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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

26. Juni 1991

25
-

KSZE

PUNKTE ZUM WIRTSCHAFTLICHEN
ÜBERGANG
Außenminister Baker bei der KSZE

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

WIRTSCHAFTSEXPERTEN EINIG ÜBER
NOTWENDIGKEIT DURCHGREIFENDER
SOWJETISCHER REFORMEN
Hintergrundartikel zum
Weltwirtschaftsgipfel in London

UMWELT

REILLY: OSTEUROPAS UMWELTPROBLEME
ÄUSSERST DRINGLICH
Rede des Leiters des US-Umweltamts in Prag

DAS MEINUNGSBILD
IN AMERIKA

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG IN AMERIKA
Umfrage zur Wirtschaft und Politik
des Präsidenten

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
1. Halbjahr 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�KSZE
26. Juni 1991

PUNKTE ZUM WIRTSCHAFTLICHEN ÜBERGANG
Außenminister Baker bei der KSZE
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Außenminister Baker beim Ministertreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) am 19. Juni 1991 in wesentlichen
Auszügen.

Bei unseren Bestrebungen zur Schaffung eines ungeteilten und freien Europas muß die KSZE auch die
wirtschaftlichen Bedürfnisse eines neuen Europas
ansprechen und wirtschaftlichen Wohlstand auf den
gesamten Kontinent ausweiten und vertiefen. Dies ist
unabdingbar für den Aufbau dauerhafter demokratischer Institutionen - ein Ziel, dem wir uns alle beim
Pariser Gipfeltreffen verschrieben haben.
Die Verwirklichung dieses Ziels erfordert nicht zwangsläufig die Schaffung neuer Institutionen oder Mechanismen durch die KSZE. Wir sollten vielmehr versuchen, eine starke Partnerschaft mit den Institutionen
zu schmieden, die Kompetenz im wirtschaftlichen Bereich
haben. EG, OECD, Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), Weltbank, IWF und
andere könnten dazu beitragen, den Herausforderungen des wirtschaftlichen Übergangs in Mittel- und
Osteuropa und der Sowjetunion zu begegnen.
Zusätzlich zur Gewährleistung der engen Zusammenarbeit zwischen KSZE und multilateralen Institutionen
zur Erfüllung der Bedürfnisse unserer Mitgliedstaaten
muß jeder von uns individuell prüfen, wie er zu einem
erfolgreichen wirtschaftlichen Übergang in Mittel- und
Osteuropa beitragen kann. Ich mache drei Bereiche
aus, in denen individuelle Beiträge geleistet werden
können.
Erstens müssen wir unsere Märkte für freien Handel
öffnen. Die wirtschaftliche Umgestaltung Mittel- und
Osteuropas sowie der Sowjetunion macht den Zugang
dieser Länder zu regionalen und globalen Märkten
erforderlich. In diesem Zusammenhang ist der erfolgreiche Abschluß der Uruguay-Runde der wichtigste
Einzelschritt, den wir unternehmen können. Wenn wir
AMERIKA DIENST 25

uns zunächst auf die Lösung einiger Kernbereiche
konzentrieren - Landwirtschaft, Dienstleistungen, staatliche Beschaffung, geistiges Eigentum und Marktzugang - können wir einen Durchbruch erzielen, der zu
einem umfassenden Abkommen führen wird.
Zusätzlich zum baldigen Abschluß der Urugay-Runde
müssen wir daran arbeiten, bestimmte Schranken für
Exporte aus Mittel- und Osteuropa abzubauen. Makroökonomische Stabilisierung ist nicht genug. Wir
müssen auch die mikroökonomische Basis für Wohlstand schaffen. Denn es ist schlicht und einfach eine
Tatsache, daß die neuen marktwirtschaftlich orientierten Demokratien nicht in der Lage sein werden, ausländische Investitionen anzuziehen, zu privatisieren oder
wettbewerbsfähige Unternehmen aufzubauen, die
Arbeitsplätze schaffen - wenn ihnen nicht gestattet
wird, fair um Märkte zu konkurrieren.
Als Teil dessen ist es unabdingbar, daß wir unsere
Märkte für die Güter öffnen, bei denen die reformwilligen Volkswirtschaften am wettbewerbsfähigsten sind.
Zugang zu 90 Prozent unserer Märkte ist von begrenztem Wert, wenn die verbleibenden 10 Prozent sich auf
die Industrien erstrecken, in denen Mittel- und Osteuropäer eine vergleichsweise bessere Ausgangsstellung haben. Das bedeutet insbesondere, daß wir uns
mit Restriktionen bei Stahl, Textilien und Agrarprodukten befassen müssen.
Die Vereinigten Staaten haben sich ihrerseits verpflichtet, den Marktzugang für die Mittel- und Osteuropäer zu verbessern. Die von Präsident Bush am 20.
März 1991 bekanntgegebene Initiative zur Aufstokkung des Handels legt fünf Bereiche fest, in denen wir
Fortschritte zur Verbesserung des Marktzugangs
Seite 1

�machen können. Eine Gruppe hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter hat vor kurzem die Region besucht, um Gespräche über Handelsschranken
zu führen und wird Schritte empfehlen, die von den
Vereinigten Staaten zur Öffnung ihrer Märkte unternommen werden können.
Zweitens können die jeweiligen KSZE-Mitgliedstaaten
angemessene direkte finanzielle Unterstützung an die
Länder der Region leisten, um deren wirtschaftlichen
Übergang zu beschleunigen. Wir müssen weiterhin
der Einführung handelsverzerrender gebundener
Unterstützungkredite widerstehen, die in die Hinwendung zu freien und offenen Märkten in der Region
eingreifen könnten. Statt dessen sollte die finanzielle
Unterstützung die Entwicklung eines stabilen, wettbewerbsfähigen Privatsektors fördern.
Ein dritter Bereich für individuelle Beiträge ist die
Verdoppelung der Bestrebungen zur Bereitstellung
technischer Hilfe für alle Sektoren dieser Volkswirtschaften. Wir haben viel zu bieten - von der Weitergabe von Know-how in Landwirtschaft und Industrie über
Ausbildung von Führungskräften und Rechnungsprüfern bis zur Unterstützung der Parlamente und Regierungsbehörden bei der Neufassung von Gesetzen und
Bestimmungen zur Erleichterung des Wachstums neuer
Privatunternehmen. Sowohl bilateral als multilateral einschließlich zukünftiger KSZE-Expertentreffen - sollten
wir unsere Bestrebungen darauf konzentrieren, die
Hilfe auf die bedürftigsten und am meisten betroffenen
Bereiche auszurichten.
Aus diesem Grund habe ich ein Seminar über die
sozialen und finanziellen Auswirkungen der Umrüstung der Verteidigungsindustrie und Haushaltsengpässe vorgeschlagen. Wenn die Volkswirtschaften
Mittel- und Osteuropas und der Sowjetunion sich
umgestalten wollen, müssen sie die für die Rüstungs-

industrie bestimmten enormen Ressourcen für zivile
Zwecke aufwenden. Bei diesem Unterfangen können
wir im Westen technische Hilfe und Rat zur Verfügung
stellen.
Darüber hinaus könnten wir die Schaffung von Handelskammern für die reformwilligen Volkswirtschaften
im Osten in Erwägung ziehen, um zur Förderung von
Investitionen, Handel und Privatuntemehmen beizutragen, die für die Umgestaltung und dauerhaftes
Wachstum erforderlich sind. Dies wird das Gewicht
des Privatsektors in den neuen Demokratien stärken
und Netze für Wirtschaftswachstum schaffen.
Durch all diese Maßnahmen können wir zur der elementaren Aufgabe beitragen, das Gefüge wirtschaftlicher Zusammenarbeit über alle KSZE-Mitgliedstaaten
hinweg zu verbessern. Unsere Bestrebungen können
jedoch nur eine unterstützende Rolle bei dem stattfindenden Übergang spielen. Selbsthilfe bleibt die unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiche Reformen.
Echte Veränderungen müssen aus dem politischen
und wirtschaftlichen System Mittel- und Osteuropas
und der Sowjetunion selbst kommen, vom Abbau der
Hemmnisse für die Wirtschaftstätigkeit, der Entwicklung und Kodifizierung eines Rahmens für Privatunternehmen und von der Durchführung solider makoökonomischer Maßnahmen, die für das Wirtschaftswachstum unerläßlich sind.
All dies sind wichtige Bereiche, die von der KSZE
angesprochen werden müssen, während wir versuchen, auf der Bonner Konferenz des vergangenen
Jahres aufzubauen, die einen Meilenstein in der Geschichte darstellte. Als Gemeinschaft haben wir die
Verantwortung gegenüber der Sowjetunion und den
Ländern Mittel- und Osteuropas, zur Verwirklichung
des wirtschaftlichen Übergangs in diesen Ländern
beizutragen.

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 25

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
26. Juni 1991

WIRTSCHAFTSEXPERTEN EINIG ÜBER
NOTWENDIGKEIT DURCHGREIFENDER
SOWJETISCHER REFORMEN
Hintergrundartikel zum Weltwirtschaftsgipfel in London

Während Wirtschaftswissenschaftler und Regierungen über das Ausmaß der zur Unterstützung der
Sowjetunion beim Übergang zur Marktwirtschaft benötigten Hilfe unterschiedlicher Meinung sind, herrscht
wesentlich größere Einigkeit im Hinblick auf die Art der
wirtschaftlichen und institutionellen Reformen, die
durchgeführt werden müssen, bevor diese Hilfe bereitgestellt wird.
Mehrere Gremien führender amerikanischer Experten
für die Volkswirtschaften Osteuropas und der Sowjetunion haben dem Kongreß am 19. Juni 1991 mitgeteilt,
daß die sowjetische Wirtschaft ohne rasche Verwirklichung umfassender Reformen Gefahr läuft, zusammenzubrechen.
"Wenn die Sowjetunion auf dem gegenwärtigen Weg
halbherziger Wirtschaftsreformen weitermacht, dann
wird der Abschwung von heute zum freien Fall von
morgen werden", so der Wirtschaftswissenschaftler
Graham Allison von der Harvard University vor einem
Unterausschuß des Senats. "Der wirtschaftliche
Zusammenbruch wird nicht nur den gegenwärtigen
Prozeß demokratischer Reformen aushöhlen, sondern er wird wahrscheinlich auch zur Auflösung der
Sowjetunion - möglicherweise mit Gewalt - führen."
Neben Allison nahmen Professor Jeffey Sachs von der
Harvard University und der frühere Chef-Volkswirt der
Weltbank und heutige Professor am Massachusetts
Institute of Technology, Stanley Fischer, Stellung. Die
drei gehören zu den wichtigsten Architekten des sogenannten "Grand Bargain", eines an der Harvard University entwickelten Plans zur Unterstützung der Reformen in der Sowjetunion.

AMERIKA DIENST 25

Bei der Anhörung erläuterte Allison diesen Plan, der
massive Hilfe des Westens fordert, um eine vierstufige
Wirtschaftsreform in der Sowjetunion zu fördern.
Die erste, in diesem Jahr durchzuführende Stufe erfordert die Privatisierung von Kleinuntemehmen, Liberalisierung der Preise, Konvertierbarkeit des Rubel,
Beseitigung von Beschränkungen für private Wirtschaftstätigkeit, Liberalisierung der Bestimmungen für
ausländische Investitionen, Reduzierung von Industriesubventionen, eine Landreform und ein Einfrieren
neuer Sozialausgaben.
Im Jahr 1992 sollte die Sowjetunion der HarvardGruppe zufolge ihr Haushalsdefizit abbauen und insbesondere die Ausgaben für Subventionen, Auslandshilfe und das Militär reduzieren. Die meisten Preiskontrollen sollten beseitigt, eine unabhängige Zentralbank
geschaffen und die Privatisierung von Kleinindustrien
beschleunigt werden. Darüber hinaus sollte ein Nahrungsmittelhilfeprogramm eingeführt werden, um denen
zu helfen, die am meisten von der Freigabe der Preise
betroffen sind.
Die im Jahr 1993 beginnende dritte Stufe sieht die
Privatisierung von Großunternehmen, eine anhaltende Landreform, die Durchführung von Infrastrukturprojekten - insbesondere im Transport- und Kommunikationsbereich - und die Beibehaltung streng makroökonomischer Kontrollen vor.
In der letzten Phase von 1994 bis 1997 würde die
Privatisierung von Großbetrieben sowie von Wohnungseigentum, Steuerreform, Liberalisierung des
Arbeitsmarkts sowie die Expansion internationaler
Privatinvestitionen intensiviert.

Seite 1

�In einer Erklärung vor dem Senat hatte US-Außenminister Baker einige Tage zuvor erklärt, die Industriestaaten des Westens "können als Katalysator politischer und wirtschaftlicher Reformen" in der Sowjetunion wirken. Baker fuhr fort: "Wir sind dabei, ein Paket
unterstützender Maßnahmen zu entwickeln, die wir mit
anderen westlichen Ländern koordinieren möchten."
Vizepräsident Quayle und andere Sprecher der Administration haben jedoch erhebliche Zweifel daran zum
Ausdruck gebracht, daß die im Harvard-Plan vorgesehenen massiven Summen an Hilfsgeldern bewilligt
werden.
In einer Rede in Berlin weigerte sich Baker am 18. Juni,
Einzelheiten des von den Vereinigten Staaten erwogenen Pakets bekanntzugeben.
"Wie wir in den vergangenen Wochen jedoch ausgeführt haben", stellte Baker fest, "könnte das Paket
eine besondere Verbindung mit IWF und Weltbank
enthalten, um zur Erarbeitung und Durchführung ernsthafter Wirtschaftsreformen beizutragen. Ferner könnte ein Projekt zwischen öffentlichem und Privatsektor
entwickelt werden, um die Hindernisse für Privatinvestitionen bei der Energieentwicklung zu beseitigen, mit
denen Devisen ins Land kommen und das ein Beispiel
für den erfolgreichen Betrieb dieses Sektors mit Eigentums- und Vertragsrechten liefert.
Gemeinsame
Bestrebungen zur Belebung des Nahrungsmittelvertriebssektors könnten durch die Schaffung von Marktinitiativen baldige Verbesserungen für die Konsumenten herbeiführen. Darüber hinaus könnte die Umrüstung des Verteidigungssektors unterstützt und technische Zusammenarbeit verbessert werden, einschließlich Ausbildung im wirtschaftlichen Bereich. Offenerer
Handel sowie zusätzliche 1,5 Milliarden an Kreditbürgschaften, die der Präsident vergangene Woche für den
Kauf von Getreide bewilligt hat, sind weitere Elemente
des Pakets".
Dieses Paket von Maßnahmen wurde von Sachs als
unzureichend kritisiert.
Sachs erklärte, zur Unterstützung der sowjetischen
Hinwendung zu einer Marktwirtschaft seien große
Summen - mindestens 3 Milliarden Dollar jährlich von

den Vereinigten Staaten und noch wesentlich mehr
von anderen Ländern und internationalen Institutionen
- erforderlich.
"Kleine Reformschritte ergeben keine große Reform,
sie führen vielmehr ins Chaos", stellte Sachs fest. Und
seiner Meinung nach können kleine Summen nur
kleine Reformen unterstützen.
Sachs ging in seiner Stellungnahme davon aus, daß
kleine Summen eher kontraproduktiv sein könnten. Es
seien die Erzkonservativen in der Sowjetunion, die nur
gerinfügige Hilfsgelder anstrebten, weil sie wüßten,

Seite 2

daß große Hilfssummen zu Wirtschaftsbedingungen
führen, die eine fundamentale Veränderung im Hinblick auf Privateigentum erforderten.
Fischer fügte hinzu, daß der langsame Reformansatz
- Ausgleich des Haushalts und langsame Öffnung der
Waren- und Arbeitsmärkte über drei bis fünf Jahre
hinweg - in einer Marktwirtschaft, in der sich Besitz und
Produktion weitgehend in Privathand befinden, schlüssig sei, für die Sowjetunion jedoch einen fehlerhaften
Ansatz bedeute.
"Jeder Versuch, zu Beginn für makroökonmische
Ordnung zu sorgen und gleichzeitig die fundamentalen
mikroökonomischen Reformen" - etwa Steuer- und
Preisreformen sowie Liberalisierung des Handels "hinauszuschieben, würde das Produktivsystem zum
Scheitern bringen", erklärte Fischer.
Der Vorsitzende des Unterausschusses, Joseph Biden, stellte fest, es gebe zwar "praktisch einen Konsens" im Kongreß, die technische Hilfe für die Sowjetunion zu unterstützen, aber er hafte es für nahezu
unwahrscheinlich, daß der Kongreß der Bewilligung
großer Summen zustimme, bevor das Land seine
Eigentumsgesetze und die Behandlung von Privatunternehmen reformiert, die Staatsmonopole aufgelöst,
die Preise freigegeben und die Konvertibilität des
Rubels hergestellt habe.
Der ehemalige Abteilungsleiter im US-Außenministerium und heutige stellvertretende Vorsitzende der
Investmentfirma Goldman Sachs International, Robert
Hormats, erklärte, der Londoner Weltwirtschaftsgipfel
von 15.-17. Juli biete den politisch Verantwortlichen
der wichtigsten Industrieländer eine gute Gelegenheit,
um Einigung über die bestmögliche Unterstützung der
Sowjetunion zu erzielen.
"Das Londoner Gipfeltreffen sollte keine Runde für
Zusagen sein", meint Hormats. "Es sollte vielmehr für
die führenden Politiker des Westens ein Forum sein,
um mit Gorbatschow Fragen in bezug auf seine politischen Ziele, das Ausmaß der in den wichtigsten
Machtzentren und Institutionen der UdSSR vorhandenen politischen Unterstützung für kühne Reformen,
seine und seines Landes Fähigkeit zurechten Verwirklichung der Reformen und die Schritte zu erörtern, die
er zu ergreifen gedenkt, um die aus der sowjetischen
Unterstützung Kubas und den hohen sowjetischen
Verteidigungsausgaben resultierende Verschwendung
von Ressourcen in den Griff zu bekommen."
Hormats warnte die Gipfelteilnehmer, sich von ihrem
bevorstehenden Treffen mit Gorbatschow - am 17. Juli
unmittelbar im Anschluß an den Londoner Gipfel - so
stark ablenken zu lassen, daß sie das zentrale Thema
des Gipfels aus den Augen verlieren, nämlich die
Verbesserung des Welthandelssystems durch den
erfolgreichen Abschluß der Welthandelsgespräche im
Rahmen der Uruguay-Runde.

AMERIKA DIENST 25

�Marshall Goldman, Mitdirektor des Russian Research
Center der Harvard University, bewertete die von
"Grand Bargain" geforderten Reformen wesentlich
zurückhaltender als die anderen an der Anhörung
teilnehmenden Wirtschaftswissenschaftler.
Goldman zufolge kann die Sowjetunion den Umfang
der von der Harvard-Gruppe geforderten Hilfsgelder
nicht verwerten. Die Hilfe solle zunächst dafür eingesetzt werden, landwirtschaftliche Familienbetriebe mit

*

AMERIKA DIENST 25

*

Kleintraktoren, Lieferwagen, Lagermöglichkeiten und
Kleingeräten zur Nahrungsmittelverarbeitung auszustatten.
"Auf diese Weise könnte es der Sowjetunion gelingen,
eine Wiederkehr des letztjährigen Skandals zu verhindern, als Kollektive und Staatsfarmen sowie das staatliche Verteilungssystem trotz einer Rekordernte nicht
in der Lage waren, die Moskauer Geschäfte mit Brot zu
beliefern", stellte Goldman fest.

*

*

Seite 3

�UMWELT
26. Juni 1991

REILLY: OSTEUROPAS UMWELTPROBLEME
ÄUSSERST DRINGLICH
Rede des Leiters des US-Umweltamts in Prag
PRAG - (AD) - Osteuropa darf mit der Beseitigung seiner ungeheuren Umweltschäden nicht bis zur völligen
Gesundung seiner Volkswirtschaften warten. Dieses Fazit zog der Leiter des US-Umweltamts (EPA), William
Reilly, am 21. Juni 1991 in einer Rede bei der Prager Konferenz über die Umwelt in Europa.
"Die Größenordnung dieser Sanierungsmaßnahmen ist einzigartig", erklärte Reilly. Die begrenzten Mittel
Osteuropas erforderten "schwierige Entscheidungen", wobei die Beseitigung weniger bedrohlicher Schäden
bisweilen zugunsten wirklich schwerwiegender Altlasten aufgeschoben werden müsse.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen Reillys im Wortlaut.

Die elegante Pracht des Schlosses Dobris und die
schöne tschechische Landschaft verleihen unserer
Zusammenkunft Würde und erinnern uns, daß Schönheit, Kunst und Schutz der Natur in dieser Kultur fest
verankert sind. Sie weisen auf das gestalterische
Potential menschlichen Strebens zugunsten der Umwelt
hin und geben uns selbst dann Hoffnung und Vertrauen, während wir uns der schlimmen umweltpolitischen
Hinterlassenschaft der jüngsten Geschichte in dieser
Region zuwenden. Wenn ich zu den sich auftürmenden Wolken hinaufschaue, die die Decke über mir
schmücken, könnte ich einen Moment lang die Schwefelwolken vergessen, die schwer über den städtischen
und industriellen Zentren Mitteleuropas hängen und
dieser Zusammenkunft eine besondere Dringlichkeit
verleihen.
Als Amerikaner betrachte ich es als besonderen Vorzug, zu dieser Konferenz über die Umwelt in Europa
eingeladen zu sein. Ein großer Franzose hat Amerika
einmal als "die Tochter Europas" bezeichnet. Wir
Amerikaner erkennen, daß wir mit den Europäern eine
gemeinsame Kultur und - global betrachtet - eine
gemeinsame Umwelt teilen. Darüber hinaus erkennen
wir zunehmend gleichartige wirtschaftliche Interessen
an harmonischen und miteinander vereinbaren Umweltbestimmungen für Maßnahmen, die sich auf Handel
und Investitionen auswirken. Ferner gibt es bei uns
eine lange Tradition der Kontakte und Freundschaft
mit dem Volk der Tschechischen und Slowakischen
AMERIKA DIENST 25

Föderativen Republik sowie größte Bewunderung für
die von Ihnen kürzlich errungene Freiheit. Ich erinnere
an den tiefen Respekt und Goodwill, die unser Kongreß und das amerikanische Volk Präsident Vaclav
Havel bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten
vor etwas über einem Jahr entgegenbrachten, als er so
bewegend von "einer weltweiten Revolution des
menschlichen Bewußtseins" sprach, die eine Überwindung engstirniger Interessen in Aussicht stelle.
Ich erinnere mich auch an Präsident Havels wunderbare Antwort auf die Frage, wie ein Dramatiker und
andere Nicht-Politiker erwarten könnten, die Regierungsgeschäfte zu führen. Er erwiderte, er und seine
Minister hätten einen Vorteil, den nur wenige Kabinette
für sich in Anspruch nehmen könnten und der ihnen bei
der Bewältigung des schwierigen Koordinierungsproblems dienlich sei: Sie hätten endlose Stunden in der
erzwungenen Intimität gemeinsamer Gefängniszellen
verbracht. (Wenn Regierungsvertreter vor ihrem Eintritt in die Regierung Gefängniszellen teilen, ist dies
sicherlich weit produktiver als wenn Regierungsvertreter nach ihrer Amtszeit Gefängniszellen teilen, eine
Verfahrensweise, die uns in den Vereinigten Staaten
geläufiger ist.)
Präsident Havel hat darüber hinaus im Hinblick auf die
Umwelt gesagt, daß "wir immer noch dem destruktiven
Glauben anhängen, der Mensch sei die Krone der
Schöpfung und nicht ein Teil davon und daß deshalb
Seite 1

�alles erlaubt sei.... Wir zerstören weiterhin den Planeten, der uns anvertraut wurde und seine Umwelt."
Es ist angemessen, daß wir uns in Mitteleuropa versammelt haben, um eine für die Zukunft der Menschheit so entscheidende Frage zu erörtern. Hier sind wir
alle mit der Hinterlassenschaft der vergangenen 45
Jahre konfrontiert. Wir erkennen diese Hinterlassenschaft in den säureentstellten, gesichtslosen Statuen
Krakaus. Wir erkennen sie im schwefelhaltigen Himmel über Ostrau. Wir erkennen sie in den verseuchten
Wassern von Donau, Weichsel und Oder. Wir sehen
das Werk der Zerstörung, verursacht von einem System, das die Menschen ihrer Eigenverantwortung
entfremdete und die rücksichtlose Mißachtung der
Umwelt förderte. Heute wie niemals zuvor erkennen
wir das lebenswichtige Bindeglied zwischen einer
prosperierenden Wirtschaft und einer gesunden Umwelt.
Dies ist die Hinterlassenschaft. Dies ist die Vergangenheit. Die Zeit fließt wie die großen Ströme nach
vorn. Heute ist es mehr als je zuvor an der Zeit, die
Dinge in Ordnung zu bringen. Es ist Zeit für Zusammenarbeit und Partnerschaft, Zeit für den Übergang zu
neuen Verhaltensweisen. Wir in den Vereinigten Staaten
reichen unsere Hand zu diesem Unterfangen.
Zuerst kommt der gewaltige Prozeß der Altlastenbeseitigung nach Jahren der Vernachlässigung. Die
Größenordnung dieser Sanierungsmaßnahmen ist
einzigartig. Sie müssen sich von Beginn an in ihren
Zielen auf die schwerwiegendsten Risiken für die
menschliche Gesundheit und die Umwelt konzentrieren. Wir müssen neue, angemessene und preisgünstige Technologien in Erwägung ziehen. Um angesichts
begrenzter Mittel schwierige Entscheidungen zu treffen, wobei die Beseitigung weniger bedrohlicher Schäden bisweilen zugunsten wirklich schwerwiegender
Altlasten aufgeschoben werden müssen. Die Umwelt
kann jedenfalls nicht warten bis die Volkswirtschaft
vollständig wiederhergestellt ist: es ist diese Art zu
denken, die Osteuropa umweltpolitisch ins Unglück
gestürzt hat.
In den vergangenen Jahren sind wir in den Vereinigten
Staaten zunehmend vom Erfolg der Risikobewertung
und Wirtschaftsanalyse als Instrumente zur Beeinflussung von Management- und Geschäftsprioritäten
überzeugt worden. Mit Risikobewertung meine ich den
vernünftigen Einsatz aller zur Verfügung stehenden
Informationen über die Auswirkungen von Schadstoffen auf die menschliche Gesundheit und das Ökosystem. Sie trägt dazu bei, die sporadisch auftretenden
alarmierenden Ereignisse in einen Zusammenhang zu
stellen, die eine Grundlage für die Unterscheidung
zwischen den schwerwiegendsten Problemen und
solchen liefern, die weniger einschneidend sind, zwischen gebrochenen Knochen und einfachen Beulen
und Hautabschürfungen.

Seite 2

Zweitens müssen Länder am Scheideweg der Einführung eines freien Markts mit neuen Verpflichtungen für
die Umwelt eindeutige Signale setzen und der Industrie die richtigen Anreize schaffen. Ich empfehle die
Einführung von Vorbeugemaßnahmen zum Umweltschutz. Die Industrie in den Vereinigten Staaten lernt,
daß eine Verhinderung der Umweltverschmutzung
noch vor ihrem Auftreten - durch Einführung neuer
Technologien und Prozesse, Wiederverwendung und
Aufbereitung von Chemikalien und gefährlichen Stoffen, zum Beispiel durch das Ersetzen von Lösungsmitteln auf Ölbasis durch solche auf Wasserbasis - nicht
nur der Umwelt nützt, weil man Material spart, sondern
oftmals auch Geld spart, weil man die potentielle
Haftung reduziert und Vorschriften vermeidet. In der
Regierung müssen wir folgende Tendenz unterstützen: wir müssen zuverlässige Maßstäbe setzen, die
Verpflichtungen der Industrie darlegen und gegebenenfalls mit Hilfe des Markts Anreize für den Umweltschutz bieten.
Unser Gesetz zur Luftreinhaltung von 1990 auf der
Basis von Präsident Bushs Vorschlag gewährt Industrieunternehmen bis zu sechs Jahren Befreiung von
neuen Luftreinhaltungsvorschriften, wenn sie sich
bereiterklären, ihre Schadstoffemissionen freiwillig um
90 Prozent zu reduzieren. Das Gesetz sieht darüber
hinaus ein neues System vor, im Rahmen dessen
Schwefeldioxidemissionen dauerhaft 50 Prozent unter
den gegenwärtigen Stand gebracht werden sollen. Die
in den Vereinigten Staaten wirksamen Marktmechanismen sind unter Umständen nicht auf die Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas anwendbar. Dennoch glaube ich, daß wirtschaftliche Instrumente und
Analysen für die Entwicklung einer gesunden Umweltpolitik unabdingbar sind.
Denjenigen, die davon überzeugt sind, wir hätten im
Hinblick auf die Umwelt keine Fortschritte erzielt, kann
ich sagen, daß die Vereinigten Staaten im Rahmen
ihres früheren Gesetzes zur Luftreinhaltung die Emission von Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid um 30
Prozent, den Partikelausstoß um 64 Prozent und bleihaltige Emissionen um 97 Prozent verringert hat. Im
gleichen Zeitraum stieg das Bruttosozialprodukt in den
Vereinigten Staaten um 60 Prozent. Das Wirtschaftswachstum hat Fortschritte im Umweltschutz ermöglicht und sie finanziert. Das daraus entstandene
Wachstum hat die Natur besser erhalten und geschützt. Es ist dieser Fortschritt sowohl in der Wirtschaft als auch beim Umweltschutz, der uns auf unsere Fähigkeit zur Verwirklichung neuer und ehrgeiziger
Ziele vertrauen läßt. Diejenigen, die noch ehrgeizigere
umweltpolitische Ziele verfechten, täten gut daran,
sich die bisherigen Fortschritte vor Augen zu führen,
auch wenn wie in unserem Fall noch nicht genug getan
worden ist. Die Menschen, die aufgefordert werden,
mehr für den Umweltschutz zu zahlen, müssen daran
erinnert werden, daß mit den bisher für die Umwelt
gezahlten Steuern tatsächlich Gutes geleistet wurde.

AMERIKA DIENST 25

�Drittens fordere ich die neuen Demokratien dieser
Region auf, die Bedeutung des freien Informationsflusses zu erkennen. In den Vereinigten Staaten sehen die
Gesetze eine jährliche Liste der Schadstoffemissionen
vor, und unsere Gesetze über die Rechenschaftspflicht gegenüber Gemeinden fordern, daßjede Fabrik
die zulässigen Emissionen von etwa 200 Schadstoffen
mißt und veröffentlicht. In jedem Jahr berichtet die
Lokalpresse ausführlich über die Schadstoffemissionen der Fabriken am Ort. Anwohner der Fabriken,
Arbeiter, Aktionäre - alle werden von der Berichterstattung aufgerüttelt. Ein Geschäftsführer einer großen
Chemiefabrik erklärte mir, daß er keine Ahnung von
den Werten hatte, die seine Firma durch den Schornstein schickt, bevor er die Liste der Schadstoffemissionen seiner Firma sah. Dieses Gesetz sieht zwar keine
Strafen vor, hat aber trotzdem das Verhalten der
Unternehmen positiv beeinflußt und dazu geführt, daß
die Fabriken ihre Schadstoffemissionen drastisch unter
das von den Reinhaltungsgesetzen gesetzte Niveau
reduzieren. Diese Art von Informationen fördert Fortschritte und stimuliert Volkswirtschaften. Im November dieses Jahres wird das EPA in Zusammenarbeit
mit der OECD eine internationale Konferenz in Wien
über "Informationen zur Schadstoffemission" organisieren. Ich hoffe, daß Vertreter Ihrer Ministerien und
Organisaitonen daran teilnehmen können.
Viertens ergibt sich noch ein anderer Vorteil aus dem
ungehinderten Informationsfluß, der Fortschritte auf
den Weg bringt. Private, nichtstaatliche Organisationen haben besseren Zugang zu Informationen über
das Verhalten der Industrie zur Umwelt und werden
Fragen zur Gesundheit des Menschen und zum
Umweltschutz in die Öffentlichtkeit tragen. Damit
erlangen sie einen hohen politischen Stellenwert. Diese
Offenheit, diese Vitalität für private Gruppen ist für
umweltpolitische Reformen und Fortschritte unabdingbar, auch wenn, wie hier, die Regierung viele Leiter
nichtstaatlicher Umweltgruppen umfaßt.
Schließlich können Fortschritte im Hinblick auf die
Umwelt nur durch Kooperation, durch regionale und
sogar globale Beteiligung und Partnerschaft, erzielt
werden. Dennoch fürchte ich trotz unserer guten
Absichten und unseres Enthusiasmus - oder vielleicht
gerade deswegen -, daß wir doppelte Arbeit leisten und
infolgedessen Ressourcen verschwendet haben. Wenn
sie zusammenarbeiten, müssen die Regierungen Ostund Westeuropas, Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten eine Strategie für kurzfristige Hilfe
vereinbaren, die sich unsere Informationen, unsere
Ressourcen und den Wunsch nach Verbesserung der
Umweltqualität in dieser Region zunutze macht.
Ich möchte mich nunmehr einem schwierigen Punkt
zuwenden. Umweltschutz erfordert eine ungeheure
Bandbreite analytischer Instrumente, ist aber nicht
allein eine technische Angelegenheit. Rentabilität und
Risikoanalysen sind zwar sehr wichtig, aber es gibt

AMERIKA DIENST 25

noch etwas Grundsätzlicheres: eine ethische Verpflichtung zur Wiederherstellung und Konservierung
der Ordnung in der Natur. Die Revolutionen in der
tschechischen und slowakischen Republik - und auch
in den anderen Ländern Mitteleuropas - sind nicht
allein politischen oder wirtschaftlichen Erwägungen
entsprungen. Die Legitimität dieser Revolutionen basiert
auf Werten wie der Würde des Menschen und seiner
unantastbaren Privatsphäre und Freiheit, seinem
Verhältnis zu Religion, Arbeit, Lohn und Eigentum. Wir
dringen hier in den Bereich der Moral vor, einer Moral,
die Politik beeinflußt und über der Wirtschaft steht.
Eines der ersten Anliegen einer moralischen Ordnung
muß es sein, Verhaltensmaßregeln aufzustellen und
hochzuhalten, die das Überleben und die Verwirklichung der Spezies fördern. Das zwingt uns, das
Mißverhältnis zwischen Natur und Mensch zu erkennen und zu korrigieren, nicht nur im diskreditierten
kommunistischen System, sondern auch - wenn auch
in geringerem Maße - in unseren eigenen Systemen.
Schließlich müssen wir die Notwendigkeit erkennen,
sowohl die Effizienz als auch die Qualität unserer
Bestrebungen zur Förderung regionaler Zusammenarbeit bei der Umwelt zu verbessern. Dieses Ziel stand
hinter Präsident Bushs Vorschlag zur Einrichtung eines Regionalen Umweltzentrums für Mittel- und Osteuropa. Zusammen mit vielen von Ihnen hier habe ich
an der Eröffnung im September vergangenen Jahres
teilgenommen. In weniger als einem Jahr ist das
Zentrum zu einem Treffpunkt von Umweltgruppen in
ganz Mitteleuropa geworden. Es unterstützt wichtige
Arbeit bei der Informationsbeschaffung und Verteilung, Aufbau von Institutionen, Ernstfallbereitschaft,
Erziehung zum Umweltschutz, zur Gesundheit der
Umwelt, Energieausnutzung, Vorbeugung und den
Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt. Noch
wichtiger ist, daß das Zentrum neue Verbindungen
herstellt und bestehende Brücken zwischen Regierungen, Unternehmen und Umweltschutzgruppen ausbaut.
Ein Beispiel eines praktischen Ansatzes regionaler
Zusammenarbeit - und ein mögliches Zukunftsmodell
- ist der jüngste Abschluß einer gemeinsamen Umweltstudie mit der Tschechoslowakei. Diese Studie erforderte die aktive Beteiligung der Europäischen Gemeinschaft, von Vertretern der Regierung und der Republiken in der Tschechoslowakei, der Weltbank und der
US-Regierung und deren enge Zusammenarbeit.
Die gemeinsame Studie hat die bestehenden Bedrohungen für die Umwelt in allen Bereichen analysiert Luft, Wasser, Boden und Grundwasser und kurz- und
langfristige umweltpolitische, wirtschaftliche und sektorale Maßnahmen zur Förderung des Umweltschutzes empfohlen. Die Studie hat wichtige Bedrohungen
für die Umwelt erforscht und einen Aktionsplan entworfen, in dem eine große Bandbreite von Projekten für
das Gastgeberland in Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern beschrieben werden.
Seite 3

�Die Studie ist ein effektives, innovatives Modell der
Kooperation, mit dessen Hilfe Ressourcen besser den
umweltpolitischen Prioritäten zugeordnet werden
können. Tatsächlich freue ich mich berichten zu
können, daß sich Anfang des Monats Vertreter von
Organisationen, die an der ersten Studie beteiligt
waren, in Sofia trafen, um die erste Phase ähnlich
kooperativer Bestrebungen mit der Regierung Bulgariens durchzuführen.

nicht vor Grenzen halt." Ohne die Vergangenheit
vergessen zu wollen, sollten wir in die Zukunft blicken,
um für noch ungeborene Generationen diesen Planeten zu schützen, den wir verwalten, der so abhängig
wie nie vor diesem Jahrhundert von der Pflege des
Menschen ist, eben weil die Menschheit weiterhin von
der Gesundheit der Natur abhängt, die alles Leben
erhält.
Ich danke Ihnen.

Präsident Bush hat erklärt: "Unser gemeinsames
Erbe ist die Erde, und das Schicksal der Erde macht

* * * * *

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AMERIKA DIENST 25

�DAS

MEINUNGSBILD

IN

AMERIKA
26. Juni 1991

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG IN AMERIKA
Umfrage zur Wirtschaft und Politik des Präsidenten
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ergebnisse einiger vom Roper Center for Public Opinion an
der University of Connecticut durchgeführten Meinungsumfragen.

Unsicherheit über wirtschaftliche Perspektiven
Obwohl viele Experten der Meinung sind, die gegenwärtige Rezession in den Vereinigten Staaten habe
ihren Tiefstand erreicht, belegen zwei jüngste landesweite Meinungsumfragen - eine von ABC News mit der
Washington Post durchgeführt, die andere von CBS
News und der New York Times -, daß die Amerikaner
im allgemeinen nicht besonders optimistisch in die
Zukunft blicken.
Auf die Frage von ABC/Post: "Würden Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage als ausgezeichnet, gut, nicht
so gut oder schlecht bezeichnen?" antwortete ein
repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung (alle
Angaben in Prozent):
Ausgezeichnet

1

Gut

22

Nicht so gut

47

Schlecht

30

Weiß nicht/keine Angabe
* = unter 0,5 Prozent
Auf dieselbe Frage, aber mit anderen Antwortmöglichkeiten, erhielt CBS/Times das folgende Ergebnis:
Sehr gut

1

Ziemlich gut

41

Ziemlich schlecht

40

Sehr schlecht

17

Weiß nicht/Keine Angabe

1

AMERIKA DIENST 25

Auf die Frage, ob sich die Wirtschaftslage bessern,
verschlechtern oder ob sie unverändert bleiben würde,
wurden bei einer Meinungsumfrage folgende Antworten gegeben:
Wird besser

20

Wird schlechter

44

Bleibt unverändert

35

Weiß nicht/Keine Angabe

1

Bei einer anderen Umfrage lauteten die Antworten:
Besser

23

Schlechter

29

Unverändert

47

Weiß nicht/Keine Angabe

1

Die Frage, "Wer ist Ihrer Meinung nach für die Wirtschaftslage eher verantwortlich - Bush, die Demokraten im Kongreß oder die Republikaner im Kongreß?"
wurde von den Befragten folgendermaßen beantwortet:
Bush

20

Demokraten im Kongreß

24

Republikaner im Kongreß

23

Keiner

3

Alle zusammen

21

Weiß nicht/Keine Angabe

9

Zweifel über den Kongreß wurde noch bei einer anderen Frage laut: "Sind Sie mit der Art und Weise, wie der

Seite 1

�Kongreß die Wirtschaft lenkt, einverstanden oder nicht
einverstanden?" Die Antworten:
Einverstanden
Nicht einverstanden
Weiß nicht/Keine Angabe
Darüber hinaus zeigten sich die Befragten pessimistisch über den Zustand der US-Regierung. Auf die
Frage: "Wie würden Sie die finanzielle Lage der
Bundesregierung beschreiben - ausgezeichnet, gut,
weniger gut oder schlecht?" wurde folgendermaßen
geantwortet:
Ausgezeichnet
Gut

2

16

Unzufriedenheit mit der Wirtschaft und den Finanzen
der Regierung haben unter Umständen eine der zur
Politik des Präsidenten gesteJIte Frage beeinflu ßt. Die
Befragten wurden aufgefordert, im Hinblick auf die
Präsidentschaftswahl 1992 zu überlegen, ob sie Präsident Bush oder einem potentiellen demokratischen
Kandidaten ihre Stimme geben würden.
George Bush

54

Dem Demokraten

29

Keinem von beiden

4

Weiß nicht/Keine Angabe

13

Schlecht

36

Eine andere Frage zur Politik bat die Befragten, ihre
Eindrücke der 11 potentiellen demokratischen Kandidaten für die Präsidentschftswahl 1992 wiederzugeben. Hier die Ergebnisse:

Weiß nicht/Keine Angabe

2

Douglas Wilder, Gouverneur von Virginia

Weniger gut

Diejenigen, die die finanzielle Lage der Bundesregierung als weniger gut oder schlecht bezeichnet hatten,
wurden gefragt, wer ihrer Meiung nach dafür verantwortlich sei. Hier die Antworten:

Gut

14

Nicht gut

5

Weiß nicht

81

Bush

16

Demokraten im Kongreß

25

Gut

8

Republikaner im Kongreß

22

Nicht gut

6

Keiner

3

Weiß nicht

Alle

26

Weiß nicht/Keine Angabe

8

Diejenigen, die die finanzielle Lage der Bundesregierung als ausgezeichnet oder gut eingestuft hatten,
lobten dafür:
Bush

42

Demokraten im Kongreß

15

Republikaner im Kongreß

20

Keinen
Alle

12

Weiß nicht

11

Demokraten

Paul Tsongas, Politiker aus Massachusetts

86

Jay Rockefeller, Senator aus West Virginia
Gut

35

Nicht gut

14

Weiß nicht

51

Sam Nunn, Senator aus Georgia
Gut

29

Nicht gut

M

Weiß nicht

60

1

In einer der Meinungsumfragen wurde gefragt: "Welcher Partei - Demokraten oder Republikanern - trauen
Sie es eher zu, die wichtigsten Probleme des Landes
in den nächsten Jahren zu lösen?" Die Antworten
lauteten:
37

Republikaner

Bob Kerrey, Senator aus Nebraska
Gut

11

Nicht gut

5

Weiß nicht

§4

Edward Kennedy, Senator aus Massachusetts
Gut

37

Nicht gut

48

Weiß nicht

15

Jesse Jackson, schwarzer Politiker

Keinem von beiden

5
10

Gut

47

Weiß nicht/Keine Angabe

6

Nicht gut

40

Weiß nicht

13

Beiden gleich

Seite 2

Unsicherheit über Namen in der Politik

AMERIKA DIENST 25

�Mario Cuomo, Gouverneur von New York

Albert Gore, Senator aus Tennessee
Gut

29

Gut

28

Nicht gut

9

Nicht gut

21

Weiß nicht

62

Weiß nicht

51

Richard Gephardt, Senator aus Missouri

Lloyd Bentsen, Senator aus Texas

Gut

32

Gut

31

Nicht gut

14

Nicht gut

17

Weiß nicht

54

Weiß nicht

52

*

AMERIKA DIENST 25

* * *

*

Seite 3

�THEMENINDEX
26. Juni 1991

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1991
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1991) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Abrüstung

11

Airbus

7

Amerika heute

13

Amerikanisch-Sowjetische Beziehungen

9

Auslandshilfe

9

Baltikum

4

Bericht zur Lage der Nation

4

Bildungswesen

16,22

Chemieexporte

10

Chemische Waffen

19,20,21

Deutsch-Amerikanische Beziehungen

8

Einwanderung

20

Europa/NATO

6

GATT

13

Golfkrieg

5,6,7,8,9,10

Golfkrise

1,2,3,4, 12, 14,16, 18,20,23

Golfkrise/KSZE

4

Handel

12

Haushalt

5

Hintergrund

17

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�Institutionen in Amerika
KSE

12,22

KSZE

2S

Meinungsbild in Amerika

25

Menschenrechte

9

NATO

21,23

Nach dem Golfkrieg

24

Naher Osten

10,11,14,15,21,22

Neue Weltordnung

15, t 9

Neuer Landwirtschaftsminister

10

Nichtverbreitung

15

Osteuropa

17,20

Osteuropahilfe

11

Parteien in Amerika

18

Sowjetunion

24

Stipendien

16

Terrorismus

18

US-Regierungssystem

16

US-Entwicklungshilfe

1

USA-Deutschland

17

USA-Europa

23,24

Umwelt

8, 20, 25

Weltwirtschaftsgipfel

23,25

Wirtschaft

1,4,7,9,15

Seite 2

AMERIKA DIENST 36

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              <text>&lt;strong&gt;1. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Punkte zum wirtschaftlichen Übergang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker bei der KSZE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsexperten einig über Notwendigkeit durchgreifender sowjetischer Reformen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundartikel zum Weltwirtschaftsgipfel in London&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reilly: Osteuropas Umweltprobleme äußerst dringlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Leiters des US-Umweltamts in Prag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Das Meinungsbild in Amerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die öffentliche Meinung in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfrage zur Wirtschaft und Politik des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1. Halbjahr 1991&lt;/em&gt;</text>
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