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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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23.Januar 1991

GOLFKRISE

BUSH: OPERATION WUSTENSTURM
WIRD LÄNGER ANDAUERN
Pressekonferenz des Präsidenten
DER KRIEG AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen

THEMENINDEX

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DER AMERIKA DIENST
(2. Halbjahr 1990)

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
23. Januar 1991

BUSH: OPERATION WÜSTENSTURM WIRD
LÄNGER ANDAUERN
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge haben sich die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der
Koalition bei der Operation Wüstensturm "tapfer, professionell und effektiv" verhalten, man müsse sich jedoch
vergegenwärtigen, daß die Aktion noch Zeit in Anspruch nehmen wird.
"Saddam Hussein hat seit zehn Jahren nahezu alle Ressourcen des Irak für den Aufbau dieser mächtigen
Militärmaschinerie verwendet. Wir können nicht erwarten, sie über Nacht zu vernichten," erklärte Bush bei einer
Pressekonferenz am 18. Januar 1991.
Der Präsident fügte hinzu, "wir müssen realistisch sein, Es wird Verluste geben. Hindemisse werden sich
auftürmen. Ein Krieg ist niemals billig oder einfach."
Bush zufolge wird der Aufbau einer neuen Weltordnung "eine sehr kluge Diplomatie" erfordern, sobald der Krieg
gegen den Irak gewonnen ist. "Wenn all dies vorüber ist", so Bush, "wollen wir die Wunden heilen. Wir wollen
alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu fördern, was ich optimistisch als neue Weltordnung bezeichnen
möchte."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Bush: Ich möchte eine kurze Einführung voranschikken und werde dann gern Ihre Fragen entgegennehmen.
Vor 37 Stunden hat die Operation Wüstensturm und
die Befreiung Kuwaits begonnen. So weit, so gut. Die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Koalition
haben sich tapfer, professionell und effektiv verhalten.
Man muß sich jedoch zwei Dinge vergegenwärtigen:
Erstens, die Aktion wird noch einige Zeit in Anspruch
nehmen. Saddam Hussein hat seit zehn Jahren
nahezu alle Ressourcen des Irak für den Aufbau dieser
mächtigen Militärmaschinerie verwendet. Wir können
nicht erwarten, sie über Nacht zu vernichten, insbesondere, wenn wir Verluste bei den Streitkräften der
Vereinigten Staaten und der Koalition und die Leiden
unschuldiger Zivilisten so gering wie möglich halten
wollen.
Zweitens, wir müssen realistisch sein. Es wird Verluste geben. Hindernisse werden sich auftürmen. Ein

AMERIKA DIENST 3

Krieg ist niemals billig oder einfach. Und ich sage dies
nur, weil mich die anfängliche Euphorie in einigen
Berichten und Reaktionen auf die Entwicklung des
ersten Tages mit Besorgnis erfüllen. Niemand sollte
letztlich den Erfolg in Zweifel ziehen oder in Frage
stellen, weil wir uns behaupten werden. Aber ich möchte
auch nicht, daß wir darüber allzu euphorisch werden.
Unsere Ziele haben sich nicht verändert. Wir streben
immer noch dasselbe an wie die internationale Staatengemeinschaft, das heißt, den vollständigen und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait und die
uneingeschränkte Einhaltung der Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats.
Ich möchte ferner darauf hinweisen, wie empört ich
über den jüngsten irakischen Akt der Aggression bin in diesem Fall gegen Israel. Wiederum erkennen wir,
daß kein Nachbar des Irak sicher ist. Ich möchte hier
in aller Öffentlichkeit betonen, wie sehr ich Israels
Zurückhaltung von Anbeginn dieser Krise an begrüße.

Seite 1

�Ministerpräsident Schamir und seine Regierung haben
großes Verständnis für die Interessen der Vereinigten
Staaten und anderer an dieser Krise beteiligter Koalitionsmitglieder bewiesen.
Wir stehen weiterhin in engen Konsultationen mit
Israel. Gleichzeitig führen wir enge Konsultationen mit
unseren Koalitionspartnern. Erst vor wenigen Minuten
habe ich mit dem kanadischen Premierminister Brian
Mulroney gesprochen. Heute morgen habe ich eine
lange Unterredung mit dem sowjetischen Präsidenten
Gorbatschow geführt, in der wir die Lage am Golf
eingehend erörtert haben. Und natürlich habe ich die
Gelegenheit ergriffen, um erneut meiner tiefen Besorgnis über die baltischen Staaten Ausdruck zu verleihen und die Notwendigkeit für eine friedliche Lösung
der dortigen Situation zu unterstreichen.
Ich möchte an dieser Stelle schließen und nochmals
darauf hinweisen, wie sehr wir die Taten unserer
Soldaten zu schätzen wissen. Dieses Land ist sich
einig. Natürlich gibt es Proteste, aber grundsätzlich
sind wir uns einig. Und ich möchte, daß diese Botschaft all denen vermittelt wird, die für dieses Land
kämpfen.
In der Zeitung habe ich einen Kommentar gelesen,
dessen Autor besorgt war, daß die Demonstrationen in
diesem Land, die er im Fernsehen gesehen hatte, den
Willen des Volkes repräsentieren könnten. Unseren
Soldaten am Golf möchte ich bei dieser Gelegenheit
sagen, daß Ihr Land hinter Ihnen steht, wie es auch der
Kongreß mit überwältigender Mehrheit bestätigt hat.
Bei Ihnen allen darf kein Zweifel darüber aufkommen
- Sie haben die volle und einhellige Unterstützung der
Vereinigten Staaten. Ich grüße Sie. Sie verdienen
unsere uneingeschränkte Unterstützung, und wir können
stolz auf Sie sein.
Frage: Haben die Vereinigten Staaten Israel gebeten,
keinen Vergeltungsschlag gegen den Irak zu führen,
und welche Zusagen haben die Vereinigten Staaten
bei diesen mit Israel geführten Konsultationen erhalten? Wie lange wird Israel Ihrer Ansicht nach nicht
eingreifen, wenn diese Angriffe andauern?
Antwort: Diese gegenwärtig mit Israel erörterten
Themen werde ich vertraulich behandeln. Keine Frage, daß der Angriff auf Israel eindeutig einen Terroranschlag darstellt. Er hatte militärisch überhaupt keine
Bedeutung. Und diese Art von Agriff ist symptomatisch für die Art von Staatsmann, wie ihn die Welt mit
Saddam Hussein vor sich hat. Und - ich wiederhole es
nochmals - der Mann wird besiegt werden.
Aber Israel hat große Zurückhaltung bewiesen. Das
habe ich bereits erklärt. Meiner Meinung nach können
wir alle verstehen, daß sich daraus für das Land eigene
Probleme ergeben. Aber darauf möchte ich nicht
näher eingehen, weil wir uns mit Israel mitten in
Konsultationen befinden. Ebenso wie wir möchten sie

Seite 2

nicht, daß sich der Krieg ausweitet, sie sind aber
dennoch entschlossen, ihre Bevölkerung zu schützen.
Und ich kann Ihnen versichern, daß unsere Verteidigungsfachleute mit unseren Befehlshabern in engem
Kontakt stehen, um sicherzustellen, daß wir alles in
unserer Macht Stehende tun, um die Stützpunkte der
Raketen zu zerstören, die nicht nur in Israel, sondern
in anderen, unbeteiligten Ländern Verwüstungen anrichten können. Dabei möchte ich es belassen, und ich
bin zuversichtlich, daß dieses Problem gelöst werden
kann.
Frage: Sind Sie besorgt, daß der Krieg einen anderen
Verlauf nehmen könnte?
Antwort: Meiner Ansicht nach sollten wir uns vor
allem hüten, das den Lauf des Krieges verändern
könnte. Ich denke, jedem ist klar, was Saddam Hussein versucht hat zu tun, um dem Krieg eine andere
Richtung zu geben und die Koalition zu schwächen.
Dabei wird er scheitern. Als die Sowjetunion eine so
eindeutige Erklärung abgab, war das sehr beruhigend.
Darüber hinaus stehen wir in engen Konsultationen mit
unseren Koalitionspartnern, und diese Koalition wird
nicht auseinanderbrechen. Davon bin ich überzeugt.
Frage: Vor zwei Tagen haben Sie einen Krieg begonnen, und der Krieg hat immer zwei Seiten. Warum
sollten Sie überrascht oder empört sein, wenn es zu
einem Vergeltungsschlag kommt?
Antwort: Gegen ein Land, das unschuldig und unbeteiligt ist - darum geht es doch. Israel ist nicht beteiligt.
Israel ist nicht an den Kämpfen beteiligt. Und dieser
Mann hat entschieden, ohne jedweden militärischen
Plan einen Terroranschlag gegen israelische Städte
zu führen. Es ist empörend, die ganze Welt weiß es,
und die meisten Länder der Welt sprechen sich dagegen aus. Einen solchen Akt kann man nur verdammen.
Frage: Warum erachtet das Weiße Haus alle Bestrebungen um eine friedliche Lösung als zum Scheitern
verurteilt?
Antwort: Meiner Meinung nach ist sich die Welt in
ihrem Wunsch einig, daß die UNO-Resolutionen eingehalten werden sollen. Jeder möchte einen Weg
finden, um die Kämpfe zu beenden. Aber es wird kein
Ende geben, wenn keine vollständige Einigung, Kooperation und Einhaltung dieser UNO-Resolutionen erzielt
wird. Dieser Mann wird keinen Sieg davontragen,
indem er Terroranschläge gegen ein unbeteiligtes
Land führt, und ich spreche hier von Israel.
Ich denke, jeder wünscht ein Ende herbei, aber es wird
kein Ende geben, bevor nicht unsere Ziele vollständig
erfüllt sind.
Frage: Sie haben vor einigen Wochen an dieser Stelle
versichert und heute wiederum bekräftigt, daß sich die

AMERIKA DIENST 3

�Koalition einem Versuch der Einbeziehung Israels
widersetzen würde oder vielleicht sogar Israels Vergeltung gegen einen Angriff. Könnten Sie uns heute
näher erläutern, worauf sich diese Aussage stützt?
Antwort: Ein Großteil der Diplomatie hat hinter den
Kulissen stattgefunden, und ich bin zu diesem Thema
sehr zuversichtlich.
Frage: Dazu noch eine Frage. Eine besonders
schwierige Situation ergibt sich für Jordanien, das in
dieser Region eine besonders exponierte Stellung hat.
Können Sie uns über mögliche Vereinbarungen oder
diplomatische Initiativen informieren, mit denen Jordanien möglicherweise Zusicherungen gemacht werden
oder mit denen Jordanien überzeugt werden soll,
nichts zu unternehmen, oder darüber, was geschehen
würde, wenn sie etwas unternehmen?
Antwort: Meines Wissens gibt es zum gegenwärtigen
Zeitpunkt diesbezüglich keine Absprachen mit Jordanien. Daher konnte ich dazu nicht Stellung nehmen.
Frage: Gestern nacht gab es Anzeichen - ich weiß,
daß Sie uns nicht sagen können, was im Moment vor
sich geht - aber gestern nacht schien es, als ob
israelische Flugzeuge in Richtung Irak abhoben. Hat
unsere Regierung einen geplanten israelischen Vergeltungsschlag vereitelt?
Antwort: Nein.
Frage: Zweitens, versuchen wir, Saddam Hussein zu
töten? Wir haben mehrere Gebäude bombardiert, in
denen er sich gestern nacht aufgehalten haben könnte.
Antwort: Wir haben keine Einzelpersonen zum Ziel.
Frage: Können Sie dem israelischen Volk irgendwelche Zusagen machen, daß die Zurückhaltung der
israelischen Regierung keine Risiken für die Bevölkerung in sich birgt?
Antwort: Meines Erachtens wissen sie um unsere
Entschlossenheit, sie nach oder vor diesem Angriff zu
schützen. Und wir werden unsere Bemühungen mit
dem entscheidendsten Such- und Vernichtungseinsatz verdoppeln, der je in diesem Gebiet geführt wurde. Ich hoffe, daß dies für die israelische Bevölkerung
beruhigend ist.
Frage: Könnte es sein, daß Saddam Hussein ein sehr
viel größeres Durchhaltevermögen besitzt als ursprünglich angenommen, oder gründet sich diese Annahme
auf einen bevorstehenden Landkrieg, der sich aller
Voraussicht nach in die Länge zieht?
Antwort: Nein, ich glaube nicht, daß irgendetwas auf
ein größeres Durchhaltevermögen als angenommen
hindeutet. Ich warne jedoch vor einer gewissen Euphorie, die sich gestern hier abzeichnete, weil alles
außerordentlich gut verlief - vom militärischen Stand-

AMERIKA DIENST 3

punkt aus außergewöhnlich gut. Das wurde auf der
ganzen Welt mit Freude aufgenommen. Ich möchte
nur davor warnen, daß es nicht immer so leicht sein
wird. Wir haben unsere Einschätzung über die Schwierigkeit der vor uns liegenden Aufgabe nicht revidiert.
Frage: Sie sagten, die Israelis hätten Zurückhaltung
gezeigt. Sind Sie sicher, daß sie auch weiterhin
zurückhaltend sein werden?
Antwort: Wir arbeiten daran, und ich hoffe, sie werden
zurückhaltend sein. Sie waren sehr kooperativ.
Außenminister Baker hat gestern abend mit Premierminister Schamir gesprochen. Ich werde wahrscheinlich in wenigen Minuten mit ihm telephonieren und
könnte diese Frage anschließend besser beantworten. Ich denke jedoch, sie sind sich über die Vielschichtigkeit dieser Situation im klaren. Wir sind es
zweifelsohne. Aber was auch immer geschieht - ich bin
sicher, daß diese Koalition zusammenhalten wird.
Frage: Werden Sie Premierminister Schamir eine
verbindliche Zusage machen können, daß alle Raketenstützpunkte zerstört sind?
Antwort: Das Problem hierbei ist, daß wir ihm nur
bezüglich einiger Raketenstützpunkte verbindliche
Zusagen machen können, weil es sich um mobile
Raketen handelt, die versteckt werden können.
Ich weiche hier etwas von meinem Terrain ab, weil ich
dem Verieidigungsministerium versprochen habe, auf
diese militärischen Fragen antworten zu dürfen. Aber
es liegt wohl auf der Hand, daß es außerordentlich
schwierig ist, die Erfassung aller mobilen Raketen
sicherzustellen, wenn man sie so verstecken kann, wie
es die Iraker getan haben.
Frage: Sie sagen, es liegen harte Tage vor uns. Es
gab jedoch auch ziemlich viele Diskussionen über die
unerwartet geringe Reaktion seitens der Iraker. Haben
Sie das erörtert, und was denken Sie? Wie läßt sich
dies Ihrer Ansicht nach erklären?
Antwort: Ich weiß es nicht. Ich denke, daß sie mit
jeder Stunde weniger zu einer Reaktion in der Lage
sein werden. Und ich sage das ohne Angeberei. Ich
sage dies nur, weil es das ist, was dort geschieht.
Es kann sehr gut sein, daß Saddam Hussein seine
mobilen Raketen zurückgehalten hat und sie beispielsweise dann auffährt, wenn er glaubt, sie seien unentdeckt und einige dieser Raketen mitten ins Stadtzentrum von Haifa abfeuert, um eine Art politische Aussage zu machen. Es könnten jedoch noch weitere
Raketen auf andere Länder gerichtet sein. Wer weiß?
Aber im Hinblick auf seine Fähigkeit zu einer militärischen Reaktion kann ich der Welt garantieren, daß er
mit jeder Stunde weniger zu einer Reaktion in der Lage
sein wird, sich gegen die gesamte Welt zu stellen - die
in diesen UNO-Resolutionen ausgedrückte Meinung
der Welt.

Seite 3

�Frage: Verfügen Sie über definitive nachrichtendienstliche Erkenntnisse, die darauf hindeuten, daß
immer noch eine akute Bedrohung mit chemischen
Waffen von Saddam Hussein ausgeht?
Antwort: Meines Erachtens besteht eine Bedrohung,
weil chemische Waffen verbreitet wurden. Er hat sie
gegen sein eigenes Volk eingesetzt. Und davor sind
unsere Truppen, das israelische Volk und natürlich alle
anderen in der Region gewarnt worden. Ich kann nicht
sagen, daß alle chemischen Waffen vernichtet wurden. Ich habe in meinen Ausführungen im Oval Office
festgestellt, daß seine Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen nicht existiert. Ich möchte Sie mit
dieser Frage jedoch ans Pentagon verweisen.
Frage: Dies ist das erste Mal, daß es andauernde
Erörterungen zwischen amerikanischen Soldaten und
arabischen Streitkräften gegeben hat. Bezüglich der
Reaktion der arabischen Welt bestanden enorme
Bedenken. Wie besorgt sind Sie über dieses Problem
nun, da der Krieg ausgebrochen ist? Kann irgendetwas getan werden, um den Schaden an den Beziehungen zwischen den arabischen Ländern und den Vereinigten Staaten so gering wie möglich zu halten?
Antwort: Sie sprechen darüber nicht im Zusammenhang mit dem Angriff auf Israel?
Frage: Mehr im Hinblick auf die arabischen Nationalisten.
Antwort: Ich bin nie davon ausgegangen, daß die
Araber gegenüber dem jetzigen Vorgehen eine ablehnende Haltung einnehmen würden. Wenn man sieht,
wie die Arabische Liga und selbst Ägypten mit der
größten Bevölkerungszahl der arabischen Länder uns
uneingeschränkt unterstützt, dann ist die Idee, die
Saddam Hussein zu verkaufen suchte - Araber gegen
Amerikaner - ein Scheinargument.
Wahrscheinlich befinden sich im Augenblick arabische
- kuwaitische oder saudische - Streitkräfte in der Luft.
In dieser Koalition gibt es ein starkes arabisches
Element. Innerhalb der Arabischen Liga sind viele
Länder gegen Saddam Hussein eingestellt und haben
lange das Gefühl gehabt, von ihm tyrannisiert zu
werden. Und es an der Zeit sei, seine Aggression zu
beenden. Daher mache ich mir diesbezüglich auf
lange Sicht keine Sorgen. Wenn all dies vorüber ist,
werden wir sehr diplomatisch vorgehen müssen, aber
zum gegenwärtigen Zeitpunkt bin ich davon überzeugt, daß viele Menschen und die Mehrheit der
arabischen Bevölkerung verstehen und billigen, was
die Vereinten Nationen getan haben und jetzt tun. Ich

* *

Seite 4

mache mir also keine Sorgen.
Es gibt natürlich einige andere Elemente, die mich in
gewisser Weise beunruhigen, aber mehr für die Zukunft gesehen als in der Gegenwart. Wenn all dies
vorüber ist, wollen wir die Wunden heilen. Wir wollen
alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu
fördern, was ich optimistisch als neue Weltordnung
bezeichnen möchte.
Diese neue Weltordnung sollte jedoch eine versöhnende Komponente enthalten. Sie sollte den Ländern,
die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf der anderen
Seite befinden - und davon gibt es nicht sehr viele verdeutlichen, daß sie Teil dieser neuen Weltordnung
sind. Sie bilden einen Teil dieses Ganzen - sie können
eine wichtige Rolle dabei spielen, daß die Welt im
Nahen Osten und andernorts in Frieden leben kann.
Natürlich sind einige gegen uns. Es gibt einige radikalere Elemente, die immer gegen den Westen und die
Vereinigten Staaten sein werden.
An dieser Aktion sind Länder beteiligt, die - um einen
antiquierten diplomatischen Ausdruck zu gebrauchen
- Saddam Hussein und dem Irak zugeneigt waren, die
in dieser neuen Weltordnung eindeutig im Vordergrund stehen. Ich schreibe Jordanien nicht ab. Wir
unterhalten seit Jahrzehnten Beziehungen zu König
Hussein, aber er befindet sich in einer äußerst schwierigen Lage. Wir hatten einige Differenzen, und ich
würde es begrü ßen, wenn er in der Öffentlichkeit etwas
grö ßeres Verständnis für das was die Vereinten Nationen hier zu vollbringen versuchen und die Rolle der
Vereinigten Staaten zeigen würde. Ich möchte damit
keinesfalls andeuten, daß Jordanien, weil es diese
Position bezogen hat, nicht weiterhin ein außerordentlich wichtiges Land in dieser neuen Weltordnung sein
wird. Ich wehre mich gegen die Prämisse, die Saddam
Hussein der Welt verkaufen wollte, daß es hier um die
arabische Welt gegen die Vereinigten Staaten gehe.
Es gibt überwältigende Beweise dafür, daß er unrecht
hat. Er versuchte offensichtlich, die Aufmerksamkeit
der Welt von seiner brutalen Aggression gegen Kuwait
abzulenken. Sie haben es in der Pressekonferenz von
Außenminister Asis gehört. Wenn es je einen Beweis

•.

i

.

für meine Worte gab, dann sein Verhalten bei dieser
Pressekonferenz.
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Meines Erachtens herrscht Einverständnis mit unserem Vorgehen. Und vielleicht sogar Respekt für die
Koalition, denn ich glaube, die arabische Welt sieht
ebenso wie ich, daß sich hieraus eine Chance für
dauerhaften Frieden ergeben kann.

* *

*

AMERIKA DIENST 3

�GOLFKRISE
23. Januar 1991

DER KRIEG AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Leitartikeln in der amerikanischen Tagespresse, die sich mit dem
Kriegsausbruch am Persischen Golf befassen.

The New York Times
Saddam Hussein konnte die Botschaften weder überhört noch mißverstanden haben, die ihm vom Rest der
Welt wiederholt übermittelt wurden, nachdem sich
seine Truppen im vergangenen August Kuwait einverleibt hatten. Sicherlich kann er die Botschaft nicht
überhört haben, die Mittwoch nacht durch Wellen von
Bombern und Raketen übermittelt wurde.
Dies ist eine gerechte Botschaft, die vornehmen Zielen
dient.
Damit sollen weder der Irak zerstört, noch Tausende
von Zivilisten getötet werden, und damit soll auch nicht
die gesamte Angelegenheit so schnell wie möglich mit
dem größtmöglichen Einsatz von Gewalt erledigt werden.
Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
haben die Ziele definiert.
Das Ziel ist die Befreigung Kuwaits, wie der Präsident
Mittwoch abend mit großem Ernst erklärte; die Stabilität in der Region soll gesichert werden; Saddam
Husseins Würgegriff um die Energiereserven der Welt
soll abgewendet und die Krise in einer Art und Weise
bewältigt werden, die einen entschiedenen, angemessenen Präzedenzfall für die Aufrechterhaltung kollektiver Sicherheit in der Welt nach dem kalten Krieg
schafft.
Die Verwirklichung dieser Ziele hängt in erster Linie
von Saddam Hussein ab. Alle von ihm ausgesandten
Anzeichen deuten jedoch darauf hin, daß er ein eiskaltes Kalkül verfolgt.
Nachdem er im achtjährigen iranisch-irakischen Krieg
Hunderttausende von Toten und Verwundeten in Kauf
genommen hat, mag er heute davon überzeugt sein,
AMERIKA DIENST 3

daß er in einem sich hinziehenden Landkrieg viele
tausend weitere hinnehmen kann - während ein paar
tausend Verluste die amerikanische Öffentlichkeit zu
hastigen, zaghaften Verhandlungen veranlaßten...
Die Amerikaner stehen gemeinsam hinter den amerikanischen und anderen Streitkräften, die ihr Leben
gegen einen brutalen Tyrannen einsetzen. Darüber
hinaus können sie gemeinsam inbrünstig hoffen, daß
Saddam Hussein endlich zuhört.
The Washington Post
Mit dem Eintritt der Nation in den Krieg stehen die
Amerikaner zweifelsohne geschlossen zu denen, die
für sie kämpfen, ungeachtet der politischen Meinungsunterschiede, die eine andauernde nationale Debatte
ausgelöst haben. Jetzt, da der Präsident die Entscheidung getroffen hat, trägt er als Oberbefehlshaber der
Streitkräfte die Verantwortung dafür, dieses Gut mit
der größtmöglichen Sorge zu behandeln, die im Einklang mit den Zielen der Aktion steht. Daran wird der
Präsident zunächst gemessen werden. Seine nüchterne Ansprache an die Nation vom gestrigen Abend
zeigte deutlich, daß er beabsichtigt, dieser Verpflichtung gerecht zu werden.
Unserer Meinung nach hat Mr. Bush seine Sache
überzeugend dargelegt. An der Bedrohung, die Saddam Hussein für das amerikanische Interesse an einer
geordneten Welt darstellte, kann kein Zweifel bestehen. Er hat nicht nur einen souveränen Staat überfallen, vergewaltigt und von der Landkarte ausradiert - ein
Akt nackter Aggression, der ihn jedoch noch nicht
hinreichend von all den anderen Tyrannen unterscheidet. Das Charakteristische an dieser Bedrohung ist die
Kombination von strategischer Lage, seinem immen-

Seite 1

�sen Ehrgeiz, seiner Skrupellosigkeit und seinem Haß
gegenüber dem Westen mit der Fülle an Waffen, mit
denen er seine Ziele erreichen will. Saddam Hussein
hoffte - und besaß die Fähigkeit -, nach Kuwait eine
Region zu destabilisieren und dominieren, die für das
weltweite Gleichgewicht entscheidend ist.
Der Präsident hat verkündet, daß britische und saudische Flugzeuge zusammen mit den Amerikanern am
ersten Schlag beteiligt waren. Trotzdem werden Fragen zum amerikanischen Anteil an den Lasten und
dem Zeitpunkt der Militäraktion den Beginn der Feindseligkeiten wahrscheinlich überdauern...
The Philadelphia Inquirer
Der Kriegsbeginn kann unsere Überzeugung nicht
revidieren, daß Präsident Bush zu früh vom Embargo
zum Krieg übergegangen ist. Wie Millionen Amerikaner (offensichtlich jedoch nicht die Mehrheit) waren
auch wir der Ansicht, daß die Zeit zum Krieg noch nicht
angebrochen war - nicht, bevor das Embargo sich als
völliger Fehlschlag erwiesen hätte und nicht, bevorder
Diplomatie eine weitere Chance eingeräumt worden
wäre.
Präsident Bush jedoch hat anders entscheiden... Und
er tat dies, nachdem der Kongreß leidenschaftlich über
alle Optionen debattiert und ihm eindeutig die Befugnis
erteilt hatte, so zu handeln. Nicht einmal seine Kritiker
werden sagen können, er habe seine verfassungsmäßigen Vollmachten überschritten.
In diesem ernsten Moment können alle Amerikaner in
der Achtung für den Dienst, den Mut und die potentiellen Opfer von Hunderttausenden von Männern und
Frauen vereint sein, die sich der Gefahr aussetzen...
Und nun können sich die Amerikaner auch ohne Zwist
oder Parteilichkeit in der Hoffnung zusammenschließen, daß dieser Krieg rasch beendet wird, daß die
Vereinten Nationen ihr Ziel der Befreiung Kuwaits
verwirklichen werden und der Blutzoll auf beiden Seiten weniger groß als befürchtet ausfällt. Schließlich ist
dies eine Zeit zum Gebet dafür, daß die Nationen einen
gerechten und dauerhaften Frieden aus der Asche des
Krieges erstehen lassen.
The Baltimore Sun
Mit Ausbruch des Kriegs am Persischen Golf sollte das
amerikanische Volk nicht nur zusammenstehen, um
unsere kämpfenden Truppen zu unterstützen, sondern um die hehren Prinzipien durchzusetzen, die
unserem Eingreifen zugrundeliegen. Der Tag, an dem
wir darüber streiten konnten, ob wir jetzt oder später
eingreifen, ob wir Gewalt oder Sanktionen einsetzen,
ist vorbei.
Bei diesem Konflikt geht es nicht nur um Öl, obwohl
Kontrolle über die wichtigsten Energievorräte der Welt
kein unwichtiger Faktor ist. Es geht nicht allein darum,
in Kuwait einem feudalistischen Emirat wieder an die
Seite 2

Macht zu verhelfen oder den skrupellosen irakischen
Diktator zu stürzen, obwohl diese Ziele an sich verdienstvoll wären.
Dies ist vielmehr ein Kampf für die Rechtsstaatlichkeit
in einer Welt, die für Rechtlosigkeit äu ßerst anfällig ist.
Es ist eine Schlacht, in der ein für allemal festgelegt
werden muß, daß der Untergang der kommunistischen Diktatur nicht von einem Machtvakuum gefolgt
wird, in dem regionale Tyrannen den Vereinten Nationen die Stirn bieten, Nachbarn erpressen und sich über
die Grundregeln von Würde und Anstand hinwegsetzen. Es geht bei diesem Kampf um Frieden, Ordnung
und Stabilität.
Vor etwa 50 Jahren, am Tag nach Pearl Harbor, hieß
es in dieser Zeitung, "wir können und werden nicht
hinnehmen, daß die Ehre aller Länder der Welt zerstört
wird, die Schwachen den Starken Tribut entrichten
müssen und die Welt und ihre Ressourcen unter den
selbsternannten Herrschern über die Menschlichkeit
aufgeteilt werden". An Größe kann Saddam Hussein
es nicht mit Hitler oder Tojo aufnehmen. Aber die
Massenvernichtungswaffen, über die heute Inhaber
von Petrodollars und rücksichtslosem Ehrgeiz verfügen sind so grauenhaft, daß verbrecherische Regime
in Schach gehalten werden müssen...
Dies ist ein Moment für Gebete, Standfestigkeit, für
den Glauben an die Rechtmäßigkeit der Sache unseres Landes. Wir ziehen zögernd, aber entschlossen in
den Krieg.
The Wall Street Journal
Beim Ausbruch des Krieges am Golf steht Amerika fest
zusammen. Später werden wir genug Zeit haben, um
die Veränderungen zu bewerten, die dieser Konflikt im
politischen Leben der Vereinigten Staaten und der
Welt hervorrufen wird. In diesem Augenblick ist es
richtig, vereint hinter den US-Streitkräften und ihren
Koalitionspartnern zu stehen, um den gemeinsamen
Feind zu besiegen.
Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß Saddam
Hussein ein Feind all der Männer und Frauen ist, die
jetzt ihr Leben riskieren, um seine Pläne zu durchkreuzen. Seit Monaten hat er in erstaunlich harten und
gewalttätigen Worten seine Absicht und Bereitschaft
bekundet, seine Waffenarsenale gegen die Soldaten
Amerikas, Israels und anderer Länder einzusetzen.
Um dieses Ziel zu verwirklichen, hat Saddam Hussein
eine Armee mit modernen Waffen aufgestellt, die
gegebenfalls durch die Geißel chemischer und nuklearer Waffen ergänzt werden kann.
Er wird keinen Erfolg haben. Es ist unsere Überzeugung, daß das amerikanische Volk über die militärische Stärke und den politischen Willen verfügt, um
Saddams ruchlosen Raubzug niederzuschlagen.
Präsident Bush hat vergangene Nacht erklärt, "was
getan werden muß", um sicherzustellen, daß Männer
AMERIKA DIENST 3

�vom Schlage Saddams Husseins nicht die freie Welt in
den Würgegriff nehmen, deren Zukunft sich so verheißungsvoll darstellt.
USA Today
Saddam stellt eine echte, keine eingebildete Gefahr
dar. Sein unverfrorenes Ziel bestand - und besteht
vielleicht immer noch - darin, die arabische Welt zu
beherrschen.

Jetzt, da der Krieg begonnen hat, mu ß der erste Schritt
darin bestehen, ihn so schnell und mit so geringen
Verlusten wie möglich zu beenden. Zweitens muß für
die Menschen in Amerika maximale Sicherheit vor
terroristischen Vergeltungsschlägen gewährleistet sein.
Dann muß die Nation sich an die Beantwortung der
schwierigen Fragen begeben, die sich nach einem
Sieg stellen:
Wie wird uns dieser Krieg davor bewahren, in
dieser Region jemals wieder kämpfen zu müssen? Wie kann der Sieg genutzt werden, um die
gefährlichste Region der Welt zu stabilisieren?

Um dieses Ziel zu erreichen, hätte er jedes Land am
Persischen Golf angegriffen, dem Öl zu Macht verholten hat. Er hätte versucht, die Demokratie in Ägypten
zu zerstören. Und er hat offen zugegeben, daß er
Israel vernichten würde.

Wie werden wir den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis lösen, dessen Beilegung
für den regionalen Frieden unabdingbar ist?

Solche Aktionen hätten zu einem Krieg geführt, bei
dem die Aussicht auf Sieg geringer und das Blutbad
größer gewesen wäre als heute.

Kann der Sieg helfen, den Terrorismus zu beenden und ein friedliches Betätigungsfeld für die
islamischen Fundamentalisten zu schaffen?

Als der Krieg wahrscheinlicher wurde, hat auch die
Redaktion von USA Today zu Geduld geraten - um
jeder Option außer einem Krieg eine Chance zu geben.
Das wäre ein klügerer Kurs mit der Möglichkeit gewesen, das Leben unschuldiger Menschen zu retten.
Aber die Ziele derjenigen, die Geduld angeraten haben
und des Präsidenten, der sich für Krieg ausgesprochen hat, sind deckungsgleich...

Wie können wir der Demokratie Vorschub leisten, um die Region zu stabilisieren, wenn es
sich bei den von uns verteidigten beiden Ländern um Monarchien handelt?
Heute befinden wir uns im Krieg, Mit der Zeit kommt
der Sieg...

* * * * *

AMERIKA DIENST 3

Seite 3

�THEMENINDEX
23. Januar 1991

DER AMERIKA DIENST
(2. Halbjahr 1990)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1990) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

APEC

30

Bush in Prag

46

Chemische Waffen,
Richtigstellung zu AD 29

31

Deutsch-Amerikanischer Tag

40

Deutsche Einheit

39,40

Deutschlandpolitik

36

Einwanderung

48

GATT

47, 48, 49

Golfkrise

Sonderdienst (10. 8. 1990)
32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 41
42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50

AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�Irak
Irak-UNO
IWF/Weltbank

Kernwaffen
KSE
KSZE
KSZE-Gipfel
Kongreß/Golf krise

Landwirtschaft

Meinungsumfragen in Amerika
Menschenrechte

NATO

Osteuropa

Sicherheitspolitik
Sowjetische Militärmacht
Südostasien

Terrorismus

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