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amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

20. Februar 1991

GOLFKRIEG

DIE BEITRAGE DES AUSLANDS ZUR
OPERATION WÜSTENSCHILD
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärpolitik

WIRTSCHAFT

BUSH: "EINDEUTIG" REZESSION IN DEN USA
Wirtschaftsbericht des Präsidenten

AIRBUS

DER HINTERGRUND DER AMERIKANISCHDEUTSCHEN MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN
ÜBER DEN AIRBUS
Eine Übersicht der US-Handelsbeauftragten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
20. Februar 1991

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärapparat

WASHINGTON - (AD) - Obwohl Informationen über
alle Aspekte der irakischen Wirtschaft, insbesondere
die Militärausgaben, in Bagdad streng geheimgehalten werden, zeichnet sich in der internationalen Presse
ein Bild über das irakische Beschaffungsmuster von
Kriegsmaterial ab.

In dem Bericht vom 11. Februar stellte Time femer fest,
"1988 wurde der Krieg beendet, aber Saddam Hussein
hatte noch nicht genug. Mit Blick auf Iran und Israel
hortete er weiterhin Waffen und gab in den 18 Monaten
nach dem Waffenstillstand 2 Milliarden Dollar dafür
aus."

"Saddam Hussein war bereits im Jahr 1971 entschlossen, den Irak zu einer regionalen militärischen Supermacht zu machen, und in seiner damaligen Funktion
als Vizepräsident hat er in zahlreichen Ländern verdeckte Beschaffungseinrichtungen mit Konten bei einer
Schweizer Bank gegründet, die durch die Abschöpfung von 5 Prozent der florierenden Öleinnahmen des
Irak finanziert
wurden", berichtete
das
Nachrichtenmagazin Time in seiner Ausgabe vom 11.
Februar 1991.

In einer Analyse berichteten die Korrespondenten des
Wall Street Journal Geraldine Brooks und Tony Horwitz
am 23. April 1990: Obwohl seit dem Waffenstillstand
zwischen Irak und Iran 20 Monate vergangen sind, gibt
es schätzungsweise noch rund 1 Million Iraker in
Uniform, und der Präsident in Khakiuniform schafft
weiterhin Waffen in einem Ausmaß an, das unter
anderen Staatschefs der Welt seinesgleichen sucht."

Diese Behauptung wird durch Daten des Stockholmer
Internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI
untermauert, die belegen, daß der Irak in den achtziger
Jahren die höchsten Militärausgaben im Nahen Osten
hatte, die 1984 mit 33,3 Milliarden Dollar - rund 30
Prozent des Bruttosozialprodukts des Landes - ihren
Höchststand erreichten.
"Die Aufwendungen ... die den Irak zur viertgrößten
Militärmacht der Welt machten, beliefen sich auf über
55 Milliarden Dollar für konventionelle Rüstungskäufe", stellte Time fest und fügte hinzu, "weitere 15
Milliarden flössen in verdeckte Käufe von Material zur
Entwicklung chemischer und biologischer Waffen."
Einer Analyse der New Yorker Newsday vom August
vergangenen Jahres zufolge unterhielt der Irak bei
Ausbruch des Golfkriegs ein 1 Million Mann starkes
Heer mit 5 500 Panzern, eine Luftwaffe von 40 000
und eine Marine von 5 000 Mann. Andere Quellen
schätzen die irakische Truppenstärke mit 1 200 000
Aktiven und 650 000 Reservisten auf 1 850 000 Soldaten.
AMERIKA DIENST 7

"Der Irak war in den vergangenen fünf Jahren der
größte Waffenimporteur, dessen Beschaffung über 9
Prozent der Rüstungskäufe weltweit ausmachten. Die
Einkaufsliste rangiert von modernsten Flugzeugen bis
hin zu experimenteller Raketentechnologie und dem
offensichtlichen Versuch, sich in die Reihen der Nationen mit Nuklearwaffen einzugliedern", so der Artikel im
Wall Street Journal.
Bei der Rüstungsmesse in Bagdad im April 1990
enthüllten die Iraker ein breites Spektrum neuer Technologien, einschließlich des Panzers Löwe von Babylon - ein im Irak montierter sowjetischer T-72 mit von
den Irakern entwickelten Systemen - sowie mehrere
offensichtlich nach sowjetischem Muster gebaute
Raketen, berichtete Associated Press.
Anderen Quellen zufolge umfaßte die irakische Luftwaffe bei Ausbruch des Golfkonflikts 500 bis 550
Kampfflugzeuge, darunter 70 MiG-21 und 70 MiG23BN, 25 MiG-25, 18 MiG-29 und eine unbekannte
Zahl F-7-Jagdflugzeuge chinesischer Bauart, 80 J-7Jagdflugzeuge, 30 Mirage F-1, eine unbekannte Zahl
kleiner in Brasilien gebauter Tucano-Jagdflugzeuge,

Seite 1

�Geschwader mit Tu-22 und Tu-16 Bombern sowie 18
bis 30 MiG-29-Jagdbombern. Berichten zufolge verfügen die Iraker über 40 Mi-24-Angriffshubschrauber,
100 Mi-8-Hubschrauber und Mannschaftstransporthubschrauber. Bei Kriegsausbruch hatte der Irak 300 000
Tonnen an Munitionsvorräten gelagert, so der Washington Post-Korrespondent Jackson Diehl unter
Berufung auf israelische Quellen.

NBC am 20. Januar 1991. Von den Waffen im Wert
von Hunderten Millionen Dollar, die Cardoen an den
Irak verkauft hat, waren - so die Behörden - wenige so
wichtig für Saddam Hussein wie ein kleines, vom
amerikanischen Militär entwickeltes, als Leitschaufel
bezeichnetes Gerät, das Artilleriegranaten und Bomben genau über den Köpfen der gegnerischen Truppen
zündet.

Als der Irak den Iran am 22. September 1980 angriff,
"besaß er bereits eine von der Sowjetunion gelieferte
ballistische Raketenstreitmacht, einschließlich rund
30 FROG-7-Raketenabschußvorrichtungen, 12 bis 36
SCUD-B-Abschußvorrichtungen und mindestens dreimal soviele Raketen beider Typen", stellte SIPRI in
seinem Jahresbericht 1989 fest.

Im Jahr 1984 gründete Saddam Hussein unter dem
Namen CONSEN ein Waffenbeschaffungsnetz mit
Sitz in der Schweiz, um eine ballistische Rakete - die
Condor II - aus Argentinien zu beschaffen. "Die
irakische Rüstungsindustrie ist heute ziemlich modern
und Saddam Hussein zweifelsohne zum Bau seiner
Rakete entschlossen", erklärte Hans-Heino Kopietz,
ein Nahostexperte beim Londoner Internationalen Institut
für Strategische Studien gegenüber Associated Press
in einem im Januar gesendeten Telephoninterview.
"Unseren Erkenntnissen zufolge sind die Iraker fähig,
die Condor II zu bauen, aber es fehlt ihnen noch ein
zuverlässiges Lenksystem. Sie haben versucht, dies
von den Deutschen zu bekommen", stellte Kopietz vor
einem Jahr fest.

Darüber hinaus beschaffte der Irak sich Berichten
zufolge SS-12-Raketen und rüstete die SCUD-B-Rakete
zur al-Hussein auf. Der SIPRI-Bericht stellt jedoch
fest, daß der Irak mit einer Luftwaffe von über 500
Kampfflugzeugen, einschließlich 9 Tu-22-Überschallbombern, 80 Su-20, 70 MiG-23BN und über 135
Mirage F-1 -Jagdbombern "nicht auf seine ballistischen
Raketen angewiesen ist".
Obwohl die irakischen SCUD-Raketen von der Sowjetunion beschafft wurden, verfügt der Irak heute wahrscheinlich über die technische Fähigkeit, sie im Land
aufzurüsten.
Die irakischen Waffengeschäfte im internationalen
Waffenhandel waren nicht auf Regierungstransfers in
Milliarden-Dollar-Höhe und legale Waffenverkäufe
internationaler Unternehmen begrenzt.
Saddam
Husseins militärische Ambitionen umspannten vier
Kontinente sowie ein komplexes Netz von Mittelsmännern, Firmen und Zweigstellen internationaler Unternehmen sowie verdächtiger Waffenlieferanten.
Zu den irakischen Lieferanten zählten der chilenische
Unternehmer Carlos Cardoen, der während des iranisch-irakischen Kriegs Streubomben an Bagdad verkauft hatte.
Nach dem Krieg wendete sich Bagdad dem Journalisten des Londoner The Independent Tim Kelsey
zufolge "an Cardoen als Verbindungsmann für die
Lieferung von in Südafrika gebauten 155mm-Haubitzen, die chemische Granaten abschießen können,
und zu Beginn des Jahres soll der Irak Cardoen
angeblich gebeten haben, modernste Raketenlenksysteme in seinem Auftrag zu beschaffen."
"Cardoen wird amerikanischen Behörden zufolge als
Saddam Husseins wichtigster Lieferant gestohlener
amerikanischer Militärtechnologie eingestuft", erklärt
der NBC-Reporter Brian Ross in der Sendung Expose,
einem wöchentlichen Nachrichtensonderprogramm der

Im Dezember 1990 gab der Irak bekannt, er habe eine
48 Tonnen schwere 3-Stufenrakete abgeschossen,
die einen Satelliten ins All befördern könne und zwei
Boden-Boden-Raketen mit einer Reichweite von 1 240
Meilen gezündet habe. Obwohl amerikanische Regierungsvertreter den Abschuß vom 5. Dezember bestätigen, gaben sie nicht bekannt, um welchen Raketentyp es sich handelte.
Amerikanische Militärs haben erklärt, unter den ersten
Zielen amerikanischer Bomber im Irak seien zwei von
Cardoen gelieferte Fabriken nördlich von Bagdad
gewesen, die zur Massenproduktion von Leitschaufeln, Bombenzündern und Streubomben - alle auf
gestohlener amerikanischer Technologie basierend gebaut wurden. Beide Fabriken wurden den amerikanischen Militärs zufolge ebenso wie die Raketenerprobungseinrichtung zerstört.
Während eines Besuchs in Saudi-Arabien am 10.
Februar erklärte Verteidigungsminister Richard Cheney, die Koalitionsstreitkräfte hätten die irakischen
Produktionseinrichtungen für nukleare, biologische und
chemische Waffen größtenteils zerstört.
Cheney betonte jedoch: "Ich bin von der ernormen
Stärke des irakischen Militärs beeindruckt - der Größe
des Heeres, der riesigen Anzahl von Panzern, den
gehärteten Flugzeugschutzbauten, den umfangreichen
Fernmeldesystemen."
"Diese Streitmacht ist eindeutig für größere Gefechte
ausgelegt - mit weit über die bei der Annexion Kuwaits
hinausgehenden Fähigkeiten", erläuterte Cheney.
* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 7

�GOLFKRIEG
20. Februar 1990

DIE BEITRÄGE DES AUSLANDS ZUR OPERATION
WÜSTENSCHILD
Eine Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Übersicht über die Beiträge des Auslands zu den Kosten
der Vereinigten Staaten für die Operation Wüstenschild im Kalenderjahr 1990 wurde am 13. Februar 1991 vom
Weißen Haus herausgegeben.
Der Umfang der Kooperation und der von den Koalitionspartnern übernommenen Verantwortung ist
bemerkenswert. Die Beiträge unserer Partner zu den
Kosten für die Operation Wüstenschild (siehe Tabelle)
sind eindeutiger Beleg für die Solidarität und Geschlossenheit der Koalition.
Im Jahr 1990 betrug der Gesamtumfang der Beteiligung 9,7 Milliarden Dollar oder 88 Prozent der Kosten
von 11,1 Milliarden Dollar, die den Vereinigten Staaten
seit der irakischen Besetzung Kuwaits am 2. August
1990 bis Ende des Jahres entstanden sind.
Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen
Emirate decken 62 Prozent der Kosten ab, Deutschland, Japan und Korea übernehmen 26 Prozent.
Über 70 Prozent der ausländischen Beteiligung wurde
bar geleistet, der Rest wurde unter Berücksichtigung
der Wünsche des US-Kommandobereichs Mitte als
Sachleistungen zur Verfügungen gestellt.
Sachleistungen der Golfstaaten sind Nahrungsmittel.
Treibstoff, Wasser, Nutzung von Einrichtungen und
Transport amerikanischer Truppen.
Die Japaner stellten teils durch den Erwerb amerikanischer Produkte, als Sachleistungen Ausrüstung, Computer, Fahrzeuge und Baumaschinen - zur Verfügung.

AMERIKA DIENST 7

Von Deutschland wurde Ausrüstung, wie etwa ABCSpürfahrzeuge und Schwerlasttransporter bereitgetellt.
Bis zum 7. Februar 1991 wurden 7,1 Milliarden der 9,7
Milliarden Dollar an Mitteln aus dem Ausland in Empfang genommen, davon 5,3 Milliarden in bar. Die noch
ausstehenden 2,6 Milliarden Dollar werden voraussichtlich bald eingehen, vor allem in Form von Rückerstattungen in bar.
Zum Beispiel wird die noch von Saudi-Arabien ausstehende 1 Milliarde Dollar die Kosten des Transports seit
Beginn der zweiten Stationierung (8. November 1990)
decken. Das Verteidigungsministerium wird SaudiArabien bald eine Kostenaufstellung vorlegen, damit
die Saudis eine Erstattung vornehmen können.
Die noch ausstehenden saudischen Leistungen werden die am Kriegsschauplatz anfallenden Ausgaben
für Nahrungsmittel. Baumaterial. Treibstoff und anderen Nachschub decken, sobald das Verteidigungsministerium die Kosten erstellt hat.
Der US-Kommandobereich Mitte hat Deutschland,
Japan und Korea über die noch benötigten Sachleistungen informiert. Diese Länder haben sich zur
Lieferung des Nachschubs bereiterklärt, die im Augenblick erfolgt.

Seite 1

�Operation Wüstenschild
Ausländische Beiträge an Kosten der Vereinigten Staaten1
(in Millionen US-Dollar)
Eingänge
Beiträge

in bar2

Länder des GKR

6 845

4 136

971

5 107

1 738

Saudi-Arabien

3 339

766

854

1 620

1 7193

Kuwait

2 506

2 500

6

2 506

0

VAE

1 000

870

111

981

193

Deutschland

1 072

272

568

840

2324

Japan

1 7405

866

206

1 072

6684

Korea

806

50

11

61

194

3

0

3

3

0

9 740

5 324

1 759

7 083

2 657

Andere

Insgesamt

Sachleistungen

Insgesamt Außenstände

US-Anteil an den Gesamtkosten im Kalenderjahr 1990: 1 354
Gesamte Mehrkosten im Kalenderjahr 1990: 11 094

1

Zahlen der Haushaltsbehörde, Quellen: Beiträge für
August bis 31. Dezember - Verteidigungs-, Außenund Finanzministerium, Barzahlungen - Finanzministerium, Eingänge und Wert der Sachleistungen Verteidigungsministerium, Gesamtkosten für August
bis 31. Dezember - Verteidigungsministerium.
8

1 Milliarde Dollar wurde im Einklang mit dem Bewilligungsgesetz für das Haushaltsjahr 1991 aus dem Etat
für allgemeine Verteidigungsangelegenheiten an das
Verteidigungsministerium überschrieben.
' Erstattungen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten nach Rechnungsstellung des
Verteidigungsministeriums. Die in bar erfolgte Rückerstattung der Saudis umfaßt den Transport bis ein-

schlie ßlich Dezember für die zweite Stationierung und
am Kriegsschauplatz anfallende Ausgaben für Nahrungsmittel, Baumaterial, Treibstoff und Nachschub.
4

Sachleistungen aus Deutschland, Japan und Korea.
Auftragserteilung ist erfolgt und Ankunft der Waren
steht unmittelbar bevor.
5

Japan stellt anderen Streitkräften der Koalition 260
Millionen Dollar von seinem Gesamtbeitrag von 2
Milliarden Dollar zur Verfügung.

• Korea stellt von seinem Gesamtbeitrag von 95 Millionen 15 Millionen Dollar für andere Streitkräfte der
Koalition bereit.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 7

�Wl R T S C H A F T
20. Februar 1991

BUSH: "EINDEUTIG" REZESSION IN DEN USA
Wirtschaftsbericht des Präsidenten
WASHINGTON -(AD) - Präsident Bush zufolge sind die Vereinigten Staaten eindeutig in eine Phase der
Rezession eingetreten, die kurzfristige Konjunkturabschwächung sei jedoch kein Anzeichen langfristiger
Probleme.
Bush prognostiziert bis Mitte 1991 einen wirtschaftlichen Aufschwung mit niedrigeren Inflationsraten und
Zinssätzen.
Diese Fakten sind in dem Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten enthalten, den er dem Kongreß am 12.
Februar 1991 zusammen mit dem Jahresbericht der Wirtschaftsberater übermittelt hat.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wirtschaftsbericht des Präsidenten im Wortlaut.

Vor etwa acht Jahren begann der längste Wirtschaftsaufschwung der Vereinigten Staaten in Friedenszeiten. Zu Beginn der neunziger Jahre war die Arbeitslosenquote auf ein seit Anfang der siebziger Jahre
einmaliges Niveau gesunken, und die Inflationsrate
blieb verglichen mit den siebziger Jahren relativ niedrig und bemerkenswert stabil. Über 20 Millionen neuer
Arbeitsplätze wurden dank unserer dynamischen und
vielseitigen Marktwirtschaft - der größten und produktivsten der Welt - geschaffen. Einige Industriezweige
und Regionen erlebten einen rascheren Zuwachs an
Arbeitsplätzen als andere, was den sich abzeichnenden Bedürfnissen und Wünschen der amerikanischen
Bevölkerung und dem rapiden technologischer Fortschritt Rechnung trug. Wie in Zeiten eines Wirtschaftsaufschwungs üblich, variierte die Wachstumsrate der
Produktion des Landes von Jahr zu Jahr.
Die Ereignisse des Jahres 1990 haben uns daran
erinnert, daß selbst eine gesunde Wirtschaft Schocks
und kurzfristige Einbrüche erleben kann. Anfang August
annektierte und besetzte der Irak den kleinen, schutzlosen Nachbarstaat Kuwait und bedrohte Saudi-Arabien. Auf den Weltmärkten stiegen die Ölpreise beträchtlich, und das Vertrauen der Unternehmen und
Verbraucher schwand. Diese Schocks trafen eine
Volkswirtschaft, die bereits aus mehreren Gründen ein
langsameres Wachstum zu verzeichnen hatte, einschließlich weltweitem Anstieg der Zinssätze, ange-

AMERIKA DIENST 7

spannten Kreditkonditionen sowie der sich abschwächenden Wirkung des von der Bundesbank 1988 erfolgreich unternommenen Versuchs, eine Beschleunigung der Inflation abzuwenden. Im vierten Quartal des
Jahres 1990 stagnierte die Produktion der Vereinigten
Staaten, und es wurde deutlich, daß die Wirtschaft in
eine Rezession eingetreten war. Ich wei ß, daß sich die
Menschen in einigen Regionen des Landes ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegenübersehen.
Diese vorübergehende Unterbrechung des Wirtschaftswachstums der Vereinigten Staaten signalisiert keine
Schwächung dergrundlegenden langfristigen Lebensfähigkeit der amerikanischen Volkswirtschaft. In der
Tat waren im Jahr 1990 bedeutende wirtschaftliche
Leistungen zu verzeichnen. Obwohl zahlreiche Experten zuvor eine wachsende Inflation vorausgesagt hatten, stieg der Inflationssockel nicht an und zeigte bis
Ende des Jahres einen eindeutigen Rückgang. Niedrige Inflationsraten sind für eine Senkung der Zinssätze und starkes Wirtschaftswachstum unabdingbar.
Das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten nahm im
dritten aufeinanderfolgenden Jahr ab. und die amerikanischen Unternehmen waren auf den Weltmärkten
nach wie vor konkurrenzfähig. Die Exporte amerikanischer Produkte erzielten im Jahr 1990 ein ungekanntes Hoch und überstiegen die aller anderen Länder.
Die Produktivität der amerikanischen Fertigungsindustrie nahm weiterhin in beeindruckendem Maße zu.

Seite 1

�Einige Regionen und Industriezweige konnten einen
relativ starken Zuwachs an Arbeitsplätzen verzeichnen.
Die Wirtschaftspolitik meiner Regierung zielt sowohl
auf eine Abschwächung der derzeitigen Flaute als
auch auf die Gewährleistung einer soliden Gesundung
und höchstmöglichen kontinuierlichen Wirtschaftswachstums ab. Da diese Maßnahmen glaubwürdig und
systematisch sind, bauen sie Unsicherheiten ab und
ebnen den Weg zu größerem Wachstum mit anhaltenden Bestrebungen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.
In Anbetracht dieser Maßnahmen wird die derzeitige
Rezession erwartungsgemäß leicht und verglichen mit
früheren kurz sein.
Den Prognosen zufolge wird sich das Wirtschaftswachstum bis Mitte dieses Jahres erholen. Die Inflationsrate und Zinssätze werden voraussichtlich sinken. Mit der Verabschiedung meiner wachstumsfördernden Maßnahmen werden die wirtschaftliche
Gesundung und der nachfolgende Aufschwung erwartungsgemäß stark und anhaltend sowie von kontinuierlichen Fortschritten beim Abbau der Inflation begleitet sein.
Für den weiteren Verlauf der neunziger Jahre ist es
wichtig, sich das einfache Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs der Vereinigten Staaten in den achtziger
Jahren vor Augen zu führen: eine Regierungspolitik,
die dem Privatsektor gestattete, als Motor für Wirtschaftswachstum zu dienen. Darüber hinaus müssen
wir uns daran erinnern, daß Wirtschaftswachstum der
entscheidende Faktor für den langfristigen Erfolg eines jeden Landes, die Hauptursache für einen höheren
Lebensstandard und der Schlüssel zur Erfüllung der
Bedürfnisse und Wünsche der amerikanischen Bevölkerung ist.
Der Wachstumsprozeß beinhaltet zwangsläufig Veränderungen. Technologischer Fortschritt, Verlagerungen der Bedingungen auf den Weltmärkten sowie
der sich wandelnde Geschmack und demographische
Verschiebungen haben wichtige neue Industrien geschaffen und das Schicksal bestehender Industriezweige drastisch beeinflußt. Die Lektion der Geschichte liegt auf der Hand. Versuche, spezielle
Interessen durch eine Blockierung des natürlichen,
vom Markt gesteuerten Laufs der Wirtschaft - durch
Regulierung, Subventionen oder Protektionismus - zu
schützen, verringern die Flexibilität der Wirtschaft und
beeinträchtigen ihre Fähigkeit zu Wachstum und
Schaffung von Arbeitsplätzen. Wachstum und Wohlstand werden durch Stärkung und Erweiterung der
Marktkräfte gefördert und nicht, indem die freie Wahl
der Arbeitnehmer, Verbraucher und Unternehmer durch
das Diktat der Regierung ersetzt wird.
Der Weg zum Wachstum
Das im vergangenen Herbst verabschiedete Haushaltsgesetz bietet einen festen und glaubwürdigen
Seite 2

mittelfristigen Rahmen für die Steuerpolitik. Es verbessert die Fähigkeit des Steuersystems, die Auswirkungen der derzeitigen Rezession bei gleichzeitiger
Bereitstellung starker Kontrollen zum Abbau der Staatsausgaben als Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts (BSP) abzuschwächen. Ein Hauptgrund, warum
das Haushaltsdefizit in diesem Jahr - vor einem darauffolgenden kontinuierlichen Rückgang - voraussichtlich
steigen wird, ist die Aufstockung der Zahlungen an die
von der aktuellen Konjunkturabschwächung Betroffenen sowie die auf langsameres Wachstum der Einkommen zurückzuführenden geringeren Steuereinnahmen. Die automatische Reaktion auf die Rezession wird dazu beitragen, diese Auswirkungen abzufedern.
Ich habe mich zur Aufrechterhaltung eines Steuersystems verpflichtet, das starkes Wirtschaftswachstum
fördern wird. Mein Vorschlag, die Kapitalertragssteuer
zu senken, würde der Wirtschaft den erforderlichen
Auftrieb verleihen und sie in den kommenden Jahren
auf einen geradlinigen Kurs von Wirtschaftswachstum
und Schaffung von Arbeitsplätzen führen. Ein niedriger Kapitalertragssteuersatz würde unternehmerische
Aktivitäten ermutigen, die bei der Schaffung neuer
Arbeitsplätze, neuer Produkte und neuer Produktionsmethoden eine entscheidende Rolle spielen. Sie würde
den Hang zur Schuldenfinanzierung verringern und
dadurch die von den amerikanischen Unternehmen,
ihren Arbeitnehmern und Aktionären getragenen finanziellen Risiken schmälern.
Die Inflationskontrolle der Bundesbank im gesamten
Verlauf der jüngsten langen Expansion hat die erforderliche Glaubwürdigkeit geliefert, um die derzeitige
Konjunkturabschwächung maßgeblich aufzufangen,
ohne wachsende Inflationserwartungen auszulösen.
Das Vorgehen der Bundesbank in den vergangenen
Monaten wird ferner dazu beitragen, die angespannten Kreditmarktkonditionen zu mildern, die der Wirtschaft hinderlich waren. Es ist unabdingbar, daß die
Bundesbank das für die Aufrechterhaltung kontinuierlichen Wachstums notwendige Geld- und Kreditvolumen beibehält, insbesondere in Zeiten einer wirtschaflichen Flaute. Bei Vermeidung unnötiger Risiken sollten gesunde Banken meines Erachtens häufiger besser abgesicherte Kredite vergeben.
Eine umfassende Bankenreform wird dazu beitragen,
die angespannten Kreditkonditionen durch Abbau
unnötiger Restriktionen im Bankensektor zu lockern.
Gesündere Sparinstitutionen sind für ein solides Finanzsystem unabdingbar. Die Aufhebung von Restriktionen bei Banktransaktionen zwischen den einzelnen Bundesstaaten und den Möglichkeiten von
Banken, sich mit Handels- oder anderen Finanzfirmen
zusammenzuschließen, werden die Wettbewerbsfähigkeit der Banken erhöhen. Diese Veränderungen
werden die Chancen der Banken erweitern, Kapital
anzuziehen und das Risiko einer Verknappung der
Kreditvergabf verringern.
AMERIKA DIENST 7

�Gelegentlich wird von einigen das Argument vorgebracht, die Regierung sollte aut die jüngsten Ölpreissteigerungen durch Regulierung der Energiemärkte
reagieren. Sie wären gut beraten, sich an die Lektionen der siebziger Jahre zu erinnern, als staatliche
Eingriffe die Auswirkungen von zwei Ölkrisen noch
verschärfte und die Amerikaner zwang, viele Stunden
in langen und unnötigen Schlangen vor den Tankstellen zu warten. Andauernde Unsicherheit über die
Energiepreise machen es zwingend erforderlich, daß
sich die Energiepolitik der Vereinigten Staaten sowohl
kurz- als auch langfristig auf die Flexibilität und Effizienz gründet, die nur gut funktionierende Märkte
bieten können.
Die nationale Energiestrategie meiner Regierung fordert den Abbau unnötiger Hemmnisse für die Marktkräfte, so daß umfangreiche Energievorräte zu vernünftig kalkulierten Preisen weiterhin Wirtschaftswachstum fördern können. Darüber hinaus enthält die Strategie Initiativen zur Verbesserung gesicherter Energievorräte für die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und Verbündeten, um wirtschaftliche Energiesparmaßnahmen und den Einsatz alternativer Brennstoffe
zu ermutigen sowie die Belastung der Energienutzung
für die Umwelt zu mildern.
Unterstützung langfristigen Wachstums
Die Bundesregierung kann Wirtschaftswachstum weder
zwingend vorschreiben noch wirksam dirigieren, aber
sie kann und sollte Bedingungen schaffen, die marktgesteuertes Wachstum ermutigen. Das macht den
Abbau von Hemmnissen bei Spartätigkeit, Investitionen, Erwerbstätigkeit und Innovationen erforderlich.
Mit der Ermutigung von Wachstum muß die Aufrechterhaltung und Erweiterung der Rolle der Marktkräfte
einhergehen, die damit die Flexibilität der Wirtschaft
verbessern. Versuche, den Markt zu beeinflussen und
staatliche Unterstützung auf bestimmte Firmen, Industrien oder Technologien unter dem Vorwand der
Wachstumsförderung zu lenken, sind unweigerlich
kontraproduktiv.
Das im vergangenen Jahr verabschiedete mehrjährige
Maßnahmenpaket zum Defizitabbau - das größte und
umfassendste Paket dieser Art in der amerikanischen
Geschichte - wird das Haushaltsdefizit verglichen mit
den Sockelprognosen über die nächsten 5 Jahre hinweg um rund 500 Milliarden Dollar abbauen. Diese
beträchtliche Verringerung der Regierungsanleihen
wird die nationale Sparrate erhöhen und die zur Finanzierung Arbeitsplätze schaffender Investitionen in neue
Produktionskapazitäten und Technologien verfügbaren Mittel aufstocken.
Meine Regierung bleibt der Verabschiedung zusätzlicher Maßnahmen zur Verringerung der Kapitalkosten
und Ermutigung von Unternehmertum, Spartätigkeit,
Investitionen und Innovationen unerschütterlich verpflichtet. Ich habe den Kongreß erneut gebeten, den

AMERIKA DIENST 7

Steuersatz auf langfristige Kapitalerträge zu senken
und den Steuerfreibetrag für Forschung und Entwicklung festzuschreiben. Um die private Spartätigkeit zu
ermutigen, enthält meine Haushaltsvorlage erneut
Familiensparkonten und kostenfreie Auszahlungen aus
der Rentenversicherung für erstmalige Hauseigentümer. Meine Regierung bittet um umfangreichere
Unterstützung des Staates für Forschungen, die dem
ganzen Land zugute kommen, und wir werden die
Ergebnisse staatlich geförderter Forschung dem Privatsektor besser zugänglich machen, so daß sie schneller vermarktet werden können.
Starkes Wirtschaftswachstum wird weiterhin eine
gesunde Infrastruktur des Verkehrswesens erfordern.
Die Vorschläge meiner Regierung zur Umstrukturierung des Autobahnprogramms konzentrieren sich auf
ein neues nationales Autobahnnetz, das zu diesem
Ziel wesentlich beitragen würde.
Wirtschaftswachstum erfordert qualifizierte und anpassungsfähige Arbeitskräfte ebenso wie Kapital und
neue Technologie. Qualitativ hochwertige Ausbildung
ist der Schlüssel zur Steigerung der Leistungsfähigkeit
der amerikanischen Erwerbsbevölkerung.
Meine
Regierung engagiert sich stark, um das amerikanische
Bildungswesen zum besten zu machen, so daß amerikanische Arbeitnehmer weiterhin effektiv mit ihren
Kollegen in anderen Ländern konkurrieren können.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Grund- und
weiterführende Schulausbildung drastisch verbessert
werden. Mehr Geld bedeutet nicht mehr Qualität Amerika liegt mit seinem Bildungsetat bereits mit an
oberster Stelle. Erforderlich ist eine grundlegende
Reform.
Die Regierungspolitik sollte darauf abzielen, Kontrolle
in die Hände des einzelnen und der Familien zu legen
und ihnen die Mittel und Anreize zur Verbesserung
ihres Lebens zu geben. Das hei ßt, Studenten und ihre
Familien sollten die Wahl haben, zwischen unterschiedlichen Schulen zu entscheiden, und qualifizierten Akademikern dürfen keine unnötigen Hindernisse
in den Weg gelegt werden, wenn sie einen Lehrberuf
ergreifen wollen. Meine Regierung strebt die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zur Verbesserung
der Qualität des Bildungswesens (Educational Excellence Act) an, das die freie Wahl der Ausbildung
fördert, ferner alternative Ausbildungsgänge für Lehrer
und Schulleiter, Auszeichnungen für hervorragende
Lehrer und solche Schulen, die Leistungen ihrer Schüler anheben sowie neue Ansätze für Mathematik und
naturwissenschaftliche Fächer.
Das Einwanderungsgesetz von 1990, die erste tiefgreifende Reform legaler Einwanderung in den letzten
25 Jahren, wird den Umfang der Einwanderungen
insbesondere qualifizierter Arbeitnehmer erheblich
erhöhen. Diese neuen Arbeitnehmer werden ihren
Beitrag zum Wirtschaftswachstum der Vereinigten

Seite 3

�Staaten leisten und ebenso zur sozialen und kulturellen Vielfalt des Landes beitragen.
Das Gesetz über behinderte Amerikaner stellt die
wichtigste Ergänzung zu den Bürgerrechten in den
vergangenen 25 Jahren dar. Es sieht vor, daß mehr
behinderte Bürger in die Wirtschft integriert werden
und ihr eigenes Leben verbessern, indem sie zur
wirtschaftlichen Stärke des Landes beitragen.
Im letzten Jahr wurden wichtige Gesetze verabschiedet, die dem einzelnen mehr Kontrolle und mehr Chancen
einräumen. Die Erweiterung der Steuerfreibeträge,
die neuen Krankenversicherungsbeiträge und andere
Bestimmungen zur Kinderbetreuung in der Gesetzgebung von 1990 werden das Geld für Kinderbetreuung
direkt in die Hände der Eltern und nicht mehr der
Verwaltungen legen. Mit der Initiative zur Förderung
des Erwerbs von Hauseigentum (Homeownershipand
Opportunity for People Everywhere - HOPE) im Rahmen des Gesetzes zur Förderung von Wohneigentum
(National Affordable Housing Act) wird die Zahl der
Hauseigentümer steigen, und mehr Familien werden
Verantwortung in ihren Gemeinden übernehmen. Meine
Regierung unterstützt einhellig die Erweiterung von
MEDICAID, um mehr schwangeren Frauen und Kindern in Familien mit geringem Einkommen eine Krankenversicherung zur Verfügung zu stellen.
Aber es gibt noch mehr zu tun. Meine Regierung wird
weiterhin die Einführung von Gewerbegebieten anstreben, um Unternehmertum und Investitionen zu
fördern und in strukturschwachen Regionen Arbeitsplätze zu schaffen. Wir werden Initiativen vorschlagen, die Kindersterblichkeit, Vorsorgemaßnahmen und
Ernährung in den Vordergrund stellen, um die Gesundheit derjenigen zu erhöhen, die am wenigsten für sich
selbst sorgen können.
Flexibilität und staatliche Eingriffe
Die bemerkenswerte Flexibilität der amerikanischen
Wirtschaft, die ihre Grundlage in freien Märkten hat, ist
eine wichtige nationale Errungenschaft. Eine flexible
Wirtschaft kann die Auswirkungen negativer Entwicklungen, wie etwa drastische Ölpreissteigerungen,
auffangen und sich Innovationen und andere neue
Möglichkeiten zunutze machen. Tatsächlich ist die
Reaktionsfähigkeit der Wirtschaft auf neue Chancen
eine wichtige Triebfeder für Innovation und Quelle
einer dynamischen Wirtschaft.
Staatliche Eingriffe reduzieren im allgemeinen die
Flexibilität der Wirtschaft und sollten deshalb nur eine
untergeordnete Rolle spielen. Wo sie erforderlich sind,
sollten entsprechende Programme streng auf ihre
Rentabilität hin untersucht werden, sich im öffentlichen
Interesse die Macht der Marktkräfte zunutze machen
und diese Kräfte nicht verzerren oder schmälern.
Aus der Sparbankenkrise, auf die meine Regierung
unmittelbar reagiert hat, sollte nicht die Lehre gezogen

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werden, daß Wettbewerb und Innovation mit Sicherheit und Stabilität des Finanzsektors unvereinbar sind.
Diese Erfahrung zeigt vielmehr, daß schlecht erarbeitete Vorschriften, unzureichende Anleitung und eine
Beschränkung der risikomindernden Diversifizierung
zusammenwirken und ein Verhalten hervorbringen
können, mit dem das Vertrauen der Gläubiger erschüttert und den Steuerzahlern unnötige Lasten aufgebürdet werden.
Wir können und müssen die Sicherheit und Funktionsfähigkeit unseres Bankwesens gewährleisten und
weiterhin den vollen Schutz für gesicherte Einlagen
übernehmen, gleichzeitig aber zur Verbesserung der
Effizienz und Förderung von Innovation Wettbewerb
zulassen. Mit den Vorschlägen meiner Regierung zu
einer umfassenden Reform des Vorschriftenkatalogs
für Banken werden wir dieses Ziel erreichen. Darüber
hinaus werden diese Reformen die Fähigkeit amerikanischer Banken steigern, auf den Weltmärkten der
Finanzdienstleistungen zu konkurrieren.
Die im vergangenen Jahr verabschiedeten Landwirtschaftsgesetze enthielten wichtige Ansätze für eine
marktorientierte Agrarpolitik und bedeuteten eine Abkehr
von staatlicher Dominanz dieses lebenswichtigen und
entwicklungsfähigen Sektors. Den Landwirten wird
größere Flexibilität bei Anbauentscheidungen zugestanden, mit der sowohl ihr Einkommen stabil bleibt als
auch das Geld des Steuerzahlers gespart wird.
Marktorientierte Initiativen können auch eine Schlüsselrolle in der Umweltpolitik spielen. Im Jahr 1989 hat
meine Regierung eine umfassende Gesetzgebung zur
Bekämpfung der Luftverschmutzung vorgeschlagen.
Dieser Vorschlag hat uns aus einem Patt herausgeführt, das seit über zehn Jahren Maßnahmen des
Kongresses blockiert hat, und im vergangenen Jahr
wurde ein bahnbrechendes Gesetz zur Luftreinhaltung
verabschiedet - die wichtigste Gesetzgebung dieser
Art in der Geschichte des Landes. Das Kernstück
dieses Gesetzes ist ein innovatives, marktorientiertes
Programm zur Kontrolle - mit dem geringstmöglichen
Kosten für die Wirtschaft - der Emissionen, die sauren
Regen verursachen. Alle Bestimmungen dieses
Gesetzes werden durchgeführt, um unnötige Belastungen für amerikanische Arbeitnehmer und Firmen
zu vermeiden.
Wirtschaftswachstum und Umweltschutz sind vereinbar, aber nur wenn umweltpolitische Ziele das Ergebnis einer sorgfältigen Rentabilitätsanalyse widerspiegeln und wenn Umweltbestimmungen eine maximale
Flexibilität garantieren, um diese Ziele mit den geringstmöglichen Kosten zu verwirklichen. Meine Regierung wird sich weiterhin von den Verpflichtungen
einer weltpolitischen Rolle leiten lassen, und wir wollen
sowohl die Umwelt schützen als auch ein Wirtschaftswachstum beibehalten, das allen Kindern auf der Welt
die Möglichkeit einräumt, ein besseres Leben zu leben
als ihre Eltern.

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�Eine Führungsrolle in der Weltwirtschaft

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In der gesamten Nachkriegszeit haben die Vereinigten
Staaten die Welt in ein System freien Handels und
offener Märkte geführt. Die Vorzüge weltweiter wirtschaftlicher Integration und umfangreicheren Welthandelswaren im In- und Ausland erheblich. Amerikanische Firmen bringt der Zugang zu den Weltmärkten
Vorteile, amerikanische Arbeitnehmer profitieren von
ausländischen Investitionen in Amerika, und amerikanische Verbraucher können Waren und Dienstleistungen aus der ganzen Welt kaufen. Wettbewerb und
Innovation wurden stimuliert, und Unternehmen konnten ihre Effizienz steigern, indem sie Zweigstellen auf
der ganzen Welt eröffneten. Der überaus große
Wohlstand und die Lebensfähigkeit marktorientierter
Volkswirtschaften - und der Untergang des sozialistischen Modells - weisen den Weg für Fortschritt und
Wachstum in der Zukunft.
Meine Regierung wird weiterhin starken Druck ausüben, damit es offene Märkte in allen Ländern - einschließlich unserer eigenen Nation - gibt, und wir
werden uns weiterhin dem Protektionismus widersetzen. Protektionistische Handelsschranken legen einer
großen Gruppe Belastungen auf, damit den Interessen
weniger gedient ist und reduzieren lediglich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Staatliche Versuche,
die Entscheidungen internationaler Märkte zu übergehen und den Handel oder Investitionsfluß zu dirigieren,
mindern unweigerlich die Flexibilität der Wirtschaft und

schrauben den Lebensstandard herunter.
Als wichtigstes Ziel in der Handelspolitik verfolgt meine
Regierung weiterhin den erfolgreichen Abschluß der
Uruguay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Erfolge in der Uruguay-Runde
würden Agrarmärkte öffnen, Zölle auf viele Produkte
verringern oder abschaffen, das GATT-System stärken und es auf wichtige neue Bereiche erweitem, wie
etwa Dienstleistungen, Investitionen und geistiges
Eigentum - wichtige Faktoren für die Lebensfähigkeit
der amerikanischen Wirtschaft. Diese Verbesserungen würden die Fähigkeit der Weltwirtschaft maßgeblich erhöhen, den Lebensstandard in den Vereinigten
Staaten und auf der ganzen Welt anzuheben. Andererseits würde ein Scheitern die Spannungen im Handel
steigern und könnte zu einer destruktiven neuen Runde
des Protektionismus führen.

Handels zu bereiten. Wir haben unsere Absicht zur
Aufnahme von Verhandlungen über eine Freihandelszone mit Mexiko bekundet. Meine Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas
verspricht Wachstum und Wohlstand auf dem ganzen
Kontinent anzukurbeln, indem sie Schranken für Handel
und Investitionen aufhebt. Diese Initiative zielt ebenfalls darauf ab, offiziell die Schulden von Ländern zu
reduzieren, die umfangreiche Wirtschaftsreformen
durchführen und gründet sich damit auf die anhaltende
Unterstützung meiner Regierung für einen Schuldenabbau.
Amerika bleibt ein Symbol der Hoffnung für Menschen
auf der ganzen Welt. Unser Land gibt nach wie vor ein
leuchtendes Beispiel dafür, daß politische Demokratie
und freie Märkte sich gegenseitig verstärken und
zusammen zu Freiheit und Wohlstand führen. Die
Länder auf diesem Kontinent und die aufstrebenden
Demokratien Osteuropas unternehmen energische
Schritte, um Amerikas Beispiel zu folgen. Die Herausforderungen, die sich diesen Ländern bei der tiefgreifenden Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaft stellen,
sind enorm. Meine Regierung wird ihre einhellige
Unterstützung und Hilfe für ihre lebenswichtigen und
historischen Betrebungen fortsetzen.
Ausblick
In meinem Wirtschaftsbericht des vergangenen Jahres habe ich erklärt, daß ich voller Hoffnung und
Optimismus in die neunziger Jahre blicke. Trotz der
wirtschaftlichen Ereignisse des Jahres 1990 besteht
guter Grund zu Hoffnung und Optimismus, da unser
Land in das nächste Amerikanische Jahrhundert eintritt.
Im Sinne gesunder wirtschaftspolitischer Prinzipien ist
meine Regierung bestrebt, die bestmögliche Rate für
dauerhaftes Wirtschaftswachstum zu erzielen. An
diesen Prinzipien müssen wir weiterhin festhalten,
wenn wir die Auswirkungen der gegenwärtigen Rezession mindern und die Basis des starken Wachstums in
den kommenden Jahren stärken wollen. Wirtschaftswachstum ist nach wie vor der Schlüssel zur Anhebung
des Lebensstandards aller Amerikaner, zur Schaffung
von Arbeitsplätzen und zur Aufrechterhaltung von
Amerikas wirtschaftlicher Führungsrolle.

Darüber hinaus hat meine Regierung Schritte unternommen, um den Weg für einen Kontinent des freien

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AMERIKA DIENST 7

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�AIRBUS
20. Februar 1991

DER HINTERGRUND DER AMERIKANISCH-DEUTSCHEN
MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN ÜBER DEN AIRBUS
Eine Übersicht der US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Büro der US-Handelsbeauftragten am 14.
Februar 1991 herausgegebene Übersicht zum Hintergrund der amerikanischen Vorbehalte gegen die von der
Bundesregierung gewährten Beihilfen zur Absicherung von Wechselkursrisiken bei Airbus-Verkäufen.

Der deutsche Plan zur Absicherung gegen Wechselkursschwankungen wurde im November 1988 angekündigt. Zu jenem Zeitpunkt ersuchte die US-Regierung die Regierung der Bundesrepublik Deutschland,
das Programm nicht zu verwirklichen. Trotzdem
genehmigte die EG-Kommission im Jahr 1989 ein
umfassendes finanzielles Sanierungskonzept für die
Deutsche Airbus und ihr Stammunternehmen Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB), das heute Teil der
Deutschen Aerospace, eines Tochterunternehmens
von Daimler-Benz ist. Diesem Plan zufolge werden
Verluste, die dem hohen Wert der D-Mark gegenüber
dem US-Dollar zugeschrieben werden, von der Bundesregierung ausgeglichen.
Der Subventionskodex verbietet es Regierungen
ausdrücklich, Exportsubventionen zu gewähren, darunter auch direkte Bargeldzahlungen sowie Programme zur Absicherung von Wechselkursrisiken, ohne
dafür angemessene Versicherungsprämien zu verlangen. Angesichts der Kommissionsentscheidung für
das deutsche Wechselkurskonzept hielten die Vereinigten Staaten im Mai 1989 gemäß dem Abkommen
über Interpretation und Anwendung der Artikel VI, XVI
und XXIII des GATT (des "Subventionskodex") Konsultationen mit der Europäischen Gemeinschaft ab,
um gegen die deutsche Handlungsweise Beschwerde
einzulegen. Bei diesen Konsultationen und zusätzlichen Treffen, die seither mit Vertretern der Europäischen Gemeinschaft und den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und anderer interessierter
Mitgliedstaaten stattfanden, haben die Vereinigten
Staaten wiederholt deutlich gemacht, daß sie den
deutschen Plan zur Absicherung von Wechselkursrisiken, für den keinerlei Versicherungsprämien verlangt
werden, als staatlichen Eingriff betrachten, der gemäß

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Artikel 9 sowie der Erläuternden Liste von Exportsubventionen des Subventionskodex ausdrücklich verboten ist.
Als durch dieses Verfahren keine beiderseitig akzeptable Lösung erreicht werden konnte und die Bundesregierung an die Verwirklichung ihres Plans ging, unterbreiteten die Vereinigten Staaten im Dezember 1989
die Angelegenheit dem Subventionskodex-Ausschuß
zur "Schlichtung". Der Ausschuß, dem alle Unterzeichnerstaaten des Kodex angehören, führte im Januar
1990 mit allen Parteien ein Schlichtungsverfahren
durch.
Nach dem Treffen des Kodexausschusses im Januar
1990 versuchten die Vereinigten Staaten und die EG,
die Angelegenheit im Rahmen einer umfassenden
Beilegung der seit langem bestehenden amerikanischen Vorbehalte gegen die übermäßige Subventionierung des Airbus durch dessen Partnerunternehmen
und die Europäische Gemeinschaft zu lösen.
Die Vereinigten Staaten hatten gehofft, künftige Subventionen für den Airbus durch eine auf dem Verhandlungsweg herbeigeführte Regelung in geordnete Bahnen zu lenken und ihre nachteiligen Auswirkungen
drastisch zu reduzieren. Die Vereinigten Staaten
bedauern, daß dieses Ziel nicht erreicht wurde. Jüngste amerikanische Vorschläge zur Überbrückung der
unterschiedlichen Haltungen sind von den Europäern
zurückgewiesen worden.
In der Zwischenzeit hat die Bundesregierung gemäß
dem Garantiekonzept im Jahr 1990 390 Millionen DM
an Daimler-Benz ausgezahlt. Darüber hinaus wurde
unlängst verdeutlicht, daß das deutsche Programm
umfassender war als bisher bekannt und sich sowohl

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�13,5 Milliarden Dollar oder sogar auf 19,4 Milliarden,
wenn man die bei den Regierungen aufgelaufenen
Zinsen einrechnet. Dies ist das Ergebnis einer im
September 1990 fertiggestellten privaten Studie, die
vom US-Wirtschaftsmini9terium in Auftrag gegeben
wurde. Dieselbe Untersuchung kam zu dem Schluß,
daß sämtliche bis heute abgewickelte Airbus-Programme unwirtschaftlich waren, das heißt, daß sie
nicht den für ein privates Unternehmen notwendigen
Ertrag erbracht haben und die amerikanische Industrie
dadurch geschädigt wurde.

auf Zulieferfirmen als auch auf die Deutsche Airbus
selbst bezog. Die deutschen Wechselkursbeihilfen
allein belaufen sich durchschnittlich auf etwa 2,5 Millionen Dollar für jeden im Jahr 1990 ausgelieferten Airbus. Diese Summe wird zusätzlich zu den 5,8 Milliarden Dollar geleistet, die in den vergangenen 20 Jahren
bereits von der Bundesregierung für das Airbus-Programm bereitgestellt wurden.
Die gesamten staatlichen Subventionen für alle Airbus-Partnerunternehmen belaufen sich bis heute auf

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