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GOLFKRISE

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5300 ßonn

19. Dezember 1990

USA WERDEN SICH AN AUFWEICHUNG
DES UNO-ULTIMATUMS NICHT BETEILIGEN
Pressekonferenz des Präsidenten
HOFFNUNGEN AUF EINE NEUE
WELTORDNUNG HÄNGEN VON BEENDIGUNG
DER BESETZUNG KUWAITS AB
Rede von Außenminister Baker
vor dem Nordatlantikrat
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Dezember 1990

USA-SOWJETUNION

AUFHEBUNG DER
JACKSON-VANIK-BESTIMMUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
BUSH STELLT NAHRUNGSMITTELEXPORTKREDITE FÜR UDSSR BEREIT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
BUSH RUFT PROJEKTGRUPPE FÜR
MEDIZINISCHE VERSORGUNG DER UDSSR
INS LEBEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
BUSH SCHLÄGT BEITRITT DER SOWJETUNION ZU IWF UND WELTBANK VOR
Übersicht des Weißen Hauses

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
19. Dezember 1990

USA WERDEN SICH AN AUFWEICHUNG DES
UNO-ULTIMATUMS NICHT BETEILIGEN
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush wünscht weiterhin eine friedliche Beilegung der Golfkrise, wird sich
jedoch "nicht an einer Umgehung oder Aufweichung der von den Vereinten Nationen gesetzten Frist beteiligen",
bis zu der sich der Irak aus Kuwait zurückziehen muß.
Vor Reportern stellte Bush in einer Pressekonferenz am 14. Dezember 1990 in Washington fest, er habe dem
Irak 15 mögliche Termine für einen Besuch von Außenminister Baker in Bagdad vor dem 3. Januar 1991
angeboten, während der Irak nur einen Terminvorschlag gemacht habe, der überdies zu nahe am 15. Januar
liegt, an dem das UNO-Ultimatum abläuft.
Es gebe allerdings keine Frist, bis zu der Bagdad sein Angebot für diesen Besuch und den Besuch des irakischen
Außenministers Tarik Asis in Washington annehmen müsse. "Wir setzen keine Frist. Das Treffen mit Asis ist
noch in der Schwebe."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen von Präsident Bush im Wortlaut.

Bush: Ich möchte zunächst zwei kurze Erklärungen
abgeben.
Erstens habe ich heute eine hervorragende Beamtin
und von mir geschätzte Mitarbeiterin gebeten, den
Posten des Arbeitsministers anzunehmen. Lynn Martin,
eine ehemalige Kongreßabgeordnete aus Illinois, hat
sich bereiterklärt, die Leitung dieses wichtigen Kabinettsressorts zu übernehmen. Wir kennen uns bereits
seit vielen Jahren. Sie war ein herausragendes Mitglied des Kongresses und meine inoffizielle Beraterin.
Sie hat mir bei zahlreichen Gesetzesvorhaben mit Rat
und Tat zur Seite gestanden, und ich freue mich, daß
wir zu Beginn der neunziger Jahre gemeinsam im
Bereich Arbeit tätig werden können.
Sie ist eine Mutter, die sich der Notwendigkeit der
Kinderbetreuung bewußt ist. Sie hat umfassende
Berufserfahrung und ist deshalb mit dem Verhältnis
zwischen den Tarifparteien vertraut. Als Kongreßabgeordnete hat sie sich über Jahre hinweg den Anliegen
und Bestrebungen der arbeitenden Amerikaner aus
allen Schichten gewidmet. Ich weiß, daß sie in unserem Kabinett hervorragende Arbeit leisten wird.
Lynn hielt sich bei meinem Anruf heute nachmittag in
Illinois auf, und sie wird am Montag (17. Dezember) in
AMERIKA DIENST 50

Washington sein. Ich freue mich, sie im Weißen Haus
zu empfangen und mit ihr über den künftigen Kurs des
Arbeitsministeriums zu sprechen.
Und nun möchte ich mich einem zweiten Thema zuwenden. Am 30. November habe ich mich mit meinem
Angebot zu persönlichen Gesprächen zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Irak bereitgefunden,
alles nur Erdenkliche zu tun, um eine friedliche Beilegung der Golf krise zu ermöglichen. Ich wollte Saddam
Hussein von der absoluten Entschlossenheit der Koalition
überzeugen, die von ihm die vollständige Einhaltung
der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats erwartet.
Die irakische Aggression darf nicht belohnt werden.
Ich habe deshalb den Außenminister gebeten, sich für
einen Besuch in Bagdad zu jeder Zeit bis einschließlich
3. Januar bereitzuhalten, also über fünf Monate nach
der Invasion Kuwaits und nur 12 Tage vor Ablauf des
UN-Ultimatums für den Abzug. Dieses Ultimatum ist
eine Tatsache.
Um Flexibilität zu zeigen habe ich 15 verschiedene
Termine für Außenminister Bakers Besuch in Bagdad
angeboten, während die Irakis nur einen Terminvorschlag gemacht haben. Mit meinem Angebot, alles
Erdenkliche für den Frieden zu tun, habe ich jedoch
Seite 1

�nicht vorgeschlagen, mich an Saddam Husseins
Manipulation zu beteiligen.

Frage: Muß er Ihr Angebot zu einem bestimmten
Termin annehmen?

Saddam Hussein ist nicht zu beschäftigt, um kurzfristig
Kurt Waldheim, Willy Brandt, Muhammad Ali, Ted
Heath, John Connolly, Ramsey Clark und zahlreiche
andere empfangen zu können. Es ist einfach nicht
glaubwürdig, daß er in einem Zeitraum von zwei Wochen
nicht zwei Stunden Zeit für ein Treffen mit dem Au ßenminister zu einem sehr wichtigen Thema finden kann außer, er versucht, das UN-Ultimatum zu unterlaufen.

Antwort: Nein, wir setzen keine Termine. Das Treffen
mit Asis ist, soweit ich wei ß, erst einmal zurückgestellt.
Aber ich sage "soweit ich wei ß", weil wir ihnen deutlich
gemacht haben - es ist gewissermaßen eine Vereinbarung mit Hin- und Rückspiel.

Ich möchte eine friedliche Beilegung dieser Krise. Ich
werde mich jedoch nicht an einer Umgehung oder
Aufweichung der von den Vereinten Nationen gesetzten Frist beteiligen, die meines Erachtens die beste
Chance für eine friedliche Lösung bietet. Ich wollte
Ihnen damit meine Haltung zu diesen vorgeschlagenen Treffen erläutern.
Frage: Was ist an dem von ihm vorgeschlagenen
Termin am 12. Januar so schlecht? Warum würde dies
aufweichend wirken, oder haben Sie Angst, er könnte
irgendein Angebot machen?
Antwort: Erstens fordern die UNO-Resolutionen seinen
Abzug aus Kuwait. Ich wünschte jetzt, ich wäre bei
meiner ersten Ankündigung etwas deutlicher darauf
eingegangen, was ich unter beiderseits geeigneten
Terminen verstand. Heute bin ich jedoch nicht bereit,
diesem Mann zu gestatten, die Reise des Außenministers zu Manipulationszwecken zu mißbrauchen.
Wir haben zahlreiche Termine vorgeschlagen. Aber
vergessen Sie nicht, daß die UNO-Resolution den
vollständigen Rückzug zu diesem Termin verlangt.
Frage: Bedeutet Ihre heutige Erklärung, daß Sie auch
nicht den 5., 7. oder 9. Januar akzeptieren würden.
Antwort: Ja, wir haben 15 Tage vorgeschlagen, und
er sollte Schritte unternehmen und etwas vernünftiges
tun, wenn er wirklich Frieden will.
Frage: Gibt es ein Datum, bis zu dem Sie Ihre Offerte
für diese Treffen zurückziehen werden? Die Senatoren haben heute morgen erklärt, Sie seien jetzt soweit,
ganz auf die Gespräche zu verzichten.
Antwort: Wir werden sie nicht zu Bedingungen führen, die der Welt als Umgehung der UNO-Resolution
erscheinen würde. Er hat massive Streitkräfte stationiert, und diese Streitkräfte sollen der UNO-Resolution
zufolge am 15. Januar dort abgezogen sein. Wir
werden sehen, was passiert.
Meiner Meinung nach haben wir so viele Alternativen
aufgezeigt, daß er eine davon akzeptieren sollte, wenn
er es ernst meint. Wenn es ihm nur darum geht zu
manipulieren, dann möchte ich damit nichts zu tun
haben.

Seite 2

Frage: Sie haben erklärt, das Ultimatum ist eine
Tatsache. Heißt das, Sie haben freie Bahn, am oder
nach dem 15. Januar den Krieg anzufangen?
Antwort: Ich will damit sagen, daß die UNO-Resolution im Hinblick auf den 15. Januar sehr eindeutig ist.
Und ich werde jetzt alles daransetzen, um eine friedliche Lösung herbeizuführen.
Frage: Sie denken, danach Krieg zu führen. Ist das
richtig?
Antwort: Was meinen Sie mit "Krieg führen"?
Frage: Sie können ihn beginnen.
Antwort: Meiner Ansicht nach sollten die UNOResolutionen vollständig verwirklicht werden.
Frage: Werden Sie den Kongreß, wenn er im Januar
zurückkehrt, um eine Sonderermächtigung für eine
Offensive bitten?
Antwort: Das steht gegenwärtig zur Debatte, und ich
freue mich über die Unterstützung, die wir im Kongreß
erhalten haben. Und ich freue mich auch über die
Unterstützung durch das amerikanische Volk. Ich
denke, daß die Menschen in den Vereinigten Staaten
durch die Rückkehr der Geiseln viel besser verstanden
haben, was auf dem Spiel steht. Meiner Ansicht nach
haben auch die so überzeugend in den Vereinten
Nationen vorgetragenen Anhörungen über die Brutalität gegen das kuwaitische Volk dazu geführt, daß die
Menschen gesagt haben: Diese Politik verdient unsere Unterstützung. Über diese Unterstützung freue ich
mich. Ich denke, das schlägt sich auch in mehr
Unterstützung durch den Kongreß nieder.
Aber ich werde auch mit den Politikern sprechen und
weiterhin Konsultationen führen. Erst vor wenigen
Wochen habe ich ihnen im Kabinett erklärt - wenn sie
das unterstützen, was ich zur Durchführung der UNOResolutionen tue, begrüße ich das. Denn davon würde
ein sehr starkes und eindeutiges Signal an die Welt
ausgehen.
Frage: Warum haben Sie Angst, vor den Kongreß zu
treten, dort Konsultationen zu führen und ihn um Rat
und Zustimmung zu bitten?
Antwort: Ich habe erst heute morgen fünf Kongreßabgeordnete konsultiert. Und wir werden weiterhin
Konsultationen mit ihnen führen.

AMERIKA DIENST 50

�Frage: Das sind nicht 535.
Antwort: Wir tun es die ganze Zeit. Ich telephoniere
nahezu täglich mit ihnen. Wir hatten ein hochrangiges
Treffen nach dem anderen. Ich habe Ihnen das aber
bereits vor kurzer Zeit beantwortet. Genau diese
Frage.
Frage: Hei ßt das, wenn sich mit Saddam Hussein kein
Treffen bis zum 3. Januar arrangieren läßt, wird es
überhaupt keins geben?
Antwort: Wir haben ihm 15 Termine genannt, und er
sollte sich für einen von ihnen entscheiden. Ich möchte
hier keine Fristen setzen. Es müßte für mich einen
zwingenden Grund für eine Änderung geben, weil ich
nicht mit dem UNO-Ultimatum in Konflikt geraten möchte.
Wenn Sie die UNO-Resolution lesen, werden Sie
sehen, daß er am 15. Januar den Abzug aus Kuwait
vollständig vollzogen haben soll. Das ist ein ungeheures Unterfangen.
Frage: Dazu noch eine Frage. Sie haben gesagt,
vielleicht am 4. oder 5. Januar...
Antwort: Das haben Sie gesagt. Ich habe es so
deutlich wie möglich formuliert und hoffe, es gibt keine
Verwirrung.
Frage: Wie denken Sie über Saddam Husseins nukleare und chemische Fähigkeiten? Werden die internationalen Sicherheitsmaßnahemn ausreichen, um
das zu kontrollieren oder...
Antwort: Das bereitet mir große Sorge. Meiner
Ansicht nach gibt dies auch dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk zunehmend Anlaß zur Sorge. Es
sind nicht nur die nuklearen Fähigkeiten, die mir Sorge
bereiten, sondern andere nichtkonventionelle Fähigkeiten der Kriegführung. Ich spreche in diesem Zusammenhang zum Beispiel von chemischen Waffen,
die er bereits gegen sein eigenes Volk eingesetzt hat.
Darüber bin ich sehr besorgt. Und jede Regelung, mit

*

AMERIKA DIENST 50

der der Rest der Welt glücklich werden soll, muß sich
mit dieser nichtkonventionellen Kriegführungsfähigkeit Saddam Husseins auseinandersetzen. Jedem,
der so rücksichtslos handelt, wie er es gegenüber
seinem Nachbarn mit militärischen Mitteln getan hat,
muß in diesem Zeitalter Einhalt geboten werden, da
uns allen die Weiterverbreitung von Atomwaffen Sorge
bereitet.
Ich bin Ihnen dankbar, daß Sie dieses Thema angeschnitten haben, weil ich heute morgen eine Gruppe
von Befürwortern unserer Politik getroffen habe. Sie
versicherten mir im Namen des amerikanischen Volkes, wie besorgt alle darüber sind, daß er diese Waffen
besitzt und Atomwaffen erwerben will. Bei einer Pressekonferenz, an der die meisten von Ihnen teilgenommen haben, habe ich die Frage: "Wie lange wird er
benötigen, um Waffen zu beschaffen?" dahingehend
beantwortet, daß er in einem sehr kurzen Zeitraum
Waffen erwerben könnte. Man mu ß also das Schlimmste befürchten. Und das ist ein Faktor, der so ernst ist,
daß ich darüber nachdenke, wie man ihn zur Einhaltung der UNO-Resolutionen zwingen könnte.
Frage: Gegenwärtig ist der Besitz chemischer Waffen
und Atomwaffen nicht Bestandteil der UNO-Resolution. Werden Sie die Vereinten Nationen bitten, dies
zur Bedingung für Saddam Hussein zu machen? Und
werden Sie dabei einseitig vorgehen?
Antwort: Ich denke nicht, daß man dies als einseitiges
Vorgehen bezeichnen kann, weil meiner Ansicht nach
alle Koalitionspartner meine Auffassung über seinen
Besitz nichtkonventioneller Waffen und sein Streben
nach mehr teilen. Aber ich habe zum gegenwärtigen
Zeitpunkt noch keine Pläne, dies in den Vereinten
Nationen vorzutragen. Aber glauben Sie mir: Ich
denke unablässig darüber nach, welche Maßnahmen
erforderlich sind, um die UNO-Resolutionen durchzuführen.

*

Seite 3

�GOLFKRISE
19. Dezember 1990

HOFFNUNGEN AUF EINE NEUE WELTORDNUNG
HÄNGEN VON BEENDIGUNG DER BESETZUNG
KUWAITS AB
Rede von Außenminister Baker vor dem Nordatlantikrat
BRÜSSEL - (AD) - Außenminister Baker zufolge hängen die Hoffnungen auf eine neue "Weltordnung" und
Frieden im Nahen Osten von der Beendigung der irakischen Aggression gegen Kuwait ab.
In seinen Ausführungen vor dem Nordatlantikrat erklärte Baker am 17. Dezember 1990: "Wir wollen eine
friedliche Beilegung dieser Krise ... Sie ist jedoch nur möglich, wenn Saddam Hussein begreift, daß er zum
Rückzug gezwungen wird, wenn er nicht aus Kuwait abzieht."
Darüber hinaus erörterte Baker die Beziehungen des Westens zur Sowjetunion und anderen osteuropäischen
Ländern sowie die in der NATO erzielten Fortschritte bei der Anpassung an die veränderten Gegebenheiten in
Europa.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker in wesentlichen Auszügen.

Wir sind heute hier als Bündnis von Völkern zusammengekommen, die durch gemeinsame Geschichte
und Werte verbunden sind. Ich möchte meine heutigen Ausführungen auf die drei vordem Bündnis liegenden Herausforderungen konzentrieren:
Erstens die brutale Besetzung Kuwaits durch
den Irak und die Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft zur Behebung dieser
Aggression,
zweitens die Dezentralisierung und Umgestaltung der Machtverhältnisse in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion, und
drittens den kontinuierlichen Anpassungsprozeß der NATO einschließlich der Überprüfung
unserer internen Strategie und die Frage einer
europäischen Sicherheitsidentität.
Ich möchte jeden dieser Punkte im einzelnen erörtern.
Beendigung der irakischen Aggression gegen
Kuwait
Wir haben häufig über die Golfkrise gesprochen und
von Beginn der Krise an herrschte Konsens, daß die
AMERIKA DIENST 50

irakische Aggression beendet werden muß. Darüber
hinaus stimmten wir überein, daß Saddam Hussein in
keiner Weise von dieser Aggression profitieren darf.
Jede Hoffnung auf eine neue, auf den Rechtsstaat und
nicht das Gesetz des Dschungels gegründete Weltordnung hängt davon ab. Jede Hoffnung auf Frieden
im Krisengebiet des Nahen Ostens hängt davon ab und nicht zuletzt von der Demonstration, daß Saddam
Husseins Vorgehensweise nicht funktioniert und nicht
das Gebot der Zukunft in der Region sein kann.
Wir wollen eine friedliche Beilegung dieser Krise. Und
wir glauben, daß dies immer noch möglich ist. Sie ist
jedoch nur möglich, wenn Saddam Hussein begreift,
daß er zum Rückzug gezwungen wird, wenn er nicht
aus Kuwait abzieht.
Präsident Bush hat eindeutig klargestellt, daß er bei
der Suche nach einer friedlichen Lösung alles in seiner
Macht Stehende tun wird. Aus diesem Grund haben
wir das Angebot zu einem Treffen mit Außenminister
Asis in Washington und meiner Reise nach Bagdad zu
einem Gespräch mit Saddam Hussein unterbreitet.
Mit diesem Angebot wollte der Präsident sicherstellen,
daß die Iraker direkt von uns über die vor ihnen

Seite 1

�liegenen Optionen und die Konsequenzen ihrer Aktionen unterrichtet werden.
Obwohl der Präsident zu einem solchen weiteren
Schritt gewillt ist, war und ist er nicht bereit, zum
Spielball von Saddam Husseins Manipulationen zu
werden. Er war und ist nicht bereit, Bestrebungen zur
Umgehung oder Aufweichung des in Resolution 678
des UN-Sicherheitsrats verhängten, am 15. Januar
auslaufenden Ultimatums zu teilen.
Wir sind immer noch zu einem Treffen bereit. Wir
möchten Tarik Asis immer noch zu einem Gespräch
mit dem Präsidenten in Washington empfangen. Der
Präsident ist immer noch bereit, mich nach Bagdad zu
entsenden. Und er ist immer noch bereit, mich an
einem der 15 genannten Termine reisen zu lassen,
einschließlich dem 1. Weihnachtstag oder dem Neujahrstag.
Wenn Saddam Hussein nicht willens ist, mich an
einem der 15 Termine zu empfangen, nachdem er mit
unzähligen selbsternannten Emissären aus zahlreichen Ländern zusammengekommen ist, beweist er
uns allen, daß er nicht an Kommunikation sondern
Manipulation interessiert ist.
Wir sind zu Kommunikation bereit, nicht aber, Saddam
Husseins Spiel zu spielen. Und niemand sonst sollte
dies tun. Jeder sollte dem Irak dieselbe Botschaft
zukommen lassen:
Hören Sie auf, aus dem Treffen in Bagdad ein
Vabanquespiel zu machen,
akzeptieren Sie die Realität Ihrer Situation und
den Willen der internationalen Staatengemeinschaft,
machen Sie sich klar, daß Sie die internationale
Staatengemeinschaft nicht spalten können, und
werden Sie sich bewußt, daß die internationale
Staatengemeinschaft den Einsatz von Gewalt
unterstützt, wenn Sie sich weigern, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats vollständig einzuhalten.
Die Übermittlung dieser Botschaft und die Verdeutlichung, daß es keine Belohnung und kein Junktim mit
anderen Themen gibt, sind unabdingbar, um Saddam
Hussein davon zu überzeugen, daß er erstens keinen
Keil zwischen uns treiben kann und zweitens die Zeit
ausläuft.
Eine friedliche Lösung hängt von seiner Einsicht ab,
da ß er nur zwei Alternativen hat. Jedes Treffen mit den
Irakis sollte die Unmißverständlichkeit der Alternativen
verdeutlichen, es sei denn, mangelnde Kommunikation verleitet sie zu einer erneuten Fehleinschätzung,
mit der sich das Kriegsrisiko in der Tat nur vergrößert.

Seite 2

Wir sollten uns meines Erachtens darauf gefaßt machen, daß Saddam Hussein wahrscheinlich beabsichtigt, den kollektiven Willen der internationalen Staatengemeinschaft zum Einsatz von Gewalt zu unterhöhlen,
je mehr wir uns dem Ablauf des Ultimatums am 15.
Januar nähern und die Alternativen unmißverständlich
aufgezeigt werden. Ich bin ebenso der Überzeugung,
daß er die Geiseln nur aus diesem Grund freigelassen
hat, und am oder um den 15. Januar herum einen
dramatischen Schritt unternehmen wird. Er könnte
einen teilweisen Abzug vornehmen.
Wir sind alle der Meinung, daß Teillösungen oder
Resultate, die von anderen Themen abhängen und an
diese geknüpft sind, inakzeptabel sind. Wir müssen
Saddam Husseins mögliches Vorgehen antizipieren,
auf ein Komplott mit teilweisem Abzug gefaßt sein und
unsere Reaktionen genau koordinieren.
Bevor ich zur Sowjetunion komme, möchte ich noch
einen entscheidenden Punkt im Hinblick auf die Teilung von Verantwortung am Golf ansprechen, einer
Region, die für uns alle lebenswichtig ist. Als ich das
letzte Mal mit Ihnen dieses Thema erörterte, hatten wir
unsere Truppen am Golf noch nicht verstärkt, um eine
glaubwürdige Offensivfähigkeit aufzubauen. Dies war
für uns ein äußerst schwieriger Entschluß - nicht
theoretisch, sondern im Hinblick auf die beteiligten
Menschen. Es bedeutete die Einberufung von Reservisten und die Trennung Tausender Familien. Es
bedeutet für uns neue, erhebliche finanzielle Belastungen. Und es bedeutet reale Risiken und reale Opfer
seitens des amerikanischen Volkes. In diesem Zusammenhang werden wir erneut auf Sie zukommen,
um zu erörtern, wie wir diese zusätzlichen Kosten und
Risiken in verantwortungsbewußter Weise teilen können.
Politisch müssen wir gemeinsam dafür Sorge tragen,
daß unsere Öffentlichkeit diese Krise als Probe einer
neuen Weltordnung und unserer Hoffnungen auf ein
neues Zeitalter des Friedens versteht.
Wirtschaftlich müssen wir gleichmäßig die Verantwortung für die Begleichung der gewaltigen Kosten teilen,
die uns, der dem Irak gegenüberstehenden Koalition

und den Staaten, denen die Unterstützung der Vereinten Nationen die größten Opfer abverlangt hat, entstanden sind. Ich habe Ihnen gegenüber bereits früher
die Auswirkungen auf einen unserer Mitgliedstaaten,
die Türkei, erläutert. Es ist unerläßlich, daß die gegenüber der Türkei eingegangenen Verpflichtungen erfüllt
und noch verstärkt werden.
Militärisch teilen wir die Verantwortung, Saddam Hussein
zu zeigen, vor welcher Wahl er wirklich steht und daß
er die Bedingungen der Vereinten Nationen erfüllen
muß.

AMERIKA DIENST 50

�Die Sowjetunion und Osteuropa
Ich möchte mich nun einerweiteren großen Herausforderung für den Westen zuwenden - unseren Beziehungen zu einer sich rasch verändernden Sowjetunion.
Dazu möchte ich Ihnen folgende Beobachtungen mitteilen:
Erstens handelt Moskau bei vielen Themenbereichen
weiterhin als solider Partner, wie mein Treffen mit
Außenminister Schewardnadse in Houston unterstrichen hat. Das neue Denken ist in der Tat zunehmend
zur neuen Politik Moskaus geworden. Es besteht eine
Partnerschaft am Golf. In bezug auf den Nahen Osten
lassen unsere Gespräche den Schluß zu, daß die
Sowjets einen praktischen und nicht nur rhetorischen
oder symbolischen Ansatz zum Friedensproze ß unterstützen werden. Zu Angola, Afghanistan und El Salvador kommen wir der Beendigung des Blutvergießens
und der Verwirklichung von Frieden näher.
Bei START haben wir gute Fortschritte zur Ausräumung unserer verbleibenden Differenzen zu hochtechnischen Fragen erzielt. Wir sind zuversichtlich,
daß der START-Vertrag bei Präsident Bushs für Februar angesetztem Besuch in Moskau unterzeichnungsreif sein wird.
Zweitens bestand unsere Reaktion auf die sich verschlechternde innenpolitische Lage in der Sowjetunion
darin, Soforthilfe zu leisten, um den Sowjets bei der
Überwindung dieser kritischen Übergangszeit zu helfen. Wie der Präsident am vergangenen Mittwoch
ankündigte, wird unsere Hilfe in Form von medizinischen Gütern, Bürgschaften für Nahrungsmittelkredite, einschließlich der Aufhebung der Jackson-VanikBestimmung sowie technischer Wirtschaftshilfe gewährt werden. Darüber hinaus haben wir vorgeschlagen, den Sowjets einen Sonderstatus in IWF und
Weltbank einzuräumen. Unsere Hilfe ergänzt die von
vielen Mitgliedstaaten des Bündnisses und der Europäischen Gemeinschaft bereitgestellte Unterstützung.
Mit der Gewährung dieser Hilfe haben wir gleichzeitig
versucht, den Sowjets klarzumachen, daß es sich
dabei nur um eine Übergangshilfe handelt. Wir drängen sie weiterhin darauf, sicherzustellen, daß jegliche
vom Westen bereitgestellte Unterstützung in Einklang
mit den langfristigen Zielen der Demokratie und Marktwirtschaft steht. Dies ist besonders wichtig, wenn man
berücksichtigt, daß die Sowjets gegenwärtig in eine
kritische innenpolitische Phase eintreten.
Drittens lautet kurzfristig die Frage, mit der sich die
sowjetische Führung konfrontiert sieht, nicht so sehr,
ob den Reformen Erfolg beschieden sein wird, sondern ob Anarchie und Chaos vermieden werden können. Es besteht die Gefahr, daß alle Bemühungen,
das Chaos durch die Stärkung derjenigen Sektoren
der sowjetischen Gesellschaft einzudämmen, die mehr
auf zentralisierte, kommandoorientierte Lösungen fiAMERIKA DIENST 50

xiert sind - insbesondere Militär und KGB -, unerwünschte Folgen haben könnte.
Viertens schließlich hat niemand Interesse an Instabilität und Chaos in der Sowjetunion. Wir sind jedoch der
Überzeugung, daß der einzige Weg zur langfristigen
Sicherung der Stabilität darin besteht, politische und
wirtschaftliche Reformen gleichermaßen fortzusetzen
und noch zu beschleunigen. So wäre es etwa verhängnisvoll, wenn Moskau gegen die wie Pilze aus dem
Boden schießenden Kooperativen und informellen
Märkte vorgehen würde. Dies hätte eine gegenteilige
Wirkung auf wirtschaftliche und politische Reformen
und würde die Probleme Moskaus noch verschärfen.
Auch in Mittel- und Osteuropa sind die Reformen an
einem kritischen Punkt angekommen. Die einfachen
Schritte sind bereits vollzogen worden. Jetzt bleiben
nur noch schwere Entscheidungen übrig. Wir müssen
zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, daß die
demokratischen Errungenschaften des Jahres 1989
nicht zu den Fehlschlägen des Jahres 1991 werden.
Während wir Milliarden für die Übergangshilfe für die
Sowjetunion aufbringen, dürfen wir die Länder nicht
vergessen, die schwierige Entscheidungen auf dem
Weg zu Reformen getroffen haben und zu Versuchslabors für den Erfolg des demokratischen Experiments
geworden sind.
Das Bündnis muß sicherstellen, daß unsere Verbindungsstellen im Osten ihren Zweck wirklich erfüllen,
unsere ehemaligen Gegner in die Gemeinschaft
demokratischer Staaten zu integrieren. Die Mitgliedstaaten des Bündnisses müssen bilateral und im Rahmen
der KSZE ihre Bemühungen fortsetzen, Demokratie
und marktwirtschaftliche Reformen in Mittel- und
Osteuropa zu unterstützen. Diese Regierungen sind
von der Golfkrise besonders hart betroffen.
Leitlinien für eine Anpassung der NATO
Die dritte Herausforderung besteht darin, die andauernde Anpassung der NATO in geordneter Weise
durchzuführen. Unsere in den vergangenen 18 Monaten insbesondere beim Londoner Gipfel geleistete
Arbeit hat viel bewirkt und einen Kurs für weitergehende Veränderungen vorgezeichnet.
Trotzdem liegen die grundlegendsten Aufgaben noch
vor uns: Wir müssen unseren Erfolg bewältigen. Wir
müssen uns neuen Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit anpassen, die wirund die Öffentlichkeit
in unseren Ländern erst zu erkennen beginnen.
Meine Ausführungen zum Irak, der Sowjetunion sowie
Mittel- und Osteuropa sollten keinen Zweifel daran
lassen, daß die Welt - gerade die Welt Europas und
dessen unmittelbaren Umfelds - weiterhin ein Ort der
Unruhe und Gefahr ist.
Während sich unsere Sicherheitspolitik über 40 Jahre
hinweg auf die vorherrschende sowjetische Bedro-

Seite 3

�hung im Osten konzentrierte, muß sich heute und in
der Zukunft unser kollektiver Schwerpunkt meines
Erachtens auf einen breiteren Gesichtskreis richten.
Meiner Ansicht nach müssen wir fünf Aufgaben erfüllen:
Erstens müssen wir unseren Mitgliedern weiterhin eine
Absicherung gegen die Gefahren bieten, die von der
Sowjetunion und ihren immer noch umfangreichen
konventionellen und nuklearen Fähigkeiten ausgehen.
Der Charakter dieser Gefahr hat sich zweifellos gewandelt, und unsere unmittelbare Aufgabe besteht im
Umgang mit der - gegenwärtigen und potentiellen sowjetischen Macht, indem wir Wege finden, um die
UdSSR in eine europäische Ordnung einzubinden, die
Demokratie und Stabilität Vorschub leistet.
Zweitens haben wir ein starkes gemeinsames Interesse an der Förderung eines stabilen Sicherheitsgefüges
in ganz Europa - insbesondere in Mittel- und Osteuropa - auf der Basis des Wachstums demokratischer
Institutionen und zunehmenden Engagements für friedliche Konfliktlösungen. Tatsächlich war die europäische Sicherheit oftmals durch das Ausufern politischer
Instabilität und Konflikte angrenzender Länder gefährdet. Die - politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen - Herausforderungen der um ihre Existenz
kämpfenden Länder Mittel- und Osteuropas stellen
uns ebenfalls vor Herausforderungen. Es liegt in
unserem Interesse, daß diese Länder nicht erneut die
düsteren Kapitel ihrer Geschichte durchleben müssen.
Drittens müssen wir erkennen, daß auch aus anderen
Richtungen reale und potentielle Bedrohungen für das
Territorium unserer Mitgliedstaaten bestehen, - insbesondere aus dem Süden und Südosten. Das wird
insbesondere in der Türkei deutlich und sollte auch im
Mittelmeer gelten.
Viertens stellt die irakische Aggression im Pulverfaß
des Nahen Ostens natürlich eine Gefahr für Westeuropa dar, der ebensolche Bedeutung zukommt wie jeder
direkten Bedrohung für das Territorium der NATO.
Wenn wir zulassen, daß Bestrebungen des Bündnisses zur Bewältigung dieser Gefahren durch Formalismus gelähmt werden, werden wir die fatalen Fehler
früherer Generation wiederholen. Und dies ist wahrscheinlich nicht die letzte Herausforderung, die von
dieser Nachbarregion auf uns zukommt.
Fünftens kann dieses Bündnis - wie es Artikel IV des
Nordatlantikvertrags vorsieht - als transatlantisches
Forum für Konsultationen der Verbündeten über alle
Themen dienen, die unsere lebenswichtigen Interessen berühren und zur Koordinierung unserer Bestrebungen um Rüstungskontrolle. Dies sollte auch die
Arbeit gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen umfassen, eine Gefahr, die möglicherweise eine der entscheidensten und schwierig-

Seite 4

sten Bedrohungen für unsere Sicherheit ist, der wir uns
in den neunziger Jahren stellen müssen.
Ich freue mich, daß die Gipfel von London und Paris
durch ein Zusammenspiel sicherheitspolitischer Maßnahmen bereits Fortschritte bei der Neuorientierung
unseres Bündnisses auf dieses Fünf-Punkte-Programm
markieren. Insbesondere unsere neuen Verbindungen
friedlicher Kooperation mit der Sowjetunion und den
Ländern Mittel- und Osteuropas sind ein guter Anfang,
auf dem wir aufbauen müssen.
Aber die Überprüfung unserer Strategie ergibt auch,
daß wir im Zuge einer Neuorientierung des Bündnisses und Bewältigung dieser größeren Bandbreite sicherheitspolitischer Fragen ebenfalls bewerten müssen, wie Europa und Nordamerika ihre gemeinsamen
Sicherheitsbestrebungen in den kommenden Jahren
gestalten werden. Unser neuer Realismus über ein
weiter gefaßtes Sicherheitsprogramm muß von einer
realistischen Einschätzung des Interesses an einer
europäischen sicherheitspolitischen Identität begleitet
sein.
Die Vereinigten Staaten unterstützen seit langem eine
stärkere europäische Rolle innerhalb des Bündnisses.
Wir begrüßen also die Aussicht auf Erhaltung der
transatlantischen Partnerschaft im sicherheitspolitischen Bereich mit einem selbstbewußteren und vereinigten Europa - einer Partnerschaft im Einklang mit
dem Nordatlantikvertrag. Wir wissen, daß die uns
verbindenden gemeinsamen Werte größeren Zusammenhalt bieten als jede Bedrohung von außen.
In der Tat kommt meiner Ansicht nach einer stärkeren
europäischen Identität innerhalb des Bündnisses
angesichts der sich wandelnden sicherheitspolitischen
Tagesordnung noch größere Bedeutung zu. Wir interessieren uns insbesondere dafür, wie ein europäisches Verteidigungsgefüge dazu beiträgt, mit diesen
von mir bereits erwähnten Herausforderungen umzugehen, mit denen sich die NATO noch nicht beschäftigt
hat. In dieser Hinsicht haben wir Vorschlägen besonderes Interesse entgegengebracht, daß die WEU eine Organisation, die bereits zweimal auf Bedrohungen in der Golfregion reagiert hat - Grundlage eines
solchen Gefüges sein kann. Ein auf den Erfahrungen
der WEU basierender europäischer Pfeiler für das
Bündnis könnte uns helfen, die alte, festgefahrene
Diskussion über die Rolle in bündnisfremden Gebieten
hinter uns zu lassen.
Entwicklungen in diesem Bereich sind natürlich für die
WEU und die EG von zentraler Bedeutung. Diese
Entwicklungen betreffen darüber hinaus jeden einzelnen Verbündeten an diesem Tisch.
Der Weg, den wir im Hinblick auf reifere Sicherheitsbeziehungen einschlagen, wird ernste und andauernde
Konsequenzen für unsere Beziehungen und unsere

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�gemeinsamen Sicherheitsinteressen haben. Wir müssen
es richtig machen.
Ich bin mir bewußt, daß die Geschichte der europäischen Integration sich oftmals erfolgreich auf eine
Vision gestützt hat, die dann in vielen fruchtbaren und
schwierigen Verhandlungen ausgearbeitet wurde. In
diesem Fall muß sich der europäische Prozeß meiner
Meinung nach auf eine Weise entwickeln, die eine
eingehende Erörterung seiner Auswirkungen auf beteiligte Institutionen und Verbündete gewährleistet.
Eine Weltordnung, die Frieden schafft, Stabilität sicherstellt und Wohlstand und Freiheit fördert, kann
nicht aus einem Europa entstehen, das von Nordamerika getrennt ist. Die neue Weltordnung kann sich
keine "Insel" Europa oder ein "isolationistisches" Nordamerika leisten.
Ich bin zuversichtlich, daß wir, wenn Europa die Entwicklung einer Sicherheitsidentität beabsichtigt, einen
klarer definierten europäischen Sicherheitspfeiler
schaffen können, mit dem die NATO ihre sicherheitspolitischen Herausforderungen besser lösen kann. Im
Hinblick darauf freue ich mich auf die Weiterführung
enger Konsultationen bei der Überprüfung der NATOStrategie und die in den nächsten Monaten parallel
dazu verlaufenden Prozesse der EG. Wenn wir all

*

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diese neuen Wege einschlagen, müssen unsere Beratungen unbedingt offen sein und unsere Schlußfolgerungen auf engen und eingehenden Konsultationen
mit allen beteiligten Ländern und Institutionen basieren. Der Konsens der Vergangenheit muß in Zukunft
Bestand haben.
Wir müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen,
daß die transatlantischen Beziehungen in den nächsten vierzig Jahren ebenso erfolgreich sind wie in den
vergangenen vierzig Jahren. Wenn wir jetzt zusammenarbeiten - zu einer Zeit, da viele entwicklungsfähige Ideen auf dem Tisch liegen - können wir sicherstellen, daß eine dauerhafte und reife transatlantische
Partnerschaft entsteht.
Schlußbemerkung
Zum Schlu ß freue ich mich über diese Gelegenheit, im
einzelnen sowohl unsere unmittelbaren Herausforderungen als auch die erforderlichen Leitlinien zu erörtern, um die politische Seite der Überprüfung unserer
Strategie zu fördern. Die von uns bereits erzielten
umfangreichen Fortschritte zeigen, daß wir der Aufgabe gewachsen sind, wenn wir das Ziel und die gemeinsamen Werte im Auge behalten, die uns zusmmengeführt haben.

* * *

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Seite 5

�GOLFKRISE
19. Dezember 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Dezember 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Dezember 1990 fort.

1. Dezember
Vizepräsident Dan Quayle zufolge bedeuten die von
Präsident Bush vorgeschlagenen Treffen zwischen
dem Irak und den Vereinigten Staaten keinen Wandel
in dem Beharren der Vereinigten Staaten auf dem
irakischen Abzug aus Kuwait. Er erklärte: "Es stellt
lediglich einen letzten Appell an Saddam Hussein dar,
die UNO-Resolutionen zu erfüllen".
2. Dezember

i

*

Die Präsidenten der Andenpaktstaaten schicken einen
gemeinsamen Brief an Saddam Hussein, in dem sie
ihre Auffassung bekunden, daß der Irak die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats einhalten muß. Sie fordern ferner den Irak zum Abzug aus Kuwait auf. Die
Präsidenten "bekräftigen ihr Engagement für eine
friedliche Lösung und fordern daher einen Dialog zwisehen den interessierten Parteien nach dem irakischen Abzug aus dem besetzten Territorium, der
entscheidenden Vorbedingung für den erwünschten
Abbau der Spannungen", nach der Entscheidung des
UN-Sicherheitrats für ein Ultimatum an den Irak für
seinen Abzug aus Kuwait. Der Brief ist unterzeichnet
von den Präsidenten Jaime Paz Zamora (Bolivien),
Cesar Gaviria Trujillo (Kolumbien), Rodrigo Borja
Cevallos (Ecuador), Alberto Fujimori (Peru) und Carlos Andres Perez (Venezuela).
3. Dezember
Der kuwaitische Botschafter Mohammed Abulhasan
erklärt, der Irak habe in Kuwait systematisch landwirtschaftliche Programme im Wert von mehr als 100
Millionen Dollar zerstört, wobei die Nahrungsmittel
knapper werden und das kuwaitische Volk von Lebensmittellieferungen abgeschnitten wird. In einem Brief an
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die Vereinten Nationen erklärt Abulhasan, Kuwaitis,
die keine irakischen Pässe entgegennehmen wollen,
erhielten grundsätzlich weder Lebensmittel noch Treibstoff.
Der Menschenrechtsausschuß der UNO-Generalversammlung verurteilt mit überwältigender Mehrheit die
"gravierenden Menschenrechtsverletzungen gegen das
kuwaitische Volk und Drittstaatler" durch den Irak und
stimmt 132 zu 1 bei einer Enthaltung. Der Resolutionsentwurf wird von mehr als 30 Ländern aus allen Teilen
der Erde eingebracht und geht insbesondere auf "Folter,
Verhaftungen, Massenexekutionen und Entführungen"
ein. Der Ausschuß erklärt seine "ernste Sorge" über
den systematischen Abbau und die Plünderung der
wirtschaftlichen Infrastruktur Kuwaits und "tiefe Besorgnis" über die zunehmend schwierigen Lebensbedingungen im besetzten Kuwait. Lediglich der Irak
stimmt gegen die Resolution, Sambia enthält sich der
Stimme. Sieben arabische Länder - Algerien, Jemen,
Jordanien, Libyen, Mauretanien, der Sudan und Tunesien - stimmen nicht ab.
5. Dezember
Außenminister Baker erklärt dem Auswärtigen Ausschuß des Senats, wenn man es aufschiebe, den Irak
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen, könnte dies dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein helfen, Kuwait
als ganzes Land zu zerstören.
Der neue britische Premierminister John Major schließt
Verhandlungen mit dem Irak sowie "alle Teillösungen
oder Junktims mit anderen Problemen" aus.
Der Irak akzeptiert Präsident Bushs Vorschlag für
gegenseitige Besuche auf höchster Ebene offiziell.

Seite 1

�Der Irak beginnt mit der Ausstellung von Ausreisevisa
für über 3 200 Sowjetbürger.

tiert wurde, Saddam Hussein könnte einen Teilrückzug planen.

Neuseeland entsendet symbolisch Truppen in die
Golfregion, indem das Land zwei Transportflugzeuge
und ein Militärärzteteam anbietet.

Die kuwaitische Exilregierung stellt fest, sie sei nicht
bereit, auch nur einen Zentimeter kuwaitischen Bodens preiszugeben und brandmarkt Berichte, sie führe
Geheimverhandlungen mit der Bagdader Regierung,
als "völlig aus der Luft gegriffen". Außenminister
Sabah al-Ahmed al-Jaber erklärt gegenüber der kuwaitischen Nachrichtenagentur, Berichte der britischen
Zeitung The Independent beruhten "auf fabrizierten
Gerüchten".

Die in Riad zusammenkommenden Verteidigungsminister aus sechs Golfstaaten wollen die Befreiung des
besetzten Kuwait unterstützten. In einer bei Abschluß
des Treffens veröffentlichten Erklärung, die von Prinz
Sultan Bin Abd al-Aziz AI Saud aus Saudi-Arabien,
Scheich Hamad Bin Isa al-Khalifa aus Bahrain, Scheich
Hamad bin Khalifa al-Thanki aus Katar, Qaboos bin
Said AI Said aus Oman, Muhammad bin Rashid bin
Sa'id AI aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und
Nawwaf al-Ahmad al-Jabir al-Sabah aus Kuwait unterzeichnet wurde, erklären die Außenminister die irakische Invasion in Kuwait zur Aggression gegen alle
Länder des Golf-Kooperationsrats.
In Washington bittet eine Gruppe aus 54 demokratischen Abgeordneten den Bundesrichter Harold Greene um einen Gerichtsbeschluß, der es Präsident Bush
verbietet, eine Offensive am Golf zu führen, ohne das
ausdrückliche Einverständnis des Kongresses einzuholen, wobei sie verfassungsrechtliche Vorbehalte
anführen.
6. Dezember
Saddam Hussein bittet das irakische Parlament um
Zustimmung zur Freilassung aller im Irak und in Kuwait
festgehaltenen Ausländer.
7. Dezember
Das irakische Parlament stimmt Saddam Husseins
Entscheidung zur Freilassung aller im Irak festgehaltenen Ausländer mit überwältigender Mehrheit zu.

Das Komitee für Frieden und Sicherheit am Golf erklärt, der irakische Präsident Saddam Hussein dürfe
für seine Aggression gegen Kuwait nicht belohnt werden. Das Komitee ist eine überparteiliche Gruppe aus
führenden Vertretern des Kongresses und ehemaligen
US-Beamten und unterstützt die Politik der BushAdministration am Golf.
Dem von dem demokratischen Kongreßabgeordneten
aus New York, Stephen Solarz, ins Leben gerufenen
Komitee gehören ferner der demokratische Abgeordnete Tom Lantos aus Kalifornien, der demokraitsche
Abgeordnete Dave McCury aus Oklahoma, der demokratische Abgeordnete John P. Murta aus Pennsylvania, der demokratische Abgeordnete Robert G. Torricelli aus New Jersey sowie die republikanischen Senatoren Richard Lugar aus Indiana und John McCain aus
Arizona an.
11. Dezember
Dem Pariser Fernsehsender Antenne 2 zufolge entsendet Frankreich sechs weitere Kampfflugzeuge nach
Saudi-Arabien, darunter vier Jaguar Kampfbomber
und zwei Mirage 2000 zur Luftverteidigung.
13. Dezember

Der irakische Botschafter in den Vereinigten Staaten,
Mohamad al'Mashat, entschuldigt sich in einem Fernsehinterview für das Festhalten der Geiseln und erklärt, sein Land erwarte nichts für deren Freilassung.

Saddam Hussein wechselt seinen Verteidigungsminister Saidi Tumah Abbas gegen einen jungen Generalleutnant aus, der von 1980-88 im Krieg gegen den Iran
kämpfte und als Anhänger der harten Linie Saddam

Dem US-Außenministerium zufolge bestehen die
Vereinigten Staaten darauf, daß die Termine für die
beiden vorgeschlagenen amerikanisch-irakischen
Treffen auf höchster Ebene vor dem ersten Treffen
vereinbart sein müssen.

Husseins gilt. Darüber hinaus verkündet der Irak die

10. Dezember
Der irakische Informationsminister LatifJassim erklärt,
jegliches Gerede über einen irakischen Abzug aus
Kuwait sei "nichts als Träumerei und Wunschdenken".
Die Londoner Zeitung Observer berichtet, der Irak
scheine seine Grenzen zu Kuwait neu festzulegen. Es
werde ein Stacheldrahtzaun durch den nördlichen Teil
Kuwaits gezogen, was als Anzeichen dafür interpre-

RA»O 9

Bildung von 370 Zivilverteidigungszentren in Bagdad.
Hausbesitzer werden angewiesen, Luftschutzräume
einzurichten.
Der Verwaltungsrichter Harold Greene weist den Antrag einer Gruppe demokratischer Kongreßabgeordneter auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung ab, mit
der Präsident Bush der Befehl zum Angriff gegen den
Irak ohne Zustimmung des Kongresses untersagt werden
soll. Richter Greene zufolge beruht die Abweisung auf
der Tatsache, daß keinerlei stichhaltige Beweise für
eine bevorstehende Auseinandersetzung zwischen
Legislative und Exekutive sowie dafür vorlägen, daß
die Administration kurz davor stehe, einen Angriff

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�auszulösen oder die Mehrheit im Kongreß eine Kriegserklärung für unklug hielte.
14. Dezember
Präsident Bush erklärt, die von ihm vorgeschlagenen
irakisch-amerikanischen Treffen auf höchster Ebene
seien "in der Schwebe" bis Bagdad sich bereiterkläre,
Au ßenminister Baker bis spätestens 3. Januar 1991 zu
empfangen. Bush stellt fest, er wolle eine friedliche
Lösung der Golfkrise, aber er werde sich "nicht an der
Umgehung oder Aufweichung der von den Vereinten
Nationen gesetzten Frist beteiligen", bis zu der sich
der Irak aus Kuwait zurückgezogen haben muß.
Außenminister Baker ist bereit, jederzeit bis einschließlich dem 3. Januar 1991 nach Bagdad zu reisen.
Der algerische Präsident Chadli Benjedid deutet an, er
habe eine diplomatische Mission in Bagdad ohne
Ergebnis beendet. In einem vor seiner Abreise aus der
irakischen Hauptstadt veröffentlichten Kommunique
fordert Benjedid die "Wiederherstellung der arabischen Einheit".
Die letzten Angehörigen der amerikanischen Botschaft
in Kuwait, darunter Botschafter Nathaniel Howell, die
Gesandte Barbara Bodine und drei andere Mitarbeiter
treffen nach der Abreise aller Amerikaner aus Kuwait,
die dies wünschten, auf dem Luftwaffenstützpunkt

*

AMERIKA DIENST 50

*

Andrews ein. Die amerikanische Botschaft "bleibt
offiziell geöffnet, auch wenn sie gegenwärtig nicht
besetzt ist".
15. Dezember
Der irakische Informationsminister und der Revolutionäre Kommandorat verkünden, daß der irakische
Au ßenminister Tarik Asis am 17. Dezember nicht nach
Washington fliegen werde und daß "allein der Irak"
einen Termin für den Besuch Außenminister Bakers in
Bagdad festlegen werde.
Das Weiße Haus erklärt, die irakische Ankündigung
einer fehlenden Übereinstimmung zu den Besuchen
"ist lediglich eine Bekräftigung der nicht vorhandenen
irakischen Bereitschaft, sich ernsthaft mit dem Problem zu beschäftigen".
Die Regierungschefs der 12 EG-Staaten verurteilen
die "unmenschliche und unterdrückerische Besetzung"
Kuwaits durch den Irak und warnen Saddam, er allein
sei dafür verantwortlich zu entscheiden, ob ein Krieg
vermieden werden kann. In einer zum Abschluß ihres
zweitägigen Gipfeltreffens in Rom verabschiedeten
Erklärung fordern die Regierungschefs den vollständigen irakischen Abzug aus Kuwait sowie die Wiederherstellung von Souveränität und rechtmäßiger Regierung Kuwaits.

*

*

Seite 3

�USA -

SOWJETUNION
19. Dezember 1990

AUFHEBUNG DER JACKSON-VANIK-BESTIMMUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Aufgrund der Aufhebung des 1974 erlassenen Jackson-Vanik-Gesetzes durch Präsident Bush können die Vereinigten Staaten der Sowjetunion für den Erwerb amerikanischer Agrarprodukte
Kreditbürgschaften von bis zu 1 Milliarde Dollar gewähren.
Mit dieser neuen Regelung kann die Sowjetunion bei der Export-Import-Bank der Vereinigten Staaten bis zu 300
Millionen Dollar an Krediten und Kreditbürgschaften erhalten.
Die Jackson-Vanik-Bestimmung schränkt den Handel mit Ländern ein, die keine freie Ausreise zulassen. Wenn
Bush Jackson-Vanik aufhebt, muß er dem Kongreß zusichern, daß die neue Regelung dem Ziel der freien
Ausreise Vorschub leistet. Der Kongreß kann sich dann in einer Abstimmung dagegen aussprechen.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 12. Dezember 1990 herausgegebene Übersicht zu diesem Erlaß.
Der Präsident hat entschieden, daß die Sowjetunion
die im Jackson-Vanik-Gesetz (Abschnitt 402) des
Handelsgesetzes von 1974 enthaltenen Bestimmungen über freie Ausreise erfüllen und diesen Zusatzartikel aufgehoben. Jackson-Vanik verbietet denjenigen
Ländern Zugang zu staatlichen Krediten und Kreditbürgschaften, die Ausreisebeschränkungen verhängen. Der Präsident begründet seine Entscheidung
folgendermaßen:
Die Liberalisierung der sowjetischen Auswanderungspolitik in den letzten Jahren, im Zuge derer bis Ende
1990 schätzungsweise 360 000 Personen das Land
verlassen werden,
die Zusicherung, daß diese Politik fortgeführt wird und
um der Sowjetunion Nahrungsmittel - in Form von
einer Milliarde Dollar Kreditbürgschaften der Preisstützungsbehörde für die Landwirtschaft (CCC) für den
Erwerb landwirtschaftlicher Produkte - zugänglich zu
machen.
Der Erlaß des Präsidenten wird bis mindestens Juli
1991 gelten. Dann wird er über eine eventuelle Verlängerung entscheiden müssen.
Trotz dieser Entscheidung über Jackson-Vanik plant
der Präsident zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, das
beim Washingtoner Gipfel im Juni 1990 unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen an
den Kongreß weiterzuleiten. Nur wenn das Handelsabkommen die Zustimmung des Kongresses findet

und in Kraft tritt, kann die Sowjetunion den Meistbegünstigungsstatus erhalten.
Die unmittelbare Auswirkung der Maßnahme des
Präsidenten besteht darin, daß die Sowjetunion nunmehr im Rahmen des CCC Kreditbürgschaften für den
Erwerb amerikanischer Agrarprodukte in Anspruch
nehmen kann. Diese Form der Nahrungsmittelhilfe
erfüllt die sowjetische Bitte um Kreditbürgschaften und
wird den zuständigen sowjetischen Stellen helfen, ihre
Lebensmittelknappheit zu bewältigen. Im Rahmen
dieses Erlasses kann die Sowjetunion wieder Kredite
und Bürgschaften der Export-Import-Bank in Anspruch
nehmen.
Dennoch begrenzen der Stevenson-Zusatzartikel zum
Gesetz der Eximbank und der Byrd-Zusatzartikel zum
Handelsgestz von 1974 Kredite und Bürgschaften auf
300 Millionen Dollar, mit einer Untergrenze von 40
Millionen Dollar und anderen Beschränkungen für
Eximbank-Kredite oder Bürgschaften zur Unterstützung der Industrie für fossile Brennstoffe.
Im Einklang mit den Bestimmungen von JacksonVanik wird der Präsident vor der offiziellen Aufhebung
des Artikels dem Kongreß seine Auffassung darlegen,
daß eine neue Regelung in der Sowjetunion dem Ziel
der freien Auswanderung Vorschub leisten wird. Dieser Bericht wird ebenfalls darauf eingehen, daß er die
erforderlichen Zusicherungen zur sowjetischen Ausreisepraxis erhalten hat.

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AMERIKA DIENST 50

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�USA - S O W J E T U N I O N
19. Dezember 1990

BUSH STELLT NAHRUNGSMITTELEXPORTKREDITE
FÜR UdSSR BEREIT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Aufgrund der Aufhebung des Jackson-Vanik-Zusatzes durch Präsident Bush kann die
Preisstützungsbehörde des Landwirtschaftsministeriums der Sowjetunion jetzt Kreditbürgschaften von rund 1
Milliarde Dollar für Nahrungsmittelkäufe gewähren.
Im Rahmen dieses Programms wird der Sowjetunion durch Privatanleihen der Kauf von amerikanischem
Weizen, Futtergetreide, Olsamen und anderen Gütern gestattet, die über Kreditbürgschaften der US-Regierung
abgesichert sind.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 12. Dezember 1990 vom Weißen Haus herausgebene Übersicht über
die Vereinbarung im Wortlaut.

Aufgrund der Entscheidung des Präsidenten zur Aufhebung des Jackson-Vanik-Zusatzartikels zum Handelsgesetz von 1974 hat die Sowjetunion Anspruch auf
vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA) bereitgestellte Exportkreditbürgschaften. Exportkreditbürgschaften werden für Agrarprodukte der Preisstützungsbehörde für die Landwirtschaft (CCC) angeboten, um
amerikanische Agrarexporte zu fördern. Das Hauptprogramm mit dem Titel GSM-102 räumt Rückzahlungsfristen von bis zu drei Jahren ein und deckt für
gewöhnlich 98 Prozent der Warenwerts der Transaktion ab.
Auf Wunsch gewährt die Preisstützungsbehörde des
Landwirtschaftsministeriums Bürgschaften für die
Finanzierung über reguläre Geschäftskanäle. Da der
größte Anteil des Risikos somit von der Preisstützungsbehörde getragen wird, können den Nutznießern dieses Programms Geschäftskredite in größerer
Höhe und zu günstigeren Bedingungen eingeräumt
werden als es sonst möglich wäre. Obwohl die Kredit-

bedingungen günstiger sind, werden die Zinssätze
gemäß dem Programm nicht subventioniert und entsprechen in etwa dem LIBOR (London Interbank Off ered Rate).
Für GSM-102 wird zur Zeit jährlich eine Gesamtsumme von 5 Milliarden Dollar bewilligt. Die Verkäufe an
25 Länder beliefen sich im Haushaltsjahr 1990 auf 4
Milliarden Dollar, was rund 10 Prozent aller amerikanischen Agrarexporte entspricht.
Jedes ausschließlich in den Vereinigten Staaten erzeugte Agrarprodukt kommt für das Programm in
Frage. Das Programm wurde zur Finanzierung des
Erwerbs von Weizen, Futtergetreide, ölsamen, Pflanzenöl, Vieh und Molkereiprodukten, Baumwolle sowie
einer Vielzahl anderer Güter verwendet.
Die Hauptnutznie ßer dieses Programms sind im Haushaltsjahr 1991 Mexiko (1,2 Milliarden Dollar) und Algerien (675 Millionen Dollar).

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�USA - S O W J E T U N I O N
19. Dezember 1990

BUSH RUFT PROJEKTGRUPPE FÜR MEDIZINISCHE
VERSORGUNG DER UdSSR INS LEBEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat erklärt, er werde eine Projektgruppe für die medizinische Versorgung der Sowjetunion ins Leben rufen, die der Sowjetunion mit staatlicher und privater Unterstützung angesichts
des akuten Mangels an Arzneimitteln und anderen medizinischen Versorgungsgütem helfen soll.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine dazu am 12. Dezember 1990 herausgebene Übersicht des Wei ßen Hauses.

Der Präsident hat entschieden, mit staatlicher und
privater Hilfe ein Arzneimittelhilfeprojekt ins Leben zu
rufen, um der Sowjetunion bei der Bewältigung ihres
akuten Mangels an Arzneimitteln und Material für die
medizinische Grundversorgung zu helfen. Dieses
Projekt stützt sich auf private ehrenamtliche Hilfsorganisationen, die mit Unterstützung der US-Regierung
Arzneimittel und medizinische Versorgungsgüter in
der Sowjetunion verteilen. Zumindest im Anfangsstadium sollen diese Arzneimittel und Artikel für den Krankenhausbedarf von US-Firmen gestiftet werden.
Die amerikanische Projektgruppe mit Vertretern der
US-Regierung und privaten ehrenamtlichen Hilfsorganisationen soliden gesamten Einsatz koordinieren und
planen.
Das Amt für Internationale Entwicklung (A.I.D.) wird
sich mit privaten Hilfsorganisationen und Arzneimittelfirmen in Verbindung setzen, um Spenden zu erbitten.
A.I.D. leistet den sich beteiligenden privaten Hilfsorganisationen Finanzhilfe.

Private Hilfsorganisationen in den Vereinigten Staaten
werden den Transport und die Verteilung der von
privater Seite gespendeten Arzneimittel und medizinischen Versorgungsgüter in der Sowjetunion übernehmen.
Die Amerikanische Botschaft in Moskau wird in Zusammenarbeit mit den zuständigen sowjetischen Stellen in der Zentralregierung, den einzelnen Republiken
und Städten sowie mit den bereits in der UdSSR
operierenden privaten Hilfsorganisationen zusammenarbeiten, um den Bedarf festzustellen und bei der
medizinischen Versorgung Prioritäten zu setzen.
Der Umfang des Programms und das gelieferte Material werden von dieser eingehenden Bewertung des
Bedarfs und dem privaten Interesse an diesem Projekt
abhängen.
Im Idealfall soll die amerikanische Hilfe solchen Bevölkerungsgruppen zugute kommen, die bestimmte
medizinische Versorgungsgüter benötigen (zum Beispiel Einwegspritzen für Kleinkinder, Insulin für Diabetiker, Mittel gegen Leukämie).

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�USA - S O W J E T U N I O N
19. Dezember 1990

BUSH SCHLÄGT ANSCHLUSS DER SOWJETUNION
AN IWF UND WELTBANK VOR
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat eine "besondere Anbindung" der Sowjetunion an den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank vorgeschlagen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Übersicht des Wei ßen Hauses vom 12. Dezember 1990 zur Erläuterung des
Vorschlags.

Präsident Bush hat eine besondere Anbindung der
Sowjetunion an den Internationalen Währungsfonds
(IWF) und die Weltbank vorgeschlagen, die Moskau
Zugang zum finanzwirtschaftlichen Know-how dieser
Institutionen gewähren soll. Bush bat Finanzminister
Brady als amerikanischen Gouverneur bei IWF und
Weltbank, diesen Vorschlag mit den Institutionen und
anderen Ländern zu verfolgen und gemeinsam mit
ihnen alles erforderliche zu veranlassen.

Der IWF nimmt ähnlich dem Konsultationsprozeß in Artikel IV eine Jahresbilanz der sowjetischen Wirtschaft vor, die jetzt für alle IWFMitgliedstaaten erstellt wird.
Die Institutionen entsenden technische Experten nach Moskau, um kontinuierliche Hilfe und
die Koordinierung der Aktivitäten zu gewährleisten.
Die Sowjets nehmen wie im Jahr 1990 auch
weiterhin an der Jahressitzung teil.

Unseres Erachtens ist es für die UdSSR am besten,
mit diesen Institutionen zunächst solch eine Beziehung einzugehen, bevor das Thema der Vollmitgliedschaft angesprochen wird.
Der Status einer "besonderen Anbindung" könnte
folgende Elemente enthalten:
Der IWF stellt den Sowjets technische Hilfe bei
Maßnahmen im makroökonomischen und finanziellen Bereich sowie bei der Festsetzung
der Wechselkurse zur Verfügung und berät zu
anderen Themen wie etwa Finanzpolitik, Steuerreform und Zentralbankfragen.
Die Weltbank bietet Beratung bei spezifischen
Strukturproblemen an wie Verbesserung des
Transport-, Energie- und Finanzwesens sowie
bei kritischen makroökonomischen Fragen wie
etwa der Erschließung von Märkten.

Weltbank und Währungsfonds laden die Sowjets zur Teilnahme an von ihren jeweiligen
Ausbildungsinstituten angebotenen Kursen ein.
Gemeinsam mit der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und dem
designierten Präsidenten der Europäischen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) schließen IWF
und Weltbank jetzt die beim Wirtschaftsgipfel in Houston in Auftrag gegebene Studie der sowjetischen
Wirtschaft ab. Aufgrund des neuen Status' der besonderen Anbindung könnten IWF und Weltbank auf diese
Arbeit aufbauen und den Prozeß der Wirtschaftsreform und Liberalisierung in der Sowjetunion voranbringen.

* * * * *

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