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U.S. Information Service
Embassy of the United States ot America

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22. Mai 1991

20
•w;
CHEMISCHE WAFFEN

ZUR VERWIRKLICHUNG EINES VERBOTS
CHEMISCHER WAFFEN
Botschafter Ledogar vor der Genfer
Abrüstungskonferenz

OSTEUROPA

MITTEL- UND OSTEUROPA:
EIN JAHR DANACH
Rede des Stellvertretenden Außenministers Eagleburger

UMWELT

LEITER DES US-UMWELTSCHUTZ AMTES
FORDERT ZUSAMMENSPIEL VON UMWELTUND WIRTSCHAFTSPOLITIK
Anhörung vor Senatsausschuß

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Mai 1991

EINWANDERUNG

AMERIKANER ASIATISCHER ABSTAMMUNG
IN DER AMERIKANISCHEN GESELLSCHAFT
von Paul Malamud, USIA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�CHEMISCHE

WAFFEN
22. Mai 1991

VEREINIGTE STAATEN UNTERSTREICHEN
ENGAGEMENT ZUR VERWIRKLICHUNG DES
VERBOTS CHEMISCHER WAFFEN
Botschafter Ledogar vor der Genfer Abrüstungskonferenz
WASHINGTON - (AD) - Der Chefunterhändler der Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz
(CD), Botschafter Stephen Ledogar, hat dieses Gremium am 16. Mai 1991 aufgefordert, umgehend den
Vorschlag Präsident Bushs für ein weltweites Verbot chemischer Waffen zu erörtern.
"Angesichts der Dringlichkeit einer Befreiung der Welt von diesen Waffen des Terrors können wir es uns nicht
leisten, unsere Verhandlungen rein routinemäßig fortzuführen", erklärte der Botschafter in einer Rede vor
diesem wichtigsten Weltforum für multilaterale Abrüstungsverhandlungen.
Ledogar räumte ein, daß die Fertigstellung einer Konvention innerhalb von 12 Monaten "erhebliche Anstrengungen" erfordern werde, forderte die anderen Teilnehmerstaaten aber auf "in ihrer Haltung flexibel zu sein" und
"dasselbe Engagement" zur Verwirklichung eines Verbots chemischer Waffen an den Tag zu legen wie die
Vereinigten Staaten.
Ledogar erinnerte daran, daß der amerikanische Vorschlag die Lösung aller ausstehenden Probleme bis Ende
1991 und die ständige Tagung des Ad-hoc-Ausschusses der CD zu chemischen Waffen bis zur Vollendung einer
Konvention im nächsten Jahr vorsieht.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Ledogars Erklärung im Wortlaut.

Zu Beginn des zweiten Teils unserer Sitzungsperiode
im Jahr 1991 habe ich das große Vergnügen, Ihnen
eine Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten an die Abrüstungskonferenz vorzulesen. Diese
Botschaft hat folgenden Wortlaut:
"Der jüngste Konflikt am Persischen Golf hat erneut
das Schreckgespenst des Einsatzes chemischer Waffen
gegen unschuldige Menschen heraufbeschworen. Dies
unterstreicht die Dringlichkeit einer Befreiung der Welt
von diesen Waffen des Terrors. Ich gehe davon aus,
daß die beste Hoffnung auf eine Beseitigung der
Geißel chemischer Waffen in einem vollständigen
Verbot besteht, das Bestandteil der von dieser Konferenz auszuhandelnden Konvention über chemische
Waffen ist. Die Vereinigten Staaten engagieren sich
für einen unverzüglichen, erfolgreichen Abschluß dieser Konvention und ihre wirksame Durchführung. Zu
diesem Zweck habe ich eine Reihe von Maßnahmen
angekündigt, die von den Vereinigten Staaten ergriffen
werden, um die Verhandlungen zu beschleunigen und

AMERIKA DIENST 20

Botschafter Ledogar angewiesen, meine Entscheidung in dieser Sitzungsperiode umzusetzen. Ich hoffe, diese Initiative wird auch andere Nationen dazu
anspornen, sich selbst ebenso für die entscheidenden
Ziele der Konvention zu engagieren und fordere alle
Nationen auf, sich uns bei der möglichst baldigen
Erlangung eines effektiven Verbots chemischer Waffen anzuschließen. Insbesondere rufe ich die Teilnehmer dieser Konferenz dazu auf, für diese Zielsetzung
alles in ihrer Macht Stehende zu tun und sich dafür
einzusetzen, alle noch anstehenden Probleme bis
Ende 1991 zu lösen und die Konvention über chemische Waffen innerhalb von 12 Monaten fertigzustellen.
Um diesen Zeitplan einzuhalten, bitte ich darum, daß
der Ad-hoc-Ausschuß zu chemischen Waffen in Genf
ständig tagt. Ich wünsche Ihnen allen einen raschen
Erfolg."
Präsident Bushs Botschaft enthält den Ansatz, den die
Vereinigten Staaten bei der Vollendung unserer Arbeit
an einem Verbot chemischer Waffen zu verfolgen

Seite 1

�gedenken. Der Präsident geht seit langem davon aus,
daß die beste Hoffnung auf einen Abbau chemischer
Waffen in ihrem völligen Verbot besteht, über das wir
gegenwärtig in diesem Forum verhandeln. Angesichts
der Dringlichkeit einer Befreiung der Welt von diesen
Waffen des Terrors können wir es uns nicht leisten,
unsere Verhandlungen rein routinemäßig fortzuführen.
Zu Beginn dieser Woche hat der Präsident angekündigt, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, eine
Reihe innovativer Maßnahmen zu ergreifen, um die
Aussichten auf den erfolgreichen Abschluß einer
Konvention über chemische Waffen zu verbessern.
Erlauben Sie mir, diese Schritte nun zu erläutern.
Um der Arbeit der CD ein Gefühl von der Dringlichkeit
des Problems zu vermitteln, schlagen die Vereinigten
Staaten die Erstellung eines Zeitrahmens für die Lösung aller noch zur Verhandlung anstehenden Probleme bis Ende 1991 und die Fertigstellung der Konvention innerhalb von 12 Monaten vor.
Um zur Verwirklichung dieser Ziele beizutragen, schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß der Ad-hocAusschuß zu chemischen Waffen von heute bis zur
Fertigstellung der Konvention ständig tagt. Die Verhandlungen würden also während der vorgesehenen
Sitzungspausen im Juli und im Herbst andauern. Damit
würde sichergestellt, da ß keine Zeit verloren und keine
Chance vergeudet wird. Unserem Vorschlag gemäß
sind die Vereinigten Staaten bereit, mich und meine
Delegation in Genf zu belassen und die Delegation
gegebenenfalls zu verstärken, um diesem Zeitplan
gerecht zu werden. Wir rufen andere Staaten dazu
auf, dasselbe Engagement an den Tag zu legen.
Um den Abschluß eines Verbots chemischer Waffen
innerhalb eines Jahres auf den Weg zu bringen, haben
die Vereinigten Staaten entschieden, Maßnahmen zur
Lösung zweier wichtiger Probleme zu ergreifen, die
unsere Verhandlungen behindert haben.
Mit diesen Maßnahmen hoffen wir aufzuzeigen, daß
der einzige Weg zum Abschluß eines Vertrags über
eine flexible Haltung führt. Wir fordern andere auf,
ebenfalls Flexibilität zu demonstrieren. Die Vereinigten Staaten werden insbesondere nicht mehr auf ihrem
Recht auf Vergeltung mit chemischen Waffen bestehen. Die Vereinigten Staaten werden unmittelbarnach
Inkrafttreten der Konvention dem Einsatz chemischer
Waffen aus jedwedem Grund und gleichartiger Vergeltung gegen alle Länder abschwören. Darüber hinaus
werden wir eine Bestimmung für die Konvention vorschlagen, die den Einsatz chemischer Waffen unter
allen Umständen verbietet.
Ferner werden die Vereinigten Staaten ihren Standpunkt aufgeben, daß wir und einige andere Länder
zwei Prozent unseres C-Waffenarsenals behalten dürfen,
bis alle Länder, die chemische Waffen besitzen, der
Konvention beigetreten sind. Die Vereinigten Staaten
Seite 2

werden sich bedingungslos für die innerhalb von zehn
Jahren nach Inkrafttreten der Konvention erfolgende
Zerstörung all ihrer Chemiewaffenarsenale und früheren Produktionsstätten einsetzen. Wir fordern alle
Länder auf, ihre C-Waffenarsenale offenzulegen und
sich uns anzuschließen, indem sie ihre Arsenale und
Produktionsstätten zerstören. Wir werden Bestimmungen für die Konvention vorschlagen, die von allen
Parteien bedingungslose Zerstörung ihrer C-Waffenarsenale und Produktionsstätten nach Inkrafttreten
der Konvention und die Beendigung der Zerstörung
innerhalb von zehn Jahren verlangen.
Verifizierung ist einer der wichtigsten' ungelösten
Schlüsselbereiche der Konvention. Obwohl bei der
Entwicklung des Verifizierungssystems für die Konvention erhebliche Fortschritte erzielt wurden, bleiben
noch wichtige Fragen bestehen. Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihr Engagement für ein starkes und
direktes Verifizierungsregime. Wir werden bald zusätzlich konkrete Vorschläge unterbreiten, um die
zentrale Frage von Ad-hoc-lnspektionen zu kfären.
Wir werden die Abrüstungskonferenz auffordern, sich
unserer Position anzuschließen.
Eine weitere ungelöste Frage ist, wie man die für ein
effektives Verbot entscheidende Beteiligung erzielt.
Wir sind natürlich der Meinung, daß ein vollständiges
Verbot chemischer Waffen erhebliche Fortschritte für
alle Parteien mit sich bringen wird. Wir sind femer der
Ansicht, daß es greifbare Vorteile für diejenigen Länder geben sollte, die der Konvention beitreten - und
bestimmte Strafen für diejenigen, die es nicht tun.
Deshalb werden die Vereinigten Staaten Bestimmungen für die Konvention vorschlagen, die den Parteien
den Handel mit Material zur Herstellung chemischer
Waffen mit solchen Ländern untersagen, die nicht
innerhalb eines absehbaren Zeitraums nach Inkrafttreten beitreten.
Nach der Konvention werden viele Länder ihre chemischen Waffen zerstören müssen. Dies ist eine sehr
komplexe und technisch anspruchsvolle Aufgabe. Um
die weltweite Beseitigung von C-Waffen zu erleichtern,
werden die Vereinigten Staaten anderen Ländern
praktische und effektive Hilfe leisten und sich an der
schnellen, sicheren und umweltschonenden Zerstörung chemischer Waffen beteiligen, wo immer diese
auch sein mögen. Wir gründen eine Arbeitsgruppe aus
Vertretern der US-Regierung und der Privatwirtschaft,
um Vorschläge zu entwickeln, wie die Vereinigten
Staaten einzelne Ländern bei der Zerstörung chemischer Waffen beraten und ihnen helfen können. Wir
werden Parteien technische Hilfe bei der Zerstörung
leisten, die chemische Waffen auf ihrem Territorium
stationiert haben. Dazu zählen etwa Besuche unserer
Zerstörungseinrichtungen, Pläne und technische Beratung. Als Forum für praktische Zusammenarbeit
schlagen wir die Einrichtung einer technischen Arbeitsgruppe unter der Ägide der Abrüstungskonferenz
vor.
AMERIKA DIENST 20

�Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre Position, daß
es Sanktionen gegenüber Staaten geben sollte, die die
Konvention verletzen sowie besonders strenge Sanktionen gegen jedes Land, das erstmals chemische
Waffen einsetzt. Die Vereinigten Staaten erklären,
Verletzungen der Konvention, insbesondere den Ersteinsatz chemischer Waffen, als extrem gravierenden
Bruch des Völkerrechts zu betrachten und in diesem
Fall angemessene Sanktionen zu verhängen.

Bis zum vollständigen Verbot sind die Vereinigten
Staaten der Meinung, es sei wichtig, die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu verhindern. Deshalb sind
die Vereinigten Staaten bereit, allen anderen Verhandlungspartnern umfassende Informationen über unsere
Exportkontrollen für Material und Technologie zur
Herstellung chemischer Waffen - und über unsere
nationalen Gesetze zu deren Durchführung - zur Verfügung zu stellen.

Durch den Verhandlungsprozeß leisten die Teilnehmer der Abrüstungskonferenz alles in ihrer Macht
Stehende, um zu gewährleisten, daß die C-Waffenkonvention den Anliegen und Interessen aller Teilnehmer entgegenkommt. Oftmals sind Kompromisse
erforderlich, um dies zu leisten. Wir vertreten daherdie
Meinung, daß es Pflicht der an den Verhandlungen
teilnehmenden Länder ist, den erarbeiteten Text zu
unterstützen. Die Vereinigten Staaten erklären formell
ihre Absicht, von Anfang an Partei der C-Waffenkonvention zu werden. Wir fordern alle Länder auf,

Wir empfehlen allen anderen Ländern, ähnliche Kontrollen durchzuführen und wollen deshalb bis zur
Ausarbeitung eines vollständigen und formellen Verbots die Weiterverbreitung von C-Waffen einschränken.

öffentlich zu erklären, daß auch sie von Anfang an

beitreten wollen. Darüber hinaus fordern wir alle
Länder auf, ihre C-Waffenarsenale offenzulegen und
unmittelbar nach Inkrafttreten der Konvention dem
Einsatz von C-Waffen aus jedwedem Grund abzuschwören.

AMERIKA DIENST 20

Der Abschluß der Konvention im nächsten Jahr wird
uns allen große Anstrengungen, großen Einsatz und
viel Flexibilität abverlangen. Der Status quo wird nicht
ausreichen. Vielmehr müssen wir alle zusammenarbeiten, wenn wir unser gemeinsames Ziel eines weltweiten Verbots zur Herstellung, Lagerung und dem
Einsatz chemischer Waffen erreichen wollen. Um
allgemeine Einhaltung zu erzielen, sind die Vereinigten
Staaten bereit, alles Erdenkliche zu tun, um eine CWaffenkonvention Wirklichkeit werden zu lassen. Wir
fordern andere auf, in ihren Positionen Flexibilität zu
demonstrieren und dasselbe Engagement für unsere
gemeinsamen Ziele zu zeigen.

Seite 3

�OSTEUROPA
22. Mal 1991

Mittel- und Osteuropa: Ein Jahr danach
Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Eagleburger

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden US-Außenministers
Lawrence S. Eagleburger bei der Jahreskonferenz der US-Export-Import Bank (EXIM-Bank) am 16. Mai 1991.

Im März 1990 hielt ich bei der letztjährigen Jahreskonferenz der EXIM-Bank zu einer Zeit eine Rede über
Osteuropa, da in dieser Region gerade wahrhaft revolutionäre Veränderungen stattgefunden hatten. Verständlicherweise herrschte damals eine starke Euphorie über den plötzlichen Fall des Eisernen Verhangs
und den Triumph der Freiheit in ganz Mittel- und
Osteuropa. An einem Ende des Spektrums stand die
widersinnige Behauptung, die Geschichte sei zuende
gegangen und am anderen die selbstzufriedene Annahme, die Umgestaltung Osteuropas zu Demokratie
und freier Marktwirtschaft bedeute, daß wir uns nicht
mehr in dem Maße mit Entwicklungen in der Region
auseinandersetzen müßten, wie wirdas in den vergangenen 50 Jahren getan haben.
Nüchternere Beobachter waren sich natürlich bewußt,
wie ungewöhnlich und schwierig die Aufgaben sein
würden, denen sich unsere Freunde in Osteuropa
stellen müßten und wie wichtig ihr Erfolg für amerikanische Interessen ist, aber das Drama ihres Kampfes
war nicht mehr dazu angetan, Schlagzeilen in den
Zeitungen zu machen, insbesondere da man sich mit
den Tagesgeschäften demokratischer Wahlen und der
Gestaltung von Wirtschaftspolitik beschäftigte, was
wir alle nur zu gut kennen. Und in der Zwischenzeit
brauten sich die Ereignisse am Persischen Golf zusammen und lenkten unsere Aufmerksamkeit in eine
andere Richtung.
Wenn es einen Punkt gibt, auf den ich heute noch
einmal hinweisen möchte, dann ist es die strategische
Bedeutung, die Mittel- und Osteuropa in der amerikanischen Außenpoltik in absehbarer Zukunft weiterhin
einnehmen werden. Tatsächlich bin ich der Meinung,

AMERIKA DIENST 20

wir sollten die Revolutionen, die in Osteuropa und
durch den Golfkrieg stattgefunden haben, dahingehend werten, daß beide ein neues Zeitalter in den
internationalen Beziehungen eingeläutet haben, das
wir in Ermangelung einer besseren Bezeichnung das
Zeitalter nach dem kalten Krieg nennen. Diese Ära
wird von zwei Merkmalen gekennzeichnet: erstens
vom weltweiten Übergang von Kommandowirtschaften in freie Marktwirtschaften - eine Bewegung, deren
Ergebnis das Schicksal der ebenfalls stattfindenden
weltweiten Hinwendung zu Demokratie mitbestimmen
wird. Und zweitens-wie wir bei der irakischen Invasion
Kuwaits beobachten konnten - von einer viel größeren
Labilität in den internationalen Beziehungen, da die
historisch ungewöhnliche und vom kalten Krieg auferlegte Disziplin schwindet.
Diese beiden Merkmale eines neuen Zeitalters treten
heute in Mittel- und Osteuropa zutage, wo der Kampf
zur Etablierung von Demokratie und Marktwirtschaft
parallel zur schwindenden Sicherheitsordnung des
kalten Krieges erfolgt ist. Unser Ziel muß eindeutig
darin bestehen, die erfolgreiche Integration der früheren kommunistischen Länder in umfassendere europäische Strukturen zu erlangen und westliche Zusammenarbeit anzuregen, die Frieden und Wohlstand
zwischen solchen Ländern gefördert hat, die sich in
diesem Jahrtausend zumeist gewohnheitsmäßig an
die Gurgel wollten. Niemand wei ß, was ein Fehlschlag
bedeuten würde. Wir wissen jedoch, daß die Natur
kein Vakuum kennt, und da Mittel- und Osteuropa in
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts schwach und
instabil waren, prallten die großen Mächte zweimal
aufeinander. Wir müssen also Erfolg haben.

Seite 1

�Das vergangene Jahr: Ergebnisse und Hindernisse
Soviel zu dem, was auf dem Spiel steht. Ich möchte
heute die Fortschritte und Probleme beschreiben, denen
unsere europäischen Freunde im vergangenen Jahr
bei ihren Reformbestrebungen begegnet sind und auf
das eingehen, was die Vereinigten Staaten an Hilfe
leisten.
Wichtige Erfolge wurden vor allem im Bereich der
Sicherheitspolitik erzielt, das demokratische Engagement ist in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und
sogar in Bulgarien unwiderruflich, es wird in Parlamenten, einer freien Presse und rechtlichen Schutzmaßnahmen für die Freiheit des einzelnen und Menschenrechte institutionalisiert. In der Zwischenzeit werden
sowjetische Truppen in diesem Jahr vollständig aus
Ungarn und der Tschechoslowakei abgezogen, und
ein Zeitplan für ihren Abzug aus Polen wird gegenwärtig ausgehandelt. Das vielleicht greifbarste Zeichen
der Veränderung war die einhellige und kostenträchtige Zusammenarbeit mit der internationalen Koalition
gegen Saddam Hussein.
Man muß jedoch kein Raketenspezialist sein, um zu
verstehen, daß die Region wirtschaftlich am Boden
liegt und die noch schwachen demokratischen Institutionen in der nächsten Zeit harte Proben bestehen
müssen. Das letzte Jahr hat eine um sich greifende
Rezession mit sich gebracht, ein Vermächtnis der
veralteten und maroden wirtschaftlichen Infrastruktur,
die die Kommunisten hinterlassen haben und in gewissem Maße ein Ergebnis der Reformbestrebungen zur
Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität. Es
gab eine Reihe unvorhergesehener Erschütterungen:
der Ausfall irakischen und kuwaitischen Öls, der Zusammenbruch des Handels mit der Sowjetunion, die
sowjetische Entscheidung, ihre Waren in harter Währung bezahlen zu lassen und der Verlust des ostdeutschen Marktes.
Glücklicherweise haben diese Ereignisse nicht grundsätzlich das Engagement der Regierungen in der
Region erschüttert, den Übergang zu Marktwirtschaften zu steuern, und sie haben auch nicht ihre Bereitschaftaufheben können, die schmerzlichen Reformen
durchzuführen, um ihr Ziel zu erreichen.
Polen setzt weiterhin den Maßstab bei Reformen. Sein
solides Stabilisierungsprogramm des letzten Jahres erheblich unterstützt von den Vereinigten Staaten und
ihren westlichen Partnern - hat die Inflation erfolgreich
begrenzt, die Zinssätze verringert und den Zloty konvertierbar gemacht. Es ist wichtig, daß damit auch die
Industrieproduktion gefallen und die Zahl der Arbeitslosen gestiegen ist. Aber die Arbeitslosenquote reicht
noch nicht an westeuropäisches Niveau heran, und
zum ersten Mal seit Menschengedenken sind die
Regale in den Geschäften voll und die Warteschlangen verschwunden.

Seite 2

Polens Nachbarn haben in unterschiedlichem Maße
größere Vorsicht bei der Durchführung von Reformen
demonstriert. Dennoch haben sowohl Ungarn als
auch die Tschechoslowakei jetzt Pläne für die makroökonomische Stabilisierung und im Hinblick auf die
kommenden Jahre für die Beseitigung der Verzerrungen durch staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Bulgarien befindet sich nach der Wahl eines Mehrparteienparlaments im Juni auf dem Weg zu wirtschaftlichen
Reformen.
Offen gesagt, mußten wir in den vergangenen beiden
Jahren zwei Arten von Hindernissen für grundlegende
Reformen in Mittel- und Osteuropa überwinden. Das
erste war die langsame Bewegung von makro- zu
mikroökonomischen Reformen, das heißt, von der
makroökonomischen Stabilisierung zur tatsächlichen
Umwandlung der Kommandowirtschaften in Marktwirtschaften. Das zweite war die Entstehung potentiell
gefährlicher politischer Phänomene, die zusammen
mit den aufstrebenden demokratischen Institutionen in
der Region existieren.
Tatsache ist, daß die Geschichte wenige Beispiele von
Versuchen kennt, eine Volkswirtschaft zu privatisieren, die vollständig vom Staat gelenkt wurde. Es gibt
keine Präzedenzfälle und damit auch keine Richtlinien.
Sie werden sich daran erinnern, daß wir im letzten Jahr
Vorschläge für eine massive Stützungsaktion der osteuropäischen Volkswirtschaften im Stil des Marshallplans von 1947 abgelehnt haben. Es wird immer
wieder vergessen, daß in Westeuropa nach dem Zweiten
Weltkrieg bereits eine Marktwirtschaft existierte, die
das erforderliche Kapital aufnehmen konnte, um der
Nation auf die Füße zu verhelfen. Das trifft auf Mittelund Osteuropa heute ganz einfach nicht zu.
Statt dessen besteht der erste Auftrag für die Wirtschaft in der Region nach der makroökonomischen
Stabilisierung in der schrittweisen Schaffung einer
marktwirtschaftlichen Infrastrukur. Dies war ein umstrittener und verwirrender Prozeß. Grundsatzfragen
müssen entschieden werden: wem gehört das ehemalige Staatseigentum? Wem sollten Staatsbetriebe
verkauft werden? Wie sollte die Entschädigung für
diejenigen aussehen, deren Eigentum von den Kommunisten konfisziert wurde? Welche Industrien sollten
gerettet und welche den Realitäten der Weltmärkte
geopfert werden?
Zur Liste von zur Entscheidung anstehenden Fragen
müssen eine Reihe von zu erwerbenden Fähigkeiten
kommen: Fähigkeiten der Arbeitnehmer, der Führungskräfte, Fähigkeiten in Information und Finanzwesen, um nur einige zu nennen.
Und schließlich muß die Infrastruktur einer modernen
und international wettbewerbsfähigen Wirtschaft geschaffen werden - im Bankwesen, im Informationssektor, bei Transport und Verkehr, im Wohnungsbau und
in anderen Sektoren.

AMERIKA DIENST 20

�Es ist daher nicht überraschend, daß zum Beispiel in
Polen, wo die makroökonomische Stabilisierung am
weitreichendsten war, die erwünschte angebotsorientierte Reaktion nur schleppend erfolgt ist. Die Privatisierung hat sich verzögert, und Staatsbetriebe sind
vom Markt und den Kräften des Wettbewerbs isoliert.
Darüber hinaus können wir die wichtigen psychologischen Hindernisse für mikroökonomische Reformen
nicht außer acht lassen, die aus der kommunistischen
Herrschaft resultieren, das Anklammern an die Sicherheit des Arbeitsplatzes und ganz einfach die Angst vor
Veränderungen und dem Unbekannten schlechthin.
Neue US-Strategie für wirtschaftliche Reformen
Ich möchte Ihnen versichern, daß die Regierung eine
Lehre aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre
gezogen und ihre Prioritäten im Hinblick auf Hilfe
entsprechend verlagert hat. Das heißt nicht, wir geben
die makroökonomische Unterstützung auf - denken
Sie nur an die von den Vereinigten Staaten angeregte
Initiative im Pariser Club, die Einigung über einen
außergewöhnlichen Schuldenerlaß für Polen hervorgebracht hat. Aber unserer Ansicht nach besteht in
Mittel- und Osteuropa heute größerer Bedarf an mikroökonomischen Reformen, insbesondere die Notwendigkeit zur Stimulierung von Aktivitäten des Privatsektors. Und wir glauben, die beste Möglichkeit,
diesem Bedarf gerecht zu werden, besteht in der
Verbesserung des Handels, besserem Zugang zu
westlichen Märkten und stärkerem Investitionsfluß
aus dem Westen. Demgemäß wird unser neuer Ansatz die folgenden drei Komponenten umfassen:
Erstens ein Schwerpunkt auf technischer Hilfe - Ausbildung für Banker und Führungskräfte, Hilfe bei der
Erarbeitung von Steuer-, Arbeits- und Wirtschaftsgesetzen, mit denen Wettbewerb in die Tat umgesetzt
werden kann, Hilfe von Finanzmittlern, die beim Privatisierungsprozeß helfen, Hilfe bei der Umstrukturierung von Unternehmen und Beseitigung des Würgegriffs der Bürokratien über wirtschaftliche Aktivitäten.
Zusammen mit den Unternehmensfonds für Polen,
Ungarn und die Tschechoslowakei wird die technische
Hilfe in den nächsten Jahren die meisten US-Mittel
erhalten.
Zweitens muß der Handel mit dem Westen ausgebaut
werden - zu einer Zeit, da der Osteuropahandel mit der
UdSSR und Ostdeutschland zusammengebrochen ist,
sind westliche Märkte wichtiger als westliche Hilfe.
Wenn sie nicht ihre Exporte erhöhen, werden die
neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas mehr durch
das Ausbluten des Handels verlieren als sie möglicherweise durch die Transfusion westlicher Hilfe gewinnen
könnten. Deshalb haben die Vereinigten Staaten eine
Initiative zur Verbesserung des Handels ins Leben
gerufen, die folgende Punkte umfaßt:

AMERIKA DIENST 20

eine erhebliche Erweiterung von Zollfreiheitsprivilegien für Mittel- und Osteuropa im Rahmen
des Allgemeinen Präferenzsystems;
technische Unterstützung in Zusammenhang
mit den US-Handelsgesetzen und -Vorschriften, um Informationshemmnisse für den Handel
überwinden zu helfen;
Entwicklung eines Programms, mit dessen Hilfe
das Wirtschaftsministerium Kontakte zwischen
Unternehmen, und zwar vorwiegend kleinen
und mittleren Firmen, in ähnlich gelagerten
Wirtschaftsregionen der Vereinigten Staaten und
Unternehmen in Mittel- und Osteuropa herstellen wird.
Wir sollten diese Maßnahmen nicht allein ergreifen.
Die Europäische Gemeinschaft, die den größten Markt
für Mittel- und Osteuropa darstellt, sollte - und hat in
der Tat die Pflicht - ebenfalls verstärkt ihren Markt
öffnen, und wir ermutigen sie, dies im Rahmen ihrer
Assoziierungsabkommen zu tun. Wir betonen jedoch,
daß diese Abkommen mit den GATT-Regeln für alle
Bereiche des Handels, einschließlich der Landwirtschaft, in Einklang stehen sollten.
Unsere dritte und letzte Priorität ist der Ausbau der
Produktivkraft der Region und damit des Handels
durch verstärkte Direktinvestitionen in den mittel- und
osteuropäischen Volkswirtschaften. Offengesagt sind
wir von dieser Form der Unterstützung bis jetzt enttäuscht. So hat zum Beispiel Präsident Walesa während seines Besuchs in Washington erklärt, die amerikanischen Privatinvestitionen hätten bisher lediglich
30 Millionen Dollar erreicht.
Das Kernstück dieser Bemühungen bildet unsere kürzlich
eingeleitete Initiative zur Entwicklung des Privatsektors, die das Wachstum amerikanischer Investitionen
in der Region fördern, die Beteiligung amerikanischer
Firmen an der Entwicklung der Infrastruktur verstärken
und das Engagement kleiner und mittlerer amerikanischer Unternehmen im bilateralen Handel ausbauen
soll. Es handelt sich dabei um ein auf zwei Jahre
angelegtes Programm im Umfang von 45 Millionen
Dollar, das vom Amt für internationale Entwicklung
(AID), dem Wirtschaftsministerium, der Entwicklungsgesellschaft OPIC und dem US-Handels- und Entwicklungsprogramm gemeinsam mit dem Privatsektor
durchgeführt wird. Das Hauptaugenmerk gilt dabei
fünf von den mittel- und osteuropäischen Ländern
identifizierten Schlüsselbereichen, die darüber hinaus
amerikanischen Unternehmen einzigartige Perspektiven bieten: 1. Landwirtschaft und Agrarindustrie, 2.
Energiewesen, 3. Umwelt, 4. Telekommunikation und
5. Wohnungsbau. Die Initiative beinhaltet unter anderem folgende Elemente:

Seite 3

�Ein amerikanisches Wirtschaftszentrum in
Warschau, das in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor gegen Entgeld Büroräume und technische Business-Dienstleistungen anbietet.
Amerikanische Firmenkonsortien in Osteuropa,
um kleine und mittlere amerikanische Unternehmen zu unterstützen, die sich auf dem osteuropäischen Markt engagieren möchten. Amerikanischen Handels- und Wirtschaftsvereinigungen,
die sich in der Region niederlassen möchten,
werden Beihilfen gewährt.
Eine Kapitalentwicklungsinitiative des AID, mit
der osteuropäische Regierungen und Privatfirmen bei der Planung von Infrastrukturprojekten
in einer Art und Weise unterstützt werden, die
dem Engagement amerikanischer Unternehmen
Vorschub leistet.
Wir ersuchen den Gesetzgeber um die Vollmacht, das Eigenkapital-Investitionspilotprogramm der OPIC auf Osteuropa zu erweitern,
damit die OPIC selbst Direktinvestitionen in
aussichtsreichen Gemeinschaftsunternehmen
tätigen kann.
Wir sind uns voll und ganz der Tatsache bewußt, daß
die wichtigsten Hindernisse für Direktinvestitionen in
den Ländern dieser Region selbst zu finden sind. Sie
müssen zusätzliche Schritte ergreifen, um die Hemmnisse für den Handel miteinander abzubauen und
Veränderungen von Gesetzen, politischen Maßnahmen und Institutionen zu bewirken, damit die private
Wirtschaftstätigkeit wirklich gedeihen kann. Insbesondere müssen spezielle Schranken gegen ausländische Investitionen beseitigt werden, etwa die Begrenzung ausländischen Grundbesitzes, Obergrenzen für
ausländische Kapitalanteile sowie rückwirkende Haftung für ökologische Altlasten. Ich möchte dem noch
hinzufügen, daß diese Hemmnisse auch die Entwicklung heimischer Unternehmen behindern, da ausländisches Kapital Technologie und Managementkenntnisse ins Land bringen und zur Umstrukturierung der
Industrie auf eine Art und Weise beitragen können, die
diese Volkswirtschaften nicht mit Schulden belastet.
Die Zukunft der Demokratie in der Region
Ich habe bereits früher festgestellt, daß wir im vergangenen Jahr mit einer zweiten Herausforderung in Gestalt
einiger beunruhigender politischer Tendenzen konfrontiert wurden. Dazu zählte insbesondere das Aufkommen von Nationalitätenstreit innerhalb verschiedener mittel- und osteuropäischer Länder und, in geringerem Maße, nationalistischer Spannungen zwischen diesen Ländern. Während nach dem Zweiten
Weltkrieg die traditionellen Feindschaften Westeuropas offen behandelt und von solchen Faktoren wie
wirtschaftlichem Wohlstand, gemeinsamen demokratischen Institutionen und dem Aufbau einer paneuro-

Seite 4

päischen Identität abgebaut wurden, wurden solche
Strömungen im Osten lediglich durch die kommunistische Herrschaft unterdrückt. Es hätte also eigentlich
niemanden überraschen sollen, wenn diese nach den
Revolutionen von 1989 plötzlich erneut zum Ausbruch
kamen.
Ethnische Animositäten sind nicht das einzige negative Vermächtnis des totalitären Zeitalters. Der Kommunismus gewöhnte seine Untertanen an die Politik
des Absolutismus - einen Glauben an magische Formeln und alles umfassende Pläne und die Tendenz,
Gegner als Feinde zu betrachten und alles schwarz/
weiß zu sehen.
Die Konfrontation mit diesem Vermächtnis muß uns
meines Erachtens zu der nüchternen Schlußfolgerung
veranlassen, daß der Übergang von der Makro- zur
Mikroebene bei den Reformen in der politischen Sphäre ebenso hohe Anforderungen stellen könnte wie dies
im ökonomischen Bereich der Fall ist. Die institutionelle Struktur der Demokratie entwickelt sich, aber die
Verhaltensmuster und die tägliche Praxis der Demokratie - die Tugenden der Geduld, Toleranz und des
Respekts der Vielfalt - müssen im Lauf der Zeit angeeignet werden.
Leider sind diese Tugenden nicht langfristig sondern
bereits heute vonnöten. Tatsache ist, daß die nahezu
allgegenwärtige Erwartungshaltung, derzufolge Demokratie die rasche Erlangung des westlichen Lebensstandards bedeutet, zwangsläufig zu einer Kollision
mit der harten Wirklichkeit der Anpassung an die
Reformen und des Übergangs zur Marktwirtschaft
führen muß. Es besteht deshalb die Gefahr, daß die
Desillusionierung Ungeduld über das bedächtige Tempo
und das unerläßliche Geben und Nehmen der Demokratie hervorrufen und damit zu neuen Arten der Instabilität führen könnte.
Der Beitrag des Westens
Eines, was wir im Westen nicht tun sollten, ist, über
unsere osteuropäischen Freunde zu richten oder zu
versuchen, die Entscheidungen zu diktieren, die diese
alleine treffen müssen. Wir sollten uns schließlich
unserer eigenen historischen Erfahrungen erinnern,
daß die Demokratie schon unter den günstigsten
Umständen die wahrscheinlich anspruchsvollste Regierungsform ist.
Es gibt jedoch gewisse Dinge, die der Westen, insbesondere wir in den Vereinigten Staaten, tun kann, um
dazu beizutragen, daß der sich vollziehende schwierige wirtschaftliche Übergang weder die zerbrechlichen
neuen demokratischen Institutionen noch den Frieden
in der Region insgesamt destabilisiert.
Erstens müssen wir weiterhin Beratung und technische Hilfe beim Aufbau demokratischer Institutionen
bereitstellen. Unsere Freunde in der Region erklären
uns, daß solche Hilfe bis heute absolut entscheidend
AMERIKA DIENST 20

�für die bisher erzielten Erfolge war - die veranstalteten
Wahlen, neuen Verfassungen und so weiter. In Zukunft müssen wir uns auf die Stärkung der Demokratie
an der Basis konzentrieren, insbesondere auf die
Institutionen auf lokaler Ebene sowie diejenigen Gremien, die eine gesunde pluralistische Gesellschaft
schützen und vermitteln - zum Beispiel Gewerkschaften, Presseorgane und Rechtspflege. Unser Ziel muß
sein, zur Schaffung eines Systems beizutragen, in
dem von der obersten bis zur untersten Ebene Debatten und Opposition konstruktiv und demokratisch
kanalisiert werden, ein System, das die unvermeidlichen Erschütterungen der Zukunft abfedern kann.
Zweitens müssen wir sicherstellen, daß der durch das
Ende des kalten Krieges veränderte Gesamtrahmen
der europäischen Sicherheit selbst jeder von Mittelund Osteuropa ausgehenden politischen Erschütterung standhalten kann. Letztlich bedeutet dies konkret
die Schaffung einer neuen europäischen politischen,
wirtschaftlichen und Sicherheitsarchitektur. Darüber
hinaus müssen wir versuchen, die Mittel- und Osteuropäer davon zu überzeugen, daß die Beibehaltung
des demokratischen Kurses die conditio sine qua non
für den Beitritt zur Familie westlicher Nationen darstellt. Die Antwort besteht nicht darin, sie nur wegen
ihrer Investitionsregelungen oder ethnischen Auseinandersetzungen zu belehren. Sie müssen selbst erkennen, daß es zu den politischen und wirtschaftlichen
Freiheiten des Westens keine Alternative gibt, wenn
ihr Ziel die Erlangung westlichen Wohlstands und
gefestigter Freiheiten ist. Daneben müssen sie auch
lernen, das durchaus legitime Recht auf ethnische
Selbstbestimmung und Ausdruck der eigenen Persönlichkeit mit den Geboten der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in einem Europa in Einklang zu
bringen, das auf rasche Integration und nicht auf
Zersplitterung ausgerichtet ist.
Schließlich müssen wir die psychologische Dynamik
beeinflussen, die heute in Mittel- und Osteuropa am
Werk ist, um sicherzustellen, daß die Euphorie von
Zuversicht und nicht von Verzweiflung abgelöst wird.
Wir können dies tun, indem wir unsere Freunde davon
überzeugen, daß es Licht am Ende des Tunnels gibt

und wir mit ihnen gemeinsam durch diesen Tunnel
gehen, bis sie vollständige Mitglieder der westlichen
Staatengemeinschaft geworden sind.
Dies kann jedoch nicht nur das Werk der westlichen
Regierungen allein sein. Die Nagelprobe unseres
Engagements für Demokratie und freies Unternehmertum in Mittel- und Osteuropa könnte die Bereitschaft unseres Privatsektors sein, sich an diesem
großen Experiment zu beteiligen und damit der Region
zu helfen, die menschlichen Qualifikationen und das
Kapital zu erwerben, die dringend benötigt werden.
Ich bin mir voll und ganz im klaren darüber, daß dies für
die amerikanische Wirtschaft keine Sache der Menschenfreundlichkeit ist. Ich habe mich bei der Beschreibung der Hindernisse für Wandel und Reformen
nicht zurückgehalten, die wir im vergangenen Jahr
angetroffen haben. Trotzdem bin ich ohne zu zögern
bereit, meinen Appell an Sie zu erneuern, in der Region
zu investieren. Ich bin davon überzeugt, daß der
Ertrag, obwohl nicht schnell erreichbar, so doch groß
sein wird.
Ja, der Status von Privateigentum ist immer noch
unklar - aber er wird geklärt werden. Ja, die Investitionsbestimmungen werden nicht allen unseren Erwartungen gerecht - aber dies wird schon bald der Fall
sein. Ja, das Tempo der Privatisierung war langsam aber es gibt einfach keine Alternative zu ihrer weiteren
Vorwärtsentwicklung.
Tatsache ist, daß Mittel- und Osteuropa Erfolg haben
werden, und diese Überlegung sollte bei ihren Investitionsentscheidungen zentralen Stellenwert einnehmen.
Und wenn ich von Erfolg spreche, so meine ich damit
auch, daß sich die Region im Lauf der Zeit sicherlich
dem historischen Prozeß der wirtschaftlichen Integration anschließen wird, der sich gegenwärtig in Westeuropa vollzieht - einem Prozeß, von dem ausgeschlossen zu sein sich die amerikanische Wirtschaft nicht
leisten kann. Mittel- und Osteuropa können gewinnträchtige Tore in das Europa von morgen sein - aber
nur, wenn die amerikanische Wirtschaft bereit ist, die
Risiken in Kauf zu nehmen und sich mit den Hindernissen auseinanderzusetzen, die heute in der Region
bestehen.

*

AMERIKA DIENST 20

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Seite 5

�UMWELT
22. Mai 1991

LEITER DES US-UMWELTSCHUTZAMTS FORDERT
ZUSAMMENSPIEL VON UMWELTUND WIRTSCHAFTSPOLITIK
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des US-Umweltschutzamts (EPA), William K. Reilly, zufolge sind "Wirtschaft
und Umwelt zwei Bestandteile eines zerbrechlichen Ganzen und interdependent."
In einer Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats erklärte Reilly am 15. Mai 1991: "Wir müssen unserer
Verantwortung in beiden Bereichen gerecht werden, um sicherzustellen, daß das ökologische System, von dem
alle Aktivitäten des Menschen - einschließlich der Wirtschaftstätigkeit - abhängen, zukünftigen Generationen
erhalten bleibt."
Reilly erörterte vor dem Senatsausschuß die Vorbereitungen der Vereinigten Staaten zur Teilnahme an der für
nächstes Jahr anberaumten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED). Ziel
dieser Konferenz ist, die weltweite Beeinträchtigung des ökologischen Systems aufzuhalten. Die Zusammenkunft wird im Juni 1992 in Rio de Janeiro stattfinden, dem 20. Jahrestag der Stockholmer Umweltkonferenz von
1972.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Leiters des EPA im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, heute mit Ihnen die
Rolle des Umweltschutzamts bei den Vorbereitungen
der Vereinigten Staaten für die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung im Jahr
1992 erörtern zu können. Wir teilen die vom USAußenministerium geäußerte Einschätzung dieser
Konferenz.
Wie unsere Kollegen in der Exekutive vertreten wir die
Auffassung, daß die UNCED eine einmalige Chance
für die internationale Staatengemeinschaft bietet, einen Konsens zu den wirksamsten Ansätzen bei der
Bewältigung der vordringlichsten umweit- und entwicklungspolitischen Probleme auf internationaler,
regionaler, nationaler und lokaler Ebene zu erarbeiten.

wird und uns veranlaßt, eine auf das Zusammenwirken
von Umwelt- und Wirtschaftspolitik ausgerichtete kollektive Partnerschaft zu schmieden.
Im Februar 1990 erklärte Präsident Bush vor der
Zwischenstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (IPCC): "Ich bin derfesten Überzeugung, daß wir
alles in unserer Macht Stehende zur Förderung weltweiter Zusammenarbeit, für Umweltschutz und Wirtschaftswachstum, intelligente Verwaltung unserer
natürlichen Ressourcen und wirksame Nutzung unserer industriellen Kapazität sowie dauerhafte und
umweltverträgliche Entwicklung - auf der ganzen Welt
- tun müssen."
Ziele und Rolle des EPA bei der UNCED

Der chinesische Philosoph Lao Tse hat einmal gesagt,
eine tausend Meilen lange Reise beginne mit einem
einzigen Schritt. Die Stockholmer Konferenz von 1972
hat Umweltthemen auf die internationale und nationale
Tagesordnung zahlreicher Länder gesetzt. Wir hoffen,
daß die Konferenz von 1992 einen Schritt weiter gehen

AMERIKA DIENST 20

Das EPA sieht seine Rolle bei den Vorbereitungen für
die UNCED darin, den Vereinigten Staaten mit Ideen,
Rat und umfassendem Fachwissen zu den bei der
Konferenz angesprochenen Themen zur Seite zu stehen.
Das EPA verfügt über 20jährige Erfahrungen bei

Seite 1

�Bewertung und Abbau von Risiken, Techniken zur
Verhinderung der Umweltverschmutzung sowie umweltverträgliche technologische Zusammenarbeit, die
von den Vereinigten Staaten bei der Integration von
Umweltschutzmaßnahmen in die Wirtschaftsplanung
und den Entscheidungsfindungsprozeß genutzt werden können.
Das EPA erwartet, daß die UNCED ein - derzeit
Programm 21 genanntes - Aktionsprogramm hervorbringt, das Empfehlungen für bestimmte Programme
und Umweltmedien zur Durchführung auf lokaler,
nationaler und internationaler Ebene enthält. Obwohl
das EPA an praktisch allen Themen der UNCED
interessiert ist, übernehmen wir die Führungsrolle bei
der Abfassung von Positionspapieren zu sieben Bereichen: toxische Chemikalien, Verschmutzung der Meere,
technologische Zusammenarbeit, Sondermüll, Trinkwasserqualität, Umwelterziehung und Austausch von
Informationen. Darüber hinaus spielen wir in zwei
weiteren Bereichen eine führende Rolle, und zwar
Forstwesen und Reform der Vereinten Nationen. Ich
möchte kurz einige unserer Interessensgebiete umreißen:
Toxische Chemikalien
Das EPA unterstützt die laufende Arbeit einer Reihe
internationaler Institutionen zu Pestiziden und toxischen Chemikalien. Wir begrüßen die Bestrebungen
der UNCED zur Verbesserung der Zusammenarbeit
zwischen diesen Gruppen, insbesondere, den Mitgliedstaaten bei der Entwicklung der erforderlichen
menschlichen Ressourcen und technischen Infrastruktur behilflich zu sein, um chemische Risiken wirksam in
den Griff zu bekommen. Das EPA hat mehrere spezifische Initiativen erarbeitet, deren Verabschiedung bei
der UNCED es begrüßen würde:
Internationale Bestrebungen technischer Experten in die Wege zu leiten, um eine Risikoanalyse von Umweltproblemen mit Chemikalien zu
entwickeln, die sich beim Festsetzen der Prioritäten in den Vereinten Nationen und anderen Institutionen als nützlich erweisen würde.
Verständigung auf eine Reihe unverbindlicher
"Prinzipien zur Kommunikation von Risiken."
Verständigung auf Richtlinien für einen neuen
internationalen Verhaltenskodex bei industriellen Chemikalien. In diesem Zusammenhang
würde dem Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) empfohlen, einen unverbindlichen Kodex international vereinbarter Grundsätze für den industriellen Einsatz chemischer
Stoffe aufzustellen, einschließlich Prüfung,
Handhabung, technischen und gesetzlichen
Erfordernissen, Kennzeichnung, Verpackung und
Informationsaustausch.

Seite 2

Erarbeitung eines Rahmens für die Entwicklung
einer Bestandsaufnahme der Emissionen toxischer Chemikalien in den Mitgliedstaaten ähnlich dem US-Jahresbericht über Emissionen
toxischer Chemikalien.
Meeresverschmutzung
Amerikanische Regierungsbehörden, vertreten durch
das US-Außenministerium, EPA und NOAA (National
Oceanic and Atmospheric Administration), haben sich
auf ein umfassendes Paket von Initiativen verständigt,
die bei der UNCED in Genf zur Diskussion gestellt
werden sollen. Dieses Paket beinhaltet Fragen wie
etwa die Küstenverschmutzung, Überwachung, Sammlung und Austausch von Daten und Informationen,
Aus- und Fortbildung sowie die wirksame Durchsetzung nationaler und internationaler Vorschriften und
Nonnen. Andere Länder haben erhebliches Interesse
an der Entwicklung einer weltweiten Initiative zur Verhinderung und Kontrolle binnenländischer Quellen der
Meeresverschmutzung gezeigt. Die Vereinigten Staaten erwägen eine Reihe von Initiativen, die potentiell
zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit und Kontrolle binnenländischer Verschmutzungsquellen beitragen können.
Technologische Zusammenarbeit und Finanzierung
Fragen der technischen und finanziellen Unterstützung genießen bei der UNCED vorrangige Bedeutung.
Das EPA geht davon aus, daß technologische Zusammenarbeit, und zwar sowohl der Transfer von umweltverträglichen Technologien und Know-how als auch
finanzielle Beihilfen zur Unterstützung dieses Transfers wichtige Elemente bei den internationalen Bemühungen zum Schutz der Umwelt sind. Das EPA ist
aktiv in ein breites Spektrum von Maßnahmen zum
Technologietransfer eingeschaltet, darunter die Entwicklung einer Clearingstelle für Umwelttechnologie
(ENVIROTECH), Entwicklung besonderer Technischer
Informationsprogramme (TIP), Einrichtung regionaler
Umweltzentren sowie technische Zusammenarbeit mit
China, Indien und Mexiko.
Das EPA war befriedigt über die jüngsten Studien des
Büros für Technologiebewertung und der Nationalen
Akademie der Wissenschaften, die zu dem Ergebnis
kamen, daß zahlreiche preisgünstige Technologien
bereits zur Bewältigung der weltweiten Klimaveränderung zur Verfügung stehen. Auf der Grundlage dieser
und anderer Studien gehen wir davon aus, daß Hindernisse bei der technologischen Zusammenarbeit überwunden werden können. Die Entwicklung der Globalen Umweltfazilität (GEF) und anderer finanzpolitischer Mechanismen liefern die erforderliche finanziel le
Unterstützung zur Förderung des Technologietransfers.

AMERIKA DIENST 20

�Die UNCED macht Fortschritte bei der Entwicklung
einer Reihe von Prinzipien zum Technologietransfer.
Zusammen mit anderen US-Regierungsbehörden
bemühen wir uns darum, zur Vorlage bei der UNCED
detaillierte Vorschläge zur technologischen Zusammenarbeit zu entwickeln. Darüber hinaus werden USRegierungsbehörden sorgfältig den vom UNCEDSekretariat erarbeiteten Bericht über technologische
Zusammenarbeit analysieren, um die technologischen
Bedürfnisse der Entwicklungsländer zu verstehen und
diese Ergebnisse mit der bestehenden bilateral und
multilateral gewährten technischen und finanziellen
Hilfe in Einklang zu bringen.
Die UNCED sollte in der Lage sein, gemeinsame
Ansätze zur technologischen Zusammenarbeit in
bestimmten Problembereichen zu entwickeln. Unterschiedliche Ansätze zur technologischen Zusammenarbeit könnten in jedem der sieben Problembereiche
entwickelt werden (Atmosphäre, Forstwesen, Artenschutz, Abfallentsorgung, toxische Chemikalien,
Süßwasser und Meere), die folgende Maßnahmen
zum Inhalt hätten: 1. Bereitstellung einer besonderen
Technologie oder speziellen Know-hows; 2. die Finanzierung dieser Bemühungen aufgrund bestehender
bilateraler oder multilateraler Programme wie etwa der
Globalen Umweltfazilität, des Multilateralen Fonds im
Rahmen des Montrealer Protokolls, der normalen
Geschäftstätigkeit der Weltbank, der Hilfen von AID/
EPA und anderer Programme sowie 3. das notwendige Fortschreibungs- und Unterhaltsprogramm.
Sondermüll
Die Vereinigten Staaten setzen sich vorbehaltlos für
die internationale Zusammenarbeit bei Methoden der
Abfallvermeidung durch saubere Technologien und
Rückgewinnung als Erweiterung ihres nationalen
Programms zur Verhinderung von Umweltverschmutzung ein. Wir gehen davon aus, daß die bei weitem
wichtigste Aufgabe der UNCED im Hinblick auf die
Abfallproblematik die vollständige Anwendung des
Baseler Übereinkommens über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und
ihrer Entsorgung ist. Zu diesen Bemühungen werden
die Inkraftsetzung der Konvention sowie Zusammenkünfte der Vertragsparteien gehören, um Kriterien für
internationale Transporte zu entwickeln.
Trinkwasserqualität
Die Vereinigten Staaten haben der UNCED empfohlen, die internationale Staatengemeinschaft solle in
diesem Bereich eine geschlossenere Strategie und
intensivierte Zusammenarbeit ins Leben rufen, um
nicht vorhergesehenen unerwünschten Tendenzen in
den neunziger Jahren entgegenzutreten. Darüber
hinaus betonen wir, daß sich die Länder um die Verhinderung von Wasserverschmutzung als dauerhaftes
Entwicklungsziel bemühen sollten.

AMERIKA DIENST 20

Umwelterziehung
Obwohl dieses Thema noch in den Foren der UNCED
behandelt werden muß, unterstützen die Vereinigten
Staaten einen intensivierten und organisierteren internationalen Ansatz zur internationalen Zusammenarbeit bei der Umwelterziehung. Wir gehen davon aus,
daß die UNCED das Potential für folgende Maßnahmen besitzt: 1. Hilfe beim Bau von "Brücken" zwischen nördlichen und südlichen Ländern sowie zwischen südlichen Ländern unter sich; Schaffung kostengünstigerer internationaler Maßnahmen zum Wohle
vieler Industriestaaten und aller Entwicklungsländer
sowie 3. bedeutende Beiträge zu den nationalen und
internationalen Bemühungen, um das Interesse der
Entwicklungsländer am Umweltschutz wiederzubeleben und gleichzeitig dauerhafte entwicklungspolitische Ziele zu verwirklichen.
Informationsaustausch
Die Vereinigten Staaten hoffen, beim Treffen des
Vorbereitungsausschusses im August Empfehlungen
zu diesem Thema vorlegen zu können. Den Vereinigten Staaten zufolge soll eine internationale Politik zum
Informationsaustausch über Themen wie Berechnung,
Genehmigung, urheberrechtlicher Schutz, öffentlicher
Zugang, Austausch von Statistiken und Normen erarbeitet werden. Wir würden die Ausweitung des Informationszentrums (INFOTERRA) begrüßen, um unmittelbaren Zugang zu Informationen und Statistiken
zu gewährleisten. Darüber hinaus sind wir der Meinung, daß sein Frühwamsystem ausgebaut werden
sollte, damit Umweltprobleme früher erkannt werden.
Ferner sollte eine Initiative für regionale Partnerschaften zum Zweck des Informationsaustauschs ins Leben
gerufen werden.
Das EPA spielt auch eine wichtige Rolle bei der politischen Konzeption in den Bereichen Forstwirtschaft
und UN-Reformen. Unser Interesse gilt vor allem
folgenden Punkten:
Forstwirtschaft
Das zweite umfassende Treffen des Vorbereitungsausschusses zeigte breite Unterstützung für ein mögliches eigenständiges weltweites Abkommen zum Schutz
des Waldes. Dennoch sind wenige Länder der Auffassung, daß bis 1992 ein rechtsverbindliches Abkommen oder sogar ein Rahmenabkommen zustande
kommt. Die meisten Länder befürworten bis 1992 und
als ersten Schritt zu einer Konvention die Erarbeitung
einer unverbindlichen Grundsatzerklärung.
UN-Reform
Das EPA hat an der Erarbeitung von Empfehlungen
über konzeptionelle Reformen des UNEP für das USAußenministerium mitgearbeitet. Die Vereinigten
Staaten unterstützen das UNEP und seine regionalen

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�Büros. Wir werden weiterhin mit dem Außenministerium an der Entwicklung der amerikanischen Sicht zu
UN-Reformen für die UNCED zusammenarbeiten.
Pläne des EPA zur Vorbereitung der UNCED
Das EPA hat im Rahmen seiner Sonderabteilung für
die UNCED Arbeitsgruppen gebildet, die Themen
ansprechen sollen, bei denen wir die Führungsrolle
übernehmen oder für die wir innerhalb der US-Regierung eintreten sollen. Die Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit folgenden Themen: Trinkwasserqualität,
toxische Chemikalien, Sondermüll, Technologietransfer, Berücksichtigung des Nationaleinkommens, Informationen über Umweltschutz und Bewußtseinsschärfung zum Umweltschutz.

Koordinierung durch andere multilaterale Foren
Wir arbeiten ebenfalls durch andere multilaterale Foren zusammen, wie etwa die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD),
die Regionalen Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen und die technischen und speziellen UNOOrganisationen, um die Arbeit der UNCED zu unterstützen. Zusammen mit dem Leiter von AID werde ich
die US-Regierung beim Gemeinsamen Treffen der
OECD-Minister für Entwicklung und Umwelt Im Dezember 1991 in Paris vertreten. Bei diesem Treffen
werden die Minister
Aufzeichnungen über UNCED-Vorbereitungen
austauschen,

Beteiligung der EPA an der Erstellung des Länderberichts

Bestrebungen in ihren jeweiligen Ländern erörtern, mit denen Umweltverschmutzung verhindert und der Einsatz natürlicher Ressourcen auf
ein erträgliches Maß reduziert werden soll, um
anderen Ländern ein Beispiel zu geben Und

Das EPA bereitet drei Kapitel des Länderberichts vor
- Wichtige Fragen zu Umwelt und Naturschutz, Umweltkatastrophen und Bewußtseinsschärfung für die
Umwelt - bei denen der Rat über Umweltqualität (Council
on Environmental Quality - CEQ) die Federführung
hat.

Wege besprechen, wie weltweite Umweltprobleme zu lösen sind, etwa durch Förderung der
Umweltschutzinstitutionen in Entwicklungsländern sowie in Mittel- und Osteuropa und mit
diesen Ländern zusammenarbeiten, um umweltverträglichere Technologien zu verbreiten,
zusätzliche Mittel zum Umweltschutz bereitzustellen und unsere Umwelt-, Entwicklungshilfe,
Handels- und Wirtschaftspolitik einheitlicher zu
gestalten.

EPAs Hilfe für das UNCED-Sekretariat
Die EPA-Abteilung für die Verwaltung der Informationsquellen steht mit dem UNCED-Sekretariat in
Verbindung, um zu bestimmen, welche Rolle das EPA
bei der Bereitstellung von Informationen an Entwicklungsländer oder das UNCED-Sekretariat spielen soll.
EPA hat zwei Anfragen des UNCED-Sekretariats bereits
zugestimmt. Zum einen wollen sie unser bereits
funktionierendes INFOTERRA-Netzwerk nutzen, um
auf Anfrage Informationen an Entwicklungsländer zu
liefern, damit diese ihre Länderberichte erstellen können. Zum anderen soll den EPA-Zweigstellen Material
über die UNCED zur Verfügung gestellt werden, damit
sie die amerikanische Öffentlichkeit über die Konferenz informieren können. Das EPA hat allen EPABüros in der Zentrale und in den regionalen Büros an
ECONET angeschlossen, um den termingerechten
Zugang zu Informationen über die UNCED zu erleichtern. ECONET ist das Informationsnetz des UNCEDSekretariats, mit dessen Hilfe Nichtregierungsorganisationen und Regierungen Zugang zu UNCED-Dokumenten und neueste Informationen über die Arbeit des
Vorbereitungsausschusses erhalten.

Die Minister werden ferner erwägen, wie die Zusammenarbeit bei der Integration unserer Entwicklungsund Umweltpolitik nach 1992 aussehen soll.
Zuletzt möchte ich die Dringlichkeit betonen, mit der
wir uns der UNCED widmen sollten. Die Konferenz
1992 findet in dreizehn Monaten statt. Meiner Meinung
nach bietet die Konferenz der internationalen Staatengemeinschaft eine einzigartige Gelegenheit, die Entscheidungsfindung in den Bereichen Umwelt und
Wirtschaft zu vereinheitlichen. Die Bestrebungen der
Vereinigten Staaten werden von entscheidender
Bedeutung sein, wenn es um die Formulierung von
Ergebnissen der Konferenz zum Schutz unserer Umwelt
geht. Wir sollten bereit sein, diese einzigartige Chance
zu nutzen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�GOLFKRISE
22. Mai 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Mai 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Mai 1991 fort.

2. Mai

vorgesehene UN-Zivilpolizeitruppe zu prüfen, die Gebiete
im Norden Iraks und in anderen Gegenden mit hohem
Flüchtlingsaufkommen absichern sollen.

Dem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bob
Hall, zufolge haben 347.000 amerikanische Soldaten
oder 65 Prozent der zur Operation Wüstensturm entsandten Truppen die Golfregion verlassen. Von den
193.000 noch am Kriegsschauplatz befindlichen Soldaten sind 4.000 amerikanische in der entmilitarisierten Zone und weitere 800 im al-Rafa-Camp stationiert.
Hall erklärt, die Meeresblockade zur Durchsetzung
des UN-Handelsembargos bleibe in Kraft.

Das US-Außenministerium gibt bekannt, daß Algerien
in den Vereinigten Staaten die Interessen des Irak
wahrnehmen wird. Der Irak hatte die Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten Anfang dieses Jahres abgebrochen.

3. Mai

9. Mal

Dem amerikanischen Stellvertretenden Ständigen
Vertreter bei den Vereinten Nationen, Botschafter
Alexander Watson, zufolge erwägen die Vereinigten
Staaten nicht, irakische Vermögenswerte freizugeben
oder der irakischen Bitte zu entsprechen, ö l zur Bezahlung von Nahrungsmitteln zu verkaufen. "Zu diesem Zeitpunkt ziehen die Vereinigten Staaten die
Freigabe (irakischer) Vermögenswerte überhaupt nicht
in Betracht", so Watson.

Der Kongreß billigt die Bereitstellung von 572 Millionen
Dollar, um den Opfern des irakischen Bürgerkriegs zu
helfen. Das Repräsentantenhaus stimmt mit 383 zu 25
Stimmen für den Transfer bereits bewilligter Mittel von
Konten für Auslandshilfe und Verteidigungsaktivitäten
auf Sonderkonten, die für Katastrophenhilfe an Personen errichtet wurden, die vor Saddam Husseins Armee
geflohen waren, als er die Aufstände im Anschluß an
den Golfkrieg niederschlug. Der Senat folgte dem
Repräsentantenhaus einstimmig.

6. Mai
Die Vereinigten Staaten möchten, daß die Vereinten
Nationen "so bald wie möglich" die Verantwortung für
die kurdischen Flüchtlingslager übernehmen, erklärt
der amerikanische Botschafter Thomas Pickering. Das
Ziel sei, die Kurden zur Rückkehr in ihre Heimat zu
bewegen "und ihnen, so schnell dies verwirklicht werden kann, das Gefühl von Sicherheit und Hoffnung
unter dem Schutz der Vereinten Nationen zu vermitteln". Pickering fügt hinzu, er habe Generalsekretär
Perez de Cuellar gebeten, die Einzelheiten für eine

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7. Mai

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bob
Hall, erklärt, die Koalitionsstreitmacht habe 13.140
Tonnen an Nahrungsmitteln und anderen Hilfslieferungen für kurdische Flüchtlinge bereitgestellt. An dem
Unternehmen beteiligen sich 18.229 Mann der multinationalen Streitmacht einschließlich 10.314 US-Soldaten. Australien, das als letztes Land der Sondereinsatztruppe zur Unterstützung der Kurden beigetreten
ist, entsendet fünf der 70 vorgesehenen Personen, die
ärztliche Hilfe leisten und an der Wasseraufbereitung
arbeiten sollen. Andere Länder haben folgendes

Seite 1

�Personal entsandt: Deutschland 219, Frankreich 1.335, wortung für das erste Zeltdorf in Sachu als ersten
Großbritannien 4.110, Italien 604, Kanada 79, die Schritt der allmählichen Übergabe der HilfsoperatioNiederlande 1.017 und Spanien 536.
nen im nördlichen Irak an zivile internationale Hilfsorganisationen unter der Schirmherrschaft des Hohen
Einem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
zufolge wird das Abfangen oder Umleiten von Schiffen (UNHCR).
mit für Irak bestimmten Lieferungen fortgesetzt. Vor
Einstellung der Feindseligkeiten am Golf belief sich die 15. Mai
Zahl der abgefangenen Schiffe auf insgesamt 7.645.
Seitdem wurden 1.847 abgefangen, davon 660 seit Ein 34köpfiges Team der Internationalen Atomenergieagentur beginnt gemäß der Bedingungen des Wafdem Waffenstillstand.
fenstillstands, die die Zerstörung nuklearer, chemiDas US-Verteidigungsministerium erklärt, 71 Prozent scher und biologischer Waffen fordern, mit der Inspekder zur Operation Wüstensturm entsandten Truppen tion der irakischen Anlagen zur Herstellung von Atomseien abgezogen worden. Dem Sprecher des Vertei- waffen.
digungsministeriums, Bob Hall, zufolge bleiben 156.000
am Kriegsschauplatz, um die Verlegung von verbliebe- Irakischen Berichten zufolge sollen gemäß einer vornen Truppen und Gerät zu Stützpunkten in den Verei- läufigen Übereinkunft die alliierten Truppen im Norden
nigten Staaten vorzubereiten oder die noch am Golf des Irak angeblich durch 500 leicht bewaffnete UNPolizisten ersetzt werden, um die kurdischen Gebiete
befindlichen Truppen zu schützen.
zu schützen. Im Rahmen der Übereinkunft würden
etwa 3.300 Soldaten abgezogen, die zur Zeit die
14. Mai
"Schutzzone" kontrollieren.
Der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs, Prinz
Sadruddin Aga Khan, übernimmt offiziell die Verant-

* *

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AMERIKA DIENST 20

�EINWANDERUNG
22. Mai 1991

AMERIKANER ASIATISCHER ABSTAMMUNG IN DER
AMERIKANISCHEN GESELLSCHAFT
von Paul Malamud, USIA
"Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Vereinigten Staaten
ist die Tatsache, daß sie vollständig von Einwanderern
bevölkert werden. Selbst die Indianer kamen ursprünglich
aus Asien. In der gesamten Geschichte dieser Nation hat es
Einwanderungswellen aus Europa, Afrika und - in jüngster Zeit aus Asien gegeben. Jede brachte ihr eigenes Erbe mit, und
diese Verknüpfung unterschiedlicher kultureller Abstammungen
unterstreicht die Dynamik dieses Landes."
T.O. Lee, Nobelpreisträger für Physik

"Nennen Sie mich Tu", sagt der vietnamesische Kellner, der mir im Cafe Dalat Delikatessen wie thit kho
nuoc dua (karamelisiertes Schweinefleisch in Kokosmilch) und bo xao chua ngot (Rindfleisch süß-sauer)
serviert. Die Unterhaltung mit seinen Gästen scheint
ihm Spaß zu machen.
Während er redet, herrscht ein ständiges Kommen
und Gehen von Arbeitern und Geschäftsleuten aus
den nahegelegenen Bürogebäuden. Es ist Mittagszeit. Seine Schwester, eine würdevoll blickende Dame,
kümmert sich um die Bar.
Das Cafe Dalat liegt in Arlington (Virginia) in einem
Viertel, das heute als "Little Saigon" bekannt ist.
Nguyen Van Ly Jewelry and Watch Repair, Mekong
Center Oriental Food and Gifts, der Pacific Oriental
Department Store, Grocery and Restaurant befinden
sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Wände des
Cafe Dalat sind mit Reproduktionen orientalischer
Kalligraphien und Aquarellen vietnamesischer Dorfszenen geschmückt.
"Es war schwer, als wir im Jahr 1975 hier ankamen",
sagt Tu. "Alles war neu - Sprache, Arbeit, Sitten und
Gebräuche, Traditionen, besonders die Traditionen.
Amerikaner und Asiaten sind grundverschieden. Aber
AMERIKA DIENST 20

ich hatte Glück - meine Schwester war bereits hier.
Und da ich in Saigon bei einer Fluggesellschaft gearbeitet hatte, konnte ich bereits etwas Englisch. Ich
habe mich angepaßt. Meine Freunde haben sich
angepaßt."
"Noch schwerer ist es für einige der später gekommenen Flüchtlinge. Sie haben Kommunikationsprobleme. Nicht alle sprechen Englisch", meint er.
Tu erklärt, wenn sich die politische Lage in Vietnam
ändere, würden die alten Vietnamesen nach Hause
zurückkehren wollen - "aber nicht die jüngeren".
"Meine Schwester hat sechs Kinder - fünf Töchter und
einen Sohn. Eines legte sein Examen an der University of Virginia ab, eines an der Howard University, ein
anderes Kind studiert Zahnmedizin, eines an der George
Mason University, eines an der Johns Hopkins Universität in Baltimore und eines an der Georgetown University. Natürlich werden sie ihr Leben lang hierbleiben."
Mi Cha Lee, eine junge Koreanerin Ende zwanzig,
besitzt eine Reinigung in einem Viertel mit eintönigen
Regierungsgebäuden in der Bundeshauptstadt Washington. Sie begrüßt viele ihrer Kunden, zumeist
Regierungsbeamte, mit Namen.
Seite 1

�"In Korea wollte ich Modedesignerin werden", erklärt
sie. "Aber als ich hierherkam, stellte ich fest, daß mein
Englisch nicht gut genug war, um einer solch hochwertigen kreativen Tätigkeit nachzugehen."
"Ich besuche Sommerkurse in Englisch an der University of Virginia, und vielleicht kann ich eines Tages
wieder Kleider entwerfen."
Wie Tu so meint auch sie, daß der Anfang schwierig
war, obwohl ihr Vater, der in Korea ein Uhrengeschäft
besaß, kein armer Mann war. "Als ich dieses Geschäft
einrichtete, arbeitete ich normalerweise bis spät in die
Nacht. Einmal mußte ich sogar bis fünf Uhr morgens
bleiben. Aber heute kann ich es mir leisten, Mitarbeiter
einzustellen und muß deshalb nicht mehr so lange im
Geschäft bleiben."
Mein gesellschaftliches Leben hat stark gelitten", sagt
sie kichernd. "Ich mußte zu hart arbeiten. Aber für
mich persönlich war es das wert." Obwohl zwei ihrer
Schwestern nicht glücklich sind und vielleicht nach
Südkorea zurückkehren werden, möchte Mi Cha bleiben. "Ich mag dieses Land. Es ist frei - man kann hier
frei seine Meinung äußern. Vielleicht gibt es sogar
zuviel Freiheit - nicht genug Rücksicht darauf, was die
Eltern und die Gemeinschaft möchten. Aber es ist frei.
Ich bin glücklich", sagt sie.
"Wenn ich eines Tages Kinder habe, will ich, daß sie
mehr Möglichkeiten haben als ich sie hatte. Ich
möchte, daß sie tun können, was sie wollen. Ich weiß,
daß sie anders denken werden als ich, aber sie werden
auch mehr Wahlmöglichkeiten haben."
Sowohl das ruhige vietnamesische Restaurant als
auch die geschäftige koreanische Reinigung zählen zu
den vielen Anzeichen für die erhebliche und sich rasch
verstärkende asiatische Präsenz in den Vereinigten
Staaten, eine Präsenz, die in allen Lebensbereichen
zunehmend spürbar wird.
Auf den Straßen und in den Schulen gibt es immer
mehr asiatische Gesichter. Die Zahl asiatischer Geschäfte und Restaurants hat sich rapide vermehrt. In
vielen Großstädten ist es kein Problem, indische
Lebensmittel zu kaufen, in Hongkong oder Bombay
produzierte asiatische Videokassetten auszuleihen oder
Dienstleistungen wie Akupunktur in Anspruch zu nehmen.
Zwei neue Zeitschriften, AsiAm und Rice, sind auf die
jungen Leser unter den Amerikanern asiatischer Abstammung ausgerichtet, und asiatische Gesichter sind
in der Kunstszene und im Fernsehen immmer häufiger
zu sehen. Das berühmte Denkmal für Veteranen des
Vietnamkriegs wurde von Maya Lin entworfen. David
Henry Hwang ist der erste erfolgreiche amerikanische
Dramatiker asiatischer Abstammung, dessen Hit "M.
Butterfly" am Broadway aufgeführt wurde. Connie
Chung ist eine landesweit bekannte Nachrichtenmoderatorin beim Fernsehsender NBC.
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Im Jahr 1986 belief sich die Zahl der in den Vereinigten
Staaten lebenden Asiaten auf schätzungsweise 3,2
Millionen oder rund 1,5 Prozent der amerikanischen
Bevölkerung. Diese Zahl wird sich bis Anfang des
nächsten Jahrhunderts voraussichtlich verdoppeln. Und
eine im Jahr 1980 durchgeführte Volkszählung ergab,
daß die Mehrzahl der Amerikaner asiatischer Abstammung im Ausland geboren war und gerade erst anfing,
ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft zu
erobern.
In Kalifornien - wo 36 Prozent von ihnen leben -, haben
die Amerikaner asiatischer Abstammung bereits gesellschaftlichen und politischen Einfluß. Die meisten
anderen Amerikaner asiatischer Herkunft leben in
Hawaii oder Illinois, New York und Texas. Es sind
vorwiegend Chinesen, Filipinos und Japaner, aber
auch Koreaner und Einwanderer aus dem indischen
Subkontinent und Südostasien.
Die Asiaten stellen natürlich keine homogene Gruppe
dar, und das Ausmaß ihrer Integration in die amerikanische Gesellschaft sowie ihr gesellschaftlicher und
wirtschaftlicher Erfolg innerhalb dieser Gesellschaft
variiert. Amerikanern chinesischer, koreanischer,
japanischer und indischer Abstammung - von denen
viele einer gebildeten Schicht angehören - ist es am
besten ergangen. Abhängig von der jeweiligen statistischen Quelle sind Amerikaner philippinischer Herkunft
genauso oder etwas weniger erfolgreich. Die jüngsten
Einwanderer aus Vietnam, Laos und Kambodscha
sehen sich aufgrund der Tatsache, daß sie eher politische Flüchtlinge als freiwillige Einwanderer sind, mit
größeren Schwieirgkerten konfrontiert und leiden unter
dem Trauma des Krieges.
Den meisten Asiaten erleichtert jedoch ihre konfuzianische Lehre - die der amerikanischen protestantischen Geisteshaltung harter Arbeit und enger Familienbande entspricht - und vor allem ihr Streben nach
Bildung die Integration in die amerikanische Gesellschaft. Eine jüngste Studie des US-Bildungsministeriums belegt, daß die High School-Schüler asiatischer
Abstammung einen höchst anspruchsvollen Lehrplan
bewältigen.
Obwohl einige Vertreter der Amerikaner asiatischer
Abstammung auf Anzeichen von Ressentiments gegen den Strom asiatischer Einwanderer in einigen
Gegenden verweisen, werden die Asiaten im großen
und ganzen gut aufgenommen. Eine von der amerikanischen Bügerrechtskommission im Jahr 1988 in Auftrag gegebene Studie, die sich vorwiegend auf die
Volkszählung von 1980 stützt, ergab, daß die Einkommen asiatischer Familien im großen und ganzen nicht
durch Diskriminierung am Arbeitsplatz beeinträchtigt
waren.
Als Gruppe genommen entspricht das Einkommen
amerikanischer Familien asiatischer Abstammung dem
in den Vereinigten Staaten geborener weißer Amerika-

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�neroder ist zum Teil aufgrund derTatsache höher, daß
mehr Familienangehörige arbeiten. Eine kürzlich in
Chicago durchgeführte Studie ergab, daß rund 39
Prozent der Asiaten in dieser Stadt in Führungspositionen oder akademischen Berufen arbeiten. Zahlreiche andere sind hart arbeitende Unternehmer und
kleine Geschäftsleute. Insbesondere Amerikaner koreanischer Abstammung haben sich durch den Aufbau
kleiner Geschäfte - Gemüseläden, Reinigungen, Parf ümerien - teilweise in ärmlichen Gegenden der Innenstadt, die von anderen Einzelhändlern vernachlässigt
werden, Ansehen verschafft.
"Es gibt viele sichtbare Erfolgsstories von Amerikanern asiatischer Abstammung", erklärt Michael Woo,
der erste in den Stadtrat von Los Angeles gewählte
Amerikaner aus Asien.
"Viele asiatische Studenten studieren an erstklassigen Schulen und Universitäten. Menschen wie ich
erobern jetzt die Domäne des öffentlichen Dienstes,
und meine Schwester ist Journalistin bei der Los
Angeles Times. Viele Schranken sind gefallen", so
Woo.
In einigen Teilen des Landes, räumt Woo ein, "ist eine
ablehnende Haltung gegen neue Einwanderer aus
Indochina, Taiwan, Hongkong, dem indischen Subkontinent zu beobachten. Dies ist Teil eines Ressentiments gegen die wirtschaftliche Konkurrenz der Japaner
- eine Tendenz, alle Asiaten in einen Topf zu werfen.
Es gab vereinzelt Fälle von Gewalttätigkeiten oder
Vandalismus, aber häufiger werden Asiaten stillschweigend für Probleme in der Gemeinde verantwortlich
gemacht."
Man assoziiert Asiaten nicht mehr automatisch mit
dem Stereotyp des hart arbeitenden Mathematikers,
Wissenschaftlers und kleinen Geschäftsmanns, stellt
Woo fest. "Obwohl sich noch immer zahlreiche Asiaten an technischen oder medizinischen Hochschulen
bewerben, gehen viele in andere Berufe, in Bereiche
wie Journalismus oder Politik, werden Jurist oder üben
Tätigkeiten in Unternehmen aus, die nichts mit Buchhaltung oder Technik zu tun haben", erklärt er.
"Jetzt werden mehr asiatische Richter berufen oder in
Ämter gewählt. Eine wachsende Zahl Amerikaner
asiatischer Abstammung, insbesondere Frauen, gehen zu Rundfunk- oder Fernsehsendern", so Woo.
"Ich denke, die Veränderung ist immens," erklärt Woo
weiter. "Als mein Vater in dieses Land kam, um an der
UCLA (University of California at Los Angeles) zu
studieren, war es für einen Chinesen sehr schwer,
anderswo zu leben als in Los Angeles' Chinatown.
"Es war unvorstellbar, daß irgendjemand chinesischer
Abstammung eines Tages einen größtenteils weißen
Bezirk vertreten könnte, wie das bei mir der Fall ist.
Mein Vater hat diese Veränderungen noch zu seinen
Lebzeiten erfahren," konstatiert Woo.
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"Meine Mutter wuchs in einer ländlichen Gemeinde im
Norden Kaliforniens auf, wo es eine große chinesische
Kolonie gab, deren Mitglieder hauptsächlich Bauern
oder kleine Einzelhändler waren. Auch sie hat viele
Veränderungen mitgemacht. Meine Generation lebt in
dem Bewußtsein, daß uns die Welt offener steht als
unseren Eltern," erklärt Woo.
Ihre sehr erfolgreiche Anpassung bringt für die Amerikaner asiatischer Herkunft auch Belastungen mit sich.
"Ich bin ein Mensch ohne ethnische Zugehörigkeit",
erklärt Woo. "Obwohl ich der erste Asiate bin, der in
den Stadtrat von Los Angeles gewählt wurde, stellen in
meinem Wahlkreis Asiaten nur etwa fünf Prozent der
Bevölkerung. Es ist meine Pflicht, auf die Probleme
der Asiaten einzugehen, weil ich eine exponierte Figur
dieser Gruppe bin, gleichzeitig muß ich aber einen
Weg finden, das zu tun, ohne die restlichen 95 Prozent
meiner Wähler zu verärgern, denen die Probleme der
Asiaten egal sind und die vielmehr die Meinung vertreten, ich sollte meine Zeit für ihre Probleme aufwenden.
Mit diesem grundsätzlichen Dilemma muß ich fertigwerden."
Woo denkt, "der Anpassungsprozeß ist unvermeidlich. Unsicher ist, in welchem Maße die nachfolgende
Generation von Amerikanern asiatischer Abstammung
ein Gefühl ethnischer Zugehörigkeit behält".
"Ich sprach Chinesisch, bis ich in die Schule kam. Ich
spreche es nicht mehr gut. Ich verstehe nur ein
bißchen davon. Dennoch versuchen einige Vertreter
meiner Generation, ihre Wurzeln neu zu entdecken.
Meine Frau wurde in diesem Land geboren und wuchs
auf, ohne Chinesisch zu lernen, aber sie ging nach
Hongkong, um ihr eigenes kulturelles Erbe zu entdekken," erklärt Woo.
Auf die Frage, welchen besonderen Beitrag Amerikaner asiatischer Abstammung zur Kultur Amerikas leisten, führt Woo aus, "Asiaten denken nicht, daß die
USA Anfang und Ende der Weltgeschichte bestimmen. Das kann angesichts der zunehmenden Verflechtung der Wirtschaft und der Kulturen auf der Welt
eine wichtige Erkenntnis sein."
"Asiaten können auch konfuzianische Lehren beitragen: Respekt für die älteren Mitbürger, Respekt vor
der Bedeutung von Bildung und Wissenschaft im allgemeinen," erklärt Woo.
"In Städten wie etwa Los Angeles, New York, San
Francisco trägt die asiatische Kultur in erheblichem
Maße zu der Weitläufigkeit der Städte bei, in denen wir
leben - wenn wir an Restaurants, Paraden, Zeitungen
und Feiern denken", führt Woo aus.
Nicht alle in Amerika lebenden Asiaten gehören der
Mittelschicht an. Bei der jüngsten Flüchtlingswelle aus
Indochina - vielen Boat People - kamen Bauern oder
Stammesangehörige, die sich nur schwer an das
moderne Leben anpassen können.
Seite 3

�Einem Zeitungsbericht zufolge sind die "zuletzt angekommenen Indochina-Flüchtlinge eher arm, arbeitslos
oder Sozialhilfeempfänger als irgendeine andere Volksgruppe in Amerika".

keiten in einer Gesellschaft, in der eher Kreativität als
Disziplin belohnt wird.

Trotzdem scheinen diese Probleme nachrangig im
Vergleich zu dem, was Asiaten den Vereinigten StaaManche leiden an Depressionen und der Auflösung ten zu bieten haben. "Nie zuvor in der amerikanischen
ihrer Familien - aber Beobachtern zufolge zeigen auch Geschichte gab es soviele talentierte Einwanderer, die
Kinder aus diesen Gruppen in der Regel sehr gute in so kurzer Zeit Mittelschichtstatus erreicht haben,"
Schulleistungen, und viele von ihnen werden ihre erklärt Robert Oxnam, der Präsident der Asia Society,
wirtschaftliche Situation in der nächsten Generation einer gemeinnützigen Kulturorganisation in New York.
erheblich verbessern.
"Weil bei den Amerikanern asiatischer Abstammung
Es gibt noch andere Probleme. Wie frühere Einwan- soviele der fähigsten Köpfe eine hochqualifizierte wisderergruppen haben auch die Asiaten ihre eigenen senschaftliche Ausbildung erhalten", erklärt Edward
Spielarten des organisierten Verbrechens mitgebracht. Wagner, Leiter des Instituts für Koreastudien an der
Chinesische, japanische und vietnamesische Verbre- Universität Harvard, "denke ich, man kann ganz erchersyndikate sind für die US-Polizeibehörden eine hebliche Beiträge von ihnen erwarten".
harte Nuß, einmal aufgrund der Sprachbarriere und
zum anderen wegen ihrer extremen Disziplin, ihres "Ganz allgemein betrachtet, handelt es sich hierbei um
Zusammenhalts und ihrer Gewalttätigkeit. Die Behör- eine ziemlich neue und ganz andere Art von Amerikaden halten es nur noch für eine Frage der Zeit, bis diese nern, deren Erfolgsgeschichte anderen Minderheiten
Gruppen einige Geschäfte der traditionellen amerika- als Inspiration dienen sollte, daß dies möglich ist. Sie
könnten es eher und schneller schaffen, die immer
nischen Verbrechersyndikate übernehmen.
noch bestehenden Schranken einzureißen, wenn sie
Obwohl konfuzianische Lehre und amerikanische in die Sitzungssäle amerikanischer Banken oder Unprotestantische Arbeitsmoral einiges gemeinsam haben, ternehmen vorstoßen," erklärt Wagner.
stoßen Asiaten manchmal auf Anpassungsschwierig-

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