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27. März 1991

12

KSE

LEHMAN: BEI KSE FESTE HALTUNG
GEGENÜBER DER UdSSR
Anhörung im Kongreß
SOWJETUNION MUSS HINDERNISSE
GEGEN KSE-VERTRAG ABBAUEN
Rede von Staatssekretär Bartholomew
vor Unterausschuß des Senats

HANDEL

DIE VERLÄNGERUNG DES
"FAST-TRACK"-MANDATS
Eine Übersicht des Weißen Hauses

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. März 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�KSE
27. März 1991

LEHMAN: BEI KSE FESTE HALTUNG GEGENÜBER
DER UdSSR
Anhörung im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten wollen den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) so schnell wie möglich durchführen und ihn durch zusätzliche Abkommen erweitern. Dies kann jedoch
nur "durch eine feste Haltung gegenüber der Sowjetunion erzielt werden", erklärte der Leiter des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung, Ronald Lehman.

Lehman erläuterte im Unterausschu ß des Senats über
Europäische Angelegenheiten am 20. März 1991, ein
erfolgreiches Ergebnis "wird nur möglich sein, wenn
wir zusammenhalten - im Bündnis und hier im Inland".
"Wenn wir zusammenhalten, übermitteln wir Moskau
eine eindeutige Botschaft: Die Sowjetunion muß verantwortungsvoll und in vollem Einklang mit ihren Verpflichtungen handeln. Wenn sie das tut, können wir
Fortschritte machen," erklärte der ACDA-Direktor.
"Die Regierung will den Vertrag so schnell wie möglich
durchführen," so Lehman. "Es ist an der Zeit, daß die
Sowjetunion handelt, damit der Prozeß der Ratifizierung und Durchführung weitergehen kann."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Anhörung im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, wir begrüßen diese Gelegenheit,
mit Ihnen den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte
in Europa (KSE) zu erörtern und Ihnen die jüngsten
Entwicklungen darzulegen. Wie Sie wissen, hielt sich
letzte Woche eine interministerielle Delegation in Moskau
auf, urn mit unseren sowjetischen Kollegen Gespräche
über die sehr ernsten noch ausstehenden Fragen zu
führen, die Beratungen und die Abstimmung über die
Ratifizierung des KSE-Vertrags verhindert haben.
Eingangs möchte ich Ihnen die grundsätzliche Haltung
der Bush-Regierung zum KSE-Vertrag darlegen: Dieser
Vertrag liegt eindeutig im Interesse der Vereinigten
Staaten, Kanadas und ganz Europas. Tatsächlich ist
der KSE-Vertrag ein wichtiger Schritt bei unserem
Streben nach mehr Sicherheit auf der Welt. Wir
werden unser Ziel verwirklichen, in Europa ein sicheres und stabiles Gleichgewicht konventioneller StreitAMERIKA DIENST 12

kräfte auf niedrigeren Niveaus herzustellen und Ungleichgewichte abbauen, die Stabilität und Sicherheit
im Wege stehen und die Fähigkeit zur Führung eines
Überraschungsangriffs oder einer Großoffensive beseitigen. Die Verhandlungen haben darüber hinaus
eine wichtige Rolle gespielt, um in Europa positive
politische Entwicklungen einzuleiten. Deshalb ist die
Regierung der Meinung, daß der KSE-Vertrag ratifiziert und durchgeführt werden soll, wenn die Sowjetunion entsprechende Abhilfe schafft. Wenn der KSEVertrag in Kraft tritt, wird er eine wichtige Rolle in der
europäischen Sicherheitsordnung spielen und einen
entscheidenden Beitrag zur Stabilität in Europa und
einem System der Sicherheit leisten, das auf Zusammenarbeit und nicht auf Konfrontation basiert. Er wird
uns durch die Präsenz vor Ort die Verifizierung der
Zerstörung Tausender von Teilen militärischen Geräts
gestatten. Ferner wird er in einem Zeitalter rascher
Veränderungen eine feste Grundlage für Stabilität,
Gewißheit und Vertrauen bilden.
Unserer Meinung nach teilt der Kongreß diese Beurteilung des Vertrags, und wir begrü ßen insbesondere die
starke Unterstützung des KSE-Vertrags durch die
Mitglieder dieses Unterausschusses. Wir sind uns
einig, daß der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte
in Europa einen positiven Beitrag zur europäischen
Sicherheit leisten wird. Aber wir sind uns sicher auch
einig, daß alle Unterzeichnerstaaten sich an die Bestimmungen halten müssen.
Ich weiß, daß Sie sich all dieser Probleme mit der
Sowjetunion bewußt sind, dennoch möchte ich sie im
folgenden noch einmal kurz zusammenfassen.
Erstens behauptet die Sowjetunion, daß mit Gerät
bestückte Einheiten wie etwa die Marineinfanterie und
Seite 1

�die Küstenverteidigung nicht den Beschränkungen
des Vertrags unterliegen. Diese von allen anderen
KSE-Unterzeichnern zurückgewiesene Behauptung
widerspricht dem Wortlaut des Vertrags und entbehrt
jeder Grundlage in den Verhandlungsprotokollen. Der
Vertrag ist in diesem Punkt eindeutig: jegliches landgestützte Gerät unterliegt - gleichgültig, wem es untersteht - vertragsmäßigen Obergrenzen, e3 sei denn, es
fällt unter eine der im Vertrag niederlegten klar definierten Ausnahmen.
Zweitens enthielt das vor Vertragsunterzeichnung
unterbreitete sowjetische Zahlenmaterial Ungenauigkeiten im Hinblick auf das sich tatsächlich zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung im betreffenden
Gebiet befindliche Gerät. Wir haben kürzlich dazu
Korrekturen erhalten, die gegenwärtig analysiert werden.
Drittens stellt der vor Aushandlung des Vertrags erfolgte Abzug sowjetischen Geräts aus dem Anwendungsgebiet keine Verletzung von KSE dar, obwohl es
Besorgnis erregt, ob die Sowjetunion im Sinne der
Verhandlungen agiert. In den letzten sechs Monaten
haben wir von der Sowjetunion eine Gesamtaufstellung des jetzt östlich des Urals stationierten Geräts und
die Zusicherung über seine letztliche Verwendung
gebeten.
Wir nehmen diese Probleme ernst. Die Regierung wird
dem Senat den KSE-Vertrag nicht vorlegen, damit er
über die Ratifizierung beraten und abstimmen kann,
bis die Sowjetunion ihren Vertragsverpflichtungen
nachkommt.

Verhandlungen, keine Sitzungen der Arbeitsgruppen
oder andere Verhandlungen über Folgefragen geben,
bis unseren Anliegen Rechnung getragen wird.
Darüber hinaus haben wir der Sowjetunion im Gemeinsamen Konsultativausschuß (Joint Consultative Group
- JCG) - dem mit dem KSE-Vertrag geschaffenen
Forum für vertragliche Probleme - deutlich gemacht,
daß ihr Vorgehen im Hinblick auf Artikel III des Vertrags unannehmbar sind. Der Gemeinsame Konsultativausschuß tagt seit dem 21. Januar. Der ursprünglich vorgeschlagene Termin für den Abschluß der
Sitzungsperiode wurde hinausgeschoben, um die noch
ausstehenden Fragen zu lösen. In dieser Zeit hat kein
anderer Unterzeichner die Argumentation der Sowjetunion zu Artikel III unterstützt. Darüber hinaus haben
wir den JCG benutzt, um gegenüber den sowjetischen
Vertretern bestimmte Fragen aufzuwerfen, etwa im
Hinblick auf unsere Probleme mit dem von ihnen als
Teil des vertragsmäßig geforderten obligatorischen
Informationsaustauschs vorgelegten Zahlenmaterials.
Alle anderen Teilnehmer sind ebenso besorgt wie wir.
Viele von ihnen haben ihr Anliegen direkt in Moskau
vorgetragen, manche bei den höchsten Regierungsstellen.
Vor weniger als einer Woche haben wir diese Botschaft gegenüber der sowjetischen Führung in Moskau wiederholt. Außenminister Baker hat die Sowjetunion nachdrücklich zum Handeln aufgefordert, um die
noch anstehenden Probleme zu lösen. Jetzt ist die
Sowjetunion gefordert. Es ist an der Zeit, daß die
Sowjetunion handelt, damit der Prozeß der Ratifizierung und Durchführung weitergehen kann.

Kurz nach Unterzeichnung des KSE-Vertrags haben
die 22 Länder, die sich an KSE beteiligen, ihre Verhandlungen - die sogenannten KSE 1A-Gespräche wiederaufgenommen. Bis unsere Sorgen im Hinblick
auf die Sowjetunion jedoch nicht aus der Welt geschafft sind, stimmen wir mit unseren NATO-Verbündeten überein, keine Folgeverhandkingen über konventionelle Waffen und insbesondere Truppenstärke
zu führen, als ob nichts gewesen wären. Es gibt kein
"Business as usual".

Herr Vorsitzender, ich möchte dort aufhören, wo ich
begonnen habe. Der Vertrag über Konventionelle
Streitkräfte in Europa bietet eine feste Grundlage für
den Aufbau eines stabileren, kooperativeren europäischen Sicherheitsgefüges. Die Regierung will den
Vertrag so schnell wie möglich durchführen. Und wir
wollen den Vertrag mit zusätzlichen Abkommen ergänzen, um Sicherheit und Stabilität Vorschub zu
leisten.

Ich möchte eins klarstellen: KSE 1A wird gegenwärtig
ausgehandelt. Niemand hat diese Folgeverhandtungen verlassen. Unsere Delegation bleibt in Wien und
ist bereit, sofort zu handeln, wenn die Sowjets das
durch die Lösung unserer gegenwärtigen Probleme
ermöglichen. In dieser Runde ist die letzte Plenarsitzung morgen, am 21. März, vorgesehen. Bei der
Gelegenheit werden wir den sowjetischen Vertretern
nochmals unsere Haltung zu den Fragen erklären und
um befriedigende Antworten bitten. Wenn wir solche
Antworten nicht erhalten, wird es keine substantiellen

Wir werden das erwünschte Ergebnis nur durch eine
feste Haltung im Umgang mit der Sowjetunion erzielen. Das wird nur möglich sein, wenn wir zusammenhalten - im Bündnis und hier im Inland. Dabei ist die
Unterstützung des Kongresses für unsere Position
außerordentlich wichtig. Wir begrüßen die Unterstützung, die wir bereits von Ihnen und Ihren Kollegen
erhalten haben. Wenn wir zusammenhalten, übermitteln wir Moskau eine eindeutige Botschaft: Die Sowjetunion muß verantwortungsvoll und in vollem Einklang
mit ihren Verpflichtungen handeln. Wenn sie das tut,
können wir Fortschritte machen.

*

Seite 2

* * *

*

AMERIKA DIPNRT1?

�KSE
27. März 1991

SOWJETUNION MUSS HINDERNISSE GEGEN
KSE-VERTRAG ABBAUEN
Rede von Staatssekretär Barthoiomew vor Unterausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Wenn der Westen den sowjetischen Hindernissen gegen die Ratifizerung und das
Inkrafttreten des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) nachgibt, würde dies nur "diejenigen in der Sowjetunion ermutigen, die zu Kompromißlosigkeit raten" und später zu weiteren Problemen führen,
erklärte der Staatssekretär für internationale Sicherheitsbelange, Reginald Barthoiomew.

"Die Folge wäre eine Aushöhlung des Gefüges jüngster Ost-West-Vereinbarungen und des durch sie
hervorgebrachten Vertrauens", so Barthoiomew vor
Mitgliedern des Senats-Unterauschusses für Europäische Angelegenheiten am 20. März 1991.

natürlich Ihres eigenen großen Interesses an der Ratifizierung und Durchführung dieses historischen Vertrags bewußt. Ich möchte mit Ihnen bei der Verwirklichung unseres gemeinsamen Ziels zusammenarbeiten.

Ihm zufolge wird die sowjetische Forderung, das Gerät
der Marineinfanterie, des Küstenschutzes und der
strategischen Raketenstreitkräfte von den Vertragsbegrenzungen auszuschließen von allen anderen 21
KSE-Signatarstaaten zurückgewiesen, steht "in krassem Widerspruch zum Wortlaut des Vertrags und
entbehrt jeglicher Grundlage in den Verhandlungsprotokollen".

Zunächst möchte ich betonen, daß der am 19. November 1990 unterzeichnete KSE-Vertrag eine monumentale Errungenschaft der Nachkriegsgeschichte ist. In
vieler Hinsicht ist er eines der weitreichendsten je
geschlossenen Rüstungskontrollabkommen, und sein
Anwendungsbereich geht weit über die tatsächlichen
Waffensysteme hinaus, die er begrenzen wird.

Barthoiomew bekräftigte ferner, die Administration sei
nach wie vor der Ratifizierung und vollständigen Durchsetzung des KSE-Vertrags verpflichtet. Er fügte jedoch hinzu, "ein nur teilweise eingehaltener Vertrag
kann keine sichere oder vertrauenswürdige Grundlage
für die Entwicklung einer neuen Sicherheitsarchitektur
in Europa bieten".

Bei einer Anhörung vor diesem Unterausschuß vor
rund acht Monaten - während die Verhandlungen noch
im Gange waren - habe ich einige der Gründe dargelegt, warum der Abschluß eines KSE-Vertrags für
unsere Interessen von solch vorrangiger Bedeutung
ist. Trotz der seitdem aufgetauchten Probleme sind
wir der Auffassung, daß alle diese Gründe noch immer
stichhaltig sind:

"Die Sowjetunion hat mit ihrer Handlungsweise ein
ernsthaftes Hindernis gegen die Ratifizierung und das
Inkrafttreten dieses Vertrags aufgebaut - und es ist nun
an ihr, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen", so
Barthoiomew.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Staatssekretär Barthoiomew im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, sehr verehrte Mitglieder des Unterausschusses, ich bedanke mich für diese Gelegenheit,
die derzeitigen Probleme des KSE-Vertrags und die
Bestrebungen der Administration zu ihrer Lösung mit
Ihnen erörtern zu können. Darüber hinaus bin ich mir
AMERIKA DIENST 12

Der Vertrag setzt permanente Obergrenzen fest,
mit denen das bestehende Ungleichgewicht der
Streitkräfte in Europa behoben und das sowjetische Potential für einen größeren Angriff mit
kurzer Vorwarnzeit beseitigt wird.
Er schreibt den einseitigen und vertraglich vorgeschriebenen Truppenabzug der Sowjetunion
aus Mittel- und Osteuropa fest.
Die Sowjetunion wird durch den Vertrag verpflichtet - selbst nach dem massiven Abzug von
Gerät östlich des Urals vor der Vertragsunterzeichnung - beträchtliche Mengen an Gerät zu

Seite 1

�zerstören. Der Vertrag dient dazu, die sowjetischen Streitkräfte auszudünnen und die Optionen zur Umstrukturierung der Streitkräfte im
europäischen Teil der UdSSR zu begrenzen.
Der Vertrag fördert unsere politischen Ziele in
Mittel- und Osteuropa durch die Stärkung der
neuen, frei gewählten Regierungen in dieser
Region.
Der Vertrag sieht umfassende Vor-Ort-Inspektionen vor, die nicht nur zur Verifizierung der
Einhaltung sondern durch verbesserte Transparenz zum Aufbau von Vertrauen und Stabilität
beitragen.
Die Durchführung des Vertrags wird die Zusammenarbeit und Koordinierung innerhalb der NATO
bei Rüstungskontrollangelegenheiten im Einklang mit unserem umfassenderen Ziel der
Erweiterung der politischen Komponente des
Bündnisses verbessern.
Neben diesen konkreten Vorzügen wird der KSEVertrag als wichtigstes Fundament der Sicherheitsarchitektur in Europa nach dem kalten Krieg dienen. Er
wird in Europa eine stabile militärische Konstellation
hervorbringen, in der kein Land einen Anreiz oder die
unmittelbar nötigen Mittel hat, um eine großangelegte
Aggression durchzuführen. Nur bei Vorhandensein
dieser Grundlage können wir von einer auf Konfrontation beruhenden Sicherheitsordnung zu einer auf
Zusammenarbeit gegründeten übergehen.
Wir können diese zahlreichen politischen und militärischen Vorteile des Vertrags jedoch nicht in Anspruch
nehmen, wenn dieser nicht vollständig und wortgetreu
so angewendet wird, wie ihn die 22 Staats- und Regierungschefs in Paris unterzeichnet haben. Ein nur
teilweise eingehaltener Vertrag kann keine sichere
oder vertrauenswürdige Grundlage für die Entwicklung einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa bieten.
Die Sowjetunion hat mit ihrer Handlungsweise ein
ernsthaftes Hindernis gegen die Ratifizierung und das
Inkrafttreten dieses Vertrags aufgebaut, und es ist nun
an ihr, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen.
Wie Sie wissen, enthielten die von der Sowjetunion bei
der Unterzeichnung des Vertrags vorgelegten Daten
Ungenauigkeiten. Wir haben dieses Problem der
Sowjetunion gegenüber angesprochen, und in der
Folgezeit wurden diese Ungenauigkeiten teilweise
korrigiert. Darüber hinaus haben die Sowjets von Mitte
1989 bis zur Unterzeichnung des Vertrags große Mengen
an Ausrüstung vom Vertragsgebiet zu Standorten
östlich des Urals verlegt. Eine Verlegung ist keine
Vertragsverletzung, aber sie gibt zu Bedenken Anlaß,
ob die Maßnahmen der Sowjets dem Geist der Verhandlungen entsprechen. Diese Verlegungen haben
den Umfang der Ausrüstung erheblich verringert, die
von den Sowjets andernfalls zerstört werden müßte.
Wir bringen diese beiden Fragen weiterhin gegenüber
Seite 2

den Sowjets zur Sprache, um Lösungen zu finden, die
unsere Anliegen berücksichtigen.
Das bei weitem wichtigste von den Sowjets geschaffene Problem besteht in ihrer Behauptung, die Ausrüstung von Marineinfanterie, Küstenverteidigung und
strategischen Raketenstreitkräften sei von den vertraglichen Begrenzungen ausgenommen. Diese von
allen anderen 21 KSE-Unterzeichnerstaaten zurückgewiesene Behauptung steht in krassem Widerspruch
zum Wortlaut des Vertrags und entbehrt jeglicher
Grundlage in den Verhandlungsprotokollen. Artikel III
des Vertrags ist eindeutig: mit einigen klar definierten
Ausnahmen wird sämtliche landgestützte Ausrüstung
auf die vertraglichen Obergrenzen angerechnet, und
zwar unabhängig von ihrer Zuordnung zu bestimmten
Teilstreitkräften.
Dies ist in erster Linie eine Grundsatzfrage - in gutem
Glauben eingegangene Verpflichtungen müssen erfüllt werden und können nach Unterzeichnung des
Vertrags nicht einseitig neugefaßt werden. Überdies
würde eine Hinnahme dieser sowjetischen Haltung
den Vertrag dadurch untergraben, daß man damit eine
unbeschränkte Aufrüstung mit landgestütztem Gerät
gestatten würde, indem solches Gerät problemlos
Einheiten der Marineinfanterie oder des Küstenschutzes zugeordnet werden könnte.
Wir haben sowjetischen Vertretern auf sehr hoher
Ebene wiederholt verdeutlicht, daß Verpflichtungen,
die von uns allen bei Unterzeichnung des Vertrags
eingegangen wurden, erfüllt werden müssen. Gleichzeitig hat die Administration beschlossen, daß sie den
Vertrag erst dann dem Senat zur Beratung und Ratifizierung zuleiten wird, wenn die Sowjetunion ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, insbesondere die
nach Artikel III. Dieser Ansatz, davon sind wir fest
überzeugt, ist die beste Methode, um die Vertragserfüllung seitens der Sowjetunion zu gewährleisten und
damit den Weg zu Ratifizierung und Inkrafttreten des
Vertrags zu öffnen. Und wir gehen davon aus, daß sich
dieser Ansatz durchsetzen wird.
Die enormen potentiellen Vorteile des KSE-Vertrags
sind Grund genung, um darauf zu bestehen, daß die
Sowjetunion ihren vertraglichen Verpflichtungen vollständig nachkommt. Das Problem ist jedoch gleichzeitig umfassender. Hier steht nicht nur die Integrität des
KSE-Vertrags auf dem Spiel, sondern auch die internationale Glaubwürdigkeit der Sowjetunion in diesem
neuen Zeitalter. Der Disput über den KSE-Vertrag ist
ein Lackmustest für die Bereitschaft der Sowjetunion,
nach dem kalten Krieg ein konstruktiver und verläßlicher Partner beim Aufbau einer stabilen, auf Kooperation gegründeten Ordnung in Europa zu sein.
Gegenwärtig findet in der Sowjetunion eine Debatte
darüber statt, ob die von Moskau in den letzten Jahren
verfolgte Außenpolitik größerer Offenheit und Zusammenarbeit vernünftig war. Die Gegner dieser Politik
möchten einige der Fortschritte wieder rückgängig
AMERIKA DIFNST 12

�machen, die von Ost und West gemeinsam erzielt
wurden. Wenn der Westen bei KSE nachgibt, würden
wir diejenigen in der Sowjetunion ermutigen, die zu
Kompromißlosigkeit raten, und wir würden weiteren
Schwierigkeiten in der Zukunft Vorschub leisten - bei
KSE und bei anderen Abkommen. Die Folge wäre eine
Aushöhlung des Gefüges jüngster Ost-West-Abkommen und des durch sie hervorgebrachten Vertrauens.

* *

AMERIKA DIENST 12

Die Administration bleibt weiterhin der Ratifizierung
und Durchführung dieses Vertrags verpflichtet. Wir
werden mit der Ratifizierung zügig fortfahren, sobald
die Sowjetunion die von ihr bei der Unterzeichnung des
KSE-Vertrags am 19. November 1990 eingegangenen
Verpflichtungen erfüllt hat. Wir freuen uns bei der
weiteren Entwicklung dieses Prozesses auf eine enge
Zusammenarbeit mit Ihnen.

* *

Seite 3

�HANDEL
27. März 1991

DIE VERLÄNGERUNG DES "FAST-TRACK"-MANDATS
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht zur Verlängerung des "Fast-track"-Mandats wurde am 19. März
1991 vom Weißen Haus veröffentlicht.

"Fast track": Der historische Hintergrund
In diesem Jahrhundert waren sich Kongreß und Exekutive die meiste Zeit der Tatsache bewußt, daß
Verhandlungen über Handelsabkommen und deren
Durchführung besonderer Zusammenarbeit bedürfen.
Nach den durch das Smoot-Hawley-Gesetz von 1930
verhängten Rekordzöllen und der davon mitverursachten Depression erkannten sowohl Kongreß als
auch Exekutive, daß beide Körperschaften nur durch
enge Zusammenarbeit Schranken gegen unseren
Außenhandel abbauen und die internationalen Märkte
für amerikanische Produkte und Dienstleistungen öffnen konnten.
Diese neue Partnerschaft fand ihren Niederschlag im
Gesetz über Handelsabkommen auf Gegenseitigkeit
(Reciprocal Trade Agreements Act) von 1934, das den
Präsidenten nicht nur zum Abschluß von Zollsenkungsabkommen, sondern auch zu deren Durchführung ermächtigte, ohne daß dafür ein besonderes
Gesetz verabschiedet werden mußte.
Als die Staaten begannen, sich weniger auf Schutzmaßnahmen durch Zölle und stärker auf nichttarifäre
Handelsschranken zu stützen, erweiterte sich das
Spektrum der Handelsgespräche, und der Kongreß
schuf das "Fast-track"-Verfahren als notwendige
Ergänzung zu dieser erweiterten handelspolitischen
Tagesordnung.
"Fast-track"-Verfahren für die Billigung von Handelsabkommen waren Bestandteil der vom Kongreß in den
Jahren 1974 und 1979 verabschiedeten Handelsgesetzgebung sowie des Handelsgesetzes von 1988.

AMERIKA DIENST 12

Der "Fast track" ist unerläßlich für erfolgreiche
Handelsgespräche
Der "Fast track" sichert dem Kongreß eine sinnvolle
Beteiligung während des Verhandlungsprozesses zu
und enthält gleichzeitig zwei Garantien, die für erfolgreiche Verhandlungen über Handelsabkommen unerläßlich sind: Erstens ein Votum zur Verwirklichung des
Gesetzes innerhalb eines festen Zeitraums und zweitens den Ausschluß von Veränderungen an diesem
Gesetz.
Diesen Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde, daß
Handelsabkommen, bei denen Ergebnisse in einem
Bereich häufig mit Ergebnissen in anderen verknüpft
sind, besonders anfällig für mehrfache Änderungen
sind, die - obwohl für sich genommen nur minimal zusammengenommen ganze Abkommen zu Fall bringen könnten.
Ob die in einem Handelsabkommen enthaltenen Vorteile insgesamt im Interesse der Vereinigten Staaten
liegen, kann nur durch die Bewertung des gesamten
Pakets entschieden werden.
Mit dem "Fast track" stattete der Kongreß den Präsidenten mit dem gleichen Verhandlungsspielraum aus,
den seine Verhandlungspartner besitzen: er kann
gewährleisten, daß ein international vereinbartes
Abkommen dem Abkommen entspricht, über das im
Parlament abgestimmt wird.
Ohne "Fast track" kann der Präsident unseren Verhandlungspartnern nicht zusichern, daß die von ihnen
verabredete Vereinbarung derjenigen entspricht, die
im Kongreß zur Abstimmung gelangt.

Seite 1

�Ohne diese Zusicherung sträuben sich ausländische
Regierungen dagegen, mit den Vereinigten Staaten zu
verhandeln und werden nicht die einschneidenden
Zugeständnisse machen, die für solche Abkommen
erforderlich sind, die die Vereinigten Staaten zu unterzeichnen bereit sind. Kein Handelspartner wird seine
Verhandlungsposition vollständig ausreizen, wenn er
weiß, daß das Verhandlungsergebnis in Frage gestellt
werden könnte.
Mit Hilfe des "Fast track" haben die Vereinigten Staaten drei bemerkenswerte Vereinbarungen ausgehandelt und durchgeführt, von denen jede durch eine
überwältigende Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses bestätigt wurde. Diese Vereinbarungen - die
Ergebnisse der Tokioter Runde von 1979, das Freihandelsabkommen mit Israel von 1985 und das Freihandelsabkommen mit Kanada von 1988 - haben
Handelsschranken abgebaut und zum Wachstum in
den Vereinigten Staaten und weltweit beigetragen.
Die Vereinigten Staaten können aus Vereinbarungen
großen Gewinn ziehen, die Märkte öffnen und Regeln
für den freien und fairen Handel aufstellen. Die Beibehaltung des "Fast track" wird uns die Fähigkeit bewahren, unsere Bemühungen zur Liberalisierung des Handels
und Öffnung von Märkten durch das Allgemeine Zollund Handelsabkommen durch andere multilaterale
und durch bilaterale Vereinbarungen fortzusetzen.
Der Kongreß ist ein unerläßlicher Teil des "Fasttrack"-Prozesses
Das "Fast-track"-Verfahren bewahrt den Einfluß des
Kongresses während der Aushandlung, Bestätigung
und Durchführung von Handelsabkommen.
Um die Beteiligung des Kongresses und des Privatsektors sicherzustellen, enthält das "Fast-track"-Statut ausführliche Benachrichtigungs- und Konsultationsbestimmungen. In jeder Phase von der Initiierung bis
zur Durchführung ist der Kongreß ein aktiver Partner.
Um den "Fast track" für bilaterale oder multilaterale
Abkommen zu benutzen, muß der Präsident den
Kongreß 90 Kalendertage vor der Unterzeichnung
informieren. Zu dem Zeitpunkt, an dem der Präsident
seine 90-Tage-Benachrichtigung erteilt, müssen die
zahlreichen Beratungsgremien des Privatsektors dem
Kongreß und dem Präsidenten ihre Ansichten zu dem
betreffenden Abkommen darlegen. Bei bilateralen
Abkommen muß der Kongreß im voraus über die
Verhandlungen benachrichtigt werden. In den darauffolgenden 60 Arbeitstagen der Legislative kann entweder der Finanzausschuß des Senats oder der Bewilligungsausschuß des Repräsentantenhauses die
Anwendung des "Fast track" durch Abstimmung verweigern.
Nach Erreichung eines Abkommens arbeiten Kongreß
und Administration in enger Abstimmung zusammen,
um Durchführungsgesetze zu formulieren. In diesen
Seite 2

Prozeß wurden alle gesetzgeberischen Ausschüsse
einbezogen, nicht nur diejenigen, die traditionell bei
der Festsetzung handelspolitischer Verhandlungsziele konsultiert werden. Sind das Abkommen und dessen Durchführungsbestimmungen immer noch nicht
akzeptabel, können sie durch Mehrheitsbeschluß eines der beiden Häuser abgelehnt werden.
Wir beteiligen uns gegenwärtig an bilateralen und
multilateralen Handelsinitiativen, die nie gekannte
Aussichten für die Förderung amerikanischer wirtschaftlicher Ziele bieten. Da solche Initiativen im
Gange sind, liegt es eindeutig im nationalen Interesse,
eine Partnerschaft fortzusetzen, die in den vergangenen 60 Jahren ihren Wert bewiesen hat.
Einsatz des "Fast track" nach dessen Verlängerung
Bei der Einbeziehung des "Fast track" in das Handelsgesetz von 1988 hat der Kongreß ausdrücklich eingeräumt, daß eine Verlängerung notwendig und geeignet
sein könnte, damit der Präsident die im Gesetz festgelegten handelspolitischen Ziele effektiv verfolgen kann.
Im Falle seiner Verlängerung wäre der "Fast track" bis
zum 1. Juni 1993 gültig und würde eingesetzt, um
Handelsinitiativen wie den Abschluß der Uruguay Runde,
das Aushandeln eines Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit Mexiko und Kanada
sowie die handelspolitischen Ziele der Initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas durchzuführen.
Die Unterstützung des "Fast track" wird Fortschritten
bei diesen wichtigen Initiativen Vorschub leisten, ohne
in irgendeiner Weise die Fähigkeit des Kongresses zu
schmälern, jedes Abkommen für sich zu begutachten,
wenn es zur Bestätigung vorgelegt wird.
Ein Votum gegen "Fast track" verhindert "Fast
track" für alle Abkommen
Das derzeitige "Fast-track"-Mandat wäre am 1. Juni
ausgelaufen, wenn der Präsident nicht bis zum 1. März
eine Verlängerung beantragt hätte. Die beantragte
Verlängerung wird automatisch bewilligt, es sei denn,
eines der beiden Häuser des Kongresses lehnt dies
vor dem 1. Juni mit einer gesetzlich vorgeschriebenen
Resolution ab.
Der Wortlaut der Widerspruchsresolution, der in dem
Gesetz niedergelegt ist, stellt eindeutig fest, daß mit
dem Widerspruch alle - multilaterale und bilaterale "Fast-track"-Mandate aufgehoben werden.
Die Widerspruchsresolution kann nicht dahingehend
abgeändert werden, daß sie "Fast track" für einige
Abkommen aufhebt und für andere nicht, weil die
Resolution selbst nicht geändert werden kann. Es ist
beispielsweise nicht möglich, gegen "Fast track" für
die Vereinbarungen der Uruguay-Runde zu stimmen,

AMERIKA DIENST 12

�sie jedoch für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) aufrechtzuerhalten.
Wenn von einem der beiden Häuser Widerspruch
eingelegt wird, ist "Fast track" generell hinfällig und die
Fähigkeit des Präsidenten, erfolgreich irgendein Handelsabkommen auszuhandeln, das der bilateralen oder
multilateralen Zustimmung des Kongresses bedarf, ist
entscheidend eingeschränkt, wenn nicht sogar ganz
aufgehoben.
*

Kurzum: ein Votum gegen "Fast track" ist ein Votum
gegen den Handel.

*

Die Beibehaltung des "Fast track" ist zur SicherStellung wirtschaftlicher Gewinne unabdingbar
Als grö ßte Handelsmacht der Welt sind die Vereinigten
Staaten außerordentlich an der Zukunft des Welthandelssystems interessiert. Exporte sind zu einer lebenswichtigen Quelle für die amerikanische Wirtschaft
geworden. Im Jahr 1990 machte der rund 8,5prozentige Zuwachs amerikanischer Exporte 88 Prozent des
US-Wirtschaftswachstums aus.
Um die Aufstockung der Exporte und das daraus
resultierende Wachstum aufrechtzuerhalten, müssen
wir unsere Bestrebungen zur Öffnung der Weltmärkte
fortsetzen. Wir müssen unsere aktive Führungsrolle
beibehalten. Ohne die Erweiterung von "Fast track"
sind diese Bestrebungen müßig.
Die Beibehaltung der "Fast-track"-Verfahren - und der
Partnerschaft zwischen Kongreß und der Exekutive,
die durch "Fast track" zum Ausdruck kommt - wird
unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Liberalisierung des Handels und Öffnung der Märkte durch
GATT, andere multilaterale und bilaterale Abkommen
auf Kurs halten. Kein Land kann von diesen Bestrebungen mehr profitieren als die Vereinigten Staaten.

}

Während wir ins neue Jahrhundert eintreten, sollten
wir nicht zögern, die Möglichkeiten für erweitertes
Wirtschaftswachstum und Wohlstand zu nutzen, die
sich durch erfolgreiche Handelsgespräche bieten.
Um diese Möglichkeiten Realität werden zu lassen,
müssen der Kongreß und die Exekutive weiterhin in
der von "Fast track" vorgesehenen Weise zusammenarbeiten.
BEDEUTUNG UND NUTZEN DER URUGUAY
RUNDE
Die Uruguay-Runde ist bis heute das ehrgeizigste
aller Handelsgespräche
Das Welthandelssystem ist heute entschieden komplexer als im Jahr 1947, als das GATT formuliert
wurde. Über ein Drittel des Welthandels - mehr als 1
Billion Dollar - ist von internationalen Handelsbestimmungen nur unzulänglich abgedeckt.

AMERIKA DIENST 12

Die Verhandlungen der Uruguay-Runde - an denen
108 Länder teilnehmen - sind ehrgeizige Bestrebungen zur Stärkung und Erweiterung des Welthandelssystems und zur weiteren Senkung der Handelsschranken. Im Jahr 1986 in Punta del Este (Uruguay) ins
Leben gerufen, sind diese Verhandlungen die achte
Runde multilateraler Handelsgespräche unter der
Schirmherrschaft des GATT.
Die Vereinigten Staaten waren federführend bei dem
Ruf nach einer alle strittigen Fragen umfassenden
Tagesordnung der Uruguay-Runde. Der Kongreß
legte die Zielsetzungen der Uruguay-Runde in dem im
August 1988 verabschiedeten Allgemeinen Handelsund Wettbewerbsgesetz fest.
Die Tagesordnung der Verhandlungen umfaßt ein
breites Spektrum amerikanischer Interessen, sowohl
bei der Öffnung der Weltmärkte als auch bei der
Festsetzung interner Regeln des Fair play in Bereichen von lebenswichtigem Interesse für die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit - Dienstleistungen, Investitionen, Landwirtschaft und geistigem Eigentum. Die
Verhandlungen lassen sich in vier umfassende Kategorien unterteilen:
1.

Marktzugang (tarifäre und nichttarifäre Maßnahmen, natürliche Rohstoffprodukte, tropische
Produkte und Textilien),

2.

die "neuen" Bereiche Dienstleistungen, Rechte
an handelsbezogenem geistigem Eigentum
(TRIPs) sowie handelsbezogene investitionsmaßnahmen (TRIMs),

3.

Landwirtschaft, und

4.

GATT-Regeln (Schlichtung von Streitigkeiten,
Schutzmaßnahmen, GATT-Artikel einschließlich einer Zahlungsbilanzreform sowie nichttarifäre Maßnahmenkodizes einschließlich Subventionen und Antidumping).

Im Gegensatz zu vorherigen GATT-Verhandlungsrunden nehmen die Entwicklungsländer darüber hinaus
aktiv an allen Aspekten der Verhandlungen teil.
Die Administration hat sich verpflichtet, die Uruguay-Runde in Abkommen münden zu lassen, die
den Zielsetzungen der Vereinigten Staaten wirklich gerecht werden
Diese Entschlossenheit wurde im Dezember 1990 in
Brüssel unter Beweis gestellt. Die amerikanische und
andere wichtige Delegationen legten fest, daß eine
Beendigung des Ministertreffens ohne greifbares
Ergebnis besser wäre als die Ansprüche zurückzuschrauben und minimale Abkommen der UruguayRunde zu akzeptieren.
Die Verhandlungen wurden am 26. Februar 1991 für
alle Bereiche offiziell wiederaufgenommen, als ein
Rahmen für die Aushandlung der Agrarreform geSeite 3

�steckt wurde. Das Tempo der Verhandlungen wird
davon abhängen, wie schnell es uns gelingt, eine
akzeptable Lösung für den Agrarbereich zu finden.
Die Administration ist nicht bereit, unzulängliche Abkommen um eines Abkommens willen zu akzeptieren.
Wir sind jedoch bereit, die Verhandlungen fortzusetzen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Eine erfolgreiche Uruguay-Runde würde der
amerikanischen und der Weltwirtschaft beträchtliche Vorteile bringen
Exporte sind zu einer lebenswichtigen Quelle für die
amerikanische Wirtschaft geworden. Seit Gründung
der Uruguay-Runde im Jahr 1986 waren 40 Prozent
des Gesamtzuwachses des amerikanischen BSP auf
die Aufstockung der Exporte zurückzuführen. 1990
machte der Exportzuwachs 88 Prozent des amerikanischen BSP-Zuwachses aus.
Ein offenes multilaterales Handelssystem ist die beste
Garantie dafür, daß sich die amerikanischen Exportchancen bis ins nächste Jahrhundert weiterhin verbessern. Die Uruguay-Runde ist die wichtigste Initiative
zur Verbesserung dieser Möglichkeiten.
Eine erfolgreiche Uruguay-Runde würde insbesondere der amerikanischen Wirtschaft beträchtliche Vorteile bieten. Dazu zählen:
1.

Niedrigere tarifäre und nichttarifäre Handelsschranken für Fertigprodukte und andere Waren, wodurch die Weltproduktion in den nächsten 10 Jahren um 5 Billionen Dollar und die USProduktion um über 1 Billion Dollar gesteigert
werden könnte, was zusätzlich 16.000 Dollar für
eine vierköpfige amerikanische Familie bedeuten würde.

2.

Regeln zum Schutz geistigen Eigentums amerikanischer Unternehmer, denen jährlich durch
Diebstahl und Nachahmungen ein Verlust von
60 Milliarden Dollar entsteht,

3.

neue Märkte für amerikanische Dienstleistungsunternehmen mit einem jährlichen Exportvolumen von 115 Milliarden Dollar, in denen 90
Prozent aller neuen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen werden,

4.

5.

eine Vereinbarung, die Weltmärkte für Investitionen öffnet und dazu beiträgt, 240 Milliarden
Dollar oder zwei Drittel des gesamten US-Warenexports aufzubringen,
fairer Handel und offene Märkte in der Landwirtschaft, die jetzt amerikanischen Landwirten-mit
einem Exportvolumen von jährlich über 40 Milliarden Dollar führend in der Welt -, neue Chancen bieten,

Seite 4

6.

die vollständige Beteiligung der Entwicklungsländer am Welthandelssystem, mit der sich
amerikanische Exporte in den nächsten 10 Jahren
um 200 Milliarden Dollar steigern ließen,

7.

bessere Regeln zur Beilegung von Streitigkeiten, Antidumping, Subventionen und Korrekturmaßnahmen im Handel, mit denen Vorhersehbarkeit und Sicherheit beim Zugang zu Auslandsmärkten gewährleistet und fairer Handel
im Inland garantiert werden sollen.

Umgekehrt wird die NichtVerlängerung des amerikanischen "Fast-track"-Mandats die Verhandlungen der
Uruguay-Runde beenden und die Aussichten für
Weltwirtschaftswachstum und Zusammenarbeit schmälern.
Ein Zusammenbruch der Runde durch Beseitigung
des "Fast-track"-Mandats würde weltweit zu stärkerem Druck führen, Handels- und Investitionshemmnisse aufzubauen. Eine drastische Abwendung von
offenen Märkten könnte wie bereits in den dreißiger
Jahren zu einer weltweiten Rezession führen.
Trotz des nicht zu garantierenden letztlichen Erfolgs
der Uruguay-Runde sollten die Vereinigten Staaten die
Verhandlungen weiterführen, weil eine erfolgreiche
Runde eindeutig und langfristig im Interesse unserer
Wirtschaft liegt.
BEDEUTUNG EINES NORDAMERIKANISCHEN
FREIHANDELSABKOMMENS
Mit diesem Abkommen - NAFTA - würde eine der
größten Freihandelszonen der Welt geschaffen
NAFTA würde einen ungeheuer großen Markt mit über
360 Millionen Verbrauchern und einem Gesamtvolumen von 6 Billionen Dollar freisetzen.
Von der schrittweisen Beseitigung von Schranken für
den Fluß von Waren, Dienstleistungen und Investitionen und dem besseren Schutz von Rechten an
geistigem Eigentum würde eine breiten Schicht von
Unternehmen, Arbeitnehmern, Landwirten und Verbrauchern profitieren.
Die Gründung eines NAFTA hätte Katalysatorfunktion
für Wachstum und Entwicklung der Wirtschaft in den
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada, weil es mehr
Handel, Investitionen und Arbeitsplätze gäbe.
Die Bedeutung des Nordamerika-Handels
Kanada ist Amerikas größter, Mexiko sein drittgrößter
Handelspartner. Die Vereinigten Staaten sind für zwei
Drittel ihres Gesamthandels verantwortlich. Im Jahr
1990 würde sich das Handelsvolumen aller drei Länder
auf 237 Milliarden Dollar belaufen.

AMERIKA DIENST 12

�Seit 1980 haben sich die amerikanischen Exporte
nach Mexiko und Kanada von 55,3 Milliarden auf 111,4
Milliarden Dollar verdoppelt. Unsere Exporte in die
Nachbarländer sind in erheblich stärkerem Maße
gestiegen als in alle anderen Länder der Welt.
Die Beseitigung von Schranken würde neue Chancen für Handel und Investitionen bieten
Seit dem Beitritt Mexikos zum GATT im Jahr 1986 und
der Einführung seiner Politik des Abbaus von Handelsschranken haben sich die US-Exporte mehr als verdoppelt - von 12,4 Milliarden auf 28,4 Milliarden Dollar.
1.

2.

3.

Die US-Agrarexporte nach Mexiko - unserem
drittgrößten Markt - beliefen sich 1990 auf 2,5
Milliarden Dollar.
Exporte von Verbrauchsgütern aus den Vereinigten Staaten nach Mexiko haben sich seit
1986 verdreifacht und sind von 1 Milliarde Dollar
auf 3 Milliarden gestiegen.
Die US-Exporte von Investitionsgütern sind von
5 Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf etwa 9,5
Milliarden Dollar im vergangenen Jahr gestiegen.

Dies ist noch steigerungsfähig. Mexiko hat größere
Schranken für US-Exporte als wir sie für mexikanische
Lieferungen in die Vereinigten Staaten verhängen.
Zum Beispiel:
1.

2.

Mexikos Zölle betragen im Durchschnitt 10
Prozent, gegenüber den durchschnittlich 4
Prozent, die wir auf mexikanische Exporte in
unser Land erheben.
Mexiko hat nach wie vor ein strenges System
von Einfuhrlizenzen, von dem etwa 40 Prozent
aller amerikanischen Agrarexporte nach Mexiko
betroffen sind.

Darüber hinaus hat Mexiko zwar sein Investitionssystem liberalisiert, dennoch bleibt es immer noch vielen
US-Investitionen sowohl in der Fertigungs- als auch in
der Dienstleistungsindustrie verschlossen, und Erfüllungsbedingungen verzerren Exportchancen für amerikanische Waren.
Mexiko hat sich bereiterklärt, seinen Schutz für die
Rechte an geistigem Eigentum zu verbessern, und wir
erwarten dazu in absehbarer Zukunft konkrete Maßnahmen. Ein NAFTA wird solche Reformen sichern.
NAFTA bietet US-Herstellern, Arbeitnehmern und
Verbrauchern Vorteile
Wirtschaftliche Untersuchungen belegen, daß NAFTA
positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung in den Vereinigten Staaten haben wird.
US-Hersteller und Arbeitnehmer werden von NAFTA
durch bessere Absatzmöglichkeiten, verbesserte
Kapazitätsausnutzung und stärkere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Asien und Europa profitieren.
Amerikanische Verbraucher werden besseren Zugang
zu Qualitätserzeugnissen zu niedrigeren Preisen haben.
NAFTA verbessert die Beziehungen zwischen allen Ländern Nordamerikas
Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen würde die umfangreichen historischen, familiären, kulturellen und sprachlichen Bindungen der Vereinigten
Staaten mit Mexiko und Kanada festigen.
Wohlhabendere Nachbarn sind bessere Nachbarn und
bessere Abnehmer amerikanischer Waren und Dienstleistungen.
Wir haben ein umfangreiches Programm mit Mexiko
und Kanada, das über Handels-, Wirtschafts- und
Investitionsbeziehungen hinausgeht. Durch die Förderung wirtschaftlichen Wohlstands in allen drei Ländern wird NAFTA uns helfen, Fortschritte bei Fragen
wie Umwelt, Drogen und Auswanderung zu erzielen.

* *

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 5

�GOLFKRISE
27. März 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. März 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. März 1991 fort.

I.März
Der amerikanische Botschafter Edward Gnehm und
20 Angehörige der amerikanischen Botschaft treffen in
Kuwait ein. Ihre erste Amtshandlung ist das Hissen der
amerikanischen Flagge und die offizielle Wiedereröffnung der amerikanischen Botschaft, die am 14. Dezember 1990 evakuiert worden war.

die widerrechtliche Annexion Kuwaits rückgängig macht,

Die kuwaitische Ölgesellschaft gibt bekannt, daß 950
der kuwaitischen Ölquellen brennen oder von den
Irakern auf andere Weise sabotiert wurden. Umweltfachleute am Worldwatch Institute erklären, der von
den Irakern verursachte Ölteppich und die Brandstiftung bei kuwaitischen Ölquellen hätten eine Umweltkatastrophe zur Folge, die Luft, Land und See in der
Region verschmutzen und die Gesundheit von Millionen Menschen bedrohen.

über das Internationale Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) alle vom Irak festgenommenen
Kuwaiter und Bürger aus Drittstaaten freiläßt
sowie die sterblichen Überreste aller verstorbenen Kuwaiter oder Bürger aus Drittstaaten freigibt,

2. März
Der Irak läßt vier im Januar festgenommene CBSFernsehreporter frei, nachdem sie nahezu sechs Wochen
inhaftiert und verhört worden waren.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet die 13. Resolution zu Kuwait, in der die Rahmenbedingungen für einen dauerhaften Waffenstillstand
festgelegt werden. Die UNO-Resolution 686 wird mit
11 zu 1 Stimme (Kuba) bei Enthaltung von China,
Indien und Jemen verabschiedet. Sieben Länder
unterstützen die Resolution: Belgien, Frankreich,
Großbritannien, Rumänien, die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und Zaire. Die Resolution 686 fordert,
daß der Irak:

AMERIKA DIENST 12

im Rahmen des Völkerrechts die Haftung für die
in Kuwait und andernorts angerichteten Schäden übernimmt,

unverzüglich das gesamte beschlagnahmte
kuwaitische Eigentum freigibt,
"feindselige oder provokative Aktionen" einschließlich Raketenangriffen und Flügen von
Kampfflugzuegen einstellt,
alle Kriegsgefangenen über das IKRK freiläßt
und die sterblichen Überreste der Verstorbenen
freigibt, sowie
die Lage der Minenfelder und versteckten Sprengsätze bekanntgibt.
Die französische Regierung hebt das Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Frankreich mit einem Dekret
im "Official Journal" auf. Zum Zeitpunkt des Einfrierens am 2. August 1990 beliefen sich die kuwaitischen
Bankguthaben in Frankreich auf 7,3 Milliarden franzö-

Seite 1

�sische Francs. Die im August auf 1,5 Milliarden
französische Francs bezifferten irakischen Einlagen
bleiben der französischen Regierung zufolge ebenso
wie alle anderen finanziellen Transaktionen mit dem
Irak gesperrt.

Seiten eine Linie gezogen worden. Keine der beiden
Streitmächte darf näher als 1.000 Meter an die Linie
herankommen, und der Flugbetrieb der Iraker ist im
Umkreis von 10.000 Metern von dieser Linie untersagt,
so der General.

3. März

Der Irak lä ßt dem US-Central Command zufolge sechs
Kriegsgefangene der Koalitionsstreitmacht aus Italien,
Großbritannien und den Vereinigten Staaten im Rahmen "eines symbolischen, als Zeichen des guten
Willens durchgeführten Gefangenenaustauschs mit
dem Irak" frei. Berichten zufolge sind sie in guter
Verfassung.

Die Annahme der UNO-Resolution 686 durch den Irak
wird mit einem Schreiben von Außenminister Tarik
Asis an die Vereinten Nationen zusammen mit der
Bitte übermittelt, die Resolution "rasch und ehrlich
sowie in objektiver und würdiger Weise" durchzuführen, gibt Radio Bagdad bekannt.
Der UN-Sicherheitsrat genehmigt die Bitte um Flüge
mit Nahrungs- und Arzneimitteln sowie Wasseraufbereitungsanlagen nach Bagdad.
Sieben irakische Generäle treffen mit den führenden
Kommandeuren der Koalitionsstreitmacht in Safwan
im Irak zusammen, um die Bedingungen eines dauerhaften Waffenstillstands auszuhandeln, einschließlich
der Auslieferung von Kriegsgefangenen sowie der
Freilassung der im Irak festgehaltenen Kuwaiter. General
Norman Schwarzkopf und der saudiarabische Generalleutnant Khalid Bin Sultan, Kommandeur der Vereinigten Arabischen Streitkräfte, stimmen überein, daß
das "Klima" der Treffen ausgezeichnet war. "Die
irakische Delegation war bereit, nicht nur auf jede von
uns geäußerte Forderung einzugehen, sondern sie
auch zu erfüllen", erklärt Khalid.
Zu den an dem Treffen teilnehmenden Mitgliedern der
Koalition, die Streitkräfte in der Kriegszone stationiert
haben, zählen: Generalmajor Dschabir al-Sabah (Kuwait), Generalmajor Jusif Madane (Saudi-Arabien),
Generalmajor Ameen Hussne (Ägypten), Oberstleutnant Fahad al-Ganim (Bahrain), Generalmajor Ali Habib
(Syrien), Oberstleutnant Mohammed Ben Atya (Katar), Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate und
aus Oman, Generalleutnant Michael Roquejeoffre,
Kommandeur der französischen Streitkräfte, Generalmajor Mario Arpino (Italien) sowie Kommodore Ken
Summers (Kanada).
Zu der acht Mitglieder zählenden irakischen Delegation gehörten: Generalleutnant Sultan Hasbim Ahmad, Generalleutnant Salah Abbud Mahmud, Generalmajor Khalid Husayn Ali, die Brigadegeneräle Taha
Muhammad Ahmand, Luay Naui Said, Luay Karim
Muhammad und Nawfur Abdul-Hadi al-Hafith sowie
Oberst Mohammed Abdul-Asis.

Der kuwaitische Kronprinz Saad Abdullah Sabah kehrt
nach siebenmonatigem Exil nach Kuwait zurück, um
als zeitweiliger Militärgouverneur des soeben befreiten
Landes zu fungieren. Laut einem vom Emir erlassenen Dekret wird der Kronprinz mindestens drei Monate
unter Kriegsrecht regieren, um die Normalität wiederherzustellen.
S.März
Radio Bagdad zufolge hat der irakische Außenminister
verkündet, daß alle verbliebenen amerikanischen und
alliierten Kriegsgefangenen dem Internationalen Roten Kreuz übergeben wurden.
Der omanische Botschafter in Kuwait, Hilal Bin Salim
Bin Hamud Al-Siyabj, trifft in Kuwait City ein, um die
Botschaft des Oman wiederzueröffnen. Vor seiner
Ankunft hatten an der Befreiung Kuwaits beteiligte
Einheiten der omanischen Armee am 3. März feierlich
die Flagge des Sultanats über der Botschaft gehißt.
6. März
In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses
würdigt Präsident Bush die Befreiung Kuwaits von der
irakischen Besatzung und erklärt, "der Krieg gegen
den Irak ist vorbei". Der Präsident verspricht, sich für
eine stabile Friedensordnung im Nahen Osten einzusetzen. Darüber hinaus weist er Verteidigungsminister Cheney an, unverzüglich mit der Rückführung
amerikanischer Kampfeinheiten vom Golf zu beginnen. Der Präsident fordert Anstrengungen zur Förderung von:
Gemeinsamen Sicherheitsarrangements in der
Region;
Kontrolle der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und der Raketen für deren Einsatz;

4. März

neuen Chancen für Frieden und Stabilität;

Dem Leiter der Operationen der Vereinigten Stabschefs, Generalleutnant Thomas Kelly, zufolge haben
die Streitkräfte der Koalitionsstreitmacht und des Irak
Kontrollmaßnahmen ergriffen, um weitere Konflikte
zwischen beiden Seiten zu verhindern. Er erklärt, im
südlichen Irak sei zum Zwecke der Trennung beider

wirtschaftlicher Freiheit und Wohlstand für alle
Menschen in der Region.

Seite 2

Darüber hinaus erklärt Bush, "die Zeit ist reif für eine
Beendigung des Konflikts zwischen Israelis und Arabern" und verspricht, sich "energisch und entschlos-

AMERIKA DIENST 12

�sen" für die Lösung der Probleme einzusetzen, die
weiterhin den Nahen Osten bedrückten.
Beim Treffen des Golf-Kooperationsrats mit Vertretern
aus Ägypten und Syrien in Damaskus wird eine Erklärung von Damaskus verabschiedet, in der die Befreiung Kuwaits begrüßt wird. Die Erklärung bekräftigt
einen neuen Geist der arabischen Zusammenarbeit,
einschließlich der Schaffung einer arabischen Friedenstruppe, "um die Sicherheit der arabischen Staaten in der Golfregion zu garantieren".
Die Erklärung von Damaskus wird von den Außenministern von Syrien, Ägypten, Katar, Saudi-Arabien,
den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrein, Oman
und Kuwait unterzeichnet.
Der britische Premierminister John Major besucht als
erster führender Politiker des Westens seit der Befreiung Kuwaits die Frontstaaten. Er verspricht den
britischen Truppen in Kuwait, "wir werden Euch keinen
Tag länger als nötig hier lassen". Major erklärt ferner,
die Iraker hätten neun Briten freigelassen.
Die Brüsseler EG-Kommission verkündet, sie werde
den vom Krieg verwüsteten Staaten Irak und Kuwait
Hilfe in Höhe von 4,5 Millionen Dollar gewähren. Ein
Sprecher der Kommission teilt mit, die Hilfe für den Irak
sei vom UNO-Sanktionsausschuß genehmigt worden,
um sicherzustellen, daß das gültige UN-Handelsembargo nicht durchbrochen wird.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bestätigt, daß der Irak 35 alliierte Kriegsgefangene freigelassen hat, darunter 1 Kuwaiter, 1 Italiener, 9 Saudis, 9
Briten und 15 Amerikaner. Gleichzeitig trafen 294
irakische Kriegsgefangene aus Saudi-Arabien in Bagdad ein. All diese Kriegsgefangenen wurden im Einklang mit den Bestimmungen der dritten Genfer Konvention vorher von IKRK-Delegierten besucht.
Ein Sprecher der Bundesregierung kündigt an, Deutschland were 5 Minenräumschiffe und zwei Versorgungsschiffe in den Persischen Golf entsenden, um das
Gebiet von Minen zu säubern.
7. März
Der Stellvertretende Direktor des US-Central Command (CENTCOM), Brigadegeneral Richard Neal, trifft
in Saudi-Arabien mit irakischen Vertretern zu Gesprächen über die Rückführung der etwa 60.000 irakischen
Kriegsgefangenen und der im Irak festgehaltenen
Kuwaiter zusammen. Der General erklärt, einige
Angehörige der Koalitionsstreitkräfte seien immer noch
als vermißt gemeldet und vor der Überstellung ihrer
sterblichen Überreste "glaube ich nicht, daß wir dieses
Kapitel abschließen können". Neal stellt fest, er sei
"bester Stimmung aufgrund des Verhaltens der irakischen Regierung" und beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der die Iraker die Kriegsgefangenen der
Koalition freigelassen hätten.

AMERIKA DIENST 12

Abteilungsleiter Pete Williams vom US-Verteidigungsministerium erklärt bei einer Pressekonferenz im
Pentagon, die amerikanischen Truppen würden von
der Arabischen Halbinsel "mit unverzüglicher Wirkung
in einer Größenordnung von etwa 5.000 pro Tag" nach
Hause zurückkehren. Williams stellt darüber hinaus
jedoch fest, daß das Verteidigungsministerium kein
Datum für die Rückkehr aller Streitkräfte festgesetzt
habe.
8. März
Das unter Beteiligung von 43 Staaten stattfindende
Treffen der UN-Menschenrechtskommission in Genf
verabschiedet zwei Resolutionen, in denen der Irak
aufgrund von Menschenrechtsverletzungen gegenüber dem kuwaitischen Volk während der siebenmonatigen Besatzung und wegen flagranter Menschenrechtsverletzungen gegen seine eigene Bevölkerung
verurteilt wird. Beide Resolutionen fordern die Einsetzung von Sonderberichterstattern, um die Verletzungen aufzulisten und der Kommission Bericht zu erstatten.
Das US-Finanzministerium erklärt, angesichts der
Resolution 686 des UN-Sicherheitsrats vom 2. März,
in der die Zusammenarbeit zum Wiederaufbau Kuwaits gefordert wird, würden die Handels- und Reisebeschränkungen für Kuwait gelockert.
In einem Wiederaufleben der öffentlichen Feindschaft
gegenüber dem Irak verurteilt der iranische Präsident
Hodschatoleslam Haschemi Rafsandschani beim
Freitagsgebet in Teheran Saddam Hussein und fordert
den Rücktritt des irakischen Präsidenten.
Die kuwaitische Nachrichtenagentur in London berichtet, das kuwaitische Menschenrechtskomitee habe
über das Rote Kreuz 1181 kuwaitische Gefangene
aufgenommen, die von den irakischen Streitkräften
am 7. März freigelassen wurden. Die Freigelassenen
wurden zur Untersuchung in das Al-Jahra-Hospital in
Nord-Kuwait eingeliefert, "da sie intensive Erschöpfungssymptome aufwiesen", erklärt KUNA.
9. März
Bei einem Treffen mit Außenminister Baker in KuwaitCity sagt der kuwaitische Kronprinz Saad Abdullah
Sabah politische Reformen im Einklang mit der Verfassung Kuwaits zu. Er verspricht zwar, daß "sehr, sehr
bald" Wahlen abgehalten würden, räumt jedoch der
Wiederherstellung der Stabilität in seinem Land Vorrang ein.
Etwa 40 ausländische Journalisten und zwei amerikanische Soldaten, die nahezu eine Woche im Irak
festgehalten wurden, treffen nach ihrer am 8. März in
Bagdad erfolgten Übergabe an das IKRK durch die
irakischen Behörden mit einem Konvoi in Amman ein.

Seite 3

�10. März
Der Emir von Kuwait, Scheich Dschabir al-Ahmed AlSabah erklärte bei seinem Treffen mit Außenminister
Baker in Taif, die kuwaitischen Herrscher werden ihr
Land so bald wie möglich demokratisieren. Aber Probleme wie Demokratie können nur gelöst werden,
wenn der irakische Präsident Saddam Hussein seines
Amtes enthoben werde. Vorher, so der Scheich, "wird
es niemals Frieden oder Stabilität in der gesamten Region geben".
11. März
In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen, Javier Perez de Cuellar, verzichtet der Irak
auf Kuwait. Der vom 8. März datierte Brief des
irakischen ständigen Vertreters bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Emir A. Al-Anbari, übermittelt
die Entscheidung seiner Regierung, die Annexion für
"null und nichtig" zu erklären. Die Entscheidung des
irakischen Revolutionsrats mit dem Datum 5. März war
dem Brief des Botschafters beigefügt und trug die
Unterschrift Saddam Husseins.
Die Export Import Bank der Vereinigten Staaten erklärt, all ihre Programme zur Förderung amerikanischer Exporte nach Kuwait wieder aufnehmen zu
wollen. Die Bank gibt aufgrund des unmittelbaren und
effektiven Finanzierungsbedarfs die Einführung eines
Sonderprogramms bekannt, im Rahmen dessen
amerikanische Handelsbanken der Nationalbank von
Kuwait und anderen kuwaitischen Banken Garantien
für kurz- und mittelfristige Kredite gewähren. Die
Ex Im-Bank führt ihre Entscheidung auf eine Erklärung
der Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen im
Finanzministerium zurück, die alle rechtlichen Beschränkungen für die Gründung neuer Unternehmen
in Kuwait aufhebt.
12. März
Eine aus 20 Mitgliedern bestehende Delegation unter
Leitung des Stellvertretenden UN-Generalsekretärs
Martti Artisaari trifft in Bagdad ein und bringt 20 Tonnen
dringend benötigter Arzneimittel mit, deren Lieferung
vom Sanktionsausschuß des UN-Sicherheitsrats
genehmigt war. Die von UN-Generalsekretär Perez de
Cuellar entsandte Delegation soll den Bedarf ermitteln
und wird bis zum 18. März im Irak bleiben. Danach
plant sie eine ähnliche Bestandsaufnahme des Bedarfs an humanitären Hilfsgütern in Kuwait.
Die Delegation umfaßt nicht nur Mitglieder des UNSekretariats, sondern auch Vertreter aus dem Amt des
Koordinators der Vereinten Nationen für Katastrophenhilfe (U.N. Disaster Relief Organization -UNDRO),
der Internationalen Organisation für Auswanderung
(Intematioal Organization of Migration), dem Ernährungs- und Landwirtschaftsprogramm (Food and Agriculture Organization - FAO) und seiner Unterorganisation, dem Welternährungsprogramm (World Food
Seite 4

Programme - WFP), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) und dem
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (U.N.
Development Programme - UNDP). Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, eine nicht mit den
Vereinten Nationen verbundene Organisation aus
freiwilligen Helfern, nimmt ebenfalls an dieser Maßnahme teil.
13. März
Präsident Bush nimmt nach Abschluß des Kriegs am
Persischen Golf in Ottawa eine fünftägige Reihe von
Konsultationen mit den Verbündeten auf. In einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kanadischen
Premierminister Mulroney weist Bush darauf hin, daß
der irakische Einsatz von Hubschraubern zur Bekämpfung von Rebellen im Irak eine Verletzung des vorläufigen Waffenstillstands darstellt und gelöst werden
muß, bevor ein endgültiger Waffenstillstand vereinbart
werden kann.
Kuwaits Wiederaufbaubestrebungen im Umfang von
100 Milliarden Dollar erhalten durch die Öffnung des
wichtigen Hafens AI Shuaiba für den internationalen
Seehandel erheblichen Auftrieb. Zunächst fuhren die
USS LaSalle und ein britisches Minensuchboot durch
einen Kanal, aus dem alliierte Taucher Minen geräumt
hatten. Dann liefen amerikanische und sowjetische
Handelsschiffe ein und löschten etwa42 Millionen Liter
Trinkwasser für die Kuwaiter, deren Wasserversorgung und Entsalzungsanlagen von fliehenden irakischen Soldaten zerstört worden waren.
14. März
Präsident Bush erklärte auf Martinique (Französisch
Westindien) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit dem französischen Präsidenten Mitterand: "Wir
sind erfreut über Syriens Rolle" in der Golfkoalition "sehr erfreut, daß sie auf unserer Seite standen..." Er
bezeichnet Syrien als "ein wichtiges Land in der Region. Es ist entscheidend für alles, was im Libanon
geschieht und ebenso entscheidend bei den mittelfristigen Lösungen für die Palästinafrage."
Der kuwaitische Emir Scheich Dschabir al-Ahmad AlSabah kehrt aus siebeneinhalb Monaten Exil in SaudiArabien infolge der irakischen Besetzung Kuwaits
nach Kuwait zurück. Die Neuigkeit verbreitet sich,
schnell und Kuwait feiert seine Rückkehr. Der Emir
wird in einem Privathaus wohnen, weil der 100 Jahre
alte königliche Palast, wie fast alles in Kuwait, in Schutt
und Asche liegt.
15. März
Der Befehlshaber der alliierten Streitkräfte, General
Norman Schwarzkopf, entsendet Boten, um das irakische Militärkommando zu warnen, daß anhaltende

AMERIKA DIENST 12

�Flüge irakischer Flugzeuge die vorläufige Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Irak unterlaufen könnten. Gleichzeitig
verfügen die Befehlshaber verstärkte Luftpatrouillen
über irakischem Territorium.
Auf Wunsch des kuwaitischen ständigen Vertreters bei
den Vereinten Nationen, Mohammed A. Abulhassan,
entsendet UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar eine 29 Mitglieder umfassende Wiederaufbaudelegation nach Kuwait. Das UN-Team unter Leitung des
früheren stellvertretenden UN-Generalsekretärs Abdulrahim A. Farah umfaßt Ingenieure, Umweltschützer
und Menschenrechtsexperten unterschiedlicher UNBehörden, "die die Erfordernisse zum Wiederaufbau

*

AMERIKA DIENST 12

des Landes feststellen", erklärt de Cuellar.
Das US-Verteidigungsministerium erklärt, 35 Länder
hätten Truppen zur Unterstützung der Operationen
Wüstenschild und Wüstensturm stationiert: Afghanistan (Mujahedin), Ägypten, Argentinien, Australien,
Bahrain, Bangladesh, Belgien, China, Dänemark,
Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kanada, Katar, Kuwait, Marokko, die Niederlande, Neuseeland, Niger, Norwegen, Oman, Pakistan, Polen, SaudiArabien, Senegal, Spanien, Südkorea, Syrien, die
Tschechoslowakei, die Türkei, Ungarn, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Vereinigte Königreich
und die Vereinigten Staaten.

* * *

*

Seite 5

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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 27.03.1991</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. KSE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman: bei KSE feste Haltung gegenüber der UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetunion muss Hindernisse gegen KSE-Vertrag abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Bartholomew vor Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verlängerung des "Fast-Tracks"-Mandats&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. März 1991&lt;/em&gt;</text>
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