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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

4 ; • .&lt;

24. April 1990

16

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. April 1991

BILDUNGSWESEN

AMERIKA 2000: DAS BILDUNGSPROGRAMM
DES PRÄSIDENTEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

US - REGIERUNGSSYSTEM

PRÄSIDENT UND KONGRESS:
KONTROLLE UND AUSGLEICH DER KRÄFTE
von Marie D. Natoli

STIPENDIEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM
IN DEN USA IM STUDIENJAHR 1992/93
Erstmals auch in den neuen Bundesländern

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
24. April 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. April 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. April 1991 fort.

1. April
Der Führer der kurdischen Guerilla, Barsani, fordert
die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich auf, Saddam Husseins "Völkermord und Folter
unseres Volkes" zu stoppen.

Wenn der Irak alle Bedingungen erfüllt, wird im Gegenzug das Embargo schrittweise aufgehoben. Das Verbot
von Rüstungsexporten in den Irak wird bestehen bleiben.

Berichten des US-Verteidigungsministeriums zufolge
hat das irakische Militär die meisten wichtigen Städte
im Norden des Irak zurückerobert.

Resolution 687 stellt für jede Bedingung einen Zeitplan
auf, dessen erster Schritt die Entsendung einer UNBeobachtertruppe in eine 15 Kilometer breite entmilitarisierte Zone -10 Kilometer auf irakischem Gebiet und
5 Kilometer auf kuwaitischer Seite - entlang der irakisch-kuwaitischen Grenze ist.

3. April

5. April

Der französische Präsident Mitterand erklärt, der UNSicherheitsrat müsse den Irak für seine repressiven
Maßnahmen gegen die kurdische Minderheit verurteilen, wenn er nicht seine politische und moralische
Autorität verlieren wolle. Durch seinen Sprecher ließ
der französische Präsident übermitteln, das UN-Embargo
über Handel mit dem Irak solle solange beibehalten
werden, wie die Unterdrückung anhält.

Der NATO zufolge begeht die irakische Regierung
"massive Menschenrechtsverletzungen", und sie warnt
Bagdad, seine Angriffe auf das kurdische Volk zu
stoppen. Die Erklärung wird nach einem Treffen von
16 Nato-Botschaftern veröffentlicht. Einem Sprecher
zufolge "verurteilen die NATO-Mitgliedstaaten einhellig die brutale Unterdrückung ... und machen die irakische Regierung für diese massiven Menschenrechtsverletzungen verantwortlich".

2. April

Mit 12 Stimmen zu 1 Gegenstimme Kubas und 2
Enthaltungen von Jemen und Ecuador verabschiedet
der UN-Sicherheitsrat Resolution 687, in der die Bedingungen für den Waffenstillstand am Golf dargelegt
werden.
Die Resolution bestätigt unter anderem die irakischkuwaitische Grenze, wie sie 1963 festgelegt wurde,
verfügt die Zerstörung der chemischen und biologischen Waffen des Irak und ruft einen Ausschuß ins
Leben, der feststellen soll, wie aus irakischen Öleinnahmen Reparationen gezahlt werden können.
Der Irak muß den Tenorismus aufgeben und geloben,
keiner terroristischen Vereinigung zu gestatten, von
seinem Territorium aus zu operieren.

AMERIKA DIENST 16

Mit 10 zu 3 Stimmen verabschiedet der UN-Sicherheitsrat Resolution 688, in der die "Unterdrückung"
des irakischen Volkes durch die Regierung "in jüngster
Zeit in von Kurden besiedelten Gebieten" verurteilt
wird. Der Irak wird aufgefordert, die durch die Unterdrückung verursachte "Bedrohung für den Weltfrieden
und die Sicherheit in der Region zu beseitigen". Kuba,
der Jemen und Zimbabwe stimmen gegen die Resolution, China und Indien enthalten sich.
Durch Schüsse aus dem irakischen Generalkonsulat
in Istanbul werden bei einer Demonstration vor dem
Gebäude eine Person getötet und zwei verletzt. Türkische Beamte erklären, einige Personen seien im
Zusammenhang mit dem Zwischenfall festgenommen
und Ermittlungen eingeleitet worden.
Seite 1

�6. April
Die irakische Nationalversammlung nimmt mit 160 zu
31 Stimmen die Bedingungen der Resolution 687 des
UN-Sicherheitsrats für einen Waffenstillstand am Golf
an.
Der UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar unterbreitet dem Sicherheitsrat Pläne, als ersten Schritt
zur Durchführung der Waffenstillstandsresolution zum
Golf krieg zunächst 300 militärische Beobachter in die
irakisch-kuwaitische entmilitarisierte Zone zu entsenden. Der Plan sieht vor, daß nach Entsendung der in
der Resolution 687 vorgeschriebenen UN-Friedenstruppe UNIKOM - der Irakisch-Kuwaitischen Beobachtermission - alliierte Streitkräfte, die den Süden des
Irak besetzt halten, ihren Rückzug antreten.
Irakische Diplomaten in Washington und bei den Vereinten Nationen werden vom US-Außenministerium
erneut darüber informiert, daß mit Beginn der humanitären Hilfsaktionen "irakische Truppen keine Einsätze
in irgendeinem Teil des Landes (einschließlich dem
Norden und Süden des Irak) durchführen, die Leistungen humanitärer Hilfe an irakische Bürger behindern
könnten".
7. April
In einem 23seitigen Brief an Generalsekretär Javier
Perez des Cuellar erklärt der Irak, die Bedingungen
des UN-Sicherheitsrats zur Beendigung des Golfkriegs
zu akzeptieren, wie sie in Resolution 687 dargelegt
sind. In dem Brief führt der Irak Beschwerde darüber,
daß die Bedingungen unfair und ungesetzlich sind, gibt
jedoch zu, keine andere Alternative zu haben als die
Resolution zu akzeptieren. Der Irak stimmt zu, alle
Massenvernichtungswaffen aufzugeben und für seine
siebenmonatige Besetzung Kuwaits Schadenersatz
zu leisten.
Der türkische Außenminister Ahmet Kurtecebe Alptemocin erklärt in Ankara, über 1.500 irakische Kurden
seien auf der Flucht vor den Nachstellungen des
irakischen Militärs an Hunger, Krankheiten und Kälte
gestorben.
Die Polizeiverwaltung von Prag leitet im Zusammenhang mit einer Demonstration kurdischer Studenten
am 5. April vor der irakischen Botschaft ein Strafverfahren ein. Dabei wollten kurdische Studenten der
irakischen Botschaft eine Liste mit Forderungen übergeben, woraufhin sie von Botschaftspersonal mit
Schlagstöcken, Pistolen und einer Maschinenpistole
angegriffen wurden. Insgesamt wurden acht Schüsse
abgegeben.
Der Emir von Kuwait, Scheich Dschabir al-Ahmad AlSabah erklärt, gemäß der kuwaitischen Verfassung
würden im nächsten Jahr in Kuwait Wahlen stattfinden. Dabei würden auch die politischen Rechte von
Frauen neu überdacht.

Seite 2

US-Transportflugzeuge beginnen mit der Lieferung
von Hilfsgütern an die kurdischen Flüchtlinge im Norden des Irak. Verteidigungsminister Cheney erklärt,
eine UN-Friedenstruppe könnte eingesetzt werden,
um zum Schutz der Flüchtlinge Pufferzonen im Irak zu
errichten.
8. April
Außenminister Baker besucht ein kurdisches Flüchtlingslager an der türkisch-irakischen Grenze und verspricht zusätzliche Hilfe. Baker fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, "schnell und effektiv"
auf die steigenden humanitären Bedürfnisse Tausender irakischer Flüchtlinge zu reagieren, die sich an der
türkisch-irakischen Grenze konzentrieren.
Die Europäische Gemeinschaft schließt sich einem
britischen Vorschlag an, eine kurdische Schutzzone
im Norden des Irak zu schaffen.
9. April
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt
die Stationierung einer 1440-Mann starken UNIKOMBeobachtertruppe zur Überwachung der demilitarisierten Zone entlang der irakisch-kuwaitischen Grenze.
Der schwedische stellvertretende Au ßenminister Pierre Schor bestellt den irakischen Geschäftsträger ins
Außenministerium ein und trägt einen scharfen Protest
der schwedischen Regierung gegen das Abfeuern
einer automatischen Waffe aus der irakischen Botschaft während einer gewalttätigen Protestkundgebung von Kurden am 7. April vor. Der schwedischen
Polizei zufolge haben die Ermittlungen ergeben, daß
30 Schüsse aus einer automatischen Waffe wie der
sowjetischen AK-47 abgegeben wurden. Ausländische Diplomaten können in Schweden keinen Waffenschein für solche Waffen erhalten.
10. April
Etwa 250 Millionen Dollar an Geld- und Sachspenden
für irakische Flüchtlinge wurden bis heute von 45
Geberländern zugesagt, erklärt ein Sprecher des USAußenministeriums. Vertretern internationaler Flüchtlingshilfeorganisationen zufolge hätten sich bereits
771.000 irakische Zivilisten, zumeist Kurden, in den
Iran begeben, und möglicherweise warteten 500.000
bis 700.000 weitere im Irak darauf, die Grenze zu
überschreiten.
Das US-Außenministerium erklärt, der Iran habe der
Annahme amerikanischer Hilfe für die Flüchtlinge
zugestimmt, nachdem die US-Administration verkündet hatte, sie sei zur Lieferung von Hilfsgütern in dieses
Land über multilaterale Hilfskanäle bereit.
Irakische Diplomaten in Washington und bei den Vereinten Nationen werden erneut vom US-Außenministerium gewarnt, daß mit Anlaufen der humanitären
AMERIKA DIENST 16

�Hilfsoperationen "irakische Truppen keine Maßnahmen in irgendeinem Teil des Landes (einschließlich
des Nord- oder Südirak) ergreifen sollten, die die
Bereitstellung humanitärer Notfallhilfe für irakische
Bürger stören könnten".
11. April

Die Vereinigten Staaten haben 215 Tonnen an Nahrungsmitteln, einschließlich Milch, Zucker, Mehl, Salz
und Tee sowie Wasser, Zelten, Decken und Schlafsäcken bereitgestellt, seit die Vereinigten Staaten am
7. April damit begonnen haben, Hilfsgüter im türkischirakischen Grenzgebiet abzuwerfen, erklärt der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete Williams.

Der Präsident des UN-Sicherheitsrats überreicht dem
irakischen UN-Botschafter ein Schreiben, in dem offiziell mitgeteilt wird, daß der Waffenstillstand im Golfkrieg in Kraft getreten ist. Das Schreiben war eine
Antwort auf die irakische Annahme der UN-Waffenstillstandsresolution 687, die dem Sicherheitsrat und
Generalsekretär Javier Perez de Cuellar übermittelt
worden war.

Nach Gesprächen mit dem luxemburgischen Premierminister und Präsidenten des Europäischen Rats,
Jacques Santer, sowie dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors, im Weißen Haus
erklärt Präsident Bush, Europa und die Vereinigten
Staaten "haben ein enormes, auf Zusammenarbeit
gegründetes Flüchtlingsprogramm aufgenommen", um
den kurdischen Flüchtlingen zu helfen.

Der irakische UN-Botschafter Abdul Amir Al-Anbari
erklärt, der Waffenstillstand sei technisch in Kraft
getreten, als der Irak die Bedingungen der Resolution
687 angenommen habe. Der Sicherheitsrat war am 8.
April zusammengetreten, um die irakische Annahme
zu prüfen. Einige Mitgliedstaaten baten jedoch um
eine Verschiebung der Absendung des Bestätigungsschreibens, um das von der irakischen Nationalversammlung im Hinblick auf den Waffenstillstand beschlossene Dokument zu untersuchen. Den Medien
zufolge hatte das irakische Parlament trotz der Annahme der Resolution gegen die Bedingungen protestiert,
woraus sich die Notwendigkeit ergab, den genauen
Wortlaut der formellen irakischen Annahme zu prüfen.
Die Antwort der irakischen Nationalversammlung, die
in Arabisch abgefaßt war, wurde deshalb von der UNO
in die anderen fünf offiziellen U NO-Sprachen übersetzt und dann den 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats übermittelt.

Humanitäre Organisationen der UNO, die sich um den
massiven irakischen Flüchtlingsstrom in die Türkei
und den Iran kümmern, berichten, daß viele der 1,3
Millionen Menschen "in einem verzweifelten Zustand
sind". Der Exodus veranlaßt internationale Hilfsorganisationen dazu, nahezu über Nacht Programme bereitzustellen, um den Regierungen der Türkei und des
Iran zu helfen.

Die Regierung Schwedens verkündet die Ausweisung
des irakischen Diplomaten Fadhil S. Hassan wegen
der Schüsse aus einer automatischen Waffe bei einer
Kurdendemonstration vor der irakischen Botschaft in
Stockholm am 7. April. Hassan erhält 48 Stunden Zeit,
um Schweden zu verlassen. Die schwedische Regierung setzt eine Frist von 24 Stunden, innerhalb derer
die Botschaft die illegale automatische Waffe übergeben oder die weiteren Folgen tragen muß.
Amerikanische Regierungsvertreter kündigen eine
massive Hilfsoperation an, um ein Massensterben
unter den mehr als 500.000 irakischen Kurden abzuwenden, die sich in den eiskalten Gebirgsregionen
entlang der türkisch-irakischen Grenze befinden. Sie
erklären darüber hinaus die Bereitschaft, dem Iran zu
helfen, die über eine Million Flüchtlinge an seiner
Grenze mit dem Irak zu versorgen.
Das Verteidigungsministerium teilt mit, die Koalitionsstreitkräfte setzten ihre Luftbrücke zum Transport von
Hilfsgütern für irakische Flüchtlinge mit dem Ziel fort,
den Fluß an Gütern "auf das größtmögliche Maß zu
erhöhen".

AMERIKA DIENST 16

Das Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen sowie die UN-Organisation für Katastrophenhilfe in Genf teilen mit, daß schätzungsweise
800.000 irakische Zivilisten in den Grenzprovinzen des
Iran Zuflucht gesucht haben, die meisten in den Provinzen Bachtaran und West-Aserbeidschan. Daneben
befinden sich 500.000 Iraker entweder in der Türkei
oder an deren Grenze, erklären UNO-Vertreter.
12. April
Der UN-Sicherheitsrat billigt die Empfehlung des
Generalsekretärs, derzufolge 34 Staaten Personal für
die UNIKOM entsenden: Argentinien, Bangladesh,
Chile, China, Dänemark, die Fidschi-Inseln, Finnland,
Frankreich, Ghana, Griechenland, Großbritannien,
Indien, Indonesien, Irland, Italien, Kanada, Kenia,
Malaysia, Nigeria, Norwegen, Österreich, Pakistan,
Polen, Rumänien, Senegal, Schweden, Singapur,
Thailand, die Türkei, die UdSSR, Ungarn, Uruguay,
Venezuela, und die Vereinigten Staaten. Die Stationierung der Friedenstruppe beginnt.
13. April
Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erklärt,
der irakische Präsident Saddam Hussein solle nach
dem Muster der Nürnberger Prozesse gegen führende
Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg vor einem internationalen Gerichtshof wegen Kriegsverbrechen abgeurteilt werden. Genscher stellte fest, ein solcher Prozeß
wegen "Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte" sollte unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen erfolgen.

Seite 3

�14. April
Die Vereinigten Staaten entsenden Tausende zusätzlicher Soldaten mit Schiffen und Hubschraubern, um
die massiven Hilfsbemühungen im Rahmen der
"Operation Provide Comfort" für Iraker zu unterstützen, die in Todesangst vor den Streitkräften Saddam
Husseins fliehen, verkündet das Verteidigungsministerium. Vertreter der Bush-Administration beschreiben die Hilfsoperation als die größte in der modernen
Militärgeschichte.
15. April
Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Margaret
Tutwiler, erklärt, daß sich schätzungsweise 400.000
irakische Flüchtlinge - zumeist Kurden - bereits in der

*

Seite 4

Türkei befinden und weitere 400.000 auf der anderen
Seite der Grenze im Irak stehen. Helfer an der
türkischen Grenze schätzten, daß dort täglich 400 bis
1.000 Menschen sterben. Tutwiler erklärt, daß Nachschub und medizinische Unterstützung so schnell dorthin
geliefert würden, "wie dies menschenmöglich ist".
Sprecher des Weißen Hauses teilen mit, daß die AntiIrak-Koalition weiterhin ausreichende Truppen in der
Golfregion stationieren werde, um die Sicherheit der
Flüchtlingslager zu gewährleisten. Die Vereinigten
Staaten haben Bagdad vor Angriffen auf die Flüchtlinge gewarnt. Diese Warnungen "werden durch die
offensichtliche Androhung einer militärischen Intervention unterstrichen, sollte dies notwendig sein",
erklärt ein Sprecher.

*

AMERIKA DIENST 16

�BILDUNGSWESEN
24. April 1991

AMERIKA 2000: NEUE STRATEGIE
IM BILDUNGSWESEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
Die nachfolgende Übersicht über Präsident Bushs Strategie im Bildungswesen wurde am 18. April 1991 vom
Weißen Haus veröffentlicht.

Präsident Bush hat heute sein Programm zur Verwirklichung der nationalen Ziele im Bildungswesen und
Verbesserung der Ausbildung für alle Amerikaner
dargelegt. Der Präsident vertritt die Auffassung, das
Bildungssystem der Vereinigten Staaten müsse bis
zum Jahr 200 umstrukturiert und belebt werden.
Der Präsident betonte, daß es sich bei diesen Bestrebungen um eine nationale Herausforderung handelt,
und forderte alle Amerikaner auf, sich an "diesem
entscheidenden Kreuzzug zu beteiligen - dem Kreuzzug, unsere Kinder und uns auf die vor uns liegende
aufregende Zukunft vorzubereiten."

Nachbarschaftsorganisationen und andere Bürgerinitiativen - zur Zusammenarbeit mit den Schulen, um ein
besseres Bildungswesen für die Nation zu schaffen.
A.

Dem Präsidenten zufolge ist es an der Zeit, Weltklassestandards für die Lernziele unserer Kinder in fünf
Basisfächern einzuführen: Englisch, Mathematik,
Naturwissenschaften, Geschichte und Geographie.
Mit Hilfe des National Education Goals Panel
(Nationales Gremium für Lernziele) und in Zusammenarbeit mit Interessenten im ganzen Land
werden der Präsident und die Gouverneure
einen Zeitplan für die Erarbeitung nationaler
Standards in diesen fünf Fächern festlegen. Im
September 1991 und in allen darauffolgenden
Jahren wird das Gremium der Nation über die
Fortschritte im Bildungswesen des Landes Bericht
erstatten.

AMERIKA 2000 stützt sich auf vier zusammenhängende Komplexe:
Aufbau besserer Schulen mit größerer Verantwortung für die Schüler von heute,
Schaffung einer neuen Generation amerikanischer Schulen für die Schüler von morgen,

Die Standards zielen darauf ab, das gesamte
Bildungssystem aufzuwerten und die Leistungen aller Schüler zu verbessern. Der Präsident
und die Gouverneure sind gegen ein einheitliches nationales Curriculum oder eine Zentralisierung des Bildungswesens.

Umwandlung der Vereinigten Staaten in eine
Nation von Lernenden, und
die Gemeinden sollen zu Orten des Lernens
werden.
I.

Aufbau besserer Schulen mit größerer
Verantwortung für die Schüler von heute

Der Präsident hat alle Amerikaner aufgefordert, zum
Aufbau besserer Schulen mit größerer Verantwortung
beizutragen, in denen Weltklassestandard und das
Prinzip der Verantwortung eine Rolle spielen. Er
ermutigte alle Mitglieder unserer Gemeinden - Familien, Unternehmer, Gewerkschaften, Gotteshäuser,
AMERIKA DIENST 16

Weltklassestandard in fünf Basisfächern

B.

Ein System freiwilliger nationaler
Prüfungen

Mit Hilfe des National Education Goals Panel wird ein
System freiwilliger Prüfungen entwickelt, denen sich
alle Schüler der 4., 8. und 12. Klasse in den fünf
Fächern unterziehen können.

Seite 1

�Diese American Achievement Tests (amerikanische Leistungstests) sind eine Herausforderung für alle Schüler, Weltklassestandard zu
erreichen und sicherzustellen, daß sie nach der
Schule auf das Studium und Arbeitsleben vorbereitet sind. Die Tests stellen höhere Anforderungen (das heißt, es wird nicht nur im Multiple
choice-Verfahren geprüft).

40 Millionen Dollar an neuen Fördermitteln für
Schul bezirke vor, die beachtliche Fortschritte
bei den Schulleistungen erzielt haben. Auszeichnungen werden für kontinuierliche Verbesserungen in diesen entscheidenden Fächern
vergeben.
Das Gesetz "AMERICA 2000" über die Verbesserung des Bildungswesens von 1991 sieht
ferner Mittel für förderungswürdige Schulprogramme (Merit Schools Program) vor, mit denen die Bundesstaaten einzelne Schulen auszeichnen können, die beachtliche Fortschritte
bei den nationalen Bildungszielen machen. Die
Bundesstaaten können die Mittel über mehrere
Jahre hinweg "auflaufen lassen", um noch größere Anreize für erfolgreiche Schulen zu schaffen.

In Zusammenarbeit mit den Gouverneuren des
Landes ersucht der Präsident um die Ermächtigung des Kongresses zu einer nationalen
Bewertung der Fortschritte im Bildungswesen
und die freiwillige Anwendung dieser Bewertung
auf Bezirks- und Schulebene.
Schüler, die bei den American Achievement
Tests herausragende Leistungen erzielen, erhalten eine Auszeichnung des Präsidenten für
herausragende Schulbildung in Anerkennung
ihrer ausgezeichneten Leistungen.

C.

D.

Bereitstellung und Förderung freier
Schulwahl

Der Präsident ersucht um die Ermächtigung für
Förderstipendien des Präsidenten, um herausragende wissenschaftliche Leistungen von einkommensschwachen Studenten zu würdigen,
die ein Hochschulstudium aufnehmen wollen.
Diese Preise werden für ausgezeichnete Leistungen in der High School und im College
vergeben.

Der Präsident vertritt die Auffassung, daß freie Schulwahl für Eltern und Schüler entscheidend für die Verbesserung unserer Schulen ist.

Schulen als Reformstätten

Im Rahmen des Education Certificate Program Support Fund in Höhe von 200 Millionen Dollar werden
Fördermittel an Schulbezirke vergeben, die freie Schulwahl der Eltern fördern.

Die Administration wird den Grund- und weiterführenen Schulen helfen, ihre Möglichkeiten besser auszuschöpfen, um die Ergebnisse zu verbessern und neue
zu erzielen, indem sie bei der Entscheidungsfindung
auf der Ebene der Bundesstaaten, Bezirke und Schulen mehr Flexibilität zuläßt und Leistungsnachweise
fördert.
Zusätzlich zu einem jährlichen nationalen Leistungsnachweis wird der Präsident die Schulen,
Schulbezirke und Bundesstaaten ermutigen,
reguläre Leistungsnachweise auszustellen.
Anhand dieser Leistungsnachweise werden die
Ergebnisse und Fortschritte bei der Verwirklichung der nationalen Bildungsziele gemessen.
Im Rahmen des neuen Gesetzes "AMERICA
2000" über die Verbesserung des Bildungswesens (AMERICA 2000 Excellence in Education
Act) von 1991 strebt der Präsident Gesetze an,
die größere Flexibilität beim Einsatz von Bundesmitteln für Bildung im Gegenzug zu verbesserter Rechenschaftspflicht über Ergebnisse
gestatten.
Um eine Reform der mathematischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung zu ermutigen,
sieht das Gesetz "AMERICA 2000" über die
Verbesserung des Bildungswesens von 1991

Seite 2

Der Präsident wird im Rahmen des Gesetzes
"AMERICA 2000" über die Verbesserung des
Bildungswesens von 1991 Auswahlprogramme
der Bundesstaaten und Gemeinden fördern.

Die Vorführung von Pilotprogrammen der Schulen wird
mit Mitteln in Höhe von 30 Millionen Dollar unterstützt.
Darüber hinaus will die Administration sicherstellen, daß die Bundesbildungsprogramme die
freie Schulwahl besser unterstützen.
E.

Lehrer und Schulleiter

Amerikas Lehrer und Schulleiter stehen bei der Umgestaltung unserer Schulen an vorderster Front. Als Teil
des neuen Gesetzes "AMERICA 2000" über die Verbesserung des Bildungswesens wird der Präsident
Initiativen vorschlagen, um hervorragende Führungsqualitäten in unseren Schulen zu fördern.
Mit Preisen des Präsidenten für hervorragende
Leistungen in der Ausbildung werden ausgezeichnete Lehrer in ganz Amerika anerkannt
und belohnt.
Der Präsident wird die Bundesstaaten und Städte ermutigen, alternative Formen der Zulassung
von Lehrern zu fördern, indem er den Einzelstaaten einmalige Zuschüsse gewährt, um solche alternativen Zulassungen zu erleichtern.

AMERIKA DIENST 16

�Zur Verbesserung der Ausbildung von Schulleitern und anderen Pädagogen wird der Präsident
in jedem Staat die Gründung von Lehrerfortbildungsstätten mit Hilfe von Bundesmitteln vorschlagen, um die Fortbildung der Schulleiter
durch Schulungen und Mentorenprogramme zu
verbessern.
Der Präsident wird diese Fortbildungsstätten für
amerikanische Lehrer mit Mitteln der Bundesregierung gründen, um fortschrittliche Schulungen anbieten zu können, die sich auf die fünf
Basisfächer konzentrieren.
•

*

Der Präsident ermutigt die Bundesstaaten ferner,
gestaffelte Gehälter sowie finanzielle und andere Anreize
für diejenigen in Erwägung zu ziehen, die ausgezeichnet unterrichten, Basisfächer lehren, unter extremen
Bedingungen arbeiten und Mentoren für Referendare
sind.
II.

Eine neue Generation von Schulen für die
Studenten von morgen

Der Präsident hat heute die fähigsten Köpfe in Amerika
aufgefordert, die besten Schulen der Welt zu schaffen
und auch den Städten dabei zu helfen.
A.

die Form gegenwärtiger Schulsysteme sprengen.
Aus diesem Fonds werden jeder neuen Schule bis zu
eine Million Dollar gewährt, um besondere Fortbildungsmaßnahmen, Lehrmittel oder andere Bedürfnisse der Schule zu finanzieren. Ziel ist, daß es in jedem
Kongreßbezirk bis September 1996 mindestens eine
Schule neuen Zuschnitts gibt.
Wenn die Schulen einmal eingerichtet sind, werden die
laufenden Kosten genauso hoch sein wie bei den
herkömmlichen Schulen.
Darüber hinaus wird der Präsident den Kongreß um
Starthilfe bitten, damit modernste Technik entwickelt
werden kann, die den neuen Schulen angemessen ist.
Eine neue Schule bedeutet nicht notwendigerweise
ein neues Gebäude. Sie stützt sich auch nicht ausschlie ßlich auf Technologie - es zählt allein die Qualität
des Lernens.
C.

Der Präsident hat jede Gemeinde im Land aufgefordert, vier Dinge zu tun:
die sechs nationalen Bildungsziele zu verwirklichen,

Forschung und Entwicklung

eine Gemeindestrategie zur Realisierung dieser
Ziele zu entwickeln,

Eine Reihe von teilweise mit Hilfe der Industrie geförderten Forschungs- und Entwicklungsgruppen wird
eine neue Generation von Schulen in Amerika erarbeiten.
Amerikas Industrievertreter werden für den Verband
zur Entwicklung neuer Schulen in Amerika (American
Schools Development Corporation) private Ressourcen aufbringen und mobilisieren. Diese neue gemeinnützige Organisation wird 1992 Verträge mit drei bis
sieben Forschungs- und Entwicklungsgruppen abschließen. Diese Gruppen setzen sich aus Unternehmen,
Universitäten, Denkfabriken, Schulplanern und anderen zusammen. Die Ergebnisse der Gruppe werden
dem amerikanischen Volk zugute kommen.
t

Die Aufgabe dieser Gruppen besteht darin, Städten bei
der Schaffung von Schulen zu helfen, in denen unsere
nationalen Bildungsziele verwirklicht werden - auch ein
Weltklassestandard in den fünf Basisfächern für alle
Schüler, wie sie unter anderem die American Achievement Tests ermitteln.

Der Präsident wird seinen Ausschuß aus Beratern zur
Bildungspolitik und das Bildungsministerium bitten, die
Arbeit dieser Forschungs- und Entwicklungsgruppen
zu prüfen und über ihre Fortschritte zu berichten.
B.

Neue Schulen in Amerika

Der Präsident wird den Kongreß bitten, 550 Millionen
Dollar als einmalige Starthilfe breitzustellen, um mindestens 535 amerikanische Schulen zu schaffen, die

AMERIKA DIENST 16

AMERICA 2000-Gemeinden

einen Nachweis über Fortschritte zu führen und
ihre Bereitschaft zu demonstrieren, die Neue
Amerikanische Schule in Amerika zu schaffen
und zu fördern.
Gemeinden, die diese Herausforderung akzeptieren,
werden von den Gouverneuren ihres Bundesstaats
zur "AMERICA 2000-Gemeinde" ernannt.
In Zusammenarbeit mit dem Bildungsminister werden
die Gouverneure die Pläne der Gemeinden mit Hilfe
eines hochrangigen Beratergremiums prüfen und
bestimmen, welche AMERICA 2000-Gemeinden in
jedem Staat Bundesmittel erhalten, um neue Schulen
zu gründen.
Die Gouverneure und der Minister werden sicherstellen, daß viele Gemeinden mit Kindern aus sozialen
Brennpunkten solche Schulen schaffen.
D.

Eine Führungsrolle auf allen Ebenen

Die Umgestaltung des amerikanischen Bildungswesens und Schaffung einer neuen Generation von Schulen
in Amerika wird auf allen Ebenen den Einsatz von
Amerikas Politikern erfordern.
Der Präsident begrüßt das Engagement der US-Wirtschaft, Beiträge im Umfang von 150 bis 200 Millionen
Dollar zur Förderung der Forschung und Entwicklung
zu leisten.
Seite 3

�Der Präsident fordert die Gouverneure des Landes
auf, sich an die Spitze der Bestrebungen um die Neue
Schule in Amerika zu stellen.

Der Präsident wird auf die Übernahme größerer
Verantwortung und Wahlmöglichkeiten im Erwachsenenbildungsgesetz drängen und diese
beiden Hand in Hand gehenden Prinzipien in
den neuen Maßnahmen zur Erwachsenenbildung fördern, die im Rahmen des neuen Gesetzes "AMERICA 2000" zur Verbesserung des
Bildungswesens von 1991 vorgeschlagen werden.

Der Präsident fordert die Legislative der Bundesstaaten auf, die Gründung und den Betrieb neuer Schulen
in Amerika zu fördern, Weltklassestandards anzustreben und American Achievement Tests durchzuführen
sowie Leistungsnachweise auf allen Ebenen zu führen.
Der Präsident ermutigt einflußreiche Bürger, in den
Gemeinden im ganzen Land mitzuarbeiten, damit eine
Gemeinde den Status "AMERICA 2000-Gemeinde"
erhält und sich an der Planung und Realisierung der
neuen Schulen zu beteiligen. Die Industrie kann
städtische Schulen ermutigen, sich für den Weltklassestandard und den American Achievement Test zu
bewerben und Schulen ermutigen, Leistungsnachweise zu führen.
Der Präsident hat die Pädagogen aufgefordert, neue
Rollen zu übernehmen und Risiken einzugehen. Lehrer,
Schulleiter und andere Pädagogen sind aufgerufen,
einen Konsens über die Weltklassestandards zu erarbeiten und Bedingungen für die Schaffung neuer Schulen
in jeder Gemeinde zu erforschen.
E.

Engagement von Familien und Kindern für
das Lernen

Der Präsident hat an die Eltern appelliert, auf Weltklassestandards, American Achievement Tests und Leistungsnachweise an den örtlichen Schulen zu drängen. Die Eltern müssen eine Schlüsselrolle bei der
Schaffung der Neuen Amerikanischen Schule in ihren
Gemeinden und Stadtvierteln spielen und zu Hause

mit den Kindern an der Verbesserung ihrer schulischen Leistungen arbeiten.
III.

B.

Stärkung der Aus- und Fortbildung für die
Schüler von gestern und die Arbeitnehmer
von heute

Festsetzung von Normen für
Arbeitsqualifikationen und Kenntnisse

Der Präsident hat Unternehmer und Gewerkschaften
aufgefordert, in Zusammenarbeit für jede Branche
Weltklassestandards und unerlä ßliche Qualifikationen
zu erarbeiten und anzuwenden. Bundesmittel zur
Unterstützung der Anlaufphase dieses Projekts werden beantragt.
C.

Einrichtung von Industrie- und Gemeinde
Zentren zur Vermittlung von Qualifikationen

Die Arbeitnehmer von heute werden durch Qualifizierungszentren (Skill Clinics) unterstützt - in Unternehmen, Stadtteilen und Gemeinden in den gesamten
Vereinigten Staaten angesiedelte Dienstleistungszentren, in denen Erwachsene unter einem Dach eine
Einschätzung ihrer Arbeitsqualifikationen und weiterführende Informationen erhalten können.
Die Administration wird die Unternehmen auffordern, ihren Beschäftigten den Zugang zu
solchen Qualifizierungszentren zu ermöglichen
und "AMERICA 2000"-Gemeinden und Stadtteile ermutigen, gemeindeeigene Qualifizierungszentren einzurichten.

Die Umgestaltung Amerikas zu einer
"Nation von Lernenden"

Der Präsident geht davon aus, daß Lernen eine lebenslange Herausforderung darstellt. Annähernd 85 Prozent der amerikanischen Erwerbsbevölkerung des Jahrs
2000 stehen heute bereits im Berufsleben. Die Verbesserung der Schulen für die Schüler von heute und
morgen allein reicht nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Jahr 2000 und
danach zu sichern. Der Präsident hat die Amerikaner
dazu aufgerufen, sich von "einer Nation in Gefahr" zu
einer "Nation von Lernenden" zu entwickeln, indem
Wissen und Qualifikationen aller Amerikaner ständig
verbessert werden.
A.

Das Bildungsministerium wird regelmäßige, rechtzeitige und verläßliche Informationen zur Verfügung stellen, indem die Nationale Statistik über die Lese- und
Schreibfähigkeit von Erwachsenen erweitert und regelmäßig Daten über die Bemühungen zur Verbesserungs dieser Fähigkeiten erhoben werden.

Bundesministerien und -ämter werden ermutigt, solche Qualifizierungszentren einzurichten
und in Zusammenarbeit mit dem Amt für Personalwesen Maßnahmen einzuleiten, um die
Qualifikationen ihrer Beschäftigten zu erhöhen.
D.

Verbesserung von Möglichkeiten der
beruflichen Bildung

Die Arbeitsgruppe zur beruflichen Bildung 2000 des
Rats für Innenpolitik (Domestic Policy Council Job
Training 2000 Working Group) wird die gegenwärtigen
Bundesprogramme zur beruflichen Bildung überprüfen und erfolgversprechende Wege zur Motivierung
und Befähigung des einzelnen feststellen, damit sie

Verbesserung der Lese- und Schreibfähigkeit aller
Amerikaner:

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AMERIKA DIENST 16

�zur Erlangung wirtschaftlicher Unabhängigkeit die
erforderlichen umfassenden Dienstleistungen, Ausbildung und berufliche Qualifikation erhalten.

die Bildung ihrer Kinder und die Arbeit in der Neuen
Amerikanischen Schule zu engagieren.
Eltern und Lehrer sollten die Kinder dazu anhalten, mehr zu lernen und nach höheren akademischen Leistungen zu streben.

E. Mobilisierung einer "Nation von Lernenden"
Der Präsident wird sich dafür einsetzen, die "Nation in
Gefahr" zu einer "Nation von Lernenden" zu machen.
Der Präsident hat den Bildungs- und den Arbeitsminister aufgefordert, führende Unternehmer und Gewerkschafter, Fachleute für Bildung
und Ausbildung sowie Bundes-, Staats- und
Gemeindevertreter zu einer nationalen Konferenz über Erwachsenenbildung einzuladen, um
ein nationales Programm einzuleiten, mit dem
die erwachsenen Amerikaner zu einer "Nation
von Lernenden" werden.
IV.

Der Präsident hat die Eltern dazu ermutigt, ihren
Kindern - insbesondere den jüngeren - jeden
Tag laut vorzulesen.
B.

Der Präsident engagiert sich dafür, die Regierungsarbeit effektiver zu gestalten, um die Programme für
Kinder und Gemeinden in den Vereinigten Staaten zu
verbessern.

Die Gemeinden sollen zu Orten des Lernens
werden

Der Präsident hat die Gemeinden dazu aufgerufen,
sich die sechs nationalen Bildungsziele zu eigen zu
machen, eine Strategie zu deren Verwirklichung zu
entwerfen, einen Leistungsnachweis zur Bewertung
der Ergebnisse zu erarbeiten und sich bereitzuerklären, die Neue Amerikanische Schule zu schaffen und
unterstützen.
Dem Präsident zufolge ist es unerläßlich, Grundwerte
wie persönliche Verantwortung, Eigeninitiative und
andere wichtige Prinzipien zu bekräftigen, die dem
Leben in einem demokratischen Gemeinwesen zugrundeliegen. Das Ziel der Gemeindekampagne
"AMERICA 2000" besteht darin, unsere Gemeinden
zu Orten des Lernens zu machen.
A.

Verbesserte Programmeffektivität für
Kinder und Gemeinden

Verstärktes Engagement der Eltern

Durch die Arbeitsgruppe zur Verbesserung der
wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Rats für Innenpolitik (Domestic Policy Council Economic
Empowerment Task Force) und in Zusammenarbeit mit den Gouverneuren und anderen Vertretern der Bundesstaaten wird die Administration eine verbesserte Koordinierung der bestehenden Bundesprogramme mit den entsprechenden Maßnahmen auf Bundesstaats- und
Gemeindeebene in Angriff nehmen.
Als Teil dieser Bemühungen werden die bestehenden Bestimmungen für die Inanspruchnahme solcher Programme überprüft, um sie zu
straffen und das Dickicht der Bundesvorschriften zu lichten. Wo immer dies möglich ist, wird
den Bundesstaaten ein Maxium an Flexibilität
eingeräumt, um die Integration von Bundes-,
Staats- und Gemeindeprogrammen zu planen
und durchzuführen.

Der Präsident hat an die Eltern appelliert, sich mehrfür

* * * * *

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�US-REGIERUNGSSYSTEM
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24. April 1991

PRÄSIDENT UND KONGRESS:
KONTROLLE UND AUSGLEICH DER KRÄFTE
von Marie D. Natoli
Der folgende Artikel ist im Januar 1990 in der Zeitschrift American Studies Newsletter erschienen. Die Autorin ist Professorin für politische Wissenschaften am Emmanuel College in Boston, Massachusetts.

"Die Macht des Präsidenten besteht darin, zu überzeugen, nicht, zu befehlen" und "der Präsident schlägt
vor, der Kongreß entscheidet" sind zwei häufig geäußerte Meinungen über das Verhältnis zwischen dem
Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem amerikanischen Kongreß. Das Verständnis der Beziehung
zwischen diesen beiden Bereichen der Regierung ist
entscheidend, denn nahezu alles, was der Präsident
unternehmen möchte - dies gilt für die Innen- wie für
die Außenpolitik - wird auf die eine oder andere Weise
auch den Kongreß einbeziehen.

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»

Aus einer Reihe von Gründen ist das Amt des Präsidenten im 20. Jahrhundert zunehmend in den Vordergrund getreten. Dazu zählen: technischer Fortschritte
bei den Massenmedien, die erweiterte Rolle der Bundesregierung, die Abkehr von einer isolationistischen
Außenpolitik, die "Abdankung" des Kongresses, der
die Initiative zur Problemlösung und Entwicklung von
Programmen weitgehend dem Präsidenten überließ,
was auf die Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre und
die Erwartung der Öffentlichkeit zurückgeht, daß der
Präsident für die Lösung der Probleme "verantwortlich" ist.
Man könnte aus dieser verstärkten Exponierung schließen, die Väter der amerikanischen Verfassung hätten
beabsichtigt, den Präsidenten zur ersten und wichtigsten Institution der Regierung zu machen. Tatsächlich
ist der durch Artikel I der Verfassung geschaffene
Kongreß die erste Institution der Regierung, während
die Exekutive in Artikel II beschrieben wird. Und die in
der Verfassung umrissenen Vollmachten des Präsidenten sind ziemlich knapp und vieldeutig gehalten,
vergleicht man sie mit den Befugnissen des Kongresses.

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Nur ein Verständnis der "Arbeits-Verfassung", wie sie
sich in über 200 Jahren der praktischen Anwendung
und Präzedenzfälle entwickelt hat, kann die Interaktion
zwischen Kongreß und Präsidentschaft erklären. Diese
"Arbeits-Verfassung" bezieht zahlreiche "außerkonstitutionelle" Kräfte ein - die sich außerhalb des Dokuments entwickelt haben, jedoch nicht verfassungsfeindlich sind -, die tiefgreifenden Einfluß auf das
amerikanische politische und Regierungssystem haben, obwohl sie in dem geschriebenen Dokument nicht
eigens erwähnt werden. Zu diesen Kräften gehören
die politischen Parteien, Interessengruppen, die öffentliche Meinung und die Medien. Politische Ereignisse und interne Veränderungen im Kongreß haben
ebenfalls das Verhältnis der Legislative zur Exekutive
verändert.
Eine Liste der Befugnisse von Präsident und Kongreß
würde nur ein nacktes Gerippe dessen liefern, was
sich als umfassendes Geflecht von Wechselwirkungen zwischen Exekutive und Legislative darstellt. Denn
die Verfassung, die keineswegs eine völlige Trennung
der Macht von Exekutive und Legislative beabsichtigt,
sieht eine Teilung der Macht vor. Während der
Kongreß beispielsweise "alle Gesetze macht", tritt ein
Gesetz nicht ohne die Unterschrift des Präsidenten in
Kraft. Aber Kontrolle und Ausgleich ("checking and
balancing") hören damit nicht auf. Weigert sich ein
Präsident, ein Gesetz zu unterzeichnen (durch ein
Veto), so hat der Kongreß immer noch eine Möglichkeit, das Gesetz gegen dieses Veto des Präsidenten in
Kraft zu setzen. Dazu müssen beide Häuser des
Kongresses das Gesetz erneut verabschieden, dieses
Mal jedoch mit einer Zweidrittelmehrheit, im Gegensatz zur einfachen Mehrheit bei derersten Verabschiedung des Gesetzes. Sollte diese geschehen, über-

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�stimmt der Kongreß das Veto des Präsidenten. (Die
diesem Verfahren zugrundeliegende Theorie geht davon
aus, daß sich, wenn die Bürger die Verabschiedung
eines bestimmten Gesetzes so sehr wünschen, dieser
Wunsch auch bei den Vertretern des Volkes im Kongreß widerspiegelt.)
Im Lauf der Jahre hat die Präsidentschaft solide Verbindungen zum Kongreß entwickelt, so daß sie effektiver mit der Legislative daran arbeiten kann, ihr Programm bis zur Verabschiedung zu steuern. Nahezu 90
Prozent aller vom Kongre ß behandelten Gesetzesvorlagen werden von der Exekutive eingebracht. Dies ist
darauf zurückzuführen, daß der Kongreß selbst mit
dem Haushaltsgesetz (Budget and Accounting Act)
von 1921 die Verantwortung für die Haushaltsplanung
der Exekutive übertragen hat. Der Haushalt setzt sich
aus einer Reihe von Gesetzesvorlagen an den Kongreß zusammen. In dieser Hinsicht kann mit Fug und
Recht gesagt werden, "der Präsident schlägt vor, der
Kongreß entscheidet". Eine wichtige Entwicklung in
den Beziehungen zwischen Exekutive und Legislative
bestand darin, daß der Präsident zwar häufig die dem
Kongreß fehlende Initiative besitzt, der Kongreß hingegen außergewöhnliche Macht hat, Vorschläge des
Präsidenten drastisch zu modifizieren oder abzulehnen. Trotz des Gesetzes über den Kongreßhaushalt
(Congressional Budget Act) von 1974, dessen Zweck
teilweise darin bestand, den Einfluß von Kongreßausschüssen auf die Haushaltsbewilligungen in ihren
Zuständigkeitsbereichen zu begrenzen, behält der
Kongreß die Fähigkeit, Ersuchen des Präsidenten
nicht zu berücksichtigen.
Diese Macht, auf die Richtung der öffentlichen Politik
Einfluß zu nehmen, wird dadurch noch verstärkt, daß

der amerikanische Präsident kein selektives Vetorecht
(line item veto) besitzt (wie es die Gouverneure von 43
Bundesstaaten haben), das es ihm gestatten würde,
Teile von Gesetzesvorlagen abzulehnen. Gegenwärtig muß der Präsident ein Gesetz insgesamt annehmen oder ablehnen. Abgeordnete und Senatoren
benutzen dies häufig als Mittel, um Gesetzesvorlagen
mit Zusätzen zu versehen, die für sich vom Präsidenten nicht akzeptiert würden.

entscheidend für die Macht des Kongresses im amerikanischen Regierungssystem. Der Kongreß übt
darüber hinaus eine AufSichtsfunktion aus, indem er
sicherstellt, daß die Exekutivbehörden vernünftig arbeiten. Zusammen mit seinem Recht, Haushaltsmittel
zu bewilligen, machen seine umfassenden Ermittlungsbefugnisse den Kongreß zu einer unerläßlichen
Kraft im amerikanischen Regierungssystem.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten
Der Kongreß ist die Legislative der nationalen Regierung. Er besteht aus zwei Kammern: Repräsentantenhaus und Senat.
Das Repräsentantenhaus
435 Abgeordnete (je nach Bevölkerungszahl
auf die einzelnen Bundesstaaten verteilt)
Alle zwei Jahre für eine zweijährige Amtsperiode gewählt
Wiederwahl möglich
Der Senat
100 Senatoren (zwei pro Bundesstaat)
Ein Drittel wird alle zwei Jahre für eine
sechsjährige Amtsperiode gewählt
Wiederwahl möglich
Darüber hinaus verleiht die Verfassung dem Kongreß
- über den Senat - eine Schlüsselrolle bei der Ernennung von Kabinettsmitgliedern, Botschaftern und Richtern. Obwohl der Präsident die Kandidaten für die
jeweiligen Ämter vorschlägt, müssen alle Nominierungen vom Senat ratifiziert werden. Und obwohl der
Präsident Verträge mit anderen Nationen formuliert
und aushandelt, kann der Vertrag erst mit Genehmigung des Senats in Kraft treten. Die Ratifizierungsbefugnis wird vom amerikanischen Senat äußerst ernst
genommen, wie Präsident Jimmy Carter beispielsweise erfahren mußte, als der Senat sich weigerte, den
SALT II-Vertrag zu ratifizieren oder der Vertrag über
die Rückgabe des Panamakanals auf anfänglichen

Widerstand des Senats stieß.
Der Präsident erstattet dem Kongreß regelmäßig Bericht.
Die Verfassung schreibt vor, daß der Präsident einen
jährlichen "Bericht zur Lage der Nation" (State of the
Union Address) erstattet. Diese Pflicht wird vom
Präsidenten vor beiden Häusern des Kongresses im
Januar jedes Jahres erfüllt. Im Beschäftigungsgesetz
(Employment Act) von 1946 verlangte der Kongreß
vom Präsidenten, dem Kongreß jedes Jahr einen
Jahreswirtschaftsbericht vorzulegen.
Neben seiner Interaktion mit dem Präsidenten selbst
spielt der Kongre ß eine Schlüsselrolle für die Arbeit der
Regierungsbehörden. Diese Behörden müssen sich
an den Kongreß wenden, um Gelder bewilligt zu bekommen - in der Tat ist die "Macht des Geldbeutels"
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Verfassungsmäßige und struktureile Einflüsse
Das amerikanische Regierungssystem ist eher ein
präsidiales als ein parlamentarisches System. Im
Gegensatz zum parlamentarischen System, in dem
Legislative und Exekutive vereinigt sind, wobei die
gesetzgebende Gewalt die Exekutive aus ihren Mitgliedern wählt, sieht das Präsidialsystem eine getrennt
gewählte Legislative und Exekutive vor - die jeweils
von verschiedenen Wählerschaften und für eine unterschiedliche (und festgesetzte) Amtszeit gewählt werden. Die Amtszeit des Präsidenten beträgt vier Jahre.
Was den Kongreß anbetrifft, so werden die Mitglieder
des Repräsentantenhauses für zwei Jahre und die

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�Mitglieder des Senats für eine sechsjährige Amtszeit
gewählt. Während der 22. Zusatzartikel zur Verfassung die Präsidentschaft auf zwei Amtsperioden begrenzt, bestehen für die Kongreßmitglieder keine solchen Einschränkungen. Präsident und Kongreß werden von einer ganz unterschiedlichen Wählerschaft
gewählt. Nur der Präsident und der Vizepräsident
werden von der Nationalversammlung gewählt, wohingegen die Vertreter der Legislative in den örtlichen
Wahlkreisen gewählt (und wieder- oder abgewählt)
werden.
Zusätzlich zur Festlegung verschiedener Wahlkreise
und unterschiedlicher Amtszeiten für Präsident und
Kongreß sieht die Verfassung ein System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung
von Kongreß und Regierung vor, um sicherzustellen,
daß keine Abteilung oder Ebene der Regierung zu
mächtig oder despotisch werden kann. Dieses System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen
Verantwortung besteht aus zwei Bereichen, die beide
(sowohl direkt als auch indirekt) enorme Konsequenzen für das Verhältnis zwischen Präsident und Kongreß haben. Diese beiden Bereiche sind:
1. Föderalismus - ein breites Spektrum von
Regierungsebenen.
Die Verfassung sieht sowohl eine Bundesregierung als
auch Regierungen der Bundesstaaten vor, die jeweils
mit eigener Machtbefugnis und Verantwortung ausgestattet sind. (Da alle Macht der Verfassung übertragen
ist, obliegt es der Verfassung, der Bundesregierung
und den Regierungen der Staaten die Machtbefugnis
und Verantwortung zu verleihen). Eine Machtbefugnis
der Bundesstaaten - die Befugnis zur Durchführung
von Wahlen - hat das Verhältnis zwischen Präsident
und Kongreß indirekt aber drastisch beeinflußt, weil sie
Auswirkungen auf die Entwicklung und Orientierung
politischer Parteien in den Vereinigten Staaten hatte
(wie im folgenden erläutert).
2. Die Gewaltenteilung.
Auf der Bundesebene der Regierung sieht die Verfassung die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative vor. Obwohl diese Gewaltenteilung als "Trennung der Macht" bezeichnet wird, handelt es sich in Wirklichkeit um "geteilte Verantwortung".
Außerkonstitutionelle Einflüsse
Politische Parteien, die aufgrund der Abneigung der
Gründerväter nirgendwo in der Verfassung erwähnt
sind, begannen sich dennoch bereits unter Präsident
George Washingtons erster Amtszeit Ende des 18.
Jahrhunderts zu entwickeln. Da politische Parteien
nicht verfassungsmäßig verankert sind, gibt es keine
Richtlinien für ihre Entwicklung, Organisationsstruktur, Merkmale oder Einstellung. Ein Abschnitt der

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Verfassung hat jedoch indirekt die Entwicklung und
Merkmale des Parteiensystems in den Vereinigten
Staaten beeinflußt. Artikel I, Abschnitt 4 verleiht den
einzelnen Staaten die Machtbefugnis, "Zeit, Ort und
Art der Durchführung von Wahlen" zu bestimmen
(jedoch mit dem Zusatz, daß der Kongreß per Gesetz
zu Änderungen befugt ist). Im wesentlichen ermächtigt die Verfassung die Bundesstaaten, die Regeln des
"Wahlspiels" festzulegen. Mit der Entwicklung der
politischen Parteien wurden sie zu den "Schlüsselfiguren" dieses Spiels, und es war nur logisch, daß sie sich
auf Bundesstaatenebene entwickelten, wo die Spielregeln definiert wurden. Die politischen Parteien wurden
bald zum Organisator der Kongreßmaschinerie, da die
Verfassung wenig darüber aussagte, wie die interne
Kongreßmaschinerie ablaufen sollte.
Die politischen Parteien in den Vereinigten Staaten
existierten nie als zentralisierte, geschlossene nationale Struktur mit einer eindeutigen, von oben nach
unten gegliederten Führung, Ideologie und Politik. Sie
sind auf den Bundesstaat orientierte Organisationen. Obwohl wir von der "Demokratischen" und
"Republikanischen " Partei sprechen, stehen diese
Bezeichnungen nichtfüreine konsequente, eindeutige
Definition der Parteiideologie. Beide Parteien tendieren dazu, wie eine Art "Schirm" zu fungieren und
versuchen, eine große Vielfalt mächtiger Interessengruppen anzuziehen. Parteinamen haben abhängig
von den örtlichen Wahlkreisen in den jeweiligen Staaten und Regionen des Landes unterschiedliche Bedeutung. Ideologisch gesehen könnte man sowohl die
Mitglieder der Demokratischen als auch der Republikanischen Partei in einem Spektrum ansiedeln. Daher
kann es liberale, konservative und gemäßigte Demokraten sowie liberale, konservative und gemäßigte
Republikaner geben, und es gibt sie auch. Darüber
hinaus ist es für gewöhnlich nicht klar, wer für die
jeweilige Partei als Ganzes "spricht".
Das Verständnis dieser Merkmale politischer Parteien
- dezentralisiert, staatlich und kommunal orientiert,
individualistisch und auf den Wahlkreis konzentriert ist entscheidend, um das Verhältnis zwischen Präsident und Kongreß zu verstehen, da sich diese parteipolitischen Kriterien im Kongreß widerspiegeln. Ein
Präsident, der dem Namen nach "Führer" seiner Partei ist, kann unter Umständen mit Mitgliedern seiner
eigenen Partei im Kongreß "auf Kriegsfuß stehen" und
muß auf die Unterstützung der anderen Partei bauen,
damit seine Gesetze verabschiedet werden. Im Gegensatz zu Parteien in anderen parlamentarischen
Systemen zeichnen sich die politischen Parteien in
Amerika in gewisser Weise durch fehlende Disziplin
und Verantwortung aus - es gibt keine "automatische"
Beziehung zwischen einem Präsidenten und seiner
Partei im Kongreß oder zwischen dem Präsidenten
und der Oppositionspartei.

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�Eine andere Entwicklung der jüngsten Zeit ist die
schwindende Macht der Parteien. Bisher mußte ein
Präsidentschaftskandidat über örtliche Parteivorsitzende arbeiten, um Erfolg zu haben. Jetzt ist die
frühere Macht der örtlichen Parteivorsitzenden erheblich gesunken. Der Tod der politischen "Maschinerie"
alten Stils - die früher die wichtige Aufgabe erfüllte,
Wähler zu mobilisieren -, die zunehmende Nutzung
der direkten Vorwahl (in den Bundesstaaten) zur Nominierung von Kandidaten für kommunale und nationale Ämter und die stärkere Rolle der Medien bei den
Wahlen haben dazu beigetragen, daß die Rolle der
politischen Parteien geschrumpft ist und lassen gleichzeitig das Image von Kandidaten und Amtsträgern
stärker in den Vordergrund rücken. Diese Imagepflege kann das schwierige Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative unabhängig von Parteizugehörigkeiten entweder verbessern oder verschärfen.
Während die größere Rolle der Medien in der Wahlarena zu einem Niedergang der politischen Parteien
beigetragen hat und damit einem Präsidenten das
Verhältnis zu seiner Partei erschwert, gibt dieselbe
Rolle der Medien dem Präsidenten einen "Bonus".
Präsidenten, die Erfolg haben wollen, haben gelernt,
daß die kluge Nutzung der Medien zur Beeinflussung
der öffentlichen Meinung entscheidend ist. In diesem
Sinne hat Präsident Franklin D. Roosevelt geschickt
das Radio genutzt, um sich über den Kongreß hinwegzusetzen, John F. Kennedy hat Fernsehansprachen
über Bürgerrechte gehalten ebenso wie Ronald Reagan, der versuchte, die öffentliche Meinung für verschiedene innen- und außenpolitische Gesetzesvorlagen zu gewinnen. Angesichts der verfassungsrechtlichen Orientierung des Kongresses ist die öffentliche
Meinung zum entscheidenden Faktor im Verhältnis
zwischen Exekutive und Legislative geworden. Vielleicht hat Abraham Lincoln, der als Präsident des 19.
Jahrhunderts nicht den Einfluß von Rundfunk und
Fernsehen kannte, diesen Einfluß am besten beschrieben: "Wenn er die öffentliche Meinung hinter
sich hat, kann ein Präsident alles tun. Ohne sie kann
er nichts tun."
Infolge eines Parteiensystems, das ideologisch nicht
festgelegt ist und dessen Parteien es an Disziplin und
Verantwortung fehlt, gerät der Präsident einer Partei
nicht unbedingt in eine Pattsituation, wenn er es mit
einem Kongre ß zu tun hat, der ganz oder teilweise von
der anderen Partei kontrolliert wird. In dieser Situation
befindet sich Präsident George Bush. Darüber hinaus
gewährleistet zahlenmäßige Kontrolle von Weißem
Haus und Kongreß durch eine Partei nicht die absolute
Herrschaft, da Parteimitglieder im Kongreß nicht automatisch ihren Präsidenten oder ihre Parteiführer im
Kongreß unterstützen. Das bekamen die Präsidenten
John F. Kennedy und Jimmy Carter zu spüren - beide
Demokraten in einem mehrheitlich demokratischen
Kongreß.

Seite 4

Einige Präsidenten fanden die Zusammenarbeit mit
der anderen Partei relativ leicht. Auf Präsident Dwight
D. Eisenhower, der den Großteil seiner achtjährigen
Amtszeit mit einem mehrheitlich demokratischen
Kongreß zu tun hatte, trifft dies zu. Präsident Ronald
Reagan, der sechs Jahre lang einen mehrheitlich
republikanischen Senat, aber während seiner gesamten Amtszeit ein mehrheitlich demokratisches Repräsentantenhaus hatte, erzielte mit seinen Gesetzesvorlagen viele Erfolge. Ein großer Teil der Arbeitsbeziehungen zwischen Präsident und Kongre ß wird weniger
von der Parteizugehörigkeit bestimmt als von der
ideologischen Richtung des einzelnen und der Haltung
bestimmter Wählergruppen, wie sie sich in der öffentlichen Meinung widerspiegelt.
Veränderungen im Kongreß
In den letzten 15 Jahren hat sich die Macht im Kongreß
stärker verteilt oder dezentralisiert. Davor lag die
Macht bei wenigen einflußreichen Kongreßabgeordneten - in den Führungspositionen und bei den Ausschuß Vorsitzenden. Wenn der Präsident positive,
dauerhafte Beziehungen und ein harmonisches Verhältnis mit diesen Schlüsselfiguren aufbauen konnte,
erleichterte das die Arbeit mit der Legislative. Aber in
den siebziger Jahren wollte sich der Kongreß durch
gleichmäßigere Verteilung von Macht und Einfluß
"demokratisieren". Der Präsident muß jetzt viele
einzelne Personen berücksichtigen, wenn er bei Gesetzesvorlagen seinen Willen durchsetzen will.
Auch andere Ereignisse beeinflussen das Machtverhältnis zwischen Präsident und Kongreß. Nach der
Kontroverse über das Verhalten des Präsidenten und
die Eskalation des Vietnamkrieges, Präsident Nixons
Versuch, vom Kongreß bewilligte Mittel zu "beschlagnahmen" (und das Geld nicht auszugeben) und der
Schwächung der Präsidentschaft angesichts des
Watergateskandals hat der Kongreß mehrere Gesetze verabschiedet, um seine eigene Macht zu verbesssern und die Exekutive an die Kandare zu nehmen. Nach dem War Powers Act von 1973 darf der
Präsident Streitkräfte entsenden, ohne daß eine Kriegserklärung des Kongresses vorliegt. Es verfügt aber,
daß der Kongreß innerhalb von 48 Stunden von dieser
Maßnahme in Kenntnis gesetzt wird und ermächtigt
den Kongreß, einen Abzug dieser Truppen anzuordnen. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes ist der
Einsatz von Truppen auf einen Zeitraum von 60 Tagen
beschränkt, wenn der Kongreß noch keine Kriegserklärung abgegeben oder die Frist um weitere 30 Tage
verlängert hat, um den sicheren Abzug der Truppen zu
garantieren.
Infolge von Präsident Nixons Beschlagnahme von
Mitteln hat der Kongreß 1974 das Gesetz über die
Beschlagnahme von Mitteln (Congressional Budget
Impoundment Act) verabschiedet, demzufolge der
Präsident alle vom Kongreß bewilligten Mittel ausgeben muß, wenn er nicht die Genehmigung erhält,
AMERIKA DIENST 16

�bestimmte Mittel nicht ausgeben zu müssen oder die
Ausgabe bestimmter Gelder hinauszuzögern. Damit
verfügt der Kongreß über mehr Macht zur Beeinflussung der nationalen Politik.

,

Zusammenfassend läßt sich ein grundlegender Unterschied im Verhältnis zwischen dem amerikanischen
Präsidenten und dem Kongreß und den Beziehungen
zwischen Exekutive und Legislative in einer parlamentarischen Regierungsform feststellen. Sowohl der
Präsident als auch der Kongreß haben nach der Verfassung bestimmte Rechte, jeder Teil der Regierung
repräsentiert Wähler, jeder muß ausgleichend mit dem
anderen zusammenarbeiten und ein großer Teil ihrer
Beziehungen wird von "außerverfassungsmäßigen"
Faktoren bestimmt.
Die Vollmachten von Kongreß und Präsident nach
der Verfassung
Der Kongreß

die ausschließliche Gesetzgebung über den
Regierungssitz (der District of Columbia) und
Grundstücke auszuüben, die zum Zwecke der
Errichtung nationaler Einrichtungen erworben
werden (Befestigungen, Hafenanlagen und
andere notwendige Bauwerke).
alle zur Ausübung der vorstehenden Befugnisse und aller anderen Rechte, die der Regierung
der Vereinigten Staaten aufgrund dieser Verfassung übertragen sind, notwendigen Gesetze zu
erlassen.

Artikel II der Verfassung räumt dem Präsidenten folgende Befugnisse ein:

Steuern, Zölle, Abgaben und Akzisen aufzuerlegen und einzuziehen,

er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte,

Kredite aufzunehmen,

ernennt die Offiziere der Streitkräfte,

den Handel mit fremden Ländern und zwischen
den Einzelstaaten zu regeln,

hat das Recht, Strafaufschub und Begnadigungen für Straftaten gegen die Vereinigten Staaten zu verhängen (außer in Amtsanklagefällen),

eine Einbürgerungsordnung und ein Konkursrecht zu schaffen,

er kann den Kongreß zu Sondersitzungen einberufen,

Münzen zu prägen, ihren Wert zu bestimmen
und Fälschungen zu bestrafen,

Botschafter ernennen,

Maße und Gewichte zu normen,

er hat Sorge zu tragen, daß das Gesetz gewissenhaft vollzogen wird,

Postämter und Postwege einzurichten,

er übt die "vollziehende Gewalt" aus,

Erfindern und Autoren Patente und Urheberrechte auszustellen,

\

Vorkehrungen für das Aufgebot der Miliz zu
treffen (wobei den Einzelstaaten die Ernennung
von Offizieren zufällt und die Aufsicht über die
Ausbildung dem Kongreß vorbehalten bleibt),

Der Präsident

Artikel I, Abschnitt 8 der US-Verfassung überträgt dem
Kongreß folgende Vollmachten:

i

Armeen aufzustellen, eine Flotte zu bauen und
Vorschriften für deren Leitung zu erlassen,

dem Obersten Bundesgericht nachgeordnete
Gerichte zu bilden,
Seeräuberei und andere Kapitalverbrechen auf
hoher See sowie Verletzungen des Völkerrechts
begrifflich zu bestimmen und zu ahnden,

ernennt Beamte für bestimmte Ämter,
schließt Verträge (zusammen mit dem Senat),
nominiert Botschafter, Richter und hochrangige
Beamte,
genehmigt Gesetze (mit beiden Häusern des
Kongresses).

Krieg zu erklären,
*

AMERIKA DIENST 16

*

Seite 5

�STIPENDIEN
24. April 1991

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA
IM STUDIENJAHR 1992/93
Erstmals auch in den neuen Bundesländern

Bonn - (AD) - Für das Studienjahr 1992/93 kann die
deutsche Fulbright-Kommission kombinierte Reiseund Aufenthaltsstipendien zum Studium an amerikanischen Hochschulen an deutsche Studenten vergeben. Neben Vollstipendien werden auch Teilstipendien vergeben. Die Bewerbungsbedingungen sehen
vor. daß die Bewerber ihren ständigen Wohnsitz in
Deutschland und mindestens zwei Fachsemester an
einer deutschen Universität oder Technischen Hochschule studiert haben.

Unterschieden in den traditionellen elf Bundesländern
(Bewerbungsschluß: 31. Mai 1991, Bewerbung über
die Universitäten) und erstmals in den fünf neuen
Bundesländern (Bewerbungsschluß: 5. August 1991,
Bewerbung direkt bei der Fulbright-Kommission, Postfach 200555, 5300 Bonn 2).
Weitere Auskünfte erteilen die akademischen Auslandsämter der deutschen Hochschulen sowie die
Fulbright-Kommission selbst.

Die Fulbright-Kommission veranstaltet das ausgeschriebene Stipendienprogramm mit geringen technischen

* * * *

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*

Seite 1

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              <text>Amerikadienst 24.04.1991</text>
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              <text>[Anmerkung: Datumangabe auf Inhaltsverzeichnis der PDF fehlerhaft. korrektes Datum lautet: 24.04.1991]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Die Golfkrise &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. April 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bildungswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika 2000: das Bildungsprogramm des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. US-Regierungssystem&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident und Kongress: Kontrolle und Ausgleich der Kräfte &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marie D. Natoli&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Stipendien&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Fulbright-Stipendium zum Studium in den USA im Studienjahr 1992/93&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erstmals auch in den neuen Bundesländern&lt;/em&gt;</text>
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