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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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3. April 1991

-

GATT

UNTERHÄNDLER DER URUGUAY-RUNDE
ÜBERWINDEN PATT
von Louis Murphy

AMERIKA HEUTE

DER NIEDERGANG AMERIKAS EIN WIEDERHOLUNGSFALL IN DER
GESELLSCHAFT
von Joseph Nye
DIE FÄHIGKEIT ZUR ERNEUERUNG
von Joel Kotkin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GATT
3. April 1991

UNTERHÄNDLER DER URUGUAY-RUNDE
ÜBERWINDEN PATT
von Louis Murphy
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Leiter des Büros für multilaterale Angelegenheiten im US-Handelsministerium. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien am 25. März 1991 in der vom Handelsministerium
herausgegebenen Publikation Business America.

Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT),
ein von 101 Ländern unterzeichnetes multilaterales
Handelsabkommen, hat seit über 40 Jahren als Triebfeder der Liberalisierung des Handels gedient. Seit der
Gründung des GATT im Jahr 1947 wurden sieben
erfolgreiche Verhandlungsrunden abgeschlossen. Die
ersten sieben Runden haben zu einem Abbau der
internationalen Zollsätze von über 75 Prozent geführt.
Während dieses Zeitraums expandierte der Welthandel drastisch von 60 Milliarden Dollar im Jahr 1950 auf
heute rund 4 Billionen Dollar.
In jüngster Zeit haben die Vertragsparteien die Bestrebungen zum Abschluß der achten - der UruguayRunde - wiederaufgenommen, die im September 1986
in Punta del Este (Uruguay) begonnen wurde. Die Verhandlungen der Uruguay-Runde wurden im Dezember
1990 beim Ministertreffen in Brüssel vertagt, als deutlich wurde, daß die Europäiche Gemeinschaft, Japan
und Korea nicht bereit waren, ernsthafte Verpflichtungen zur Agrarreform einzugehen. Die Landwirtschaft
ist der Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen: die
Entwicklungsländer haben Verpflichtungen im Agrarbereich im Gegenzug für ihre Berücksichtigung der Belange der Industrienationen gefordert.
Eine Reihe von Konsultationen
Nach Vertagung der Verhandlungen nahm Arthur Dunkel,
der Generaldirektor des GATT, eine Reihe von Konsultationen mit den Delegationen auf, um festzustellen, ob eine Grundlage zur Wiederaufnahme der Verhandlungen gefunden werden könnte. Im vergangenen Februar konnte Dunkel den Erfolg der umfassenden Konsultationen vermelden. Er bestätigte, daß sich
die 33 wichtigsten Teilnehmer bei den Agrarverhand-

AMERIKA DIENST 13

lungen (einschließlich der Europäischen Gemeinschaft)
auf "bestimmte bindende Verpflichtungen" in den
Bereichen Stützmaßnahmen im Inland, Marktzugang
und Exportwettbewerb geeinigt hatten. (Bei der Überprüfung einzelner Bereiche ihrer umstrittenen Gemeinsamen Agrarpolitik gelangte die Europäische
Gemeinschaft zu dem Schluß, daß eine grundlegende
Reform sowohl den innenpolitischen als auch den
multilateralen politischen Zielsetzungen gerecht würde). Die GATT-Teilnehmer einigten sich ferner darauf,
ein Abkommen zu Gesundheits- und Hygienefragen
anzustreben.
Auf den Durchbruch im Agrarbereich aufbauend, nahm
Dunkel gemeinsam mit den wichtigsten Ländern auch
eine Bilanz der nicht im Agrarbereich angesiedelten
Probleme vor. Auf der Grundlage dieser Erörterungen
entwickelte Dunkel einen Plan zur Wiederaufnahme
von Verhandlungen, der am 25. Februar 1991 vom
Ausschuß für die Handelsgespräche in Genf genehmigt wurde. Mit der Verabschiedung dieses Zeitplans
wurden die Verhandlungen der Uruguay-Runde offiziell wiederaufgenommen.
Dunkel hatte eine neue Struktur der offiziellen Zusammenkünfte bei den Verhandlungen entwickelt. Auf die
Art der Sitzungen in Brüssel aufbauend, konzentriert
sich die neue Struktur auf zu bestimmten Themen
anberaumte "Konsultationen". Für März berief Dunkel
Konsultationen über Agrarfragen, Textilien, Dienstleistungen, GATT-Regeln (in allen Bereichen) handelsbezogene Investitionsmaßnahmen (TRIMs), handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum
(TRIPs), Schlichtung von Streitigkeiten, Funktionsweise des GATT-Systems (Functioning of the GATT
System - FOGS) und Marktzugang ein.

Seite 1

�Für den Abschluß der Verhandlungen wurde kein
Termin festgesetzt. Dunkel deutete jedoch an, daß
sich aus den Verhandlungen ein Datum ergeben sollte.
Zielsetzungen der USA für eine erfolgreiche
Runde
Die Vereinigten Staaten sehen Landwirtschaft als
entscheidende Komponente jedes Pakets von Abkommen der Uruguay-Runde an. Darüber hinaus werden
die amerikanischen Unterhändler ihre Bemühungen
im Bereich des Marktzugangs fortsetzen. In den
vergangenen Monaten haben sich die Vereinigten
Staaten darauf konzentriert, die in Brüssel erzielte
Unterstützung für gegenseitige zollfreie oder Initiativen zum "Nulltarif" zu konsolidieren. Alle bei der
Brüsseler Sitzung vorgebrachten Themen - Fisch,
Bier, Arzneimittel, Papier, Holz, Nichteisenmetalle,
Stahl, Elektronik und Baugerät - bleiben als tragfähige
Vorschläge auf dem Verhandlungstisch.
Während der Unterbrechung der Verhandlungen standen die Vertreter des amerikanischen Privatsektors in
Kontakt mit ihren Geschäftspartnern und Regierungsvertretern im Ausland, um ihrem Anliegen zum Erfolg
zu verhelfen. In der jüngsten Zeit konnten ermutigende Anzeichen von so wichtigen Handelspartnern wie
Korea und der Europäischen Gemeinschaft beobachtet werden. Die amerikanischen Unterhändler beraumten während der Verhandlungspause auch eine
Reihe informeller bilateraler Treffen an, um den Nulltarif-Vorschlag für Schlüsselbereiche der Industrie voranzubringen.
Generaldirektor Dunkel hat die Teilnehmer aufgefordert, intensive bilaterale und multilaterale Verhandlungen zu Marktzugang wiederaufzunehmen. Die Ergebnisse der Verhandlungen vor, während und seit dem
Brüsseler Ministertreffen werden bei der Sitzung der
Konsultativgruppe zu Marktzugang am 21. März
mündlich berichtet.
Darüber hinaus räumen die Vereinigten Staaten den
Verhandlungen über die "neuen Themen" wie TRIMs,
TRIPs und Dienstleistungen Priorität ein. Obwohl
greifbare Fortschritte in diesen Bereichen harte Verhandlungen erfordern, haben sich die Aussichten mit
der offenkundigen Bereitschaft der Entwicklungsländer zur konstruktiveren Teilnahme an den Verhandlungen verbessert.
Handelsbezogene Investitionsmaßnahmen - TRIMs:
US-Firmen haben nahezu 400 Milliarden Dollar im
Ausland investiert - eine Investition, die im Jahr 1989
Einnahmen in Höhe von 54 Milliarden Dollar zur Folge
hatte und fast zwei Drittel der gesamten amerikanischen Exporte stimuliert hat. Die Regierungen machen solche ausländischen Investitionen jedoch häufig
vom Inlandsanteil, der Exportleistung und anderen
Bestimmungen abhängig, die den Handel beschränken oder verzerren.

Seite 2

Während einige Entwicklungsländer GATT-Disziplinen bei den TRIMs ablehnen, sollten die Verhandlungen letztlich zur Verringerung oder Beseitigung solcher Praktiken führen und damit die Schaffung weltweiten Wirtschaftswachstums durch Direktinvestitionen erleichtern.
Handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem
Eigentum -TRIPs: Die durch den unzureichenden
Schutz von Rechten an geistigem Eigentum verursachten weltweiten Einnahmeverluste der amerikanischen Industrie summieren sich bis heute auf schätzungsweise 60 Milliarden Dollar. Die Vereinigten
Staaten streben einen ausreichenden Schutz von
Patenten, Urheberrechten, Handelsmarken und anderen Rechten an geistigem Eigentum an, die für amerikanische Unternehmen eine wachsende Einnahmequelle darstellen. Die Vereinigten Staaten gehen
davon aus, daß dies am wirksamsten durch definitive
Vorschriften gewährleistet wird, die rigoros durchgesetzt werden. Substantielle technische Meinungsverschiedenheiten müssen noch ausgeräumt werden,
und darüber hinaus sind schwierige politische Entscheidungen erforderlich, um wichtigen ausstehenden
Fragen gerecht zu werden.
Dienstleistungen: Die Bedeutung von Dienstleistungen für die amerikanische Wirtschaft ist unbestreitbar.
Auf Dienstleistungen entfallen 66 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung und 76 Prozent der
amerikanischen Arbeitsplätze, und der Dienstleistungssektor erbringt jährlich Exporte im Wert von 90 Milliarden Dollar. 25 Prozent des Welthandels entfallen auf
Dienstleistungen, und trotzdem gibt es für den Handel
mit Dienstleistungen keine internationalen Regeln des
Fair play. Seit dem Brüsseler Ministertreffen haben die
Unterhändler im Dienstleistungsbereich ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich darauf konzentriert, bestimmte
Verpflichtungen im Hinblick auf Marktzugang und
nationale Behandlung festzuschreiben. Bis Mitte März
hatten nahezu 20 Länder Vorschläge auf den Tisch
gelegt. Die Vereinigten Staaten sind mit den meisten
ihrer wichtigsten Handelspartner in Europa, Asien und
Lateinamerika mindestens einmal zusammengetroffen. In Fällen, in denen ein Land noch keinen Vorschlag zur Marktöffnung in bestimmten Dienstleistungssektoren vorgelegt hat, haben die Vereinigten Staaten
auf die möglichst baldige Vorlage eines solchen Vorschlags gedrängt und diejenigen Sektoren und Hindernisse aufgezeigt, die für amerikanische Anbieter von
Dienstleistungen am interessantesten sind.
Darüber hinaus werden sich die Vereinigten Staaten
für durchgreifendere und wirksamere GATT-Regeln
zu Subventionen, Beilegung von Streitfällen, GATTArtikeln, vorübergehendem Importschutz, Abkommen
und Arrangements (Kodizes) im Rahmen von multilateralen Handelsgesprächen (MTN) sowie der Funktionsweise des GATT-Systems (FOGS) einsetzen.

AMERIKA DIENST 13

�Die Vereinigten Staaten möchten sicherstellen, daß
die internationalen Disziplinen gestärkt werden, ohne
gleichzeitig amerikanische Handelsgesetze oder
Abhilfemaßnahmen zu schwächen.
Wesentliche
Fortschritte in diesen Bereichen werden zu einer
Erweiterung des Zugangs zu ausländischen Märkten
führen und faire Handelsbedingungen auf dem USMarkt gewährleisten.
Das "Fast-Track"-Mandat und dessen
Verlängerung

t

Die amerikanische Beteiligung an den Bemühungen
zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde wird
von der Verlängerung der "Fast-track"-Verfahren
abhängen. Diese Verfahren sind für erfolgreiche
Verhandlungen über Handelsabkommen unerläßlich,
da sie vom Kongreß ein einfaches Ja oder Nein zu
einschlägigen Gesetzen erfordern, und zwar ohne
Zusätze und innerhalb einer bestimmten Frist. Ohne
"Fast track" kann der Präsident unseren Handelspartnern nicht zusichern, daß die mit ihnen ausgehandelten Uruguay-Runde-Abkommen auch im Kongreß zur
Abstimmung gelangen. Ohne diese Zusicherung werden
ausländische Regierungen zögern, mit den Vereinigten Staaten zu verhandeln, und sie werden nicht die
einschneidenden Zugeständnisse machen, die für
tragfähige Abkommen erforderlich sind. Kein Handelspartner wird seine Verhandlungsposition vollständig ausreizen, wenn er weiß, daß das Verhandlungsergebnis vom Kongreß in Frage gestellt werden könnte.
Mit der Einbeziehung des "Fast track" in das Handelsgesetz von 1988 hat der Kongreß ausdrücklich eingeräumt, daß eine Verlängerung notwendig sein könnte,
damit der Präsident unsere handelspolitischen Ziele
effektiv vertreten kann. Das gegenwärtige "Fasttrack"-Mandat wäre am 1. Juni 1991 abgelaufen, wenn
der Präsident keine Verlängerung beantragt hätte.
Diese Verlängerung wird automatisch gewährt, es sei
denn, eines der beiden Häuser des Kongresses verabschiedet vor dem 1. Juni eine gegenteilige Resolution.
Im Falle seiner Verlängerung würde das"Fast track"
* *

AMERIKA DIENST 13

bis zum 1. Juni 1993 zur Verfügung stehen und könnte
angewendet werden, um die Uruguay-Runde abzuschließen, eine Nordamerikanische Freihandelszone
auszuhandeln und die handelspolitischen Ziele der
Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Teilen Amerikas weiterzuverfolgen.
Die Rolle der amerikanischen Wirtschaft bei den
Verhandlungen
Die amerikanischen Unterhändler werden im weiteren
Verlauf der Uruguay-Runde auf die anhaltende Unterstützung der amerikanischen Wirtschaft bauen. Der
amerikanische Privatsektor ist sich der Bedeutung
einer erfolgreichen Runde bewußt und hat eine integrale Rolle bei der Beratung der amerikanischen Unterhändler im Hinblick auf die Prioritäten der Wirtschaft
gespielt. So haben die Vereinigten Staaten auf Drängen des Privatsektors angeboten, ihre Zölle in mehreren Schlüsselbereichen des Handels bis auf Null zu
senken und die Zölle insgesamt um über 40 Prozent
abzubauen (über das Ziel der Runde von 33 Prozent
hinaus).
Auch in ausländischen Wirtschaftskreisen hat sich in
jüngster Zeit Unterstützung formiert. Berater aus der
Privatindustrie in anderen Ländern haben sich zunehmend in die Verhandlungen eingeschaltet und scheinen darauf zu drängen, daß ihre Regierungen Fortschritte erzielen. Diese verstärkte Beteiligung wurde
teilweise durch die intensive Einflußnahme amerikanischer Berater aus dem Privatsektor verursacht. Darüber hinaus erkennen die verschiedenen Branchen die
Gefahren eines erneuten Scheiterns der Verhandlungen, wie es beim Brüsseler Ministertreffen geschah.
Mit der Wiederaufnahme der Runde bietet sich erneut
die Chance für substantielle und meßbare Fortschritte.
Die amerikanischen Unterhändler rüsten sich für die
kommenden Monate. Viele Probleme bleiben noch zu
lösen, damit ein gestärktes multilaterales Handelssystem erreicht wird, von dem alle Beteiligten profitieren
werden, indem es größere wirtschaftliche Möglichkeiten für Exporteure und Investoren gewähleistet.
* *

*

Seite 3

�AMERIKA

HEUTE
3. April 1991

DER NIEDERGANG AMERIKAS EIN WIEDERHOLUNGSFALL IN DER GESCHICHTE?
von Joseph Nye
BONN - (AD) - Der folgende Artikel von Joseph Nye, dem Leiter des Center for Science and International Affairs
und Professor an der Universität Harvard, ist in ungekürzter Fassung erstmals im März 1990 in der Zeitschrift
The Atlantic erschienen. Er basiert auf dem Buch Bound to Lead: The Changing Nature of American
Power, Basic Books 1990.
Copyright (c) 1990 Joseph S. Nye, Jr.

Einige Wissenschaftler vertreten die Auffassung, daß
der Niedergang Amerikas einem bestimmten, in der
Geschichte regelmäßig wiederkehrenden Muster folgt.
Ein wachsendes Land baut seine Militärmacht auf, um
seine zunehmenden Wirtschaftsinteressen zu schützen, bis schließlich die Kosten für diesen Machterhalt
seine Stärke unterminieren und eine andere aufstrebende Wirtschaftsmacht seine Stelle einnimmt.
In seinem Bestseller Aufstieg und Fall der großen
Mächte schreibt Paul Kennedy: "Die Schwierigkeiten,
die militärisch kopflastige Gesellschaften heute durchleben, sind lediglich eine Wiederholung der Erfahrungen, die das Spanien Philip II., das Rußland Nikolaus
II. und Hitlers Deutschland gemacht haben."
Solche historischen Vergleiche deuten darauf hin, daß
tiefgreifende außenpolitische Veränderungen an der
Tagesordnung sind, aber wenn diese Vergleiche irreführend sind, wäre auch die Schlußfolgerung unzulässig. Einsparungen könnten genau die Schwächung
amerikanischer Macht bewirken, die sie verhindern
sollen. Mit einer Distanzierung von internationalen
Verpflichtungen könnte Amerikas Einfluß in Übersee
schwinden, ohne daß die heimische Wirtschaft gestärkt würde. Tatsächlich sind die Länder der Welt so
unauflöslich verkettet, daß Rückzugsbestrebungen
sicherlich scheitern würden.
Es ist ebenso müßig, Amerikas Stärke überzubewerten wie sie zu untertreiben. Eine Überbewertung führt
zu mangelnder Anpassungsfähigkeit, die Untertreibung zu Heilungsversuchen, die mehr Schaden anrichten als die Krankheit selbst.

AMERIKA DIENST 13

Bei einem Niedergang treffen zwei sehr unterschiedliche Konzepte aufeinander: schwindende außenpolitische Macht und innenpolitische Probleme oder Zerfall.
Dennoch kann in einem Land der Niedergang nur in
einem der beiden Bereiche stattfinden. Zum Beispiel
erlebten die Niederlande im 17. Jahrhundert eine Blütezeit im Inland, während ihre Macht proportional
abnahm, weil andere Länder stärker wurden. Im
Gegensatz dazu verlor Spanien seine au ßenpolitische
Macht unter anderem, weil es von den zwanziger bis zu
den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts eine Zeit
absoluten wirtschaftlichen Niedergangs erlebte.
Natürlich können innenpolitische Probleme zu einem
Verlust außenpolitischer Macht führen. Dennoch ist es
oftmals schwierig zu definieren, welche innenpolitischen Veränderungen den Machtverlust hervorgerufen und wann sie stattgefunden haben.
Macht ist ein Konzept der Relationen. Es hängt zum
Teil von Ereignissen im Inland, aber noch mehr von
Ereignissen im Ausland ab. Ein Imperium kann unter
Umständen noch lange Zeit nach dem Zerfall der
Zivilisation im eigenen Land bestehen, solange die
Herausforderungen von außen gering sind.
Ein Land kann darüber hinaus im Verhältnis zu anderen an Macht verlieren, weil es sich nicht zur Nutzung
der Machtressourcen entscheidet, die ihm zur Verfügung stehen. Zum Beispiel sind die Vereinigten Staaten aus dem Zweiten Weltkrieg als potentiell dominante Weltmacht hervorgegangen, haben aber eine Politik
des Isolationismus gewählt, die sie auf eine Nebenrolle
in der Weltpolitik festgelegt haben. Der Einfluß Amerikas war 1928 geringer als 1918, aber nicht etwa, weil
Amerika Macht verloren hatte.
Seite 1

�Es steht außer Zweifel, daß die Vereinigten Staaten
am Ende des 20. Jahrhunderts weniger Macht haben
als Mitte dieses Jahrhunderts. Sogar konservativen
Schätzungen zufolge ist der Anteil der Vereinigten
Staaten an der Weltproduktion von über einem Drittel
nach dem Zweiten Weltkrieg in den achtziger Jahren
auf etwas mehr als ein Fünftel gesunken. Die Vereinigten Staaten gingen gestärkt aus dem Krieg hervor,
während die anderen großen Mächte vernichtet waren. In diesem Sinne war die amerikanische Vorherrschaft in den fünfziger Jahren anormal - wie der kleine
Junge, der die Straße beherrscht, weil die anderen mit
Grippe im Bett liegen. Die Vorherrschaft Amerikas war
zum Scheitern verurteilt, als andere Länder ihre wirtschaftliche Stabilität wiedererlangten.
Paul Kennedy argumentiert, der Niedergang der Vereinigten Staaten sei kontinuierlich erfolgt: "Der USAnteil am Weltbruttosozialprodukt, das seit 1945 in
normalem Umfang abgenommen hat, fiel sehr viel
schneller als er in den letzten Jahren hätte fallen
sollen."
Aber die Zahlen untermauern nicht das Argument für
die kontinuierliche Abnahme des amerikanischen Anteils
an der Weltwirtschaftsleistung. Charles Wolf von der
Rand Corporation erklärt, "wenn man ein repräsentativeres Jahr zugrundelegt - sagen wir Mitte der
sechziger Jahre (oder noch vor dem Zweiten Weltkrieg, etwa 1938) - ergibt sich die bemerkenswerte
Tatsache, daß der Anteil der US-Wirtschaft an der
Weltwirtschaftsleistung 'damals' ungefähr so hoch war
wie 'heute': 22 zu 24 Prozent."
Anderen Untersuchungen zum US-Anteil an der Weltwirtschaftsleistung zufolge ließen die sogenannten
Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs etwas später
nach als Wolf errechnet, aber sie kommen zum selben
Ergebnis. Zum Beispiel schätzt der Wirtschaftswissenschaftler Herbert Block, daß die Vereinigten Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa ein Viertel
und 1950 bereits ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung
stellten. Nach dem Krieg nahm der US-Anteil bis 1974
ab und stabilisierte sich dann.
Der Amerikanische Rat zur Wettbewerbsfähigkeit gelangt
gleichermaßen zu dem Schluß, daß der US-Anteil an
der Weltwirtschaftsleistung seit Mitte der siebziger
Jahre mit 23 Prozent konstant geblieben ist. Der
amerikanische Anteil an der Wirtschaftsleistung der
führenden Industrieländer ist in den achtziger Jahren
tatsächlich etwas angestiegen. Der CIA zeigt auf der
Basis von Zahlen zur Kaufkraft verschiedener Währungen, daß der amerikanische Anteil an der Weltwirtschaftsleistung von 25 Prozent im Jahr 1975 auf 26
Prozent im Jahr 1988 gestiegen ist.
Diese Zahlen ziehen die Ansicht in Zweifel, daß ein
steiler oder kontinuierlicher Niedergang Amerikas
stattgefunden hat. Vielmehr deuten sie darauf hin, daß
die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs etwa 25

Seite 2

Jahre gedauert haben und sich die Position Amerikas
danach stabilisiert hat. Der größte Teil des Niedergangs hatte bis Mitte der siebziger Jahre das ganze
System erfaßt.
Der Theorie der Überdehnung zufolge gelangt eine
Großmacht eines Tages zu dem Schlu ß, da ß sie heute
viel mehr für ihre Verteidigung ausgibt als noch vor
zwei Generationen, die Welt aber trotzdem weniger
sicher ist. Die amerikanischen Zahlen bestätigen
diese Theorie jedoch nicht. Auch nach der Aufrüstung
der Reagan-Regierung betragen die gegenwärtigen
US-Verteidigungsausgaben etwa 6 Prozent des BSP Ende der fünfziger Jahre waren es noch 10 Prozent.
Darüber hinaus sind die Belastungen für die Verteidigung in den Vereinigten Staaten kaum mit denen
Spaniens und Frankreichs in den letzten Tagen ihrer
Blütezeit zu vergleichen. Bei Philip II. von Spanien
flössen drei Viertel aller staatlichen Ausgaben in die
Kriegskasse und die Kriegsschulden. In Frankreich
zur Zeit Ludwig XIV. und in Rußland unter Peter dem
Gro ßen scheint man jeweils etwa 75 beziehungsweise
85 Prozent der Einnahmen für den Krieg und den
Aufbau des Militärs ausgegeben zu haben.
In den Vereinigten Staaten entfallen heute 27 Prozent
des Bundeshaushalts auf Verteidigungszwecke (einschließlich der Leistungen an Veteranen), und im
Gegensatz zu den historischen Beispielen beinhalten
die Verpflichtungen der USA in Übersee keine dauerhafte Besetzung und Kontrolle eroberter Gebiete.
Das Verhältnis der amerikanischen Verteidigungslasten zum Anteil der USA an der weltweiten Wirtschaftsleistung war in den achtziger Jahren tatsächlich
niedriger als in den fünfziger Jahren. Im Gegensatz
zur Theorie der imperialen Überdehnung sind die
amerikanischen Verteidigungslasten heute in der Tat
leichter als in den fünfziger Jahren, und die politischen
Lasten amerikanischen Engagements wiegen heute
weniger schwer als in den sechziger Jahren während
des Vietnamkriegs.
Das bedeutet nicht, daß die Struktur des gegenwärtigen Verteidigungshaushalts vernünftig ist. Im Gegenteil - die Aufrüstung der achtziger Jahre war von Hast
und enormer Verschwendung gekennzeichnet, und
die Regierung war nicht entscheidungsfreudig genug,
um unnötige Waffensysteme zu streichen. Angesichts
der Veränderungen in der Weltpolitik lassen sich äußerst
stichhaltige Gründe dafür finden, Ressourcen verstärkt für internationale Institutionen, den Ausbau des
Kommunikationswesens und die Unterstützung wichtiger Länder aufzuwenden. Wenn solche Ausgaben
erforderlich sind, kann das Land sie sich auch leisten.
Die Theorie der imperialen Überdehnung trifft auf die
Vereinigten Staaten nicht zu.
Es gibt mindestens vier bedeutende Unterschiede
zwischen der Machtposition des viktorianischen Englands und des modernen Amerikas. Der erste betrifft
AMERIKA DIENST 13

�das Ausmaß der Vorherrschaft. Die Machtfülle Großbritanniens kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts
besonders stark in seiner Marinestreitmacht und seiner industriellen Produktion zum Tragen. Nicht nur ist
die Macht der Vereinigten Staaten in weit mehr Bereichen größer als die des damaligen Großbritanniens;
sie bewegt sich darüber hinaus in Größenordnungen,
die ihrer Macht voraussichtlich eine längere Dauer
verleihen. Heute ist ein vereinigtes Europa - nicht nur
ein vereinigtes Deutschland - erforderlich, um die
weltweite Führungsrolle der Vereinigten Staaten herauszufordern. Großbritannien beherrschte ein Viertel
der Welt, aber das Empire wurde rasch ein Opfer des
Nationalismus und hörte auf, eine verläßliche Grundlage für die militärischen Pläne Englands zu bieten.
Zweitens besitzen die Vereinigten Staaten zumindest
seit 1865 eine gegen nationalistische Auflösungserscheinungen immune Volkswirtschaft kontinentalen
Ausmaßes. Importe machen heute nur 12 Prozent des
amerikanischen Bruttosozialprodukts aus, während
dieser Anteil im Großbritannien von 1914 bei 25 Prozent lag. Auf dem Höhepunkt seiner Macht in den
siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts war die britische Wirtschaft lediglich die drittstärkste der Welt, und
sie fiel im Jahr 1914 auf den vierten Platz zurück. Das
amerikanische BSP ist heute jedoch wesentlich grö ßer
als das der nächsten Konkurrenten. Man sollte diese
Größenunterschiede berücksichtigen, wenn man in
Theorien von Überdehnung spricht.
Drittens bestehen trotz all des lockeren Geredes (und
noch lockererer Definitionen) vom amerikanischen
Empire erhebliche Unterschiede zwischen dem territorialen Empire Großbritanniens und den Einflußgebieten der Vereinigten Staaten. Die Amerikaner besitzen
im Hinblick auf Arten und Abstufung von Verteidigungsverpflichtungen wesentlich mehr Optionen als
die Briten damals.
Einige Historiker gehen heute davon aus, daß sich das
territoriale Empire für Großbritannien zu einem Verlustgeschäft entwickelte. Ob man nun die NATO als
eine Vorneverteidigung der amerikanischen Grenzen
betrachtet, zu der die Europäer die meisten Soldaten
beisteuern oder als Akt amerikanischer Großzügigkeit
- man kann sich schwerlich vorstellen, daß unsere
Bündnisse einen ähnlichen Verlust hinnehmen müßten, insbesondere weil ein Rückzug amerikanischer
Truppen auf Stützpunkte im Inland nur dann Geld
einsparen würde, wenn die Einheiten danach aufgelöst würden. Im Gegensatz zum Gro ßbritannien König
Eduards, das zu Beginn dieses Jahrhunderts gezwungen war, seine Isolation aufzugeben und nach Verbündeten Ausschau zu halten, müssen die Vereinigten
Staaten am Ende dieses Jahrhunderts die erfolgreichen Bündnisse mit den großen demokratischen Industriestaaten umgestalten und modernisieren, die für
das weltweite Gleichgewicht in den vergangenen 40
Jahren entscheidend waren.

AMERIKA DIENST 13

Ein vierter wesentlicher Unterschied besteht in den
geographischen Herausforderungen, mit denen beide
Länder konfrontiert waren oder sind. So erwuchsen
Großbritannien um 1900 Konkurrenten in Deutschland, den Vereinigten Staaten und Rußland. Deutschland als nächstgelegener dieser Herausforderer hatte
Großbritannien nicht nur an Wirtschaftskraft überholt,
sondern entwickelte darüber hinaus auch militärisch
eine dominierende Stellung und war deshalb eine
Bedrohung der britischen Vorherrschaft auf dem
Kontinent.
Die außenpolitische Situation der Vereinigten Staaten
ist heute anders gelagert. Ihr wichtigster militärischer
Gegner, die Sowjetunion, ist mit einem instabilen osteuropäischen Reich konfrontiert, und die sowjetische
Wirtschaft, auf die sich in der Vergangenheit ihr Expansionsstreben gründete, erlebte einen drastischen
Niedergang. Darüber hinaus sind die sowjetischen
Verteidigungslasten, deren Anteil am BSP auf 15 - 20
Prozent geschätzt wird, etwa dreimal so hoch wie die
relative Belastung für die US-Wirtschaft.
Keine der anderen Hauptweltmächte kann die Vereinigten Staaten zur Zeit an wirtschaftlicher und militärischer Stärke übertreffen. Obwohl Westeuropa eine
gut ausgebildete Bevölkerung, ein robustes BSP und
ab 1992 einen gestärkten Binnenmarkt vorweisen
kann, sind nur wenige Beobachter der Meinung, daß
die europäische Integration bald zu einer gemeinsamen Regierung oder einer gemeinsamen Sicherheitspolitik fortschreitet.
Auch China könnte aus einer wesentlich längerfristigen Perspektive heraus ein potentieller Rivale der
Vereinigten Staaten sein, jedoch ist die menschliche
und technische Infrastruktur des Landes noch wesentlich geringer entwickelt als die der Vereinigten Staaten
oder auch der Sowjetunion. Und obwohl viele Amerikaner der Ansicht sind, die wirtschaftliche Stärke Japans
sei eine größere Herausforderung als die sowjetische
Militärmacht, ist wirtschaftliche Konkurrenz kein Nullsummenspiel, in dem der Gewinn eines Landes der
Verlust eines anderen ist. Bis jetzt hat Japan die
Strategie eines Handelsstaates der einer Militärmacht
vorgezogen. Es gibt heute kein Gegenstück zum
deutschen Kaiserreich. Selbst die Wirtschaft des
wiedervereinigten Deutschlands erreicht nur ein Fünftel der amerikanischen Wirtschaftsleistung.
Die interessanteren Vergleiche zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten betreffen den inneren Zustand des Landes. Hier liegen auch die legitimen Anlässe zur Sorge begründet. Der Produktivitätszuwachs der amerikanischen Wirtschaft ist von 2,7
Prozent in den beiden ersten Nachkriegsjahrzehnten
auf 1,4 Prozent jährlich zurückgegangen. In den
achtziger Jahren ist die nationale Sparquote auf 2
Prozent gefallen, und die Bruttoinvestitionen betrugen
mit 17 Prozent nur etwa die Hälfte der japanischen
Quote von 30 Prozent. Zivile Forschungs- und Ent-

Seite 3

�wicklungsvottiaben betrugen nur 1,8 Prozent des BSP,
während ihr Anteil in Deutschland und Japan 2,6 und
2,8 Prozent ausmachte. Ausländische Investoren
erhielten nahezu die Hälfte aller im Jahr 1987 in den
Vereinigten Staaten verliehenen Patente, während
dieser Anteil zehn Jahre zuvor noch ein Drittel betragen hatte.
Aber selbst hier sollte man sich davor hüten, allzu
leichtfertige Vergleiche mit Großbritannien zu ziehen.
Die Vereinigten Staaten ziehen Kapital aus der übrigen
Welt an, während Großbritannien Kapital exportierte.
Und während Großbritannien viele Bürger durch Auswanderung verlor, erhalten die Vereinigten Staaten
durch die Einwanderung ständig frische Arbeitskräfte
und Energien.
Der vielleicht interessanteste Vergleich im Hinblick auf
die inneren Verhältnisse ist jedoch politischer Natur.
Werden die Vereinigten Staaten sowohl ihre internationalen Verpflichtungen als Nation, von der andere
Staaten Führungskraft erwarten, als auch die Notwendigkeit innenpolitischer Reformen verkraften? Das
britische Beispiel mahnt zur Vorsicht. Die politischen
Prozesse der viktorianischen Demokratie neigten zu
einer Aufsplitterung der nationalen Debatte. Konservative Politiker versäumten es, in angemessenem
Maß in die Zukunft zu investieren. Es bestand eine
weitverbreitete Abneigung dagegen, die - niedrige Steuerlast zu erhöhen.
Hier ist die Analogie zum modernen Amerika treffender: die Vereinigten Staaten sind das reichste Land
der Welt, aber ihr Handeln läßt zu wünschen übrig.
Obwohl Amerika eines der Industrieländer mit den
niedrigsten Steuern ist, scheint die amerikanische
Öffentlichkeit nicht bereit, angemessen in die Zukunft
zu investieren und die politisch Verantwortlichen haben wenig unternommen, um dem Abfluß der Ressourcen von Investitionen zu privatem Verbrauch in
den achtziger Jahren Einhalt zu gebieten.
Selbst eine starke Wirtschaft wird die Vereinigten
Staaten nicht davon abhalten, eine törichte Politik zu
verfolgen. Politische Führungsstärke ist erforderlich,
um zu erklären, warum bestimmte Maßnahmen - sei
es das Haushaltsdefizit, Protektionismus oder Kürzung der Auslandshilfe - zu selbstzugefügten Wunden
führen können. Effektive Einflußnahme erfordert die
Bereitschaft zu Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten.
Trotz einer Verdoppelung der nationalen Wirtschaftsleistung von 1960 bis 1980 wendeten die Vereinigten
Staaten im Jahr 1980 in realen Zahlen für direkt mit
auswärtigen Angelegenheiten verbundene Bereiche
des Haushalts - Verteidigung, Auslandshilfe, Information und repräsentative Zwecke - weniger auf. In den
achtziger Jahren nahmen die Verteidigungsaufwendungen zu, die Ausgaben der Vereinigten Staaten für
andere Bereiche auswärtiger Angelegenheiten verrin-

Seite 4

gerten sich jedoch von 12,7 Milliarden DoHar im Jahr
1981 auf 10,5 Milliarden Dollar 1988. Dieser Abbau
steht in krassem Gegensatz zu der wachsenden
Bedeutung wirtschaftlicher, informationsbezogener und
institutioneller Ressourcen bei der Aufrechterhaltung
oder Schaffung nationaler Macht.
Einige mögen die Frage aufwerfen, warum wir in Macht
investieren sollten. Warum nicht einfach glücklich
konsumieren wie die Schweizer oder Schweden? Die
Antwort lautet natürlich, daß die Vereinigten Staaten
zu groß sind, um zum Nulltarif im internationalen
System mitzufahren. Es liegt im Interesse dieses
Landes, entsprechend seiner Größe und seinem
Engagement für die Verbreitung offener Gesellschaften - das heißt, derjenigen, die Menschenrechte achten - und offener Volkswirtschaften Einfluß in der Welt
auszuüben. Es muß betont werden, daß eine solche
Führungsrolle vornehmlich eine Funktion der Größe
der Vereinigten Staaten und nicht ihrer hegemonialen
Mission zur Führung der Welt ist. Führung ist nicht
Hegemonie. Führung bedeutet, Verantwortung für die
eigenen langfristigen politischen und wirtschaftlichen
Interessen zu übernehmen.
"Das können wir uns nicht leisten", lautet das typische
Argument in Zeiten des Haushaltsdefizits, sei es bei
Hilfe für Polen, Investitionen in das Bildungswesen
oder Drogenbekämpfung. Wenn die Vereinigten Staaten jedoch Maßnahmen ergreifen würden, mit denen
der Konsum im Inland um die 2 Prozent des BSP
gekürzt würde, um die er in den vergangenen zehn
Jahren gestiegen ist, könnte sich das reichste Land der
Welt sowohl ein besseres Bildungswesen als auch den
internationalen Einfluß leisten, der sich aus wirksamer
Hilfe und Informationsprogrammen im Ausland herleitet.
Wir benötigen zusätzliche Investitionen in "weiche
Macht" - das komplexe Gefüge der Interdependenz statt in "harte Macht" - also teure neue Waffensysteme.
In den Vereinigten Staaten bedeutet Führung darauf
zu verweisen, daß die amerikanische Volkswirtschaft
es sich sehr wohl leisten kann, in internationale Angelegenheiten zu investieren - indem wir unsere Beiträge
an internationale Institutionen entrichten, entscheidenden Ländern wie Polen Hilfe gewähren und offene
internationale Märkte aufrechterhalten - wenn die
Amerikaner den politischen Willen dazu haben. Ohne
eine solche Führungsrolle wird die amerikanische
Fähigkeit, potentielle Macht in tatsächlichen Einfluß
umzusetzen, entsprechend geschmählert. Ein politisch Verantwortlicher, der die Macht der Vereinigten
Staaten am Ende des Jahrhunderts aufrechterhalten
will, muß eine Strategie verfolgen, mit der die Grundlage der amerikanischen Stärke im Inland bei gleichzeitigem Einsatz von Mitteln zur Aufrechterhaltung des
internationalen Einflusses wiederaufgebaut wird. Beide
Elemente sind unabdingbar.

AMERIKA DIENST 13

�Obwohl sich die Vereinigten Staaten gravierenden
sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen
gegenübersehen, waren sie in der Vergangenheit mit
entsprechenden oder größeren Problemen konfrontiert. Ein Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung
dieser Probleme besteht darin, der übrigen Welt gegenüber aufgeschlossen und anpassungsfähig zu
bleiben. Soziale Flexibilität, Mobilität zwischen den
Klassen und wirtschaftliche Offenheit sind Vorteile, die
Amerika gegenüber Europa und Japan genießt.

müssen, gibt es keinen Grund, warum das reichste
Land der Welt seinen internationalen Verpflichtungen
und seinen Binneninvestitionen nicht nachkommen
kann. Die Amerikaner können sich sowohl soziale als
auch internationale Sicherheit leisten. Der Gipfel der
Ironie wäre, wenn die Amerikaner die kurzfristigen
Probleme ihres Landes als Anzeichen für den langfristigen Niedergang sehen und in einer Weise reagieren
würden, die sie von den Quellen ihres internationalen
Einflusses abschneidet.

Es wäre blanke Ironie, wenn die Furcht vor dem
Niedergang zu protektionistischen Maßnahmen, Widerstand gegen ausländische Investitionen und Begrenzung der Einwanderungszahlen verleiten würde.
Obwohl es bisher wenige Anzeichen langfristiger wirtschaftlicher Verkrustungen gibt, könnten solche Maßnahmen dazu beitragen. Wenn die Furcht vor Wettbewerb wiederum zu neuen Maßnahmen bei Spartätigkeit, Forschung und Entwicklung sowie im Bildungswesen führt, die auf den bei einer auf Information
gegründeten Volkswirtschaft erforderlichen höheren
Standard gerichtet sind, könnte sich die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten, sich neu zu erfinden, wiederum
als geheime Stärke erweisen.

Wie bereits häufig zuvor verändert sich der Ressourcenmix, der internationale Macht hervorbringt. Einmalig ist jedoch, daß sich der Zyklus hegemonialer Konflikte mit Weltkriegen als Begleiterscheinung wahrscheinlich nicht wiederholt.

Die Amerikaner sind zu Recht besorgt über die sich
verändernde Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt.
Das Problem als Niedergang der Vereinigten Staaten
zu sehen und Parallelen zu Großbritannien zu ziehen,
ist jedoch irreführend, denn damit wird die Aufmerksamkeit von den sich aus den langfristigen Veränderungen der Weltpolitik ergebenden echten Problemen
abgelenkt und eine Art der Abhilfe vorgeschlagen, mit
der die Stellung der Vereinigten Staaten eher geschwächt als gestärkt würde.
Die Abkehr von internationalen Verpflichtungen würde
den amerikanischen Einfluß verringern ohne zwangsläufig die Binnenwirtschaft zu stärken. In der Tat
belegen jüngste Erfahrungen, daß die von den Vereinigten Staaten dadurch erzielten Einsparungen im
internationalen Bereich nur den Inlandsverbrauch statt
Investitionen steigern.
Obwohl sich die Amerikaner im nächsten Jahrzehnt
mit der Verschuldung der achtziger Jahre befassen

* *

AMERIKA DIENST 13

Am Ende des Jahrhunderts verfügen die Vereinigten
Staaten über mehr herkömmliche Machtressourcen
als jedes andere Land. Darüber hinaus haben sie die
ideologischen und institutionellen Ressourcen, um ihre
Führungsrolle in den neuen Domänen transnationaler
Interdependenz aufrechtzuerhalten. In diesem Sinne
steht die Situation der Vereinigten Staaten am Ende
des 20. Jahrhunderts in krassem Gegensatz zu der
Großbritanniens am Beginn des Jahrhunderts. Das
Problem amerikanischer Macht heute sind nicht neue
Herausforderungen an die Hegemonie, sondern die
neue Herausforderung transnationaler Interdependenz.
Eine Nachkriegsstrategie zur Bewältigung des Übergangs zu komplexer Interdependenz in den nächsten
Jahrzehnten wird erfordern, daß die Vereinigten Staaten genügend Ressourcen zur Aufrechterhaltung des
geopolitischen Gleichgewichts aufwenden, eine offe :
ne Haltung gegenüber der übrigen Welt einnehmen,
neue internationale Institutitionen entwickeln und die
Ressourcen amerikanischer Stärke im Inland durch
tiefgreifende Reformen und umfassende Investitionen
wiederherstellen. Die beiden Gefahren, denen sich
Amerikaner gegenübersehen, sind Selbstgefälligkeit
im Hinblick auf die innenpolitische Tagesordnung der
VereinigtenStaaten und mangelnde Bereitschaft, das
zur Aufrechterhaltung einer internationalen Führungsrolle Erforderliche aufzubringen. Keine der beiden
Einstellungen ist gerechtfertigt.

* *

*

Seite 5

�AMERIKA

HEUTE
3. April 1991

DIE FÄHIGKEIT ZUR ERNEUERUNG
von Joel Kotkin
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgend© Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift New Perspectives Qua rterl y
Copyright (c) 1988 The Institute for National Strategy, Los Angeles, California. Joel Kotkin ist Redakteur der
Zeitschrift Inc. und Mitautor (zusammen mit Yoriko Kishimoto) von The Third Century: Amerlca's Renaissance In the Aslan Era (1988).

Im Gegensatz zu vergangenen Reichen sind die Vereinigten Staaten auch heute eine relativ junge Nation,
die immer noch auf der Suche nach ihrer eigenen
Identität ist. Seine Jugend verleiht dem Land eine
gewisse Elastizität - eine Fähigkeit, sich auf neue und
häufig unerwartete Art und Weise zu erholen.

Die Fähigkeit Amerikas zur Erneuerung beruht auf drei
Säulen: massiver Einwanderung, dem untemehmensorientierten Charakter seiner "offenen" Wirtschaft und
seinen schier unermeßlichen Bodenschätzen.
Einwanderung

s

Indem sie den Charakter Amerikas, seiner Bevölkerung und deren ethnische Identität radikal verändert,
spielt die Einwanderung potentiell die revolutionärste
Rolle bei diesem Wiederaufstieg. Seit den siebziger
Jahren haben die Vereinigten Staaten mehr Einwanderer legal aufgenommen als der Rest der Welt zusammengenommen. Es ist überwiegend ihrer Anwesenheit zu verdanken, daß die Vereinigten Staaten in
den neunziger Jahren im Vergleich zu ihren wichtigsten Rivalen die jüngste Bevölkerung haben werden.
Noch wichtiger als die reinen Zahlen ist jedoch die
ethnische Zusammensetzung dieser neuen Einwanderer, deren überwältigende Mehrheit aus außereuropäischen Ländern stammt, hauptsächlich aus Lateinamerika und Asien. Aufgrund ihrer Anwesenheit werden die Vereinigten Staaten zu einer "Weltnation",
deren Bindungen bis zu praktisch jedem bewohnten
Flecken der Welt reichen. Dies ist ein großer Vorteil in
einer Welt, in der sich der wirtschaftliche Schwerpunkt
rasch vom Atlantik zum Pazifischen Becken verlagert.

AMERIKA DIENST 13

Die Entwicklung der amerikanischen "Weltnation" hat
darüber hinaus grundlegende ideologische Auswirkungen. In dem Maße, in dem die Amerikaner zu einer
posteuropäischen Weltordnung übergehen, erhält die
Botschaft Amerikas - die Betonung der Rechte des
einzelnen, der Privatinitiative und der Menschenrechte
- nach und nach universellen Charakter und streift ihre
Bindungen an die "weiße" Ideologie teilweise ab.
Der wachsende lateinamerikanische Einf lu ß hat Miami
in Florida zur Bankenmetropole Lateinamerikas werden lassen und gleichzeitig - wenn auch in geringerem
Ausmaß - San Antonio in Texas und San Diego in
Kalifonien zu Wirtschaftszentren des sich rasch industrialisierenden Nordens von Mexiko gemacht.
Ebenso haben asiatische Einwanderer Los Angeles
und San Francisco in Kalifornien sowie Seattle im
Staat Washington zu dynamischen Zentren des asiatischen Kapitalismus umgewandelt. Wichtig ist hier,
daß viele dieser Einwanderer ein uraltes Wertesystem
mitbringen, das auf konfuzianischen Regeln über die
Unantastbarkeit gesellschaftlicher Beziehungen und
der Bedeutung von Ordnung basiert. Ais Ergebnis
dessen neigt der Kapitalismus asiatischer Prägung
dazu, ein System von Aufgaben und Pflichten - gegenüber Familie und Nation - zu entwickeln, anstatt lediglich dem Gewinnstreben verhaftet zu sein.
Insgesamt haben die Einwanderer, wo immer sie sich
angesiedelt haben, der lokalen Wirtschaftstätigkeit
neue Dynamik verliehen. Im Santa Clara Valley bei
San Francisco haben Amerikaner chinesischer Abstammung zum Beispiel nahezu 70 High-Tech-Unternehmen gegründet. AST Research, ein führender

Seite 1

�amerikanischer Hersteller von Personalcomputern,
wurde im Jahr 1980 von drei Ingenieuren gegründet,
von denen zwei aus Hongkong und einer aus Pakistan
stammten.
Die Arbeitnehmerschaft in der AST-Produktionsstätte
in Irvine (Kalifonien) besteht hauptsächlich aus lateinamerikanischen, vietnamesischen und anderen Einwanderern. "Ohne die Zuwanderung von Asiaten", so
Robert Kelley, Präsident des Southern California
Technology Executives Network, einer Gruppe von
170 Managern der High-Tech-Branche, "hätte es die
Art von Explosion nicht gegeben, wie sie an Orten wie
Orange County stattgefunden hat".
Der Unternehmergeist
In der massiven Beteiligung von Immigranten an der
Wirtschaft der Vereinigten Staaten spiegelt sich eine
weitere Quelle amerikanischer Stärke wider - die Offenheit der US-Wirtschaft. Diese Flexibilität, die weitgehendfür Aufstieg und Fall von Unternehmen verantwortlich ist, hat in den vergangenen zehn Jahren zu
einem Wiederaufleben der unternehmerischen Risikobereitschaft geführt. "Amerika ist ebenso sehr wie alle
anderen Industrieländer von Krisen betroffen," erläutert der aus Österreich stammende Managementexperte Peter Drucker. "Aber im Unternehmertum - bei
der Schaffung des anderen und des neuen - stehen die
Vereinigten Staaten ganz vorn."
Es ist genau dieser Individualismus - wie er sich in
unternehmerischen Aktivitäten ausdrückt - der die
wirtschaftliche Basis für Amerikas Aufschwung im
dritten Jahrhundert seines Bestehens legt. Zum Beispiel haben die Vereinigten Staaten seit den achtziger
Jahren nahezu ausschließlich mit kleineren und mittleren Betrieben fast fünfzehnmal soviele Arbeitsplätze
geschaffen wie die in Europa vorherrschenden eher
"geschlossenen" und gelenkten Systeme.
Genausowichtig ist die Tatsache, daß Unternehmer
bei der jetzt stattfindenden Reindustrialisierung der
Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle spielen. Es
wird fälschlicherwiese dem Eintritt in die "postindustrielle" Gesellschaft zugeschrieben, daß sich Unternehmer der industriellen Bastionen bemächtigten, die
allzu häufig von amerikanischen Großunternehmen
aufgegeben werden.
Während den großen Unternehmen von 1974 bis 1984
fast 1,4 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion verlorengingen, konnten die rund 41.000 neuen Firmen
praktisch den gesamten Verlust wettmachen. Infolgedessen haben Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ihren Anteil an den Arbeitsplätzen in der USFertigungsindustrie auf 46 Prozent gesteigert - gegenüber 42 Prozent vor zehn Jahren. Wenn sich diese
Tendenz fortsetzt, könnten kleine Fertigungsbetriebe
bis Ende der neunziger Jahren die 50-Prozent-Markte
überschritten haben.

Seite 2

In Amerikas Kampf um die Wiederlangung seiner
internationalen Wettbewerbsfähigkeit werden kleinere
Firmen mit der ihnen eigenen Flexibilität und Konzentration auf Marktnischen immer wichtiger. Zum Beispiel haben seit 1980 Amerikas unternehmerisch orientierte Industriezweige den Anteil des Landes an der
Beschäftigungsrate in der Fertigungsindustrie unter
den Industrieländern mit Erfolg gehalten und sogar
geringfügig gesteigert.
Glücklicherweise gibt es Anzeichen, daß einige USGroßunternehmen - insbesondere Xerox, IBM, Cummins Engines - sich erneut mit dem Produktionsprozeß
an sich befassen. Trotzdem wird die wichtigste Herausforderung an den Wettbewerb wahrscheinlich nicht
aus der Erneuerung großer Unternehmen, sondern
von einer neuen Generation amerikanischer Industrieller kommen.
Im Gegensatz zu den typischen Managern der sechziger und siebziger Jahre haben sie ihr Wissen nicht
erworben, um Amerikas Vorherrschaft vorauszusetzen. Aber gleichzeitig haben diese Führungskräfte vielfach erst zwischen zwanzig und vierzig - nicht die
Absicht, den Schlüssel für die Zukunft ausländischen
Konkurrenten zu überlassen.
Diese Mentalität läßt sich in allen Branchen der amerikanischen Industrie beobachten. Kleine Stahlwerke
wie Nucor in Charlotte (North Carolina) machen heute
über ein Drittel der Stahlproduktion des Landes aus
und erringen nicht nur von amerikanischen Großunternehmen sondern auch von japanischen und koreanischen Stahlproduzenten Marktanteile. Und obwohl die
vertikal integrierten japanischen Elektronikunternehmen den DRAM-Markt "übernommen" haben, dominieren kleinere amerikanische Firmen - wie LSILogic,
Cypress Semiconductor und Linear Technologies weiterhin einen Großteil der entscheidenden, hohe
Gewinnspannen enthaltenden Bereiche des ChipGeschäfts.
Das vielleicht interessanteste Beispiel der neuen
Managergeneration kann im Bereich der Mikrocomputer beobachtet werden. Vor einigen Jahren sagten
viele Analysten voraus, daß nur Großunternehmen
wie IBM und AT&amp;T dem Ansturm der riesigen koreanischen und japanischen Konglomerate standhalten
könnten. Seit 1986 waren jedoch die Gewinner bei
Marktanteilen und Rentabilität die neue Generation
von Industriefirmen - wie Compaq, AST Research und
Dell Computers -, die alle im letzten Jahrzehnt gegründet worden waren.
Eine Weltnation
Der jüngste Aufschwung an Investitionen von außerhalb der Vereinigen Staaten spiegelt die Anerkennung
ihrer natürlichen Vorteile sowie der demographischen
und unternehmerischen Vitalität durch Nichtamerikaner wider. Eine im Jahr 1984 - auf dem Höhepunkt des

AMERIKA DIENST 13

�Um seine Vormachtstellung aufrechtzuerhalten, muß
Amerika den Übergang zu einer "Weltnation" beschleunigen. Indem sie die Mission der Nation über
das Spektrum des eng definierten "Westens" hinaus
erweitem, könnten die Vereinigten Staaten zum ersten
Mal den Vorhersagen der Visionäre des 18. und 19.
Jahrhunderts gerecht werden, die ihre Zukunft als
etwas größeres als die westliche Erweiterung der
Während die Vereinigten Staaten in ihr 3. Jahrhundert europäischen Geschichte sahen. "Wir sind die Erben
eintreten, bewahren sie viele der Kriterien, die eine der gesamten Menschheit" schrieb der Autor Herman
dauerhafte weltweite Vormachtstellung gewährleisten Melville, "und wir teilen unser Vermächtnis mit allen
können. In einer sich rasch verändernden und vom Menschen."
Entstehen dynamischer neuer Wirtschaftsmächte
insbesondere in Asien gekennzeichneten Welt müs- Letztlich hängt die Größe der Vereinigten Staaten
sen die Vereinigten Staaten jedoch eine Strategie nicht so sehr von ihrer Waffengewalt oder gar dem
entwickeln, die aus ihren grundlegenden Stärken Kapital Überfluß ihrer Volkswirtschaft ab, sondern von ihrer
Botschaft an die Welt. Nur durch die Wiederentdekschlägt.
kung ihrer revolutionären Prinzipien und ihrer AnwenDie Amerikaner müssen Investitionen und Produktion dung auf die Realitäten der posteuropäischen Welt
vor Konsum stellen. Sie müssen mehr Mittel für können sich die Vereinigten Staaten in ihrem dritten
kommerzielle Forschung, Ausbildung und die physi- Jahrhundert einer der großen Vision ihrer Gründerväsche Infrastruktur aufwenden.
ter entsprechenden Wiedergeburt erfreuen.

starken Dollars - unter westeuropäischen Führungskräften durchgeführte Meinungsumfrage ergab, daß
45 Prozent die Vereinigten Staaten als erste Wahl für
Expansion bevorzugten. Entsprechend fließt der Großteil
des aus den liquiden chinesischen Enklaven - insbesondere Taiwan und Hongkong - exportierten Kapitals
in die Vereinigten Staaten.

'
{

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AMERIKA DIENST 13

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Seite 3

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