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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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24

19. Juni 1991

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USA-EUROPA

DIE EURO-ATLANTISCHE ARCHITEKTUR:
VON WEST BIS OST
Rede von Außenminister Baker
in Berlin

SOWJETUNION

USA UNTERSTUTZEN SOWJETISCHE
REFORMEN POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH
Baker vor Unterausschuß des Senats

NACH DEM GOLFKRIEG

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN
NACH DEM GOLFKRIEG
von Jeffrey Alderman

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN
NACH DEM GOLFKRIEG
Interview mit Richard Wirthlin
AMERIKANISCHE POLITIK NACH DEM
GOLFKRIEG: DIE SICHT DER
DEMOKRATEN
Interview mit Geoffrey Garin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA - E U R O P A
19. Juni 1991

DIE EURO-ATLANTISCHE ARCHITEKTUR:
VON WEST BIS OST
Rede von Außenminister Baker in Berlin
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Au ßenminister Baker beim Aspen-Institut in Berlin
vom 18. Juni 1991 im Wortlaut.

Ich freue mich, wieder in Berlin zu sein. Bei meinem
Besuch im Jahr 1989 war die Mauer gerade zu einem
Tor geworden. Als ich im Jahr 1990 zurückkehrte,
nahm ich an den Verhandlungen zur Überwindung der
Teilung dieser Stadt, dieser Nation, dieses Kontinents
teil. Und heute, im Jahr 1991, habe ich die Ehre, an
einem Treffen in der Hauptstadt des vereinigten Deutschlands teilzunehmen.

stützung, um dauerhafte Demokratien hervorzubringen. Die Perestrojka bedarf unserer Ermutigung, um
weiter in Richtung auf eine freie Gesellschaft und freie
Märkte voranzuschreiten.

So bedeutend diese Fortschritte auch waren: An diesem Ort haben wir noch etwas anderes von dauerhafter Lebensfähigkeit geschaffen. Für Amerikaner ist
Berlin weit mehr als eine Stadt. Berlin ist Geburtsort
eines besonders engen Verhältnisses zwischen Deutschen und Amerikanern. Hier an diesem Ort haben
Deutsche und Amerikaner, die einstmals Gegner waren,
einander beigestanden. An diesem Ort haben wir
gelitten, geteilt und für die Freiheit gestritten.

Präsident Bush hat in Prag über einen "neuen Staatenbund der Freiheit... beruhend auf gemeinsamen Prinzipien ... die unsere gemeinsamen Werte verkörpern"
gesprochen.

Hier begründeten wir die transatlantische Gemeinschaft. Und von hier aus müssen wir sie weiter
ausbauen.
Als ich im Dezember 1989 in Berlin sprach, legte ich
unsere Gedanken über die Architektur eines neuen
Europas und eines neuen Atlantizismus dar. Im Hinblick auf diese Architektur für die Zeit nach dem kalten
Krieg haben wir bemerkenswerte Fortschritte erzielt.
Doch unsere Vision muß darüber hinausgehen.
Wir müssen beginnen, die transatlantische Gemeinschaft auf Mittel- und Osteuropa und die Sowjetunion
auszudehnen. Dies sind noch unvollständige Teile
unserer Architektur. Die Revolutionen der Freiheit in
Mittel- und Osteuropa erfordern unsere weitere Unter-

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Unser Ziel ist ein ungeteiltes und freies Europa sowie
eine Euro-Atlantische Gemeinschaft, die von Vancouver bis Wladiwostok reicht.

Hier, in den östlichen Ländern Deutschlands, beginnen wir, diese umfassendere Euro-Atlantische Gemeinschaft aufzubauen.
Das Engagement der Vereinigten Staaten für die
Vereinigung Deutschlands endete nicht mit der Ratifizierung des Zwei-plus-Vier-Vertrags. Aus diesem
Grund wollte ich heute selbst einigen Menschen in
Ostdeutschland zuhören und ihre Heimat mit eigenen
Augen sehen. Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten ein umfassendes Programm eingeleitet,
um allen Deutschen die Hand zu reichen.
Ich zweifle nicht daran, daß dieser Teil Deutschlands
in nicht allzu ferner Zukunft eines der wirtschaftlichen
Zugpferde Europas sein wird. An diesem Tag, so
glaube ich, werden Amerikaner und Deutsche gemeinsam an diesem Werk beteiligt sein.
Wir können uns jedoch nicht mit der Integration des
ganzen Deutschlands begnügen.

Seite 1

�Die Atlantische Gemeinschaft: Eine Wertegemeinschaft

Auflösung und Evolution des europäischen Nationalstaats

Für mich verkörpert das transatlantische Verhältnis
bestimmte allgemeingültige Ideale der Aufklärung. Diese
Werte gründen sich auf das Konzept der politischen
Rechte und wirtschaftlichen Freiheiten des einzelnen,
die in den europäischen Ideen des 17. und 18. Jahrhunderts wurzeln und zum ersten Mal in der neuen
amerikanischen Nation auf fruchtbaren Boden fielen.

Das vielleicht augenfälligste Phänomen in ganz Europa ist heute die Hand in Hand gehende Auflösung und
Evolution des Nationalstaats. Obwohl der Nationalstaat bei weitem die wichtigste politische Einheit bleibt,
wird seine politische Rolle zunehmend von supranationalen und subnationalen Einheiten ersetzt. Mit anderen Worten: Einige Funktionen des Nationalstaats
werden "nach oben" delegiert und andere "nach unten".

Obwohl diese Werte ursprünglich mit Westeuropa und
den Vereinigten Staaten in Verbindung gebracht wurden, überschreiten sie nationale Grenzen. Diese
Ideale stehen in krassem Gegensatz zu einigen im
ausgehenden 19. Jahrhundert vertretenen Auffassungen über die wahren Qualitäten von Gesellschaften
und Völkern auf der Grundlage von Geschichte und
Erbgut, die angeblich ihren höchsten Ausdruck im
Staat finden konnten.
Es mag eine Ironie sein, daß der engstirnige europäische Nationalismus des 19. Jahrhunderts einer völlig
anderen, rationalistischen und universalistischen Ideologie weichen sollte, die ebenfalls nationale Grenzen
mißachtete: dem Marxismus. In der Sowjetunion
vermischten die Bolschewiki diese Ideologie mit einer
slawophilen Bewegung, die selbst eine Reaktion auf
angeblich fremde westliche Werte darstellte. Stalin
zwang halb Europa diese Ideologie auf. Heute sind
ihre Mißerfolge und ihr Zerstörungswerk jedermann
offensichtlich.
Als die Fesseln dieser gescheiterten Ideologie beseitigt oder zerschnitten waren-in Mittel- und Osteuropa,
der Sowjetunion selbst und in anderen Teilen der Welt
-, kehrten die alten Nationalismen und Animositäten
des 19. Jahrhunderts zurück. Diese Kräfte überschatten die neuen Demokratien, insbesondere diejenigen,
die danach trachten, in Vielvölkerstaaten Wurzeln zu
schlagen. Sie bringen Besorgnis über politische, wirtschaftliche und militärische Sicherheit zum Vorschein.
Sie riskieren neue Spaltungen in Europa.
Wir müssen diesen Völkern, die neue Werte wiederentdecken, auf denen sie pluralistische, demokratische und marktwirtschaftlich orientierte Gesellschaften aufbauen können, eine Inspiration oder sogar ein
Ziel anbieten. Wir müssen ihren Platz in der neuen
Architektur definieren.
Unsere Architektur muß das seit langem bestehende,
im Harmel-Bericht von 1967 niedergelegte Ziel der
NATO - die Schaffung "einer gerechten und dauerhaften Friedensordnung in Europa" - verwirklichen. Um
dies zu leisten, müssen unsere Strukturen euro-atlantische politische und wirtschaftliche Werte sowie die
Ideale der Aufklärung fördern. Sie müssen die Komponenten eines ungeteilten und freien Europas festlegen.
Darüber hinaus müssen wir zeigen, wie die Integration
die neuen, aus alten Feindschaften herrührenden
Gefahren bewältigen kann.
Seite 2

In Westeuropa war dieser evolutionäre Prozeß eindrucksvoll. In den vergangenen vierzig Jahren haben
die Westeuropäer immer mehr Funktionen von der
nationalen auf die supranationale Ebene verlagert. Die
Europäische Gemeinschaft hat die historisch intensivste und umfassendste freiwillige Evolution der Regierungsgewalt über die nationale Ebene hinaus verwirklicht. Das Atlantische Bündnis hat seinerseits die
vielleicht grundlegendste zwischenstaatliche Zusammenarbeit zustande gebracht, denn es ist die NATO,
der Europäer wie Nordamerikaner nicht nur ihren
Wohlstand, sondern ihre persönliche und nationale
Existenz anvertraut haben.
In Westeuropa wurde die Evolution von der Auflösung
der Macht von Staats- und Gemeindeverwaltungen
zugunsten bisweilen grenzüberschreitender Regtonen
und des Privatsektors begleitet.
Dagegen ist die Auflösung staatlicher Macht in Mittelund Osteuropa ein wesentlich augenfälligeres Phänomen. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus
trat die Volkszugehörigkeit erneut als mächtige politische Kraft auf, die neue Trennungslinien zwischen
Ländern und - was noch akuter ist - innerhalb von
Vielvölkerstaaten aufzuwerfen droht.
Aber sogar im Osten findet gleichzeitig ein Prozeß der
Evolution statt. Wir erleben die Anfänge eines Europas der Regionen, die einander sehr gut überschneiden können. Die Zusammenarbeit zwischen Polen,
Ungarn und der Tschechoslowakei, die Pentagonale
sowie die Sondierungen im Hinblick auf eine Zusammenarbeit der Ostseestaaten sowie der Länder am
Schwarzen Meer sind Beispiele frühzeitiger Bemühungen. Auch das Neun-plus-Eins-Abkommen in der
Sowjetunion ist ein erster Schritt, um die Legitimität
des multinationalen Staats auf der Grundlage des
freiwilligen Zusammenschlusses der einzelnen Teile
wiederherzustellen. Ferner ist das Interesse dieser
Staaten an einem Beitritt zu westlichem Institutionen
wie IWF, EG und OECD ebenfalls ein Beweis dieser
evolutionären Tendenz.
Evolution und Auflösung sind keine Alternativen sondern einander ergänzende und in der Tat von einander
abhängige Entwicklungen. Der Aufbau einer EuroAtlantischen Gemeinschaft kann nur dann auf demo-

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�kratischer Grundlage verwirklicht werden, wenn die
Basis an diesem Prozeß beteiligt wird. Aus diesem
Grund haben sich die Architekten des vereinten Europas das Prinzip der "Subsidiarität", in etwa vergleichbar mit dem amerikanischen "Federalism" - also der
Abtretung von Verantwortung auf die unterste Stufe
der Regierung, die in der Lage ist, diese Verantwortung
effektiv auszufüllen - zu eigen gemacht. Andererseits
wird der Prozeß der Auflösung von Macht im Osten zu
Zersplitterung und Konflikten führen und letztlich die
Demokratie bedrohen, wenn sie nicht mit der freiwilligen Delegierung von Macht auf nationale und sogar
supranationale Ebenen einhergeht - in solch grundsätzlichen Bereichen wie Verteidigung, Handel, Währung und Schutz grundlegender Menschenrechte,
insbesondere der von Minderheiten.
Die Vereinigten Staaten sind eine Nation der Ideen,
nicht der Abstammung, Herkunft oder Konfessionen.
Die Amerikaner wissen, daß viele Ebenen der Regierung effektiv koexistieren und kooperieren können und
deshalb der Aufbau einer starken Nation aus der
Vielfalt heraus möglich ist. In der gesamten EuroAtlantischen Gemeinschaft und tatsächlich auf der
ganzen Welt muß die grundlegende Aufgabe der
Demokratie ethnische Bande auf der Basis gemeinsamer - und viel stärker noch universeller Werte - umfassen und repräsentieren, aber auch überwinden.
Die Integration Westeuropas innerhalb der EG und der
NATO hat in der Tat all die alten territorialen Streitigkeiten, Gebietsansprüche und Minderheitenprobleme unter
den und innerhalb der Mitgliedstaaten überwunden.
Mit der euro-atlantischen Integration ist es wirklich
unvorstellbar geworden, daß regionale Streitigkeiten
eine Quelle ernsthafter Konflikte zwischen diesen
Ländern werden könnten. Die Anreize für eine Zusammenarbeit in diesem multi- und supranationalen Rahmen sind im Vergleich zu den noch verbleibenden
strittigen Bereichen unvergleichlich hoch. Wenn wir
vergleichbare Maßgaben für Frieden und Stabilität in
ganz Europa erreichen wollen, sollten vergleichbare
Strukturen eingeführt werden, um unter diesen Ländern eine Interdependenz zu gestalten und zu entwickeln.
Insgesamt müssen in Ost und West die Prozesse der
Entwicklung und Auflösung in einem konstruktiven
Gleichgewicht gehalten werden. Nur wenn in beide
Richtungen ausgewogene Fortschritte erzielt werden,
kann der einzelne eine Stimme bei der Führung einer
noch stärker voneinander abhängigen Welt bekommen.
Ich möchte mich nun den wesentlichen Strukturen
dieser Architektur zuwenden - NATO, EG und KSZE.
Ich möchte untersuchen, wie sie sich seit Dezember
1989 entwickelt haben und erörtern, wie sie zu einer
euro-atlantischen Architektur beitragen können, die
sich von Nordamerika über Europa bis zur Sowjetunion erstreckt.

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Die neuen Aufgaben der NATO
Bis jetzt hat die Anpassungsfähigkeit der NATO ihre
Lebensfähigkeit bewiesen. Sie ist in der Tat sowohl ein
solider Eckpfeiler als auch Initiator kooperativer Strukturen für ein ungeteiltes und freies Europa.
Zuerst hat unsere Erklärung vom Londoner Gipfel der
friedlichen Vereinigung eines demokratischen Deutschlands den Weg bereitet.
Dann hat unsere gemeinsame Entschlossenheit bei
den KSE-Verhandlungen zu einem bahnbrechenden
Abkommen geführt, das die militärische Landkarte
Europas neu gestalten wird. In den vergangenen zwei
Wochen haben die Au ßenminister des Bündnisses die
wichtigsten Sicherheitsfunktionen der NATO im neuen
Europa vereinbart. Wir sind übereingekommen, daß
dieses Bündnis eine der unabdingbaren Grundlagen
für ein stabiles Sicherheitsumfeld in Europa liefert. Es
dient als transatlantisches Forum für Konsultationen
und Zusammenarbeit der Verbündeten in Bereichen,
die allen ein Anliegen sind. Es leistet Abschreckung
und Verteidigung gegen jede Bedrohung durch eine
Aggression gegen das Territorium eines jeden Mitgliedstaats. Und es erhält das strategische Gleichgewicht innerhalb Europas.
Darüber hinaus haben wir vereinbart, daß die Entwicklung einer europäischen Sicherheitsidentität das Bündnis weiter stärken und seine Fähigkeiten zur Erfüllung
dieser Aufgaben in Zukunft verbessern würde. Gleichzeitig würde es eine noch herausragendere Rolle
Europas in diesem Prozeß fördern. Die Vereinigten
Staaten fordern, daß unsere europäischen Verbündeten bei der Entwicklung dieser Identiät unterstützt
werden und wir mit ihnen zusammenarbeiten, um die
Kooperation zwischen europäischen und atlantischen
Institutionen im Bereich der Verteidigung und Sicherheit zu fördern.
Das neue Programm des Bündnisses, insbesondere
seine politische Rolle, zeigt sich auch in unseren
Plänen zum Aufbau von Partnerschaften mit Ländern
Mittel- und Osteuropas und der Sowjetunion. Wir
haben Initiativen vorgeschlagen, mit denen Kontakte
unter hochrangigen Sicherheitsbeamten, Militärbehörden, Parlamentariern, Führungskräften, Wissenschaftlern und Umweltexperten intensiviert werden sollen.
Die neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas engagieren sich bereits für unsere gemeinsamen Werte jetzt müssen wir uns auf die praktische Seite der
Beziehungen konzentrieren, um sie zu fördern und zu
sichern.
Diese Kontakte des Bündnisses sind auch so angelegt, da ß sie die Sowjetunion in die neue Architektur mit
einbeziehen. Wenn Reformen in einer zunehmend
pluralistischen Sowjetunion Erfolg haben sollen, müssen wir Kontakte zum sowjetischen militärisch-industriellen Komplex und zu Reformern knüpfen. Wir
Seite 3

�wollen sie über die NATO-Strategie, ihre Doktrin und
ihren defensiven Charakter informieren. Sie können
unter Umständen von unseren Erfahrungen mit Beziehungen zwischen zivilem und militärischem Bereich
profitieren. Darüber hinaus wollen wir Bestrebungen
unterstützen, Rüstungsindustrien in zivile Produktionsstätten umzuwandeln, zum Wohle der dort beschäftigten Männer und Frauen.
Die Europäische Gemeinschaft - Kontinuierliche
Integration und Unterstützung für ein Programm
im Osten
Aufgrund der erfolgreichen Integration der Europäischen Gemeinschaft können ihre Mitgliedstaaten von
der gemeinsamen Politik profitieren, ihre unterschiedlichen nationalen Attribute beibehalten und die Autorität Kommunalregierungen übertragen, die dem Volk
näherstehen. Die Gemeinschaft befindet sich gegenwärtig mitten in zwei regierungsübergreifenden Konferenzen, die ihre politische und wirtschaftliche Integration vertiefen wird. 1989 habe ich bereits in Berlin
erklärt, daß dieses Ziel in den Vereinigten Staaten
schon von Marshall und Acheson unterstützt wurde.
Und wir unterstützen es auch heute.
Natürlich tun wir das in der Erwartung, daß eine
europäische Union einen Platz als verantwortungsbewu ßter Führer einnehmen wird, der zur Stärkung einer
Struktur globaler und kontinentaler Interdependenz
beiträgt. Unser Staatenbund der Freiheit muß sich
weiter ausbreiten - nach Japan und Asien, Lateinamerika und Afrika.
Es ist dieser globale Kontext, der dem energischen
Einsatz der EG für eine erfolgreiche Uruguay-Runde
hohen Stellenwert verschafft. Leider gibt die Agrarpolitik der EG Anlaß zur Besorgnis. Obwohl wir die
wichtige Rolle anerkennen, die die Gemeinsame Agrarpolitik für die Integration Europas spielt, hoffen wir, die
Europäer erkennen jetzt, daß deren Fortsetzung in
ihrer gegenwärtigen Form den Entwicklungsländern
und dem GATT-System Schaden zufügt. Es wäre
tragisch, wenn die Gemeinschaft genau in dem Jahr,
in dem bei der europäischen Integration neue Wege
beschritten wurden, das Signal einer isolierten Stellung in der Welt aussenden würde.
Die Stärke der Euro-Atlantischen Gemeinschaft hängt
von der Zusammenarbeit in der Gemeinschaft und
davon ab, daß die Vereinigten Staaten mit der europäischen Integration und der Entwicklung von Institutionen Schritt halten. Unsere im letzten Jahr abgeschlossene US-EG-Erklärung ist das Zeichen für einen ersten Schritt auf diesem Weg. Unter Luxemburgs
starker Führung haben sich unsere Kontakte mit dem
Ratspräsidenten und der Troika schnell und fruchtbar
entwickelt. In ähnlicher Weise knüpfen wir neue
Kontakte mit der Kommission in Bereichen wie Energie, Wettbewerbspolitik und Privatsphäre.

Seite 4

Ich hege die Hoffnung, daß die Gemeinschaft mit den
Entscheidungen für ihre eigene Zukunft weiterhin die
Möglichkeiten für eine effektive Interaktion mit den
Vereinigten Staaten und anderen in Form einer Partnerschaft in der Welt entwickeln wird. Die erfolgreiche
Schaffung einer geschlossenen internen Struktur für
die Gemeinschaft sollte auch ihre Fähigkeit zu effektiven auswärtigen Beziehungen und Verpflichtungen
stärken.
In naher Zukunft besteht die vielleicht größte Herausforderung für die EG in ihrer Hinwendung zum Osten.
Der politische und wirtschaftliche Erfolg der EG war
bereits ein Magnet, der die Länder Osteuropas zu
Demokratie und Marktwirtschaft gezogen hat.
Die Kommission hat diese Bitte durch ihre Koordination bei der Arbeit der Gruppe der 24 für die neuen
marktwirtschaftlich orientierten Demokratien Mittel- und
Osteuropas ergänzt. Wir hoffen, daß dies der erste
von vielen Schritten ist, mit denen die wirtschaftlichen
Hindernisse für diese Länder in Europa ausgeräumt
werden. Die Absicht der Gemeinschaft zur Aushandlung erweiterter Beitrittsverträge im Einklang mit dem
GATT ist eine weitere Phase.
Es leuchtet ein, daß die neuen marktorientierten
Demokratien keine ausländischen Investitionen anziehen, keine Privatisierung vornehmen oder wettbewerbsfähige Unternehmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze gründen können, wenn sie nicht die Möglichkeit des fairen Wettbewerbs um Märkte haben.
Ich bin optimistisch, daß die Europäische Gemeinschaft diese Herausforderung der Ausweitung der
Euro-Atlantischen Gemeinschaft nach Osten annimmt.
Durch Vorbild, Fördermaßnahmen, Beitritte, Verbindungen zu anderen regionalen Gruppen oder sogar wenn die Europäer dies eines Tages entscheiden durch weitere Integration, kann die EG diesen marktwirtschaftlich orientierten Demokratien eine Heimat in
unserer größeren Gemeinschaft gemeinsamer Werte
bieten.
Die KSZE: Ein umfassender Rahmen für den
Aufbau einer Euro-Atlantischen Gemeinschaft
Die in Helsinki ins Leben gerufene KSZE bleibt die
Gruppe, die alle Länder Europas und Nordamerikas
auf der Basis eines gemeinsamen Engagements für
Menschenrechte und demokratische Grundsätze vereint. Diese Rechte und Prinzipien bilden das Fundament für eine Euro-Atlantische Gemeinschaft, die sich
bereits von Berlin nach Osten erstreckt.
Wir müssen eine praktische Erfolgsbilanz für die KSZE
schaffen, mit einander ergänzenden Fähigkeiten in
allen drei Körben und damit den Reformprozeß unterstützen, mit dessen Hilfe die KSZE eine echte Wertegemeinschaft werden kann.

AMERIKA DIENST 24

�Morgen werden sich die Außenminister der KSZE zum
ersten Mal als Ministerrat treffen, wie er in der Charta
von Paris eingeführt wurde. Ich hoffe, daß meine
Kollegen und ich in den nächsten zwei Tagen in der
Lage sein werden, weitere Schritte zu unternehmen,
um die KSZE gemäß den von Außenminister Genscher und mir im Mai unterbreiteten Vorschlägen zu
bereichern. Wir sollten ein Verfahren einführen, um
Notstandssitzungen von KSZE-Vertretern unterhalb
der Minister abzuhalten. Wir können das Konfiktverhütungszentrum fördern. Und ich hoffe, wir können
darüber hinaus Verfahren entwickeln, mit denen Minister die Einführung von Untersuchungskommissionen
anordnen können.
Wir müssen auch andere Ideen in Erwägung ziehen.
Außenminister Bessmertnych hat einen Vorschlag für
eine ständige KSZE-Menschenrechtskommission unterbreitet. Dies verdient ernsthafte Beachtung. Es
könnte durch die Hinzufügung von Untersuchungskommissionen als fünftem Schritt im Mechanismus
der Menschlichen Dimension ergänzt werden.
Ich schlage vor, wir erwägen die Einberufung eines
KSZE-Sondertreffens zur Unterstützung der freien
Medien. Wir könnten auch das Mandat des Büros für
Freie Wahlen auf ein Büro Demokratischer Institutionen erweitem, so daß der Wahltag nur einer von 364
Tagen im Jahr ist, an denen Freiheit gilt.
Im wirtschaftlichen Bereich schlage ich die Schaffung
neuer KSZE-Handelskammern in den Ländern auf
dem Weg zur Marktwirtschaft vor, um die Interessen
der Privatindustrie zu organisieren und artikulieren.
Darüber hinaus könnten wir ein Seminar über die
sozialen und finanziellen Auswirkungen der Umrüstung von militärischem Gerät und Haushaltsengpässe veranstalten.
Die KSZE ist auch das geeignete Forum, um die
Probleme der Migration in Europa anzusprechen. Auf
einem Expertentreffen könnten humanitäre Prinzipien
zur Bewältigung der massiven Immigration und Flüchtlingsströme in den KSZE-Ländern sowie kooperative
Vereinbarungen zur Ursachenforschung solcher Völkerwanderungen entwickelt werden.
Mit anderen Worten, aus meiner Sicht wird die KSZE
eine Tagesordnung erarbeiten, die dem Gedankenaustausch und der Zusammenarbeit bei Problemen
von gemeinsamem Interesse förderlich ist. Dies ist die
Voraussetzung für bessere Integration.
Darüber hinaus ist es von Bedeutung, die KSZE als
Rahmen und nicht als zentralistisches Gremium für
das euro-atlantische Programm zu sehen. Wenn wir
die euro-atlantische Architektur nach Osten ausdehnen, müssen wir bei der Anwendung vielfältiger Methoden und Institutionen - einschließlich NATO, EG, OECD,
Europarat und anderen - kreativ vorgehen, um die
gemeinsamen Belange anzusprechen.

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Zum Beispiel das Thema Sicherheit. Wir haben in der
Tat Vereinbarungen für die gemeinsame Sicherheit
entwickelt, um den Bedürfnissen der aufstrebenden
Demokratien Rechnung zu tragen und eine reformierte
Sowjetunion einzubeziehen.
Erstens wird die KSE zur Schaffung der sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Bedingungen beitragen,
die Konflikte entschärfen könnten. Die KSZE wird
ferner Warnsysteme für potentielle Gefahren, Mechanismen für deren Abschwächung sowie Wege zur
Einbeziehung anderer bei ihrer Lösung erarbeiten. Auf
diese Weise würde die Struktur dazu beitragen, die
Bedingungen und die Neigung zu Eskalation zu verhindern, die Europa im August 1914 charakterisierten.
Zweitens könnte die NATO eine ergänzende Rolle
spielen. Ein starkes Verteidigungsbündnis gestattet
niedrigere Streitkräfteniveaus und bietet die Grundlage für Stabilität in ganz Europa. Die von der NATO
verfolgten Rüstungskontrollprogramme werden diese
Sicherheit erhöhen. Die Verbindungsstäbe der NATO
werden die friedlichen Absichten des Bündnisses
übermitteln, Beziehungen zwischen zivilen und militärischen Einrichtungen fördern und zu einem Klima
beitragen, das Einschüchterung und Aggression nicht
zuläßt.
Drittens schaffen die integrierenden Institutionen der
Euro-Atlantischen Gemeinschaft wie EG, Europarat
und OECD ein Netz politischer und wirtschaftlicher
Unterstützung. Diese Unterstützung wird die neuen
Marktwirtschaften im Inland stärken und einer möglichen Bedrohung signalisieren, daß diese Nationen
Teil einer größeren Gemeinschaft sind, die Interesse
an ihrem Erfolg haben.
Schließlich ist es auch unabdingbar, die zukünftige
sicherheitspolitische Tagesordnung in Europa zu erarbeiten, um den sich wandelnden Herausforderungen
Rechnung zu tragen, einschließlich der besonderen
Bedürfnisse des Ostens. Es ist an der Zeit, neue Ziele
zu setzen, die über das Konzept des Gleichgewichts
hinausgehen, und damit zu beginnen, die Grundlage
für wirklich kooperative Sicherheit zu schaffen. Zu
diesem Zweck schlage ich eine dreistufige Tagesordnung für zukünftige KSZE-Aktivitäten bei der Rüstungskontrolle und im Sicherheitsbereich vor.
Erstens müssen wir Offenheit und Transparenz bei
unseren militärischen Angelegenheiten institutionell
verankern. Wir sollten unsere Bestrebungen zur Erlangung eines Vertrags über Offene Himmel verstärken und einen regelmäßigen Dialog über Streitkräfte,
Etats, Verteidigungspläne und Doktrinen in die Wege
leiten.
Um die mögliche Umstrukturierung der Streitkräfte in
der Region vom Atlantik bis zum Ural anzusprechen,
sollten wir Maßnahmen in Erwägung ziehen, die frühzeitige und eindeutige Anzeichen für Umgestaltungs-

Seite 5

�bestrebungen liefern - nicht nur, um Überraschungen
zu vermeiden, sondern auch, um solche Ansätze zu
vereiteln.
Der zweite Teil unserer Tagesordnung befaßt sich mit
Konfliktverhütung. Meilensteine wie der KSE-Vertrag
und das VSBM-Abkommen werden die Bedrohung
eines massiven Kriegs mit kurzer Vorwarnzeit in Europa vollständig beseitigen. Wir müssen jedoch auch
geringfügigere lokale Probleme im KSZE-Gebiet ansprechen, die möglicherweise zu Konflikten zwischen
den KSZE-Mitgliedstaaten führen könnten.
Dies könnte neue Maßnahmen zur Bewältigung einiger sicherheitspolitischer Sorgen bestimmter Regionen umfassen. Es könnte neue Maßnahmen zur
Lösung der Probleme auf dem Balkan oder anderen
Gebieten beinhalten, in denen die Stabilität auf dem
Spiel stehen könnte. Einige dieser Maßnahmen könnten den Rüstungskontroll- und vertrauensbildenden
Maßnahmen entsprechen. Sie könnten auch einen
umfassenderen politischen Ansatz beinhalten, wie etwa
den unmittelbar betroffenen Nationen auf deren Bitte
die Untersuchungs-, Schlichtungs- und friedensbewahrenden Fähigkeiten der KSZE zur Verfügung zu
stellen.
Der dritte Punkt ist der Angriff auf die Weiterverbreitung: Beendigung der Verbreitung chemischer, biologischer und atomarer Waffen - und ihrer Trägerraketen
- sowie Zusammenarbeit bei der Entwicklung nationaler Maßnahmen, um Zurückhaltung beim Verkauf
konventioneller Waffen zu üben. Präsident Bush hat
zu konzentrierten weltweiten Bestrebungen zur Bewältigung dieser Herausforderung aufgerufen. Wir in
der KSZE können dazu beitragen, indem wir eine
Partnerschaft der Verantwortung und Zurückhaltung
aufbauen.
Die KSZE-Mitgliedstaaten zählen zu den wichtigsten
Rüstungslieferanten der Welt. Im Gefolge der OstWest-Konfrontation sind einige KSZE-Volkswirtschaften stark vom Export von Rüstungsgütern abhängig
geworden. Dies ist ein Problem, das wir gemeinsam
angehen müssen, um innovative Ansätze zum Problem der Umrüstung der Verteidigungsindustrie zu
erarbeiten.
Mit dem KSE-Vertrag und den in KSEIA ausgehandelten Erklärungen zum Abbau der Personalstärken, KSZE
- einschließlich dieser neuen Tagesordnung für Rüstungskontrolle -, der dauerhaften Tragfähigkeit der
NATO - einschließlich ihrer Verbindungsstäbe -, der
EG und anderen europäischen Institutionen zusammengenommen, schaffen wir die Grundlage für kooperative Sicherheit in Europa.

Seite 6

Ausweitung der transatlantischen Gemeinschaft
auf die Sowjetunion
Unsere größte Herausforderung wird darin bestehen,
die transatlantische Gemeinschaft auf die Sowjetunion
auszuweiten. Während die neue Architektur dieses
Ziel praktisch verwirklichen kann, wird sie, solange die
Sowjetunion außenpolitisch zögert, unvollständig bleiben.
Perestrojka bietet eine Chance für "neues Denken" in
zahlreichen Bereichen - nicht nur der Außenpolitik, in
der wir gemeinsam viel erreicht haben, sondern auch
der Verteidigungspolitik, Wirtschaft, Demokratisierung,
den Beziehungen zwischen zentraler Führung und den
Republiken sowie Menschenrechten.
Die Revolution der Perestrojka hat einen neuen Pluralismusfreigesetzt. Die alten politischen und wirtschaftlichen Strukturen sind zusammengebrochen. Und es
kostet Zeit, auf dem Willen des Volkes neue aufzubauen.
Die Wahlen in Rußland und anderen Gebieten sind ein
guter Anfang. Wir müssen die unterschiedlichen
Gruppen - Reformer und Traditionalisten - unter Berücksichtigung der Tatsache einbeziehen, daß sich
Koalitionen bilden, auseinanderbrechen und neu bilden werden. Die Umgestaltung der Sowjetunion wird
unweigerlich ihre Höhen und Tiefen haben.
Es sollte jedoch unser kontinuierliches Ziel sein, die
von innen kommenden Bestrebungen in der Sowjetunion zu bekräftigen und sogar zu verstärken. Perestrojka ist ein von der Erkenntnis geleitetes sowjetisches Konzept und Ziel, daß der Wandel unabdingbar
ist, um Stagnation und Verschlechterung aufzuheben.
Es liegt im Interesse der sowjetischen Völker, echte
Marktwirtschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
zu verwirklichen. Es liegt in unserem Interesse, sie zu
unterstützen.
In den vergangenen Wochen habe ich von dem politischen, wirtschaftlichen, ethnischen, außen- und verteidigungspolitischen Konzept gesprochen, das es der
Sowjetunion gestatten könnte, die Hoffnungen der
Perestrojka zu erfüllen.

Heute habe ich eine Reihe von Wegen angesprochen,
mit denen die NATO, EG, KSZE und andere euroatlantische Strukturen als Modell für die innenpolitische Reform der Sowjetunion und internationale Zusammenarbeit dienen können.
Ich bin mir jedoch auch der Tatsache bewußt, daß die
Vereinigten Staaten aus historischen Gründen eine
besondere Rolle bei der Unterstützung dieses Umge-

AMERIKA DIENST 24

�staltungsprozesses in der Sowjetunion spielen müssen. Während die Sowjets den Willen zur Selbsthilfe
demonstrieren und Präsident Gorbatschows Aufruf in
Oslo, bei Perestrojka und neuem Denken "auf Kurs zu
bleiben", folgen, können und sollten wir ihnen Schritt
für Schritt zur Seite stehen.

Ich hoffe, Präsident Gorbatschow unternimmt nun
neue Bestrebungen zu ernsthaften marktwirtschaftlichen Reformen, die uns gestatten, Perestrojka - ein
sowjetisches Programm mit sowjetischen Zielen voranzubringen. Die Tür zur Euro-Atlantischen Gemeinschaft steht offen. Aber nur die Sowjets können
die Entscheidung treffen, die Schwelle zu übertreten.

Vergangene Woche habe ich vor dem amerikanischen
Senat erklärt: "Wir sind dabei, ein Paket unterstützen- Die euro-atlantische Perspektive
der Maßnahmen zu entwickeln, die wir mit anderen
Vor fünfzig Jahren wäre es undenkbar gewesen, daß
westlichen Ländern koordinieren möchten."
ein amerikanischer Außenminister in Berlin vor DeutNatürlich steht es dem Präsidenten zu, das vollständi- schen und Amerikanern über die Werte der Euroge Paket bekanntzugeben. Wie wir in den vergange- Atlantischen Gemeinschaft spricht. Vor allem, daß er
nen Wochen jedoch ausgeführt haben, könnten einzel- Gedanken über die Sicherstellung dieser Werte in den
ne Bestandteile eine besondere Verbindung mit IWF neuen marktwirtschaftlichen Demokratien Mittel- und
und Weltbank enthalten, um zur Erarbeitung und Osteuropas umreißen würde, sie auf die in den GeDurchführung ernsthafter Wirtschaftsreformen beizu- burtswehen der Reform liegende Sowjetunion ausdehtragen, ein Projekt zwischen öffentlichem und Privat- nen und diese Werte weltweit propagieren würde.
sektor zu entwickeln, um die Hindernisse für Privatin- Unsere Vorgänger haben jedoch das Unmögliche
vestitionen bei der Energieentwicklung zu beseitigen, möglich gemacht. Nun ist es an unserer Generation,
mit denen Devisen ins Land kommen und das ein davon zu profitieren und dann den Geist der AufkläBeispiel für den erfolgreichen Betrieb dieses Sektors rung aufrechtzuerhalten. Um dies zu verwirklichen,
mit Eigentums- und Vertragsrechten liefert; gemein- müssen wir Idealisten und Realisten sein, ein Ziel
same Bestrebungen zur Belebung des Nahrungsmit- setzen und dann unsere erfolgreiche, funktionstüchtitelvertriebssektors, um baldige Verbesserungen für ge transatlantische Architektur anpassen, um den
die Konsumenten durch die Schaffung von Marktinitia- neuen Herausforderungen der Ära nach dem kalten
tiven herbeizuführen; die Umrüstung des Verteidi- Krieg zu begegnen.
gungssektors zu unterstützen, technische Zusammenarbeit zu verbessern, einschließlich Ausbildung im Es ist äußerst angemessen, daß wir diesen Kurs in
wirtschaftlichen Bereich, offeneren Handel sowie Berlin - der Stadt der Freiheit - entwerfen.
zusätzliche 1,5 Milliarden an Kreditbürgschaften, die
der Präsident vergangene Woche für den Kauf von
Getreide bewilligt hat.

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Seite 7

�SOWJETUNION
19. Juni 1991

USA UNTERSTÜTZEN SOWJETISCHE REFORMEN
POLITISCH UND WIRTSCHAFTLICH
Baker vor Unterausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge "fühlen sich die Vereinigten Staaten nach wie vor
verpflichtet, den Erfolg der wirtschaftlichen und politischen Reformen in der Sowjetunion zu fördern".
"Niemand kann die Zukunft vorhersagen und uns den Erfolg der sowjetischen Reformen garantieren. Unseres
Erachtens ist die Sowjetunion jedoch ein ... Land, das sich zu einer demokratischen und wohlhabenden
Gesellschaft wandeln könnte", erklärte Baker vor dem Unterausschuß des Senats zur Bewilligung der Mittel für
das Handels-, Justiz- und Außenministerium sowie die Gerichte am 12. Juni 1991.
"Wenn die Sowjets sich selbst zu einer neuen Zukunft verhelfen", so Baker, "werden wir ihnen behilflich sein.
Wir sind dabei, ein Paket unterstützender Maßnahmen zu entwickeln, die wir mit anderen westlichen Ländern
koordinieren möchten."
Baker fügte hinzu, er werde bald erneut mit Außenminister Bessmertnych zusammentreffen, um dem Abschluß
des START-Vertrags (den Gesprächen über den Abbau strategischer Rüstungen) "weiteren Auftrieb zu
verleihen". In der vergangenen Woche hatte in Genf ein Treffen zwischen Baker und Bessmertnych
stattgefunden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Eröffnungsansprache in Auszügen.

Es ist mir eine Ehre, diesem Unterausschuß die Vorschläge des Au ßenministeriums für das Haushaltsjahr
1992 unterbreiten zu dürfen. Ich möchte diesem
Unterausschuß meinen Dank für die Bereitstellung
zusätzlicher Mittel für das Außenministerium aussprechen. Es war unabdingbar, sowohl die durch die
Golfkrise entstandenen Kosten abzudecken als auch
die äußerst schwierigen Auswirkungen der Haushaltsengpässe zu überwinden. Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, sind wir für die Bemühungen dieses Unterausschusses dankbar, die Bereitstellung angemessener Mittel zu gewährleisten, um die Interessen der Vereinigten Staaten im Ausland zu vertreten. Mit Ihrer
Erlaubnis bitte ich, meine schriftlichen Ausführungen
ins Protokoll aufzunehmen. Zunächst möchte ich
einige kurze Anmerkungen zu meiner jüngsten Reise
nach Kopenhagen und Genf machen.
Erstens kamen die Außenminister der NATO vergangene Woche in Kopenhagen zusammen, um den
politischen Anpassungsprozeß der NATO voranzubringen, da nun nach dem Londoner Gipfel vom Juli
vergangenen Jahres im November das Gipfeltreffen in

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Rom bevorsteht. In Kopenhagen einigte sich das
Bündnis auf wesentliche Sicherheitsfunktionen, die
seine Arbeit beim Aufbau eines neuen Europas und
eines neuen Atlantizismus' leiten werden. Sie stehen
für unsere Übereinstimmung zu Zweck, Charakter und
grundlegenden Aufgaben der NATO in der Zukunft.
Kurzum, wir erfüllen die Versprechungen der Londoner Erklärung vom vergangenen Juli: die NATO an
neue Realitäten anzupassen, unsere militärische Strategie zu ändern und die politische Rolle der NATO als
Bündnis gemeinsamer Werte zu unterstreichen.
Zweitens haben wir unsere Arbeit in Kopenhagen an
zahlreichen anderen Fronten vorangebracht, einschließlich dem Verhältnis der entstehenden europäischen
Sicherheitsidentität zur NATO. Während wir die Erörterung einer europäischen Sicherheitsidentität in Europa begrüßen, haben wir Fortschritte erzielt, damit
eine solche Sicherheitsidentität die NATO ergänzen
und nicht mit ihr konkurrieren wird.
Darüber hinaus haben wir drittens Fortschritte dabei
gemacht, die Beziehungen des Bündnisses zu unseren ehemaligen Gegnern im Osten zu verbessern.

Seite 1

�Unsere Gespräche über die KSZE werden meines
Erachtens ein produktives KSZE-Ministertreffen nächste Woche in Berlin und ein ungeteiltes und freies
Europa fördern.
Es war mir eine Ehre, daß zahlreiche der von Außenminister Genscher und mir vorgeschlagenen Initiativen bezüglich der NATO-Verbindungsstäbe vom
Bündnis angenommen wurden. Unseres Erachtens
werden die von uns bekanntgegebenen Prinzipien den
Sowjets und den Mittel- und Osteuropäern eindeutig
klarmachen, daß die NATO es ernst damit meint,
unseren ehemaligen Gegnern die Hand zu reichen, um
ein Klima des Vertrauens und der Zusammenarbeit in
ganz Europa aufzubauen.
Darüber hinaus sind wir über die Erklärung des Bündnisses zu Mittel- und Osteuropa sehr erfreut. Während diese neuen Demokratien ihren schwierigen
Übergang zu politischer und wirtschaftlicher Freiheit
fortsetzen, hoffen wir, auch diese Erklärung führt ihnen
vor Augen, daß wir im Westen sie weiterhin unterstützen werden.
Viertens hatte ich bei meinem Treffen mit Außenminister Bessmertnych in Genf einen ausführlichen Gedankenaustausch über die noch ausstehenden Themen bei START. Wir kamen überein, daß die verbleibenden Fragen trotz ihrer Schwierigkeit durch harte
Arbeit beider Seiten gelöst werden können. Wir haben
Experten nach Genf entsandt, um die Arbeit an den
eher technischen Problemen zu beschleunigen, und
es ist wahrscheinlich, daß Außenminister Bessmertnych und ich bald erneut zusammentreffen, um dem
Abschluß eines Vertrags weiteren Auftrieb zu verleihen.
Fünftens, bezüglich der Unterstützung des sowjetischen Reformprozesses habe ich meinen Kollegen in
Kopenhagen - ebenso wie kürzlich mehreren sowjetischen Regierungsvertretern - erklärt, daß aus unserer
Sicht Perestrojka in vielen Bereichen eine Chance für
"neues Denken" bietet. Perestrojka birgt die Chance
für neues Denken nicht nur in der Außen- sondern
auch in der Verteidigungspolitik, der Wirtschaft, Innenpolitik und den Beziehungen der Führung zu den
Republiken. Nachdem er diese Revolution in die Wege
geleitet hat, hoffen wir, daß Präsident Gorbatschow wie er in Oslo erklärt hat - bei der Perestrojka "den Kurs
halten" wird.
Er hat in Oslo jedoch auch erklärt, daß die "Perestrojka
jetzt in ihre dramatischste Phase eingetreten ist".
Heute ist es mehr als je zuvor entscheidend, daß die
sowjetische Führung die Gelegenheit ergreift, um mit
den Traditionen zu brechen, die sich als funktionsuntüchtig erwiesen haben. Sie dürfen diese Chance zu
einem Umbruch nicht verpassen.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich nach wie vor
verpflichtet, den Erfolg der wirtschaftlichen und politischen Reformen in der Sowjetunion zu fördern.

Seite 2

Niemand kann die Zukunft vorhersagen und uns den
Erfolg der sowjetischen Reformen garantieren. Unseres Erachtens ist die Sowjetunion jedoch ein mit Rohstoffen und talentierten Menschen gesegnetes Land,
das sich zu einer demokratischen und wohlhabenden
Gesellschaft wandeln könnte.
Der Impuls zur Umgestaltung der Sowjetunion ist von
den Sowjets ausgegangen. Die Perestrojka ist hausgemacht. Sie wurde von der Erkenntnis geleitet, daß
Wandel in der Sowjetunion zur Abwendung von Verschlechterung und Niedergang unabdingbar ist. In
dieser Hinsicht bezieht sich die Perestrojka - wie
Präsident Gorbatschow ausreichend klargestellt hat auf sehr viel mehr als die Wirtschaft. Sie ist eine
tiefgreifende Revolution - in der Politik, den Beziehungen der Führung zu den Republiken, der Außen- und
Verteidigungspolitik. In diesen Bereichen sollte die
Perestrojka ebenso wie in der Wirtschaft auf dem Weg
grö ßtmöglicher politischer und wirtschaftlicher Freiheit
und internationaler Kooperation fortschreiten.
Um also die sowjetischen Ziele zu erreichen, die
Hoffnungen der Perestrojka zu verwirklichen und das
reiche Potential der Sowjetunion anzuzapfen, liegt es
im sowjetischen Interesse, sich eine echte Marktwirtschaft mit Privateigentum, Anreizen, Gesetzen über
Verträge, Wettbewerb, einer gesunden Währung und
realen Preisen zu eigen zu machen. Es liegt im
sowjetischen Interesse, die Bemühungen zum Aufbau
eines Staates fortzusetzen, der sich auf Rechtsstaatlichkeit gründet und auf freie und faire Wahlen zusteuert. Es liegt im sowjetischen Interesse, durch Dialog
und Verhandlungen den Bestrebungen der baltischen
Staaten auf friedlichem Wege entgegenzukommen
und einen Unionsvertrag zu vollenden, der den Republiken die von ihnen gewünschte Autonomie gewährt.
Es liegt im sowjetischen Interesse, die positive außenpolitische Orientierung fortzusetzen und gleichzeitig
die augenfälligsten Relikte des Zeitalters der Stagnation zu beseitigen, indem die Unterstützung für solche
Regime beendet wird, die sich innenpolitisch der Unterdrückung und außenpolitisch der Subversion verschrieben haben. Und es liegt im sowjetischen Interesse, die Bemühungen zur Umrüstung von Militärgerät
zu beschleunigen und sich gleichzeitig sowohl zur

Offenlegung des Verteidigungshaushalts als auch zur
erheblichen Reduzierung des Anteils der Verteidigungsausgaben am BSP zu verpflichten.
Kurzum: Die Fortsetzung der Perestrojka liegt vor
allem im Interesse der Völker der Sowjetunion. Deshalb müssen die Sowjets selbst den Willen aufbringen,
den Weg zu einer neuen Zukunft zu öffnen. Und sie
müssen beginnen, sich selbst zu helfen.
Wenn sie dies tun, werden wir sie dabei unterstützen.
Wir können als Katalysator für politische und wirtschaftliche Reformen dienen. Wir sind dabei, ein
Paket unterstützender Maßnahmen zu entwickeln,
das wir mit anderen westlichen Regierungen koordinieren möchten.
AMERIKA DIENST 24

�Wir müssen jedoch berücksichtigen, daß diese Veränderungen nur langfristig wirksam werden. In der
Tagespolitik werden unsere Bemühungen höchstwahrscheinlich einen stufenweisen Prozeß hervorbringen mit einem großen Ziel, aber stets mit einem realistischen und praktikablen Ansatz.
Wir wissen um die schwierigen Entscheidungen, die
von den Sowjets zu treffen sind. Vor allem sind wir uns
der Tatsache bewußt, wie schwierig es sein wird, eine
echte Marktwirtschaft einzuführen. Wir haben jedoch
unsererseits nicht vor, untätig zuzuschauen, wenn die
Sowjets diese Fragen politischer und ökonomischer
Legitimität in den Griff bekommen. Die Perestrojka
könnte die wichtigste Revolution dieses Jahrhunderts
werden. Wir alle haben ein grundlegendes Interesse
an ihrem Ergebnis.
In dieser Hinsicht, Herr Vorsitzender, möchte ich betonen, wie wichtig es ist, daß wir das Problem mit unserer
Botschaft in Moskau lösen. Das Feuer hat die schwierige Lage erheblich verschärft. Wir stehen schlicht und
einfach an einem Punkt, an dem es für unsere Leute in
Moskau äußerst schwierig ist, dem von ihnen heute zu
erfüllenden Auftrag gerecht zu werden, ganz zu schweigen von der zusätzlichen Arbeitsbelastung, die wahrscheinlich dann entstehen wird, wenn die Sowjets die
Reformen fortsetzen. Mit der Ernennung eines neuen
Botschafters ist es an der Zeit, dieses Problem zu
lösen und der Botschaft der Vereinigten Staaten in
Moskau den angemessenen Stellenwert für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in unserer Außenpolitik einzuräumen.
Die Administration würde jeden der von Senat und
Repräsentantenhaus verabschiedeten Ansätze "abreißen und neu bauen" oder "Aufstockung" umgehend verwirklichen. Entscheidend ist jedoch,
daß der Kongreß einen Weg findet, um eine Einigung
zwischen Repräsentantenhaus und Senat zu erzielen.
Die Pattsituation bei diesem Problem steht unseren
nationalen Interessen diametral entgegen.
Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, Herr Vorsitzender,
möchte ich noch kurz den Meistbegünstigungsstatus
für China erörtern. Ich möchte dabei eine einfache
Feststellung treffen: wenn wir irgend etwas aus den
vergangenen zwei Jahren gelernt haben, dann dies,
daß ein amerikanisches Engagement für die Förderung demokratischer Werte unerläßlich ist. Wir stimmen natürlich zu, daß China in den Bereichen Menschenrechte, Nichtverbreitung und Handel Verbesserungen durchführen muß - und wir werden die bestehenden Gesetze im Hinblick auf diese Bereiche peinlich genau anwenden. Der Versuch, eine Regierung
durch den Abbruch von Beziehungen mit der Bevölkerung zu isolieren, stellt jedoch eine kontraproduktive
Politik dar, und genau dies würde von chinaspezifischen Bedingungen für den Meistbegünstigungsstatus erreicht werden. Der Meistbegünstigungsstatus ist
ein grundlegendes Element, um die chinesische Gesellschaft weiterhin für den Westen offen zu halten und

AMERIKA DIENST 24

seine Beibehaltung ist der sicherste Weg, um wirtschaftliche Reformen und letztlich das Wachsen
demokratischer Werte in dieser Gesellschaft zu fördern.
Der Haushaltsantrag
Um unserem gesamten Haushaltsantrag für internationale Angelegenheiten im Haushaltsjahr 1992 einen
Rahmen zu geben, möchte ich fünf weitgefaßte politische Ziele ansprechen, die sich auf die von mir im
vergangenen Jahr vor dem Kongreß erörterten fünf
außenpolitischen Herausforderungen gründen.
Erstens die Förderung und Konsolidierung demokratischer Werte, einschließlich freier und fairer Wahlen
und Achtung der Menschenrechte. Wie der Präsident
in seinem Bericht zur Lage der Nation ausführte, war
dieses amerikanische Grundprinzip seit über zwei
Jahrhunderten ein Symbol für die Völker der Welt.
Zweitens die Förderung der freien Marktwirtschaft und
Stärkung der amerikanischen Konkurrenzfähigkeit.
Dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung ist untrennbar
mit dem Streben nach gesunden, wachstumsorientierten Maßnahmen verbunden. Zusammen können beide Elemente die amerikanischen Wirtschaftsinteressen im Ausland fördern.
Drittens die Förderung des Friedens durch Hilfe bei der
Entschärfung regionaler Konflikte, Stärkung der Sicherheit unserer regionalen Partner und Streben nach
Rüstungskontrolle sowie Bemühungen um die Nichtverbreitung.
Viertens der Schutz gegen grenzüberschreitende
Bedrohungen, insbesondere für die Umwelt und durch
Drogen und Terrorismus.
Schließlich die Erfüllung dringender humanitärer Bedürfnisse durch rechtzeitige Entwicklungs-, Nahrungsmittel, Katastrophen- und Flüchtlingshilfe.
Herr Vorsitzender, in Zusammenarbeit mit Ihnen im
Kongreß und unseren Partnern in der Welt streben wir
zur Förderung dieses weltweiten Programms die Nutzung der folgenden fünf Hauptmechanismen an:
Erstens flexiblere und integrierte Behörden für bilaterale Hilfe. In dem von uns kürzlich im Kongreß
eingebrachten Bewilligungsgesetz streben wir eine
flexiblere Struktur für die Verwaltung der Auslandshilfemittel sowie eine bessere Fähigkeit an, Mittel sowohl
innerhalb wie zwischen verschiedenen Einzeletats
umzuschichten, um dringende, unerwartete Bedürfnisse zu erfüllen.
Zweitens die kreativere Anwendung multilateraler
Mechanismen zur Förderung unserer Ziele durch die
internationalen Finanzinstitutionen und die Vereinten
Nationen, deren Mittel in den Verantwortungsbereich
dieses Unterausschusses fallen.
Die Vereinten Nationen haben in der Golfkrise eine
historische Rolle gespielt, die der Vision ihrer Begründer nahekommt. Die 14 Resolutionen des SicherheitsSeite 3

�rats, mit denen die Grundlage für die Beendigung der
Krise geschaffen wurde, verkörpern die Einheit der
internationalen Staatengemeinschaft gegen die Aggression des Irak und verankerten das Prinzip der
kollektiven Sicherheit als Eckstein des Zeitalters nach
dem kalten Krieg.
Gleichzeitig koordinieren die humanitären UN-Organisationen zusammen mit dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz und der Internationalen Organisation für Migration umfassende internationale Bestrebungen, um den Tausenden von Flüchtlingen zu helfen, die die irakische Aggression hervorgebracht hat.
Die Vereinigten Staaten haben ein vitales Interesse an
der Stärkung dieser neubelebten Vereinten Nationen
als einem vollwertigen Partner beim Aufbau einer Welt
nach dem kalten Krieg, in der Frieden, Stabilität und
Wohlstand vorherrschen. In der Tat spielt unser
Antrag bei diesem Unterausschuß eine wichtige Rolle
bei der Verwirklichung dieser Zielsetzung: wir streben
die vollständige Finanzierung aller gegenwärtigen UNAktivitäten an und wollen, daß der Plan des Präsidenten zur Zahlung unserer Rückstände finanziert wird.
Drittens prognostizieren wir größeres Vertrauen auf
kreative Teilung der Verantwortung, wenn wir unsere
Partnerschaften weltweit, insbesondere mit der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedern sowie
mit Japan stärken. Viele Kongreßabgeordnete sind
sich darüber im klaren, daß unsere eigene angespannte Haushaltslage solche Bestrebungen noch wichtiger
werden läßt, um ein gemeinsames Programm mit
Partnern voranzutreiben, die unsere Werte und Interessen teilen.
Keine Maßnahme dokumentiert die kollektive Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft zur Verteidigung des Friedens so anschaulich wie unsere
erfolgreichen Maßnahmen zur Sicherung weltweiter
Unterstützung für die Operationen Wüstenschild und
Wüstensturm und für die Frontstaaten, deren Volkswirtschaften durch die Aggression Saddam Hussein
Rückschläge erlitten haben. Eine starke Führung der
Vereinigten Staaten und gemeinsame Werte und Interessen waren unabdingbar, um die umfassende
weltweite Reaktion zu katalysieren, wie wir sie erfahren haben.
Viertens halten wir den kreativeren Einsatz von Handels- und Investitionsmaßnahmen als Mittel zur Förderung amerikanischer Interessen am Weltwirtschaftswachstum und zur Verbesserung unserer eigenen
wirtschaftlichen Stärke für möglich.
Schließlich sind wir herausgefordert, zur Förderung
unserer Ziele eine aktivere Diplomatie zu verfolgen,
und ich bitte um Ihre Unterstützung für einen Haushalt
des Außenministeriums, der Ressourcen und Flexibilität bietet, um der gro ßen Bandbreite vor uns liegender
diplomatischer Herausforderungen gerecht zu werden.

Seite 4

Meiner Ansicht nach kommt die Golf krise zeitlich sehr
gelegen, um an die Rolle des Außenministeriums an
den "Frontlinien", beim Schutz amerikanischer Bürger
und der Verteidigung amerikanischer Interessen zu
erinnern. Im In- und Ausland haben unsere Mitarbeiter - Diplomaten und Beamte - wertvolle Beiträge
geleistet, um die Politik des Präsidenten durchzuführen. Dazu einige Beispiele:
Die Mitarbeiter unserer Botschaft in Kuwait haben in
den ersten Monaten der irakischen Besetzung dem
kuwaitischen Volk ein Zeichen gesetzt, daß wir die
Vereinnahmung ihres Landes durch einen machthungrigen Nachbarn nicht dulden würden.
Die effektive Führungskraft in Washington, New York
und in unseren ausländischen Vertretungen hat zur
Mobilisierung der internationalen Unterstützung für die
diplomatische Isolierung des Irak und damit zur erfolgreichen Neubelebung der UN-Prinzipien beigetragen.
Unsere Vertretungen im Nahen Osten - viele mit
reduziertem Personal - haben professionell auf die
außergewöhnliche Flut offizieller Besuche vor, während und nach dem Krieg reagiert.
Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, ist die Förderung
von US-Interessen im Ausland eine zunehmend kostspielige Pflicht, umso mehr durch die Anforderungen
an das Außenministerium, seine Arbeit zu erweitern,
um neue politische und wirtschaftlichen Chancen auf
der ganzen Welt ergreifen zu können. Wechselkursschwankungen, höhere Inflationsraten im Ausland und
die kontinuierliche Notwendigkeit zur Verbesserung
der Sicherheit unserer Vertretungen und unserer Mitarbeiter im Ausland tragen noch zur weiteren Verschärfung des Problems bei. Heute sehen wir uns
einer potentiellen und beunruhigenden Schwächung
unserer Infrastruktur bei den auswärtigen Angelegenheiten gegenüber, und dies zu einer Zeit, da wir
aufgefordert sind, uns außergewöhnlichen neuen
Herausforderungen zu stellen.
Internationale Organisationen
Der Präsident hat die Dringlichkeit der Wiederherstellung finanzieller Lebensfähigkeit der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen betont. Nach mehrjährigen Bestrebungen des Kongresses und der Regierung freuen wir uns, eine greifbare
Bewegung bei den Reformen des Haushalts und der
Verwaltung innerhalb der Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen feststellen zu können. Niemand, der die Reaktion des UN-Sicherheitsrats auf die
jüngsten Ereignisse am Persischen Golf beobachtet
hat, könnte die Bedeutung eines amerikanischen Interesses an finanziell gesunden Vereinten Nationen
leugnen.
Wir setzen uns für die vollständige Finanzierung der
amerikanischen Beiträge im Rahmen bestehender
Gesetze ein, und wir wollen unsere Rückstände aus

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�den vergangenen Jahren in den nächsten vier Jahren
abzahlen. Wir danken für die vollständige Finanzierung im Haushaltsjahr 1991, die erste Mittel für den
notwendigen Prozeß der Abzahlung von Rückständen
beinhaltete. Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir
die Ausgabeermächtigung für 750 Millionen Dollar, um
unsere gegenwärtigen Beiträge an internationale
Organisationen zahlen zu können, plus 371 Millionen
Dollar zur Abzahlung der Rückstände, die in den
kommenden vier Jahren gezahlt werden sollen. Für
Maßnahmen zur weltweiten Friedenssicherung fordern wir 69 Millionen Dollar, um unsere finanziellen
Verpflichtungen voll und ganz erfüllen zu können, plus
132 Millionen Dollar für Rückstände, die ebenfalls
innerhalb von vier Jahren gezahlt werden sollen.
Von diesen drei Initiativen abgesehen, werden unsere
wichtigsten Programme Minimalanforderungen gerecht.

Öffentlichkeitsarbeit
Öffentlichkeitsarbeit wird eines unserer wichtigsten
Instrumente sein, wenn wir die weltweite Hinwendung
zu Demokratie und politischem Pluralismus fördern
wollen. Für die wertvolle Arbeit des US-Informationsamtes und die Behörde für den Internationalen Rundfunk beantragen wir aus dem Haushalt für 1992 1,3
Milliarden Dollar, eine geringfügige Erhöhung gegenüber dem Vorjahr. In diesem Rahmen werden neue
Schwerpunkte bei Informations- und Kulturprogrammen in Osteuropa, der Sowjetunion und der islamischen Welt liegen.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen nochmals für diese
Gelegenheit, unseren Finanzierungsvorschlag für das
Außenministerium im Haushaltsjahr 1992 hier erläutern zu dürfen. Wirfreuen uns auf die Zusammenarbeit
mit Ihnen, um zu gewährleisten, daß wir weiterhin über
angemessene Mittel zur Förderung amerikanischer
Interessen im Ausland verfügen.

* *

AMERIKA DIENST 24

*

Seite 5

�NACH

DEM

GOLFKRIEG
19. Juni 1991

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN NACH DEM
GOLFKRIEG
von Jeffrey Alderman
Der folgende Beitrag von Jeffrey Alderman, dem Leiter der Abteilung Meinungsumfragen bei ABC News, ist Teil
einer Serie von mehreren Artikeln. Sie behandeln George Bushs Position als Präsident und die Stärke der beiden
großen Parteien an dieser Wegscheide nach Beendigung des Krieges gegen den Irak und vor der hei ßen Phase
der Wahlkämpfe des Jahres 1992. Der Beitrag ist zuerst in der Ausgabe Mai/Juni 1991 von The Public
Perspective erschienen, einem zweimonatlich erscheinenden Magazin, das vom Roper Center for Public
Opinion Research an der University of Connecticut herausgegeben wird. Nachdruck und Übersetzung mit
Genehmigung.

Hätten die Wahlen des Jahres 1992 im März dieses
Jahres stattgefunden, dann hätte Präsident Bush einen Erdrutschsieg davongetragen, dessen Schwungkraft gro ß genug gewesen wäre, um den Senat zurückzuerobern und die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus deutlich zu schmälern.
Der Grund: Der Krieg hat Bush zu einem der populärsten Präsidenten der neueren Geschichte gemacht.
Seine Zustimmungsquote lag Anfang März höher als
die aller Präsidenten seit Franklin D. Roosevelt. Obwohl
sie inzwischen etwas zurückgegangen ist, bleibt das
Ansehen des Präsidenten außergewöhnlich hoch. Bushs
Popularität hat zudem auf die Republikanische Partei
abgefärbt, die heute zumindest ebenso viele Anhänger
zählt wie die Demokraten. Jüngste Umfragen von
ABC/Washington Post deuten an, daß die Wahlen des
Jahres 1992 sogar einen bedeutenden politischen
Umbruch herbeiführen könnten, wenn Bush und die
Republikaner es schaffen, ihre Gewinne in den nächsten 18 Monaten zu konservieren und in dieser Zeit
glaubwürdige Kandidaten für den Kongreß aufzustellen.
Zum Glück für die Demokraten bedeuten eineinhalb
Jahre in der Politik eine Ewigkeit. Die Rezession,
andere Punkte auf der innenpolitischen Tagesordnung
sowie der Amtsbonus der heutigen Senatoren und
Abgeordneten könnten ihnen noch einen Umschwung
bringen. Die gegenwärtigen Zahlen liegen jedoch für
die Republikaner sehr hoch, und wenn sich die Demokraten lediglich auf zufällige Ereignisse und den Amtsbonus verlassen, um ihre politischen Kastanien aus
AMERIKA DIENST 24

dem Feuer zu holen, könnten sie am 3. November
1992 wesentlich mehr verlieren als die Präsidentschaft.
Sie haben es nicht nur mit einem populären Präsidenten zu tun. Ihnen steht vielmehr ein populärer Präsident gegenüber, dessen Zustimmungsrate einen Trend
zu seiner Partei beschleunigen könnte, der im großen
und ganzen zumindest seit der ersten Amtszeit Ronald
Reagans stetig zugenommen hat. Zur Zeit sehen sich
die Demokraten mit einer Öffentlichkeit konfrontiert,
die nicht nur einen populären republikanischen Präsidenten wiederwählen möchte, sondern auch noch
erwägt, ihm einen republikanischeren Kongreß zur
Seite zu stellen. Und sie erwägt dies sogar mitten in
einer Rezession, in der die Republikaner das Weiße
Haus kontrollieren. Man stelle sich ihre Präferenzen
erst vor, wenn wirtschaftlich bessere Zeiten anbrechen!
Parteienloyalität
Über die durch den Kriegsenthusiasmus begründeten
Beurteilungen des Präsidenten hinaus sehen die Zahlen
für die Republikaner seit langem sehr viel vielversprechender aus. Im Hinblick auf die Partei Präferenz gibt
es in der Tat ebensoviele Republikaner wie Demokraten. Bei einer vom 1. bis 4. März durchgeführten
Umfrage zur Bevorzugung der jeweiligen Partei gaben
31 Prozent der Erwachsenen die Demokraten und 31
Prozent die Republikaner an. Als die 37 Prozent, die
den Begriff "unabhängig" bevorzugten, gefragt wurden, zu welcher Partei sie neigen, wählten 15 Prozent
Seite 1

�die Demokraten, wohingegen sich 17 Prozent für die
Republikaner entschieden. Diese starke Tendenz zu
den Republikanern ist nur zum Teil ein Phänomen des
außerordentlich positiven Abschneidens des Präsidenten bei den Umfragen. Selbst ohne solch hohe
Prozentzahlen zugunsten des Präsidenten hat sich
der durchschnittliche Punktvortefl der Demokraten bei
der Parteiidentifizierung gegenüber den Republikanern in den vergangenen 12 Jahren ständig verringert
- von über 20 Punkten Ende der siebziger Jahre auf
nahezu einen Gleichstand heute. Bevor der Abstieg
begann, konnten die Demokraten bei der Identifizierung mit der Partei praktisch 50 Jahre lang einen
Vorsprung von 15 bis 20 Punkten verzeichnen. Diese
Verlagerung in der Bevölkerung fand ihren Niederschlag bei der Parteiidentifizierung der Wähler in jeder
seit den achtziger Jahren nach Verlassen des Wahllokals durchgeführten Umfrage. Es war weder ein
kontinuierlicher noch jäher Abstieg für die Demokraten. Er war jedoch beachtlich genug, um den Punkt zu
erreichen, an dem die Demokraten nicht länger den
Anspruch erheben können, die Mehrheitspartei zu
sein. Obwohl die Republikaner ihren Anteil bei der
Parteizugehörigkeit in den vergangenen 12 Jahren um
rund 10 Prozentpunkte verbessern konnten, können
auch sie nicht die Mehrheit beanspruchen. Eine von
ABC im Frühjahr durchgeführte Meinungsumfrage
belegte, daß die Zuwächse der Republikaner bei der
Identifizierung zusammen mit Bushs Popularität wieder etwas abnahmen.

Die Demokraten verfügen nur in einem Teil des Landes
- dem Osten, der 20 Prozent des Landes ausmacht über eine knappe Mehrheit. Und der Volkszählung von
1990 zufolge verliert diese Region Wählerstimmen.
Die Republikaner hingegen können 52 Prozent im
Westen auf sich vereinigen -19 Prozent des Landes.
Auch im Mittelwesten, wo 24 Prozent der Bevölkerung
leben, haben sie einen Vorsprung von 49 zu 39 gegenüber den Demokraten.

Liberale

15

Die Demographie von heute

61 Jahre oder älter

12

Die Zahlen im Hinblick auf Identifizierung mit der Partei
in einer politisch detaillierteren Umfrage vom März
zeigen, daß der Großteil der die Demokratische Partei
unterstützenden Gruppen älter, ärmer und weniger
gebildet ist als die meisten Amerikaner. Betrachtet
man die "Neigung" bei der Parteiidentifizerung - einschließlich derjenigen, die sich zunächst als unabhängig bezeichnen, bei einer Folgefrage jedoch angeben,
sie tendierten entweder zu den Demokraten oder Republikanern, so setzt sich die Liste von Gruppen, bei
denen die Mehrheit die Demokraten bevorzugen, folgendermaßen zusammen: Schwarze, Liberale, ältere
Mitbürger, High School-Abbrecher, Gewerkschaftsmitglieder, die Armen und Katholiken. Im Gegensatz
dazu befinden sich auf der Liste zugunsten der Republikaner Weiße, Konservative, Jugendliche, Collegeabsolventen, die Mittelklasse, die Reichen und weiße
Protestanten.

Keine High School-Ausbildung

13

Gewerkschaftsmitglieder

10

Auf den ersten Blick enthalten beide Listen keine
großen Überraschungen. Einige Berechnungen im
Hinblick auf die Auswirkungen des Wahlverhaltens
ergeben jedoch, daß die republikanische Liste entschieden mächtiger istt und zwar, weil die Republikaner mehr große Gruppen als die Demokraten für sieh
gewinnen. Zum Beispiel: 75 Prozent der Schwarzen
bevorzugen die Demokraten, wohingegen nur 51 Prozent

Seite 2

der Weißen für die Republikaner sind. Aber diese
schwarzen Demokraten entsprechen nur 8 Prozent
der Gesamtbevölkerung, während die weißen Republikaner 41 Prozent ausmachen. Tabelle 1 zeigt die
stärksten Gruppen und ihren Anteil an der Bevölkerung. Mit anderen Worten: Die größeren demographischen Gruppen tendieren zu den Republikanern und
die kleineren zu den Demokraten.
Regionale Stärke

Tabelle 1
Gruppen, bei denen sich die absolute Mehrheit (einschließlich Tendenzen) als republikanisch oder demokratisch identifizieren und Anteil an der Bevölkerung
Demokraten
Schwarze

Einkommen unter 12.000 Dollar
Katholiken

8

Prozent

9
15

Tabelle 2
Republikaner
Weiße

41

Konservative

22

18-30 Jahre

14

Collegeabsolventen

21

Mittelschicht

23

Prozent

Einkommen
über 50.000 Dollar

12

Weiße Protestanten

28

Im Süden (wo 37 Prozent der Bevölkerung leben)
haben beide Parteien den gleichen Zulauf - 47 Prozent
bekennen sich zu den Demokraten und 47 Prozent zu

AMERIKA DIENST 24

�den Republikanern. Wenn eine Zahl jemals belegt hat,
daß die alte demokratische Präsidentschaftskoalition
von Nord und Süd tot und begraben ist, dann diese.
Der immense Vorsprung, den die Demokraten im
Laufe der Geschichte im Süden innehatten, existiert
nicht mehr.
Die katholischen Wähler
Einer der wichtigsten Gründe, warum die Demokraten
immer noch einen Vorsprung im Osten haben, besteht
darin, daß weiße Katholiken sich nach wie vor - zum
Teil aufgrund ihrer Familientradition - als Demokraten
betrachten. Aber die Katholiken fühlen sich seit langem bei den Präsidentschaftswahlen zu den Republikanern hingezogen und könnten Ihnen auch im Repräsentantenhaus eine Chance geben.
Die vom 1. bis 4. März von ABC News und der
Washington Post durchgeführte Umfrage zeigte, daß
eine klare Mehrheit aller Katholiken immer noch den
Mitgliedsausweis der Demokraten vorziehen, aber
gespalten waren, welche Partei die Probleme des
Landes oder die Wirtschaft besser in den Griff bekommen kann. Gegenwärtig erklären 70 Prozent aller
Katholiken, sie würden Bush zum Präsidenten wählen.
Noch wichtiger ist vielleicht die Tatsasche, daß sie im
Hinblick auf ihre Wahlentscheidung für das Repräsentantenhaus 1992 in zwei gleich große Lager gespalten
sind. Das bedeutet, die Katholiken als größte und
treueste Wählergruppe der Demokraten - die 3 von 10
Wählern stellt - denken daran, schon an der Basis
abzuspringen.
Andere starke Gruppen bei den Demokraten planen,
1992 Demokraten in das Repräsentantenhaus zu
wählen, aber wie die Übersicht der Wähler bei der
Präsidentschaftswahl 1988 zeigt, stehen sie damit
ziemlich allein da (siehe Tabelle 2). Befragt zu ihrer
Entscheidung bei der Präsidentschaftswahl 1992, stimmen alle Stammwähler der Demokraten - auch die
Schwarzen - für Bush.
Die Stärken der Demokraten
Die Demokraten sind gegenwärtig eine demoralisierte
Gruppe, aber nicht ohne Hoffnung, gegenüber der
"Grand Old Party" wieder an Boden zu gewinnen, und
diese Hoffnung erfordert keine anhaltende, einschnei-

*

AMERIKA DIENST 24

*

dende Rezession (obwohl sie helfen würde). Bei der
Parteidentifizierung liegen Demokraten und Republikaner gleichauf, diese Zahlen variieren jedoch je nach
den Umständen kräftig. Es ist noch zu früh, um zu
erkennen, ob sich die jüngsten Zugewinne der Republikaner als dauerhaft erweisen werden. Und es ist
ganz sicher noch zu früh, um die Verluste der Demokraten im Repräsentantenhaus und Senat oder für
1992 einen Wahlsieg von Präsident Bush vorherzusagen.
Die Öffentlichkeit hat keine klare Vorstellung, wohin
Bush die Nation innenpolitisch führen wird. Nur 22
Prozent aller Amerikaner behaupten, sie wüßten genau, wohin er das Land in den kommenden zwei
Jahren lenken will. 37 Prozent haben "ungefähr eine
Vorstellung" und 40 Prozent "kaum eine Vorstellung".
Vielleicht können die Demokraten der Öffentlichkeit
eine bessere Idee davon vermitteln, wohin das Land
ihrer Meinung nach geführt werden sollte. Es gibt
zahlreiche innenpolitische Probleme au ßer der Rezession, bei denen sie die Regierung herausfordern könnten. Die Öffentlichkeit glaubt, bei einer Reihe von
Themen würden nicht genug Fortschritte erzielt - von
Drogen und Verbrechen bis zu Bildung und Umwelt.
Die Demokratische Partei hat die "Grand Old Party"
erfolgreich als Partei der Reichen und sich selbst als
die Partei der Armen dargestellt. Natürlich sind es die
Menschen in der Mitte, die über die meisten Stimmen
verfügen, aber ein etwas größerer Anteil der Bevölkerung hält die Demokraten für bessere Vertreter der
Mittelschicht als die Republikaner (44 zu 37 Prozent).
Auf die Frage, welche Partei am besten in der Lage sei,
"etwas für die Mittelschicht zu tun", liegen die Demokraten mit 48 zu 34 Prozent der Stimmen klar vorn.
Das ist eine Basis, auf der neue Wähler gewonnen
werden können.
Zum Nachteil gereicht den Demokraten, daß Wähler,
die sich der Mittelschicht zuordnen, bei den Wahlen für
das Repräsentantenhaus mit 54 zu 35 Prozent für die
Republikaner und mit 72 zu 16 Prozent für Bush
stimmen wollen. Wenn die Demokraten weiterhin
zulassen, daß der Präsident und seine Partei das
innenpolitische Programm bestimmen, dann könnte
dies das Ergebnis der nächsten Wahlen werden.

*

*

Seite 3

�NACH

DEM

GOLFKRIEG
19. Juni 1991

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN
NACH DEM GOLFKRIEG
Interview mit Richard Wirthlin
Das folgende Interview mit dem Vorsitzenden der Wirthlin Group und Republikaner Richard Wirthlin ist Teil einer
Serie von mehreren Artikeln über George Bushs Position als Präsident und die Stärke der beiden großen Parteien
an diesem Wendepunkt nach Beendigung des Krieges gegen den Irak und vor der hei ßen Phase der Wahikämpf e
des Jahres 1992.
Der Beitrag ist erstmals unter dem Titel "The Bush Presidency and the Political Parties after the Gulf War" in der
Ausgabe Mai/Juni 1991 der Zeitschrift The Public Perspective erschienen, die alle zwei Monate vom Roper
Center for Public Opinion Research an der University of Connecticut herausgegeben wird. Der Nachdruck erfolgt
mit freundlicher Genehmigung dieser Institution.

Erfolgreiche Kriege treiben die Bewertung des Präsidenten höher als alle anderen Ereignisse. Das gilt
insbesondere, wenn die Öffentlichkeit einen Krieg für
notwendig und erfolgreich erachtet. Solche Kriege
müssen heute 1. gegen einen Feind ausgefochten
werden, der eindeutig internationale Normen und
Maßstäbe verletzt hat, 2. gegen einen Schurken in
Person gekämpft werden - eine Rolle, die Saddam
Hussein sehr gut ausfüllen kann und 3. in einer eindeutigen Lösung des Konflitks münden. All dies wirkte sich
im Golfkonflikt zum Vorteil von Präsident Bush aus.
Die Leiden der Kurden nach dem Krieg haben das
Ansehen von Präsident Bush bei den Amerikanern
nicht geschmälert. Dennoch ist es ziemlich bemerkenswert, daß er so gut bewertet wird, insbesondere,
daß ihm in unserer nationalen Untersuchung vom
März 1991, als die Zustimmung für ihn 82 Prozent
betrug, ganze 56 Prozent der Befragten ihre einhellige
Unterstützung für sein Vorgehen aussprachen. Das ist
tatsächlich eine sehr große Zahl.
Frage: Wie verhalten sich die 56 Prozent der Befürworter zu den besten Ergebnissen für Ronald Reagan?
Antwort: Zwei von Reagans besten Ergebnissen
zeigten sich in unseren Untersuchungen im November
1985 mit 75 Prozent und im April 1986 mit ebenfalls 75
Prozent. Ich erinnere mich, daß unmittelbar nach dem
Genfer Gipfeltreffen bei unseren Folgeuntersuchungen noch eine höhere Zahl erreicht wurde. Zu diesem

AMERIKA DIENST 24

Zeitpunkt waren jedoch nur 40 bis 42 Prozent starke
Befürworter. Damit ist Bush mit seinen 56 Prozent
ungewöhnlich stark. Die Frage lautet jedoch nach wie
vor: "Wie fest ist Bushs gegenwärtige Position?"
Bewertungen von 70 Prozent und mehr sind "stratosphärisch" - es ist auch für eine populären Präsidenten
schwierig, in dieser Höhe noch Sauerstoff zu atmen.
Wenn der Präsident als wichtiger Motor positiver Veränderungen betrachtet wird, wenn er Veränderungen
auf eine Weise zu kontrollieren scheint, die mit den
Erwartungen und Werten der Amerikaner im Einklang
steht, dann gehen seine Bewertungen steil nach oben.
Aber wie alle Sterblichen bewirken Präsidenten nicht
nur positive Veränderungen: manchmal fallen sie
selbst Veränderungen zum Opfer. Wenn Sie sich zum
Beispiel Roosevelts Beliebtheit Mitte der vierziger Jahre
vor Augen führen, so verlor er zwischen Mai und
September 18 Prozent auf seiner Beliebtheitsskala.
Obwohl während des Krieges nicht viele Meinungsumfragen veröffentlicht wurden, sank seine Beliebtheit
von Anfang bis Ende des Jahres 1942 um 15 bis 16
Prozentpunkte. Ein anderer beliebter Präsident, Dwight
Eisenhower, unterlag Ereignissen, die er nicht kontrollieren konnte. Seine Beliebtheitsrate lag Ende des
Jahres 1956 bei ewa 78 Prozent. Dann wurde er in den
Kampf um den Haushalt verwickelt, schickte Truppen
nach Little Rock und sein Stern sank - seine Beliebtheitsskala erholte sich nicht, bis er Marineinfanteristen
in den Libanon entsandte. Sie sank wiederum Ende
des Jahres 1959 und Anfang des Jahres 1960, nach
Seite 1

�dem Zwischenfall mit der U-2 und der Absage einer
Japanreise. Von allen Präsidenten seit Roosevelt sind
Eisenhowers Beurteilungen möglicherweise die stabilsten - dennoch sank seine Beliebtheit von Ende des
Jahres 1959 bis Mitte 1960 von 75 auf 50 Prozent.
Dies zeigt, daß kein Präsident seine Beliebtheit als
"sichere Bank" verbuchen kann.
Ich muß jedoch sagen, daß gegenwärtig alles sehr gut
für George Bush aussieht. Erstes ist es unwahrscheilich, daß er noch einmal als schwach oder - umgangssprachlich - als "Niete" dargestellt wird. Diesen Vorwurf hat er ein für allemal begraben. Ein anderer
Faktor zu seinen Gunsten ist die Verlagerung in der
Identifizierung mit der Partei zugunsten der Republikaner. Als ich im Frühjahr des Jahres 1980 die Strategie
für die Reagan-Kampagne entwarf, bezeichneten sich
51 Prozent aller Amerikaner als Demokraten und nur
28 Prozent als Republikaner. In den Jahren unter
Reagan sank dieser Vorsprung der Demokraten erheblich bis auf eine einstellige Zahl. Dieser Trend hält
an: unsere Untersuchung vom Januar 1991 zeigte
einen 3prozentigen Vorsprung der Republikaner, und
andere Untersuchungen zeigen einen Gleichstand der
Parteien. Wir sollten jedoch den Übergang ins nächste
Jahr genau beobachten und abwarten, ob die Republikaner ihre gegenwärtige Position beibehalten können.
Wenn die Republikaner in einem Jahr auch nur einen
geringen Vorsprung von ewa 3 oder 4 Prozent haben,
wird dieser geringfügige Vorsprung bei der Parteiidentifizierung George Bush einen starken politischen Puffer
liefern, über den er 1989 noch nicht verfügte und den
Ronald Reagan 1980 ganz sicher nicht hatte.
Eine weitere positive Komponente von Bushs heutiger
Stellung ist die Wahrscheinlichkeit, daß uns keine
einschneidende Rezession bevorsteht. Obwohl das
Vertrauen der Verbraucher nicht immer ein zuverlässiges Instrument ist, um die künftige Wirtschaftslage
vorherzusagen, ist es in Zusammenhang mit anderen
Maßnahmen kein schlechter Indikator. Wir haben
gerade eine beispiellose Zunahme des Verbrauchervertrauens festgestellt. Das gleiche kommt meines
Erachtens auch in den Zahlen von Conference Board
und Michigan Survey Research Center zum Ausdruck.
Und die Entwicklung der verfügbaren Realeinkommen
von November dieses Jahres bis Oktober des nächsten Jahres wird schließlich der wichtigste Indikator für
die Wiederwahlchancen des Präsidenten sein. Zur
Zeit scheint es, als ob es um die Wirtschaft bis Ende
des Jahres besser bestellt sein wird.
Einen letzten Faktor, den ich als für Präsident George
Bush günstiges Element anführen möchte, ist das
Fehlen starker demokratischer Herausforderer. Von
allen politischen Vorteilen, die Bush in den vergangenen zwei bis drei Monaten errungen hat, würde ich
diesen ziemlich weit oben ansiedeln. Die Demokraten
müssen bald einen Herausforderer für Bush finden,
jemanden, der ihre Sache eloquent verfechten und
natürlich damit beginnen kann, die organisatorischen
Seite 2

Voraussetzungen für einen Präsidentschaftswahlkampf
zu schaffen. Obwohl sie alle gute Leute sein mögen,
stellt von den Demokraten, die heute aktiv die Nominierung anstreben, keiner für den Präsidenten eine
ernsthafte Herausforderung dar.
Trotzdem besitzen die Demokraten bei einigen politischen Fragen Vorteile. Meines Erachtens muß Präsident Bush zur Zeit in der Innenpolitik mit Vorsicht zu
Werke gehen. Ich glaube nicht, daß er davon ungestraft Abstand nehmen kann. Ich war erfreut, als er
kürzlich eine starke Haltung zu Bildungsfragen einnahm. Wenn sich jedoch die Wirtschaft erholt, wird es
für die Demokraten sehr schwierig, bei irgendeinem
Problem den Hebel anzusetzen.
Frage: Noch eine Frage zu Bush persönlich. Über
seine Präsidentschaft wurde schon unzählige Male
gesagt, er genieße zwar gute Zustimmungszahlen,
aber seine Popularität sei "eine Meile breit und einen
Inch tief". Sie sind darauf eingegangen, indem Sie
feststellten, daß heute ein sehr hoher Anteil erklärt, sie
seien sehr zufrieden mit seiner Amtsführung. Trotzdem besteht immer noch der Eindruck, Reagan habe
eine "Armee" hinter sich gehabt, die Bush fehle. Wie
erscheint diese Beurteilung in Ihren Augen?
Antwort: Gezeiten und Abfolge politischer Veränderungen stellen sich heute anders dar als zu Reagans
Zeiten. Grundsätzlich trifft meines Erachtens die
Einschätzung zu, derzufolge er keine "politische Armee"
in dem Sinne hinter sich hat, daß es wesentlich mehr
"wahre Gläubige" gab, die für Reagan durchs Feuer
gegangen wären - er besaß diese Art von Armee. Sein
Wahlkampf war ein Kreuzzug. Es bestand das Gefühl,
einen echten historischen Einschnitt zu bewirken, das
die Reihen konservativer Republikaner in den Jahren
1979,1980 und 1981 ergriffen hatte. Und es gab in der
Tat eine wichtige Änderung der politischen Tagesordnung. Solche Augenblicke der politischen Geschichte
rufen eine Art ungeteilter Begeisterung für einen nationalen politischen Führer hervor. Das gleiche haben wir
mit Franklin D. Roosevelt erlebt.
Dagegen bleibt die internationale und innenpolitische
Tagesordnung bei Bush im wesentlichen dieselbe wie
bei Reagan. Es findet kein tiefgreifender historischer
Wandel statt. Während dies bedeutet, daß Bush keine
Armee gläubiger Anhänger besitzt wie Reagan, heißt
es jedoch auch, daß eine solche Armee in Wahrheit
überhaupt nicht benötigt wird für das, was Präsident
Bush vielleicht leisten möchte. Auf vielfältige Art und
Weise verfolgt er das gleiche Programm wie sein
Vorgänger, vielleicht mit weicherer, sanfterer Hand.
Was Bush natürlich braucht, ist eine starke öffentliche
Zustimmung, auf der er bauen kann, um von ihm
verfolgte gesetzgeberische Ziele zu verwirklichen. Die
öffentliche Zustimmung zu Bushs Amtsführung ist
zweifellos immer stabiler geworden. Sie hat sich
infolge der vergangenen drei bis vier Monate positiver
entwickelt.

AMERIKA DIENST 24

�Ob sich dies in bedeutende Zuwächse für die Republikaner bei den Kongreß- und Gouverneurswahlen des
Jahres 1992 ummünzen läßt, ist eine offene Frage.
Hätten Sie mich vor sechs Monaten nach den Chancen
für erhebliche Gewinne der Republikaner in Repräsentantenhaus und Senat im nächsten Jahr gefragt, so
hätte ich sie als mager eingeschätzt - obwohl ich zu
jener Zeit davon ausging, daß Bushs Position stark
war. Heute besteht meiner Meinung nach die Möglichkeit, daß wir bei der Stellung der Parteien in beiden
Häusern im Jahr 1992 zum ersten Mal seit längerer
Zeit einen größeren Wandel erleben. Warum? Aufgrund eines erheblichen Wandels in der Parteiidentifikation. Die Entwicklung von einem 23-Punkte-Rückstand zu einem Vorsprung von sechs oder sieben
Punkten ist eine Verschiebung, die Sie und ich wahrscheinlich nur einmal in unserem Leben beobachten
können.
Natürlich lautet die wichtigste Frage, ob dieser Vorsprung gehalten werden kann. Die von uns geleistete
Arbeit weist eindeutig darauf hin, daß die Parteiidentifikation nicht so stabil ist, wie dies früher der Fall war
oder zumindest angenommen wurde. Sie ist mehr
oder weniger im Flu ß. Wenn die Republikaner jedoch
mit einem Vorsprung von beispielsweise 6 Punkten in
die Wahlen vom Herbst 1992 gehen sollten, dann
kämen damit eine Menge demokratischer Sitze in
Reichweite, die vor vier Monaten niemand als wackelig
eingestuft hätte.

&gt;

Dies bringt uns direkt zur Frage der Neuorientierung.
Meines Erachtens gab es eine "gezielte" Neuorientierung - gezielt in dem Sinne, daß sie eindeutig in eine
Richtung ging und nicht stagniert. Sie ist weder
eingebettet noch stabil. Neuorientierung bedeutet für
micht erstens eine grundlegende Änderung des innenpolitischen Programms - die 1979 und 1980 tatsächlich
stattfand. Zweitens bedarf es eines charismatischen
Führers um sicherzustellen, daß viele dieser tagespolitischen Änderungen ihren Niederschlag in der Gesetzgebung des Landes finden - das ist Ronald Reagan gelungen. Drittens fordert es eine umfassende
Verlagerung der Parteiidentifizierung - die wir beobachten konnten. Die vierte Komponente einer dauerhaften Neuorientierung hat jedoch noch nicht stattgefunden und wird meines Erachtens auch in absehbarer
Zukunft nicht verwirklicht werden. Um den ersten drei
Komponenten Dauerhaftigkeit zu verleihen, müssen
sie durch Umstrukturierung der Gesetzgebung der
Bundesstaaten institutionell verankert werden. Die
Partei, die die Gesetzgebung der Staaten kontrolliert,
hat die Macht, die Zusammensetzung jedes Wahlbezirks zu bestimmen und kontrolliert dadurch den wichtigsten politischen Hebel. Obwohl die Republikaner
weiterhin in anderen Bereichen Vorteile erlangen
könnten, setzt ihre Unfähigkeit, die Vorherrschaft der
Demokraten in den gesetzgebebenden Körperschaften zu beenden, ihren anderen parteibedingten Zuwächsen Grenzen.

AMERIKA DIENST 24

Frage: Wenn Sie die Zuwächse der Republikaner bei
der Parteiidentifikation betrachten - sie dominieren die
Präsidentschaftswahlen, während die Demokraten die
Gesetzgebung des Landes und der Bundesstaaten
kontrollieren - wie lautet ihre wichtigste Interpretation?
In welchem Maße reflektiert diese Spaltung die ambivalenten Gefühle der Öffentlichkeit bezüglich des richtigen Kurses der öffentlichen Politik - die Bevölkerung
mag die Republikaner in einer Weise und die Demokraten in anderer und splittet daher ihre Stimmen, um
divergierende Ziele zu erreichen? Oder umgekehrt,
steht eine geteilte Regierung statt dessen nur für die
Trennung der Gesetzgebung von Partei und Politik was Vorteile bei der Amtsführung zur Folge haben
könnte? Wünscht die Öffentlichkeit tatsächlich eine
republikanische Präsidentschaft zusammen mit einem
demokratisch dominierten Kongreß, oder handelt es
sich hierbei nur um das unbeabsichtigte Nebenprodukt
anderer Faktoren?
Antwort: Meines Erachtens besteht der Hauptgrund
für die parteiliche Spaltung zwischen Legislative und
Präsidentschaftsebene vornehmlich in der Macht von
Amtsinhabem in Kongreß und Legislative. Amtsinhaber können unter Beweis stellen, daß sie ihren Wahlbezirken in dieser oder jener Weise dienen, und dies
hat sie vor ansonsten sehr viel häufigeren politischen
Veränderungen geschützt. Darüber hinaus haben wir
festgestellt, daß die Amerikaner mit der geteilten
Regierung von heute ganz zufrieden sind - dem einzigartigen Ausdruck der Gewaltenteilung. Anfang der
achtziger Jahre versuchten die Republikaner die Frage auszuloten, ob Präsident Reagan mehr vollbringen
könnte, wenn er ein republikanisches Repräsentantenhaus und einen republikanischen Senat hinter sich
hätte. Sie stellten fest, daß ihre Argumentation auf
taube Ohren stieß. Viele der Befragten gaben an,
dieses Argument zähle nicht viel, da sie die Meinung
vertraten, es sei "eine gute Sache", daß die Demokraten den Kongreß kontrollierten und die Republikaner
das Weiße Haus. Praktisch gesehen glaube ich jedoch nicht, daß viele Amerikaner derlei Erwägungen
anstellen und zu dem Schluß gelangen, wir benötigten
ein Gleichgewicht, deshalb ihre Erststimme den Republikanern geben aber gleichzeitig einen demokratischen Kongreß wählen. Die Wahl eines Kongreßabgeordneten ist eine sehr viel pragmatischere Angelegenheit - wen kennt man, und was sind die Belange des
Wahlkreises?
Frage: Aber selbst angesichts dieser Vorteile im
Amtsbereich und den Wahlkreisthemen, die die gesetzgeberische Position der Demokraten gestärkt haben,
gibt es doch genug Anzeichen für Präsident Bushs
Status einerseits und den Zulauf bei der Parteiidentifizierung der Republikaner andererseits, um zu der
Schlußfolgerung zu gelangen, daß es Aussichten für
eine beachtliche Verlagerung der Parteienzusammensetzung des Kongresses im Jahr 1992 geben wird?

Seite 3

�Antwort: Das ist richtig. Und ich würde mich sehr viel
wohler fühlen, wenn die Republikaner in einem Jahr
immer noch einen Vorsprung bei der Parteiidentifizierung hätten. Nach dem Wahlkampf von 1988 haben
wir eine Analyse vorgenommen, welche Faktoren das
Wahlverhalten bei einer Vielzahl von Ämtern einschließlieh der Präsidentschaft bestimmen. Obwohl nicht die
einzige und in mancher Hinsicht auch nicht die bedeutendste Variable, "erklärt" die Parteienloyalität, warum

bestimmte Kandidaten gewählt werden. Die Herausforderung für die Republikanische Partei besteht darin,
einen Vorsprung bei der Parteiidentifizierung insbesondere bei den Jungwählern zu bewirken. Eine hohe
Wahlbeteiligung wird der Partei eindeutig helfen. Vor
nicht allzu langer Zeit hofften die Republikaner auf
Regen, Schnee und Graupelschauer am Wahltag im
November. Heute sollten sie sich warmes Wetter und
Sonnenschein wünschen.

* * * *

*
V

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AMERIKA DIENST 24

�NACH

DEM

GOLFKRIEG
19. Juni 1991

AMERIKANISCHE POLITIK NACH DEM GOLFKRIEG:
DIE SICHT DER DEMOKRATEN
Interview mit Geoffrey Garin
WASHINGTON - (AD) - Das folgende Interview mit dem Präsidenten der Garin-Hart Strategie Research Group
und Demokraten Geoffrey Garin ist Teil einer Serie von mehreren Artikeln über George Bushs Position als
Präsident und die Stärke der beiden großen Parteien an diesem Wendepunkt nach Beendigung des Krieges
gegen den Irak und vor der heißen Phase der Wahlkämpfe des Jahres 1992.
Der Beitrag ist erstmals unter dem Titel "The Bush Presidency and the Political Parties after the Gulf War" in der
Ausgabe Mai/Juni 1991 der Zeitschrift The Public Perspective erschienen, die alle zwei Monate vom Roper
Center for Public Opinion Research an der University of Connecticut herausgegeben wird. Der Nachdruck erfolgt
mit freundlicher Genehmigung dieser Institution.

Die Bewältigung der Golfkrise hat George Bush und
seiner politischen Position eindeutig zum Vorteil gereicht. Ich hege jedoch ernsthafte Zweifel bezüglich
der Nachhaltigkeit und Tiefe dieser Veränderung. In
mehreren von mir in den Bundesstaaten durchgeführten Meinungsumfragen, in denen im Jahr 1992 Senatswahlen stattfinden werden, stellte ich die Frage
nach der Wiederwahl von Präsident Bush und der
amtierenden demokratischen Senatoren. Die Frage
bezüglich des Präsidenten lautete folgendermaßen:
"George Bush wird sich als republikanischer Kandidat
der Wiederwahl als Präsident stellen. Würden Sie
definitiv für Bush stimmen, wahrscheinlich für Bush
stimmen, wahrscheinlich oder definitiv für den Demokraten stimmen?" Wie ich bereits sagte, stellen wir die
Parallelfrage bezüglich der amtierenden demokratischen Senatoren - zumindest einem, von dem die
Republikaner behaupten würden, er habe eine knappe
Stimmenmehrheit. In allen Fällen lag Bush genau oder
gerade unter 50 Prozent und - was noch wichtiger ist
- hinter den amtierenden Senatoren, einschließlich der
umstrittenen. Während also George Bush von den
Wählern hoher persönlicher Respekt gezollt wird, ist
die Tiefe der politischen Loyalität ihm gegenüber noch
nicht ausgelotet.
Frage: Würden sich die typischen von Ihnen erwähnten Antworten in der Größenordnung von 48 Prozent
für die Wiederwahl von Bush, 35 Prozent für den
Demokraten bewegen?

AMERIKA DIENST 24

Antwort: "Der Demokrat" läge immer noch beträchtlich hinter Bush - wahrscheinlich eher am oberen Ende
der 20 Prozentmarke, mit einer großen Gruppe Unentschiedener. Aber ich wiederhole - ich hätte eine
entschieden höhere Zahl für den Präsidenten erwartet.
Und im Hinblick auf seine Zustimmungsrate stellten wir
fest, daß sie selbst auf dem Höhepunkt seiner Popularität zu gleichen Teilen zwischen denen gespalten ist,
die uneingeschränkt zustimmen und denjenigen, die
seinen Leistungen nur in Maßen zustimmen. Er hat
einen Sockel von der Mitte der 30- bis zum oberen
Ende der 40 Prozentmarke unter denjenigen, die entschiedene Bush-Anhänger sind, darüber hinaus ist
alles eher schwammig. Ein weiterer entscheidender
Maßstab ergibt sich aus einer gerade von mir fertiggestellten nationalen Umfrage, bei der drei Viertel der
Wähler angaben, sie seien unzufrieden über die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Auf die Frage nach der
Bewertung der Leistung des Präsidenten bei Wirtschaftsproblemen waren die Angaben zu gleichen
Teilen in Zustimmung und Ablehnung gespalten. Dies
alles ergibt etwas weniger als den Status eines Superhelden.
Frage: Ist die Wirtschaft für die Wahlen von 1992
Bushs Achillesferse?
Antwort: Sie ist ein wirklich schwacher Punkt - und
zwar über die herkömmlichen Statistiken zur Gesamtwirtschaftsleistung hinaus. Aus politischer Sicht heißt
das eine ungewöhnliche Rezession, bei der die ArSeite 1

�beitslosigkeit keinen Anlaß zur Sorge bereitet. Die
Menschen sind vielmehr besorgt über die steigenden
Preise der Grundbedürfnisse, sei es Gesundheitsfürsorge, Wohnung, weiterführende Bildung und so weiter. Selbst wenn sich die Arbeitslosenzahlen verbessern, fühlen sich die Menschen noch weit bis in das
politische Jahr 1992 unter Druck. Innerhalb der Mittelschicht herrscht die Ansicht vor, daß Präsident Bush
an ihren Wirtschaftsproblemen nicht besonders interessiert ist, geschweige denn, eine Patentlösung bereitthält.
Frage: Vergleichen Sie ihre Zahlen zur Wiederwahl
mit den Vorentscheidungen der Meinungsumfragen.
Zum Beispiel belegt die von NBC News und dem Wall
Street Journal vom 15. bis 19. März durchgeführte
Umfrage, 67 Prozent würden Bush wählen, nur 22
Prozent Mario Cuomo. Finden Sie diese Ergebnisse
irreführend?
Antwort: In der Tat. Sie deuten überhaupt nicht
darauf hin, wie es 1992 aussehen wird. Wenn unter
Umständen potentielle demokratische Kandidaten diese
Zahlen ernst nehmen und infolgedessen nicht kandidieren, wird es ihnen noch leid tun.
Frage: Gegenwärtig werden vielfach die Verpflichtungen der Demokraten im Hinblick auf die Präsidentschaft 1992 erörtert. Wie beurteilen Sie die Vorzüge
der Partei beispielsweise nach Ihren Untersuchungen?
Antwort: Der wichtigste Vorteil liegt im wirtschaftlichen Bereich, wo die Demokraten viel mehr als Partei
der Mittelschicht betrachtet werden als die Republikaner. Angesichts der dynamischen politischen Entwicklung der Jahre 1991 und 1992 ist dies von entscheidender Bedeutung. Unter den Vertretern der Mittelschicht
herrscht ein starkes Gefühl wirtschaftlicher Zerrüttung
und Frustration. 1990 habe ich an einer Reihe von
Kampagnen für Senat und Repräsentantenhaus mitgearbeitet, die wir aus mancherlei Gründen nicht hätten gewinnen können. Aber wo wir nahe daran waren
und in manchen Fällen sogar gewonnen haben, war
genau dieses Gefühl im Hinblick auf die Wirtschaft
dafür verantwortlich. Der neue Kongreßabgeordnete
aus Indiana, Tim Roemer, ist ein gutes Beispiel für
jemanden, der dieses Thema sehr gut eingesetzt hat.
Harvey Sloane aus Kentucky, der wider Erwarten 48
Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, hat
vor allem ein so gutes Ergebnis erzielt, weil diese
wirtschaftlichen Frustrationen so stark waren und die
Demokraten vornehmlich als Partei der Mittelschicht
betrachtet wurden. Darüber hinaus haben die Demokraten auch bei vielen anstehenden Themen, etwa
Gesundheitsfürsorge und Arbeitsplätzen einen erheblichen Vorteil.
Frage: Bei allgemeinen Erhebungen zu Fragen, welche Partei mehr für Leute wie Sie tut, welche für die
Mittelschicht besser ist, liegen die Demokraten vorn.

Seite 2

Andererseits werden auf die Frage, welche Partei die
Interessen der Reichen am besten vertritt, eher die
Republikaner genannt. Und dennoch, wenn wir die
Präsidentschaftswahlen über den langen Zeitraum
seit 1968 betrachten, waren die Republikaner die
Gewinner. Natürlich berücksichtigen die Leute bei der
Wahl des Präsidenten viele Dinge, aber wenn die
Demokraten als Partei der einfachen Leute betrachtet
werden, warum bringen sie dann nicht mehr einfache
Leute dazu, sie zu wählen?
Antwort: Nun, auch die Partei der gewöhnlichen
Menschen braucht außergewöhnliche Kandidaten. 1980
und 1984 waren die Entscheidungen der Wähler in
ihrem zeitlichen Kontext logisch, auch wenn ich nicht
damit übereinstimme. Die Menschen waren mit den
Zuständen 1980 enorm unzufrieden und stimmten für
Veränderungen. Bis 1984 wurden sie zufriedener und
glaubten, das Land habe sich positiv verändert - der
neuerliche Einsatz für Reagan ergibt in diesem Zusammenhang Sinn. Aber 1988 habe ich von Anfang an
geglaubt, daß die Demokraten gewinnen könnten, und
heute glaube ich, daß die Demokraten aufgrund der
von mir beschriebenen wirtschaftlichen Probleme die
Wahl hätten gewinnen sollen. Die Geschichte von
1988 handelt nicht vom Fehlschlag dieser wirtschaftlichen Fragen, sondern vom Fehlschlag einer bestimmten Kampagne der Demokraten, die dazu hätte beitragen sollen, daß der Wähler mit seinem Kandidaten
zufrieden ist und die sich die Gelegenheit zunutze
macht. Michael Dukakis wollte 1988 nicht der Kandidat des wirtschaftlichen Untergangs sein und ging bis
zum Ende der Kampagne kaum auf wirtschaftliche
Schwierigkeiten ein. Die Demokraten können es sich
wirklich nicht leisten, diesen Fehler 1992 zu wiederholen.
Frage: Soeben haben Sie gesagt, wenn ein Demokrat
die Vorentscheidungen betrachtet, Bush vorn sieht
und deshalb nicht kandidiert, mache er einen Fehler.
Wenn Sie sich im Land umschauen, scheuen dann
Demokraten die Kandidatur für den Kongreß unmittelbar nach dem Golfkrieg?
Antwort: Nein. Es ist blanke Ironie, daß wir vier
Monate vor dem offiziellen Beginn der Wahlen 1992
bereits eine erfolgreichere Kandidatur für den Senat
hatten als bei der gesamten Kampagne 1990. Bei den
Rennen um die demokratische Herausforderung konnten wir kein einziges Mitglied des Repräsentantenhauses davon überzeugen, einen republikanischen Senator herauszufordern. Es war das erste Mal seit den
Tagen des New Deal, wo es keinen einzigen demokratischen Gouverneur oder Kongreßabgeordneten gab,
der für den Senat kandidierte. Jetzt scheint es, daß
Richard Stallings in Idaho - einem sehr konservativen
Staat - gegen Steve Symms antreten wird. In Oregon
werden Les AuCoin oder Peter DeFazio Bob Packwood herausfordern. Es ist wahrscheinlich, daß in
Kansas Dan Glickman gegen Bob Dole und in New

AMERIKA DIENST 24

�York Bon Mrazek gegen AI D'Amato antreten wird. Es
sieht also so aus, daß die Demokraten jetzt eher bereit
sind, Druck auszuüben als vor zwei Jahren. Das
spiegelt die Tatsache wider, daß diese Demokraten
zuHause eher von den von mir beschriebenen wirtschaftlichen und sozialen Problemen hören als vom
Krieg. Die Wähler sagen ganz klar, daß sie sich im
Hinblick auf unsere Wirtschaftspolitik in Washington
eine Veränderung wünschen, die den Bedürfnissen
der Mittelschicht stärker entgegenkommt.
Frage: Wenn man die Bandbreite der Umfrageergebnisse zur Parteiindentifizierung von 1980 bis heute
betrachtet, weichen die Umfrageinstitute zwar in den
von ihnen gelieferten Meinungsbildem stark ab und die
Zahlen variieren erheblich, aber dennoch sind die
Republikaner allen Meinungsforschungsinstituten zufolge im letzten Teil dieses Zeitraums - von 1989 bis
1991 - stärker als im ersten Teil.
Antwort: Das stimmt wohl.
Frage: Warum, was hat diese bescheidene Neuorientierung bewirkt?
Antwort: "Bescheiden" haben Sie gesagt. Ich würde
wahrscheinlich eher "vorübergehend" sagen. Die
jüngsten Zahlen sind vorwiegend eine Reaktion auf
den Krieg. In den vergangenen Monaten wurden
relativ wenige positive Artikel über die Demokraten
geschrieben. Eine weitere Binsenwahrheit der amerikanischen Politik ist, daß nichts so erfolgreich ist wie
der Erfolg. Die Republikaner hatten in jüngster Zeit
eine solche Phase und haben davon profitiert, aber das
Pendel wird auch wieder zur anderen Seite ausschlagen. Seit einigen Jahren sind die Zahlen zur Parteiidentifikation nicht von Dauerhaftigkeit geprägt. Ihre
Betonung ist zur Torheit geworden, weil für viele
Menschen eine ausdrückliche Identifikation mit einer
Partei sehr oberflächlich ist, eine Reaktion auf bestimmte Ereignisse. Wenn ich am Ende eines Fragebogens einer Umfrage zu Wirtschaftsthemen die Frage nach der Parteiidentifikation stelle, werde ich eine
höhere Zahl für die Demokraten erhalten. Wenn es bei
der Umfrage hauptsächlich um Außenpolitik geht, dann
- welche Überraschung - werde ich einen höheren
Anteil für die Republikaner feststellen. Der Wähler
investiert nicht viel, wenn er eine Präferenz für eine
bestimmte Partei verkündet. Für die Analysten hat die
Frage nach der Parteiidentifikation immer noch den
gleichen Stellenwert wie die Frage nach Alter oder
Geschlecht der Interviewpartner. Genau dies trifft
überhaupt nicht zu. Sie liegt analytisch viel näher an
der Frage: "Was halten Sie von der gegenwärtigen
Entwicklung im Land?" Das ist ein sehr flüssiger
Prozeß. Natürlich war dies nicht immer so. Früher

*

AMERIKA DIENST 24

bedeutete eine Partei den Leuten wesentlich mehr als
heute.
Frage: Die ganze Idee der Parteiidentifikation so wie
Gallup sie in seinen Umfragen in den dreißiger Jahren
einführte und wie zahlreiche Wissenschaftler sie verwendet haben, sollte also heute ad acta gelegt werden?
Antwort: Sie ist sicherlich viel weniger bedeutsam.
Die Erfahrung lehrt uns, daß es selbst in den meisten
von Demokraten beherrschten Staaten genug Leute
gibt, die geistig so offen sind, daß sie auch einen
Republikaner wählen würden. Und selbst im republikanischsten und konservativsten Staat gibt es genug
Menschen, die auch einem Demokraten ihre Stimme
geben würden.
Frage: Wenn wir 100 der politisch informiertesten
Personen privat über das voraussichtliche Ergebnis
der Wahlen von 1992 befragen würden, so würde eine
ziemlich große Mehrheit sagen, sie erwarteten einen
Sieg der Demokraten in beiden Häusern des Kongresses und der Republikaner im Weißen Haus. Ob dies
im Jahr 1992 wirklich geschehen wird, bleibt abzuwarten, aber diese Spaltung der Macht besteht bereits
lange Zeit. Was würden Sie bei der Erklärung dieses
Phänomens betonen ? Spiegelt sich darin eine bewu fite Wahl wider?
Antwort: Obwohl der Wähler seiner Frustration über
das Patt in Washington Ausdruck verleiht, die aus
einer solchen Spaltung in Washington hervorgeht,
findet er die Idee gut, daß Exekutive und Legislative
von verschiedenen Parteien kontrolliert werden. Der
Wähler von heute macht sich mehr Sorgen über Exzesse der Regierung als über deren Unzulänglichkeiten. Dieses Gefühl schlug besonders während der
Reagan-Administration Wurzeln. Die Wähler waren
bei innenpolitischen Fragen häufig nicht mit Reagan
einverstanden und begrüßten die Tatsache außerordentlich, daß die Demokraten dawaren, um Exzessen
Einhalt zu gebieten. Sie waren jedoch mit einem
Gro ßteil von Reagans Au ßenpolitik sehr zufrieden und
freuten sich, daß er die Demokraten auch bei einigen
Steuer- und Ausgabenfragen bremsen konnte. Grundsätzlich ist es also der Fall, daß der Wähler sich mit
einer gespaltenen Regierung wohl fühlt. Gegenwärtig
jedoch gilt der Druck in einer gespaltenen Regierung
weniger den Demokraten, weil sie George Bush blokkieren würden - was sie ja eindeutig nicht tun -, sondern
George Bush, weil er die Verwirklichung von Maßnahmen behindert, die auf der innenpolitischen sozialen
Tagesordnung stehen. Der Druck liegt mehr auf dem
Präsidenten als auf dem Kongreß.

* * *

*

Seite 3

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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 19.06.1991</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Euro-atlantische Architektur: von West bis Ost &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Baker in Berlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Sowjetunion&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen sowjetische Reformen politisch und wirtschaftlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Baker vor Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nach dem Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Präsident und die Parteien nach dem Golfkrieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Jeffrey Alderman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Präsident und die Parteien nach dem Golfkrieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Richard Wirthlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Politik nach dem Golfkrieg: die Sicht der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Geoffrey Garin&lt;/em&gt;</text>
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