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U.S. Information Service
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8. Mai 1991

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GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 16. bis 30. April 1991

TERRORISMUS

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER
NOCH WICHTIGE TRIEBFEDER
FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht
des US-Außenministeriums

PARTEIEN IN AMERIKA

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
8. Mai 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. April 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. April 1991 fort.

16. April

18. April

Präsident Bush erklärt, er habe die US-Streitkräfte
angewiesen, unverzüglich mit der Errichtung mehrerer
Lager im Norden des Irak zu beginnen, um im Rahmen
einer neuen Initiative der Vereinigten Staaten den
kurdischen Flüchtlingen Hilfe zu leisten. Die erweiterte
Hilfe sei von humanitären Überlegungen geleitet, erklärt Bush nach Konsultationen mit dem britischen
Premierminister Major, dem französischen Präsidenten Mitterand, dem türkischen Präsidenten özal,
Bundeskanzler Kohl und UNO-Generalsekretär Perez
de Cuellar.

Gemäß Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats zur
Beendigung des Krieges übermittelt der Irak UNOVertretern Informationen über seine chemischen und
biologischen Waffen mit Reichweiten über 150 Kilometern. Die Resolution fordert femer die Zerstörung
solcher Waffen. Eine Sondereinheit der Vereinten
Nationen wird die Zerstörung der chemischen und
biologischen Waffen überwachen und Vor-Ort-Inspektionen im Irak durchführen.

17. April
Die Vereinten Nationen organisieren eine umfangreiche Friedenstruppe zur Überwachung der entmilitarisierten Zone zwischen dem Irak und Kuwait und entsenden im Rahmen der irakisch-kuwaitischen UNOBeobachtermission (UNIKOM) bewaffnetes und unbewaffnetes militärisches Personal.
Der leitende militärische Beobachter der Einheit,
Generalmajor Günther G. Greindl aus Österreich,
befehligt eine Gruppe von 1.440 Mitgliedern aus 36
Ländern: Argentinien, Bangladesh, Chile, China,
Dänemark, Großbritannien, Fidschi, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Kanada, Kenia, Malaysia, Nepal, Nigeria,
Norwegen, Österreich, Pakistan, Polen, Rumänien,
Senegal, Singapur, Sowjetunion, Schweden, Schweiz,
Thailand, Türkei, Ungarn, Uruguay, den Vereinigten
Staaten und Venezuela.

AMERIKA DIENST 18

In Wien legen irakische Regierungsvertreter gemäß
Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) Informationen über ihre atomaren Arsenale offen.
Die Vereinten Nationen und irakische Regierungsvertreter unterzeichnen in Bagdad eine 21 Punkte umfassende Regierungsvereinbarung, mit der die Vereinten
Nationen und private Organisationen wie das Rote
Kreuz und der Rote Halbmond den Kurden und anderen irakischen Flüchtlingen im nördlichen und südlichen Teil des Landes bis Ende 1991 helfen können.
Die Vereinbarung wurde unterzeichnt vom irakischen
Außenminster Ahmed Hussein und Prinz Sadruddin
Aga Khan, dem Koordinator des Generalsekretärs für
das humanitäre UNO-Programm für Irak, Kuwait und
die irakisch-iranischen und irakisch-türkischen Grenzgebiete.

Seite 1

�21. April
Der Befehlshaber der US-Streitkräfte am Persischen
Golf, General Norman Schwarzkopf, beendet seine
Mission in Saudi-Arabien und verlegt das Hauptquartier von USCENTCOM wieder nach Florida. Er bekundet seine Befriedigung, daß die Streitkräfte ihre Mission der Befreiung Kuwaits beendet haben, zeigt sich
aber auch enttäuscht darüber, daß Saddam Hussein
im Irak immer noch an der Macht ist. Schwarzkopf lobt
Generalleutnant Khalid Bin Sultan Bin Abdul Asis aus
Saudi-Arabien, der die vereinigten arabischen Truppen befehligt hat und verleiht ihm die militärische
Auszeichnung der Vereinigten Staaten "Legion of Merit".
22. April
Im Norden des Irak beginnen multinationale Streitkräfte in der Nähe von Sachu mit dem Aufbau von 20 bis
25 Zeltstädten, um etwa 950.000 irakischen Flüchtlingen zu helfen. Amerikanische, französische, britische,
kanadische und italienische Militärflugzeuge liefern
über 460 Tonnen humanitäre Hilfsgüter und steigern
damit den Umfang der insgesamt seit dem 7. April
gelieferten Güter auf etwa 4.165 Tonnen.
UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar verkündet die
Ernennung von Botschafter Rolf Ekeus aus Schweden
zum Vorsitzenden des U NO-Sonderausschusses zur
Überwachung und Verifizierung der Zerstörung irakischer Waffen, wie sie in der Resolution 687 des UNOSicherheitsrats gefordert wird. De Cuellar ernennt Dr.
Robert Gallucci aus den Vereinigten Staaten zum
Stellvertretenden Vorsitzenden dieses Ausschusses,
der seinen Sitz im UNO-Hauptquartier in New York
haben wird.
23. April
Einem Sprecher des Weißen Hauses zufolge haben
sich Belgien, Deutschland, Italien, Kanada, Neuseeland und die Niederlande an den internationalen Hilfsmaßnahmen für irakische Flüchtlinge beteiligt. Die
Vereinigten Staaten ermutigten andere Länder, militärische Einheiten zu den Aktivitäten im Rahmen der
"Operation Provide Comfort" beizusteuern.
Die Vereinigten Staaten haben 63 Millionen Dollar für
diese Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Andere
wichtige Geber sind die Europäische Gemeinschaft,
Deutschland, Großbritannien und Japan.
24. April
Amerikanische Truppen übergeben in einer Zeremonie, die den Beginn der Stationierung von UNIKOMEinheiten symbolisiert, einen Posten in der entmilitarisierten Zone im Südirak an Beobachter der Vereinten
Nationen. Die Beobachterund Infanterieeinheiten der
Vereinten Nationen werden Patrouillen in der entmilitarisierten Pufferzone zwischen Irak und Kuwait durchführen. Die Stationierung des ersten Kontingents der

Seite 2

UN-Beobachter leitet einen Prozeß ein, der etwa zwei
Wochen andauern soll und an dessen Ende die letzten
Koalitionstruppen die entmilitarisierte Zone verlassen
haben werden.
Amerikanische Regierungsvertreter teilen dem Kongreß mit, die Vereinigten Staaten planten keine Verurteilung des irakischen Präsidenten in Abwesenheit
wegen Kriegsverbrechen und würden keine militärische Gewalt einsetzen, um den irakischen Führer in
Gewahrsam zu nehmen.
25. April
Der japanische Premierminister Toshiki Kaifu kündigt
an, Japan werde in der ersten japanischen Militäroperation in Übersee seit dem Zweiten Weltkrieg Minenräumboote in den Persischen Golf entsenden.

*•

Irakische Diplomaten bei den Vereinten Nationen
erklären, Bagdad werde im Einklang mit den Vorstellungen der Koalitionsstreitkräfte den Rückzug der irakischen Truppen aus Sachu akzeptieren.
26. April
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar erklärt, die
Vereinten Nationen würden die von den Vereinigten
Staaten und ihren westlichen Verbündeten eingerichteten Flüchtlingslager im Nordirak "so bald wie möglich" übernehmen.
Der Stellvertretende UN-Generalsekretär, Jean Claude Aime und UN-Abteilungsleiter Marrack Goulding
reisen nach Genf, um die Einzelheiten der Übergabe
mit dem Koordinator der UN-Flüchtlingshilfe, Prinz
Sadruddin Aga Khan und dem Hohen Flüchtlingskommissar auszuarbeiten.
29. April
Präsident Bush stellt fest, solange Saddam Hussein
an der Macht s e i , werde es keinen normalen Handel
mit dem Irak geben und "was die Vereinigten Staaten
anbelangt keine Hilfe, bis sie auf zahlreichen Gebieten
Fortschritte machen", die mit der Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in Zusammenhang
stehen.
Amerikanischen Regierungsvertretem zufolge hat der
Irak der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) in einem neuen Schreiben an diese UNOBehörde in Wien weitere Informationen über die irakischen Vorräte an spaltbarem Material geliefert. Diese
Zusatzinformationen waren eine Reaktion auf Beschwerden, denen zufolge der Irak nicht genug getan
habe, um die UN-Bedingungen über die Preisgabe
seiner nuklearen, chemischen und biologischen Einrichtungen und Bestände zu erfüllen. Der Sprecher
des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, stellt fest,
Washington warte auf die Entscheidung der IAEO im
Hinblick darauf, ob der Irak die Bestimmungen der
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats erfüllt habe.
AMERIKA DIENST 18

^

�30. April

Williams zufolge haben 20 Nationen die Operation
Provide Comfort unterstützt oder Unterstützung zugeDer Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete sagt, und Vertreter der Vereinten Nationen, des InterWilliams, erklärt, da ß mehr als 12. 000 Angehörige der nationalen Komitees vom Roten Kreuz und anderer
multinationalen Koalitionsstreitkräfte aus den Verei- privaten Organisationen haben das Gebiet besucht
nigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutsch- und sind mit Vertretern der gemeinsamen Hilfstruppe
land, den Niederlanden, Spanien, Kanada und der zusammengetroffen.
Türkei den irakischen Flüchtlingen Hilfe leisteten.
* *

AMERIKA DIENST 18

* *

Seite 3

�TERRORISMUS
8. Mai 1991

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER NOCH
WICHTIGE TRIEBFEDER FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht des US-Außenministeriums
WASHINGTON -(AD) - In seinem am 30. April 1991 veröffentlichten Bericht erklärt das US-Außenministerium,
staatliche Unterstützung bleibe einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des internationalen Terrorismus. Diesem neuesten Jahresbericht zufolge betrachten die Vereinigten Staaten Kuba, Irak, Iran, Libyen,
Nordkorea und Syrien als Staaten, die Terrorismus fördern.
Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von dieser Liste gestrichen, nachdem sich das Land mit seinem Nachbarn
zur Republik Jemen zusammengeschlossen hatte. Der Irak wurde neu in die Liste aufgenommen, weil er 1990
erneut terroristische Vereinigungen unterstützte.
Der Bericht trägt den Titel: "Patterns of Global Terrorism: 1990". Das US-Außenministerium ist gesetzlich
verpflichtet, den Kongreß jedes Jahr über Entwicklungen im internationalen Terrorismus zu informieren.
Die nachfolgend veröffentlichten Auszüge sind den Kapiteln "Yearin Review" und "State-sponsored Terrorism"
entnommen.

Das Jahr 1990 gehörte zu den wenigen Jahren der
jüngsten Vergangenheit, in denen es keine "spektakulären" Terroranschläge mit zahlreichen toten oder
verletzten Opfern gab. Trotzdem haben einige wichtige Entwicklungen im Terrorismus stattgefunden. Unter
anderem stieg die Bedrohung durch den internationalen Terrorimus, weil sich der Irak erneut mit terroristischen Vereinigungen auf der ganzen Welt verbündete.
Die vielleicht wichtigste Entwicklung fand imTusammenhang mit der irakischen Invasion in Kuwait am 2.
August statt. Eine Reihe von Palästinensergruppen unter ihnen die Palästinensische Befreiungsfront
(Palestine Liberation Front - PLF), der Palästinensische Islamische Dschihad (Palestinian Islamic JihadPIJ), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine - PFLP) und das
Generalkommando der Volksfront für die Befreiung
Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine-General Command - PFLP-GC) - sagten Saddam
Hussein ihre Unterstützung zu, und die meisten drohten für den Kriegsfall Terroranschläge gegen Ziele im
Westen, in Israel und gemäßigten arabischen Ländern
an. Obwohl bis Ende des Jahres keine Anschläge
stattgefunden hatten, bleibt die Bedrohung bestehen.
Eine weitere wichtige Entwicklung war der fehlgeschlagene Angriff der PLF auf israelische Strände am
30. Mai 1990. Die PLF ist Mitglied der Palästinensi-

AMERIKA DIENST 18

schen Befreiungsorganisation (PLO) und hat sich
demzufolge ebenso wie diese der "Ablehnung" des
Terrorimus verschrieben. Nach der Weigerung der
PLO, diesen Anschlag zu verurteilen, haben die Vereinigten Staaten ihren Dialog mit der PLO beendet, bis
die PLO demonstriert, daß sie sich an die im Dezember
1988 vereinbarten Bedingungen hält.
Diese beiden Ereignisse betonen die anhaltende
Bedeutung der Staaten, die Terrorismus unterstützen
und Terroranschlägen Vorschub leisten. Der Anschlag der PLF auf Israel wurde von Libyen aus
geplant und ausgeführt. Im Jahr 1990 wurde der Irak,
der einer steigenden Zahl von terroristischen Verbündeten Hilfe leistet, wieder in die Liste der US-Regierung aufgenommen, in der Staaten, die Terrorimus
fördern, verzeichnet sind. Die anderen Länder auf
dieser Liste-Kuba, Iran, Libyen, Nordkorea und Syrien
- helfen Terroristen in unterschiedlichem Maße: als
Zufluchtsort, durch die Bereitstellung von Reisedokumenten, Waffen, Ausbildung und technischem Knowhow.
Lateinamerika erwies sich 1990 als das Land mit den
häufigsten Terroranschlägen gegen US-Interessen.
Die meisten dieser Anschläge fanden in Chile, Peru
und Kolumbien statt. Lateinamerikanische radikale
oder Guerillagruppen mit terroristischem Anspruch
griffen eher einheimische als ausländische Ziele an.

Seite 1

�Trotz der hohen Zahl von internationalen Terroranschlägen hatte die zunehmende politische Gewalt auf
nationaler Ebene noch größere Auswirkungen auf die
Region.
In Asien nahm der internationale Terrorismus 1990
erheblich zu, insbesondere aufgrund steigender Aktivitäten der kommunistischen Neuen Volksarmee (New
People's Army - NPA) auf den Philippinen. Gleichzeitig erfuhr der Terrorismus in Südasien einen erheblichen Aufschwung, insbesondere in Pakistan, wo der
afghanische Geheimdienst für eine Flut von Terroranschlägen verantwortlich war.
Es gab im Jahr 1990 aber auch positive Entwicklungen
im Hinblick auf den Terrorismus. Acht im Nahen Osten
festgehaltene westliche Geiseln - unter ihnen die
Amerikaner Robert Polhill und Frank Reed - wurden
freigelassen. Darüber hinaus wurden 1990 im Libanon
keine westlichen Ausländer als Geiseln genommen.
Eine weitere positive Entwicklung war der starke
Rückgang des Terrorismus im Nahen Osten und ein
vermindertes "Überschwappen" des Terrorismus aus
dem Nahen Osten in andere Regionen.
Der Übergang zur Demokratie in Osteuropa brachte
Veränderungen bei den Einstellungen der Länder
Osteuropas zum Terrorismus mit sich. Die neuen
osteuropäischen Regierungen waren bestrebt, die
Unterstützung offenzulegen, die frühere Regime den
Terroristen gewährt hatten, etwa die von der DDR
gewährte Zuflucht für Terroristen der Rote Armee
Fraktion und tschechoslowakischen Lieferungen des
Plastiksprengstoffs Semtex. Von offizieller Seite finden Terroristen keine Unterstützung oder Zuflucht
mehr in den aufstrebenden Demokratien Osteuropas.
Die Tendenz zur multilateralen Zusammenarbeit bei
der Terrorismusbekämpfung setzte sich im Laufe des
Jahres fort. Nach grö ßeren Terroranschlägen wie den
Anschlägen auf Pan Am-Flug 103 und UTA-Flug 772
wiesen die Vereinten Nationen die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (International Civil Aviation
Organization - ICAO) an, eine Methode zu entwickeln,
um Plastiksprengstoff so zu "kennzeichnen", daß er
vor der Explosion entdeckt werden kann. Mitglieder
der ICAO leisteten harte Arbeit für eine Konvention,
derzufolge alle Hersteller ihren Plastiksprengstoffen
Chemikalien zusetzen müssen, mit deren Hilfe sie
besser entdeckt werden können. Anfang des Jahres
1991 wurde die Konvention zur Kennzeichnung von
Plastiksprengstoffen zum Zweck der Entdeckung unterzeichnet.
Der Trend früherer Jahre wurde 1990 mit einer Reihe
wichtiger Prozesse gegen Terroristen fortgesetzt, und
Regierungen zogen zunehmend Terroristen zur Rechenschaft.

Seite 2

Staatlich geförderter Terrorismus
Die staatliche Unterstützung des Terrorimus bleibt
einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des
internationalen Terrorimus. Eine Reihe von Regierungen gewähren Terroristen Zuflucht und stellen Reisedokumente, Waffen, Ausbildung und technisches Knowhow bereit. Viele Regierungen unterstützen nicht nur
terroristische Vereinigungen, sondern nutzen Terrorismus als Mittel ihrer Innen- und Außenpolitik. Andere Regierungen, die keine direkten Förderer terroristischer Vereinigungen sind, unterstützen die Fähigkeiten solcher Gruppen, indem sie ihnen ungehinderte
Durchreise gewähren, die Führung von Geschäften
gestatten und ihnen die Rekrutierung neuer Mitglieder
oder andere Aktivitäten erlauben. Jede Art staatlicher
Terrorismusförderung macht Strafverfolgungsbestrebungen zur Terrorimusbekämpfung wesentlich schwieriger. Deshalb konzentrieren sich die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten bei der Terrorimusbekämpfung darauf, den Preis für diejenigen Regierungen zu erhöhen, die Terrorimus unterstützen, tolerieren und ausüben.
Die Vereinigten Staten setzen gegenwärtig Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien auf ihre Liste der
Länder, die Terrorismus fördern. Diese Liste wird
gemäß Paragraph 6 (j) des Exportgesetzes von 1979
geführt. Diese und andere US-Gesetze verfügen
Handels- und andere Beschränkungen für Länder, die
vom Außenminister der anhaltenden Unterstützung
von Terrorakten bezichtigt werden. Diese Liste wird
jährlich dem Kongreß vorgelegt, dabei können jederzeit neue Länder aufgenommen oder gestrichen werden, wenn die Umstände dies erfordern. Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von der Liste gestrichen,
nachdem sie sich mit ihrem Nachbarn im Norden zur
Republik Jemen vereinigt hatte. Der Irak wurde neu
auf die Liste gesetzt, weil er 1990 terroristischen
Vereinigungen erneut Hilfe geleistet hat.
Die internationalen Bestrebungen zur Abschaffung
des staatlich geförderten Terrorimus haben bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht. Die internationale öffentliche Meinung und die Zusammenarbeit
gleichgesinnter Länder haben großen Druck auf Regierungen ausgeübt, ihr Verhalten zu ändern oder
zumindest zu versuchen, ihre Beteiligung am Terrorismus zu verschleiern. Dies wird deutlich in der Zahl von
Terroranschlägen, die Regierungen zugeschrieben
werden, die auf der US-Liste von Förderern des Terrorimus stehen. Die Gesamtzahl ist von 176 im Jahr
1988 auf 58 im Jahr 1989 und schließlich auf 54 im Jahr
1990 gesunken. Obwohl diese Zahlen ermutigend
sind, sollte festgehalten werden, daß die Ermittlungen
in bezug auf die Terroranschläge auf Pan Am 103 im
Dezember 1988 und UTA 772 im September 1989
noch andauern und eine Beteiligung von Regierungen
enthüllen könnten, die Terrorismus fördern.

AMERIKA DIENST 18

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t

Tatsächlich zeigte sich die anhaltende Gefahr durch
Länder, die Terrorismus fördern, 1990 in zwei Entwicklungen. Erstens wurde der vom Meer ausgeführte
Anschlag der PLF auf überfüllte israelische Strände
durch die Hilfe der libyschen Regierung bei Ausbildung, Unterhaltung und Transport der PLF-Terroristen
ermöglicht. Obwohl die Operation ohne Verluste unter
der Zivilbevölkerung zerschlagen werden konnte, führte
der Anschlag zu erhöhten Spannungen in der Region
und zur Unterbrechung des Dialogs zwischen den
Vereinigten Staaten und der PLO. Wenn der Anschlag
erfolgreich ausgeführt worden wäre, hätte er unter
Umständen zu zahlreichen Todesopfern an den öffentlichen Stränden von Tel Aviv geführt. Zweitens wurde
die Welt nach der irakischen Invasion in Kuwait Zeuge,
wie der Irak eine eindrucksvolle Bandbreite von terroristischen Vereinigungen um sich versammelte, um
die internationale Koalition gegen die Invasion einzuschüchtern.

nutznießern des geheimen Unterstützungsnetzes in
Kuba. Havanna war der Ursprungsort der meisten
Waffen, die FMLN-Kämpfer bei Revolten und Terroranschlägen in El Salvador benutzten. Auch andere
mittelamerikanische Gruppen, besonders in Honduras
und Guatemala, haben Hilfe aus Kuba erhalten. In
Südamerika waren die linksextremen Gruppen in Chile
Hauptnutznießer kubanischer Unterstützung, aber die
Hilfe ist seit Chiles friedlichem Übergang zu einer
Zivilregierung im März 1990 möglicherweise zurückgegangen.

Libyens Beteiligung am Terrorimus im Jahr 1990 ging
über die Unterstützung für den Anschlag auf Israel am
30. Mai hinaus. Tripolis gewährte der bekannten
Gruppe Abu Nidal (Abu Nidal Organization - ANO)
Zuflucht und Hilfe, finanzierte andere radikale Palästinensergruppen wie die PFLP-GC und unterstützte
terroristische Vereinigungen in anderen Ländern Afrikas, in Lateinamerika und Asien.

Iran

Der Iran nutzte und unterstützte den Terrorimus auch
im Jahr 1990, bedrohte und ermordete iranische Dissidenten im Ausland, griff saudiarabische Beamte und
Interessen an, unterstützte weiterhin Geiselnehmer
von Amerikanern und anderen westlichen Ausländern
im Libanon und unterstützte radikale Palästinensergruppen wie die PIJ und die PFLP-GC. Syrien gewährte libanesischen, palästinensischen, türkischen, japanischen und iranischen Terroristen weiterhin Zuflucht
und Unterstützung und bezeichnete alle Anschläge auf
Israel und die besetzten Gebiete als rechtmäßige
Bestrebungen zur "nationalen Befreiung". Nordkorea
beherbergt weiterhin einige Terroristen der Japanischen Roten Armee (Japanese Red Army - JRA) und
unterstützt die Neue Volksarmee auf den Philippinen.
Kuba beliefert und unterstützt Gruppen, die Terroranschläge unter anderem in El Salvador, Kolumbien,
Peru, Honduras und Chile verüben.
Kuba

Einige Rebellenorganisationen haben Büros und Mitglieder in Havanna stationiert. Oftmals werden verwundete Rebellen in kubanischen Krankenhäusern
behandelt. Mit dem Niedergang der prokubanischen
Regierungen in Panama und Nicaragua hat Kubas
Unterstützung für radikale Gruppen noch an Bedeutung gewonnen.

Der Iran setzte seine weitreichende Unterstützung für
den Terrorismus 1990 fort, obwohl die Zahl der vom
iranischen Staat geförderten Terroranschläge 1990
auf 10 gesunken ist -1989 waren es 24.
Der Iran hat häufig seine Nachrichtendienste eingesetzt, um terroristische Anschläge zu erleichtern und
auszuführen, insbesondere gegen iranische Dissidenten. Geheimdienstoffiziere in den Botschaften haben
die Diplomatenpost benutzt, um Waffen und Gelder an
terroristische Gruppen weiterzuleiten. Der Iran hat
seine Verbindungen zu moslemischen Extremisten in
der ganzen Welt ausgebaut und ihnen häufig Rat und
finanzielle Unterstützung gewährt. Die iranische Unterstützung des Terrorismus im vergangenen Jahr läßt
sich anhand folgender Beispiele belegen:
Wiederholung des Aufrufs zur Ermordung von
Salman Rushdie, dem Autor des Romans Die
satanischen Verse.
Die Ermordung von vier iranischen Dissidenten
- in Pakistan, der Schweiz, Schweden und Frankreich.
Unterstützung von Anschlägen radikaler Schiiten auf saudiarabische Interessen, darunter die
Ermordung von drei saudischen Diplomaten,
als Vergeltung für die Hinrichtung von Personen, die im Rahmen der Pilgerfahrt nach Mekka
Bombenanschläge verübt hatten.

Kuba dient nach wie vor als Hafen für regionale Revolutionäre und stellt radikalen subversiven Terrorgruppen militärische Ausbildung, Waffen, Geld und Knowhow zur Verfügung. Die Insel ist heute ein wichtiges
Ausbildungszentrum und Durchgangsland für lateinamerikanische Untergrundkämpfer und internationale
Gruppen.

Umfassende Unterstützung für die Hisbollah,
die PFLP-GC, die PIJ und andere Gruppen, einschließlich Bereitstellung von Waffen, Geld und
Ausbildung.

Die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti (Farabundo Marti National Liberation Front - FMLN) aus El
Salvador gehörte in den letzten Jahren zu den Haupt-

Vom Iran unterstützte schiitische Gruppen haben
wahrscheinlich die Kontrolle über westliche Geiseln im
Libanon, und die meisten Beobachter gehen davon

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

�aus, daß der Schlüssel zu ihrer Freilassung im Iran
liegt. Sämtliche amerikanischen Geiseln befinden sich
wahrscheinlich in der Gewalt einer dieser Gruppen,
der Hisbollah. Der iranische Präsident, Ali Akbar
Haschemi Rafsandschani, dessen innenpolitische Stärke
im Jahr 1990 gewachsen ist, soll einen pragmatischen
Ansatz in der Außenpolitik und verbesserte Beziehungen zum Westen befürworten, was eine Lösung des
Geiselproblems erfordern würde. So schrieb etwa die
Tageszeitung The Tehran Times, von der man annimmt, daß sie Rafsandschanis Ansichten wiedergibt,
in einem Leitartikel vom 22. Februar, die Geiseln
sollten ohne Vorbedingungen freigelassen werden.
Zwei Monate später wurden die amerikanischen Geiseln Robert Polhill und Frank Reed auf freien Fuß
gesetzt. Einige Hardliner im Iran und innerhalb der
Hisbollah reagierten darauf mit Kritik. Sie fragten, ob
der Iran oder die Geiselnehmer durch ihre Handlungsweise vom Westen irgendwelche Vorteile in Form
einer Geste des guten Willens erhalten hätten. Im Jahr
1990 wurden keine weiteren Geiseln freigelassen, und
Presseberichten zufolge strebte der Iran Belohnungen
an, bevor es zu weiterer Bewegung in der Geiselfrage
kommen könne.
Wichtige Personen der Terrorszene, darunter Ahmed
Dschebril von der PFLP-GC sowie verschiedene prominente Mitglieder der Hisbollah, besuchten häufig
den Iran. Der Iran war Gastgeber einer Weltkonferenz
über Palästina, die im Dezember in Teheran stattfand.
Damit versuchte das Land, seinen Einfluß in islamischen Angelegenheiten allgemein und auf die Palästinenser im besonderen zu stärken. Die Führer verschiedener radikaler palästinensischer und libanesischer Gruppen, darunter Salka, Hamas, Hisbollah und
der Palästinensische Islamische Dschihad nahmen
daran teil.
Irak
Irak wurde aufgrund seiner verstärkten Kontakte mit
und Unterstützung von terroristischen Gruppen im
September 1990 wieder auf die Liste der Staaten
gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Nach der
Bildung einer internationalen Koalition gegen die Invasion in Kuwait gaben irakische Regierungsvertreter
öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus
als legitime Taktik bezeichnet wurde.
Nach der Invasion in Kuwait am 2. August 1990 nahm
die Regierung des Irak systematisch Bürger der Vereinigten Staaten und zahlreicher anderer Nationen gefangen. Dies geschah sowohl in Kuwait als auch im
Irak und dauerte mehrere Monate an. Viele der
Geiseln wurden an strategisch wichtige Orte im Irak
verschleppt, darunter Rüstungsfabriken, militärische
Forschungseinrichtungen und wichtige militärische
Stützpunkte.

tion 664 verlangte der UN-Sicherheitsrat dfe Freilassung dieser Geiseln durch den Irak.
Saddam Hussein setzte die Geiseln schließlich wieder
auf freien Fu ß, wobei Frauen und Kinder zuerst freigelassen wurden. Bis Dezember 1990 waren alle westlichen Geiseln frei, aber viele Kuwaiter blieben in
Gefangenschaft.
Eine Geiselnahme in dem vom Irak begangenen Ausmaß
ist einzigartig in der jüngeren Geschichte. Saddam
Husseins Vorgehensweise stellte einen zynischen und
sinnlosen Versuch dar, ausländische Staatsbürger
und ihre Regierungen zu terrorisieren und die internationale Entschlossenheit zu schwächen, sich der
Besetzung und Annexion Kuwaits entgegenzustellen.
Im Jahr 1990, insbesondere nach dem 2. August,
berichtete die Presse über zunehmende Reisen von
Terroristen nach Bagdad, womit sich eine intensivere
Beziehung zwischen diesen Gruppen und dem Irak
andeutete. Schon vor der Invasion Kuwaits bot der
Irak einen sicheren Hafen, Ausbildung und andere
Unterstützung für palästinensische Gruppen mit terroristischem Hintergrund. Unter diesen Gruppen sind
die Arabische Befreiungsfront (ALF) und die PLF von
Abu Abbas, die für die Entführung der Achille Lauro im
Jahr 1985 und den terroristischen Anschlag auf israelische Strände im Mai verantwortlich sind. Auch die
ANO solle ihre Präsenz im Irak in der ersten Hälfte des
Jahres 1990 erneuert haben. Abu Ibrahim, Führer der
inzwischen nicht mehr existierenden terroristischen
Organisation 15. Mai und bekannt für seine Fähigkeiten als Bombenkonstrukteur, soll ebenfalls seinen Sitz
nach Bagdad verlegt haben.
Mit dem Ende des iranisch-irakischen Kriegs verringerte der Irak seine Unterstützung für anti-iranische
Dissidentengruppen, einschließlich der Mujahedin-eKhalq (MEK). Weiterhin wird über eine verstärkte
irakische Unterstützung der Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) in der Türkei spekuliert. Diese geht Hand in
Hand mit der Verschlechterung der türkisch-irakischen
Beziehungen wegen der türkischen Einhaltung der
UNO-Sanktionen nach dem irakischen Einmarsch in
Kuwait und Auseinandersetzungen über Wasserrechte.
Führende irakische Regierungsvertreter, darunter der
ehemalige Außenminister Tarik Asis, gaben öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus als
legitime irakische Reaktion gerechtfertigt wurde, falls
es zu Feindseligkeiten zwischen dem Irak und der
multinationalen Streitmacht am Golf kommen sollte.
Berichten zufolge plante der Irak die Durchführung
dieser Ankündigungen. So sollen irakische Regierungsvertreter sowie Bagdads palästinensische Stellvertreter verschiedene Ziele in der Koalition ausspioniert haben.

Die Massengeiselnahme wurde von der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt, und in der Resolu-

Seite 4

AMERIKA DIENST 18

�Libyen
Libyen hat im Jahr 1990 durch die Unterstützung des
fehlgeschlagenen Anschlags der Palästinensischen
Befreiungsfront auf israelische Badegäste erneut seine anhaltende Förderung des Terrorismus unter Beweis
gestellt. Tripolis half der PLF bei Planung, Ausbildung,
Nachschub und Durchführung dieser Seeoperation.

«

Seit 1986 hat sich der libysche Staatschef Muammar
Gaddafi öffentlich von der Unterstützung terroristischer Gruppen distanziert. Er stellte seiner terroristischen Klientel jedoch weiterhin Finanzmittel, Ausbildung und andere Unterstützung zur Verfügung. Gaddafis
Behauptungen, er habe gewisse terroristische Gruppen - die PLF, ANO und PFLP-GC - des Landes
verwiesen, konnten bis zum Ende des Jahres 1990
nicht erhärtet werden. Libyen nahm darüber hinaus im
Jahr 1990 die finanzielle Unterstützung der PFLP-GC
und möglicherweise auch anderer palästinensischer
Terrorgruppen wieder auf.
Libyen unterstützt auch weiterhin terroristische Vereinigungen und Untergrundkämpfer in der ganzen Welt.
Auf den Philippinen hat Libyen die NPA unterstützt, die
im Jahr 1990 terroristische Anschläge auf Amerikaner
verübte, denen fünf Personen zum Opfer fielen. Vertreter Costa Ricas gehen davon aus, daß alle 15
Mitglieder der Santamaria Patriotic Organization (OPS),
die im Februar in Costa Rica aufgrund von Granatenanschlägen auf amerikanische Einrichtungen verhaftetwurden, in Libyen ausgebildet wurden. Die Gruppe,
die am 27. Juli bei einem Putschversuch, dem mehrere
Menschen zum Opfer fielen, das Parlament von Trinidad und Tobago angriff, wurde unter anderem von
Libyen ausgebildet und finanziert.
Im April wies Äthiopien zwei libysche Diplomaten aus,
weil sie angeblich an einem Bombenanschlag auf das
Hilton Hotel in Addis Abeba am 30. März beteiligt
gewesen waren.

«

'

Im ganzen Jahr 1990 tauchten neue Hinweise auf die
libysche Verstrickung in frühere Akte des Terrorismus
auf. Deutschen Presseberichten zufolge entdeckten
deutsche Stellen in den Akten des ehemaligen DDRStaatssicherheitsdienstes Beweise dafür, daß Libyen
für den Bombenanschlag auf die Diskothek La Belle in
West-Berlin im Jahr 1986 verantwortlich war.
Auch die Ermittlungen in bezug auf den Bombenanschlag vom September 1989 auf Flug 772 der französischen UTA - bei dem 170 Menschen, darunter 7
Amerikaner, ums Leben kamen - weisen Presseberichten zufolge darauf hin, daß die Bombe mit libyscher
Diplomatenpost in den Kongo geschmuggelt wurde
und von einem libyschen Botschaftsvertreter in Brazzaville an drei in Libyen ausgebildete kongolesische
Terroristen weitergegeben wurde. In afrikanischen
und französischen Presseberichten wird festgestellt,
daß sowohl im Kongo als auch in Zaire Verdächtige

AMERIKA DIENST 18

festgehalten werden, die Libyen mit dem Bombenanschlag in Verbindung bringen.
Auch ein Großteil der Verantwortung für den Bombenanschlag auf Flug 103 der Pan Am vom Dezember
1988 geht laut Presseberichten von Ende 1990 zu
Lasten der Libyer. So schrieb die amerikanische,
britische und französische Presse, die Ermittler hätten
entdeckt, daß der damals verwendete Zünder mit dem
identisch sei, den zwei im Februar 1988 in Dakar
(Senegal) festgenommene libysche Agenten bei sich
trugen. Die offiziellen Ermittlungen dauerten in beiden
Fällen bis Ende 1990 an.
Nordkorea
Seit Mitglieder des nordkoreanischen Geheimdienstes
im Jahr 1987 eine Bombe an Bord eines südkoreanischen Verkehrsflugzeuges schmuggelten, sind keine
weiteren von diesem Land unterstützten Terrorakte
bekanntgeworden. Nordkorea bietet jedoch weiterhin
einer kleinen Gruppe von Mitgliedern der Japanischen
Roten Armee (JRA) Schutz, die im Jahr 1970 ein

japanisches Verkehrsflugzeug nach Nordkorea entführt hatten. Nordkorea hat der New People's Army
auf den Philippinen Unterstützung gewährt. Es hat
sich nicht vom Terrorismus distanziert.
Syrien
Seit 1987 gibt es keinerlei unmittelbare Beweise für die
Beteiligung der syrischen Regierung an terroristischen
Anschlägen außerhalb des Libanon, obwohl Syrien
weiterhin Gruppen, die internationale terroristische
Aktionen durchführen, Unterstützung und Unterschlupf
bietet.
Syrien hat Fortschritte dabei erzielt, sich von der
Unterstützung einiger terroristischer Gruppen zu lösen. Syrien hat darüber hinaus mit dem Iran und
anderen zusammengearbeitet, um die Freilassung
westlicher Geiseln zu erreichen, die von terroristischen Gruppen im Libanon festgehalten wurden. Dazu
gehörte auch die Freilassung der amerikanischen Geiseln
Polhill und Reed im Frühjahr 1990. Die staatlich
kontrollierten Medien haben die Abu-Nidal-Organisation als terroristisch bezeichnet, aber die syrische
Regierung versäumte es, in den syrisch kontrollierten
Gebieten des Libanon konkrete Maßnahmen gegen
die ANO durchzuführen.
Gleichzeitig unterstützt Syrien öffentlich das Recht der
Palästinenser auf bewaffneten Kampf für ihre Unabhängigkeit. Präsident Assad hat palästinensische
Angriffe auf Israel und die besetzten Gebiete öffentlich
verteidigt und unterstützt. Syrien stellt weiterhin politische und materielle Unterstützung für palästinensische Gruppen zur Verfügung, die ihr Hauptquartier in
Damaskus haben und in der Vergangenheit terroristische Anschläge verübten, insbesondere die PFLPGC, deren Propagandasender al Quds in Syrien steht.
Darüber hinaus beherbergt sie die Abu-Musa-Gruppe,
Seite 5

�die Volkskampffront (PSF), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und die Demokratische Front
für die Befreiung Palästinas (DFLP). Der Führer der
PFLP hat öffentlich erklärt, er werde Anschläge auf
amerikanische Ziele und andere Gegner des Irak
durchführen, falls es zum militärischen Konflikt am
Golf käme. Bis zum Jahresende wurden keine Anschläge dieser Art verübt.

sehen Islamischen Dschihad, die die Verantwortung
für das Massaker an neun israelischen Touristen in
Ägypten übernommen hat. Die Erklärung des PU
wurde vom Rundfunksender der PFLP-GC in Südsyrien ausgestrahlt.

Im Jahr 1990 und insbesondere seit dem irakischen
Einmarsch in Kuwait hat Syrien versucht, seine öffentlichen Verbindungen zu terroristischen Aktivitäten und
Die Vereinigten Staaten haben der syrischen Regie- Gruppen im internationalen Bereich abzuschwächen,
rung gegenüber - sowohl öffentlich als auch vertraulich augenscheinlich in dem Versuch, sein Ansehen im
- weiterhin ihre ernste Besorgnis über die von Syrien Westen zu verbessern. Syrische Reglerungsvertreter
unterstützten terroristischen Gruppierungen zum haben erklärt, das Land engagiere sich für die AufspüAusdruck gebracht. Die syrische Regierung hat einige rung und Bestrafung von Personen im syrischen
positive Schritte unternommen, insbesondere seit Beginn Hoheitsbereich, die terroristischer Anschläge beschulder Golfkrise im August 1990, um die in Syrien behei- digt werden, falls Beweise für ihre Verbrechen vorgemateten terroristischen Gruppen zu zügeln. Sie hat legt werden können. Sie haben darüber hinaus wiejedoch keine Maßnahmen ergriffen, um diese Grup- derholt, daß jede Organisation, die an terroristischen
Verbrechen beteiligt ist, die Folgen zu tragen hat.
pen aufzulösen oder aus Syrien auszuweisen.
Nach dem Besuch von Außenminister Baker in Syrien
Syrien hat keine Schritte unternommen, um die Prä- im September hat der syrische Außenminister Schasenz anderer terroristischer Organisationen abzubau- raa öffentlich erklärt, Syrien verurteile alle Formen des
en oder zu beseitigen, wie etwa der Kurdischen Arbei- Terrorismus, einschließlich von Flugzeugentführunterpartei (PKK), der Armenischen Geheimarmee für gen und Geiselnahmen. Syrien unterscheidet jedoch
die Befreiung Armeniens (ASALA) und der Japani- weiterhin zwischen dem "legitimen Kampf gegen die
schen Roten Armee. Einige dieser Gruppen unterhal- Besatzungstruppen" und Akten des Terrorismus - ein
ten Lager im libanesischen Bekaa-Tal, das von syri- grundlegender Unterschied zwischen amerikanischen
schen Truppen kontrolliert wird. Syrien toleriert ferner und syrischen Nachrichten.
die Präsenz einer Splittergruppe des Palästinensi-

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AMERIKA DIENST 18

•

�PARTEIEN

IN

AMERIKA
8. Mai 1991

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

BONN - (AD) - Der nachfolgend veröffentlichte Artikel ist im Januar 1991 in der Zeitschrift American Studies
Newsletter erschienen. Der Autor ist Leiter des Roper Institute in Storrs (Connecticut).

Nach jeder wichtigen Wahl in den Vereinigten Staaten
sind Politiker und Insider bestrebt, die Bedeutung des
Ergebnisses zu analysieren. Welche Implikationen
haben die Ergebnisse für die nächste Runde nationaler
Wahlen und ganz allgemein für die Zukunft der Partei?
Die vorherrschende Meinung über die Wahl vom 7.
November 1989 - bei der die Demokraten die Bürgermeisterwahl in New York und die Gouverneurswahlen
in Virginia knapp gewannen und beim Rennen um den
Posten des Gouverneurs von New Jersey gut abschnitten - läßt zwei Schlußfolgerungen zu. Erstens,
daß nach der Reagan-Ära die Demokraten ihren Vorsprung bei den Wahlen wiedergewonnen haben und
zweitens, daß der Widerstand der Republikaner gegen
flexiblere Abtreibungsgesetze sich als politisches
Eigentor erwiesen hat.
Das erste Argument entbehrt jeder Grundlage. Noch
schlimmer ist, daß es die Aufmerksamkeit von dem
Merkmal ablenkt, das den gegenwärtigen Wettbewerb
der politischen Parteien in den Vereinigten Staaten
von dem früherer Zeiten unterscheidet: Wahlergebnisse in den Bundesstaaten und Kommunen weichen
in ihrem Muster stark und kontinuierlich von den landesweiten Wahlen ab, bei denen die Präsidentschaft
im Vordergrund steht. Normalerweise wäre man gut
beraten, den drei Wahlen im November 1989 nicht
allzuviel Bedeutung beizumessen, weil sie als Beispiel
zu unerheblich sind, um etwas über nationale Tendenzen zu verraten, aber die Ergebnisse spiegeln tatsächlich eingefahrene Muster wider.
Ein Jahr zuvor hatten die Republikaner die Präsidentschaft mit Leichtigkeit gewonnen - ihr fünfter Sieg in
den letzten sechs Rennen. In diesem Zeitraum hatten
sie bei den Wählern gegenüber den Demokraten einen
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Vorsprung von 10 Prozentpunkten - 53 Prozent zu 43
Prozent. Diese Spanne ist so groß, daß sie ihresgleichen nur einmal in der amerikanischen Geschichte bei den Wahlen von 1932 - findet (als der Demokrat
Franklin D. Roosevelt 57 Prozent der Wählerstimmen
auf sich vereinigte und damit vor dem Republikaner
Herbert Hoover lag, der 39 Prozent errang). Aber in
der ganzen Zeit hielten die Demokraten ihre Mehrheit
in den Parlamenten der Bundesstaaten und im Kongreß. Nach der Wahl von 1988 führten sie gegenüber
den Republikanern im Senat mit 55 zu 45, im Repräsentantenhaus mit 260 zu 175, bei den Gouverneuren
mit 28 zu 22 und bei den Sitzen in den gesetzgebenden
Körperschaften der Bundesstaaten mit 4.477 zu 2.925.
Wenn die Ergebnisse von 1989 irgendeine besondere
Bedeutung haben, dann die, daß sich die Tradition
geteilter Parteikontrolle in die neunziger Jahre fortsetzt. Warum ist das so?
Bei dem Versuch zu erklären, warum die gegenwärtige
Wählerschaft etwas tut, was amerikanische Wähler
bisher nicht getan haben - unterschiedliche Stimmabgabe bei nationalen und regionalen Wahlen -muß man
zu der Schlu ßfolgerung gelangen, daß die Wähler uns
damit etwas sagen wollen. Ich nenne ihre Reaktion
nach James Madison (US-Präsident von 1809-17),
dem großen Verfechter der geteilten Regierung "kognitiven Madisonismus". Diese Interpretation geht
von der Tatsache aus, daß sich Amerikaner mit einer
politischen Philosophie und begleitenden Institutionen - die einer sich wechselseitig kontrollierenden
Regierungsbefugnis große Bedeutung beimessen und
als Instrument zur Wahrung der Freiheit des einzelnen
dienen - in geringerem Umfang als andere Demokratien durch ein republikanisches Weißes Haus und
einen demokratischen Kongreß beunruhigt fühlen.
Seite 1

�Niemals vor diesen letzten 25 Jahren hat Amerika
erlebt, daß die Parteien sich die Kontrolle über nationale exekutive und legislative Institutionen geteilt haben,
aber ihre ganze Geschichte hatte sie für die zugrundeliegende Idee der geteilten Regierung vorbereitet.

Vorteil, weil sie nach zwei ungewöhnlichen republikanischen Debakeln in den Jahren 1964 und 1974 das
moderne Zeitalter mit mehr Amtsträgern begonnen
haben, die damit einhergehende Vorteile des Amtes in
Anspruch nehmen konnten.

Erhalten die Lehren der Geschichte jetzt eine neue
Perspektive? Sind Amerikaner jetzt empfänglicher für
eine gesteigerte Form geteilter Macht - eine republikanische nationale Exekutive mit einer demokratischen
Vormachtstellung im Kongreß und den Parlamenten
der Bundesstaaten - um neue Perspektiven auszudrücken? Natürlich erklärt die Öffentlichkeit, durch
eine geteilte Parteienkontrolle nicht im mindesten beunruhigt zu sein. Zum Beispiel wurde in einer vom 23.
bis 26. Oktober 1988 von NBC News und dem Wall
Street Journal durchgeführten Untersuchung gefragt:
"Glauben Sie, daß es generell besser ist, wenn dieselbe politische Partei sowohl den Kongreß kontrolliert als
auch den Präsidenten stellt, oder sind Sie der Meinung, es sei besser, wenn unterschiedliche politische
Parteien den Kongreß kontrollieren und den Präsidenten stellen?" Nur 32 Prozent sprachen sich für die
Kontrolle einer Partei aus, während 54 Prozent geteilte
Macht befürworteten. Andere Umfragen haben diese
Tendenz bestätigt.

Die Bindung an eine politische Partei ist das eine Mittel,
diese Dynamik außer Kraft zu setzen. Das heißt, ein
Wähler weiß vielleicht nicht sehr viel über das Wahlergebnis eines Amtsinhabers und stimmt dennoch zugunsten eines weniger bekannten Herausforderers
gegen ihn, weil der Wähler die Partei des Gegners
bevorzugt - und das ist genau das, was historisch
gesehen geschah. Im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts, in dem die Amtsinhaber größere Wahlressourcen als je zuvor aufgebracht haben, hat sich der
Anteil der Wähler mit starken Parteibindungen jäh
verringert. Die Wähler von heute, die über eine bessere Ausbildung verfügen und ihre politischen Informationen im großen und ganzen den Massenmedien entnehmen, gehen sehr viel weniger mit dem Kurs ihrer
Partei konform als ihre Vorgänger dies taten.

Untersuchungen der öffentlichen Meinung in den
Vereinigten Staaten zeigen eine Öffentlichkeit, die
wichtigen politischen Themen höchst ambivalent
gegenübersteht. Insbesondere befürworten Amerikaner ein hohes Maß an staatlichem Schutz und staatlichen Dienstleistungen, kritisieren aber gleichzeitig die
Regierung als zu groß, zu aufgebläht und zu belehrend. Sie erwarten wiedersprüchliche Dinge vom
modernen Staat und sehen, daß Demokraten und
Republikaner zur Rolle der Regierung ganz unterschiedliche Auffassungen haben. Wäre es denn
überraschend, wenn eine Art kognitiver Madisonismus
in modernem Gewand in Erscheinung treten würde?
Nach dem Motto: wir wollen die Ansichten der beiden
Parteien zur angemessenen Rolle der Regierungen
noch spannender gestalten. 1989 ist der republikanische Präsident George Bush fest im Weißen Haus
etabliert und erfreut sich großer Zustimmung, deshalb
wollen wir bei den Gourverneurswahlen in New Jersey
und Virginia eine etwas andere Botschaft aussenden.
Zusätzliche Faktoren als nur der kognitive Madisonismus wirken natürlich jetzt und produzieren geteilte
Wahlergebnisse. Bei den Wahlen 1989 spielten sie
keine große Rolle, aber bei den Wahlen für die gesetzgebenden Körperschaften in den letzten 25 Jahren
haben Amtsvorteile eine gro ße und zunehmende Rolle
gespielt. In vielen Parlamenten der Bundesstaaten
und im Kongreß hatten Amtsinhaber im Hinblick auf
das Personal und die Kampagne einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Herausforderern - sie
verfügten über entschieden mehr Mittel zur Eigenwerbung. Damit haben die Demokraten einen klaren

Seite 2

Die Faktoren, die das Wahlverhalten bei Kongreßund Präsidentschaftswahlen beeinflussen, unterscheiden sich grundlegend. Der Politologe S.M. Lipset
argumentiert fogendermaßen:
"Der Kongreß ist der Ort, an dem (Gruppen-)
Konflikte ausgefochten werden. Die Mitglieder
leisten Dienste, fungieren als Ombudsmann
und vertreten Interessen. Sie erheben eher im
kleinen als im großen Rahmen Einspruch. Und
die Demokraten mit ihren Verbindungen zu den
Massen und die Interessen der Öffentlichkeit
vertretenden Lobbyisten sind besser in der Lage,
diese Aufgaben zu erfüllen."
•
Andererseits "kommt den Republikanern auf
nationaler Ebene die Tatsache zugute, daß der
Präsident als ein gewählter Monarch angesehen wird, als Symbol ebenso wie als Führungskraft für das gesamte Land, die im Idealfall über
kleinmütigen Interessenkonflikten steht und sich
vor allem für moralische Werte in der Innensowie die Außen- und Verteidigungspolitik
engagiert. Das Amt ist immanent an Nationalismus gebunden. Demokratische Liberale stehen
vor diesem Hintergrund schwach da. Reagan
und Bush scheinen stark."
Die Meinungen der Analysten gehen auseinander,
inwieweit die öffentliche Meinungsbildung den Republikanern ihren derzeitigen nationalen Vorteil verschafft
hat. Ich kann drei Komponenten ausmachen. Die eine
ergibt sich aus dem enormen realen Wachstum der
Regierung in den sechziger und siebziger Jahren. Als
Reaktion auf diesen Zuwachs wurde das Vorgehen der
Regierung zunehmend als Problem, nicht nur als
Problemlösung gesehen. "Die Regierung verursacht

AMERIKA DIENST 18

�j

Inflation" war ein Teil dessen. "Die Regierung erhebt
zu hohe Steuern" ist heute geläufiger. Für die meisten
Bürger nahm die tatsächliche Steuerlast nach den
fünfziger Jahren drastisch zu.

gehalten. Weiße Südstaatler aus den ländlichen
Gebieten und die Arbeiterklasse des Nordens waren
bezüglich stärkerer staatlicher Eingriffe in den Markt
einer Meinung.

Der zweite Problembereich bezieht sich auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Heutzutage vergißt
man leicht, daß zu Zeiten des New Deal [der Innenpolitik von Präsident Franklin D. Roosevelt (1933-34), die
die Erholung der amerikanischen Wirtschaft von der
großen Wirtschaftskrise zum Ziel hatte] die Demokraten die Partei mit der dogmatischeren Außenpolitik
waren. In einigen republikanischen Kreisen machte
sogar der Vorwurf die Runde, die Vereinigten Staaten
"führen Kriege", wenn die Demokraten an der Regierung sind. Zweifelsohne erhielten die Vereinigten
Staaten in den dreißiger und vierziger Jahren von den
Demokraten eine Art au ßenpolitischen Nationalismus,
der intellektuell dem "neuen Nationalismus" entsprach,
den die Partei bei Wirtschaftsbelangen im Inland verfolgte - in beiden Fällen unter der Führung von Franklin
D. Roosevelts republikanischem Vetter Theodore.
Politiker der Demokratischen Partei insistierten, daß
den Vereinigten Staaten große Verantwortung bei der
Förderung spezifischer nationaler Interessen und der
Sache der Demokratie durch das Einbringen amerikanischer Macht in das Weltgeschehen zukäme.

Keine der beiden Gruppen hatte "liberale" Ansichten
zu Themen wie Rassenzugehörigkeit, Patriotismus,
Todesstrafe oder Abtreibung. Sobald diese Themen
politisch in den Vordergrund treten wie in den sechziger Jahren sahen und sehen sich die Demokraten mit
einem nahezu unlösbaren Problem konfrontiert. Wenn
sie eine liberale Haltung zu diesen Themen einnahmen, stießen sie die weißen Südstaatler und einen Teil
der weißen Arbeiterklasse vor den Kopf. Wenn sie
konservative Ansichten vertraten, riskierten sie, die
gebildeten Liberalen zu verlieren, die ihren Wahlkampf
führten und das Geld aufbrachten. Demokratische
Kongreßkandidaten können diesem Problem häufig
ausweichen, da die meisten Wahlbezirke für Kongre ßwahlen relativ homogen sind. Diese Strategie wirkt bei
Wahlen in den Bundesstaaten nicht so gut, vor allem,
wenn der Bundesstaat sozial vielschichtig ist. Bei
landesweiten Wahlen scheint sie überhaupt nicht zu
funktionieren.

Wesentliche Teile der Demokratischen Partei hätten
diesen Ansatz der New Deal-Ära in jedem Fall modifiziert, aber aufgrund des Vietnamkriegs wurde die
Neubewertung beschleunigt und verschärft. Den
Republikanern wurde damit die enorme Chance gegeben, sich als die in Fragen der Außenpolitik realistischer denkende und als die Partei zu etablieren, die
eher zur Aufrechterhaltung einer starken nationalen
Verteidigung und zum Widerstand gegen die kommunistische Expansion bereit ist.
Einige Demokraten vertreten die Auffassung, daß ihr
jüngster Nachteil bei außen- und verteidigungspolitischen Fragen jetzt durch die Entwicklungen in der
UdSSR und Osteuropa abgebaut wird.

i

Aber solche Betrachtungen scheinen eher Hoffnungen
der Demokraten als politische Realität zu sein. Die
Tatsache bleibt bestehen, daß ein republikanischer
und nicht ein demokratischer Präsident zu einem Zeitpunkt auf der Bühne ist, zu dem der Kommunismus
ideologisch das Handtuch geworfen zu haben scheint.
Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, daß sich
die bisherigen Probleme der Demokraten in dem neuen
politischen Umfeld der neunziger Jahre verringern
werden - aber im Augenblick ist das reine Spekulation.
Der dritte Problemkreis, der die Demokraten national
vor eine Herausforderung gestellt hat, umfaßt ein
vielschichtiges Spektrum sozialer Fragen. Christopher Jancks Beobachtungen zufolge wurde die New
Deal-Koalition durch Wirtschaftsinteressen zusammen-

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Viele Analysten sehen jedoch jetzt in der scharfen
Abtreibungskontroverse eine größere Chance für die
Demokraten. Der Politologe William Schneider argumentiert, daß "die Frage des Schwangerschaftsabbruchs einen Pfahl mitten durch die Reagan-Koalition
treiben könnte." Der Grund:
"Religiöse Konservative und wohlhabende
Vorstädter sind die beiden Kemwählerschaften
der Republikanischen Partei. Kein Thema kann
diese beiden Gruppen mehr entzweien als Abtreibung."
In Wirklichkeit war das Tema Schwangerschaftsabbruch für beide Parteien seit über zehn Jahren äußerst schwierig - seit der Zeit, als sich die Amerikaner
der praktischen politischen Konsequenzen einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr
1973 bewußt wurden, die ein flexibles Recht auf Abtreibung einräumte. Dies ist darauf zurückzuführen,
daß die große Mehrheit der Öffentlichkeit sich weder
im Lager der Befürworter noch der Abtreibungsgegner
wohlfühlt. Die Lobby ist stark polarisiert und vertritt
zunehmend die Auffassung, daß es zu diesem Thema
keinen Mittelweg geben kann. Für viele Amerikaner ist
der Mittelweg jedoch ein weites Feld - und dort wollen
sie stehen.
Ein Teil der von zahlreichen Amerikanern der "breiten
Mitte" vertretenen Auffassung ist, daß bei Abtreibung
wie bei so vielen anderen Fragen der Gedanke der
Entscheidung des einzelnen gro ßen Respekt verdient.
Wenn Meinungsforscher beispielsweise die Frage
stellen: "Sollte einer Frau der Schwangerschaftsabbruch gestattet werden, wenn sie dies wünscht und ihr

Seite 3

�Arzt zustimmt?", antwortet die große Mehrheit kontinuierlich mit Ja. Der andere Teil argumentiert jedoch,
Abtreibungen würden zu häufig und zu sorglos durchgeführt und daher sei größere Kontrolle vonnöten.

"liberalisiert". Gleichzeitig möchten Demokraten, die
selbst Gegner der Abtreibung sind oder aus Wahlkreisen kommen, in denen die Gegner sehr stark sind, daß
die Partei ihre Einstellung konservativer gestaltet.

Die Auswirkungen dieser unterschiedlichen Einstellungen werden von einer Reihe von Untersuchungen
eindeutig aufgezeigt - dazu gehören auch zwei im März
und September 1989 durchgeführte Meinungsumfragen, bei denen jeweils ein umfassendes Spektrum von
Fragen gestellt wurde. Diesen Untersuchungen zufolge lehnt eine große Mehrheit einen Verfassungszusatz ab, der Schwangerschaftsabbrüche kategorisch
verbieten würde. Eine Frau könnte demnach einen
legalen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen,
wenn die Schwangerschaft die Folge von Vergewaltigung oder Inzest ist oder wenn das Kind mit hoher
Wahrscheinlichkeit an einer Erbkrankheit leiden würde. Nahezu einhellig würden die Amerikaner einen
Schwangerschaftsabbruch befürworten, um das Leben der Mutter zu retten.

Eine Mehrheit aller Amerikaner befürwortet tatsächlich
die Wahlfreiheit des einzelnen und gleichzeitig mit
Nachdruck den Schutz des ungeborenen Lebens. Sie
erwarten von beiden Parteien, daß sie beide Positionen respektieren. Wird eine Partei dabei mehr Erfolg
haben als die andere?

Obwohl die Mutter die Freiheit haben sollte, in einigen
Fällen über den Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, sollte ihre Wahlfreiheit jedoch nicht uneingeschränkt bestehen. Große Mehrheiten der Bevölkerung würden Abtreibung in den Fällen für illegal erklären, in denen ein Schwangerschaftsabbruch deshalb
gewünscht wird, weil die Geburt eines Kindes die Frau
zwingen würde, ihre berufliche Karriere zu unterbrechen, weil der Vater nicht bereit ist, bei der Kinderbetreuung mitzuhelfen oder weil die Schwangerschaft
eine übermäßige emotionale Belastung darstellen würde.
Nahezu einhellig lehnen die Amerikaner Abtreibung
als Mittel der Geburtenkontrolle ab. Die Analyse von
Erhebungsdaten zur öffentlichen Meinung zeigt sowohl unter Republikanern als auch unter Demokraten
ein breites Meinungsspektrum zum Schwangerschaftsabbruch. Es wurde häufig in den Vordergrund gestellt,
daß es unter den Republikanern einen starken Block
für die Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch
gibt - vielleicht ein Fünftel aller Anhänger der Republikanischen Partei. Man sollte jedoch nicht außer acht
lassen, daß bei den Demokraten die Gegner der
Abtreibung einen noch größeren Prozentsatz ausmachen - meiner Analyse zufolge etwa ein Viertel. Dies
ist ein starker Hinweis darauf, daß beide Parteien bei
ihren traditionellen Wählern Zuspruch einbüßen könnten, wenn die Frage des Schwangerschaftsabbruchs
bei Wahlen größeres Gewicht erhielte.
Verständlicherweise machen sich deshalb auch einige
Vertreter beider Parteien Sorgen über die Auswirkungen des Themas auf das Wählerverhalten. Republikanische Befürworter der Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch, wie etwa die Kongreßabgeordneten
Lynn Martin aus Illinois und Claudine Schneider aus
Rhode Island möchten, daß ihre Partei ihre Haltung

Seite 4

Zu Beginn der neunziger Jahre haben beide großen
politischen Parteien ihre Hochburgen. Wie bereits
festgestellt, haben die Republikaner institutionell gesehen das nationale Stimmverhalten dominiert, in dessen
Mittelpunkt die Wahl des Präsidenten steht. Gleichzeitig haben die Demokraten bei Wahlen in den Bundesstaaten und Gemeinden ihre Mehrheit ständig ausgebaut. Im Hinblick auf ihre Grundsätze profitieren die
Republikaner wie bereits seit über zehn Jahren weiterhin von dem Glauben, daß der Zuwachs an staatlichem Einfluß zurückgedrängt werden muß, während
die Demokraten durch die weiterhin große Nachfrage
nach öffentlichen Dienstleistungen gestärkt werden.
Moralische Fragen wie die Abtreibung sind Herausforderungen für beide Parteien.
Insgesamt gesehen, haben jedoch die Republikaner
die politische Schlacht der achtziger Jahre gewonnen.
Am Ende des Jahrzehnts hatten sie bei Wähleridentifikation gleichgezogen und bei anderen Faktoren einen Vorsprung erzielt.
Alle wichtigen nationalen Meinungsumfragen weisen
im Lauf des Jahrzehnts beeindruckende Bewegungen
auf: Die Nettoverschiebung zu den Republikanern
betrug bei der Identifikation 15 bis 20 Prozentpunkte in
den Umfragen. Die Ergebnisse schwanken - sie
spiegeln damit sowohl die ihnen eigene Ungenauigkeit
als auch den Fluß der politischen Ereignisse wider -,
aber ein eindeutiger, sich kontinuierlich verstärkender
Trend ist offenkundig.
Jüngste Arbeiten der Politikwissenschaftler Helmut
Norpoth und Michael Kagay liefern dramatische Beweise für den Erfolg der Republikaner bei jungen
Menschen. Norpoth und Kagay kombinierten die
zahlreichen jährlich von CBS und New York Times
durchgeführten Umfragen und erhielten dadurch einen
noch umfassenderen, verläßlicheren Querschnitt. Sie
fanden heraus, daß sich im Jahr 1980 54 Prozent der
18-29jährigen als Anhänger der Demokraten bezeichneten, 33 Prozent als Anhänger der Republikaner-ein
Nettovorsprung der Demokraten von 21 Prozent. Im
ersten Quartal des Jahres 1989 bezeichneten sich
jedoch 52 Prozent der 18-29jährigen als Republikaner
und 38 Prozent als Demokraten - ein 14prozentiger
Vorsprung der Republikaner. Die von Jahr zu Jahr

AMERIKA DIENST 18

�gesammelten Daten machen deutlich, daß dieser
gewaltige Generationen Umbruch die Folge kontinuierlich angesammelter Erfahrungen und keine Reaktion
auf eine plötzlich eintretende Reihe von Ereignissen
war.

i

•

Anderen Maßstäben für die Lage der Parteien zufolge
haben die Republikaner sogar noch größere Fortschritte erzielt. In einer Gallup-Umfrage vom Juli 1989
bezeichneten 51 Prozent der Befragten die Republikaner als die Partei, die eher in der Lage sei, "den
Wohlstand des Landes zu erhalten", während nur 30
Prozent dasselbe von den Demokraten behaupteten.
Bei der jungen Generation war der republikanische
Vorsprung noch größer: 63 Prozent der 18-29jährigen
hielt die Partei für wirtschaftlich kompetenter, während
nur 23 Prozent die Demokraten auswählte. Dagegen
betrug bei den über 50jährigen der Vorsprung der
Republikaner lediglich 43 zu 32 Prozent.

*

AMERIKA DIENST 18

*

Noch wichtiger ist Norpoth und Kagay zufolge die
Tatsache, daß in früheren Zeitabschnitten, als die
Republikaner im Aufwind zu sein schienen, nichts dem
gegenwärtigen Trend bei den Jungwählern vergleichbares geschah. So haben zwar die Republikaner ihr
Ansehen bei denjenigen, die in der Ära Eisenhower
(1953-61) politisch mündig wurden, etwas gesteigert,
jedoch bei weitem nicht in dem Maß, wie dies bei den
Jungwählern der achtziger Jahre der Fall war.
Welches ist die sich daraus ergebende politische
Botschaft? Sicherlich nicht, daß republikanische
Zuwächse im nächsten Jahrzehnt zwangsläufig oder
Siege der Partei bei künftigen Wahlen vorherbestimmt
sind. Die Bilanz der achtziger Jahre endete jedoch mit
dem Ergebnis, daß die Republikanische Partei ihre
Basis gestärkt und bis auf ein Niveau angehoben hat,
wie es sie seit Beginn der Großen Depression der
dreißiger Jahre nicht mehr gegeben hatte.

*

*

Seite 5

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              <text>Amerikadienst 08.05.1991</text>
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          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. April 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Staatliche Unterstützung immer noch wichtige Triebfeder für Terrorismus &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Parteien in Amerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Republikaner und Demokraten in den Neunziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Everett Carll Ladd&lt;/em&gt;</text>
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          <description>An unambiguous reference to the resource within a given context</description>
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