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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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53Öi0

0

1. Mai 1990

o^

USA - DEUTSCHLAND

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
BEZIEHUNGEN UND DIE NEUEN
BUNDESLÄNDER
Rede von Botschafter Walters

OSTEUROPA

ANHÖRUNG IM KONGRESS ÜBER HILFE
FÜR OSTEUROPA
Rede von Botschafter Barry

HINTERGRUND

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

IKE UND DIE SOGENANNTEN
GREUELTATEN
von Stephen E. Ambrose

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�U S A - DEUTSCHLAND
1. Mail991

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
UND DIE NEUEN BUNDESLÄNDER
Rede von Botschafter Walters
DRESDEN - (AD) - Bei einer Ansprache vor der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland am 25. April
1991 in Dresden verlieh Botschafter Walters seiner Überzeugung Ausdruck, "daß die neuen Bundesländer bald
Anschluß an das wirtschaftliche Niveau der früheren Bundesrepublik finden werden". Die Überwindung der
Teilung Deutschlands und Europas sei stets ein vorrangiges Ziel amerikanischer Außenpolitik der vergangenen
Jahrzehnte gewesen, und konsequenterweise hätten die Vereinigten Staaten die Vereinigung der beiden
deutschen Staaten vorbehaltlos unterstützt. "Wir sind glücklich, daß wir dieses Ziel erreicht haben", so der
Botschafter.
Um die Zusammenarbeit mit den neuen Bürgern der Bundesrepublik Deutschland zu erleichtern, habe die
Amerikanische Botschaft eine Art Arbeitsprogramm erstellt. Dazu zählten verschiedenartige Programme zur
Förderung des Austauschs von Schülern, jungen politischen Führungskräften, Journalisten und Vertretern des
kulturellen Lebens.
Botschafter Walters zufolge besteht eine "unserer Hauptaufgaben darin, amerikanischen Firmen ihre unternehmerische Tätigkeit in Ostdeutschland zu erleichtern." Darüber hinaus liege der amerikanischen Regierung viel
daran, ihre "Beziehungen zu den neuen Bundesländern genauso fruchtbar zu gestalten wie unser langjähriges
Verhältnis zu den Ländern der früheren Bundesrepublik." Der Botschafter unterstrich, auch die Vereinigten
Staaten seien an einem schnellen wirtschaftliche Aufschwung in der ehemaligen DDR interessiert und verlieh
seiner Hoffnung Ausdruck, daß "die Probleme, die wohl bei einer Umstrukturierung von solch historischem
Ausmaß nicht ausbleiben, bald der Vergangenenheit angehören."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafter Walters im Wortlaut (es gilt das gesprochene
Wort).

Sehr geehrter Herr Präsident,
Herr Minister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
sollte noch jemand einen Beweis dafür benötigen, wie
sehr sich die Welt in den letzten zwei Jahren verändert
hat, dann müßte die Tatsache, daß die diesjährige
Jahresversammlung der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland in Dresden stattfindet, eigentlich
ausreichen. Vor zwei Jahren noch war Dresden eine
Stadt jenseits des Eisernen Vorhangs, in einem Staat,
von dessen Politik und Wirtschaft die meisten Bürger
hier genug hatten. Vor anderthalb Jahren haben die
Menschen in dieser Stadt, in Leipzig und andernorts
unter schwierigsten und gefährlichsten Umständen
Freiheit und Demokratie erkämpft. Heute ist Dresden
AMERIKA DIENST 17

wieder die Hauptstadt des Freistaates Sachsen in
einem vereinten Deutschland. Dresden ist wieder eine
Kulturmetropole in einem ungeteilten Europa, in dem
politische und wirtschaftliche Kooperation an die Stelle
der Konfrontation des kalten Krieges getreten ist.
Der Warschauer Pakt hat vor wenigen Wochen aufgehört zu existieren, und die Welt nahm kaum mehr Notiz
davon. Ein Ereignis, das vor zwei Jahren noch unvorstellbar war, fand in der Washington Post nur noch auf
Seite 16 Beachtung. Es ist unglaublich viel geschehen
und erreicht worden. Freiheit und Demokratie in einem
Teil derWelt, der über vierzig Jahrelang unter kommunistischen Diktaturen litt, sind für viele heute schon zu
einer Selbstverständlichkeit geworden.
Dieser Teil Deutschlands genießt nun alle politischen
und wirtschaftlichen Freiheiten, wie sie im Westen
Seite 1

�schon lange bestehen. Allerdings wissen wir alle um
die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Umstellung einer kommunistischen Planwirtschaft auf ein
marktwirtschaftliches System. Hohe Investitionen
müssen getätigt werden, um Arbeit und Wohlstand zu
schaffen. Ich verstehe die Ungeduld vieler Menschen
in den neuen Bundesländern- wenn sie heute ihre
wirtschaftliche Lage mit dem Wohlstand im westlichen
Teil Deutschlands vergleichen.

nen, und wir möchten gerne mit den Menschen dieses
Landesteils zusammenarbeiten und Gedanken austauschen. Ich glaube, daß dies auch im Interesse der
amerikanischen Unternehmen ist, die hier investieren
oder neue Absatzmärkte erschließen.

Nach einem Jahr frustrierender Verzögerungen wird
demnächst unser Generakonsulat in Leipzig zum ersten
Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder seine Tore
öffnen. In einer Zeit des haushaltspolitisch begründeAber ich habe Deutschland noch in ganz anderer ten Abbaus diplomatischer Vertretungen in anderen
Erinnerung. Ich habe bei meinem Aufenthalt in den Teilen der Welt ist die Einrichtung einer neuen Dienstwestlichen Zonen im Jahre 1948 völlig zerbombte stelle ein Signal unserer Solidarität mit den Menschen
Städte gesehen. Angesichts der Verwüstung hatte ich in der ehemaligen DDR und unseres Respekts für ihre
damals nicht geglaubt, daß Deutschland noch zu meinen Entschlossenheit, frei zu sein und die Früchte der
Lebzeiten wiederaufgebaut werden könnte. Heute Freiheit zu genießen.
zählen diese Städte zu den wohlhabensten WirtschaftsZusammen mit dem Generalkonsulat eröffnen wir in
regionen dieser Welt.
Leipzig ein Amerika Haus. Wie unsere Amerika HäuAuch in diesem Teil Deutschlands haben die Men- ser im westlichen Teil Deutschlands wird dieses Haus
schen in Anbetracht der Unzulänglichkeit der kommu- eine umfassende Bibliothek mit amerikanischen Bünistischen Wirtschaft Erstaunliches geleistet. Es gab chern und Zeitschriften haben, und seine Programme
nur einen Unterschied: die Bürger in den heutigen werden als Fenster zu zeitgenössischen kulturellen
westlichen Bundesländern konnten sich in einem frei- und sonstigen Ereignissen in den Vereinigten Staaten
en Wirtschaftssystem entfalten; die Wirtschaftstätig- dienen.
keit in derfrüheren DDR wurde von staatlicher Planung
Wir haben bereits damit begonnen, auf die Schulen in
gehemmt und behindert.
den neuen Bundesländern zuzugehen. Bereits kurz
Ich bin überzeugt, daß die neuen Bundesländer bald nach der Vereinigung haben wir Programme zur LehAnschluß an das wirtschaftliche Niveau der früheren rerfortbildung in allen neuen Bundesländern veranstalBundesrepublik finden werden. Es wäre wünschens- tet. Jahrzehntelang wurden Lehrkräfte und ihre Stuwert, dieser Prozeß ginge schneller. Aber was die denten nur mit Propaganda und Fehlinformationen
soziale Marktwirtschaft nach dem Krieg im Westen zu gefüttert. Die Nachfrage nach Informationen über die
leisten vermocht hat, wird sie in dieser Zeit in diesem Vereinigten Staaten ist riesig, und wir tun unser Bestes, ihr nachzukommen.
Landesteil schon allemal vermögen.
Die Vereinigten Staaten haben die Vereinigung der
beiden deutschen Staaten vorbehaltlos unterstützt.
Die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas war ein vorrangiges Ziel amerikanischer Au ßenpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Wir sind glücklich,
daß wir gemeinsam dieses Ziel erreicht haben.

Seit langem unterhalten wir ein Programm, um junge
deutsche politische Führungskräfte, Journalisten und
Vertreter des kulturellen Lebens in die Vereinigten
Staaten einzuladen, damit sie unser Land kennenlernen und mit ihren amerikanischen Kollegen zusammentreffen können. Dieses Programm ist auf die
neuen Bundesländer ausgeweitet worden. In diesem
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutsch- Jahr erwarten wir mindestens 50 junge Führungskräfte
land sind durch eine gemeinsame Verteidigungsalli- zu einmonatigen Besuchen in den Vereinigten Staaanz und durch eine Vielzahl von Kontakten auf allen ten. Im nächsten Jahr werden es hoffentlich noch
möglichen Ebenen verbunden. Über Jahrzehnte hin- mehr sein.
weg hatten Amerikaner und Deutsche aus West-Berlin
und den westlichen Bundesländern die Möglichkeit, Das Fulbright-Programm erfreut sich weltweit eines
einander zu begegnen und sich kennenzulernen. Mauer beispiellosen Rufs für den akademischen Austausch.
und Stacheldraht hatten in der Vergangenheit verhin- Die Programme der deutsch-amerikanischen Fulbrightdert, daß Sachsen und Thüringer, Mecklenburger und Kommission haben das Leben und die Studien TauBrandenburger uns kennenlernen konnten - und wir sender deutscher und amerikanischer Wissenschaftsie. Au ßerdem hat die kommunistische Propaganda in ler in den vergangenen vierzig Jahren bereichert.
der DDR vier Jahrzehnte lang ein verzerrtes Bild von Heute konzentriert sich die Aufmerksamkeit der
Amerika verbreitet.
Kommission auf die neuen Bundesländer, da sich
Universitäten mit langer Tradition erneut als Zentren
Die amerikanische Botschaft in Bonn hat deshalb eine für Forschung und Lehre in einer Atmosphäre akadeArt Arbeitsprogramm erstellt, um den neuen Bürgern mischer Freiheit herausbilden.
der Bundesrepublik Deutschland die Hand zur Freundschaft und Zusammenarbeit zu reichen. Sie sollen die Im Jahr 1983riefender Deutsche Bundestag und der
Möglichkeit haben, uns und unser Land kennenzuler- amerikanische Kongreß ein Progamm ins Leben, um
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AMERIKA DIENST 17

�jungen Deutschen und Amerikanern einen einjährigen
Aufenthält mit Unterbringung bei Gastfamilien, Schulbesuchen und dem Aufbau dauerhafter Freundschaften im jeweils anderen Land zu ermöglichen. Im
nächsten Schuljahr soll das Programm auch Schülern
aus den neuen Bundesländern diese Möglichkeit einräumen. Gleichzeitig werderj. amerikanische Studenten bei Gastfamilien in den neuen Bundesländern
untergebracht.
Einige der militärischen Stützpunkte, die wir in Deutschland schließen, verfügen über ausgezeichnete Bibliotheken. Der US-Informationsdienst hat Vorkehrungen
getroffen, um diese Bibliotheken Universitäten und
anderen Institutionen in den neuen Bundesländern zu
übergeben. In der ersten Juniwoche wird die erste
dieser Sammlungen mit 25.000 Bänden aus der Bibliothek der US-Luftwaffe in Westdeutschland an die
Sächsische Landesbibliothek in Dresden gehen.
Die Außenhandelsabteilung der amerikanischen Botschaft berät amerikanische Unternehmen bei Investitionen in den neuen Bundesländern. Die Mitarbeiter
dieser Abteilung sind vor Ort mit Rat und Tat behilflich,
machen aber auch Unternehmen in den Vereinigten
Staaten auf spezifische Investitionsmöglichkeiten
aufmerksam. Sie helfen interessierten Unternehmen
dabei, die richtigen Kontakte mit der Treuhandanstalt,
den Länderregierungen, den Kommunalbehörden und
ostdeutschen Firmen zu knüpfen. Darüber hinaus
bemühen wir uns um ein Abkommen, mit dem das
Programm zur Versicherung von Investitionen im
Ausland amerikanischen Firmen zugänglich gemacht
wird, die in der früheren DDR investieren wollen. Wir
erwarten, daß diese Versicherungen der Overseas
Private Investment Corporation (OPIC) in unmittelbarer Zukunft verfügbar werden.
Wir sehen eine unserer Hauptaufgaben darin, amerikanischen Firmen ihre unternehmerische Tätigkeit in
Ostdeutschland zu erleichtern. Unser Schwerpunkt
liegt dabei auf der Förderung amerikanischer Ausfuhren. In diesem Rahmen ergeben sich Tausende von
Geschäftskontakten. Ich freue mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß die Zahl der Mitarbeiter unserer Handelsabteilung in Berlin erhöht wird. Auch wird bald ein
Vertreter des amerikanischen Handelsministeriums in
Leipzig seinen Dienst antreten. Wir haben bereits
Geschäftspartner bei "Trade Days" in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammengeführt, und
ähnliche Ereignisse werden kommenden Monat im
Norden stattfinden. Wir planen Seminare über USExportkontrollen sowie eine Reihe von Vorträgen, um
US-Umwelttechnologie in Osteuropa einzuführen.
Wir nutzen aktiv die Handelsmessen, um Kontakte
zwischen ostdeutschen und amerikanischen Geschäftsleuten zu knüpfen. Wir arbeiten mit der Berliner
Messegesellschaft zusammen, um eine stärkere
amerikanische Beteiligung an Messen im Osten zu
erzielen und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit
AMERIKA DIENST 17

Berlin, Leipzig und anderen Städten bei der Entwicklung neuer Konzepte für Messen.
Darüber hinaus arbeiten wir mit deutschen Umweltexperten bei Fragen der Beseitigung von Altlasten in der
früheren DDR zusammen. Durch unsere eigenen
Umweltprogramme haben die Vereinigten Staaten große
Erfahrung bei der Aufbereitung von verseuchtem Land
und Grundwasser gewonnen. Darüber hinaus sind wir
an einer Zusammenarbeit zur Verbesserung der Luft
im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Polen und der
Tschechoslowakei interessiert. Ferner wollen wir
Austauschprogramme mit Umweltwissenschaftlern aus
den neuen Bundesländern fördern.
Der amerikanischen Regierung liegt viel daran, unsere
Beziehungen zu den neuen Bundesländern genauso
fruchtbar zu gestalten wie unser langjähriges Verhältnis zu den Ländern in der früheren Bundesrepublik.
Wir sind auch an einem schnellen wirtschaftlichen
Aufschwung in der ehemaligen DDR interessiert. Die
anderen früheren kommunistischen Staaten Mittelund Osteuropas sehen in der ehemaligen DDR sozusagen einen Vorreiter im Hinblick auf die Umstrukturierung ihrer Wirtschaft. Sie alle wissen, daß es sehr
schwierig ist, das Erbe von vierzig Jahren Planwirtschaft wegzuräumen und eine funktionierende Marktwirtschaft einzuführen. Gelingt dies in den neuen
deutschen Bundesländern, so können auch die Nachbarländer im Osten und Südosten Hoffnung und Zuversicht schöpfen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten lassen Resignation und Unruhe in den mittel- und osteuropäischen
Reformstaaten aufkommen. Es ist in unser aller
Interesse, die Demokratie im Osten und Südosten
Europas zu festigen. Ebensogilt eszu verhindern, daß
ein krasses Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West
diesen Kontinent erneut teilt. Sie wissen, große Unterschiede im Lebensstandard und mangelnde wirtschaftliche Perspektiven im internationalen Vergleich sind
potentielle Ursachen für innere wie äußere Spannungen.
Aber Sie wissen, die Regierungen allein können diesen gewaltigen wirtschaftlichen Strukturwandel nicht
allein bewerkstelligen. In erster Linie schaffen private
Investitionen Arbeitsplätze und Wohlstand. Die Bundesregierung unternimmt große Anstrengungen zum
Neuaufbau dieses Landesteiles. Aber es besteht im
wesentlichen Übereinstimmung, daß der Schlüssel zu
einer modernen, zukunftsorientierten Wirtschaft bei
den privaten Investoren liegt.
Die Bundesregierung und die Regierungen der neuen
Länder und ihre Institutionen haben wiederholt um
ausländische Investoren in der ehemaligen DDR
geworben. Wir tragen unseren Teil dazu bei, damit in
den Vereinigten Staaten bekannt wird, welche wirtschaftlichen Chancen sich für amerikanische Firmen
hier bieten. Einige von Ihnen werden möglicherweise

Seite 3

�bereits in den neuen Bundesländern sehr aktiv sein.
Ich war gestern in Erfurt bei der Eröffnung einer Filiale
einer amerikanischen Einzelhandelskette. Im benachbarten Eisenach wird der größte amerikanische Automobilhersteller hohe Investitionen tätigen.

Platz auf einem Ihrer Messestände. Laden Sie den
Neuling zur Teilnahme an einer der Messen ein. Helfen Sie ihnen, und Sie werden wahrscheinlich selbst
einen Nutzen davon haben.

Weisen Sie Ihre Partner in den Vereinigten Staaten auf
die Bedeutung der deutschen Messen hin. Ich habe
einige dieser Messen besucht und habe gesehen, wie
Geschäfte zustande kommen und abgeschlossen
werden. Sie wissen, eine deutsche Messe ist nicht mit
amerikanischen Ausstellungen vergleichbar, mit denen die meisten unserer Firmen vertraut sind. Viele
amerikanische Unternehmer erschauem bei dem
Gedanken an eine zusätzliche Ausstellung und nehmen einfach an, daß meistens sowieso nur wenig
dabei herauskommt. Sie glauben, daß es sich bei den
Allerdings erfuhren wir auch von Fällen, in denen Ausstellungen lediglich um eine andere Form von
amerikanischen Unternehmen nicht die gleichen Werbung handelt. Es wäre wichtig, daß Sie erfahren,
Chancen bei Geschäftsvorhaben wie deutschen Fir- daß man auf einer Messe mit Käufern aus aller Welt in
men eingeräumt wurden. Amerika ist grundsätzlich an Kontakt kommt und dabei beträchtliche Verkäufe getäeinem wirtschaftlichen Engagement in den neuen tigt werden können.
Bundesländern interessiert. Aber es wäre letzlich
schädlich für beide Seiten, wenn bei der Vergabe von Die Ergebnisse der CeBIT '91 werden zur Zeit immer
Aufträgen oder bei unternehmerischen Vorhaben nicht noch ausgewertet. Aber im letzten Jahr wurden in den
verschiedenen US-Pavillons, die ungefähr 400 kleineder beste Anbieter zum Zuge käme.
re und mittlere Firmen beherbergten, Verträge abgeLassen Sie mich zum Schluß noch Werbung in eigener schlossen, die zwischen einer halben und dreiviertel
Sache machen. Die amerikanische Regierung unter- Milliarde US-Dollar einbrachten! In dieser Zahl sind
nimmt große Anstrengungen, faire Wettbewerbsbe- natürlich die Verkäufe unserer größten Firmen nicht
dingung und offene Märkte weltweit zu schaffen. Seit enthalten. Die meisten dieser Firmen waren über ihre
Jahren bemühen wir uns darum bei der Uruguay- deutschen Töchter registriert und werden deshalb
Runde des GATT. Unser Ziel ist es, Handelsbarrieren auch als deutsche Firmen in den Statistiken geführt.
abzubauen und allen Anbietern gleiche Chancen auf Wir haben Käufer aus aller Herren Länder an den USinternationalen Märkten einzuräumen.
Ständen gesehen. Helfen Sie uns, den amerikanischen Firmen klarzumachen, daß der Verkauf auf
Meiner Regierung liegt auch viel daran, amerikanische einer deutschen Messe nicht auf Deutschland beExporteure mit Rat und Tat zu unterstützen. Es geht grenzt ist.
um die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen
ebenso wie um die Verbesserung unserer Handelsbi- Als Vertreter amerikanischer Unternehmen in Deutschlanz. Unser Foreign Commercial Service hilft amerika- land sind Sie in der Position, Chancen für amerikaninischen Exporteuren auf ausländischen Märkten, ver- sche Produkte auf diesem Markt frühzeitig zu erkenmittelt Geschäftskontakte, macht sie mit den Eigenhei- nen. Geben Sie Ihr Wissen über Märkte, Käufer und
ten des Importlandes vertraut und vieles mehr. In Vertriebsmöglichkeiten an Ihre Partnerfirmen in den
unserer Botschaft ist es die Aufgabe meines Kollegen USA weiter. Ich glaube, erweiterte und verbesserte
Jack Bligh, der heute abend hier anwesend ist, US- Geschäftsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Firmen bei der Anbahnung und Abwicklung von Ge- Staaten und Deutschland sind für uns alle ein Gewinn.
schäften behilflich zu sein. Aber Jack Bligh und seine
Mitarbeiter können nicht alle potentiellen Exporteure in Meine Damen und Herren, es ist für mich wirklich ein
den Vereinigten Staaten auf ihre Chancen und Mög- großer Tag, als Botschafter der Vereinigten Staaten
lichkeiten in Deutschland aufmerksam machen. Des- von Amerika im vereinten Deutschland zu Ihnen heute
halb wende ich mich an Sie.
in Dresden sprechen zu können. Ich spreche hier auch
als Ehrenpräsident der Amerikanischen HandelskamSie kennen wahrscheinlich alle eine kleine Firma in den mer in Deutschland. Es ist ein zentrales Anliegen
Vereinigten Staaten, die noch nicht hier auf dem Markt amerikanischer Außenpolitik, unsere Beziehungen zu
ist, die aber über ein vermarktungsfähiges Produkt Deutschland auf allen Ebenen zu festigen und zu
verfügt. Diese Firma mag zu klein sein, um über erweitern. Die Amerikanische Handelskammer in
Überseemärkte informiert zu sein. Vielleicht könnten Deutschland leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.
Sie den Kontakt zu einem ausländischen Händler oder Dafür danke ich Ihnen. Vielen Dank.
Importeur herstellen. Oder vielleicht haben Sie noch
Die vielen Anfragen interessierter amerikanischer Firmen bei unserer Botschaft in"Bonn lassen schließen,
daß sich die Zahl der Investitionen in der Zukunft
sicherlich beträchtlich erhöhen wird. Aber nicht nur
amerikanische Investoren klagen über Schwierigkeiten bei der Verwirklichung von Vorhaben. Wir hoffen,
daß diese Probleme, die wohl bei einer Umstrukturierung von solch historischem Ausmaß nicht ausbleiben,
bald der Vergangenheit angehören.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 17

�OSTEU ROPA
1. Mai 1991

ANHÖRUNG IM KONGRESS ÜBER HILFE
FÜR OSTEUROPA
Rede von Botschafter Barry
WASHINGTON - (AD) - Hochrangige Regierungsbeamte forderten den Kongreß am 24. April 1991 zur
Verabschiedung von Gesetzen auf, denen zufolge im Haushaltsjahr 1992 Hilfe für Osteuropa im Umfang von 470
Millionen Dollar bewilligt werden kann. Sie argumentierten, eine Steigerung gegenüber dem laufenden
Haushaltsjahr sei entscheidend, damit die Länder in der Region ihren Vormarsch zu Demokratie und freier
Marktwirtschaft weiterführen können.
Bei einer Anhörung vor dem Unterausschuß für Europa des Auswärtigen Ausschusses im Senat erklärte der
Sonderberater des stellvertretenden Außenministers für Osteuropahilfe, Botschafter Robert Barry, die Mittel
könnten in drei Hauptbereichen eingesetzt werden: für demokratische Initiativen, Förderung von Wirtschaftsreformen und Verbesserung der Lebensqualität.
Barry bezeichnete die Einführung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa als
"strategische Priorität" der Regierung. "Im Laufe des letzten Jahres hat unsere Hilfe den Ländern der Region
in unterschiedlichem Umfang zu Fortschritten zu diesem Ziel verholten," erklärte Barry.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Barrys Rede im Wortlaut.

In meiner heutigen Rede möchte ich die allgemeine
strategische Richtung unseres Hilfsprogramms für Mittelund Osteuropa beschreiben. Welche Prioritäten haben
wir, und wie setzen wir sie? Wie verändern sie sich mit
der Zeit? Welche unvorhergesehenen Probleme haben
sich ergeben, und wie versuchen wir damit fertigzuwerden? Wie ergänzen US-Programme die anderer
Spender? Welche Rolle spielt der Privatsektor? Welche
Merkmale charakterisieren die Programme für Osteuropa, und wie funktionieren diese "Experimente"? Ich
spreche hierfür den Stellvertretenden Außenminister
Lawrence Eagleburger, der für die gesamte Koordination der US-Hilfe - sei sie durch das Bewilligungsgesetz
über Auslandshilfe oder anderweitig finanziert - in der
Region verantwortlich ist.
Zuerst möchte ich darauf eingehen, wie Herr Eagleburger und die stellvertretenden Koordinatoren - der
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater, Boskin,
und der Stellvertretende Finanzminister John Robson
ihre Rolle gegenüber dem Amt für Internationale Entwicklung (AID) abstecken. Als ihr hochrangiger Förderer würde ich die Rolle des Koordinators als Garanten
AMERIKA DIENST 17

dafür beschreiben, daß AID-Programme, Handelsfragen, wirtschafts- und sicherheitspolitische Themen sich
wechselseitig ergänzen und zusammenwirken und die
Koordinierung mit anderen Geberländern und multilateralen Institutionen wie dem IWF, der IBWE, EBWE
und der EG-Kommission stattfindet. Viele der wichtigsten US-Beiträge zur Osteuropahiife sind das Ergebnis des Koordinierungsprozesses - die Gründung des
Stabilisierungsfonds für Polen, der Unternehmensfonds für Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei,
neuer OECD-Programme und die Lasten Verteilung.
Ziele und Prioritäten der Vereinigten Staaten
Die Ziele der US-Hilfe sind konstant, und aufgrund der
von den Ländern in der Region erzielten Fortschritte
haben sie Anspruch auf diese Hilfe. Ähnliche Kriterien
legen die 24 Geberländer an, die ihre Hilfe durch den
Mechanismus der G-24 unter dem Vorsitz der Kommission der Europäischen Gemeinschaften in Brüssel
koordinieren. Wir sind bestrebt um
demokratische, pluralistische Gesellschaften auf
der Grundlage der Rechtsstaatlichkeit und
Seite 1

�Achtung von Menschenrechten und Freiheiten
des einzelnen,
die Einführung freier Marktwirtschaften mit starken Privatsektoren,
die Wiedereingliederung dieser Länder in die
wirtschaftliche und politische Struktur des
Westens, wie es ihrer Geschichte und ihren
Werten nach sein sollte sowie an der Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten.
Aufgrund dieser Kriterien konzentrierten sich unsere
Länderprioritäten zunächst auf Polen und Ungarn, die
auf dem Weg wirtschaftlicher und politischer Reformen am weitesten fortgeschritten waren. Im Jahr 1990
wurde auch die Tschechoslowakei auf die Prioritätenliste gesetzt. 1991 rechtfertigt das von Präsident
Schelew in Bulgarien in die Wege geleitete mutige
Reformprogramm unsere zunehmende Unterstützung,
insbesondere da die bulgarischen Erfolge eine stabilisierende Wirkung auf dem Balkan haben könnten.
Darüber hinaus gewähren wir Jugoslawien weiterhin
begrenzte Hilfe, mit besonderer Betonung der Unterstützung demokratischer Institutionen und der Ausbildung in den für eine freie Marktwirtschaft erforderlichen Qualifikationen und an Rumänien unter besonderer Berücksichtigung humanitärer Hilfe und des Aufbaus der Demokratie.
Zweckorientierte Prioritäten
Die Art der von uns entwickelten Hilfsprogramme ist
auf diese Ziele zugeschnitten. In jedem dieser zwekkorientierten Bereiche haben wir eine Vielzahl von Programmen entwickelt, bei denen die Vereinigten Staaten unseres Erachtens einen vergleichsweisen Vorteil
vor anderen potentiellen Gebern haben. Daher haben
wir mit den Ländern in der Region einen umfassenen
Dialog geführt, um ihre Prioritäten festzustellen und in
die Praxis zu umzusetzen. Gleichzeitig können der
Koordinierungsmechanismus der G-24 in Brüssel und
der zunehmend wichtige Dialog zwischen den Gebern
in jedem Land gewährleisten, daß unsere Programme
die der anderen Geber ergänzen.
Im Rahmen dieses Prozesses versuchen wir zur Zeit,
diegrößten Hindemisse für politische und Wirtschaftsreformen herauszufinden, damit wir unsere Prioritäten
anpassen und gegebenenfalls neue Mittel bereitstellen können. Ich möchte Ihnen jetzt kurz erläutern, wo
unserer Meinung nach gegenwärtig die Hauptproblembereiche liegen, auf die sich unsere Aufmerksamkeit konzentrieren sollte.
Hindernisse für Reformen
Erstens verschärft sich das Problem der politischen
Instabilität in einigen Ländern der Region. Wir hatten
erwartet, daß die Wirtschaftsprobleme der Übergangs-

Seite 2

phase eine Herausforderung für die aufstrebenden
Institutionen der neuen Demokratien darstellen würden, aber die Bürde wurde durch den Golf krieg und
den Zusammenbruch des Handels mit der Sowjetunion noch schwerer. Die durch Nationalitätenkonflikte
verursachten Unruhen waren größer und andauernder
als wir gehofft hatten.
Um diese Herausforderung zu bewältigen, müssen wir
besondere Betonung auf den Aufbau der Demokratie
und Programme zur Verbesserung der Lebensqualität
legen. Von der Unterstützung der Tschechoslowakei
bei der Erarbeitung einer Verfassung, in derdie Rechte
des einzelnen geschützt werden, bis zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge in Bulgarien kann unser
Engagement einen Unterschied bewirken.
Zweitens stellte die Kluft zwischen makro- und mikroökonomischen Reformen ein größeres Problem dar
als wir vor einem Jahr erwartet hatten. Das im Jahr
1990 von Polen durchgeführte mutige Stabilisierungprogramm produzierte nicht die gewünschte Reaktion
der Angebotsseite, weil die Privatisierung hinterherhinkte und die Staatsbetriebe vom Markt und den
Wettbewerbskräften abgeschnitten waren. Polen hat
jetzt ein umfassendes Dreijahresprogramm verabschiedet, und wir drängen alle Länder der Region, das
Tempo der Privatisierung und die Schaffung wirklich
wettbewerbsfähiger Marktbedingungen zu beschleunigen. Wie Sie ausgeführt haben, werden Erfolg oder
Scheitern des polnischen Programms von den anderen Ländern in der Region, insbesondere der UdSSR
genau beobachtet.
Zur Unterstützung mikroökonomischer Reformen stehen den Vereinigten Staaten eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, die wir verstärkt anwenden
werden. Unsere Unternehmensfonds stimulieren den
Privatsektor in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei. Die polnisch-amerikanischen und ungarischamerikanischen Fonds haben bereits 26 Millionen
Dollar ausgeschüttet und können 90 Millionen oder
mehr Dollar bereitstellen, wenn die von ihnen ausgearbeiteten Projekte Erfolge zeitigen. Wir beschleunigen
die Ausbildung von Führungskräften in Wirtschaft und
Bankwesen und die Unterstützung des Privatisierungsprozesses in Industrie und Landwirtschaft. Wir sind bei
der Erarbeitung von Gesetzen behilflich, die Wettbewerbsfähigkeit zu einer Realität werden lassen und bei
der Bereitstellung finanzieller Vermittler, die den Privatisierungsprozeß unterstützen werden. Im Hinblick auf
die Ressourcen der US-Regierung liegt hierin unsere
größte Verpflichtung für die Haushaltjahre 1992 und
1991. Gleichzeitig müssen wir unsere Aktivitäten auf
andere wichtige Geber konzentrieren - insbesondere
die Internationale Bankfür Wiederaufbau und Entwicklung IBWE und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBWE - um die Engpässe beim
Wachstum des Privatsektors zu beheben.

AMERIKA DIENST 17

�Drittens erweitert sich die Handelskluft, und die Investitionsströme aus dem Westen waren entmutigend.
Der Zusammenbruch des Handels mit der UdSSR
vollzog sich rascher als prognostiziert, und zusammen
mit dem Verlust der ehemaligen DDR als Markt hat
dies eine umfassende Neuorientierung des Handels
erforderlich gemacht. Gleichzeitig waren amerikanische und westliche Investoren vorsichtiger als wir
gedacht hätten. Bis zum Vorabend von Präsident
Walesas Besuch in den Vereinigten Staaten hatten
amerikanische Firmen nur 30 Millionen Dollar in Polen
investiert.
Die Verbesserung des Klimas für Handel und Investitionen ist unsere wichtigste neue Priorität für den Rest
des Jahres 1991. Der Schuldenabbau Polens sollte
einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Infolge
der von den Vereinigten Staaten in die Wege geleiteten
Initiative sind Kreditinstitutionen wie die Export Import
Bank in Polen wieder aktiv. Die während des Walesa
Besuchs angekündigte Amerikanische Unternehmensinitiative und die Initiativie zur Erweiterung des Handels sollten ferner dazu dienen, das Klima für amerikanischen Handel und Investitionen in der gesamten
Region zu verbessern. Die anderen müssen ihren Teil
dazu beitragen. Die Länder Mittel- und Osteuropas
müssen weitere Schritte unternehmen, um ihre gegenseitigen Handelsschranken abzubauen und insbesondere das Klima für westliche Investoren attraktiver zu
machen, um das Privatkapital anzuziehen, das auf
lange Sicht sehr viel mehr für ihre Volkswirtschaften
leisten wird als jegliche westliche Regierungshilfe.
Unsere europäischen Verbündeten müssen verbesserten Marktzugang für Exporte aus der Region schaffen. Vor einem Jahr haben wir alle gesagt, erweiterter
Handel und Investitionen wären die Triebfeder für
Wachstum und Reformen in Mittel- und Osteuropa.
Dies müssen wir im Jahr 1991 in die Tat umsetzen.
Im Haushalt 1992 beantragte Mittel
Aufgrund der obengenannten Prioritäten hat die
Administration 470 Millionen Dollar für die Unterstützung Osteuropas beantragt, was im Vergleich zum
Haushaltsjahr 1991 einen erheblichen Zuwachs darstellt. Davon sind 70 Millionen Dollar für die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung vorgesehen. Die restlichen 400 Millionen Dollar verteilen
sich folgendermaßen:
29 Millionen für die Entwicklung demokratischer
Institutionen,
305 Millionen für die Förderung wirtschaftlicher
Umstrukturierungsmaßnahmen,
61 Millionen für Projekte zur Verbesserung der
Lebensqualität und
5 Millionen für Rechnungsprüfung, Auswertung
und Programmunterstützung.

AMERIKA DIENST 17

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, würden die
von uns im Haushaltsjahr 1992 beantragten 400 Millionen Dollar etwa folgendermaßen eingesetzt:
190 Millionen für Projekte im Rahmen des
Gesetzes zur Unterstützung der Osteuropäischen Demokratien (SEEDI), davon 164 Millionen für die Unternehmensfonds.
55 Millionen für andere Programme, die nicht
von AID, sondern von anderen Behörden durchgeführt werden (USIA, EPA, Energie-, ArbeitsWirtschafts- oder Justizministerium und so
weiter).
60 Millionen für die Fortschreibung einiger wichtiger im Jahr 1991 aufgenommener Projekte,
wie etwa die Ausbildung von Führungskräften
oder Privatisierung.
Die restlichen Mittel würden im großen und ganzen für
kleinere Projekte (unter 10 Millionen Dollar) ausgegeben, die von 1991 übernommen werden, oder sie
würden für die Erweiterung von Großprojekten verwendet, die sich bereits als erfolgreich erwiesen haben. Wir möchten die uns vom Kongreß gewährte
Flexibilität nutzen, um Programme aufzustocken, die
bereits erfolgreich zu sein scheinen, oder um die
Verluste bei nicht funktionierenden Experimenten zu
verringern. Wir haben im laufenden Jahr bereits die
Mittel für zwei Programme verdoppelt, bei denen ein
qualitativ gutes Ergebnis mit gleichzeitigem Interesse
seitens der Empfängerstaaten einherging. Aus denselben Gründen haben wir andere Programme beschnitten.
Aufbau von Länderprogrammen
Neben unseren übergreifenden regionalen Prioritäten
passen wir unsere Programme den Bedürfnissen der
einzelnen Länder an und stimmen uns mit anderen
Gebern ab, die sich mit denselben Problemen auseinandersetzen. Dies erfordert einen anhaltenden Dialog
mit dem jeweiligen Empfängerland, den wichtigsten
bilateralen und multilateralen Gebern und zwischen
den etwa 20 an den Hilfsmaßnahmen beteiligten USRegierungsbehörden. In jedem Land der Region
bemühen wir uns, ein amerikanisches Hilfsprogramm
zusammenzustellen, das sichtbar, zielgerichtet und
leicht zu verwalten ist. Gleichzeitig muß der Umfang
dieses Programms den Grad an Fortschritten widerspiegeln, die von dem entsprechenden Land unter
Berücksichtigung der von unseren Verbündeten und
uns gesetzten Kriterien gemacht werden.
Für Staaten, die auf dem Weg zu demokratischen
Reformen hinterherhinken, haben wir nur sehr wenige
Programme eingeleitet. So führen wir etwa in Rumänien sechs begrenzte Programme durch: humanitäre
Hilfe (darunter Unterstützung rumänischer Kinder),
Nahrungsmittelhilfe, Hilfe bei der Familienplanung,
Unterstützung von unabhängigen Medien und RechtsSeite 3

�Staatlichkeit, Ausbildung von Führungskräften sowie
Notprogramme zur Verbesserung der Energieversorgung. Dagegen führen wir in Polen zwei Dutzend
Programme durch. Aber auch hier möchten wir uns auf
wenige Schlüsselbereiche konzentrieren, in denen
umfangreichere Mittel bereitgestellt werden können,
um neuen Prioritäten gerecht zu werden. Unterstützung für den Privatisierungsprozeß und die Ausweitung von Handel und Investitionstätigkeit sind zwei
dieser zweckgebundenen Schwerpunkte für Polen.
Landwirtschaft und der Agrarindustrie gilt unser Hauptaugenmerk in Bulgarien. In Ungarn betrachten wir die
Reform des Bankwesens als vordringliche Aufgabe,
zu deren Lösung amerikanische Hilfe beitragen kann.
Ein zweiter Weg zur Verstärkung des Synergieeffekts
unserer Hilfe besteht darin, sich auf kleinere Programme in einer einzelnen Stadt oder Region zu konzentrieren. Krakau ist zum Schwerpunkt amerikanischer
Programme in Polen geworden, dasselbe gilt für den
Landkreis Baranya in Ungarn. Das Peace Corps, das
Arbeitsministerium, das Amt für Umweltschutz, das
Energieministerium und andere an der amerikanischen
Hilfe beteiligten Behörden können mehr leisten, indem
sich ihre Programme an einem einzelnen Ort wechselseitig verstärken, anstatt daß ihre Prioritäten getrennt
voneinander verfolgt werden.

Schlußfolgerung
Zum Abschluß möchte ich Sie bitten, nicht an die
gewaltigen Hindernisse für wirtschaftliche und politische Reformen zu denken, sondern an die im vergangenen Jahr erzielten bemerkenswerten Fortschritte.
Wer hätte im Jahr 1988 erwartet, daß Lech Walesa die
Vereinigten Staaten als Präsident eines demokratischen Polens besuchen würde, um über den Zeitplan
für den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen
aus seinem Land zu sprechen? Wer hätte erwartet,
daß Bulgarien bei politischen und wirtschaftlichen
Reformen an vorderster Front stehen würde? Wer
hätte demokratische Wahlen in Albanien erwartet, so
mangelhaft sie auch gewesen sein mögen? Und vor
allem, wer hätte die Entwicklung eines machtvollen
Konsenses in der ganzen Region erwartet, daß ein
rascher, umfassenden Übergang zu demokratischer
Herrschaft und Marktwirtschaft die einzige Lösung für
die Probleme der Region darstellt? Die Unterstützung
dieses Übergangs ist für diese Administration ebenso
eine strategische Priorität wie vor zwei Jahren, als die
Bilder der Revolution unsere Vorstellungskraft so sehr
beflügelten.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 17

�HINTERGRUND
1. Mai 1991

IKE UND DIE SOGENANNTEN GREUELTATEN
von Stephen E. Ambrose
Der folgende Artikel von Stephen E. Ambrose, dem Direktor des Eisenhower Center an der University of New
Orleans, ist am 24. Februar 1991 unter dem Titel "Ike and the Disappearing Atrocities" in The New York Times
Book Review erschienen. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der New York Times Company, Copyright
(c)1991.

Selten hat die Veröffentlichung einer historischen
Monographie zu einem Thema - der Behandlung von
Kriegsgefangenen -, das normalerweise nur für wenige Spezialisten von Interesse ist, solches Aufsehen
oder so viel Ärger erregt, wie James Bacques Werk
"Der geplante Tod". Das im Jahr 1989 in Kanada
veröffentlichte Buch wurde zum Gegenstand einer
Titelstory des populären kanadischen Magazins Saturday Night, eines Dokumentarfilms der BBC sowie
zweier Dokumentationen im deutschen Fernsehen
und eines angekündigten Dokumentarfilms der Canadian Broadcasting Corporation. (Auf dem Umschlag
der kanadischen Ausgabe, so möchte ich gleich betonen, ist ein Zitat von mir abgedruckt, das aus dem
Zusammenhang gerissen und ohne meine Zustimmung verwendet wurde.) Das Buch wurde im amerikanischen Fernsehen, im Magazin Time und zahlreichen anderen Medien besprochen. Seine deutsche
Ausgabe wurde sofort zum Bestseller. Die britische
Ausgabe zog Buchbesprechungen in The Times Literary Supplement und in anderen Zeitschriften nach
sich. Der kalifornische Verlag Prima Publishing plant
des Buch im Mai zu veröffentlichen, was auch in den
Vereinigten Staaten Öl ins Feuer gießen könnte.
Der Grund für die traurige Berühmtheit ist die Schlußfolgerung des Autors, daß General Dwight D. Eisenhower als Chef der amerikanischen Besatzungstruppen
im Deutschland des Jahres 1945 eine erschreckende
Zahl deutscher Kriegsgefangener mit voller Absicht
dem Hungertod preisgab. Bacque behauptet: "Die
Zahl der Opfer liegt zweifellos bei mehr als 800 000,
heinahe mit Sicherheit bei mehr als 900 000 und
durchaus wahrscheinlich bei mehr als einer Million.
Die Ursachen ihres Todes wurden wissentlich ge-

AMERIKA DIENST 17

schaffen von Armee-Offizieren, die über genügend
Lebensmittel und andere Hilfsmittel verfügten, um die
Gefangenen am Leben zu erhalten."
Bacque zufolge benutzte Eisenhower eine einfache
Methode: er änderte Bezeichnung der Gefangenen
von Prisoners of War (POW), die nach der Genfer
Konvention Anspruch auf dieselben Rationen wie die
amerikanischen Gls hatten, in Disarmed Enemy Forces (DEF), was ihm gestattete, sie auf Hungerrationen
zu setzen. Bacque stellt fest, den DEF seien außerdem Medikamente und Obdach verweigert worden.
Sie seien zu Hunderttausenden gestorben. Diese
Todesfälle seien in den Armeeunterlagen vertuscht
worden, indem man sie in Tabellen, in denen wöchentlich die Gesamtzahl der Gefangenen, der aus Gefangenschaft Entlassenen und so weiter erfaßt wurde, als
"sonstige Verluste" ausgewiesen habe.
Bacque ist über seine Aufdeckung dieses scheußlichen Verbrechens so empört, daß er in einem Interview mit einer Nachrichtenagentur mit den Worten
zitiert wird, die Amerikaner "sollten alle Standbilder
von Eisenhower abbauen, alle Photos von ihm von der
Wand nehmen und so gut sie können sein Andenken
aus der amerikanischen Geschichte tilgen, au ßer dem
Satz 'Hier gab es einen Mann, der grauenhafte Dinge
getan hat, derer wir uns schämen'". Daraus ergeben
sich zwangsläufig Fragen. Wenn es eine Million Tote
gab, wo sind deren Leichen? Besaß Eisenhower solch
ungeheure Macht, daß erden massenweisen Hungertod anordnen und als Geheimnins bewahren konnte?
War das zweifellos vorhandene Leid in den Lagern,
insbesondere in den Durchgangslagern am Rhein, das
Ergebnis Eisenhowerscher Politik oder Resultat der

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�chaotischen Zustände, die im Frühjahr und Sommer
des Jahres 1945 in Europa herrschten?
Bacque, ein kanadischer Romanautor ohne Erfahrung
in historischer Forschung oder Geschichtsschreibung,
stellt in der Einleitung seines Buches fest: "Zweifellos
werden viele Gelehrte Fehler in diesem Buch finden;
es sind ausschließlich meine. Ich begrüße ihre Kritik
und ihre künftigen Forschungen, die dazu beitragen
mögen, die Wahrheit für uns wiederherzustellen nach
einer langen Nacht der Lügen." Im vergangenen
Dezember lud das Eisenhower Center an der University of New Orleans einige führende Experten dieser
Epoche ein, um die Behauptungen zu untersuchen.
Die Teilnehmer an der Konferenz, mich eingeschlossen, planen, die Beiträge in Buchform zu veröffentlichen.
(Anm. d. Red.: An der Konferenz nahmen neben
Professor Ambrose teil:
Thomas Barker von der State University of New
York (Albany), Spezialist für mitteleuropäische
Militärgeschichte;
Guenter Bischof vom Eisenhower Center, Spezialist für Österreich während der Besatzungszeit;
Neil Cameron, Produzent der BBC-Dokumentation zu "Der geplante Tod";
Albert Cowdrey vom Center of Military History
des US-Heeresministeriums;
Alex Frohn vom Deutschen Historischen Institut;
Rüdiger Overmans vom Militärgeschichtlichen
Forschungsamt im Freiburg;
Professor Rolf Steininger von der Universität
Innsbruck, Autor einer zweibändigen Geschichte der Besatzungszeit in Deutschland;
James Tent von der University of AlabamaBirmingham, Autor von "Mission on the Rhine";
Brian Villa von der Universität Ottawa, Autor von
"Unauthorized Action: Mountbatten and the
Dieppe Raid.")
Unsere erste Schlußfolgerung war, daß Bacque eine
wichtige historische Entdeckung gemacht hatte. In der
Tat waren im Frühjahr und Sommer des Jahres 1945
Mißhandlungen an deutschen Gefangenen weitverbreitet. Männer wurden geschlagen, bekamen kein
Trinkwasser, sie wurden gezwungen, in offenen Lagern ohne ein Dach über dem Kopf, mit unzureichenden Nahrungsmittelrationen und ungenügender medizinischer Versorgung zu leben. Ihre Post wurde ihnen
vorenthalten. In einigen Fällen bereiteten Gefangene
eine "Suppe" aus Wasser und Gras, um ihren Hunger

Seite 2

zu stillen. Männer starben einen sinnlosen und unentschuldbaren Tod. Damit muß man sich auseinandersetzen, und Bacque gebührt das Verdienst, daß er uns
dazu gezwungen hat.
Unsere zweite Schlußfolgerung bestand darin, daß
Wissenschaftler, wenn sie die notwendigen Forschungen betreiben, Bacques Buch mehr als wertlos finden
werden. Es ist in seinen grundlegendsten Aspekten
mit ernsten - nein, spektakulären - Mängeln behaftet.
Bacque mißbraucht Dokumente. Er mißdeutet Dokumente. Er ignoriert gegenteilige Sachverhalte. Seine
statistischen Methoden sind hoffnungslos ungenau.
Er unternimmt keinen Versuch, die von ihm zusammengetragenen Beweise in Bezug zur Gesamtsituation zu setzen. Er unternimmt keinen Versuch, vergleichbare Zusammenhänge zu prüfen. Er legt seiner
Hauptquelle Worte in den Mund. Er ignoriert eine
allgemein zugängliche und absolut kritische Quelle,
die sich maßgeblich mit seiner zentralen Anschuldigung beschäftigt, und - infolge dieser und anderer
Mängel - kommt er zu Schlußfolgerungen und Beschuldigungen, die erwiesenermaßen absurd sind.
Abgesehen von ihrer Einschätzung der Bacqueschen
Behauptungen brachte die Konferenz in Zusammenhang mit dem Buch selbst jedoch eine umfassendere
Frage zur Sprache: Wie soll ein Leser, der kein
Experte ist, über ein Buch urteilen, das neue, überraschende und in der Tat empörende Behauptungen
aufstellt? Ohne das Wissen oder die Zeit zur Aufklärung des Sachverhalts, wie soll er wissen, ob ein Autor
"nach einer Langen Nacht der Lügen" endlich die
Wahrheit aufgedeckt hat, oder ob er eine unvorsichtige
Öffentlichkeit schlicht in die Irre führt?
Im Hinblick auf Bacques Behauptungen ist die zwingendste Frage die nach Eisenhowers Motiv: warum
um alles in der Welt würde Ike so etwas tun? Bacque
antwortet, daß Eisenhower die Deutschen haßte. Es
ist unbedingt zutreffend, daß Eisenhowers Zorn über
die Deutschen im Frühjahr 1945 groß war. Er hat nie
versucht, diese Gefühle zu verheimlichen. So schrieb
er in seinem 1948 veröffentlichten Buch "Crusade in
Europe": "Mit jedem Monat, den der Konflikt andauerte, wurden meine persönlichen Gefühle gegenüber
den Deutschen bitterer." Er teilt mit, daß er tausende
von Kondolenzschreiben an Witwen und Mütter seiner
gefallenen Soldaten unterzeichnete und schrieb: "Ich
kenne kein wirksameres Mittel, einen unauslöschlichen Haß auf diejenigen zu entwickeln, die für einen
Aggressionskrieg verantwortlich sind, als die Pflicht,
den dadurch Beraubten sein Beileid auszusprechen."
Die Entdeckung der Konzentrationslager trug zu diesem Gefühl noch bei.
Eisenhower war ein begeisterter Befürworter der Entnazifizierung, aber nicht, weil er die Deutschen haßte
oder an eine Kollektivschuld glaubte. Im Gegenteil, er
glaubte, daß es Deutsche gab, die sich für die Demokratie einsetzten und es Sache der Besatzungsmacht

AMERIKA DIENST 17

�sei, sie zu finden und ihnen Verantwortung zu übertragen. In einer in Frankfurt gehaltenen Rede erklärte er
1945:" Erfolg oder Fehlschlag dieser Besatzung werden am Charakter der Deutschen in 50 Jahren gemessen werden. Der Beweis wird erbracht sein, wenn sie
beginnen, ihre Demokratie selbst zu gestalten, und mit
der Zeit werden wir den Deutschen die Chance geben,
das zu tun." Das klingt nicht nach einem Mann, der zur
gleichen Zeit den Hungertod einer Million junger Deutscher anordnete.
Bacque mißversteht Eisenhowers Haltung und sein
Vorgehen bei der Besatzung völlig. Für jede politische
Entscheidung schiebt er Eisenhower die volle Verantwortung zu, erkennt aber niemals an, daß dieser
Vorgesetzte hatte, von denen er politische Direktiven
und Anordnungen entgegennahm - insbesondere den
Stabschef des Heeres, die im Namen und mit Genehmigung der britischen, sowjetischen und amerikanischen Regierungen handelnde European Advisory
Commission, die Vereinigten Stabschefs, das Gremium der Vereinigten Stabschefs aus Amerika und der
britischen Stabschefs (Combined Chiefs of Statt) sowie
die amerikanischen und britischen Regierungschefs.
Der Bericht von Brian Villa von der Universität Ottawa
bei der Konferenz in New Orleans über den diplomatischen Hintergrund weist darauf hin, die Politik von
Eisenhowers Vorgesetzten habe darin bestanden, den
Deutschen die Tatsache ihrer Niederlage bewußt zu
machen, die letztere selbst zu verantworten hätten und
sie auf jeden Fall "hart anzupacken". Entnazifizierung
war ein Element dieser Politik. Sie zeigte sich ferner
darin, daß deutsche Gefangene nicht mehr zu essen
bekamen als die deutsche Zivilbevölkerung, die Zivilisten der befreiten Länder oder die Displaced Persons
(DPs).
Eine zentrale Behauptung in Bacques Anklage lautet,
es habe 1945 in Europa keine Lebensmittelknappheit
gegeben. Er verweist dabei auf volle Lebensmittellager in Deutschland. Er erklärt, dem Roten Kreuz
hätten Nahrungsmittel zur Verfügung gestanden. Als
erdrückendsten Beweis führt er an, daß ein Zug, den
das Rote Kreuz in Genf mit Lebensmittelpaketen für
deutsche Gefangene beladen hatte, zur Rückkehr
gezwungen wurde.
Das ist schockierend - es gab Lebensmittel, die Männer hatten Hunger, und die amerikanischen Offizieren
schickten den Zug zurück nach Genf. Aber das hatte
einen Grund: die Regierungen der Alliierten hatten
verfügt, daß die Lebensmittelpakete des Roten Kreuzes für die Displaced Persons bestimmt sein sollten,
von denen es in Deutschland über zwei Millionen gab,
und Eisenhower hatte zu dieser Politik eindeutige
Befehle erhalten. Also bekamen die DPs diese Lebensmittelpakete. Es entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft, in einer Welt voller Hunger Prioritäten bei den
Lebensmitteln setzen zu müssen, aber es mußte sein,
und wer hätte die Entscheidung anfechten können?

AMERIKA DIENST 17

In seinem Konferenzbericht über die Lebensmittelsituation in Deutschland erklärte James Tent von der
University of Alabama in Birmingham, es stehe außer
Zweifel, daß es ernste Engpässe gegeben habe.
Dennoch waren Tent zufolge Lebensmittel eingelagert, die nicht an Gefangene - deren tägliche Ration sie
nur knapp vor dem Verhungern bewahrte - verteilt
wurden. Auch dies ist haarsträubend, bis man sich den
Grund vor Augen führt. Die Regierungen der Alliierten
fürchteten im Winter 1945-46 eine Hungersnot und
horteten deshalb Lebensmittel. Sogar mit ihren Reserven kamen sie kaum durch den Winter, und es dauerte
drei Jahre, bis die Lebensmittelknappheit in Europa
überwunden war.
Bacques Mythos war Eisenhowers Alptraum. Keine
Lebensmittelknappheit? Eisenhower schrieb im Februar 1945 an den Stabschef George C. Marshall: "Ich
bin sehr besorgt über die Situation bei den Lebensmitteln ... Wir verfügen auf dem Kontinent über keine
Reserven für die Versorgung der Zivilbevölkerung."
Und dazu existiert auch ein Schreiben von Eisenhower
an die Combined Chiefs of Statt vom 25. April 1945:
"Wenn nicht unverzüglich Schritte eingeleitet werden,
um in jedem erdenklichen Umfang Lebensmittelvorräte anzulegen, mit denen die minimalen Bedürfnisse
der deutschen Bevölkerung gedeckt werden können,
wird es im kommenden Winter unausweichlich zu
allgemeinem Chaos, Hungertod und Krankheiten
kommen."
Diese - und viele, viele ähnliche Botschaften - wurden
vor der Kapitulation geschickt. Nach der ersten Maiwoche erwiesen sich alle Berechnungen Eisenhowers,
wieviele Menschen im besetzten Deutschland verpflegt werden müßten, als jämmerlich unzureichend.
Er hatte die Situation aus zwei Gründen erheblich
unterschätzt. Erstens überstieg die Zahl der sich den
westlichen Alliierten ergebenden deutschen Soldaten
bei weitem alle Erwartungen (über fünf Millionen statt
der erwarteten drei Millionen), weil deutsche Soldaten
auf der Flucht vor den Russen im Sturm die Elbe
überquerten. Dasselbe galt für deutsche Zivilisten insgesamt 13 Millionen flohen von Ost nach West, und
damit war Eisenhower für sie verantwortlich. Zweitens
war die Zahl der befreiten Zwangsarbeiter viel höher um zwei Millionen - als erwartet. Kurz, Eisenhower sah
sich Engpässen gegenüber, noch bevor er erfuhr, daß
in Deutschland über 17 Millionen Menschen mehr zu
verpflegen waren als er erwartet hatte.
Keine Lebensmittelknappheit? Dazu der Bericht des
Militärgouverneurs für Deutschland im Juli 1945: "Die
Lebensmittelsituation in ganz Westdeutschland ist
vielleicht das gravierenste Problem der Besatzung.
Der durchschnittliche Lebensmittelverbrauch in den
Westzonen liegt ein Drittel unter dem allgemeingültigen Existenzminimum." Der Bericht vom September
erklärt: "Es sind keine Lebensmittel hiesiger Prove-

Seite 3

�nienz verfügbar, um die gegenwärtig bewilligte Tagesration für den Normalverbraucher von 1.550 Kalorien
abzudecken."
Bacque erklärt, die Gefangenen hätten 1.550 Kalorien
pro Tag erhalten, und er behauptet, eine solche Ration
bedeute den langsamen Hungertod. Er hat offensichtlich nie berücksichtigt, was die Zivilbevölkerung in
Deutschland oder den befreiten Ländern bekam. 1945
erhielt die Zivilbevölkerung in Paris 1.550 Kalorien.
Etwas mehr gab es in Großbritannien, wo die Lebensmittel immernoch rationiert waren. Viel weniger gab es
in Rußland, wo ebenfalls die Lebensmittel rationiert
waren. Wie gesagt, lag die offizielle Ration für die
Zivilbevölkerung in Deutschland bei 1.550 Kalorien,
was aber nicht die Regel war. Im Sommer 1945 fiel in
Wien die offzielle Ration mitunter auf 500 Kalorien.
Es gibt so etwas wie den gesunden Menschenverstand. Jeden, der im Sommer 1945 in Europa war,
hätte die Aussage verblüfft, es gebe keine Lebensmittelmittelknappheit.
Bacque zufolge hat Eisenhower persönlich, heimlich
und böswillig den Status der deutschen Soldaten, die
sich ergeben hatten, von Kriegsgefangenen in Disarmed Enemy Forces geändert. Tatsächlich war die
Änderung der Bezeichnung politisch motiviert. Die
Entscheidung wurde aber nicht von Eisenhower, sondern von seinen Vorgesetzten getroffen, insbesondere
von der European Advisory Commission. Es wurde
auch kein Versuch einer Geheimhaltung unternommen. Alle Beteiligten handelten mit Genehmigung der
britischen, russischen und amerikanischen Regierungen und sprachen die Gründe dieser Statusänderung
freimütig aus.
Was geschehen ist.liegt auf der Hand: Die Alliierten
konnten es sich nicht leisten, die Millionen deutscher
Gefangener genauso zu verpflegen wie ihre eigenen
Truppen, wie es die Genfer Konvention erfordert.
Auch wenn die Lebensmittel verfügbar gewesen wären, hätten die Allierten die deutschen Gefangenen
nicht besser versorgt äs die Zivilbevölkerung in Deutschland, ganz zu schweigen von den Zivilisten der befreiten Länder Westeuropas und auch ganz zu schweigen
von den Displaced Persons. Aber die Vereinigten
Staaten und andere Allieirte hatten die Genfer Konvention unterzeichnet, die gleichbedeutend mit einem
Vertrag ist. Sie wollten sie nicht verletzen und schafften daher die neue Bezeichnung Dlsarmed Enemy
Forces. Die Befehle an die Kommandeure waren
eindeutig: Versorgt die DEFs nicht besser als die
deutsche Zivilbevölkerung.
Bei einer anderen Schlußfolgerung kommt Bacque mit
Hilfe eines Rechenexempels - das bei jedem, derseine
Statistiken und Methoden nachzuvollziehen versucht
hat, Verwirrung stiftet - zu der sensationellen Zahl von
einer Million Toten. Aufgrund eines Tippfehlers beging
er jedoch einen Irrtum. Er sah die Zahl von 70.000

Seite 4

Gefangenen in einem medizinischen Bericht des Heeres
und berechnete dann die Gesamtzahl aller verstorbenen Gefangenen in amerikanischer Hand nach dieser
Zahl und nach den ebenfalls in diesem Bericht genannten 21.000 Toten. Das heißt, er gelangte zu einer
seiner grundlegendsten Schlußfolgerungen, einer
30prozentigen Sterblichkeitsrate in allen Lagern, indem er die 70.000 Gefangenen durch die 21.000 Toten
teilte. Allerdings hätte die Zahl von 70.000 eigentlich
das Zehnfache betragen müssen. Alle anderen Zahlen in dem Dokument weisen eindeutig darauf hin, daß
die korrekte Zahl der Gefangenen 700.000 betrug.
Damit läge der Anteil der Toten nicht bei 30, sondern
nur bei 3 Prozent.
Dem Bericht von Albert Cowdrey vom Center of Military History des US-Heeresministeriums zufolge lag die
Sterblichkeitsrate der deutschen Gefangenen tatsächlich bei 1 Prozent.
Die von Major Rüdiger Overmans vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg (der den letzten
Band der offiziellen deutschen Kriegsgeschichte schreibt)
voll und ganz unterstützte Schlußfolgerung von Cowdrey lautet, daß die Gesamtzahl der Todesfälle deutscher Gefangener in amerikanischem Gewahrsam
nicht mehr als 56.000 betragen haben kann.
Und schlie ßlich gibt es noch die Spalte in den Wochenberichten des Kommandeurs der Militärpolizei der USArmee mit dem Titel "Sonstige Verluste". Ihr entnimmt
Bacque seine "fehlende Million".
Was waren "sonstige Verluste"? Bacque interviewte
Philip S. Lauben, einen Oberst der US-Armee im
Ruhestand, der im Jahr 1945 Angehöriger der Abteilung für Deutsche Angelegenheiten in Eisenhowers
Hauptquartier war. Er schreibt, Oberst Lauben habe
ihm gesagt, "sonstige Verluste" bedeuten "Todesfälle
und Fälle von Flucht".
"Wie viele Fälle von Flucht?", fragte Bacque.
"Sehr, sehr wenige", erwiederte Oberst Lauben. Bacque
stellte fest, die Fälle von Flucht hätten weniger als 0,1
Prozent ausgemacht, ohne zu erklären, wie er zu
dieser Zahl gelangte.
Neil Cameron, der Produzent einer BBC-Dokumentation über "Sonstige Verluste" stellte bei der Konferenz
fest, er habe das Tonband des Interviews von Bacque
erhalten. Cameron gewann den Eindruck, daß Bacque einen alten Mann dazu gebracht hatte, Worten
zuzustimmen, die Bacque verwendete und ihm dann in
den Mund legte. Cameron machte ein Fernsehinterview mit Oberst Lauben. Darin erklärte Lauben, er sei
von Bacque getäuscht worden und habe sich in der
Bedeutung des Begriffs "sonstige Verluste" geirrt.
David Hawkins von CNN wollte ein Interview mit Oberst
Lauben machen. Oberst Lauben lehnte jedoch ab und
erklärte in einem Brief: "Ich will keine Schwierigkeiten

AMERIKA DIENST 17

�Kurzum: Bacque irrt sich bei jeder entscheidenden
Behauptung und praktisch bei allen weniger entscheidenden. Eisenhower war kein Hitler, er leitete keine
Todescamps, deutsche Gefangene starben nicht zu
Hunderttausenden, im Jahr 1945 gab es eine ernsthafte Lebensmittelknappheit, es lag kein dunkles Geheimnis über dem Bestimmungsort der Disarmed
Enemy Forces oder über der Spalte "sonstige Verluste". Bacques "fehlende Million" waren alte Männer
und junge Burschen des Volkssturms.

machen. Aber ich bin 91 Jahre alt, blind und mein
Gedächtnis hat in einem Maße nachgelassen, daß es
ziemlich unzuverlässig ist. Darüberhinaus befinde ich
mich in regelmäßiger ärztlicher Behandlung. Während
meines Gesprächs mit Bacque habe ich ihn des öfteren daran erinnert, daß sich mein Gedächtnis in den
rund vierzig Jahren seit 1945 extrem verschlechtert
hat.
Bacque hat mir Zahlen vorgelesen... Mir schien, nach
Abzug der Verlegungen und Entlassungen blieb nichts
übrig als Todesfälle und Fälle von Flucht, um die
Gesamtzahl zu erklären - das heißt, den Begriff "sonstige Verluste". Ich habe mich geirrt."

Dennoch bringt Bacque ein unwiderlegbares Argument vor: einige amerikanische Gls und ihre Offiziere
waren fähig, sich fast so brutal wie die Nazis aufzuführen. Wir hatten kein Monopol für Tugend. Er hat uns
aufgefordert, die Fragen wieder auf den Tisch zu
legen, die erforderliche Forschung zu betreiben, und
die volle Wahrheit aufzudecken. Für diesen Beitrag
gebührt ihm Dank. Im Hinblick darauf, wie er seine
Erkenntnisse jedoch präsentierte, möchte ich nochmals Albert Cowdrey zitieren: "Zweifelsohne hat der
Autor Grund zur Zufriedenheit mit seiner Leistung. Er
hat keinen Ruf als Historiker zu verlieren, und "Der
geplante Tod" kann nur sein Renommee als Romanschriftsteller verbessern."

Bacques einziger Zeuge für die Behauptung, "sonstige Verluste" seien eine Bezeichnung zur Vertuschung
der Todesfälle gewesen, hat also zweimal widerrufen,
was er Bacque zufolge gesagt haben soll.
Was waren dann "sonstige Verluste"? In vielen Fällen
waren es Verlegungen von einer Zone in eine andere
- etwas, das aus vielerlei Gründen, keiner davon
böswillig, regelmäßig erfolgte und stets genau in
Fußnoten der Wochenberichte vermerkt wurde.
Die größte Zahl "sonstiger Verluste" wird jedoch im
Bericht des Militärgouverneurs vom August 1945 aufgedeckt. (Diese Monatsberichte befinden sich in der
Eisenhower Bilbliothek in Abilene, Kansas, im Staatsarchiv in Washington und an anderen Orten. Sie sind
die Hauptquelle für alle Aspekte der Besatzung, bis hin
zu dem Mangel an Nahrungsmitteln und den Gefangenen. Sie werden von Bacque nicht zitiert, und es gibt
keine Anzeichen, daß er sie geprüft hat). Der Bericht
vom August führt die Zahl der von den amerikanischen
Streitkräften entlassenen und der zu Zwangsarbeit zu
den britischen und französischen Streitkräften verlegten
Disarmed Enemy Forces auf.

Schließlich kommen wir zum größten Problem. Es
bedurfte einer Konferenz von Fachleuten, um Bacques Behauptungen zu widerlegen. Einzelne Wissenschaftler haben gezögert, es mit ihm aufzunehmen,
denn das hätte bedeutet, seine Forschungen nachzuprüfen - in Wirklichkeit, sein Buch neu zu schreiben.
Statt dessen haben viele von ihnen in ihren Rezensionen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und
Kanada erklärt, sie könnten nicht glauben, daß Bacques Aussagen über Eisenhower der Wahrheit entsprechen, aber sie können das Gegenteil nicht beweisen. Bacque hat das Rüstzeug eines Wissenschaftlers - es ist beeindruckend genug, um selbst Wissenschaftler hinters Licht zu führen.

Der Bericht fährt fort: "Eine weitere Gruppe von
663.576 Personen wird als "sonstige Verluste" geführt, die vor allen aus Mitgliedern des Volkssturms
besteht, die ohne offizielle Entlassungspapiere freigelassen wurde.

Was kann der Leser als Laie unter solchen Umständen
tun? Ich schlage vor, er verläßt sich auf seinen
gesunden Menschenverstand. Stellen Sie die auf der
Hand liegenden Fragen, als wenn Sie sich mit der
These, der Holocaust habe nie stattgefunden, auseinandersetzen müßten. Wenn die Antworten nicht eindeutig sind, wurden die Behauptungen nicht bewiesen.
In Bacques Fall lauten zwei dieser Fragen: Wo sind die
Leichen? und, Deckt sich dieses Buch mit unserem
Bild von Eisenhowers Charakter, wie wir ihn aus zahllosen anderen Quellen kennen? In Fällen wie diesem
sind es häufig die naheliegenden Fragen, die uns der
Wahrheit am nächsten bringen.

Man braucht nicht viel Phantasie, um zu verstehen,
was hier geschehen ist. Zum Volkssturm gehörten
ältere Männer (bis zu 60 Jahre alt, vor allem Veteranen
des Ersten Weltkriegs) und junge Burschen unter 16
oder gelegentlich noch jünger. Die amerikanischen
Wachposten und Lagerverwalter sagten den alten
Männern, sie sollten nach Hause zurückkehren und
sich um ihre Enkelkinder kümmern, den Jungen, wieder zur Schule zu gehen. Zusammen mit den Verlegungen in andere Zonen, die Bacque ignoriert, stehen
diese Menschen für die "fehlende Million".

* *

AMERIKA DIENST 17

*

Seite 5

�</text>
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              <text>Amerikadienst 01.05.1990</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanischen Beziehungen und die neuen Bundesländer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Walters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anhörung im Kongress über Hilfe für Osteuropa &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Barry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ike und die sogenannten Greueltaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen E. Ambrose&lt;/em&gt;</text>
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