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27. Februar 1991

DEUTSCHAMERIKANISCHE
BEZIEHUNGEN

HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN IN DEN
NEUNZIGER JAHREN
Ansprache des Gesandten George F. Ward

UMWELT

USA STREBEN GLOBALE REAKTION AUF
KLIMAVERÄNDERUNG AN
Rede des Unterabteilungsleiters im
Außenministerium Reinstein

GOLFKRIEG

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Februar 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�DEUTSCH-AMERIKANISCHE

BEZIEHUNGEN
27. Februar 1991

HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
Ansprache des Gesandten George F. Ward
STUTTGART - (AD) - In einer Rede bei der Amerikanischen Handelskammer in Stuttgart hat der Gesandte bei
der US-Botschaft in Bonn, George F. Ward, am 26. Februar 1991 betont, daß die NATO auch in Zukunft die
"Grundlage westlicher Sicherheit" bleibe. Jedoch müsse sich das Bündnis neuen politischen Aufgaben, etwa
dem Dialog mit den Ländern Osteuropas, zuwenden. Ward sprach sich darüber hinaus für die Bewahrung der
militärischen Komponente der NATO aus: "Wir müssen der Versuchung widerstehen, das Bündnis lediglich
aufrechtzuerhalten und es seiner militärischen Inhalte zu berauben."
In bezug auf den Krieg am Golf stellte der Gesandte fest, deutsche Einheit und Golf krise lie ßen sich auf vielfältige
Weise nicht voneinander trennen: "Mit dem zunehmenden Gewicht Deutschlands in Europa vergrößert sich
auch sein Gewicht in der Welt. Saddam Hussein hat die Weltordnung und die wirtschaftliche Stabilität herausgefordert: der Status der Bundesrepublik als führende politische und wirtschaftliche Macht erfordert zwingend
eine deutsche Rolle."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Gesandten im Wortlaut.

Stellen Sie sich einen Besucher von einem anderen
Planeten vor, der in den letzten vier Monaten dreimal
in Deutschland und in den Vereinigten Staaten war sagen wir, Anfang Oktober 1990, Mitte Januar 1991
und letzte Woche. Bei der ersten Gelegenheit wurde
er Zeuge, wie Deutschland seine wiedergewonnene
Einheit feierte und den Vereinigten Staaten Dank für
ihre Unterstützung bei dieser Leistung zollte. Die
Amerikaner teilten diese Freude. Bei seinem zweiten
Besuch waren die Amerikaner bereits mit dem Golfkrieg beschäftigt, und manche Kritiker in den Vereinigten Staaten warfen Deutschland vor, daß es keine
direktere Rolle unter den Alliierten spiele. Deutschland
hingegen war im Hinblick auf seine eigene Rolle in dem
Konflikt in zwei Lager gespalten. In Rundfunk und
Fernsehen war manchmal recht harte Kritik an den
Vereinigten Staaten zu vernehmen. Beim dritten Mal
war Amerika immer noch mit dem Krieg beschäftigt,
aber dankbar für den deutschen finanziellen Beitrag.
In den Vereinigten Staaten kritisierten Stimmen in den
Medien jedoch nach wie vor das mangelnde direkte
Engagement der Deutschen in dem Konflikt. In Deutsch-

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land war zu beobachten, daß eine überwiegende
Mehrheit der Bevölkerung die alliierten Operationen
am Golf unterstützte und viele Bürger den Familien
amerikanischer Soldaten halfen. Aber eine große
Mehrheit der Deutschen war immer noch gegen eine
Beteiligung der Bundesrepublik.
Was war geschehen? Wie konnte die noch im Oktober
vorherrschende positive Einstellung in die Debatte und
Gewissenserforschung münden, wie sie im Januar zu
beobachten waren? Wo ist das Selbstbewußtsein der
Deutschen geblieben? Was hat den Meinungsumschwung bewirkt? Was hat dazu geführt, daß Vertrauen und Zuneigung für Amerika geschwunden und dann
so stark wiederaufgeflammt sind?
Ich möchte nicht den Versuch unternehmen, die
Mentalität der Deutschen zu erforschen. Als Ausländer kann ich das nicht, und als Diplomat ist es nicht
meine Aufgabe. Mein Anliegen sind die amerikanischdeutschen Beziehungen und ihre herausragende
Bedeutung für amerikanische Interessen. Ich bin

Seite 1

�besorgt, daß die öffentliche Meinung zu beiden Seiten
des Atlantiks so flatterhaft ist. Und hier verwechsele
ich nicht etwa unreflektierte emotionale Äußerungen
mit sachlich begründeten Meinungen.
Seit August letzten Jahres war der Lauf der Geschichte für Politiker und für den Normalbürger zu schnell.
Wir hatten kaum das Ende des kalten Kriegs gefeiert,
als wir mit der ersten neuen Krise konfrontiert wurden.
Gleichzeitig wurde uns schmerzhaft bewußt, daß
Entwicklungen in Osteuropa und der Sowjetunion immer
noch die regionale Sicherheit bedrohen konnten. Wir
sind in den letzten sechs Monaten auf einer politischen
Achterbahn gefahren. Jubelausbrüche und Schocks
begünstigen kein klares Denken. Aber die Erfahrung
hat uns zumindest die Möglichkeiten und Risiken vor
Augen geführt, denen unsere bilateralen Beziehungen
in den neunziger Jahren ausgesetzt sein werden.
Daraus können wir lernen. Eine der wichtigsten Lektionen daraus lautet, daß die für unsere beiden Länder
so wichtige deutsch-amerikanische Partnerschaft nicht
selbstverständlich ist. Diese Partnerschaft ist bedroht,
wenn wir bei den wichtigsten anstehenden Problemen
keine gemeinsamen Ansätze finden.
Heute möchte ich auf drei dieser Probleme eingehen.
Alle drei sind politisch umstritten und beinhalten schwierige Entscheidungen.
Erstens, wie sollte der Westen sich selbst organisieren, damit er seine sicherheitspolitischen
Verpflichtungen in Europa und darüber hinaus
erfüllen kann?
Zweitens, wie sollen wir unsere gemeinsame
Pflicht erfüllen und die Weiterverbreitung von
Technologien verhindern, mit denen Massenvernichtungswaffen hergestellt werden können?
Drittens, wie sollten wir die Welthandelsordnung aufrechterhalten und verbessern?
Es entspricht meiner Interessenlage und meiner beruflichen Richtung, insbesondere den ersten Bereich
abzudecken. Vielleicht können wir den Dialog zu den
beiden anderen bei unserer anschließenden Diskussion vertiefen.
Sicherheitspartnerschaft
Die NATO bleibt Grundlage westlicher Sicherheit. Es
ist nicht übertrieben, dieses Bündnis als erfolgreichstes in der Geschichte zu bezeichnen. Den Deutschen
muß die Bedeutung der NATO nicht erst wieder vor
Augen geführt werden: die Geschlossenheit des
Bündnisses hat vierzig Jahre lang dazu beigetragen,
daß die Vereinigung beider deutscher Staaten möglich
wurde, und deshalb bestand dieses Land darauf, seine
Vollmitgliedschaft zu behalten. Das naive Gerede von
der "Auflösung beider Blöcke" stellt eine unzulässige
Verbindung zwischen der NATO und dem diskreditierten zerfallenden Warschauer Pakt dar.

Seite 2

Mettemich hat jedoch einmal gesagt, Stabilität sei
keine mangelnde Mobilität. Die Welt hat sich seit 1989
viele Male gedreht, es hat sich viel verändert, auch die
von der NATO zu meisternden Aufgaben. Präsident
Bush hat betont, daß unser Bündnis stärker als jemals
zuvor seine politische Rolle in den Vordergrund stellen
muß.
Zu den neuen politischen Aufgaben der NATO zählt
der Dialog mit den Ländern Osteuropas. Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei erkennen die Einzigartigkeit der NATO vielleicht besser als manche im
Westen: aus eigener Erfahrung kennen sie den Unterschied zwischen einem demokratischen und einem
undemokratischen Bündnis. Sie vertrauen darauf,
daß wir Stabilität und Sicherheit garantieren.
Darüber hinaus genießt unser Bündnis auch in Moskau Glaubwürdigkeit, die wir uns zunutze machen
müssen, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Die
sowjetischen Spitzenpolitiker haben gelernt, daß sie
es bei allen sicherheitspolitischen Fragen mit einem
einigen Westen zu tun haben und die Verhandlungspositionen der NATO ernst nehmen müssen. Indem wir
mit einer Stimme sprechen, können wir sowjetische
Fehleinschätzungen verhindern und vernünftige, realistische Reaktionen fördern. Bei allen Fragen, einschließlich konventioneller Rüstungskontrolle, muß die
NATO in ihrer Haltung weiterhin Geschlossenheit
demonstrieren.
Gleichzeitig ist die NATO nach wie vor auch ein
militärisches Bündnis. Dies ist immer noch die beste
Versicherung für die Sicherheit des Westens. Ganz
sicher ist die klassische Bedrohung gewichen. Nur
wenige vertreten noch die Ansicht, die Sowjetunion
setze auf Expansion und Totalitarismus. Dennoch
bleibt die Lage in diesem großen Land unsicher und
potentiell gefährlich. Verteidigungsminister Cheney
hat kürzlich dazu erklärt, die Instabilität in der Sowjetunion stelle eine ebenso große Bedrohung für die
Nachbarstaaten dar wie eine offene Aggression. Wir
müssen der Versuchung widerstehen, das Bündnis
lediglich aufrechtzuerhalten und es seiner militärischen
Inhalte zu berauben.
Dennoch werden sich auch die militärischen Konturen
unseres Bündnisses unweigerlich verändern - auch
der Umfang des amerikanischen militärischen Beitrags. US-Regierungsvertreter wissen, daß sie die
Truppenstärken erheblich verringern müssen. Im Herbst
vergangenen Jahres hat meine Regierung allein in
Deutschland die Schließung von über 100 militärischen Einrichtungen beschlossen. Unser gegenwärtiges Ziel ist ein Personalabbau um etwa 60 000 Mann.
Viele Kongreßabgeordnete fordern noch drastischere
Kürzungen. Unsere Aufgabe besteht darin sicherzustellen, daß jegliche Kürzungen nicht die Fähigkeit der
NATO beeinträchtigen, ihre Aufgabe der Abschrekkung und Verteidigung zu erfüllen.

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�Eine verminderte Bedrohung und eine reduzierte Präsenz
von US-Truppen unterstreichen die Notwendigkeit für
neue Verteidigungskonzepte. Beim Londoner Gipfel
im Juli wurden die Leitlinien erarbeitet, und Experten
auf allen Ebenen erörtern die Optionen.

Eine gleichmäßige Lastenverteilung muß zwangsläufig zu einer gemeinsamen Entscheidungsfindung führen. Dies würde vielleicht größeres Verständnis für
Bündnisideen und -initiativen unter den Europäern
hervorrufen.

Eins ist klar: eine gro ßangelegte Vorneverteidigung ist
glücklicherweise nicht mehr entscheidend. Wir können mehr mit geringerem Einsatz tun: zum Beispiel mit
kleineren, mobilen Einheiten, die permanent in Europa
stationiert sind, aber je nach Bedarf verstärkt werden
können.

Die Entwicklung eines neuen institutionellen Rahmens
für die europäische Sicherheit bietet femer sowohl
eine Chance als auch eine Herausforderung. Meinungsverschiedenheiten über einige Aspekte des
Golfkriegs haben neue Schritte in Richtung auf eine
europäische politische und militärische Union nicht
verhindern können. Wir begrü ßen die Harmonisierung
der europäischen Sicherheitspolitik, wenn das Endziel
die Stärkung der gesamten westlichen Zusammenarbeit ist. Seit Jahrzehnten haben gerade die Vereinigten Staaten die Auffassung vertreten, daß eine einzige
europäische Stimme dem transatlantischen Dialog
mehr Klarheit verleihen würde. Natürlich hoffen wir,
daß jede sich entwickelnde europäische Sicherheitsstruktur auch die materiellen Verteidigungslasten erleichtern wird.

Darüber hinaus verändert sich die nukleare Komponente der NATO. Die längere Vorwarnzeit vor einem
möglichen Angriff hat unsere Abhängigkeit von solchen Waffen vermindert. Eine große Bandbreite von
landgestützten Systemen für den Kriegsschauplatz ist
nicht mehr erforderlich. Atomwaffen werden mehr und
mehr zum "letzten Mittel". Aber ihre Präsenz ist
insbesondere in Deutschland nach wie vor erforderlich.
Die NATO verändert nicht ihren sicherheitspolitischen
Kurs aufgrund von Meinungsumfragen. Nichts könnte
unseren Ansatz anschaulicher belegen als die bekannte Episode mit Konrad Adenauer. Als man ihm
verheerende Meinungsumfragen zu einem Thema
vorlegte, das er für wichtig hielt, fragte der Kanzler
seine Berater: "Wie können wir diese Einstellungen
verändern?"
Präsident Havel hat kürzlich erklärt, die NATO sei das
einzige demokratische Bündnis in Europa. Wir haben
die öffentliche Meinung immer berücksichtigt: eine
effektive Strategie erfordert eine solide innenpolitische
Grundlage. Politische Bestätigung ist eine komplizierte Möglichkeit, um eine einfache Wahrheit auszudrükken: wir dürfen keine übermäßigen oder ungerechten
Opfer von den Bürgern der Mitgliedstaaten fordern.
Glücklicherweise können multinationale und mobile
Einheiten und luftgestützte Nuklearsysteme dazu beitragen, eine militärisch glaubwürdige und politisch
dauerhafte Strategie zu gewährleisten.
Eine effektive und dauerhafte Strategie erfordert etwasanderes: eine faire Verteilung der Lasten. Dieses
Thema ist so alt wie die NATO selbst; es ist eines der
wenigen Probleme, die wir niemals erfolgreich lösen
konnten. Heute wird es noch komplizierter. Das
Engagement der Amerikaner für die NATO war mit
hohen Kosten verbunden. Einigen Berechnungen
zufolge wird die Hälfte der US-Verteidigungsausgaben
für Bündniszwecke aufgewendet. Natürlich liegt es im
Interesse der Vereinigten Staaten, die Verteidigung
des Westens aufrechtzuerhalten. Trotzdem betrachten viele Amerikaner die von ihnen getragenen Lasten
seit langem als übermäßig hoch - einige bezeichnen
sie heute sogar als unnötig. Wenn die NATO für
Europa so lebenswichtig ist, so meinen sie, müssen
die Europäer einen größeren Teil der Kosten tragen.

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Zahlreiche Pläne für die künftige Sicherheitsarchitektur Europas liegen auf dem Tisch. Ihnen allen sind vier
Strukturen gemeinsam: NATO, EG, WEU und KSZE.
Als einzige transatlantische Sicherheitsorganisation
erfüllt die NATO eine unerläßliche Funktion. Die EG
könnte eine ergänzende Rolle spielen, indem sie die
europäische Zusammenarbeit außerhalb Europas in
Bereichen wie Entwicklungshilfe und politische Unterstützung verstärkt. Diese Bereiche sind ebenso Teil
einer modernen Sicherheitspolitik wie Waffen und
Armeen. Die WEU ist eine europäische Institution mit
einer historischen und formellen Verbindung zur NATO.
Sie ist deshalb gut geeignet, als Brücke zur Verknüpfung der innereuropäischen mit den transatlantischen
Strukturen zu dienen - jedoch nicht als Zugbrücke, die
nur mit einer Seite verbunden ist. Die KSZE verbindet
die aufstrebenden Demokratien Osteuropas mit der
westlichen Staatengemeinschaft: sie kann eine wertvolle Rolle spielen, indem sie die Wahrung der politischen Freiheiten und die Schlichtung von Streitfällen
gewährleistet.
Am Beginn der neunziger Jahre muß ein weiterer
Punkt klargestellt werden. Die NATO war niemals ein
Bündnis gegen die UdSSR, sie war stets ein Bündnis
für den Westen. Ja - sie entstand während des kalten
Krieges. Aber aus guten Gründen erwähnt der Nordatlantikvertrag weder die Sowjetunion, noch ist er
befristet. Denn der Hauptzweck der NATO besteht seit
jeher in der Sicherung der Stabilität innerhalb des
Vertragsgebietes. Heute können Bedrohungen dieser
Stabilität aus vielen Richtungen kommen. Wie immer
sind Solidarität und Klarheit die beste Versicherung
gegen Fehleinschätzungen in allen möglichen Lagern.
Wir suchen keinen neuen Feind, wir erfüllen eine uns
vertraute Mission mit den gleichen Instrumenten -

Seite 3

�Bereitschaft zum Dialog und einem glaubwürdigen
militärischen Abschreckungspotential.
Zu all diesen Fragen benötigt die NATO einen neuen
Konsens. Wir können nicht zusammenarbeiten, wenn
sich einige Mitglieder an alten Formeln festklammern,
während andere vorgeben, unsere Mission sei erfüllt.
Kein Land ist für die künftige Organisation der westlichen Sicherheit wichtiger als das vereinigte Deutschland. Deutschland ist ein einflußreiches Mitglied der
NATO und der erwähnten anderen Institutionen. Sie
können ohne aktives deutsches Engagement und den
kontinuierlichen Wunsch der Deutschen, mit den Verbündeten Schritt zu halten, nicht gedeihen. Sicherlich
steht dieses Land gegenwärtig vor schweren innenpolitischen Problemen. Aber Deutschland sollte nicht
glauben, die schwierigen Aufgaben der europäischen
Sicherheit seien bereits gelöst. Die sowjetischen
Streitkräfte in den neuen Bundesländern sind lediglich
die sichtbarste Erinnerung an Deutschlands Interesse
an der europäischen Stabilität: langfristig hat kein
Land von einem stabilen, sicheren Europa mehr zu
gewinnen als Deutschland. Ein glaubwürdiger westlicher Sicherheitsrahmen mit politischen und militärischen Grundlagen sowie einer starken europäischen
Komponente dient den deutschen Interessen.
Sicherheitspartnerschaft: Der Golf
Das heutige Europa ist ein Monument des Erfolgs
gemeinsamer Anstrengungen im Sicherheitsbereich.
Es bietet viele Lehren für die Politik andernorts. Wir
müssen diese Lehren prüfen. Denn das Ende des
kalten Krieges bedeutet nicht das Verschwinden militärischer Bedrohungen. Hierfür ist der Golfkrieg ein
anschauliches Beispiel, denn er ist - unglücklicherweise - die erste Krise nach dem kalten Krieg und nicht
notwendigerweise die letzte.Zumindest besitzen wir
heute neue Möglichkeiten, um zur Entschärfung und
Bekämpfung solcher Bedrohungen beizutragen.
Mit der unverzüglichen Entsendung amerikanischer
Truppen nach Saudi-Arabien unternahm Präsident
Bush den ersten, lebenswichtigen Schritt zur Bekämpfung der irakischen Aggression. Die Vereinigten Staaten konnten und können jedoch nicht allein die Wahrung des Völkerrechts wiederherstellen und die Golf region stabilisieren. Insbesondere in Zeiten von Haushaltsengpässen und einer offensichtlichen Konjunkturabschwächung in den Vereinigten Staaten ließe sich
eine einseitige US-Aktion am Golf oder andernorts
innenpolitisch nur sehr schwer durchhalten. Die
Amerikaner wollten deshalb, daß ihre Bemühungen im
Rahmen einer kollektiven Reaktion zum Tragen kamen.
Die internationale Solidarität gegen die Aggression
Saddam Husseins war deshalb unerläßlich, und dies
gilt auch weiterhin. Die Vereinigten Staaten wünschten und erhielten nahezu einhellige Unterstützung für

Seite 4

die Kampagne zur Isolierung Saddam Husseins und
zur Vertreibung seiner Streitkräfte aus Kuwait. Die aus
28 Ländern bestehende Streitmacht, die diese Aufgabe ausführt, sowie auch andere Staaten haben die von
den Vereinigten Staaten getragene Last erleichtert.
Diese internationale Solidarität spiegelte sich vor allem
in den Vereinten Nationen wieder. Dieses Weltgremium und seine Unterorganisationen haben seit langem eine unerläßliche Rolle bei der Bewältigung von
Krankheiten, Hunger, Armut, Unwissenheit und dem
Flüchtlingsproblem gespielt. In der Irak-Krise beweist
es heute die Fähigkeit, ernsthafte Schritte im Sicherheitsbereich zu unternehmen.Saddam Husseins Aggression erwies sich als solch schwerwiegende Bedrohung grundlegender völkerrechtlicher Prinzipien, daß
der Sicherheitsrat mit beispielhafter Entschlossenheit
handelte. Die UN-Sanktionen und die Befugnis zu
deren militärischer Durchsetzung waren historisch
einmalige Schritte. Die Resolution 678 des Sicherheitsrats vom November 1990 war eine vitale und
dramatische Bekräftigung, daß die internationale Staatengemeinschaft handeln wird, um dem Völkerrecht
Geltung zu verschaffen.
Und doch liefern UNO-Beschlüsse nur einen Rahmen
für internationales Vorgehen. Sie sind kein Ersatz für
konkrete Maßnahmen und können dies auch nicht
sein. Hätten wir allein auf die Resolutionen als Instrument der Politik gesetzt, so würde Saddam Hussein
heute vielleicht Paraden in Riad abhalten. Statt dessen versteckt er sich in Bagdad und lernt eine redlich
verdiente Lektion über den Preis von Aggression.
Die Staaten des westlichen Bündnisses haben die
Verantwortung für die Verwirklichung der UN-Resolutionen geteilt. Sie verfügen über die Mittel und Mechanismen für regelmäßige Konsultationen und Koordinierung. Niemand hat vorgeschlagen, das Mandat der
NATO zu erweitern. Offenkundig ist das Einsatzgebiet
der NATO der Nordatlantik. Trotzdem verbietet der
Vertrag aus dem Jahr 1949 keine Konsultationen über
Fragen außerhalb dieses Gebiets, insbesondere wenn
solche Bemühungen dem der NATO zugrundeliegenden Ziel der kollektiven Sicherheit dienen. Zumindest
müssen wir zusammenarbeiten, um verlegte Einheiten
zu ersetzen und die Südflanke zu stärken. Ein NATOPartner befindet sich schließlich unmittelbar am Rand
der Krisenregion.
Zweifelsohne findet dieser Krieg an einem Wendepunkt der deutschen Geschichte statt. Auf vielerlei
Weise lassen sich die deutsche Einheit und die Golfkrise nicht vollständig voneinander trennen: mit dem
zunehmenden Gewicht Deutschlands in Europa vergrößert sich auch sein Gewicht in der Welt. Saddam
Hussein hat die Weltordnung und die wirtschaftliche
Stabilität herausgefordert: der Status der Bundesrepublik als führende politische und wirtschaftliche Macht
erfordert zwingend eine deutsche Rolle.

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�Dieser Krieg paßte nicht in die von vielen Deutschen
gehegte Vision der Zukunft. Nach nahezu einem
halben Jahrhundert des Friedens betrachteten sie den
Krieg ernsthaft als überholt und unmoralisch. Sie
reagierten reflexiv und verurteilten die amerikanische
Politik und häufig die amerikanische Gesellschaft.
Zunächst dominierten sie die öffentliche Diskussion
und sogar die Abendnachrichten.
Die Mehrheit der Deutschen, obwohl traurig und besorgt über den Krieg, reagierte jedoch anders. Sie war
sich der Tatsache bewußt, daß es nicht ausreicht, den
Krieg abzulehnen und für den Frieden einzutreten,
ebenso wie es nicht ausreicht, Verbrechen zu verurteilen und die Justiz zu unterstützen. Gute Absichten und
selbst kluge Diplomatie werden nicht immer die Oberhand behalten. Diejenigen, die dies glauben, würden
Deutschland von den Realitäten der Weltpolitik isolieren - und von seinen Verbündeten. Sie würden Deutschland "selbstsingularisieren" - dies muß sicherlich vermieden werden.
Wir haben Verständnis dafür, daß die Deutschen ihre
Geschichte und ihr Grundgesetz als Hinderungsgrund
für ein aktives Engagement im Golfkonflikt sehen. Wir
messen der deutschen Wirtschaftshilfe für die betroffenen Länder in der Region und Ihrer Unterstützung
der alliierten Bestrebungen großen Wert bei. Angesichts all der Rechnungen auf Bundeskanzler Kohls
Schreibtisch war es keine leichte Entscheidung, rund
17 Milliarden D-Mark für die Operationen in der Wüste
bereitzustellen. Die deutschen politischen und militärischen Behörden haben alles getan, um die Verlegung
amerikanischer Streitkräfte an den Golf zu erleichtern.
Und als Akt der Solidarität wurden deutsche Luftwaffen- und Luftabwehreinheiten in die Türkei entsandt.
Die Operationen der Koalitionsstreitmacht am Golf
werden Erfolg haben. Aber wie sollte der Westen auf
andere potentielle Krisen dieser Art reagieren, damit
sie nicht auch zu einer Krise für unser Bündnis werden?
Es ist zu früh, die Gestaltung des Nahen Ostens in der
Nachkriegszeit mit absoluter Sicherheit vorherzusagen. In jedem Fall können wir nur das Ergebnis
beeinflussen - die Länder in der Region müssen die
Hauptverantwortung übernehmen. Alle interessierten
Parteien müssen jedoch den Aufbau stabiler Strukturen zum Ziel haben, die ein Bollwerk gegen Aggression
bilden. Dabei werden wirtschaftliche Entwicklungshilfe, diplomatisches Engagement und militärische Rückversicherung entscheidende Elemente sein. Kein
Faktor allein kann das Wunder des Friedens bewirken,
und dennoch darf keiner unberücksichtigt bleiben. Die
jüngsten Ereignisse in Europa könnten uns größeres
Vertrauen als je zuvor in die Macht wirtschaftlicher und
politischer Instrumente geben. Dennoch sollten wir uns
vor Augen führen, daß in Europa Handel und Verhandlungen genau deshalb funktioniert haben, weil das
militärische Gleichgewicht eine gewisse Stabilität

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gewährleistete. Unser Ausgangspunkt in dem von
Konflikten erschütterten Nahen Osten ist bedauerlicherweise ein völlig anderer. Es gibt keine Patentrezepte.
Wir begrüßen eine deutsche Beteiligung an allen
westlichen Bestrebungen zur Stabilisierung von Krisenherden. Jeder ist sich der Zwänge bewußt, die
Deutschland im Lauf der Geschichte hinnehmen mußte.
Darüber hinaus kann eine Politik offenkundig nicht
funktionieren, wenn die Mehrheit der Bevölkerung
glaubt, sie stelle einen Bruch ihrer Verfassung dar. Nur
die Deutschen selbst können den Weg bestimmen, mit
dem die Geschichte und das Grundgesetz die Politik
ihres Landes beeinflussen muß. Die Verbündeten und
Nachbarländer würden dennoch eine etwas umfassendere Rolle Deutschlands bei der Bewahrung von
Stabilität in bündnisfremden Gebieten begrüßen. Als
souveräner und ganz und gar demokratischer Staat
sollte sich Deutschland in Zukunft nicht daran hindern
lassen, zu den multilateralen Bestrebungen zum Widerstand gegen offenkundige Aggression beizutragen.
Nichtweiterverbreitung
Während der derzeitigen Golfkrise ist ein unvorstellbar
komplexes und kontroverses Thema wiederaufgetaucht.
Der Irak hat ballistische Raketen eingesetzt und könnte auf chemische Waffen zurückgreifen - eines seiner
Ziele ist Israel. Die Technologie und ein Großteil des
Materials wurde von den westlichen Industrienationen
geliefert.
Es ist schwer, sich ein kontroverseres Problem für die
internationale Staatengemeinschaft und insbesondere den Westen vorzustellen. Transfer von Technologie
für Massenvernichtungswaffen ist kein gewöhnliches
Verbrechen, ganz zu schweigen von einer normalen
Form des Handels. Wie die derzeitige Krise beweist,
können selbst kleinste Versäumnisse enorme Beschuldigungen bewirken.
Eine internationale Reaktion ist unabdingbar. Sollten
sich die Erfahrungen der Vergangenheit bewahrheiten, werden internationale Konventionen sehr langsam hervorgebracht. In der Zwischenzeit dürfen wir
nicht die Hände in den Schoß legen. Das Problem ist
zu gravierend. Jedes Industrieland muß seine Gesetze überprüfen und sie verschärfen. Deutschland
hat diesen Prozeß mit der Formulierung neuer Exportgesetze in die Wege geleitet.
Bestimmungen allein werden sich jedoch nicht als
entscheidend erweisen. Die Einstellung gegenüber
ihrer Durchsetzung ist wichtig: diese Art von Handel
erfordert, daß wir alle im Einklang mit demokratischen
Prinzipien alles in unserer Macht Stehende tun, um
strikte Regeln wasserdicht zu machen.
Auch das Verhalten der Geschäftsleute selbst ist entscheidend. Es sind nicht mehr nur Diplomaten und
Seite 5

�Politiker, deren Handlungsweise die Politik - und das
Ansehen - eines Landes bestimmt. Kurzfristiger Profit
kann langfristige Kosten weit über den finanziellen
Bereich hinaus mit sich bringen. Selbst die große
Mehrheit der Geschäftsleute, die sich wortgetreu an
die Exportgesetze halten, kann durch die Selbstkontrolle des Privatsektors viel gewinnen.
Handel
Als die beiden größten Exporteure der Welt haben
Deutschland und Amerika ein gemeinsames Interesse
an der Erhaltung des internationalen Freihandelssystems. Denn jedes Land, auch in der dritten Welt,
profitiert von freierem Handel. Aus diesem Grund
müssen wir zusammenarbeiten, um den Erfolg der
Uruguay-Runde sicherzustellen. Wenn sie scheitert,
wird es keine Regeln für den Handel mit Waren und
Dienstleistungen im Wert von über 1,3 Billionen Dollar
geben. Produktionsverluste in Milliardenhöhe werden
die Folge sein, wenn die Länder wieder auf Protektionismus und regionale Handelsblöcke zurückgreifen.
Die Zeit läuft. Einige Interessengruppen in allen Ländern der Welt einschließlich der Vereinigten Staaten
hoffen tatsächlich auf ein Scheitern der Genfer Verhandlungen. Ihr Ziel ist, protektionistische Gesetze
voranzutreiben, um ihre eigenen Profite auf Kosten
des Gemeinwohls aufzustocken.
Der Zustand unserer eigenen Gesetzgebung unterstreicht die Notwendigkeit für einen Erfolg des GATT.
Der Kongreß hat eine Frist für die Befugnis des Präsidenten gesetzt, ein einfaches Ja oder Nein für eine
endgültige GATT-Vereinbarung einzuholen. Wenn
der Kongreß das Handelsabkommen nicht im sogenannten "Schnellverfahren" erörtert, könnte die Vereinbarung mit Zusatzartikeln belastet und und fast
gekippt werden.
Die Administration kann eine Verlängerung dieses
Schnellverfahrens beantragen. Sie muß jedoch auf
Fortschritte bei dem entscheidenden Thema in Genf
verweisen können: Landwirtschaft.Zusammen mit
zahlreichen Entwicklungsländern hofft die Caims-Gruppe
inbrünstig, daß die EG in diesem Bereich Flexibilität an
den Tag legt. Die Ziele sind eindeutig: größerer
Zugang zu europäischen Märkten für ausländische
Agrarprodukte, Abbau der EG-Exportsubventionen und
Lockerung internationaler Subventionen durch die EG

- vor allem die Preisstützung der Agrarpolitik der
Europäischen Gemeinschaften.
Wir hoffen auf eine stärkere Führungsrolle Deutschlands, seine europäischen Nachbarländer davon zu
überzeugen, daß viele EG-Handelspraktiken der internationalen Stabilität schlicht und einfach nicht dienlich
sind. Ein Abbau der Spannungen zwischen den Entwicklungs- und Industrieländern allein rechtfertigt eine
Änderung der EG-Politik. Letztlich dient ein solides
Freihandelsabkommen auch den deutschen Interessen.
Die deutsche und die amerikanische Industrie können
eine wertvolle Rolle dabei spielen, die Politiker zu einer
Veränderung der veralteten Agrarpolitik zu drängen.
Die Unternehmer wissen aus Erfahrung, daß Protektionismus keinen Gewinn bringt - gleichgültig in welcher Form und unabhängig vom Einf lu ß der politischen
Lobby.
Diplomaten, Politiker und die Industrie müssen jetzt
zur Rettung des GATT schreiten. Ist uns einmal Erfolg
beschieden, müssen wir diesen Erfolg in konzertierte,
langfristige Bestrebungen zur weiteren Liberalisierung
des Handels umsetzen. Nur auf diese Weise können
wir die beachtliche Erweiterung des durch multilaterale
Handelsgespräche in den vergangenen 50 Jahren
hervorgebrachten weltweiten Wohlstands aufrechterhalten. Bei den Verhandlungen in Genf, die heute
wiederaufgenommen werden, haben unsere beiden
Länder die Gelegenheit, einen wichtigen Beitrag in
diesem Sinne zu leisten.
Schlußbemerkung
Wir hoffen, die Achterbahnfahrt der letzten sechs
Monate ist beendet. Die deutsch-amerikanischen
Beziehungen müssen sich erneut auf einer ebenen,
kontinuierlichen Bahn bewegen und in einem Tempo
entwickeln, das uns allen behagt. Vor allem müssen
wir offen miteinander umgehen und Meinungsverschiedenheiten ausräumen, bevor sie zu politischen
Unstimmigkeiten werden. Dies erfordert ein Höchstmaß an Konsultation und Koordinierung sowie die
Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Wir haben den
Erfolg dieses Rezepts in der Vergangenheit häufig
beobachten können und sind zuversichtlich, daß die
neunziger Jahre weitere Erfolge zeitigen werden.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 8

�U MWELT
27. Februar 1991

USA STREBEN GLOBALE REAKTION AUF
KLIMAVERÄNDERUNG AN
Rede des Unterabteilungsleiters Im Außenministerium Reinstein
WASHINGTON - (AD) - Ein effektives Rahmenabkommen zur Kontrolle von Gasemissionen, die zur Erderwärmung führen, wird dem Unterabteilungsleiter im US-Außenministerium für Umwelt, Gesundheit und Rohstoffe.
I iobert Reinstein, zufolge umfassende Verpflichtungen von den Industrie- und auch den Entwicklungsländern
erfordern.
Bei seiner Anhörung vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses erklärte Reinstein am 21. Februar
199 I. jede Reaktion auf die Klimaveränderungen müsse globaler Art sein. "Emissionen in Entwicklungsländern
nehmen rasch zu. Maßnahmen der Industrienationen allein wären bei der Eindämmung von Emissonen nicht
wirksam genug", so Reinstein.
Reinstein zufolge haben die von den Delegierten bei der ersten Verhandlungsrunde über eine Konvention zur
Klimaveränderung erzielten Vereinbarungen den Weg für kontinuierliche Fortschritte bei der nächsten, für die
ersten beiden Juniwochen in Nairobi anberaumten Sitzung geebnet.
(Jbwohl es bedauerlich sei, daß die Erarbeitung eines Konventionsentwurfs durch die Unterhändler bei der ersten
Sitzung gescheitert sei, einigten sie sich auf die Einrichtung von zwei Arbeitsgruppen, verabschiedeten Verfahrensregeln und erörterten Wege zur wachsenden Beteiligung der Entwicklungsländer, so Reinstein.
Nachfolgend veröffentlilchen wir die Rede von Unterabteilungsleiter Reinstein im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, vor diesem
l Interausschuß zu den Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Klimaveränderung Stellung nehmen zu dürfen. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam kurz
die Ergebnisse der soeben beendeten VerhandlungsH ii »de, den Zeitplan für zukünftige Sitzungen sowie die
generelle Position der Vereinigten Staaten bei diesen
Verhandlungen erörtern. Dabei möchte ich auch auf
die Nationale Energiestrategie (National Energy Stralegy - NES) eingehen sowie den Beitrag, den sie zur
Bewältigung der Klimaveränderung leisten kann.
Ergebnisse der ersten Sitzung
Ai if Einladung von Präsident Bush haben die Vereiniglen Staaten die erste Sitzung dieser Verhandlungsrunde vom 4. bis 14. Februar 1991 in der Nähe von
Washington veranstaltet. 101 Länder aus allen Regionen der Welt und Vertreter von über 20 internationalen
Organisationen aus den Industrie- und Entwicklungsländern nahmen an dieser Sitzug teil Im Einklang mit
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dem von uns angestrebten offenen Prozeß waren
auch 68 nichtstaatliche Organisationen (Non-Governmental Organizations- NGOs) unter den Teilnehmern,
die einen Beitrag zu den Verhandlungen leisten werden.
Wir wollten uns nicht nur mit der Gastgeberrolle begnügen, sondern haben diese Verhandlungen in dem
Bestreben eröffnet, die Diskussionen maßgeblich
voranzubringen. Wir hatten gehofft, im Verlauf der
Sitzung einen Textentwurf erarbeiten zu können, obwohl
wir davon ausgingen, daß ein solcher Entwurf aufgrund der erwartungsgemäß unterschiedlichen Posi
tionen bei Aufnahme der Verhandlungen zahlreiche
Klammern enthalten würde. Die Erstellung eines
Dokuments mit Klammern hätte die Ausgangspositionen der jeweiligen Vertragsparteien geklärt und damil
die Verhandlungen bei nachfolgenden Sitzungen erleichtert. Aus diesem Grund haben wir eine Reihe von
Dokumenten verteilt, in denen die Sicht der Vereinig
ten Staaten zum Inhalt der Rahmenkonvention erläuSeile 1

�lert wurde. Bedauerlicherweise ließ die Lösung von
Verfahrensfragen jedoch bei der ersten Sitzung keine
Zeit zur Erörterung des umfangreichen Vorschlags.
Die Schwierigkeit, bloße Verfahrensfragen zu lösen,
deutet auf die Komplexität dieses Themas hin und die
Bedeutung, die ihm von vielen Ländern einschließlich
der Vereinigten Staaten beigemessen wird.
Dennoch sind wir zuversichtlich, daß die von uns in
dieser Sitzung vereinbarte Organisation und Verfahrensweise den Weg für kontinuierliche, greifbare Fortschritte in den kommenden Sitzungen ebnen wird.
Wir haben uns auf die Einrichtung von zwei
Arbeitsgruppen geeinigt. In der einen werden
alle Quellen und Senken von Treibhausgasen
erörtert und in der anderen Mechanismen zur
Durchführung der Konvention. Dank dieser
Struktur wird eine umfassende Diskussion der
Themen und Erörterung der gemeinsamen
Anliegen aller Verhandlungspartner gewährleistet.
Wir haben Verfahrensregeln verabschiedet, mit
denen die Entscheidungsfindung durch Konsens erfolgt und die - wie ich bereits erwähnt
habe - allen NGOs gestatten, eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen zu spielen. Die
Vereinigten Staaten haben die Beteiligung der
NGOs außerordentlich befürwortet.
Darüber hinaus haben wir Wege für die zunehmende Beteiligung der Entwicklungsländer
erörtert. Diese Verhandlungen und jede langfristige Antwort auf Klimaveränderungen werden
nur wirksam sein, wenn das breiteste Spektrum
von Nationen beteiligt ist.
Die Vereinigten Staaten waren das erste Land,
das einen Beitrag zu einem freiwilligen Treuhandfonds geleistet hat, der zur Unterstützung
der Beteiligung von Entwicklungsländern gegründet wurde. Die Zahl der teilnehmenden
Entwicklungsländer soHte in späteren Sitzungen erhöht werden, und sie sollten jetzt zur
Entsendung von Experten in der Lage sein.
In Zusammenarbeit mit andeien Nationen haben die Vereinigten Staaten dazu beigetragen,
ein informelles Papier über den wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Forschungsbedarf zu erarbeiten, dem sich die
Konvention widmen sollte. Dieser Gedankenaustausch sollte eine Einigung über diese Abschnitte der Konvention zu einem späteren
Zeitpunkt der Verhandlungen erleichtern.
Darüber hinaus haben wir Übereinstimmung
über die wichtige Rolle erzielt, die die zwischenstaatliche Kommission zur Klimaveränderung
(Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC) bei der Berücksichtigung der technischen
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Aspekte der Verhandlungen spielen wird. Mit
diesem Mandat wird die IPCC in der Lage sein,
Informationen weiterzugeben und Fragen technischer Art während der Verhandlungen zu lösen.
Vielleicht noch wichtiger ist, daß wir den Grundstein für
kooperative Beziehungen mit anderen nationalen
Delegationen gelegt haben, was dazu beitragen wird,
den Prozeß voranzubringen und die konstruktive Erörterung unserer Position erleichtern wird.
Nächste Sitzungen
Diese Sitzung war die erste von vier oder fünf Verhandlungsrunden, die unter der Schirmherrschaft der UNOGeneralversammlung mit Resolution 45/212 über den
"Schutz des Klimas der Welt für gegenwärtige und
zukünftige Generationen" ins Leben gerufen wurde.
Die nächste Sitzung ist vorläufig für die ersten beiden
Juniwochen in Nairobi geplant. Nach dieser Sitzung
werden wir im September, dann im Dezember, und
gegebenenfalls im Jahr 1992 zusammenkommen Wie
in Resolution 45/212 niedergelegt, besteht das Ziel
darin, die Verhandlungen abzuschließen, so daß die
Rahmenkonvention zur Unterzeichnung während der
UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung im Juni
1992 in Brasilien vorgelegt werden kann.
Die amerikanische Sicht der Verhandlungen
Die Vereinigten Staaten gehen diese Verhandlungen
mit mehreren Prinzipien an, die der Schlüssel zu einer
wirksamen Konvention und weltweiten Reaktion auf
Klimaveränderungen sind:
Erstens vertreten wir die Auffassung, daß wir
einen umfassenden Ansatz zur Klimaveränderung erarbeiten müssen, der allen Aspekten
dieses komplexen Themas Rechnung trägt und
alle Treibhausgase sowie ihre Quellen und Senken
anspricht.
Zweitens dürfen wir nicht darauf warten, bis alle
Unwägbarkeiten aus dem Wege geräumt sind,
sondern müssen wirksame und wirtschaftliche
Maßnahmen ergreifen - die bereits aus anderen
Gründen gerechtfertigt sind - und die Treibhausgasemissionen begrenzen.
Drittens müssen wir wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung, systematische Beobachtung, Erstellung, Archivierung und Verteilung
von Informationen sowie technologische Entwicklung weiterhin aggressiv vorantreiben, um
die Unwägbarkeiten zu lösen und eine solide
Grundlage für innovative Antworten zu schaffen.
Viertens müssen wir den besonderen Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung tragen und Mechanismen entwerfen, um die wissenschaftlichen und technischen Instrumente

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�für sie sicherzustellen, die sie zur vollen Beteiligung an wahrhaft weltweiten Bestrebungen
benötigen.

nationale Staatengemeinschaft in einen offenen Dialog über die Logik und Auswirkungen dieses Ansatzes
einzubeziehen.

Fünftens muß jede Reaktion weltweit erfolgen.
Emissionen in Entwicklungsländern nehmen
rasch zu. Maßnahmen der Industrienationen
allein wären bei der Eindämmung von Emissonen nicht wirksam genug. Darüber hinaus müssen
wir der Art und Weise gegenüber aufgeschlossen sein, in der unterschiedliche Verpflichtungen die Wettbewerbsposition der Entwicklungsund Industrieländer beeinflussen könnten. Eine
wirksame Antwort erfordert die Beteiligung aller
Nationen und die Wahrnehmung der unter den
gegebenen Umständen angemessenen Verpflichtungen.

Gerechtfertigte Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten werden versuchen, diese
Prinzipien in eine innovative und wirksame Rahmenkonvention umzusetzen, an der sich alle Nationen in
einer konzertierten internationalen Reaktion auf Klimaveränderungen beteiligen.
Ein umfassender Ansatz zur Klimaveränderung
Die Vereinigten Staaten unterstützen aus einer Reihe
von Gründen einen umfassenden Ansatz, der alle
Quellen und Senken von Treibhausgasen berücksichtigt. Dieser Ansatz bietet die erforderliche Flexibilität,
damit jedes Land die Klimaveränderungen im Zusammenhang mit den dort herrschenden Bedingungen
ansprechen kann. Ein umfassender Ansatz stellt
ferner sicher, daß Forschung und technologische
Entwicklung alle Facetten des Problems berücksichtigen. Darüber hinaus gewährleistet ein umfassender
Ansatz, daß wir von den wirtschaftlichsten Möglichkeiten profitieren, um Klimaveränderungen in der gesamten Bandbreite von Ursachen und Rückständen aller
Treibhausgase anzusprechen. Der umfassende Ansatz steht für alle Aktivitäten, bei denen Treibhausgase
freigesetzt oder absorbiert werden und vermeidet die
Schaffung von Anreizen, die Emissionen von einer Art
von Gas oder Sektor zu einem anderen verlagern, was
- wie uns die Erfahrung lehrt - bei einem eng umrissenen Ansatz geschehen kann. Ein umfassender Ansatz
würde jedem Land die Flexibilität einräumen, die beste
Mischung von Maßnahmen zu wählen. Entsprechend
müssen die Rahmenkonvention und alle nachfolgenden rechtlichen Schritte umfassend sein und sich mit
der gesamten Bandbreite von Treibhausgasen sowie
ihren Ursachen und Rückständen befassen. Der erste
IPCC-Bericht zur Beurteilung der Lage stellt darüber
hinaus fest, daß sowohl Begrenzung als auch Anpassung als Teil einer integrierten Reaktion in Erwägung
gezogen werden müssen.
Während der ersten Sitzung haben die Vereinigten
Staaten eine Broschüre verteilt und informelle Diskussionen über den umfasssenden Ansatz geführt. Wir
werden diese Bestrebungen fortsetzen, um die inter-

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Die Vereinigten Staaten ergreifen bereits konkrete
Maßnahmen, die in jedem Fall gerechtfertigt sind und
darüber hinaus den Klimaveränderungen positiv Rechnung tragen. Wie in der Broschüre "America's Climate
Change Strategy: An Action Agenda" (Die Strategie
der Vereinigten Staaten zu den Klimaveränderungen:
Eine Anleitung zum Handeln), die wir bei der ersten
Sitzung verteilt haben, erläutert, wird das Ergebnis
dieser Strategie darin bestehen, daß die Emissionen
von Treibhausgasen in den Vereinigten Staaten im
Jahr 2000 ebenso hoch oder niedriger als im Jahr 1987
sind. Zu diesen Maßnahmen gehören:
Der raschere Abbau des Einsatzes von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderen,
die Ozonschicht schädigenden und als Treibhausgase wirkenden Verbindungen als vom
Montrealer Protokoll gefordert.
Ermutigung zum Energiesparen und zur Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen
durch Obergrenzen für den Ausstoß von Schwefeldioxid auf erheblich reduzierten Niveaus.
Gleichzeitig wird den Kraftwerksbetreibern die
Flexibilität gewährt, diese Obergrenzen auf die
wirtschaftlichste Weise zu erzielen.
Abbau luftverschmutzender Substanzen, die als
Treibhausgase oder deren Vorläufer wirken,
darunter flüchtige organische Verbindungen und
Methan.
Einleitung eines Programms zur Anpflanzung
von einer Milliarde Bäumen pro Jahr.
Beschleunigung der Einführung energiesparender Technologien und Praktiken in Haushalten
und Geschäften.
Förderung des Einsatzes und Erforschung von
nichtfossilen Energieträgern.
Die Rolle der Nationalen Energiestrategie
Die Nationale Energiestrategie, in der sich die Empfehlungen der IPCC widerspiegeln, beinhaltet eine Reihe
von Maßnahmen, die neben ihrer prinzipiellen Einführung aufgrund anderer energierelevanter Gegebenheiten erhebliche Vorzüge für die Umwelt zeitigen,
darunter die Verhinderung des Entstehens künftiger
Emissionen von Treibhausgasen in den Vereinigten
Staaten. Diese Strategie umfaßt Maßnahmen, die
kostenwirksame Alternativen zur Verbrennung fossiler
Brennstoffe für die Erzeugung von Strom sowie effizientere und mit alternativen Treibstoffen betriebene
Fahrzeuge vorsehen, mit denen die durch Verkehr erzeugten Treibhausgase reduziert werden.
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�Viele dieser Maßnahmen im Rahmen der NES werden
zusätzlich zu den in der vorgenannten Broschüre
"America's Climate Change Strategy: An Action Agenda"
beschriebenen durchgeführt. Wir gehen davon aus,
daß die amerikanische Strategie in bezug auf die
Klimaveränderungen flexibel sowie in der Lage sein
muß, im Zuge der Verbesserung der wissenschaftlichen und ökonomischen Erkenntnisse über Klimaveränderungen und mögliche Reaktionen darauf modifiziert zu werden.
Wenn keine Maßnahmen getroffen würden, dann werden
einem in der NES enthaltenen Szenarium zufolge in
den Vereinigten Staaten die Emissionen von CO2 einem der wichtigsten Treibhausgase - bis zum Jahr
2030 um schätzungsweise 80 Prozent zunehmen.
Auch der Ausstoß anderer Treibhausgase, etwa Methan, Stickoxide und Kohlenmonoxid wird dieser Prognose gemäß ansteigen. Dieser Zuwachs würde
größtenteils aus dem verstärkten Einsatz von Kohle
zur Stromerzeugung und aufgrund des Anstiegs von
Kfz-Emissionen resultieren. Obwohl solche Vorhersagen immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet
sind, würden die Emissionen von Treibhausgasen
ohne die NES in bezug auf die potentielle Erwärmung
der Erdatmosphäre gemessen um über 2,820 Milliarden Tonnen CO2 Äquivalent zunehmen. Dies wäre bis
zum Jahr 2030 gleichbedeutend mit einem Anstieg um
38,4 Prozent über den Stand des Jahres 1990.
Insgesamt werden die Maßnahmen der NES nicht nur
unsere Verwundbarkeit beim Öl abbauen, die Energieausnutzung in den Vereinigten Staaten verbessern
und unsere Optionen bei der Stromversorgung erhöhen, sondern darüber hinaus die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase verringern:
Aufgrund des NES-Szenariums werden die sich
aus der Strategie sowie gegenwärtigen Programmen der Administration ergebenden Maßnahmen die Steigerungsquote bei Emissionen
von Kohlendioxid und Kohlenmonoxid verringern. Dies sind wichtige Treibhausgase, die
sich aus dem Einsatz von Energie, insbesondere der Verbrennung fossiler Brennstoffe, ergeben. Nach dem Jahr 2015 wird der verstärkte
Einsatz alternativer Brennstoffe, erneuerbarer
und nuklearer Energien sowie verbesserte Energieausnutzung dazu führen, daß sich diese
Emissionen auf einem gewissen Stand einpendeln und bis zum Jahr 2030 konstant bleiben.
Durch NES-Maßnahmen sowie die Vorschriften
des Umweltbundesamtes (EPA) zur Kontrolle
von Methan in Mülldeponien werden die Methanemissionen bis zum Jahr 2015 unter den heutigen Stand verringert. Darüber hinaus werden
nach 2015 die jährlichen Methanemissionen
aus Energiequellen weiterhin abnehmen.

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Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen, Vorläufer des troposphärischen Ozons, die
zur Erderwärmung beitragen könnten, werden
auf Niveaus belassen, die etwa dem Stand von
1990 oder darunter entsprechen. Zwischen
2015 und 2030 sollen diese weiter reduziert
werden.
Betrachtet man sämtliche Treibhausgase im Hinblick
auf ihren möglichen Beitrag zur Erderwärmung, so
wird die Nationale Energiestrategie zusammen mit den
bestehenden Programmen der Administration den
Anstieg dieser Gase nach dem Jahr 2000 erheblich
begrenzen. Die NES wird es uns ferner gestatten, die
Emissionsmengen auf absehbare Zeit in einer Bandbreite zu halten, die annähernd dem heutigen Stand
entspricht.
Im Einklang mit unserer Strategie zur Klimaveränderung und der NES würde die Rahmenkonvention alle
Staaten verpflichten, ähnliche nationale Strategien zu
entwickeln und die Aufmerksamkeit auf Maßnahmen
zu konzentrieren, die zwar aus anderen Gründen
erforderlich sind, aber gleichzeitig auch die Nettoemissionen von Treibhausgasen begrenzen. Angesichts
der verbleibenden Unsicherheiten im Hinblick auf die
Veränderung des Erdklimas und deren Auswirkungen
wird eine weltweite Reaktion dieser Art einen realistischen, klugen und wirtschaftlichen Rahmen liefern,
innerhalb dessen alle Staaten mit der Durchführung
von Maßnahmen beginnen können, die dem Klima
zugutekommen. Gleichzeitig trägt sie der Tatsache
Rechnung, daß die den verschiedenen Ländern zur
Verfügung stehenden angemessenen Maßnahmen
bedingt durch deren soziale, umweltpolitische und
wirtschaftliche Verhältnisse unterschiedlich ausfallen
werden.
Forschung und systematische Beobachtung
Forschung und systematische Beobachtung sind erforderlich, um unser Verständnis der Klimaveränderungen zu verbessern und uns zu helfen, maßgeschneiderte Reaktionen zu entwickeln, die langfristig
angemessen, effizient, effektiv und durchführbar sind.
Die Forschung kann uns darüber hinaus die benötigten
energiesparenden Technologien liefern, die sowohl
der Wirtschaft als auch der Umwelt zugutekommen.
Wir haben unsererseits ein 2-Milliarden-Dollar-Programm für die Erforschung der Klimaveränderungen
und Entwicklung neuer Energietechniken aufgelegt,
das die Instrumente für die Entwicklung innovativer,
langfristiger Reaktionen bereitstellen wird. Im Einklang mit unseren eigenen Maßnahmen haben die
Vereinigten Staaten zu Beginn der ersten Sitzung ein
informelles Papier vorgelegt, in dem ein solides Programm zur wissenschaftlichen und wirtschaftlichen
Forschung sowie systematischen Beobachtung erläutert wird, wie es von der Rahmenkonvention bereitgestellt werden könnte.

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�Fragen der Durchführung

',

In der Rahmenkonvention müssen noch zahlreiche
weitere spezifische Fragen offen angesprochen werden. Was die Entwicklungsländer angeht, so erkennen wir deren Wünsche und Bestrebungen nach Wirtschaftswachstum. Es ist für die Entwicklungsländer
unerläßlich, an allen Reaktionen auf die Klimaveränderungen in einer Art und Weise beteiligt zu werden,
die sowohl ihren entwicklungspolitischen Erfordernissen als auch den Auswirkungen dieser Entwicklung
auf den Treibhauseffekt Rechnung trägt. Aus diesem
Grund sollte die Rahmenkonvention eine allgemeine
Verpflichtung enthalten, den Entwicklungsländern bei
der Untersuchung und Bewältigung des Klimawandels
finanzielle Hilfen zu gewähren. Die bestehenden bilateralen und multilateralen Finanzhilfemechanismen
sowie insbesondere die neugebildete Globale Umweltfazilität der Weltbank sind angemessene Mechanismen für die Bereitstellung solcher Hilfen.
Technologietransfer ist für eine effektive weltweite
Antwort unerläßlich, und es gibt zahlreiche preiswerte,
wirksame Technologien, die bereits heute geliefert
werden können. In der ersten Sitzung haben wir
unsere Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, Ideen
wie Zentren zur besseren Energieausnutzung und
Demonstrationsprojekte in Land- und Forstwirtschaft
zu untersuchen sowie industrielle Gemeinschaftsvorhaben mit anderen Ländern zu erleichtern, um die
verfügbaren Technologien zu fördern. Die Durchführung dieser Konzepte wird sicherlich im Kontext mit
spezifischen Handlungsverpflichtungen zu sehen sein.
Besondere Anstrengungen müssen unternommen
werden, um die angemessenen Technologien mit den
Erfordernissen in Einklang zu bringen.
Langfristig werden die neuen Technologien eine zunehmend wichtige Rolle bei der Antwort auf den Klimawandel spielen. Viele dieser Technologien existieren
bisher lediglich in unseren Vorstellungen oder bedürfen der Weiterentwicklung, um technologisch und wirtschaftlich durchführbar zu werden. Aus diesem Grund
muß die Rahmenkonvention die richtigen Anreize für
weitere Erforschung, Entwicklung und Verbreitung der
einschlägigen Technologien bieten. Da die Privatwirtschaft diese Erforschung, Entwicklung und Verbreitung neuer Technologien am effektivsten leistet, sollte

*

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die Rahmenkonvention bestrebt sein, Schranken für
die effektive kommerzielle Entwicklung und den Technologietransfer abzubauen und sicherstellen, daß Rechte
an geistigem Eigentum vollen Schutz genießen, um
die notwendigen Anreize zur weiteren Entwicklung
neuer Technologien zu liefern.
Darüber hinaus sollten wir Mittel und Wege zum erforderlichen Transfer von Wissen erörtern, um den Klimawandel zu verstehen, in die Planung einzubeziehen
und zu bewältigen. Die Vereinigten Staaten haben
traditionell umfangreiche technische Hilfe bei der
Behandlung bestimmter Umweltprobleme, der Entwicklung von Umweltinstitutionen und Durchführung
von Länderstudien bereitgestellt. Bei der ersten Sitzung haben wir deshalb erklärt, daß wir in Zusammenarbeit mit anderen Ländern zur Durchführung einzelner Länderstudien bereit sind, um die zur Reduzierung
der Treibhausgase notwendigen Technologien zu
definieren. Auch die NGOs, einschließlich der Wirtschaft, müssen in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle
spielen.
Schlußbemerkung
Herr Vorsitzender, Verfahrensfragen haben uns daran
gehindert, während dieser ersten Sitzung einen von
uns erhofften Konventionsentwurf zu erstellen. Trotzdem haben wir uns auf einen Verhandlungsprozeß
verständigt, der eine zügige, offene und vorurteilsfreie
Erörterung der mit dem Klimawandel zusammenhängenden Fragen fördert. In den folgenden Sitzungen
werden die Vereinigten Staaten weiterhin ein Rahmennabkommen anstreben, das umfassend ist, den Wert
von Maßnahmen anerkennt, die zur Bewältigung des
Klimawandels beitragen und auch aus anderen Gründen gerechtfertigt sind, das ein umfassenderes Programm zur wissenschaftlichen und wirtschaftlichen
Forschung bereitstellt und den besonderen Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung trägt. Seien
Sie versichert, daß die Vereinigten Staaten alles in
ihrer Macht Stehende tun werden, um ein solches
Abkommen vor dem von uns beschlossenen Stichtag
im Juni 1992 abzuschließen. Die Vereinigten Staaten
betrachten eine solche Konvention als entscheidenden erster Schritt bei dauerhaften und langfristigen
Bemühungen zur Bewältigung der Klima Veränderungen.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRIEG
27. Februar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Februar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Februar 1991 fort.

4. Februar

7. Februar

Dem US-Außenministerium zufolge transportiert der
Irak militärisches Gerät - auch SCUD-Raketen - in
Konvois ziviler Tanklaster und macht sie damit zu
"legitimen militärischen Zielen".

Außenminister James Baker erklärt, die Vereinigten
Staaten drängten auf die Gründung einer Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung im Nahen Osten, um in
der Nachkriegszeit eine Zukunft in Wohlstand am Golf
sicherzustellen. "Die Zeit des Wiederaufbaus und der
Gesundung sollte nicht die Gelegenheit für Rachefeldzüge gegen ein Land sein, das von den Ambitionen
eines Diktators in den Krieg gezwungen wurde", so
Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats.

6. Februar
Außenminister Baker bekräftigt, das Ziel der Koalitionsstreitmacht am Golf bestehe in "der Befreiung
Kuwaits, nicht der Zerstörung des Irak oder einer
Veränderung seiner Grenzen". In seiner Rede vor
dem Repräsentantenhaus stellt Baker fest: "Seit
nunmehr drei Wochen führt die internationale Koalition
einen Krieg gegen den Irak mit eindeutigen Zielen:
Vertreibung des Irak aus Kuwait, Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in dieser
entscheidenden Region."
Der türkische Premierminister Yildirim Akbulut erklärt,
Versuche, den Golf krieg zum Krieg zwischen Moslems
und Christen umfunktionieren zu wollen, "sind falsch.
Solche Anschuldigungen sind Propaganda." Er bezeichnet den Irak als expansionistisches Land, das
ständig Krieg führt. Von Anfang an, so Akbulut, habe
die Türkei im Einklang mit den Resolutionen des UNSicherheitsrats gehandelt. Seinen Aussagen zufolge
werde die Türkei nur im Falle eines Angriffs in den
Krieg eintreten.
Radio Bagdad gibt die Entscheidung der irakischen
Regierung bekannt, die diplomatischen Beziehungen
zu Ägypten, Frankreich, Großbritannien, Italien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten abzubrechen.

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Flüchtlinge auf dem Weg nach Jordanien berichten,
daß der Irak die Ölquellen und Vorratstanks in Wafra,
Schuaiba und Mina Abdullah in Brand setzt. Ihnen
zufolge veranlaßten die Rauchsäulen am Himmel noch
mehr Zivilisten, von Kuwait nach Jordanien zu fliehen.
8. Februar
Der kuwaitische Informationsminister und Minister des
Volksrats, Dr. Beder Jassim Al-Yakoub, erklärt, "das
Ziel der Militäroperationen am Golf ist die Befreiung
Kuwaits. Es gibt kein anderes Ziel." Diese Aussage
erfolgt als Reaktion auf eine von König Hussein von
Jordanien am 6. Februar gehaltene Rede, in der dieser
behauptete, das Ziel der multinationalen Streitmacht
bestehe in der Zerstörung des Irak.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater,
erklärt, obwohl der Irak ein Signatarstaat der Genfer
Konvention sei, habe ersieh Bitten des Internationalen
Komitees vom Roten Kreuz (ICRC) widersetzt, die
Kriegsgefangenen der Koalitionsstreitmacht zu besuchen und damit erneut "die totale Mißachtung demonstriert, die Saddam Hussein dem Völkerrecht, Menschenleben und zivilisiertem Verhalten" entgegenbringt.

Seite 1

�11. Februar

14. Februar

Radio Bagdad zufolge wird der Irak "niemals das
Feuer einstellen, bis nicht der totale Sieg im Golfkrieg
errungen ist" und ruft die Araber zur Rebellion gegen
ihre Herrscher und Beteiligung am Kampf gegen die
Koalitionsstreitmacht auf. Bagdad erklärt, Kuwait gehöre
für immer zum Irak.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nimmt in
einer Sitzung hinter verschlossenen Türen die formelle
Erörterung der Golfkrise mit dem Ziel auf, Bagdad vor
Augen zu führen, daß die Debatten kein Zeichen eines
Auf brechens der internationalen Entschlossenheit zur
Befreiung Kuwaits sind.

Bahrains Informationsminister Tarik Moayyid bittet die
internationale Staatengemeinschaft um Gerät und
Experten zur Bekämpfung der schätzungsweise 1,5
Millionen Barrel ausgelaufenen Öls. Das am 25.
Januar vom Irak aus kuwaitischen Ölquellen in den
Golf eingeleitete Öl verlagert sich weiterhin Richtung
Süden zu den Küsten Saudi-Arabiens, Bahrains, Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate. Der
Ölteppich stellt eine enorme Bedrohung für Flora und
Fauna im Golf dar und hat die Fischereiindustrie der
Region praktisch vernichtet.

Der Irak habe in der vergangenen Woche 65 Kuwaiter
hinrichten lassen, berichtet Oberst Abdullah al-Kandari, ein kuwaitischer Luftwaffenoberst, bei einer Pressekonferenz des Central Command in Riad. Die Kuwaiter wurden wegen "Subversion" exekutiert, erklärt er,
und "12 von ihnen wurde die Kehle durchschnitten und
der Kopf abgehackt".

12. Februar
Präsident Bush weist Beschuldigungen des irakischen
Präsidenten Saddam Hussein, die Koalitionsstreitkräfte bombardierten willkürlich zivile Ziele im Irak, mit der
Aussage zurück, dies sei "schlicht und einfach nicht
wahr". Der Irak betreibe "einseitige Propaganda und
verbreitet Märchen und Lügen", so Bush im Anschluß
an ein Treffen mit dem britischen Verteidigungsminister Thomas King im Weißen Haus. Präsident Bush
trifft darüber hinaus auch mit dem französischen Verteidigungsminister Pierre Joxe zusammen.
13. Februar
Hunderte von irakischen Zivilisten sterben beim Bombenangriff der Alliierten auf einen gehärteten militärischen Bunker in Bagdad, in dem sie die Nacht verbracht hatten. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, bringt Bedauern über den Verlust von Menschenleben zum Ausdruck, stellt jedoch
fest, daß es sich um ein legitimes militärisches Ziel
gehandelt habe sowie ein "planmäßig erfaßtes Führungszentrum, das Instruktionen an die irakischen
Streitkräfte direkt weitergab". Fitzwater verweist darauf, daß die Iraker häufig Zivilisten als menschliche
Schutzschilde verwenden und jetzt Panzer und Artillerie "neben Privathäuser in kleinen Dörfern" stationieren und "Führungszentren auf Schulen und öffentlichen Gebäuden" eingerichtet haben.
Verteidigungsminister Richard Cheney erklärt, den
Flugzeugen der Alliierten sei es gelungen, die von den
Irakern verursachte Ölpest durch Zerstörung der
Rohrleitungen am Terminal einzudämmen. Cheney
fügt hinzu, der Irak habe an zahlreichen Öllagern und
Ölquellen in Kuwait Sprengladungen angebracht. "Zum
Teil sind diese Ladungen bereits explodiert. Viele der
kuwaitischen Ölfelder brennen bereits."

Seite 2

Die irakische Regierung gibt bekannt, daß 17jährige
Schüler zum Wehrdienst eingezogen werden. Einem
Erlaß zufolge müssen sich die Schüler zwischen dem
15. Februar und dem 20. März bei den Einberufungsstellen melden oder sehen sich nicht näher definierten
rechtlichen Schritten ausgesetzt.
15. Februar
Der irakische Präsident Saddam Hussein unterbreitet
ein Angebot zum Abzug aus Kuwait - unter der Bedingung, daß "alle Fälle von Gebietsbesetzungen in der
Region gleichzeitig gelöst werden". Das Angebot ist
ferner an die Bedingung des Abzugs aller ausländischen Truppen geknüpft, einschließlich des unverzüglichen und bedingungslosen Rückzugs Israels aus den
besetzten Gebieten sowie dem Abzug Syriens aus
dem Libanon. Das irakische Angebot gibt vor, alle
militärischen Rückzüge und alle damit verbundenen
politischen Vereinbarungen berücksichtigten die "historischen territorialen Rechte des Irak" und garantierten dem kuwaitischen Volk das Recht, über seine
Zukunft zu bestimmen.
Präsident Bush bezeichnet das irakische Friedensangebot als "grausamen Scherz". Er erklärt, er sehe
"kein Anzeichen eines irakischen Rückzugs aus Kuwait.
Bis das geschieht, wird es bedauerlicherweise keine
Einstellung der Feindseligkeiten geben. Es wird keine
Feuerpause und keinen Waffenstillstand geben."
Abdullah Bishara, der Generalsekretär des sechs
Nationen umfassenden Golf-Kooperationsrats, erklärt,
es dürfe keinen Handel geben und der Krieg werde
fortgesetzt, bis alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durchgeführt seien.
Die verbündeten Nationen geben bekannt, der Abzug
des Irak aus Kuwait müsse bedingungslos erfolgen
und die Militäroperationen zur Vertreibung der irakischen Truppen würden fortgesetzt. Der britische
Premierminister Major erklärt, die irakischen Bedingungen des Vorschlags machten ihn "zu einer Art

AMERIKA DIENST 8

�Scheinmanöver". Der französische Außenminister
Dumas drängt auf eine sorgfältige Prüfug des Vorschlags, dennoch müsse man sich vorsehen, daß es
sich "nicht um einen Trick handelt". Regierungsvertreter in Deutschland, Spanien, Belgien, Kanada und
Japan geben ähnliche Erklärungen ab.
In einer CBS-Nachrichtensendung wird berichtet, vier

Mitglieder eines CBS-Fernsehteams, die vor drei
Wochen in der saudiarabischen Wüste in der Nähe der
Grenze zu Kuwait verschwunden waren, würden
angeblich in Bagdad festgehalten. Peter Arnett, CNNKorrespondent in Bagdad, erklärt, das Team sei von
einer irakischen Militärpatrouille festgenommen worden und werde noch immer vom irakischen Geheimdienst verhört.

* * * *

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*

Seite 3

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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <description>A name given to the resource</description>
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              <text>Amerikadienst 27.02.1991</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Deutsch-amerikanische Beziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herausforderungen für die deutsch-amerikanischen Beziehungen in den Neunziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Gesandten George F. Ward&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben globale Reaktion auf Klimaveränderung an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Unterabteilungsleiters im Außenministerium Reinstein&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Februar 1991&lt;/em&gt;</text>
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