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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Yh.Z.

16. Januar 1991

GOLFKRISE

BAKER: KEINERLEI FLEXIBILITÄT
DES IRAK ERKENNBAR
Pressekonferenz des US-Außenministers in Genf
DIE KRISE AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Januar 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
16. Januar 1991

BAKER: KEINERLEI FLEXIBILITÄT DES IRAK
ERKENNBAR
Pressekonferenz des US-Außenministers in Genf
GENF - (AD) - Nach über sechsstündigen Gesprächen mit dem irakischen Außenminister Asis in Genf stellte USAußenminister Baker am 9. Januar 1991 bei einer Pressekonferenz fest, er habe "nichts vernommen, was mir
gegenüber irgendeine Flexibilität des Irak im Hinblick auf die Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
angedeutet hätte".
Baker zufolge bestand der Zweck des Genfer Treffens nicht darin, mit dem Irak zu verhandeln, sondern zu
kommunizieren. "Es hat zu viele irakische Fehleinschätzungen gegeben", erklärte der Außenminister undführte
die Fehleinschätzungen der internationalen Reaktion auf die Invasion Kuwaits, der Reaktion auf die "barbarische
Politik des Festhaltens Tausender von Ausländern als Geiseln" sowie die Annahme an, der Irak könne die
internationale Staatengemeinschaft spalten.
"Lassen Sie uns hoffen, daß der Irak nicht erneut einer Fehleinschätzung unterliegt," stellte Baker fest. "Die
irakische Führung darf nicht daran zweifeln, daß die 28 Nationen, die zur Unterstützung der Vereinten Nationen
Streitkräfte zum Golf entsandt haben, sowohl die Macht als auch den Willen besitzen, den Irak aus Kuwait zu
vertreiben."
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Genfer Pressekonferenz im Wortlaut.

Baker: Meine Damen und Herren. Ich habe soeben
Präsident Bush umfassend über unser heutiges Treffen unterrichtet. Ich habe ihm mitgeteilt, daß Minister
Asis und ich ein ernsthaftes und ausführliches diplomatisches Gespräch abgeschlossen haben, um eine
politische Lösung für die Krise am Golf zu finden.
Ich habe mich heute mit Minister Asis nicht getroffen,
um zu verhandeln, wie wir dies klargemacht hatten das heißt, wir würden nicht von den Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats abrücken -, sondern ich habe mich
heute mit ihm getroffen, um zu kommunizieren. Und
kommunizieren heißt, sowohl zuhören als auch selbst
Stellung zu nehmen, und genau dies haben wir beide
getan.
Die Botschaft, die ich von Präsident Bush und unseren
Koalitionspartnern übermittelte, lautete, daß sich der
Irak entweder dem Willen der internationalen Staatengemeinschaft fügen und sich friedlich aus Kuwait zurückziehen muß, oder daß er mit Gewalt von dort

AMERIKA DIENST 2

vertrieben wird. Bedauerlicherweise habe ich heute in
über sechs Stunden nichts vernommen, was mir gegenüber irgendeine Flexibilität des Irak im Hinblick auf
die Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats angedeutet hätte.
Es hat zu viele irakische Fehleinschätzungen gegeben. Die irakische Regierung hat die internationale
Reaktion auf die Invasion Kuwaits falsch eingeschätzt,
indem sie erwartete, die internationale Staatengemeinschaft werde die Hände in den Schoß legen,
während die irakischen Truppen systematisch einen
friedlichen Nachbarstaat ausplünderten.
Sie hat meines Erachtens die Reaktion auf die barbarische Politik des Festhaltens Tausender von Ausländern als Geiseln falsch eingeschätzt, indem sie annahm, daß deren zynische Freilassung in kleinen
Gruppen ihr irgendeinen politischen Vorteil bringen
könnte. Und sie unterlag der Fehleinschätzung, sie
könne die internationale Staatengemeinschaft spalten

Seite 1

�und dadurch irgendeinen Vorteil aus ihrer Aggression
ziehen. Lassen Sie uns hoffen, daß der Irak nicht
erneut einer Fehleinschätzung unterliegt.

hen, daß der Generalsekretät der Vereinten Nationen
in den uns noch verbleibenden etwa sechs Tagen
seine guten Dienste zur Verfügung stellt.

Die irakische Führung darf nicht daran zweifeln, daß
die 28 Nationen, die zur Unterstützung der Vereinten
Nationen Streitkräfte zum Golf entsandt haben, sowohl die Macht als auch den Willen besitzen, den Irak
aus Kuwait zu vertreiben. Wenn er sich dafür entscheiden sollte - und die Entscheidung liegt beim Irak - seine
brutale Besetzung Kuwaits fortzusetzen, wird sich der
Irak für eine militärische Konfrontation entscheiden,
die er nicht gewinnen kann und die für den Irak
verheerende Folgen haben wird.

Ich habe bereits erwähnt, daß ich nichts vernommen
habe, was mir gegenüber Flexibilität demonstriert hätte
und auch keine neuen Vorschläge gehört habe. Ich
nehme jedoch die Tatsache zur Kenntnis, daß der
Minister den Vorschlag wiederholt hat, die Vereinigten
Staaten sollten ihm ein Datum für einen Besuch in den
Vereinigten Staaten nennen und der Irak ein Datum für
einen Besuch von mir in Bagdad vorschlagen.

Ich habe Minister Asis gegenüber diese Punkte dargelegt nicht um zu drohen, sondern um zu informieren.
Ich tat dies nicht mit einem Gefühl der Befriedigung,
denn wir sind voll und ganz um eine friedliche Lösung
bestrebt, und - wie der Präsident und ich oftmals erklärt
haben - das Volk der Vereinigten Staaten liegt nicht mit
dem Volk des Irak im Streit.
Ich wollte lediglich so wenig Spielraum wie möglich für
eine weitere tragische Fehleinschätzung seitens der
irakischen Führung zulassen. Und ich möchte Ihnen
gegenüber betonen, daß diese Konfrontation immer
noch vom Irak vermieden werden kann.
Der Weg des Friedens bleibt offen, und dieser Weg ist
in den 12 vom UN-Sicherheitsrat in den vergangenen
fünf Monaten verabschiedeten Resolutionen sehr klar
definiert.
Nun jedoch obliegt die Entscheidung der irakischen
Führung. Sie hat die Wahl, und wir alle hoffen, daß
diese Führung die Weisheit besitzt, den Weg des
Friedens zu wählen.
Frage: Was planen Ihre Verbündeten als nächstes,
um diese Botschaft zu verdeutlichen?
Antwort: Sie fragen "Was planen die Verbündeten als
nächstes", und ich meine, es ist wichtig, daß jeder
feststellt, daß dies eine Koalition ist. Es handelt sich
nicht um den Irak gegen die Vereinigten Staaten. Der
Irak steht gegen die internationale Staatengemeinschaft. Dies war das erste Mal, daß wir Übereinstimmung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak
in bezug auf ein Treffen hatten.
Ich weiß also nicht, wie die nächsten Schritte aussehenwerden. Ich weiß jedoch folgendes: die Zeit läuft.
Nach fünf Monaten und zwölf Resolutionen des UNSicherheitsrats erscheint es mir als nahezu offensichtlich, daß die Zeit für Gespräche abläuft. Für den Irak
ist es Zeit zu handeln, und zwar schnell zu handeln und
aus Kuwait abzuziehen.
Aber dies ist eine Koalition, und wir streben nach
Durchführung der feierlichen Resolutionen der Vereinten Nationen. Deshalb könnte ein Weg darin beste-

Seite 2

Diejenigen unter Ihnen, die mit uns gereist sind, kennen unsere Antwort darauf. Wir haben sie in den
vergangenen vier oder fünf Tagen gegeben, und ich
habe sie dem Minister gegenüber wiederholt. Wir
haben 15 verschiedene Tage für einen Besuch in
Bagdad angeboten. Der Präsident der Vereinigten
Staaten hat den Vorschlag persönlicher Gespräche
gemacht. Wir freuen uns, daß der Irak diesen angenommen hat, weil wir sechs Stunden hatten, in denen
wir ihnen unsere Position erläutern und sie uns mit
ihrer Position vertraut machen konnten.
Was jedoch die nächsten Schritte angeht, daß es
angesichts der Tatsache, daß wir hier von einer Koalition und der Verwirklichung der UNO-Resolutionen
sprechen - ich kenne die Position des Irak zu dieser
Frage nicht - vielleicht unsererseits die Möglichkeit
gibt, die guten Dienste des Generalsekretärs der
Vereinten Nationen in Anspruch zu nehmen.
Frage: Herr Minister, hat der irakische Außenminister
seine Forderungen nach - wie er es bezeichnet "Gerechtigkeit und Fairneß" für die Palästinenser
wiederholt? Gab es irgendwelche Abweichungen in
der amerikanischen Position, die Sie ihm gegenüber
zum Ausdruck gebracht haben, derzufolge die beiden
Fragen nicht miteinander verbunden sind?
Antwort: Nein. Er hat seine Position dargelegt. Es
gab keinerlei Veränderung in unserer Position, die
darin besteht, daß beide Fragen nicht miteinander
verknüpft sind. Ich habe jedoch betont, daß meines
Erachtens kaum jemand daran glaubt, der Irak sei in
Kuwait eingefallen, um den Palästinensern zu helfen
und daß sie, falls dies so sein sollte, einer weiteren
Fehleinschätzung unterlegen seien, weil es den Palästinensern nicht geholfen hat.
Meines Erachtens gehen die meisten Menschen davon aus, daß der Irak Kuwait zum Zweck der Vergrößerung des Irak überfallen hat, und die meisten Menschen sind sich darüber im klaren, daß der Irak versucht, die Palästinafrage zu benutzen, um seine
Aggression gegen Kuwait zu bemänteln. Diese bleibt
meines Erachtens zumindest ein Hindernis auf dem
Weg zu einem umfassenden Frieden in der Region und
ist kein Katalysator für die Erlangung eines solchen
umfassenden Friedens.

AMERIKA DIENST 2

�Ich habe darüber hinaus verdeutlicht, daß eine Belohnung des Irak mit einem Junktim zum arabisch-israelischen Friedensprozeß in diesem ausschlaggebenden Moment der Geschichte nicht nur den ehrlichen
Friedensstiftern in der Region, sondern auch anderen
potentiellen Aggressoren ein schreckliches Signal
senden würde.

*
„

Frage: Herr Minister, sind die Vereinigten Staaten
bereit, vor dem 15. Januar erneut mit dem Irak zu
sprechen und haben Sie mit dem Präsidenten über die
Möglichkeit gesprochen, daß Sie doch noch nach
Bagdad reisen könnten.
Antwort: Ich hatte dies bereits mit Präsident Bush
erörtert, und ich hatte Ihnen bereits erklärt, was ich
davon hielt. Der Präsident selbst hat - wenn ich mich
recht erinnere - gesagt: "Es wird keine Reise nach
Bagdad geben." Der von ihm ursprünglich gemachte
Vorschlag wurde letztlich vom Irak zurückgewiesen.
Wir haben 15 verschiedene Termine angeboten. Sie
bestanden stets auf einem einzigen Datum - dem 12.
Januar, was von uns damals und auch heute als
Versuch interpretiert wurde und wird, die am 15. Januar ablaufende Frist zu umgehen, und daran haben
wir kein Interesse.
Unseres Erachtens ist diese Frist eine Realität, und
unsere Koalitionspartner denken ebenso.
Frage: Haben Sie darüber heute mit dem Präsidenten
gesprochen?
Antwort: Ich habe den Präsidenten selbstverständlich vollständig unterrichtet.
Frage: Könnten Sie uns, da Sie sechs Stunden
miteinander gesprochen haben, einen Einblick in den
Ablauf der Gespräche geben? Womit haben Sie
begonnen? Womit hat er gekontert? Warum erachteten Sie es nach zwei Stunden als notwendig, mit dem
Präsidenten zu telefonieren?
Antwort: Nun, wir haben eine Mittagspause eingelegt. Und dieses Treffen ist meines Erachtens wichtig
genug, um den Präsidenten anzurufen, und das tat ich
auch, genau wie nach Abschluß des Treffens.

s

Frage: Haben Sie zu Beginn den Brief vorgelesen...
Antwort: Ich habe mit der Erklärung begonnen, daß
ich nicht zu Verhandlungen sondern zur Kommunikation hier bin, daß ich zu einem ernsthaften Dialog und
im Versuch hier bin, eine politische und friedliche
Lösung zu finden, daß sie aber nicht erwarten sollten,
wir würden von den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats abrücken und daß die Bedingungen dieser Resolutionen bereits feststünden.
Ich habe dem Minister ferner mitgeteilt, ich würde mich
beim Ablauf dieses Treffens ganz auf seine Wünsche
einstellen. Ich überließ ihm die Wahl, und er entschied
sich dafür, mich den Anfang machen zu lassen. Ebenso
AMERIKA DIENST 2

ließ ich ihn darüber entscheiden, wer Sie als erster
unterrichten sollte, und er entschied, mich als ersten
hier auftreten zu lassen.
So sind wir dorthin gekommen, wo wir heute stehen.
Aber ich möchte darauf hinweisen, daß ich ihm dargelegt habe, wie wir die Situation sehen, wie sich unserer
Ansicht nach die Resolutionen des Sicherheitsrats
entwickelt haben, was meiner Meinung nach bei Befolgung dieser Resolutionen geschehen könnte und was
ich für den Fall der Nichteinhaltung dieser Resolutionen durch den Irak befürchte.
Daraufhin hat er mir die Position des Irak dargelegt. Er
wird in einigen Minuten hier sein - hier können wir
natürlich nicht die gesamten sechs Stunden durchgehen, weil niemand sonst Gelegenheit hätte, Fragen zu
stellen.
Frage: Dazu noch eine Frage: Wie detailliert haben
Sie über den Umfang der Truppen gesprochen, die
gegen den Irak eingesetzt würden, wenn er die UNOResolutionen nicht bis zum 15. Januar durchführt?
Antwort: Ich habe nicht eingehend Dinge erörtert, die
in den Bereich konkreter sicherheitspolitischer Maßnahmen fallen. Ich hoffe, zumindest meinen Standpunkt zur 28 Nationen umfassenden multinationalen
Streitmacht deutlich dargelegt zu haben, die gegenwärtig im Golf stationiert ist.
Frage: Herr Außenminister, sind die Vereinigten Staaten
an einem gegebenenfalls unter Aufsicht der Vereinten
Nationen erfolgenden stufenweisen Abzug interessiert? Wenn ein solcher Abzug am 15. Januar beginnen würde, würden die Vereinigten Staaten dann
garantieren, daß kein militärischer Angriff auf den Irak
erfolgt?
Antwort: Ich habe dem Minister folgendes zugesichert: wenn sie die UNO-Resolutionen durchführen,
aus Kuwait abziehen und die Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits zulassen, könnte
ich ihm zusichern, daß die Vereinigten Staaten keinen
militärischen Schlag führen. Unter diesen Umständen
würde auch kein anderes Mitglied der internationalen
Koalition militärisch eingreifen.
Um noch einmal auf die erste Frage zurückzukommen,
so sprechen die UNO-Resolutionen für sich. Wir sind
Mitglied einer internationalen Koalition, ein Land von
insgesamt 28. Darüber hinaus haben andere Länder
finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung geleistet.
Und es geht nicht an, daß wir von den hehren Resolutionen der Vereinten Nationen abrücken.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben zu einem
früheren Zeitpunkt erklärt, zum Einsatz von Gewalt die
Zustimmung auf höchster Ebene einholen zu wollen.
Befinden Sie sich in dem Prozeß jetzt an einem Punkt,
an dem Sie den Einsatz von Gewalt von anderen
Regierungen fordern?

Seite 3

�Antwort: Nein. Aber die Zeit läuft, und das habe ich
dem Minister heute deutlich zu verstehen gegeben.
Was uns betrifft, so hat der Präsident der Vereinigten
Staaten, der in unserer Exekutive diese Entscheidung
allein treffen kann, diese nicht getroffen. Und meines
Wissens haben andere Regierungen das auch nicht
getan.
Frage: Herr Außenminister, würden Sie in den verbleibenden sechs Tagen bis zum UNO-Ultimatum eine
Initiative der europäischen Verbündeten oder arabischer Staaten wie etwa Algerien begrüßen, im Rahmen derer möglicherweise ein europäischer Außenminister nach Bagdad entsandt würde, um sich um eine
friedliche Lösung zu bemühen?
Antwort: Dies ist eine internationale Koalition - das
kann ich nicht oft genug wiederholen - und ich habe
Ihnen bereits erklärt, daß diese internationale Koalition
die feierlichen Resolutionen der Institution zu verwirklichen sucht, die sich der Friedenssicherung und Sicherheit in der Welt verschrieben hat. Und meines
Erachtens könnten zum Beispiel die guten Dienste des
Generalsekretärs vjllejcht nützlich sein.
Aber ich habe gestern abend und auch schon Monate
vorher erklärt, daß wir jedwede diplomatischen Bestrebungen begrüßen, um diese Krise auf friedlichem
und politischem Wege zu lösen. Wir wollen, daß sie
friedlich und politisch gelöst wird. Ich bin natürlich
enttäuscht, daß wir heute keinerlei Hinweise auf eine
flexible Haltung des Irak erhalten haben.
Wir begrüßen also jedwede diplomatische Bestrebung. Wenn es Bemühungen von Mitgliedern der
internationalen Koalition gibt, daß eine einheitliche
Botschaft übermittelt werden soll, wie das fünf Monate
lang der Fall war, sollte es keine uneinheitliche Botschaft werden. Aber wir wollen eine friedliche und
politische Lösung.
Frage: Herr Außenminister, sie haben wiederholt
erklärt, keine Hinweise auf Flexibilität wahrgenommen
zu haben. Hat der irakische Außenminister Ihnen
tatsächlich gesagt, daß der Irak Kuwait behalten und
sich nicht aus dem Land zurückziehen will?
Antwort: Das hat er so nicht gesagt, aber er hat nicht
angedeutet, daß irgendeine Chance für den Abzug
bestünde. Ich sehe, offen gesagt, keine Flexibilität in
ihrer Haltung. Sie können ihn ja fragen, wenn er
hierherkommt.
Frage: Herr Außenminister, haben Sie in Beantwortung der von Außenminister Asis aufgeworfenen Probleme des Nahen Ostens die Bestrebungen erörtert,
die die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit unternommen haben, um Frieden zwischen Arabern und
Israelis zu schließen?
Antwort: Ja.

Seite 4

Frage: Konnten Sie den Irak überzeugen, daß die
Vereinigten Staaten es ernst meinen und ernsthaft an
der Lösung dieser Probleme interessiert sind?
Antwort: Ja. Wir haben einen großen Teil der
Geschichte der persönlichen Bemühungen erörtert,
die ich seit 14 Monaten unternehme, um einen Dialog
zwischen Palästinensern und Israelis herbeizuführen.
Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die Vereinigten
Staaten die Vereinbarung von Camp David geschlossen und dem Frieden zwischen Israel und Ägypten
Vorschub geleistet haben, und wir ha,ben zu djesem
Thema eingehende Gespräche geführt.
Ich möchte klarstellen, daß ich sehr deutlich gesagt
habe, es werde kein Junktim dieser Frage mit Iraks
Abzug aus Kuwait geben. Und wir würden keiner
Bedingung für ihren Abzug zustimmen, derzufolge
später bestimmte Schritte unternommen werden
müßten. Sie haben diese Frage aufgeworfen, und wir
haben darüber sehr eingehende Gespräche geführt.
Frage: Wie lautete ihre Antwort?
Antwort: Wir sind dagegen. Wir sind eindeutig
dagegen. Und ich habe Ihnen bereits erklärt, warum
meiner Ansicht nach ein Junktim keine gute Idee ist.
Ich denke, es wird dem Frieden in der Region nicht
Vorschub leisten. Es wird als Belohnung für Aggression interpretiert und den künftigen Frieden in der
Region gefährden.
Frage: Herr Außenminister, was haben Sie dem
irakischen Außenminister über die Bereitschaft des
amerikanischen Volkes gesagt, in den Krieg zu ziehen
und über die Auswirkungen des politischen Drucks auf
die Entscheidungsfindung des Präsidenten?
Antwort: Ich habe gesagt, unterschätzen Sie nicht die
Entschlossenheit des amerikanischen Volkes, das nicht
leicht zu verärgern ist, aber fest an Prinzipien glaubt
und daran, daß Aggression nicht belohnt werden sollte
und daß große Länder mit einer mächtigen Militärmaschinerie ihre friedlichen Nachbarn nicht überfallen,
besetzen und terrorisieren dürfen.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben uns gesagt,
was Sie nicht gehört haben. Sie haben nichts über
Flexibilität vernommen, und Sie haben uns etwas über
längere historische Betrachtungen erzählt. Können
Sie uns sagen, was Sie gehört haben? Haben Sie vom
irakischen Außenminister Rechtfertigungen erhalten?
Wurde das wiederholt, was sie seit einiger Zeit öffentlich erklären?
Antwort: Ich habe einiges vernommen, was ich, um
ehrlich zu sein, kaum glauben konnte, aber ich möchte,
daß er näher darauf eingeht. Ich habe zum Beispiel
gehört, daß ihre Invasion Kuwaits defensiven Charakter hatte und daß sie von Kuwait bedroht wurden. Und
darauf werde ich Ihnen ebenso antworten wie dem

AMERIKA DIENST 2

�Minister: ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendein
Land auf der Welt dies glaubt.
Frage: Herr Außenminister, obwohl Sie heute hier
sechs Stunden mit Außenminister Asis gesprochen
haben, hatten Sie in den letzten fünfeinhalb Monaten
wenig Kontakt zum Irak. Wie kann man die Historiker
davon abhalten, den Schluß zu ziehen, daß die Diplomatie hier versagt hat und wir unweigerlich in den Krieg
schlittern?
Antwort: Es hat viele Gespräche mit dem Irak gegeben - alle jedoch ohne Erfolg. Der Generalsekretär hat
bereits eine erfolglose Mission hinter sich. Es hat eine
Reihe arabischer Bemühungen zur Lösung dieser
Krise gegeben - alle ohne Erfolg. Es hat ferner
Bemühungen anderer westlicher Regierungen gegeben. Die Sowjetunion hat sich große Mühe gegeben.
Sie haben Treffen abgehalten. Wir haben Treffen
abgehalten. Die Leute könnten also schreiben, was
immer sie wollen.
Tatsache ist jedenfalls, daß die internationale Koalition
einen sehr verantwortungsbewu ßten und angemessenen Ansatz verfolgt hat. Wir sind nicht, wie manche
vielleicht meinen, halbwegs überfahren worden. Wir
sind in den Vereinten Nationen geduldig vorgegangen
und haben im Sicherheitsrat an einem Konsens gearbeitet. Und erst nach fünfeinhalb Monaten und 12
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats sind wir an dem
Punkt, wo der Einsatz von Gewalt erörtert wird.
Meiner Ansicht nach haben wir in dieser Krise mehr
diplomatische Bestrebungen unternommen als jemals
zuvor. Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang
jedoch um eins bitten - nicht Diplomatie mit Beschwichtigung gleichzusetzen. Diesen Fehler haben wir in den
dreißiger Jahren, zumindest von unserer Seite, gemacht. Wir haben nicht die Absicht, ihn zu wiederholen.
Frage: Meine Frage hat zwei Teile. Hat der Außenminister angedeutet, der Irak werde aus Kuwait abziehen, wenn es ein Junktim gäbe, wie etwa die Franzosen oder andere behaupten? Und wenn das so ist, ist
dann das Junktim ein Grund für den Verlust von vielen
Menschenleben?
Antwort: Ich denke nicht, daß er das ausdrücklich
gesagt hat. Es war in seinen Äußerungen enthalten.
Aber er wird ja hierher kommen, und sie können ihn
selbst fragen. Es geht um mehr als um ein Junktim,
wenn ich sie recht verstehe. Man müßte Konferenzen
vereinbaren, die über ein Junktim hinaus etwas leisten.
Frage: Herr Außenminister, hat Minister Asis einen
bestimmten Vorschlag gemacht, demzufolge der Irak
aus Kuwait abziehen würde? Wie unannehmbar er
auch fürSie gewesen sein mag - gab es ihn überhaupt?
Antwort: Nein, es gab keinen solchen Vorschlag. Er
hat die Position wiederholt, die der Irak bisher öffent-

AMERIKA DIENST 2

lich vertreten hat. Er hat den Schlag der Invasion und
Besetzung Kuwaits verteidigt. Er hat erklärt, wie dies
seiner Meinung nach zu rechtfertigen ist. Aber er wird
ja selbst hierherkommen, und dann können Sie ihn
fragen.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben eindeutig
klargestellt, daß Sie nicht nach Bagdad reisen werden.
Aber haben Sie und Außenminister Asis über zukünftige diplomatische Kontakte auf Ihrer Ebene zwischen
den Vereinigten Staaten und dem Irak gesprochen?
Oder stellt dieses sechseinhalbstündige Treffen das
Ende der diplomatischen Initiativen seitens der Vereinigten Staaten dar?
Antwort: Wir werden unsere diplomatischen Verbindungen bis zum 12. Januar über unseren Charge
d'affaires in Bagdad aufrechterhalten. Ich habe um die
persönliche Zusicherung von Außenminister Asis
gebeten und sie auch erhalten, daß Joe Wilson und
den vier anderen Amerikanern in unserer dortigen
Botschaft die Ausreise am 12. Januar gestattet wird.
Frage: Herr Außenminister, Sie machen einen relativ
bedrückten Eindruck. Können Sie Ihre Verfassung
und Ihre Stimmung nach den heutigen Ereignissen
beschreiben?
Antwort: Bedrückt.
Frage: Raten Sie zur Evakuierung?
Antwort: Das habe ich nicht gesagt. Ich habe
festgestellt, daß wir um das Zugeständnis ersucht und
es auch erhalten haben, daß unsere verbleibenden
fünf Diplomaten am 12. Januar ausreisen dürfen. Wie
Sie wohl wissen, kommt dieses Datum dem am 15.
Januar auslaufenden Ultimatum sehr nahe und ist der
Termin, auf dem der Irak seit drei Wochen für ein
Treffen bestanden hat.
Frage: Was ist mit den anderen Amerikanern?
Antwort: Soweit ich weiß, haben die meisten Amerikaner den Irak verlassen. Alle die ausreisen wollten,
haben dies meines Wissens getan.
Frage: Können Sie uns etwas zu dem Brief von
Präsident Bush sagen? War er auf Arabisch? Welchen Tenor hatte er? Enthielt er graphische Darstellungen militärischer Szenarien, die auf Einschüchterung abzielten?
Antwort: Ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen,
daß der Außenminister es vorgezogen hat, den Brief
von Präsident Bush nicht in Empfang zu nehmen. Er
hat ihn sehr langsam und äußerst sorgfältig gelesen,
aber weder er noch die Irakische Botschaft in Washington haben eine Übersetzung in Arabisch entgegengenommen. Sie werden Außenminister Asis fragen müssen, warum er den Brief nicht angenommen
hat.

Seite 5

�Meines Erachtens - und das ist nur eine Mutmaßung war er nicht befugt, ein Schreiben anzunehmen.

Frage: Wären Sie immer noch bereit, auch am 12.
Januar - anstatt mit Außenminister Asis - mit Saddam
Hussein selbst zusammenzutreffen? Es sind noch
drei Tage bis dahin.

Frage: Haben Sie die Möglichkeit einer erneuten
Sitzung der Vereinten Nationen zur Erörterung der
Golfkrise angeschnitten? Sie wissen, daß Präsident "Antwort: Wir sagen seit drei Wochen, daß der 12.
Mitterrand vorgeschlagen hat, eine neue Gesprächs- Januar für uns unannehmbar ist, weil dies nur einen
runde könnte höchstwahrscheinlich möglich und hilVersuch zur Umgehung des Ultimatums darstellt. Das
freich sein. Haben Sie diese Möglichkeit mit dem ist offensichtlich. Aus diesem Grund wurde der 12.
irakischen Minister erörtert?
ursprünglich vorgeschlagen. Wir haben seit langem
gesagt, daß dieser Termin für uns inakzeptabel ist und
Antwort: Nein, das wurde bei meinem heutigen bleibt.
Treffen mit dem irakischen Minister nicht erwähnt. Ich
habe diese Frage jedoch vor ein oder zwei Tagen Frage: Haben Sie Ihre Vision dargelegt, wie die
angeschnitten, und auch Präsident Bush hat darüber Golfregion nach einem friedlichen Abzug der Iraker
gesprochen.
aussehen würde? Mit anderen Worten, einige der
Restriktionen erwähnt, von denen Sie gesprochen
Ich weiß nicht, was ein weiteres Treffen des UNhaben, die dem Irak selbst im Falle eines Rückzugs
Sicherheitsrats zu diesem Zeitpunkt bewirken könnte. auferlegt werden müßten? Haben Sie ihm diesen Plan
Wir sprechen hier über die getreue Durchführung der
erörtert?
Resolutionen des Sicherheitsrats, von denen die letzte
verfügt, wenn der Irak bis zum 15. Januar null Uhr nicht Antwort: Ja, bei unserer ersten Unterredung heute
aus Kuwait abgezogen ist, kann zur Durchsetzung des morgen. Ich habe nicht die Zeit, dies jetzt im einzelnen
Abzugs Gewalt angewandt werden. Es gibt dazu 12 mit Ihnen durchzugehen. Es fällt jedoch genau in die
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.
Kategorie der Zusicherungen, daß seitens der Vereinigten Staaten im Falle des Abzugs aus Kuwait und der
Frage: Präsident Mitterrand hat diesen Vorschlag Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuunterbreitet.
waits gegen den Irak keine militärische Gewalt angewandt wird.
Antwort: Ich kann Ihre Frage nicht beantworten. Ich
möchte Sie an Präsident Mitterrand verweisen. Wie Frage: Haben Sie über Nuklear- und chemische
ich jedoch gerade gesagt habe, könnte es sich als Waffen, die Größe des irakischen Militärs und die
nützlich erweisen, die guten Dienste des GeneralseDinge gesprochen, die vielen in der westlichen Koalikretärs in Anspruch zu nehmen.
tion über die Besetzung Kuwaits hinaus Sorge bereiFrage: Herr Außenminister, haben Sie Grund zu der
Annahme, daß noch irgendeine Möglichkeit zur Vermeidung eines Kriegs besteht?
Antwort: Ja, ich hoffe sehr. Für diese Möglichkeit ist
noch keine Entscheidung getroffen worden. Ich möchte nochmals auf meine Eröffnungsrede verweisen, in
der ich meiner Hoffnung Ausdruck verliehen habe, daß
es keine weiteren Fehleinschätzungen seitens der
irakischen Regierung gibt.
Darüber hinaus möchte ich auch die von Präsident
Bush, mir und anderen Mitgliedern der Koalition zum
Kurs der vergangenen Tage und Wochen abgegebenen Erklärungen erwähnen, die ich heute gegenüber
dem Minister wiederholt habe - nicht als Drohung,
sondern schlicht und einfach, damit er weiß, wo wir
stehen, wie wir fühlen und denken und das Ultimatum
vom 15. Januar aus unserer Sicht eine Realität ist.
Der Irak hat die Wahl, dies zu glauben oder nicht, aber
dieser Termin ist für uns und die Koalitionspartner eine
Realität. Wir hoffen, es ist ihnen bewußt, daß dieses
Datum für uns eine Realität ist, und daß sie handeln,
um die feierlichen Resolutionen der Vereinten Nationen zu verwirklichen.

Seite 6

ten?
Antwort: Wir haben die Frage der Massenvernichtungswaffen ausführlich erörtert. Ich habe die Interessen der Vereinigten Staaten dargelegt, wie wir sie
zuvor bei der Erörterung dieser Fragen und Probleme
zum Ausdruck gebracht haben. Wir haben über die
multinationale Präsenz in der Region und die Erklärung Präsident Bushs gesprochen, daß wir keinen
Wunsch nach einer ständigen militärischen Präsenz
von Landstreitkräften im Nahen Osten, sprich am Golf,
haben. Wir wollen, daß unsere Truppen nach Hause
zurückkehren sobald es die Sicherheitslage erlaubt.
Diese Art von Fragen haben wir - wie Sie sich denken
können - erörtert.
Frage: Würden Sie uns bitte erläutern, an welchem
Punkt die Gespräche abgebrochen wurden? Warum
und wie geschah es? Haben Sie oder Außenminister
Asis das Treffen beendet? Oder gab es einfach nichts
mehr zu besprechen?
Antwort: Es war einfach so, daß wir nach sechsstündigen Gesprächen beide mehr oder weniger die Punkte vorgebracht hatten, die wir vorbringen wollten, und
das war es. Ich glaube nicht, daß irgendetwas ungesagt blieb. Meines Erachtens hat er alles gesagt, was

AMERIKA DIENST 2

�er vorbringen wollte, und dasselbe gilt für mich. Offen
gesagt, dauerte das Gespräch länger, als man am
Anfang vermutet hätte.
Frage: Sie haben erwähnt, daß Sie die amerikanischen Diplomaten zurückberufen werden. Werden
Sie am 12. Januar auch die irakischen Diplomaten zum
Verlassen der Vereinigten Staaten auffordern?
Antwort: Nein. Wir werden die irakische Regierung
auffordern, am 12. Januar ihre diplomatische Präsenz
in den Vereinigten Staaten abzubauen. Ich habe
Außenminister Asis gegenüber angedeutet, daß wir
bereit wären, die Präsenz eines kleinen diplomatischen Kontingents in Washington zu gestatten.
Frage: Haben Sie das Gefühl, wenn Sie ein Junktim
akzeptiert hätten, könnte der Irak zum Abzug aus
Kuwait eingewilligt haben?
Antwort: Ich weiß nicht. Warum stellen Sie diese
Frage nicht Außenminister Asis. Ich bin nicht ganz
sicher, was Sie unter "akzeptiertem Junktim" verstehen. Meinen Sie, wenn wir es akzeptiert, die Bereitschaft angedeutet hätten, an einer internationalen
Konferenz zur Nahostfrage teilzunehmen - stellen Sie
ihm die Frage, es wäre sehr interessant.
Unsere Position ist Ihnen seit langem bekannt. Unseres Erachtens würde ein außerordentlich unglücklicher Präzedenzfall geschaffen und auf lange Sicht
kein Beitrag zu Frieden sondern zu Instabilität in der
Region geleistet, weil es so aussähe, als ob man
Aggressoren für ihre Aggression belohnt. So etwas
können wir schlicht und einfach nicht in Erwägung
ziehen.
Frage: Gab es irgendein Thema, bei dem die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak im
Verlauf dieser sechseinhalb Stunden abgebaut wurden?

*

AMERIKA DIENST 2

Antwort: Wie bereits gesagt, haben wir meines
Erachtens eine ernsthafte Diskussion geführt. Der
Tenor war so gut wie man ihn unter diesen Umständen
erwarten könnte. Wir haben nicht auf den Tisch
gehauen und uns angebrüllt. Es war ein sehr sachliches und - ich glaube - verantwortungsvolles Gespräch zwischen zwei Diplomaten, die wirklich um eine
friedliche und politische Lösung dieses Problems bemüht
waren.
Ich konnte in der Position des Irak nicht die in den
vergangenen Tagen angekündigte Flexibilität ausmachen. Ich verweise nochmals auf meine Eröffnungsansprache. Uns bleiben noch sechs Tage. Ich hoffe
nur, daß sie über dieses Treffen nachdenken, sich
darauf konzentrieren und, wenn Außenminister Asis
zurückkehrt und seinem Präsidenten berichtet, vielleicht eine Änderung ihrer Position erfolgt.
Es kann hier keine Verhandlungen geben, weil die
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in Debatten in
den Vereinten Nationen ausgearbeitet wurden und die
internationale Koalition diesen Resolutionen verpflichtet ist.
Frage: Wären Sie bereit, Saddam Hussein an einem
anderen Ort als Bagdad zu treffen, und wurde ein
solcher Vorschlag gemacht?
Antwort: Das wurde nicht zur Sprache gebracht und
nie vom Irak vorgeschlagen. Seit einigen Wochen
lautete der irakische Vorschlag wie Sie wissen: "Wir
wählen einen Termin für Bakers Besuch in Bagdad,
Sie setzen einen Termin für den Besuch von Außenminister Asis in Washington, und dann sehen wir weiter."
Dieser Vorschlag existiert seit sehr langer Zeit, und
von etwas anderem war nie die Rede.

*

Seite 7

�GOLFKRISE
16. Januar 1991

DIE KRISE AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen
Die Zeitungen in den Vereinigten Staaten nehmen in ihren Leitartikeln weiterhin zur Krise am Golf und ihren
möglichen Konsequenzen Stellung. Nachfolgend veröffentlichen wir einige Pressestimmen zu diesem Thema.

The New York Times, Anthony Lewis
Wer immer noch glaubt, der irakische Präsident werde
aus Kuwait abziehen, sieht folgendes Szenarium: Der
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez
de Cuellar, reist nach Bagdad. Mehr Balsam für
Saddam Husseins Ego und wahrscheinlich ein weiteres Nein von ihm. Aber dann, in den letzten Stunden vor
Ablauf des Ultimatums am 15. Januar, stimmt er einer
"arabischen Lösung" mit diplomatischen Vertretern
Algeriens, der PLO oder aus anderen Ländern zu.
Der springende Punkt eines solchen Szenariums ist,
daß ein als "arabische Lösung" bezeichneter Rückzug
aus Kuwait einen etwas geringeren Gesichtsverlust
bedeuten würde. Ein Treffen zwischen dem amerikanischen und dem irakischen Außenminister war wohl
der am wenigsten geeignete Rahmen für ein Einlenken
Husseins...
Die Vereinigten Staaten würden ein Junktim weiterhin
ablehnen - weil, so Baker, Aggressoren "nicht für ihre
Aggression belohnt werden dürfen". Könnten die
Vereinigten Staaten jedoch in einen Krieg eintreten,
um eine Nahost-Friedenskonferenz zu verhindern?
Würden ihre Koalitionspartner zustimmen?
Wenn ein Krieg verhindert werden soll, so wahrscheinlich mit einer Variante dieser Arrangements. Der Irak
wird sich, "überzeugt" durch seine arabischen Freunde, aus Kuwait zurückziehen müssen. Die Vereinigten
Staaten werden, ohne einen Handel einzugehen, ihre
Bereitschaft erkennen lassen, daß sie einer internationalen Konferenz nicht im Weg stehen.
Natürlich ist dies alles nur eine Hoffnung. Saddam
Hussein könnte sich ausrechnen, bis zum Ende Nein
zu sagen, weil die Amerikaner nicht kämpfen werden.
AMERIKA DIENST 2

Wenn dem so ist, begeht er einen verhängnisvollen
Fehler, der viele mit ihm ins Verderben stürzt.
The Baltimore Sun, George F. Will
Sollte es zum Krieg kommen, kann die hauchdünne
"Koalition" die Tatsache nicht verschleiern, daß es die
Vereinigten Staaten sind, die einen Krieg gegen ein
arabisches Land mit radikalen und destabilisierenden
Auswirkungen für die gesamte arabische Welt führen.
Der Preis, den die Vereinigten Staaten für die neuerliche Gunst der arabischen Welt zahlen müssen, wird
eine internationale Konferenz sein. Der Zweck der
Konferenz besteht darin, Israel in vielleicht vernichtende Verletzbarkeit zu zwingen.
Wenn ein Krieg vermieden wird, dann weil die arabischen Länder dem Trugschluß erlegen sind, die irakische Aggression sei aus reinem Altruismus für die
Palästinenser erfolgt. Die Krise wird sich dann auf der
arabischen Konstante einpendeln - Feindseligkeiten
gegenüber Israel, dem einzigen dauerhaften Verbündeten der Vereinigten Staaten in der Region.
Die Krise, die damit begann, daß die Vereinigten
Staaten ein Banner mit der Aufschrift "Kein München"
entrollten, könnte mit einem München enden, einer
internationalen Konferenz, um eine unbequeme
Demokratie zu gestalten.
The New York Times, A.M. Rosenthal
In jedem Fall sieht sich der Präsident jetzt mit der
Wahrheit konfrontiert, daß Saddam Hussein sich nicht
durch ein Embargo aus Kuwait vertreiben läßt, dessen
Ende so viele unserer Verbündeten kaum erwarten
können und das Gewalt oder die Bereitschaft zu deren
Einsatz erfordert, um ihn zum Rückzug zu bewegen.
Seite 1

�Warum sollte Saddam das Datum vom 15. Januar
freiwillig akzeptieren? Es besteht die Möglichkeit, daß
er vor oder kurz nach Ausbruch des Krieges den an
einen Ausverkauf Israels geknüpften Rückzug anbietet und auf amerikanische Uneinigkeit und europäische Gier zählt, um dies erfolgreich durchzuführen.
Damit würde sein Weg zur Dominanz des Nahen
Ostens ohne einen jetzt begonnenen Krieg geebnet.
Bush hat jetzt getan, was so viele Amerikaner wünschten - dem Kongreß das Thema politisch zur Abstimmung vorgelegt. Denn diejenigen, die glauben, es sei
besser, sich Saddam Husseins Bedrohung jetzt als
dann zu stellen, wenn er über Nuklearwaffen verfügt
und die arabische Welt in einen heiligen Krieg gegen
den Westen führt, werden den Präsidenten ohne Wenn
und Aber unterstützen.
Aber auch diejenigen Kongreßabgeordneten, die immer
noch der Meinung sind, man könne Saddam Hussein
durch Gespräche oder Sanktionen zum Abzug aus
Kuwait bewegen, haben die Pflicht, den Präsidenten
zu unterstützen. Sie sollten wissen, daß Saddam - falls
der Kongreß Bush seine Unterstützung verweigert Kuwait erst aufgeben würde, wenn der Nahe Osten in
dem Meer von Blut schwimmt, aus dem seine Träume
gemacht sind.
The Washington Post, Stephen Rosenfeld
Wie verdächtig seine Motive und Taktiken auch sein
mögen, die von Saddam Hussein ausgelöste Krise hat
in beispielloserweise gezeigt, daß die Palästinafrageeine so schwierige und komplizierte Angelegenheit,
die man vernünftigerweise auf keinen Fall zwei kleinen
miteinander streitenden Parteien auf einem Küstenstreifen des Mittelmeers überlassen darf für das politische Wohlergehen und das strategische Gleichgewicht des gesamten Nahen Ostens und darüber hinaus von entscheidender Bedeutung ist.
Wie unglückselig, daß Saddam nicht die Schläue
besaß zu erkennen, was er bereits erreicht hat. Könnte der Generalsekretär diese Botschaft übermitteln?
Es ist denkbar, daß dies Saddam Hussein zu der
Behauptung verhelfen würde, seine große Mission sei
erfüllt. Und die Vereinigten Staaten könnten sich nicht
beschweren, man habe Bagdad ein unverdientes
Feigenblatt geliefert. Die amerikanische Absicht bestand lediglich darin, Saddams Anspruch auf ein
unmittelbares und explizites politisches Junktim zwischen Kuwait und dem israelisch-palästinensischen
Zwist zu widerlegen.
Darüber hinaus kann kein Gedanke im Hinblick auf
künftige Maßnahmen - etwa eine internationale Konferenz - von vornherein als Appeasement, Verrat, Belohnung von Aggression und dergleichen bezeichnet
werden. Solche Etiketten verhindern die unabhängige
Bewertung von Vorschlägen, die auch Israel potentiell
nützen...

Seite 2

The Washington Post, William Raspberry
Ebenso wie bei Bush kann die Notwendigkeit irgendeiner Art von Gesichtswahrung für Saddam nicht nur
persönlich gesehen werden. Sie hat Auswirkungen
auf die regionale Stabilität, die Weltwirtschaft und die
langfristigen Beziehungen der Vereinigten Staaten mit
der arabischen Welt. Der Preis einer Erniedrigung
Saddams (angenommen, er wird sich nicht einfach
zurückziehen) könnte in Dollar, Blut und Weltfrieden
gemessen unangebracht hoch sein.
Trotzdem scheint Präsident Bush entschlossen, ihm
jegliche Grundlage für die Wahrung des Gesichts zu
verweigern: keine internationale Konferenz zu Gesprächen über das gesamte Spektrum der Probleme in
der Region, kein "Junktim" mit der festgefahrenen
israelisch-palästinensischen Lage, keine Verhandlungen.
Ohne einen großen Glücksfall könnte jedoch die
Gesichtswahrung von Präsident Bush zum Verlust
Tausender amerikanischer und irakischer Menschenleben führen. Ist diese Art von Glücksfall zu erwarten ?
Die beste Chance ruht gegenwärtig auf den Überredungskünsten des UNO-Generalsekretärs Javier Perez
de Cuellar, der gestern abend nach Bagdad gereist ist
und auf Frankreich, das angeblich versucht, die Europäische Gemeinschaft bei einer neuen Initiative anzuführen, mit der die Krise kurz vor Ausbruch eines
Krieges gelöst werden könnte.
Zumindest erkennen der Generalsekretär und die
Franzosen die Bedeutung - für den Frieden und die
Weltordnung - Saddam zu geben, was Bush hartnäkkig zuzugestehen sich weigert: einen Ausweg aus
dem von ihm selbst verursachten Schlamassel ohne
Gesichtsverlust.
The Washington Post, Charles Krauthammer
Historisch gesehen ist das Ausmaß öffentlicher Unterstützung für den Einsatz von Gewalt am Golf ungewöhnlich groß. Everett Ladd, Leitender Direktor des
Roper Center for Public Opinion Research, stellte im
vergangenen Monat fest, daß er "keinen anderen Fall
in den 45 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg finden
konnte, in dem ein solch großer Teil der amerikanischen Öffentlichkeit die Verlegung amerikanischer
Truppen vor ihrem wirklichen Einsatz unterstützt hat".
Es trifft sicherlich zu, daß selbst die Amerikaner, die
der Meinung sind, der Einsatz von Gewalt könnte
notwendig werden, angesichts dieser Aussicht besorgt und zwiespältig sind. Die Meinungsumfragen
enthüllen eine Vielzahl gegensätzlicher Gefühle: eine
solide Mehrheit von 63 Prozent ist bereit, in den Krieg
zu ziehen, aber wenn der Fragesteller Verluste erwähnt oder einen schmerzlosen Ausweg anbietet etwa durch Sanktionen -, zieht eine erhebliche Zahl die
Alternativen vor.

AMERIKA DIENST 2

�Die heutigen Meinungsumfragen wie die Umfragen vor
50 Jahren zeigen, daß die Amerikaner im Falle eines
Kriegsausbruchs dasselbe wollen, was jeder vernünftige Mensch will: das Unmögliche. Haltet Euch aus
dem Krieg heraus - und erreicht unsere vitalen Ziele.
Das einzige Problem besteht darin, daß sich diese
Ziele gegenseitig ausschließen können. Und in diesem Fall, wenn ihre Unvereinbarkeit nicht mehr zu
leugnen ist, kommt die Ambivalenz der Öffentlichkeit
zum Ausdruck.
,

A

In dieser von Angst und Ambivalenz geprägten Situation ohne leicht durchführbaren politischen Plan ist der
Mut zur Wahl ein Zeichen von Führungsstärke. Der
Präsident hat sie demonstriert. Es ist jetzt am Kongreß, sie zu beweisen.
The Washington Post, David Broder
Das Problem stellt sich nunmehr auf dem Capitol Hill,
wo die Demokraten als Mehrheitspartei ihr übliches
Schauspiel der Unordnung aufführen. Die Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses und des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus unterstützen
den Präsidenten, können jedoch nicht ihre eigenen
Führer - den Sprecher und den Mehrheitsführer - von
der Richtigkeit ihres Urteils überzeugen. Bei den
Demokraten im Senat ist die Situation weniger konfus,
vermittelt aber dem Präsidenten im wesentlichen nur,
daß er sich dort weitere Ratschläge holen kann.
Bei aller Anspannung, Strapaze und düsteren Stimmung liegt ein Grundsatz klar auf den Hand: Der
Präsident hat im Namen der internationalen Koalition
und mit Autorisierung der Vereinigten Staaten die
amerikanische Politik von dem einzigen Ort in der
Regierung definiert, der diese Möglichkeit bietet. Die
beste Hoffnung auf Rettung des Friedes besteht in
einer einhelligen Erklärung der Unterstützung des
Kongresses für seine Poitik, so daß Saddam Hussein
die schreckliche Alternative versteht, der er sich stellen muß.

t

Und dann müssen die Vereinigten Staaten bereit sein,
den Preis zu zahlen, den die Führungsrolle in der Welt
verlangt.

^

The Washington Post, Jim Hoagland
Bush selbst trägt einen Großteil der Verantwortung für
das Mißtrauen unter den Demokraten und der Bevölkerung insgesamt... Die Forderung des Präsidenten in
seiner Rundfunkansprache am letzten Wochenende
nach außenpolitischer Unterstützung beider Parteien
klingt unter diesen Umständen hohl.
Aber dies soll nicht von der Tatsache ablenken, daß
Saddam Hussein Tarik Asis nicht nach Genf entsandt
hat, um Frieden zu schließen, sondern um den Ame-

*

AMERIKA DIENST 2

rikanern eine Niederlage beizubringen. Eine Abstimmung, die Bush den Einsatz von Gewalt verweigert,
würde Saddam davon überzeugen, daß er in Kuwait
bleiben, die Sanktionen überstehen und überleben
kann. Der Krieg hätte verschoben, nicht aber vermieden werden können.
Die letzte Chance, Krieg zu vermeiden und Saddam
von den Absichten der Vereinigten Staaaten zu überzeugen, würde verspielt, wenn eine Kammer des
Kongresses sich für die Rückkehr zu einer Politik
ausspricht, die vorgibt, Amerika könne es sich leisten,
Saddam Husseins Aggression zu ignorieren oder zu
unterstützen.
The Baltimore Sun, Jonathan Power
Der Rest der Welt muß viele Antworten finden. Die
Verbündeten sind zornig über den Irak, stacheln
Washington zu einem harten Kurs an und haben eine
Position bezogen, die darauf hinausläuft, daß die
Vereinigten Staaten alle anderen in den Krieg treiben.
Die Vereinigten Staaten tragen den größten Teil der
Last, und sie werden im Falle eines Kriegs am meisten
kämpfen und das meiste Blut vergießen. Moskau hat
all die Lorbeeren geerntet, die es durch die Unterzeichnung jedes ihm von Washington vorgelegten politischen Schecks erhalten hat, sich aber geweigert,
einen einzigen Soldaten zu entsenden.
Die nackte Tatsache lautet: die internationale Staatengemeinschaft hätte nicht durch den Sicherheitsrat
ihre Zustimmung für etwas geben sollen, das vor allem
ein amerikanischer Militäreinsatz mit einer Armee ist,
die sich aus der christlich-jüdischen Kultur rekrutiert.
Sie hätte den Mut aufbringen sollen, tatsächlich repräsentative internationale Streitkräfte zu fordern oder
sich für das Embargo mit mehr oder weniger gerecht
geteilten Opfern zu entscheiden.
The Baltimore Sun, James K. Kiipatrick
Saddam Hussein ist kein Verückter. Er ist skrupellos,
arrogant, schlau, kriegerisch, hinterlistig - aber er ist
kein Verrückter. In der Öffentlichkeit besteht er weiterhin darauf, daß er niemals nachgeben wird. Aber wenn
er einen Ausweg wünscht, könnte das schwere Gewicht von 12 UNO-Resolutionen die nötigen Feigenblätter liefern. Wenn der Irak abzieht - bedingungslos
abzieht - verändert das die Situation. Wir würden nicht
mehr von der Befreiung Kuwaits sondern von der
Bestrafung des Irak reden.
Dann könnte man sich Zeit für Gespräche über Reparationen nehmen und die Zerstörung atomarer und
chemischer Waffen erörtern. Es wären nicht die
Vereinigten Staaten, sondern die Vereinten Nationen,
die dem Irak ihren Willen aufzwingen würden.

* * *

*
Seite 3

�GOLFKRISE
16. Januar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Januar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Januar 1991 fort.

2. Januar

5. Januar

Auf Bitten der Türkei um Beistand bei der Abschrekkung einer Bedrohung durch den Irak gestattet der
Verteidigungsplanungsausschuß der NATO die Stationierung von Flugzeugen aus Belgien, Deutschland

In einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache
erklärt Präsident Bush, daß Außenminister Baker bei
dem Treffen mit seinem irakischen Kollegen in Genf
"eine persönliche Botschaft an Saddam Husein übergeben will - sich bedingungslos und unverzüglich aus
Kuwait zurückzuziehen oder die schrecklichen Konsequenzen tragen zu müssen".

und Italien im Südwesten der Türkei.

3. Januar
Präsident Bush erklärt seine Bereitschaft, Außenminister Baker zu Gesprächen mit dem irakischen Außenminister Tarik Asis nach Genf zu entsenden.
Die London Press Association berichtet, daß die britische Regierung 75 Iraker aus Großbritannien ausweist, unter ihnen sieben Diplomaten. Ein Sprecher
des Außenministeriums erklärt, es sei "nur vernünftig,
alle Vorkehrungen zu treffen".
Die Außenminister Pakistans, des Iran und der Türkei
fordern auf ihrem eintägigen Treffen in Islamabad den
vollständigen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
und die uneingeschränkte Wiederherstellung der
Unabhängigkeit und Souveränität Kuwaits im Einklang
mit den Resolutionen des UN-Sicherheitrats und der
Erklärung der Organisation der Islamischen Konferenz. Die Minister fordern den Generalsekretär der
OIC auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun und im
Rahmen dessen eine Dringlichkeitssitzung einzuberufen, um die Golfkrise zu einer friedlichen Lösung zu
führen.
4. Januar
Der Irak erklärt, Au ßenminister Tarik Asis am 9. Januar
zu Gesprächen mit Au ßenminister Baker nach Genf zu
entsenden.
AMERIKA DIENST 2

7. Januar
Der portugiesische Premierminister Cavaco Silva
bekräftigt bei einem Treffen mit den Oppositionsführern Portugals seine Unterstützung für die UNO-Resolutionen und Aktivitäten der Koalition im Golf und "ist
bereit, seinen Beitrag zu den Bestrebungen der Verbündeten zu erhöhen".
Der norwegische Au ßenminister Thorwald Soltenberg
erklärt, die fünf nordischen Länder engagierten sich
politisch, finanziell und praktisch, um den Vereinten
Nationen bei der Entwicklung eines langfristigen Sicherheitsarrangements im Nahen Osten zu helfen.
Zur Gewährleistung des irakischen Abzugs und Förderung der Stabilität bieten die nordischen Länder Friedenstruppen und Beobachter unter der UN-Flagge an.
8. Januar
Beim Eintreffen der Außenminister Baker und Asis in
Genf bezeichnet Präsident Bush in einer Fernsehansprache Bakers Mission als "vielleicht die letzte Chance" zur friedlichen Lösung des Konflikts. Auf dem Weg
nach Genf trifft Baker die Verbündeten in Frankreich,
Deutschland und Italien.

Seite 1

�Präsident Bush fordert den US-Kongreß auf, eine
Resolution zu verabschieden, derzufolge "er den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Durchführung der
Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats unterstützt".
In einem Brief an die führenden Politiker im Kongreß
erklärt Bush, eine solche Resolution "würde die allerdeutlichste Botschaft an Saddam Hussein übermitteln,
daß er sich bedingungslos und unverzüglich aus Kuwait
zurückziehen muß".
Der Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses im
Repräsentantenhaus, Les Aspin (Demokrat aus Wisconsin) veröffentlicht ein drittes "Weißbuch" zur Golfkrise, demzufolge eine militärische Offensive eine
"vernünftige Option" darstellt, wenn diplomatische
Bestrebungen den Irak nicht aus Kuwait vertreiben
können.
Bei einem Besuch britischer Truppen in Saudi-Arabien
schließt der britische Premierminister John Major eine
nukleare Antwort auf einen irakischen Angriff mit
chemischen Waffen aus. "Wir verfügen über zahlreiche andere Waffen", so Major.
Der belgische Außenminster Mark Eyskens erklärt in
einem Interview in Brüssel, der Einsatz von Gewalt zur
Vertreibung des Irak aus Kuwait könne mit einem
gelockerten Handelsembargo, den Wetterbedingungen und der Zerbrechlichkeit des westlichen Bündnisses gerechtfertigt werden. Ein langfristiges Embargo,
so Eyskens, könne Länder wie Ägypten, Jordanien
und die Türkei hart treffen und destabilisieren.
9. Januar
Außenminister Baker und sein irakischer Amtskollege
Tarik Asis führen in Genf secheinhalbstündige Gespräche. Bei einer Pressekonferenz im Anschluß an
das Treffen erklärt Baker: "Bedauerlicherweise habe
ich nichts vernommen, das auf Flexibilität seitens des
Irak im Hinblick auf die Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats hindeutet." Darüber hinaus
weigere sich Tarik Asis, einen Brief von Präsident
Bush an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein
entgegenzunehmen.
In Bagdad erklärt Saddam Hussein bei einer Sitzung
der Baath-Partei, "Sie (die Amerikaner) werden in
ihrem Blut schwimmen", wenn ein Krieg ausbricht.
Bei einer Pressekonferenz stellt Präsident Bush fest,
obwohl er "entmutigt" über das Ergebnis der Gespräche sei, werde er "weiterhin versuchen, Saddam Hussein
entgegenzukommen". "Wir werden um des Friedens
willen noch einen Schritt weitergehen. Wenn Saddam
Hussein jedoch nichts unternimmt, wird die UNOResolution 678 vollständig Anwendung finden."
UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar gibt
seine Reise nach Bagdad zu Gesprächen mit dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein bekannt.

Seite 2

10. Januar
Das amerikanische Außenministerium verkündet, daß
die amerikanischen Diplomaten und der Charge d'affaires Joseph Wilson Bagdad am 12. Januar an Bord
eines Charterflugzeugs verlassen werden. Die Vereinigten Staaten geben ferner den weiteren Abbau der
offiziellen amerikanischen Präsenz im Jemen bekannt
und weisen amerikanische Staatsbürger an, nicht
zwingende erforderliche Reisen nach Algerien, Marokko und Tunesien aufgrund der "unsicheren Lage in der
Region wegen der Nichteinhaltung der UNO-Resolutionen durch den Irak" aufzuschieben.
Das dänische Folketing verabschiedet einstimmig eine
Resolution mit der Forderung nach dem vollständigen
Abzug des Irak aus Kuwait und der uneingeschränkten
Unterstützung fürdie Schlichtungsversuche des UNOGeneralsekretärs Perez de Cuellar.
12. Januar
Mit 250 zu 183 Stimmen im Repräsentantenhaus und
52 zu 47 Stimmen im Senat verabschiedet der amerikanische Kongreß eine gemeinsame Resolution, mit
der Präsident Bush die Befugnis zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte erteilt wird, um die irakischen Truppen aus dem besetzten Kuwait zu vertreiben und die
Einhaltung der UNO-Resolutionen zu erzwingen. Nach
der Abstimmung lädt der republikanische Minderheitsführer im Senat Robert Dole aus Kansas den irakischen Botschafter Mohamed al-Mashat in sein Büro zu
einem Treffen mit 10 Senatoren beider Parteien ein,
die erklären, ihre Abstimmung sei ein Versuch in letzter
Minute gewesen, einen Krieg durch den Abzug irakischer Streitkräfte aus Kuwait zu vermeiden. Der
Botschafter erklärt, er werde die Botschaft nach Bagdad weiterleiten.
Präsident Bush zufolge ist die Abstimmung des Kongresses das "deutlichste Signal an den Irak, daß er das
Ultimatum vom 15. Januar nicht ignorieren kann".
Bush fügt hinzu, wenn der Irak nicht aus Kuwait
abziehe, werde ein Angriff "eher früher als später"
erfolgen.
Das Weiße Haus veröffentlicht den Wortlaut von Präsident Bushs Brief an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein vom 5. Januar, in dem unter anderem erklärt wird, "dies ist ein Krieg, der nur durch die
vollständige und bedingungslose Einhaltung der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats durch den Irak
beendet werden kann. Wir bevorzugen eine friedliche
Lösung... Alles andere als die vollständige Einhaltung
der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats und der
vorausgegangenen Resolutionen ist unannehmbar."
Der stellvertretende Abteilungsleiter im US-Außenministerium Jock Covey fordert den irakischen Botschafter al-Mashat auf, das Botschaftspersonal auf ingesamt 4 Personen einschließlich des Botschafters zu

AMERIKA DIENST 2

�reduzieren. Das übrige Botschaftspersonal muß die
Vereinigten Staaten bis zum 15. Januar null Uhr verlassen haben.
13. Januar
UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar trifft mit
Saddam Hussein zu Gesprächen zusammen, die weithin
als letzte Chance zur Abwendung eines Krieges betrachtet werden. Perez de Cuellar erklärt nach dem
dreieinhalbstündigen Meinungsaustausch, er könne
keinen Fortschritt dabei feststellen, den Irak bis zum
Ablauf des Ultimatums am 15. Januar zum Abzug aus
Kuwait zu bewegen.

)

I

Verteidigungsminister Cheney erklärt in einem Fernsehinterview, der Zweck eines Einsatzes von Gewalt
in der Golfkrise sei die "Befreiung Kuwaits", fügt
jedoch hinzu, es werde "für die irakischen Streitkräfte
keinen Zufluchtsort im Irak" geben.
In einem Gespräch mit Außenminister Baker in Kairo
deutet der ägyptische Präsident Hosni Mubarak die
Bereitschaft seines Landes an, gegebenenfalls an
offensiven Aktionen gegen den Irak teilzunehmen. Der
saudische König Fahd war zuvor bereits dieselbe
Verpflichtung eingegangen.
14.Januar
Die 250 Abgeordneten der irakischen Nationalversammlung stimmen per Akklamation für einen Krieg,
anstatt sich den Forderungen der Vereinten Nationen
nach einem Rückzug aus Kuwait zu beugen. Die
Abgeordneten erheben sich von ihren Plätzen und
rufen "lang lebe Saddam" und rezitieren Verse aus
dem Koran, in denen das Märtyrertum in der Schlacht
gepriesen wird.

,

Die zwölf Außenminister der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien,
Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien) beschließen einstimmig, keine Friedensmission in letzter
Minute nach Bagdad zu entsenden. Sie verständigen
sich darauf, keine Einzelinitiativen zu ermutigen.
Bei seiner Rückkehr nach New York bekräftigt UNGeneralsekretär Javier Perez de Cuellar, ihm sei "von
der irakischen Regierung nichts angeboten worden,
was ich als Schritt zum Frieden betrachten kann. Was
mich betrifft, so habe ich getan, was ich tun muß - ich
weiß nicht, ob andere etwas tun werden, aber es
scheint mir, daß es vielleicht ein wenig zu spät ist, um
noch weitere Friedensbemühungen zu starten." Bei
einer Zwischenlandung in Paris hatte Perez de Cuellar
erklärt, er habe mit Präsident Mitterrand, dem britischen Premierminister Major, dem luxemburgischen
Außenminister Jacques Poss, der gegenwärtig den
Vorsitz in der EG führt, sowie den Botschaftern der
*
AMERIKA DIENST 2

Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gesprochen.
Mitterrand habe dabei keine Alternativen angeboten.
Der Generalsekretär der Organisation der Islamischen
Konferenz, Hamid Algabid, erneuert von Jeddah aus
den Appell an den irakischen Führer, den Geboten des
Islam zu folgen und den Krieg zu vermeiden.
Der Jemen als einziges arabisches Mitglied des Sicherheitsrats schlägt in den arabischen Hauptstädten
einen Sechs-Punkte-Friedensplan vor, der jedoch bei
den Vereinten Nationen nicht weiterverfolgt wird.
Französische Diplomaten legen eine Friedensinitiative
vor, die den Abzug des Irak aus Kuwait fordert und
Garantien enthält, daß der Irak nach dem Abzug nicht
angegriffen würde. UN-Streitkräfte würden zur Aufrechterhaltung des Friedens eingesetzt. Angeblich
soll der UN-Sicherheitsrat nach der Einigung über
einen Zeitplan fürden Rückzug einen "aktiven Beitrag"
zur Lösung anderer Nahostprobleme leisten, darunter
die Einberufung einer internationalen Friedenskonferenz "zum geeigneten Zeitpunkt".
Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering lehnt den französischen Vorschlag ab, weil die
Vereinigten Staaten "keine Schritte unterstützen, die
ein künstliches Junktim schaffen" oder den zwölf bereits verabschiedeten UNO-Resolutionen zuwiderlaufen.
Der Exekutivausschuß der Weltgesundheitsorganisation lehnt mit 11 zu 3 Stimmen bei 8 Enthaltungen
einen vom Irak beantragten Tagesordnungspunkt ab,
der eine Diskussion über das UN-Embargo auf Medikamente, Impfstoffe und Nahrungsmittel für Menschen
in Notlagen vorsieht. Die WHO erklärt, es genüge ihr,
daß der UN-Sicherheitsrat mit seinen 12 Resolutionen
zur Golfkrise die notwendigen Schritte unternommen
habe, um den irakischen Bedarf an medizinischen
Gütern zu berücksichtigen. Sie stellt darüber hinaus
fest, dem Irak sei mitgeteilt worden, er könne die von
ihm angeforderten medizinischen Güter, Milch und
Säuglingsnahrung bei Erstattung der Kosten von der
WHO beziehen. Der Irak habe die WHO jedoch nicht
gebeten, dies zu tun.
15. Januar
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Perez de
Cuellar, fordert den irakischen Präsidenten Saddam
Hussein in einem letzten Appell auf, "den Lauf der
Ereignisse von einer Katastrophe abzuwenden". Am
Vorabend des Ablaufs der von den Vereinten Nationen
fürden irakischen Rückzug aus Kuwait gesetzten Frist
drängt Perez de Cuellar den Irak, "unverzüglich mit
dem vollständigen Abzug aus Kuwait zu beginnen".

* * *

*

Seite 3

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              <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: keinerlei Flexibilität des Iraks erkennbar &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers in Genf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Krise am Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Januar 1991&lt;/em&gt;</text>
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