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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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5. Dezember 1990

48

GOLFKRISE

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN
ERFOLG DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz
des Präsidenten
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
16. bis 30. November 1990

GATT

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten

EINWANDERUNG

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN ERFOLG
DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl Präsident Bush die Auffassung vertritt, die nach dem Einmarsch in Kuwait gegen
den Irak verhängten UN-Sanktionen "zeitigen zwar eindeutig Erfolge", äußerte der Präsident am 30. November
1990 Zweifel, daß solche Maßnahmen allein den Irak zum Abzug aus Kuwait zwingen und die Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait bewirken können.
"Ich kann Ihnen nicht sagen, ob die Sanktionen allein funktionieren werden", erklärte Bush im Rahmen einer
Pressekonferenz im Weißen Haus, "und deshalb begrüße ich die gestern beschlossene Vorgehensweise der
Vereinten Nationen", die den Einsatz aller notwendigen Mittel zuläßt, um Kuwait von der irakischen Besetzung
zu befreien, wenn sich die Truppen nicht bis zum 15. Januar 1990 zurückziehen.
Bush verwies insbesondere darauf, daß die neuen Demokratien in Osteuropa und die Entwicklungsländer in
Afrika und der westlichen Hemisphäre "erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen" der
Aggression des irakischen Präsidenten Saddam Hussein erleiden.
Der Präsident erklärte, die Anhänger der Meinung, man könne "monatelang" zusehen, bis die Sanktionen den
Irak zur Einhaltung der UN-Resolutionen zwingen, "müssen sich die verheerenden Schäden vor Augen führen,
die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am wenigsten vertragen
können".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Präsidenten und die anschließende Pressekonferenz im
Wortlaut.

Bush: Ich möchte eine Erklärung abgeben, die etwas
länger als gewöhnlich ausfallen wird, weshalb ich um
Nachsicht bitte, und ich werde dann später gern Ihre
Fragen beantworten.
Wir sind am Golf, weil die Welt Aggression nicht
belohnen darf und kann. Und wir sind dort, weil unsere
lebenswichtigen Interessen auf dem Spiel stehen.
Und wir sind aufgrund der Brutalität Saddam Husseins
am Golf. Wir haben es mit einem gefährlichen Diktator
zu tun, der zur Gewaltanwendung nur allzu bereit ist,
der über Massenvernichtungswaffen verfügt und neue
entwickelt und der eine der wichtigsten Ressourcen
der Welt kontrollieren möchte - all dies zu einer Zeit in
der Geschichte, da die Gesetze der Zeit nach dem
kalten Krieg neu geschrieben werden.

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Unsere Zielsetzungen sind von Anfang an dieselben
geblieben. Wir wollen den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus Kuwait. Wir wollen die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung.
Wir wollen die Freilassung aller Geiseln und die ungehinderte Arbeit aller Botschaften. Und wir streben
nach Stabilität und Sicherheit dieser wichtigen Weltregion.
Mit diesen Zielsetzungen stehen wir nicht allein. Die
Vereinten Nationen stimmen uns, von ihrem neuen
Auftrag ermutigt, voll und ganz zu. Der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen hat zwölf Resolutionen verabschiedet, mit denen die unprovozierte Invasion und
Besetzung Kuwaits verurteilt und strenge Wirtschaftssanktionen verhängt werden, um den Handel mit dem

Seite 1

�Irak zu unterbinden, und er hat dem Einsatz von
Gewalt zugestimmt, um Saddam Hussein zur Einhaltung zu zwingen.
Saddam Hussein hat alles in seiner Macht Stehende
unternommen, um dies in einen Kampf zwischen dem
Irak und den Vereinigten Staaten ausarten zu lassen,
und er ist damit eindeutig gescheitert. Die Streitkräfte
aus 26 Ländern stehen unseren Truppen am Golf zur
Seite. Tatsache ist, daß hier nicht die Vereinigten
Staaten dem Irak gegenüberstehen, sondern der Irak
der ganzen Welt, und es hat niemals eine eindeutigere
Demonstration der weltweiten Geschlossenheit gegenüber Beschwichtigungspolitik und Aggression
gegeben.
Die gestern verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats hatte historischen Charakter. Wiederum
hat der Sicherheitsrat die berechtigte Funktion der
Vereinten Nation zur Friedenssicherung bewiesen.
Bis gestern konnte Saddam Hussein vielleicht noch
nicht wissen, wie die Weltmeinung aussieht, der er sich
stellen muß, und ich hoffe, jetzt wird ihm klar, daß er
Kuwait unverzüglich verlassen muß.
Ich werde ständig gefragt, wie effektiv die am 6. August
in Kraft getretenen UN-Sanktionen sind, und auf diese
Frage weiß ich keine Antwort. Die Sanktionen zeitigen
eindeutig Erfolge, aber ich kann Ihnen nicht sagen, ob
sie allein etwas bewirken. Und deshalb begrü ße ich die
gestern beschlossene Vorgehensweise der Vereinten
Nationen.
Die aufstrebenden Demokratien in Osteuropa erleiden
erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Aggression des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein. Die Entwicklungsländer in Afrika
und in unserer Hemisphäre werden Opfer des Übergriffs dieses Diktators auf seinen Nachbarn Kuwait.
Die Anhänger der Meinung, man müsse monatelang
warten, müssen sich die verheerenden Schäden vor
Augen führen, die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am
wenigsten vertragen können.
Der Präsident der Zentralbank, Alan Greenspan, hat
erst kürzlich darauf verwiesen, daß der Anstieg der
Ölpreise infolge Saddams Invasion auch unserem
Land schadet. Und ich habe bereits erläutert, daß
unsere Wirtschaft bestenfalls eine Verlangsamung
hinnehmen muß. Wenn die Unsicherheit auf den
Energiemärkten fortbesteht, wird die Verlangsamung
schlimmer werden.
Ich habe Ihnen bereits unsere Gründe für die Entsendung von Truppen an den Golf dargelegt. Lassen Sie
mich Ihnen dalegen, was mich am meisten beunruhigt.
Als erstens möchte ich die Amoralität der Invasion in
Kuwait selbst ansprechen. Kein Land sollte seinen
Nachbarn vergewaltigen, plündern und brutal bekämpfen. Kein Land sollte imstande sein, ein Mitglied der
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Vereinten Nationen und der Arabischen Liga von der
Weltkarte zu streichen. Ich bin ferner tief beunruhigt
über all die Geiseln - unschuldige Menschen, die
gegen ihren Willen und in eindeutiger Verletzung des
Völkerrechts festgehalten werden. Und dann gibt es
diese zynische und brutale Politik, bei der Menschen
gezwungen werden, um ihre Freilassung zu betteln,
bei der einzelne Menschen wie Frachtgut an ihre
Familien und die Emissäre überstellt werden.
Ich bin in großer Sorge um unsere Botschaft in Kuwait.
Die Fahne weht noch, eine Handvoll belagerter Amerikaner befindet sich immer noch in der Botschaft und
darf sie nicht verlassen. Diese Behandlung unserer
Botschaft verletzt jedes zivilisierte Prinzip der Diplomatie. Und sie bedeutet eine Erniedrigung für unsere
Bürger und unser Land. Ich bin entschlossen, daß
diese Botschaft, wie es Resolution 674 des UN-Sicherheitsrats fordert, vollständig wiederherstellt wird
und unsere Bürger nach Hause zurückkehren dürfen.
Welchen Präzedenzfall werden diese Maßnahmen für
die Zukunft schaffen, wenn Saddam Hussein das
Völkerrecht ungestraft verletzen darf?
Ich bin ebenfalls in tiefer Sorge über die Zukunft
Kuwaits. Die Geschichten von Vergewaltigung und
Mord, das kaltblütige Töten und zügellose Plünderungen übersteigen fast die Vorstellungskraft. Die gesamte zivilisierte Welt muß sich zusammenschließen
und erklären, daß diese Behandlung von Menschen
aufhören muß und diejenigen, die dem kuwaitischen
Volk Gewalt angetan haben, zur Rechenschaft gezogen werden müssen.
Ich bin darüber hinaus in großer Sorge über Saddam
Husseins Bestrebungen zum Erwerb von Atomwaffen.
Stellen Sie sich seine Fähigkeit vor, seine Nachbarn zu
erpressen, wenn er über Atomwaffen verfügt. Wir sind
Zeuge geworden, wie er Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt hat. Wir sind Zeuge geworden,
wie er aus seinem eigenen Land, das wohlhabend und
erfolgreich sein sollte, ein armes Land gemacht hat - all
dies aufgrund seines unstillbaren Verlangens nach
Waffen und Eroberungen.
Ich bin gefragt worden, warum ich mehr Truppen an
den Golf entsende. Ich hege weiterhin die Hoffnung
auf eine friedliche Lösung für diesen Konflikt. Aber
wenn Gewalt notwendig wird, werden wir und die
anderen 26 Länder, die in der Region Streitkräfte
haben, genug Macht besitzen, um das Notwendige zu
veranlassen.
Ich weiß, daß in unserem Land Befürchtungen über ein
neues Vietnam herrschen. Ich möchte Ihnen jedoch
versichern, daß sich, auch wenn ein militärischer Einsatz erforderlich wird, Vietnam nicht wiederholen wird.
Es wird keinen lang andauernden Krieg geben. Die
aufgestellten Streitkräfte sind anders, der Gegner ist
ein anderer und auch der Nachschub für Saddam
Husseins Truppen unterscheidet sich, die gegen ihn
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�verbündeten Länder der Vereinten Nationen sind anders,
ebenso die Topographie Kuwaits. Darüber hinaus ist
die Motivation unserer Freiwilligentruppe hervorragend.
Ich will den Frieden. Frieden, nicht Krieg, aber wenn
es einen Krieg geben muß, werden wir nicht zulassen,
daß unseren Truppen die Hände gebunden werden,
und ich versichere Ihnen, es wird kein unklares Ende
geben. Wenn ein amerikanischer Soldat kämpfen
muß, dann wird er genug Streitkräfte hinter sich haben,
um zu siegen und das Schlachtfeld so schnell wie
möglich zu verlassen, sobald die Zielsetzungen der
Vereinten Nationen erreicht sind. Ich werde einem
halbherzigen Einsatz niemals zustimmen.
Ich möchte es noch einmal wiederholen. Wir haben
keinen Streit mit dem irakischen Volk. Wir empfinden
für die Menschen dort nur Freundschaft. Und ich
möchte auch nochmals wiederholen, daß wir nicht den
Wunsch haben, einen einzigen amerikanischen Soldaten auch nur einen Tag länger am Golf zu lassen als es
für die Erlangung der oben beschriebenen Ziele notwendig ist.
Niemand wünscht sich mehr als ich eine friedliche
Lösung für diesen Konflikt, und gleichzeitig ist niemand
entschlossener als ich, die Aggression Saddam Husseins rückgängig zu machen.
Schließlich mahnen die Menschen nun zu Geduld. Die
Vereinigten Staaten und die ganze Welt waren geduldig. Ich werde mich auch weiterhin in Geduld fassen,
aber die gestern beschlossene UN-Resolution - die 13.
des UN-Sicherheitsrats - erklärt Saddam Hussein
eindeutig: "Die Zeit läuft ab. Sie müssen aus Kuwait
abziehen, und wir haben Ihnen Zeit gegeben, um
genau das zu tun."
Viele Menschen haben mit Saddam Hussein und seinem AußenministerTarikAsis persönlich gesprochen.
Alle waren frustriert über Iraks eisernen Widerstand,
nicht aus Kuwait abziehen zu wollen.
Um aber dem Frieden noch eine letzte Chance zu
geben, werde ich Außenminister Asis einladen, Ende
der Woche um den 10. Dezember an einem beiderseitig genehmen Zeitpunkt zu einem Gespräch mit mir
nach Washington zu kommen. Dazu werde ich auch
die Botschafter verschiedener Koalitionspartner am
Golf einladen.
Darüber hinaus bitte ich Außenminister Baker, nach
Bagdad zu reisen, um sich mit Saddam Hussein zu
treffen, und ich werde dem irakischen Präsidenten
vorschlagen, den Außenminister zu einem beiderseits
genehmen Zeitpunkt zwischen dem 15. Dezember
und dem 15. Januar nächsten Jahres zu empfangen.
Im Rahmen des Mandats der UN-Resolution werde ich
ebenso wie Außenminister Baker bereit sein, alle
Aspekte der Golfkrise zu erörtern. Um dennoch diese

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Bestrebungen zur Ausschöpfung aller Mittel zur Erlangung der politischen und diplomatischen Lösung klar
zu umreißen - ich möchte keine Gespräche, die weniger hervorbringen als den vollständigen Abzug aus
Kuwait, die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung und Freiheit für alle Geiseln.
Frage: Da Sie jetzt über eine eindeutige UN-Resolution zum Einsatz von Gewalt verfügen, werden Sie
damit nicht in die Lage kommen - wenn die Gespräche
zwischen den Außenministern ergebnislos verlaufen am 15. Januar Gewalt anwenden zu müssen, wenn
Saddam Hussein nicht abgezogen ist? Und wenn
nicht, würden wir nicht als diejenigen angesehen, die
als erste klein beigeben?
Antwort: Dieses Datum bedeutet nicht, daß dann
Gewalt angewandt werden muß.
Frage: Dazu noch eine Frage. Werden Sie den
Kongreß um Zustimmung zu dieser Resolution bitten?
Soll der Kongreß Ihrer Meinung nach dieselbe Resolution verabschieden wie die Vereinten Nationen?
Antwort: Es wäre mir sehr recht, wenn der Kongreß
mit einer Resolution enthusiastisch dem zustimmt,
was die Vereinten Nationen beschlossen haben. Aber
darüber konsultieren wir noch, und ich plane noch nicht
die Einberufung einer Sondersitzung. Ich bin nicht
dagegen. Aber gegenwärtig stehen wir in Konsultationen. Ich habe mit mehreren Angeordneten gesprochen. Ebenso mit führenden Politikern im Repräsentantenhaus. Auch mit Republikanern und Demokraten
im Senat. Ich möchte sicher sein, daß die Konsultationen abgeschlossen sind.
Vielfach wird die Auffassung vertreten, daß eine Sitzung des alten Kongresses keinen Wert hat und die
neuen Mitglieder das Recht haben sollten, etwas zu
sagen. Andere wiederum vertreten die Meinung, wir
sollten jetzt etwas tun. Wie Sie wissen, war im Kongreßbeschluß über eine Vertagung die Bestimmung
über eine mögliche Wiederaufnahme enthalten. Sie
sind ein gleichberechtigter Teil der Regierung. Sie
können das tun, wenn sie wollen.
Aber wir werden unsere Konsultationen fortführen.
Zufällig finden sie heute mit der Führung statt. Ich
werde also im Laufe dessen etwas herausfinden können.
Frage: Sie haben sich zuversichtlich gezeigt, daß USTruppen gegen Saddam Hussein bestehen können.
Antwort: Absolut.
Frage: Aber zu welchem Preis? Wie viele Amerikaner?
Antwort: Ich kann Ihnen natürlich keine Zahlen nennen. Ich kann jedoch sagen, daß die Verlegung dieser
zusätzlichen Streitkräfte das Leben aller Amerikaner
und aller Verbündeten am Golf schützt.
Seite 3

�Frage: In den letzten Tagen haben führende Vertreter
der Administration den Gedanken einer Entsendung
besonderer Emissäre oder von Sonderbotschaftern in
den Irak weit von sich gewiesen, um darüber in Ihrem
Auftrag zu sprechen. Wie ist es zu Ihrem Sinneswandel gekommen?

Frage: Mir fiel auf, daß Sie anfangs, als Sie Ihre Ziele
aufzählten, die Stabilität in der Region einbezogen. Sie
schienen sie zusammenzufassen, als Sie über diese
Gespräche mit Saddam Hussein sprachen, aber Sie
erwähnten dabei nur die ersten drei, nicht aber die
Stabilität in der Region.

Antwort: Die UN-Resolution bietet meines Erachtens
eine gute Gelegenheit, um Saddam Hussein klarzumachen, wen er gegen sich hat. Ich bin jedoch noch
nicht zu dem Schluß gekommen, daß er die Botschaft
verstanden hat. Ich hoffe, daß dies dazu beitragen
wird. Ich gehe davon aus, daß diese beiden von mir
angeregten persönlichen Treffen allen Menschen in
der Welt - gewiß aber dem amerikanischen Volk garantieren werden, daß Saddam Hussein keinen
Mißverständnissen oder Fehlurteilen unterliegt. Ich
höre immer wieder: "Man informiert ihn einfach nicht
richtig." Im Gegensatz zum amerikanischen Präsidenten, der gute wie schlechte Nachrichten sehr wahrheitsgetreu erhält, überbringen die Truppen Saddam
Husseins ihm angeblich keine schlechten Nachrichten. Darüber hinaus wurde mir gesagt, daß er ziemlich
isoliert ist. Und die UN-Resolution wird ihm meines
Erachtens dabei helfen, diese Isolierung in gewisser
Weise zu überwinden. Die beiden von mir gemachten
Vorschläge werden einen Beitrag dazu leisten. Es
handelt sich also nur um einen zusätzlichen Schritt,
und diese Entscheidung wurde von mir persönlich
getroffen.

Antwort: Ich sprach dabei von der UN-Resolution und Stabilität und Sicherheit waren meines Erachtens
nicht in der UN-Resolution enthalten. Aber dies ist
sicherlich Teil der Zielsetzung der internationalen
Staatengemeinschaft. Möglicherweise handelt es sich
nur um einen technischen Unterschied.

Frage: Sie haben angedeutet, daß dieses Datum kein
Ultimatum für den Einsatz von Gewalt darstellt, sondern lediglich einen Zeitpunkt, nach dem Gewaltanwendung erlaubt ist. Wie wollen Sie vermeiden, daß
bei einem Verzicht auf den Einsatz militärischer Mittel
nach diesem Datum der Eindruck entsteht, die amerikanisch geführte Koalition habe nur geblufft?
Antwort: Nun, wir müssen die Lage betrachten, wenn
dieser Zeitpunkt eingetreten ist. Es wird meines Erachtens jedoch nie der Eindruck bestehen, daß die
Vereinigten Staaten in dieser Lage bluffen werden.
Gerade darum ist es mir bei einigen Formulierungen
meiner Erklärung gegangen.
Frage: Sie sprachen gerade über Massenvernichtungs- und Kernwaffen sowie darüber, daß eines Ihrer
Ziele darin besteht, Stabilität in der Region herbeizuführen. Können Sie Stabilität in der Region erreichen,
solange Saddam Hussein an der Macht ist?
Antwort: Ich gehe davon aus, daß die meisten Länder
- die Mitglieder der Vereinten Nationen - der Meinung
sind, es sollten einige Vorkehrungen getroffen werden,
um Sicherheit und Stabilität am Golf zu gewährleisten.
Der Status quo ante wird deshalb voraussichtlich nicht
ausreichen. Zur Zeit sind Sanktionen in Kraft, und es
wäre sicher der geeignete Moment, über diese Vorkehrungen zu sprechen, wenn die Resolutionen der
Vereinten Nationen vollständig verwirklicht worden
sind.
Seite 4

Aber dies ist entscheidend und äußerst wichtig.
Frage: Ich möchte Sie fragen, ob aufgrund Ihrer
Äußerungen über die Botschaft in Kuwait der Schluß
gerechtfertigt ist, daß Sie die Botschaft weder schließen noch erlauben werden, daß die Amerikaner dort
ausgehungert werden.
Antwort: Ich werde weder sagen, was ich tun, noch,
was ich unterlassen werde.
Wir erhielten heute morgen einen sehr interessanten
Bericht, demzufolge einige Iraker unsere Botschaft in
Kuwait besuchten und Obst, Gemüse sowie eine Stange
irakischer Zigaretten dort abgaben. Wahrscheinlich
wird morgen eine weitere Lieferung erfolgen, darunter
auch Limonade. Und sie fragten, welche Arzneimittel
benötigt werden.
Frage: Militärs?
Antwort: Das ging nicht daraus hervor. Die Botschaft
wird voraussichtlich morgen eine Liste übergeben.
Der Strom ist aber weiterhin abgeschaltet.
Dies ist also eine interessante kleine Entwicklung.
Jemand fragte mich: "Was tun wir, wenn es zu
Provokationen kommt?" Diese Frage wurde beim
Treffen mit der Führung des Kongresses gestellt. Ich
antwortete: "Betrachten Sie mich als provoziert, wenn
es um die amerikanische Botschaft geht. Betrachten
Sie mich als provoziert, wenn ich sehe, daß Amerikaner ohne ausreichende Nahrung und Arzneimittel sind."
Frage: Entnehmen Sie dem Kommunique, das Sie
erhielten, daß die Iraker diesen Hinweis verstanden
haben und diesen potentiellen Gefahrenherd ausschalten wollen?
Antwort: Ich weiß es nicht. Das ist eine sehr gute
Frage, und auch wir erörtern sie. Wir sollten optimistisch sein und sagen, daß dies ein positives Zeichen
sein könnte. Aber trotzdem ist dies noch zu weit von
der Wahrung des Völkerrechts entfernt, als daß ich
darüber jubeln könnte. Es ist aber eine sehr interessante Entwicklung.
Frage: Wie Sie wissen, gab es bei den Anhörungen
des Kongresses diese Woche einige für Sie ziemlich

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�negative Äußerungen. Heute morgen erklärten Sie,
dies würde kein lang andauernder Krieg wie in Vietnam. General Odom, der frühere Leiter der Nationalen
Sicherheitsbehörde NSA, hat erst heute morgen vor
dem Streitkräfteausschuß des Senats festgestellt, daß
wir tatsächlich jahrzehntelang dort bleiben müssen.
Wahrscheinlich meint er doch, daß wir selbst nach
einem militärischen Konflikt im Rahmen einer Streitmacht zur Sicherung des Friedens Leute dort stationieren müssen. Besteht Ihrer Ansicht nach unsererseits eine solch langfristige Verpflichtung dort?
Antwort: Nein, das ist nicht der Fall.
Frage: Ich möchte Sie noch etwas anderes fragen. AI
Gore hat sich gestern kritisch mit ihren Äußerungen
und einigen Ihrer Berater, etwa Brent Scowcroft, auseinandergesetzt, die darauf hinauslaufen, daß Saddam innerhalb von Monaten eine Kernwaffe produzieren könnte. Gore, der anscheinend einige Male privat
von diesen Leuten unterrichtet wurde, meint, die Erklärungen Ihrer Administration seien irreführend...
Antwort: Ich bin anderer Meinung als der Senator. Er
kann über den Bau einer Atomwaffe durch Saddam
Hussein spekulieren, ich tue dies jedenfalls nicht. Ich
kenne die Berichte der Nachrichtendienste im Detail.
Ich kann darüber natürlich nicht sprechen, da wir über
nachrichtendienstliche Angelegenheiten nie Auskunft
geben. Ich bin jedoch besorgt, und als ich das erste
Mal über dieses Thema gesprochen habe - ich glaube
das war im August, habe ich Massenvernichtungswaffen erwähnt. Ich bin darüber besorgt. Wenn Senator
Gore eine andere Meinung vertritt und sich keine
Sorgen macht, so gibt es da zwischen uns einen
offenkundigen Meinungsunterschied.
Ich bin besorgt über Saddam Husseins Versuch, den
Bau oder die Beschaffung einer Atombombe zu beschleunigen, und das teile ich Ihnen hier so offen ich
kann mit.
Frage: Meinen Sie, er könnte nächstes Jahr einen
Gefechtskopf entwickeln?
Antwort: Ich möchte hier keinen zeitlichen Rahmen
nennen, aber Sie haben ja die Schätzungen in den
Zeitungen gelesen, von denen einige wohl zutreffend
sind. Es gibt eine Menge Wissenschaftler, die auf
verschiedenen Seiten Position bezogen haben. Senator Gore ist sicherlich ein intelligenter Mann, aber ich
glaube nicht, daß er Zugang zu absolut allen Quellen
hat - vielleicht hat er ihn -, aber ich werde bei dieser
Frage nicht den Fehler einer Unterschätzung begehen.
Frage: Ihre Ankündigung über TarikAsis und Außenminister Baker - haben Sie irgendwelche Signale oder
Andeutungen aus Bagdad erhalten, daß sie dies begrüßen würden, daß man dort diese Art Kommunikation erwartet?

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Antwort: Nein. Das einzige, was ich gehört habe, ist,
daß sie reden wollen. Es besteht eine Chance, aber
ich habe keinerlei diplomatische oder andere Signale
erhalten.
Frage: Und wieviele von diesen 26 Nationen in der
Region, die Sie aufgezählt haben, sind ebenso bereit
zu offensiven Maßnahmen, anstatt zur reinen Defensive?
Antwort: Ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben,
weil ich dies wirklich nicht weiß. Ich erwarte jedoch,
daß bei all diesen Ländern für die gestern getroffene
UN-Maßnahme Unterstützung besteht.
Frage: Mit allem Respekt, sollten Sie nicht wissen,
wieviele Ihren Truppen in die Schlacht folgen würden?
Antwort: Ich weiß, daß das, was ich gesagt habe, für
den Fall gilt, daß wir kämpfen müssen, und ich bin
damit zufrieden. Ich habe meinen Pflichten als Oberbefehlshaber gemäß eingehend untersucht, was geschehen würde, wenn wir zum Einsatz von Gewalt
gezwungen wären. Ich wiederhole, ich hoffe, daß wir
niemals einen einzigen Schuß im Zorn abfeuern müssen.
Frage: Der Irak hat ständig zum Dialog aufgerufen.
Sind Sie nicht besorgt, daß diese beiden Missionen,
Tarik Asis und James Baker, Saddam Hussein zu der
Behauptung verleiten werden, die Vereinigten Staaten
zeigten ein Zeichen der Schwäche?
Antwort: Weil Baker nach Bagdad reist?
Frage: Machen Sie sich keine Sorgen, daß Sadam
Hussein diese Haltung einnehmen könnte?
Antwort: Nein, das tue ich nicht. Ich bin besorgt
darüber, daß einige erklären könnten, dies sei ein
Ultimatum, das ihn dazu veranlassen soll, die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu verstehen, zu
verstehen, daß sich alles innerhalb der Grenzen der
verabschiedeten UN-Resolutionen abspielen soll, daß
es da keinen Spielraum mehr gibt. Es kann keine
Wahrung des Gesichts geben. Das ist nicht der Inhalt.
Es soll sichergestellt werden, daß er versteht, wie sehr
der Präsident die Verwirklichung der UN-Position bis
zum letzten i-Tüpfelchen befürwortet.
Einige haben mir gesagt, er werde nie verstehen, wie
entschlossen wir sind. Ich kann mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen besseren Weg vorstellen, um
dies zu tun, als dieses persönliche Treffen nach Verabschiedung der UN-Resolution. Ich bin nicht sicher, ob
er dem zustimmen wird.
Frage: Die heutige Pressekonferenz scheint wieder
einmal mehr auf die Vorbereitung eines Krieges fixiert.
Können Sie erläutern, welches Ihrer Meinung nach
Ihre Verpflichtungen gegenüber dem Kongre ß sind, da
Sie sich dagegen zu sträuben scheinen, eine der UNResolution vergleichbare Resolution zu beantragen.

Seite 5

�Worin besteht Ihrer Meinung nach Ihre Verpflichtung
gegenüber dem Kongreß und seinen Wählern?
Antwort: Umfassende Konsultationen.
Frage: Und seine Unterrichtung, bevor Sie etwas
unternehmen?
Antwort: Ich unterrichte den Kongreß darüber, wie
meiner Meinung nach zur Zeit die Sachlage ist, und Sie
haben meine Erläuterungen mit Ihrer Interpretation
versehen. Es gab zahlreiche Kommentare, in denen
die Hoffnung zum Ausdruck kam, daß eine friedliche
Lösung zustandekommt und die beste Antwort zur
Erzielung einer friedlichen Lösung darin besteht, Saddam
Hussein wissen zu lassen, wie entschlossen alle sind.
Die gestrige UN-Resolution war meines Erachtens ein
Schritt zum Frieden, nicht zum Krieg, weil ich davon
ausgehe, daß Saddam Hussein in Kuwait dasselbe tun
wird was er in Iran getan hat, wenn er endlich erkennt
und versteht, wogegen er sich stellt - wenn man die
Weltmeinung und andere Dinge betrachtet.
Frage: Die Sowjetunion hat in der Tat bei der Resolution, die gegebenenfalls, Gewaltanwendung zuläßt, zu
Ihren Gunsten abgestimmt. Werden wir der Sowjetunion dafür eine Kompromißlösung bei den Exportkrediten anbieten? Wie Sie wissen, besteht einige Besorgnis, weil sie der Meinung sind, es gäbe de facto ein
Getreideembargo, da wir ihnen in dieser Zeit der Not
keine Exportkredite anbieten.
Antwort: Diese Dinge sind völlig getrennt zu sehen
und hängen nicht miteinander zusammen. Ich habe
mit Präsident Gorbatschow über unsere Bereitschaft
gesprochen, Vorschläge im Bereich Nahrungsmittel
zu prüfen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich
Berichte über den harten Winter und die Härten als
zutreffend erweisen, die dies der sowjetischen Bevölkerung auferlegen würde.
Ich habe führende Regierungsvertreter unseres Landes gebeten, mir nächste Woche Empfehlungen bezüglich Jackson-Vanik zu unterbreiten. Ich habe stets
die Position vertreten, daß die Sowjets die erforderlichen Auswanderungsgesetze erlassen sollten. Dies
ist nicht geschehen. Es wird jedoch argumentiert, daß
ich jetzt größere Kompetenzen zur Aufhebung von
Bestimmungen habe als ich dachte. Ich möchte keinen Bereich der amerikanischen Wirtschaft irgendwelchen Problemen aussetzen. Ich bin einer der vehementesten Gegner eines Getreideembargos, und
dennoch muß ich hören, die amerikanische Mittelschicht habe das Gefühl, unsere Position führe quasi
zu einem Getreideembargo. Ich möchte mich strikt
dagegen verwahren, daß ich ein Befürworter des
Getreideembargos bin.
Die Sowjets sind über zahlreiche Aspekte dieses
Gesetzes besorgt. Ich stehe also vor der Entschei-

Seite 6

dung über das weitere Vorgehen. Sollten wir versuchen, Vanik aufzuheben und dann die Kredite im
Rahmen des CCC aufstocken? Es gibt andere Agrarprogramme, die wir meines Erachtens voranbringen
können, ohne Jackson-Vanik aufzuheben. Dies ist
jedoch ein sehr komplexes Thema, und ich weiß nicht
ganz genau, was ich machen werde, weil wir zwischen
sehr starken und verständlichen Wirtschaftsinteressen im Inland und unserer Befürwortung freier und
fairer Auswanderung andererseits manövrieren.
Man kann jedoch nicht umhin, festzustellen, daß die
Zahl - der Exodus - sowjetischer Juden aus der Sowjetunion groß ist, und dies ist nicht zuletzt das Verdienst
unserer Administration, weil wir den Exodus sowjetischer Juden immer wieder ermutigt haben. Dies wird
meine Erwägungen beeinflussen, wenn ich die endgültige Entscheidung über die Aufhebung von JacksonVanik treffen muß.
Frage: Erwägen Sie in diesem Zusammenhang eine
Aufstockung der Quote - der Personenzahl - die in die
Vereinigten Staaten einwandern kann? Würden wir
die Zahl der Einwanderungsgenehmigungen erhöhen?
Antwort: Wir überprüfen diese Angelegenheit derzeit.
Frage: Arabienkennern zufolge hat Saddam Hussein
angedeutet, er würde gerne irgendeinen Handel eingehen, jedoch nicht unbedingt an seinen Forderungen
festhalten. Sie sagen jetzt, Sie seien zu einem Treffen
mit ihm bereit. Sind Sie bereit, ihm in diesen Gesprächen irgendein Angebot - wie etwa eine Nahostkonferenz - als Gegenleistung für seinen Rückzug zu machen?
Antwort: Nein. Diese beiden Punkte sind völlig
unabhängig voneinander. Wir haben das eindeutig
klargestellt. Und ich habe gesagt, daß diese Gespräche im Rahmen des UN-Mandats stattfinden. Ich habe
keine allzugroße Hoffnung, daß sehr viel dabei herauskommen wird. Es bedeutet, noch einen Schritt zu
machen. Ich kann Ihnen jedoch sagen, daß wir in
dieser ganzen Angelegenheit großen Erfolg haben
werden, weil die Welt geschlossen hinter der Tatsache
steht, daß wir ohne die UN-Resolutionen keine vollständige Einhaltung garantieren können.
Frage: Was ist dann der Zweck dieses Treffens?
Stellen Sie nur ein Ultimatum?
Antwort: Nein, dies ist überhaupt kein Ultimatum.
Und ich hoffe, es demonstriert, daß wir bereit sind, ihm
persönlich zu sagen, wie fest wir den UN-Resolutionen
verpflichtet sind. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe,
hatte ich nicht das Gefühl, daß er dieses Engagement
gespürt hat. Er mag es vielleicht jetzt etwas stärker
gespürt haben, wo der UN-Sicherheitsrat - entgegen
der Ansicht vieler Skeptiker - tatsächlich zusammengekommen ist und diese außerordentlich wichtige
Resolution verabschiedet hat.

AMERIKA DIENST 48

�Er muß sich darüber klarwerden, was die Alternativen
zur Befolgung der UN-Resolution sind. Das beste
Mittel, ihm das zu verdeutlichen, ist ein persönliches
Gespräch zwischen Außenminister Baker und ihm.
Mir wurde gesagt, er gehe nicht zwangsläufig davon
aus, daß ich nicht von meinen Worten abrücke - und
hier bietet sich eine gute Gelegenheit, ihm dies unter
vier Augen klarzumachen.
Wir wollen ihn persönlich dazu bewegen, die UNResolutionen zu befolgen. Wir wollen ihm durch den
Außenminister, der unermüdlich an der Verabschiedung dieser Resolution gearbeitet hat, die Kraft des
Engagements der internationalen Staatengemeinschaft
beweisen. Und dann versuchen, ihn zu überzeugen,
seine Position zu überdenken und die für eine friedliche Lösung der Krise erforderlichen Schritte zu unternehmen.
Sie müssen jedoch wissen, daß es sich hierbei nicht
um eine Reise der Zugeständnisse handelt. Wen
jemand tut, was er getan hat, dann sind meines Erachtens Zugeständnisse - die Chance, das Gesicht zu
wahren - fehl am Platze. Auf diese Weise geht man
nicht gegen Aggression vor, und wir werden ihn nicht
anders behandeln als ich hier aufgezeigt habe.
Frage: Sie haben den Schaden erwähnt, den die
hohen ölpreise der Weltwirtschaft zufügen. Sollten
Saudi-Arabien und die anderen Ölförderstaaten ihren
unverhofften Gewinn großzügiger mit den anderen
teilen?
Antwort: Meines Erachtens übernehmen sie bereits
einen Großteil der Kosten für mehrere Länder und
helfen Drittländern, die durch dieses Ereignis betroffen
sind. Jeder sollte jedoch noch einen Schritt tun, um
anderen zu helfen.
Es hat mich gefreut, beispielsweise in den Gesprächen
mit Präsident Salinas in Mexiko zu erfahren, daß er
durch den Verkauf von Öl zu wert unter dem aufgeblähten Weltmarktniveau liegenden Preisen versucht, die
Last zu mindern. Jeder sollte versuchen zu helfen. Die
Saudis sind anderen Ländern gegenüber vielfältige
Verpflichtungen zur Hilfe eingegangen, und ich bin
zuversichtlich, daß sie das auch weiterhin tun werden.
Frage: Sollte Saudi-Arabien die Wehrpflicht einführen?
Antwort: Das müssen die Saudis entscheiden. Übrigens finde ich nicht, daß die Vereinigten Staaten sie
benötigen.
Frage: Wenn Sie letztlich das Gefühl haben, Sie
müssen die Amerikaner um ihre Unterstützung für den
Einsatz von Gewalt bitten, so heißt das natürlich, Sie
müssen einige Eltern bitten, das Leben ihrer Kinder
aufs Spiel zu setzen.
Antwort: Dessen bin ich mir bewußt.

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Frage: Wir alle wissen, wie wichtig Ihre Kinder für Sie
sind. Haben Sie das Gefühl, dieses Problem ist so
gravierend, daß Sie sich vorstellen könnten, eines
ihrer Leben dafür zu opfern?
Antwort: Dies ist eine außerordentlich schwierige
Frage. Ich werde gefragt: "Wie viel Menschenleben
können Sie vergeuden?" Jedes einzelne ist wertvoll.
Ich möchte mich hier nicht in Reminiszenzen ergehen
- aber ich war auch dabei. Ich weiß, was es bedeutet,
Kameraden fallen und junge Männer im Kampf sterben
zu sehen.
Nur dem Präsidenten sollte die Entscheidung darüber
zukommen: Ist es dies alles wirklich wert? Wie viele
Menschenleben ist es wert? Lohnt es sich, ein Menschenleben zu opfern, ein Menschenleben aufs Spiel
zusetzen, um diese Ziel zu verwirklichen? Aus diesem
Grund möchte ich eine friedliche Lösung dieser Frage.
Sie sollten meine Post lesen. Es ist herzergreifend.
Voller Unterstützung - und dennoch, "bitte, bringen Sie
mein Kind zurück. Bitte bringen Sie meinen Mann
zurück." Es ist ein schwieriges Problem, aber der
Präsident muß die richtige Entscheidung treffen und
hierbei handelt es sich um weltweite Prinzipien von
moralischer Bedeutung. Ich werde alles in meiner
Macht Stehende tun, um diese Kinder zurückzubringen, ohne daß ein einziger Schuß im Zorn gefallen ist.
Und wenn ein Schuß im Zorn fällt, möchte ich all
denjenigen versichern, daß ihr Kind, dessen Leben auf
dem Spiel steht, ein Höchstmaß an Unterstützung
erfährt und die besten Chancen hat, lebend zurückzukommen.
Aus diesem Grund, wegen dieser Frage, die auf meiner Seele lastet, habe ich heute morgen hinzugefügt,
daß dies nicht ein zweites Vietnam wird. Aus diesem
Grund arbeite ich so hart wie möglich, um diese
Koalition nicht nur zusammenzuhalten, sondern sie zu
stärken. Der beste Weg, das Leben der Amerikaner zu
schützen, ist, daß Saddam Hussein tut, was er schon
vor langer Zeit hätte tun sollen. Und wenn Gewalt
angewendet werden muß, besteht der beste Weg,
Menschenleben zu schützen in der Bereitschaft zu
deren Einsatz. Das ist meine Position.
Frage: Es scheint, als würden Sie den Volksvertretern
die Möglichkeit verweigern, über diese Angelegenheit
zu sprechen und ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen.
Sie kennen den Kongreß, und dennoch vermeiden Sie
ihn. Sie wissen, die Verfassung gewährt ihm nicht nur
das Recht zur Kriegserklärung, das Geld bereitzustellen und seine Meinung darüber abzugeben, was mit
den Truppen geschehen soll. Das ist die Verfassung.
Dennoch scheinen Sie das zu vermeiden. Die Fachleute auf dem Capitol Hill sagen, Sie hätten mit Vorankündigung gehandelt, zwei oder drei Kongreßabgeordnete zu sich berufen und ihnen erklärt, "Wir sind auf
dem Weg". Sie haben die Entscheidung bereits getroffen, sie benachrichtigen den Kongreß nur - das ist

Seite 7

�Vorankündigung, das sind keine Konsultationen mit
dem Kongreß. Die Kongreßabgeordneten sagen, Sie
sollten sich mit ihnen zusammensetzen und alles im
einzelnen mit ihnen erörtern - ich werde Sie daran
erinnern, wenn Foley als Sprecher des Repräsentantenhauses das Wort hat. Er mag Sprecher des Hauses
sein, aber ohne jeden Zweifel spricht er nicht für Florida
oder Texas.
Antwort: Sie haben genau das Dilemma aufgezeigt,
in dem ich mich befinde. Ich begrüße die Anhörungen
im Kongreß. Wir haben Anhörungen, wir konsultieren.
Aber ich will ehrlich zu Ihnen sein - ich kann mich nicht
mit 535 Abgeordneten auseinandersetzen, von denen
jeder seinen eigenen Willen hat. Weder kann ich es,
noch bin ich durch die Verfassung dazu verpflichtet.
Ich glaube, jeder stimmt mit mir überein, daß ich mehr
Konsultationen als vorangegangene Administrationen
geführt habe.
Frage: In unserem Land gibt es einen Mehrheitsbeschluß, und Sie scheinen sich davor zu fürchten.
Antwort: Nein, keineswegs. Wir haben Gewaltenteilung, und ich kenne die Stärken und Grenzen der
Präsidentschaft.
Dies ist eine interessante Debatte. Und ich kenne
meine Grenzen. Ich weiß, was ich tun kann, ich weiß,

* *

Seite 8

was vorherige Präsidenten getan haben. Und ich bin
immer noch entschlossen, bei Konsultationen noch
einen Schritt zu machen.
Frage: Sie und Außenminister Baker scheinen den
anderen Ländern und den Vereinten Nationen die
Möglichkeit zum Gespräch zu geben - aber dem Volk
der Vereinigten Staaten wollen Sie keine Chance zur
Diskussion mit Ihnen einräumen.
Antwort: Das ist absolut absurd. Es finden Anhörungen statt, es wird gesprochen. Im Rahmen der Sitzungsresolution hat der Kongreß das Recht, in dieser
Minute zusammenzutreten. Einige im Repräsentantenhaus wollen jetzt eine Sitzung einberufen, andere
wollen später daüber sprechen. Einige im Senat
wollen jetzt sofort zusammenkommen und unverzüglich ihre Unterstützung für das Vorgehen des Präsidenten und die Resolution des UN-Sicherheitsrats zum
Ausdruck bringen, und ich bin dafür. Andere nicht.
Also gehen die Konsultationen weiter. Bitte unterstellen Sie mit kein unlauteren Motive. Wir - sie - besprechen sich zur Zeit. Es finden endlose Anhörungen mit
einer unendlichen Zahl von Experten statt, von denen
jeder einen etwas unterschiedlichen Standpunkt vertritt. Das ist die amerikanische Art und Weise, und das
ist richtig so. Ich kenne die Verantwortlichkeiten des
Präsidenten, und ich werde ihnen gerecht.

* *

*

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�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. November 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. November fort.

16. November

22. November

Der Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) beschließt bei seiner Sitzung in Genf vom
12. bis 16. November 1990, eine Beschwerde der drei
kuwaitischen Mitgliedsgruppen (Regierung, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisation) gegen die irakische Behandlung von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Kuwait an den IAO-Ausschuß für Assoziationsfreiheit zu überweisen. Der Bericht soll im Februar
1991 abgeschlossen sein.

Am amerikanischen Erntedankfest besuchen Präsident Bush und seine Frau amerikanische Truppen in
Saudi-Arabien.

Der Verwaltungsrat der ILO akzeptiert eine Beschwerde des ägyptischen Gewerkschaftsdachverbands gegen
die Regierung des Irak wegen der Verletzung der
Rechte ägyptischer Gastarbeiter im Irak. Die Beschwerde wird zur Untersuchung und Beschlußfassung an einen drittelparitätisch besetzten Ausschuß
verwiesen.
20. November
Saddam Hussein ordnet die Freilassung aller deutschen Geiseln an.
21. November
Präsident Bush erklärt in getrennten Treffen mit dem
im Exil lebenden Emir von Kuwait und dem saudiarabischen König Fahd, Saddam Husseins Grausamkeit
und Barbarei würden in der folgenden Woche bei den
Vereinten Nationen in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt werden. "Die Gerechtigkeit verlangt, daß
die Welt zuhört und genau versteht, welche Brutalität
er unschuldigen Familien zugefügt hat. Was er heute
den Geiseln in Kuwait antut, ist erschreckend."

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23. November 1990
In einer Plenarsitzung verabschiedet das Europaparlament in Straßburg zum dritten Mal in drei Monaten
eine Resolution, in der der Irak wegen seiner "brutalen
und ungerechtfertigten" Invasion Kuwaits aufs schärfste verurteilt und Besorgnis über die von Bagdad
gegen die Bürger Kuwaits durchgeführte "Terrorkampagne" ausgedrückt wird.
24. November
Das fünfte Gipfeltreffen des Südasiatischen Verbands
für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Male fordert den "unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
der irakischen Streitkräfte aus Kuwait und die Wiedereinsetzung seiner rechtmäßigen Regierung". Die
Mitgliedstaaten des SAARC werden durch den Präsidenten von Bangladesh, Hussain Muhammad Ershad,
den König von Bhutan, Jigme Singye Wangehuck, den
Premierminister von Indien, Chandra Shekar, den
Präsident der Malediven, Maumoon Abdul Gayoom,
den Premierminister von Nepal, Krishna Prasad Bhattari, den Premierminister von Pakistan, Mohammad
Nawaz Sharif und den Premierminister von Sri Lanka,
Dingiri Banda Wijetunga, vertreten.
Präsident Bush und Ägyptens Präsident Hosni Mubarak treffen in Kairo zusammen, um über die Golfkrise
und den Status der amerikanischen und ägyptischen

Seite 1

�Truppen in Saudi-Arabien zu beraten. Zu Beginn des
Treffens mit Bush erklärt Mubarak vor Reportern, er
sei "pessimistisch" in bezug auf Chancen für eine
friedliche Lösung, weil "es auf der anderen Seite
keinerlei Bewegung gegeben hat".
26. November
In einer Rede vor dem Obersten Sowjet warnt Präsident Michail Gorbatschow den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein, seine Aggression gegen Kuwait
werde bestraft, und er gelobt, das Bündnis gegen den
Irak werde nicht unterlaufen.
27. November 1990
Der in einer Sondersitzung zusammengetretene UNSicherheitsrat hört detaillierte Berichte von sechs
kuwaitischen Flüchtlingen über menschenunwürdige
Behandlung durch die irakischen Besatzungstruppen
in Kuwait. Irakische Soldaten haben "in Kuwait auf
eine Weise gefoltert, vergewaltigt und geplündert, die
Erinnerungen an die Zeit der Piratenüberfälle und der
Kriege primitiver Urvölker wach werden läßt", erklärt
der kuwaitische Botschafter Mohammad Abulhasan
anhand von Videoaufzeichnungen, die aus Kuwait
herausgeschmuggelt wurden.
Berichten des US-Verteidigungsministeriums zufolge
sind im Golf zum Zweck der Durchführung der UNSanktionen 4 162 Schiffe abgefangen worden. In 500
Fällen wurden Überprüfungen an Bord vorgenommen,
und 19 Schiffe wurden umgeleitet. Von den Kontrollen
haben die Vereinigten Staaten 320 durchgeführt, die
verbündeten Streitkräfte 162 und die US-Truppen
zusammen mit den Verbündeten 18.
Die Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen im
US-Finanzministerium erklärt, sie werde eine offizielle
Untersuchung der in den Vereinigten Staaten eingefrorenen irakischen Vermögenswerte durchführen, die
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt werden.
28. November
Die Generalversammlung verurteilt am 28. November
mit der überwältigenden Mehrheit von 148 zu 1 Stimme Gewaltakte gegen diplomatische und konsularische Vertretungen und ihre Mitarbeiter und verweist
dabei insbesondere auf die Vorgehensweise des Irak
im besetzten Kuwait.
Die Resolution fordert die unverzügliche Aufgabe der
Zuwiderhandlungen im Sinne der Resolutionen 664,
667 und 674 des Sicherheitsrats, die Iraks Verletzungen des Völkerrechts seit der Besetzung Kuwaits
betreffen.
Der kuwaitische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mohammad Abulhasan, bittet die Vereinten Nationen um den Schutz der kuwaitischen Aktenbestände und berichtet dem UN-Sicherheitsrat, die iraki-

Seite 2

sehen Besatzungstruppen hätten kuwaitische Meldekarteien konfisziert, die Registraturen zahlreicher
Ministerien - einschlie ßlich vieler Bevölkerungsstatistiken - verbrannt sowie Häuser und Grundstücke mit
Gewalt beschlagnahmt, um Kuwaitis zum Verlassen
ihrer Heimat zu zwingen.
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig die
Resolution 677, in der irakische Bestrebungen zur
Veränderung der kuwaitischen Bevölkerungsstruktur
und die Vernichtung der Unterlagen der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits verurteilt werden. Die Resolution
ermächtigt den UN-Generalsekretär Perez de Cuellar,
eine Kopie des kuwaitischen Melderegisters vom Stand
1. August 1990 in Verwahrung zu nehmen, die nach
der Invasion am 2. August aus Kuwait herausgeschmuggelt wurde. Die Resolution wird von Äthiopien,
Cöte d'lvoire, Finnland, Großbritannien, Kanada,
Rumänien und Zaire unterstützt.
29. November
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet Resolution 678 mit 12:2 Stimmen (Jemen, Kuba),
die den Einsatz aller erforderlichen Mittel genehmigt,
um den Irak zum Abzug aus Kuwait zu zwingen, wenn
er die UN-Resolutionen nicht befolgt und sich bis zum
15. Januar 1991 aus Kuwait zurückzieht. China enthält
sich der Stimme.
Resolution 678 des Sicherheitsrats fordert die uneingeschränkte Einhaltung der UN-Resolutionen durch
den Irak mit der Bedingung, daß er seine Truppen aus
Kuwait abzieht und die rechtmäßige Regierung in
Kuwait wiedereinsetzt. Sie stellt fest, die Mitgliedstaaten seien zum Einsatz "aller erforderlichen Mittel" zu
ihrer Aufrechterhaltung und "Wiederherstellung des
internationalen Friedens und der Sicherheit" berechtigt, falls der Irak die vorangegangenen Resolutionen
nicht bis zum 15. Januar 1991 voll und ganz verwirklicht.
In Genf gibt die Internationale Arbeitsorganisation
bekannt, sie werde die irakischen Behörden bitten,
einer Delegation die Reise nach Kuwait zu gestatten,
um über die seit der irakischen Invasion am 2. August
immer schlechter werdenden Bedingungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu berichten. Die irakischen
Behörden werden aufgefordert, zu Beschuldigungen
von Plünderungen und Zerstörung der Einrichtungen
der kuwaitischen Arbeitgeberorganisation und Gewerkschaftsbewegung sowie der Verhaftung und Ausweisung ihrer Vorsitzenden Stellung zu nehmen.
30. November
Die irakische Regierung veröffentlicht eine Erklärung,
in der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats als
"unrechtmäßig und ungültig" erklärt wird. In Radiosendungen Stunden nach der UN-Abstimmung lehnen
der regierende Revolutionäre Kommandorat Bagdads

AMERIKA DIENST 48

�und die Arabische Sozialistische Baath-Partei, die
beide von Saddam Hussein angeführt werden, auch
das Ultimatum der Vereinten Nationen ab, bis Mitte
Januar aus Kuwait abzuziehen oder sich dem Einsatz
von Gewalt ausgesetzt zu sehen.
Präsident Bush gibt bekannt, daß die Vereinigten
Staaten Außenminister Tarik Asis nach Washington
einladen werden und unterbreiten den Vorschlag, daß
der irakische Präsident Saddam Hussein im Gegenzug Au ßenminister James Baker zu einem beiderseits
genehmen Termin zwischen dem 15. Dezember und
15. Januar empfangen soll.
Die zu einem Treffen in La Paz zusammengekommenen Präsidenten des Andenpakts aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela verfassen ge-

*

AMERIKA DIENST 48

meinsam ein Schreiben an Saddam Hussein, in dem
sie ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen, daß der
Irak die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats "einhalten muß" und den Irak zum Abzug aus Kuwait auffordern. Die Präsidenten, die die Golf krise auf irakischen
Wunsch erörtern, erklären femer, sie "wiederholen
ihre Verpflichtung zu einer friedlichen Lösung ... und
fordern deshalb einen Dialog zwischen den betroffenen Parteien im Anschluß an den Abzug (des Irak) aus
dem besetzten Gebiet - der unerläßlichen Bedingung
für den erwünschten Abbau der Spannungen". Das
Schreiben ist von den Präsidenten Jaime Paz Zamora
(Bolivien), Cesar Gaviria Trujillo (Kolumbien), Rodrigo
Boria Cevallos (Ecuador), Alberto Fujimori Fujimori
(Peru) und Carlos Abdres Peres (Venezuela) unterzeichnet.

* * *

*

Seite 3

�GATT
5. Dezember 1990

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten
BRÜSSEL - (AD) - Der US-Handelsbauftragten Carla Hills zufolge wird die Uruguay-Runde nur dann erfolgreich
enden, wenn sich die beteiligten Staaten auf präzise Reduzierungen von Stützungsmaßnahmen im Inland,
Handelsschranken und Exportsubventionen in der Landwirtschaft verständigen.
"Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser Verhandlungen", erklärte Hills bei der Eröffnung des
Ministertreffens der GATT-Runde am 3. Dezember 1990 in Brüssel. "Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild, hinter
dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden."
Wir veröffentlichen die Erklärung der US-Handelsbeauftragten nachfolgend im Wortlaut.

Dies ist die letzte - ich wiederhole - die letzte Woche der
Uruguay-Runde. Es wird keine Verlängerung geben.
Die Zeit der Rhetorik ist vorbei. Jetzt ist der Zeitpunkt
zu offenen Gesprächen und Grenzziehungen gekommen.
Ein Erfolg in dieser Woche bedeutet einen dramatischen Zuwachs an weltweitem Wohlstand, ein Scheitern das Abgleiten in den Protektionismus und die
durch ihn hervorgerufene politische Instabilität.
Nur eine Sache steht zwischen uns und der Einleitung
einer weltweiten wirtschaftlichen Renaissance: das
Patt in der Landwirtschaft. Eine grundlegende Reform
der Landwirtschaft wird von den Staaten das Eingehen
präziser Verpflichtungen erfordern, um Stützungsmaß
nahmen im Inland, Marktschranken und Exportsub
ventionen zu reduzieren. Ausgleichsbestimmungen
sind der Feind von Reformen, weil sie Märkte verschließen. Der Prozeß der Tariffierung ist unerläßlich
für Reformen, weil er einen Mechanismus bietet, um
Märkte zu öffnen und sie offen zu halten.
Die Vereinigten Staaten, die 13 Mitgliedstaaten der
Caims-Gruppe und andere Agrarexportländer unterstützen diese Grundprinzipien. In diesen Verhandlungen besteht ein Patt, weil einige wenige Länder sich
geweigert haben, über präzise Verpflichtungen zum
Abbau handelsverzerrender Stützungsmaßnahmen im

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Inland, zur Öffnung ihrer Märkte für Importe und
Reduzierung des Einsatzes von Exportsubventionen
zu verhandeln. Das Schicksal der Runde ist in der
Schwebe.
Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser
Verhandlungen. Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem
Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild,
hinter dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden.
Kurzum: die einzig akzeptablen Vereinbarungen sind
solche, die der Marktöffnung dienen. Deshalb haben
wir über den Bereich der Reform des Agrarsektors
hinaus diese Woche noch viel Arbeit zu leisten. Wir
müssen insbesondere:
die in Montreal gesetzten Ziele im Hinblick auf
Marktzugang erreichen oder übertreffen. Die
Vereinigten Staaten haben angeboten, ihre
Schranken um nahezu 40 Prozent abzubauen,
und wir sind bereit, in Schlüsselbereichen über
die weltweite vollständige Abschaffung von Zöllen
zu verhandeln, darunter bei Stahl, Aluminium,
Papier, Elektronik und Arzneimitteln;
durchgreifende Regeln zum Schutz und zur
Durchsetzung der Rechte an geistigem Eigentum vereinbaren und ein freieres Umfeld für
Investitionen fördern;

Seite 1

�die GATT-Regeln und Disziplinen im Hinblick
auf Subventionen, Zahlungsbilanzen, Schutzvorkehrungen und Schlichtung von Streitfällen
verbessern.
Schließlich müssen wir über ein marktöffnendes Abkommen bei Dienstleistungen verhandeln, darunter
auch solche im Finanzwesen. Die Vereinigten Staaten
sind der offenste Markt für Dienstleistungen der Welt.
Wir möchten, daß auch Ihre Märkte für Dienstleistungen ebenso offen sind wie der unsrige.
Die Verhandlungen über den Dienstleistungsbereich
beschäftigten sich hauptsächlich mit einer Kontroverse über die Meistbegünstigungsbestimmungen des
Abkommens. Die Verpflichtung, in dieser Hinsicht kein
Land zu diskriminieren, ist ein Grundprinzip des GATT,
das von den Vereinigten Staaten uneingeschränkt
unterstützt wird.
Ohne Verpflichtungen zur Marktöffnung bedeuten solche
Meistbegünstigungsverpflichtungen, daß Länder mit
offenen Märkten jedermann offenstehen müssen,
während Länder mit geschlossenen Märkten für jedermann verschlossen bleiben und keinen Anreiz bekommen, ihre Märkte für irgendjemanden zu öffnen.

Meistbegünstigung verpflichtet ist, solange es keine
Marktöffnungsverpflichtungen mit anderen Ländern
abgeschlossen hat. Die Vereinigten Staaten haben
Angebote zu Verhandlungen über solche Verpflichtungen in über 30 Sektoren vorgelegt. Nur die Schweiz,
Japan und heute Kanada haben sich uns dabei angeschlossen.
Bei Dienstleistungen - wie in der Landwirtschaft, bei
Marktzugang, Textilien, Regeln und den anderen neuen
Fragen - engagieren sich die Vereinigten Staaten für
die multilaterale Öffnung der Märkte. Wir haben mit
Nachdruck auf dieses Ziel hingearbeitet und dabei
Pragmatismus und Flexibilität bewiesen, und das wird
auch weiterhin der Fall sein.
Es gibt auf dem Weg zu einem Abkommen in all diesen
Bereichen hier in Brüssel keine unüberwindlichen
Hindernisse. In den wenigen uns zur Verfügung stehenden Tagen sollten wir gemeinsam den politischen
Willen aufbringen, unsere Handelsschranken abzubauen und damit die Weltwirtschaft in den neunziger
Jahren um über 4 Billionen Dollar zu vergrößern.
Wir können es schaffen. Aber es wird unseren ganzen
Einsatz erfordern.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen, daß kein Land zur Gewährung der

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�EINWANDERUNG
5. Dezember 1990

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht über das Einwanderungsgesetz von 1990 wurde vom Weißen Haus am 29. November
1990 veröffentlicht.

Im Einwanderungsgesetz von 1990 findet die umfassendste Reform unserer Einwanderungsgesetze seit
66 Jahren ihren Niederschlag. Das Gesetz ist die
Verwirklichung dessen, was die Administration von
Beginn des Einwanderungsreformprozesses angestrebt
hat: stärkere Einwanderung qualifizierter Personen
zur Erfüllung unseres wirtschaftlichen Bedarfs bei
gleichzeitiger Aufrechterhaltung unseres Engagements
zur Familienzusammenführung. Das Gesetz trägt
dem einzigartigen Vorteil der Vereinigten Staaten
Rechnung, Magnet für ehrgeizige und talentierte
Menschen aus aller Welt zu sein.
Die wesentlichsten Punkte des Gesetzes sind:
Die Einwanderungsquote wird von 540 000 Personen
im Jahr 1989 von 1992 bis 1994 auf insgesamt 700 000
pro Jahr aufgestockt. Danach wird sich die Einwanderungsquote auf mindestens 675 000 Personen belaufen.
Mit einer Arbeitserlaubnis verbundene Einwanderungsanträge werden mehr als verdoppelt, von 54 000 pro
Jahr auf 140 000 jährlich. Den neuen Kriterien zufolge
wird sichergestellt, daß die Mehrzahl dieser Arbeitnehmer hochqualifiziert sind. Diese Aufstockung qualifizierter Einwanderer trägt dazu bei, unsere Engpässe
bei Arbeitskräften in technologischen Schlüsselbereichen zu beheben und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Erwerbsbevölkerung zu verbessern. Dank besonderer Klauseln für Investoren sollen im ländlichen
Raum neue Arbeitsplätze geschaffen und Investitionskapital angezogen werden.
Einwanderungsanträge aus familiären Gründen werden in allen wesentlichen Kategorien in größerer Zahl

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genehmigt und bis zum Jahr 1994 jährlich 520 000
betragen. Diese Zahl enthält die Sondergenehmigung
von 55 000 Visa pro Jahr von 1992 bis 1994 für
Ehegatten und minderjährige Kinder von Personen,
denen im Jahr 1986 Amnestie gewährt wurde. Ab
1995 wird sich die Einwanderungsquote aus familiären
Gründen auf mindestens 480 000 Personen jährlich
belaufen.
Pro Jahr werden 40 000 neue Visaanträge von Einwanderern unterschiedlichster Nationalitäten genehmigt, um die Nationalitätenvielfalt zu erweitern. Ab
1995 wird diese Zahl auf 55 000 Personen pro Jahr
angehoben. Bildungs- und Ausbildungsbestimmungen stellen sicher, daß diese Einwanderer rasch produktive Mitglieder unserer Gesellschaft werden.
Einige veraltetete und restriktive Einwanderungsbestimmungen werden aufgehoben. Zum ersten Mal seit
Jahrzehnten werden damit die Einwanderungsbestimmungen gelockert.
Neue Klauseln unterstützen den Kampf gegen Drogen
und Gewaltverbrechen. Die Ausweisung krimineller
Ausländer wird beschleunigt. Darüber hinaus erteilt
das Gesetz Beamten der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde der Vereinigten Staaten die generelle Befugnis zur Festnahme Verdächtiger.
Die im Einwanderungsreform- und kontrollgesetz von
1986 (The Immigration and Control Act of 1986 - IRCA)
enthaltenen Punkte zur Gleichstellung von Arbeitnehmern wurden verbessert. Mit dem Gesetz sollen
Benachteiligungen verhindert werden, die sich aus
den Klauseln über Arbeitgebersanktionen im IRCA
ergeben könnten.

Seite 1

�Eine neue Erleichterung, der sogenannte "Status zeitweiligen Schutzes", wird eingeführt. Mit dieser Klausel
sollen Ausländer geschützt werden, die aufgrund von
Krieg, Naturkatastrophen oder anderer au ßergewöhlicher Umstände nicht in ihr Heimatland zurückkehren
können. Ausländern mit diesem Status wird eine
Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung bis zu
dem Zeitpunkt erteilt, an dem die Lage in ihrem Heimatland ihre Rückkehr gestattet. Einer Sonderklausel
zufolge fallen Bürger von El Salvador derzeit in den
Vereinigten Staaten bis Juli 1992 unter den Status
zeitweiligen Schutzes.

auch die Einbürgerung von philippinischen Kriegsveteranen gestattet, die im Zweiten Weltkrieg dem Kommando der Vereinigten Staaten unterstellt waren.
Das Einwanderungsgesetz von 1990 ist ein große
Errungenschaft im innenpolitischen Programm des
Präsidenten. Es wird dazu beitragen, eine ausreichende Zahl qualifizierter Arbeitskräfte zu gewährleisten,
um den Erfordernissen der neunziger Jahre gerecht zu
werden, die Bande erhalten, die für eine Familie so
lebenswichtig sind und die Nationalitätenvielfalt unserer Einwanderer erhöhen.

Das Verwaltungsverfahren für Einbürgerungsanträge
wurde beschleunigt. Dem neuen Gesetz zufolge wird

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

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              <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush bezweifelt den alleinigen Erfolg der Sanktionen gegen Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache und Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. November 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hills warnt vor Fehlschlag der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einwanderungsgesetz von 1990&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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