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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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10. April 1991

14

NAHER OSTEN

USA NICHT GLEICHGÜLTIG GEGENÜBER
GREUELTATEN IM IRAK
Pressekonferenz des Außenministers

GOLFKRISE

VEREINIGTE STAATEN BEZEICHNEN
GOLF-RESOLUTION ALS REALISTISCH
UND FAIR
UNO-Botschafter Pickering vor dem Sicherheitsrat
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 15. bis 31. März 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NAHER

OSTEN
10. April 1991

USA NICHT GLEICHGÜLTIG GEGENÜBER
GREUELTATEN IM IRAK
Pressekonferenz des Außenministers
KEFLAVIK (ISLAND) - (AD) -Auf dem Weg in den Nahen Osten bekräftigte Außenminister Baker vor Journalisten
am 6. April 1991, daß die Vereinigten Staaten "gegenüber den Greueltaten und dem menschlichen Leiden"
unschuldiger Bürger im Irak nicht gleichgültig sein können.
"In Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft werden wir sicherstellen, daß humanitäre Hilfe
sowohl im Norden als auch im Süden des Irak zu denjenigen gelangt, die sie am dringendsten benötigen. Wir
werden keinerlei Einmischung in diese humanitären Hilfsbestrebungen dulden", wie sie in der am 5. April 1991
verabschiedeten Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats gefordert werden.
Der Au ßenminister stellte darüber hinaus bei einer Pressekonferenz an Bord des Flugzeugs klar, die Vereinigten
Staaten "können sich im Irak nicht als Polizist aufspielen, und es ist nicht an uns zu entscheiden, wer den Irak
regieren soll".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminister Baker im Wortlaut.

Baker: Ich möchte eine längere Erklärung als gewöhnlich abgeben, die das menschliche Leiden im Irak
betrifft.
Die Welt und das irakische Volk sind erneut der schieren Brutalität von Saddam Husseins Regime ausgesetzt. Und wiederum sieht sich die Welt gezwungen,
auf Saddam Husseins willkürlichen und unerhörten
Einsatz von Gewalt zu reagieren. Nur ist in diesem Fall
sein Opfer nicht ein Nachbarland. Dieses Mal töten
und bedrohen die irakischen Streitkräfte das irakische
Volk und begehen Verbrechen an ihm. Die Resolution
688 des UN-Sicherheitsrats verurteilt die Unterdrückung der Kurden und anderer irakischer Bürger, fordert, daß der Irak die Repression beendet und besteht
darauf, daß der Irak den Zugang internationaler Organisationen zu allen denen gestattet, die im ganzen
Land der Hilfe bedürfen.
Wir sind nicht bereit, uns in einen Bürgerkrieg hineinziehen zu lassen. Die Vereinigten Staaten können sich
im Irak nicht als Polizist aufspielen, und es ist nicht an
uns zu entscheiden, werden Irak regieren soll. Wieder
Präsident wiederholt klar gemacht hat - meines Wissens auch auf der heutigen Pressekonferenz - war
AMERIKA DIENST 14

unserer Ziel die Befreiung Kuwaits. Es erstreckte sich
nie auf die Neugestaltung des Irak. Wir haben wiederholt erklärt, daß dies nur vom irakischen Volk geleistet
werden kann.
Dennoch können wir gegenüber den Greueltaten und
dem menschlichen Leiden im Irak nicht gleichgültig
sein - und wir waren es nicht. In Zusammenarbeit mit
der internationalen Staatengemeinschaft werden wir
sicherstellen, daß humanitäre Hilfe sowohl im Norden
als auch im Süden des Irak zu denjenigen gelangt, die
sie am dringendsten benötigen. Wir werden keinerlei
Einmischung in diese humanitären Hilfsbestrebungen
dulden.
Frage: Herr Außenminister, während der irakischkuwaitischen Krise haben Sie und die Administration
wiederholt historische Parallelen zu den dreißiger Jahren
gezogen. Jetzt werden von einigen immer wieder
historische Vergleiche darüber angestellt, daß die
Welt ein schutzloses Volk nicht verteidigt, denen Sie,
wie ich vermute, nicht zustimmen. Können Sie mir
sagen, warum dieser historische Vergleich nicht standhält?

Seite 1

�Antwort: Ich bin nicht ganz sicher, ob ich Ihre Frage
richtig verstanden habe. Meines Erachtens gab es
eine historische Parallele zu dem Einmarsch des Irak
in Kuwait - die Unterjochung eines sehr schwachen
Nachbarn durch eine sehr große und starke Militärmacht. Dies konnten wir in den dreißiger Jahren immer
wieder beobachten. Und ich denke, das Ausmaß der
Brutalität und der Greueltaten, die im Irak stattfinden,
könnten möglicherweise einige Parallelen heraufbeschwören.
Frage: Darf ich das erläutern.
Antwort: Natürlich.
Frage: Die Parallele, an die ich dachte, war, daß die
Welt vor dem Völkermord an den Juden unter Hitler die
Augen verschlossen hat. Und der Vergleich besteht
darin, daß die Welt heute nicht das Volk verteidigt, das
jetzt zu Tausenden von Saddam Hussein ermordet
wird. Gibt es irgendwelche Grenzen, die Sie seinem
Verhalten gesetzt haben - Sie sagen, sie können im
Irak nicht als Polizist auftreten. Gibt es abgesehen
vom Einsatz von Starrflüglern (unverständlich), gibt es
irgendwelche Grenzen, die Sie seinem Verhalten setzen, während er dieses Volk umbringt?
Antwort: Wir unternehmen aktive Schritte in den
Vereinten Nationen - und das ist etwas, was es in den
dreißiger Jahren nicht gegeben hat. Die internationale
Staatengemeinschaft ist sehr aktiv, und die Vereinigten Staaten haben daran beträchtlichen Anteil. Ich
möchte Sie nicht mit vielen Zahlen langweilen, aber ich
habe einige vorliegen, die auch in ihrer Pressemappe
enthalten sind. Solche Bestrebungen haben in den
dreißiger Jahren nicht stattgefunden und im Gegensatz zu den dreißiger Jahren wird heute einiges unternommen, das vielleicht nicht einer Militäraktion gleichkommt, aber im Hinblick auf die Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf diese beiden Gegebenheiten dennoch von Bedeutung ist.
Frage: Herr Außenminister, Präsident Bush hat während
seiner Pressekonferenz in Houston erklärt, daß es für
den Nahen Osten sehr wohl einen umfassenden Plan
geben kann. In seiner Antwort deutete er an, daß Sie
die Einzelheiten dieses Plans mitbringen. Er verwendete das Wort "hier". Ich gehe davon aus, das heißt
jetzt. Können Sie uns sagen, ob es einen umfassenden amerikanischen Plan gibt und uns einige Einzelheiten nennen?
Antwort: Offen gestanden, ich habe seine Kommentare nicht so interpretiert. Ich habe ihn dahingehend
verstanden, daß wir - abhängig von den im Verlauf
unserer Reise gewonnenen Antworten auf Fragen, die
wir den verschiedenen Parteien bereits unterbreitet
haben sowie aufgrund der Ergebnisse unserer Konsultationen während dieser Reise - irgendwann in der
Lage sein könnten, mit ziemlicher Bestimmtheit zu
erklären, welche Maßnahmen die Parteien unserer

Seite 2

Meinung nach ergreifen sollten. Sie haben aber auch
von ihm gehört, daß es sich dabei um einen stufenweisen Prozeß handelt- bevor wir gehen können, müssen
wir zunächst krabbeln. Und dem möchte ich hinzufügen, daß wir gehen müssen, bevor wir laufen können.
Meines Erachtens gibt es für uns wahrscheinlich keine
bessere Möglichkeit, um festzustellen, was durchführbar ist als uns mit anderen an einen Tisch zu setzen
und zu versuchen, Antworten zu finden.
Frage: Herr Minister, zur Kurdenfrage, wie immer Sie
darauf antworten möchten, wie schwer ist Ihrer Meinung nach der politische Schaden für die Administration aufgrund der Kritik an ihren Maßnahmen, die
Kurden nicht zu schützen...?
Antwort: Ich nehme solche Fragen nicht mehr an. Ich
habe von mir aus diese Frage einmal kommentiert, und
alle behaupten, dies sei nicht ausreichend. Sie sollten
diese Fragen also nicht an mich richten.
Ich möchte aber noch einmal über die Grenzfrage
sprechen. Meines Erachtens besteht ein Grund, warum
der Präsident möchte, daß ich die Grenze besuche
und die Lage dort einschätze, darin, daß Ausmaß und
Umfang der Zahl von Flüchtlingen, die bereits die
Grenze überschritten haben oder darauf warten, dies
tun zu dürfen, noch unklar ist. Er ist der Ansicht - und
ich hoffe dies - daß wir mit unserer Reise dorthin einen
besseren Überblick über die Situation gewinnen könnten. Im Lauf dieser Reise wird sich unsere Informationslage zu diesem Problem vielleicht bessern.
Frage: Können Sie etwas darüber sagen, wie Hilfe an
den Iran in dieser Situation funktionieren könnte, und
gibt es direkte oder indirekte Gespräche zwischen uns
und dem Iran über Hilfe für die Flüchtlinge, die in den
Iran (unverständlich)?
Antwort: Wir haben über unsere normalen Kanäle
dem Iran verdeutlicht, daß wir daran interessiert sind,
die Bereitstellung humanitärer Hilfe für die irakischen
Flüchtlinge, wohin sie auch gehen, zu unterstützen.
Darüber hinaus wären wir daran interessiert, die
Bemühungen im Iran durch die multilateralen Organisationen zu unterstützen, denen wir angehören und in
deren Rahmen wir bereits eine führende Rolle bei der
Flüchtlingshilfe spielen.
Frage: Daran anknüpfend... Können Sie uns versichern, daß weder Sie noch jemand anders aus Ihrer
Delegation mit iranischen Vertretern zusammentreffen wird oder Pläne für ein solches Treffen während
ihrer Reise hat?
Antwort: Wir haben keine Pläne, dies zu tun, und Sie
kennen ja unsere Politik im Hinblick auf Treffen mit
dem Iran. Wir haben in der Vergangenheit erklärt, daß
ein solcher Dialog, um Früchte zu tragen, die Frage
unserer Geiseln im Libanon und die Frage der staatlichen Förderung des Terrorismus behandeln muß.

AMERIKA DIENST 14

�Frage: Könnten Sie uns ein klareres Bild davon
vermitteln, ob neue Faktoren ins Spiel gekommen
sind, die Sie zu dieser Reise veranlaßt haben ? Sie sind
dieser Frage bei der Pressekonferenz ausgewichen.
Ich bin mir bewußt, daß Sie nicht zuviel sagen wollen,
aber unterrichten Sie uns über den neuesten Stand.
Antwort: Ich habe versucht, diese Frage bei der
Pressekonferenz zu beantworten. Ich war der Auffassung, ich hätte bereits gesagt, daß die Reise nicht
durch das Auftreten neuer Faktoren oder neuer Entwicklungen ausgelöst wurde. Sie knüpft lediglich an
meine erste Reise an. Ich werde nicht sagen, daß es
keine neuen Faktoren oder Entwicklungen gibt. Aber
das ist nicht der Grund für die Reise. Der Grund für die
Reise liegt offen gestanden darin, daß wir nicht wissen,
wie lange dieses Fenster der Möglichkeiten noch besteht.
Wir sind der Meinung, man sollte die Dinge nicht
einfach treiben lassen. Es ist bereits überdrei Wochen
her, seit wir in Israel waren und nahezu vier Wochen,
seit wir Riad besucht haben. Der Präsident war der
Meinung - und das gilt auch für mich -, daß es an der
Zeit sei, die Entwicklung ein wenig voranzutreiben und
zu sehen, ob wir Fortschritte erzielen können.
Frage: Sind Sie angesichts der Ereignisse der letzten
Wochen der Auffassung, daß es ein Fehler dieser
Administration war, die Iraker zur Rebellion gegen
Saddam Hussein zu ermutigen und dann zuzuschauen und nichts zu tun? Darüber findet eine eingehende
moralische Debatte statt. Wie bewerten Sie die Erklärungen der Administration und ob dies ein Fehler war?
Antwort: Ich werde Ihnen dieselbe Antwort geben, die
der Präsident bereits gegeben hat. Wir sind nicht der
Meinung, daß es ein Fehler war, und wir gehen weder
davon aus, daß dies der Absicht der Erklärungen
entsprach, noch, daß es eine Folge der von uns
abgegebenen Erklärungen war. Ich habe Ihnen soeben mitgeteilt, daß wir ständig gesagt haben, der
Sturz Saddam Hussein sei weder ein militärisches
noch ein politisches Ziel. Ich kann Ihnen die Protokolle
dazu heraussuchen. Wir haben insbesondere verdeutlicht, daß unsere militärischen Ziele auf die Befreiung Kuwaits und die Wiederherstellung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits begrenzt waren. Wir haben
jedoch erklärt, wir würden ihm keine Träne nachweinen, aber es sei Sache des irakischen Volkes zu
entscheiden, wie seine Führung zusammengesetzt
ist.
Frage: Der Präsident hat zu einem Zeitpunkt Saddam
Hussein davor gewarnt, die Rebellen mit Hubschraubern anzugreifen, dies aber nicht weiterverfolgt. Warum
hat er diese Warnung ausgesprochen, wenn er nicht
bereit war, entsprechend zu handeln?
Antwort: Diese Frage müssen Sie ihm selbst stellen.
Frage: Herr Minister, zum Friedensprozeß im Nahen
Osten, als wir das letzte Mal mit Ihnen auf Reisen
waren, habe Sie gesagt, Sie würden die verschiedeAMERIKA DIENST 14

nen Dinge, die Sie gehört hatten, vergleichen und
danach feststellen, ob es irgendwelche Übereinstimmungen gibt. Dazu möchte ich Ihnen eine weitere
Frage stellen: Hat es in Zusammenhang mit der
letzten Reise irgendeine Übereinstimmung zwischen
den Parteien gegeben? Sie haben uns gegenüber
zwei Ansätze sowie vertrauensbildende Maßnahmen
erwähnt. Können Sie uns in Zusammenhang mit dem
Stand am Ende der letzten Reise wenigstens andeuten, wo wir heute stehen?
Antwort: Das ist ein wichtiger Punkt, und es gibt zu
beiden Seiten dieser Gleichung allgemeines Interesse
am Konzept des zweifachen Ansatzes. Darüber hinaus besteht meiner Meinung nach auch auf beiden
Seiten die generelle Bereitschaft, vertrauensbildende
Maßnahmen in Erwägung zu ziehen. Ich habe bereits
darauf verwiesen, daß - zumindest wenn es nach uns
geht - eine Seite nicht den ersten Schritt vollziehen
muß, und deshalb sollte ein Weg gefunden werden,
um die vertrauensbildenden Maßnahmen dieser Situation anzupassen, wenn sie ergriffen werden. Aber
ich denke, es besteht auf beiden Seiten genügend
Interesse, um eine Fortsetzung dieses Ansatzes zu
rechtfertigen.
Frage: Würden Sie bitte auf die Entwicklungen bei der
Frage der Besiedlung israelischer Gebiete seit Ihrem
letzten Besuch eingehen? Es gab immer wieder
Berichte, daß Versprechen nicht eingehalten wurden,
Wohncontainer am Rande der besetzten Gebiete

aufgestellt wurden und so weiter. Was sagen Sie
dazu?
Antwort: Das werde ich ansprechen, wenn ich nach
Jerusalem reise, und ich möchte das lieber persönlich
mit den israelischen Regierungsvertretern besprechen
als hier vor der Presse.
Frage: Haben Sie bezüglich Israel Pläne, mit Palästinensern zusammenzutreffen, wie Sie es das letzte Mal
taten, und wenn das der Fall wäre, würde es sich dabei
um dieselbe Gruppe handeln wie letztes Mal?
Antwort: Es gibt keine Pläne. Wir haben lediglich
gesagt, daß wir bei einer Bereitschaft der Palästinenser, sich mit uns zu treffen, auch bereit sein würden,
ein solches Treffen durchzuführen. Aber wir haben
keine Pläne, von denen ich wüßte. Vielleicht gibt es
etwas Neues, seit wir heute abgereist sind, das mir
noch nicht bekannt ist.
Frage: Herr Außenminister, ich möchte noch einmal
kurz auf die Frage der Besiedlung zurückkommen.
Haben Sie nach Ihrer jüngsten Israelreise den Eindruck, daß keine sowjetischen Juden in die besetzten
Territorien gehen würden? Wie sieht die Verpflichtung
aus, die Sie bei Ihrer letzten Reise von Schamir
erhalten haben?
Antwort: Die Verpflichtung wird sehr deutlich in dem
Brief von Außenminister Levy beschrieben. Da es sich
Seite 3

�hierbei um einen offenen Brief handelt, können Sie ihn Flüchtlingsströme ermessen und die Situation eineinsehen.
schätzen können.
Frage: Seine Politik lautet: keine sowjetischen Juden.
Antwort Ich möchte hier betonen, daß Ausmaß und
Umfang der uns gegenüber abgegebenen Zusagen an
dem Brief gemessen werden sollten, der das Ergebnis
umfangreicher Verhandlungen ist.
Frage: Was wurde in dem Brief dargelegt und wird es
eingehalten?

Frage: Herr Außenminister, Sie haben erklärt, man
müsse krabbeln lernen, bevor man läuft und laufen
können, bevor man rennt, aber wenn man auf die
zweieinhalb Jahre der Friedenspolitik dieser Regierung im Nahen Osten zurückschaut, sind wir nur
gekrabbelt. Es gibt zwei Möglichkeiten, um den Nahen
Osten historisch zu betrachten. Einmal Schritt für
Schritt und zum anderen, indem man einen genauen
Plan vorlegt, den jeder lesen, einsehen und verstehen
kann. Wie lange werden Sie noch weiterkrabbeln?

Antwort: Darauf gebe ich Ihnen dieselbe Antwort. Wir
werden darüber in Israel sprechen und nicht schon vor
Antwort: Darauf möchte ich antworten, indem ich
unserer Reise mit der Presse.
jemanden zitiere, der sich in der Diplomatie und Politik
Frage: Gibt es bestimmte Dinge, die Sie Präsident des Nahen Ostens sehr gut auskennt. Er hat erklärt,
Özal anbieten können, um einige seiner Probleme zu daß weder die Vereinigten Staaten noch sonst jemand
erleichtern? Könnten Sie zum Beispiel die Zusage dem Nahen Osten Frieden aufzwingen kann, und
geben, einige Kurden in den Vereinigten Staaten auf- niemand kann im Nahen Osten Frieden schaffen,
zunehmen? Unternehmen Sie diplomatische Bestre- wenn die Beteiligten ihn nicht wirklich wollen. Die
bungen, um die europäischen Länder dazu zu bewe- Vereinigten Staaten können dabei höchstens als Katagen, sie aufzunehmen? Was können sie für ihn tun - lysator fungieren. Ich habe vergessen, wer das geschrieben hat.
außer Geld zu geben Hilfsgüter abzuwerfen?
Antwort: Wir tun bereits eine ganze Menge für die
Türkei, aber vor allem leisten wir Wirtschafts- und
Nahrungsmittelhilfe, damit sie mit dem großen Zustrom an Flüchtlingen fertigwerden. Bis jetzt haben wir
meines Wissens keine Gespräche mit irgendwelchen
Regierungen über die Umsiedlung dieser Flüchtlinge
aufgenommen.
Frage: Ist unser Land an der Umsiedlung nicht interessiert?
Antwort: So würde ich das nicht sagen. Meiner
Meinung nach ist dies eine Frage, die wir möglicherweise ansprechen, nachdem wir das Ausmaß der

Frage: Können Sie mir sagen, welche Auswirkungen
die israelischen Berichte über die Besiedlung auf den
Friedensprozeß hatten? Erst kürzlich hat Margaret
(Tutwiler) erklärt, es handele sich um ein Hindernis für
den Frieden und den gegenwärtigen Prozeß. Hatten
Sie dazu irgendwelche Reaktionen aus der arabischen
Welt? Schließlich scheinen Sie immer zu sagen, es
handele sich um ein Hindernis für den Frieden, und sie
bauen immer mehr neue Siedlungen.
Antwort: Sie sprechen hier wiederum einen Bereich
an, den ich lieber zuerst in Israel erörtern möchte,
anstatt auf Presseberichte einzugehen, was möglicherweise dort abläuft.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 14

�GOLFKRISE
10. April 1991

VEREINIGTE STAATEN BEZEICHNEN GOLFRESOLUTION ALS REALISTISCH UND FAIR
UNO-Botschafter Pickering vor dem Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die jüngste Resolution des UN-Sicherheitsrats ist dem Ständigen Vertreter der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, BotschafterThomas Pickering, zufolge fair, "weil damit der Weg
aufgezeigt wird, wie der Irak erneut seinen Platz in der internationalen Staatengmeinschaft einnehmen kann".
Er bezeichnete die Resolution darüber hinaus als hart, "weil gewährleistet wird, daß sich die bitteren Erfahrungen der vergangenen acht Monate nicht wiederholen".
Pickering erklärte unmittelbar nach der Abstimmung des Sicherheitsrats über die jüngste Resolution, "wenn das
irakische Volk mit uns zusammenarbeitet, wenn Stabilität in die Golfregion zurückkehrt und sich die militärischen
Spannungen verringern, kann die internationale Staatengemeinschaft beim Wiederaufbau des Irak und Kuwaits
helfen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Pickerings Rede im Wortlaut.

Der Rat hat gerade über einen der wichtigsten Vorschläge entschieden, die ihm jemals vorgelegt wurden. Diese Resolution ist einzigartig und historisch
einmalig: sie erfüllt die Hoffnung der Menschheit, die
Vereinten Nationen zu einem Instrument von Frieden
und Stabilität zu machen.
Dem Rat liegt ein umfassender Entwurf vor. Er folgt
seiner eigenen inneren Logik und klaren Gedankenführung. Er will das Kernproblem behandeln, das uns
in die Golfkrise geführt hat. Und er zeigt, was getan
werden muß, um uns dort herauszuführen. Die Resolution liefert die Basis für den von allen Beteiligten
angestrebten permanenten Waffenstillstand und für
den Abzug der Koalitionsstreitkräfte von irakischem
Territorium. Sie gesteht dem Generalsekretär und den
Vereinten Nationen besondere Bedeutung zu, um die
Rolle der Vereinten Nationen bei der Schaffung und
Erhaltung des Friedens erheblich zu erweitern. Sie
schafft ferner klare Anreize für die schnelle Durchführung sowie Kompromisse, die eine stufenweise Rückkehr zur Normalität und Beendigung des Kriegszustands am Golf hervorbringen. Sobald der Irak die Bestimmungen der Resolution akzeptiert, tritt ein formeller Waffenstillstand in Kraft. Wenn der Irak die Bedingungen der Resolution erfüllt, werden das System der

AMERIKA DIENST 14

Sanktionen modifiziert, die Rolle des Generalsekretärs bei der Überwachung der Rückkehr zur Normalität
gestärkt, die Koalitionsstreitkräfte abgezogen und der
Mechanismus zur Durchführung der Resolution angewandt.
Die Einbeziehung des Generalsekretärs und der Vereinten Nationen ist für unseren Ansatz unabdingbar.
Unserer Meinung nach ist dies für die Wiederherstellung des Friedens ebenso wichtig wie für den Sieg über
die Aggression. Der Generalsekretär und die Vereinigten Staaten arbeiten an der Festsetzung der irakischkuwaitischen Grenze, der Stationierung von Beobachtern, der Aktivierung eines besonderen Ausschusses
zur Beobachtung der Beseitigung von Massenvernichtungswaffen, der Schaffung einer Schadenersatzregelung, der Rückgabe kuwaitischen Eigentums und
der Kontrolle von Waffengeschäften mit dem Irak.
Für die Vereinigten Staaten ist dies eine Zeit der
Prüfung und auch eine Zeit der Enscheidung. Die
internationale Staatengemeinschaft hat durch die
Vereinten Nationen gehandelt, um Aggression und
Gesetzlosigkeit ein Ende zu bereiten. Sie muß jetzt
ebenso handeln, um Frieden und Sicherheit auf der
Welt wiederherzustellen.

Seite 1

�Die Resolution ist hart, aber fair. Sie ist fair, weil damit
der Weg aufgezeigt wird, wie der Irak erneut seinen
Platz in der internationalen Staatengmeinschaft einnehmen kann. Wir wünschen uns, daß dies verwirklicht und der Irak vor dem Zerfall bewahrt wird. Positive
Schritte und Versuche zur Wiedergutmachung des
angerichteten Schadens werden belohnt. Und diese
Resolution ist genau deshalb hart, damit sich die
bitteren Erfahrungen der vergangenen acht Monate
nicht wiederholen. Die ungewöhnlich lange Präambel
erläutert den Kontext für die Vorgehensweise des
Sicherheitsrats, und wir beginnen jetzt, den Golfkrieg
hinter uns zu lassen.
Die Resolution konzentriert sich auf die Grundlagen
der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit in
der Region. Dabei kommt der Respektierung der
Grenze besondere Bedeutung zu. Der Rat verweist
darauf, daß der Irak und Kuwait 1963 eine Vereinbarung über ihre gemeinsame Grenze unterzeichent
haben. Kuwait hat dieses Abkommen im Einklang mit
Artikel 102 der Charta bei den Vereinten Nationen
registrieren lassen, und es wurde in der Serie der UNVerträge veröffentlicht. Der Irak hat der Registrierung
durch die Vereinten Nationen nie widersprochen.
Dennoch ist der Irak 1990 in Kuwait eingefallen, hat
das Land besetzt und versucht, es zu annektieren.
Durch diesen Rat hat die internationale Staatengemeinschaft die Aktionen des Irak abgewiesen, und
durch diesen Rat hat die Staatengemeinschaft den
Irak aus Kuwait vertrieben.
Unsere Aufgabe steht im Einklang mit unseren Verpflichtungen gemäß Artikel 7 und lautet, den Frieden
so zu verwirklichen, daß der Irak niemals wieder die
Souveränität und Integrität Kuwaits bedroht. Aus
diesem Grund gelten für die Resolution folgende Punkte:
Sie fordert, daß der Irak und Kuwait gegenseitig
ihre 1963 vereinbarten internationalen Grenzen
respektieren.
Sie fordert den Generalsekretär auf, seine Hilfe
zu gewähren, um mit Kuwait und dem Irak Vereinbarungen über die Festlegung der Grenzen
zu treffen,
und sie will die Unverletzlichkeit der Grenze
garantieren.
Die Gegebenheiten sind in der Geschichte der Vereinten Nationen einmalig, und diese Resolution ist genau
auf diese Umstände zugeschnitten. Der UN-Sicherheitsrat ist damit nur tätig geworden, um den Weltfrieden in einem Fall wiederherzustellen, in dem ein Staat
die Grenze eines anderen Landes verletzt und versucht hat, den Staat selbst gewaltsam zu vernichten.
Natürlich werden die Vereinigten Staaten keine neue
Rolle des UN-Sicherheitsrats als Organ anstreben
oder unterstützen, das internationale Grenzen festlegt. Grenzkonflikte sind Probleme, die direkt zwiSeite 2

sehen einzelnen Ländern ausgehandelt oder mit anderen friedlichen Mitteln zur Schlichtung gelöst werden
müssen, wie sie im Kapitel VI der Charta beschrieben
werden.
Als nächstes schafft die Resolution eine entmilitarisierte Zone und fordert die unmittelbare Stationierung
einer Beobachtertruppe. Ihr Ziel ist die Abschreckung
von Bedrohungen für den Frieden durch Präsenz
entlang der irakisch-kuwaitischen Grenze. Die Stationierung von Beobachtern ist eine der notwendigen
Bedingungen, wenn das Ende der Präsenz von Koalitionsstreitkräften keine neuen Gefahren herausfordern soll.
Das nächste Problem betrifft chemische, biologische
und nukleare Massenvernichtungswaffen und deren
Trägerraketen. Wir haben mit äußerster Besorgnis
beobachtet, daß der Irak diese Waffen in der Vergangenheit eingesetzt hat und sind uns der Bedrohung
bewußt, die der Einstz oder die Entwicklung dieser
Waffen mit sich bringen. Die Region kann einfach nicht
sicher werden, wenn der Irak weiterhin über solche
Waffen verfügt. Deshalb hat der Sicherheitsrat mit
dieser Resolution entschieden, daß sie beseitigt werden müssen. Wir fordern den Generalsekretär und
eine Sonderkommission auf, einen Plan für die Zerstörung chemischer und biologischer Waffen sowie ballistischer Raketen zu erarbeiten. Darüber hinaus eröffnet die Resolution neue Wege, indem sie den Irak
auffordert, in Zukunft Versuchen zum Erwerb von
Kernwaffen abzuschwören, und sie will einen Mechanismus schaffen, mit dem die irakische Einhaltung
dieser Bestimmungen international überwacht wird.
Schließlich erläutert der Text, daß dieser Versuch der
internationalen Staatengemeinschaft, das durch den
Irak hervorgerufene Problem zu lösen, in einem größeren regionalen Rahmen stattfindet.
Der Rat ergreift ferner andere wichtige Schritte im
Bereich der Haftung für Schäden und Wiedergutmachung. Die Resolution schafft einen Schlichtungsprozeß, in dem alle, die infolge der illegalen irakischen
Aggression direkte Schäden oder Verletzungen erlitten haben, Schadenersatz fordern und erhalten können. Sie richtet einen Fonds ein, aus dem Schadenersatz für künftige Forderungen bezahlt wird, und sie ruft
eine Kommission ins Leben, die diesen Fonds verwaltet. Der Generalsekretär wird bei der Einleitung dieses
Prozesses eine Schlüsselrolle spielen und dem Rat
Empfehlungen geben. Der Fonds wird vom irakischen
Beitrag - einem bestimmten Prozentsatz der öleinnahmen - unterstützt, und wir schlagen vor, daß der Fonds
im Gegenzug die Kosten für die Verwaltung des Schadenersatzprogramms übernimmt, so daß es wirtschaftlich unabhängig ist. Obwohl kein Fonds umfangreich
genug ist, um all die Forderungen gegen den Irak
abzudecken, sollte dieser Mechanismus der internationalen Staatengemeinschaft zumindest einen Zugriff
auf Finanzen des Irak gestatten, ohne der irakischen

AMERIKA DIENST 14

�&gt;

Wirtschaft eine unerträgliche Belastung aufzuerlegen.
Das ist eindeutig die Absicht des Rats.

Zukunft keine Terroranschläge durchführt und keine
terroristischen Vereinigungen unterstützt.

Dann behandeln wir die Frage der Sanktionen. Die
Resolution schafft einen dynamischen und flexiblen
Prozeß, der die Beseitigung von Sanktionen an die
Durchführung der Resolution knüpft. Hiermit wird ein
Anreiz geschaffen, die Resolution so schnell wie möglich
durchzuführen. Sanktionen für Nahrungsmittel und
zivile Versorgungsgüter werden sofort aufgehoben,
wenn die notwendigen verfahrenstechnischen Maßnahmen getroffen sind. Wenn die Bestimmungen über
den Einsatz von Massenvernichtungswaffen und den
Schadenersatz erfüllt sind, werden auch die Sanktionen gegen Exporte aufgehoben. In der Zwischenzeit
ist der Sanktionsausschu ß befugt, bei den Sanktionen
gegen irakische Exporte gegebenenfalls Ausnahmen
zuzulasen, damit finanzielle Ressourcen zur Unterstützung der Zivilbevölkerung freigesetzt werden.
Darüber hinaus wird der Rat die Sanktionen über
Exporte im Hinblick auf irakische Exporte überprüfen.
Dies wird alle 60 Tage erfolgen, um der irakischen
Politik und der Durchführung dieser und vorhergehender Resolutionen Rechnung zu tragen. Natürlich werden
die entsprechenden Ausschüsse und Länder weiterhin
das System der Sanktionen anwenden, solange Teile
davon gelten.

Wenn der Irak den Bestimmungen der Resolution
zustimmt, tritt ein formeller Waffenstillstand in Kraft,
derden Abzug von Koalitionsstreitkräften aus dem Irak
ermöglicht. Nach der Stationierung von UNO-Beobachtem werden sich die Koalitjonsstreitkräfte so schnell
wie möglich und im Einklang mit den Einsatzbefehlen
und logistischen Erwägungen aus dem Irak zurückziehen. Wenn die mit der Resolution geschaffenen
Prozesse eingeleitet werden, sind wir bereit, eng mit
dem Generalsekretär und anderen interessierten
Parteien zusammenzuarbeiten. Um deren Arbeit zu
erleichtern, wollen wir eine aktive Rolle bei der Arbeit
der Sonderkommission spielen, in der wir und andere
Mitglieder der Ständigen Fünf über besondere Erfahrungen verfügen, die wir anderen zugänglich machen
können.

Geschäfte mit der Entwicklung chemischer, biologischer und nuklearer Waffen und Raketen sind auf
unbegrenzte Zeit verboten. Im besonderen Fall des
Verkaufs konventioneller Waffen an den Irak wird ein
anderer Ansatz verfolgt. Für alle Bereiche von Rüstungsgeschäften werden Richtlinien entwickelt, um
die Durchführung zu fördern. Dieses Verbot konventioneller Waffenlieferungen wird im Hinblick auf die irakische Befolgung dieser Resolution und allgemeine
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle in der Region
120 Tage nach seiner Verabschiedung und danach regelmäßig überprüft.

!

Zusätzlich zu diesen wichtigen Innovationen sieht die
Resolution nach wie vor die Rückgabe kuwaitischen
Eigentums vor. Dazu ist der Irak verpflichtet. Sie weist
jegliche Berufung des Irak auf eine Nichteinhaltung
von Verträgen aufgrund der vom Irak hervorgerufenen
Konflikte ab und bestätigt die Verpflichtung des Irak, in
Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz alle kuwaitischen Bürger und Angehörigen von Drittstaaten auf
seine Kosten in ihr Land zurückkehren zu lassen.
Weil der Irak in bisher ungekanntem Umfang Geiseln
genommen und in dem jüngsten Konfikt offen den
Einsatz von Terrorismus angedroht hat, fordert die
Resolution eine Verpflichtung des Irak, daß er in

* *

AMERIKA DIENST 14

Herr Präsident, heute schlagen wir wiederum ein neues
Kapitel in der Arbeit des Rats auf. Diese Resolution,
mit der Frieden und Sicherheit in der Region hervorgebracht wird, ist beispiellos, weil die Gegebenheiten, auf
die sie eingeht, in der Geschichte der Vereinten Nationen ihresgleichen suchen. Nach der Charta der Vereinten Nationen sind auch früher Truppen in den
Kampf gezogen, aber die Vereinten Nationen haben
niemals Maßnahmen zur Wiederherstellung des Friedens ergriffen wie in dieser historisch einmaligen
Resolution. Diese Resolution beantwortet nicht alle
Fragen, aber sie weist den Weg. Die aktive Beteiligung
des Irak ist für diesen Ansatz unabdingbar. Wir hegen
die Hoffnung, daß das irakische Volk entschlossen ist,
die von seinen Führern herbeigeführte Katastrophe zu
bewältigen und gemeinsam mit der internationalen
Staatengemeinschaft die Basis für einen dauerhaften
Frieden und Sicherheit zu schaffen. Das bedeutet eine
Abkehr von der Politik der Vergangenheit und eine
echte Hinwendung zu den Prinzipien der UN-Charta,
der Saddam Hussein bisher eher durch Gewalt als
durch Engagement Anerkennung gezollt hat.
Wenn das irakische Volk mit uns zusammenarbeitet,
wenn Stabilität in die Golfregion zurückkehrt und sich
die militärischen Spannungen verringern, kann die
internationale Staatengemeinschaft beim Wiederaufbau des Irak und Kuwaits helfen. Wenn der Prozeß,
den wir heute einleiten, fortschreitet, wird meine Regierung alle Möglichkeiten ergreifen, um Fortschritte
bei der Lösung anderer Probleme, etwa dem arabischisralischen Konflikt freizusetzen. Uns bieten sich jetzt
am Golf und im Nahen Osten Chancen, die meine
Regierung auf keinen Fall verschenken wird. Herr
Präsident, ich danke Ihnen.

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�GOLFKRISE
10. April 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 15. bis 31. März 1991
WASHINGTON -(AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
15. bis 31. März 1991 fort.

15. März
Der Befehlshaber der alliierten Streitkräfte, General
Norman Schwarzkopf, entsendet Boten, um das irakische Militärkommando zu warnen, daß anhaltende
Flüge irakischer Flugzeuge die vorläufige Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Irak unterlaufen könnten. Gleichzeitig
verfügen die Befehlshaber verstärkte Luftpatrouillen
über irakischem Territorium.
Auf Wunsch des kuwaitischen ständigen Vertreters bei
den Vereinten Nationen, Mohammed A. Abulhassan,
entsendet UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar eine 29 Mitglieder umfassende Wiederaufbaudelegation nach Kuwait. Zu dem UN-Team unter Leitung
des früheren Stellvertretenden UN-Generalsekretärs
Abdulrahim A. Farah gehören Ingenieure, Umweltschützer und Menschenrechtsexperten unterschiedlicher UN-Behörden, "die Erfordernisse zum Wiederaufbau des Landes feststellen", erklärt de Cuellar.
Bei einer Sitzung in Straßburg verabschiedet das
Europäische Parlament eine Resolution, in der die
Befreiung Kuwaits und das Ende der Feindseligkeiten
am Golf begrü ßt sowie der Besorgnis über die bürgerkriegsähnliche Atmosphäre im Irak Ausdruck verliehen wird. Die Resolution appelliert an die Vereinten
Nationen, "der ihrer Rolle bei der Schaffung von Frieden voll und ganz gerecht zu werden."
Die Resolution fordert femer einen umfassenden Bericht
über die Einhaltung der Handels- und Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch europäische Firmen
sowie koordinierte Maßnahmen zur Überwachung von
Rüstungsverkäufen und -exporten und militärischem
Gerät in die Region.
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Die norwegische Regierung hebt offiziell die Sanktionen gegen Kuwait auf, die unmittelbar nach der irakischen Invasion Kuwaits verhängt worden waren. Die
Sanktionen der Regierung gegen den Irak bleiben in
Kraft.
16. März
Präsident Bush und der britische Premierminister Major
erklären in Bermuda, ein dauerhafter Waffenstillstand
am Golf müsse die überwachte Zerstörung der chemischen und biologischen Waffen des Irak sowie die
Verwendung der irakischen Öleinnahmen zur Zahlung
von Reparationen an Kuwait beinhalten. Bush bestätigt, daß der Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte am Golf, General Norman H. Schwarzkopf, den
Irak gewarnt habe, keine Flüge mit Starrflüglern zu
unternehmen.
17. März
Das amerikanische Militärkommando in Riad gibt eine
Erklärung als Bestätigung heraus, daß bei einem Treffen
zwischen dem Irak und Offizieren der Koalitionsstreitmacht in Safwan am selben Tag der Leiter der alliierten
Delegation, Generalmajor Robert B. Johnston, den
Antrag des regierenden irakischen Revolutionsrats
offiziell abgelehnt hat, Flüge irakischer Kriegsflugzeuge im Land zu gestatten. Die Kommandeure warnen
den Irak femer, daß die Kampfflugzeuge der Koalitionsstreitmacht alle in der Luft befindlichen irakischen
Kriegsflugzeuge abschießen werden.
Außenminister Baker erklärt in Washington, daß die
Vereinigten Staaten auch den irakischen Antrag abgelehnt haben, Kriegsflugzeuge zur Niederschlagung
einer Rebellion im Irak einzusetzen und den Irak

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�warnen, steh von den Luftoperationen der Verbündeten im irakischen Luftraum fernzuhatten.
Die Europäische Gemeinschaft gibt bekannt, daß sie
für die zivilen Opfer des Golfkriegs insbesondere im
Irak6,5 Millionen Dollar bereitstellt. Seitdem Ende des
Golf kriegs hat die EG 650.000 Dollar zum Aufbau einer
Wasseraufbereitungsanlage in Bagdad, 4,3 Millionen
Dollar für Wasseraufbereitungsprojekte in anderen
Gegenden des Irak sowie für Arznei- und Nahrungsmittel für Kinder gespendet.
Der iranische Außenminister legt über den irakischen
Geschäftsträger in Teheran gegenüber der irakischen
Regierung Protest gegen die Zerstörung heiliger Stätten im Irak durch irakische Streitkräfte ein.
19. März
Das amerikanische Repräsentantenhaus verabschiedet in mündlicher Abstimmung eine Resolution mit
dem Inhalt, daß "Saddam Hussein und der Irak rechtlich, moralisch und finanziell für alle durch die Einleitung von ö l in den Persischen Golf entstandenen
Kosten zur Rechenschaft gezogen wird".
Koalitionsstreitkräfte aus Kanada, Kuwait, Frankreich,
Saudi-Arabien, Großbritannien und den Vereinigten
Staaten haben Berichten zufolge seit Anfang März
600.000 irakische Sprengsätze auf kuwaitischem Boden
geräumt. Der Kommandeur der französischen Streitkräfte, Oberst Marc Le Mans, erklärt, diese Sprengsätze verusachten "große Probleme auf dem gesamten
kuwaitischen Kriegsschauplatz".
19. März
Der Stellvertretende Verteidigungsminister Pete Williams erklärt, das amerikanische Verteidigungsministerium werde auf dem Luftweg humanitäre Hilfsgüter
im Wert von 400.000 Dollar zur Verteilung durch das
kuwaitische Rote Kreuz nach Kuwait schicken. Die
Ladung der C-5-Flugzeuge ist über 130.000 Pfund
schwer und enthält medizinische Versorgungsgüter,
Babynahrung, Zelte, Feldbetten, Kochgeschirr, Herde, Kerzen, Seife, Wasserbehälter und Pumpen.
Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten
Kreuz (IKRK) erklärt in Genf, die erste Phase des
Gefangenenaustauschs zwischen dem Irak und den
Verbündeten sei abgeschlossen. Dem IKRK zufolge
haben die Verbündeten 1.500 irakische Kriegsgefangene in ihre Heimat zurückgeschickt und halten noch
60.000 Iraker fest, während der Irak ungefähr 1.200
Kuwaiter freigelassen hat. Das IKRK hat 4.500 von
den irakischen Streitkräften während der Besetzung
Kuwaits festgenommene Kuwaiter registriert, so der
Sprecher.
22. März
Der 15 Mitglieder umfassende Sanktionsausschuß
des UN-Sicherheitsrats lockert die Restriktionen für
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humanitäre Nahrungsmittellieferungen an irakische
Zivilisten. Diese Aktion erstreckt steh nicht auf die
weitreichenden zwingenden Sanktionen gegen den
Irak nach der Invasion und Besetzung Kuwaits im
vergangenen August, erklärt der amerikanische Botschafter Thomas Pickering. "Es bedeutet, daß bestimmte entscheidende Güter gemäß der vom Sanktionsausschuß verfügten Verfahren geliefert werden."
Pickering zufolge wird der Ausschuß genau beobachten, was in den Irak geliefert und wie es verteilt wird.
23. März
Der irakische Präsident Saddam Hussein veröffentlicht ein Dekret, in dem die Zusammensetzung des
neuen irakischen Kabinetts unter Leitung von Premierminister Dr. Sadun Hammadi bekanntgegeben wird.
Außenminister Tarik Asis wird zum Stellvertretenden
Premierminister ernannt.

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25. März
Das Büro zur Kontrolle ausländischer Vermögenswerte des US-Finanzministeriums hebt auf Bitte der kuwaitischen Regierung die wirksame Kontrolle eines
Großteils der in den Vereinigten Staaten eingefrorenen kuwaitischen Vermögenswerte wieder auf. Als auf
Ersuchen der kuwaitischen Regierung ergriffene Schutzmaßnahme wurden die Vermögenswerte mit einer
Durchführungsbestimmung des Präsidenten nach der
irakischen Invasion Kuwaits am 2. August 1990 eingefroren.
Der irakische UNO-Botschafter Abdul Amir Al-Anbari
setzt Generalsekretär Perez de Cuellar davon in
Kenntnis, daß der Irak- wie in UNO-Resolution 686 als
Voraussetzung für einen dauerhaften Waffenstillstand
gefordert - zur Rückgabe des während der siebenmonatigen Besetzung Kuwaits beschlagnahmten Eigentums bereit ist.
In von den Vereinten Nationen veröffentlichten Dokumenten führt der Irak Banknoten, Geldstücke und
andere den Kuwaitem entwendete Münzen auf, einschließlich 3.216 Standard-Goldbarren und über 171

i

Millionen Kuwait gehörende kuwaitische Dinar-Banknoten.
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Darüber hinaus legt der Irak eine Kopie der vom
Revolutionsrat am 5. März verabschiedeten Resolution vor, die alle nach dem 2. August getroffenen
Entscheidungen des Irak bezüglich Kuwait für null und
nichtig erklärt.
26. März
Indien hebt das Handelsembargo gegen Kuwait auf,
setzt das Handelsembargo gegen den Irak jedoch im
Einklang mit den UNO-Resolutionen fort.
27. März
Die fünf Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
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einigen sich auf eine Resolution zu einem dauerhaften
Waffenstillstand im Golfkrieg und nehmen Konsultationen mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats
auf. Dies ist die 14. Resolution des UN-Sicherheitsrats
im Zusammenhang mit der Golfkrise.
28. März
Der Stellvertretende UNO-Generalsekretär Martti
Ahtisaari drängt in einem Bericht des UN-Teams über
die humanitären Bedürfnisse Kuwaits "mit höchster
Dringlichkeit" auf internationale Hilfe. Eines der vordringlichsten Bedürfnise Kuwaits ist Unterstützung bei
der Räumung der Unmenge von Bomben, Raketen,
Granaten, Minen und anderen vom irakischen Heer

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hinterlassenen nichtexplodierten Sprengsätzen, so
Ahtisaari. Weitere Bereiche von höchster Dringlichkeit
sind ihm zufolge die Überwachung der Wasseraufbereitung, ein kurzfristiger Plan zur medizinischen Notversorgung, Notfallhilfe für Kinder sowie Umweltschutzmaßnahmen.
30. März
Der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrates,
Abdullah Bishara, gibt bekannt, daß die Mitglieder des
GCC die finanzielle Hilfe an Jordanien und die PLO
aufgrund ihrer Unterstützung des Irak in der Golfkrise
ausgesetzt haben. "Kein Vergeben, kein Vergessen",
so Bishara.

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