<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2162" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2162?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:46:35+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2173">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0853f9419b2861f066bfe97d41c7cd39.pdf</src>
      <authentication>9f0c5d6bb0348f4010ab23180df621f7</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10951">
                  <text>^S^Ä**1 S t l t e i Information Sorvfc»
&lt;§ntassy of the United States of America
Libtsry Services
Deichmanns Aue 29

0
*

cimGrikci
dienet

6300 Bonn 2
U. S. I nformation Service
Embassy of the United States of America

12. September 1990

36

GOLFKRISE

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION "WIRD NICHT
BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers
in Brüssel

DEUTSCHLANDPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters in München

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFK RISE
36

12. September 1990

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION
"WIRD NICHT BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
»
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses hat Präsident Bush am 11.
September 1990 erklärt, "eine neue Partnerschaft der Nationen" stehe gemeinsam gegen die irakische
Besetzung Kuwaits. Er bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten diese Aggression nicht hinnehmen werden.
Bush forderte erneut den "unverzüglichen und bedingungslosen" Rückzug des Iraks und die Wiederherstellung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait. Darüber hinaus erklärte der Präsident: "Wir erleben heute einen
einzigartigen und historischen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst sie ist, bietet auch eine seltene
Gelegenheit, einer historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten
... kann eine neue Weltordnung entstehen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, Mitglieder des
Kongresses, verehrte Gäste, liebe amerikanische
Mitbürger,
wir haben uns heute abend hier versammelt, um die
bedeutsamen und tragischen Ereignisse am Persischen Golf zu erörtern. Nach Verhandlungen und
Versprechungen des irakischen Diktators Saddam
Hussein, keine Gewalt anzuwenden, überfiel in den
frühen Morgenstunden des 2. August eine mächtige
irakische Armee den vertrauensvollen und erheblich
schwächeren Nachbarstaat Kuwait. Innerhalb von
drei Tagen standen 120 000 irakische Soldaten mit
850 Panzern in Kuwait und marschierten nach Süden,
um Saudi-Arabien zu bedrohen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschloß, dieser Aggression entgegenzutreten.
Heute halten die mutigen Angehörigen unserer Streitkräfte in jenen fernen Wüsten und auf fernen Meeren
Wache, Seite an Seite mit Streitkräften aus über 20
anderen Ländern.
Sie gehören zu den besten Männern und Frauen der
Vereinigten Staaten von Amerika. Und sie leisten
hervorragende Arbeit.
Diese tapferen Amerikaner waren augenblicklich be-

AMERIKA DIENST 36

reit, ihre Ehegatten und Kinder zurückzulassen, um an
einer Front zu dienen, die eine halbe Weltreise entfernt
liegt. Sie erinnern uns daran, worin die Stärke der
Vereinigten Staaten liegt. Das tun sie.
Unter den schwierigen Bedingungen am Golf ist die
Moral unserer Soldaten außergewöhnlich gut. Im
Angesicht der Gefahr sind sie mutig, gut ausgebildet
und engagiert.
Ein Soldat, der Obergefreite Wade Merrit aus Knoxville
in Tennessee, der heute in Saudi-Arabien stationiert
ist, schrieb seinen Eltern von seinen Ängsten, seiner
Liebe zu seiner Familie und seinen Hoffnungen auf
Frieden. Er schrieb aber auch: "Ich bin stolz auf mein
Land und seinen festen Standpunkt gegenüber einer
unmenschlichen Aggression. Ich bin stolz auf meine
Armee und ihre Männer. ... Ich bin stolz darauf,
meinem Land zu dienen."
Wade, ich möchte Ihnen nur sagen, daß die Vereinigten Staaten stolz auf Sie sind. Unser Dank gebührt
jedem Soldaten, Matrosen, Marineinfanteristen und
Flieger, der am Persischen Golf im Dienste des Friedens steht.
Ich möchte darüber hinaus dem Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs, General Powell, den Stabschefs selbst, unserem Kommandeur am Persischen
Seite 1

�Golf, General Schwartzkopf, und den Männern und
Frauen des Verteidigungsministeriums danken - Sie
haben eine solch hervorragende Arbeit geleistet.

zu vereiteln.

Ich wünschte, ich könnte sagen, ihre Arbeit sei getan.
Wir alle wissen jedoch, daß dies nicht der Fall ist.

Wir erleben heute einen einmaligen und außerordentlichen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst
sie ist, bietet auch eine seltene Gelegenheit, einer
historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten kann unser
fünftes Ziel - eine neue Weltordnung - entstehen: eine
neue Ära, freier von der Bedrohung des Terrorismus,
stärker im Streben nach Gerechtigkeit und sicherer in
der Suche nach Frieden. Ein Zeitalter, in dem die
Staaten der Welt, Ost und West, Nord und Süd, in
Harmonie gedeihen und leben können.

Wenn es jemals an der Zeit war, sein Land über sich
selbst zu stellen und Patriotismus über eine Partei,
dann ist diese Zeit jetzt gekommen. Ich möchte allen
Amerikanern für ihre Unterstützung unserer Streitkräfte und ihres Auftrags danken, besonders den in diesem Hause versammelten.
Diese Unterstützung wird in der kommenden Zeit noch
wichtiger sein.
Heute abend möchte ich Ihnen deshalb erläutern, was
auf dem Spiel steht - was wir gemeinsam unternehmen
müssen, um zivilisierte Werte in der ganzen Welt zu
verteidigen und unsere wirtschaftliche Stärke im Inland zu erhalten.
Unsere Ziele am Persischen Golf sind eindeutig, sie
sind definiert und allseits bekannt:
Der Irak muß sich vollständig, unverzüglich und
bedingungslos aus Kuwait zurückziehen.
Die rechtmäßige Regierung Kuwaits muß
wiederhergestellt werden.
Die Sicherheit und Stabilität des Persischen
Golfs muß gesichert werden.
Amerikanische Bürger im Ausland müssen
geschützt werden.
Dies sind nicht nur unsere Ziele. Sie wurden vom
UNO-Sicherheitsrat in den vergangenen Wochen fünfmal
gebilligt. Die meisten Länder teilen unsere Sorge um
Prinzipien, und zahlreiche Staaten haben ein Interesse
an der Stabilität des Persischen Golfs. Es handelt sich
eben nicht, wie Saddam Hussein es gerne hätte, um
die Vereinigten Staaten gegen den Irak. Der Irak steht
gegen die Welt.
Wie Sie wissen, bin ich gerade von einem sehr produktiven Treffen mit dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow heimgekehrt. Ich freue mich, daß wir zusammenarbeiten, um ein neues Verhältnis aufzubauen. Unsere gemeinsame Erklärung von Helsinki hat
der Welt gegenüber unsere gemeinsame Entschlossenheit bekräftigt, der irakischen Bedrohung des Friedens entgegenzutreten. Ich zitiere: "Wir sind gemeinsam der Überzeugung, daß die Aggression des Iraks
nicht toleriert werden darf. Eine friedliche Weltordnung
ist unmöglich, wenn größere Staaten ihre kleineren
Nachbarn verschlingen können."
Es ist eindeutig, daß sich kein Diktator mehr auf die
Ost-West-Konfrontation verlassen kann, um eine
gemeinsame Aktion der UNO gegen eine Aggression

Seite 2

Eine neue Partnerschaft der Nationen hat begonnen.

Hunderte von Generationen haben diesen verschlungenen Pfad zum Frieden gesucht, während Tausende
von Kriegen tobten. Heute kämpft eine neue Welt
darum, geboren zu werden. Eine Welt, die sich von der
uns bekannten stark unterscheidet. Eine Welt, in der
die Herrschaft des Rechts das Gesetz des Dschungels
ablöst. Eine Welt, in der die Nationen ihre gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Recht anerkennen.
Eine Welt, in der der Starke die Rechte des Schwachen achtet.
Die vor uns liegende Prüfung ist groß - und das gleiche
gilt für den Einsatz, der auf dem Spiel steht. Dies ist der
erste Angriff auf die von uns angestrebte neue Welt,
die erste Prüfung unseres Muts. Hätten wir nicht mit
klarer Entschlossenheit auf diese erste Provokation
reagiert und würden wir unsere Entschlossenheit nicht
weiterhin unter Beweis stellen, wäre dies ein Signal für
gegenwärtige und potentielle Despoten in der ganzen
Welt.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen gemeinsame lebenswichtige Interesse verteidigen. Und sie
werden es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen die
Herrschaft des Rechts unterstützen. Und sie werden
es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen sich
gegen Aggressionen zur Wehr setzen. Und sie werden es tun.
Und noch eines - beim Streben nach diesen Zielen
werden sich die Vereinigten Staaten nicht einschüchtern lassen.
Lebenswichtige Grundsatzfragen stehen auf dem Spiel.
Saddam Hussein versucht tatsächlich, einenStaat von
der Landkarte zu tilgen.
Wir übertreiben nicht. Und wir übertreiben auch nicht,
wenn wir sagen: Saddam Hussein wird scheitern.
Darüber hinaus stehen lebenswichtige Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel. Der Irak selbst kontrolliert
etwa 10 Prozent der Welterdölreserven. Mit Kuwait

AMERIKA DIENST 36

�kontrolliert der Irak die doppelte Menge. Ein Irak, dem
es gestattet wäre, Kuwait zu schlucken, würde die
wirtschaftliche und militärische Macht, aber auch die
Arroganz besitzen, seine Nachbarn einzuschüchtern
und unter Druck zu setzen - Nachbarn, die den Löwenanteil der übrigen Welterdölreserven kontrollieren. Wir
können es nicht zulassen, daß solch lebenswichtige
Bodenschätze von jemandem beherrscht werden, der
so rücksichtslos handelt. Und wir werden es nicht
zulassen.
Die jüngsten Ereignisse haben eindeutig gezeigt, daß
es für die amerikanische Führungsrolle keinen Ersatz
gibt. Im Angesicht der Tyrannei sollte niemand Zweifel
an der amerikanischen Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit haben.
Niemand sollte an unserer Ausdauer zweifeln. Wir
werden unseren Freunden zur Seite stehen.
Auf die eine oder andere Weise muß der Führer des
Iraks diese grundsätzliche Wahrheit lernen.
Von Beginn an haben wir uns Hand in Hand mit
anderen darum bemüht, eine möglichst breite internationale Reaktion auf die irakische Aggression herbeizuführen. Das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit und Verurteilung des Iraks ist einmalig.
Streitkräfte von Ländern aus vier Kontinenten sind dort
auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien anwesend,
um oinen Angriff abzuschrecken und. falls nötig, abzuwehren. Moslems und Nicht-Moslems, Araber und
Nicht-Araber, Soldaten aus vielen Ländern stehen
Seite an Seite, entschlossen gegen die Ambitionen
Saddam Husseins.
Wir können nun auf fünf Resolutionen des UNOSicherheitsrats bauen, in denen die irakische Aggression verurteilt, der unverzügliche und bedingungslose
Abzug des Iraks und die Wiederherstellung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits gefordert und der zynische und egoistische Versuch des Iraks, Kuwait zu
annektieren, kategorisch abgelehnt wird.
Schließlich haben die Vereinten Nationen die Freilassung aller ausländischen Staatsbürger verlangt, die
gegen ihren Willen und unter Verletzung des Völkerrechts festgehalten werden. Es spricht jedem menschlichen Anstand Hohn, diese Menschen als "Gäste" zu
bezeichnen. Sie sind Geiseln, und die ganze Welt
weiß es.
Premienninisterin Thatcher hat es treffend gesagt:
"Wii schachern nicht um Geiseln. Wir werden nicht auf
das Niveau herabsinken, daß wir Menschen als Tauschobjekte benutzen. Niemals."
Natürlich sind wir mit unseren Herzen bei den Geiseln
und ihren Familien. Aber unsere Politik kann sich nicht

AMERIKA DIENST 36

ändern, und sie wird sich nicht ändern. Die Vereinigten
Staaten und die Welt werden sich nicht erpressen
lassen.
Heute sind Vereinte Nationen in greifbare Nähe gerückt, die so handeln, wie sich das ihre Gründer
vorgestellt hatten. Vieles davon verdanken wir der
hervorragenden Führung von Generalsekretär Perez
de Cuellar. Die Vereinten Nationen verleihen ihren
Worten durch Maßnahmen Nachdruck. Der Sicherheitsrat hat bindende Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak verhängt, mit denen der Irak um die Beute
seiner illegalen Eroberung gebracht werden soll. Der
Sicherheitsrat hat femer den entscheidenden Schritt
unternommen, den Einsatz aller notwendigen Mittel zu
billigen, um die Einhaltung der Sanktionen zu gewährleisten.
Zusammen mit unseren Freunden und Verbündeten
befinden sich heute Schiffe der amerikanischen Marine auf Patrouille in nahöstlichen Gewässern. Sie
haben bereits über 700 Schiffe gestoppt, um die
Sanktionen durchzusetzen. Drei führende Politiker in
der Region, mit denen ich gestern gesprochen habe,
versicherten mir, daß die Sanktionen funktionieren.
Der Irak fühlt den Druck.
Wir hoffen weiterhin, daß die Führung des Iraks noch
einmal nachrechnen wird, was ihre Aggression sie
gekostet hat. Das Land ist vom Welthandel abgeschnitten. Es ist nicht in der Lage, sein Öl zu verkaufen. Und nur ein Bruchteil der Waren kommt durch.
In den Vereinigten Staaten können die tatsächlichen
Kosten unserer Führungsrolle äußerst hoch sein. Aus
diesem Grund sind Außenminister Baker und Finanzminister Brady mit Staats- und Regierungschefs aus
aller Welt zusammengetroffen, um zu unterstreichen,
daß die Lasten dieser gemeinsamen Bemühungen
geteilt werden müssen. Wir sind bereit, unseren
Beitrag und noch mehr zu leisten, um diese Last zu
tragen, aber wir bestehen darauf, daß auch andere
ihren Anteil übernehmen.
Die meisten unserer Freunde und Verbündeten haben
darauf positiv reagiert. Um die Kosten zu bestreiten,
haben sich die Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits
und der Vereinigten Arabischen Emirate bereit erklärt,
unsere dort stationierten Truppen mit soviel Nahrungsmitteln und Treibstoff zu versorgen, wie sie benötigen.
Darüber hinaus wird den tapferen Staaten an der
Frontlinie, wie etwa der Türkei und Ägypten, großzügige Hilfe geleistet.
Es rührt mich persönlich, berichten zu können, daß
diese internationale Reaktion auch die bedürftigsten
Opfer dieses Konflikts einbezieht - die Flüchtlinge. Wir
haben unsererseits 28 Millionen Dollar Hilfe bereitgestellt. Das ist jedoch nur ein Teil von dem, was benötigt

Seite 3

�wird. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf Saudi-Arabien, Japan und einige europäische
Länder verweisen, die uns bei diesen humanitären
Bestrebungen unterstützt haben.
Darüber hinaus müssen auch die Belastungen im
Energiebereich getragen werden. Die ölproduzierenden Länder fangen bereits den Produktionsausfall im
Irak und in Kuwait auf. Mehr als die Hälfte des Ausfalls
konnte ersetzt werden. Wir können mit hervorragender Kooperation rechnen. Wenn die Förderländer,
einschließlich der Vereinigten Staaten, weiterhin Schritte zum Ausbau der Öl- und Gasförderung unternehmen, können wir die Preise stabil halten und uns vor
Härten schützen. Darüber hinaus haben wir zusammen mit unseren Verbündeten die Möglichkeit, ö l aus
unserer Treibstoffreserve für strategische Zwecke
abzuleiten, wenn die Umstände dies erfordern. Ich
habe bereits darauf verwiesen, wie wichtig Sparsamkeit ist, um unseren Energiebedarf so gering wie
möglich zu halten. Wir müssen aus einer größeren
Bandbreite unserer Energiequellen Nutzen ziehen:
Kohle, Erdgas, Wasser und Atomkraft. Unsere Vernachlässigung dieser Bereiche hat dazu geführt, daß
wir abhängiger von ausländischem Öl sind als je zuvor.
Außerdem sollte niemand es auch nur wagen, von
dieser Krise zu profitieren.
Ich kann nicht vorhersagen, wie lang es dauern wird,
um den Irak von einem Abzug aus Kuwait zu überzeugen. Sanktionen werden Zeit brauchen, bevor ihre
beabsichtigte Wirkung durchschlägt. Wir werden
weiterhin alle Optionen mit unseren Verbündeten
erwägen, aber eins sollte klar sein: Wir werden diese
Aggression nicht dulden.
Unser Interesse und unser Engagement im Golf haben
keinen vorübergehenden Charakter. Sie bestanden
bereits vor der Aggression Saddam Husseins und
werden sie überdauern. Lange nachdem all unsere
Truppen zurückkehren, werden die Vereinigten Staaten Hilfe für die Länder am Persischen Golf als permanente Aufgabe betrachten. Unsere Aufgabe besteht
unter anderem darin, eine künftige Aggression abzuschrecken. Unsere Aufgabe ist es, unseren Freunden
bei ihrer Selbstverteidigung zu helfen. Und wir wollen
die Weiterverbreitung chemischer und biologischer
Technologie sowie ballistischer Raketen und vor allem
Nukleartechnologie einzudämmen.
Ich möchte aber betonen, daß die Vereinigten Staaten
dem irakischen Volk nicht feindlich gegenüberstehen.
Unser Streit betrifft den irakischen Diktator und seine
Aggression. Die Annexion Kuwaits wird dem Irak nicht
gestattet werden. Das ist keine Drohung oder Großtuerei, sondern Tatsache.
Unsere Fähigkeit, als Großmacht im Ausland etwas
bewirken zu können, hängt von unserem Verhalten im
Inland ab. Unsere Wirtschaft, unsere Streitkräfte,
unsere Energieabhängigkeit und unser Zusammen-

Seite 4

halt bestimmen, ob wir unseren Freunden helfen und
uns unseren Gegnern stellen können.
Wenn Amerika führen will, muß es stark und vital
bleiben. Unsere Führungsrolle in der Welt und unsere
innenpolitische Stärke beruhen auf Gegenseitigkeit
und verstärken sich gegenseitig; sie sind seit jeher eng
verknüpft.
Um unsere Führungsrolle zu erhalten, müssen wir
unser Haushaltsdefizit ansprechen - nicht nach der
Wahl oder im nächsten Jahr, sondern jetzt.
Höhere ölpreise verlangsamen unser Wachstum, urtd
höhere Verteidigungsausgaben würden unser Defizitproblem nur verschlimmern. Dieses Defizit ist bereits
umfangreicher als es sein sollte - geschätzte 232
Milliarden Dollar im nächsten Jahr. Es muß - und wird
- abgebaut werden.
Meine Freunde im Kongreß, wir müssen noch in diesem Monat gemeinsam handeln - bevor das nächste
Haushaltsjahr am 1. Oktober beginnt - um das wirtschaftliche Haus Amerikas in Ordnung zu bringen. Die
Situation im Golf läßt uns zu der Erkenntnis gelangen,
daß wir wirtschaftlich verwundbarer sind als wir das
jemals hätten sein sollen. Die Amerikaner dürfen nie
mehr in eine - wirtschaftliche oder militärische - Krise
geraten und dabei in solchem Maße abhängig von
ausländischem ö l sein und eine so überwältigende
Schuldenlast tragen.
Die meisten Amerikaner sind der endlosen Kämpfe im
Kongreß und zwischen den einzelnen Bereichen der
Regierung über Haushaltsprobleme müde. Es ist an
derZeit, daß wir zusammenhalten - und unsere Aufgabe erfüllen. Es ist an uns, dies wieder in den Griff zu
bekommen.
Diese Aufgabe besteht aus vier Teilen.
Erstens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat im
Rahmen eines Haushaltsabkommens wachstumsorientierte Steuermaßnahmen verabschieden - um
eine Rezession in naher Zukunft zu vermeiden und um
langfristig Spareinlagen, Investitionen, Produktivität
und Wettbewerbsfähhigkeit zu steigern. Diese Maßnahmen umfassen die Ausweitung von Anreizen für
Forschung und Entwicklung, Steuererleichterungen
für Hauskäufer, die Einrichtung von steuerlich begünstigten Sparplänen für Familien, Anreize für die Schaffung von Gewerbegebieten und Initiativen zur stärkeren Ölförderung im Inland sowie eine Senkung der
Kapitalertragssteuer.
Zweitens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
ein durchdachtes mehrjähriges Verteidigungsprogramm
verabschieden - das nicht nur die Verbesserung der
Ost-West-Beziehungen, sondern unsere umfassendere Verantwortung widerspielt, mit den permanenten
Risiken gesetzloser Aktionen und regionaler Konflikte
fertigzuwerden. Auch angesichts unserer Verpflich-

AMERIKA DIENST 36

�tungen am Golf kann ein fester Verteidigungshaushalt
real reduziert werden, und wir sind bereit, das zu
akzeptieren. Aber einen Abbau der Verteidigung über
einen Punkt hinaus, an dem unsere Sicherheit bedroht
wird, kann ich niemals akzeptieren.

Sie muß das Wachstum der verdeckten Staatsschulden ansprechen.

Die Welt ist immer noch gefährlich. Zumindest das ist
eindeutig. Die Stabilität ist nicht gesichert. Amerikanische Interessen sind weitreichend. Die wechselseitige Abhängigkeit ist gestiegen. Regionale Instabilität
kann weltweite Auswirkungen haben. Dies ist nicht die
Zeit, um Amerikas Fähigkeit zum Schutz seiner lebenswichtigen Interessen zu aufs Spiel zu setzen.

Ich fordere den Kongreß auf, mir ein umfassendes
Fünfjahresprogramm zum Defizitabbau als Gesetzespaket an die Hand zu geben - inklusive Maßnahmen,
die gewährleisten, daß es vollständig durchgeführt
werden kann. Amerika ist der halbherzigen Defizitreduzierungen, des Ich-verspreche-heute-und-zahlemorgen müde. Genug ist genug. Es ist Zeit für ein
Programm, das glaubwürdig und reell ist.

Drittens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
Maßnahmen zur Förderung der heimischen Energiegewinnung und -einsparung verabschieden, um die
Abhängigkeit von ausländischem Öl zu vermindern.
Diese Maßnahmen sollten meine Vorschläge einbeziehen, die Anreize für inländische Öl- und Gasgewinnung zu erhöhen, auf andere Treibstoffe auszuweichen und die Entwicklung der Energievorkommen in
Alaska ohne Schaden für die Tierwelt zu beschleunigen.
Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten zurZeit
des Ölembargos Anfang der siebziger Jahre fast 6
Millionen Barrel Öl pro Tag importiert. Vor der irakischen Invasion in diesem Jahr waren die Ölimporte der
Vereinigten Staaten auf fast 8 Millionen Barrel pro Tag
gestiegen. Wir haben die falsche Richtung eingeschlagen. Wir müssen jetzt etwas unternehmen, um
diesem Trend gegenzusteuern.
Viertens: Der Kongre ß sollte noch in diesem Monat ein
Fünfjahresprogramm verabschieden, im Rahmen
dessen die geschätzte Schuldenlast und das Defizit
um 500 Milliarden Dollar - eine halbe Billion - reduziert
werden kann. Wenn wir gemeinsam mit dem Kongreß
bis Ende des Monats ein zufriedenstellendes Programm erarbeiten können, können wir die Axt der
"Zwangsmaßnahmen" - einschneidende Kürzungen,
die unsere militärische Fähigkeit bedrohen und erhebliche Störungen im Inland hervorrufen würden - abwenden.
Ich möchte dem amerikanischen Volk mitteilen können, daß wir das Defizitproblem ein für allemal gelöst
haben. Damit ich das tun kann, muß eine Haushaltsvereinbarung folgende Bedingungen erfüllen:
Sie muß die von mir empfohlenen Maßnahmen umfassen, um das Wirtschaftswachstums anzukurbeln und
die Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern.
Sie muß gerecht sein. Alle sollten einen Beitrag
leisten, aber die Belastung sollte nicht für bestimmte
Programme oder Personengruppen überdurchschnittlich ausfallen.

AMERIKA DIENST 36

Sie muß den Haushaltsprozeß reformieren und weiterhin muß sie reell sein.

Schließlich muß das Programm zum Defizitabbau
zwar neue Einnahmequellen erschließen, aber jede
Maßnahme vermeiden, die das Wirtschaftswachstum
bedroht oder uns in die Tage zurückversetzt, als
Einkommenssteuern bestrafenden Charakter hatten.
Das ist ein Weg, den wir nicht einschlagen sollten.
Ich bin mit den jüngsten Fortschritten sehr zufrieden,
auch wenn es dabei nicht immer reibungslos zuging.
Aber jetzt ist es an der Zeit, etwas zu tun.
Ich hoffe, daß wir einen verantwortungsbewu ßten Plan
ausarbeiten können. Aber mit oder ohne Vereinbarung vom Haushaltsgipfel fordere ich beide Häuser
des Kongresses auf, bis zum 28. September eine klare
und eindeutige Entscheidung über ein Paket zum
Defizitabbau im Umfang von 500 Milliarden Dollar zu
treffen.
Wenn der Kongreß mir keinen Haushalt geben kann,
werden die Amerikaner unweigerlich harte Zwangsmaßnahmen hinnehmen müssen.
Ich hoffe und vertraue jedoch darauf, daß der Kongreß
das tun wird, was er tun muß. Wir in der Exekutive
werden das unsrige tun.
Unsere Fähigkeit, unseren Pflichten im Ausland nachzukommen, hängt letztlich auch vom politischen Willen
und vom Konsens im Inland ab. In Demokratien - wo
wir nur mit der Zustimmung der Regierten regieren - ist
es niemals einfach Und obwohl freie Menschen in
einer freien Gesellschaft ein Recht auf Differenzen
haben, haben Amerikaner in Zeiten, wo sie angegriffen
oder herausgefordert wurden, immer zusammengestanden.
Wieder einmal sind Amerikaner hervorgetreten, um
mit ihren Familien einen tränenreichen Abschied zu
feiern, bevor sie zu feindlichen und fernen Ufern aufbrachen. In diesem Augenblick dienen sie gemeinsam
mit Arabern, Europäern, Asiaten und Afrikanern, um
den Grundsatz und den Traum von einer neuen Weltordnung zu verteidigen. Deshalb schwitzen sie und
quälen sich im Sand und der Hitze und der Sonne.

Seite 5

�Wenn man sich trotz aller Gegensätze zusammenschließen kann, wenn alte Gegner wie die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten für eine gemeinsame
Sache kämpfen, dann können wir, die wir das Glück
haben, in diesem Hause - aus Demokraten, Republi-

kanern, Liberalen und Konservativen - anwesend zu
sein, erst recht zusammenfinden, um unsere Pflicht
hier zu erfüllen.
Ich danke Ihnen, guten Abend und Gott schütze Amerika.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�GOLFKRISE
36

12. September 1990

BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - Au ßenminister Baker zufolge ist der Überfall des Iraks auf Kuwait ebenso wie alle zukünftigen
Aggressionen Bagdads am Golf zum Scheitern verurteilt. "Saddam Husseins Aggression gegen Kuwait kann
nicht Bestand haben, und die Welt mu ß sicher sein, daß er auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist," erklärte Baker am 10. September 1990 nach einer Sondersitzung des Nordatlantikrats in Brüssel.
Darüber hinaus stellte Baker klar, daß "die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression zweifelsohne
von uns allen getragen werden müssen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminister Baker in leicht gekürzter Fassung:
BAKER: Bevor ich Ihre Fragen entgegennehme,
möchte ich Ihnen kurz die wichtigsten Punkte unserer
heutigen Gespräche erläutern.
Erstens, wie ich vergangene Woche vor dem Kongreß
und heute vor dem Nordatlantikrat erklärt habe, sind
wir der Meinung, daß die nichtprovozierte Invasion und
andauernde Besetzung Kuwaits durch den Irak ein
politischer Prüfstein für das Funktionieren der Welt
nach dem kalten Krieg ist.
Die Art und Weise, in der wir und eine Koalition
demokratischer Staaten reagieren, wird ein Maßstab
dafür sein, wie gut sich die westlichen Sicherheitsorganisationen, also NATO und WEU, auf die Gefahren
von heute und die Bedrohungen von morgen einstellen
können.
Zweitens habe ich die Mission zur Teilung von Verantwortung erläutert, mit der unser Finanzminister und ich
uns in der vergangenen Woche befaßt haben. Wir
bezeichnen diese Mission aus gutem Grund als "Teilung von Verantwortung".
Die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression müssen zweifelsohne von uns allen getragen
werden. Die übergeordnete Verantwortung für den
Aufbau einer friedlicheren Welt rechtfertigt solche Lasten
durchaus.
Meine Reise in die Goifstaaten und nach Ägypten war
- so denke ich - besonders produktiv: politisch, militärisch und wirtschaftlich. Ich fand eine regionale Koalition vor, die sich entschlossen der irakischen Aggres-

AMERIKA DIENST 36

sion entgegenstellt. In Ägypten ist Präsident Mubarak
sowohl politische als auch militärische Verpflichtungen
eingegangen, um eine regionale Allianz gegen Saddam Hussein zu unterstützen. Die Golfstaaten haben
ein besonders wichtiges Engagement zugesagt.
Nachdem ich während meiner Anreise zur NATO
soeben mit unseren Botschaftern in Saudi-Arabien
und den Vereinigten Arabischen Emiraten gesprochen
habe, freue ich mich, ankündigen zu können, daß sich
Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate verpflichtet haben, bis zum Jahresende annähernd 12 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen.
Dazu gehört auch Wirtschaftshilfe an Länder wie Ägypten
und die Türkei, die beim Wirtschaftsembargo gegen
den Irak an vorderster Front stehen.
Nahezu die Hälfte dieser 12 Milliarden Dollar wird
eingesetzt, um die Kosten des amerikanischen militärischen Engagements am Golf zu tragen. Ein erheblicher Teil dieses Beitrags wird in materiellen Leistungen bestehen: Treibstoff, Wasser, Verpflegung und
anderes unentbehrliches Material.
Damit komme ich zu einer meines Erachtens zentralen
Tatsache bei der Teilung von Verantwortung, nämlich,
daß Geld allein nicht ausreichend ist. Die zugesagten
Milliarden Dollar können nicht hoch genug veranschlagt werden, aber alles Geld der Welt kann nicht die
Luft- und Seetransportfähigkeiten ersetzen, die heute
benötigt werden, um schwer bewaffnete Einheiten zu
ihrem Einsatzort und Flüchtlinge nach Hause zu transportieren. Die demokratischen Industriestaaten Europas und Asiens, die umfangreiche Luft- und See-

Seite 1

�transportfähigkeiten besitzen, können helfen, indem
sie Schiffe und Flugzeuge für diesen lebenswichtigen
Bedarf zur Verfügung stellen. Von meinen hier versammelten Kollegen habe ich heute morgen vernommen, daß die Bereitschaft zu einer positiven Antwort in
diesem Bereich besteht.
Drittens habe ich das gestrige Treffen Präsident Bushs
mit Präsident Gorbatschow erläutert. Ich möchte
zunächst feststellen, daß die Sowjets in der weltweiten
Koalition, die Saddam Hussein erfolgreich isoliert hat,
stets sehr verläßliche Partner waren.
In seinen Gesprächen mit Präsident Bush bekräftigte
Präsident Gorbatschow sein Engagement für die
Vereitelung der irakischen Aggression. Es bestanden
wirklich keine substantiellen Meinungsverschiedenheiten über die Bewältigung des Golfkonflikts zwischen den beiden Präsidenten. Insbesondere möchte
ich hier die sowjetische Unterstützung für den Grundtenor hervorheben, wie er in der gestrigen gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck kommt: "Nichts unterhalb der vollständigen Erfüllung der Resolutionen des
UNO-Sicherheitsrats ist akzeptabel." Auch hier am
Konferenztisch der NATO haben sich unsere Kollegen
ausnahmslos hinter dieses Prinzip gestellt, das Teillösungen ausschließt.
Zum Schluß habe ich meine Kollegen auf die Notwendigkeit hingewiesen, in die Zukunft zu blicken. Wenn
unsere kurzfristigen Ziele erfüllt und insbesondere
dieser besondere Fall der irakischen Aggression gelöst ist, werden wir weiterhin zusammenstehen, um
jede zukünftige Aggression des Iraks zu verhindern.
Sicherlich werden die friedliebenden Regierungen am
Persischen Golf und die internationale Staatengemeinschaft kreative, multilaterale Vereinbarungen in
Erwägung ziehen müssen, um sich gegen künftige
Aggressionen abzusichern.
Zusammen mit den Ständigen Mitgliedern des UNOSicherheitsrats müssen die Regierungen in der Region
einschneidende international gebilligte Maßnahmen
und Verfahren prüfen, um die von den irakischen
Massenvernichtungswaffen ausgehende Bedrohung
zu verringern. Der Nichtverbreitungsvertrag muß
eindeutig gestärkt werden, und möglicherweise werden weitere Maßnahmen erforderlich sein, wenn ein
Gesetzloser wie Saddam Hussein in wenigen Jahren
in den Besitz von Atomwaffen gelangen kann.
Die Grundlinie ist also ganz klar folgende: Saddam
Husseins Aggression gegen Kuwait kann nicht Bestand haben, und die Welt muß sicher sein, daß er
auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist.
Frage: Herr Außenminister, zunehmende Erwartungen deuten darauf hin, daß Sie Syrien besuchen
werden. Können Sie uns über den Zweck dieses
Besuchs Auskunft geben und erklären, ob die Syrer
Seite 2

Militär- oder Finanzhilfe odereine Kombination daraus
erhalten werden? Die Ägypter haben eine solche
Kombination bekommen. Die Saudis werden Waffen.
erhalten. Sie haben gerade von der Verbreitung von
Waffen gesprochen. Eines der Länder, über die sich
die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit in Zusammenhang mit der Verbreitung von Waffen Sorgen
machten, war Syrien. Könnten Sie dazu Stellung
nehmen?
Antwort: Um auf den Kern der Frage einzugehen, so
liegen mir Informationen vor, daß einige Golfstaaten
Syrien gegenüber bereits gewisse Verpflichtungen
eingegangen sind. Zweitens hat der Präsident mich
gebeten, nach Damaskus zu reisen, und ich werde von
Moskau aus dorthin fliegen, wahrscheinlich am Donnerstag abend. Die Gespräche werden dann am
Freitag stattfinden.
Meines Erachtens gibt es keinen schlagenderen Beweis
für die Isolation Saddam Husseins in der arabischen
Welt als die Ablehung des irakischen Überfalls auf
Kuwait durch Syrien. Das Land hat bedeutende Streitkräfte für den multinationalen Truppenaufmarsch bereitgestellt. Diese Präsenz ist wichtig. Die Haltung des
Landes in dieser Frage ist sicherlich bedeutsam, da es
an den nördlichen Irak angrenzt und über substantielle
Streitkräfte verfügt.
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Syrien waren in der Vergangenheit nicht gut, und
wir würden eine Verbesserung dieser Beziehungen
begrüßen. Eine solche Verbesserung hängt jedoch
noch von anderen Faktoren ab als von der Tatsache,
daß wir uns heute in dieser Frage auf der gleichen
Seite befinden. Wir haben weiterhin bestimmte Differenzen mit Syrien, und wir erwarten, daß diese Differenzen ebenso wie unser beiderseitiges Interesse
daran zur Sprache kommt, die Isolation Saddam
Husseins aufrechtzuerhalten und diese nichtprovozierte Aggression zunichte zu machen.
Frage: Worum werden Sie Hafis al-Assad bitten?
Wollen Sie irgendetwas Bestimmtes von ihm? Was ist
der wirkliche Zweck Ihrer Reise?
Antwort: Wie ich bereits andeutete, sind wir der
Meinung, daß die Position Syriens in dieser ganzen
Angelegenheit sehr wichtig ist. Das Land hat Truppen
in die Region entsandt. Offengestanden sind wir sehr
an der syrischen Einschätzung der Lage und insbesondere der Position von anderen arabischen Ländern
interessiert. Der Präsident war der Ansicht, daß es ein
wichtiger Zeitpunkt sei, um einen direkten Dialog mit
der Führung Syriens aufzunehmen.
Frage: Um zu unterstreichen, was er getan hat?
Antwort: Nun, Syrien hat sehr zu den internationalen
Bemühungen beigetragen, Saddam Hussein zu isolieren. Das Land hat die UNO-Resolutionen offen unterstützt, und es unterstützt heute die Tatsache der
AMERIKA DIENST 36
5

�amerikanischen Präsenz in Saudi-Arabien. Es ist
wichtig, daß wir ein direktes Gespräch über die Lage
am Golt und darüber tühren, wie wir zusammenarbeiten könnten, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
Frage: Das US-Außenministerium hat Syrien aut die
Liste von Staaten gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Syrien ist vom US-Außenministerium und
dem CIA der Verwicklung in den Bombenanschlag auf
eine Maschine der Pan Am bei Lockerbie bezichtigt
worden. Bis heute entsprach es der Politik des Außenministeriums, Syrien zu isolieren. Ich verstehe nicht,
wie Sie - weil das Land uns in dieser einen Frage
unterstützt - plötzlich all das beiseiteschieben können,
eine Kehrtwendung machen und Syrien durch Ihren
Besuch aufwerten - den ersten Besuch eines hochrangigen US-Vertreters seit Jahren.
Antwort: Ich habe gerade erklärt, daß wir weiterhin
Schwierigkeiten mit Syrien haben. Sie haben auf
einige der wichtigsten Probleme verwiesen, und wir
wei den diesen Besuch nutzen, um diese Probleme zur
Sprache zu bringen. Mir scheint es außerordentlich
wichtig zu sein, daß wir in einer Lage, wie wir sie am
Golf derzeit haben, mit einem wichtigen arabischen
Land zusammenarbeiten, das in diesem Fall dieselben
Ziele verfolgt wie wir. Das bedeutet nicht, daß die
früher belasteten Beziehungen über Nacht gut werden, und es bedeutet nicht, daß wir nicht auch weiterhin einige Meinungsverschiedenheiten haben werden.
Ich bin ziemlich sicher, daß Syrien auch weiterhin
einige Probleme mit den Vereinigten Staaten haben
wird. Aber bei diesen Fragen und zu diesem äußerst
wichtigen Problem, was getan werden muß, um die
nichtprovozierte Aggression durch den Irak zu vereiteln, verfolgen wir dieselben Ziele.
Frage: Werden Sie Syrien unter anderem darum
bitten, die PFLP-GC auszuweisen, jene terroristische
Gnippe, die für den Anschlag auf die Pan Am-Maschine verantwortlich ist?
Antwort: Wir werden mit den Syrern weiterhin über
die PFLP-GC sprechen, und wir werden ihnen weiterhin die Probleme erläutern, die sich für uns aus der
Anwesenheit dieser Gruppe in Syrien ergeben sowie
die Schwierigkeiten, die uns die Präsenz der Gruppe
überhaupt bereitet. Ich möchte Sie daran erinnern,
daß ich vor einem Jahr bei den Vereinten Nationen ein
Gespräch mit dem syrischen Außenminister hatte und
daß wir die Syrer auch weiterhin durch unseren Botschafterin Damaskus über unsere Haltung in Kenntnis
setzen. Wir unterhalten ja Beziehungen mit Syrien.
Frage: Haben Sie Ihre Partner heute um die Entsendung von Bodentruppen gebeten? Haben Sie dabei
um die Entsendung eines symbolischen Kontingents
gebeten, oder was genau haben Sie gewollt? Und wie
war die Reaktion darauf, welche Reaktion hatten Sie
sich erhofft?

AMERIKA DIENST 36

Antwort: Erstens sollten wir uns alle der Tatsache
bewußt sein, daß zwei NATO-Länder eine erhebliche
landgestützte Präsenz in der Region unterhalten: die
Vereinigten Staaten von Amerika und die Türkei. Zwei
weitere NATO-Länder haben ebenfalls Bodentruppen
in der Region: Großbritannien und Frankreich. Ich
habe erklärt, daß wir zusätzliche Bodentruppen in der
Region begrüßen würden, wenn andere am Konferenztisch vertretene Länder es als angemessen betrachten würden, sie zu entsenden. Wir würden dies
begrüßen, selbst wenn es sich nur um symbolische
Kontingente handelte. Dies waren meine Worte.
Frage: Herr Au ßenminister, vielleicht konnten Sie das
Interview des NATO-Oberbefehlshabers, General
Galvin, in einer Londoner Zeitung lesen, der es jetzt als
unvermeidlich bezeichnete, daß die NATO ihre Operationen nach außerhalb ihres Bündnisgebiets in die
Region verlagern müsse. Sind Sie der Meinung, daß
die NATO direkt in die neuen Sicherheitsvereinbarungen nach Bewältigung der Irak-Krise, die Sie vorhin
erwähnten, eingebunden werden sollte?
Antwort: Ich habe das Interview mit General Galvin
nicht gelesen. Ich möchte hier nur darauf verweisen,
daß die rechtliche Frage, ob es sich bei der Irak-Krise
um eine Angelegenheit handelt, die außerhalb des
Bündnisgebiets der NATO liegt, nicht zur Sprache
gekommen ist. Es gab eine breite Diskussion über die
Krise. Vollständige Konsultationen. Sie sind über
unsere Bitten informiert. Einige standen mit den
NATO-Streitkräften im Mittelmeer in Zusammenhang,
einige mit AWACS, einige mit einer Vielzahl anderer
Dinge.
Niemand war jedoch der Meinung, es sei unangemessen, daß wir uns treffen, um über die Reaktion auf
diese Krise zu sprechen. Man kann einzeln reagieren
und kollektiv, indem man Konsultationen und politische Diskussionen über die Bedeutung der Krise und
unsere Reaktion darauf abhält. Das haben wir gemeint, das haben wir im Verlauf des vergangenen
Jahres gemeint, wenn wir gesagt haben, die politische
Komponente des Bündnisses sollte gestärkt werden,
und genau das findet jetzt statt.
Ich habe General Galvins Erklärung nicht kommentiert. Ich möchte dies nicht tun, weil ich sie nicht
gelesen habe. Ich möchte Ihnen jetzt noch die Liste
unserer Anfragen vorlesen.
Erstens haben wir im Hinblick auf militärische Aktivitäten darum ersucht, daß der Oberausschuß für Zivile
Verteidigungsplanung, vielleicht in Zusammenarbeit
mit der WEU, die ziemlich umfangreichen Beiträge für
den Luft- und Seetransport koordiniert. An dieser
Stelle möchte ich noch anmerken, daß mir am Konferenztisch heute weitere Luft- und Seetransportkapazitäten angeboten wurden, die über frühere Offerten
hinausgehen.

Seite 3

�Zweitens habe ich um eine Erweiterung des Einsatzbereichs des Marineeinsatzverbands für das Mittelmeer nach Osten gebeten, um eine Präsenz im östlichen Mittelmeer zu gewährleisten und damit zum
Schutz der Flanken beizutragen.

Dänemark hat mir während des Treffens eine Notiz
zukommen lassen, derzufolge das Land zwei Frachter
für den Transport ägyptischer Truppen bereitstellen
werde. Und das sind die einzigen Angebote, die ich
hier mit gutem Gewissen bekanntgeben kann.

Im Hinblick auf die Zusammenarbeit bei der Aufklärung
habe ich eine Erweiterung des AWACS-Erfassungsbereichs in der südlichen Region vorgeschlagen, die
sich auf die Stationierungen in der Türkei stützen kann.

Frage: Gerade haben Gespräche zwischen Bagdad
und Teheran stattgefunden. Ich würde gern erfahren,
ob die amerikanische Regierung die Möglichkeit einer
Aufhebung des Embargos durch den Iran in Erwägung
gezogen hat?

In bezug auf die Türkei haben wir die Mitgliedstaaten
gebeten, sich soweit wie möglich daran zu beteiligen,
um die gegenwärtigen Bemühungen zur Erleichterung
der wirtschaftlichen Belastungen zu unterstützen, die
der Türkei durch die Krise entstehen.
Was Ägypten betrifft, so haben wir die Mitgliedstaaten
darum gebeten, auf bilateraler Grundlage Wirtschaftsund Militärhilfe zu leisten, Transportkapazitäten und
logistische Unterstützung für den Transport ägyptischer Streitkräfte nach Saudi-Arabien bereitzustellen.
Darüber hinaus haben wir Luft- und Seetransportkapazität für diejenigen Länder erbeten, die um solche
Hilfe zur Evakuierung ihrer Flüchtlinge aus Jordanien
ersuchen.
Sodann haben wir die Mitgliedstaaten aufgefordert,
den Staaten Mittel- und Osteuropas, deren Volkswirtschaften durch die Einhaltung der Sanktionen geschädigt werden, weitere Wirtschaftshilfe zu gewähren.
Zum Schluß haben wir alle Mitgliedstaaten gebeten,
ihre Bemühungen zur Einhaltung der Sanktionen noch
zu verstärken, damit das Embargo so undurchlässig
wie möglich ist. Möchten Sie, daß ich auch noch die
Dinge aufzähle, die am Konferenztisch zusätzlich
genannt wurden?
Frage: Ja.
Antwort: Im Hinblick auf die Bundesrepublik Deutschland hat deren Außenminister von zusätzlicher Luftund Seetransportkapazität gesprochen.
Von den Niederlanden wurde zusätzliches Material
zum Schutz vor chemischer und biologischer Kriegführung genannt.
In bezug auf Belgien war die Rede von belgischen
Flugzeugen für Ägypten, zum Heimtransport von Flüchtlingen aus Kuwait. Femer von zusätzlicher Nahrungsmittelhilfe an Ägypten, insbesondere der Lieferung von
20 000 Tonnen Weizen.
Norwegen erklärte, es werde zusätzliche humanitäre
Hilfe für Flüchtlinge bereitstellen und nach parlamentarischen Konsultationen auf unsere speziellen Wünsche eingehen. Die griechische Handelsmarine stellt
drei Schiffe für den Seetransport im Rahmen der
multinationalen Bemühungen zur Verfügung.

Seite 4

Antwort: Der Iran hat konsequent erklärt, daß er die
UNO-Resolutionen zu befolgen gedenkt. Der Iran
steht mit dem Irak in Friedensverhandlungen oder kurz
vor deren Abschlu ß. Die arabischen Regierungen, mit
denen wir gesprochen haben, gehen nicht davon aus,
da ß die alte Feinschaft verschwunden ist, daß die alten
Animositäten ausgeräumt wurden. Sie sind deshalb
der Meinung, daß sich der Iran auch weiterhin an den
internationalen Konsens halten und das Embargo
beachten wird.
Frage: Bei ihren Äußerungen über chemische und
biologische Massenvernichtungswaffen im Irak - ich
nehme an, das schlie ßt atomare Waffen ein - haben sie
zwei Dinge gesagt. Eines war die Verwendung des
Wortes einschneidend - einschneidende international
sanktionierte Verfahren. Ferner haben sie am Ende
dieser Äußerung etwas über andere Mittel gesagt, die
über die Vereinbarungen zur Nichtverbreitung hinausgehen. Können Sie erklären, was Sie mit einschneidenden Maßnahmen meinen und was diese anderen
Mittel sein könnten?
Antwort: Wenn ich im einzelnen hätte erläutern
wollen, was diese anderen Mittel sind, so hätte ich das
im einzelnen dargelegt und nicht im allgemeinen. Ich
möchte darauf nicht näher eingehen. Ich möchte
lediglich sagen, daß es nun an der Zeit ist, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir in Zukunft im Hinblick
auf andere Länder eine Wiederholung dieser Ereignisse verhindern können oder daß er sich eine atomare
Fähigkeit verschafft. Weithin wird ja angenommen,
daß er nicht mehr weit davon entfernt ist. Einschneidend, damit meine ich Vor-Ort-Inspektionen und ähnliche Dinge. Wir müssen uns einfach Gedanken
darüber machen, wie wir der Weiterverbreitung von
atomaren, chemischen und biologischen Waffen sowie
Raketensystemen in der ganzen Welt Einhalt gebieten
können.
Frage: Vor wenigen Tagen hat der dänische Außenminister nach dem Treffen der EG-Außenminister in
Rom erklärt, Europa sollte sich jetzt zusammenreißen
und bereit sein, in Zukunft gemeinsam militärisch zu
handeln und die Rolle des Weltpolizisten nicht länger
nur den Vereinigten Staaten zu überlassen. Was
halten sie von dieser Erklärung?

AMERIKA DIENST 36

�Antwort: Wir begrüßen die Bemühungen aller, die
uns bei der Lösung dieses Problems helfen wollen, und
so weit ich sagen kann, arbeitet die internationale
Staatengemeinschaft ausgesprochen gut zusammen,
wobei nahezu alle Staaten je nach ihren Fähigkeiten
substantielle und bedeutsame Beiträge leisten. Ich
werde nachher mit der EG sprechen. Wir haben heute
morgen den italienischen Außenminister gehört, der
sowohl als Außenminister Italiens als auch aufgrund
der gegenwärtigen EG-Präsidentschaft seines Landes Stellung genommen hat. Ich gehe davon aus, daß
man dort einige wichtige Dinge beschließen wird, aber
es ist natürlich ihre Sache zu verkünden, welche
Schritte das sein werden.
Frage: Ich möchte noch einmal auf Syrien zurückkommen, denn soweit ich sagen kann, hat jeder hier auf die
eine oder andere Weise versucht, anzudeuten, daß
wir, wenn wir Syrien in unseren Schirm einbeziehen, in
gewisser Weise eine Linie überschreiten - denn in der
Tat ist doch Syrien ebenso wie der Irak ein gesetzloser
Staat, der bereits wesentlich länger auf unserer Terrorismusliste steht als der Irak. Das dortige Regime hat
in der Stadt Hama 20 000 seiner eigenen Bürger
massakriert. Und wenn man jetzt sozusagen erklärt,
Syrien beteilige sich irgendwie an der internationalen
Koalition gegen den Irak aufgrund seiner Besorgnis
über das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit, so ist dies
wirklich unaufrichtig. Dieses Regime hat eine...
Antwort: Das habe ich nicht behauptet. Sie haben
niemals eine solche Behauptung von mir vernommen.
Frage: Aber ich meine, sind Sie nicht besorgt...
Antwort: Ich sage nur, daß sie da sind.
Frage: Sie sind da, aber machen Sie sich keine
Sorgen darüber, da ß wir dadurch, da ß wir sie einbeziehen, unsere eigene moralische Glaubwürdigkeit in
dieser Frage schwächen?
Antwort: Ich weiß nicht, was sie mit "einbeziehen"
meinen. Wir werden uns zusammensetzen und mit
ihnen direkte Gespräche führen, ebenso wie wir mit
einer Reihe anderer Regierungen gesprochen haben,
mit denen wir weniger formelle Beziehungen unterhaltei i als sie mit Syrien schon seit langem bestehen. Wir
sprechen mit Vietnam. Wir sprechen mit Phnom Penh.
Wir reden mit vielen Leuten aus vielen unterschiedlichen Gründen. Und ich habe Ihnen gegenüber die
Gespräche qualifiziert, die ich in Syrien führen werde.
Frage: Um noch einmal auf Ihre Bemerkung über die
Isolierung des Iraks zurückzukommen. An der anderen Flanke des Iraks befindet sich der Iran, und ich
frage mich, ob die von Ihnen erläuterten Prinzipien
über Gespräche mit Syrien auch auf den Iran zutreffen? (unverständlich) ein Signal an den Iran zu senden, daß wir diese Hürden dort überwinden möchten?

AMERIKA DIENST 36

Würden wir beispielsweise in Betracht ziehen, iranisches Öl zu kaufen? Wie steht es mit der Geiselfrage
als noch zu lösendem Problem?
Antwort: Wir würden alle Maßnahmen des Iran
begrüßen, die zur Isolierung des Iraks beitragen. Darauf
können Sie wetten. Wurde dem Iran diese Botschaft
übermittelt? Darauf können Sie wetten. Würden wir
heute nach Teheran reisen? Nein. Aus Gründen, die
jedermann gut bekannt sind, unterhalten wir mit dem
Iran überhaupt keine Beziehungen. Wir haben Beziehungen zu Syrien, obwohl diese nicht gut sind. Wir
haben dort eine Botschaft. Wir haben schon seit
langem einen Botschafter dort, und das ist eine völlig
andere Lage. Wir haben jedoch Kanäle, über die wir
mit dem Iran sprechen, und ich möchte feststellen, daß
wir die Tatsache begrüßen, daß der Iran sich zur
Einhaltung der Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Irak und der UNO-Sanktionen bekannt hat.
Frage: Als Sie diese Botschaft sandten, haben Sie
danach über diese Kanäle eine Antwort vom Iran
erhalten?
Antwort: Ja.
Frage: Und wie lautete diese Botschaft?
Antwort: Vielen Dank für Ihre Botschaft.
Frage: Zur Frage der Bodentruppen haben Sie uns
lediglich mitgeteilt, was Sie im Rat erklärt haben,
nämlich, daß Sie eine zusätzliche Präsenz begrüßen
würden, selbst wenn sie nur symbolisch wäre. Haben
Sie am Tisch eine Antwort, irgendwelche Reaktionen
vernommen?
Antwort: Wir haben über bilaterale Kanäle Antworten
erhalten, und ich habe lediglich erwähnt, daß wir
zusätzliche Bodentrupen begrüßen würden. Zwei
Länder unterhalten bereits erhebliche landgestützte
Kampftruppen in der Region. Ich erwähnte die Vereinigten Staaten und die Türkei. Auch Großbritannien
und Frankreich haben dort Bodentruppen. Wir würden
weitere landgestützte Streitkräfte begrüßen, selbst
wenn sie nur symbolisch wären.
Frage: Welche Antworten haben Sie bilateral erhalten?
Antwort: Wir befinden uns noch im Diskussionsprozeß.
Frage: Berichten zufolge haben die Sowjets einen
neuen KSE-Vorschlag unterbreitet, der wesentlich
niedrigere Streitkräfteniveaus vorsieht. Sind Sie darüber informiert? Werden Sie darüber in Moskau
sprechen? Nehmen Sie diesen Vorschlag ernst? Und
wie wird er Ihre Bemühungen beeinflussen, einen
Vertrag noch dieses Jahr zu erreichen?

Seite 5

�Antwort: Ich habe diesen Vorschlag nicht gesehen.
Ich kenne ihn nicht. Vor nicht allzu langer Zeit gab es
Andeutungen, daß sie ein Niveau für die - amerikanischen - Truppen definieren würden, das sie für angemessen halten. Vielleicht haben sie das in Wien
getan. Ich habe diesen Vorschlag noch nicht gesehen.
Durch die zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und der Sowjetunion getroffenen Vereinbarungen
über den Umfang der Bundeswehr und den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutsch-

land sind die Beschlüsse von Ottawa überholt worden.
Diese Beschlüsse sind nicht mehr gültig. Wir, die
Vereinigten Staaten und die Sowjets, haben darüber
gesprochen, zuletzt in Irkutsk. Die Frage der amerikanischen Truppenstärke ist noch nicht gelöst. Möglicherweise werden die Sowjets einseitig Ideen im Hinblick darauf präsentieren, was ihrer Meinung nach ein
angemessener Umfang unserer Streitkräfte sein sollte. Ich nehme an, daß wir darüber in Moskau sprechen
werden, wenn sie in dieser Beziehung etwas vorgelegt
haben.

*

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�DEUTSCHLANDPOLITIK
12. September 1990

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters
MÜNCHEN - (AD) - Anläßlich einer lägung der Katholischen Akademie in Bayern erklärte Botschafter Walters
am 7. September 1990 in München, die Entwicklung einer neuen Politik hänge "vielleicht in geringerem Maße
von uns ab als von der Rolle, die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen will - ein Thema, das sicher
in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die gegenwärtige Krise am Golf
höchst aktuell ist". Botschafter Walters zufolge ist es in diesem Zusamenhang besonders wichtig, "Institutionen,
die zum Erfolg unserer Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den neuen Realitäten in Europa
anzupassen".
Walters nahm insbesondere auch zur Vereinigung beider deutscher Staaten Stellung und bekundete seine
Zuversicht, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Der Botschafter erklärte: "Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die
politische Mauer, die 45 Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht durch eine wirtschaftliche Mauer
ersetzt wird. Diese wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines
Erachtens nicht ausschlagen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Walters's Rede im Wortlaut. (Es gilt das gesprochene Wort)

Es ist mir eine besondere Ehre, als Teilnehmer an
dieser Vortragsreihe zur aktuellen politischen Lage in
Ihrer schönen Stadt zu weilen. Insbesondere freue ich
mich über die Gelegenheit, diese Konferenz mit einer
Rede über ein geeintes Deutschlands im europäischen Kontext eröffnen zu dürfen.
In gewisser Weise habe ich hier in Schwabing erst
Freundschaft mit Deutschland und seinen Menschen
geschlossen. Nach einem Skiunfall landete ich hier im
Krankenhaus und entschloß mich, in der langen Zeit
der Genesung Deutsch zu lernen. In dieser Zeit
machte ich die erste Bekanntschaft mit den Freuden
und Unwägbarkeiten Ihrer Sprache. Inzwischen habe
ich all die kleinen Eigenarten akzeptieren gelernt, aber
Sie müssen zugeben, daß es für einen Ausländer
schwierig ist, eine Sprache zu begreifen, in der, grammatisch gesehen, "die Männlichkeit" weiblichen Geschlechts, "der Feminismus" aber männlich ist. Um
die Verwirrung zu erhöhen, ist "das Weib" sächlich,
obwohl dies dem Selbstverständnis der deutschen
Frauen bestimmt nicht entspricht.
AMERIKA DIENST 36

Ebenso wie eine gemeinsame Sprache verbindet,
können gemeinsame Werte und Grundsätze Menschen zusammenführen. Deshalb freue ich mich
besonders, bei der Katholischen Akademie über ein
Thema sprechen zu dürfen, das uns alle gleichermaßen angeht: die Bewahrung des Friedens in Europa.
Vierzig Jahre lang hat man ein solches Thema relativ
sicher bearbeiten können, weil die amerikanische
Deutschlandpolitik demselben Grundmuster folgte.
Unsere Politik basierte auf der Annahme ständiger
Konfrontation zwischen Ost und West, der erfolgreichen Zusammenarbeit westlicher Demokratien und
dem besonderen Verhältnis zur Bundesrepublik, wie
es sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hatte.
Dieses Verhältnis besteht natürlich ebenso weiter wie
die Zusammenarbeit. Aber eine Grundvoraussetzung
unserer Politik hat sich glücklicherweise überholt. Die
Teilung Deutschlands und Europas ist beendet, und
damit ist zum Teil auch dieser Politik die Basis entzogen. Die Entwicklung einer neuen Politik hängt viel-

Seite 1

�leicht in geringerem Maße von uns ab als von der Rolle,
die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen
will - ein Thema, das sicher in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die
gegenwärtige Krise am Persischen Golf höchst aktuell
ist.
Diese neuen Gegebenheiten erfordern jedoch wahrscheinlich keine neue amerikanische Deutschlandpolitik - wie ich sie definiert habe. Es ist meines Erachtens
viel wichtiger, Institutionen, die zum Erfolg unserer
Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den
neuen Realitäten in Europa anzupassen.
Wie Sie wissen, war ich sowohl beobachtend als auch
aktiv an manchen großartigen Ereignissen im Europa
des zwanzigsten Jahrhunderts beteiligt, aber die Zeit,
in der wir heute leben, ist wirklich einzigartig. Ich
möchte Ihnen heute sowohl aus dem Blickwinkel eines
amerikanischen Bürgers als auch aus der Perspektive
des Regierungsvertreters darlegen, wie wir die jetzige
Situation in Europa einschätzen und welchen Kurs wir
in bezug auf diese Institutionen steuern werden.
Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, seit die Völker
Osteuropas eines nach dem anderen auf friedliche Art
und Weise ihre stalinistische und kommunistische
Vergangenheit zugunsten von Freiheit und freier
Marldwirtschaft abgeschüttelt haben. Aber diese atemberaubenden Ereignisse scheinen heute bereits weit
zurückzuliegen.
Es dauerte mehr als vierzig Jahre, bis die unmenschliche Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg
überwunden werden konnte. Ich muß Ihnen ferner in
aller Bescheidenheit sagen, daß ich sehr stolz auf die
führende Rolle bin, die mein Land beim Zustandekommen dieser positiven Entwicklung gespielt hat. Viele,
die in den vergangenen 45 Jahren unsere Politik
kritisierten, hatten im letzten Jahr Grund, sich von der
Klugheit des von uns gesteuerten Kurses zu überzeugen. Einige waren ehrlich genug, mir das einzugestehen. Wir haben erreicht, was der chinesische Philosoph Sun Tsu vor 2 000 Jahren als den größten aller
Siege bezeichnete: Einen Gegner zu besiegen, ohne
gegen ihn zu kämpfen.
Der kalte Krieg ist jetzt vorbei. Demokratie ist jetzt die
gewählte Regierungsform aller Menschen in Osteuropa, einschlie ßlich der Sowjetunion, die immer noch mit
ihrem Übergang zu einer neuen Gesellschaftsform zu
kämpfen hat.
Wir im Westen erkennen, daß Michail Gorbatschow
eine entscheidende Rolle gespielt hat, indem er eine
Dynamik in Gang setzte, mit der die politische Landschaft Osteuropas verändert werden konnte. Aber der
Versuch, sein eigenes Land zu einer glaubwürdigen
Demokratie westlicher Art umzugestalten, ist Herrn
Gorbatschow bei weitem noch nicht gelungen. Auch
die Perestrojka kam nicht aus heiterem Himmel. Sie ist

Seite 2

vielmehr die Politik eines klugen und kreativen Politikers, aber auch das Ergebnis zweier anderer Faktoren: der Unmöglichkeit, ein stolzes Volk dauerhaft zu
unterjochen und der Entschlossenheit und Opferbereitschaft des Westens, sich der Ausbreitung des
Kommunismus zu widersetzen. Die Bereitschaft des
amerikanischen Volkes, jährlich zur Verteidigung der
Freiheit 300 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen,
hat Gorbatschow eindeutig gezeigt, daß sein Land mit
dieser Entschlossenheit nicht konkurrieren kann.
Was die Wirtschaft betrifft, muß der Kreml noch einen
weiten Weg zurücklegen, bevor er die Perestrojka
verwirklicht und das sowjetische Volk überzeugt hat,
daß sie funktioniert. Im Zuge der neuen Offenheit
treten lang unterdrückte Konflikte zwischen einzelnen
Volksgruppen zutage, und die vor langer Zeit zwangsweise erfolgte Neugliederung der Republiken bedroht
gegenwärtig den Zusammenhalt der Sowjetunion.
Ungeachtet der Ergebnisse von Gorbatschows Experiment können wir sicher sein, daß die Gestalt der
künftigen Sowjetunion erhebliche Auswirkungen auf
die Sicherheitsinteressen Europas und damit auch auf
die der Vereinigten Staaten haben wird. Auch wenn
sich die Sowjetunion in einzelne Staaten aufspalten
sollte, würde allein Rußland weiterhin eine wichtige
Rolle im militärischen Kräftegleichgewicht Europas
spielen. General De Gaulle hat dazu erklärt, die
Geographie sei eine der Konstanten der Geschichte,
und deshalb wird Europa immer mit einem großen,
mächtigen Land an seiner Ostgrenze rechnen müssen.
Die Vereinigten Staaten und tatsächlich die gesamte
westliche Welt haben stets betont, daß zwischen der
Teilung Berlins, Deutschlands und Europas ein enger
Zusammenhang besteht. Es ist weder eine Überraschung noch ein Zufall, daß die Wiedervereinigung an
all diesen Fronten gleichzeitig stattfindet. Wir haben
unser politisches Ziel der Überwindung dieser Spaltungen erreicht - mit Beharrlichkeit, Entschlossenheit und
einem festen Glauben an unsere Gesellschaften und
gemeinsamen Werte.
Wir in den Vereinigten Staaten sind sehr stolz darauf,
bei der Bestimmung des Kurses der Ost-West-Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine führende
Rolle gespielt zu haben. Wir haben nicht nur viel Geld
in den Wiederaufbau Europas und die Sicherheit
Deutschlands gesteckt, sondern auch uns selbst eingebracht. Wir haben die Freude geteilt, die in den
Tagen nach dem 9. November in Deutschland zu
spüren war, als die Mauer fiel und die Deutschen nach
so vielen Jahren der Trennung wieder vereint waren.
Wir haben immer hinter Ihnen gestanden und stehen
Ihnen weiterhin auf dem komplexen Pfad zur Einheit
bei. Manche behaupten, daß die Wiedervereinigung
zu schnell komme, wir in den Vereinigten Staaten sind
jedoch der Ansicht, daß die deutsche Einheit seit
langem überfällig ist.

AMERIKA DIENST 36

�Unser gemeinsamer Ansatz zur Verwirklichung dieses
Ziels wird vielleicht in dem von den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik unterzeichneten Deutschlandvertrag von 1954 am
deutlichsten ausgedrückt. Dort heißt es in Artikel 7,
Absatz 2: "Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelungen werden die Unterzeichnerstaaten
zusammenwirken, um mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel zu verwirklichen: Ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine freiheitlich demokratische
Verfassung, ähnlich wie die Bundesrepublik, besitzt
und das in die Europäische Gemeinschaft integriert
ist."
Niemand hätte zu der Zeit einen genauen Plan aufstellen können, wie der Prozeß der deutschen Einheit
verlaufen sollte. Dennoch haben die Westmächte und
die Bundesrepublik ihre Ziele entschlossen und eindeutig dargelegt und die Grundsätze für einen solchen
Prozeß definiert.
Unmittelbar vor der Vereinigung beider deutscher Staaten
sollte uns das Wissen darüber mit Stolz erfüllen, daß
der Prozeß so friedlich verlaufen ist, wie es im Sinne
des Deutschlandvertrags lag. Diese Leistung sollte
nicht unterschätzt werden, weil sie ein einmaliges
Kapitel der europäischen Geschichte bezeichnet. Es
ist das erste Mal seit Menschengedenken, daß die
Grenzen Europas konfliktfrei verändert wurden. Historisch gesehen ist dies eine Leistung von gro ßer Bedeutung, die uns Hoffnung macht, tatsächlich etwas aus
den tragischen Fehlern der Vergangenheit lernen zu
können.
Im Hinblick auf das zweite erklärte Prinzip von Artikel
7, Absatz 2, wird ein vereinigtes Deutschland nicht nur
eine liberal-demokratische Verfassung wie die der
Bundesrepublik Deutschland erhalten, sondern eben
das Grundgesetz haben, das der Bundesrepublik so
gute Dienste geleistet hat. Und schließlich wird ein
vereinigtes Deutschland fest in der Europäischen
Gemeinschaft verankert sein, als Eckpfeiler von NATO
und EG.
Die Führung einer echten Demokratie beinhaltet das
politische Mandat, Maßnahmen zu verwirklichen, die
Frieden und Wohlstand garantieren. In den Vereinigten Staaten sind wir uns sehr wohl bewußt, daß
wirtschaftlicher Wohlstand und politische Stabilität im
Inland Hand in Hand gehen. Die Stärke des politischen
und wirtschaftlichen Systems eines Landes hat dann
wiederum einen heilsamen Effekt auf die Fähigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft, Frieden zu
bewahren.
Wir stehen heute an der Schwelle zur Umgestaltung
unserer Sicherheitsstrukturen und damit auch unserer
politischen Strukturen, um uns den neuen Herausforderungen und Risiken der Zukunft zu stellen. Präsident Bush und Außenminister Baker haben bei verschiedenen Gelegenheiten über eine neue Architektur

AMERIKA DIENST 36

in Europa gesprochen. Bei dieser Debatte geht es um
mehr als den Modus, in dem die Vereinigten Staaten
ihre Beziehungen zum neuen Europa in den kommenden Jahrzehnten definieren. Sie betreffen den Kern
dessen, wie die Länder Europas ihre Beziehungen als
zum ersten Mal ungeteilter und freier Kontinent neu
gestalten wollen.
Wenn ich anspreche, wie Veränderungen in Zukunft
gehandhabt werden sollen, möchte ich die aktuellen
Strukturen in Europa ansprechen, die meiner Ansicht
nach weiter eine wichtige Rolle spielen werden, wenn
sie sich der neuen politischen und wirtschaftlichen
Landschaft anpassen. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Rolle der NATO, den
KSZE-Prozeß und die EG eingehen. Obwohl wir all
diese Strukturen einzeln behandeln können, möchte
ich darauf verweisen, daß sie in einem zunehmend
interdependenten Europa enger verknüpft sein werden als je zuvor.
Es heißt, ewige Wachsamkeit sei der Preis der Freiheit, und ich habe keinen Zweifel daran, daß Streitkräfte bei der Bewahrung des Friedens weiterhin eine
entscheidende Rolle in der Zukunft Europas spielen
werden. Das trifft auf nationale Armeen ebenso zu wie
auf militärische Bündnisse. Gleichzeitig bin ich davon
überzeugt, daß Europa und Nordamerika ein größeres
Maß an Sicherheit mit niedrigeren Streitkräfteniveaus
anstreben.
Als Voraussetzung für einen solchen Zustand jedoch
müssen alle Länder - große und kleine - äußerste
Vorsicht walten lassen, um zu gewährleisten, daß eine
Streitkräftereduzierung niemanden in eine nachteilige
militärische Lage bringt. Aus diesem Grund erscheinen mir die laufenden Rüstungskontrollverhandlungen, insbesondere die Wiener Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte, als ein wichtiger Faktor bei
der Gestaltung der künftigen Sicherheitsordnung in
Europa.
Meines Erachtens liegt es im Interesse Europas, daß
die Vereinigten Staaten ihre Präsenz hier aufrechterhalten. Die amerikanische Präsenz in Europa - sowohl
in Form des atomaren Schutzschilds als auch unserer
auf europäischem Territorium stationierten Truppen war, wie Sie mir wohl zustimmen werden, einer von
mehreren Faktoren, die zur Bewahrung des Friedens
seit 1945 beigetragen haben. Mir scheint, daß die
Sowjetunion, wenn sie die Stabilität und ein berechenbares Sicherheitssystem in Europa aufrechterhalten
will, das Interesse an einer anhaltenden US-Präsenz in
Europa teilt. Es ist ein ermutigendes Zeichen für unser
verbessertes Verhältnis zur Sowjetunion, daß Moskau
diese Realität heute öffentlich und in vertraulichen
Gesprächen anerkennt.
Damit komme ich zum Eckpfeiler der transatlantischen
Beziehungen - der NATO. Zu Beginn des Jahres habe
ich eine Rede über die amerikanische Deutschland-

Seite 3

�politik gehalten, in der ich äußerte, daß die weitere
Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands in der
NATO ein Grundprinzip unseres Verhältnisses sei.
Dies löste Kontroversen aus, da vielfach behauptet
wurde, die Sowjetunion könne ein vereinigtes Deutschland in der NATO niemals akzeptieren. Nun, wir haben
gesehen, daß das nicht der Wahrheit entsprach. Darüber
hinaus sollte niemand auch nur eine Minute lang davon
ausgehen, die sowjetische Zustimmung zur Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO sei gegen die wohlverstandenen Interessen der UdSSR erteilt worden.
Wenn es um ihre Interessen geht, sind die Sowjets
ausgesprochen zäh.
Es wurde ferner viel von Veränderungen der NATO
gesprochen - einige fordern, die NATO solle angesichts der abnehmenden Bedrohung durch den Osten
eine weniger militärische und mehr politische Rolle
spielen. Hier mag eine andere Auffassung vorherrschen, aber aus der Sicht der Vereinigten Staaten hat
die NATO stets eine grundsätzlich politische Rolle
gespielt. Da die NATO niemals einen Krieg führte, hat
sie sich in der Tat ausschließlich mit Sicherheitspolitik
befaßt.
Wird sich die NATO verändern? Ich bin sicher, daß sie
dies tun wird. Falls Sie es noch nicht getan haben, so
empfehle ich Ihnen, sowohl die von den Außenministern zum Abschluß des Nordatlantikrat-Treffens in
Schottland am 7. und 8. Juni 1990 verabschiedete
"Botschaft von Turnberry" als auch die Londoner
Erklärung zum Abschluß des NATO-Gipfels vom 6.
Juli 1990 zu lesen. Die NATO sucht eine neue militärische Strategie, um sich den Realitäten von heute
anzupassen. Die führenden Vertreter der NATO haben
eine Liste von Vorschlägen zur Stärkung der KSZE
vorgelegt, und als Symbol der sich abzeichnenden
Veränderungen wird Präsident Gorbatschow wahrscheinlich bis Ende des Jahres das NATO-Hauptquartier in Evere besuchen.
Ich habe häufig gehört - und es entspricht den Tatsachen - wenn es die NATO nicht gegeben hätte, hätten
die Staaten des Westens etwas schaffen müssen, um
ihre Kernfunktion zu erfüllen. Die Grundpositionen des
Westens sind durch den Konsultationsmechanismus
der NATO formuliert und entwickelt worden.
Der erfolgreiche Abschluß des INF-Abkommens, die
anhaltenden Fortschritte beim KSZE-Prozeß sowie
die Formulierung gemeinsamer Positionen in den
gegenwärtig stattfindenden Wiener Verhandlungen
wären ohne die NATO undenkbar. Und all dies zusätzlich zu den kollektiven Sicherheitsmaßnahmen, die
unter dem Dach der NATO entwickelt wurden. Offen
gesagt, es fällt mir schwer, mir ein stabiles und friedliches Europa ohne die NATO vorzustellen. Ferner ist
es meine persönliche Überzeugung, daß der amerikanische Kongreß einer fortgesetzten US-Militärpräsenz
in Europa nur im Rahmen der NATO zustimmen würde. Sie ist kein müder alter Wachhund, der darauf

Seite 4

wartet, eingeschläfert zu werden, sondern einer, der
ein paar neue Tricks lernen kann und lernen wird.
Seit nahezu vierzig Jahren wird von einigen Pessimisten der Verfall der NATO beschworen. Betrachtet
man ihre Anpassungsfähigkeit und ihren erprobten
Wert als Institution, so bin ich sicher, daß die NATO
nicht nur überleben, sondern gedeihen wird. Jedes
Mitglied des Bündnisses und auch die europäischen
Staaten, die nicht Mitglied der NATO sind, sind sich
eindringlich der Tatsache bewußt, daß Europa ohne
eine kraftvolle und effektive Bündnisstruktur zur gefährlichen Tradition bilateraler Sicherheitsabmachungen zurückkehren könnte. Es ist zweifelhaft, ob solche
Sicherheitsstrukturen im künftigen Interesse Europas
liegen.
Die KSZE hat bis heute aus einer Serie von Konferenzen und Zusammenkünften bestanden - mit einem
Wort: aus einem Prozeß. In den vergangenen Monaten sind mehrere Vorschläge zur Institutionalisierung
der KSZE unterbreitet worden, um ihr neue Substanz
und eine strukturelle Grundlage als Sicherheitsorgan
der Zukunft zu geben. Die Hauptanziehungskraft der
KSZE besteht darin, daß sie alle Nationen aus Ostund Westeuropa zusammenführt. Sie hat eine stolze
Bilanz vorzuweisen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Weiterentwicklung des KSZE-Prozesses
und bemühen sich, jeden der drei Körbe der KSZE mit
neuer Substanz zu füllen.
Es besteht zunehmend Konsens darüber, daß die
KSZE künftig eine wichtigere Rolle spielen soll, um Ost
und West institutionell einander näher zu bringen.
Einer möglichen sicherheitspolitischen Rolle der KSZE
wird viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die politisch
Verantwortlichen der NATO-Staaten forderten in ihrer
Londoner Gipfelerklärung einen KSZE-Gipfel im November, auf dem Wege zum Ausbau und zur Institutionalisierung der KSZE erörtert werden sollen. Darüber
hinaus schlugen sie die Schaffung eines KSZE-Zentrums zur Konfliktverhütung vor.
Als ehemaliger US-Botschafter bei den Vereinten
Nationen bin ich mir der Nachteile einer großen multilateralen Organisation besonders bewußt, bei der viele
Nationen praktisch ein Vetorecht besitzen. Beschlüsse und Resolutionen einer solchen multilateralen
Organisation, sei es die UNO oder die KSZE, spiegeln
den kleinsten gemeinsamen Nenner wider. Je größer
die Organisation, desto kleiner der Nenner, und die 35
in der KSZE vertretenen Staaten repräsentieren ein
breites Spektrum von Interessen und Anliegen, die nur
schwer unter einen Hut zu bringen sind. Heute läßt
sich lediglich sagen, daß die KSZE ein großes Potential besitzt. Die Vereinigten Staaten messen der KSZE
beim Aufbau eines neuen Europas eine bedeutende
Rolle bei. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, daß die
KSZE die Möglichkeit in sich birgt, die NATO ersetzen
zu können. Es wird Aufgabe der 35 Mitgliedstaaten
sein, eine institutionelle Struktur zu entwickeln, die

AMERIKA DIENST 36

�Probleme nicht nur ansprechen, sondern auch lösen
kann. Gegenwärtig ist es schwierig vorherzusagen,
welche Form die KSZE in der Zukunft annehmen wird.
Da sie jedoch in den vergangenen 15 Jahren eine solch
bedeutsame Rolle bei der Überwindung der Teilung
Europas gespielt hat, besitzt sie das Potential, gemeinsame Werte zu vertiefen und ein größeres Maß
an konstruktiver Interdependenz zwischen den europäischen Staaten zu schaffen.
Schließlich möchte ich noch kurz auf die Europäische
Gemeinschaft und den Europäischen Binnenmarkt
eingehen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus,
daß die Europäische Gemeinschaft eine zentrale Rolle
bei der Gestaltung des künftigen Europas - und in
erheblichem Maß auch der Welt insgesamt - spielen
wird. Betrachtet man unser Handelsvolumen mit der
EG von 364 Milliarden Dollar pro Jahr, so liegt es auf
der Hand, daß die Entwicklung dieser Organisation für
uns von lebenswichtigem Interesse ist.
Die Herausforderungen sind enorm. Heute, da die
politische Teilung zwischen Ost und West in den
Hintergrund tritt, bleibt eine riesige wirtschaftliche Kluft
bestehen, die geschlossen werden muß, wenn Frieden und Stabilität in Europa von Dauer sein sollen.
Ebenso wie das Nachkriegseuropa Hilfe zum Wiederaufbau seiner Volkswirtschaften benötigte, erfordern
die noch schwachen Demokratien Osteuropas Beistand beim Aufbau der wirtschaftlichen Grundlagen
künftiger politischer Stabilität. In Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten und anderen Industrieländern
ist die EG in einer idealen Position, um diese Aufgabe

zu erfüllen.
Obwohl ein vereintes Deutschland mit der dringenden
Aufgabe konfrontiert sein wird, die Wirtschaft in der
einstigen DDR zu sanieren, werden die anderen europäischen Staaten von Deutschland die Übernahme
einer Führungsrolle bei diesem wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas erwarten. Berücksichtigt man den
au ßergewöhnlichen Flei ß und das Organisationstalent
des deutschen Volkes, so hege ich persönlich keinerlei
Zweifel, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht
allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die politische Mauer, die 45
Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht
durch eine wirtschaftliche Mauer ersetzt wird. Diese
wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines Erachtens nicht
ausschlagen.
Die für 1992 geplante Einführung des EG-Binnenmarkts erhält angesichts der Entwicklungen in Osteuropa im vergangenen Jahr zusätzliche Bedeutung. Wir
sind der Meinung, daß er als Triebfeder für die Förderung und Durchführung marktwirtschaftlicher Prinzipien in den heruntergewirtschafteten Teilen Europas
dienen kann. Außenminister Baker hat in seiner
Berliner Rede vom 12. Dezember 1989 dazu ausgeführt:
AMERIKA DIENST 36

"Zwischen dem Prozeß der europäischen Integration und erweiterter Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Nachbarländern in Ost und West sehen wir
keinen Interessenkonflikt. Unseres Erachtens
hängt die Attraktivität der Europäischen Gemeinschaft für die Länder des Ostens vor allem
von ihrer kontinuierlichen Lebensfähigkeit ab.
Und die Lebensfähigkeit der Europäischen
Gemeinschaft hängt wiederum von ihrem anhaltenden Engagement für das Ziel eines geeinten Europas ab, wie es seine Gründerväter
vorgesehen hatten - frei, demokratisch und seinen
nordamerikanischen Partnern eng verbunden."
Ich möchte hinzufügen, daß Sicherheit und Stabilität in
Europa nicht allein davon abhängen, was die Europäer
für ihre eigenen Gesellschaften tun. Im vergangenen
Jahr hat sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in
der Bundesrepublik verständlicherweise auf die erstaunlichen Entwicklungen in Europa konzentriert, ich
möchte jedoch darauf verweisen, daß die Führungsrolle des Westens zur Lösung größerer internationaler
Probleme und zur Gewährleistung der Stabilität in
unseren Ländern erforderlich ist.
Präsident Bush hat häufig erklärt, daß die Vereinigten
Staaten diese Last nicht allein tragen könnten und die
aktive Beteiligung ihrer demokratischen Verbündeten
an der Lösung weltweiter Probleme anstreben, die uns
alle angehen.
Im vergangenen Monat wurden wir im Anschluß an die

irakische Invasion Kuwaits am 2. August Zeuge der
Eskalation von Spannungen im Nahen Osten. Die
internationale Staatengemeinschaft hat diesen ruchlosen Akt der Aggression zu Recht mit einer Reihe von
Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats aufs schärfste
verurteilt. Angeführt von meinem Land wurden massive internationale Bestrebungen in die Wege geleitet,
um den Irak zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait zu
zwingen und weitere Aggression der irakischen Streitkräfte zu verhindern.
Abgesehen von der Gefährdung der kontinuierlichen
Ölversorgung - die für alle unsere Volkswirtschaften
von grundlegender Bedeutung ist -, haben die aggressiven Aktionen des Iraks im Nahen Osten direkte
Konsequenzen für unserer Sicherheitsinteressen. Wir
haben auf diese irakische Bedrohung reagiert, werden
dies auch in Zukunft tun und erwarten Solidarität unter
unseren Verbündeter» bezüglich der Ziele unserer Politik.
Wirtschaftssanktionen können nur funktionieren, wenn
die gesamte Staatengemeinschaft sie befolgt. Der
Boykott des Iraks wird praktisch weltweit anerkannt
und hat bereits Folgen gezeitigt. Die Vereinigten
Staaten haben darüber hinaus die Führungsrolle bei
der Entsendung von über Hunderttausend Soldaten
nach Saudi-Arabien zum Schutz vor weiterer Aggression übernommen. An diesen kollektiven Sicherheits-

Seite 5

�bestrebungen sind jedoch nicht nur amerikanische
Truppen und Gerät beteiligt. Kleine und große Nationen einschließlich zahlreicher arabischer Länder haben ihren Beitrag zur Bekämpfung der irakischen
Bedrohung geleistet, indem Soldaten und Waffen
entsandt wurden. Saddam Hussein erhält eine unmi ßverständliche Lektion über den Preis von Aggression
gegen einen friedlichen Nachbarn.
Unter Bezugnahme auf das, was ich zu Beginn meiner
Ausführungen über europäische Institutionen gesagt
habe, möchte ich feststellen, daß die NATO-Mitgliedstaaten zur Erörterung der Entwicklungen im Nahen
Osten und Koordinierung ihrer Aktivitäten im Verteidigungsbereich täglich Sitzungen anberaumt haben. Es
gibt keinen besseren Beweis für die anhaltende Bedeutung der NATO für die Europäische Gemeinschaft.
Kein anderes Forum ist so erfahren und war so erfolgreich bei der Suche nach Konsens zu entscheidenden
Aspekten unserer gegenseitigen Sicherheit.
Am 21. August veröffentlichte die Europäische Gemeinschaft eine der am schärfsten formulierten Erklärungen, die ich je gesehen habe. Darin wurde der Irak
verurteilt, weil er westliche Staatsbürger gegen ihren
Willen im Irak und in Kuwait festhielt und festgestellt,
daß die Europäische Gemeinschaft die Irakis persönlich für jegliche Beeinträchtigung des Wohlergehens
der Geiseln verantwortlich machen würde. Am gleichen Tag legte die Westeuropäische Union eine Erklärung über zusätzliche Schritte zur Unterstützung des
Militäreinsatzes vor. Diese Art von Entschlossenheit,
Solidarität und getreuer Einhaltung von Prinzipien wird
sicherstellen, daß wir uns auch in Zukunft an Frieden
und Wohlstand erfreuen können.
Meines Erachtens sollte jedoch nochmals betont werden, daß unsere Sicherheitsinteressen heute nicht
länger national definiert sind. Der Überfall auf Kuwait
belegt eindeutig, daß die weltweiten Ereignisse direkten Einfluß auf unsere Gesellschaften haben. Wir
dürfen uns weder den Luxus erlauben noch haben wir
die Option, die Hände in den Scho ß zu legen und nichts
zu tun.
In diesem Zusammenhang möchte ich eine Reihe von
Problemkreisen ansprechen, die im Inland Anlaß zur
Sorge geben, jedoch internationales Vorgehen für eine
Lösung erforderlich machen:
Umweltverschmutzung ist nicht länger ein lokales
Phänomen. Die Vergrößerung«des Ozonlochs über
der Antarktis und der kontinuierliche Raubbau an den
tropischen Regenwäldem haben unmittelbare Konsequenzen auf die Umwelt der übrigen Welt.
Drogen sind eine Geißel der Menschheit. Sie trifft
besonders die jüngere Generation und stellt eine
Bedrohung unserer Stabilität im Inland dar. Internationale Zusammenarbeit im Justizwesen und bei der
Strafverfolgung muß sich auf diejenigen konzentrie-

Seite 6

ren, die mit dieser todbringenden Geißel Handel treiben. Drogen findet man dort, wo das Geld für ihren
Kauf vorhanden ist - und Europa ist zweifelsohne nicht
immun.
Die Bedrohung des Terrorismus existiert immer noch,
und nur durch die kluge Kombination von politischem
Aktivismus und wirksamer Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit können wir Terroranschlägen gegen
unsere Bürger im In- und Ausland auch in Zukunft
Einhalt gebieten.
Die wirtschaftliche Kluft zwischen den wohlhabenden
Nationen des Nordens und den armen Entwicklungsländern des Südens wird breiter. Wir müssen mit
großen Völkerwanderungen vom Süden in den Norden
auf der Suche nach einem besseren Leben rechnen.
Flüchtlingsströme werden meiner Prognose nach eines der Hauptprobleme des nächsten Jahrhunderts
sein.
Und schließlich leben wir in einer Welt, in der Waffen
mit enormer Vernichtungsfähigkeit allzu leicht in die
falschen Hände geraten können. Die potentielle Zerstörung, die ein aggressiver Diktator wie Saddam
Hussein mit solchen Waffen nicht nur an seinem
eigenen Volk, sondern in der ganzen Welt anrichten
kann, gibt allen Ländern Anlaß zu großer Sorge. Die
Vereinigten Staaten haben die Führungsrolle dabei
übernommen, der Weiterverbreitung von chemischen
und atomaren Waffen ein Ende zu setzen.
Dies sind in der Tat Herausforderungen, denen wir uns
in den kommenden Jahren stellen müssen. Heute
werden wir in vielfältiger Weise Zeuge der Schaffung
einer neuen Friedensordnung in Europa. Um Präsident Bush zu zitieren, besteht unsere Aufgabe darin,
"diese friedliche Revolution zu konsolidieren und die
Strukturen für dauerhaften friedlichen Wandel bereitzustellen".
Die Instrumente und Strukturen für westliche Zusammenarbeit müssen diesen neuen Realitäten angepaßt
werden. Es ist an uns, eine neue Architektur für ein
neues Zeitalter zu entwerfen und in die Praxis umzusetzen. Diese neue Architektur muß Raum für vertraute, bewährte Strukturen wie die NATO bieten und der
Tatsache Rechnung tragen, daß sie auch neue Aufgaben erfüllen können.
Vielleicht bin ich nur ein unverbesserlicher Optimist,
aber meines Erachtens haben wir keinen Grund zur
Sorge über Veränderungen. Wir begrüßen sie, und
zweifelsohne haben die Millionen von Menschen in
Osteuropa und der Sowjetunion lange genug darauf
gewartet. Entwicklung und Aufbau einer neuen Architektur für Europa sind keine einfache Aufgabe. Sie
muß jedoch vollbracht werden, weil wir keine akzeptable Alternative haben. Weder Europa noch die Vereinigten Staaten können sich einen Fehlschlag leisten.
Ich bin davon überzeugt, daß die Kombination von uns

AMERIKA DIENST 36

�derzeit zur Verfügung stehenden Strukturen und Institutionen zusammen mit weiteren, noch zu entwickelnden Strukturen uns zu einer vielversprechenderen
Zukunft für die gesamte Menschheit führen wird. Die

Geschichte und nachfolgende Generationen werden
uns nicht verzeihen, wenn wir diese au ßerordentliche
Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 36

Seite 7

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10946">
              <text>12.09.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10947">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10948">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10949">
              <text>Amerikadienst 12.09.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10950">
              <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: irakische Aggression "wird nicht Bestand haben" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: jede Aggression am Golf zum Scheitern verurteilt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers in Brüssel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Deutschlandpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ein geeintes Deutschland im europäischen Kontext &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Walters in München&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
