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U.S. Information Service
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19. September 1990

GOLFKRISE

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS
POLITIK GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
19. September 1990

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge steht der irakische Diktator Saddam Hussein gegen ein
"Ausmaß an weltweiter Zusammenarbeit... das einfach einmalig ist".
Vor regionalen Medienvertretern erklärte Bush am 17. September 1990, daß Angehörige von Streitkräften "aus
vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen haben", um weitere irakische Aggressionen abzuschrecken.
Darüber hinaus habe der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Irak erneut für sein kriegerisches Verhalten
gerügt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in gekürzter Fassung.

Bush: Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben
und werde dann gerne Ihre Fragen beantworten.
Ich habe gerade von Verteidigungsminister Cheney
und Roger Porter erfahren, daß Sie sowohl die internationale Lage als auch Haushaltsfragen erörtert haben.
Wenn Sie gestatten, möchte ich dazu noch ein oder
zwei Anmerkungen machen und danach auf Ihre Fragen eingehen. Wie ich dem amerikanischen Volk und
dem Kongreß bereits am Dienstag (11. September) in
meiner Ansprache vor beiden Häusern erklärt habe, ist
das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit gegen
die irakische Aggression einfach einmalig. Über 20
Nationen haben sich uns angeschlossen. Bis heute
haben auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien
Streitkräfte aus vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen.
In den vergangenen Tagen haben wir gehört, daß
Großbritannien eine ganze Panzerbrigade - die berühmten Wüstenratten - entsenden wird. Frankreich
hat angekündigt, daß es auch eine bedeutende Landstreitmacht entsenden wird. Japan und die Bundesrepublik Deutschland haben erklärt, sie würden Milliardenbeträge für die multilateralen Bemühungen und
damit zusammenhängende Maßnahmen aufbringen,
um wirtschaftliche Einbußen der am stärksten betroffenen Staaten zu mildern - für die Staaten, die die
UNO-Sanktionen befolgen. Am vergangenen Wo-

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chenende hat der UNO-Sicherheitsrat Saddam Hussein für das empörende Eindringen in diplomatische
Vertretungen in Kuwait erneut scharf verurteilt.
Damit die Vereinigten Staaten ihre Pflichten im Ausland erfüllen können, müssen die Vereinigten Staaten
stark und vital bleiben. Wie ich bereits in der vergangenen Woche sagte, sind unsere weltweite Führungsrolle und unsere Stärken im Innern miteinander verknüpft und verstärken einander. Deshalb habe ich ein
großes Interesse an den gegenwärtig stattfindenden
Haushaltsverhandlungen und fordere die Unterhändler von Kongreß und Administration auf, ihre Anstrengungen zur Erlangung eines Haushaltsabkommens zu
verdoppeln.
Ich stelle mir einen wachstumsorientierten Haushalt
vor - auch diesen Punkt habe ich in meiner Rede im
Kongreß vergangene Woche betont. Einen Haushalt,
der Anreize wie die Senkung der Kapitalertragsteuer
enthält, die meiner festen Überzeugung nach zur
Schaffung neuer Arbeitsplätze beiträgt. Darüber hinaus muß der Kongreß echte Ausgabenkürzungen
verfügen. Nicht diese Art von oberflächlichen Kürzungen, mit denen die Ausgaben nie in dem Maß gesenkt
werden, wie es auf dem Papier steht. Der Kongreß
muß sicherstellen, daß eine Reform des Haushaltsverfahrens stattfindet. Sein Fünfjahresplan muß sich als
absolut durchsetzbar erweisen.

Seite 1

�Schließlich muß der Kongreß einen mehrjährigen
Verteidigungshaushalt beschließen, der den Bedürfnissen dieses Landes gerecht wird. Nicht nur in bezug
auf die Verbesserung der Ost-West-Beziehungen,
sondern auch angesichts unserer umfassenderen
Pflichten in anderen Teilen der Welt - Pflichten, die uns
die Golfkrise erneut vor Augen geführt hat.

hende Beziehungen, und meines Erachtens stellen
sich die französische Regierung und der französische
Präsident die Frage: Warum um alles in der Welt
benimmt er sich so? Es besteht also eine Ungewißheit, auf die er vielleicht angespielt hat. Ich hatte
jedoch nicht das Gefühl, daß keine Chance mehr für
eine friedliche Lösung besteht.

Ich habe bereits früher eine klare Entscheidung über
ein umfassendes 500-Milliarden-Dollar-Paket zur
Reduzierung des Haushaltsdefizits mit oder ohne ein
Haushaltsabkommen bis zum 28. September gefordert. Unser Land ist nur noch 13 Tage von den
drastischen Konsequenzen der Zwangskürzungen
entfernt, die erforderlich werden, wenn der Kongreß
bis dahin keinen Haushalt vorlegen kann.

Frage: Haben die Äußerungen von General Dugan
Sie in eine schwierige Verhandlungsposition gegenüber dem Irak gebracht, und wieviel Schaden hat er
angerichtet?

Wir in der Administration sind bereit, unseren Teil
beizutragen. Ich bin zuversichtlich, daß der Kongreß
seinen Teil beitragen wird. Ich habe mit Freude
festgestellt, daß wir in den jüngsten Haushaltsgesprächen Fortschritte erzielt haben, aber es ist jetzt wirklich
an der Zeit, zu einer Übereinkunft zu kommen. Ich
denke, daß wir dies dem amerikanischen Volk schulden. An beiden Fronten geschieht also eine ganze
Menge. Das sind die Ausführungen, die ich machen
wollte. Ich werde jetzt gerne ein paar Fragen beantworten.
Frage: Um auf das Thema Irak zurückzukommen nach dem Eindringen in die Residenz des französischen Botschafters am Freitag (14. September) wurde
der französische Präsident Mitterrand mit den Worten
zitiert: "Der Irak gibt keine Anzeichen, die auf die
Vermeidung eines militärischen Konflikts hinauslaufen." Der französische Präsident will damit anscheinend sagen, daß unsere Chancen, eine bewaffnete
Auseinandersetzung durch Gespräche zu vermeiden,
immer geringer werden. Könnten Sie dazu bitte Stellung nehmen?
Antwort: Ich habe gestern (16. September) von Camp
David aus mit ihm gesprochen. Es war ein gutes
Gespräch. Wie ich bereits andeutete, befinden wir uns
bei den meisten Aspekten dieses Problems in Übereinstimmung. Wir waren sehr dankbar, daß Frankreich
Maßnahmen ergriffen hat. Ich hatte bereits ein paar
Tage zuvor mit ihm telefoniert, um ihm unser Mitgefühl
zu dem Übergriff auf die Botschaft mitzuteilen. Ich
muß sagen, daß er mir bei den zwei Kontakten in den
vergangenen beiden Wochen nicht das Gefühl vermittelte, er habe die Hoffnung auf eine friedliche Lösung
aufgegeben.
Wenn man aber dann Aktionen sieht, wie die gegen die
französische Botschaft, dann fragt man sich, welche
Motive dahinterstehen. Historisch gesehen, unterhielt
Frankreich ziemlich enge Beziehungen zum Irak. Man
hat dort jedoch keine Terrorhandlungen oder einige
der Geschehnisse im iranisch-irakischen Krieg gutgeheißen. Aber Frankreich hat dort seit langem beste-

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Antwort: Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe dazu
nichts zu sagen, außer, daß ich unseren Verteidigungsminister uneingeschränkt unterstütze. Er wird
bei einer in wenigen Minuten stattfindenden Pressekonferenz mehr über die Einzelheiten sagen können.
Meines Erachtens können wir dies zum gegenwärtigen
Zeitpunkt jedoch noch nicht abschließend beurteilen.
Frage: Dazu noch eine Zusatzfrage. Sind unsere
Truppen heute aufgrund dieser Äußerungen stärker in
Gefahr?
Antwort: Ich würde nicht sagen, daß wir heute
weniger gut in der Lage sind, unsere Truppen in SaudiArabien zu schützen. Wir werden das tun, und ich bin
darüber nicht besorgt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß das amerikanische
Volk die Politik in der Golf krise ebenso stark unterstützen würde wie zu Beginn, wenn Tausende dabei
umkämen, was ja im Falle von Kämpfen wahrscheinlich wäre?
Antwort: Das weiß ich nicht. Ich tendiere jedoch zu
der Überzeugung, daß wir einen sehr guten Anfang
gemacht haben. Ich meine, daß Ihre Hypothese
darauf anspielte. Ich möchte jedoch keine Vorhersage
darüber wagen, wie das amerikanische Volk darauf
reagieren würde.
Ich bin alt genug, um mich an einen ganz klaren Fall zu
erinnern, unter anderen Umständen und zu einer anderen
Zeit - den Zweiten Weltkrieg. Viele der hier Anwesenden sind zu jung, um sich an die Auswirkungen zu
erinnern, die dieser Krieg auf die amerikanische öffentliche Meinung hatte. Es gab jedoch viel Leid und
Trauer. Jeder identifizierte sich mit den Familien, die
Angehörige verloren hatten. Aber das Land blieb
ziemlich geschlossen.
Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, daß das
amerikanische Volk angesichts dieser Aggression eine
außergewöhnliche Geschlossenheit zeigt. Es wäre
jedoch zu hypothetisch, wenn ich Aussagen machen
würde, die darüber hinaus gehen.
Frage: Es wird auch der Gedanke ins Spiel gebracht,
daß die amerikanische Öffentlichkeit lang andauernde
Pattsituationen traditionell nicht unterstützt. Wird die

AMERIKA DIENST 37

�Unterstützung allmählich geringer werden, wenn sich
dies zu einem langen Sitzkrieg entwickelt?
Antwort: Ich weiß es nicht. Ich lese eine Menge
Prognosen von Leuten, die das behaupten, aber ich
hoffe, daß das nicht geschieht. Aber auch dies ist ein
wenig hypothetisch, denn man muß auch immer berücksichtigen, was sonst noch geschieht. Aber was
heißt zu lange? Ich denke über diese Fragen nach,
aber ich kann es nicht definieren. Ich möchte, daß
diese Soldaten so bald wie möglich da herauskommen. Ich möchte, daß sie alle da heraus kommen. Und
doch kann ich nicht sagen, wann das der Fall sein wird.
Was wir versuchen, sind diese umfassenden weltweiten Bemühungen auf der diplomatischen Seite. Und
ich möchte, daß das funktioniert. Man hat ja verschiedene interessante Gesprächspartner - Regierungschefs, die einem auf verschiedene Art und Weise
erklären, wie effektiv die Sanktionen ihrer Meinung
nach sein werden. Einige sind absolut davon überzeugt, daß diese Sanktionen nicht nur funktionieren,
sondern kurzfristig sehr effektiv sein werden. Andere
meinen, es werde länger dauern. Ich glaube jedoch, es
wäre nicht gut, mich in eine solche Debatte einzulassen, weil ich selber nicht genau sagen kann, wie lange
diese Art von Unterstützung anhalten wird.
Frage: Das Wall Street Journal hat kürzlich berichtet, daß sich noch am Tage vor der irakischen Invasion
in Kuwait Mitglieder Ihrer Administration hinter den
Kulissen gegen einen Gesetzentwurf des Kongreßabgeordneten Howard Berman gewendet hätten, der die
Iraker auf die Finger geschlagen hätte - darin wurden
Sanktionen wegen ihres zunehmend aggressiven
Verhaltens vorgeschlagen. Dieser Gesetzentwurf und
weitere Beispiele der Unterstützung des Irak durch die
Administration - bedauern Sie diese Dinge angesichts
der Invasion?
Antwort: Sicherlich, im Lichte dieser Invasion. Es
bestanden jedoch Gründe zu der Annahme, daß dieses Verhalten durch verbesserte Beziehungen mit
dem Westen modifiziert würde. Angesichts der Invasion bedaure ich es natürlich. Wenn jeder im nachhinein urteilen könnte, dann würde jeder über viele Dinge
anders urteilen. Aber ich bin nicht sicher, daß das die
Absicht Saddam Husseins zur Annexion Kuwaits
geändert hätte.

Frage: Aber wenn Saddam Hussein nicht zurechnungsfähig ist, kann er dann überhaupt logisch oder
rational auf das Embargo reagieren?
Antwort: Das ist eine gute Frage. Und ich weiß nicht,
wie man darauf antworten sollte, weil er eindeutig
irrational handelte, wenn er geglaubt hat, sich damit
den Zorn der Vereinigten Staaten und 20 anderer
Länder - tatsächlich der ganzen Welt in den Vereinten
Nationen - zuzuziehen.
Aber ich bin davon überzeugt, daß die Sanktionen in
gewissem Sinne greifen. Ich kann Ihnen nicht definitiv
sagen, wie effektiv sie in diesem Augenblick sind. Wir
wollen sie in jedem Fall strenger anwenden, gemeinsam mit anderen Ländern, um diesem Ansatz die
bestmögliche Erfolgschance zu sichern, und dann
werden wir weitersehen. Es könnte ihm außer Kontrolle geraten, weil niemand seiner Wirtschaft den absoluten Stillstand bescheren will. Und Sie sollten daran
denken, daß 90 Prozent seiner Deviseneinkünfte aus
dem Ölgeschäft stammen, und das hat sich noch
verschärft. Tatsächlich denke ich, daß es keine Ausnahmen dazu gibt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß vielleicht ein Luftembargo Saddam Hussein dazu bringen kann, rationaler
auf die Sanktionen zu reagieren?
Antwort: Ich kann Ihnen nicht mit Sicherheit sagen,
wieviel auf dem Luftweg geliefert wird. Wir wollen auf
jeden Fall die UNO-Sanktionen verschärfen, so daß
überhaupt nichts geliefert wird. Das ist relativ schwierig, wenn Sie an die Überflüge denken und daran, daß
einige Länder eher bereit sind als andere, die Sanktionen zu umgehen. Aber ich weiß, daß Francois Mitterand dazu Stellung genommen hat, und das verstehe
ich. Ich bin bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten,
um diese zusätzliche Hürde bei den Sanktionen aufzustellen.
Frage: Dazu noch eine Frage: Denken Sie, daß Ihre
Botschaft an das irakische Volk dort Auswirkungen auf
die öffentliche Meinung hat? Berichten zufolge hatten
die Trickfilme mehr Zuschauer.

Frage: Unterlag die amerikanische Politik einer Fehleinschätzung?

Antwort: Es war eine gute Übung für die Demonstranten, die aufgefordert worden waren zu demonstrieren,
bevor sie gehört hatten, was ich sagen wollte. Es hielt
sie in Bewegung, und sie schrien gegen die Vereinigten Staaten. Wenn ihnen das geholfen hat, ihre
Frustrationen loszuwerden, umso besser.

Antwort: Ich glaube nicht, daß dies auf einer Fehleinschätzung durch die amerikanische Politik beruhte.
Ich glaube, es wurde durch eine Fehleinschätzung von
Saddam Hussein verursacht. Und ich denke, daß die
Bevölkerung der Vereinigten Staaten das voll und
ganz versteht.

Was damit objektiv bewirkt wurde, ist eine Botschaft an
die anderen arabischen Länder, daß nicht Saddam
Hussein und der Rest der arabischen Welt gegen die
Vereinigten Staaten kämpft, sondern daß es um etwas
anderes geht. Wenn das auch nur zwei irakische
Bürger hören, war es die Mühe wert. Wer weiß? Die

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Seite 3

�Wahrheit ist gut, und es ist gut, ihr im Irak Gehör zu
verschaffen. Sie bekommen so wenig davon. Meiner
Ansicht nach war es der Mühe wert. Und es wurde mir
berichtet, daß die Reaktion in anderen Bereichen ganz
gut war. Es ist noch zu früh, um Beurteilungen
abzugeben. Aber ich denke, sie waren vielleicht ein
bißchen in Sorge darüber, weil die Demonstranten mit
ihren fertigen Schildern - zumindest nach meinen
Informationen - bereits zu ihrem Sammelpunkt marschierten, bevor sie überhaupt wu ßten, was ich sagen
wollte. Woher wollten sie wissen, was ich sagen
wollte?
Frage: Sind Sie im Hinblick auf die Frage der nationalen Einheit als Reaktion auf die Golfkrise besorgt, daß
die politischen Auseinandersetzungen über den Haushaltsgipfel sich verselbständigen?
Antwort: Nein. Das ist eine gute Frage. Ich sehe
dafür überhaupt keine Anzeichen. Und das ist meiner
Ansicht nach sehr gut.. Es eint Liberale, Konservative,
Demokraten und Republikaner. Die Unterstützung ist
vorhanden, und ich sehe keine Anzeichen dafür, daß
Äußerungen über den Gipfel, beim Gipfel oder im
Rahmen der Gipfeltreffen die Unterstützung zum Beispiel im Kongreß oder im amerikanischen Volk beeinträchtigt haben. Und ich denke, das darf auch nicht
geschehen.
Frage: Wie denken Sie über Irans scheinbar enge
Beziehungen zum Irak und deren Auswirkungen auf
die Lage im Golf?
Antwort: Der Iran hat fast alles, was er wollte, vom
Irak bekommen. Das hat jedoch nicht Saddam Husseins Position im Irak gefestigt. Hunderttausende
Menschen mußten auf beiden Seiten ihr Leben lassen.
Und der Sieg geht jetzt an den Iran.
Wir erhielten indirekt die Zusage vom Iran, daß sie die
Einhaltung und Durchführung dieser Sanktionen wünschen. Bis ich sehe, daß der Iran diese Sanktionen
verletzt, werde ich nicht glauben können, daß sie
geheime Verbindungen zur Umgehung der Sanktionen eingegangen sind.
Frage: Auch nicht aufgrund der Erklärung iranischer
Geistlicher, der Fundamentalisten, daß jetzt die Zeit
gekommen ist, um einen Heiligen Krieg gegen die
Vereinigten Staaten zu führen?
Antwort: Niemand hat behauptet, daß zwischen
einzelnen Gruppen im Iran und den Vereinigten Staaten Harmonie und Freundlichkeit aufkommen werden.
Aber lesen Sie seine Worte aufmerksam. Experten
haben mich darauf aufmerksam gemacht, daß er nicht
zum Djihad aufgerufen hat. Aber man muß es sehr
sorgfältig analysieren. Es wird Gruppierungen innerhalb des Iran geben, die sich weiterhin allen Verbesserungen in den Beziehungen zwischen Iran und den
Vereinigten Staaten widersetzen werden, und wir
verstehen das.
Seite 4

Aber das wichtigste ist meiner Ansicht nach im Augenblick, daß der Iran das tut, wozu er sich öffentlich
bekannt hat, und das ist die Einhaltung der internationalen Sanktionen. Das haben sie in der Öffentlichkeit
bekanntgegeben.
Frage: Sie haben mit Befriedigung darauf verwiesen,
daß unsere Freunde und Verbündeten auf der ganzen
Welt uns im Golf helfen, und auch jene Länder, die ihre
Verfassung daran hindert - wie Deutschland und Japan - Soldaten zu entsenden, haben Geld bewilligt.
Zur gleichen Zeit sind die Kostenvoranschläge für
unsere Präsenz ebenso schnell gestiegen wie die Zahl
unserer Soldaten, und Verteidigungsminister Cheney
hat darauf verwiesen, daß die Stationierungen noch
nicht beendet sind. Sollten wir als Steuerzahler nicht
besorgt darüber sein, daß für die Krise am Persischen
Golf gewissermaßen ein Blankoscheck ausgestellt
wurde?
Antwort: Wissen Sie, was ich darüber denke? Ich
denke, das amerikanische Volk will, daß ich genau das
tue, was wir gegenwärtig tun sollten, um unsere vier
Ziele dort zu erfüllen. Und wenn das hei ßt, wir müssen
andere um Hilfe bitten, um bestimmte Aspekte auf eine
Weise abzudecken, die Lasten verteilt, werden wir das
tun. Aber meiner Ansicht nach hat das amerikanische
Volk Vertrauen in die von uns getroffenen Entscheidungen, und ich denke nicht, daß es alle Bemühungen
zunichte machen will, auch wenn die Haushaltslage
gegenwärtig kompliziert ist.
Frage: Die Bürgermeister von Großstädten haben
über eine Friedensdividende gesprochen. Es könnte
sich dabei um ein Phantom handeln.
Antwort: Ich war immer der Ansicht, es handele sich
hierbei um ein Phantom, weil ich nicht die Meinung
vertrete, daß man eine Dividende haben kann, wenn
man mit Verlust arbeitet. Und wir haben ein ungeheures Defizit. Ich hoffe also, sie haben die Annahme
aufgegeben, es stehe viel Geld zum Ausgeben zur
Verfügung. Aber ich denke, ein Bürgermeister einer
Gro ßstadt würde sich hier ungeachtet der Schwere der
Probleme in seiner Stadt neben mich stellen und
erklären, daß wir die militärischen Bestrebungen nicht
verringern wollen. Wenn wir schon Menschen dorthin
entsenden, sollten wir das tun, was notwendig ist, um
ihnen volle Unterstützung zu leisten. Genau so würden sie reagieren.
Frage: Zu Beginn der Krise wurden Forderungen laut,
sie sollten die Ölreserve für strategische Zwecke
anzapfen, um den Ölpreis niedrig zu halten. Wie soll
Ihrer Ansicht nach diese Ölreserve angemessen genutzt werden, und sind Sie zufrieden mit ihrem jetzigen
Stand?
Antwort: Wenn es echte Engpässe bei einem Produkt gibt oder ein bestimmtes Ereignis auf einen
Engpaß schließen läßt, sollte die ölreserve für strate-

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�gische Zwecke genutzt werden. Meiner Meinung nach
besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein solcher
Engpaß.
Es heißt, daß eine demonstrative, wenn auch nicht
umfassende Nutzung dieser Reserve einen Markt
beruhigen könnte, der starken Schwankungen unterworfen ist. Wir würden dazu sagen, die Spekulanten,
die mit dem Ölpreis bis in den Oktober hinein spekulieren, sollten das auf eigenes Risiko tun. Und man
könnte das Argument vorbringen, was ich auch in
meiner Regierung und im Kongreß höre, daß das
Anzapfen einer kleinen Menge Spekulationen in Zukunft vorbeugen könnte. Dieses Argument entbehrt
nicht einer gewissen Logik. Aber der Grund, warum wir
nicht auf die Ölreserve für strategische Zwecke zurückgegriffen haben, ist, daß wir keinen Engpaß sehen. Wenn es ihn geben würde, dann zu einer Zeit, in
der wir über ausreichende Vorräte verfügen.
Sie sehen also, daß die Fluktuation nicht von den
Kräften des Marktes oder Angebot und Nachfrage
diktiert wird, sondern von Spekulationen, was in Zukunft sein könnte, und ich denke, das würde sich auch
nicht durch Rückgriffe auf die Ölreserve für strategische Zwecke regeln lassen. Es gibt andere Umstände,
unter denen man eindeutig darauf zurückgreifen müßte.
Ich denke, wenn wir Saudi-Arabien unverteidigt gelassen hätten und wenn Saddam Hussein Panzer von
Kuwait City an die südliche Grenze entsandt und damit
etwa Dharan eingeschlossen hätte, wäre damit eine
Situation geschaffen, wo die Vorräte auf dem Markt
noch einige Tage ausreichen würden, aber es wäre ein
echter Notfall. In einem solchen Fall würde jeder
Präsident auf die Ölreserve für strategische Zwecke
zurückgreifen.

AMERIKA DIENST 37

Frage: Wer trifft die Entscheidung, wie Truppen aus
anderen Ländern in Saudi-Arabien stationiert werden?
Wo die Syrer stationiert werden? Die Ägypter? Franzosen? Briten? Wird es ein einziges Kommando
geben?
Antwort: Angesichts der Größenordnung der USStreitkräfte gibt es aktive Konsultationen mit unserem
dortigen Oberbefehlshaber General Schwarzkopf. Wir
haben diesem Offizier nicht das Recht entzogen,
Kontrolle über US-Streitkräfte auszuüben, und das
haben die Franzosen - die noch nicht in vollem Umfang
dort stationiert sind -, die Briten oder andere auch nicht
getan. Aber es findet eine enge Koordinierung mit dem
Gastgeberland statt.
Aber ich möchte die Bedeutung von General Schwarzkopf bei der Streitkräftestationierung auch nicht herunterspielen. Sicherlich kann er die Wüstenratten nicht
an einen bestimmten Punkt befehligen. Aber in enger
Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen bei den
britischen Streitkräften sind all diese Punkte durch
eingehende Konsultationen geklärt worden, im Einklang mit einem Gesamtplan, den wir mit den Befehlshabern der Streitkräfte in der Region erarbeitet haben.
Es handelt sich hierbei also um koordinierte Bestrebungen. Und ich möchte nicht zögern, den Eltern oder
Familien der Kinder dort zu sagen, wenn etwas geschehen sollte, das Kampfhandlungen erfordert, wird
die Kommandostruktur reibungslos und einwandfrei
funktionieren. Wir werden auch nicht abwarten müssen, bis jemand anders die Entscheidungen trifft, ob
eine Provokation vorliegt.

Seite 5

�GOLFKRISE
19. September 1990

VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
BONN - (AD) - Bei einer Pressekonferenz auf dem Flughafen Köln/Bonn erklärte US-Außenminister Baker am
15. September 1990, seinen Reisen in den Nahen Osten und Europa sei ein hohes Maß an Erfolg beschieden
gewesen. Sie haben Baker zufolge das Ziel verfolgt, mehr multinationale Unterstützung dafür zu gewinnen, den
Irak zum Abzug aus Kuwait und zur Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung zu zwingen. "Die einfache
Aussage, wir sind mit den Ergebnissen der Reise zufrieden, wäre ... eine Untertreibung", erklärte Baker.
Baker erörterte die finanziellen und militärischen Zusagen, die er auf seinen Reisen erhielt und verwies darauf,
Saddam Hussein sei nunmehr signalisiert worden, daß "seine Isolierung und der auf ihn ausgeübte Druck"
zunehmen werden.
Der US-Außenminister hatte zum Zeitpunkt seiner Pressekonferenz gerade Gespräche mit Bundeskanzler
Helmut Kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher abgeschlossen. Er berichtete von der Zusage
Deutschlands, 3,3 Milliarden DM an wirtschaftlicher und finanzieller Hilfe zur Verfügung zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, wie Präsident Bush eindeutig erklärt hat, wollen wir diesen Konflikt vorzugsweise
mit diplomatischen Mitteln lösen. Dazu benötigen wir
weiterhin die internationale Solidarität. Der einmalige
internationale Konsens muß beibehalten, und Sanktionen müssen in vollem Umfang durchgeführt werden.
Darüber hinaus muß die Verantwortung gerecht aufgeteilt werden.
Unsere Reise hatte zum Ziel, den internationalen
Konsens zu stärken und Maßnahmen zu seiner Erhaltung zu ergreifen. Darüber hinaus wollten wir Saddam
Hussein signalisieren, da ß seine Isolierung und der auf
ihn ausgeübte Druck eher zu- als abnehmen wird.
Die einfache Aussage, wir sind mit den Ergebnissen
der Reise zufrieden, wäre meines Erachtens eine
Untertreibung. Wir haben finanzielle Zusagen erhalten, mit denen die Belastung derjenigen Länder verringert wird, die bei der Durchführung der Sanktionen
einen sehr hohen Preis zahlen. Ihre Handlungsweise
läßt sich deshalb eher aufrechterhalten.
Wir haben von den Ländern der Region ebenso wie
von unseren europäischen Verbündeten einmalige
militärische Zusagen erhalten - Soldaten, Schiffe,
AMERIKA DIENST 37

Flugzeuge und andere Unterstützung. Und mit dieser
Unterstützung sind auch politische Verpflichtungen
eingegangen worden - Verpflichtungen, kein Ende der
Krise zu akzeptieren, das nicht Iraks bedingungslosen
Abzug und die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits vorsieht sowie Verpflichtungen,
weitere Schritte in Erwägung zu ziehen.
Die internationale Staatengemeinschaft hat dem Begriff
"geteilte Pflichten" echte Bedeutung verliehen. Wir
vermitteln gemeinsam den Eindruck, daß in diesem
neuen Zeitalter eine Teilung der Pflichten über Bündnisse hinaus stattfindet, alte Freunde und andere
Staaten einbezieht.
Um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die
internationale Staatengemeinschaft diesen einmaligen Konsens verwirklicht und weiterhin Druck auf
Saddam Hussein ausübt, möchte ich Ihnen kurz die
mir gegebenen Zusagen darlegen.
Wir waren natürlich zuerst in den Golf Staaten - wo die
Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits und der Vereinigten Arabischen Emirate für das laufende Jahr ingesamt 12 Milliarden Dollar an Beiträgen zugesagt haben.
Seite 1

�Damit wird sowohl ein Zuschuß zu den Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten als auch Wirtschaftshilfe für die wichtigen Anrainerstaaten - insbesondere
Ägypten und die Türkei - geleistet, ferner andere
wichtige Länder, die Truppen bereitstellen oder von
den durch die irakische Agression entstandenen wirtschaftlichen Erschütterungen stark betroffen sind.
Wir haben soeben unsere Gespräche mit den Spitzen
der Bundesregierung beendet, und wie ich Ihnen bereits vor dem Haus des Bundeskanzlers andeutete,
hat die Bundesregierung für das laufende Jahr 1990
Wirtschaftshilfe und Zuschüsse zu den Militärausgaben im Umfang von 3,3 Milliarden DM bewilligt, eine
Maßnahme und eine Verpflichtung, die wir als sehr
positiv und sehr großzügig betrachten und mit der wir
sehr zufrieden sind.
Die Europäische Gemeinschaft wird erwartungsgemäß bald ihr Engagement durch ihre Beiträge und die
ihrer Mitgliedstaaten bekunden.
Wie Sie wissen, hat uns die italienische Regierung in
Rom erklärt, den Anrainerstaaten zunächst 145 Millionen Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe gewähren zu
wollen.
Damit betragen die von uns erhaltenen Zusagen einschließlich der Unterstützung zu den US-Verteidigungsausgaben und Wirtschaftshilfe an die Anrainerstaaten
insgesamt über 16 Milliarden Dollar. Wenn Sie dazu
noch den Beitrag Japans von 4 Milliarden Dollar zählen, ergibt sich ein Gesamtbetrag von mehr als 20
Milliarden Dollar.
Ich möchte in diesem Zusammenhang kurz auf die
militärischen Angebote eingehen. Wie Sie wissen,
wird Großbritannien zusätzlich zu den dort bereits
befindlichen Flugzeugen und Schiffen der Royal Navy
Bodentruppen in Form einer Panzerbrigade und eines
dritten Tornadogeschwaders nach Saudi-Arabien
entsenden. Frankreich hat heute erklärt, eine leichte
Panzerbrigade und darüber hinaus Kampfflugzeuge
zu entsenden. Das geschieht zusätzlich zu Kampfhubschraubern und Kommandos, die bereits in der
Region sind und zusätzlich zu der bereits erheblichen
Präsenz der französischen Marine im Golf.
Kanada hat gestern angekündigt, zusätzlich zu den
beiden bereits entsandten Zerstörern ein Geschwader
von CF-18-Flugzeugen zu entsenden, Italien schickt
ein Geschwader von 8 Tornados und eine weitere
Fregatte zusätzlich zu den anderen bereits entsandten
Schiffen. Wie Sie von meinem Besuch in Ägypten
wissen, wird das Land zwei Divisionen in Saudi-Arabien stationieren. Unser Aufenthalt in Damaskus hat
deutlich gemacht, daß Syrien mindestens eine Streitmacht in Divisionsstärke entsenden wird.
Die Ihnen hier dargelegte Zusammenfassung zeigt
eindeutig, daß die ganze Welt auf eine nie dagewesene Art und Weise auf die irakische Aggression reagiert.
Seite 2

Diese Sache ist einmalig und vermittelt meiner Ansicht
nach eine klare Botschaft. Sie lautet, daß die Welt
diese Aggression nicht tolerieren wird.
Frage: Herr Außenminister (unverständlich) des
massiven Einsatzes von Ländern auf der ganzen Welt
macht der Irak weiter. Er hat Botschaften besetzt. Ist
dieses Problem ohne Krieg zu lösen?
Antwort: Nun, ich habe ganz am Anfang meiner
Erklärung bekundet, daß wir es eindeutig vorziehen,
dieses Problem ohne Krieg zu lösen. Wir stellen uns
eine diplomatische, politische und friedliche Lösung
vor. Ich habe aber auch zu Beginn meiner Ausführungen erklärt, daß dies von einer strengen Durchführung
der Sanktionen und der Aufrechterhaltung dieses einmaligen Konsenses abhängt. Mir scheint jedoch aus
den dargelegten Fakten eindeutig hervorzugehen, daß
wir uns in diese Richtung bewegen.
Frage: (Unverständlich). Wenn Sie eine militärische
Entscheidung treffen müßten, wie wird sich diese
logistisch darstellen, wenn so viele Streitkräfte beteiligt
sind?
Antwort: Viele Streitkräfte sind bereits dort. Inzwischen sind 26 Nationen in der Region - mit Schiffen,
Flugzeugen oder Bodentruppen - präsent, und die
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten müssen
auf dem Boden organisiert werden. Im Hinblick auf die
frühzeitig dort eingetroffenen Streitkräfte sind diese
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten verwirklicht worden. Was diejenigen betrifft, die noch dort
eintreffen werden, so wird sich dies finden.
Frage: Haben Sie mit Assad die Integration seiner
Streitkräfte erörtert?
Antwort: Ich habe weder mit Präsident Mubarak noch
mit Präsident Aassad die Einzelheiten der Führungsund Kommunikationsmodalitäten erörtert. Das fällt in
den Zuständigkeitsbereich der Militärs untereinander,
wenn sie dort mit den Bodentruppen zusammentreffen.
Frage: Herr Außenminister, Präsident Mubarak hat
vergangenen Samstag andeuten wollen, obwohl Ägypten, Saudi-Arabien und einige andere Länder den
diplomatischen Weg einschlagen wollen, könne dies
nicht immer so weitergehen. Haben Sie einen bestimmten Zeitrahmen, innerhalb dessen Saddam
Hussein zeigen muß, daß er die Sanktionen spürt und
eine Lösung auf dem Verhandlungswege anstrebt?
Wie sieht dieser Zeitrahmen in etwa aus?
Antwort: Wir haben von Anfang an erklärt, daß es
keinen solchen Zeitrahmen gibt, aber ich muß Ihnen
sagen, daß ich persönlich der Ansicht bin, die Dinge
nehmen den richtigen Kurs. Wenn Sie die Unterstützung aus allen Teilen der Welt betrachten, in Form
politischen Engagements, militärischer und wirtschaftlicher Zusagen, scheinen die Dinge den Verlauf zu

AMERIKA DIENST 37

�nehmen, wie ihn diejenigen, die diese Aggression
umkehren wollen, anstreben.
Frage: Herr Außenminister, wir haben zunehmend
Grund zu der Annahme, daß der Iran nunmehr eine
Reihe von Schritten entgegen dem internationalen
Konsens - zumindest symbolisch - unternimmt, die
dem Irak dienen. Es gibt Gerüchte, das Land hätte auf
dem Weltmarkt mehr Nahrungsmittel und Getreide
erwerben wollen, als es benötigt. Können Sie uns
etwas dazu sagen, oder sind Sie der Ansicht, daß sie
eventuell mit dem Konsens brechen wollen, und wie
stehen Sie dazu ...?
Antwort: Ich habe bereits klar zum Ausdruck gebracht, daß wir das Embargo genau beobachten. Wir
glauben, daß es grundsätzlich greift. Wir waren uns
aber immer im klaren, daß es Schlupflöcher gibt. Das
traf von Anfang an zu, aber es greift unserer Ansicht
nach. Wir haben erklärt, daß die Erklärungen der
iranischen Regierung weiterhin die Invasion verdammen, den Abzug den Iraks fordern und darauf hinweisen, daß die iranische Regierung die UNO-Resolutionen einzuhalten gedenkt.
Frage: Sie haben viel Zeit und Mühe darauf verwandt,
um Unterstützung zu bitten und Druck auf Saddam
Hussein auszuüben. Könnten Sie uns sagen, ob bei
Ihren Zusammentreffen auch die Möglichkeit diplomatischer Lösungen zur Sprache kam?
Antwort: Wir haben darüber gesprochen, daß eine
friedliche und politische Lösung vorzuziehen ist. Wir
müssen jedoch von Anfang an klar definieren, was wir
damit meinen. Wir meinen damit nicht, daß Umfang
und Tragweite der einstimmig verabschiedeten Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats preisgegeben, verwässert oder in irgendeiner Form verringert werden.
Eine conditio sine qua non ist also der Rückzug des
Irak und die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung von Kuwait. Alle Regierungen, mit denen wir
gesprochen haben, sind ausnahmslos und uneingeschränkt unserer Meinung.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß es noch zu früh und
weiterer Druck erforderlich ist, bevor er vielleicht Fühler
ausstrecken kann oder die Möglichkeit eines Rückzugs, eines Auswegs anbietet?
Antwort: Ich glaube, niemand kann mit Sicherheit
voraussagen, welche Maßnahmen er ergreift. Es ist
wohlbekannt, daß er ziemlich unberechenbar ist, und
die Ereignisse in Kuwait sind dafür ein schlagender
Beweis.
Frage: Sie werden in etwa einer Woche an der
Generalversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen. Wegen des Zeitpunkts wird dies für Sie eine
ungewöhnliche Möglichkeit sein, Leute zu treffen, mit
denen Sie sich auf einer solchen Reise vielleicht nicht
treffen können. Denken Sie zur Zeit an Schritte, die
nach Ansicht der Vereinigten Staaten von den VereinAMERIKA DIENST 37

ten Nationen entweder im Rahmen der Generalversammlung oder im Sicherheitsrat unternommen werden sollten...?
Antwort: Nein, wir werden mit unseren Partnern im
UNO-Sicherheitsrat in enger Verbindung bleiben.
Darüber hinaus werden wir weiterhin in engem Kontakt
mit einer ganzen Reihe anderer UNO-Mitgliedstaaten
stehen. Gegenwärtig denken wir nicht an bestimmte
Schritte, obwohl ich in den vergangenen Tagen einige
Dinge genannt habe, die zu einem künftigen Zeitpunkt
vielleicht erwogen werden sollten.
Frage: Herr Minister, wenn man die enormen Anstrengungen betrachtet, die Sie und andere investiert
haben, um an diesen Punkt zu gelangen, wie lange läßt
sich dies vernünftigerweise aufrechterhalten? Wie Sie
im Verlauf dieser Reise angedeutet haben, gehen
einige der Leute, mit denen Sie gesprochen haben,
davon aus, daß sich dies nicht langfristig aufrechterhalten läßt und daß langfristig - oder selbst kurzfristig
- eine Militäraktion erforderlich ist. Wie lange können
Sie solch enorm konzentrierte Anstrengungen aufrechterhalten, wie Sie sie bisher zustande gebracht
haben?
Antwort: Angesichts einiger der eingegangenen
Verpflichtungen - politischer, militärischer und wirtschaftlicher Art -, über die ich Ihnen gerade berichtet
habe, können wir sie weitaus länger aufrechterhalten,
als viele zu Anfang dachten. Ich bin offengestanden
der Meinung, daß sich die Dinge zugunsten derjenigen
entwickeln, die eine Umkehrung der Aggression erwirken möchten. Und ich gehe davon aus, daß sich die
Dinge zugunsten derjenigen entwickeln, die eine friedliche und politische Lösung wünschen. Aber wir haben
andere Optionen nicht ausgeschlossen und werden
dies auch nicht tun.
Frage: Entnehmen Sie den während Ihrer Reise von
den NATO-Staaten getroffenen Maßnahmen sowie
Ihren Gesprächen mit NATO-Vertretern, daß es in der
NATO einen Einstellungswandel gegenüber einem
Engagement bei Ereignissen in der dritten Welt gibt?
Das ist ja bis jetzt von den Franzosen blockiert worden,
aber die Franzosen selbst sind plötzlich ungemein
aktiv.
Antwort: Würde ich jetzt mit ja antworten, so würden
morgen die Schlagzeilen lauten "NATO-Verantwortung außerhalb des Bündnisgebiets". Ich werde also
dazu nicht Stellung nehmen.
Frage: Das haben Sie gerade getan.
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan. Ich gehe
nämlich davon aus, daß viele NATO-Mitglieder der
Ansicht sind, daß die NATO außerordentlich gut und
effektiv funktioniert hat, indem sie sich an ihr Mandat
hielt und daß eine Erweiterung dieses Mandats ziemlich umfangreiche Debatten und Konsultationen voraussetzen würde. Ich werde Ihnen nicht sagen, daß
Seite 3

�dies niemals geschehen kann, aber darauf wurde ja
bereits angespielt. Ich kann Ihnen jedoch nicht mitteilen, daß ich dies zum jetzigen Zeitpunkt als Bestrebung innerhalb des Bündnisses empfinde.

andere Maßnahme, an die ich mich gegenwärtig nicht
erinnere. Ich habe jedoch dazu Stellung genommen
und möchte Sie auf das Protokoll verweisen. Ich
stimme dem also nicht zu.

Frage: Ein Schiff mit Nahrungsmitteln ist gegenwärtig
auf dem Weg in den Irak, mit Nahrungsmitteln, die
unter Aufsicht der Vereinten Nationen verteilt werden
sollen. Der Irak sagt, er werde die Verteilung von
Nahrungsmitteln durch eine internationale Behörde
nicht erlauben. Wenn es wirklich zu einer Krise kommt,
bei der Menschen verhungern, sollten Nahrungsmittel
dann nicht auf jeden Fall verteilt werden?

Frage: Behaupten Sie denn, daß die Berichte unzutreffend sind, daß April Glaspie Saddam Hussein nicht
den Eindruck vermittelt hat, wir betrachteten dies als
innerarabische Angelegenheit und daß sie nicht die
Sprachregelung verwendet hat, wie berichtet wurde?
Wollen Sie sagen, daß sie nicht auf Ihre Anweisung hin
gehandelt hat, oder wollen Sie sagen, daß sie Ihren
Anweisungen folgte und daran nichts Schlechtes war?

Antwort: Nun, es gibt eine Ausnahme aus humanitären Gründen. Meines Wissens ist diese Schiffsladung
mit Nahrungsmitteln aufgrund von Maßnahmen des
Sanktionsausschusses der Vereinten Nationen unterwegs. Die Aktion des Sanktionsausschusses ist jedoch auf Lieferung und Verteilung unter internationaler
Aufsicht beschränkt, und meines Erachtens sollte das
Mandat des Sanktionsausschusses geachtet und befolgt
werden. Ich möchte nicht auf hypothetische Fragen
antworten - was geschieht, wenn der Irak daran festhält, keine internationale Aufsicht zu gestatten, ob wir
dann trotzdem Nahrungsmittel liefern werden. All dies
ist Spekulation, wir sind noch nicht soweit.

Antwort: Ich möchte nur sagen, daß die Andeutung,
die Vereinigten Staaten hätten direkt oder indirekt zu
der irakischen Aggression gegen Kuwait beigetragen,
absurd ist. Zum Inhalt diplomatischer Korrespondenz
gebe ich keinen Kommentar ab.

Frage: Unsere Botschafterin in Bagdad, April Glas
pie, ist zu Hause in Washington wegen eines Fernschreibens und ihres Gesprächs mit Saddam Hussein
eine Woche vor der Invasion ins Kreuzfeuer der Kritik
geraten. Sie soll dort unabsichtlich den Eindruck
erweckt haben, daß sich die Vereinigten Staaten einer
irakischen Invasion in Kuwait nicht in den Weg stellen
würden. Ich bin sicher, Sie haben die Berichte gesehen und frage Sie nun, wie Sie darauf reagieren?
Antwort: Meine Reaktion ist identisch mit der des
Weißen Hauses. Meiner Ansicht nach ist die Frage
absurd. Botschafter Glaspie ist eine engagierte Beamtin, die hervorragende Arbeit für ihr Land geleistet hat,
und ich meine, es ist einfach lächerlich, in irgendeiner
Weise zu behaupten, die Vereinigten Staaten hätten
zu der irakischen Invasion in Kuwait beigetragen.
Frage: Man könnte die Frage etwas anders formulieren. Würden Sie nicht zustimmen, daß es vor der
Invasion am 2. August Punkte gab, daß das Wirtschaftsministerium und verschiedene Teile der Regierung - vielleicht sogar Teile des Außenministeriums nicht eine solch harte Haltung gegenüber Saddam
Hussein einnahmen, wie dies später der Fall war?
Antwort: Ich glaube nicht, und ich habe dies vor dem
Kongreß erklärt, und Sie waren ja dort möglicherweise
anwesend. Ich habe drei bestimmte Maßnahmen
angeführt, die wir noch vor den ersten Anzeichen eines
militärischen Aufmarschs getroffen hatten. Wir hatten
Exportkontrollen für den Irak eingeführt. Wir hatten
Schritte eingeleitet, um den Transport oder Export
dieses Ofens zu untersagen, und da war noch eine
Seite 4

Frage: Haben Sie im Rahmen Ihrer Gespräche der
vergangenen 11 Tage irgendwelche Länder- die Europäer, die Bundesrepublik Deutschland, die EG oder
sonst jemanden - gebeten, Hilfsmittel für Syrien ebenso wie für die Türkei Und Ägypten abzuzweigen?
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan, weil ich
zunächst prüfen und herausfinden möchte, ob wir
angesichts der Tatsache, daß dieses Land auf der
Terrorismusliste steht, eine solche Maßnahme im
Rahmen geltenden Rechts treffen können. Und zweitens, ob dies als eine politische Angelegenheit ein
Schritt ist, den wir tun sollten. Ich habe mit den Sowjets
über Transportmöglichkeiten für die syrische Division
gesprochen.
Frage: Herr Außenminister, in Ihrer Rede bei der
NATO schlugen Sie vor, daß die NATO-Staaten den
Ländern Osteuropas helfen sollten, die ähnlich wie
Ägypten und die Türkei wirtschaftlich betroffen sind.
Haben Sie diesen Punkt während Ihrer Reise energisch verfochten und ist ein Teil dieser von Ihnen
erwähnten 20 Milliarden Dollar für Polen, Ungarn oder
andere Staaten vorgesehen?
Antwort: Keiner der von mir erwähnten Beiträge ist
bisher für diese Länder vorgesehen, aber ich denke,
ein Teil dieser Gesamtsumme ist noch nicht verplant.
Wir haben über die Schwierigkeiten gesprochen, die
sich für einige der Staaten Mittel- und Osteuropas aus
der Einhaltung der Sanktionen ergeben.
Frage: Während Ihrer gesamten Reise haben Sie zumindest bis heute - kein einziges Mal Jordanien als
einen der Anrainerstaaten genannt, die von dieser
Hilfe profitieren sollen. Ganz gewiß nicht in Zusammenhang mit den arabischen Staaten, die Sie besucht
haben. Betrachten die Vereinigten Staaten Jordanien
in diesem Sinne als Anrainerstaat, der Hilfe verdient,
was ist unsere Haltung? Warum wurde das Land von
der Liste entfernt?

AMERIKA DIENST 37

�Antwort: Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß sich Jordanien in einer besonder schwierigen Lage befindet. Wir gehen davon aus, daß Jordanien aufgrund seiner geographischen Lage Nachteile
entstehen. Wir betrachten Jordanien als hilfswürdig,
wenn das Land weiterhin die Sanktionen befolgt und
die volle Durchsetzung der Resolutionen des UNOSicherheitsrats verlangt. Für Jordanien wurden Hilfsmittel der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere
aus der Bundesrepublik Deutschland, sowie Mittel aus
Japan vorgesehen.

Antwort: Ich weiß es nicht. Wir müssen abwarten.
Wir haben früher bereits erklärt, daß die Haltung der
Sowjetunion in dieser Angelegenheit von uns und allen
anderen beteiligten Länder begrüßt wurde. Die Sowjets haben öffentlich erklärt, daß sie nur unter dem
Kommando der Vereinten Nationen Truppen in die
Region entsenden würden. Und das haben sie uns
auch in vertraulichen Gesprächen erklärt. Ich meine
also, daß wir abwarten müssen. Die Sowjets haben
jedoch politisch mit uns zusammengearbeitet, und
offengestanden können wir nicht mehr verlangen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Chancen für eine
Beteiligung der Sowjetunion an den militärischen
Bemühungen zu Lande - entweder durch Streitkräfte
oder vielleicht Transportmittel?

Frage: Haben Sie um Hilfe beim Luft- und Seetransport gebeten, und haben sie darauf geantwortet?

*

AMERIKA DIENST 37

Antwort: Nur, daß sie darüber nachdenken würden.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
19. September 1990

DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS POLITIK
GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt
WASHINGTON - (AD) - Die demokratische Mehrheit im amerikanischen Kongreß hat am 11. September erklärt,
sie unterstütze die Politik Präsident Bushs gegenüber der Aggression des Iraks. Der Vorsitzende der
demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus stellte in diesem Zusammenhang fest: "Der Präsident hat um
unsere Unterstützung gebeten. Er hat sie." Man könne und werde es "den Invasionstruppen eines fanatischen
Regimes nicht gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig
sind".
Die Erklärung von Gephardt hat folgenden Wortlaut.

Ich bin gebeten worden, die Antwort der Demokraten
auf die Ansprache des Präsidenten bekanntzugeben.
Heute abend in dieser Krise sind wir jedoch weder
Republikaner noch Demokraten. Wir sind nur Amerikaner, und darauf sind wir stolz.
Der Präsident hat um unsere Unterstützung gebeten.
Er hat sie. Die Bemühungen werden nicht leicht sein.
Sie schließen Lasten und mutige Taten ein, und dies
vielleicht in größerem Ausmaß, als wir uns das heute
vorstellen können. Das Ende des "langen Kampfes im
Zwielicht", wie Kennedy es nannte, hat der Dunkelheit
von Aggressionen und Konflikten kein Ende gesetzt.
Als Amerikaner treten wir jedoch mit einem bemerkenswerten Maß an Entschlußkraft und Zuversicht in
diese neue Welt ein. In unserem eigenen Land sind
das Gefühl der Geschlossenheit und das Fehlen einer
breiten Opposition gegen diese Aktion am Persischen
Golf Beweise für unsere machtvolle, instinktive Überzeugung, daß diese Sache es wert ist, sich dafür
einzusetzen und zu kämpfen.
Wir setzen uns ein - und werden gegebenenfalls
kämpfen -, weil ein lebenswichtiges nationales Interesse auf dem Spiel steht. Wir können und werden es den
Invasionstruppen eines fanatischen Regimes nicht
gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig sind.
Und doch geht es hier um mehr als um nationale
Interessen, so wichtig diese auch sein mögen. Die

AMERIKA DIENST 37

amerikanische Außenpolitik hatte stets eine moralische Komponente, und das muß auch in Zukunft der
Fall sein. Bisweilen wurde dies als Schwäche kritisiert,
aber in Wahrheit ist es unsere größte Stärke. Wenn
unsere Politik einen moralischen Kern hat, erlangen
wir dadurch eine unerschütterliche Entschlossenheit,
die sich auf die Tatsache gründet, daß wir für etwas
einstehen, an das wir glauben.
Wir stehen deshalb heute nicht einfach wegen des Öls
am Golf oder um Emire und Könige zu retten, sondern
um die unerläßlichen Grundwerte einer stabileren und
menschenwürdigeren Welt zu verteidigen. Wir verteidigen Grundrechte - von Familien auf Unverletzlichkeit
der Wohnung, von Nationen auf Sicherheit innerhalb
ihrer Grenzen, von Einzelpersonen auf Freizügigkeit
und Reisen ohne Furcht.
Der Tyrann, der Kuwait verwüstet hat, hat auch seine
eigenen Bürger mit Giftgas ermordet, er hat Pläne zur
Beschaffung von Atomwaffen geschmiedet, Völkermord gegen eine Minderheit begangen und jetzt Tausende von Männern, Frauen und Kindern als Geiseln
genommen.
Ihm auf dem Bildschirm zuzuschauen, wie er die Köpfe
von als Geiseln genommenen Kindern streichelt, erschüttert und empört uns.
Fest, eindeutig und umißverständlich müssen wir
Saddam Hussein sagen: Laß unsere Menschen gehen. Laß Kuwait gehen. Und wenn Sie einen Krieg

Seite 1

�vom Zaun brechen, sollen Sie wissen, daß wir ihn bis
zum Ende führen werden.
Wir haben in der Vergangenheit bereits erfahren, daß
die großen Konflikte, die sich auf die gesamte Welt
ausbreiten, aus kleinen, ungeahndeten Aggressionen
entstehen. Hätte die zivilisierte Welt weggeschaut,
dann hätte die irakische Kriegsmaschinerie die gesamte arabische Halbinsel überrollen können. Es
wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Irak
ballistische Raketen mit chemischen, biologischen und
nuklearen Gefechtsköpfe besessen hätte, die Israel,
Ägypten und selbst Europa erreichen können.
Jetzt aber haben auch andere Staaten rechtzeitig
gehandelt. Zu ihnen gehört die Sowjetunion, ein Land,
das wir in den Jahren des kalten Krieges nicht oft
gelobt haben. Vom Gipfel in Helsinki, auf dem Präsident Gorbatschow und Präsident Bush ihre gemeinsame Entschlossenheit bekundeten, konnten wir über
den heute auf den Nahen Osten fallenden Schatten
des Krieges hinweg eine neue Weltordnung erblicken,
in der die Starken zusammenarbeiten, um Aggressionen abzuschrecken und aufzuhalten.
Genau dies war Franklin Roosevelts und Winston
Churchills Vision vom Frieden für die Nachkriegszeit.
Ihre Hoffnung, die in nahezu fünfzig Jahren des kalten
Krieges in den Hintergrund getreten war, ist in dieser
neuen, nachkommunistischen Ära zu neuem Leben
erwacht.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin die führende
Kraft - die einzige Macht, die in der Lage ist, eine große
und weltweite Allianz von der Größenordnung aufzubieten, wie wir sie bei der Operation Wüstenschild
erleben. Es reicht jedoch nicht aus, wenn andere
Staaten unser Engagement teilen. Sie müssen auch

die Lasten teilen.
Wenn Bangladesh Truppen bereitstellt, um dem Verderben Einhalt zu gebieten, so sollten unsere mächtigen und wohlhabenden Verbündeten dasselbe tun.
Wenn Japan, die Bundesrepublik Deutschland und
andere NATO-Länder wesentlich stärker vom ö l des
Nahen Ostens abhängig sind als wir, dann können und
sollten sie zur Verteidigung ihrer eigenen vitalen Interessen am Persischen Golf beitragen.
Wenn Länder wie Ägypten an unserer Seite stehen
können, wenn junge Amerikaner an der Frontlinie nur
wenige Meilen von der Bedrohung durch Giftgas entfernt stehen, dann ist das Mindeste, was Japaner und
Deutsche tun können, uns zu unterstützen - und nicht
nur mit Worten. Sie müssen auf unsere möglichen
Opfer an Menschenleben zumindest mit eigenen finanziellen Opfern reagieren.
Wir stehen dort, weil es richtig ist. Es ist jedoch ebenso
richtig, unseren Freunden zu sagen, daß auch sie sich
internationaler Verwerflichkeit und Aggression in den

Seite 2

Weg stellen müssen. Die Vereinigten Staaten werden
ihren Teil dazu beitragen - und wir werden auch darauf
bestehen, daß andere Länder ihren Anteil an diesem
Kampf tragen.
Wir haben unsere Aufgabe noch nicht erfüllt, aber wie
machtvoll sind die Anzeichen für den Anbruch einer
neuen Welt. Heute erleben wir, wie ägyptische und
saudische Soldaten ungarische Gasmasken tragen
oder russische Gewehre, wie sie neben dem Gefreiten
aus Pittsburgh in der Wüste stehen, der in Israel
hergestellte ABC-Schutzkleidung trägt. Die Infamie
Saddam Husseins hat uns in der Tat zu Vereinten
Nationen gemacht.
Damit die Vereinigten Staaten aber letztlich ihrer
Führungsrolle in der Welt gerecht werden können,
müssen wir unsere Wirtschaft in Ordnung bringen.
Denn, wie ein anderer Präsident uns einmal in Erinnerung rief: "Wir können nicht im Ausland stark sein,
wenn wir zu Hause schwach sind."
Seit über einem Jahrzehnt gibt es in den Vereinigten
Staaten keine tragfähige Energiepolitik. Es ist an der
Zeit, für Energiesicherheit zu sorgen - mehr Produktion
und mehr Energieeinsparung, mehr Unterstützung für
neue Brennstoffe. Unser Ziel kann jedoch nicht darin
bestehen, die Vereinigten Staaten reif für den Isolationismus zu machen. Stattdessen müssen wir die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten sicherstellen, in
Übersee zu handeln, ohne größere Schäden durch ein
ölembargo zu erleiden. Unser Land muß nicht auf
Dauer mit der Wahl konfrontiert sein, einer Aggression
entgegenzutreten oder lange Schlangen an den Tankstellen zu erdulden.
Wirtschaftliche Stärke erfordert darüber hinaus Maßnahmen gegen das Haushaltsdefizit. Um dem Präsidenten bei der Erarbeitung eines Haushalts zu helfen,
haben wir Demokraten Kürzungen bei bestimmten
Inlandsprogrammen angeboten, während wir gleichzeitig versuchen, die wichtigsten zu schützen. Aber wir
werden niemals die Sache der Arbeitnehmerfamilien
aufgeben. Sie haben am wenigsten von den achtziger
Jahren profitiert, und sie sollten nicht diejenigen sein,
die in den neunziger Jahren am meisten opfern müssen. Sie zahlen bereits an den Staat, ihre Schüler- und
Studentendarlehen wurden bereits gekürzt, und ihre
Söhne und Töchter sind am Persischen Golf in Gefahr.
Auch Präsident Bushs Verpflichtung zur Erhöhung von
Steuern muß mit dem Maßstab der Fairneß betrachtet
werden. Die arbeitende Bevölkerung, die von den
Steuererleichterungen der Vergangenheit fast keine
Vorteile hatte, darf nicht aufgerufen werden, den
Löwenanteil an den Steuererhöhungen von heute zu
tragen. Ebenso wie wir die reichen Nationen auffordern, ihren fairen Anteil zur Abschreckung der Aggression beizutragen, müssen wir die reichen Amerikaner
auffordern, ihren fairen Anteil zu tragen, um eine
Rezession abzuwenden und unsere Schulden zu senken.

AMERIKA DIENST 37

�Darüber hinaus müssen wir energisch an die Gestaltung der Verteidigungspolitik herangehen, die wir heute
benötigen - eine Politik, die zeitgemäßer und reaktionsfähiger ist.
Wir können und werden uns die Systeme leisten, die
für eine Operation im Stile von Wöstenschild entscheidend sind: Panzer, präzisionsgesteuerte Raketen und
schneller Seetransport.
Aber Krieg der Sterne, der B-2 Bomber und die MXRakete sind kostspielige Systeme, die für den kalten
Krieg geplant waren, den wir bereits gewonnen haben.
Wir können und müssen den Teil des PentagonHaushalts reduzieren, der lediglich ein Schattenboxen
mit der Vergangenheit darstellt.
Für uns alle gilt heute abend jedoch die größte Sorge
den grundsätzlichsten Realitäten - den Hunderten von
amerikanischen Familien, die einen Angehörigen haben,
der als Geisel festgehalten wird, den 100 000 jungen
Amerikanern in Uniform: Töchtern, Söhnen, Ehemännern, Ehefrauen und Freunden, die so rasch nach
Saudi-Arabien entsandt wurden. Bei einer Reise in
dieses Land konnte ich vor wenigen Tagen selbst
feststellen, wie sie den weglosen Wüstensand zu einer
Frontlinie der internationalen Verteidigung machten.
Ich sprach mit einem Soldaten, der mir beschrieb, wie
Telefonleitungen in der saudischen Sonne zerschmolzen. Piloten erzählten mir, daß die Temperaturen im
Cockpit bis zu 60 Grad Celsius erreichen.
Ein anderer junger Mann wollte eigentlich am nächsten
Sonntag heiraten. Diese Hochzeit muß warten. Bevor
er seiner Braut zuprostet, muß er jeden Tag über 20

*

AMERIKA DIENST 37

*

Liter Wasser trinken, nur um in der unbarmherzigen
Hitze zu überleben.
Keiner von den jungen Soldaten, mit denen ich sprach,
hatte Zweifel an seinem Auftrag. Sie stellen sich auf
Probleme wie das Eindringen von Sand in Maschinen
oder Getriebe mit jener bemerkenswerten amerikanischen Improvisationsgabe ein und reagieren auf
Rückschläge mit ihrem unverwüstlichen amerikanischen Humor. Am meisten machen sie sich darüber
Sorgen, daß ihre Familien sich Sorgen machen.
Randy King aus Arkansas überreichte mir eine hingekritzelte Botschaft für seine Mutter: "Mir geht's gut.
Keine Probleme. Schreib bitte. Ich liebe Dich, Randy."
Und Ronald Lloyd aus Idaho sprach für die meisten
Soldaten, als er mich bat, seiner Familie auszurichten,
sie solle "Briefmarken und Plätzchen schicken - und
von beidem jede Menge".
Ihr Mut gebietet unsere Unterstützung. Wir werden als
eine unteilbare Nation hinter ihnen stehen.
Wir werden andere Länder dazu auffordern, mit ihrer
Entschlossenheit und Opferbereitschaft gleichzuziehen.
Wir werden versuchen, diese Krise auf friedlichem
Wege zu bewältigen, aber ohne Beschwichtigungspolitik.
Und wenn unsere Soldaten kämpfen müssen, dann
werden wir sicherstellen, daß sie gewinnen.

Heute abend gilt unsere gemeinsame Entschlossenheit und unser Gebet ihnen und unserem Land.

*

*

Seite 3

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