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24. Oktober 1990

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USA-UDSSR

BAKER: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI REGIONALEN
KONFLIKTEN ERFORDERLICH
Rede über die amerikanischsowjetischen Beziehungen

GOLFKRISE

BAKER: IRAK POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH ISOLIERT
Der Außenminister vor dem
Auswärtigen Ausschuß des Senats
INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und
politische Maßnahmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�USA-UDSSR
24. Oktober 1990

BAKER: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI REGIONALEN
KONFLIKTEN ERFORDERLICH
Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem amerikanischen Komitee für die Amerikanisch-Sowjetischen
Beziehungen erklärte Au ßenminister Baker am 19. Oktober 1990, daß "die Verhütung regionaler Konflikte zum
Ziel der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit werden muß". Beide Staaten benötigten "Wege und
Mechanismen zur Bewältigung neuer Bedrohungen für die sich abzeichnende Weltordnung".
Darüber hinaus betonte Baker, daß "die brutale Unterjochung Kuwaits durch den Irak keinen Zweifel daran
bestehen läßt, daß trotz der verringerten amerikanisch-sowjetischen Konfrontation die Welt nach wie vor ein
gefährlicher Ort ist. Die Verurteilung des Irak durch die internationale Staatengemeinschaft demonstriert ferner,
daß andere voraussichtlich folgen werden, wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Führung
übernehmen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:

Botschafter Kennan, Vorsitzender Kendali, meine
Damen und Herren,
ich fühle mich geehrt, vor diesem auserlesenen Kreis
sprechen zu dürfen und zusammen mit meinem Freund
Eduard Schewardnadse den George-Kennan-Preis
entgegenzunehmen.
Es ist eine Ehre, weil Botschafter Kennan seinem Land
lange und in hervorragender Weise als Diplomat und
Historiker gedient hat.
Botschafter Kennan, Sie waren Augenzeuge und
Beteiligter bei den historischen Ereignissen unserer
Zeit: der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit
den Bolschewiken, der Schaffung des Marshallplans
sowie der Höhen und Tiefen des kalten Kriegs.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir jedoch
eine Stelle in ihren Memoiren, an der Sie jenen Frühjahrstag im Moskau des Jahres 1945 beschreiben, an
dem Sie eine ausgelassene Menschenmenge umschwärmte, nur weil Sie Amerikaner waren und der
Krieg vorbei war. Ihre Worte in Russisch brachten

AMERIKA DIENST 42

diesen Moment auf den Punkt: "Ich gratuliere zum Tag
des Sieges. Alle Ehre gebührt den sowjetischen
Allierten."
Aber jener Moment, jener Frühling, erwiesen sich als
flüchtig. Durch die Exzesse des Stalinismus erstarrten
sie schon bald zu Eis. Die große Allianz und ihre
Hoffnungen auf eine Nachkriegsordnung verwandelten sich in einen langen, kalten Krieg.
Heute leben wir in aussichtsreichen Zeiten. Die Epoche des kalten Kriegs ist vorbei. Alle noch verbliebenen Zweifel wurden von den Ereignissen der vergangenen Monate ausgeräumt.
Der kalte Krieg in Europa wurde am 1. Oktober 1990 in
New York in aller Stille beendet: Außenminister Schewardnadse und ich unterzeichneten zusammen mit
unseren Kollegen aus Deutschland, Frankreich und
Großbritannien die Aufhebung der Rechte der vier
Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Wir erkannten
damit ein neues, vereinigtes Deutschland und das
Vertrauen zwischen ehemaligen Gegnern an, das dies
ermöglicht hatte.

Seite 1

�Der Teil des kalten Kriegs, der in anderen Erdteilen
ausgetragen wurde, endete dramatischer. Er wurde
durch die von Präsident Bush und Präsident Gorbatschow beim Gipfel in Helsinki geschmiedete Partnerschaft gegen die irakische Aggression abgeschlossen.
Das neue Zeitalter steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Ein entscheidender Faktor wird dabei der
Wandel in der Sowjetunion selbst sein - eine Revolution, die sowohl die sowjetische Außenpolitik als auch
die sowjetische Gesellschaft umformen wird. Während das Volk der Vereinigten Staaten zu Recht stolz
darauf sein kann, daß sein Land während des kalten
Kriegs als Treuhänder der Freiheit wirkte, erkenne ich
darüber hinaus gerne an, daß Präsident Gorbatschows
Revolution des neuen Denkens und der Perestrojka
zum großen Teil das Ende des kalten Kriegs bewirkt
hat. Und aus diesem Grund hat Präsident Gorbatschow den Friedensnobelpreis so sehr verdient.
Vom Containment zu Punkten beiderseitigen Vorteils
Vor fünf Jahren führten die inneren Widersprüche der
erfolgreich eingedämmten stalinistischen Macht zum
Beginn einer Entwicklung, die Botschafter Kennan
einmal als "Milderung" bezeichnete und die Präsident
Gorbatschow "Perestrojka", "Glasnost" und "neues
Denken" nennt.
Vor achtzehn Monaten gab Präsident Bush auch unserer
Regierung einen neuen Kurs. Er sagte uns, wir sollten
die Politik des Containment überwinden.
Und in dieser Woche vor genau einem Jahr gab ich
Einzelheiten des vom Präsidenten eingeschlagenen
neuen Kurses bekannt. Vor der Foreign Policy Association in New York trat ich dafür ein, daß die Vereinigten Staaten eine kreative Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils mit der Sowjetunion aufnehmen sollten. Dies war meines Erachtens der sicherste Weg,
um die Aussichten der Perestrojka und des neuen
Denkens in die Realität einer für den Westen vorteilhaften sowjetischen Politik umzusetzen. Wenn wir die
Hände in den Schoß legen würden, so meine Prämisse, würden wir nichts gewinnen und diese Chance
verpassen, die Ost-West-Beziehungen umzugestalten.
Gemeinsam leiteten wir also eine Revolution in den
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ein. Wir trugen
zum Ende des kalten Kriegs bei.
Wir müssen uns jedoch Gedanken über die Zeit nach
dem kalten Krieg machen: Wir begannen mit der
Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils. Als
nächstes müssen wir Wege der Zusammenarbeit
markieren, um die Herausforderungen des Zeitalters
nach dem kalten Krieg anzugehen. Dies könnte sich
als einzigartige historische Chance erweisen.

Seite 2

Ich möchte zunächst erläutern, wie unsere Suche
nach Punkten beiderseitigen Vorteils Ergebnisse hervorbrachte, auf denen wir aufbauen können. Im Verlauf des vergangenen Jahres haben wir unser Verhältnis zur Sowjetunion erweitert und vertieft, indem wir
uns auf fünf Themenbereiche konzentrierten: Schaffung eines ungeteilten und freien Europas, Beilegung
regionaler Konflikte, Stabilisierung und Reduzierung
des Rüstungswettlaufs, Förderung der Menschenrechte und demokratischer Institutionen sowie Hilfe für
Wirtschaftsreformen. In jedem dieser Bereiche haben
wir tiefgreifende Veränderungen eingeleitet.
Erstens könnten die Veränderungen des vergangenen
Jahres in Europa die aussichtsreichsten dieses gesamten Jahrhunderts sein. Deutschland hat sich in
Frieden und Freiheit vereinigt. Die Menschen in
Warschau, Budapest, Prag, Sofia und sogar Bukarest
bemühen sich energisch, Demokratien aufzubauen
und wirtschaftliche Freiheit zu gewährleisten.
Diese Bewegung vom, durch und für das Volk hätte
ohne die mutige, vorausschauende Zusammenarbeit
von Präsident Gorbatschow, Außenminister Schewardnadse und anderen Vertretern des neuen Denkens in Moskau nicht friedlich zum Erfolg führen können. Sie waren die ersten führenden sowjetischen
Persönlichkeiten, die verstanden, daß Sicherheit letztlich auf einer Legitimität beruht, die nur durch die
Zustimmung der Regierten verliehen werden kann.
Dies wurde jedoch auch deshalb erreicht, weil gleichzeitig die Vereinigten Staaten und andere im Westen
Moskau die Hand entgegenstreckten.
Wir entwickelten einen neuen Mechanismus und veränderten seit langem bestehende Institutionen, um
diesen sensiblen Übergang zu bewältigen. So regten
wir zum Beispiel den Zwei-plus-Vier-Mechanismus an,
um miteinander konkurrierende Interessen in einem
gemeinsamen europäischen Interesse zu versöhnen.
Präsident Bush forderte einen Anpassungsprozeß der
NATO, in dessen erster Phase - die in der Erklärung
des Londoner Gipfels ihren Höhepunkt erreichte - er
selbst die Führung übernahm. Wir unterstützten die
vom Volk getragenen Revolutionen in Mittel- und
Osteuropa in einer Art und Weise, die Moskau zusicherte, daß ein freies Europa den wahren sowjetischen Interessen dienlicher wäre als ein Eiserner
Vorhang oder eine Betonmauer. Wir haben uns darum
bemüht, den KSZE-Prozeß - das Gewissen des Kontinents - zu stärken, damit er politische und wirtschaftliche Freiheit von Nordamerika bis zur Sowjetunion
besser unterstützen kann.
Zweitens haben wir große Fortschritte bei der Lösung
regionaler Konflikte außerhalb Europas erzielt.
Am bemerkenswertesten war die Solidarität zwischen
Moskau und uns nach dem irakischen Einmarsch in

AMERIKA DIENST 42

�Kuwait, die insbesondere in der gemeinsamen Erklärung von Helsinki ihren Niederschlag fand. Darin
legten Präsident Bush und Präsident Gorbatschow die
grundsätzliche Haltung der internationalen Staatengemeinschaft fest: "Nichts unterhalb der vollständigen
Durchführung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ist akzeptabel."
Der Irak ist jedoch nur das auffälligste Beispiel einer
Politik zur Lösung regionaler Konflikte, die wir seit dem
Frühjahr 1989 Schritt für Schritt entwickelt haben.
Unsere ersten wirklichen Bemühungen galten Mittelamerika, wo wir einen diplomatischen amerikanischen
Ansatz in Nicaragua mit einer Begrenzung der sowjetischen Waffenlieferungen verbanden, um dem Volk
dieser verwundeten Nation eine Chance zu geben,
seine eigene Zukunft zu bestimmen. Die Sowjets
teilten unsere Verpflichtung, sowohl den Wahlprozeß
als auch dessen Resultat zu achten. Das Ergebnis
waren Frieden und Demokratie. Heute versuchen wir,
auch dem Töten in El Salvador ein Ende zu bereiten,
um der Demokratie auch dort eine Chance zu geben.
In Afrika führten unsere gemeinsamen Bemühungen
mit Moskau zur vollständigen Unabhängigkeit Namibias. Heute arbeiten wir zusammen daran, einen
Waffenstillstand und Wahlen mit mehreren Parteien in
Angola zu erreichen. Darüber hinaus haben wir versucht, grundlegende humanitäre Hilfe am von Kriegen
zerrissenen Hörn von Afrika zu leisten.
In Asien haben wir einen Proze ß unter Aufsicht der fünf
Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats eingeleitet, um die kambodschanischen Fraktionen zu einem
weiteren Plan für freie Wahlen zu bewegen. In Südwestasien haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten zu Afghanistan eingegrenzt und bemühen uns,
einen Weg zu finden, um diesen Konflikt unter Aufsicht
der UNO vom Schlachtfeld zu den Wahlurnen zu
bringen. Ich habe die Hoffnung, daß dies bald der Fall
sein wird.
Drittens kommen unsere Punkte beiderseitigen Vorteils vielleicht am besten in der konventionellen Rüstungskontrolle zum Ausdruck. Das sowjetische
Übergewicht bei den konventionellen Streitkräften,
das seit Jahrzehnten die Furcht vor einer Offensive auf
dem ganzen Kontinent geschürt hat, wird durch einen
KSE-Vertrag verschwinden. Zehntausende von Waffensystemen werden zerstört werden. Eine militärische Revolution in diesem Herbst wird der politischen
Revolution des vergangenen Herbstes gleichkommen.
Darüber hinaus erzielen wir Fortschritte bei START einem Abkommen, in dem erhebliche Reduzierungen
festgeschrieben werden, darunter ein etwa 50prozentiger Abbau der destabilisierendsten Kernwaffen.
Ferner wurden Atomtestverträge, die seit 15 Jahren in
der Schwebe waren, jetzt endlich ratifiziert.

AMERIKA DIENST 42

Vielleicht noch wichtiger für die Welt nach dem kalten
Krieg ist die Tatsache, daß die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten konzertierte Anstrengungen unternehmen, um die Probleme der Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu behandeln. Wir arbeiten bei der Verwirklichung der Chemiewaffeninitiative
zusammen, die der Präsident im vergangenen Jahr bei
den Vereinten Nationen unterbreitete. Die bilaterale
amerikanisch-sowjetische Vernichtung des Großteils
der Chemiewaffen in den Arsenalen unserer beiden
Länder wird uns auf dem realistischen Weg zu unserem gemeinsamen Ziel - einem weltweiten Verbot
dieser Waffen des Schreckens - ein gutes Stück
voranbringen. Unsere beiden Länder arbeiten darüber
hinaus multilateral an der Kontrolle der Raketentechnologie.
Viertens haben wir die politischen Reformen in der
Sowjetunion unterstützt. Wir haben echte Fortschritte
bei der Erledigung von Menschenrechtsfällen erzielt,
obwohl unsere Arbeit noch nicht beendet ist. Ferner
haben wir Programme institutionalisiert, um den Sowjets beim Aufbau demokratischer Institutionen und
der Schaffung rechststaatlicher Verhältnisse zu helfen.
Schließlich haben wir ein breites Spektrum wirtschaftlicher Kontakte initiiert. Technisch erstreckt sich unsere Wirtschaftszusammenarbeit bereits auf eine große
Bandbreite von Maßnahmen - von marktwirtschaftlicher Ausbildung zur Entwicklung von Kleinunternehmen. Wir bemühen uns um die Einführung amerikanischer Unternehmer in der Sowjetunion sowie darum,
die Sowjets über Maßnahmen zu informieren, die ein
günstiges Klima für Privatinvestitionen herbeiführen.
Einige Unternehmen helfen ferner bei der Ausbildung
sowjetischer Führungskräfte. Mit der Zeit hoffen wir,
unsere Bemühungen ausweiten zu können, um auch
führenden Persönlichkeiten auf Republik- und Gemeindeebene zu helfen. Im internationalen Bereich
haben wir dazu beigetragen, den Sowjets Möglichkeiten zu eröffnen, um an den internationalen Marktinstitutionen teilzunehmen und von ihnen zu lernen.
Von Punkten zu Wegen beiderseitigen Vorteils
Unsere Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils
war produktiv. Und die Suche mu ß fortgesetzt werden
- in neuen, ehrgeizigen Dimensionen. Heute müssen
wir unsere Hoffnungen für die Zukunft nach dem kalten
Krieg weiterverfolgen. Wir müssen eine neue internationale Ordnung schaffen - was der Präsident als
"neue Partnerschaft der Staaten" bezeichnet hat.
Jede Politik gegenüber der Sowjetunion muß jedoch
bei einer nüchternen Einschätzung der beiden gegenwärtig stattfindenden, miteinander verknüpften Revolutionen ansetzen: die erste betrifft die Beziehungen
der sowjetischen Regierung mit der Außenwelt, die
zweite die Veränderungen innerhalb der sowjetischen
Gesellschaft.

Seite 3

�Ich werde mit der äußeren Revolution beginnen - der
Umgestaltung der sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik. Das neue Denken und die Theorie vom
ausreichenden Niveau sind zu grundlegenden Elementen der Politik dieser Führung geworden. Nie hat
es größere Möglichkeiten für die Zusammenarbeit
zwischen unseren beiden Ländern gegeben.
Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen werden
immer einzigartigen Chakter haben. Unsere Beziehungen könnten jedoch mehr den Beziehungen ähneln, die wir mit vielen anderen Regierungen unterhalten. Zusammenarbeit könnte die Norm werden, und
Meinungsverschiedenheiten könnten auf bestimmte
Streitfälle begrenzt werden. Ein "normales" Verhältnis
- vielleicht sogar eine echte Partnerschaft - könnten in
greifbare Nähe gerückt sein.
Bei unserer Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils haben wir geprüft, ob das neue Denken die
Leitlinie der sowjetischen Politik sein könnte, selbst
wenn sie vor schwierige Entscheidungen gestellt würde.
Die sowjetische Führung hat bewiesen, daß sie die
richtigen schweren Entscheidungen treffen kann.
Heute müssen wir eine andere Frage stellen: Können
wir auf unseren Punkten beiderseitigen Vorteils aufbauen, um etwas dauerhafteres zu schaffen, etwas,
das unsere Fähigkeit stärkt und verbessert, Ergebnisse zum beiderseitigen Vorteil zu erzielen?
Eine Antwort auf diese Frage wird in hohem Maß von
der Fortdauer des neuen Denkens in Moskau abhängen.
Wir aber hoffen unsererseits, auf der Grundlage dieser
Punkte Wege beiderseitigen Vorteils aufbauen zu
können.
Das Bild von den Wegen setzt voraus, daß andauernde, ja dauerhafte Zusammenarbeit möglich ist, nicht
nur periodische oder kurzfristige Abkommen. Dieser
Gedanke geht davon aus, daß Zusammenarbeit in
regelmäßiger, nahezu alltäglicher Form ablaufen kann,
um Probleme bereits im Entstehen zu bewältigen. Ein
Weg setzt voraus, daß durch Zusammenarbeit künftige Probleme verhindert und bereits bestehende gelöst
werden können. Das Konzept der Wege geht davon
aus, daß Mechanismen und Prozesse - auf der Grundlage demokratischer Werte und Praktiken - der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit sind, während wir Antworten
auf die komplexen Probleme der Zukunft suchen.
Kurzum: Dieses Konzept geht von der Voraussetzung
aus, daß Zusammenarbeit die Norm, nicht die Ausnahme wird, gemeinsame Probleme am besten zusammen, nicht im Alleingang gelöst werden können und
viele unserer Schwierigkeiten ihre Ursache nicht in den
amerikanisch-sowjetischen Differenzen, sondern in
Komplikationen haben, die sich aus der Absage an den

Seite 4

kalten Krieg und dem Aufbau einer neuen internationalen Ordnung ergeben.
In drei umfassenden Bereichen könnten wir Wege und
Mechanismen der Zusammenarbeit aufbauen: beim
Abbau der Relikte des kalten Kriegs, der Bewältigung
der neuen Bedrohungen für die Ordnung in der Zeit
nach dem kalten Krieg sowie bei Maßnahmen gegen
grenzüberschreitende Gefahren für alle Menschen der
Welt.
Erstens müssen wir Wege aufzeigen, um die Relikte
des kalten Kriegs abzubauen und das Wiederaufflammen von Konflikten zu verhindern, die ihm vorausgingen. Einige dieser Anliegen werden bei KSE und den
Folgekonferenzen behandelt. Darüber hinaus müssen NATO und EG an die neuen Bedürfnisse angepaßt
sowie die KSZE politisch und institutionell gestärkt
werden.
Durch Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und
den aufstrebenden Demokratien in Europa können wir
mehr erreichen. Wir können unseren Dialog mit den
Sowjets zu einem regelmäßigen Gedankenaustausch
über die europäischen Herausforderungen vertiefen,
die uns alle betreffen. Wir sollten unseren Dialog
darauf konzentrieren, wie Demokratie, wirtschaftliche
Freiheit, Aussöhnung und Toleranz im Rahmen der
KSZE in ganz Europa gefördert werden können. Darüber
hinaus könnten wir unser gemeinsames Interesse an
der Erleichterung des wirtschaftlichen Umbruchs in
den aufstrebenden Demokratien in Mittel- und Osteuropa ansprechen, die sich unter anderem mit Problemen der Energiewirtschaft, Versorgungsengpässen
und Verschuldung konfrontiert sehen.
Der kalte Krieg könnte in weitere Ferne rücken - wie ich
im vergangenen Herbst in einer Rede in San Francisco
betonte - indem wir unseren Dialog erweitern, um
einen anderen Aspekt des Rüstungswettlaufs besser
zu erforschen: Strategie und Doktrin. Dies wäre eine
natürliche Ergänzung unserer Versuche, destabilisierende militärische Fähigkeiten zu begrenzen oder
abzubauen.
Bei den amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen arbeiten wir an der
Begrenzung und Reduzierung von Waffensystemen.
Wir sollten einen ergänzenden Mechanismus erarbeiten, um mehr über die Doktrin und Strategie in Erfahrung zu bringen, die die Sowjets in Friedens- wie in
Kriegszeiten beim Einsatz dieser Waffen verfolgen.
Aus diesem Grund werde ich Außenminister Schewardnadse den Vorschlag unterbreiten, auch eine
Arbeitsgruppe für Abschreckung, Vergewisserung und
Stabilität ins Leben zu rufen. Dadurch würden die vom
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs und dem
Verteidigungsminister mit ihren Amtskollegen geführten Gespräche ergänzt.
Unser Dialog muß darüber hinaus durch Gespräche
über die Umrüstung von Verteidigungssysemen erwei-

AMERIKA DIENST 42

�tert werden. Der Verteidigungsminister wird dieses
Thema bei den für diese Woche in Moskau anberaumten Treffen eruieren. Ein Dialog mit den Sowjets über
die Umrüstung von Waffensystemen kann ein Weg zu
größerer Offenheit sowie dem weiteren Abbau der
Möglichkeit eines zukünftigen Krieges sein.

»

Zweitens benötigen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion Wege und Mechanismen zur Bewältigung neuer Bedrohungen für die sich abzeichnende
Weltordnung. Die brutale Unterjochung Kuwaits durch
den Irak läßt keinen Zweifel daran bestehen, daß trotz
der verringerten amerikanisch-sowjetische Konfrontation die Welt nach wie vor ein gefährlicher Ort ist. Die
Verurteilung des Irak durch die internationale Staatengemeinschaft demonstriert ferner, da ß andere voraussichtlich folgen werden, wenn die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion die Führung übernehmen.
Amerikanisch-sowjetische und multilaterale Zusammenarbeit müssen regionale Konflikte antizipieren und
sie zu lösen versuchen, bevor sie zu einem Krieg
führen. Die Verhütung regionaler Konflikte muß zum
Ziel amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit werden.
Hand in Hand mit dieser Erörterung regionaler Konflikte beabsichtigen wir, die von mir im vergangenen
Oktober im einzelnen dargelegte Tagesordnung im
Bereich der Sicherheit entschiedener in Angriff zu nehmen. Die noch in den Kinderschuhen steckenden
Nuklearprogramme des Irak und Nordkoreas sind das
beste Argument, daß unsere Bestrebungen zur Nichtverbreitung neuen Auftrieb benötigen, um die neue
Gefahrzu bewältigen. Wir können die Verbreitung von
Kernwaffen nicht nach dem Motto "business as usual"
angehen. Ich glaube, Außenminister Schewardnadse
stimmt mit mir überein.

*

Wir sehen beide die Weiterverbreitung von Kernwaffen als die größte Herausforderung für die Sicherheit
der neunziger Jahre. Wir sind einer Meinung, daß es
unzumutbar ist, daß der Irak - mit einer Führung, die
chemische Waffen gegen ihr eigenes Volk eingesetzt
hat - in der Lage sein sollte, in Zukunft Atomwaffen zu
beschaffen. Und wir stimmen überein, daß das Verbot
und die Bekämpfung der Weiterverbreitung zentraler
Bestandteil unseres Programms sein müssen.
Durch Zusammenarbeit könnten wir auch einen umfassenderen Ansatz zur Verbreitung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen finden. Ebenso wie
unser bilaterales Abkommen über die Vernichtung
chemischer Waffenbestände ein Beispiel gesetzt hat und ein weltweites Verbot in greifbarere Nähe rückt können wir beide jetzt dazu beitragen, den Weg zur
Beseitigung der anderen Massenvernichtungswaffen
zu ebnen.
Wir müssen mit anderen zusammenarbeiten, die
bestehenden Mechanismen verbessern und neue

AMERIKA DIENST 42

entwickeln, um den Nachschub der erforderlichen
Technologie zu unterbinden und die Nachfrage nach
Massenvernichtungswaffen zu verringern. Unsere bei
der Entwicklung Vertrauensbildender Maßnahmen
(VBM) in Europa gemachten Erfahrungen könnten
sich auch in anderen Regionen der Welt als nützlich
erweisen und eventuell Mechanismen für den schrittweisen Abbau der bereits erfolgten Verbreitung von
Kernwaffen bieten.
Darüber hinaus werden wir mit den Sowjets bei der
Prüfung bilateraler und multilateraler Sanktionen zusammenarbeiten, die gegen Staaten verhängt werden
könnten, die internationale Normen der Nichtverbreitung verletzen oder Massenvernichtungswaffen einsetzen.
Die gemeinsame Erarbeitung von Leitlinien zur Bekämpfung der Gefahr einer Verbreitung nuklearer,
chemischer und biologischer Waffen und Raketen wird
für jede neue friedliche Ordnung unabdingbar sein.
Auch hierfür schlage ich eine Arbeitsgruppe auf Ministerebene vor, um den Informationsaustausch sicherzustellen und kontinuierliche Zusammenarbeit zu fördern.
Ein Instrument zur Gestaltung einer neuen internationalen Ordnung sind die Vereinten Nationen. Der
irakische Konflikt hat gezeigt, wie viel der Sicherheitsrat tun kann, wenn seine fünf Ständigen Mitglieder insbesondere die ehemaligen Gegner Vereinigte Staaten und Sowjetunion - einer Meinung sind. Über die
gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu
den Vereinten Nationen, die wir während der Generalversammlung in New York verabschiedet haben, sind
wir besonders erfreut. Wir hoffen, in den kommenden
Monaten darauf aufbauen zu können.
Drittens müssen wir Leitlinien zur Bewältigung der
grenzüberschreitenden Gefahren entwickeln, die alle
Völker und alle Nationen bedrohen. Aus diesem Grund
habe ich der offiziellen amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung Anfang 1989 grenzüberschreitende
Probleme wie Drogenhandel, Terrorismus und Umweltverschmutzung hinzugefügt. Wir müssen jedoch
bessere Ergebnisse erzielen.
Wir sollten die Idee eines internationalen Zentrums für
Ökologische Forschung am Baikalsee prüfen. Das
Zentrum sollte als Schrittmacher für präzisere Kenntnisse unserer Umwelt für sowjetische, amerikanische
und andere Wissenschaftler dienen. Am Baikalsee,
dem größten Süßwasserreservoir der Welt gelegen,
könnte es symbolisch für unser Engagement stehen,
der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch
den Menschen Einhalt zu gebieten.
Darüber hinaus schlage ich verbesserte Energienutzung als Diskussionsthema vor. Dadurch könnten die
Aussichten für Wirtschaftswachstum verbessert, die
Umweltverschmutzung begrenzt und unsere Anfällig-

Seite 5

�keit für Versorgungsengpässe verringert werden. Wir
würden den Privatsektor und zwischenstaatliche Organisationen einladen und neue amerikanisch-sowjetische Austauschprogramme entwickeln. Die Ölförderung könnte eine weiteres mögliches Diskussionsthema sein.
Wir werden ferner weiterhin mit der Sowjetunion
Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus erarbeiten. Im
Bereich der zivilen Luftfahrt haben wir bereits Gespräche über Verfahren zur Bewältigung von Krisen wie
Flugzeugentführungen aufgenommen. Darüber hinaus prüfen wir Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei
der Unterbindung von staatlich gefördertem Terrorismus.
Leitlinien für einen demokratischen Dialog
Ich möchte mich jetzt der anderen Revolution in der
Sowjetunion zuwenden - den Veränderungen in der
sowjetischen Gesellschaft.
Im Gegensatz zum neuen Denken in der Außen- und
Verteidigungspolitik ist die Revolution im Inneren eine
völlig andere Herausforderung für die amerikanische
Politik. Und sie ist eine neue Chance für das amerikanische Volk.
Wie die meisten Revolutionen ist die Perestrojka zu
einer Mischung paradoxer Elemente geworden. Auf
der einen Seite sehen wir beachtliche, vorher undenkbare Fortschritte. Der Oberste Sowjet bekräftigt seine
parlamentarische Macht. In wichtigen Städten und
Regionen nehmen Demokraten die Regierungsgeschäfte wahr. Die Kommunistische Partei hat offiziell
ihr Machtmonopol aufgegeben und alternative Parteien bilden sich. In Wirtschaftsgesprächen macht sich
allmählich der Gedanke an Privateigentum und Marktwirtschaft in der Sowjetunion breit. Und Moskau gibt
das stalinistische Prinzip des Reichs - in dem alles vom
Zentrum diktiert wurde - auf und scheint auf dem
Verhandlungswege zu einer Konföderation bereit zu
sein.
All dies ist grundsätzlich ein Gewinn. Es symbolisiert
die "Normalisierung" der sowjetischen Gesellschaft:
Pluralisierung der politischen Macht, Dezentralisierung des Wirtschaftslebens und die längst überfällige
Anerkennung der Notwendigkeit einer freiwilligen
multinationalen Union.
Bedauerlicherweise geht diese "Normalisierung" Hand
in Hand mit einer Verschlechterung der sowjetischen
Lebensbedingungen. In zahlreichen politischen Debatten in der Sowjetunion ist Zersplitterung ebenso
häufig, wenn nicht sogar noch häufiger als Pluralisierung. Der Lebensstandard verschlechtert sich, Versorgungsengpässe werden größer und die Ernte verrottet. Die Freiheit hat jahrhundertealte Nationalitätenkonflikte freigesetzt, die häufig die zur Toleranz mahnenden Stimmen übertönen.
Seite 6

Diese andere, dunklere Seite der sowjetischen Revolution beunruhigt alle in den Vereinigten Staaten. Wir
müssen Verständnis für die Härten haben, die ein
großes Volk jetzt erdulden muß. Hierbei müssen wir
uns alle daran erinnern, daß demokratischer Wandel
mit friedlichen, demokratischen Mitteln herbeigeführt
werden muß - wie Andrej Sacharow, ein weiterer
Nobelpreisträger, uns so häufig vor Augen geführt hat.
Das im kalten Krieg vorherrschende Bild eines einzigen totalitären Monoliths ist verschwunden und durch
ein verwirrendes, ungeordnetes Mosaik ersetzt worden, das sowohl Gefahr als auch Hoffnung birgt.
Die Gefahr ist, daß der Zusammenbruch des alten
stalinistischen Systems die Entwicklung eines neuen auf universelle demokratische Werte und Rechtsstaatlichkeit aufgebauten - Systems vereitelt. Die Hoffnung
ist, daß Dezentralisierung politischer Autorität und
wirtschaftlicher Macht über Verschlechterung und Verfall
siegen werden.
Wie Präsident Gorbatschow offen gesagt hat, hängt
die Zukunft der Sowjetunion letztlich von den Entscheidungen ab, die das sowjetische Volk trifft. Er hat
Recht. Das Volk muß selbst entscheiden. Der Aufbau
eines neuen Systems wird all den Mut, die harte Arbeit
und Hoffnung erfordern, die Männer und Frauen in der
Sowjetunion aufbringen können.
Aber ihre Entscheidung wird nicht ganz so schwierig
sein, wenn wir im Westen ihnen zur Seite stehen.
Unser Einfluß mag nur marginal sein. Aber Hilfe - wie
marginal auch immer - kann dennoch einen Unterschied bewirken. Das amerikanische Volk kann einen
Unterschied bewirken.
Und so können wir helfen.
Auf dem Höhepunkt des kalten Kriegs war Dialog
praktisch unmöglich. Der Eiserne Vorhang war nur
wenig durchlässig. Daher mu ßten die meisten Kontakte mit der Sowjetunion über unsere Diplomaten in
Washington mit den sowjetischen Politikern in Moskau
erfolgen. Offizielle Kontakte auf Regierungsebene
waren häufig der einzige Weg.
Wir wußten jedoch immmer, daß dies unnormal war. In
der Tat war die Entschlossenheit Stalins und seiner
Nachfolger, das sowjetische Volk von normalem Austausch und Dialog mit der Außenwelt abzuschotten,
Dreh- und Angelpunkt der stalinistischen Repression.
Und dies ist vielleicht der Hauptgrund für die Rückständigkeit und Armut, in der ein Großteil der sowjetischen
Wirtschaft heute verhaftet ist.
Glasnost und Demokratisierung haben eine Chance
hervorgebracht, die unser Volk seit langem suchte:
Die Chance, direkt auf das sowjetische Volk zuzugehen. Der kalte Krieg hat viel zerstört, jedoch nie den
guten Willen oder die Hoffnung unserer Völker - Völ-

AMERIKA DIENST 42

�ker, die im Zweiten Weltkrieg gemeinsam gekämpft
haben und gefallen sind.
Praktisch von der ersten Minute dieser Regierung an
habe ich auf der Seite der Hoffnung gestanden Hoffnung für eine auf demokratischen Werten aufgebaute Sowjetunion. Ich beabsichtige, weiterhin dort zu
stehen. Aus diesem Grund fordere ich heute das
amerikanische Volk - zusammen mit den Regierungen
der Bundesstaaten und Gemeinden - auf, mit uns
gemeinsam auf die Sowjetunion zuzugehen und dem
sowjetischen Volk beim Aufbau eines besseren Lebens
behilflich zu sein.
Wir können eine Bresche zwischen Völkern schaffen eine Bresche, die auf gegenseitiger Achtung der universellen demokratischen Werte und dem gemeinsamen Interesse an Freiheit, Sicherheit, Wohlstand und
Gerechtigkeit beruht. Eine Bresche für einen echten
demokratischen Dialog.
Die dadurch eröffneten Wege sollten sich auf allen
Ebenen kreuzen: Menschen, Gruppen, Firmen, Institutionen, Städten und Staaten. Indem wir uns auf
lokaler oder städtischer Ebene vereinigen, können wir
dazu beitragen, Vorbilder oder Erfolgserlebnisse zu
schaffen. Wir können Hoffnung vermitteln.
Um diesen Bestrebungen Auftrieb zu verleihen, möchte ich heute die Entscheidung des Präsidenten bekanntgeben, die Sowjetunion in das Tätigkeitsfeld des
Bürgerkorps Demokratie aufzunehmen.
Wir wissen, daß ein ungeteiltes und freies Europa die
Sowjetunion einbeziehen muß. Wir wissen, daß die
sowjetischen Reformen durch verstärkte Kontakte mit

*

AMERIKA DIENST 42

* *

dem amerikanischen Volk beschleunigt werden können. Durch das Bürgerkorps Demokratie werden wir
versuchen, den politisch Verantwortlichen in der neuen Sowjetunion zu helfen, indem wir ihr Wissen über
demokratische Prozesse und Marktwirtschaft vertiefen, Möglichkeiten des Austauschs mit unseren Bürgern und Institutionen verbessern und ihnen vor allem
mehr Hoffnung geben.
Nach dem kalten Krieg
Herr Botschafter Kennan, ich habe meine Ausführungen mit einem Exkurs in eine andere Zeit der Hoffnung
vor 45 Jahren begonnen.
Heute befinden wir uns am Ende eines anderen Kriegs
- des kalten Kriegs.
Aber heute gehören Stalin und seine perverse Ideologie endgültig der Vergangenheit an.
Statt dessen heißen uns neue sowjetische Politiker
willkommen. Sie laden uns ein, mit den Völkern der
Sowjetunion an einer neuen Revolution teilzunehmen
- einer Revolution der Offenheit und des zunehmenden
demokratischen Wandels.
Wir sollten ihre Einladung annehmen.
Denn wenn ihre Welt durch unser Beispiel und unsere
Hilfe besser wird, werden sowohl unsere Völker als
auch unsere Regierungen besser.
Und wenn wir durch unsere Arbeit Werte wie individuelle Freiheit, Initiative und Toleranz neu beleben,
wird auch das ein Gewinn sein.

*

*

Seite 7

�GOLFKRISE
24. Oktober 1990

BAKER: IRAK POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH ISOLIERT
Der Außenminister vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Au ßenminister Baker zufolge ist der Irak aufgrund seiner Aggression gegen Kuwait jetzt
"politisch und wirtschaftlich isoliert", und "die Kosten und Verantwortung für die Durchsetzung seiner Isolation
sind unter allen Nationen der Welt gerecht verteilt".
"Im Hinblick auf die Wirtschaft gibt es nur wenige undichte Stellen", erklärte Baker in einer Stellungnahme vor
dem Auswärtigen Ausschu ß des Senats am 17. Oktober 1990, in der er die amerikanischen und multilateralen
Bestrebungen bei der Golfkrise zusammenfaßte und hinzufügte, "die irakische Wirtschaft wird schwer leiden,
und auch die irakische Kriegsmaschinerie wird betroffen sein".
Bezüglich der militärischen Aspekte stellte Baker fest, daß Soldaten und Matrosen aus 25 Ländern einschließlich größerer Einheiten aus Ägypten und Syrien jetzt am Golf stationiert seien, "um einen irakischen Angriff auf
Saudi-Arabien abzuschrecken und die wirksame Durchsetzung der UN-Sanktionen sicherzustellen".
Der Außenminister mahnte, man müsse sich in Geduld fassen, während die Sanktionen gegen Irak spürbar
würden und "Einigkeit nach wie vor unabdingbar und darüber hinaus die beste Hoffnung für eine friedliche
Lösung dieses Konflikts ist".
Nachfolgend veröffentlichen die Rede von Außenminister Baker und die Eröffnungsansprache von Senator Pell
im Wortlaut sowie die anschließende Aussprache in Auszügen.

Vor sechs Wochen hatte ich die Ehre, vor diesem
Ausschuß und durch Sie zum amerikanischen Volk
über die irakische Aggression gegen Kuwait zu sprechen. Damals habe ich die Ziele des Präsidenten
erläutert:
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus
Kuwait, wie in Resolution 660 des UN-Sicherheitsrats
verfügt.
Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits.
Drittens das Leben der als Geiseln vom Irak sowohl im
Irak als auch in Kuwait festgehaltenen amerikanischen
Staatsbürger zu schützen, und
viertens die Verpflichtung zu Sicherheit und Stabilität
am Persischen Golf.
Darüber hinaus habe ich die Strategie zur Verwirklichung dieser Ziele umrissen.
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Das Schlüsselelement dieses Ansatzes ist die amerikanische Führungsrolle in einer internationalen Allianz, die Irak isoliert - politisch, wirtschaftlich und
militärisch.
Heute möchte ich mit Ihnen erörtern, was wir zur
Durchführung dieser Strategie seit Anfang September
getan haben, wie die Verantwortung geteilt und welche
Ergebnisse erzielt wurden.
Aufrechterhaltung der Koalition
Erstens ist es uns dank dem UN-Sicherheitsrat gelungen, den Irak politisch zu isolieren und seine Weigerung, die UN-Resolutionen einzuhalten, zu bestrafen.
Während der Rat die zehnte Resolution zur Golfkrise
in Erwägung zieht, dauern diese Bestrebungen an.
Zweitens konnten wir maßgebliche Unterstützung seitens
der Sowjetunion feststellen. Wir haben diesen Konflikt
als die erste wirkliche Krise in der Zeit nach dem kalten
Krieg bezeichnet. Der positive Ansatz der Sowjetunion

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�rechtfertigt diese Bezeichnung. In ihrer gemeinsamen
Erklärung von Helsinki stellten die Präsidenten Bush
und Gorbatschow fest: "Wir sind einhellig der Überzeugung, daß die irakische Aggression nicht toleriert
werden darf. Eine friedliche internationale Ordnung ist
unmöglich, wenn größere Staaten sich ihre kleineren
Nachbarländer einverleiben können."

nationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien entsandt
und gewähren den amerikanischen Streitkräften Zugang zu ihren Einrichtungen und Dienstleistungen.
Unterstützungsleistungen des Aufnahmestaats für
unsere dort stationierten Streitkräfte umfassen kostenlose Benutzung der Häfen, logistischen Einrichtungen, Stützpunkte und Treibstoff.

Seitdem bin ich mehrfach in Moskau und New York mit
Außenminister Schewardnadse zusammengetroffen
und habe häufig mit ihm telephoniert. Die Sowjets
unterstützen die Ziele der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats weiterhin.

Großbritannien hat über 6 000 Kampftruppen, 50
Flugzeuge und 12 Kriegsschiffe stationiert.

Von Anfang an haben wir drittens der Tatsache Rechnung getragen, daß die Aufrechterhaltung einer solchen beispiellosen internationalen Koalition besonderer Bemühungen bedarf. Die Vereinigten Staaten
konnten - und mußten - eine Führungsrolle übernehmen, aber wir sollten die Verantwortung nicht alleine
tragen. Das Prinzip der geteilten Verantwortung mußte
gewahrt werden.

Japan hat 4 Milliarden Dollar angeboten: 2 Milliarden
Dollar als Unterstützung der Militäroperationen plus 2
Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe. Wir hoffen, daß
diese Verpflichtung unverzüglich und in direkt einsetzbarer Form erfolgt.

Wir müssen uns der militärischen Bedrohung gemeinsam stellen. Aber wir müssen auch gemeinsam handeln, um die zahlreichen Nationen zu unterstützen, die
das Wirtschaftsembargo einhalten oder Streitkräfte
zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsenden. Wegen
der Ausplünderung Kuwaits durch den Irak werden
immer noch Hunderttausende arbeitslos, was auf Kosten
der Ressourcen der Nachbarländer und der labilen
Volkswirtschaften ihrer Heimatländer geht.
Unmittelbar nach der Anhörung vor diesem Ausschuß
im vergangenen Monat habe ich im Auftrag des Präsidenten unsere wichtigsten Verbündeten und Partner
auf der arabischen Halbinsel, in der Europäischen
Gemeinschaft, Italien und Deutschland besucht, um
die Teilung der Verantwortung in die Praxis umzusetzen. Der Finanzminister reiste in derselben Mission
nach London, Paris, Tokio und Seoul. Dank dieser
geteilten Verantwortung konnten Ressourcen im Wert
von 20 Milliarden Dollar bereitgestellt werden, die
gleichmäßig zwischen Unterstützung für die Frontstaaten Ägypten, Türkei und Jordanien sowie die
multinationalen Militäroperationen aufgeteilt wurden.
Dies beinhaltet auch einen beachtlichen Teil unserer
gestiegenen Verteidigungsausgaben, die sich heute
auf rund 1 Milliarde Dollar pro Monat belaufen.
Ich möchte die Ergebnisse unserer anhaltenden
Bemühungen folgendermaßen beschreiben:
54 Nationen haben Militär-und/oder Wirtschaftshilfe
zur Bewältigung der Golfkrise geleistet oder angeboten.
Die drei Golfstaaten Saudi-Arabien, Kuwait und die
Vereinigten Arabischen Emirate haben vereinbart, im
Jahr 1990 über 12 Milliarden Dollar für diese Bestrebungen bereitzustellen. Alle Staaten des Golf-Kooperationsrats haben Truppen zur Verstärkung der multiSeite 2

Frankreich hat über 4 000 Kampftruppen, 30 Flugzeuge und 12 Kriegsschiffe entsandt.

Deutschland hat sich zur Zahlung von 2 Milliarden
Dollar verpflichtet: 1 Milliarde Dollar als Unterstützung
der Militäroperationen und 1 Milliarde Dollar an Wirtschaftshilfe.
Die Europäische Gemeinschaft hat sich zur Bereitstellung von 670 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe verpflichtet. Hinzu kommen weitere Zahlungen der Mitgliedstaaten in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar.
Italien hat 4 Kriegsschiffe und 8 Flugzeuge disloziert.
Korea hat sich zur Zahlung von 220 Millionen Dollar
verpflichtet: 95 Millionen Dollar als Unterstützung der
Militäroperationen und 125 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe.
Zur Koordinierung rechtzeitiger und wirksamer Wirtschaftshilfe an die Frontstaaten hat der Präsident am
25. September 1990 die Finanzkoordinierungsgruppe
initiiert. Diese Gruppe vereinigt die Hauptgeberländer
Europas, Asiens und der Golfregion unter amerikanischem Vorsitz, während IWF und Weltbank technische Unterstützung beisteuern. Wir sehen sie als
wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung der internationalen Koalition.
Der deutlichste Beweis für das Engagement der Vereinigten Staaten zur Unterstützung der wirtschaftlichen Stabilität unserer Verbündeten in der Krisenregion ist der Vorschlag des Präsidenten, Ägyptens
durch den Erwerb von Waffensystemen der Vereinigten Staaten aufgelaufene Schulden zu erlassen. Kein
anderes Signal könnte unseren Freunden in der Region so deutlich vermitteln, daß wir ihnen selbst bei den
schwierigsten Problemen entschlossen zur Seite stehen. Die Ermordung des ägyptischen Parlamentssprechers am 11. Oktober führt uns in tragischer
Weise vor Augen, wie weit Ägyptens Feinde bereit sind
zu gehen, um Präsident Mubarak von seinem verantwortungsbewußten und mutigen Kurs abzubringen.
Die entschlossene Unterstützung des Kongresses zum
Schuldenerlaß für Ägypten wäre eine entscheidende
AMERIKA DIENST 42

�wirtschaftliche Erleichterung für Ägypten sowie ein
starkes und angebrachtes Signal, daß die Vereinigten
Staaten ihren Freunden zur Seite stehen.
Herr Vorsitzender, der Irak ist politisch und wirtschaftlich isoliert. Die Kosten und Verantwortung für die
Durchsetzung seiner Isolation sind unter allen Nationen der Welt gerecht verteilt. Im Hinblick auf die
Wirtschaft gibt es nur wenige undichte Stellen. Die
irakische Wirtschaft wird schwer leiden, und auch die
irakische Kriegsmaschinerie wird betroffen sein.
Der militärische Aspekt
Die Erörterung der diplomatischen und Wirtschaftssanktionen sollte uns jedoch nicht blind für einen
anderen wesentlichen Aspekt unserer Politik machen:
den Militäraufmarsch am Golf. Ich habe Ihnen gerade
die von unseren Verbündeten geleisteten Beiträge
einschließlich Kampfeinheiten, Flugzeugen und Kriegsschiffen aufgezählt. Darüber hinaus entsenden die
arabischen Staaten Ägypten und Syrien größere Einheiten. Inzwischen sind viele tausend arabische und
moslemische Soldaten zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in und um Saudi-Arabien stationiert.
Und natürlich ist eine große Zahl amerikanischer
Marineinfanteristen, Soldaten, Matrosen und Flieger
bereits vor Ort. Insgesamt entsenden über 25 Nationen Truppen oder Material zur Unterstützung der
Resolutionen des Sicherheitsrats.
Unser militärisches Ziel ist die Abschreckung eines
irakischen Angriffs auf Saudi-Arabien und die Gewährleistung der wirksamen Durchsetzung der UN-Sanktionen. Wirtschaftssanktionen gegen einen Aggressor
wie Saddam Hussein wären unwirksam, wenn die
internationale Staatengemeinschaft nicht zur Sicherheit von Nationen wie Saudi-Arabien und der Türkei
beitragen würde, die diese Sanktionen anwenden
müssen. Unsere Streitkräfte sind dort auch stationiert,
um das Leben amerikanischer Staatsbürger zu schützen und wirksam und entschlossen zu reagieren, sollte
der Irak seine Aggression zu offenen Kampfhandlungen mit der multinationalen Streitmacht eskalieren
lassen.
Saddam Hussein muß sich bewußt sein, daß es ihm
nicht nur an der politischen und wirtschaftlichen Option
mangelt, Kuwait zu halten, sondern auch an der militärischen Option, mit seiner Aggression Erfolg zu haben.
Die politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Aspekte unserer Strategie ergänzen und verstärken
einander.
Der Zeitfaktor
Während unsere Strategie Wirkung zeigt, sehen wir
uns mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert. Wir
müssen unerschütterlich zu unseren gesteckten Zielen und unserer Konzentration auf die ruchlose Aggression des Irak stehen. Wir müssen uns in Geduld

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fassen, während die Sanktionen gegen Irak immer
stärker spürbar werden.
Einige drängen auf Aktionen um der Aktion willen.
Aber die einzig wirksam Maßnahme, die wir jetzt
ergreifen können, ist die politische, wirtschaftliche und
militärische Isolation des Irak zu verschärfen. In
Washington, New York und in der Region setzen wir
jeden Tag unsere Suche nach einer friedlichen Lösung
fort.
Aktionen, die zu einer Teillösung führen, wären Augenwischerei.
Und falls irgendwelche Zweifel an den verheerenden
Konsequenzen einer Teillösung bestehen sollten, rate
ich, sich einmal genauer zu betrachten, was Saddam
Hussein dem kuwaitischen Volk antut. Da Saddam
Hussein die wahre Geschichte über Kuwait verschweigt,
kann diese Geschichte garnicht oft genug erzählt
werden. Ich möchte in diesem Zusammenhang die
Bemühungen des Kongresses lobend erwähnen,
Augenzeugenberichte über die stattfindenden Greueltaten einzuholen.
Es ist eine Vergewaltigung Kuwaits. Krankenhäuser
wurden unter Mißachtung der Kranken geplündert.
Eltern wurden vor den Augen ihrer Kinder gefoltert und
exekutiert. Kinder wurden vor den Augen ihrer Eltern
gefoltert und exekutiert. Selbst nach der militärischen
Eroberung hat Saddam dem kuwaitischen Volk weiter
den Krieg erklärt.
Um es ganz offen zu sagen: Saddam Hussein ist aus
reiner Selbstverherrlichung in ein friedliches arabisches Nachbarland einmarschiert und hat dessen
Bevölkerung gefoltert. Er vergewaltigt Kuwait nicht um
der Sache der Palästinenser willen.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dieses gewalttätige
Vorgehen zum Zukunftstrend im Nahen Osten wird.
Saddam Hussein muß scheitern, wenn Frieden Erfolg
haben soll. Die Aussichten für einen gerechten und
dauerhaften Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn werden zunichte gemacht, wenn er
an der Macht bleibt.
Es ist an der Zeit, ein für allemal die Beziehung
zwischen Saddams Aggression gegenüber Kuwait und
anderen Konflikten und Problemen in der Region klarzustellen. Mit anderen Worten: Zieht irgend jemand
ernsthaft in Erwägung, daß die Aussichten für Frieden
zwischen Israel und den Palästinensern besser werden, wenn dieser Aggression Erfolg beschieden ist?
Kann irgend jemand ernstlich der Überzeugung sein,
daß es leichter wäre, chemische, biologische oder
Nuklearwaffen aus der Region zu verbannen, wenn
der Irak diese Machtprobe mit der internationalen
Staatengemeinschaft gewinnt?
Natürlich nicht.

Seite 3

�Jede Hoffnung auf Frieden in dieser von Konflikten
erschütterten Region hängt davon ab, Iraks Aggression Einhalt zu gebieten und seine Fähigkeit zu künftiger Aggression zu entschärfen.

konzertierte diplomatische Maßnahmen zur Isolierung
des Irak eingesetzt hat. Der Präsident hat zur Geduld
geraten, während das Embargo den Irak immer mehr
einschnürt und die diplomatische Offensive das Land
isoliert.

Bekämpfung der Aggression
Lassen Sie mich rekapitulieren.
Seit unserem letzten Zusammentreffen hat sich eine
große Koalition von Nationen versammelt, um den Irak
und seinen Diktator zu isolieren. Wo Saddam Hussein
vor seiner Aggression noch Gleichgesinnte fand, trifft
er heute keine mehr an. Wo die irakische Wirtschaft
vor der Invasion noch bedeutende internationale Verbindungen hatte, bestehen heute keine mehr. Und wo
einstmals Aussichten für eine erfolgreiche irakische
Aggression gegen Saudi-Arabien bestanden, gibt es
heute keine mehr.
Einigkeit ist nach wie vor unabdingbar. Meines Erachtens wären wir nicht so weit gekommen, wenn nicht die
Mehrheit der Nationen mit Präsident Bush übereingestimmt hätte, daß wir alle Interesse an einer Welt
haben, in der Konflikte friedlich beigelegt werden. Und
daß in politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Begriffen wiedergespiegelte Einigkeit nach wie vor die
beste Hoffnung für eine friedliche Lösung auch dieses
Konflikts ist.
Herr Vorsitzender, es ist erfreulich, daß die große
Mehrheit der Amerikaner bei der Unterstützung unserer Ziele und unserer Strategie am Persischen Golf
hinter dem Präsidenten gestanden hat. In der Tat
stand praktisch die ganze Welt hinter ihm. Saddam
Hussein darf die Region nicht ruinieren. Er darf diese
Zeit der Hoffnung der Welt auf eine sicherere und
wohlhabendere Zukunft nicht zunichte machen. Es
gibt eine Moral unter den Nationen, und diese Moral
muß aufrechterhalten werden.
(Ende der Rede von Außenminister Baker)
Erklärung des demokratischen Senators Claiborne Pell aus Rhode Island
Herr Minister, wir begrüßen Sie herzlich und gratulieren Ihnen zu Ihrer hervorragenden Arbeit, multilaterale
Unterstützung einer energischen Haltung gegen die
irakische Aggression zu gewinnen. Unser Land und
der Kongreß unterstützen die bis heute von der Administration getroffenen Maßnahmen gegen die irakische Besetzung Kuwaits.

Ich gehe davon aus, daß diese Maßnahmen gepaart
mit Geduld sehr wahrscheinlich unsere Ziele erreichen
werden, und ich applaudiere dem Präsidenten, weil er
dem Rat derjenigen widerstanden hat, die eine einseitige Militäraktion befürworten. Am Persischen Golf
besteht eine gefährliche Lage, und selbstverständlich
können militärische Maßnahmen gegen den Irak nicht
ausgeschlossen werden.
Falls ein militärisches Eingreifen notwendig werden
sollte, so sollte der Präsident meines Erachtens in
einem multilateralen Kontext und im Rahmen eines
UN-Mandats handeln. Der UNO-Ansatz ist bis heute
erfolgreich gewesen, und wir sollten diesen Kurs bei
allen künftigen Schritten, einschließlich militärischer,
beibehalten.
Darüber hinaus sollte ein formeller Mechanismus für
Konsultationen mit dem Kongreß für den Fall entwickelt werden, daß militärische Optionen erwogen werden. Es liegt im Interesse der Administration, daß der
Kongreß die Verantwortung teilt, wenn das Land in
einen Krieg eintritt. Wenn es eine eindeutige Lehre aus
dem Vietnamkrieg gibt, dann die, daß die Unterstützung des amerikanischen Volkes, die von dessen
Vertretern im Kongreß bekundet wird, lebenswichtig
ist. Noch grundlegender ist die Tatsache, daß die
Teilung von Verantwortung den Absichten unserer
Gründerväter entspricht, und wir sollten diesen Absichten gegenüber loyal sein.
Abschließend möchte ich die Administration auffordern, eine Untersuchung von Politik und Maßnahmen
der Vereinigten Staaten vor der Aggression Saddam
Husseins durchzuführen. Wir alle wissen, daß der
Senat in den zwei Jahren vor dem Einmarsch in Kuwait
bei vier Gelegenheiten Gesetzentwürfe verabschiedet
hat, mit denen Sanktionen gegen den Irak aufgrund
seiner wiederholten Verletzungen des Völkerrechts,
darunter der Einsatz von Giftgas gegen eigene Staatsbürger, verhängt wurden. Leider wurden diese Sanktionen von den Administrationen Reagan und Bush
erfolgreich abgewiesen, ohne daß dies zu einer Besserung im Verhalten des Irak geführt hätte.

Ich habe diese Anhörung angesetzt, weil viele Amerikaner besorgt sind - und wir teilen diese Sorge -, daß
wir in Kürze in einen Krieg am Persischen Golf verwikkelt werden. Wir sollten uns klarmachen, daß ein Krieg
mit dem Irak den Tod Tausender Amerikaner und
Militärausgaben in Milliardenhöhe verursachen würde.

Ich erwähne dieses Thema nicht etwa, um voreilige
Schuldzuweisungen vorzunehmen, sondern weil ich
der Meinung bin, daß die Administration profitieren
könnte, wenn sie ermitteln würde, warum die Politik
des business as usual mit dem Irak fehlgeschlagen ist.
Antworten auf diese Frage könnten dazu beitragen,
daß Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden.

Bis heute hat Präsident Bush einen beständigen Kurs
gesteuert, indem er harte Wirtschaftssanktionen und

Dies sind gefährliche Zeiten, Herr Minister, und wir, der
Präsident und der Kongreß müssen zusammenarbei-

Seite 4

AMERIKA DIENST 42

�ten, um einen überparteilichen Konsens hervorzubringen, der die Krise zu einem erfolgreichen Ende bringt.
Senator Helms: Herr Minister, ich habe hier ein
historisches Dokument. Es handelt sich um das Protokoll der Anhörung zur Nominierung von James A.
Baker III vom 17. Januar 1989. Sie mögen sich
vielleicht erinnern, daß ich damals ein Thema anschnitt, das ich heute erneut aufgreifen möchte.

vielleicht die Unverfrorenheit - besessen, chemische
Waffen gegen seine eigenen Staatsbürger einzusetzen, in Kuwait einzumarschieren und die Greueltaten
zu begehen, über die wir alle sprechen und laut lamentieren.

Der Senat hat zweimal - das eine Mal mit 92:0 Stimmen
- Gesetzentwürfe verabschiedet, um harte Sanktionen
gegen ausländische Firmen zu verhängen, die solche
Geschäfte machen. Ich habe Ihr Schreiben erhalten,
An jenem Tag erklärte ich: "Herr Minister, werden Sie in dem Sie andeuteten, sie würden dem Präsidenten
dem Ausschu ß erklären - und ich wei ß, sie werden dies empfehlen, sein Veto gegen dieses Gesetz einzulegerne tun -, ob Sie auch der Meinung sind, daß diese gen. Also, Herr Minister, falls dies wirklich geschieht,
Firmen tatsächlich an den Chemiewaffenprogrammen welches Signal senden wir dann all diesen Firmen, die
Libyens oder des Irak beteiligt waren?"
erwägen, dem Irak zu helfen, wenn die Administration
damit droht, gegen harte Gesetze zu Chemiewaffen ihr
Nun, dieses Thema ist irgendwie in Vergessenheit
Veto einzulegen?
geraten, und es gab da ein hin und her. Aber, Herr
Minister, hier habe ich wieder eine Liste ausländischer
Baker: Senator Helms, von wann datiert dieses
Firmen, die als Helfer Saddam Husseins bei der ErlanSchreiben, und über welchen Gesetzentwurf genau
gung der Fähigkeit identifiziert wurden, unsere Trupsprechen Sie, denn es gibt ja drei Gesetzentwürfe?
pen am Persischen Golf mit Giftgas zu bedrohen. Dies
bleibt für mich ein äußerst wichtiges Anliegen. Ich Helms: Nun, es traf gestern ein, am 16. Oktober.
nenne sie Saddams "Fremdenlegion", und eine ähnliDarin heißt es: "Lieber Jesse, Sie und Ihre Kollegen
che Liste wurde unlängst vom Wiesenthal-Zentrum werden sich in Kürze mit unterschiedlichen Gesetzentveröffentlicht.
würfen des Senats und des Repräsentantenhauses zu
Sanktionen in Zusammenhang mit dem ExportkonNun hat der Präsident am Montag vorgeschlagen, man trollgesetz befassen. Ich möchte diese Gelegenheit
solle die irakische Führung vor ein Kriegsverbrecher- ergreifen, um Ihnen unmittelbar die Haltung der Admitribunal vergleichbar den Nürnberger Prozessen stelnistration zu diesen Vorlagen mitzuteilen. Wir haben
len. Das ist eine gute Idee. Ich möchte dazu aber noch
Ihrem Stab detaillierte Kommentare zu den Unterausführen, daß bei den Nürnberger Prozessen - ich bin schieden zwischen beiden Vorlagen zukommen lasja alt genug, um mich daran erinnern zu können - au ßer sen."
hochrangigen Nazis auch Unternehmer abgeurteilt
wurden, die den Nazis halfen.
Baker: Natürlich habe ich dieses Schreiben unterzeichnet, aber ich möchte doch feststellen, daß ich
Es erhebt sich also die Frage, ob es bei der Forderung mich nicht an jeden einzelnen Satz darin erinnern
nach einem Kriegsverbrechertribunal, das sich mit den kann, aber wir unterstützen die Vorlage des RepräsenGreueltaten des Irak befaßt, der Absicht des Präsiden- tantenhauses zu diesem Zweck, und wir unterstützen
ten entspricht, daß wie bei den Nürnberger Prozessen die Vorlage des Senats nicht.
auch Unternehmer zur Rechenschaft gezogen würden, die den Irak beliefert haben?
Helms: Erklären Sie mir, warum.
Baker: Herr Senator, dies würde meines Erachtens
voll und ganz davon abhängen, inwieweit sich diese
Firmen unter bestimmten Umständen bewu ßt schuldig
gemacht haben. Ich kann Ihnen darauf keine allgemeingültige Antwort geben. Ich glaube, niemand kann
das.
Helms: Nun, ich denke doch, daß man das in Anbetracht der Beweise könnte, Herr Minister. Es entspricht doch den Tatsachen, daß ihnen das von unserem Land immer wieder zur Kenntnis gebracht wurde,
daß sie dem Irak tödliche Waren lieferten. Und irgendwann müssen wir doch bei diesem Thema einmal ernst
machen und entscheiden, ob wir meinen, was wir
sagen.
Ohne die Hilfe dieser ausländischen Firmen hätte
Saddam Hussein jedenfalls kaum die Mittel und den
Mut, wenn Sie dies so nennen möchten - besser wäre

AMERIKA DIENST 42

Baker: Weil sie dem Präsidenten der Vereinigten
Staaten überhaupt keinen Spielraum einräumt, um
bestimmte Tatsachen und Umstände zu würdigen, die
im Einzelfall eine Rolle spielen könnten. Wir unterstützen seit geraumer Zeit, schon seit vor der Golfkrise,
das vom Repräsentantenhaus letzten Sommer verabschiedete überparteiliche Sanktionsgesetz. Es ist also
meines Erachtens nicht korrekt zu behaupten, wir
seien gegen Sanktionsgesetze - das trifft nicht zu. Wir
unterstützen den Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses. Wir meinen, daß es der bessere Entwurf ist.
Es ist also nicht so, daß wir überhaupt gegen ein
solches Gesetz sind, sondern wir sind für einen Gesetzentwurf, den wir für besser halten als den, der von
diesem Gremium verabschiedet wurde.
Helms: Ich möchte mit Ihnen keine Debatte über
dieses Thema beginnen, aber wir beschäftigen uns

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�seit langer Zeit damit, und alles, was wir vom Außenministerium zu dem Gesetzentwurf des Vorsitzenden
und zu meinem Entwurf gehört haben, war Ablehnung
- mir sind keine Vorschläge zu deren Abmilderung oder
Modifizierung bekannt.
Baker: Eines der Probleme, die wir mit den hier in den
Vereinigten Staaten in der Vergangenheit eingebrachten Gesetzentwürfen hatten, ist deren Einseitigkeit in
Umfang und Wirkung. Sanktionen funktionieren nicht,
wenn man nicht ein relativ hohes Maß an Beteiligung
von Ländern in der ganzen Welt bekommt. Wenn wir
nämlich Exporte amerikanischer Firmen untersagen,
werden die Leute woanders hingehen und das Material
von anderen erwerben. Das ist ein Grund, warum wir
die heutigen Anstrengungen in der Golfregion als so
erfolgreich erachten, weil wir nämlich dafür eine solch
breite Unterstützung erhalten. Wir werden also Sanktionsgesetze unterstützen, die unserer Meinung nach
angemessen und vernünftig sind.
Helms: Noch einmal, Herr Minister, ich möchte nicht
mit Ihnen debattieren. Sie sprechen von Sanktionen
gegen Länder, ich spreche von Sanktionen gegen
Firmen. Und darin liegt ein Unterschied. Nun, die
Länder, Deutschland zum Beispiel, sagten: "Potzblitz,
davon haben wir gar nichts gewu ßt", und sie zögerten,
weil diese Finnen enorme Summen für politische Zwecke
spendeten, nehme ich an. Vielleicht hatten sie eine
Lobby oder so etwas. Und sie haben nichts unternommen, bis sie gedrängt und gedrängt und gedrängt
wurden, und dann fanden sie heraus: Oh ja, sie haben
es getan. Ich spreche von Firmen, Sie sprechen von
Ländern.
Baker: Nein, ich sprach von beiden, und ich sage, daß
wir umfassende internationale Bemühungen benötigen . Wir brauchen alle Länder, die daran beteiligt sind.
Und meines Erachtens bietet sich uns nach den Ereignissen in Kuwait eine hervorragende Gelegenheit für
eine multilaterale Initiative, die wirklich effektiv sein
könnte. Das ist alles, was ich sage.
Senator Biden: Ich möchte Sie aus einem anderen
Blickwinkel fragen, obwohl es vielleicht dasselbe ist,
was mein Kollege aus North Carolina sagt. Und das ist
die Idee, alle Länder in der Region dazu zu bringen, ein
Nichtverbreitungsabkommen zu unterzeichnen, das
alles von Ihnen genannte umfaßt. Wie steht es jedoch
mit der Idee, die Länder, mit denen wir es zu tun haben,
zu einer Unterzeichnung zu bewegen. Vergessen Sie
eine Unterzeichnung durch die Staaten in der Region...
Baker: Absolut.
Biden: Und wie steht es um die Möglichkeit, unseren
europäischen Freunden und unseren neuen sowjetischen Kollaborateuren - um einen Begriff aus der
Vergangenheit einmal positiv zu verwenden - zu sagen, sie sollten sich daran beteiligen in der Hoffnung,
daß eines Tages sogar die Chinapolitik irgendwelche

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Erfolge zeitigen wird, was den Nachschub angeht?
Ich meine, was geschieht in diesem Bereich? Welche
Art von Kooperation bekommen wir? Finden diese
Diskussionen bereits statt? Setzen wir uns mit den
Deutschen zusammen und sagen: "Nicht noch einmal, wenn Ihr das tut, dann werdet Ihr große Probleme
haben, wenn Ihr irgendwelchen Firmen erlaubt..."?
Baker: Was ich gerade zur Beantwortung der Frage
von Senator Helms erklärte, ist nicht auf Bemühungen
der Länder in der Region begrenzt. Wovon ich rede
und was wir ernsthaft in Erwägung ziehen sollten, sind
umfassende Bemühungen zur Nichtverbreitung in der
Region, die so viele Länder einbeziehen würden, wie
möglich.
Und nach all dem, was dort geschehen ist und wenn
man sich das Mißverhältnis zwischen der Militärmacht
des Irak und der anderen Staaten der Region betrachtet und die Art, wie diese Macht eingesetzt wurde und
die Massenvernichtungswaffen, die dort angehäuft
wurden, so sollte dies eine Grundlage für ernsthafte
Fortschritte sein. Dies wäre jedoch nicht auf die
Länder in der Region begrenzt.
Biden: Herr Minister, worauf ich eigentlich hinauswill,
ist die Frage, welche Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Deutschland stattfinden, um
zu sagen: "Ob irgendjemand unterschreibt oder nicht,
Deutschland, sind wir uns einig? Keine Chemiewaffentechnologie mehr in diese Region, Punkt. Sind wir
uns darüber einig, Deutschland?"
Und dann wenden wir uns an die Franzosen. "Keine
Raketentechnologie mehr" - nehmen wir einmal an, sie
liefern sie in die Region -, "sind wir uns einig?" Ich

frage dies, Herr Minister, weil jeder hier behauptet:
Natürlich darf Saddam Hussein nicht von dieser Aggression profitieren." So weit, so gut.
Dann sagt jeder: "Und wenn dies vorbei ist, darf
Saddam Hussein nicht mehr in der Lage sein, weiterhin
die Region einschüchtern zu können, ob er sich nun
zurückzieht oder nicht."
Und daraus ergeben sich meines Erachtens drei

Möglichkeiten. Korrigieren Sie mich, wenn ich mich
irre. Erstens, Saddam Hussein rüstet einseitig ab - er
zieht sich zurück und rüstet einseitig ab. Nummer eins.
Zweitens, die Vereinigten Staaten - hoffentlich zusammen mit anderen, wenn dies geschieht -, die Vereinigten Staaten marschieren mit 250 000 Soldaten in der
Region dort ein, um den Ausdruck zu benutzen, der
heutzutage in dieser Stadt so leichthin gebraucht wird
- pusten Saddam Hussein weg und stürzen ihn, demontieren seine Streitkräfte und alles wird gut sein au ßer, daß wir meines Erachtens für den Rest unseres
Lebens dort bleiben werden. Drittens gibt es die
Möglichkeit, daß das Embargo bei Saddam Husseein
Wirkung zeigt. Er zieht sich zurück, und dann wird ein
neues Embargo gegen ihn verhängt, daß es ihm
AMERIKA DIENST 42

�unmöglich macht, Streitkräfte in diesem Umfang aufrechtzuerhalten, weil er keine Unterstützung mehr von
außen bekommt.
Meine Frage lautet also im Hinblick auf die dritte
Möglichkeit, wie ich sie sehe - vielleicht bin ich der
einzige, der dies so betrachtet -, welche Verhan dlungsbemühungen finden gegenwärtig mit den Lieferstaaten statt, um a) die Lieferungen sofort einzustellen und
b) die Verpflichtung zu erhalten, daß in Zukunft keinerlei Technologie oder Waffen - konventioneller oder
anderer Art - geliefert werden?
Baker: Ich möchte darauf mit der Feststellung antworten, daß es schon seit langem viele Diskussionen über
die sofortige Einstellung aller Waffenlieferungen an
den Irak gibt. Und es gibt keine Waffen, es gibt keine
Ersatzteile, kein Gerät - nichts dieser Art wird dorthin
geliefert, außer vielleicht durch einige sehr winzige
Schlupflöcher. Diese Diskussionen waren, wie ich
bereits in meiner einleitenden Erklärung festgestellt
habe, sehr erfolgreich in dem Sinn, daß wir einen

*

AMERIKA DIENST 42

weltweiten Konsens in dieser Frage haben.
Wie Sie wissen, finden gegenwärtig in Genf Gespräche statt, bei denen erhebliche Fortschritte auf dem
Weg zu einem weltweiten Verbot chemischer Waffen
erzielt werden, hauptsächlich aufgrund der Tatsache,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in der
Lage waren, sich auf einen Ansatz zu einigen, der uns
eine relistische Chance gibt, auch zahlreiche andere
Länder zu beteiligen. Diese Gespräche dauern an.
Sie haben einen Punkt erwähnt, der besprochen worden ist, Senator Biden, und das ist die Idee, daß selbst
nach einem Abzug - wenn man davon ausgeht, daß
dieser Abzug ohne die Zerstörung der un verhältnismäßigen militärischen Fähigkeiten des Irak erfolgt - die
Aufrechterhaltung eines internationalen Waffenembargos gegen ein Land erwogen werden sollte, das
eine solch unverhältnismäßige Macht in der Region
besitzt und die Bereitschaft gezeigt hat, sie zu benutzen, darunter Massenvernichtungswaffen. Es hat
einige informelle Gespräche in diese Richtung gegeben.

* * *

*

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�GOLFKRISE
24. Oktober 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 23. Oktober 1990 verfügbare Informationen und
ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits weiterhin andauernde
Konsultationen auf. Die Au ßenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um

die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um Maßnahmen zu koordinieren und Informationen sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen. Die Außenminister der NATOPartner kommen am 10. September 1990 zusammen,
um die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 wurden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt,
eine Fregatte wird zur Begleitung und zum Schutz von
Schiffen, die eine Durchsetzung des Embargos gewährleisten, zum Golf entsandt. Weitere vier C-130
werden den WEU-Ländern zur Verfügung gestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Setzt das Embargo des UN-Sicherheitsrats unverzüglich in Kraft und friert irakische Vermögenswerte ein.
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versor-

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gungsschiff zum Schutz der Seewege und um die
Verlegung von Schiffen der NATO für den Einsatz im
Golf zu ermöglichen, ins östliche Mittelmeer. Genehmigt die Nutzung von amerikanischen Stützpunkten in
Deutschland zur Unterstützung der Golfmission und
beschleunigt die Abwicklung von Überfluganträgen.
Am 16. August 1990 stellt die Bundespost den Briefund Paketverkehr mit dem Irak und Kuwait ein. ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. An
Hilfsleistungen fürdie Flüchtlinge in Jordanien stellt die
Bundesrepublik zunächst 4,5 Tonnen Nahrungsmittel,
Zelte und Krankenwagen sowie zwei Charterflugzeuge für den Rückflug von Ägyptern aus Jordanien bereit.
Leistet Zahlungen in Höhe von 187 Millionen Dollar an
den EG-Fonds für die Golfkrise. Verpflichtet sich zur
Zahlung weiterer 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen
Hilfsleistungen, die folgendermaßen aufgeschlüsselt
werden: Militärisches Gerät im Wert von 1,1 Milliarden
Dollar, das den Streitkräften am Golf zur Verfügung
gestellt werden kann, zusätzliche Hilfsleistungen in
Höhe von 835 Millionen Dollar an die Frontstaaten
sowie 275 Millionen fürdie Verlegung von Streitkräften
und Gerät. Im Rahmen der militärischen Unterstützung hat die Bundesrepublik für die unverzügliche
Abwicklung von Anfragen der Vereinigten Staaten
nach Gerät gesorgt. Auf Kosten der Bundesrepublik
werden 60 Fuchs-Fahrzeuge zum Aufspüren von Giftgas aus den Beständen der Bundeswehr abgezogen
und zum Einsatz in der Golfregion modernisiert und
umgerüstet. Darüber hinaus stellt sie Ausbildung und
logistisches Material zur Verfügung und übernimmt die
Kosten. Die Kosten für dieses gesamte Paket "Fuchs"
belaufen sich auf schätzungsweise 100 Million Dollar.

Seite 1

�Dänemark

Griechenland

Die Korvette "Olfert Fischer" ist im Golf eingetroffen.
Die Kosten der Operation belaufen sich bis Ende 1990
auf schätzungsweise 22,5 Millionen Kronen (1 Dollar
entspricht 5,74 Kronen). Das Parlament hat 7 Millionen Kronen als Anschubf inanzierung für ein Lazarettschiff bewilligt, das gegebenenfalls im Golf eingesetzt
werden soll. Die dänische Regierung trägt 4 Millionen
Dollar zur Unterstützung von Flüchtlingen aus dem
Irak und Kuwait bei. Erlaubt die Nutzung seiner
Handelsschiffe im Golf als Versorgungsschiffe der
multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien. Die
Regierung stellt darüber hinaus Seetransportdienste
zur Verlegung von ägyptischen Truppen und Material
an den Golf zur Verfügung. Dänemark hat ferner seine
Bereitschaft zur Teilnahme an einer eventuellen UNFriedensmission im Golf erklärt. Hat positiv auf die
Bitte reagiert, ABC-Schutzanzüge an die saudiarabische Regierung zu liefern. Will darüber hinaus Lücken
in der NATO-Verteidigung schließen, die sich aus der
Verlegung von Gerät der Bündnispartner an den Golf
ergeben könnten, insbesondere der Seestreitkräfte.
Unterstützt Sanktionen der EG gegen den Irak und das
UN-Ölembargo.

Entsendung einer Fregatte ins Rote Meer. Unbürokratische Bereitstellung von drei unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Überflugerlaubnis für Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten und verbündeter Länder auf dem Weg zum
Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen.
Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete Seestreitkräfte.

Frankreich
Die französische mit Hubschraubern bestückte Korvette LA MOTTE-PIQUET ist als Ersatz für die Fregatte MONTCALM aus Brest in die Straße von Hormuz
ausgelaufen, um das internationale Embargo gegen
den Irak durchzusetzen. Voraussichtliche Ankunft der
LA MOTTE-PIQUET in der Straße von Hormuz ist der
31. Oktober 1990. Zwei WeBen Kampfflugzeuge wurden
am 14. Oktober von Toul nach Saudi-Arabien entsandt. Aufgrund des irakischen Angriffs auf die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait gibt
Präsident Mitterand am 15. September die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach SaudiArabien bekannt. Marineeinheiten einschließlich eines Flugzeugträgers verstärken die zwei bereits in den
Golf entsandten Kriegsschiffe. Befehl an die 3 000
Mann starken Seestreitkräfte, gegebenenfalls Gewalt
zur Durchsetzung des Embargos einzusetzen. Auf klärungstruppen des französischen Heeres sind Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf die
Arabische Halbinsel verlegen wird. Nachrichtendienstliche Einheiten des Heeres sollen in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt werden. Frankreich
schließt sich der UN-Resolution über wirtschaftliche
Sanktionen gegen den Irak an. ö l - und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Seite 2

Großbritannien
Die in den Golf entsandten britischen Landstreitkräfte
belaufen sich auf 10 - 12 000 Mann, davon sind 6 8 000 in Saudi-Arabien stationiert. Verlegung von 120
Panzern des Typs Challenger, mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffen mit Unterstützungseinheiten, einem Geschwader
Tornado-Abfangjäger, einem Geschwader TornadoKampfflugzeuge, einem Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankffugzeugen und Nimrod-Seeaufklärern, 2 Schiffen für den Seetransport. Bewilligt 10,8
Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon 4,2 Millionen im Rahmen des EG-Beitrags zur Verfügung gestellt werden. Einfrieren kuwaitischer und irakischer
Vermögenswerte.

Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Gibt die
Bereitstellung von 2,5 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bekannt, die folgendermaßen aufgeteilt werden
sollen: Isländisches Rotes Kreuz, Nahrungsmittel und
Versorgungsgüter für Flüchtlinge in Jordanien und
Ägypten, die Persischer-Golf-Mission des Roten Kreuzes auf Zypern, Flüchtlingshilfe kirchlicher Stiftungen
und noch zu benennende andere Kanäle.
Italien
Entsendung von acht Tornado-Kampfflugzeugen in
die Vereinigten Arabischen Emirate. Vier Marineschiffe werden in die Golfregion verlegt. Gibt die Ausweisung der irakischen Militärattaches und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten
bekannt. Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren
irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot
irakischer/kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste.
Erlaubnis zur Nutzung von US-Stützpunkten in Italien.
Bereitstellung von Hilfsgütern als Flüchtlingshilfe. Sagt
die Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur
Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160
Millionen Dollar für die Frontstaaten, die unmittelbar
von der Blockade des Iraks betroffen sind.

AMERIKA DIENST 42

�Kanada
Entsendet ein CF-18-Geschwader an den Golf und
verspricht Hilfsleistungen in Höhe von 75 Millionen
Dollar für die Türkei, Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und Bangladesch. Entsendung von
zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur
Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf.
Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung von 2,2
Millionen Dollar in bar, die als Flüchtlingshilfe zwischen
dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und
zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden
sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar
werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesch zur Verfügung gestellt.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande
Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Entsendung von zwei Fregatten in den Golf. Werden
im November ein Versorgungsschiff dorthin verlegen.
Angebot zur Entsendung eines Geschwaders von 18
F-16 in die Golfregion. Lieferung von 50 000 ABCSchutzanzügen im Gesamtwert von 20,4 Millionen
Dollar in die Türkei. Bereitstellung von 3 Millionen
Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million wird von
privaten Geldgebern gespendet.
Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 126 Millionen Kronen,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von
Flüchtlingen. Mittel werden ferner für Bangladesch,
Indien, Pakistan und Sri Lanka zur Verfügung gestellt,
um die für diese Länder durch die Krise entstehenden
Kosten zu mildern. Militärische Lufttransportmittel
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät für den Bedarfsfall sowie ABCSchutzkleidung an die multinationale Streitmacht. Ein
Schiff der norwegischen Küstenwache wird Mitte Oktober
zur Unterstützung der dänischen Korvette im Golf
eintreffen. Sechs Luftabwehrraketen wurden der

AMERIKA DIENST 42

dänischen Marine zur Verfügung gestellt und 9 Freund/
Feind-Erkennungssysteme an Großbritannien ausgeliehen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von Nahrungsmitteln für die
Flüchtlinge.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung der Stützpunkte
auf den Azoren für Truppentransporte gestattet. Bereitstellung eines Marinetransportschiffes durch die
WEU. Zwei Handelsschiffe werden an die American
Maritime Authority für Transportoperationen vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische
Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein Feldlazarett, Medikamente sowie deren Transport an. Die C130 der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt. Ol- und Waffenembargo.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und ins Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch Nutzung militärischer
Einrichtungen in Spanien. Benutzung spanischer Häfen
für logistische Unterstützung und Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre
Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der
Repatriierung ägyptischer und asiatischer Flüchtlinge
aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffo mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Verweigert die Einfahrt eines aus Iran kommenden für
Irak bestimmten mit Natriumzyanid beladenen Schiffes in den Hafen Mersin. Vollständiges Handelsembargo mit Ausnahme von dringenden Nahrungs- und
Arzneimitteln. Vollständige Einhaltung des Flugverkehrsembargos. Hat mindestens zwei zivile Flugzeuge mit Ziel Irak aufgehalten und ihnen die Benutzung
des türkischen Luftraums untersagt. Eröffnet ein
Auffanglager in Habur, um Tausenden von Flüchtlingen (zumeist aus Bangladesch und Pakistan), die Irak
auf dem Landweg verlassen, Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und
zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem
Hoheitsgebiet.

Seite 3

�Vereinigte Staaten

Liechtenstein

Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach SaudiArabien. Zur Zeit befinden sich 9 Kriegsschiffe und
zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Handelsembargos einschließlich kommerzieller Nahrungsmittellieferungen gegen den Irak und
das besetzte Kuwait. Aussetzung der Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Einfrieren der irakischen und
kuwaitischen Vermögenswerte. Die Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der UN-Sanktionen irakische Öllieferungen in der Golfregion abfangen. Weisen
36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in Washington akkreditierten Personen aus, verfügen die
Ausweisung von drei weiteren Diplomaten bis zum 28.
Oktober. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu
Hilfsleistungen in Höhe von 28 Millionen Dollar für die
Flüchtlinge in der Region. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.

Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.

Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionengegen Irak überwachen. Verpflichtung zur
Zahlung von 11,2 Millionen Dollar an Mitteln für humanitäre Zwecke und Wirtschaftshilfe für die Golfregion.
Irland
Irland unterstützt die vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit der Golfkrise bereits verabschiedeten Resolutionen. Hält die Wirtschafts- und Handelssanktionen der Europäischen Gemeinschaft voll und
ganz ein.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, die Invasionstruppen abzuziehen. Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der UN
gegen den Irak.

Seite 4

Malta
Verbot aller Ex- und Importe aus und nach Irak und
Kuwait.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Sanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo für die Region. Blockiert den
Transfer irakischer Vermögenswerte. Erlaubnis zum
Überfliegen amerikanischer militärischer Transportflugzeuge über Österreich. Beitrag von etwa einer
Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und die
Türkei.
Polen
Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht an. Am 10.
Oktober berichtete die regierungstreue Tageszeitung
"Rzeczpospolita": "Der stellvertretende Außenminister Jam Majewski gibt die Entscheidung der Außenministeriums bekannt, den Betrieb der Botschaft der
Polnischen Republik vorübergehend einzustellen. Dies
erfolgt nur, weil der normale Betrieb der Botschaft
unmöglich ist. Strom und Wasser wurden abgesperrt,
die Telephonverbindungen unterbrochen und Wachen
der irakischen Armee verweigern den Zugang zum
Gebäude. Unser Vorgehen hat keinerkei Einfluß auf
die erklärte Position Polens im Hinblick auf die irakische Aggression in Kuwait und die Annexion dieses
Landes, die wir nicht anerkennen, und wir bekräftigen
unsere uneingeschränkte Unterstützung der entsprechenden Sanktionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Der Charge d'Affaires Janusz Dworak
hat Kuwait am 6. Oktober verlassen."
Rumänien
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen.
Schweden
Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Wirtschaftsembargo gegen den Irak
mit Ausnahme von Gütern für humanitäre oder medizinische Zwecke. Verbot von Aus- und Einfuhren
nach oder aus Kuwait und Irak, mit Ausnahme von
Waren für humanitäre oder medizinische Zwecke. Ab
20. Oktober Sperrung des schwedischen Luftraums
für Flugzeuge mit Gütern für oder aus Irak und Kuwait.
Stellt 20 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bereit.

AMERIKA DIENST 42

�Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe in
den Golf. Würde unter Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe in
Erwägung ziehen. Führt die UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch. Verabschiedung einer
gemeinsamen Erklärung mit Japan am 5. September
mit der Aufforderung an den Irak, alle ausländischen
Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait
abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Durchführung der UN-Sanktionen einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach
Irak und Kuwait. Präsident Havel erklärt die Bereitschaft seiner Regierung zur Entsendung einer 200
Mann starken Abwehrtruppen für chemische Waffen
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Eine 170 Mann starke Heereseinheit
wird zu Verteidigungs- und humanitären Zwecken nach
Saudi-Arabien verlegt.
Ungarn
Öl- und Handelsembargo. Die Regierung schlägt dem
Parlament die Entsendung eines Sanitätsteams in die
Golfregion vor.
Vatikan
Lobt die Resolution der Vereinten Nationen über
Sanktionen gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.
Andere Organisationen • regional und international
Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen

AMERIKA DIENST 42

dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind, aus Protest gegen die irakische
Besetzung der diplomatischen Missionen Frankreichs,
Belgiens und der Niederlande in Kuwait. Verhängt
allgemeines Handelsembargo gegen den Irak und das
besetzte Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf
ihrem Hoheitsgebiet sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem Irak und dem besetzten Kuwait. Unterstützt alle bis jetzt in Zusammenhang mit
der Golfkrise verabschiedeten UN-Resolutionen und
fordert die Freilassung der als Geiseln in Irak und
Kuwait festgehaltenen Ausländer. Die EG stellt 78
Millionen Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Streitkräfte. Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. SaudiArabien bittet die Vereinigten Staaten und andere
Länder um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen
eine mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien
verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer ölförderung, um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker
die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt seine
militärischen Einrichtungen den multinationalen Streitkräften zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen auch
Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen.
Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UN, fordert den Irak auf, unverzüglich
Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.

Seite 5

�Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung des
Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung
für die UN-Resolutionen zur Verurteilung des Irak. Sie
bringen ferner ihre Entschlossenheit zum Ausdruck,
"die vollständige und wirksame Durchsetzung" der
UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen
"die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben". Die KSZE umfaßt 34 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion und praktisch ganz Europa.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt wird. Der Nordische Rat ist eine regionale Organisation, die sich aus
Vertretern Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten Produktionsausfall von 4 Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien und Venezuela haben ihre Ölförderung bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen
Emirate, Nigeria, Gabun und Ecuador werden ihre
Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der
Iran und Libyen stimmen gegen die Resolution, planen
jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen
Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung der irakischen Invasion und der Annexion
Kuwaits. Unterstützt alle diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Fordert
die Freilassung aller ausländischen Geiseln im Irak.

Seite 6

Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern
der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, Südund Nordamerikas außer Kuba.
Organisation der Islamischen Konferenz - OIC
Am 1. Oktober veröffentlichten die Außenminister bei
den Vereinten Nationen das Schlußkommunique des
jährlichen Koordinationstreffens, in dem die OIC die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits "auf das
schärfste verurteilt", die Annexion Kuwaits durch den
Irak für null und nichtig erklärt und die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten bekräftigt, die Durchführung
der UN-Resolutionen zu dieser Krise anzustreben.
Der Irak wird ferner aufgefordert, "seine Truppen
vollständig, unverzüglich und bedingungslos abzuziehen", alle Geiseln freizulassen sowie seinen internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf diplomatische
und konsularische Vertretungen nachzukommen. Die
"volle Unterstützung und Solidarität" der OIC mit SaudiArabien und anderen Mitgliedstaaten in der Golf region
wird bekräftigt.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen, in
denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionstruppen gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen den
Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion
Kuwaits für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller
Ausländer durch den Irak verlangt und der internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird,
das Wirtschaftsembargo gegen den Irak durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus diesem Land
unterbunden wird. Die Vereinten Nationen legen strenge Verfahrensweisen für die Lieferung von Arznei und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.
Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen den
Irak.
Westeuropäische Union
Die neun Mitgliedstaaten der WEU verständigen sich
darauf, die Marineoperationen im Nahen Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng aufeinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie sich bereit,
zusammen mit den Vereinigten Staaten Verantwortung für die Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
den Irak zu übernehmen. Vier WEU-Mitglieder - die
Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie
Griechenland als Nichtmitglied der WEU kündigen die
Entsendung von Kriegsschiffen in den Nahen Osten
an, die sich den bereits dort stationierten französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Die WEU ist eine politische Organi-

AMERIKA DIENST 42

�sation mit Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Afghanische Interimsregierung
Das Kabinett der Afghanischen Interimsregierung stimmt
der Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien offiziell zu, mit dem die multilateralen Streitkräfte unterstützt werden sollen.
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Algerien
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Fernmeldepersonal
an den Golf, um das UN-Embargo gegen den Irak zu
unterstützen.
Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe, um die UN-Sanktionen zu unterstützen. Öl- und
Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait und
Forderung nach Abzug der Invasionsstreitmacht.
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.

AMERIKA DIENST 42

Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationalen Streitmacht im Golf.
Bangladesch
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien
zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.
Belize
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
Bolivien
Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.
Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittelüoferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Resolutionen gegen den Irak. Waffenembargo.
Costa Rica
In Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den Irak
verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.

Seite 7

�Cote d'lvoire

Israel

Öl- und Handelsembargo.

Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.

Ecuador

Jamaica

Präsident Borja und Außenminister Cordovez haben
die Absicht ihrer Regierung bekräftigt, alle UN-Resolutionen zur Golfkrise vollständig zu befolgen, einschließlich der Wirtschaftssanktionen. Ecuador unterhielt vor
der Krise jedoch keine Handelsbeziehungen zum Irak,
und es hat keine Kenntnis von irakischen oder kuwaitischen Firmen oder Vermögenswerten im Land.

Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.

Gabun

Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Zieht
seine Einladung an den Irak zurück, am 12. November
an der Krönung von Kaiser Akihito teilzunehmen,
aufgrund der irakischen Invasion und Annektion Kuwaits "und anderer Maßnahmen" - Berichten zufolge
werden 139 Japaner in wichtigen Einrichtungen als
"menschliche Schutzschilde" festgehalten. Stellt Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit, davon
2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht.
Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von Streitkräften, Ausrüstung und Gerät. Entsendet medizinisches Personal auf die Arabische Halbinsel, das bis zu
100 Personen umfassen wird. Die restlichen 2 Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die Türkei, Ägypten
und Jordanien bestimmt, um die durch die irakische
Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildern. Stellt weitere 22 Millionen Dollar an
Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung gemeinsamer
Erklärungen mit der Sowjetunion und Großbritannien,
in denen der Irak zur Freilassung aller ausländischen
Geiseln und zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait
aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig ein Korps zur
Zusammenarbeit mit den Friedensbemühungen der
Vereinten Nationen auf, das die Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee gestatten würde, um
die Operationen zur Erhaltung des Friedens zu unterstützen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.
Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und forciert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Uneingeschränktes Wirtschaftsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Hongkong
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.
Indien
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen. Der
Leiter der Au ßenhandelsstelle verkündete am 5. Oktober ein vollständiges Handelsverbot mit dem Irak und
Kuwait, au ßer für "Lieferungen für medizinische Zwekke und Nahrungsmittel, sofern sie zu humanitären
Zwecken bereitgestellt werden".
Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran
Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölf örderung bereit,
um die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.
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Japan

Jemen
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak einhalten.
Jordanien
Beteiligt sich an den UN-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.

AMERIKA DIENST 42

�Kolumbien
Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.
Korea (Rep.)
Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels außer
mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.
Bietet den Vereinigten Staaten und der multilateralen
arabischen Streitmacht Transportmöglichkeiten an.
Kuba
Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Laos
Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
aus Kuwait.
Libanon

Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Befolgt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum
Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen für bisher aus Kuwait importiertem Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiArabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Ausweisung zweier irakischer Beamter aus
Marokko als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung ihrer Diplomaten im Irak. Bemüht
sich auf diplomatischem Wege aktiv um eine Lösung
der Krise, die den Forderungen der Vereinten Nationen gerecht wird.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.

Mexiko

Macao

Wird die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak befolgen.

Befolgt die UN-Sanktionen.
Madagaskar
Präsident Ratsiraka verurteilt am 5. August die irakische Invasion Kuwaits und bekundet seine Zustimmung zu den Maßnahmen des Sicherheitsrats.
Malaysia
Unterstützt die UN-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte. Erhöht die
Ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 900 000
Dollar.

Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Myanmar

Nepal
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Niederländische Antillen
Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.
Neuseeland

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden, ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die
Wartung von Transportflugzeugen für die Evakuierung
von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila. Bietet den
Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge mit Besatzungen und dem Internationalen Roten Kreuz ein
40köpfiges ziviles medizinisches Versorgungsteam
für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Mauritius

Nicaragua

Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Mali

AMERIKA DIENST 42

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�Nigeria
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung derölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).
Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga,
dem Golf-Kooperationsrat und den UN-Resolutionen
seine Unterstützung versichert und fordert den Abzug
der Invasionstruppen.

Pakistan
Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden sollen.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen gefordert. Bittet die multinationale Streitmacht, darunter
Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um Unterstützung zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport
irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wird eingestellt. Erhöht die Ölförderung, um die Ausfälle in Irak
und Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche von der UN gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der legitimen
Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.
Simbabwe
Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.
Singapur
Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Transaktionen der rechtmäßigen Besitzer
kuwaitischer Vermögenswerte werden bei Erfüllung
bestimmter Kriterien gestattet.
Südafrika
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und forciert
den unverzüglichen Abzug irakischer Truppen. Präsident de Klerk bekräftigt später im Weißen Haus, daß
Südafrika gegen die irakische Aggression Einspruch
erhebt.
Sri Lanka

Peru

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak durchzusetzen.

Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.

Sudan

Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.

Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Surinam

Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien die irakische
Invasion in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen

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Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Swasiland
Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
erklärt Premierminister Diamini am 5. Oktober seine

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�uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen
des Sicherheitsrats zur Golfkrise. Er verurteilt die
irakische Invasion und Geiselnahme und fordert den
Irak zum Abzug aus Kuwait auf.
Syrien

Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.
Tunesien

Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Uruguay
Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak,
befolgt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.
Vereinigte Arabische Emirate

Taiwan
Erhebt entschlossen Einspruch gegen die irakische
Invasion in Kuwait und spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen gegen den Irak aus. Erklärt,
in Taiwan befänden sich keine irakischen Vermögenswerte, stoppt die Lieferung aller in Taiwan hergestellten Waren in den Irak, unterbindet Erdölimporte aus
dem Irak. Erklärt am 24. September, daß Taiwan den
Frontstaaten im Nahen Osten - Jordanien, der Türkei
und Ägypten - Direkthilfe in Höhe von 30 Millionen
Dollar gewähren wird.
Tansania
Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.
Togo

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren befreundeten Streitkräften, darunter auch denen der Vereinigten Staaten, die Nutzung der militärischen Einrichtungen. Verhindern das Anlegen eines irakischen Tankers im Hafen von Dubai, um die UN-Sanktionen
gegen den Irak zu unterstützen.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak.
Venezuela
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

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