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17. April 1991

15

NEUE WELTORDNUNG

BUSH: NEUES EUROPA MIT NEUEN ROLLEN
UND INSTITUTIONEN
Rede zur "Neuen Weltordnung"

NAHER OSTEN

US-TRUPPEN HELFEN BEI EINRICHTUNG VON
FLÜCHTLINGSLAGERN IM IRAK
Pressekonferenz von Präsident Bush

KOORDINIERTE BESTREBUNGEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER IRAKISCHEN
FLÜCHTLINGE IN DIE WEGE GELEITET
Darstellung der internationalen Zusammenarbeit
HUMANITÄRE US-HILFE FÜR IRAKISCHE
FLÜCHTLINGE
Eine Übersicht des Weißen Hauses

NICHTVERBREITUNG

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER
VEREINIGTEN STAATEN
von Ronald F. Lehman II

WIRTSCHAFT

DAS PROGRAMM DES PRÄSIDENTEN ZUR
FÖRDERUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS
Übersicht des Weißen Hauses vom 9. April 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NEUE

WELTORDNUNG
17. April 1991

BUSH: NEUES EUROPA MIT NEUEN ROLLEN
UND INSTITUTIONEN
Rede zur "Neuen Weltordnung"
MONTGOMERY (ALABAMA) - (AD) - In einer Rede an der Air University auf dem Luftwaffenstützpunkt Maxwell - die erste in einer Reihe von Reden des Präsidenten zur "Neuen Weltordnung" - erklärte Präsident Bush
am 13. April 1991, die Vereinigten Staaten seien sich bewußt, "daß neue Rollen und selbst neue Institutionen
natürliche Folgen des neuen Europas sind". Die Vereinigten Staaten erwarteten von Europa "als Stabilitätsfaktor
außerhalb seiner Grenzen zu wirken".
Zu den Hilfsmaßnahmen fürdie Kurden stellte der Präsident fest, daß die Vereinigten Staaten "keine Störungen"
der massiven Hilfsbemühungen der internationalen Staatengemeinschaft für die "Hunderttausenden von Flüchtlingen" seitens des irakischen Präsidenten Saddam Hussein tolerieren werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush in wesentlichen Auszügen.

Über vier Jahrzehnte haben wir in einer geteilten Welt
gelebt, einer Welt, die auf einen Konflikt der Rüstungen
und Ideen fixiert war, den wir als kalten Krieg bezeichnen, - zwischen Ost und West, zwischen zwei Supermächten, die durch Mißtrauen und ständige Feindschaft getrennt waren. Über vier Jahrzehnte konzentrierten die Vereinigten Staaten ihre Energien auf die
Eindämmung der Bedrohung für die freie Welt durch
die Kräfte des Kommunismus. Dieser Krieg ist vorbei.
Die DDR ist völlig von der Landkarte verschwunden.
Heute ist die Berliner Mauer, die einst einen Kontinent
zerschnitt und die Welt in zwei Teile spaltete, zu Staub
zerfallen und existiert nur noch in Form von Souvenirs.
Ihre übriggebliebenen Teile haben nur noch Museumswert.
Der Warschauer Pakt ist vergangene Woche Geschichte geworden, und dies vollzog sich nicht mit
einem Knall, sondern mit einem letzten Aufseufzen,
und sein Hinscheiden war der Washington Post nur
einen Artikel auf Seite A-16 wert.
In den kommenden Wochen werde ich im einzelnen
auf die Möglichkeit einer Neuen Weltordnung nach
dem kalten Krieg eingehen. In den vergangenen
Wochen habe ich mich nicht nur auf den Golf, sondern
auch auf den freien Handel, das Nordamerikanische

AMERIKA DIENST 15

Freihandelsabkommen, die Uruguay-Runde, Handelsgespräche und die Notwendigkeit konzentriert, vom
Kongreß der Vereinigten Staaten eine Verlängerung
des "Fast-Track"-Mandats zu erhalten, um unser Ziel
zu erreichen.
Heute möchte ich jedoch einen anderen Aspekt dieser
Ordnung erörtern, und zwar unsere Beziehungen zu
Europa und zur Sowjetunion.
Zweimal in diesem Jahrhundert wurde ein auf den
Schlachtfeldern Europas geborener Traum nach der
Einstellung des Feuers zunichte gemacht - der Traum
von einer Welt, in der führende Mächte zusammenarbeiten, um den Frieden zu sichern, um ihre Streitigkeiten durch Kooperation und nicht Konfrontation beizulegen. Heute ist ein umgestaltetes Europa seiner
freien und demokratischen Bestimmung näher gerückt
als je zuvor. Endlich macht Europa Fortschritte und
geht einer neuen Welt der Hoffnung entgegen.
Gleichzeitig sind unsere europäischen Verbündeten
und wir von der Politik des Containment zu einer Politik
des aktiven Engagements in einer Welt übergegangen, die nicht mehr von den Spannungen und Animositäten des kalten Krieges geprägt ist. Als nämlich der
kalte Krieg zu Ende ging, erkannten wir die Möglichkei-

Seite 1

�ten einer neuen Weltordnung, in der die Nationen
zusammenarbeiten, um Frieden und Wohlstand zu
fördern. Ich spreche hier nicht über einen Plan, der das
Verhalten der Nationen bestimmen wird, oder über
eine Art von supranationaler Struktur oder Institution.
Die Neue Weltordnung bedeutet nicht, auf unsere
nationale Souveränität zu verzichten oder unsere Interessen preiszugeben. Sie bezeichnet eigentlich eine
Verantwortung, die uns durch unsere Erfolge auferlegt
ist. Sie bezieht sich auf neue Wege der Zusammenarbeit mit anderen Nationen, um Aggression abzuschrekken und Stabilität zu erlangen, um Wohlstand und vor
allem Frieden zu schaffen. Sie erwächst aus Hoffnungen auf eine Welt, die auf einem von kleinen und
großen Nationen geteilten Engagement für eine Reihe
von Prinzipien gründen, die unsere Beziehungen untermauern - friedliche Beilegung von Konflikten, Solidarität gegen Aggression, reduzierte und kontrollierte
Waffenarsenale und gerechte Behandlung aller Völker.
Diese Ordnung, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit,
mußte im Golf krieg ihre erste Prüfung bestehen. Zum
ersten Mal wurde ein regionaler Konflikt - die Aggression gegen Kuwait - nicht zum Stellvertreterkrieg für
die Konfrontation der Supermächte. Zum ersten Mal
funktionierte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen - befreit von dem Zusammenprall der Ideologien
des kalten Krieges - so, wie von seinen Begründern
beabsichtigt - als Kraft für die Lösung von Konflikten
und kollektive Sicherheit.
Am Golf schlössen sich Staaten aus Europa und
Nordamerika, Asien und Afrika sowie der arabischen
Welt zusammen, um der Aggression Einhalt zu gebieten und für andere mögliche Tyrannen in der ganzen
Welt ein Zeichen zu setzen. Indem wir gemeinsam zur
Verteidigung einer kleinen Nation handelten, zeigten
wir, daß wir bei der Verteidigung von Prinzipien gegen
Aggressoren zusammenarbeiten konnten.
Darüber hinaus haben wir erkannt, daß das Ende des
kalten Krieges uns kein Zeitalter des ewigen Friedens
bescherte. Mit dem allmählichen Verschwinden alter
Bedrohungen treten neue auf den Plan. Die Suche
nach einer Neuen Weltordnung ist teilweise eine Herausforderung, um die Gefahren der Unordnung zu
zügeln. Heute ist Kuwait - Gott sei Dank - frei.
Der Aufruhr in jener krisengeschüttelten Region hält
jedoch an. Saddams andauernde Barbarei hat sein
Regime außerhalb der internationalen Ordnung gestellt. Wir werden uns nicht in den Bürgerkrieg im Irak
einmischen. Das irakische Volk mu ß selbst über seine
politische Zukunft bestimmen.
Wenn ich Sie hier sehe und dabei an Ihre Familien
denke, möchte ich dies noch ein wenig eingehender
erläutern. Wir haben unsere Ziele definiert. Diese
durch das Völkerrecht gedeckten Ziele wurden er-

Seite 2

reicht. Ich habe eindeutig klargestellt, daß unsere
Truppen nach Hause kommen werden, sobald unsere
Ziele verwirklicht sind. Trotzdem wolten wir, daß die
Leiden dieser Flüchtlinge beendet werden, und im
Einklang mit dem Mitgefühl und der Anteilnahme unserer
Nation helfen wir in massivem Umfang. Aber ich
möchte unsere Truppen sobald wie möglich aus dem
Irak abziehen und zurück nach Hause holen.
Seit vielen Jahren ist der Irak Schauplatz innerer
Konflikte. Wir stellen Hüte zur Verfügung, und wir
werden diesen Flüchtlingen auch weiterhin helfen. Ich
möchte jedoch nicht, daß ein einziger Soldat in diesen
Bürgerkrieg im Irak gestürzt wird, der seit vielen Jahren
tobt. Und ich werde dies nicht zulassen.
Ich weiß, daß durch die historischen Bemühungen der
Koalition die Fähigkeit Saddam Husseins zu Aggressionen gegen seine Nachbarn zerstört wurde. Sie
haben diese Arbeit geleistet. Aber heute wird die
internationale Staatengemeinschaft darüber hinaus
gewährleisten, daß Saddams Fähigkeit zur Bedrohung seiner Nachbarn völlig beseitigt wird, indem die
Massenvernichtungswaffen des Irak zerstört werden.
Und wie ich bereits erwähnte, werden wir den irakischen Flüchtlingen, den Hunderttausenden von Opfern dieses Mannes - der Brutalität Saddam Husseins
- weiterhin helfen, um ihnen Nahrung und Obdach
sowie Sicherheit und die Möglichkeit zu bieten, unbeschadet in ihre Heimat zurückzukehren. Wir werden
keine Störungen dieser internationalen Hilfsmaßnahmen tolerieren.
Der Irak kann erst dann in die Staatengemeinschaft
zurückkehren, wenn seine politisch Verantwortlichen
die Brutalität und Unterdrückung beenden, die ihr Land
zerstören. Mit Saddam an der Macht wird der Irak ein
Ausgestoßener bleiben, und seiner Bevölkerung wird
die moralische Verbindung mit dem Großteil der
Außenwelt verwehrt bleiben. Wir müssen auf dem
Erfolg von Wüstensturm aufbauen, um dieser neuen
Weltordnung neue Konturen und neuen Auftrieb zu
verleihen, um Macht klug einzusetzen und die Hand
der Anteilnahme auszustrecken, wo immer wir können.
Heute begrüßen wir die Bereitschaft Europas, einen
Gro ßteil dieser Verantwortung übernehmen zu wollen.
Dieses neue Verantwortungsbewußtsein seitens unserer europäischen Verbündeten wird im östlichen Teil
Europas besonders deutlich und ist dort am entscheidendsten. Die Nationen Osteuropas - die so lange Zeit
das andere Europa waren - müssen jetzt ihren Platz
neben ihren Nachbarnim Westen einnehmen. Ebenso
wie wir die politische Teilung Europas überwunden
haben, müssen wir jetzt den Übergang von Anmut zu
Wohlstand erleichtern.
Die Vereinigten Staaten werden wie bisher ihren Teil
dazu beitragen, und wir haben bereits Polens Schulden gegenüber den Vereinigten Staaten um 70 Pro-

AMERIKA DIENST 15

�zent erlassen und unsere Hilfe an Osteuropa in diesem
Jahr um 50 Prozent erhöht. Aber der Schlüssel zur
Entwicklung dieser neuen Demokratien sind Handel
und Investititonen. Die neuen Unternehmer in der
Tschechoslowakei, Polen und Ungarn erwarten weder
von ihren eigenen noch von anderen Regierungen,
daß sie mit Reichtümern überschüttet werden. Sie
erwarten neue Möglichkeiten, neue Freiheiten für den
produktiven Erfindergeist, der 40 Jahre durch staatliche Kontrolle erstickt wurde.
Gestern hat mich mein geschätzter Freund, ein Mann,
den wir alle ehren und zu schätzen wissen - der
tschechische Präsident Vaclav Havel - angerufen und
um Rat und Hilfe des Westens gebeten. Er sieht sich
enormen Problemen gegenüber. Wie Sie wissen,
möchte die Tschechoslowakei demokratisch werden.
Dieser Mann führt sein Volk zur Perfektionierung seiner aufstrebenden Demokratie. Die tschechische
Wirtschaft befindet sich auf dem Weg von einem
gescheiterten sozialistischen Modell zu einer Marktwirtschaft. Wir alle müssen helfen.
Es ist nicht leicht, staatseigene und staatlich betriebene Waffenschmieden in marktorientierte Unternehmen zur Produktion von Konsumgütern umzuwandeln.
Aber^diese neuen Demokratien können mit dem richtigen Rat und der Hilfe des Westens genau das erreichen.
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten von
Amerika, daß die Tschechoslowakei, Polen und Ungarn diese aufstrebenden Demokratien und ihre im
Entstehen begriffene Marktwirtschaft stärken.
Wir sind uns bewußt, daß neue Rollen und selbst neue
Institutionen natürliche Folgen des neuen Europas
sein werden. Sei es die Europäische Gemeinschaft
oder ein erweitertes Mandat der KSZE - die Vereinigten Staaten unterstützen alle Bestrebungen, um einen
europäischen Ansatz zu der gemeinsamen Herausforderung auf dem Kontinent und der Welt darüber hinaus
in der Erkenntnis zu erarbeiten, daß die langfristige
Sicherheit Europas mit der Amerikas verknüpft und die
NATO nach wie vor das beste Instrument zu ihrer
Gewährleistung ist.
Darüber hinaus erwarten wir von Europa als Stabilitätsfaktor außerhalb seiner Grenzen zu wirken. In
einer so interdependenten Welt kann keine Industrienation ihre Mitgliedschaft in der internationalen Staatengemeinschaft einnehmen, ohne ihren fairen Teil an
Verantwortung für Frieden und Sicherheit zu übernehmen.
Aber selbst angesichts solcher begrüßenswerten
Veränderungen werden die Amerikaner zur Unterstützung des erfolgreichsten Bündnisses der Geschichte
- der NATO - in Europa bleiben. Das amerikanische
Engagement ist der beste Garant für ein sicheres
Europa und ein sicheres Europa ist unabdingbar für die

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amerikanischen Interessen und entscheidend für den
Weltfrieden.
Das ist die grundlegende Logik des atlantischen Bündnisses, die Amerika in Europa verankert. Die Geschichte dieses Jahrhunderts lehrt, daß das Schicksal
und die Interessen der Vereinigten Staaten nicht von
denen Europas getrennt werden können. Im Verlauf
der langen Jahre des kalten Kriegs und Konflikts haben
sich die Vereinigten Staaten unerschütterlich für Freiheit in Europa eingesetzt. Und heute, da Osteuropa
sich den demokratischen Idealen öffnet, werden echte
Fortschritte möglich.
Die Sowjetunion ist mit ihrer tiefgreifenden Umgestaltung befaßt. Die Politik der Konfrontation in Übersee
ruht ebenso wie das diskreditierte Dogma des Kommunismus, dem diese Politik entsprang, und hat vielleicht
sogar ihren Todesstoß erhalten. Vieles hat sich verändert. Der von Präsident Gorbatschow eingeschlagene
und am Persischen Golf am deutlichsten zutage getretene Weg internationaler Zusammenarbeit markiert
einen radikalen Wandel im sowjetischen Verhalten.
Dennoch ist der Kurs der Veränderungen innerhalb der
Sowjetunion entschieden weniger deutlich. Die wirtschaftlichen und politischen Reformen stehen dort vor
einer ernsthaften Herausforderung. Die sowjetischen
Bürger sehen sich angesichts des Zusammenbruchs
der alten Ordnung mit erschreckenden Wirtschaftsbedingungen konfrontiert, während die neue Ordnung
noch in den Geburtswehen liegt. Ihre hart erkämpften
Freiheiten sind durch althergebrachte Nationalitätenkonflikte, Konflikte zwischen den Republiken und zwischen den Republiken und der Zentralregierung gefährdet und kommen zu den monumentalen Herausforderungen hinzu, denen sie sich gegenübersehen.
Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber der
Sowjetunion in diesen schwierigen Zeiten besteht vor
allem darin, die Bestrebungen zum Aufbau kooperativer Beziehungen fortzusetzen, die es unseren beiden
und vielen anderen Nationen ermöglicht haben, den
internationalen Frieden und Stabilität zu stärken.
Gleichzeitig werden wir weiterhin den Reformprozeß in
der Sowjetunion unterstützen, der politische und wirtschaftliche Freiheit zum Ziel hat - einen Prozeß, der
unseres Erachtens auf friedlichen Dialog und Verhandlungen aufbauen muß. Diese Politik verfolgen wir
unerschütterlich sowohl in unseren Gesprächen mit
der sowjetischen Zentralregierung als auch mit allen
im politischen Leben der Sowjetunion engagierten
Elementen.
Lassen Sie mich eines eindeutig klarstellen. Der vor
der Sowjetunion liegende Weg wird schwierig und
gelegentlich außerordentlich schmerzlich sein. Die
Geschichte wiegt schwer auf allen Völkern in der
Sowjetunion - die Befreiung von 70 Jahren kommunistischer Herrschaft, von tausend Jahren der Autokratie. Dieser Prozeß wird sich langsam vollziehen. Es

Seite 3

�wird Rückschläge geben. Aber dieser Reformprozeß,
dieser Umbruch von innen muß weitergehen. Wenn
die Zusammenarbeit mit anderen Ländern und unsere
Fortschritte zu echtem internationalem Frieden von
Dauer sein sollen, muß ihm Erfolg beschieden sein.
Nur wenn diese Umgestaltung vollzogen sein wird,
können wir die sich durch diese neue und umfassende
Weltordnung bietenden Möglichkeiten voll und ganz
ausschöpfen.

Was aber diese Nation definiert, was dieses Amerika
ausmacht, sind nicht unsere Bindungen an ein Stück
Land oder unsere Blutsbande. Was uns Amerikaner
ausmacht, ist unser Glaube an die Idee, daß alle
Völker überall auf der Welt frei sein müssen. Diese
Idee ist so alt und so beständig wie diese Nation selbst.
Sie ist in dem, was wir sind, als implizites Versprechen
an die ganze Welt in den Worten unserer Unabhängigkeitserklärung enthalten.

Die neue Weltordnung ist in der Tat ein Instrument zur
Bewältigung der neuen Welt der Möglichkeiten. Diese
Ordnung erhält ihre Aufgabe und Gestalt nicht nur aus
gemeinsamen Interessen sondern auch aus gemeinsamen Idealen. Und die Ideale, die neue Freiheiten auf
der ganzen Welt hervorgebracht haben, fanden ihren
kühnsten und deutlichsten Ausruckin unserem großen
Land, den Vereinigten Staaten.

Die vor uns liegende neue Welt - und ich wünschte, ich
hätte Ihr Alter - ist eine wundervolle Welt der Entdekkung, eine Welt, die sich der Freisetzung der Versprechungen der Freiheit verschrieben hat. Sie ist genausowenig gegliedert wie ein Traum, genausowenig
reglementiert wie der Geniestreich eines Erfinders.
Wenn wir uns selbst und unseren Werten vertrauen,
wenn wir unseren Pioniergeist zur Erforschung der
Welt jenseits unserer Ufer beibehalten, wenn wir das
Engagement für die Welt anstreben, die uns ruft, dann
und nur dann wird Amerika dem besten in uns gerecht.

Niemals zuvor hat die Welt so sehr auf die Vereinigten
Staaten als Vorbild geblickt wie heute. Nie zuvor
haben so viele Millionen Menschen Hoffnung aus der
amerikanischen Idee geschöpft. Und der Grund dafür
liegt auf der Hand. Im Gegensatz zu allen anderen
Nationen der Welt erfreuen wir Amerikaner uns der
tiefen und geheimnisvollen Bande der Zuneigung und
des Idealismus. Wir fühlen unsere tiefe Verbundenheit
zu Gemeinschaft, Familie und unseren Überzeugungen.

*

Seite 4

Möge Gott unsere große Nation, die Vereinigten Staaten von Amerika, schützen. Ich danke Ihnen allen für
das, was Sie für die Freiheit und unsere grundlegenden Werte getan haben.
Vielen Dank.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�NAHER

OSTEN
17. April 1991

US-TRUPPEN HELFEN BEI EINRICHTUNG VON
FLÜCHTLINGSLAGERN IM IRAK
Pressekonferenz von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz hat Präsident Bush am 16. April 1991 erklärt, er werde als
Teil "erheblich erweiterter und ehrgeizigerer Hilfsbemühungen" amerikanische Truppen in den Nordirak
entsenden, um bei der Einrichtung vorübergehender Flüchtlingslager zu helfen, die den Vereinten Nationen
übergeben würden.
"Wenn wir den in den Gebirgen entlang der türkisch-irakischen Grenze lebenden Kurden keine ausreichende
Nahrung, Kleidung, Medikamente und Unterkünfte liefern können, müssen wir die Kurden ermutigen, in Gebiete
im Nordirak zu gehen, in denen die geographischen Voraussetzungen solch umfangreiche Hilfsmaßnahmen
erleichtern, anstatt sie zunichte zu machen", stellte Bush fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Bush: Ich werde zunächst eine kurze Erklärung
abgeben und danach gern einige Fragen beantworten.
Vor elf Tagen, am 5. April 1991, habe ich angekündigt,
daß die Vereinigten Staaten Maßnahmen einleiten
würden, die sich bald zur größten amerikanischen
Hilfsaktion der modernen Militärgeschichte entwickelten. Dieses Vorgehen wurde durch die schreckliche
menschliche Tragödie erforderlich, die sich infolge von
Saddam Husseins brutaler Behandlung irakischer Bürger
im und um den Irak ergab.
Innerhalb von 48 Stunden stellte unsere Operation
viele Tonnen Nahrungsmittel, Wasser, Mäntel, Zelte,
Decken und Medikamente für die irakischen Kurden im
Nordirak und in der Südtürkei bereit. Der Umfang
dieser Bemühungen ist wirklich einmalig, und doch
bleibt die Tatsache bestehen, daß das Ausmaß des
Problems noch größer ist. Hunderttausende irakischer Kurden befinden sich in schwer zugänglichen
Bergregionen in der Südtürkei und entlang der türkisch-irakischen Grenze.
Die Regierung der Türkei hat zusammen mit amerikanischen, britischen und französischen Militäreinheiten
und zahlreichen internationalen Organisationen eine
massive Hilfsaktion eingeleitet. Aber trotz dieser
Bemühungen fordern Hunger, Unterernährung, Krankheiten und das Klima ihren grausamen Tribut. Nie-

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mand kann die Bilder sehen oder die Berichte über das
menschliche Leid anhören - von Männern, Frauen und,
was am schmerzlichsten ist, von unschuldigen Kindern -, ohne davon tief betroffen zu sein.
Aus diesem Grund kündige ich heute nachmittag nach
Konsultationen mit Premierminister Major, Präsident
Mitterrand, Präsident özal, Bundeskanzler Kohl und
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar erheblich erweiterte und ehrgeizigere Hilfsbemühungen an. Der Ansatz
ist ziemlich einfach: Wenn wir den in den Gebirgen
entlang der türkisch-irakischen Grenze lebenden Kurden keine ausreichende Nahrung, Kleidung, Medikamente und Unterkünfte liefern können, müssen wir die
Kurden ermutigen, in Gebiete im Nordirak zu gehen, in
denen die geographischen Voraussetzungen solch
umfangreiche Hilfmaßnahmen erleichtern, anstatt sie
zunichte zu machen.
Im Einklang mit der Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats und in enger Abstimmung mit den Vereinten
Nationen und anderen internationalen Hilfsorganisationen sowie unseren europäischen Partnern habe ich
das amerikanische Militär angewiesen, unverzüglich
damit zu beginnen, mehrere Lager im Nordirak einzurichten, in denen für diese Flüchtlinge Hilfsgüter in
großem Umfang zur Verfügung gestellt und ordnungsgemäß verteilt werden.

Seite 1

�Ich kann gut nachempfinden, daß viele Kurden Grund
haben, bei einer Rückkehr in den Irak um ihre Sicherheit zu fürchten, und ich möchte ihnen hiermit versichern, daß in diesen Übergangslagem ausreichende
Sicherheit durch amerikanische, britische und französische Truppen gewährleistet ist. Auch dies steht im
Einklang mit Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats.
Wir hoffen, daß sich auch andere Mitglieder der Koalition an diesen Bemühungen beteiligen werden.
Ich möchte unterstreichen, daß alles, was wir tun, aus
humanitären Gründen geschieht. Wir erwarten weiterhin, daß die Regierung des Irak diese neuesten Hilfsbemühungen in keiner Weise stört. Das Verbot von
Flügen irakischer Starr- und Drehflügler nördlich des
36. Breitengrads bleibt bestehen.
Ich möchte ferner betonen, daß diese neuen Bemühungen trotz ihres Ausmaßes und Umfangs nicht als
Dauerlösung für die Notlage der Kurden gedacht sind.
Im Gegenteil, sie stellen eine vorübergehende Maßnahme dar, um unmittelbare und tiefgreifende menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Unser langfristiges Ziel
bleibt bestehen: daß die irakischen Kurden und alle
anderen irakischen Flüchtlinge, wo immer sie sich
aufhalten, nach Hause zurückkehren und dort in Frieden, ohne Unterdrückung und in Freiheit leben können.
Ich möchte darüber hinaus darauf verweisen, daß wir
uns auch über die irakischen Flüchtlinge entlang der
irakisch-iranischen Grenze und im Iran akute Sorgen
machen. Ich möchte die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft für ihre Bemühungen loben, die
Not in diesem Gebiet zu lindern. Auch wir haben
angeboten, zu den internationalen Bemühungen zur
Bewältigung dieser humanitären Herausforderung einen
Beitrag zu leisten.
Wie ich bereits ausgeführt habe, stellen die heute
angekündigten Hilfsmaßnahmen ihrem Ausmaß und
Ansatz nach ein grundverschiedenes Unterfangen dar.
Was sich jedoch nicht verändert hat, ist die zugrundeliegende Politik. Ich habe stets erklärt, daß sich die
Vereinigten Staaten nicht militärisch in die inneren
Angelegenheiten des Irak einmischen und riskieren
werden, sich in einen Sumpf ziehen zu lassen wie in
Vietnam. Das ist auch weiterhin der Fall. Wir werden
auch keine Besatzungsmacht mit amerikanischen
Truppen werden, die auf den Straßen Bagdads patrouillieren.
Wir möchten die Verwaltung sowie die Sicherheit
dieser Orte sobald wie möglich den Vereinten Nationen anvertrauen, so wie wir unsere Verpflichtung
erfüllen, unsere Truppen entlang der Südgrenze des
Irak mit Kuwait abzuziehen und die Verantwortung den
UNO-Truppen zu übergeben.

Seite 2

Wir müssen jedoch alles in unserer Macht Stehende
tun, um das Leben unschuldiger Menschen zu retten.
Das entspricht der amerikanischen Tradition, und wir
werden dieser Tradition weiterhin gerecht werden.
Frage: Herr Präsident, Schätzungen Ihrer Regierung
zufolge sterben täglich bis zu tausend Kurden. Was
entgegnen Sie den Kritikern, die behaupten, Sie hätten
zu wenig und zu spät gehandelt und Sie hätten gerade
den Menschen den Rücken zugekehrt, die Sie zum
Aufstand gegen Saddam Hussein ermutigt haben?
Antwort: Ich bin nicht der Meinung, wir hätten zu
wenig und zu spät reagiert. Es handelt sich hier um ein
äußerst schwieriges logistisches Problem. Und wie ich
in meiner Erklärung feststellte, haben wir große Mengen an Hilfsgütern dorthin geschickt, und zwar nicht
nur die Vereinigten Staaten, sondern auch andere
Länder und zahlreiche private Hilfsorganisationen leisten dort Unterstützung. Dies ist unsere Politik. Ich
glaube jedoch, daß wir heute eine bessere Chance
haben, um die Hilfsmaßnahmen zu erleichtern und die
Kurden durch dieses von mir heute verkündete Programm in eine bessere Lage zu bringen. Es haben
sehr umfangreiche Konsultationen mit den Türken und
anderen stattgefunden, die sich hieran beteiligen. Aber,
das andere von Ihnen Vorgebrachte kann ich einfach
nicht akzeptieren.
Frage: Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern,
bis die UNO-Truppen von den Amerikanern und anderen Verbündeten die Verantwortung übernehmen
können?
Antwort: Das wissen wir nicht. Natürlich je eher,
desto besser. Die UNO-Truppen werden in den Süden
einrücken - die Blauhelme -, und wir hoffen und erwarten, daß dies in wenigen Tagen geschehen sein wird.
Aber mit diesem Unternehmen beginnen wir gerade
erst, und wir müssen zunächst feststellen, was zu tun
ist. Es könnte eine UNO-Friedenstruppe oder Blauhelme der Vereinten Nationen dort erforderlich werden,
eine neue Resolution des Sicherheitsrats. Dabei geht
es um ein kompliziertes Problem angesichts der Tatsache, daß einige der Mitglieder, die im Rahmen der
Koalition voll und ganz hinter uns standen, mit einem
solchen Vorgehen Probleme haben könnten.
Frage: Herr Präsident, Sie sprechen sich von jeder
Verantwortung frei, und doch haben Sie erwiesenermaßen wiederholt die Iraker aufgefordert, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, und Sie haben
nie gesagt: Nicht ihr, die Kurden oder nicht ihr, die
Schiiten. Wie können Sie dies dann weiterhin sich
selbst gegenüber rechtfertigen, wenn das Gewissen
der Welt dadurch geweckt wurde und wir die Bilder
dieser schrecklichen Leiden sehen...

AMERIKA DIENST 15

�Antwort: Nun, ich denke, daß alle Amerikaner...
Frage: Natürlich wurden Sie davon überrascht, und
Sie hatten keine langfristige Politik für das, was letztlich geschehen würde. Werden sie für den Rest ihres
Lebens Flüchtlinge bleiben?
Antwort: Ich hoffe nicht. Es gibt bereits genug
Dauerflüchtlinge, und wir versuchen, in verschiedenen
Gebieten etwas dagegen zu unternehmen. Die Ziele
waren von Anfang an sehr klar definiert, und zu diesen
Zielen gehörte nie die Eroberung von Bagdad oder der
Tod und die persönliche Vernichtung Saddam Husseins. Es gab viele Leute, die mir von Anfang an
erklärten, ich solle die Sanktionen greifen lassen. Laß
die Sanktionen wirken. Unternimm nichts gegen die
Aggression. Wir haben eine internationale Koalition
historisch einmaligen Ausmaßes angeführt und die
Ziele verwirklicht.
Sie fragen mich, ob ich das Kurdenproblem in diesem
Umfang vorhergesehen habe? Die Antwort lautet:
Nein, das habe ich nicht. Aber müssen sich die
Vereinigten Staaten schuldig fühlen, weil sie den Vorschlag gemacht haben, die Iraker sollten ihr Schicksal
in ihre eigenen Hände nehmen, wobei einige dies wohl
so verstanden haben, die Vereinigten Staaten würden
sie dann militärisch unterstützen? Das stimmte nicht.
Das wollten wir damit nicht sagen.
Glaube ich, Saddam Hussein sollte jetzt abgesetzt
werden? Natürlich, weil es keine normalisierten Beziehungen mit den Vereinigten Staaten und wohl auch
nicht mit den Koalitionspartnern geben wird, bis Saddam Hussein aufgibt. Wir werden die Wirtschaftssanktionen fortführen.
Frage: Geben Sie zu, den Aufstand und den Exodus
gefördert zu haben?
Antwort: Ich gebe nicht zu, den Exodus gefördert zu
haben. Ich habe vorgeschlagen - und darüber gibt es
Unterlagen -, das irakische Volk sollte sein Schicksal in
seine eigenen Hände nehmen und Saddam Hussein
hinauswerfen. Das denke ich immer noch, und ich
hoffe, daß es dazu kommt.
Frage: Es gibt Hunderttausende von Flüchtlingen.
Dazu werden viele Soldaten nötig sein. Wieviele
alliierte und US-Truppen greifen im Norden des Iraks
ein?
Antwort: Ich denke, nur relativ wenige, weil meiner
Ansicht nach Saddam Hussein nicht wagen würde,
Gewalt einzusetzen - wenn man seinen heutigen
Zusagen - denen seiner Vertreter - in den Vereinten
Nationen Glauben schenken darf. Aber das Problem
stellt sich anders dar, als wir glauben. Es lautet, was
denken diese kurdischen Flüchtlinge, denen von diesem Mann Gewalt angetan wurde? Sie denken: wir
können ihn nicht beim Wort nehmen. Wir brauchen
eine gewisse Sicherheit.

AMERIKA DIENST 15

Frage: Sie haben bereits erklärt, die Idee einer Schutzzone im Irak selbst nicht zu mögen, aber wird damit
nicht für Monate absehbar, daß US-Truppen kurdische
Flüchtlinge in dieser Region schützen müssen? Wollen Sie es weiterhin im Dunklen lassen, was die Vereinigten Staten unternehmen würden, wenn die Iraker
gegen die kurdischen (unverständlich)...
Antwort: Ich hoffe, wir sprechen nicht von einer
langfristigen Aktion. Wir arbeiten mit den Franzosen
zusammen, die eine Führungsrolle bei den Maßnahmen übernommen haben, die Kurden zur Rückkehr in
ihre Städte zu bewegen. Eine mögliche Präsenz der
UNO auf den Stationen ihres Rückwegs ist im Gespräch. Das wäre eine gute Idee. Ich habe Herrn
Mitterand erklärt, daß er dabei auf meine Unterstützung rechnen kann.
Aber hierbei sollte man nicht langfristig planen. Der
Hauptpunkt, langfristig oder kurzfristig, war von Anfang an, das Leben der Männer, Frauen und Kinder zu
retten, und dies ist jetzt ein logischer nächster Schritt,
um es zu auf sichere und einfühlsame Weise zu
leisten. Manche mögen dies als Intervention in die
inneren Angelegenheiten des Irak betrachten, aber
meiner Ansicht nach ist das humanitäre Problem der
Flüchtlinge so gravierend, daß man auf Verständnis
zählen kann.
Frage: Werden die US-Streitkräfte diese Gebiete
militärisch schützen, und was werden Sie tun, wenn
die Flüchtlinge angegriffen werden?
Antwort: Diese Art Frage wurde mir vor Beginn des
Kriegs gestellt - was werden Sie tun? Wie werden Sie
darauf reagieren? Ich werde Ihnen keine Einzelheiten
mitteilen, sondern nur erklären, daß diese Menschen
geschützt werden. Wir werden ihnen nicht sagen:
kommen Sie von den Bergen, wir werden Sie schützen, und dann schützen wir sie doch nicht.
Frage: Herr Präsident, wieviele Soldaten werden
voraussichtlich daran beteiligt sein? Und wie sehr
können Sie Ihre Sicherheit garantieren?
Antwort: Eine relativ kleine Zahl, und ich bin im
Hinblick auf ihre Sicherheit sehr zuversichtlich. Wir
haben Luftstreitkräfte dort, falls das erforderlich werden sollte. Wir sind in der Lage, nicht nur unsere
eigenen Leute zu schützen, sondern auch die Menschen, zu deren Schutz wir angetreten sind - in diesem
Falle die Flüchtlinge.
Frage: Können Sie dazu noch etwas sagen? Können
Sie ihre Sicherheit wirklich garantieren, und steht das
Ihrer Meinung nach nicht im Widerspruch zu Ihren
früheren Erklärungen, das Leben von US-Soldaten
nicht aufs Spiel setzen zu wollen?
Antwort: Ja, das kann ich. Ich denke, das ist etwas
ganz anderes, und meiner Ansicht nach ist es genau
das, was erforderlich ist, um diesen Menschen zu

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�helfen. Manche mögen es so interpretieren, ich tue
das nicht. Ich denke, es geht nur um humanitäre
Gründe. Meiner Ansicht nach sind heute bereits
Ausführungen gemacht worden, daß diese Menschen
sicher sein würden. Ich hoffe, es wird sich als richtig
erweisen.
Frage: Herr Präsident, Sie haben noch nichts zur Lage
im Süden gesagt, wo es Tausende von Schiiten gibt,
die gleichermaßen besorgt sind, wenn die Amerikaner
abziehen. Geben Sie ihnen die gleichen Zusagen, daß
sie nicht angegriffen werden?
Antwort: Genau dieselben. Die Vereinten Nationen
werden bald dort sein, und meiner Meinung nach ist
das eine gute Versicherung, daß sie nicht angegriffen
werden. Die Menschen vergessen, daß die Vereinigten Staaten lange Zeit gute Arbeit geleistet haben.
Unsere Truppen kann man nicht genug loben, daß sie
diese Arbeit mit großem Einsatz und Mitgefühl verrichtet haben. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet.
Ich möchte erleben, daß in dieser - neutralen - Region
die Blauhelme einziehen, und dann möchte ich, daß
unsere Soldaten so schnell wie möglich dort abziehen.
Ich möchte sie nach Hause bringen.
Frage: Ihre Frau hat gestern erklärt, Saddam Hussein
könnte für seine Kriegsverbrechen verurteilt und gehängt werden. Teilen Sie diese Meinung?
Antwort: Ich bin selten anderer Meinung als meine
Frau, und das gilt auch in diesem Punkt. Das wichtigste ist jedoch, Saddam Hussein zu bewegen, dort
aufzugeben. Wenn Sie als Vermittler zu mir kämen
und sagten: "Ich kann ihn dort herausbringen, unter
der Bedingung, daß er in einem anderen Land unbehelligt weiterleben kann. Dann würde er niemals
zurückkehren und sein Volk terrorisieren", müßte ich
zwar darüber nachdenken, aber ich wäre unter Umständen bereit zu sagen, wir werden ihn dort herausbringen. Wir wollen so sehr, daß er das Land verläßt,
und es ist meiner Meinung nach so wichtig für die Ruhe
im Land, daß wir die Bedingungen unter Umständen
akzeptieren könnten.
Ob ich ihn der Kriegsverbrechen für schuldig befinde?
Der Umweltterror, die Vergewaltigung und Plünderung
Kuwaits, was er seinem eigenen Volk angetan hat - es
gibt wohl genug Gründe, aufgrund derer er für Kriegsverbrechen verurteilt werden könnte.
Frage: Herr Präsident, Sie sprechen hier davon,
Saddam Hussein loszuwerden und zusätzliche USTruppen in den Irak schicken zu wollen. Wie können
Sie sicher sein, daß die Vereinigten Staaten nicht in die
inneren Angelegenheiten hineingezogen werden - in
den Bürgerkrieg, den Sie so sehr vermeiden wollen.
Antwort: Ich denke positiv, und so beurteilen das
auch die Menschen, die den Krieg so gut überstanden
haben. Ich denke, er würde das nicht riskieren. Saddam

Seite 4

Hussein wird sich nicht wieder so engagieren wollen.
Wir müssen abwarten. Aber ganz sicher werden alle
US-Truppen - wir sprechen nicht über eine große Zahl,
und ich weiß auch nicht, wieviele es genau sind geschützt. Sie werden gut geschützt. Aber ich nehme
das nicht an. Ich erwarte es nicht und meiner Meinung
nach auch nicht der französische Präsident, der britische Premierminister, der UN-Generalsekretär oder
der türkische Präsident - es gibt viele Leute, die an
diesem Problem arbeiten.
Die Lage wird allgemein so beurteilt - und damit lag
man bisher eher richtig als falsch - daß es soweit nicht
kommen wird. Aber wir sind bereit, wenn Gewalt
gegen diese hilflosen Menschen in den Flüchtlingslagern eingesetzt wird.
Frage: Herr Präsident, einige Abgeordnete, die im
Kongreß zunächst gegen die Resolution zum Krieg
gestimmt hatten, erklären heute, Sie hätten die Aufgabe nicht bewältigt und in der Tat ein zweites Vietnam
geschaffen. Wie lautet Ihre Reaktion darauf?
Antwort: Ich muß mich mit meiner Reaktion zurückhalten - auf wen beziehen Sie sich? Auf diejenigen, die
Sanktionen befürworteten oder diejenigen, die den
Einsatz militärischer Gewalt unter allen Umständen
ablehnten?
Frage: Zum Beispiel hat Senator Kennedy gestern
öffentlich erklärt, Sie seien nicht weit genug gegangen,
um die Aufgabe zu Ende zu bringen.
Antwort: Nun, er kann diese Meinung gerne vertreten. Meines Erachtens haben wir die von uns gesteckten Ziele erreicht. Und ich glaube, die ganze Welt wei ß
das. Jetzt sehen wir uns mit einem anderen Problem
konfrontiert- einem immer wiederkehrenden Problem.
Dieser Mann ist schon früher brutal gegen sein Volk
vorgegangen und tut es jetzt wieder.
Ich möchte die Aufmerksamkeit der Kritiker auf unsere
ursprünglichen Ziele lenken - auf die Forderungen der
Vereinten Nationen. Und meines Erachtens wurden
diese Ziele voll und ganz verwirklicht. Ich bin überrascht über diejenigen, die den Einsatz von Gewalt so
vehement ablehnten und jetzt den Einsatz von Gewalt
zur Lösung der Probleme in Bagdad befürworten - aber
das werden wir nicht tun. Und wenn wir Gewalt
einsetzen würden, müßten wir zweifelsohne einen
diplomatischen Ansatz wählen, und das würde ich
ohne die Unterstützung des Kongresses nicht wünschen.
Ich glaube jedoch nicht, daß das erforderlich ist, und so
sollten wir auch nicht vorgehen. Meiner Ansicht nach
wünscht das amerikanische Volk die Heimkehr seiner
Söhne und Töchter - und sie werden nach Hause
zurückkehren. Die einzige Schwierigkeit bei der Rückkehr besteht darin, daß wir die Verantwortung tragen,
alles in unserer Macht Stehende für diese Flüchtlinge
zutun. Das haben wir vom ersten Tag an getan. Und
AMERIKA DIENST 15

�jetzt, angesichts der Verschärfung des Problems und
der Furcht in den Herzen dieser Menschen, in die Täler
hinabzusteigen, unternehmen wir den nächsten Schritt.

ten gehört, daß einige von ihnen Richter und Ärzte
sind, die ein ziemlich angenehmes Leben in den Städten aufgeben mußten.

Das Entscheidende ist jedoch, unsere Männer und
Frauen nach Hause zurückzubringen, und genau das
tun wir im Süden. Jerry hat die richtige Frage gestellt
- welche Garantie haben wir? Die Garantie besteht in
dem Abkommen der Vereinten Nationen, dem der Irak
zugestimmt hat und der Präsenz der Blauhelme der
UN-Friedenstruppe.

Ich hoffe, es kommt zu einer Aussöhnung. Der leichteste Weg zur Versöhnung in diesem Land wäre eine
neue Führung. Daran besteht kein Zweifel.

Frage: Herr Präsident, die Kurden sagen, sie wollen
ein unabhängiges Kurdistan. Das wurde ihnen nach
dem Zweiten Weltkrieg versprochen. Warum sollen
sie es nicht bekommen?

Antwort: Nein, nicht daß ich wüßte.

Antwort: Wie ich bereits gesagt habe, bestand das
Ziel der Vereinigten Staaten nicht in einem zersplitterten, destabilisierten Irak. Das ist die Position unserer
Regierung und der Koalitionsstreitmacht. Das ist die
Antwort.
Frage: Entschuldigen Sie, es war nach dem Ersten
Weltkrieg, daß ihnen ein eigener Staat versprochen
wurde. Ist das für Sie von Bedeutung?
Antwort:
krieg?

Ein Versprechen aus dem Ersten Welt-

Frage: Ja.
Antwort: Nein. Ich sage nein, weil der Irak meines
Erachtens in Frieden und Aussöhung mit den jeweiligen Minderheiten im Irak leben sollte. Im Süden gibt
es Schiiten, in der Landesmitte die Sunniten und die
Anhänger der Baath-Partei und im Norden die Kurden.
Sie sollten ihre Differenzen beilegen und dieses Land
und seine stolze Tradition intakt halten.
Wir werden jedoch nicht den Vorschlag unterbreiten,
daß das Land aufgeteilt werden soll - falls Ihre Frage
darauf abzielte. Ich hoffe, ich habe das von Anfang an
klargestellt.
Frage: Aber können sie je in ihre Heimat zurückkehren, solange Saddam Hussein an der Macht ist?
Antwort: Ja, ich hoffe sehr. Das ist eine gute Frage.
Sie haben Todesangst, in die Täler hinabzusteigen.
Sie müssen jedoch eine Entscheidung treffen. Ich
hoffe, daß der Plan von Francois Mitterrand zum
Tragen kommt - der Vorschlag, Wegestationen einzurichten, damit die Menschen zurückkehren können.
Saddam Hussein hat ihnen gesagt, sie könnten zurückkommen - aber sie schenken seinen Worten keinen Glauben. Sie sind von ihm getäuscht worden. Ich
hoffe sehr, daß sie eines Tages nach Hause zurückkehren können. Viele von ihnen gehören nicht zur
Landbevölkerung. Gestern habe ich in den Nachrich-

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Frage: Herr Präsident, gibt es Verhandlungen hinter
verschlossenen Türen über Saddam Husseins Zukunft? Kommen Unterhändler zu Ihnen?

Frage: Ist er jetzt eher zur Machtaufgabe bereit?
Antwort: Ich denke ja, aber ich kann es nicht beweisen.
Frage: Und niemand ist zu Ihnen gekommen, um zu
vermitteln?
Antwort: Nun, es gibt zahlreiche Widerstandsgruppen und viele Menschen, die seinen Abgang begrüßen
würden. Aber sie sind nicht an mich herangetreten. Es
besteht jedoch kein Zweifel daran, daß viele Iraker für
seinen Abgang sind. Wenn Ihre Frage jedoch darauf
abzielt, ob sie ins Weiße Haus gekommen sind oder
Vorschläge dieser Art unterbreitet haben - meines
Wissens nicht.
Frage: Herr Präsident, Sie haben erwähnt, die Lage
im Iran sei ebenso schwierig. Ihr Plan scheint sich
jedoch nur mit der Situation im Irak zu befassen, und
vielleicht Ihrem Freund, Präsident Özal, zu helfen.
Warum enthält er keine Vorschläge zu den Flüchtlingen im Iran, die noch zahlreicher sind?
Antwort: Wir haben dem Iran Hilfe angeboten. Wie
Sie wissen, unterhalten wir andere Beziehungen mit
dem Staat Iran. Die Deutschen haben mehrere Hundert Millionen...
Scowcroft: 250 Millionen D-Mark.
Antwort: 250 Millionen D-Mark an Hilfe für die Flüchtlinge im Iran bereitgestellt. Verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen haben Hilfsprogramme in die Wege
geleitet - Americare hat bereits Arzneimittel geschickt.
Wir wollen dort helfen. Aber wir müssen realistisch
sein. Der Iran unterhält immer noch gespannte Beziehungen mit den Vereinigten Staaten. Und das wurde
verschiedenen Besuchern gegenüber eindeutig klargestellt. Aber andere springen in die Bresche und
helfen ebenso wie wir den Schiiten im Süden. Bis zu
30.000 Flüchtlingen wurde dank des amerikanischen
Einsatzes geholfen.
Frage: Besteht die Möglichkeit zu einer Verbesserung
unserer Beziehungen zum Iran?

Seite 5

�Antwort: Das hoffe ich. Ich habe immer wieder
gesagt, daß ich verbesserte Beziehungen zum Iran
begrüßen würde. Sie wissen, worum es in unseren
Gesprächen geht - um die Geiseln. Ich werde die als
Geiseln festgehaltenen Amerikaner nicht vergessen.
Ich möchte damit nicht sagen, daß der Iran sie festhält,
aber der Iran könnte großen Einfluß auf ihre Freilassung haben.
Ja, ich hoffe, unsere Beziehungen verbessern sich. Im
Hinblick auf den Iran muß man sich eines vor Augen
führen. Vom ersten Tag an war der Iran besorgt über
die amerikanische Militärpräsenz am Golf. Vom ersten
Tag an bestand sein ganzes Problem darin, daß man
nicht glaubte, wir würden vom Golf abziehen, obwohl
unser Militär schließlich gegen den größten Feind des
Iran eingestzt wurde. Ich hoffe, mit dem Abzug unserer Truppen - und mehrere Hunderttausend sind bereits nach Hause zurückgekehrt und weitere folgen so
rasch wie möglich nach - wird die Furcht, die Iran und
die Vereinigten Staaten getrennt hat, beseitigt.

Frage:
nach?

Wie stehen die Aussichten Ihrer Meinung

Antwort: Ziemlich gut, würde ich sagen. Es gibt zwei
Problembereiche, die wir teilen. Wir beide wünschen
die vollständige Verwirklichung eines KSE-Abkommens. Es gibt ein Abkommen, aber aus unserer Sicht
haben sie einen kleinen Rückzieher gemacht, und wir
versuchen, diese Differenzen beizulegen.
Zweitens haben wir dieses spezielle Gipfeltreffen von
einem START-Abkommen abhängig gemacht. Wir
arbeiten daran. Ich habe mit Richard Burt gesprochen,
der bisher Unterhändler in dieser Angelegenheit war,
und er ist nicht allzu pessimistisch. Aber wir haben die
ganze Zeit gesagt, worauf es ankommt.

Frage: Herr Präsident, was können Sie uns über
Fortschritte im Hinblick auf ein Gipfeltreffen sagen?
Haben Sie und Präsident Gorbatschow Gespräche
geführt?

Das soll jedoch nicht heißen, daß wir uns überhaupt
nicht mit Präsident Gorbatschow zusammensetzen,
wenn diese beiden Probleme nicht gelöst werden. Wir
haben viele gemeinsame Probleme und Anliegen.
Eines davon ist der gesamte Nahe Osten und das
Problem der Flüchtlinge. Wir sollten uns jedoch auf
diesen Gipfel konzentrieren, aber die Möglichkeit haben,
sagen zu können, KSE steht nicht allzu schlecht da,
und ein START-Abkommen wird unterzeichnet.

Antwort: Nicht in jüngster Zeit.

Dies ist meine Position in dieser Angelegenheit.

* * * *

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*

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�NAHER

OSTEN
17. April 1991

KOORDINIERTE BESTREBUNGEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER IRAKISCHEN FLÜCHTLINGE
IN DIE WEGE GELEITET
Darstellung der internationalen Zusammenarbeit

WASHINGTON - (AD) - "Die Welt reagiert rasch und
entschlossen, um Saddam Husseins Einsatz von Gewalt
gegen sein eigenes Volk zu bekämpfen", erklärte der
Pressesprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, am 9. April 1991, und es werden koordinierte internationale Bestrebungen in die Wege geleitet, um den
Hunderttausenden irakischen Flüchtlingen Unterstützung zu gewähren.
"Die internationale Staatengemeinschaft hat erneut
die Reihen geschlossen und besteht darauf, daß der
Irak die Repression beendet und den unverzüglichen
und ungehinderten Zugang internationaler Organisation zu allen Hilfsbedürftigen im Land gestattet", so der
Sprecher des Wei ßen Hauses vor Vertretern der Presse.
Fitzwater stellte fest, daß der Generalsekretär der
Vereinten Nationen, Perez de Cuellar, den ehemaligen
Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
gebeten hat, die Verantwortung für den Schutz und die
Versorgung der Flüchtlinge und Vertriebenen in den
Gebieten im Süden Iraks zu übernehmen, die jetzt von
den Koalitionsstreitkräften besetzt sind.
Die Vertreter des Flüchtlingskommissars sind Fitzwater zufolge angewiesen, "soviel Hilfe wie möglich und
so schnell wie möglich bereitzustellen und ein Team in
den südlichen Irak zu entsenden, um die Bedürfnisse
der vertriebenen Zivilisten festzustellen."
Um die hohen Summen zur Finanzierung dieser
Operation aufzubringen, so Fitzwater, arbeiten die
Vereinigten Staaten eng mit der Europäischen Gemeinschaft und dem UN-Generalsekretär zusammen.
Er erklärte, die in Europa gelagerten Hilfssendungen

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der Vereinigten Staaten würden unverzüglich in die
Türkei transportiert, wo Schätzungen der Vereinten
Nationen zufolge über 270.000 irakische Kurden die
Grenze überquert haben und sich weitere 250.000 in
unmittelbarer Nähe der Grenze im Irak aufhalten.
"Wir legen einen weltweiten Bestand an Hilfsgütern
an, so daß wir andere Regierungen so bald wie möglich
um die Hilfsgüter bitten können, die von den Flüchtlingen besonders benötigt werden", erklärte Fitzwater.
Beim Aufbringen der Mittel, so der Sprecher, prüfen
amerikanische RegierungsVertreter bestehende Konten auf mögliche Quellen und haben das Problem
Vertretern der Koordinierungsgruppe Golfhilfe vorgetragen, die sich bisher mit der Unterstützung im Golfkrieg befaßt hatten.
Fitzwater erinnerte daran, daß die Vereinigten Staaten
seit Beginn der Krise am 2. August vergangenen
Jahres, als der Irak in Kuwait einfiel, an UN-Behörden
und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 35
Millionen Dollar an Bargeld, Zuschüssen und Sachgütern geleistet haben. Er fügte hinzu, am 5. April hätten
die Vereinigten Staaten erklärt, zusätzlich würden
durch das Rote Kreuz und UNICEF 11 Millionen Dollar
an humanitärer Hilfe bereitgestellt.
Der Sprecher verwies ferner darauf, daß die Europäische Gemeinschaft einen Beitrag von 180 Millionen
Dollar für die Nothilfe zugesagt hat.
Fitzwater erklärte, im Gebiet des von US-Truppen
besetzten südlichen Irak stellten die Streitkräfte den
etwa 40 000 Flüchtlingen und Vertriebenen weiterhin
medizinische Versorgung, Lebensmittel, Wasser und

Seite 1

�Obdach zur Verfügung. In den ersten zwei Tagen
wurden im Rahmen der Operation Provide Comfort der Abwurf von Hilfsgütern aus Militärflugzeugen für
die Flüchtlinge im Norden -18 Einsätze geflogen und
über 80 Tonnen Hilfsgüter für die Bedürftigen abgeworfen.
Im Außenministerium beschrieb der stellvertretende
Sprecher Richard Boucher den Flüchtlingsstrom aus
dem Irak als "massives" humanitäres Problem, das
nach einer "massiven" internationalen Reaktion verlangt. Er erläuterte, daß die Vereinten Nationen befugt
sind, den Flüchtlingen auf beiden Seiten der irakischen
Grenze zu helfen.
Boucher erklärte gegenüber Journalisten, Regierungsvertreter glaubten, die Weltorganisation müsse eine
"zentrale Rolle" bei der Katastrophenhilfe spielen und
sicherstellen, daß die irakische Regierung im Einklang
mit den am 5. April verabschiedeten Bestimmungen
der Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats kooperiert.
"Unserer Meinung nach gewährt Resolution 688 das
Recht, den Flüchtlingen grenzüberschreitend zu helfen," erklärte Boucher. "Wenn der Irak eine Kooperation mit dieser internationalen Bestrebung verweigern
würde, müßten wir andere Optionen erwägen, einschließlich weiterer Maßnahmen der Vereinten Nationen." Er fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten der
Meinung seien, die Resolution "bietet die Befugnis,
diese Arbeit zu leisten".
Resolution 688 verurteilt die Unterdrückung der irakischen Zivilbevölkerung durch die Regierung und bezeichnet die Konsequenzen dieser Unterdrückung als
Bedrohung für den Weltfrieden und die Sicherheit in
der Region. Sie fordert, daß der Irak diese Unterdrükkung unverzüglich aufgibt.
Boucher erklärte, der Sicherheitsrat "untersucht eine
Reihe von Vorschlägen zur Notfallhilfe" für die Vertriebenen.
Auf die Frage nach dem Vorschlag der Europäischen
Gemeinschaft, im Norden und Süden Iraks Schutzzonen für die Flüchtlinge zu schaffen, erklärte der stellvertretende Sprecher, dieser Vorschlag werde zusammen mit anderen Erwägungen gegenwärtig in den
Vereinten Nationen erörtert.
Boucher erinnerte daran, "die Idee eines Refugiums,
einer Enklave, einer Pufferzone, ist bei verschiedenen
Gelegenheiten immer wieder diskutiert worden. Darüber sprechen wir mit unseren Verbündeten in New
York."
Er betonte, die grenzüberschreitende Flüchtlingshilfe
beeinträchtige nicht die territoriale Integrität des Irak,
die von den Vereinigten Staaten weiterhin respektiert
wird. "Wir stehen hier vor einem internationalen Problem, einem humanitären Problem", wie diesen Flüchtlingen geholfen werden kann.

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Boucher teilte mit, daß Unterorganisationen der UNO
der Türkei Hilfsgüter für 20.000 Menschen und medizinische Ausrüstung für 110.000 Menschen geliefert
hätten. Das US-Amt für Internationale Entwicklung
habe in den vergangenen Tagen 275.000 Dollar für
den Ankauf von Wasser, Decken, Kleidung und Säuglingsnahrung vor Ort zur Verfügung gestellt.
Das US-Verteidigungsministerium habe mitgeteilt, daß
mit 12 militärischen Hilfsflügen - neun amerikanischen,
zwei britischen und einem französischen - am 8. April
57,6 Tonnen Hilfsgüter für Flüchtlinge abgeworfen
wurden. Weitere 17 Hilfsflüge waren für den 9. April
vorgesehen.
Im Hinblick auf die Lage an der irakisch-iranischen
Grenze erklärte der stellvertretende Sprecher, daß
zwischen 400.000 und 700.000 irakische Zivilisten zumeist Kurden - Zuflucht im Iran suchten und möglicherweise 500.000 bis 700.000 weitere die Grenze
bereits überschritten hätten. Das Internationale Rote
Kreuz bemühe sich in Zusammenarbeit mit dem Roten
Halbmond darum, diesen Flüchtlingen zu helfen.
Boucher zufolge sind die Vereinigten Staaten auch
weiterhin bestrebt, den Flüchtlingen im irakisch-iranischen Grenzgebiet über die multilateralen Hilfsorganisationen Hilfsgüter zu liefern.
Im Weißen Haus teilte Fitzwater mit, daß täglich etwa
5.000 amerikanische Soldaten aus dem Golfgebiet
abgezogen werden. Zur Zeit stünden dort noch etwa
350.000 Soldaten, gegenüber 540.000 bei Kriegsende, erklärte er.
Im Hinblick auf die noch im Südirak stehenden Truppen stellte derSprecherdes Präsidenten fest: "Sobald
die UNO-Beobachter ihre Stellungen dort einnehmen,
werden wir unseren Rückzug beschleunigen, bis alle
unsere Truppen das Land verlassen haben. Wir
können nicht genau sagen, wann alle unsere Truppen
dort abgezogen sein werden, aber wir nehmen an, daß
dies eine Frage von Tagen, nicht von Monaten, sein
wird."
"Wir werden während dieses Zeitraums unsere Überwachungsflüge im Land fortsetzen, um zu gewährleisten, daß die Waffenstillstandsresolution der UNO
fristgemäß durchgeführt wird", fügte Fitzwater hinzu.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen beabsichtigt, bis Ende der Woche eine Beobachtertruppe
im Irak zu stationieren. Diese Stationierung solle bis
Ende nächster Woche abgeschlossen sein, erklärte
Fitzwater vor Journalisten. Die Beobachtermission
solle bewaffnetes und unbewaffnetes Militärpersonal
aus Mitgliedstaaten der UNO umfassen und ihre Waffen
nur zur Selbstverteidigung benutzen dürfen.
Fitzwater stellte fest, die Mission, die die entmilitarisierte Zone zwischen dem Irak und Kuwait überwachen wird, werde insgesamt aus 1.400 Personen

AMERIKA DIENST 15

�bestehen, darunter300 Militärbeobachter, eine Einheit
mit Starrflüglem und leichten Hubschraubern sowie
eine Logistikeinheit. Fünf von in der Region stationierten Friedenstruppen ausgeliehene Kompanien würden in den ersten vier Wochen die Sicherheit der
Beobachter gewährleisten.
"Der Generalsekretär geht davon aus, daß die Regierungen von Kuwait und Irak alle Aspekte der zivilen
Verwaltung in den jeweiligen Teilen der entmilitarisierten Zone wahrnehmen werden, einschließlich der
Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung", erklärte
Fitzwater. Die UNO schätzt die Kosten für die Operationen im Rahmen dieser Mission auf 83 Millionen
Dollar in den ersten sechs Monaten und 40 Millionen in
den darauffolgenden sechs Monaten, erklärte der
Präsidentensprecher.

abwarten, nach welchen Gesichtspunkten der Generalsekretär diese Truppe zusammenstellt... Wir solltern sehr bald darüber Bescheid wissen."
Bis zum 3. April 1991 hatten 26 Staaten und internationale Organisationen nahezu 137 Millionen Dollar an
Bargeld, Nahrungsmitteln, Hilfsgütern und Gerät für
die Menschen bereitgestellt, die durch die irakische
Invasion Kuwaits und deren Folgen zu Flüchtlingen
wurden.
Der amerikanische Beitrag zu diesen Bemühungen
setzt sich folgendermaßen zusammen (in Dollar):

1.000.000

UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen)

Das Hauptquartier der Mission wird sich Fitzwater
zufolge in der entmilitarisierten Zone befinden, es wird
jedoch auch eine logistische Basis und Verbindungsbüros in Kuwait City und Bagdad unterhalten. Darüber
hinaus werde es anfänglich auch ein Verbindungsbüro
zu den Koalitionsstreitkräften im Südirak geben.

1.000.000

IKRK (Internationales Komitee
vom Roten Kreuz

750.000

IOM (Internationale Organisation
für Migration)

250.000

"Über die Frage der amerikanischen Beteiligung wurde noch nicht entschieden", erklärte Fitzwater. "Wie
der Präsident am Wochenende feststellte, wären wir
bereit (teilzunehmen), aber wir müssen zunächst

Türkischer Roter Halbmond
(UNDRO)

4.600.000

Nahrungsmittelhilfe
Welternährungsprogramm

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�NAHER

OSTEN
17. April 1991

HUMANITÄRE US-HILFE FÜR IRAKISCHE
FLÜCHTLINGE
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Übersicht über Bestrebungen der Vereinigten Staaten,
den irakischen Flüchtlingen zu helfen, wurde am 11. April 1991 vom Weißen Haus herausgegeben.

I. Frühe Reaktionen und Planungen zum
Flüchtlingsproblem
Die Vereinigten Staaten leisteten für die nach der
irakischen Invasion Kuwaits in Jordanien eintreffenden Flüchtlinge einen Beitrag von 28 Millionen Dollar.
Wir haben uns aktiv an der Organisation internationaler Maßnahmen zur Bewältigung der Krise beteiligt,
insbesondere der Rückführung von Bürgern aus Drittländern.
Später haben die Vereinigten Staaten die Vorbereitungen der Vereinten Nationen für 400.000 potentielle
Flüchtlinge mitorganisiert und dafür 7,6 Millionen Dollar bereitgestellt. Wir erhielten Zusagen in Höhe von
38 Millionen Dollar, und in der Türkei, Jordanien,
Syrien und dem Iran wurden für jeweils 100.000 Flüchtlinge vier Einheiten mit Nachschub für die Flüchtlingshilfe geschaffen.
II. Katastrophenhilfe im besetzten Südirak
Die Vereinigten Staaten leisten seit dem 28. Februar
im Süden des Irak humanitäre Hilfe. Bis heute haben
die CENTCOM-Streitkräfte über 500.000 Mahlzeiten
und 3,8 Millionen Liter Wasser verteilt, mehr als 5.000
kranke Iraker behandelt und über 350 irakische Zivilisten evakuiert, damit sie in amerikanischen oder saudiarabischen Krankenhäusern behandelt werden können. Darüber hinaus haben US-Truppen in Safwan
einen Brunnen für die Zivilbevölkerung gebohrt, der
täglich 110.000 Liter Wasser spendet. Ferner hat man
in Amerika bisher nur einen Bruchteil der guten Taten
von US-Soldaten gesehen, die den irakischen Flüchtlingen Nahrungsmittel und Wasser geben.

AMERIKA DIENST 15

Täglich leistet CENTCOM folgendes:
die klinische Behandlung von über 150 Irakern
täglich, wobei der Schwerpunkt auf der Behandlung von Kindern liegt,
600 Patienten werden täglich ambulant behandelt,
27.000 bis 30.000 Iraker werden täglich mit
Lebensmitteln versorgt,
die Iraker erhalten Material, um selbst Unterstände zu bauen,
südlich von Safwan gibt es ein Lager für 6.000
Flüchtlinge und
Schutz für die irakischen Flüchtlinge
III. Hilfsbestrebungen für die irakischen Kurden
Das dramatische Ausmaß des kurdischen Flüchtlingsproblems wurde in der ersten Aprilwoche deutlich. Bis
zum 4. April waren alternative Vorgehensweisen erarbeitetworden, um auf dem Luftweg massive Unterstützung bereitzustellen und der Präsident traf am Morgen
des 5. April die Entscheidung, dies in die Wege zu
leiten. Die Vereinigten Staaten haben sich ernsthaft
bemüht, den größtmöglichen internationalen Beitrag
zu diesen Bestrebungen zu erhalten.
Dem amerikanischen Militär wurde die Aufgabe übertragen, den Flüchtlingen im Nordirak und der südlichen
Türkei humanitäre Hilfsgüter wie Nahrungsmittel,
Wasser, Zelte und medizinische Notversorgung zu-

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�kommen zu lassen, bis internationale Hilfsorganisationen diese Aufgabe übernehmen können. Das Ziel ist,
die 700.000 Flüchtlinge für 30 Tage mit dem Notwendigsten zu versorgen - Nahrungsmitteln, Kleidung und
Schutz für mehr Menschen als die Einwohnerzahl von
Richmond (Virgina) beträgt.
Die Operation Provide Comfort ist die umfassendste
Hilfsbestrebung, die in der modernen Militärgeschichte in die Wege geleitet wurde. In weniger als einer
Woche übertraf sie die massiven Lufttransporte an
Hilfsgütern, die von den Vereinigten Staaten im Dezember 1988 nach Armenien geschafft wurden.
Schlechtes Wetter in dem Gebiet und mangelnde
Navigationshilfen sowie die praktisch nicht existierende Infrastruktur in der Südosttürkei erschweren diese
Operation. Die örtlichen Straßen sind in einem desolaten Zustand, und aus diesem Grund entschied man
sich für das Abwerfen der Güter als schnellste Reaktion.
Dieses außerordentliche Hilfsunternehmen der Vereinigten Staaten vollzieht sich in vier Phasen:
Phase I - Unmittelbare Hilfe. Diese Phase
begann am Sonntagmorgen, dem 7. April, mit
sechs Abwürfen von rund 30 Tonnen Nothilfegütern. Wir gehen davon aus, daß diese Phase
bis etwa zum 17. April dauern wird. Nahrungsmittel, Mäntel, Zelte und Decken werden während dieser Phase zusammen mit ersten medizinischen Versorgungsteams bereitgestellt, die
Vorbereitungen für einen längeren Aufenthalt
treffen.
Phase II - Organisierter Aufenthalt. Gleichzeitig
bereiten wir den Übergang zu einem längeren
Aufenthalt vor. In der Türkei werden vorgezogene Stützpunkte aufgebaut und die Flug- und
Seehäfen vorbereitet. Die amerikanische Regierung hat Aufträge für den Überlandtransport
eines Großteils der Nahrungsmittel vergeben.
Der Übergang von Abwürfen aus den C-130Flugzeugen zu Überlandtransporten wird den
Fluß der Hilfgüter außerordentlich verbessern.
Phase III - Gewährleistung maximaler Hilfslieferungen. Dank der geplanten Hilfsbestrebungen
sollen die 700.000 Flüchtlinge mit einer Mahlzeit
pro Tag versorgt werden. Während dieser
Phase wird das amerikanische Militär seine
gesamte Logistik zur Verfügung stellen, um
kontinuierliche Nachschuboperationen großen
Umfangs zu gewährleisten und die Übertragung
der Verantwortung auf internationale Organisationen vorzubereiten, wenn das amerikanische
Militär abgezogen wird.
Phase IV - Übergabe. Wir hoffen, den internationalen Hilfsorganisationen bis Ende dieses

Monats die logistische Infrastruktur übergeben
zu können, damit sie die HilfsbeströbÜngen
fortsetzen können.
Bis jetzt wurden bei 41 amerikanischen Hilfsflügen mit
C-130-Maschinen 136 Tonnen Fertiggerichte, 45.000
1,5-Liter Flaschen Wasser, 35 Tonnen Decken und
400 Fallschirme (als Zelte zu benutzen) abgeworfen.
Gegenwärtig werden 3.500 Tonnen Nahrungsmittel
für die Flüchtlinge zum türkischen Hafen Iskenderun
transportiert, die mit der USS San Diego am 12. April
und der USNS Sirius am 16. April dort eintreffen
werden. Container und Fracht werden darin auf Lastwagen umgeladen und nach Incirlik zum Weitertransport per Luft oder direkt zu Stützpunkten für die
humanitäre Unterstützung transportiert, von wo aus
sie auf die verschiedenen Punkte an der Grenze
verteilt werden.
Darüber hinaus werden in den nächsten fünf Tagen die
folgenden Hilfsgüter in der Türkei eintreffen, die dann
aus der Luft abgeworfen oder per Lastwagen zu den
Flüchtlingen transportiert werden sollen:
588.000 Decken,
2.800 Zelte,
80.000 Feldjacken.
Die Vereinigten Staaten liefern Hilfsgüter so schnell
wie es die logistische Infrastruktur zuläßt.
Wir haben der irakischen Regierung mitgeteilt, sie
solle diese Hilfsoperationen nicht behindern und in
diesem Zusammenhang weder Starr- noch Drehflügler nördlich des 36. Breitengrads einsetzen. Großbritannien und Frankreich haben sich an unseren Lufttransportmaßnahmen beteiligt, und eine wachsende
Zahl von Staaten leistet Beiträge zur Luftbrücke oder
liefert Hilfsgüter in die Türkei.
In enger Abstimmung mit der türkischen Regierung
und unserem Amt für Internationale Entwicklung sowie
dem Büro für Katastrophenhilfe im Ausland hat das
amerikanische Militär seit Beginn dieser schrecklichen
menschlichen Tragödie die Führung bei der Organisation und Koordinierung dieser historisch einmaligen
Hilfsaktion mit anderen Ländern übernommen.
Wir werden diese Flüchtlinge nicht im Stich lassen und
Saddam Hussein nicht gestatten, die Hilfsoperationen
in den sicheren Gebieten, in denen sie Zuflucht gesucht haben, zu behindern. Darüber hinaus hat der
Präsident angeordnet, daß nichts unversucht gelassen wird, um den Flüchtlingen zu helfen. Er hat
deshalb alle benötigten Mittel bewilligt, um dieser
Verpflichtung gerecht zu werden, bis die internationalen Hilfsorganisationen diese Aufgabe übernehmen
können.

* * * *
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*
AMERIKA DIENST 15

�NICHTVERBREITUNG
17. April 1991

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER
VEREINIGTEN STAATEN
von Ronald F. Lehman II
WASHINGTON - (AD) - Ronald F. Lehman II ist Leiter des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. Der
nachstehende Überblick über den gegenwärtigen Stand der Bemühungen zur Verhinderung der Verbreitung von
- atomaren, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen sowie Kontrolle der Raketen, die als
Trägersysteme verwendet werden können, wurde im März 1991 in Form eines Vortrags vor dem World Affairs
Council in Riverside (Kalifornien) veröffentlicht. Er behandelt die derzeitige Verbreitung dieser Waffen, die
Bereiche, in denen es Fortschritte bei der Eindämmung dieser Verbreitung gibt, die Probleme beim Umgang mit
der Verbreitung der unterschiedlichen Arten von Waffen, die internationalen Abkommen und Institutionen, die
zu ihrer Kontrolle ins Leben gerufen wurden, deren Fortschritte und Leistungen sowie die amerikanische Politik
zur Unterstützung der Nichtverbreitung.

t
1

Das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung beschäftigt sich intensiv mit den Verhandlungen über Rüstungskontrolle, und zwar sowohl bilateral mit der
Sowjetunion als auch multilateral, etwa im Hinblick auf
das Abkommen über Konventionelle Streitkräfte in
Europa oder die Genfer Verhandlungen über ein weltweites Verbot chemischer Waffen. Heute möchte ich
jedoch einen anderen Aspekt der Rüstungskontrolle
ansprechen: die Eindämmung der Verbreitung von atomaren, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen und Raketensystemen, die als deren
Trägersysteme dienen können. Außenminister Baker
bezeichnete die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen unlängst als "die vielleicht größte Herausforderung der Sicherheit in den neunziger Jahren".
Es ist in der Tat eine Ironie - vielleicht der Gipfel der
Ironie unserer Zeit -, daß in dem Moment, in dem sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ernsthaft
anschicken, ihre Waffenarsenale zu reduzieren und zu
kontrollieren, andere Staaten, von denen zahlreiche in
Spannungsgebieten liegen, sich genau in die entgegengesetzte Richtung bewegen. Die Vereinigten Staaten
sind seit langem bestrebt, einseitige und multilaterale
Mechanismen zu entwickeln, um dieser Verbreitung
Einhalt zu gebieten. Ich möchte heute sowohl den
Charakter des Problems als auch die sehr ernsthaften
Bemühungen der Bush-Administration zu dessen
Bewältigung erörtern.
AMERIKA DIENST 15

Nichts hat unsere gemeinsame Aufmerksamkeit vielleicht so sehr auf das Problem der Verbreitung gelenkt
wie die gegenwärtige Lage im Irak.
Der Irak hat acht Jahre lang einen blutigen Krieg gegen
den Iran geführt, der eine Million Opfer gefordert hat.
Kaum eine Familie im Irak blieb von den Auswirkungen
dieses Krieges verschont. Der Irak hat chemische
Waffen eingesetzt, zuerst gegen den Iran und dann
gegen seine eigenen unschuldigen Bürger und damit
alle internationalen Normen verletzt. Am Ende dieses
Konflikts, während des "Kriegs der Städte", feuerten
der Irak und der Iran Hunderte von Raketen gegen die
Bevölkerungszentren des jeweiligen Gegners ab. Es
gab einen Zeitpunkt, an dem die Hälfte der Bevölkerung Teherans dadurch aus der Stadt vertrieben wurde.
Man hätte annehmen können, daß eine erschöpfte,
verausgabte Nation eine Atempause angestrebt hätte,
eine Zeit zum Wiederaufbau. Statt dessen bemühte
sich der Irak mit einer Armee von einer Million Mann
unverzüglich darum, zur regionalen Supermacht aufzusteigen und forderte bei seinem Streben nach Vorherrschaft in der arabischen Welt sowohl Ägypten als
auch Syrien heraus. Und dann marschierte er in
Kuwait ein. Diese Handlungsweise entbehrte nicht der
Ironie, denn ohne die Hilfe Kuwaits im Krieg gegen den
Iran hätte der Irak diesen Krieg verloren. Ein großer
Seite 1

�Teil des militärischen und anderen Nachschubs für
den Irak wurde über Kuwait abgewickelt. Es war
Kuwait, das einen großen Beitrag zur Vermarktung
des irakischen Öls leistete und sogar eigenes Öl für
den Irak verkaufte, und es war Kuwait, das eine
führende Rolle bei der Vergabe von Krediten spielte,
mit denen die Kriegführung des Irak finanziert wurde.
Es wird angenommen, daß der Irak neben seiner
Chemiewaffenfähigkeit auch biologische Waffen entwickelt. Auch sein Atomprogramm gab Anlaß zu
großer Besorgnis.
Obwohl es den Vertrag über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen unterzeichnete, hat Bagdad raffinierte und
umfassende verdeckte Bemühungen durchgeführt, um
mehrfach nutzbare Ausrüstung zum Aufbau einer Infrastruktur für die Waffenproduktion einzusetzen. Wie
auch immer, so war zumindest ein Ergebnis des Golfkrieges ein erheblicher Rückschlag für das Programm
des Irak.
Die irakischen Aktivitäten stellen jedoch nicht unsere
einzige Herausforderung im Bereich der Nichtverbreitung dar und noch nicht einmal die einzige in der
gesamten Region des Nahen/Mittleren Ostens und
Südasiens. Auch andernorts in der Region haben
andere, darunter der Iran, Libyen und Syrien, chemische Waffen beschafft oder schicken sich an, dies zu
tun. Wir alle wissen, daß Israel nichtkontrollierte
nukleare Einrichtungen besitzt. Israel hat darüber
hinaus seine eigene hochentwickelte militärische Infrastruktur. Als Konfliktregion bedeutet der Nahe
Osten für uns eine der größten Herausforderungen im
Bereich der Nichtverbreitung, insbesondere angesichts
von Ausmaß und Entwicklungsstand der Rüstungen.
Weiter im Osten werden die Probleme auch nicht
unkomplizierter. Die keiner internationalen Kontrolle
unterliegenden atomaren Aktivitäten Pakistans und
Indiens geben Anlaß zu tiefer Sorge. Im Jahr 1974
zündete Indien einen nuklearen Sprengsatz und deutete damit seine Fähigkeiten an. Pakistan hat sich um
eine ähnliche Fähigkeit bemüht. Während der gesamten achtziger Jahre war Pakistan ein Hauptempfänger
amerikanischer Auslandshilfe, teilweise aufgrund seiner Unterstützung der internationalen Bemühungen
zur Beendigung der sowjetischen Besetzung Afghanistans.
Seit 1985 ist die Gewährung amerikanischer Hilfe an
Pakistan jedoch von einer Bescheinigung des Präsidenten an den Kongre ß abhängig, derzufolge Pakistan
keine atomaren Sprengsätze besitzt. In den letzten
Jahren ist es immer schwieriger geworden, diese
Bescheinigung auszustellen. Im Jahr 1988 informierte
Präsident Reagan den Kongreß, daß dieser "sich
bewußt sein sollte, daß mit der Zunahme der nuklearen Fähigkeiten Pakistans und bei Anhäufung weiterer
Beweise über dessen Aktivitäten dieses Verfahren der
jährlichen Bescheinigung vom Präsidenten Einschät-

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zungen zum Stand der pakistanischen atomaren Aktivitäten erfordern wird, die nur sehr schwer oder unmöglich mit einiger Sicherheit zu erlangen sind".
Präsident Bush hat diese Besorgnis im Jahr 1989
bekräftigt. Die im Oktober 1990 fällige Bescheinigung
für das Haushaltsjahr 1991 wurde noch nicht ausgestellt, und die Angelegenheit wird weiter geprüft. Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten Pakistan seit
Oktober 1990 keinerlei neue Wirtschafts- oder Militärhilfe gewährt - diese Hilfe beläuft sich auf 600 Millionen
Dollar jährlich.
Noch weiter im Osten sind die Vereinigten Staaten
besorgt über die anhaltende Weigerung Nordkoreas,
seine Verpflichtungen gemäß dem Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) zu erfüllen.
Nach seinem Beitritt im Jahr 1985 hätte das Land
aufgrund dieses Vertrags innerhalb von 18 Monaten
eine umfassende Kontrollvereinbarung durchführen
müssen - also alle seine nuklearen Einrichtungen der
internationalen Inspektion durch die Internationale
Atomenergieorganisation (IAEO) unterstellen müssen.
Fünf Jahre danach hat Nordkorea trotz zunehmender
internationaler Bestürzung diese Kontrollvereinbarung
immer noch nicht unterzeichnet, gleichzeitig jedoch
weiter an der Entwicklung seines Atomprogramms
gearbeitet. Ich möchte hier eindeutig feststellen:
Nordkoreas Verpflichtung gemäß diesem Vertrag, zu
dessen Beitritt es sich freiwillig entschlossen hat,
besteht ohne Einschränkung. Es gibt keine Sonderbedingungen oder Begrenzungen. Meines Erachtens ist
es unerläßlich, daß Nordkorea sein Engagement für
den Vertrag und das Nichtverbreitungsregime insgesamt beweist, indem es sein umfassendes Kontrollabkommen unterzeichnet und in Zukunft anwendet.
Stellen Sie sich einen Moment die Folgen für die
Sicherheit Ostasiens vor, wenn sich Nordkorea Kernwaffen beschaffen würde. Seine bisherige Handlungsweise, darunter Planung und Ausführung eines terroristischen Bombenanschlags, bei dem nahezu das
gesamte südkoreanische Kabinett ums Leben kam,
läßt uns ob dieser Aussicht erschauern. Wir alle sind
uns durchaus der Tatsache bewußt, wie viel komplizierter unsere Bemühungen am Persischen Golf
gewesen wären, wenn der Irak seine atomaren Ambitionen verwirklicht hätte. Unsere Verbündeten in
Ostasien, einschlie ßlich Südkorea und Japan, sind tief
besorgt über die mangelnde Bereitschaft Nordkoreas,
die Überprüfung seiner atomaren Einrichtungen zu
gestatten, und beide haben der Erfüllung dieser Verpflichtung durch Nordkorea Priorität eingeräumt, da
Nordkorea sich anschickt, seine diplomatische Isolierung zu durchbrechen.
Andernorts besteht im Bereich der Verbreitung von
Kernwaffen meines Erachtens Grund zu Optimismus.
In den vergangenen drei Jahren hat Südafrika, ein
weiteres Land mit nichtkontrollierten atomaren Einrichtungen, eine Annäherung an den NPT vollzogen.

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Wir hegten sogar die begründete Hoffnung, daß Südafrika im letzten Sommer, als eine der regelmäßigen
Überprüfungskonferenzen zum NPT stattfand, dem
Vertrag beigetreten wäre. Zusammen mit Großbritannien und der UdSSR haben wir alles in unserer Macht
Stehende unternommen, um es dazu zu ermutigen.
Zu unserem Bedauern hat es das nicht getan. Trotzdem hat Südafrika unlängst Vertreter zur IAEO entsandt, um ein Kontrollabkommen auszuhandeln, das
all sein nukleares Material internationalen Inspektionen unterwerfen würde, und ich hoffe weiterhin, daß
Südafrika davon überzeugt werden kann, dem NPT
beizutreten. Obwohl die südafrikanische Regierung
mit einer Vielzahl innenpolitischer Probleme konfrontiert ist, sind die südafrikanischen Stellungnahmen,
wie ich feststellen möchte, weiterhin positiv. Es ist
ferner ermutigend, daß mit Mosambik im vergangenen
Sommer ein Frontstaat dem Vertrag beigetreten ist.
In Südamerika vollziehen sich echte Fortschritte. Die
beiden Länder mit fortgeschrittenen Nuklearprogrammen - Brasilien und Argentinien - haben kürzlich ein
bilaterales Abkommen geschlossen, um alle ihre kerntechnischen Einrichtungen der lAEO-Kontrolle zu
unterstellen. Ihre Vertreter befinden sich heute in
Wien, um dieses Abkommen auszuhandeln, und es
besteht berechtigte Hoffnung, daß die Verhandlungen
vor dem Jahresende abgeschlossen werden. Brasilien und Argentinien haben sich ferner dazu verpflichtet, den Vertrag von Tlatelolco in Kraft zu setzen.
Tlatelolco schafft eine kernwaffenfreie Zone in Südamerika, und es ist deshalb lebenswichtig, daß Argentinien und Brasilien dem Vertrag beitreten.
Ich möchte mich nun unseren nichtnuklearen Anliegen
widmen: chemischen und biologischen Waffen sowie
Raketensystemen. Zunächst zu den chemischen
Waffen. Vor zwanzig Jahren wurde nur von fünf
Staaten angenommen, daß sie chemische Waffen
besaßen. Heute schätzt der Direktor des Nachrichtendienstes CIA vor dem Kongreß, daß diese Zahl auf
etwa 20 gestiegen ist und andere möglicherweise
versuchen, sie zu beschaffen. Die Produktion chemischer Waffen ist relativ preiswert, und ihre Herstellung
erfordert keine hochentwickelte Technik.

•

In fast allen Fällen gibt es für die zur Herstellung
chemischer Waffen erforderlichen Chemikalien und
Apparate berechtigte Anwendungen in der Industrie,
und sie sind freier erhältlich, weil Raffinerien, Düngemittel- und Pestizidfabriken sowie die Pharmaindustrie expandiert haben. Dazu einige Beispiele: Phosphoroxid wird etwa bei der Herstellung von Kunststoffund Gummizusätzen, Pestiziden und Hydraulikölen
eingesetzt. Es kann aber auch zur Produktion des
Nervengases Tabun eingesetzt werden. Phosgen
wird bei der Herstellung von Kunststoffen und Lacken
verwendet, ist aber auch ein Stickgas, das erstmalig im
Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. In ähnlicher Weise
kann ein Großteil der heute produzierten Chemikalien

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und der Produktionsanlagen auch zur Herstellung von
Stoffen zur chemischen Kriegführung eingesetzt werden. Die Leichtigkeit und die Geschwindigkeit, mit der
chemische Waffen verdeckt hergestellt werden können, tragen eindeutig zu ihrer Attraktivität bei - und
erhöhen bei manchen Ländern die Versuchung, damit
die konventionellen Fähigkeiten eines Gegners zu
kompensieren.
Zusätzlich zur Weiterverbreitung chemischer Waffen
findet eine beängstigende Verbreitung biologischer
Waffen statt, obowohl sie durch eine Konvention verboten sind. Biologische Waffen sind potenter als die
schrecklichsten Kampfstoffe zur chemischen Kriegführung. Im vergangenen Jahr erklärte der Direktor
des US-Nachrichtendienstes CIA bei einer öffentlichen Anhörung im Kongreß, daß "sich mindestens
zehn Länder darum bemühen, bereits bekannte und
neue biologische Waffen herzustellen".
Biologische Waffen und ihre Produktionsanlagen sind
in jedem Falle vielseitig verwendbar. Es gibt keine
Substanzen oder Anlagen, die allein zur Herstellung
biologischer Waffen eingesetzt werden können - dieselben Materialien spielen eine entscheidende Rolle in
der medizinischen Forschung. Zahlreiche Substanzen biologischer Waffen kommen in der Natur vor.
Tatsächlich kann jedes Land mit einer halbwegs entwickelten pharmazeutischen Industrie biologische
Waffen herstellen, wenn es das will.
Wenn Länder diese Massenvernichtungswaffen herstellen können, dann benötigen sie dafür auch Trägersysteme.
Ballistische Raketen sind solche Instrumente, und sie
stellen daher eine besonders destabilisierende Waffenkategorie dar. Sie können eine Vielzahl von nuklearen, konventionellen und nichtkonventionellen Waffen mit großer Geschwindigkeit zum Einsatz bringen. Gegenwärtig gibt es gegen viele ballistische
Raketen keine Verteidigung. Darüber hinaus können
sie nach ihrem Abschuß nicht zurückgeholt werden.
Selbst bei Raketen wie der relativ altmodischen SCUD,
die abgeschossen werden kann, funktioniert das nur
auf geringe Distanz. In einer solchen Situation könnten zum Beispiel immer noch giftige Chemikalien auf
das Territorium dessen gelangen, der sich verteidigt.
Daraus folgt, daß ihr Vorhandensein einen Erst- oder
Präventivschlag provozieren und damit in Zeiten einer
Krise oder zunehmender Spannungen weiter zur regionalen Instabilität beitragen könnte.
Es gibt einen starken internationalen Druck gegen den
Einsatz nuklearer und chemischer Waffen, aber im
Hinblick auf Raketen besteht kein solcher internationaler Konsens. In den letzten Jahren haben einige
Länder Mittelstreckenraketen selbst entwickelt oder
stehen kurz vor deren Entwicklung. Andere haben sie
erworben. Wieder andere behaupten, sie würden nur
ihre eigene Raumfahrt entwickeln. Dennoch ist diese

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�zivile Technologie identisch mit der Technik für ballistische Raketen. Unglücklicherweise befinden sich viele
Länder mit der Fähigkeit zur Herstellung von Raketen
in spannungsreichen Regionen, insbesondere im Nahen
Osten und Südasien, wo der Einsatz solcher Raketen
bei künftigen Konflikten ihr destruktives Potential erheblich steigern wird.
Sie sehen, die Probleme sind ernst, in gewisser Weise
verzahnt und werden durch das rapide Wachstum und
die Verbreitung von Hochtechnologie noch komplizierter. Der Umgang damit ist ein wichtiges politisches
Anliegen geworden. Eine der vier ACDA-Abteilungen
beschäftigt sich ausschließlich mit der Politik der Nichtverbreitung. Die US-Regierung richtet ihr Augenmerk
auf die gesamte Bandbreite dieser Probleme und
versucht damit, die Verbreitung dieser gefährlichen
Waffen aufzuhalten. In jedem Problemfeld, bei nuklearen, chemisch-biologischen Waffen und Raketen
als deren Trägern üben die Vereinigten Staaten an
vorderster Front Druck aus, um dem System der
Nichtverbreitung Vorschub zu leisten.
Jede US-Regierung hat sich seit Ende des Zweiten
Weltkriegs darauf konzentriert, die Verbreitung nuklearer Waffen zu verhindern. Die Bush-Administration bildet da keine Ausnahme.
Die Institutionen zur Unterstützung des internationalen
Systems der Nichtverbreitung sind die ältesten und
erfahrensten, um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu stoppen. Ihr Eckpfeiler ist der Vertrag
über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT), dem
140 Staaten zugestimmt haben und der damit eines
der am meisten akzeptierten Rüstungskontrollvereinbarungen in der Geschichte ist. Er wurde in den
sechziger Jahren ausgehandelt und trat 1970 in Kraft.
Vor seiner Verabschiedung wurde allgemein erwartet,
daß es bis 1990 über 20 Atomwaffenstaaten auf der
Welt geben würde. Durch den NPT haben jedoch 137
Länder gelobt, keine Kernwaffen zu erwerben und ihr
Kernspaltungsmaterial internationaler Kontrolle unterstellt, die von der Internationalen Atomenergieorganisation ausgeübt wird.
Mit seinen vielen Mitgliedstaaten hat der NPT einen
Maßstab gesetzt, der auch nicht daran beteiligten
Ländern Hindernisse bei der Verbreitung von Kernwaffen in den Weg legt. Seit Inkrafttreten hat sich kein
einziges Land zum Atomwaffenstaat erklärt. Lediglich
ein Land - Indien - hat einen Atomtest durchgeführt.
Seit diesem Test vor 16 Jahren hat kein anderer
Nichtatomwaffenstaat einen Atomtest durchgeführt.
Der NPT soll 1995 verlängert werden. Die Vereinigten
Staaten setzen sich für eine bessere Unterstützung
des Vertrags und für eine unbefristete Verlängerung
ein. In den nächsten vier Jahren werden wir seiner
allgemeinen Einhaltung den Weg bereiten. Bei der
vierten Folgekonferenz des NPT im Sommer vergangenen Jahres haben Frankreich und China als die zwei

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Atomwaffenstaaten, die nicht Vertragsparteien sind,
erstmals Beobachterdelegationen entsandt. Diese
Entwicklung war begrüßenswert, und wir hoffen, daß
beide Länder unter Umständen dem Vertrag vor 1995
beitreten.
Im Rahmen des NPT existiert der Ausschu ß der Atomexporteure, der auch - nach seinem ersten Vorsitzenden-als Zangger-Ausschuß bekannt ist. Artikel III des
NPT verbietet jeder Partei, Spaltmaterial oder Anlagen
zur Herstellung von Kernwaffen an Nichtatomwaffenstaaten zu liefern, ohne bestimmte Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Obwohl alle Atomanlagen von
NPT-Parteien gemäß dem NPT geschützt sind, war
die Vereinbarung einer Liste erforderlich, um darzulegen, welche Nuklearexporte Kontrollmaßnahmen für
Nicht-NPT-Parteien umgehen würden. Die Ausschußmitglieder aus 23 Ländern treffen sich zweimal im Jahr
zur Überprüfung und Aktualisierung der Liste im Sinne
der neuesten Technologie.
Darüber hinaus wurde Mitte der siebziger Jahre eine
weitere Gruppe der Lieferanten von Atommaterial
gegründet. Damit wurden Nicht-NPT-Parteien und
Lieferanten von Atommaterial - hauptsächlich Frankreich - in ein System eingebunden, das im wesentlichen dieselbe Art von eindeutig einsetzbarer Nukleartechnologie kontrolliert wie der Zangger-Ausschuß.
Seit der Irak und andere Länder jedoch versucht
haben, verdeckt Mehrzweckmaterial zu erwerben, um
ihre Kernwaffenprogramme zu modernisieren - das
heißt, Gerät zu erwerben, das nicht einzig und allein
bei der Entwicklung von Kernwaffen eingesetzt werden kann - sind wir zu dem Schluß gekommen, daß
diese Mehrzweckgeräte ebenfalls multilateral kontrolliert werden müssen. Die Vereinigten Staaten führen
diese Kontrollen seit langem durch und fordern in den
meisten Fällen Einzelgenehmigungen, bevor sie exportiert werden dürfen. Unserer Ansicht nach liefert
uns die internationale Sorge über irakische Versuche
zum Erwerb solcher Geräte eine ausgezeichnete
Gelegenheit, auf multilateraler Ebene rigorosere Exportkontrollen zu verhängen. Dieses Ziel verfolgen wir
mit allem Nachdruck.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin aus rechtlichen und politischen Gründen ihre Zusammenarbeit
mit solchen Ländern nicht verstärken, die keine umfangreichen Kontrollen durchführen. Diese Sicherheitsmaßnahmen unterstellen alle zivilen Atomkraftwerke der internationalen Kontrolle, um sicherzustellen, daß kein Spaltmaterial für ein Kemwaffenprogramm abgezweigt wird. Wir haben andere Lieferanten von Atommaterial aufgefordert, dieselben Maßnahmen zu ergreifen.
In jüngster Zeit teilen Japan, Deutschland und die
Niederlande das Konzept der Vereinigten Staaten,
nicht dagegen Großbritannien, Frankreich und die
Sowjetunion. Frankreich verhandelt zum Beispiel
gegenwärtig mit Pakistan über den Verkauf eines
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�Atomreaktors. Der Reaktor selbst wird internationaler
Kontrolle unterstellt, aber Frankreich fordert nicht, daß
alle anderen Atomkraftwerke Pakistans ebenso gesichert sind. Unserer Ansicht nach erhält Pakistan damit
den Vorteil der nuklearen Zusammenarbeit, ohne sich
selbst der nuklearen Nichtverbreitung unterwerfen zu
müssen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
alles tun, damit alle Lieferanten von Atommaterial
umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen als Bedingung
der nuklearen Zusammenarbeit ergreifen.
Ich möchte ferner insbesondere auf die Bedeutung der
Internationalen Atomenergieorganisation, der IAEO,
hinweisen. Wie ich bereits erläutert habe, hat jeder
Nichtatomwaffenstaat, der dem NPT angehört, umfangreiche Kontrollmaßnahmen verabschiedet. Die
IAEO handelt als internationale Organisation Kontrollabkommen aus und inspiziert Atomanlagen, um sicherzustellen, daß kein nukleares Material für andere
Zwecke abgezweigt wird. Durch die IAEO werden die
meisten Programme der nuklearen Kooperation zu
friedlichen Zwecken durchgeführt. Die Vereinigten
Staaten betrachten die IAEO als unerläßlichen und
wesentlichen Eckpfeiler des Systems der Nichtverbreitung von Kernwaffen. Wir sind bei weitem ihre
wichtigste Finanzierungsquelle, stellen jedes Jahr etwa
25 Prozent ihres Haushalts zur Verfügung und leisten
den größten Beitrag zu ihrem Programm derfreiweilligen nuklearen Kooperation.
Präsident Bush hat auf die Notwendigkeit einer Förderung der IAEO verwiesen. Die Regierung erkennt,
wie wichtig es ist, zu gewährleisten, daß sie über die erforderlichen Ressourcen verfügt, um ihre Kontrollmaßnahmen aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls
auszubauen. Bei der NPT-Folgekonferenz im Sommer vergangenen Jahres wurde die IAEO aufgefordert
zu prüfen, wie sie ihrem Recht nachkommen kann,
"Sonderinspektionen" durchzuführen, die über normale routinemäßige Prüfungen von Atomanlagen hinausgehen. Das irakische Atomprogramm deutet klar
darauf hin, daß solche "Sonderinspektionen" manchmal erforderlich sind. Die IAEO untersucht gegenwärtig die Kriterien, nach denen sie durchgeführt werden
könnten.
Die wesentlichen Elemente des nuklearen Nichtverbreitungsregimes sind also in die Praxis umgesetzt.
Wie ich jedoch bereits ausgeführt habe, vertreten die
Vereinigten Staaten die Auffassung, das Regime müsse
verbessert werden. Die Einhaltung des NPT muß
universeller, Exportkontrollen müssen strenger gehandhabt und die Schutzmaßnahmen erweitert werden.
Ich möchte mich nun unserer Politik zu chemischen
und biologischen Waffen zuwenden.
Die erste Priorität der amerikanischen Außenpolitik ist
nach wie vor ein weltweites Verbot der Entwicklung,
Herstellung und Lagerung chemischer Waffen. Das

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beste Kontrollregime für chemische Waffen ist und
bleibt ein weltweites Verbot. Wir verfolgen dieses Ziel
seit einer Reihe von Jahren bei der Genfer Abrüstungskonferenz, in den Rahmen die Verhandlungen
stattfinden. Unser Ziel für eine solche Rüstungskontrollvereinbarung lautet, daß sie wirklich weltweit gelten und verifizierbar sein muß.
Bis zur Verwirklichung eines solchen Verbots unternehmen wir sowohl einseitige als auch gemeinsame
Schritte zur Unterstützung der Genfer Verhandlungen
und zur Verhinderung des Einsatzes und der Verbreitung chemischer Waffen. Im vergangenen Jahr haben
wir mit der UdSSR ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, in dem beide Seiten vereinbarten, die Produktion chemischer Waffen einzustellen und mit der
Zerstörung der Arsenale zu beginnen. Im Verlauf der
kommenden Jahre werden beide Seiten 98 Prozent
ihrer chemischen Waffenbestände bis zu einem vollständigen Verbot vernichten.
Als weitere Übergangsmaßnahme arbeiten die Vereinigten Staaten aktiv in der "Australiengruppe" mit,
einem Zusammenschluß von 20 westlichen Nationen,
die untereinander Mittel und Wege zur Eindämmung
der Verbreitung chemischer Waffen erörtern. Die
Gruppe wurde im Jahr 1984 als Reaktion auf den
Einsatz dieser Waffen im iranisch-irakischen Krieg
gegründet. Alle Mitglieder der Gruppe haben unverzüglich eine "Schwarze Liste" mit 11 Chemikalien
erstellt, die nationalen Exportkontrollen mit einer kritischen Überprüfung unterliegen, bevor die Exportlizenz erteilt wird. Darüber hinaus hat die Gruppe eine
inoffizielle "Warnliste" mit weiteren 39 chemischen
Substanzen zum Mehrzweckeinsatz verabschiedet.
Die Mitglieder haben die Liste den chemischen Industrieunternehmen in ihren jeweiligen Ländern zukommen lassen und sie aufgefordert, alle verdächtigen
Transaktionen zu melden. Die Gruppe hat ferner
"Richtlinien" veröffentlicht, um die chemische Industrie für Transaktionen von Anlagen zur Herstellung
chemischer Waffen zu sensibilisieren, das zur Verbreitung dieser Waffen beitragen könnte. Darüber hinaus
hat die Gruppe ein Dokument herausgegeben, um
Industrie, Wissenschaftler und andere betroffene
Gruppen vor den Risiken der unbewußten Hilfe bei der
Verbreitung biologischer Waffen zu warnen.
Ich möchte betonen, daß die Zusammenarbeit der
amerikanischen Chemieindustrie mit der Regierung
ausgezeichnet war. Der Verband der chemischen
Industrie hat dem vorgesehenen Vertrag über chemische Waffen zugestimmt, einen Mechanismus zur
Selbstkontrolle eingeführt und der amerikanischen
Verhandlungsdelegation in Genf unschätzbare Hilfe
bei unseren Bestrebungen geleistet, die Konvention
über das Verbot chemischer Waffen zu einem praktikablen und durchführbaren Vertrag zu machen.
Vor kurzem haben die Mitglieder der Australiengruppe
entschieden, die 39 chemischen Substanzen, die auf
Seite 5

�der inoffiziellen Warnliste gestanden hatten, denselben restriktiven Exportkontrollen zu unterwerfen wie
die 11 Chemikalien auf der ursprünglichen Schwarzen
Liste. Im vergangenen November hat der Präsident
mit einer Durchführungsverordnung eine Erweiterte
Initiative zur Kontrolle der Verbreitung (Enhanced
Proliferation Control Initiative - EPCI) ins Leben gerufen. Im Rahmen von EPCI fordern die Vereinigten
Staaten jetzt Kontrollen durch Exportlizenzen für alle
50 von der Austaliengruppe genannten chemischen
Substanzen. Ferner schreiben wir Exportlizenzen für
Chemieanlagen und deren Entwurf vor. Darüber hinaus verschärfen wir die Kontrollen und die Rechenschaftspflicht für den Transfer von Anlagen und Technologie, bei dem der Exporteur weiß oder von der USRegierung darüber informiert wurde, daß der Export
für Entwurf, Entwicklung oder Herstellung von Raketen, chemischen oder biologischen Waffen verwendet
werden kann. Und schließlich werden amerikanische
Staatsbürger strafrechtlich verfolgt, die wissentlich bei
nicht genehmigten ausländischen C-Waffen- oder
Raketenprogrammen mitwirken.
Darüber hinaus versuchen wir, den Vertrag über biologische Waffen zu verbessern - es handelt sich hierbei
um einen internationalen Vertrag, der 1975 in Kraft trat.
Die Unterzeichnerstaaten dieses Vertrags haben sich
verpflichtet, niemals "biologische Waffen oder ihre
Trägersysteme zu entwickeln, herzustellen, zu lagern
oder anderweitig für feindselige Zwecke in einem
bewaffneten Konflikt zu beschaffen". (In Klammern
möchte ich hinzufügen, daß der Irak nicht Unterzeichner des Vertrags über biologische Waffen ist). Anfang
dieses Jahres haben der Kongreß und die Administration ferner die Beteiligung amerikanischer Staatsbürger an allen biologischen Waffenprogrammen zur Straftat
erklärt.
Zusätzlich zu den von uns zur Kontrolle der Verbreitung von Raketen im Rahmen von EPCI ergriffenen
Initiativen lag der Schwerpunkt unserer Bestrebungen
zur Begrenzung der Verbreitung von Raketensystemen in der aktiven Beteiligung an und der Erweiterung
des Kontrollregimes für Raketentechnologie (Missile
Technology Control Regime - MTCR). Das MTCR ist
eine gegenseitige Absichtserklärung seiner Unterzeichnerstaaten, ein Bündel von Exportkontrollen für Raketen und Raketentechnologie anzuwenden. Im wesentlichen kontrolliert MTCR den Export unbemannter
Trägersysteme einschließlich Marschflugkörpern und
ferngelenkten Trägersystemen (remotely piloted vehicle Systems - RPVS), die eine Nutzlast von 500 kg
300 km weit transportieren können sowie das Material
und die Technologie für solche Raketen.
Seit seiner Gründung im Jahr 1987 hat sich die Teilnehmerzahl am MTCR verdoppelt. Heute zählen
folgende 15 Länder dazu: Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, die

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Niederlande, Norwegen, Spanien und die Vereinigten
Staaten.
Die Vereinigten Staaten haben sich um die ernsthafte
Mitarbeit der führenden Technologielieferanten in Ostund Westeuropa sowie die Zurückhaltung der wachsenden Zahl von Entwicklungsländern bemüht - und
MTCR trägt das seine dazu bei. Die Mitarbeit der
westlichen Industrienationen an dem Regime war bei
der Verzögerung einer Reihe von Raketenprojekten
der dritten Welt entscheidend.
Ein Schwerpunkt des Regimes wird nach wie vor darin
bestehen, die Ueferanten aus Nichtunterzeichnerstaaten davon zu überzeugen, Technologieexporte zu
vermeiden, die Kontrollen zur Nichtverbreitung unterlaufen.
Die UdSSR hat sich öffentlich zur Einhaltung der
MTCR-Richtlinien zur Nichtverbreitung verpflichtet.
Obwohl noch einige wichtige Fragen gelöst werden
müssen - einschließlich der festen Zusage der Sowjetunion, die Lieferung von SCUD-Raketen nach Afghanistan einzustellen - hoffen wir, daß der Beitritt der
Sowjetunion zum MTCR in nicht allzu ferner Zukunft
erfolgen wird.
Obwohl China den Beitritt zum MTCR abgelehnt hat,
wurde doch die Bereitschaft angedeutet, eine Politik
der Zurückhaltung bei zukünftigen Raketentransfers
auszuüben. Dennoch sind wir weiterhin besorgt über
die Möglichkeit, daß die Chinesen eine neue Generation von Raketen auf den Markt bringen werden,
darunter die M-9/M-11, die in mindestens einer öffentlichen Rüstungsausstellung vorgeführt wurde. Wir
haben China wiederholt ermutigt, seine zukünftigen
Exporte in Einklang mit den Nichtverbreitungsnormen

des MTCR zu bringen.
Ein Großteil des von mir bisher Ausgeführten behandelt die sogenannte "Angebotsseite" des Problems.
Wir müssen uns daher mit der "Nachfrageseite" befassen, das heißt, den Motivationen, die Nationen zur
Beschaffung von Massenvernichtungswaffen bewegen. Unsere Hauptsorge über diese Verbreitung
konzentriert sich auf regionale Spannungsherde wie
den Nahen Osten und Südasien, und der Wunsch,
moderne, todbringende Waffenarsenale zu beschaffen, ist zum gro ßen Teil eine Manifestation der zugrundeliegenden politischen Spannungen.
Natürlich versuchen wir, ein nukleares Wettrüsten auf
dem indischen Subkontinent zu verhindern. Indien
und Pakistan haben drei Kriege geführt. Beide beobachten sich mit gegenseitigem Mißtrauen, und im
vergangenen Jahr kam es über den schwelenden
Konflikt in Kaschmir beinahe zum Eklat. Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung, daß die
Sicherheit keines Landes durch den Besitz von Kernwaffen verbessert wird, aber wir müssen die zugrundeliegenden, beiden Seiten bewußten politischen Pro-

AMERIKA DIENST 15

�bleme ansprechen, und dies erfordert einen regionalen Ansatz. Zur Zeit führen wir einen Dialog mit beiden
Ländern über die Möglichkeiten einer regionalen Lösung der Probleme, und meines Erachtens sind die
Interessen und Belange der UdSSR und Chinas direkt
betroffen.
Ich möchte mich nun dem Nahen Osten zuwenden.
Die Invasion des Irak in Kuwait, sein bisheriger Einsatz
chemischer Waffen und seine unprovozierten Raketenangriffe auf Israel haben ein Schlaglicht auf die Gefahren der Verbreitung nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen und Raketen für Aggressoren
geworfen. Wenn der Golfkrieg beendet ist, muß die
internationale Staatengemeinschaft ihre Bestrebungen zur Begrenzung der Verbreitung dieser Waffen im
Nahen Osten verdoppeln. Vor allem müssen wir
versuchen, den Irak in jedem Fall daran zu hindern,
seine Fähigkeiten zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen wiederzuerlangen. Die internationale
Staatengemeinschaft muß wirksame Wege zur Verwirklichung dieses Ziels in Erwägung ziehen, einschließlich der strikten Unterbindung jeglicher Auslandshilfe für solche Aktivitäten.
Falls es je Anlaß zu Hoffnung auf langfristige Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten gibt, müssen die
Vereinigten Staaten und andere Nationen darüber
hinaus Nichtverbreitungsmaßnahmen für die gesamte
Region ermutigen. Dabei müssen die Staaten in der
Region sicherlich ihre Tendenz überdenken, sich bei

*

AMERIKA DIENST 15

* *

der Beschaffung von Raketen und anderen nichtkonventionellen Waffen gegenseitig übertrumpfen zu wollen.
Einige politisch Verantwortliche im Nahen Osten, wie
der ägyptische Präsident Mubarak, haben bereits ihrer
Überzeugung Ausdruck verliehen, daß alle Länder in
der Region sicherer wären, wenn keiner von ihnen
Massenvernichtungswaffen besäße. Ich möchte hinzufügen, daß auch einige israelische Politiker diese
Meinung teilen.
Zusammen mit unserer Hoffnung auf Fortschritte in
der Nachkriegszeit bei der Lösung seit jeher schwelender territorialer Konflikte zwischen den Ländern des
Nahen Ostens erwarte ich, daß diese Länder Wege
zum Abbau der Gefahren eines regionalen Wettrüstens im konventionellen und nichtkonventionellen
Bereich suchen. Die Vereinigten Staaten werden
dieses enorm wünschenswerte Ziel fördern und unterstützen.
Ich hoffe, diese Übersicht vermittelt Ihnen einen gewissen Einblick in die ernsthaften Probleme, mit denen wir
uns bei der Verbreitung dieser Waffen konfrontiert
sehen und in den aktiven Ansatz, den die Vereinigten
Staaten bei ihrer Bewältigung verfolgen. Zweifelsohne liegt eine schwere Aufgabe vor uns, und sie wird uns
nicht immer mit sofortigem Erfolg beschieden sein. Ich
bin jedoch zuversichtlich, daß wir echte Fortschritte bei
der Milderung der gefährlichen Bedrohung erzielen
können, der sich die internationale Staatengemeinschaft durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen gegenübersieht.

*

*

Seite 7

�WIRTSCHAFT
17. April 1991

DAS PROGRAMM DES PRÄSIDENTEN ZUR
FÖRDERUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS
Übersicht des Weißen Hauses vom 9. April 1991

Der Präsident geht davon aus, daß eine starke, wachsende und dynamische Wirtschaft die Schaffung von
Arbeitsplätzen und Chancen für alle Amerikaner unterstützt. Die Administration verfolgt ein Programm zur
Förderung des Wirtschaftswachstums, das auf vier
Prinzipien aufbaut:
Ermutigung der Spar- und Investitionstätigkeit,
Eröffnung neuer Chancen auf den Weltmärkten,
Förderung einer qualifizierten und dynamischen
Erwerbsbevölkerung,
Abbau bürokratischer Hemmnisse.
I. ERMUTIGUNG DER SPAR- UND
IN VESTITIONSTÄTIG KEIT
Der Präsident engagiert sich für die Schaffung von
Bedingungen, die langfristigem, von den Marktkräften
bestimmtem Wirtschaftswachstum Vorschub leisten.
Die Administration unternimmt wichtige Schritte, um
die Kapitalkosten zu senken und unternehmerische
Initiative, die Spar- und Investitionstätigkeit sowie
Innovationen zu fördern. Der Präsident strebt Maßnahmen an, mit denen Hemmnisses für die Bildung
von Produktivkapital abgebaut werden und die gewährleisten, daß unsere physische, humane und technologische Infrastruktur die beste der Welt bleibt.

Abkommen gesetzten Ausgabenobergrenzen beschränken die Ausgaben zur freien Verfügung, während
neue, zwingend erforderliche Ausgaben durch Steuererhöhungen oder Reduzierungen in anderen Programmen gedeckt werden müssen.
Stärkung der privaten Spar- und Investitionstätigkeit
Der Präsident hat wiederholt eine Reduzierung der
Kapitalertragssteuer gefordert und den Vorsitzenden
der Bundeszentralbank, Alan Greenspan, gebeten,
eine technische Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen eines Abbaus der Kapitalertragsteuer zu erstellen.
Der Bundeshaushalt für das Haushaltsjahr 1992 beinhaltet ferner Vorschläge für Familiensparkonten, mit
denen notwendige Anreize zum Sparen geschaffen
werden sowie für steuerfreie Abhebungen von privaten
Rentenkonten für Ersterwerber von Wohneigentum.
Förderung eines innovativen und soliden Finanzsystems
Die von der Administration in Angriff genommene
Reform der Finanzwirtschaft wird dazu beitragen, die
anhaltende Stärke unseres Finanzsystems zu sichern.
Eine umfassende Reform des Bankwesens wird unsere überholten Bankgesetze modernisieren, Steuerzahlerund Einleger schützen, zur Erleichterung harter
Kreditbedingungen beitragen und unsere Finanzinstitutionen im In- und Ausland wettbewerbsfähiger machen.

A. Reduzierung der Kapitalkosten
Kontrolle der Staatsverschuldung
Der Präsident bemüht sich energisch um die Kontrolle
der Bundesausgaben. Das Haushaltsabkommen des
vergangenen Jahres wird die Kreditaufnahme der
Bundesregierung in den kommenden fünf Jahren um
nahezu 500 Milliarden Dollar verringern. Die durch das
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B. Investitionen in Infrastruktur, Forschung und
Entwicklung
Erneuerung unserer Verkehrsinfrastruktur
Die Regierung schlägt eine erhebliche Aufstockung
der Mittel für den Fernstraßenbau von 14,6 Milliarden
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�Dollar im Haushaltsjahr 1991 auf 20,3 Milliarden im
Jahr 1996 vor. Insgesamt werden in den nächsten fünf
Jahren nahezu 88 Milliarden Dollar für Bau und Unterhaltung von Fernstraßen bereitgestellt. Die Administration schlägt femer einen 17prozentigen Zuwachs
der Mittel für das Luftverkehrswesen vor.
Erweiterung von Forschung und Entwicklung
Der vom Präsident vorgelegte Haushalt 1992 beinhaltet 76 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung,
also eine Zunahme um 8,4 Milliarden (13 Prozent)
gegenüber 1991. Um Forschung und Entwicklung
seitens des Privatsektors zu ermutigen, unterstützt der
Präsident die zeitlich unbegrenzte Verlängerung der
Steuerererleichterungen für Forschung und Entwicklung.
Durchführung der Nationalen Energiestrategie
Der Präsident hat dem Kongreß im Februar seine
Nationale Energiestrategie zugeleitet. Die Strategie
ist ein umfassender und ausgewogener Plan für eine
sichere, effiziente und umweltfreundliche künftige
Energieversorgung. In den kommenden zwei Jahrzehnten werden mit dieser Strategie unnötige Hemmnisse für die Marktkräfte beseitigt, damit das Wirtschaftswachstum weiterhin durch ausreichend verfügbare kostengünstige Energie gefördert wird.
II. ERÖFFNUNG NEUER CHANCEN AUF DEN
WELTMÄRKTEN
Im gesamten Verlauf der Nachkriegszeit haben die
Vereinigten Staaten eine Führungsrolle dabei übernommen, die Welt zu einem neuen System des freien
Handels und offener Märkte zu führen. Die Vorteile
weltweiter Integration und erweiterten internationalen
Handels waren im In- und Ausland enorm. Der Präsident und die Administration arbeiten eng mit dem
Kongreß zusammen, um die noch bestehenden
Hemmnisse gegen internationalen Handel und Investitionen auf unserem Kontinent und weltweit abzubauen. Heute befinden sich die Vereinigten Staaten in
einem Exportboom. Die Warenexporte sind in den
vergangenen vier Jahren um 55 Prozent gestiegen doppelt so schnell wie die Importe. Die Fortführung
des "Fast-track-Mandats" zur Zustimmung des Kongresses zu Handelsabkommen ist für die Handelsstrategie des Präsidenten unabdingbar.
A. Erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen der
Uruguay-Runde
Die erste Priorität des Präsidenten im Bereich des
Handels sind nach wie vor die Verhandlungen der
Uruguay-Runde im Rahmen des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT). Ein erfolgreicher
Abschluß der Uruguay-Runde wird die Öffnung von
Agrarmärkten, den Abbau oder die Beseitigung von
Zöllen auf zahlreiche Produkte, die Stärkung des GATTSystems und seine Ausdehnung auf wichtige neue
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Bereiche - wie Dienstleistungen, Investitionen und
geisitges Eigentum - zur Folge haben, die für die
Tragfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft entscheidend sind. Ein starkes multilaterales Handelssystem
ist für die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten unabdingbar, da es den Zugang unserer Unternehmen zu Wachstumsmärkten in Europa und Asien
gewährleistet.
B. Das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen
Der Präsident hat sich zusammen mit dem mexikanischen Präsidenten Salinas und dem kanadischen
Premierminister Mulroney zur Aushandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA)
verpflichtet. Die Schaffung des NAFTA mit einem
Markt von rund 360 Millionen Verbrauchern und einer
Gesamtproduktion von 6 Billionen Dollar würde als
Katalysator für Wirtschaftswachstum und Entwicklung
in allen drei Ländern wirken.
Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen
hat in den ersten beiden Jahren seines Bestehens zum
Wachstum beider Volkswirtschaften beigetragen. Der
bilaterale Handel nahm trotz des schwächeren Wachstums beider Volkswirtschaften von 1988 bis 1989 um
rund 9 Prozent und von 1989 bis 1990 um 4,2 Prozent
zu.
C. Weiterführung der Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas verspricht, Wachstum und Wohlstand auf dem gesamten Kontinent durch den Abbau
von Handels- und Investitionsschranken anzukurbeln.
Diese Initiative zielt ferner auf den offiziellen Schuldenabbau der Länder ab, die sich zu tiefgreifenden Wirtschaftsreformen verpflichtet haben und sich dabei auf
die anhaltende Unterstützung der Administration zum
Abbau der Verschuldung im Handelsbereich stützen.
Die Wiederherstellung des Wirtschaftswachstums in
Lateinamerika wird den amerikanischen Handel abkurbeln, da diese Region ein natürlicher Markt für
amerikanische Waren, Dienstleistungen und Investitionen ist.
D. Abbau unfairer Handelsschranken
Die Administration verfolgt zahlreiche bilaterale Initiativen mit dem Ziel, ausländische Regierungen von der
Öffnung ihrer Märkte und dem Abbau unfairer Hemmnisse für amerikanische Waren, Dienstleistungen und
Investitionen zu überzeugen. Darüber hinaus führt die
Administration bilaterale Verhandlungen mit Japan,
um strukturelle Faktoren auszumachen und abzubauen, die einen Ausgleich der Zahlungsbilanz und wirksame Muster des Welthandels verhindern. Unsere
Politik besteht in der Bewältigung von Handelsproblemen durch die Öffnung ausländischer Märkte und nicht
durch deren Schließung.
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�E. Förderung der amerikanischen Exporte
Der Präsident hat sich verpflichtet, auf diese Initiativen
zur Öffnung der Märkte durch eine Aufstockung amerikanischer Exporte - einer Hauptwachstumsquelle in
den vergangenen Jahren - aufzubauen. Der Koordinierungsausschuß zur Förderung des Handels hat
erstmalig die Ressourcen von 18 Bundesbehörden
gebündelt, damit amerikanische Unternehmen, die
Exporthilfe benötigen, alles unter einem Dach vorfinden. Als Teil dieser Bestrebungen fördert das Handelsministerium landesweit eine Reihe von Seminaren, um möglichen Exporteuren bei der Aufstockung
der Verkäufe ins Ausland behilflich zu sein.
III. FÖRDERUNG EINER QUALIFIZIERTEN UND
DYNAMISCHEN ERWERBSBEVÖLKERUNG
Der Präsident vertritt die Auffassung, daß langfristiges
Wirtschaftswachstum qualifizierte und anpassungsfähige Arbeitnehmer ebenso wie Kapital und neue Technologien erfordert. Die Administration unternimmt
entscheidende Schritte, um sicherzustellen, daß
amerikanische Arbeitnehmer gut ausgebildet und
hochqualifiziert sind und der amerikanische Arbeitsmarkt der dynamischste und flexibelste der Welt bleibt.
A. Umstrukturierung des Bildungswesens
Der Präsident hat sich herausragender Schulbildung
für alle Amerikaner verschrieben. Er befürwortet freie
Schulwahl, größere Flexibilität bei der Finanzierung
des Bildungswesens im Gegenzug zu verbesserter
Rechenschaftspflicht, geänderte Zulassungsbestimmungen für Lehrer und Schulleiter, Auszeichnungen
für hervorragende Lehrer und Schulen, die die Leistungen ihrer Schüler verbessern sowie innovative Ansätze in der naturwissenschaftlichen Ausbildung. In
Zusammenarbeit mit den Gouverneuren des Landes
versucht die Administration festzustellen, wie die Fortschritte bei der Verwirklichung der Bildungsziele des
Landes am besten gemessen und überprüft werden
können. Der Präsident wird in Kürze ein neues Gesetz
über die Verbesserung des Bildungswesens vorlegen.
B. Aufrechterhaltung flexibler Arbeitsmärkte
Der Präsident hat eine Reihe von Schritten unternommen, um die Dynamik zu erhalten, die den Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten kennzeichnet. Er
widersetzt sich nach wie vor obligatorischen Arbeitgeberanteilen zu den Sozialleistungen, mit denen die
Optionen für Arbeitnehmer eingeschränkt und die
Zunahme an Arbeitsplätzen in der Wirtschaft verlangsamt wird. Der Präsident unterstützt flexible Sozialleistungspakete, die zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelt werden.
Der Präsident bekämpft jüngste Bestrebungen, das
über 50 Jahre bestehende Gleichgewicht in den Arbeitsbeziehungen zu unterminieren. Er widersetzt
sich den gegenwärtigen Gesetzen über Vertretungen

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für Streikende, das den Arbeitgebern verbieten würde,
bei Arbeitskämpfen ihren normalen Betrieb aufrechtzuerhalten, indem sie Zeitarbeitskräfte einstellen.
Zusammenarbeit, nicht Konfrontation, ist der Schlüssel zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Das Einwanderungsgesetz von 1990, die erste wichtige Reform der legalen Einwanderung seit 25 Jahren,
wird die Gesamtzahl der Einwanderer und insbesondere der Facharbeiter erheblich erhöhen. Diese neuen
Arbeitskräfte werden ihren Beitrag zum Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten leisten.
C. Verbesserung unserer Bestrebungen zur
Berufsbildung
Der Präsident hat Zusatzartikel zum Berufsbildungsgesetz (Job Training Partnership Act - JTPA) vorgeschlagen, das Verbesserungen der Berufsbildung insbesondere für stark benachteiligte erwachsene und
jugendliche Arbeitskräfte zum Ziel hat. Um Jugendliche in armen Stadt- und Landbezirken zu erreichen,
wurde für bestimmte Gebiete, in denen große Armut
herrscht, ein neues Programm für bessere Chancen
von Jugendlichen (Youth Opportunities Unlimited YOU) vorgelegt. Darüber hinaus gestattet das Programm für die Gewährung von Arbeitsmöglichkeiten
und Grundfertigkeiten (Job Opportunities and Basic
Skills Program - JOBS) den Bundesstaaten Flexibilität, um Empfängern von Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (Families with Dependent
Children - AFDC) beim Erwerb dringend erforderlicher
Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt zu helfen. Die Regierung bereitet gegenwärtig ein JTPA-Gesetz zur Vorlage im 102. Kongreß vor.

IV. ABBAU BÜROKRATISCHER HEMMNISSE
Die bemerkenswerte Flexibilität der US-Wirtschaft, die
auf dem Vertrauen in freie Märkte basiert, ist ein
wichtiges nationales Gut. Staatliche Vorschriften
reduzieren in der Regel die wirtschaftliche Flexibilität
und sollten daher eine sehr beschränkte Rolle spielen.
Wo Vorschriften erforderlich sind, sollten entsprechende Programme strengen Rentabilitätsanalysen
unterzogen werden, die Macht von Marktkräften im
öffentlichen Interesse nutzen und solche Kräfte nicht
verzerren oder reduzieren.
A. Arbeitsgruppe zur Deregulierung im Rat für
Wettbewerbsfähigkeit
Der dem Vizepräsidenten unterstehende Rat für Wettbewerbsfähigkeit hat eine Arbeitsgruppe gebildet, um
die Auswirkungen der Deregulierung auf die US-Wirtschaft zu prüfen. Diese Arbeitsgruppe wird die Rolle
der Bundesregierung auf dem Markt untersuchen,
indem sie die Geschichte sowie die Kosten und Nutzen
der Deregulierung für zahlreiche Industriezweige Transport und Verkehr, Kommunikation, Energie und
Finanzdienste - prüft.

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�B. Ergonomie

D. Arbeitsgruppe über die Zulassung von
Arzneimitteln

Der Rat des Vizepräsidenten über Wettbewerbsfähigkeit hat vor kurzem den Bericht über die nationale
Politik zur Ergonomie veröffentlicht, in dem das Engagement der Regierung für die Entwicklung ergonomischer Produkte nach Marktkriterien dargelegt wird.
Der Bericht gibt 15 Empfehlungen für drei politische
Bereiche: Investitionen in Wissenschaft und Technik,
risikoabhängige Regulierung und ein marktwirtschaftliches Umfeld mit Kapital und Finanzdienstleistungen
und dem Schutz der Rechte auf geistiges Eigentum.

Die Arbeitsgruppe ist einberufen worden, um den
Zulassungsprozeß der FDA zu prüfen und Veränderungen bei Verfahren und Aufbau vorzuschlagen. Mit
dieser Bestrebung soll der Prozeß beschleunigt und
effizienter werden, insbesondere im Hinblick auf neue
Arzneimittel und ohne zusätzliche Risiken. Darüber
hinaus wird die Gruppe den Zustand der US-Pharmakonzerne prüfen und Möglichkeiten zur Beibehaltung
ihrer Stellung im Wettbewerb vorschlagen.

C. Joint Ventures in der Produktion

E. telekommunikation

Der Rat für Wirtschaftspolitik hat einen Vorschlag
erarbeitet, der Konsortien in der Fertigungsindustrie
und Joint Ventures unter Konkurrenten in der Industrie
zuläßt. Gegenwärtig sind solche Gemeinschaftsunternehmen aufgrund der Unsicherheit im Hinblick auf
das Risiko von Strafverfolgung und privatrechtlichen
Gerichtsverfahren nach dem Kartellgesetz verboten.
Den gegenwärtigen Vorschlägen zufolge müßten das
Justizministerium und die Gerichte den weltweiten
Wettbewerb berücksichtigen, wenn es um Kartellfragen geht.

Schätzungen zufolge wird die Deregulierung in der
Telekommunikation der US-Wirtschaft jährlich 45 Milliarden Dollar einsparen. Trotz der höchst dynamischen Struktur werden Verhalten und Leistungen dieser Industrie immer noch größtenteils von rechtlichen
und regulatorischen Entscheidungen und Beschränkungen bestimmt. Telekommunikation ist für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes entscheidend.
Unnötige Hindernisse und Vorschriften müssen beseitigt werden, und unsere Politik der Regulierung muß
ausgewogen und marktwirtschaftlich orientiert sein.

* * * * *

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