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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Unfted States Information Sende»
Embassy of the United States of Americ»
Libpsry Services
Deichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

26. September 1990

38

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche
und politische Maßnahmen

NATO

TAFT ERÖRTERT EUROPAISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO

IWF/WELTBANK

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG
DER SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim
Gemeinsamen Entwicklungsausschuß

OSTEUROPA

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
26. September 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 21. September 1990 verfügbare Informationen
und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits noch immer andauernde
Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um die Maßnahmen zu koordinieren, Informationen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse
auszutauschen.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem
Versorgungsschiff ins Mittelmeer, Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Bereitstellung von 30 Tonnen Zucker und Mehl, 20 000
Tonnen Weizen und zwei C-130 für den Rückflug
ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff zum Schutz der Seewege ins Mittelmeer
und Angebot zusätzlicher Luft- und Seetransportunterstützung. Angebot an die Vereinigten Staaten zur
Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Am 16. August 1990 stellt die Bundespost
alle Brief- und Paketsendungen an Irak und Kuwait
ein. Die Bundesregierung und führende WirtschaftsAMERIKA DIENST 38

verbände versprechen, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um das Embargo gegen den Irak "wasserdicht"
zu machen. An Flüchtlingshilfe stellt die Bundesrepublik 4,5 Tonnen an Nahrungsmitteln, 55 Zelte und zwei
Krankenwagen bereit.
Dänemark
Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als
Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Unterstützt Sanktionen der EG gegen
den Irak; ölembargo. Das dänische Parlament genehmigt die Entsendungen einer Korvette in den Golf.
Geplante Unterstützung der Flüchtlinge in Jordanien in
Höhe von 830 000 Dollar.
Frankreich
Präsident Mitterand verkündet am 15. September 1990
die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach
Saudi-Arabien als Vergeltung für den irakischen Angriff auf die Residenz des französischen Botschafters
in Kuwait. Geplante Aufstockung der französischen
Marine im Golf, Verstärkung zweier Kriegsschiffe im
Golf durch bereits entsendete Marineeinheiten einschließlich einem Flugzeugträger. Order an die 3 000
Mann starke Marine, gegebenenfalls Gewalt zur Durchsetzung des Embargos anzuwenden. Landgestützte
Aufklärungseinheiten des französischen Heeres sind
Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf
die arabische Halbinsel entsenden will. Geplante
Entsendung einer nachrichtendienstlichen Einheit des
Heeres in die Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich schließt sich der UNO-Resolution über wirtschaftliche Sanktionen gegen den Irak an. Öl- und
Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögens-

Seite 1

�werte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von
Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Das französische Außenministerium fordert die uneingeschränkte Durchsetzung des Embargos. Vier französische Gewerkschaften (CFDT, CFTC, CGC und
FEN) verurteilen die Festsetzung von Ausländem durch
den Irak und fordern ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung. Drastische Einschränkung
der Bewegungsfreiheit einer Gruppe irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in
Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät
und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Italien

Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Erlaubnis zum Überfliegen für Kriegsflugzeuge der
Vereinigten Staten und verbündeter Länder auf dem
Weg in den Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit
bei Flugzeugstationierungen (Landung/Auftanken).
Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete Seestreitkräfte. Griechenland stellt der multinationalen
Streitmacht drei Schiffe für den Transport von Kriegsgerät zur Verfügung.

Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer
und kuwaitischer Vermögenswerte. Entsendung von
fünf Schiffen ins östliche Mittelmeer. Geplante Entsendung von drei Schiffen in den Golf. Verbot irakischkuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis der Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von 40 Tonnen an Hilfsgütern einschließlich Decken, Wasserkanistern, Müdcontainern, Zeltplanen, Werkzeugen und Küchengerät als Flüchtlingshilfe. Vereinbart die Bereitstellung von zivHen Transportschiffen zur Verlegung amerikanischer Truppen
und Versorgungsgüter. Genehmigt Hilfsleistungen in
Höhe von 160 Millionen Dollar für Länder, die unmittelbar von der Blockade des Iraks betroffen sind. Gibt die
geplante Entsendung eines Geschwaders von acht
"Tornados" und eines vierten Schiffes in den Golf
bekannt.

Großbritannien

Kanada

Die in den Golf entsendeten britischen Marine- und
Luftwaffeneinheiten belaufen sich am 14. September
1990 auf insgesamt 4 000 Mann. Die Unterstützung
mit Material umfaßt folgende Posten: Königliche Marine
- ein Zerstörer, zwei Fregatten bereits im Golf, drei
Minensuchboote, ein Zerstörer auf dem Weg. Königliche Luftwaffe - ein Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankflugzeuge und Nimrod-Seepatrouillenflugzeuge, alle mit Bodenunterstützungspersonal
der Königlichen Luftwaffe. Darüber hinaus gibt der
britische Verteidigungsminister King am 14. September die Absicht bekannt, die 7. Panzerbrigade mit über
6 000 Mann aus der Bundesrepublik nach SaudiArabien zu entsenden. Die Brigade "Wüstenratten"
wurde im Nordafrikafeldzug des Zweiten Weltkriegs
berühmt. Großbritannien wird Schiffe im Golf abfangen, die versuchen, die UNO-Sanktionen gegen den
Irak zu umgehen. Öl- und Waffenembargo, Einfrieren
der kuwaitischen und irakischen Vermögenswerte.
Verpflichtung zu militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien, Angebot an die Vereinigten Staaten zur Benutzung der Stützpunkte für
Operationen gegen den Irak. Entsendung eines Zerstörers aus Großbritannien und dreier Minenräumschiffe aus dem östlichen Mittelmeer zur Verstärkung
von drei britischen Kriegsschiffen im Persischen Golf.
Verpflichtung zur Bereitstellung von 980 000 Dollar an
Flüchtlingshilfe für das Internationale Komitee vom
Roten Kreuz. Premierministerin Thatcher verspricht
Zahlungen an einen von den Vereinigten Staaten
gegründeten Fonds zur Verteilung der Kosten der
Golfoperation gegen den Irak.

Premierminister Mulroney gibt am 14. September 1990
die Entsendung eines CF-18-Geschwaders an den
Golf bekannt und verspricht Hilfsleistungen in Höhe
von 75 Millionen Dollar für die Türkei, Ägypten und
Jordanien. Entsendung von zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Abbruch der Wirtschaftsund Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur
Bereitstellung von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als
Flüchtlingshilfe zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.

Griechenland

Seite 2

t

Luxemburg
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande

«

Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Geplante Entsendung von zwei Fregatten in den
Golf. Verpflichtung zur Bereitstellung von 1,1 Millionen
Dollar, von denen die Hälfte als Flüchtlingshilfe für die
Maßnahmen unter der Schirmherrschaft der EG verwendet werden. Angebot für zusätzliche Schutzausrüstung gegen chemische und biologische Kampfführung.
Norwegen
Entsendung eines Kriegsschiffs der Küstenwache zur
Versorgung der dänischen Korvette, die es in den GoK

AMERIKA DIENST 38

t

�begleiten wird. Angebot von Dekontaminierungsgerät
für den Bedarfsfall sowie Schutzgerät gegen C-Waffen
an die Golfstreitmacht. Entsendung eines Schiffs zur
ständigen NATO-Streitmacht im Atlantik und Angebot
der Bereitstellung von zwei weiteren Schiffen für die
NATO-Streitkräfte im Atlantik und Ärmelkanal, um die
Verlegung verbündeter Schiffe in den Golf auszugleichen. Voraussichtliche Aufstockung der Flüchtlingshilfsleistungen an Jordanien über die anfänglichen,
schon bereitgestellten 343 000 Dollar hinaus. Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke; Ölembargo.
Umfassende Sanktionen, die Seetransporte ausdrücklich einschließen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von 40 Tonnen
hochproteinhaltiger Kekse als Fluchlingshilfe.
Portugal
Erlaubnis zur Nutzung amerikanischer Stützpunkte in
Portugal, Öl- und Waffenembargo. Embargo bei Dienstleistungen wie Schiffswartung. (Die Wartung eines
irakischen Schiffs in Portugal war vorgesehen).
Spanien
Handelsembargo. Spanien unterstützt den Transit
amerikanischer Militärflugzeuge auf dem Weg in die
Golfregion. Geplante Entsendung einer Fregatte zur
Straße von Hormus und zweier Korvetten zur Patrouille im Roten Meer in Koordination mit anderen Marineeinheiten der Westeuropäischen Union.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Handelsembargo mit Ausnahme von Nahrungs- und
Arzneimitteln. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur
Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen
und zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.
Vereinigte Staaten
Entsendung amerikanischer Militäreinheiten nach SaudiArabien, um dieses Land gegen einen möglichen irakischen Angriff zu schützen. Zur Zeit befinden sich neun
Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Embargos gegen den
Irak und das besetzte Kuwait sowie gegen kommerzielle Nahrungsmittellieferungen. Aussetzung der
Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Modifizierung des
Embargos, so da ß es das Verbot von Exporten an jede
vom Irak - direkt oder indirekt - aus betriebene oder von
der irakischen Regierung kontrollierte oder in deren
Besitz befindliche Körperschaft einschließt. Einfrieren
der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen für den

AMERIKA DIENST 38

Irak und Kuwait bestimmte Ersatzteile, Satelliten- und
Computergeräte. Das FBI versiegelt die Büros der
irakischen Fluggesellschaft in New York, Detroit und
Los Angeles. Die Vereinigten Staaten planen das
Abfangen irakischer Öllieferungen in die Golfregion als
Unterstützung der UNO-Sanktionen. Als Reaktion auf
die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft
in Kuwait durch den Irak weisen die Vereinigten Staaten 36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in
Washington akkreditierten Personen aus. Die Vereinigten Staaten leisten Flüchtlingshilfe in Höhe von 1
Million Dollar einschließlich Zelten, Wasserkanistern,
Nahrungsmitteln sowie Beiträgen an die Internationale
Organisation für Auswanderung. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait, sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Deutsche Demokratische Republik
Geplante Beteiligung an Wirtschaftssanktionen. Nur
Nahrungs- und Arzneimittel für humanitäre Zwecke
werden weiterhin geliefert.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UNO-Sicherheitsrats über Sanktionen, vollständige Durchführung der
UNO-Maßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten Handelsembargos. Ernennung des finnischen
Botschafters bei der UNO zum Leiter der Gruppe von
Ländern, die die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen
Irak überwachen. Verpflichtung zur Zahlung von 135 000
Dollar an Flüchtlingshilfe an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Irland
Ölembargo.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, alle Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der
UNO gegen den Irak. Einstellung aller Lieferungen in
den Irak, Aussetzung von Importen aus dem Irak,
Reduzierung jugoslawischer Arbeitskräfte in Irak und
Kuwait, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Seite 3

�Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Keine Vergabe von Aus- oder Einfuhrgenehmigungen
für Handel mit Irak und Kuwait, vor Verhängung der
Sanktionen erteilte Genehmigungen werden widerrufen.
Österreich
Durchsetzung der UNO-Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Geplante Erlaubnis zum Überfliegen
amerikanischer Militärflugzeuge über Österreich.
Polen
Waffenembargo.
N.B.: Der polnischen Botschaft in der Bundesrepublik
Deutschland zufolge hält sich Polen auch in allen
anderen Bereichen strikt an die Sanktionen der UNO.

verwirklichen. Verabschiedung einer gemeinsamen
Erklärung mit Japan am 5. September mit der Aufforderung an den Irak, alle ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Verzögerung der Abreise des neuen tschechoslowakischen Botschafters im Irak nach Bagdad.
Durchführung der UNO-Sanktionen einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach
Irak und Kuwait.
Ungarn
&gt;
Öl- und Handelsembargo.
Vatikan
Lobt die Resolution der Vereinten Nationen zu den
Sanktionen gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen Irak.

Rumänien

Andere Organisationen - regional und international

Wird U NO-Sanktionen gegen den Irak befolgen.

Arabische Liga

Schweden

Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UNO-Sicherheitsrats.

Verbot von Aus- und Einfuhren nach oder aus Kuwait
und Irak, mit Ausnahme von Waren für humanitäre
oder medizinische Zwecke sowie Presseerzeugnissen. Verbot der Lieferung von Waren für Wirtschaftsaktivitäten, die im Irak oder Kuwait oder von dort aus
betrieben werden. Verbot von Maßnahmen, die Geschäfte mit dem Irak oder Kuwait fördern würden, wie
etwa Instandsetzung, Be- oder Entladen; Einstellung
des Zahlungs- und Kreditverkehrs mit Irak und Kuwait.
Zahlt 8,7 Millionen Dollar in bar für die Flüchtlingshilfe.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNOWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe in
den Golf. Würde unter Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe in
Erwägung ziehen. Erlaß eines Dekrets an alle Ministerien und Behörden, die für den Handel mit dem Irak
oder sonstige Beziehungen mit diesem Land zuständig sind, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um
die Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen zu

Seite 4

*

Europarat
Beim Außenministertreffen des Europarats wird am
12. September eine Resolution verabschiedet, in der
die irakische Verletzung des Völkerrechts und die Geiselnahme verurteilt werden. Er fordert die Anwendung
der UNO-Sanktionen gegen den Irak durch alle Staaten und appelliert an die Mitglieder des Europarats,
Ländern beizustehen, die unbeabsichtigt von diesen
Sanktionen betroffen sind. Die Erklärung widmet sich
besonders humanitären Problemen der zahlreichen
Menschen, die durch die Krise zur Flucht gezwungen
wurden und bedauert die Weigerung des Iraks, mit
dem IKRK zusammenzuarbeiten.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplo-

AM ER»KA Dlfi'MST 38

«

»

�maten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind. Verhängt allgemeines Embargo gegen
den Handel mit Irak und dem besetzten Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf ihrem Hoheitsgebiet
sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit Irak
und dem besetzten Kuwait. Unterstützt die Resolutionen 660, 661, 662, 664, 665, 666 und 667 des UNOSicherheitsrats. Über die Botschafter der gegenwärtigen Präsidentschaft (Irland, Italien und Luxemburg)
hat die EG Demarchen in Bagdad unternommen, um
die bedingungslose Freilassung der Ausländer in Irak
und Kuwait zu unterstützen. Die EG stellt 27 Millionen
Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und
humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Europaparlament
Verabschiedung einer Resolution am 14. September,
in der "die Invasion und Annexion Kuwaits durch den
Irak... und die gezielte Geiselnahme von Ausländern
durch den Irak energisch verurteilt" wird. Die Resolution fordert "den unverzüglichen Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait, um dessen legitime Autorität und Souveränität wiederherzustellen...".
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Truppen.
Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. Saudi-Arabien bittet die Vereinigten Staaten und andere Länder
um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen eine
mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer Ölförderung,
um die Produktionsausfälle im Irak und in Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für die multinationale Streitmacht und verweigern einem irakischen
Tanker die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt
seine militärischen Einrichtungen der multinationalen
Streitmacht zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen
auch Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen. Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UNO, appelliert an den Irak, unverzüglich Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait
festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Bewegung der Blockfreien

Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt und festgestellt
wird, daß "die Entscheidung des Irak eine Verletzung
des Völkerrechts und der UNO-Menschenrechtserklärung darstellt". Der Nordische Rat ist eine regionale
Organisation, die sich aus Vertretern Dänemarks,
Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
Die nordischen Außenminister
Verabschiedung einer Erklärung zur Golfkrise am 11.
September, in der "die brutale Invasion und der Versuch der Annexion Kuwaits" scharf verurteilt und die
Rolle des UNO-Sicherheitsrats bei der Aufrechterhaltung des internationalen Drucks auf den Irak hervorgehoben werden.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Produktion über die vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch das
Embargo gegen den Irak verursachten Ausfall von 4
Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien
und Venezuela haben ihre ölproduktion bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria,
Gabun und Ecuador werden ihre Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der Iran und Libyen
stimmen gegen die Resolution, planen jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Ablehnung der Annexion Kuwaits. Unterstützt alle
diesbezüglichen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats gegen den Irak. Weist die Benutzung ausländischer Geiseln in Bagdad als "menschliche Schutzschilde im Konflikt" zurück. Bietet ihre guten Dienste
für die in Irak und Kuwait festgehaltenen Staatsbürger
aus Mitgliedstaaten an. Die OAS ist eine regionale
Organisation mit Vertretern der Karibikstaaten sowie
aller Staaten Mittel-, Süd- und Nordamerikas außer
Kuba.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.

Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

AMERIKA DIENST 38

Seite 5

�Vereinte Nationen

Afghanische Interimsregierung

Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen,
in denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionsstreitkräfte
gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen
den Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion von Kuwait für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller Ausländer durch den Irak verlangt und der
internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird, das Wirtschaftsembargo gegen den Irak
durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus
diesem Land unterbunden wird. Die UNO legt enge
Grenzen für die Lieferung humanitärer Güter in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.

Das Kabinett der AIG beschließt formell die Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach
Saudi-Arabien zur Verstärkung der multinationalen
Streitmacht.

Westeuropäische Union
Die Außen- und Verteidigungsminister der neun Mitgliedstaaten der WEU erörtern während eines Treffens in Paris am 18. September weitere Möglichkeiten
zur Koordinierung ihrer Maßnahmen am Golf. Sie
verurteilen "uneingeschränkt die jüngsten Angriffe des
Irak auf das Völkerrecht und die Unverletzlichkeit von
Personen" und verleihen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängte Embargo mit all seinen Elementen anzuwenden und für seine Anwendung zu sorgen. Bei
früheren Maßnahmen verständigen sich die neun WEUMitgliedstaaten darauf, die Marineoperationen im Nahen
Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng miteinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie
sich bereit, zusammen mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen den Irak zu übernehmen. Vier WEUMitglieder - die Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie Griechenland, das kein Mitglied der WEU
ist, kündigen die Entsendung von Kriegsschiffen in den
Nahen Osten an, die sich den bereits dort stationierten
französischen und britischen Einheiten anschließen
sollen. Die WEU ist eine politische Organisation mit
Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg,
den Niederlanden, Portugal und Spanien.

Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Kommunikationspersonal an den Golf, um das UNO-Embargo gegen den
Irak zu unterstützen.
Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs zum Persischen Golf. Zusage, den Golf
für irakische Schiffe abzuriegeln, um die UNO-Sanktionen zu unterstützen, ö l - und Waffenembargo.
Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationale Streitmacht.
Bangladesh
Prinzipielle Entscheidung, bei einer Konfrontation mit
dem Irak Truppen nach Saudi-Arabien zu entsenden.
Belize

Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern.

Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
-

Seite 6

AMERIKA DK N'ST 38

�Bolivien

Iran

Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt, die Ölförderung ankurbeln zu wollen, um
die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.

Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich von Nahrungsmittellieferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China

Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UNO-Sanktionen gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative, im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait
auf das schärfste verurteilt wird.
Japan

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.

Ölembargo, Einstellung des Handels und der Hilfe.
Wird Nahrungsmittel, Wasser, Arzneimittel und 100
Ärzte und Krankenpfleger zur arabischen Halbinsel
entsenden. Liefert Geräte wie Kühlschränke und
Klimaanlagen, um die befreundeten Truppen am Golf
vor der Hitze der Wüste zu schützen. Finanziert das
Chartern nichtjapanischer Flugzeuge und Schiffe, die
Nachschub und Helfer, militärische Ausrüstung und
Soldaten an den Golf transportieren. Leistet der
Türkei, Ägypten und Jordanien finanzielle Hilfe, um
wirtschaftliche Härten auszugleichen, die durch Maßnahmen gegen die irakische Invasion in Kuwait hervorgerufen wurden. Leistet einen Beitrag von zunächst 10
Millionen Dollar für die Versorgung kuwaitischer Flüchtlinge in Jordanien. Veröffentlicht am 5. September
1990 gemeinsam mit der Sowjetunion eine Erklärung,
mit der die Aufforderung an den Irak ergeht, alle
ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.

Guatemala

Jemen

Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak,
stoppt alle finanziellen Transaktionen, Zahlungen und
Kredite an den Irak und Kuwait.

Hält die UNO-Sanktionen gegen den Irak ein.

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Resolutionen gegen den Irak.
Waffenembargo.
Costa Rica
In Unterstützung der UNO-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Öl- und Handelsembargo.
Gambia

Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Hongkong
Friert irakische und kuwaitische Vermögenswerte ein.
Indien

Jordanien
Beteiligt sich an den UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stimmt zu, der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktinoen gegen den Irak stehen.

Vizepräsidentschaft des UNO-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.

Indonesien

Korea (Rep.)

Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.

Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels außer

AMERIKA DIENST 38

Kolumbien

Seite 7

�mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.

Neuseeland

Kuba

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot der
Importe. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. Ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus Irak und Kuwait. Bietet dem Internationalen Roten Kreuz eine zivile medizinische Versorgungseinheit für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Befolgung der UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Macao

Nicaragua

Befolgt die UNO-Sanktionen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Malaysia

Nigeria

Unterstützt die UNO-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Wird seine Maßnahmen mit den Sanktionen
abstimmen, friert kuwaitische Vermögenswerte ein.
Wird die Ölproduktion auf 10 000 Barrel pro Tag
steigern, um den Bedarf der Länder zu decken, die von
irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet
für die Flüchtlingshilfe in Jordanien Nahrungsmittel im
Wert von 100 000 Dollar.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwaits und forciert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der ölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).

Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga und
den UNO-Resolutionen seine Unterstützung versichert, verurteilt die irakische Invasion und fordert den
Abzug der Invasionstruppen.

Mauritius
Pakistan
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Unterstützt und befolgt die Resolutionen des UNOSicherheitsrats zum Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen von
bisher aus Kuwait importiertem Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat Truppen nach Saudi-Arabien entsandt und beteiligt sich damit an der multinationalen
Streitmacht. Weist zwei irakische Beamte aus Marokko aus, als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak.
Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Nepal

Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNOSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten seines Heeres nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon
und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder Entladung jeder Art von Waren aus dem
Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde hat Vorschriften für die Behandlung irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte veröffentlicht. Der irakischen
Schiffahrt wird die Durchquerung des Panamakanals
gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UNO-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden sollen.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

Seite 8

AMERIKA DIENST 38

�Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats hat Saudi-Arabien die irakische Invasion in
Kuwait verurteilt und den Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Es erging die Bitte an die Vereinigten
Staaten und andere Länder um Unterstützung zur
Verteidigung Saudi-Arabiens. Plant die Ankurbelung
der Ölförderung, um die Ausfälle im Irak und in Kuwait
auszugleichen. Weist einen irakischen Tanker ab, der
an einem saudischen Hafen im Roten Meer anlegen
wollte. Stellt 60 Millionen Dollar für Flüchtlingshilfe zur
Verfügung. Will die im Land entstehenden Kosten der
auf saudischem Territorium stationierten US-Soldaten
übernehmen, unter anderem für Treibstoff, Wasser,
Transport sowie andere Kosten.
Senegal

chen Schritte unternehmen, um die Bestimmungen
der Resolution einzuhalten", die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak fordern.
Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Führt die UNO-Resolutionen 661 und 665
ebenso durch wie das Wirtschafts- und Finanzembargo gegenüber dem Irak.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

Gewährt seine "vorbehaltlose Zustimmung" zu den
Maßnahmen, die Saudi-Arabien und andere Golfstaaten zum Schutz ihrer Sicherheit gegen eine mögliche
irakische Aggression unternommen haben. Plant die
Entsendung von Truppen nach Saudi-Arabien.

Taiwan

Simbabwe

Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen.

Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft, unter anderem das Sechsjahresabkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Abkommen über kulturelle, technische
und bildungspolitische Zusammenarbeit. Die Maßnahmen bleiben in Kraft bis sich der Irak aus Kuwait
zurückzieht.
Singapur
Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak und
aus Kuwait. Allen Banken und Finanzinstitutionen wird
der Transfer irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte ohne vorherige Zustimmung der Finanzbehörden in Singapur verboten. Transaktionen der legitimen
Eigentümer kuwaitischer Vermögenswerte, die bestimmte Kriterien erfüllen, sind erlaubt. Die Reeder in
Singapur wurden instruiert, sich an die UNO-Sanktionen zu halten. Die Hafenbehörde von Singapur sperrt
alle Schiffe unter irakischer Flagge aus.

Spricht sich für die Unterstützung der UNO-Sanktionen gegen den Irak aus, Ölembargo.
Tansania

Togo
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die
UNO-Resolutionen 660, 661 und 662.

Tunesien
Fordert den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Uruguay
Präsident LaCalle verhängt ein Dekret zur Durchführung der UNO-Sanktionen gegen den Irak. "Kompetente Behörden" werden instruiert, die effektive Durchführung der Sanktionen zu gewährleisten.

Sri Lanka

Vereinigte Arabische Emirate

In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen hat die Regierung Sri Lankas betont, sie sei
sich "ihrer Verpflichtungen gemäß der Charta der
Vereinten Nationen bewußt und wird alle erforderli-

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren den US-

AMERIKA DIENST 38

Seite 9

�Truppen Zugang zu militärischen Einrichtungen. Ver- Venezuela
hindern das Anlegen eines irakischen Tankers im
Hafen von Dubai, um die UNO-Sanktionen gegen den Wird die UNO-Sanktionen gegen den Irak unterstützen. Plant die Steigerung der ölförderung um 400Irak zu unterstützen.
500 000 Barrel pro Tag, wobei Konsultationen mit den
OPEC-Staaten stattfinden.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und forciert
den Abzug der Invasionatruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UNO-Sanktionen gegen den Irak.

* *

Seite 10

AMERIKA DIENST 38

�NATO
26. September 1990

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO
BRÜSSEL- (AD) - Im Rahmen der Konferenz "Atlantische Sicherheit: Die NATO im Umbruch" hielt der Ständige
Vertreter beim Nordatlantikrat, Botschafter William Taft, am 20. September 1990 eine Rede über die Aufgaben
der NATO in einer sich verändernden Welt und legte in diesem Zusammenhang die Bedingungen einer neuen
Sicherheitsstruktur für Europa dar. Die Konferenz wurde unter anderem veranstaltet von der US-Vertretung bei
der NATO, dem Stabschef des Heeres und dem Institut für Nationale Strategische Studien an der National
Defense University.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Tafts Rede im Wortlaut.

Gemeinsam mit Generalsekretär Wörner möchte ich
Sie zur sechsten Jahrestagung der Institute für Strategische Studien willkommen hei ßen, die unter anderem
von der US-Vertretung bei der NATO veranstaltet wird.
Darüber hinaus freue ich mich, daß auch das Büro des
Stabschefs der US-Army und das Institut für Nationale
Strategische Studien an der National Defense University beteiligt sind.
Im vergangenen Jahr hat die NATO voller Hoffnung für
die Zukunft ihr 40jähriges Bestehen gefeiert. Diese
Hoffnungen sind heute weitgehend verwirklicht, auch
wenn wir immer wieder Feuerproben bestehen müssen. Wir haben einen Entwicklungsprozeß durchlaufen. Tatsächlich hat ein Umbruch stattgefunden. Aber
diese Umstrukturierung ist noch nicht beendet. Wir
begrüßen Ihre Beteiligung und Ihren Beitrag bei der
Weiterentwicklung einer Institution, die sich zum Ziel
gesetzt hat, "die Freiheit, das gemeinsame Erbe und
die Zivilisation" unserer Völker zu schützen.
Eindrücke der letzten Jahrzehnte
Heute und morgen sollten wir über die Zukunft sprechen, wie sich die Architektur in Europa darstellen wird
und auf welche Weise sich bestehende und neue
Institutionen an die neuen Zeiten anpassen müssen.
Es könnte dabei von Nutzen sein, sich einige Bilder aus
der Vergangenheit ins Gedächtnis zurückzurufen. Ich
möchte Ihnen einige vor Augen führen, die mir gerade
einfallen.

AMERIKA DIENST 38

Als erstes Bild steht mir Polen im Sommer 1980 vor
Augen. Nach der Entscheidung der Regierung, die
Fleischpreise zu erhöhen, kommt es zu Streiks. Arbeiter in Gdansk und anderen Städten fordern Lohnerhöhungen. Noch vor Ende des Sommers wird Lech
Walesa zum Führer eines Streikkomitees gewählt. Die
Solidarität ist geboren.
Ich erinnere mich auch an ein anderes Bild. Der
gesundheitlich angeschlagene Breschnew, dem Andropow, Tschernenko und 1985 Gorbatschow folgen ein Mann, mit dem wir, wie Margaret Thatcher gesagt
hat, ins Geschäft kommen können.
Das nächste Bild aus meinem Gedächtnis zeigt Washington im Dezember 1987. Reagan und Gorbatschow unterzeichnen den INF-Vertrag - den ersten
Vertrag zwischen Supermächten, mit dem eine ganze
Waffenkategorie beseitigt wird.
Ein Jahr später, im Dezember 1988, schlägt die NATO
eine 50prozentige Reduzierung von Panzern und Artillerie in Europa vor. Gorbatschow spricht bei den
Vereinten Nationen und kündigt den einseitigen Abzug
von 50 000 Soldaten aus Osteuropa an.
Im Mai 1989 feiern westliche Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel das 40jährige Bestehen der
NATO und fordern ein Ende der Teilung Europas.
Kurz darauf wird die Geschichte gewaltig beschleunigt, nachdem sich Tausende von DDR-Bürgern, von
Seite 1

�mehr als einem ungewöhnlich warmen September
getrieben, zu einer Verlängerung ihres Urlaubs in
Ungarn entschließen.

Im Dezember 1989 steht Schewardnadse auf der
Schwelle des NATO-Hauptquartiers und verurteilt den
kommunistischen Machthaber Rumäniens für die brutale
Unterdrückung seines Volkes.

aber nicht nur das. Es besteht die Notwendigkeit zu
handeln, um die Situation zu nutzen, die sich uns auf
so dramatische Weise stellt. Und unser Denken, wie
gründlich es auch sein mag, muß sich den Ereignissen
anpassen und berücksichtigen, ob sich eine bestimmte Politik bewährt oder nicht. Im vergangenen Jahr hat
sich angesichts des schnellen Laufs der Geschichte
ein flexibler, pragmatischer Ansatz bewährt, und das
wird auch weiterhin der Fall sein. Wir sollten also bei
allem Nachdenken flexibel bleiben.

Im Frühjahr 1990 kommen die NATO-Verteidigungsminister in Kananaskis überein, daß die Bedrohung
geringer geworden ist und entschließen sich zu einer
Überprüfung der Nuklearpolitik. Bald darauf vereinbaren sie in Brüssel eine Überprüfung der Militärstrategie
und kommen zu dem Schluß, daß die Einsatzbereitschaft verringert werden kann. Beim Außenministertreffen in Turnberry im Juni wird den Mitgliedstaaten
des Warschauer Pakts eine symbolische Hand der
Freundschaft ausgestreckt.

Die Hauptmerkmale unseres Ansatzes für die neue
atlantische Architektur hat Außenminister Baker im
Dezember letzten Jahres in Berlin dargelegt, und sie
finden sich auch im Kommunique des NATO-Ministertreffens wieder, das zur gleichen Zeit stattfand. Wir
betrachten die NATO, die Europäische Gemeinschaft
und die KSZE als wichtigste Institutionen für eine neue
Ordnung auf dem Kontinent, wobei die NATO eine
politischere Ausrichtung haben und die KSZE stärker
institutionalisiert werden soll.

November 1989 - die Berliner Mauer fällt. Das Ende
der Teilung Europas ist in Sicht.

Im Juli 1990 treffen sich die Staats- und Regierungschefs in London. In einer weitreichenden Erklärung
laden sie die Länder Osteuropas und die Sowjetunion
zur Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen
mit der NATO ein. Das Bündnis gelobt, den in Europa
40 Jahre lang genossenen Frieden zu einer Partnerschaft mit früheren Gegnern ausbauen zu wollen. Die
Antwort kommt schnell und fällt positiv aus. Die
Sowjetunion stimmt der Mitgliedschaft eines vereinten
Deutschlands in einer neuen NATO zu.
Am 2. August fällt Saddam Hussein in Kuwait ein. Am
nächsten Tag verurteilt die NATO die Invasion und
nimmt intensive politische Konsultationen auf, die den
ganzen Tag dauern.
Am 12. September unterzeichnen die beiden deutschen Staaten und die Alliierten des Zweiten Weltkriegs einen Vertrag, der die Souveränität eines vereinten Deutschlands wiederherstellt.
Die Umgestaltung der NATO ist im Augenblick unserer
Zusammenkunft bei dieser Konferenz in vollem Gange. Zur gleichen Zeit im letzten Jahr haben wir den
ersten osteuropäischen Teilnehmer bei unserer Jahrestagung begrüßt. In diesem Jahr freuen wir uns,
Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus der
Sowjetunion, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien
und der Tschechoslowakei - und einen Teilnehmer,
der immer noch einen DDR-Pass besitzt - begrü ßen zu
können.
Ein Aktionsplan
Ich habe uns diese Bilder nicht nur vor Augen geführt,
um uns an den schnellen Lauf der Geschichte zu
erinnern, sondern um uns die Möglichkeiten zu vergegenwärtigen, die vor uns liegen. Dies ist eine Zeit, um
besonnene Überlegungen für die Zukunft anzustellen,

Seite 2

Die vom Außenminister geforderte neue, politischere
NATO hat sich in den vergangenen neun Monaten
rasch zu der ganz anderen Institution von heute entwickelt. Sie bleibt grundlegendes Sicherheitsforum für
Nordamerika und Europa, aber auch wenn sie ihren
Mitgliedstaaten in einer immer noch unsicheren Welt
weiterhin kollektive Sicherheit bietet, wird sie doch
zunehmend zum wichtigsten Ort sicherheitspolitischer
Diskussionen zwischen Ost und West.
Auch die EG und die KSZE entwickeln sich weiter,
obwohl ich glaube, mit Fug und Recht sagen zu
können, in weniger dramatischem Tempo als die NATO.
Die Aufgaben, mit denen sich die EG im Hinblick auf
ihre Struktur konfrontiert sieht, sind extrem vielschichtig, und ihre Lösung wird noch einige Zeit beanspruchen.
Diese internen Probleme müssen gelöst werden, bevor
eine weitergehende Definition für das Verhältnis der
EG zum übrigen Europa gefunden werden kann. Dies
kam zumindest teilweise darin zum Ausdruck, daß die
Aufnahme neuer Mitglieder zunächst vertagt wurde.
Wie ich bereits feststellte, unterstützen die Vereinigten

Staaten seit langem und weiterhin einen stärkeren
wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluß
Europas. Darüber hinaus unterstützen sie auch eine
sicherheitspolitische Rolle der EG. Insbesondere fördern wir eine sicherheitspolitische Perspektive, die
nach au ßen gerichtet ist und nicht nur Europa, sondern
auch dessen NATO-Partner umfaßt.
Die NATO hat in Europa die Praxis entwickelt und
gepflegt, eine kontinentale Perspektive in die Sicherheitspolitik einzubringen. Im weiteren Verlauf hat sie
darüber hinaus einen nicht unbedeutenden Beitrag zur
Verwirklichung eines vereinten Europas geleistet, wie
es die EG darstellt. In diesem Sinn war die NATO stets

AMERIKA DIENST 38

�eine Ergänzung und kein Konkurrent der EG - und
meines Erachtens wird dieser ergänzende Charakter
auch in Zukunft bestehen bleiben.
Ich möchte die präzise Rolle der EG zu diesem Zeitpunkt nicht definieren - ich möchte hier überhaupt
nichts präjudizieren, sondern nur anregen und prüfen-, aber im Hinblick auf die EG gibt es den weiteren
Grund, daß solche Angelegenheiten besser den Europäern selbst überlassen werden sollten. Ich würde
jedoch eine Evolution der EG im sicherheitspolitischen
Bereich begrüßen, da Europa seine militärische Identität innerhalb des Bündnisses weiterentwickelt.
Auf der anderen Seite verdient die KSZE ein paar
Worte mehr. Die Artikel 21 und 22 der Londoner
Erklärung haben eine ehrgeizige Rolle für die KSZE
definiert, einschließlich jährlicher Treffen der Staatsund Regierungschefs, eines ständigen Sekretariats,
eines Mechanismus' zur Beobachtung von Wahlen,
der Einrichtung eines Zentrums zur Konfliktverhinderung und eines parlamentarischen Gremiums.
Die Vereinigten Staaten stehen voll und ganz hinter
diesem Ansatz zur Stärkung einer Institution. Diese
kann weiterhin die sicherheitspolitische Rolle der NATO
ergänzen, indem sie Mittel und Wege zur Förderung
von Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Unterzeichnern der KSZE-Schlußakte bereitstellen kann.
Darüber hinaus kann sie die Prinzipien der Schlußakte
in die Praxis umsetzen, da wir die vergangene politische Teilung Europas überwinden.
Ausblick in die Zukunft
Wir haben Sie natürlich hierher eingeladen, um nach
vorne zu blicken, nicht zurück. Was den Blick in die
Zukunft angeht, so bin ich optimistisch für Europa und
die Welt.
Selbst angesichts der Herausforderung für den Westen am Golf, wer kann sich an einen solch hoffnungsvollen Augenblick erinnern? An eine Zeit, in der die
Institutionen, die für Stabilität in der Welt sorgen,
zielbewußter und effizienter zusammengearbeitet hätten:
UNO, NATO, EG und WEU. Dies ist auch eine Zeit, in
der Europa bald ungeteilt und frei sein wird.
Unser Erfolg bei der Schaffung einer dauerhaften,
stabilen weltweiten Sicherheitsstruktur wird nur von
unserer Vorstellungskraft begrenzt. Um uns dabei zu
helfen, die Angewohnheiten der Vergangenheit und
bürokratische Trägheit abzustreifen, laden wir Sie
dazu ein, diese Phantasie hier bei dieser Konferenz mit
einem Plan für die Zukunft anzuregen.
Dieser Plan sollte meines Erachtens folgende Elemente umfassen:
Eine stärkere europäische Rolle in der Sicherheitspolitik;

AMERIKA DIENST 38

aktive, auf Konsultation gegründete Beziehungen mit den Staaten Osteuropas;
regelmäßige Konsultationen mit den anderen
demokratischen Industriestaaten, einschließlich
Japans;
die Entwicklung eines Konsenses über die
Behandlung von Bedrohungen außerhalb des
Bündnisgebiets;
verbesserte Zusammenarbeit bei militärischer
Forschung, Entwicklung und Beschaffung;
Verbesserung des Krisenmanagements der
NATO.
Obwohl es mir zeitlich nicht gestattet ist, auf diese
Elemente im einzelnen einzugehen, bin ich zuversichtlich, daß Sie sie während Ihrer Gespräche nicht außer
acht lassen werden. Ich möchte gleichwohl zwei
dieser Bereiche kurz erörtern.
Erstens, Konsultationen mit den Ländern Osteuropas.
Seit dem Londoner Gipfel hat das Bündnis zur Förderung der Verpflichtung, normale diplomatische Verbindungen zu diesen Staaten herzustellen, mehrmals
osteuropäische Vertreter ins NATO-Hauptquartier
eingeladen. Darüber hinaus hat die amerikanische
Vertretung zu verschiedenen Anlässen Informationsgespräche angeboten, und dasselbe trifft auch auf
andere Missionen zu. Wir erwarten, daß die NATO in
Zukunft ihre Kontakte ausweiten wird, obwohl wir zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher sind, wie weit
und wie schnell dies gehen wird. Das wird teilweise
von unseren Gesprächspartnern abhängen.
Ich hoffe jedoch, daß wir zumindest weit über den
Gedanken hinausgehen, diese neuen Freunde lediglich über die wichtigsten Entwicklungen auf dem laufenden zu halten. Diese Verbindungen dienen sicherlich einem weitergehenden Zweck - in Kontakt zu
bleiben, bevor wichtige Schritte unternommen werden
und aus Konsultationen mit unseren Gesprächspartnern Nutzen zu ziehen, bevor Entscheidungen gefällt
werden.
Das erscheint mit jedenfalls als Zweck solcher Verbindungen - die Entwicklung eines echten Dialogs über
europäische Sicherheitsfragen, die uns ebenso sehr
angehen wie die Staaten, mit denen wir nun kooperieren möchten, anstatt gegeneinander zu arbeiten. In
diesem Geist möchte ich erklären, wie sehr wir die
Beiträge der hier anwesenden osteuropäischen und
sowjetischen Teilnehmer begrüßen. Ihre Beteiligung
wird uns helfen, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen.
Ich möchte darüber hinaus kurz auf die Konsultationen
mit anderen Nicht-NATO-Staaten eingehen. Wie Sie
wissen, haben die US-Mission und die NATO dieses

Seite 3

�Frühjahr eine große japanische Delegation zu einer
Konferenz über weltweite Sicherheitsfragen eingeladen. Es war die erste Veranstaltung ihrer Art. Es mag
ein Klischee sein, von einer kleiner werdenden Welt zu
sprechen, aber die Ereignisse am Golf erinnern uns
heute daran, daß wir global betrachtet verletzlich sind
und daß wir weltweite Pflichten haben.
Im Zuge der Umstrukturierung der NATO erscheint es
mir notwendig, daß ihre Vision über die traditionelle
Rolle hinaus erweitert werden muß. Wir müssen über
den Atlantik hinausgehen, um die gewonnene und
bewahrte Freiheit aufrechtzuerhalten. Wir sollten Japan
und andere demokratische Industriestaaten in unsere
Diskussionen über die Weltsicherheit einbinden. Deshalb
begrüße ich die japanische Vertretung bei dieser
Konferenz.
Schluß
Abschließend möchte ich sagen, daß wir eine Sicherheitsstruktur in Europa anstreben, die Probleme bei
ihrer Entstehung lösen kann, bevor sie sich zu Krisen
entwickeln. Wir streben Freiheit in Stabilität an. Und
was wir für diese Stabilität benötigen, ist eine veränderte NATO, wie sie sich nun entwickeln muß, eine

*

Seite 4

*

gestärkte und umfassend integrierte EG sowie einen
KSZE-Prozeß, der selbst die seit Helsinki erzielten
beträchtlichen Errungenschaften übertrifft.
Ich habe vorgeschlagen, wir sollten uns nicht zu ausführlich mit der Definition von Grenzen und Funktionen
zwischen diesen Institutionen beschäftigen, die in diesen
neuen Zeiten noch vielfach unerprobt sind. Wir können die Freiheit nicht dadurch gewährleisten, daß wir
unseren Horizont beschränken. Ebenso wenig können wir die Stabilität garantieren, indem wir starre
Formen anordnen. Stattdessen streben wir eine reiche, locker miteinander verbundene und dynamische
Beziehung zwischen diesen Institutionen an - ein System,
das Erschütterungen abfedern kann.
Wir sollten mit dem gelegentlichen Ausfall einer Komponente, die sich einer bestimmten Aufgabe widmet,
rechnen und gleichzeitig die Integrität des Ganzen
gewährleisten. Mit Logik können wir nur einen Anfang
machen, das Ziel werden wir durch Erfahrung erreichen.
Alle Ihre Beiträge - planerische Modifikationen, strukturelle Verbesserungen, erweiterte Funktionen - sind
willkommen und werden sorgfältig geprüft werden.

*

*

AMERIKA DIENST 38

�I W F/ W E LT BANK
26. September 1990

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG DER
SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim Gemeinsamen
Entwicklungsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Finanzminister Nicholas Brady zufolge werden die Vereinigten Staaten
zusätzliche Optionen prüfen, um die Schuldenlast der Entwicklungsländer zu lindern, "einschließlich der
jüngsten Vorschläge über Hilfe für die ärmsten Länder".
In einer Rede - die der Unterabteilungsleiter im Finanzministerium, John Niehuss, am 24. September 1990 in
Bradys Namen beim Gemeinsamen Entwicklungsausschuß des Internationalen Währungsfonds und der
Weltbank hielt - forderte Brady unter anderem Brasilien auf, "seine Zahlungsrückstände bei den Geschäftsbanken zu bewältigen und ein IWF-Programm zu verabschieden", um "eine solide Grundlage für Verhandlungen mit
den Gläubigerbanken zu schaffen".
Der Finanzminister forderte die Weltbank auf, eine aktivere Rolle bei der Entwicklung des Privatsektors zu
übernehmen. Er appellierte ferner an Sie, neue Programme zum besseren Schutz der tropischen Regenwälder
zu entwickeln.

Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.

Einführung
Beim Frühjahrstreffen des Entwicklungsausschusses
habe ich vorgeschlagen, daß der Ausschuß bei dieser
Tagung das Problem der Förderung des Privatsektors
anspricht, weil dieser Frage im Prozeß der Gesamtentwicklung entscheidende Bedeutung zukommt. Ich
danke dem Vorsitzenden und den Mitgliedern für ihre
Bereitschaft zur Erörterung dieses Themas. Ich möchte
diese Gelegenheit ergreifen, um die Auffassung der
Vereinigten Staaten darzulegen, welche Rolle die
Weltbankgruppe und der IWF zu Beginn der neunziger
Jahre bei der Förderung des Privatsektors spielen
können. In diesem Zusammenhang möchte ich auch
den Stand der verbesserten Schuldenstrategie und
Umweltprobleme ansprechen.
Privatsektor
Ich denke, wir sind uns einig, daß der Privatsektor eine
entscheidende Rolle im Prozeß der Entwicklung spielen muß. Wir stimmen wohl auch überein, daß wir die
Rolle der Weltbankgruppe stärken müssen, wenn es

AMERIKA DIENST 38

darum geht, den Privatsektor in Entwicklungsländern
zu fördern. Tatsächlich fordert das im Frühjar 1990
veröffentliche Kommunique "die Weltbankgruppe und
den Fonds auf, ihre Bestrebungen zur Förderung der
Entwicklung des Privatsektors weiter auszubauen".
Das Kommunique verweist ferner darauf, daß "Mitglieder die Bank beauftragten, bei ihrer Vorgehensweise der Entwicklung des Privatsektors hohe Priorität
einzuräumen, den Umfang ihrer Maßnahmen in diesem Bereich zu erweitern, und sich dabei gegebenenfalls neuer Ansätze und Instrumente zu bedienen..."
Wir wünschen uns, daß Weltbank und IWF diesem
Mandat ernsthaft und schnell entsprechen. Wir unterstützen nach wie vor die Arbeit beider Institutionen,
wünschen uns aber eine stärkere Förderung der Entwicklung des Privatsektors.
Die Aufgabe des IWF besteht darin, einen Grundstein
zu legen, indem er einzelnen Ländern hilft, ein solides
makroökonomisches Umfeld zu schaffen, in dem die
marktorientierte Entwicklung des Privatsektors gefördert und nicht durch unangemessene staatliche Politik
vereitelt wird.
Seite 1

�Im Einklang mit dem in diesem Kommunique festgelegten Mandat für die Weltbank würde ich es begrüßen, wenn die Entwicklung des Privatsektors in den
neunziger Jahren Vorrang bei der Arbeit der Weltbank
hätte. Dieser Schwerpunkt würde die Impulse aus
Osteuropa, Lateinamerika und anderen Ländern aufgreifen, als effektivstes Mittel zur Gewährleistung wirtschaftlichen Wohlstands Volkswirtschaften zu öffnen
und privates Unternehmertum zu fördern. Das Papier
des Entwicklungsausschusses zum Privatsektor stellt
die Frage, ob die Weltbankgruppe in den Bereichen
eine aktive Role bei der Förderung des Privatsektors
spielen sollte, in denen der Staat dominiert. Diese
Frage kann mit einem klaren Ja beantwortet werden.
Dennoch müssen wir mehr tun als nur die Bedeutung
des Privatsektors anzuerkennen. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, daß die Weltbankgruppe bei der Förderung des Privatsektors einen
umfassenden und schlüssigen Ansatz verfolgt. Darüber hinaus muß es eine eindeutige Leitung geben, die
den innerhalb der Weltbankgruppe vorhandenen umfangreichen und ergiebigen Schatz der Ressourcen
und Instrumente koordiniert und sichtbar macht. Die
Bank könnte unter anderem folgende Maßnahmen
ergreifen, um dem Privatsektor größere Priorität einzuräumen und innerhalb ihrer Organisation die Vorgehensweise zu verbessern:
Sie könnte den Aktionsplan zur Entwicklung des
Privatsektors bestätigen und energischere
Schritte zu seiner Durchführung ergreifen, so
daß die Belange des Privatsektors in allen Bereichen der Weltbank berücksichtigt werden.
Sie könnte die Auswirkungen der bestehenden
Aktivitäten der Bank auf dem Privatsektor durch
bessere Koordination von Programmen der Internationalen Finanz-Korporation (IFC), der
Multilateralen
Investitionsgarantie-Agentur
(MIGA), des Beratungsdienstes für Auslandsinvestitionen (FIAS) und eigener Kreditvergabeaktivitäten der Bank maximieren.
Stärkere Betonung des Privatsektors bei den
Forschungsarbeiten sowie der makroökonomischen und sektoralen Tätigkeit der Bank.
Stärkung und Beschleunigung von Programmen, einschließlich einer stärkeren Betonung
von Krediten für den Investitionssektor, mit denen
Hemmnisse abgebaut und ein Klima geschaffen
wird, das privaten Investitionen im In- und Ausland
förderlich ist. Damit würde Präsident Bushs
Initiative "Enterprise for the Americas" sowie
die von der Interamerikanischen Entwicklungsbank im Bereich Investitionsreformen geleistete
Arbeit ergänzt.
Verbesserung von Effizienz und internationaler
Wettbewerbsfähigkeit der Finanzsektoren und

Seite 2

Kapitalmärkte der Entwicklungsländer, um im
Inland angelegte Ersparnisse wirksamer zu
mobilisieren und für internationale Anlagen attraktiv zu werden, die zur Finanzierung von
Investitionen und Wachstum des Privatsektors
erforderlich sind.
Überprüfung des Humankapitals der Bank, um
einen qualifizierten Mitarbeiterstab mit solider
Erfahrung im Privatsektor und wirtschaftlichen
Fachkenntnissen aufzubauen.
Verstärkte Konzentration auf Maßnahmen des
Privatsektors in den länderspezifischen Kreditvergabestrategien der Bank. Es muß sichergestellt werden, daß bei Gesprächen des zuständigen Ausschusses die Entwicklung des Privatsektors angemessen berücksichtigt wird, und
zwar systematisch über die ganze Bandbreite
der Programme der Weltbankgruppe.
Schritte, mit denen sichergestellt wird, daß die
Kreditvergabe der Bank die Entwicklung privater Märkte nicht durch subventionierte Kredite
oder eine Verfestigung nicht konkurrenzfähiger
öffentlicher Unternehmen untergräbt.
Förderung der Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einstellung der Unterstützung für
Industrien im Staatsbesitz in Bereichen, in denen
der Privatsektor solche Dienste erfüllen kann.
Die IFC sollte in diesem Bereich eine aktivere
Rolle spielen. (Die Kreditvergabe der Bank ist
häufig dazu benutzt worden, die Effizienz staatlicher Unternehmen zu verbessern, ohne den
letzten Schritt einer Überleitung dieser Unternehmen in private Hände zu tun.)
Überprüfung der Kreditvergabe der Bank an
Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen (DFIs),
wobei eine stärkere Beteiligung der IFC berücksichtigt werden muß.
Berücksichtigung der Interessen des Privatsektors bei Weltbankmissionen durch verstärkte
Kontakte der Weltbankmitarbeiter.
Fortsetzung der bereits angelaufenen Gespräche über den Schwerpunkt der IFC-Maßnahmen und ihren Kapitalbedarf in den neunziger
Jahren.
Dies sind nur einige Vorschläge. Ich fordere die Bank
und den Fonds auf, jetzt in diesem Bereich zu handeln.
Schulden
Darüber hinaus sind starke Privatsektoren, attraktive
Investitionsregelungen und die Rückkehr privaten
Fluchtkapitals unerläßlich, damit die Entwicklungsländer ihre Schuldenlast bewältigen können. Wir sind
erfreut über die Fortschritte, die im Rahmen der inter-

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�nationalen Schuldenstrategie erzielt wurden und plädieren dafür, sie weiterzuverfolgen.
Im vergangenen Jahr haben sechs Länder ihre Reformbemühungen intensiviert und im Rahmen der
verbesserten Schuldenstrategie Abkommen mit den
Handelsbanken geschlossen. Mehrere andere Länder
- darunter Bolivien, Ecuador, Polen und Uruguay haben Gespräche mit den Handelsbanken aufgenommen. Wir ermutigen sie zum baldigen Abschluß von
Vereinbarungen. Die Maßnahmen Brasiliens zur
Bewältigung seiner Zahlungsrückstände bei den Handelsbanken und zur Verabschiedung eines IWF-Programms werden ebenfalls eine solide Grundlage für
Verhandlungen mit den Gläubigerbanken schaffen.
Die Kombination von Reduzierung der Schulden bei
den Handelsbanken und wichtigen Wirtschafts- und
Investitionsreformen haben in mehreren Ländern zu
beachtlichen Ergebnissen geführt. Mexiko, Chile und
Venezuela ernten bereits die Früchte in Form neuer
Investitionszuflüsse.
Darüber hinaus tragen wir den Bedürfnissen von Staaten Rechnung, die hauptsächlich bei staatlichen Gläubigern verschuldet sind. Die amerikanische Initiative
"Enterprise for the Americas" wird einen drastischen
Abbau von Schulden derjenigen lateinamerikanischen
und karibischen Länder gegenüber den Vereinigten
Staaten zur Folge haben, die einschneidende Wirtschafts- und Investitionsreformen einleiten. Die Initiative wird ferner die Erweiterung des Handels ermutigen
und den Schutz der Umwelt unterstützen. Ebenso begrü ßen wir die jüngste Vereinbarung des Pariser Clubs
über die Verlängerung von Fälligkeiten und Umschuldungsaktionen für hochverschuldete Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen. Wir engagieren uns
darüber hinaus für die Untersuchung weiterer Optionen zur Bewältigung der Schuldenlast, einschließlich
jüngster Vorschläge zur Hilfe an die ärmsten Staaten.
Zahlungsrückstände bei den multilateralen Entwicklungsbanken
Wir danken der Weltbank sowie der Afrikanischen,
Asiatischen und Interamerikanischen Entwicklungsbank für das Papier über Maßnahmen und Verfahren
zur Behandlung von Zahlungsrückständen bei den
multilateralen Entwicklungsbanken. Die Vereinigten
Staaten haben einige Vorschläge zur Verbesserung
von Maßnahmen der Weltbank im Hinblick auf die
Zahlungsrückstände unterbreitet und hoffen, daß diese Angelegenheit weiterverfolgt wird.
Umwelt
Zum Thema Umwelt beglückwünschen wir den Bankvorstand zum ersten Jahresbericht über die Umwelt.
Dieser Bericht ist umfassend. Er belegt eindeutig, daß
die Bank in einer zunehmenden Zahl von Bereichen
Fortschritte erzielt hat und bei der Bewältigung von
Umweltproblemen immer aktiver und effektiver wird.
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Über die Durchführung von Analyseverfahren zur
Schadwirkung von Stoffen sowie die Aufstockung an
Personal und intensivierte Ausbildung zur Bearbeitung
von Umweltfragen sind wir besonders erfreut.
Wir würden es begrüßen, wenn die Bank bei der
Erarbeitung neuer Programme zum besseren Schutz
der tropischen Regenwälder eine wesentlich aktivere
und innovativere Rolle spielen würde:
bei der Reform und Verbesserung der Aktionsplans zu tropischen Regenwäldern,
bei der Überarbeitung ihrer eigenen Maßnahmen, so daß Erhaltung und Gründung von Institutionen größere Aufmerksamkeit gewidmet wird,
bei der Entwicklung von Normen zur Bewertung
von Projekten, die negative Auswirkungen auf
tropische Regenwälder haben könnten,
bei der unverzüglichen Erarbeitung eines umfassenden Pilotporgramms in Brasilien, und
bei häufigerem Schuldennachlaß als Ausgleich
für die Erhaltung tropischer Regenwälder.
Ferner vertreten wir die Auffassung, daß die Bank
Energiesparprogrammen im kommenden Jahr höhere
Priorität einräumen sollte. Neues Personal mit besonderer Erfahrung und Fachwissen in diesem Bereich
sollte eingestellt werden. Das Verwaltungsprogramm
für den Energiesektor sollte im Hinblick auf eine Betonung der Minimalkostenplanung in den Schuldnerländern und umfassendere Anwendung erneuerbarer
Ressourcen neu belebt und verbessert werden. Diese
Aktivitäten sollten sich entschieden wirksamer in den
Darlehensprogrammen der Bank niederschlagen.
Es herrscht weitgehende Übereinstimmung über die
Notwendigkeit, beim Schutz von Wäldern und der
Förderung von Energiesparmaßnahmen raschere
Fortschritte zu erzielen. Beim Wirtschaftsgipfel in
Houston maßen die Staats- und Regierungschefs diesen
Bereichen hohe Priorität bei. Wir fordern die Bank auf,
einen Bericht über ihre Fortschritte in diesen zwei
Bereichen zu erarbeiten und ihn bei unserer
Frühjahrstagung zur Disposition zu stellen.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich meinen Appell an die Weltbankgruppe und den IWF wiederholen, ihre Bemühungen auf dem Privatsektor zu intensivieren und den
Privatsektor zum Schlüsselthema der neunziger Jahre
zu machen. Die Bank hat mit ihrem Aktionsplan zur
Entwicklung des Privatsektors einen Anfang gemacht,
aber es muß noch mehr getan werden, um sicherzustellen, daß das Ziel der Entwicklung des Privatsektors
systematisch und automatisch in alle Bankaktivitäten
integriert wird. Hiermit habe ich einige Bereiche angesprochen, denen die Bank vermehrte Aufmerksamkeit
widmen könnte. Ich hoffe, dieser Ausschuß, die Bank
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�und der Fonds werden andere spezifische und innovative Wege aufzeigen, um die Entwicklungsbestrebungen der Weltbankgruppe für den Privatsektor zu verbessern.

Zum Thema Umwelt beglückwünsche ich die Bank zu
der von ihr bisher geleisteten Arbeit und fordere sie auf,
mehr zu tun, insbesondere in den Bereichen Schutz
der tropischen Regenwälder und Energieeinsparung.

Im Hinblick auf die Schuldenprobleme müssen wir
weiterhin zusammenarbeiten, um die Schuldenlast der
Entwicklungsländer weiter zu reduzieren.

* * * * *

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�OSTEU ROPA
26. September 1990

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand
Die US-Regierung hat zur Förderung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa
beispiellose Initiativen für den öffentlichen und den Privatsektor ins Leben gerufen. Die nachfolgend veröffentlichte neueste Ausgabe der Reihe "Focus on Central and Eastern Europe", die über den neuesten Stand dieser
Initiativen berichtet, wurde am 7. September 1990 vom US-Außenministerium herausgegeben.

Bulgarien
Rechtsstaatlichkeit

Ein Seminar für Führungskräfte

Am 1. August 1990 trafen sich fünfzig Juristen, Mitglieder der internationalen Vereinigung für Menschenrechtsgesetzgebung, zu Gesprächen über amerikanische Hilfe bei der Erarbeitung rechtsstaatlicher Grundlagen für Mittel- und Osteuropa. Den Vorsitz dieser
Gespräche führten der Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, Richard
Schifter, und der Stellvertretende Leiter des US-Informationsamtes (USIA), Walter Raymond. Beide Vorsitzende betonten die Notwendigkeit zur Förderung
besonderer Bedürfnisse der Länder Mittel- und Osteuropas. Darüber hinaus wiesen sie darauf hin, daß
Verfassungsgesetze, Strafrecht und Verwaltungsrecht
vorrangig bearbeitet werden sollten.

Die USIA-Außenstelle in Sofia und das bulgarische
Ministerium für au ßenwirtschaftliche Zusammenarbeit
veranstalteten vom 28. Mai bis 8. Juni 1990 ein Seminar für Führungskräfte, an dem vier Wirtschaftsexperten aus den Vereinigten Staaten und 35 Vertreter aus
der bulgarischen Industrie teilnahmen.

Journalisten untersuchen die amerikanische freie
Presse
Fünfzehn Journalisten aus Mittel- und Osteuropa haben
an einem von USIA und den amerikanischen Zeitschriftenverlegern geförderten Austauschprogramm
teilgenommen. Sie haben ein zehnwöchiges Praktikum in den Zeitschriftenredaktionen der führenden
Verlagshäuser in New York absolviert, wo sie die
Arbeit der amerikanischen freien Presse aus erster
Hand kennenlernen konnten. Zum Abschluß ihres
Programms trafen die Journalisten in Washington den
Direktor von USIA, Bruce Gelb, und hochrangige
Vertreter von National Endowment for Democracy,
U.S. News and World Report und National Geographie.

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Ungarn
Ungarische Parlamentarier besuchen die Vereinigten
Staaten
Sechs ungarische Parlamentarier besuchten im August mit einem USIA-Stipendium die Vereinigten Staaten, um dort etwas über Kommunalverwaltungen zu
lernen. USIA-Vertreter informierten die Gruppe über
die Bedeutung, die der Stärkung der Kommunalverwaltung in Mittel- und Osteuropa von der US-Regierung beigemessen wird. Die USIA-Vertreter verwiesen auf den Wunsch der US-Regierung, in Ungarn das
Gegenstück zu dem bereits in Polen mit dem Minister
für die Reform der Kommunalverwaltungen Jerzy
Regulski ins Leben gerufenen Programm zu schaffen.
Polen
Ausbildung von Angestellten im Dienstleistungsbereich
Die polnische Regierung prognostiziert, daß 10 Prozent der Arbeitnehmer bis Ende des Jahres 1990
arbeitslos sein werden. Um den Polen bei der Bewäl-

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�tigung ihrer zahlreichen Probleme im Zusammenhang
mit der Arbeitslosigkeit zu helfen, veranstaltet das USArbeitsministerium ein Ausbildungsprogramm auf freiwilliger Basis für künftige Berater. Es wird in erster
Linie solche Berater ausbilden, die Arbeitslosen als
Anlauf-und Informationsstelle dienen. Zu den Teilnehmern werden Mitglieder der Gewerkschaft Solidarität,
Beamte der Arbeitsämter und ehrenamtliche Helfer
der Kirchen zählen. Ihre Ausbildung wird Probleme
betreffen wie finanzielle Schwierigkeiten, Lebensmittelknappheit, psychischen Stress, Partnerschaftsprobleme, Alkohol- und Drogenmißbrauch, Bedarf des
öffentlichen Nahverkehrs und Arbeitsplatzbeschaffung.
Bei dem Projekt handelt es sich um ein Joint Venture
des Arbeitsministeriums, der AFL-ClOund Union Way
International, und es funktioniert ähnlich wie das Beraterprogramm des Gewerkschaftsdachverbandes AFLCIO, in dessen Rahmen vierzig Jahre lang Freiwillige
in den Vereinigten Staaten ausgebildet wurden. Soeben ist eine Planungsgruppe aus Polen zurückgekehrt,
und die Ausbildung soll bald beginnen.
Technologietransfer bei moderner Bautechnik für
Polen
Als Teil gemeinsamer Bestrebungen des US-Arbeitsministeriums, der dem Dachverband AFL-CIO angeschlossenen Gewerkschaft des US-Baugewerbes und
der Gewerkschaft Solidarität wurde in Praga (einem
Vorort von Warschau) ein neues Ausbildungszentrum
für Bauberufe errichtet. Im Zentrum wird auf der Basis
des Technologietransfers für Bauberufe ausgebildet.
Die erste Phase des Programms findet vom 4. September bis zum 7. November statt. Zehn polnische
Handwerker werden zu einer dreimonatigen Ausbildung die Vereinigten Staaten besuchen, dann in
Begleitung von fünf amerikanischen Handwerkern der
Gewerkschaft nach Polen zurückkehren, die den Polen bei der Ausbildung weiterer Handwerker helfen
werden. Der Coca-Cola-Fonds für Ausbildung im
gewerblichen Bereich stellt den polnischen Arbeitern
für ihren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten Stipendien im Umfang von 150 000 Dollar zur Verfügung.
Neueste Entwicklungen in der ungarischen Wirtschaft
Das BSP sank im Jahr 1989 um 1,8 Prozent. Die
Industrieproduktion in den Staatsbetrieben lag in der
ersten Hafte des Jahres 1990 um 8 bis 10 Prozent
niedriger als vor einem Jahr. Für 1990 prognostiziert
die ungarische Regierung einen Rückgang des BSP
um 2 Prozent.
Die Verbraucherpreise stiegen 1989 um 18 Prozent.
Der Verbraucherpreisindex stieg 1989 um 18 Prozent.
Er war in der ersten Hafte des Jahres 1990 um 28

*

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Prozent höher als vor einem Jahr.
Die offizielle Arbeitslosenquote betrug 1989 weniger
als 0,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt und wird
erwartungsgemäß Ende 1990 2 Prozent betragen.
Handel in harter Währung und Schuldenlast
Ungarn verzeichnete 1989 einen Handelsüberschuß
in harter Währung von 660 Millionen Dollar und ein
Leistungsbilanzdefizit von 1,4 Milliarden Dollar. In der
ersten Hafte des Jahres 1990 hatte Ungarn einen
Handelsüberschuß von 550 Millionen Dollar und einen
Leistungsbilanzüberschuß von 200 Millionen Dollar.
Ein Rückgang sowjetischer Ölexporte und höhere
Ölpreise auf dem Weltmarkt werden sich in der zweiten
Hälfte des Jahres 1990 negativ auf die Zahlungsbilanz
auswirken.
Ungarns Bruttoverschuldung beträgt etwa 20 Milliarden Dollar, davon 2 Milliarden Dollar bei internationalen Finanzinstitutionen, 2 Milliarden Dollar an bilateralen staatlichen Schulden, 15 Milliarden bei den Handelsbanken und 500 Millionen an sonstigen privaten
Schulden. Schuldendienst wird im Umfang von 40
Prozent geleistet. Die Devisenreserven betragen etwa
1 Milliarde Dollar.
Handel mit der UdSSR
Ungarn importiert den größten Teil seines Öls, mehr
als die Hälfte von Gas, Elektrizität und Rohstoffen
sowie bestimmte Maschinen und Geräte aus der UdSSR.
Ungarn exportiert Maschinen, Geräte, Busse, Verbrauchsgüter und landwirtschaftliche Produkte.
Durch die Umstellung der Wirtschaft auf harte Währung wird sich das Austauschverhältnis im Außenhandel für Ungarn 1991 um etwa 1 Milliarde bis 2 Milliarden
Dollar verschlechtem, wobei 720 Millionen Dollar durch
Ungarns Vorrat an sowjetischen Rubeln ausgeglichen
werden kann.
Der Stand der Reformen in der Wirtschaft
Die Regierung drängt auf schnelle Durchführung von
Reformen. Schwache internationale Finanzen und
eine Aversion gegen Umsetzungen wirken Sofortmaßnahmen entgegen.
Die Privatisierung wird zu Anfang im Einzelhandel und
der verbraucherorientierten Dienstleistungen und in
etwa 40 Großbetrieben aus verschiedenen Branchen
stattfinden. Die Privatisierung von Agrarflächen wird
auf der Basis der Eigentumsverhältnisse von 1947
stattfinden. Private Unternehmensgründungen werden unterstützt. Die volle Konvertibilität des Forint soll
in drei Jahren hergestellt sein.

*

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