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13. Februar 1991

1^
GOLFKRIEG

BAKER: USA STREBEN STABILITÄT
UND SICHERHEIT AM GOLF AN
Rede des Außenministers
vor dem Repräsentantenhaus
DIE GOLFKRISE
Chronolgie der Ereignisse im Januar 1991

EUROPA/NATO

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE
SICHERHEIT IN EINER NEUEN
WELTORDNUNG
Rede des Ständigen US-Vertreters im NATO-Rat

Postfach 200300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
13. Februar 1991

BAKER: USA STREBEN STABILITÄT
UND SICHERHEIT AM GOLF AN
Rede des Außenministers vor dem Repräsentantenhaus
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist das Ziel der Vereinigten Staaten und der Koalitionspartner am Persischen Golf "die Befreiung Kuwaits, nicht die Zerstörung des Irak oder eine Veränderung seiner
Grenzen".
Die Vereinigten Staaten lägen nicht im Streit mit der irakischen Bevölkerung, erklärte Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 6. Februar 1991 in einer Debatte über den außenpolitischen
Haushalt.
Die Ziele der Koalition seien "eindeutig" die Vertreibung des Irak aus Kuwait und die Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in der Region, fügte
Baker hinzu.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen verwies Baker auf die von der israelischen Regierung geübte Zurückhaltung, auf die irakischen Raketenangriffe mit einem Vergeltungsschlag zu reagieren. Der Au ßenminister ging
ferner auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ein und äußerte Besorgnis über das Verhalten Moskaus
bei der Bewältigung der Probleme im Baltikum sowie weitere "beunruhigende Entwicklungen" wie erneute
wirtschaftliche Zentralisierung, Medienzensur, Erweiterung der Befugnisse von Armee und KGB und die
generelle Abkehr der Regierung vom eingeschlagenen Reformkurs. Baker fügte hinzu: "Dieses Vorgehen steht
absolut nicht im Einklang mit dem Kurs friedlichen Wandels, demokratischen Prinzipien, der Rechtsstaatlichkeit
und echten Wirtschaftsreformen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, vor diesem Ausschu ß zu unserem
Budgetentwurf 1992 für Auswärtige Angelegenheiten
Stellung nehmen zu dürfen. Mit Ihrer Erlaubnis möchte
ich meine schriftlichen Ausführungen ins Protokoll
aufnehmen lassen. Noch mehr als in den vergangenen Jahren sollten die beantragten Mittel als Investition in eine bessere Zukunft betrachtet werden - eine
Welt sicherer Nationen, freier Völker und friedlichen
Wandels.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß eine solche Welt
in weiter Ferne zu liegen scheint, während am Persischen Golf ein Krieg geführt wird. Dennoch ist es
meines Erachtens von vordringlicher Bedeutung, die
sich uns stellenden Herausforderungen auch als Chance
zum Aufbau einer sichereren und gerechteren Weltordnung zu sehen. Aus diesem Grund möchte ich
heute unsere Gedanken zu den Herausforderungen
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und Vereinbarungen nach Bewältigung der Krise erläutern.
Der Golf krieg
Seit nunmehr drei Wochen führt die internationale
Koalition einen Krieg gegen den Irak mit eindeutigen
Zielen: Vertreibung des Irak aus Kuwait, Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie
die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in
dieser entscheidenden Region. Ich möchte zum
bisherigen Verlauf des Konflikts einige Anmerkungen
machen.
Erstens stand die internationale Koalition unerschütterlich zu ihrem Ziel und Kurs. Eine herausragende
Leistung während der derzeitigen Krise war die Fähigkeit der Vereinten Nationen, im Sinne ihrer Gründer zu
handeln. Vor dem 15. Januar dienten den Vereinigten
Seite 1

�Staaten und anderen Nationen die 12 Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats als Leitlinie, während wir
gemeinsam auf diplomatischer, politischer und wirtschaftlicher Ebene die irakische Aggression bekämpften. Wir haben so gehandelt, weil wir alle von der
Überzeugung geleitet sind, daß dieser brutale und
gefährliche Diktator aufgehalten werden muß - und
zwar jetzt. Seit dem 16. Januar konnten wir dank der
in Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats sanktionierten Aktionen einen Krieg führen, weil wir alle gleichermaßen überzeugt sind, daß jedwede friedlichen Mittel
zur Beendigung von Saddam Husseins Aggression
sondiert und erschöpft sind.
Ich möchte Ihnen die umfassenden Bestrebungen der
Vereinigten Staaten und der anderen Nationen im
einzelnen darlegen. In den 166 Tagen zwischen der
Invasion Kuwaits am 2. August 1990 und dem Ablauf
des UNO-Ultimatums für den Abzug des Irak am
15.Januar 1991 habe ich persönlich über 200 Treffen
mit ausländischen Regierungsvertretern abgehalten,
10 diplomatische Missionen durchgeführt und über
100 000 Meilen zurückgelegt. Ich habe mit dem
irakischen Außenminister sechseinhalbstündige Gespräche geführt - sechseinhalb Stunden, in denen die
irakische Führung den Gedanken des Abzugs aus
Kuwait, sogar die bloße Erwähnung des Rückzugs,
rundweg abgelehnt hat. Wie Sie wissen, haben auch
andere einen Versuch unternommen - die Arabische
Liga, die Europäische Gemeinschaft, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Könige, Präsidenten
und Premierminister.
Niemand hatte Erfolg, weil Saddam Hussein jeden und
alles zurückwies.
Zweitens trägt die Koalition gemeinsam die Verantwortung für die wirtschaftlichen Lasten des Konflikts.
Die Unterstützung der amerikanischen Verteidigungsausgaben erstreckt sich sowohl auf die Verpflichtungen für Operation Wüstenschild 1990 als auch auf die
Aufwendungen für die Operationen Wüstenschild/
Wüstensturm von Januar bis März 1991. Darüber
hinaus wurden auch Mittel zum Ausgleich der wirtschaftlichen Verluste bewilligt, mit denen sich die
Frontstaaten in der Region konfrontiert sehen.
Bis heute haben wir über 50 Milliarden Dollar zur
Unterstützung unserer militärischen Bestrebungen und
mehr als 14 Milliarden Dollar an Hilfe für die Front- und
andere Staaten für ihren wirtschaftlichen Bedarf bereitgestellt.
Drittens spiegelt unsere sich entwickelnde militärische
Strategie voll und ganz unsere politischen Absichten
wider. Dies ist der geeignete Ort, um nochmals - wie
es der Präsident so häufig getan hat - zu wiederholen,
daß wir nicht mit der irakischen Bevölkerung im Streit
liegen. Unser Ziel ist die Befreiung Kuwaits, nicht die
Zerstörung des Irak oder eine Veränderung seiner
Grenzen.

Seite 2

Wir führen eine äußerst professionelle und wirksame
militärische Kampagne durch. Unsere jungen Männer
und Frauen sowie die Koalitionspartner schreiben neue
Annalen des Muts und Geschicks. Es handelt sich
jedoch um ein vornehmes Ziel, und keiner sollte Saddam Husseins militärische Fähigkeiten unterschätzen.
Der Irak ist keine drittklassige Militärmacht. Milliarden
an Mitteln für friedliche Zwecke wurden abgezweigt,
um in diesem kleinen Land das viertgrößte Heer der
Welt aufzustellen. Der Irak hat mehr Kampfpanzer als
Großbritannien und Frankreich zusammen. Er hat
mehr Kampfflugzeuge als Deutschland, Frankreich
oder Großbritannien. Den Irak aus Kuwait zu vertreiben, wird nicht leicht sein, aber - um Präsident Bush zu
zitieren: "Damit der Frieden obsiegt, werden wir dort
ausharren."
Darüber hinaus geben wir unser Bestes, um einen
gerechten Krieg auf gerechte Weise zu führen. Unser
Ziel sind militärische Einrichtungen, und wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um die Opfer unter der
Zivilbevölkerung und die Beschädigung religiöser und
kultureller Stätten so gering wie möglich zu halten. Wie
General Schwarzkopf ausgeführt hat, setzen sich die
Koalitionsstreitkräfte sogar Gefahren aus, um das
Risiko für unschuldige Menschenleben zu minimieren.
In schockierendem Gegensatz dazu steht Saddam
Husseins Verhalten. Seine Kriegführung gleicht seinem Verhalten vor dem Krieg: ein schonungsloser
Angriff auf die Werte der Zivilisation. Er hat Raketen
gegen israelische und saudiarabische Städte abgefeuert - Raketen, die nicht auf militärische Ziele gerichtet
waren, sondern in voller Absicht ein Massaker unter
der Zivilbevölkerung anrichten sollten. Er hat Kriegsgefangene mißbraucht und vorgeführt und erklärt, sie
als "menschliche Schutzschilde" zu benutzen - ein
Vorgehen, das eine fundamentale Verletzung der Genfer
Konvention darstellt. Und er hat sogar die Natur in dem
Versuch angegriffen, die Gewässer des Persischen
Golfs mit Erdöl zu verseuchen, das der Garant für die
wirtschaftliche Zukunft der Region ist.
Wir haben Saddam Husseins Drohung, chemische
und biologische Waffen einzusetzen, gehört, und wir
nehmen sie bitter ernst. Wir haben ihn gewarnt - und
er wäre gut beraten, unsere Warnung nicht in den Wind
zu schlagen -, daß wir den Einsatz solcher Waffen
nicht dulden werden. Jeder Einsatz chemischer oder
biologischer Waffen wird ernsthafte Konsequenzen
haben. Und wir werden weiterhin darauf bestehen,
daß der Irak seine Verpflichtungen gemäß der Genfer
Konvention im Hinblick auf die Kriegsgefangenen der
Koalitionsstreitmacht erfüllt.
Meines Erachtens beruht unsere Kriegführung auf
großer Stärke, der Stärke aus dem Bewußtsein heraus, das richtige auf die richtige Weise zu tun. Und
Saddam Husseins anhaltende Brutalität verdoppelt
unsere Entschlossenheit und die Überzeugung der

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�ganzen Koalition über die Richtigkeit unseres Kurses.
Die Beendigung von Saddam Husseins Aggression
bedeutet auch einen Schlag für staatlich geförderten
Terrorismus.
Dies ist der geeignete Ort, um unsere tiefe Wertschätzung und große Bewunderung für die außerordentliche Zurückhaltung der israelischen Regierung zu formulieren. Israelische Städte wurden von Saddam
Hussein angegriffen, weil ein Teil seiner Strategie
darin bestand, seine Aggression zu konsolidieren,
indem er die Golfkrise in einen arabisch-israelischen
Konflikt ummünzte. Trotz ihres eindeutigen Rechtsauf
Reaktion hat die israeliche Regierung mit Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein gehandelt. Die
Vereinigten Staaten standen in sehr engem Kontakt
mit den höchsten israelischen Regierungsstellen und
werden dies auch in Zukunft tun. Wir haben Israel
Batterien von Patriot-Raketen angeboten - einige inklusive amerikanischer Besatzung - um sich gegen die
SCUD-Raketen zu verteidigen, und Israel hat unser
Angebot angenommen. Wir werden weiterhin besondere militärische Anstrengungen unternehmen, um die
SCUDs und ihre Abschußvorrichtungen zu zerstören.
Jeder sollte wissen: Wenn wir von unserer unerschütterlichen Verpflichtung gegenüber der israelischen
Sicherheit sprechen, meinen wir das wörtlich.
Meine vierte Anmerkung lautet folgendermaßen: Die
große internationale Koalition, die jetzt den Krieg gewinnt,
muß auch stark genug sein, um den Frieden sicherzustellen. Winston Churchill hat einmal gesagt: "Die Zeit
wird weisen, wie absolut die Notwendigkeit eines breiten Spektrums von zahlreichen Staaten über Jahre
hinweg gemeinsam vorgenommener internationaler
Aktionen ist, unabhängig von Ebbe und Flut der Innenpolitik." Wenn wir die jetzt von den tapferen Männern
und Frauen erbrachten Opfer wiedergutmachen wollen, die unsere Freiheit mit ihrem Leben verteidigen,
dann müssen wir einen Frieden schaffen, der ihres
Kampfes wert ist. Und dies kann getan werden, wenn
wir die durch den Krieg gestählte Koalition in Friedenszeiten zusammenhalten.
Als der Kongreß für die Befugnis des Präsidenten
stimmte, zur Unterstützung der UNO-Resolutionen
Gewalt einzusetzten, stimmte er auch für Frieden einen Frieden, der solche Kriege in Zukunft verhindern
könnte. Meines Erachtens unterstützt das amerikanische Volk unsere Rolle in der Koalition nicht nur, um
einen Aggressor zu bezwingen, sondern um ein gewisses Maß an Gerechtigkeit und Sicherheit für die Zukunft zu gewährleisten.
Herausforderungen der Nachkriegszeit
Herr Vorsitzender, wir und jede an diesem Konflikt
beteiligte Nation denken über die Situation nach dem
Krieg nach und planen für die Zukunft. Es wäre
unverantwortlich, dies nicht zu tun. Gleichzeitig wäre
es sowohl verfrüht als auch unklug von uns, einen

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detaillierten Plan über die Lage am Golf nach dem
Krieg oder sogar die Region insgesamt vorlegen zu
wollen.
Der Krieg selbst und wie er beendet wird, werden
sowohl die Sicherheit am Golf als auch das übrige
Gebiet beeinflussen. Tiefste Emotionen wurden aufgewühlt. Die jetzt stattfindenden militärischen Aktionen fordern zwangsläufig zahlreiche Opfer, große
Härten und zunehmende Angst vor der Zukunft. Schwere
Zeiten liegen vor uns.
Wir sollten deshalb die Nachkriegsprobleme mit einem
angemessenen Gefühl der Bescheidenheit angehen.
Die Respektierung der Souveränität der Menschen am
Golf und im Nahen Osten muß an oberster Stelle
stehen. Die neuere Geschichte hat belegt, daß kein
Land allein dem Nahen Osten seinen Willen für lange
Zeit aufzwingen oder ihn nach seinen eigenen Vorstellungen ummodeln kann. Schließlich ist das einer der
Gründe, warum wir gegen Saddam Hussein kämpfen.
Unter all den Schwierigkeiten, mit denen wir uns konfrontiert sehen, ragt jedoch eine Tatsache heraus: Die
Menschen am Golf und nicht zuletzt im gesamten
Nahen Osten brauchen dringend Frieden. Ich bin fest
davon überzeugt, daß es in gemeinsamen Konsultationen mit allen betroffenen Nationen einen Weg gibt,
um den Kurs zu bestimmen, der größere Sicherheit
und dauerhaften Frieden für alle mit sich bringt. Aus
diesem Grund sollten wir alles in unserer Macht Stehende tun, um nicht nur am Persischen Golf sondern
auch in der übrigen Region nach diesem Krieg zu
helfen, die es so bitter nötig hat.
Ich möchte daher einige Herausforderungen erörtern,
denen wir uns meines Erachtens in der Nachkriegszeit
stellen müssen.
Eine Herausforderung ist größere Sicherheit am Persischen Golf. Nach zwei Kriegen in 10 Jahren benötigt
diese entscheidende Region neue und andere Sicherheitsvereinbarungen. Aus unserer Sicht müssen drei
grundlegende Probleme gelöst werden: Ziele oder
Prinzipien der Sicherheitsabkommen, die Rolle der
Staaten in der Region, regionaler Organisationen und
der internatioalen Staatengemeinschaft sowie die
militärischen Anforderungen nach dem Krieg, bis die
Stabilität in der Region hergestellt ist und für die Zeit
danach.
Meiner Meinung nach erzielen wir bereits ein hohes
Maß an Übereinstimmung bezüglich unserer Prinzipien. Dazu zählen:
Abschreckung einer Aggression aus jeder Richtung.
Territoriale Integrität. Die bestehende Souveränität
aller Staaten und die Unverletzbarkeit der Grenzen
müssen respektiert werden.
Friedliche Lösung von Konflikten. Grenzprobleme und
andere Dispute, die eine lange Geschichte haben - und
es gibt zahlreiche, abgesehen von dem Beispiel Irak/

Seite 3

�Kuwait - sollten, wie in der Charta der Vereinten
Nationen verankert, mit friedlichen Mitteln beigelegt
werden.
Diese Prinzipien müssen in erster Linie von den Staaten in der Region in die Praxis umgesetzt werden, so
daß Konflikte verhindert und Aggression abgeschreckt
werden kann. Wir gehen davon aus, daß die Staaten
am Golf und regionale Organisationen wie der GolfKooperationsrat die Führungsrolle beim Aufbau eines
verstärkenden Gefüges neuer und verbesserter Sicherheitsbeziehungen übernehmen. Kein Staat in der
Region sollte aus diesen Vereinbarungen ausgeklammert werden. Nach dem Krieg könnte der Irak einen
wichtigen Beitrag leisten, ebenso wie der Iran als
wichtige Macht am Golf.
Auch die anderen Nationen und die internationale
Staatengemeinschaft, einschließlich der Vereinten
Nationen, könnten eine Rolle bei der Förderung solcher Vereinbarungen spielen und sie untermauern.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so haben wir
seit der Truman-Regierung im Jahr 1949 stets eine
kleine Seestreitmacht im Golf stationiert. Wir hatten
und haben au ßerordentlich starke bilaterale Beziehungen zu Saudi-Arabien und anderen Staaten in der
Region. Und im Laufe der Jahre haben wir gemeinsame Übungen mit unseren Freunden in der Region
durchgeführt und sie mit militärischem Gerät versorgt.
Der Präsident hat erklärt, daß wir nicht beabsichtigen,
die ständige Präsenz von Bodentruppen auf der Arabischen Halbinsel aufrechtzuerhalten, sobald der Irak
aus Kuwait vertrieben ist und die Bedrohung nachläßt.
Bevor die Sicherheit gewährleistet ist, müssen jedoch
wichtige Fragen beantwortet werden. Unmittelbar
nach dem Krieg werden wir bei der Herstellung der
Stabilität eine entscheidende Übergangsphase durchlaufen. Ich möchte kurz einige der Fragen aufzählen,
die beantwortet werden müssen.
Sollte unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen oder regionaler Organisationen wie dem GolfKooperationsrat eine ständige, aus Streitkräften in der
Region gebildete und in der Region stationierte Bodentruppe geschaffen werden?
Wie kann die internationale Staatengemeinschaft die
Abschreckung am Golf verstärken - durch die Entsendung von Streitkräften oder andere politische Vereinbarungen wie Resolutionen oder Sicherheitsabkommen?
Niemand kennt die Antworten auf diese und andere
Fragen. Einige werden vielleicht niemals beantwortet.
Unabhängig von unserer möglichen Vorgehensweise
werden wir umfassende Konsultationen mit allen von
solchen Vereinbarungen betroffenen Parteien führen.
Eine zweite Herausforderung wird zweifelsohne die
Verbreitung und Kontrolle von Waffen in der Region
sein. Dies bezieht sich sowohl auf konventionelle als
auch Massenvernichtungswaffen. Es ist eine erschrek-

Seite 4

kende Tatsache, daß selbst die konventionellen Arsenale mehrerer Staaten im Nahen Osten diejenigen der
meisten europäischen Nationen in den Schatten stellen. Fünf Länder im Nahen Osten habe mehr Kampfpanzer als Großbritannien und Frankreich. Es ist an
der Zeit, das destruktive Muster des militärischen
Wettbewerbs und der Verbreitung von Waffen in der
Region zu ändern und Waffenlieferungen in ein Gebiet
zu reduzieren, das bereits überbewaffnet ist. Dies legt
den Schluß nahe, daß wir und andere Länder in der
Region und weltweit darüber beraten müssen, wie wir
die Mehrschichtigkeit des Problems am besten angehen:
Wie können wir zusammenarbeiten, um die Fähigkeiten des Irak nach dem Krieg zu begrenzen, seine
Massenvernichtungswaffen und destabilisierendsten
konventionellen Waffen zu behalten oder wiederaufzubauen?
Wie können wir mit anderen zusammenarbeiten, um
Schritte zu umfassenderer Zurückhaltung in der Region bei Beschaffung und Einsatz konventioneller
Rüstungen und Massenvernichtungswaffen zu ermutigen? Welche Rolle könnte die Art von Vertrauensbildenden Maßnahmen am Golf und im Nahen Osten
spielen, die Konflikte in Europa abgebaut haben?
Welche weltweiten Aktionen würden schließlich Schritte zu Rüstungskontrolle am Golf und im Nahen Osten
unterstützen? Darunter könnte der rasche Abschluß
schwebender internationaler Abkommen wie der Vertrag über chemische Waffen ebenso fallen wie sehr
viel schärfere Lieferbeschränkungen für Waffen und
Mehrzwecktechnologie in die Region. Und welche
Implikationen hat dies für Waffenlieferungen und Verkauf spraktiken?
Eine dritte Herausforderung liegt in wirtschaftlichem
Wiederaufbau und wirtschaftlicher Gesundung. Den
Golf und seine Handelspartner hat eine Wirtschaftskatastrophe getroffen. Kuwait wurde geplündert und
zerstört. Hunderttausende von Arbeitern haben ihren
Arbeitsplatz verloren und sind geflohen. Handelsfluß
und Märkte wurden unterbrochen.
Ich bin sicher, daß das kuwaitische Volk sein Land
wiederaufbauen wird. Ebenso wie wir mit den Kuwaitern in der Stunde der Prüfung zusammengearbeitet
haben, blicken wir der Kooperation mit ihnen in der
Stunde der wirtschaftlichen Gesundung zuversichtlich
entgegen.
Niemand sollte vergessen, daß sich das irakische Volk
zum zweiten Mal in einem Jahrzehnt von einem verheerenden Konflikt erholen muß. Die Zeit des Wiederaufbaus und der Gesundung sollte nicht die Gelegenheit für Rachefeldzüge gegen ein Land sein, das von
den Ambitionen eines Diktators in den Krieg gezwungen wurde. Eine Zukunft mit Sicherheit und Wohlstand, auf die jeder in der Region hofft, muß auch den
Irak einbeziehen.

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�Die meisten Ressourcen für den Wiederaufbau werden zwangsläufig dem Golf entnommen. Sollten wir
jedoch nicht an mehr als Wiederaufbau denken? Eine
Länderkoalition könnte sich möglicherweise sowohl
regionaler als auch externer Ressourcen bedienen,
um die Perspektiven für die Region zu verändern indem sie freien Handel und Investitionen zur Unterstützung der Entwicklung sowie wachstumsorientierte
Wirtschaftsmaßnahmen fördert, die sich weltweit
bewährt haben.
Bei allen wirtschaftlichen Anstrengungen kommt
Wasseraufbereitung ein besonderer Stellenwert zu.
Über die Hälfte der im Nahen Osten lebenden Menschen hängen mit ihrer Wasserversorgung von internationale Grenzen überquerenden Flüssen oder
Meerwasserentsalzungsanlagen ab. Wir alle waren
über Saddam Husseins absichtliche Verseuchung des
Golfs empört, die einen Großteil von Saudi-Arabiens
Trinkwasserversorgung beeinträchtigen könnte.
Und schließlich wollen wir mit den Regierungen des
Nahen Ostens und anderer Regionen über spezifische
Vereinbarungen sprechen, die der Wirtschaftskooperation in der gesamten Region am besten dienen. Eine
solche Kooperation trüge zweifelsohne zur Verstärkung unserer Ziele insgesamt bei: Schrittweiser Abbau
der Konfliktherde und der Hemmnisse für Sicherheit
und Wohlstand im gesamten Gebiet.
Eine vierte Herausforderung besteht darin, das Streben nach Frieden und echter Aussöhnung für Israel,
die arabischen Staaten und die Palästinenser wiederaufzunehmen. Unter Aussöhnung verstehe ich nicht
nur Frieden anstelle von Krieg, sondern einen auf
dauerhaften Respekt, Toleranz und gegenseitiges
Vertrauen gegründeten Frieden. Wie Sie wissen, habe
ich vor Ausbruch des Krieges persönlich beträchtliche
Anstrengungen unternommen, einen Dialog zwischen
Israel und den Palästinensern zu fördern - unabdingbares Element eines generellen Friedensprozesses.
Wir sollten uns keiner Selbsttäuschung hingeben. Der
Verlauf dieser Krise hat bei Israelis und Palästinensern
Emotionen aufgewühlt, die nicht leicht in Aussöhnung
münden werden. Dennoch wird es nach diesem Krieg
- wie bei früheren Kriegen - Chancen für Frieden geben
- wenn die betroffenen Parteien dazu bereit sind. Und
wenn sie wirklich wollen, werden wir eng mit ihnen
zusammenarbeiten, um einen wirksameren Friedensprozeß zu gestalten.
Die hier zu bewältigenden Probleme sind natürlich
bekannt und stellen eine größere Herausforderung dar
als je zuvor.
Wie können Israelis und Palästinenser versöhnt werden? Welche konkreten Schritte können von jeder
Seite unternommen werden?
Welche Rolle werden die arabischen Staaten bei der
Förderung dieses Prozesses und ihren Friedensverhandlungen mit Israel einnehmen?

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Wie werden regionale Rüstungskontrollvereinbarungen diesen Prozeß beeinflussen?
Was ist das beste diplomatische Instrument, um diesen Prozeß in die Wege zu leiten?
Auch hier werden wir mit unseren Freunden und allen
Parteien, die bei der Beilegung dieses Konflikts eine
konstruktive Rolle spielen können, Konsultationen
abhalten und sehr eng zusammenarbeiten.
Die fünfte und letzte Herausforderung betrifft die Vereinigten Staaten: Wir müssen entschieden mehr tun,
um unsere Abhängigkeit von Energiequellen abzubauen. Wie Präsident Bush betont hat, können wir unsere
Ziele nur dank einer umfassenden Strategie erreichen.
Unsere Strategie sollte Energiesparmaßnahmen, verstärkte Entwicklung, mehr Vorräte und Reserven sowie
bessere Nutzung alternativer Brennstoffe umfassen.
Wir müssen diese Aufgabe mit derselben Entschlossenheit angehen, mit der wir jetzt diesen Krieg führen.
Wie Sie sehen, Herr Vorsitzender, sind hier einige
politische und wirtschaftliche Elemente enthalten, andere
stehen zwangsläufig mit Sicherheit in Verbindung.
Dies legt den Schluß nahe, daß Sicherheit nicht nur in
militärischen Begriffen, sondern als Teil einer umfassenderen Perspektive für die Region gesehen werden
muß. Ohne gesundes Wirtschaftswachstum werden
wir keinen dauerhaften Frieden und Wohlstand erlangen. Es kann kein gesundes Wirtschaftswachstum
geben, wenn Nationen bedroht oder überrollt werden oder kostbare Ressourcen und immer mehr Waffen
vergeuden. Einen Weg zur Zusammenarbeit für die
Menschen im Nahen Osten zu finden, wird entscheidend sein, wenn wir unsere Augen auf eine bessere
Zukunft richten.
Die Sowjetunion am Scheideweg
Bevor ich zum Ende komme, möchte ich einige Worte
über die anderen Herausforderungen anmerken, mit
denen wir uns konfrontiert sehen: unsere Beziehungen zur Sowjetunion.
Präsident Bush hat häufig von einer neuen Weltordnung gesprochen, in der Freiheit und Demokratie
gedeihen mögen, und die frei von den Ängsten des
kalten Kriegs ist. Wir haben bezüglich einer solchen
Ordnung berechtigte Hoffnungen gehegt - zum Teil
aufgrund der wachsenden Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Im
Herbst 1989 habe ich Zusammenarbeit als Suche
nach wechselseitig profitablen Punkten beschrieben.
Und diese Suche hat gute Erfolge gezeitigt.
Ich möchte nur drei Beispiele anführen. Erstens hat
sich im vergangenen Jahr ein demokratisches Deutschland als Vollmitglied der NATO in Frieden vereinigt.
Der Eiserne Vorhang ist gefallen, und damit wurde der
kalte Krieg beendet. Zweitens haben die Länder
Mittel- und Osteuropas ihre Rechte zurückerhalten
und können Demokratie und wirtschaftliche Freiheit

Seite 5

�ungehindert verwirklichen. Drittens ist die Sowjetunion
der internationalen Koalition gegen die irakische Aggression beigetreten. Wie Außenminister Alexander
Bessmertnych in der vergangenen Woche nochmals
betonte, wird die Sowjetunion die vollständige Durchführung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
uneingeschränkt unterstützen.
Während unsere beiden Länder an der Formulierung
dieser und anderer wechselseitig profitabler Punkte
zusammengearbeitet haben, war beiden Seiten seit
langem klar, daß das Potential für langfristige Zusammenarbeit oder sogar Partnerschaft zwischen unseren
Ländern letztlich vom Kurs der innenpolitischen Reformen in der Sowjetunion abhängt. Aus diesem Grund
habe ich im vergangenen Herbst beiderseits vorteilhafte Wege - nicht nur einzelnen Punkte - gefordert und
habe darüber hinaus unserem Wunsch Ausdruck verliehen, einen umfassenderen demokratischen Dialog
mit den sowjetischen Reformkräften zu führen. Nicht
nur Wirtschaftsreformen, sondern tiefgreifende politische Reformen könnten die Sowjetunion in eine völlig
andere Gesellschaft umwandeln.
Im Verlauf mehrerer Gipfeltreffen und zahlreicher
Gespräche wurde uns das Auf und Ab der Perestrojka
- die enormen und erschreckenden Schwierigkeiten,
den Grundkurs der Gesellschaft und viele ihrer Werte
nach 70 Jahren zu verändern - sehr viel vertrauter.
In den vergangenen Monaten mußten wir jedoch eine
Reihe beunruhigender Ereignisse beobachten. Dazu
zählen die gewalttätigen Ausschreitungen im Baltikum, die offensichtliche Hinwendung zu erneuter wirtschaftlicher Zentralisierung, weniger freie Medien,
Erweiterung der Befugnisse von Armee und KGB
sowie der Rücktritt oder die Amtsniederlegung der
entschiedenen Verfechter des Reformkurses.
Dieses Vorgehen steht absolut nicht im Einklang mit
dem Kurs friedlichen Wandels, demokratischen Prinzipien, der Rechtsstaatlichkeit und echten Wirtschaftsreformen. Es gibt schlicht und einfach keine Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt gegen friedliche und
demokratisch gewählte Regierungen. Wir empfinden
tiefe Sympathie für die mutigen Menschen im Baltikum, die stets mit Würde und Zurückhaltung gehandelt
haben.
Präsident Bush und ich haben diese Entwicklungen mit
Präsident Gorbatschow und anderen sowjetischen
Regierungsvertretern umfassend erörtert. Wir und
unsere europäischen Verbündeten haben die unvermeidlichen Konsequenzen aufgezeigt, wenn die sowjetische Regierung auf diesem Weg bleibt. Und wir
haben unserer Überzeugung Ausdruck verliehen, daß
die Sowjetunion bei der Verwirklichung ihrer Ziele nicht
auf Erfolg hoffen darf, wenn sie Perestrojka, Demokratisierung und Glasnost aufgibt.
Im Hinblick auf das Baltikum zitiere ich am besten
Präsident Bushs Worte aus dem Bericht zur Lage der

Seite 6

Nation: "...unser Ziel besteht darin, den Völkern im
Baltikum bei der Realisierung ihrer Hoffnungen zu
helfen, nicht die Sowjetunion zu bestrafen".
Wir haben von der sowjetischen Führung Zusicherungen über ihre anhaltende Verpflichtung zu Reformen,
friedlichem Dialog mit den Baltenrepubliken und der
Gestaltung einer vom Gesetz und nicht von Gewalt
regierten Gesellschaft vernommen. Wir werden die
Lage genau beobachten und abwarten, ob diese
Zusicherungen dauerhafte Realität werden.
Ich hoffe, die Sowjetunion wird die Lektionen ihrer
schweren Erfahrungen rasch wieder lernen: der alte
Kurs war nicht richtig. Mit vorgehaltenem Gewehr
kann die Perestrojka keine Erfolge zeitigen. Natürlich
können wir die Möglichkeit nicht ausschließen, daß
sich die Dinge noch weiter zum Schlechten wenden.
Gleichzeitig müssen wir uns jedoch hüten, voreilige
Schlußfolgerungen zu ziehen.
Die sowjetische Führung befindet sich am Scheideweg. Wir haben eindeutig klargestellt, daß ihre letzten
Schritte sie auf einen Kurs geführt hat, der weder ihr,
uns, noch sonst irgendwem von Nutzen ist. Um der
Geschichte und der Welt willen hoffe ich, daß sie den
Weg fortsetzt, der die gesamte Welt zu Hoffnungen auf
eine bessere Zukunft berechtigte.
Ich möchte meine heutigen Ausführungen mit folgender Beobachtung zusammenfassen. Als ich vor einem
Jahr an diesem Ort eine Übersicht über unsere Au ßenpolitik vornahm, befanden wir uns auf dem Weg zu
einem ungeteilten und freien Europa, das durch expandierende amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei der Lösung der herausragenden politischen
und militärischen Probleme des Kontinents abgesichert war. Die Möglichkeit, selbst der Gedanke an
diesen schrecklichen Konflikt am Golf überstieg unser
aller Vorstellungskraft. Dennoch sehen wir uns heute
mit den Herausforderungen eines Kriegs am Golf und
der wachsenden Unsicherheit über den sowjetischen
Reformkurs konfrontiert.
Es mag unterschiedliche Ansichten über die Bewältigung dieser Situationen geben. Ich sehe Ihrem Rat
und ihren Empfehlungen zu beiden Themenkomplexen gerne entgegen. Bei einem Punkt haben wir
jedoch meines Erachtens bereits grundsätzlich Übereinstimmung erzielt: die Notwendigkeit der amerikanischen Führungsrolle. Wenn wir nicht unseren Teil
leisten, werden die von Churchill zitierten und von
zahlreichen Staaten gemeinsam vorgenommenen
Aktionen nicht möglich sein. Und Churchill warnte:
"Der aus dem Wunsch nach Sicherheit und einem
ruhigen Leben eingeschlagene Mittelweg könnte direkt ins Zentrum des Verderbens führen." Noch offensichtlicher als wir es noch vor einem Jahr oder nur
sechs Monaten gedacht hätten, wird die Welt vom
Ende der Nachkriegszeit an von den Vereinigten Staaten und ihren internationalen Verbündeten gestaltet
werden. Unser beständiges Ziel muß lauten, diese

AMERIKA DIENST 6

�Welt zu einem geeigneten Ort für freie Menschen zu
machen.
Übersicht über die beantragten Mittel
Ich möchte mich nun den für Auswärtige Angelegenheiten beantragten Mitteln zuwenden. Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir21,9 Milliarden Dollar Ausgabeermächtigung für Haushaltstitel 150/lnternationale
Angelegenheiten, was einer Aufstockung von 1,8 Milliarden Dollar gegenüber dem Haushaltsjahr 1991
entspricht. Darüber hinaus beantragen wir eine einmalige Ermächtigung von 12,2 Milliarden als amerikanischen Anteil an der weltweiten Beitragsanhebung
des Internationalen Währungsfonds.
Im Einklang mit den Verfügungen des Haushaltsgesetzes sieht unser Antrag trotz der beispiellosen Ansprüche an die amerikanische Führung weltweit bestimmte
strikte Obergrenzen für unsere Ausgaben vor.
Um diese weltweiten Ziele im Rahmen der Haushaltsengpässe verwirklichen zu können, ist zusätzliche Flexibilität erforderlich. Im vergangenen Jahr habe ich an
diesen Ausschu ß appelliert, konstruktive Beratungen keine Bereitstellung von Mitteln - vorzunehmen, die
das Hauptinstrument zur Erlangung eines Konsenses
bei Programmzielen sind. Ich freue mich, feststellen
zu können, daß wir in der letzten Sitzungsperiode Fortschritte in diese Richtung gemacht haben.
Die Mittelzuweisung für unseren Wirtschaftshilfefonds
(EconomicSupport Fund- ESF) wurde von 82 Prozent
im Haushaltsjahr 1990 auf etwas über 68 Prozent
gekürzt. Bei den Rüstungsgeschäften auf Kreditbasis
(Foreign Military Financing - FMF) war die Abnahme
etwas weniger drastisch, aber immer noch beträchtlich
- von 92 auf 87 Prozent. Dies ist eine begrüßenswerte
Entwicklung, die wir weiterhin fördern wollen.
Wir haben jedoch noch einen weiten Weg vor uns. Um
unseren Antrag in diesem Jahr unterstützen zu können, möchte ich die Bereitschaft der Administration zur
Zusammenarbeit mit dem Kongreß zum Ausdruck
bringen, bei unseren staatlichen Operationen und den
Gesetzen zur Auslandshilfe größere Flexibilität zu
entwicklen. Als Leitlinie für diese Bestrebungen möchte ich fünf umfassende Ziele für unsere internationalen
Kooperationsprogramme umreißen, die sich auf die
fünf außenpolitischen Herausforderungen gründen,
die ich bei meiner Anhörung vor diesem Ausschu ß im
vergangenen Jahr dargelegt habe.
Erstens, Förderung und Konsolidierung demokratischer Werte, einschließlich freier und fairer Wahlen
und Achtung der Menschenrechte. Wie Präsident
Bush in seinem Bericht zur Lage der Nation feststellte,
steht dieses grundlegende amerikanische Prinzip seit
über zwei Jahrhunderten als Symbol für die Menschen
auf der ganzen Welt.
Wie schwierig der Übergang zur Demokratie auch sein
mag, er kann nicht isoliert von der übrigen Welt vollzo-

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gen werden. Die wesentlichen Bestandteile der
Demokratie - Achtung der Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, freie und faire Wahlen sowie politische
und wirtschaftliche Chancen - sind gleichzeitig die
elementaren Bausteine der neuen Weltordnung.
Zweitens, Förderung des Prinzips der freien Marktwirtschaft und Stärkung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit. Anhaltende Wirtschaftsentwicklung geht
Hand in Hand mit der Verabschiedung solider, wachstumsorientierten Maßnahmen. Zusammengenommen
können sie die amerikanischen Interessen im Ausland
fördern. Indem wir die Marktkräfte durch Deregulierung, Privatisierung und Förderung von freiem Handel
und Investitionen stützen, können reformorientierte
Länder entsprechend zu Aufbau und Gewährleistung
von Demokratie beitragen. Darüber hinaus können sie
auf florierende Märkte für amerikanische Exporte und
die entsprechenden Arbeitsplätze vordringen. Die
amerikanischen Exporte in vier ehemalige Empfängerländer von Auslandshilfe - Kolumbien, Chile, Taiwan
und Korea - sind mehr als doppelt so hoch wie unser
gesamtes Budget für Auslandshilfe weltweit. Unser
langfristiges Ziel sollte darin bestehen, mehr Länder
aus der Entwicklungshilfe in Handels- und wechselseitig profitable Investitionsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten zu entlassen.
Drittens, Förderung des Friedens durch Entschärfung
regionaler Konflikte, Stärkung der Sicherheit unserer
regionalen Partner und Bestrebungen zu Rüstungskontrolle und Nichtweiterverbreitung von Waffen.
Wie die Krise am Persischen Golf gezeigt hat, gibt es
keinen Ersatz für eine starke amerikanische Führungsrolle. Wir spielen nach wie vor eine lebenswichtige Rolle bei der Verbesserung der Sicherheit unserer
regionalen Verbündeten auf der Welt. Ägypten und die
Türkei- über Jahre hinweg Nutznießer amerikanischer
Militärhilfe - sind das Bollwerk der Koalition gegen
Saddam Hussein.
Nationale und regionale Sicherheit sind die Voraussetzungen für das Gedeihen von Demokratie und freiem
Unternehmertum. Saddam Husseins Aggression ist
eine dramatische Erinnerung an die andauernde Notwendigkeit, die Sicherheit regionaler Staaten zu schützen, die für die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten von lebenswichtigem Interesse sind. Die
Verbreitung von Raketensystemen sowie chemischen
und biologischen Waffen trägt noch zur Schärfung
unseres Interesses an der Förderung regionaler Stabilität bei.
Viertens, Schutz vor grenzüberschreitenden Bedrohungen, insbesondere der Umwelt sowie der Geißeln
Drogen und Terrorismus.
Um aus meiner ersten Rede vor dem Kongre ß vor zwei
Jahren zu zitieren: "Die Zukunft unserer Zivilisation
fordert auch, daß wir gemeinsam bei der Bewältigung
einer neuen Art von Problemen vorgehen, die transna-

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�tionaler Art sind." Dazu zählen Nichtweiterverbreitung
von Waffensystemen, Umweltschutz sowie die Bekämpfung von Terrorismus und Drogenmißbrauch.
In all diesen Bereichen haben wir Fortschritte erzielt.
Wir haben weltweit die Bestrebungen zur Verschärfung von Waffenexportkontrollen angeführt. Wir arbeiten weiterhin an der Verbesserung unseres umweltpolitischen Programms. Wir arbeiten aktiv an der Bekämpfung von staatlich gefördertem Terrorismus, um
diesem weltweit ein Ende zu bereiten. Und unsere
internationalen Bestrebungen bei der Zerschlagung
des Drogennachschubs werden durch Berichte über
die nachlassende Nachfrage im Inland ergänzt.
Fortschritte werden jedoch gelegentlich langsam,
unspektakulär und schwer erzielt. Das irakische Verhalten nach der Invasion Kuwaits ist eine brutale
Erinnerung an die durch die Wechselwirkung solcher
grenzüberschreitenden Bedrohungen entstehende
Gefahr. Saddam Husseins jüngste Aktionen verdeutlichen, wie althergebrachte Konzepte der Bedrohung
nationaler Sicherheit erweitert werden müssen. In der
Tat hat der Irak zusammengenommen:
Eine glaubwürdige Bedrohung zum Einsatz chemischer und biologischer Waffen.
Auf verabscheuungswürdige Weise Raketentechnologie als Terrorwaffe gegen die unschuldige Zivilbevölkerung eingesetzt.
Vielleicht zum ersten Mal absichtlich eine Umweltkatastrophe als Kriegswaffe eingesetzt, mit ungeahnten
Konsequenzen für die gesamte Region auf Jahre
hinaus, und
weltweit zu Terroranschlägen aufgerufen, die teilweise
von Botschaften im Ausland in fundamentaler Verletzung der Grundprinzipien der Diplomatie unterstützt
werden.
Diese Herausforderungen an die Weltordnung können
durch eine engagierte internationale Staatengemeinschaft mit Unterstützung der unerschütterlichen amerikanischen Führungsrolle und den erforderlichen
geeigneten Ressourcen bewältigt werden.
Schließlich spiegelt die Erfüllung dringender humanitärer Bedürfnisse weiterhin die tiefe und anhaltende
Besorgnis des amerikanischen Volkes wider. Die
Bilanz der Vereinigten Staaten bei unverzüglicher und
substantieller Erleichterung schwerer durch die Natur
oder den Menschen verursachter Katastrophen ist
beispiellos. In diesem Zusammenhang möchten wir
die amerikanischen Bürgerinitiativen und privaten Helfer
zu ihrer Rolle beglückwünschen. Die Erfüllung der
drängendsten menschlichen Grundbedürfnisse durch
Nahrungsmittel-, Katastrophen- und Flüchtlingshilfe
wird stets einen wesentlichen Bestandteil der amerikanischen Politik darstellen.
Wir sind zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der
Formulierung von Gesetzen bereit, die auf diese grund-

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legenden Ziele aufbauen, um unseren Bestrebungen
bei wirtschaftlicher Zusammenarbeit mehr Flexibilität
und Transparenz zu verleihen. In Zusammenarbeit mit
unseren internationalen Partnern denken wir an die
Anwendung von fünf entscheidenden Mechanismen,
um dieses Programm weltweit voranzubringen:
Erstens, flexible und integrierte bilaterale Behörden
zur Verwaltung der Hilfsleistungen. Wir streben flexiblere Abrechnungsverfahren sowie bessere Möglichkeiten an, Mittel auf und zwischen den jeweiligen
Konten zu transferieren, um die dringendsten, unvorhergesehenen Bedürfnisse zu erfüllen. Wir hoffen, ein
Hilfsprogramm zu erarbeiten, das sich im oben ausgeführten Sinn um eine Reihe von Hauptzielen gliedert.
Als ersten Schritt zur Verwirklichung dieses Ziels haben
wir einen bescheidenen Nothilfefonds des Präsidenten
in unserem Haushaltsantrag für 1992 vorgeschlagen.
Flexibilität ist besonders nötig in Zeiten, in denen die
Entwicklungen auf der Welt sich so rasch und unvorhersehbar vollziehen, während unsere Fähigkeit, mit
zusätzlichen Mitteln darauf zu reagieren, durch die
Haushaltsengpässe drastisch beschnitten ist. Die
Golfkrise, die Wiedereinsetzung demokratischer Regierungen in Nicaragua und Panama sowie die dramatischen Entwicklugnen in Osteuropa, der Sowjetunion
und Südafrika im vergangenen Jahr verdeutlichen
anschaulich, daß mehr Flexibilität noch dringlicher
wird, wenn unvorhergesehene Anforderungen an die
amerikanische Führungsrolle mft begrenzten Ressourcen einhergehen.
Zweitens sehen wir Raum für den kreativeren Einsatz
multilateraler Mechanismen zur Förderung unserer
Ziele, sowohl durch die internationalen Finanzinstitutionen als auch die Vereinten Nationen.
Die Bretton Woods- Institutionen haben jetzt alle osteuropäischen Länder aufgenommen und spielen eine
zentrale Rolle bei der Erarbeitung solider, angemessen finanzierter Programme, um deren Übergang zu
Marktwirtschaften auf der Basis von Privatinitiative zu
erleichtern. Sollte die Sowjetunion den Kurs wirtschaftlicher und politischer Strukturreformen weiterverfolgen, müßten IWF und Weltbank auch bei der
Erleichterung dieses Übergangs eine Rolle spielen.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wird die Entwicklung von Infrastruktur,
Umweltprogrammen und des Privatsektors in den
reformorientierten Ländern Mittel- und Osteuropas
fördern. Durch unsere Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas wird die
Interamerikanische Entwicklungsbank erwartungsgemäß eine führende Rolle bei der Förderung einer
gesunden Investitionspolitik auf unserem Kontinent
übernehmen.
Um die Bestrebungen dieser Institutionen zu unterstützen, schlagen wir erneut eine vollständige Finanzierung für die multilateralen Entwicklungsbanken vor einschließlich aller Schulden - und zusätzlich eine

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�regelmäßige Beitragserhöhung für den Internationalen Währungsfonds. Mit diesen Finanzmitteln werden
die Institutionen in der Lage sein, Beiträge freizusetzen, um uns unserem Ziel der Förderung einer gesunden, wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik in den
Entwicklungsländern näherzubringen.
Präsident Bush hat in seinem Bericht zur Lage der
Nation darauf verwiesen, daß die Vereinten Nationen
in der Golfkrise eine historische Rolle gespielt haben,
die der Vision ihrer Gründerväter sehr nahekommt.
Die 12 Resolutionen des Sicherheitsrats, mit denen
der Grundstein zur Beendigung dieses Konflikts gelegt
wurde, symbolisierte die Einheit der internationalen
Staatengemeinschaft gegen die irakische Aggression
und hat das Prinzip kollektiver Sicherheit als Eckpfeiler
des Zeitalters nach dem kalten Krieg etabliert. Gleichzeitig haben die humanitären UNO-Organisationen
Hunderttausenden von Flüchtlingen geholfen, die vor
der irakischen Aggression geflohen sind. Die Vereinigten Staaten haben ein vitales Interesse an der Stärkung dieser neubelebten Vereinten Nationen als vollwertigem Partner beim Aufbau einer Welt nach dem
kalten Krieg, in der Frieden, Stabilität und Wohlstand
ihren Platz haben.
Drittens setzen wir größeres Vertrauen auf kreative
Teilung der Verantwortung, wenn wir unsere weltweiten Beziehungen mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft und insbesondere Japan stärken. Viele Kongreßabgeordnete haben darauf verwiesen, daß unsere eigene schwierige Haushaltslage
solchen Bestrebungen besondere Bedeutung verleiht,
da es um die Förderung eines gemeinsamen Programms mit Partnern geht, die unsere Werte und
Interessen teilen.
Kein Unternehmen veranschaulicht die kollektive
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft zur
Verteidigung des Weltfriedens besser als unser erfolgreiches Ersuchen um weltweite Unterstützung für die
Operationen Wüstenschild und Wüstensturm sowie
für die Frontstaaten, deren Volkswirtschaften durch
Saddam Husseins Aggression erhebliche Rückschläge hinnehmen mußten.
Im Jahr 1990 haben unsere Koalitionspartner zur
Deckung der Kosten von Operation Wüstenschild 9,7
Milliarden Dollar und damit 88 Prozent der etwa 11
Milliarden Dollar der gesamten zusätzlichen Kosten
aufgewandt, die wir aufbringen müssen. Bei Ausbruch
der Feindseligkeiten haben unsere Verbündeten wiederum sofort und großzügig reagiert, um ihren gerechten Anteil an den Militärausgaben der Koalition für
Operation Wüstensturm zu übernehmen. In den letzten drei Wochen haben wir aus Saudi-Arabien, Kuwait,
den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan, Deutschland und Korea beispiellose Zusagen von insgesamt
über 40 Milliarden Dollar erhalten, um die in den ersten
drei Monaten des Jahres 1991 erwarteten Kosten zu
decken.

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Die internationale Staatengemeinschaft hat darüber
hinaus rasch und großzügig auf die Bedürfnisse der
Frontstaaten - besonders Ägypten und der Türkei reagiert, da sie beim Widerstand gegen Saddam
Husseins Aggression erhebliche Kosten tragen müssen. Durch die Koordinierungsgruppe Golfhilfe unter
dem Vorsitz der Vereinigten Staaten haben die Golfstaaten, Europa, Japan und Korea über 14 Milliarden
Dollar zugesichert, um zu gewährleisten, daß die Volkswirtschaften der betroffenen Länder in der Region
stabilisiert werden und ihr Engagement für unseren
gemeinsamen Kurs bekräftigt wird. Die Vereinigten
Staaten haben mit Unterstützung des Kongresses
ihren Teil dieser Bestrebungen übernommen und
Ägyptens 6,7 Milliarden Dollar Schulden für Rüstungskäufe getilgt. Damit haben sie einem wichtigen Verbündeten in der Region eine große Last abgenommen.
Andere Länder sind nachgezogen und haben zusätzliche 8 Milliarden Dollar der ägyptischen Schulden
getilgt.
In der Zwischenzeit hat in Osteuropa der erfolgreiche
Prozeß der G-24 unter dem Vorsitz der Europäischen
Kommission mehr als 18 Milliarden Dollar für die
Länder Polen und Ungarn mobilisiert, um ihnen den
Übergang zur Marktwirtschaft zu erleichtern. Auf den
Philippinen war die Initiative multilateraler Hilfe (Multilateral Assistance Initiative - MAI) dafür verantwortlich,
daß der Umfang internationaler Hilfe für diese ums
Überleben kämpfende Demokratie nahezu verdoppelt
wurde. Darüber hinaus hoffen wir, daß uns unsere
weltweiten Partner bei der Tilgung von Schulden
Panamas und Nicaraguas gegenüber den internationalen Finanzinstitutionen und bei der Finanzierung der
verbesserten Schuldenstrategie helfen. Schließlich
ermutigen wir Europa und Japan, gemeinsam mit uns
jährlich über einen Fünfjahreszeitraum hinweg 100
Millionen Dollar bereitzustellen, mit denen ein Multilateraler Investitionsfonds für Lateinamerika und die
Karibik geschaffen werden kann. Dieser Fonds ist ein
wichtiger Bestandteil der Initiative des Präsidenten für
die Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas und wird eine entscheidende Rolle dabei
spielen, daß Länder von der Entwicklungshilfe weg zu
Handel und Privatinvestitionen als den wichtigsten
Antriebsfaktoren wirtschaftlichen Wachstums gelangen.
In jedem Fall haben sowohl die starke Führungsrolle
der Vereinigten Staaten und eine Interessengemeinschaft viel dazu beigetragen, eine breite weltweite
Reaktion hervorzurufen.
Viertens sehen wir einen kreativeren Einsatz der Handelsund Investitionspolitik voraus, die als Motor zur Förderung amerikanischer Intressen beim Wachstum der
Weltwirtschaft dienen und gleichzeitig unsere eigene
wirtschaftliche Stärke fördern soll.
Wichtiger Bestandteil dieser Bestrebungen in den
vergangenen vier Jahren war unsere Entschlossen-

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�heit, einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen zu verfolgen. Wir sind
auch weiterhin der Ansicht, daß die Uruguay-Runde
tiefgreifende politische und wirtschaftliche Implikationen für die Gestaltung der Welt im nächsten Jahrhundert in sich birgt. Ein erfolgreicher Abschluß der Runde
ist unabdingbar für das Wirtschaftswachstum und die
Stabilität der aufstrebenden Demokratien in Osteuropa und für die große Bandbreite der Entwicklungsländer, die letztlich von der Expansion des Welthandels
als dem wichtigsten Faktor zur Schaffung von Arbeitsplätzen und dauerhaftem Wirtschaftswachstum - nicht
der Entwicklungshilfe - abhängen.
Auf unserem Kontinent stellt die Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas eine umfassende Anstrengung zur
Förderung von Wirtschaftswachstum und Stabilität in
der Region dar, indem sie freien Handel und Investitionen - die wichtigsten Triebfedern des Wachstums - mit
Schuldenabbau und Umweltinitiativen kombiniert.
Als wesentlichen Schritt zu dem letztlichen Ziel des
freien Handels auf dem Kontinent beabsichtigt die
Regierung, eine nordamerikanische Freihandelszone
mit Mexiko und Kanada zu gründen, die unserer
Überzeugung nach allen drei Ländern wichtige wirtschaftliche Vorteile bringen wird. Seit der Ankündigung des Präsidenten im Juni vergangenen Jahres,
ein Freihandelsabkommen mit Mexiko anzustreben,
stehen wir in umfangreichen Konsultationen mit dem
Kongreß und dem Privatsektor. Kanadas Beteiligung
an diesen Gesprächen wird eine Freihandelszone im
größten Markt der Welt schaffen, mit einem Handelsvolumen von über 6 Billionen Dollar und mehr als 350
Millionen Verbrauchern. Die sich daraus ergebende
Belebung der Exporte und die Eröffnung neuer Handelsmöglichkeiten wird als wichtiger Motor für die
Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen fungieren.
In der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten
aktiv mit ihren asiatischen Partnern im Wirtschaftsverband für Asien und den Pazifik (Asian Pacific Economic Cooperation - APEC) zusammengearbeitet, um
marktorientierte Zusammenarbeit unter den Mitgliedstaaten zu fördern.
Unser Programm für einen Bilateralen Investitionsvertrag war ein wichtiger Motor, mit dem ein offenes und
liberales Investitionsklima für amerikanische Investoren und Exporteure gewährleistet werden konnte. Im
letzten Jahr haben wir Verhandlungen mit Polen und
der Tschechoslowakei abgeschlossen, und gegenwärtig verhandeln wir mit neun anderen Ländern, die
Programme zur Umstrukturierung der Wirtschaft in die
Wege leiten.
Schließlich stellt sich den Vereinigten Staaten die
Herausforderung, im Rahmen eines Budgets für das
Außenministerium, das einen aktiven Ansatz zu den
diplomatischen Herausforderungen einer sich wan-

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delnden Welt darstellt, eine energische Diplomatie zu
betreiben. Ich möchte nochmals die Notwendigkeit
finanzieller Flexibilität hervorheben, insbesondere da
sie unsere Fähigkeit betrifft, Mittel innerhalb unserer
sehr angespannten Haushaltslage im Außenministerium zu transferieren.
Bilaterale Hilfe
Bilaterale militärische und wirtschaftliche Hilfe wird ein
wichtiges Instrument bei der Förderung amerikanischer Interessen in den neunziger Jahren sein, aber
nur wenn die notwendige Flexibilität aufgebracht werden kann, um den sich abzeichnenden Bedürfnissen
gerecht zu werden. Kein anderes uns zur Verfügung
stehendes Mittel ist so geeignet, um unseren Freunden und Verbündeten auf der ganzen Welt zur rechten
Zeit Beistand zu leiten. Unser Interesse an politischem
Pluralismus, marktorientierter Wirtschaftsentwicklung,
Frieden und Stärkung von Bündnissen - all dies kann
durch den vernünftigen Umgang mit den Mitteln für
bilaterale Hilfe gefördert werden.
Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir eine Ausgabeermächtigung für bilaterale Hilfsprogramme von
insgesamt 13,1 Milliarden Dollar. Das bedeutet eine
6,5prozentige Steigerung gegenüber den für das
Haushaltsjahr 1991 vom Kongreß bewilligten 12,3
Milliarden Dollar. Unser Antrag enthält im einzelnen
folgende Punkte:
4,6 Milliarden Dollar für Rüstungsgeschäfte auf Kreditbasis, wobei das Programm einen Gesamtumfang von
4,9 Milliarden Dollar anstrebt,
3.2 Milliarden für den Wirtschaftshilfefonds, verglichen
mit bisher 3,1 Milliarden Dollar,
1.3 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe, ebensoviel wie
im vergangenen Jahr,
800 Millionen Dollar für den Afrikanischen Entwicklungsfonds,
400 Millionen Dollar für Mittel- und Osteuropa, eine
leichte Steigerung gegenüber der Bewilligung im
Haushaltsjahr 1991,
160 Millionen Dollar für die Initiative multilateraler Hilfe
für die Philippinen,
1,3 Milliarden Dollar für bilaterale Nahrungsmittelhilfe
(PL-480) zur Förderung der Exporte von 5,9 Millionen
Tonnen US-amerikanischer Waren,
171 Millionen Dollar für die Drogenbekämpfung plus
zusätzlicher Hilfe für bessere Sicherheit zur Förderung
dieser Bestrebungen.
Multilaterale Hilfe
Für die multilateralen Entwicklungsbanken beantragen wir für das Haushaltsjahr 1992 eine Ausgabeermächtigung von 1,7 Milliarden Dollar, verglichen mit
1,6 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1991. Dies
umfaßt 1,1 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Inter-

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�nationalen Entwicklungsorganisation, zinsverbilligte
Kredite der Weltbank, um den ärmsten Ländern der
Welt vorrangig zu helfen und eine vollständige Finanzierung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung und anderer regionaler Entwicklungsbanken.
Unsere Vorlage für das Haushaltsjahr 1992 umfaßt
darüber hinaus eine Ausgabeermächtigung in Höhe
von 12,2 Milliarden Dollar für die vorgeschlagene
Erhöhung des Anteils der Vereinigten Staaten am
Internationalen Währungsfonds, wie ihn das Haushaltsgesetz vorsieht. Damit soll gewährleistet werden,
daß der IWF über die erforderlichen Mittel verfügt, um
seinen Verpflichtungen als wichtigster Finanzinstitution der Welt nachzukommen. In der dritten Welt
unterstützen IWF-Maßnahmen eine marktorientierte
Anpassung und fördern den Schuldenabbau gemäß
dem Brady-Plan. Der IWF hat darüber hinaus die
Wirtschaftsreform in Osteuropa angeführt und energisch reagiert, um den Ländern zu helfen, die von der
Krise am Persischen Golf ernsthaft betroffen sind.
Ferner fordern wir 250 Millionen Dollar für freiwillige
Beiträge zu internationalen Organisation wie dem
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (115
Millionen) und UNICEF (55 Millionen Dollar).
Flüchtlingshilfeprogramme
Die Vereinigten Staaten spielen weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Lösung des Problems der Flüchtlinge
auf der Welt - durch unsere internationale Hilfe und
nationale Umsiedlungsprogramme sowie mittels diplomatischer Bestrebungen, mit denen eine dauerhafte
Lösung für die Flüchtlinge gefunden werden soll.
Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir 491 Millionen
Dollar für Auswanderungs- und Flüchtlingshilfe, verglichen mit 486 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1991.
Für unsere Flüchtlingshilfeprogramme im Ausland
beantragen wir 233 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1992, gegenüber dem Haushaltsjahr 1991 eine Steigerung von 20 Millionen Dollar. Diese Programme
werden weiterhin ihren Schwerpunkt bei der Überlebenshilfe für die schwächsten Bevölkerungsgruppen
setzen und dauerhafte Lösungen unterstützen, indem
Möglichkeiten freiwilliger Rückführung und lokaler Integration unterstützt werden.
Zur Finanzierung der Aufnahme und Umsiedlung von
Flüchtlingen beantragen wir im Haushaltsjahr 1992
192 Millionen Dollar. Damit werden die Ausgaben für
schätzungsweise 120 000 Flüchtlinge - derselben Zahl
wie im vergangenen Jahr - gedeckt. Die meisten
Flüchtlinge kommen aus der Sowjetunion und Vietnam, aber auch aus Osteuropa, Afrika, Lateinamerika
und dem Nahen Osten werden Flüchtlinge aufgenommen. Familienzusammenführungen werden weiterhin
ebenso hohe Priorität haben wie die Umsiedlung verfolgter religiöser Minderheiten und ehemaliger politischer Gefangener.

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Darüber hinaus fordern wir 20 Millionen Dollar zur
Auffüllung des vom Präsidenten ins Leben gerufenen
Nothilfefonds für Auswanderer und Flüchtlinge, damit
wir weltweit auf unvorhergesehene Auswanderungsund Flüchtlingsprobleme reagieren können.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Vorlage zur
internationalen Entwicklungshilfe ist die Forderung
nach 200 Millionen Dollar zur Deckung der laufenden
Kosten des Peace Corps.
Investitionen in die Diplomatie
Die Golfkrise liefert ein anschauliches Beispiel für die
"Vorreiterrolle" des Außenministeriums beim Schutz
amerikanischer Bürger und der Verteidigung amerikanischer Interessen im Ausland. Dies ist eine zunehmend teure Verpflichtung, die noch durch die Anforderungen an das Ministerium verstärkt wird, seine Arbeit
zu erweitern, um neuen politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten auf der ganzen Welt gerecht zu
werden. Fluktuationen bei den Wechselkursen, höhere Inflationsraten im Ausland und die anhaltende Notwendigkeit zur Verbesserung der Sicherheit unserer
Vertretungen und Mitarbeiter im Ausland tragen zur
weiteren Verschärfung des Problems bei. Heute sehen
wir uns mit einer potentiellen und beunruhigenden
Schwächung der Infrastruktur unseres auswärtigen
Dienstes konfrontiert und dies zu einer Zeit, in der wir
aufgefordert sind, außergewöhnlichen und neuen
Herausforderungen gerecht zu werden.
Seit Januar 1989 messen wir unserer verbesserten
Fähigkeit zum Umgang mit knappen Mitteln größere
Priorität bei:
Um die nationalen Interessen bessermitden verfügbaren Ressourcen in Einklang zu bringen, unternehmen
wir Schritte zur besseren Integration von politischer
Planung und Haushaltsprozeß.
Zur verbesserten Leitung der Mitarbeiter im auswärtigen Dienst führen wir erstmals wichtige Vorschläge
der Bremer- und der Thomas-Kommission durch.
Um Personal und finanzielle Mittel einzusparen, haben
wir ein neues Zentrum ins Rosslyn (Virginia) gegründet, in dem Tausende von Asylanträgen aus der
Sowjetunion bearbeitet werden. Dies soll Modellcharakter für künftige Anforderungen im konsularischen
Bereich haben.
Zur Erhaltung unserer Immobilien im Ausland haben
wir einen professionellen Verwaltungsapparat errichtet und die Durchführung eines Fünfjahresplans in die
Wege geleitet, der Neubauten, Wiederaufbau, Reparatur und Wartung vorsieht.
Um die Rentabilität unserer Sicherheitsbestrebungen
zu fördern, haben wir Reformen auf den Weg gebracht,
die unsere weitreichenden Bestrebungen in über 250
Vertretungen im Ausland länderspezifischen Bedrohungsprofilen anpassen.

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�Für die Gehälter und Ausgaben des Außenministeriums beantragen wir eine Ausgabeermächtigung von
2 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1992, was gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr eine Steigerung
von 179 Millionen Dollar darstellt. Dies ist das Minimum der von uns benötigten Mittel zur Finanzierung
unserer Operationen im In- und Ausland: über zwei
Drittel des Zuwachses ergeben sich aus Preissteigerungen und veränderten Wechselkursen. Der Rest
wird zur Unterstützung bestimmter notwendiger Finanzierungen eingesetzt:

Hinwendung zu Reformen in Haushalt und Verwaltung
bei den Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen bekanntgeben zu können. Niemand, der Zeuge
der Reaktion des UN-Sicherheitsrats auf die jüngsten
Ereignisse am Persischen Golf geworden ist, könnte
die Bedeutung einer finanziell stabilen UNO für die
Interessen der Vereinigten Staaten leugnen.
Wir engagieren uns auch weiterhin für die vollständige
Finanzierung der gesetzlich vorgesehenen amerikanischen Beiträge und unserer Zahlungsrückstände aus
dem vergangenen Jahr über die nächsten vier Jahren
hinweg. Wir begrüßen die im Haushaltsjahr 1991
erhaltene vollständige Finanzierung, die eine Anschubfinanzierung für den notwendigen Prozeß der Abzahlung von Rückständen beinhaltete. Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir eine Ausgabeermächtigung
von 750 Millionen Dollar, um unsere gegenwärtigen
Beiträge an internationale Organisationen zahlen zu
können, plus zusätzliche 371 Millionen für die Abzahlung von Rückständen, die in den kommenden vier
Jahren erfolgen soll. Für internationale Aktivitäten zur
Bewahrung des Friedens fordern wir 69 Millionen
Dollar, um unseren finanziellen Verpflichtungen gerecht zu werden, plus 132 Millionen für die Zahlungsrückstände.

Erweiterung unserer diplomatischen Präsenz in der
Sowjetunion und Osteuropa (25 Millionen Dollar),
Reaktion auf zunehmenden Bedarf bei der Bearbeitung von Einwanderungsanträgen aufgrund der Verabschiedung des Einwanderungsgesetzes von 1990
(24 Millionen Dollar),
Stärkung unserer Informations- und Finanzsysteme
durch Verbesserung der Infrastruktur (13,5 Millionen
Dollar),
Für Bautätigkeit im Ausland haben wir für das Haushaltsjahr 1992 Mittel im Umfang von 570 Millionen
Dollar gefordert. Von dieser Gesamtsumme sind 440
Millionen Dollar die erste Rate eines Fünfjahresplans
im Umfang von 2,3 Milliarden Dollar, mit dem das Außenministerium die vordringlichsten Umbauarbeiten finanzieren will, unter anderem in den Botschaften in
Bangkok und Bogota. Unser Ziel besteht darin, die Sicherheit und den Betrieb unseres alternden, aber wertvollen Bestands an Einrichtungen im Ausland aufrechtzuerhalten.

Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit wird eines unserer wichtigsten Instrumente bei unserem Versuch sein, die weltweite Bewegung zu Demokratie und politischem Pluralismus zu fördern. Für die wertvolle Arbeit des USInformationsamts und der Internationalen Rundfunkbehörde fordern wir für das Haushaltsjahr 1992 1,3
Milliarden Dollar und damit etwas mehr als im Vorjahr.
Innerhalb dieses Rahmens wird ein neuer Schwerpunkt auf Information und Kulturprogrammen in Osteuropa, der Sowjetunion und der Islamischen Welt
liegen.

Darüber hinaus beantragen wir 130 Millionen Dollar
zur Finanzierung des Projeks der Botschaft in Moskau.
Es ist unabdingbar, daß wir jetzt eine Entscheidung für
ein neues Gebäude treffen, so daß wir sobald wie
möglich die Arbeit in einem angemessenen und sicheren Umfeld aufnehmen können.

Schlußbemerkung

Beiträge an internationale Organisationen

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen. Wir freuen uns auf
die Zusammenarbeit mit Ihnen und den Mitgliedern
dieses Ausschusses in den kommenden Monaten, um
die erforderlichen Ressourcen zur Durchführung unseres ehrgeizigen außenpolitischen Programms zu
mobilisieren.

Der Präsident hat die Notwendigkeit der Wiederherstellung finanzieller Lebensfähigkeit der Vereinten
Nationen und anderer internationaler Organisationen

betont. Nach mehrjährigen Bemühungen des Kongresses und der Regierung freuen wir uns, eine starke

ifc *

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-k

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AMERIKA DIENST 6

�GOLFKRIEG
13. Februar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse im Januar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für Januar 1991 fort. Der
Teil vom 1. bis 15. Januar 1991 wurde um wesentliche Passagen ergänzt.

2. Januar
Berichten zufolge treffen sich 16 Faktionen der irakischen Opposition in Beirut. Sie veröffentlichen eine
Erklärung, in der die Notwendigkeit zur Beendigung
von Präsident Saddam Husseins Herrschaft, die Aufhebung ungerechter Gesetze, ein Ende der Diskriminierung und die Bildung einer Koalitionsregierung
gefordert wird. Sie bekräftigen die Notwendigkeit
bürgerlicher Freiheiten sowie, dem Willen der Mehrheit
entsprechend, die Genehmigung politischer Aktivitäten und parlamentarischer Verfahrensweisen.
Auf Bitten der Türkei um Beistand bei der Abschrekkung einer Bedrohung durch den Irak gestattet der
Verteidigungsplanungsausschuß der NATO die Stationierung von Flugzeugen aus Belgien, Deutschland
und Italien im Südwesten der Türkei.
3. Januar
Präsident Bush erklärt seine Bereitschaft, Außenminister Baker zu Gesprächen mit dem irakischen Außenminister Tarik Asis nach Genf zu entsenden.
Die London Press Association berichtet, daß die britische Regierung 75 Iraker aus Großbritannien ausweist, unter ihnen sieben Diplomaten. Ein Sprecher
des Außenministeriums erklärt, es sei "nur vernünftig,
alle Vorkehrungen zu treffen".
Die Außenminister Pakistans, des Iran und der Türkei
fordern auf ihrem eintägigen Treffen in Islamabad den
vollständigen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
und die uneingeschränkte Wiederherstellung der
Unabhängigkeit und Souveränität Kuwaits im Einklang
mit den Resolutionen des UN-Sicherheitrats und der
Erklärung der Organisation der Islamischen Konferenz. Die Minister fordern den Generalsekretär der

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OIC auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun und im
Rahmen dessen eine Dringlichkeitssitzung einzuberufen, um die Golfkrise zu einer friedlichen Lösung zu
führen.
4. Januar
Der Irak erklärt, Außenminister Tarik Asisam 9. Januar
zu Gesprächen mit Außenminister Baker nach Genf zu
entsenden.
5. Januar
In einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache
erklärt Präsident Bush, daß Außenminister Baker bei
dem Treffen mit seinem irakischen Kollegen in Genf
"eine persönliche Botschaft an Saddam Husein übergeben will - sich bedingungslos und unverzüglich aus
Kuwait zurückzuziehen oder die schrecklichen Konsequenzen tragen zu müssen".
7. Januar
Der portugiesische Premierminister Cavaco Silva
bekräftigt bei einem Treffen mit den Oppositionsführern Portugals seine Unterstützung für die UNO-Resolutionen und Aktivitäten der Koalition am Golf und "ist
bereit, seinen Beitrag zu den Bestrebungen der Verbündeten zu erhöhen".
Der norwegische Au ßenminister Thorwald Soltenberg
erklärt, die fünf nordischen Länder engagierten sich
politisch, finanziell und praktisch, um den Vereinten
Nationen bei der Entwicklung eines langfristigen Sicherheitsarrangements im Nahen Osten zu helfen.
Zur Gewährleistung des irakischen Abzugs und Förderung der Stabilität bieten die nordischen Länder Friedenstruppen und Beobachter unter der UN-Flagge an.

Seite 1

�8. Januar
Beim Eintreffen der Außenminister Baker und Asis in
Genf bezeichnet Präsident Bush in einer Fernsehansprache Bakers Mission als "vielleicht die letzte Chance" zur friedlichen Lösung des Konflikts. Auf dem Weg
nach Genf trifft Baker die Verbündeten in Frankreich,
Deutschland und Italien.
Präsident Bush fordert den US-Kongreß auf, eine
Resolution zu verabschieden, derzufolge "er den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Durchführung der
Resolution 678 des UN-Sicherheitrats unterstützt". In
einem Brief an die führenden Politiker im Kongreß
erklärt Bush, eine solche Resolution "würde die allerdeutlichste Botschaft an Saddam Hussein übermitteln,
daß er sich bedingungslos und unverzüglich aus Kuwait
zurückziehen muß".
Der Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses im
Repräsentantenhaus, Les Aspin (Demokrat aus Wisconsin), veröffentlicht ein drittes "Weißbuch" zur Golfkrise, demzufolge eine militärische Offensive eine
"vernünftige Option" darstellt, wenn diplomatische
Bestrebungen den Irak nicht aus Kuwait vertreiben
können.
Bei einem Besuch britischer Truppen in Saudi-Arabien
schließt der britische Premierminister John Major eine
nukleare Antwort auf einen irakischen Angriff mit
chemischen Waffen aus. "Wir verfügen über zahlreiche andere Waffen", so Major.
Der belgische Außenminister Mark Eyskens erklärt in
einem Interview in Brüssel, der Einsatz von Gewalt zur
Vertreibung des Irak aus Kuwait könne mit einem
gelockerten Handelsembargo, denWetterbedingungen
und der Zerbrechlichkeit des westlichen Bündnisses
gerechtfertigt werden. Ein langfristiges Embargo, so
Eyskens, könne Länder wie Ägypten, Jordanien und
die Türkei hart treffen und destabilisieren.
Der Staatschef von Niger, Ali Saibou, trifft sich in Riad
mit König Fahd von Saudi-Arabien zur Erörterung der
Golfkrise. Saibou erklärt, Niger habe Verständnis für
König Fahds Position und unterstütze ihn bei der
Bewahrung von Frieden und Stabilität in der Region.
Niger hat ein 481 Mann starkes Bataillon zur Verteidigung Saudi-Arabiens gegen die irakische Aggression
in die Region entsandt.
9. Januar
Außenminister Baker und sein irakischer Amtskollege
Tarik Asis führen in Genf secheinhalbstündige Gespräche. Bei einer Pressekonferenz im Anschluß an
das Treffen erklärt Baker: "Bedauerlicherweise habe
ich nichts vernommen, das auf Flexibilität seitens des
Irak im Hinblick auf die Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats hindeutet." Darüber hinaus
weigere sich Tarik Asis, einen Brief von Präsident
Bush an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein
entgegenzunehmen.
Seite 2

In Bagdad erklärt Saddam Hussein bei einer Sitzung
der Baath-Partei, "Sie (die Amerikaner) werden in
ihrem Blut baden", wenn ein Krieg ausbricht.
Bei einer Pressekonferenz stellt Präsident Bush fest,
obwohl er "entmutigt" über das Ergebnis der Gespräche sei, werde er "weiterhin versuchen, Saddam Hussein
entgegenzukommen". "Wir werden um des Friedens
willen noch einen Schritt weitergehen. Wenn Saddam
Hussein jedoch nichts unternimmt, wird die UNOResolution 678 vollständig Anwendung finden."
UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar gibt
seine Reise nach Bagdad zu Gesprächen mit dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein bekannt.
Der jamaikanische Premierminister Manley erklärt in
einer im Fernsehen übertragenen Rede vor dem Parlament, Jamaika und andere in der Karibischen Gemeinschaft und dem Gemeinsamen Markt (CARICOM) zusammengeschlossene Staaten hätten die
UNO-Resolutionen zur irakischen Invasion in Kuwait
stets uneingeschränkt unterstützt und würden dies
auch in Zukunft tun.
10. Januar
Das amerikanische Außenministerium verkündet, daß
die amerikanischen Diplomaten und der Geschäftsträger Joseph Wilson Bagdad am 12. Januar an Bord
eines Charterflugzeugs verlassen werden. Die Vereinigten Staaten geben ferner den weiteren Abbau der
offiziellen amerikanischen Präsenz im Jemen bekannt
und weisen amerikanische Staatsbürger an, nicht
zwingend erforderliche Reisen nach Algerien, Marokko und Tunesien aufgrund der "unsicheren Lage in der
Region wegen der Nichteinhaltung der UNO-Resolutionen durch den Irak" aufzuschieben.
Das dänische Folketing verabschiedet einstimmig eine
Resolution mit der Forderung nach dem vollständigen
Abzug des Irak aus Kuwait und der uneingeschränkten
Unterstützung für die Schlichtungsversuche des UNOGeneralsekretärs Perez de Cuellar.
Der Gouverneur einer Provinz im Südosten der Türkei,
Hayri Kozakcioglu, erklärt, über 300 irakische Soldaten und Zivilisten seien in den vergangenen Tagen in
die Türkei geflohen. Die Deserteure seien unbewaffnet gewesen. Sollten noch mehr Flüchtlinge kommen,
so Kozakcioglu, sei die Türkei bereit, die notwendigen
Schritte zu ihrer Versorgung und zum Schutz von
Leben und Besitz der Bevölkerung in den östlichen und
südöstlichen Regionen der Türkei bei Ausbruch des
Krieges zu unternehmen.
11. Januar
Nach neunstündiger Debatte gibt das niederländische
Parlament seine Zustimmung zur Kabinettsentscheidung, niederländische Fregatten im Falle eines Krieges
in den Golf zu entsenden.

AMERIKA DIENST 6

�John de Chastelaine, General im kanadischen Verteidigungsstab, befiehlt die Entsendung von sechs zusätzlichen CF-18-Flugzeugen und einem Boeing 707Tankflugzeug an den Golf, um die Luftsicherung der
Marineeinheiten zu gewährleisten.
Beide Häuser des indischen Parlaments verabschieden einstimmig gleichlautende Resolutionen, die alle
an der Golfkrise beteiligten Parteien auffordern, einen
Krieg zu verhüten und entschiedene Anstrengungen
zu unternehmen, durch Dialoge unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen oder in anderer Form
eine friedliche Lösung anzustreben.
12. Januar
Mit 250 zu 183 Stimmen im Repräsentantenhaus und
52 zu 47 Stimmen im Senat verabschiedet der amerikanische Kongreß eine gemeinsame Resolution, mit
der Präsident Bush die Befugnis zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte erteilt wird, um die irakischen Truppen aus dem besetzten Kuwait zu vertreiben und die
Einhaltung der UNO-Resolutionen zu erzwingen. Nach
der Abstimmung lädt der republikanische Minderheitsführer im Senat Robert Dole aus Kansas den irakischen Botschafter Mohamed al-Mashat in sein Büro zu
einem Treffen mit 10 Senatoren beider Parteien ein,
die erklären, ihre Abstimmung sei ein Versuch in letzter
Minute gewesen, einen Krieg durch den Abzug irakischer Streitkräfte aus Kuwait zu vermeiden. Der
Botschafter erklärt, er werde die Botschaft nach Bagdad weiterleiten.
Präsident Bush zufolge ist die Abstimmung des Kongresses das "deutlichste Signal an den Irak, daß er das
Ultimatum vom 15. Januar nicht ignorieren kann".
Bush fügt hinzu, wenn der Irak nicht aus Kuwait
abziehe, werde ein Agriff "eher früher als später"
edolgen.
Das Weiße Haus veröffentlicht den Wortlaut von Präsident Bushs Brief an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein vom 5. Januar, in dem unter anderem erklärt wird, "dies ist ein Krieg, der nur durch die
vollständige und bedingungslose Einhaltung der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats durch den Irak
beendet werden kann. Wir bevorzugen eine friedliche
Lösung... Alles andere als die vollständige Einhaltung
der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats und der
vorausgegangenen Resolutionen ist unannehmbar."
Der stellvertretende Abteilungsleiter im US-Außenministerium Jock Covey fordert den irakischen Botschafter al-Mashat auf, das Botschaftspersonal auf ingesamt 4 Personen einschließlich des Botschafters zu
reduzieren. Das übrige Botschaftspersonal muß die
Vereinigten Staaten bis zum 15. Januar null Uhr verlassen haben.

AMERIKA DIENST 6

13. Januar
UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar trifft mit
Saddam Hussein zu Gesprächen zusammen, die weithin
als letzte Chance zur Abwendung eines Krieges betrachtet werden. Perez de Cuellar erklärt nach dem
dreieinhalbstündigen Meinungsaustausch, er könne
keinen Fortschritt dabei feststellen, den Irak bis zum
Ablauf des Ultimatums am 15. Januar zum Abzug aus
Kuwait zu bewegen.
Verteidigungsminister Cheney erklärt in einem Fernsehinterview, der Zweck eines Einsatzes von Gewalt
in der Golfkrise sei die "Befreiung Kuwaits", fügt
jedoch hinzu, es werde "für die irakischen Streitkräfte
keinen Zufluchtsort im Irak" geben.
In einem Gespräch mit Außenminister Baker in Kairo
deutet der ägyptische Präsident Hosni Mubarak die
Bereitschaft seines Landes an, gegebenenfalls an
offensiven Aktionen gegen den Irak teilzunehmen. Der
saudische König Fahd war zuvor bereits dieselbe
Verpflichtung eingegangen.
14. Januar
Die 250 Abgeordneten der irakischen Nationalversammlung stimmen per Akklamation für einen Krieg,
anstatt sich den Forderungen der Vereinten Nationen
nach einem Rückzug aus Kuwait zu beugen. Die
Abgeordneten erheben sich von ihren Plätzen und
rufen "lang lebe Saddam" und rezitieren Verse aus
dem Koran, in denen das Märtyrertum in der Schlacht
gepriesen wird.
Die zwölf Außenminister der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien,
Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien) beschließen einstimmig, keine Friedensmission in letzter
Minute nach Bagdad zu entsenden. Sie verständigen
sich darauf, keine Einzelinitiativen zu ermutigen.
Bei seiner Rückkehr nach New York bekräftigt UNGeneralsekretär Javier Perez de Cuellar, ihm sei "von
der irakischen Regierung nichts angeboten worden,
was ich als Schritt zum Frieden betrachten kann. Was
mich betrifft, so habe ich getan, was ich tun muß - ich
weiß nicht, ob andere etwas tun werden, aber es
scheint mir, daß es vielleicht ein wenig zu spät ist, um
noch weitere Friedensbemühungen zu starten." Bei
einer Zwischenlandung in Paris hatte Perez de Cuellar
erklärt, er habe mit Präsident Mitterrand, dem britischen Premierminister Major, dem luxemburgischen
Außenminister Jacques Poss, der gegenwärtig den
Vorsitz in der EG führt, sowie den Botschaftern der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gesprochen.
Mitterrand habe dabei keine Alternativen angeboten.

Seite 3

�Der Genern Isnkretär der Organisation der Islamischen
Konferenz. I lamid Algabid, erneuert von Jeddah aus
den Appell an den irakischen Führer, den Geboten des
Islam 711 folgen und den Krieg zu vermeiden.

Der amtierende Oberrichter von Bangladesch, Shahabuddin Ahmed, appelliert an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein, seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.

Der Jemen als einziges arabisches Mitglied des Sicherheitsrats schlägt in den arabischen Hauptstädten
einen Sechs-Punkte-Friedensplan vor, der jedoch bei
den Vereinten Nationen nicht weiterverfolgt wird.

Die Türkei entscheidet sich zur "vorübergehenden
Schließung" ihrer Botschaft in Bagdad. Der Botschafter kehrt zusammen mit 20 Botschaftsangehörigen in
die Türkei zurück.

Französische Diplomaten legen eine Friedensinitiative
vor, die den Abzug des Irak aus Kuwait fordert und
Garantien enthält, daß der Irak nach dem Abzug nicht
angegriffen würde. UN-Streitkräfte würden zur Aufrechterhaltung des Friedens eingesetzt. Angeblich
soll der UN-Sicherheitsrat nach der Einigung über
einen Zeitplan fürden Rückzug einen "aktiven Beitrag"
zur Lösung anderer Nahostprobleme leisten, darunter
die Einberufung einer internationalen Friedenskonferenz "zum geeigneten Zeitpunkt".

In Wien beruft der geschäftsführende österreichische
Außenminister Franz Löschnak den irakischen und
sowjetischen Botschafter zu sich. Nach einer Sondersitzung zur Erörterung der Golfkrise fordert das österreichische Kabinett eine friedliche Lösung der Golfkrise im Einklang mit "den Resolutionen der internationalen Staatengemeinschaft".
Bundeskanzler Franz
Vranitzky gibt bekannt, daß das Rote Kreuz ein
30köpfiges medizinisches Versorgungsteam an den
Golf entsenden wird.

Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering lehnt den französischen Vorschlag ab, weil die
Vereinigten Staaten "keine Schritte unterstützen, die
ein künstliches Junktim schaffen" oder den zwölf bereis verabschiedeten UNO-Resolutionen zuwiderlaufen.

Einem Sprecher des türkischen Außenministeriums
zufolge schließt der Irak den Grenzübergang Habur.
Er fügt hinzu, an der türkischen Grenze seien alle
erforderlichen Maßnahmen für diejenigen getroffen
worden, die den Irak verlassen wollen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Irak
bestünden jedoch weiterhin fort, so der Sprecher.

Der Exekutivausschuß der Weltgesundheitsorganisation lehnt mit 11 zu 3 Stimmen bei 8 Enthaltungen
einen vom Irak beantragten Tagesordnungspunkt ab,
der eine Diskussion über das UN-Embargo auf Medikamente, Impfstoffe und Nahrungsmittel für Menschen
in Notlagen vorsieht. Die WHO erklärt, es genüge ihr,
daß der UN-Sicherheitsrat mit seinen 12 Resolutionen
zur Golfkrise die notwendigen Schritte unternommen
habe, um den irakischen Bedarf an medizinischen
Gütern zu berücksichtigen. Sie stellt darüber hinaus
fest, dem Irak sei mitgeteilt worden, er könne die von
ihm angeforderten medizinischen Güter, Milch und
Säuglingsnahrung bei Erstattung der Kosten von der
WHO beziehen. Der Irak habe die WHO jedoch nicht
gebeten, dies zu tun.
Nach seinen Gesprächen mit dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein erklärt UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar den Ministem der Europäischen
Gemeinschaft bei einem Zwischenstopp in Paris am
Vormittag des 14. Januar, von irakischer Seite habe er
außer massiver Kritik am UN-Sicherheitsrat wegen
seiner Verurteilung des Irak nichts vernommen. Auf
die Frage, ob eine europäische Intervention, Initiative
oder Mission in Bagdad sich noch lohne, antwortet
Perez de Cuellar, das derzeitige Klima sei für solch
eine Initiative "nicht geeignet".
Der Generalsekretär der Organisation für Afrikanische
Einheit, Ahmed Salim, fordert in einem Fernsehinterview den bedingungslosen Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait und eine friedliche Lösung der Golfkrise.

Seite 4

15.Januar
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Perez de
Cuellar, fordert den irakischen Präsidenten Saddam
Hussein in einem letzten Appell auf, "den Lauf der
Ereignisse von einer Katastrophe abzuwenden". Am
Vorabend des Ablaufs der von den Vereinten Nationen
fürden irakischen Rückzug aus Kuwait gesetzten Frist
drängt Perez de Cuellar den Irak, "unverzüglich mit
dem vollständigen Abzug aus Kuwait zu beginnen".
Der deutsche Bundestag verabschiedet eine Resolution zum Golf mit dem Inhalt, daß alle bisherigen
Versuche zur friedlichen Beilegung der Krise aufgrund
der unerbittlichen Weigerung der irakischen Führung
gescheitert seien, die unrechtmäßige Annexion Kuwaits zu beenden. Die Resolution fordert die irakische
Führung auf, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
unverzüglich zu befolgen, die irakischen Streitkräfte
aus Kuwait abzuziehen und den Weg für eine friedliche
Lösung der Golfkrise zu ebnen.
In einem Zeitungsinterview erklärt der italienische
Premierminister Giulio Andreotti, "es muß betont werden,
daß es sich um einen Disput zwischen dem Irak und
den Vereinten Nationen handelt, nicht zwischen dem
Irak und den Vereinigten Staaten".
Der französische Premierminister Michel Rocas beschuldigt Bagdad, alle Gesprächsangebote abzulehnen und erklärt, es sei nun an der Zeit, den Irak mit
Gewalt aus Kuwait zu vertreiben. "Nachdem wir alles
in unserer Macht Stehende getan haben, um dies zu

AMERIKA DIENST 6

�verhindern, ist jetzt bedauerlicherweise die Zeit zum
Handeln gekommen", so der Premierminister.
Um Mitternacht veröffentlicht das Weiße Haus eine
Erklärung folgenden Inhalts: "Der 15. Januar war die
Frist für den Abzug des Irak aus Kuwait. Es war keine
Frist für UNO-Aktionen. Die Entscheidung für Frieden
liegt immer noch bei Saddam Hussein."
Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering verleiht Reportern gegenüber seiner Hoffnung
Ausdruck, daß Saddam Hussein positiv auf Generalsekretär Perez de Cuellars Appell zum bedingungslosen Abzug aus Kuwait reagiert und eine Katastrophe
für sein Land abwendet. Kurz vor Inkrafttreten der
UNO-Resolution 678 um Mitternacht erklärt Pickering,
die multinationale Streitmacht der Vereinten Nationen
"darf die notwendigen Schritte ergreifen", um Kuwait
zu befreien. "Das bedeutet nicht, das sie dies tun
muß", fährt er fort und fügt hinzu, die verbündeten
Nationen "werden kollektiv entscheiden", wann "alle
erforderlichen Maßnahmen" ergriffen werden, um den
Irak aus Kuwait zu vertreiben. Zweifelsohne sei jedoch
die "Zeit des guten Willens", um dem Irak eine letzte
Möglichkeit zur Befolgung der UNO-Resolutionen
einzuräumen, abgelaufen, erklärt Pickering.
16. Januar
Die Befreiung Kuwaits beginnt, als die Koalition kuwaitischer, saudischer, amerikanischer, französischer und
britischer Streitkräfte die Operation Wüstensturm mit
massiven Bombenangriffen auf militärische Ziele in
Irak und Kuwait startet. Die multinationale Aktion
konzentriert sich auf militärische Ziele wie Kommunikationssysteme, Flughäfen, Verkehrswege, militärische Einrichtungen sowie Produktionsstätten für nukleare und chemische Waffen.
Die Vereinigten Staaten, Kuwait und Saudi-Arabien
unterrichten den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen offiziell über den Angriff der Verbündeten. Der
amerikanische UNO-Botschafter Pickering erklärt dem
Rat gegenüber, das Ziel sei die Befreiung Kuwaits,
nicht die Zerstörung oder Zerstückelung des Irak, und
daß der "Irak noch immer weitere Zerstörung durch
den bedingungslosen, unverzüglichen und vollständigen Abzug aus Kuwait verhindern kann."
17. Januar
General Norman Schwarzkopf erklärt in Riad 36 Stunden nach Beginn der Operation, die Koalitionsstreitmacht habe 1 200 Lufteinsätze gegen Irak und Kuwait
geflogen. "Wir tun alles in unserer Macht Stehende,
um der unschuldigen Bevölkerung Verletzungen, Leiden oder Zerstörung zu ersparen", so Schwarzkopf.
Er bestätigt ferner, daß der Irak sieben SCUD-BodenBoden-Raketen auf Israel und eine auf Saudi-Arabien
abgeschossen hat. Die mit hochexplosiven konventionellen Gefechtsköpfen bestückten Raketen waren auf

AMERIKA DIENST 6

Wohngebiete, nicht auf militärische Ziele gerichtet.
Schwarzkopf zufolge erzielten die auf Israel abgeschossenen Raketen "unbedeutende Ergebnisse", und
die auf Dharan gerichtete wurde von einer PatriotRakete zertört, bevor sie irgendeinen Schaden anrichten konnte.
18.Januar
Präsident Bush verurteilt den irakischen SCUD-Raketenangriff auf Zivilisten in Saudi-Arabien und Israel und
warnt, kein Nachbarland des Irak sei vor einem irakischen Raketenangriff sicher. Der Präsident verspricht
äu ßerste Anstrengungen bei der Zerstörung irakischer
Raktenstellungen.
Irakische Regierungsvertreter führen gefangengenommene britische und amerikanische Piloten im Fernsehen vor. General Norman Schwarzkopf bestätigt, "mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" würden
mindestens zwei amerikanische Piloten in Bagdad
gefangengehalten. Der repulikanische Senator John
McCain aus Arizona, ein ehemaliger Kriegsgefangener in Vietnam, erklärt, die Aussagen der Gefangenen
seien "offensichtlich unter Druck" gemacht worden.
Großbritannien bittet das Rote Kreuz, das irakische
Vorgehen zu prüfen.
19. Januar
Die Vereinigten Staaten geben die Entsendung von
Patriot-Luftverteidigungseiheiten zur Unterstützung
Israels bei der Verteidigung gegen Raketenangriffe
des Irak bekannt.
Das amerikanische Außenministerium übermittelt dem
irakischen Geschäftsträger Khalid J. Shewayish eine
Verbalnote, in der Bagdad an seine Verpflichtung
gemäß der Genfer Konvention von 1949 erinnert wird,
Gefangene nicht zu mißhandeln. Washington verspricht ferner, "humane und sichere Haftbedingungen
sowie medizinische Versorgung" für gefangengenommene irakische Soldaten bereitzustellen.
21.Januar
Verteidigungsminister Cheney erklärt, der irakische
Plan, gefangengenommene Piloten der Koalitionsstreitmacht als menschliche Schutzschilde zu benutzen, sei eine Verletzung des Völkerrechts und könne
als Kriegsverbrechen eingestuft werden. "Der Irak ist
ein Signatarstaat der Genfer Konvention über die
Behandlung von Gefangenen. Dies würde eine eindeutige Verletzung der Genfer Konvention darstellen.
Es ist in der Tat ein Kriegsverbrechen. Wer einen
solchen Akt begeht, wird dafür zur Rechenschaft
gezogen".
Staatssekretär Robert Kimmet beruft den irakischen
Geschäftsträger zu sich und warnt den Irak, jeder
Versuch, Kriegsgefangene der Koalitionsstreitmacht

Seite 5

�in militärischen Zielen im Irak festzuhalten, sei ein
Kriegsverbrechen und die dafür Verantwortlichen würden
persönlich zur Rechenschaft gezogen und unter Anklage gestellt.
22. Januar
Bei einem Angriff irakischer SCUD-Raketen auf
Wohngebiete in Tel Aviv werden drei Israelis getötet
und 90 verletzt. Das Wei ße Haus verurteilt den Angriff
erneut als einen "brutalen Akt des Terrors".
Die Außenminister der 12 EG-Mitgliedstaaten bringen
bei einem Treffen in Luxemburg ihre tiefe Besorgnis
über die "gewissenlose" Verwendung von Kriegsgefangenen durch den Irak im Golfkrieg zum Ausdruck.
Die Erklärung der EG erfolgt als Reaktion auf die
irakische Ankündigung, die Kriegsgefangenen in die
Nähe militärischer Stützpunkte und anderer potentieller Ziele gegnerischer Aktionen zu bringen.
23. Januar
Das Weiße Haus gibt bekannt, die verbündeten Streitkräfte hätten eine Produktionsstätte für biologische
Waffen getroffen, die vom Irak als Fabrik zur Herstellung von Babynahrung getarnt war.
24. Januar
Die Firma Nestle erklärt, in der von der Koalitionsstreitmacht bombardierten Fabrik in Bagdad sei nie Babynahrung hergestellt worden, obwohl auf Filmen, die bei
einer von den irakischen Behörden für ausländische
Journalisten organisierten Betriebsbesichtigung aufgenommenen wurden, Produkte mit dem Warenzeichen von Guigoz, einer Tochtergesellschaft von Nestle, zu erkennen sind.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
in Genf verleiht der irakischen Regierung gegenüber
seiner Besorgnis über die Behandlung der im Golf krieg
gefangengenommenen Piloten der Koalitionsstreitmacht
Ausdruck. Das Komitee erklärt, es habe den Irak an
seine Verpflichtungen im Rahmen der Dritten Genfer
Konvention im Hinblick auf die Behandlung von Kriegsgefangenen erinnert, insbesondere an Artikel 13, der
feststellt, "Kriegsgefangene müssen zu jeder Zeit
geschützt werden, insbesondere vor Gewaltakten oder
Einschüchterung sowie vor Beleidigung und Neugier
der Öffentlichkeit."
Deutschland weist 28 irakische Diplomaten und Regierungsvertreter mit der Begründung aus, die irakischen
Diplomaten an der Anordnung von Terroranschlägen
hindern zu wollen. Die Diplomaten waren dem Auswärtigen Amt zufolge an der irakischen Botschaft in
Bonn und der irakischen Mission in Berlin tätig.
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak erklärt, die
irakischen SCUD-Raketen könnten den Krieg nicht

Seite 6

gewinnen. Er apelliert an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein, das Blutvergießen durch den Abzug
aus Kuwait zu beenden.
25.Januar
Als Reaktion auf Berichte über das massive Einleiten
von Öl in den Persischen Golf aus den vom Irak
besetzten Anlagen erklärt der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete Williams, das absichtliche Verursachen einer Ölpest im Golf stelle "eindeutig
einen Akt des Umweltterrorismus dar".
Präsident Bush zufolge befassen sich Wissenschaftler
aus den Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, Kuwait
und anderen Ländern mit der "Umweltverschmutzung
enormen Ausmaßes und haben sich praktisch auf eine
Methode zur Bewältigung der Ölpest geeinigt". Bush
verspricht, daß "alle Anstrengungen unternommen
werden, um das weitere Einleiten von Öl in den Golf zu
unterbinden und die Ausbreitung des Ölteppichs nach
Süden zu stoppen". Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, stellt fest, der Irak habe das Öl
mehrere Tage lang aus den Tanklagern in Kuwait in
den Golf eingeleitet, indem er absichtlich "den Hahn
aufdrehte und es fließen ließ". Fitzwater zufolge ist der
Ölteppich um ein Vielfaches größer als die durch den
Öltanker Exxon Valdez vor der Küste Alaskas verursachte Katastrophe. Die Ölpest im Golf bedroht die
Häfen, Raffinerien und Entsalzungsanlagen SaudiArabiens.
Einer Meinungsumfrage von The Wall Street Journal
und NBC News zufolge stimmen 3 von 4 Amerikanern
Präsident Bushs Handlungsweise zu, insbesondere
seiner Entscheidung, einen Krieg zur Befreiung Kuwaits zu führen.
26. Januar
Präsident Bush entsendet ein Expertenteam für Ölverschmutzung und Umweltfragen der amerikanischen
Regierung nach Saudi-Arabien, um den Saudis bei der
Begrenzung von durch die Ölpest verursachten
Umweltschäden behilflich zu sein.
27. Januar
Dem Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte,
General Norman Schwarzkopf, zufolge zwingen die
Luftangriffe der Koalitionsstreitmacht die irakische
Luftwaffe in den Iran. Schwarzkopf erklärt, in den
vergangenen 24 Stunden seien über 39 Piloten der
irakischen Luftwaffe mit ihren Flugzeugen in den Iran
geflohen.
Die amerikanische Luftwaffe führt gezielte Bombardierungen in Kuwait durch, um die brennenden Ölleitungen zu löschen und den Kontrollmechanismus zu
unterbrechen, mit dem Öl in den Golf gepumpt wird.
"Schätzungen aufgrund der Länge des Ölteppichs

AMERIKA DIENST 6

�zufolge wurden die Leitungen vermutlich um den 19.
Januar geöffnet", so General Norman Schwarzkopf.
Anhand von Filmmaterial erläutert Schwarzkopf: "Ich
zeige Ihnen hier, was wir bisher unternommen haben,
um dieses außerordentlich schwierige Problem militärisch zu lösen und zwar in solcher Weise, daß wir nicht
die gesamte Volkswirtschaft Kuwaits zerstören. Meines Erachtens hatten wir Erfolg, aber nur die Zeit wird
es zeigen."
28.Januar
Der Iran setzt Generalsekretär Perez de Cuellar offiziell davon in Kenntnis, daß er Bagdad die Verwendung der irakischen Militärflugzeuge und -besatzungen, die in iranisches Gebiet eingedrungen sind, bis
zur Einstellugn der Feindseligkeiten am Persischen
Golf nicht gestatten wird. Im Falle der Notlandung
eines Flugzeugs gleich welcher Seite auf iranischem
Territorium wird das Flugzeug dem Iran zufolge beschlagnahmt und bis zur Einstellung der Feindseligkeiten festgesetzt.
Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) bezeichnet das Einleiten von Öl in den Golf
durch den Irak als "eine Umweltkatastrophe ungekannten Ausmaßes". Die Auswirkungen der Ölpest
werden der Organisation zufolge "lange andauern und
Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die
größte Gefahr scheint für die Wasserversorgung der
Länder in der Region zu bestehen, die für ihren täglichen Wasserbedarf von Meerwasserentsalzungsanlagen abhängen." Die WHO appelliert an alle betroffenen Regierungen, die Ausbreitung des Ölteppichs
einzudämmen und die Auswirkungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.
29. Januar
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats
verabschiedet eine Resolution, mit der die irakischen
Angriffe auf Israel, die Behandlung der Kriegsgefangenen und das Einleiten von Öl in den Golf aufs schärfste
verurteilt werden. "Die Versammlung fordert die Einberufung eines Kriegsverbrechertribunals, das sich
mit den zahlreichen bereits von den irakischen Behörden begangenen Verbrechen ebenso befassen soll
wie mit denen, die begangen werden könnten, bis die
Ziele der UNO-Resolutionen verwirklicht worden sind",
so der Wortlaut der Resolution.
Außenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Bessmertnych stellen in einer Erklärung im Anschluß an ihre Gespräche in Washington fest, "Eine
Einstellung der Feindseligkeiten wäre möglich, wenn
der Irak die eindeutige Verpflichtung zum Rückzug aus
Kuwait eingehen würde." Eine solche Verpflichtung
"muß durch unverzügliche, konkrete Schritte unterstützt werden, die zur vollständigen Einhaltung der

*
AMERIKA DIENST 6

Resolutionen des UN-Sicherheitsrats führen".
In seinem Bericht zur Lage der Nation erklärt Präsident
Bush, die 28 Nationen umfassende antiirakische Koalition
liege "auf Kurs" und "Iraks Fähigkeit zur Kriegführung
wird zerstört". Er betont jedoch, "Wir wollen nicht die
Vernichtung des Irak, seiner Kultur oder seines Volkes. Wir wünschen vielmehr, daß der Irak seine
riesigen Ressourcen nicht zur Zerstörung einsetzt
oder in den Dienst eines ehrgeizigen Tyrannen stellt,
sondern vielmehr zur Schaffung eines besseren Lebens
für sich und seine Nachbarn."
Dem amerikanischen Verteidigungsministerium zufolge sind inzwischen 80 bis 90 Flugzeuge - 65 Prozent
davon Militärflugzeuge - in den Iran geflogen.
30. Januar
Auf Bitte der NATO entscheidet sich das niederländische Kabinett, zwei Geschwader HAWK-Flugabwehrraketen in die Türkei zu entsenden, um den NATOMitgiiedstaat gegen einen möglichen irakischen Angriff zu verteidigen, gibt ein Sprecher des niederländischen Verteidigungsministeriums bekannt. Die Raketen werden zur Verteidigung von Flughäfen gegen
feindliche Flugzeuge eingesetzt.
Bundeskanzler Helmut Kohl erklärt im Deutschen
Bundestag, Deutschland müsse unerschütterlich hinter der antiirakischen Koalition und Israel stehen und
finanziell zu deren Verteidigung beitragen, selbst wenn
Deutschland keine Truppen an den Golf entsenden
könne. Deutschland bietet Israel ein Verteidigungspaket in Wert von 500 Millionen Dollar an, das Arzneimittel und medizinsches Gerät, Patriot-Raketen, ABCSchutzgerät und finanzielle Unterstützung beim Bau
von zwei U-Booten in deutschen Schiffswerften umfaßt.
31. Januar
Der türkische Religionsführer Mustafa SayitYazicioglu
stellt in einer schriftlichen Erklärung fest, der Aufruf
zum heiligen Krieg gegen die multinationale Streitmacht sei unangebracht. Yazicioglu zufolge handelt
es sich bei dem Krieg am Golf nicht um einen Konflikt
zwischen Christen und Moslems. "Dies ist kein Krieg
zwischen Christen und Moslems. In der Koaltionsstreitmacht gibt es auch moslemische Streitkräfte. Ihr
Ziel ist, die von einem Nachbarn einem anderen Nachbarn aufgezwungene Unterdrückung zu beenden",
erläutert Yazicioglu.
Ein Konvoi des Roten Kreuzes überquert mit 19 Tonnen medizinischer Hilfsgüter für die irakische Bevölkerung die Grenze zwischen Iran und Irak. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf erklärt, es
handele sich um die erste Mission seit Ausbruch des
Krieges.

* * *

*
Seite 7

�EUROPA/NATO
13. Dezember 1991

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE SICHERHEIT IN
EINER NEUEN WELTORDNUNG
Rede des Ständigen US-Vertreters im NATO-Rat
LONDON - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, William Taft, erklärte am
8. Februar 1991, "trotz der Anforderungen des Golfkriegs vernachlässigen wir weder die Entwicklungen im
Baltikum noch die Notwendigkeit ständiger Verbesserungen der Stabilität in ganz Osteuropa".
Taft ging bei seiner Rede am Internationalen Institut für Strategische Studien vor allem auf die Frage europäischer Sicherheit in der neuen Weltordnung ein. Er erläuterte die Ziele der Vereinigten Staaten in Europa, die
Rolle der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten und des Kongresses bei der Entscheidungsfindung,
die Bedeutung der NATO und die potentielle Rolle europäischer Institutionen. "Wir unterstützten einen
europäischen Pfeiler und zwar einen, der dieses Bündnis nicht nachahmt, sondern der innerhalb des Bündnisses
wirkt, seine Aufgaben ausführt und der nur außerhalb des Bündnisses tätig wird, wenn sich ihm dort neue
Aufgaben stellen", erklärte Taft.
Nachfolgend veröffentlichen wir William Tafts Rede im Wortlaut.

Obgleich mein Thema heute die Rolle der Vereinigten
Staaten im neuen Europa ist, wäre es nachlässig von
mir, vor dieser Runde zu sprechen, als ob ein Austausch zwischen Wissenschaftlern und Politikern ohne
Bezug zur Realität stattfinden könnte. Da CNN uns
den Krieg bereits ins Büro und nach Hause überträgt,
möchte ich Sie mit dieser Art der Realität nicht belasten, sondern durch die Nebel des Golf kriegs den Blick
auf unsere Zukunft richten. (Da die Iraker jetzt in ihrem
Krieg auf Umweltterrorismus zurückgreifen, ist Ölschlamm vielleicht als Metapher besser als Nebel.)
Wir hatten einen kurzen Frieden - genau vier Wochen
- vom Zeitpunkt der Londoner Erklärung am 6. Juli, als
das Bündnis zu dem Schluß gelangte, daß die Sowjetunion kein Feind mehr sei, bis zum 2. August, als
Saddam Hussein Kuwait besetzte. Es ist die erklärte
Politik der Vereinigten Staaten, diesen Frieden wiederherzustellen und zu bewahren. Trotz der Anforderungen des Golfkriegs vernachlässigen wir weder die
Entwicklungen im Baltikum noch die Notwendigkeit
ständiger Verbesserungen der Stabilität in ganz Osteuropa.

AMERIKA DIENST 6

Präsident Bush hat von einer neuen Weltordnung
gesprochen. Einige Kommentatoren haben diese
Vision angesichts der Unmöglichkeit, den Golfkrieg zu
verhindern, der mangelnden Geschlossenheit der EGMitglieder im Hinblick auf die dortige Situation, angesichts des Scheiterns der Perestrojka und des Einsatzes von Gewalt im Baltikum zu hastig verbannt. Wir
verschließen nicht die Augen vor dieser heiklen Situation. Aber unsere Kritiker sollten auch nicht blind
gegenüber den Möglichkeiten sein, die eine gemeinsame Anstrengung der Koalition und sachkundige Diplomatie uns bieten.
Wir können hoffentlich auf die Frage: "Wo waren Sie
während des Krieges?" antworten: "Wir haben am
Frieden für die kommende Generation gearbeitet."
Wenn wir dabei Erfolg haben, wird es diesen Frieden
nicht nurfür die NATO, sondern auch fürdie Sowjetunion und ihre früheren Verbündeten im Warschauer Pakt
geben, für die Mitglieder der arabischen Koalition im
Golf krieg und auch für den Irak selbst. Die Vereinigten
Staaten befinden sich nicht im Krieg mit dem Irak,
sondern die Welt befindet sich im Krieg mit einem
Tyrannen.
Seite 1

�Ich möchte meinen Blickwinkel etwas auf die Ziele der
Vereinigten Staaten in Europa konzentrieren und sie in
den Kontext einer neuen Weltordnung stellen. Was
will die Regierung?
Vor vierzehn Monaten hat Außenminister Baker in
Berlin von den Bestandteilen einer neuen europäischen Architektur gesprochen: NATO, KSZE und EG.
Während von Diplomaten - wie von Nostradamus immer erwartet wird, daß sie sich öffentlich vage
genug ausdrücken, um den potentiellen Entwicklungen nicht vorzugreifen, war Außenminister Bakers
Rezept ziemlich genau. Mit beträchtlichem Erfolg
diente es im vergangenen Jahr als Leitlinie der sich
abzeichnenden Ordnung in Europa. Die Vereinigten
Staaten haben ihre Beziehungen zu den Institutionen
der EG verbessert. Die KSZE hat die Pariser Charta
hervorgebracht. Deutschland ist vereinigt. Die NATO
hat sich verändert und arbeitet nunmehr an der Entwicklung einer Strategie, die sich nicht nur nach Ereignissen richtet, sondern historische Bedeutung hat.
Gibt es - real oder symbolisch - etwas Eindrucksvolleres als die Nominierung eines Botschafters bei der
NATO durch die Sowjetunion und ihre früheren Verbündeten im Warschauer Pakt? Wenn dies der Fall ist,
dann sind es die häufigen und regelmäßigen Konsultationen, die sich daraus ergeben haben. Zum Beispiel
konnten wir - als Bündnis aus 16 Ländern - unsere
Besorgnis über den Einsatz von Gewalt im Baltikum
Botschafter Afanassiewski in aller Deutlichkeit und mit
allem Nachdruck direkt vortragen. Und er konnte uns
die Interpretation der Ereignisse und die Absichten
seiner Regierung unmittelbar mitteilen. Macht das
einen Unterschied? Sind das nicht nur Worte? Die
Antwort lautet: Ja, das tatsächlich nur Worte. Deshalb
macht es einen Unterschied."
Unser Programm für die Zukunft, die weitere Verbesserung des Gerüsts der Architektur von Außenminister
Baker, umfaßt folgende Punkte:
Förderung und Entwicklung eines europäischen Sicherheitsgefüges im Rahmen des NATO-Bündnisses,
möglicherweise durch die Weiterentwicklung der
Westeuropäischen Union,
Entwicklung eines Mechanismus zur Koordinierung
von Aktivitäten in bündnisfremden Gebieten,
Vervollständigung anderer Elemente der neuen NATOStrategie,

Sicherheitsgefüges, das oftmals auch als europäischer Pfeiler bezeichnet wird.
Was wollen wir? Ich möchte versuchen, diese Frage
zu beantworten, indem ich die Gegenfrage stelle, was
Sie als Europäer wollen. Wollen sie die Integrität des
Bündnisses erhalten? Darüber gibt es hier keine
Diskussionen und keine abweichende Meinung - darin
sind wir uns alle einig.
Wollen Sie ein Bündnis, in dem die Europäer mehr zu
sagen haben? Meiner Ansicht nach lautet die Antwort
darauf ebenfalls Ja. Die Vereinigten Staaten sind
ebenfalls dieser Meinung.
Wollen Sie ein Bündnis, in dem die Europäer mehr
Verantwortung haben? Einige sagen dazu "Ja", andere "Ja, aber...". Und manche schweigen sich aus.
Aber ich höre niemanden, der "Nein" sagt. Was wollen
die Vereinigten Staaten? Wenn Sie eine größere Rolle
spielen wollen, dann muß auch die Verantwortung
größer werden. Dieser Annahme stimmen wir als
logische Schlußfolgerung zu.

&gt;

Wie sollen die Europäer diese Befugnis ausüben?
Durch die EG oder die WEU? Oder wie sonst? Wenn
ich das meine, was ich auf die beiden letzten Fragen
geantwortet habe, dann steht es einem Amerikaner
nicht zu, die Mittel zu bestimmen, mit denen die
Europäer im Kollektiv mehr Autorität ausüben oder
größere Verantwortung übernehmen sollten. Ich kann
jedoch sagen, daß wir enttäuscht sein werden, wenn
Sie diese Rolle nicht gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten übernehmen. Das hieße jeder, der es tut - die
EG, die WEU oder irgendeine andere Institution - muß
zumindest die Dinge fortführen, die wir in der Vergangenheit in der NATO vollbracht haben. Ich spreche
mich hier nicht für eine Beibehaltung der alten NATO
aus - aber für eine weiterentwickelte NATO, die engere
Beziehungen zur WEU entwickeln, die Beziehungen
zu den Ländern Mittel- und Osteuropas intensivieren
und gemeinsam an unserem Ziel eines "ungeteilten
und freien" Europa arbeiten könnte.
Wir unterstützen einen europäischen Pfeiler und zwar
einen, der dieses Bündnis nicht nachahmt, sondern
der innerhalb des Bündnisses wirkt, seine Aufgaben
ausfüllt und der nur außerhalb des Bündnisses tätig
wird, wenn sich ihm dort neue Aufgaben stellen. Ich
möchte Ihnen nachfolgend einige positive Prinzipien
vorstellen, die der stärkeren "Europäisierung der NATO"
als Leitlinie dienen könnten.

Abschluß laufender Rüstungskontrollverpflichtungen,
einschließlich START, der Ratifizierung von KSE,
nachdem die Sowjets die statistischen Unstimmigkeiten befriedigend gelöst haben und die Aufnahme von
Gesprächen über Kurzstreckenwaffen.

Erstens sollten alle Veränderungen die Effektivität des
Bündnisses als der Institution verbessern, die eine
große Bandbreite sicherheitspolitischer Fragen abdeckt.

Obwohl all diese Punkte unsere Aufmerksamkeit fordern, werde ich meine Ausführungen auf den ersten
beschränken - die Entwicklung eines europäischen

Zweitens sollten wir weiterhin die Gemeinsamkeit unserer
Werte und Interessen betonen. Das heißt, unser
Bündnis könnte unbeabsichtigt Unterschiede zwischen
uns zutage treten lassen, aber es dient vornehmlich

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AMERIKA DIENST 6

i

�der Förderung unserer gemeinsamen Interessen. Wir
müssen es auf eine Weise nutzen, die diesem wichtigen Faktor Rechnung trägt.

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«

Drittens sollte jedes neue Verfahren zum Ziel haben,
daß sich alle 16 Mitglieder vollständig beteiligen. Es
sollte nicht die zentrale transatlantische Verbindung
lockern oder Bündnismitglieder bei Sicherheitsfragen
benachteiligen. Offen gesagt heißt dies, daß Mitglieder, die nicht in der EG oder WEU sind, von der
Entscheidungsfindung nicht ausgeschlossen werden
dürfen.
Viertens könnten Veränderungen das Grundprinzip
des Bündnisses - die kollektive Bestrebung zur Selbstverteidigung - verbessern. Die Bemühungen der NATO
um einen kollektiveren Ansatz zur Verteidigung - zum
Beispiel die Entwicklung multinationaler Einheiten
innerhalb der integrierten Struktur - sollte mit Fortschritten zu größerer Integration der Europäer in anderen
Bereichen einhergehen.
Interaktion von Sicherheitsinstitutionen
Mit Blick auf eine neue Sicherheitsstruktur über die
NATO hinaus möchte ich die Elemente einer sich
ergänzenden Architektur erörtern. Das Gefüge sollte
drei Voraussetzungen erfüllen:
Schutz vor einer Bedrohung von innen oder außen,
innere Stabilität, sowohl zwischen Ost und West als
auch innerhalb des Westens,
weltweite Friedenserhaltung und wie es die Lage am
Golf zeigt, in gewissem Maß Übertragung von Macht.
NATO

j

Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
die NATO als wichtigste Organisation die europäische
Sicherheit gewährleisten mu ß. Die NATO - und nur die
NATO - kann die Größe und Fähigkeiten der Sowjetunion ausgleichen, sowohl in Zeiten derZusammenarbeit als auch in Zeiten der Spannung.
Gemeinsam mit anderen Institutionen teilt sie sich die
Rolle als Garant für Stabilität. Sie spielt nur eine
begrenzte, aber entscheidende Rolle dabei, auf der
ganzen Welt logistische Unterstützung zu leisten, und
sie spielt in diesen Bereichen eine politische Rolle als
wichtigstes Forum transatlantischer Konsultationen.
Angesichts ihres defensiven Charakters und ihrer
geographischen Ausrichtung kann sie ihre militärische
Macht nicht übertragen.
EG
Die EG spielt gemeinsam mit anderen Institutionen
eine Rolle bei der Bewahrung von Stabilität. Sie
entwickelt eine führende sicherheitspolitische Rolle
außerhalb der vereinbarten NATO-Aufgaben. Und sie
könnte auch bei den NATO-Aufgaben eine sicher-

AMERIKA DIENST 6

heitspolitische Rolle spielen, obwohl das noch entschieden werden müßte. Es ist klar, daß sich mit
zunehmender wirtschaftlicher Kompetenz der EG, ihrer
Hinwendung zu einem gemeinsamen politischen Programm und der geplanten Aufnahme neuer Mitglieder
eine gemeinsame Sicherheitspolitik nicht über Nacht
entwickelt.
KSZE
Auch die KSZE spielt eine Rolle bei der Verbeserung
und Aufrechterhaltung der Stabilität. Ihr universeller
Charakter macht sie zu einem besonders wichtigen
Instrument für die Länder Mittel- und Osteuropas. Als
treibende Kraft, die Menschenrechte im europäischen
Bewußtsein verankert hat, geht ihre Rolle über Konfliktlösungen hinaus.
WEU
Im Zusammenhang mit der von Außenminister Baker
dargelegten Architektur möchte ich kurz auf die WEU
eingehen. Ich habe bereits erklärt, es stünde Amerikanern nicht an, vorzuschreiben, wie europäische Institutionen funktionieren sollen. Aber es ist uns nicht
gleichgültig, und wir werden bei der Entscheidung
behilflich sein, wie sie sich gegenüber Institutionen
verhalten, denen wir angehören. Die WEU kann als
Instrument für eine europäische Verteidigungsidentität außerhalb der NATO dienen und die Pflichten
Europas auf der Welt in die Tat umsetzen. Innerhalb
der NATO hat sie eine gewichtigere europäische Stimme als jedes Land für sich allein. Präsident Bush hat
in diesem Zusmmenhang erklärt: "Wir fürchten uns
nicht vor der Zusammenarbeit mit Europa bei der
Verteidigung, sondern wir unterstützen sie - einschließlich der Westeuropäischen Union."
Die Rolle einzelner Länder
In dem von mir beschriebenen Sicherheitsgefüge werden
einzelne Länder schließlich weiterhin unabhängig in
ihren nationalen Zielsetzungen sein, bei denen kollektive Bestrebungen nicht greifen können. Im Augenblick sieht es so aus, als ob Funktionen wie die
Bewahrung des Friedens und die Übertragung von
Macht in diese Kategorie fallen. Sicherlich ist die
Übertragung von Macht eine Rolle, die von der NATO
niemals übernommen wurde. Es ist eine Rolle, für die
der KSZE die Befugnis fehlt. Es ist eine Rolle, für die
die EG nicht bereit ist. Und es ist eine Rolle, die von der
WEU noch übernommen werden muß. Diejenigen
Länder, die Fähigkeit und Neigung für diese Aufgabe
haben, werden sie zumindest eine Zeitlang auf nationaler Ebene durchführen oder dann Koalitionen bilden,
wenn die Ereignisse dies erfordern.
Zum Schluß möchte ich nochmals auf das Thema
NATO zurückkommen. Ich möchte etwas über die
amerikanische Öffentlichkeit und ihre Ansichten zu
diesen Organisation in dieser Zeit der Veränderungen
sagen. Natürlich wird letztlich die öffentliche Meinung
Seite 3

�die Haltung der Vereinigten Staaten zu Aufgaben und
Zukunft der NATO bestimmen.
Die Öffentlichkeit sieht gern Programme, politische
Maßnahmen und Institutionen, die funktionieren. Dafür
liefert die NATO seit vielen Jahren ein gutes Beispiel.
Die Öffentlichkeit mißtraut zuvielen Neuerungen, insbesondere im sicherheitspolitischen Bereich und ebenso denjenigen, die etwas durcheinanderbringen, an
das sie geglaubt und auf das sie sich verlassen haben.
Zum Beispiel hat die Öffentlichkeit der Regierung noch
nicht die Auflösung von AT&amp;T verziehen, trotz greifbarer Vorteile für den Verbraucher.
Zum Thema. Die amerikanische Öffentlichkeit wird
keinen Vorschlag verstehen, der die NATO durch
einen anderen Mechanismus ersetzen will, der seine
wichtigste Aufgabe der Abschreckung und Verteidigung übernimmt. Sie wird natürlich Anpassungen bei
der NATO unterstützen, so daß sie ihre Rolle unter
neuen Gegebenheiten spielen kann.

Die amerikanische Öffentlichkeit würde es nicht verstehen, wenn die Europäer die NATO aufgäben oder
sie durch andere Strukturen zu ersetzen suchten, mit
denen sie ihre traditionellen Aufgaben erfüllen sollte.
Die amerikanische Öffentlichkeit würde es auch nicht
verstehen, wenn die NATO in eine Organisation
umgewandelt würde, die primär der Lösung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Europa und Amerika dienen würde - wenn wir ein polarisiertes Bündnis
hätten - und nicht in eine Organisation, in der sich alle
gemeinsamen Risiken und Bedrohungen widersetzen.
Die Regierung wird die Politik der Vereinigten Staaten
bestimmen und die öffentliche Meinung in Amerika
anführen. Aber letztlich wird die Regierungspolitik die
öffentliche Meinung widerspiegeln, wie sie sich in der
Reaktion der Öffentlichkeit, in Meinungsumfragen und
im Kongreß zeigt. Wir müssen die NATO neuen
Gegebenheiten anpassen und innerhalb dieser Begrenzung eine europäische Identität in der Sicherheitspolitik und Verteidigung in Einklang damit bringen.

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