateralen Anwendung von Exportkontrollen für Hochleistungscomputer. Auf der Basis dieser Initiative schlössen die
Vereinigten Staaten und Japan am 6. Juni 1991 Konsultationen über Exportkontrollen für Supercomputer
ab. Das Hauptziel dieser Konsultationen bestand in
der Aufrechterhaltung von Kontrollen für Exporte von
Supercomputern an zweifelhafte Bestimmungsorte,
gleichzeitig sollte aber die Belastung durch Exportlizenzen für seriöse Bestimmungsorte aufgehoben
werden. Für Exporte in Länder, die im Hinblick auf die
nationale Sicherheit oder Verbreitung Anlaß zur Sorge
geben - etwa solche, die den Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen nicht unterzeichnet haben sind strenge Vorschriften gegen Mißbrauch notwendig. Je nach Bestimmungsort und Umständen eines
bestimmten Exports können Bestellungen nicht ausgeführt werden. Darüber hinaus wurden Supercomputer als "jeder Computer mit einer CTP, die 195 Millionen oder mehr theoretische Operationen pro Sekunde
durchführt", definiert.
Das politische Dilemma der Regierung besteht darin,
ein Gleichgewicht zwischen umfangreichen KontrolSeite 2

len, die den legitimen Außenhandel verhindern und
denjenigen Kontrollen zu finden, die die Vereinigten
Staaten und andere wichtige Wettlieferanten für notwendig erachten, um gemeinsame Sicherheitsziele zu
unterstützen.
Ein solches Gleichgewicht ist notwendig, um unser
Exportkontrollsystem an die neuen Realitäten in den
ehemals kommunistischen Ländern anzupassen und
wirksame multilaterale Kontrollen zu erarbeiten, um
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen in Angriff
zu nehmen.
Nirgends ist der Balanceakt schwieriger als im COCOM, und nirgends war die amerikanische Führungsrolle augenfälliger. Mit den am 23. Mai beim High Level
Meeting des COCOM getroffenen Entscheidungen
haben wir das Versprechen des Präsidenten erfüllt,
eine neue Kernliste wirklich entscheidender Güter und
Technologien zu erarbeiten. Ein Schlüssel zur erfolgreichen Verabschiedung der Kernliste war die uneingeschränkte Beteiligung der US-Industrie an der Erarbeitung amerikanischer Vorschläge für die Kernliste.
Es mag die Frage aufgeworfen werden, warum in
bestimmten Bereichen wie etwa Computer und Werkzeugmaschinen keine größere Liberalisierung erreicht
wurde. Die Antwort ist komplex, ich kann Ihnen jedoch
versichern, daß die von allen betroffenen US-Behörden einschließlich des Gemeinsamen Stabs im Pentagon unterbreiteten Vorschläge zur Kernliste der genauesten und umfassendsten technischen Überprüfung in der jüngeren Geschichte des COCOM unterzogen wurden. Auf Vorschlag des Gemeinsamen Stabs
haben die Vereinigten Staaten eine neue Maßnahme
- eine Art militärischen Gradmesser - verabschiedet,
das Ausmaß, in dem die Beschaffung von Gütern oder
Technologie durch die Sowjets zur Behebung eines
entscheidenden technologischen Gefälles beitragen
würde. Ein gutes Beispiel sind die Nachtsichtgeräte,
die - wie wir im Golfkrieg beobachten konnten - eine
entscheidende Rolle beim Sieg der Koalitionsstreitmacht gespielt haben.
Im Rahmen unserer Überarbeitung der Kemliste haben wir die dem Ausland zur Verfügung stehenden
Technologien von Avionik bis hin zu Lasersystemen
einer genaueren Überprüfung unterzogen. Wo immer
diese Technologien außerhalb des COCOM zur Verfügung standen, haben wir uns bereitwillig auf die Freigabe dieser Güter geeinigt. Wenn wir feststellten, daß
die sowjetischen Fähigkeiten dem bisherigen Kontrollniveau entsprachen oder darüber lagen, haben wir uns
ebenfalls für eine Aufhebung der Kontrolle eingesetzt.
Wo Mehrzweckgüter oder -technologien für die COCOM-Lieferanten jedoch von strategischer Bedeutung
sind und Lücken schließen, haben wir die Verbündeten
gedrängt, die Kontrollen aufrechtzuerhalten.
Die neue Kernliste beinhaltet im allgemeinen bessere
Spezifizierung bei der Beschreibung der kontrollierten

AMERIKA DIENST 26

�Güter, Anpassung der Kontrollkriterien an den derzeitigen technischen Standard der Industrie, Freigabe der
leicht verfügbaren,' 'direkt aus dem Regal" erhältlichen
Güter sowie Angleichung der Zollsysteme.
Im Hinblick auf Computer sind wir zu dem Schluß
gelangt, daß außerhalb von COCOM kein wirklicher
Markt für Computer mit einem CTP von über 23
besteht. Dasselbe gilt für Werkzeugmaschinen mit
einer größeren Genauigkeit als sechs Mikron. Infolgedessen wurde die COCOM-Kontrollgrenze genau
unterhalb dieser Werte angesiedelt. Ich verweise
darauf, daß die Kontrollkriterien für Computer von
PDR (processing data rate - Datenverarbeitungsgeschwindigkeit) zu CTP geändert wurden, weil CTP ein
genaueres Maß für die Leistung eines Computers ist.
Einigung auf eine Kernliste wird zu einer beträchtlichen
Lockerung der Kontrollen für Computer und die dazu
gehörigen Geräte führen. Die Kontrollen für praktisch
alle Personal- und Minicomputer und ihre Peripheriegeräte werden gelockert. Wir werden die Kontrollen für
nahezu alle Peripheriegeräte mit Ausnahme von
Hochgeschwindigkeits-Laufwerken, HochleistungsGraphik- und Messgeräten aufheben.
Auch die Kontrollen für genormte integrierte Schaltkreise wurden erheblich gelockert. Alle DRAM-Chips
(dynamic random access memory) werden ebenso
freigegeben wie die meisten bei Personalcomputern
verwendeten standardisierten 32 Bit-Mikroprozessoren. Die Kontrollen für Geräte zur Herstellung von
integrierten Schaltkreisen und Silikonmaterialien werden entsprechend gelockert. Und schließlich werden
alle zivilen Aufzeichnungsgeräte, die bestimmte internationale Normen erfüllen, freigegeben.
Als abschließende Bemerkung zu den COCOM-Kontrollen möchte ich das Thema der Telekommunikationssysteme und -technologie anschneiden. Die
technischen und politischen Experten haben lange
und hart gearbeitet, um Wege zu erarbeiten, die es
amerikanischen Firmen ebenso wie unseren Verbündeten gestatten werden, moderne Telephonsysteme
in der Sowjetunion und Osteuropa zu installieren. Wir
setzen jedoch unsere Sicherheitsinteressen ernsthaft
aufs Spiel, wenn wir hochmoderne Telekommunikationsgeräte und -technologien für den internen Gebrauch in die Sowjetunion exportieren. Bis sich die
Lage in der Sowjetunion berechenbarer und vielversprechender gestaltet, müssen wir bei Genehmigungen zur Lieferung von Hochgeschwindigkeits-Mikrowellen- und Faseroptiksystemen, mit denen die strategischen Fähigkeiten der Sowjetunion drastisch verbessert werden könnten, während sie gleichzeitig unsere
nachrichtendienstlichen Ermittlungsfähigkeiten erheblich verringern würden, unsere bisherige Politik weiterverfolgen.
Auch im Telekommunikationsbereich gibt es gute
Nachrichten. Die Kontrollen zur Freigabe von Digital-

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schaltem wurden gelockert und gestatten es den Sowjets,
öffentliche Netze zur digitalen Stimmübertragung und
Datennetze aufzubauen, die in ihrer Auslegung und
Funktionsfähigkeit den bereits im Westen installierten
entsprechen. Die Sowjets werden in der Lage sein,
solche Dienste wie Fax, Mobiltelephone, elektronische
Briefkästen und Sprachspeicherdienste auf dem technischen Stand zu beschaffen, dessen sich die Verbraucher im Westen bereits erfreuen.
Im Hinblick auf internationale Verbindungen kam der
COCOM überein, bestimmte Mikrowellensysteme nach
nationalem Ermessen in jedes beliebige Land zu exportieren. Im selben Tenor wurde Einigung erzielt,
unter dem Begünstigungsverfahren (die Zustimmungsvermutung) den Export von Faseroptikleitungen für
den intertnationalen Telefonverkehr in jedes beliebige
Land bis an seine internationalen Grenzen auf einer
bestimmten Laserwellenlänge zu gestatten.
Zusammengenommen werden diese Änderungen eine
enorme Verbesserung der Kommunikation zwischen
der UdSSR und dem Westen bedeuten und damit
sowohl das Unternehmenswachstum als auch persönliche Kontakte fördern und es der Sowjetunion gestatten, ein dem westlichem Standard Anfang bis Mitte der
achtziger Jahre vergleichbares Telekommunikationssystem zu beschaffen.
Für alle Bestimmungsländer mit Ausnahme der Sowjetunion und Nordkoreas wird die Kernliste ebenfalls
den Export - wiederum unter dem Begünstigungsverfahren-von Mikrowellenverbindungen für den internen
Gebrauch (das hei ßt, nicht auf internationalen Verkehr
beschränkt) und, nach nationalem Ermessen, Faseroptikverbindungen auf einer bestimmten Laserwellenlänge gestatten.
Schließlich haben sich die COCOM-Länder in umfassenden Liberalisierungsbestrebungen für Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei geeinigt, daß alle
Telekommunikationsgeräte mit Ausnahme von Veschlüsselungsgeräten nach nationalem Ermessen
exportiert werden können.
Unseres Erachtens stehen diese Liberalisierungsbestrebungen im Einklang mit unseren gemeinsamen
Interessen und gestatten gleichzeitig eine umfassende Handelstätigkeit.
Die COCOM-Partner haben darüber hinaus die Frage
der Streichung Polens, Ungarns und der Tschechoslowakei von der Liste unzulässiger Bestimmungsorte
erörtert. Wir waren uns einig, entscheidende Fortschritte in diese Richtung würden davon abhängen,
daß diese Staaten die Kontrollen ebenso effektiv
handhaben wie die Mitgliedstaaten. Das gilt sowohl für
aus den Mitgliedstaaten importierte Produkte wie auch
für in dem betreffenden Land hergestellte Güter. Darüber
hinaus muß jedes Land eine solide rechtliche Grundlage für die Durchführung seines Exportkontrollsy-

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�stems besitzen, um von der Liste verbotener Bestimmungsorte gestrichen zu werden. Für Polen, Ungarn
und die Tschechoslowakei besteht vorläufig ein besonderes Verfahren, das von einer Zustimmungsvermutung für alle außer den sicherheitsempfindlichsten
Gütern zur Lieferung in diese drei Länder ausgeht. Die
von uns vermittelte Botschaft lautet, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten im COCOM verpflichtet sind, diesen drei Ländern bei ihren Bemühungen zu helfen, ihre Volkswirtschaften durch Umgestaltung zu einem marktorientierten System zu modernisieren.
Eine Lockerung der Exportkontrollen kann nicht ohne
parallele Bemühungen zur Verbesserung ihrer Durchführung erlangt werden. Dabei handelt es sich um
höhere Zäune, die um eine geringere Zahl von Gütern
errichtet werden müssen. Beim High Level Meeting
wurde vereinbart, daß der gemeinsame Standard effektiven Schutzes am 1. Januar 1992 in Kraft treten
soll. Mit dem gemeinsamen Standard werden die
Kriterien für ein effektives Durchführungsregime zur
Kontrolle von Gütern und Technologien festgelegt, um
deren Abzweigung für nicht genehmigte Verwendung
oder Bestimmungsorte zu verhindern. Die Anwendung des gemeinsamen Standards wird weitere Fortschritte zur Erleichterung der innerwestlichen Lizenzvergabe gestatten, indem zusätzliche Gegenstände in
die lizenzfreie Handelszone des COCOM aufgenommen werden.
Der rasche technologische Fortschritt, der Gerät binnen weniger Jahre veralten läßt sowie die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen als brennendes Problem waren wichtige Faktoren bei unseren Überlegungen zur Neudefinition der Kernliste des COCOM. Aber
Präsident Bush und hochrangige Berater in der Administration erkannten darüber hinaus, daß Exportkontrollen entscheidende Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Sicherheit haben. Wenn die Lieferländer
die Exportkontrollen nicht gleichmäßig anwenden und
durchsetzen, dann sind diese Kontrollen nicht nur
ineffektiv sondern wirken sich auch negativ auf unsere
Handelsbilanz und Wettbewerbsfähigkeit aus. Eine
solche potentielle Bedrohung unserer wirtschaftlichen
Sicherheit ist ebenso eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit wie eher traditionelle Anliegen des strategischen Gleichgewichts, regionaler Konflikte oder
der Waffenentwicklung.
Eine unlängst von der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Studie mit dem Titel "Finding Common Ground" kam zu dem Schluß, daß die
Exportkontrollen weder in der momentanen Euphorie
abgeschafft noch die strenge Anwendung der Vergangenheit wiedereingeführt werden sollten. Die von der
Administration im Rahmen des COCOM im Hinblick
auf Nichtverbreitung ergriffenen Maßnahmen sind
meines Erachtens dieser Herausforderung gerecht
geworden. Obwohl sie vielleicht nicht die Erwartungen
aller interessierten Parteien erfüllen, sind die beim
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letzten High Level Meeting des COCOM verkündeten
Veränderungen ein Schritt nach vorn auf dem Weg zu
einem Gleichgewicht zwischen verstärktem Handel
und der Aufrechterhaltung einer soliden nationalen
Sicherheitspolitik. Wir möchten unser Exportkontrollsystem den neuen Realitäten in ehemaligen kommunistischen Ländern und den Veränderungen in der
Sowjetunion anpassen. Gleichzeitig möchten wir dies
auf eine Art und Weise und in einem Tempo bewerkstelligen, daß unsere nationale Sicherheit weiterhin
vor alten und neuen Gefahren geschützt wird.
Welches sind die nächsten Schritte? Jetzt, da die
Erstellung der Kemliste abgeschlossen ist, muß die
Industrie wissen, welche Art von Exportkontrollsystem
sie erwarten kann. Ich kann Ihnen keinen detaillierten
Leitfaden geben. Ich kann Ihnen jedoch einen Einblick
in die Überlegungen der Administration vermitteln.
Die Kemliste schafft keine rote Linie oder eine absolute
Grenze. Wir werden weiterhin Exporte von Objekten
auf der Kernliste gestatten, wenn sie erwiesenermaßen zivilen Zwecken dienen und für diese geeignet
sind. Wir und unsere Verbündeten im COCOM haben
im Jahr 1990 nahezu 1.600 Lizenzen im Wert von etwa
1,7 Milliarden Dollar für zivile Endverbraucher in der
Sowjetunion erteilt. So haben wir zum Beispiel den
Export von Hochleistungscomputern für die Sicherheit
sowjetischer Kernkraftwerke sowie den Verkauf der
modernsten heute auf dem Markt befindlichen Passagierflugzeuge gestattet. Darüber hinaus hat der Präsident den Sowjets wie auch der Industrie zugesagt,
daß wir Lieferungen von Gütern und Technologien zur
Modernisierung der sowjetischen Energieversorgung
wohlwollend berücksichtigen würden, insbesondere
zur Exploration und Entwicklung von Öl- und Gasvorkommen. Im vergangenen Jahr haben wir etwa 95%
aller allgemeinen Ausnahmefälle genehmigt, und bei
Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei lag die
Genehmigungsquote noch höher. Dem neuen "besonderen Verfahren" zufolge wird für die meisten
Exporte in diese drei Ländereine Zustimmungsvermutung gelten. Sicherlich beruht die Fähigkeit zu exportieren nicht gänzlich auf der Frage, ob ein Gegenstand
Kontrollen unterliegt oder nicht.
Der sowjetische Markt ist nicht der einzige potentielle
neue Geschäftsbereich. Insbesondere Polen, Ungarn
und die Tschechoslowakei streben die vollständige
Integration in das westliche Wirtschaftssystem an. Es
mag vielleicht überraschen, daß es gerade die Vereinigten Staaten waren, die beim Drängen nach einer
durchgreifenden Liberalisierung der Exportkontrollen
für diese Länder die Führungsrolle übernommen haben.
Der COCOM bleibt ein effektives und wichtiges Instrument der nationalen Sicherheit, weil wir in der Lage
waren, ihn den veränderten Umständen anzupassen.
Wir werden dies auch weiterhin tun, da wir erkennen,
daß wir nicht weniger tun und dabei der Unterstützung
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�unserer Verbündeten sowie der Industrie gewiß sein
können. Mit der Fertigstellung der Kernliste haben wir
eine neue internationale Industrieliste geschaffen, die
lediglich die wichtigsten Güter und Technologien kontrolliert, die erforderlich sind, um den bestehenden
technologischen Vorsprung westlicher militärischer
Systeme gegenüber solchen sowjetischen Ursprungs
zu bewahren, einen Vorsprung, der während der
Operation Wüstensturm klar zutage getreten ist. Das
Wirtschaftsministerium schätzt, daß die neue Liste bei
der Anzahl kontrollierter Güter eine 65prozentige
Reduzierung der Liste vom Juni 1990 darstellt. Wir
gehen davon aus, daß es bei Computerexporten allein
eine 70prozentige Reduzierung der Lizenzanträge geben
wird.

Die Zukunft ist sowohl vielversprechend als auch gefahrvoll. Die Veränderungen in Osteuropa und - wie wir
hoffen - in der Sowjetunion bieten Aussichten auf eine
weitere Liberalisierung der Exportkontrollen und zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten für amerikanische
Firmen. Wir engagieren uns weiterhin für ein Gleichgewicht zwischen nationaler Sicherheit und dem Abbau
von Handelsschranken. Zur Herstellung dieses Gleichgewichts möchten wir uns auf die Geschichte des
COCOM sowie die Zusammenarbeit mit der Industrie,
unseren Verbündeten und Partnern stützen.

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