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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

5. September 1990

35

GOLFKRISE

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE IN DER
GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Repräsentantenhauses
DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August

KONGRESS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

KONGRESS UNTERSTUTZT BUSHS
MASSNAHMEN IN DER GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten
aus dem Kongreß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. September 1990

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE
IN DER GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 30. August 1990 im Rahmen einer Pressekonferenz erklärt, daß
die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei der Koordinierung von Hilfsmaßnahmen für Länder übernehmen
werden, deren Wirtschaft durch die irakische Invasion in Kuwait geschädigt wurde. Darüber hinaus kündigte er
die Entsendung von Außenminister Baker und Finanzminister Brady in den Nahen Osten, nach Europa und Asien
an, um diese Bemühungen zu beschleunigen. Der Plan erfordere "erhebliche Wirtschaftshilfe" für die Türkei,
Ägypten und eine Reihe anderer Länder.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Zusammen mit der überwältigenden Mehrheit der
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen engagieren
sich die Vereinigten Staaten für kollektive Anstrengungen, um die Folgen der irakischen Aggression zu
beseitigen. Unsere Ziele, die in fünf Resolutionen des
Sicherheitsrats der Vereinten Nationen dargelegt
wurden, sind eindeutig: der unverzügliche und bedingungslose Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait,
die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung Kuwaits, die Stabilität Saudi-Arabiens und am Persischen Golf sowie der Schutz amerikanischer Staatsbürger.
In dieser Angelegenheit steht wahrhaft viel auf dem
Spiel - die Verläßlichkeit des amerikanischen Engagements für unsere Freunde und Verbündeten, die
Gestaltung der Welt nach der Nachkriegszeit, die
Ablehnung von Aggression, die mögliche Beherrschung
der für die gesamte Welt entscheidenden Energiequellen. Diese Bemühungen waren von Beginn an wahrhaft international. Viele andere Länder leisten ihren
Beitrag. Zuletzt hatten 22 Länder entweder der Bitte
Saudi-Arabiens entsprochen, zur Abschreckung weiterer Aggression beizutragen oder gemäß der Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats Marinestreitkräfte
entsandt. Andere Staaten erbringen ihren Beitrag in
Form finanzielle) und materieller Unterstützung für
diese Verteidigungsanstrengungen oder für Länder,
deren Volkswirtschaften unter den Sanktionen oder
höheren Ölpreisen zu leiden haben. Und noch andere
zahlen einen hohen wirtschaftlichen Preis für die Einhaltung der UNO-Sanktionen.

AMERIKA DIENST 35

Es ist unabdingbar, daß die erheblichen von diesen
Bemühungen verursachten Belastungen auch von
denjenigen getragen werden, die verteidigt werden
und von denen, die vom freien ölfluß profitieren.
Jeder, der ein Interesse an der Weltordnung hat, muß
auch daran interessiert sein, unser aller Erfolg sicherzustellen.
Für die Vereinigten Staaten ist das Gleichgewicht von
großer Bedeutung, und sie sind damit in Einklang
stehende Verpflichtungen eingegangen. Wir sind mehr
als bereit, unseren fairen Anteil an den Lasten zu
tragen. Dazu gehören vor allem die Tausende von
Männern und Frauen unserer Streitkräfte, die heute
am Golf stehen, aber wir erwarten auch von anderen,
daß sie ihren fairen Anteil tragen.
Eine Reihe von Ländern hat schon ihre Bereitschaft
erklärt, denen zu helfen, die durch dieses Unterfangen
wirtschaftlich benachteiligt werden. Hierbei muß es
sich jedoch zwangsläufig um konzertierte und koordinierte Maßnahmen handeln, an denen sich alle betroffenen Länder beteiligen. Es ist wichtig, die richtigen
Prioritäten zu setzen und sicherzustellen, daß diejenigen, die unsere Hilfe am meisten benötigen, diese
auch bekommen und diejenigen, die am ehesten dazu
in der Lage sind, ihren Beitrag leisten.
Aus diesem Grund habe ich eine interministerielle
Arbeitsgruppe angewiesen, eine Strategie zur Verwirklichung dieses Ziels zu entwickeln. Der Bericht
dieser Gruppe wurde beim gestrigen Treffen des

Seite 1

�Nationalen Sicherheitsrats vorgelegt, und ich habe
heute morgen einen Aktionsplan genehmigt. Unser
Ansatz fordert erhebliche Wirtschaftshilfe für diese
Staaten - ich möchte hier insbesondere die Türkei und
Ägypten nennen, die einen großen Teil der von den
Sanktionen und höheren Ölpreisen verursachten Lasten
zu tragen haben. Der Plan führt darüber hinaus noch
weitere Länder auf, darunter Jordanien, die Staaten
Osteuropas und andere, die besonderer Hilfe bedürfen. Die Vereinigten Staaten werden ferner eine
Verteilung der aus ihren eigenen Anstrengungen resultierenden Lasten anstreben.
Wir werden gleichzeitig andere Regierungen, darunter
die Japans, Südkoreas, der Bundesrepublik Deutschland, Saudi-Arabiens, der Emirate, des freien Kuwait
und anderer Staaten ersuchen, sich uns anzuschließen und den Ländern, die am meisten unter der
gegenwärtigen Lage zu leiden haben, finanzielle sowie
gegebenenfalls Energieressourcen zur Verfügung zu
stellen.
Um dieses Unterfangen zu beschleunigen, habe ich
Außenminister Baker und Finanzminister Brady gebeten, an der Spitze hochrangiger Delegationen zum
Persischen Golf, nach Europa und Asien zu reisen. Ich
werde ferner direkten Kontakt mit den Staats- und
Regierungschefs dieser Länder aufnehmen, bevor die
Minister Baker und Brady dort eintreffen, um ihnen
unsere allgemeinen Ziele zu erläutern.
Abschließend möchte ich wiederholen, was ich bereits
gestern bei meinem Treffen mit führenden Politikern
des Kongresses erklärt habe. Unsere Politik liegt im
Grundsatz fest. Das irakische Regime steht in Opposition zur gesamten Welt und den Interessen des
irakischen Volkes. Der Irak stellt sich wahrhaft gegen
die gesamte Welt. Ich möchte jedoch klarstellen, daß

*

*

wir keinen Streit mit dem irakischen Volk haben.
Die Sanktionen beginnen bereits zu greifen. In der
Zwischenzeit möchten wir sicherstellen, daß die Länder, die zu dieser einmaligen kollektiven Antwort beitragen, darunter nicht leiden müssen. Was ich heute
verkündet habe und was in den folgenden Tagen
verwirklicht werden soll, wird dazu beitragen, ein Umfeld
zu schaffen, in dem die Sanktionen gegen den Irak mit
den beabsichtigten Folgen aufrechterhalten werden
können.
Eine weitere Maßnahme einmaliger internationaler
Solidarität war die Bereitschaft der OPEC, den durch
das Embargo gegen irakisches und kuwaitisches ö l
entstandenen Produktionsausfall wettzumachen. In
diesem Zusammenhang habe ich mich heute morgen
mit unseren Energieberatern getroffen, die den ö l markt sehr genau beobachten. Wir begrüßen den Beschluß der OPEC, die Verringerung der ölfördermenge teilweise aufzufangen. Obwohl wir uns meiner
Meinung nach in einer Übergangsphase befinden,
scheint die Lage kontrollierbar zu sein.
Wir erwarten zur Zeit keine größeren Verwerfungen
auf dem Ölmarkt. Wir besitzen jedoch unsere bewährte Strategische ölreserve, die zur Verfügung steht,
wenn dies wirklich erforderlich ist. Unsere Energiepolitik hat darüber hinaus eine verstärkte Erdölförderung
sowie eine Umstellung auf Erdgas und andere Brennstoffe zur Folge. Ich möchte ferner meinen früheren
Appell an die Amerikaner wiederholen, Energie zu
sparen. Ich fordere alle Beteiligten auf, sich verantwortungsbewußt zu verhalten. Gegenwärtig ist die Lage
meines Erachtens relativ stabil, und ich bin sehr zufrieden mit der Koordinierung, die mit vielen Ländern zur
Aufrechterhaltung einer angemessenen Brennstoftversorgung stattgefunden hat.

*

*

AMERIKA DIENST 35

�GOLFKRISE
5. September 1990

ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist die "koordinierte und umfassende internationale
Isolierung des Iraks der einzig friedliche Weg" zur Beendigung der Golfkrise.
"Auf diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern", erklärte Baker am 4. September 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Repräsentantenhauses. Er bezeichnete die Ergebnisse als außerordentlich und einmalig.
Dem US-Außenminister zufolge verspüren die Vereinigten Staaten Genugtuung über die im UNO-Sicherheitsrat geleistete "verantwortungsbewußte und produktive Arbeit" und über die "Unterstützung seitens der
Arabischen Liga und der Blockfreien".
Als Erklärung für das, was im Golf auf dem Spiel steht, nannte Baker folgende Punkte:
"Iraks nichtprovozierte Aggression ist ein politischer Prüfstein, wie die Welt nach dem kalten Krieg
funktioniert."
"Einschüchterung und Gewalt sind keine erfolgreichen Mittel, um mit dem unbeständigen Nahen Osten
- oder irgendeiner anderen Region - umzugehen."
Die Weltwirtschaft ist von den Energieressourcen am Golf abhängig.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Ansprache im Wortlaut:

Ich bin heute hierhergekommen, um vor Ihnen - und
damit vor dem amerikanischen Volk- über die Krise am
Persischen Golf und ihre Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten zu sprechen.

und wir sind darüber hinaus verpflichtet, unsere Pläne
zur Verwirklichnug dieses Ziels zu erläutern, um unsere langfristigen Interessen am Golf und anderswo zu
fördern.

Ich möchte diese Krise im Rahmen meiner Rede in
einen großen Zusammenhang stellen. Die ganze Welt
ist mobilisiert, um die Aggression gegen ein kleines,
weit entferntes Land abzuwenden. Natürlich zahlen
wir jetzt schon höhere Preise an der Tankstelle. Sie
haben darüber hinaus darauf hingewiesen, daß Tausende unserer besten jungen Männer und Frauen jetzt
in der Hitze des Persischen Golfs Wache halten.

Ich möchte mit Erläuterungen darüber beginnen, was
auf dem Spiel steht. Zunächst ist die nichtprovozierte
Aggression des Iraks ein politischer Prüfstein, wie die
Welt nach dem kalten Krieg funktioniert. Inmitten der
Revolutionen, die die Welt bewegt haben und der
Veränderungen der Ost-West-Beziehungen befinden
wir uns nunmehr an einem kritischen Wendepunkt der
Geschichte. Die irakische Invasion Kuwaits ist einer
der wichtigsten Augenblicke einer neuen Ära, eines
neuen Zeitalters voller Hoffnungen, das aber darüber
hinaus viele Herausforderungen bereithält.

Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß wir dem
amerikanischen Volk gegenüber eine klare Verpflichtung haben. Um es offen zu sagen, wir sind verpflichtet
auszusprechen, was infolge von Saddam Husseins
Invasion in Kuwait auf dem Spiel steht. Wir sind in der
Tat verpflichtet, unserem Volk zu erklären, welche
unmittelbaren Ziele wir in diesem Konflikt verfolgen,
AMERIKA DIENST 35

Während die im kalten Krieg aufgestellten Regeln
letztlich den Frieden zwischen Ost und West in Europa
bewahrt haben, besteht die Aufgabe jetzt darin, einen
dauerhaften Frieden zu schaffen, der weltweit gilt,
Seite 1

�nicht nur auf Europa beschränkt ist und seine Ursprünge nicht in Konfrontation und Spannungen hat.
Wenn wir einen stabilen und umfassenderen Frieden
schaffen wollen, müssen wir auf die charakteristischen
Momente dieser neuen Ära reagieren und die sich für
uns ergebenden Gefahren erkennen. Wir treten in ein
Zeitalter ein, in dem ethnische und religiöse Konflikte
leicht neue Gewalt und neue Konflikte hervorbringen
können. Dies ist ein Zeitalter, in dem neue Feindseligkeiten und Bedrohungen auftreten können, wenn fehlgeleitete Politiker ihre regionale Vormachtstellung sichern
wollen, bevor Grundsätze einer neuen Ordnung akzeptiert werden können.
Demgemäß stehen wir vor einer einfachen Wahl.
Wollen wir in einer Welt leben, in der Aggression
weniger wahrscheinlich ist, weil darauf eine eindeutige
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft
erfolgt, einer Welt, in der zivilisierte Verhaltensregeln
gelten? Oder wollen wir in einer Welt leben, in der
Aggression sich unkontrolliert ausbreiten kann, wo sie
Erfolg hat, weil wir nicht soviel gemeinsame Willenskraft aufbringen können, um ihr die Stirn zu bieten?
Leider wird Saddam Husseins Angriff auf Kuwait nicht
der letzte Akt der Aggression sein, dem sich die
internationale Staatengemeinschaft stellen muß.
Solange ruchlose Aggressoren weiter wirken können,
ist es nur folgerichtig, daß solche Übergriffe von Zeit zu
Zeit auch stattfinden. Aber mit der gegenwärtigen
Krise bietet sich erstmals die Gelegenheit, eine solche
Gefahr zu begrenzen, die Maßstäbe zivilisierten Verhaltens zu stärken, wie sie in der UNO-Charta verankert sind und eine friedlichere internationale Ordnung
zu schaffen, die auf den hoffnungsvollen jüngsten
Tendenzen in Europa und anderswo beruht. Unsere
Ansicht lautet, daß wir die Gelegenheit ergreifen müssen,
um die Grundregeln der neuen Ordnung auf ein solides
Fundament zu stellen.
Zweitens müssen wir vom strategischen Standpunkt
zeigen, daß Einschüchterung und Gewalt keine erfolgreichen Mittel sind, um mit dem unbeständigen Nahen
Osten - oder irgendeiner anderen Region - umzugehen. Die Kombination ungelöster regionaler Konflikte,
turbulenter sozialer und politischer Veränderungen,
Massenvernichtungswaffen und das Vorhandensein
eines großen Teils der Weltenergievorräte macht den
Nahen Osten besonders explosiv. Niemand kann sich
Konflikten im Nahen Osten entziehen. Und niemand
kann sich sicher fühlen, wenn die Gefahr eines im
Nahen Osten eskalierenden Kriegs so groß ist.
Wenn wir friedliche Veränderungen fördern und die
Sicherheit all unserer Freunde in der Region erhalten
wollen, müssen wir ein verläßlicher Partner für den
Frieden bleiben. Wir müssen demonstrieren, daß
Saddam Husseins gewaltorientiertes Vorgehen ein
Anachronismus und kein Kurs für die Zukunft ist.

Seite 2

Drittens und vielleicht am offensichtlichsten steht eine
wirtschaftliche Komponente auf dem Spiel, die Abhängigkeit der Welt vom Zugang zu Energieressourcen
des Persischen Golfs. Die Auswirkungen auf unsere
Wirtschaft und die Menschen sind bereits spürbar.
Aber wir sprechen hier nicht vom Preisanstieg einer
Gallone Benzin an unseren Tankstellen. Die Frage
des Ölflusses aus Kuwait und dem Irak spielt nur eine
untergeordnete Rolle. Es geht hier um die Frage nach
einem Diktator, der allein und ohne Herausforderungen die Weltwirtschaftsordnung zerrütten und per Erlaß
verfügen könnte, ob wir alle eine Rezession oder sogar
eine Depression hinnehmen müssen.
Eine anhaltende ölpreisspirale ähnlich der Ereignisse
in den Jahren 1973 und dann wieder 1979 könnte
weltweit zu höherer Inflation und höheren Zinsen führen, wobei wir alle in die Rezession abgleiten würden.
Die Belastung könnte sich insbesondere auf die neuen
Demokratien in Osteuropa auswirken und drohen, die
demokratischen Revolutionen von 1989 rückgängig zu
machen. Auch in den ärmeren Ländern Mittelamerikas, Südasiens und Afrikas bekämen es diejenigen zu
spüren, die jetzt marktorientierte Reformen verwirklichen und den Lebensstandard ihrer verarmenden
Millionen zu verbessern suchen.
Einfach gesagt ist dies der Einsatz, der durch die
irakische Invasion gegen Kuwait auf dem Spiel steht.
Die Frage lautet also meiner Ansicht nach, wie wir und
die internationale Staatengemeinschaft darauf reagiert haben.
Für die Vereinigten Staaten hat der Präsident vier Ziele
definiert.
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait, wie er in Resolution 660 des UNO-Sicherheitsrats
gefordert wird.
Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits.
Drittens der Schutz des Lebens amerikanischer Bürger, die vom Irak sowohl dort als auch in Kuwait als
Geiseln gehalten werden.
Viertens ein Engagement für die Sicherheit und Stabilität der Region des Persischen Golfs.
Unsere Strategie besteht darin, die Führungsrolle in
einem weltweiten politischen Bündnis zu übernehmen,
um den Irak politisch, wirtschaftlich und militärisch zu
isolieren. Im Hinblick darauf sind wir bestrebt, daß der
Irak einen so hohen Preis für seine Aggression zahlen
muß, daß er gezwungen ist, aus Kuwait abzuziehen
und Amerikaner und andere als Geiseln festgehaltene
Menschen freizulassen.

AMERIKA DIENST 35

�Dies würde im Gegenzug zur Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits führen. Es würde
auch die Möglichkeiten für langfristige Sicherheit und
Stabilität im persischen Golf auf eine Weise verbessern, die auf den einmaligen internationalen Konsens
baut, der sich bereits gebildet hat.
Unsere Strategie hat sich aus zwei Wegen zu diesem
Ziel ergeben, die sich gegenseitig verstärken. Ich
möchte Ihnen unsere Bestrebungen darlegen. Auf
diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern. Die Ergebnisse waren,
wie auch Sie, Herr Vorsitzender, ausgeführt haben,
außerordentlich und man kann sie schon als einmalig
bezeichnen. Fünf einstimmige Resolutionen des UNOSicherheitsrats sind verabschiedet worden, und es ist
nur fair zu sagen, daß der Irak inzwischen geächtet
wird.
Die Vereinigten Staaten verspüren Genugtuung über
die im UNO-Sicherheitsrat geleistete verantwortungsbewu ßte und produktive Arbeit, die wir gemeinsam mit
den anderen Ständigen Mitgliedern, Großbritannien,
Frankreich, der Sowjetunion und der Volksrepublik
China geleistet haben und über die Unterstützung der
Arabischen Liga und der Blockfreien.
Wie Mr. Broomfield bereits erläuterte, hat sich insbesondere die Sowjetunion als verantwortungsbewußter
Partner erwiesen und neue Möglichkeiten für eine
aktive Zusammenarbeit der Supermächte bei der
Bewältigung regionaler Konflikte aufgezeigt. Der
Präsident wird sich bei seinem Treffen mit Präsident
Gorbatschow in Helsinki am kommenden Sonntag (9.
September) bemühen, unsere partnerschaftlichen
Bindungen weiter zu verstärken.
Langfristig sollten wir uns daran erinnern, wie dieser
Konflikt ausgesehen hätte, wenn die sowjetische Politik im Persischen Golf immer noch durch das althergebrachte Nullsummendenken bestimmt würde. Die
NATO, die Europäische Gemeinschaft und die Westeuropäische Union haben sich in großartiger Weise
beteiligt. Unser NATO-Verbündeter Türkei sollte wegen
seiner raschen, effektiven und sehr mutigen Zusammenarbeit besonders herausgehoben werden.
Schließlich hat eine breite regionale Koalition, zu der
Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, die Golfstaaten und
Syrien gehören, viel getan, um die internationale
Geschlossenheit zu fördern. In dieser Hinsicht möchte
ich noch einen entscheidenden Punkt zur Sprache
bringen. Seit ihrem Amtsantritt hat diese Administration mit unseren Freunden in Asien und Europa, mit
den Sowjets und mit Organisationen wie der NATO
und der Europäischen Gemeinschaft konzertierte
Anstrengungen unternommen, um sich den regionalen Konflikten innewohnenden explosiven Gefahren zu
widmen. Bei der Antwort auf die Invasion des Iraks

AMERIKA DIENST 35

konnten wir uns auf die neuen internationalen Bindungen stützen, die aufgrund dieser Strategie entstanden
sind.
Die Kuwaiter selbst verdienen unser Mitgefühl und
unseren Respekt. Sie mußten eine brutale Invasion,
die Plünderung ihres Landes und eine traumatische
Erfahrung erdulden. Es kam zu tragischen Verlusten
an Menschenleben, und Tausende von Kuwaitern
flohen in Nachbarstaaten und konnten in vielen Fällen
nur mit dem, was sie auf dem Leibe trugen, entkommen.
Aber die Kuwaiter wehren sich, und sie wehren sich
heldenhaft. Sie kollaborieren nicht mit dem Irak.
Sämtliche Teile der kuwaitischen Bevölkerung, von
den religiösen Konservativen bis zu den säkular eingestellten Liberalen haben ihre Unterstützung für die
Wiedereinsetzung der Regierung bekundet. Im Land
selbst hat sich ein Widerstand formiert. Er führt den
Kampf gegen die irakische Aggression innerhalb Kuwaits.
Darüber hinaus stellt die kuwaitische Exilregierung
finanzielle Hilfe bereit, um unsere militärischen Bemühungen zu unterstützen und zur Beseitigung wirtschaftlicher Probleme beizutragen, die Staaten wie
Ägypten entstanden sind.
Kurzum: Kuwait ist besetzt worden - aber Kuwait
wurde nicht erobert.
Die in dem Grundsatz vereinte politische Koalition, daß
Saddam Hussein nicht die Früchte seiner Aggression
ernten darf, hat unter dem Schirm der Vereinten Nationen ein Wirtschaftsembargo verwirklicht, das voll und
ganz wirksam ist. Die importabhängige Volkswirtschaft des Iraks spürt schon die Auswirkungen, und
der internationale Druck wird mit der zunehmenden
Verknappung weiter anwachsen. Sanktionsverletzer
könnten, wie dies in solchen Lagen stets der Fall ist,
durch große finanzielle Profite in Versuchung geführt
werden, aber die Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats, die eine Durchsetzung des Embargos mit
allen angemessenen Mitteln vorsieht, sollte gewährleisten, daß die Möglichkeiten des Iraks zum Export
seines Öls und zum Import wichtiger Waren mit der
Zeit stark eingeschränkt werden.
Saddam Husseins Aggression hat Ländern in der
Region und in der ganzen Welt enorme Kosten verursacht. Die Zerstörung der kuwaitischen Volkswirtschaft durch die irakischen Angreifer hat große wirtschaftliche Verwerfungen bei befreundeten Staaten in
der Region zur Folge gehabt. Dies betrifft insbesondere Ägupten und die Türkei. Andere Länder, die wirtschaftlich auf schwachen Füßen stehen, besonders in
Osteuropa, müssen einen sehr hohen Preis bezahlen.
Auch die Notwendigkeit, die Lasten unserer eigenen
militärischen Bemühungen auszugleichen, muß angesprochen werden. Wie der Präsident am vergangenen
Donnerstag (30. August) verkündete, haben wir einen

Seite 3

�Aktionsplan beschlossen, um diesen Erfordernissen
gerecht zu werden. Unsere Freunde in der ganzen
Welt haben darauf reagiert und tun dies auch weiterhin. Saudi-Arabien bestreitet einen Großteil der Treibstoffkosten für unsere Bemühungen, und andere Golfstaaten stellen den betroffenen Staaten Brennstoffe
und Finanzmittel zur Verfügung.
Der Präsident hat Finanzminister Brady und mich
gebeten, wichtige Staaten am Golf, in Europa und
Asien zu besuchen, um die internationalen Bemühungen zu mobilisieren und koordinieren. Wir werden
bestrebt sein zu gewährleisten, daß Kosten und Verantwortlichkeiten gleichmäßig verteilt werden und unsere
Anstrengungen einander auf verschiedenen Ebenen
ergänzen. Das Ziel ist die Wahrung der lebenswichtigen Interessen der beteiligten Parteien und die Aufrechterhaltung der Solidarität der internationalen
Koalition. Die Zeit kann auf der Seite der internationalen Staatengemeinschaft sein. Der Diplomatie kann
zum Erfolg verholten werden.
Auf der militärischen Ebene stellen heute 25 Staaten
Soldaten und Material zur Unterstützung der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats bereit. Die amerikanischen Ziele sind die Abschreckung eines irakischen
Angriffs auf Saudi-Arabien sowie die Gewährleistung
der wirksamen Einhaltung der UNO-Sanktionen. Unsere
Streitkräfte sind darüber hinaus dort anwesend, um
das Leben amerikanischer Bürger zu schützen und
eine effektive und entschiedene militärische Reaktion
sicherzustellen, falls der Irak seine Aggression zu
aktiven Gefechten mit der multinationalen Streitmacht
eskaliert.
Wenn jedoch die gegenwärtige Gefahr vorüber ist,
können wir ihre Lehren nicht unbeherzigt lassen. Wir
stehen in der Verantwortung, dem amerikanischen
Volk zu versichern, daß nicht zehn Jahre später seine
Söhne und Töchter gefährdet werden, weil wir es
versäumt haben, langfristige Lösungen für die Probleme am Golf zu finden. Der von uns zustande gebrachte historische internationale Konsens kann eine solide
Grundlage sein, um unsere unmittelbaren Ziele zu
verwirklichen und eine sicherere Zukunft aufzubauen.
Er kann ein künftiges Umfeld am Golf fördern, das
unsere Interessen schützen und uns helfen wird, eine
Wiederholung solcher massiven diplomatischen und
militärischen Anstrengungen in der Zukunft zu vermeiden.
Langfristig streben wir einen stabilen Golf an, an dem
die Staaten dieser Region und deren Völker in Frieden
und ohne Furcht vor Nötigung leben können. Wir
streben eine Region an, in der Veränderungen stattfinden können und darüber hinaus legitimen Sicherheitsanliegen auf friedlichem Wege Rechnung getragen
wird. Ferner streben wir eine Region an, in der
Energielieferungen frei fließen können. Wir werden
mit den Regierungen am Golf und außerhalb zusammenarbeiten müssen, um eine dauerhaftere Ordnung
zu schaffen.
Seite 4

Wir möchten gewährleisten, daß unsere Freunde in
der Region die Mittel besitzen, um Aggressionen
abzuschrecken und sich zu verteidigen, damit die
Notwendigkeit verringert wird, amerikanische Männer
und Frauen zu ihrer Unterstützung zu entsenden. Wir
werden mit den andere Mitgliedern der regionalen und
internationalen Staatengemeinschaft zusammenarbeiten, um weiteren irakischen Expansionsbestrebungen
sowie irakischen Bemühungen, Massenvernichtungswaffen zu erwerben und zu produzieren, Einhalt zu
gebieten.
Die Bewältigung der heutigen Bedrohung könnte ferner zur Ausgangsbasis für dauerhafte internationale
Bemühungen werden, um die Verbreitung chemischer,
biologischer und atomarer Waffen und ballistischer
Raketen in der Region und andernorts zu verhindern.
Sie kann ein Sprungbrett für neue Versuche zur Lösung von Konflikten werden, die einer solchen Verbreitung zugrundeliegen, einschließlich des schwelenden
Konflikts zwischen Israel und seinen palästinensischen und arabischen Nachbarn. Es reicht nicht aus
zu zeigen, daß sich Aggression und Einschüchterung
nicht auszahlen. Wir müssen auch zeigen, daß es
einen Weg zu Aussöhnung und Frieden gibt, der mit
gutem Willen und Vertrauen auf allen Seiten beschritten werden kann. Abschließend möchte ich Saddam
Husseins Überfall auf Kuwait in eine historische Perspektive stellen.
Seit über vierzig Jahren stand der Konflikt zwischen
Ost und West im Mittelpunkt der internationalen Beziehungen. Der kalte Krieg erfaßte den ganzen Erdball
und betraf jeden. Ein Großteil der amerikanischen
Außenpolitik wurde entweder von unseren Bemühungen zur Eindämmung der stalinistischen Aggression
bestimmt oder leitete sich daraus her.
Heute hat die zentrale Auseinandersetzung der Nachkriegszeit, der Ost-West-Konflikt über die Zukunft
Europas, einen Umbruch erfahren. Die Volksrevolutionen des vergangenen Jahres in Mittel- und Osteuropa haben die Diktaturen der Vergangenheit hinweggefegt. An ihrer Stelle finden die Menschen nun die
Freiheit. Europa wird ungeteilt und frei, Deutschland
wird in Frieden und Freiheit vereint werden. Eine
aufgeklärte sowjetische Führung hat zu friedlichen,
demokratischen Veränderungen als einzig legitimem
Weg zum Fortschritt ermutigt.
Diese Administration hat aktiv auf die Verfechter des
neuen Denkens und der Reformen in der Sowjetunion
eingewirkt. Zusammen entdecken wir gemeinsame
Interessen, die Ost und West vereinen werden. In
dieser Beziehung wird Konflikt durch Partnerschaft
abgelöst.
Wie ich bereits viele Male erklärt habe, ist die Rolle der
Vereinigten Staaten in diesem gewaltigen Umbruch in
der Weltpolitik sehr aufrichtig. Wir müssen nicht nur
den kalten Krieg hinter uns lassen, sondern auch die
ihm zugrundeliegenden Konflikte.
AMERIKA DIENST 35

�Und das ist der Grund, warum, wie der Präsident
erklärt hat, die Aggression des Iraks nicht Bestand
haben kann.
Die Linie im Sand Arabiens bedeutet auch eine Linie in
der Zeit. Durch seinen Einfall in Kuwait tat Saddam
Hussein einen gefährlichen Schritt zurück in die Vergangenheit. Vielleicht dachte er nur, die Welt würde
Kuwait für entbehrlich halten, wir würden es lediglich
als kleines, weit entferntes Land betrachten, von dem
wir wenig wissen und das uns ziemlich egal sei.
Vielleicht erinnerte er sich an die dreißiger Jahre, als
der Völkerbund es versäumte, entschieden auf die
Aggression Mussolinis gegen Abessinien, dem heutigen Äthiopien, zu reagieren. Sicher dachte Saddam
Hussein, sein Verbrechen werde sich auszahlen, aber
die Welt hat sich anders entschieden. Es darf ihm nicht
gestattet werden, seine Beute zu behalten.
Der Präsident hat unsere Haltung klargestellt. Die
Welt muß gemeinsam dafür sorgen, daß die in der
Charta der Vereinten Nationen verankerten Prinzipien
verteidigt werden. Bei diesen Bemühungen, Herr
Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder, müssen die Vereinigten Staaten führen, und unser Volk

*

AMERIKA DIENST 35

muß das verstehen. Wir bleiben die einzige Nation, die
das erforderliche politische, militärische und wirtschaftliche Instrumentarium besitzt, um eine erfolgreiche
kollektive Antwort der internationalen Staatengemeinschaft zu fördern.
Geographisch liegen wir von großen Teilen der Erde
weit entfernt, da wir durch den Atlantik und den Pazifik
getrennt sind. Politisch, wirtschaftlich und strategisch
gibt es jedoch keine Ozeane, und in einer Welt ohne
Ozeane ist eine Politik des Isolationismus keine Option. Nur durch amerikanisches Engagement kann die
friedliche Welt aufgebaut werden, die sich unser Volk
so sehnsüchtig wünscht.
Wir gehen davon aus, daß diese koordinierte und
umfassende internationale Isolierung des Iraks der
einzig friedliche Weg ist, um die vom Präsidenten
verkündeten Ziele zu erreichen. Unsere Anstrengungen werden jedoch Zeit erfordern, und darum bitten wir
insbesondere das amerikanische Volk. Bleiben Sie
fest. Haben Sie Geduld. Bleiben Sie vereint, auf daß
wir zusammen zeigen können, daß sich Aggression
nicht auszahlt.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August
Als Unterzeichner der Charta der Vereinten Nationen haben sich sowohl der Irak als auch Kuwait verpflichtet,
"in ihren internationalen Beziehungen auf Androhung oder Einsatz von Gewalt gegen die territoriale Integrität
oder politische Unabhängigkeit eines Staates zu verzichten".
Irak erkannte den unabhängigen Staat Kuwait im Jahr 1963 offiziell an und verpflichtete sich, seine Souveränität zu respektieren. Die folgende Chronologie schildert die Ereignisse, die auf die Verletzung dieser bindenden
Erklärung durch den Irak mit seiner Invasion und Annexion Kuwaits folgten. Angeführt vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen hat die internationale Staatengemeinschaft diesen Bruch von Gesetzen und Prinzipien
verurteilt, die friedliche Beziehungen zwischen den Nationen regeln.

16. Juli: Der irakische Außenminister Aziz legt dem
Sekretariat der Arabischen Liga in Tunis ein Schreiben
vor, in dem Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate der "direkten Agression" gegen Irak beschuldigt werden. Zu den Vorwürfen gehören Übergriffe auf
irakisches Territorium und überhöhte Ölproduktion.
17. Juli: Der irakische Präsident Saddam Hussein
beschuldigt Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate, die von der OPEC festgesetzten Produktionsgrenzen zu überschreiten und damit den Rohölpreis niedrigzuhalten. Hussein zufolge gingen Irak
durch dieses Vorgehen Öleinnahmen in Höhe von 14
Milliarden Dollar verloren. Er droht, die Überproduktion notfalls mit Gewalt zu stoppen.
18. Juli: Saddam Hussein bekräftigt den irakischen
Anspruch auf Öl in einem umstrittenen Grenzgebiet in
Kuwait. Er erklärt, Kuwait habe Rohöl im Gegenwert
von 2,4 Milliarden Dollar aus den dortigen Ölquellen
gestohlen und fordert Rückzahlung.
Die kuwaitische Nationalversammlung beschließt,
mehrere hochrangige Regierungsvertreter in arabische Hauptstädte zu entsenden, um die kuwaitische
Position darzulegen. Der saudiarabische König Fahd
telefoniert mit Saddam Hussein und drängt auf Zurückhaltung.
Das US-Außenministerium wiederholt, die amerikanische Politik am Golf bestehe darin, "den ungehinderten Öltransfer durch die Straße von Hormus sicherzustellen und den Grundsatz der Freiheit der Schiffahrt
zu verteidigen".

AMERIKA DIENST 35

19. Juli: Der kuwaitische Außenminister übermittelt
der Arabischen Liga ein Antwortschreiben auf die
irakischen Vorwürfe und bittet um Schlichtung der
Grenzstreitigkeiten durch die Arabische Liga.
20. Juli: Die kuwaitischen Streitkräfte werden in
Alarmbereitschaft versetzt.
21. Juli: Der Generalsekretär der Arabischen Liga,
Klibi, reist zu Konsultationen nach Kuwait. Saddam
Hussein spricht mit dem ägyptischen Präsidenten
Mubarak.
22. Juli: Der irakische Außenminister kommt mit
Präsident Mubarak in Kairo zusammen. In Kuwait
akkreditierte Militärattaches der NATO berichten nach
Besuchen im Irak von Panzerverlegungen auf Eisenbahnwaggons nach Süden und 2 000 bis 3 000 Lastwagen, die 30 000 Soldaten zur Grenze bringen.
23. Juli: Saudiarabische Streitkräfte im nördlichen
und östlichen Kommandobereich werden in Alarmbereitschaft versetzt. Der ägyptische Staatspräsident
Mubarak und König Hussein von Jordanien beraten
über die Spannungen am Golf.
24. J uli: Mubarak reist als Vermittler nach Bagdad und
Kuwait und schlägt ein Treffen der arabischen Außenminister in Kairo vor. Das Pentagon bestätigt, daß die
amerikanische Marine gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Ausbildungsoperation
im Golf durchführt. Das kuwaitische Militär wird von
Alarmbereitschaft in den niedrigeren Bereitschaftszustand "erhöhte Wachsamkeit" versetzt. Bei einer

Seite 1

�OPEC-Sondersitzung in Genf einigen sich die Unterhändler rasch auf Produktionsgrenzen, die für alle 13
Mitgliedstaaten akzeptabel sind.
25. Juli: Der Aufmarsch irakischer Streitkräfte wird
fortgesetzt, das kuwaitische Militär wieder in Alarmbereitschaft versetzt. Der amerikanische Botschafter
April Glaspie trifft in Badgad mit Saddam Hussein
zusammen, der erklärt, er hoffe auf eine friedliche
Lösung des Konflikts und den Botschafter von seinen
Plänen zu Gesprächen mit Kuwait unterrichtet. Er
verspricht, fürdie Dauer der Vermittlungsbemühungen
werde militärisch "nichts unternommen". Saddam
erklärt Mubarak gegenüber, der Irak plane keinen
Angriff auf Kuwait.

Der kuwaitische Botschafter in den Vereinigten Staaten verurteilt Iraks Invasion seines Landes aufs Schärfste und richtet einen Appell für Militärhilfe an alle
Nationen der Welt. "Meines Erachtensistdie Intervention der Vereinigten Staaten zu diesem Zeitpunkt von
vorrangiger Bedeutung", erklärt er.
Präsident Bush verurteilt die Invasion als "nackte
Aggression" und fordert den "unverzüglichen und
begingungslosen Abzug" irakischer Truppen. Bush
unterzeichnet eine Durchführungsverordnung zur
Unterbindung jeglichen Handels mit Irak, dem Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte
und fordert andere Regierungen auf, entsprechende
Schritte zu unternehmen.

26. Juli: Die OPEC-Vereinbarungen über Produktionsdrosselung und Exportbeschränkungen werden
offiziell festgelegt. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate verpflichten sich zur Einhaltung des
Abkommens.

Die Mitglieder des amerikanischen Kongresses bringen ihre Empörung über die irakische Invasion zum
Ausdruck. Sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus verurteilen Bagdads Vorgehen und unterstützen Präsident Bushs Embargo.

27. Juli: Der amerikanische Senat stimmt für die
Sperrung aller landwirtschaftlichen Kredite an Irak und
verbietet den Transfer von Munition und militärisch
anwendbarer Technologie.

3. August: Das irakische Heer stößt in Richtung
Saudi-Arabien vor. Präsident Bush läßt dem Irak eine
ernste Warnung zukommen, nicht in das Königreich
einzumarschieren, bezeichnet die Besetzung Kuwaits
als "inakzeptabel" und erklärt, eine weitere Ausweitung "wäre noch weniger akzeptabel". Bush zufolge
werden sich die Vereinigten Staaten alle Optionen
offenhalten und "wären zu jeder nur denkbaren Hilfe
bereit", wenn Saudi-Arabien um Hilfe bitten sollte. Der
amerikanische Präsident führt Telefongespräche mit
arabischen Regierungsvertretern.

31. Juli: Nachrichtendienstliche Quellen berichten
von einem enormen irakischen Truppenaufmarsch,
bei dem nahezu 100 000 Mann entlang der Grenze zu
Kuwait massiert werden - was ungefähr fünfmal der
Größe des kuwaitischen Heeres entspricht. Vertreter
des Iraks und Kuwaits treffen sich in Saudi-Arabien,
um Verhandlungen über die Ölfelder entlang der Grenze aufzunehmen, die jedoch nach zwei Stunden abgebrochen werden. Das amerikanische Außenministerium bekräftigt die Unterstützung der diplomatischen
Bemühungen durch die Vereinigten Staaten zur "Entschärfung der Spannung" am Golf.
1. August: Der irakische Botschafter in Washington
wird zu Konsultationen mit Abteilungsleiter John Kelly
ins Au ßenministerium gerufen, der "die amerikanische
Überzeugung einer friedlichen Beilegung" des Konflikts zwischen Irak und Kuwait bekräftigt.
2. August: Im Laufe der Nacht überqueren Hunderte
von irakischen Panzern in Begleitung von Tausenden

von Landstreitkräften die Grenze nach Kuwait und
besetzen den Palast des Emirs sowie andere Regierungsgebäude und strategische Einrichtungen.
In einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen wird das irakische Vorgehen mit
14:0 Stimmen verurteilt, ein Waffenstillstand und der
Abzug irakischer Truppen aus Kuwait gefordert. Die
Sowjetunion, ein Hauptlieferant von Waffen an den
Irak, stimmt für die Resolution und verkündet ein
Waffenembargo gegen dieses Land.

vSeite 2

Saddam Hussein kündigt eine Zusammenkunft mit
dem kuwaitischen Emir in zwei Tagen an und verspricht den Abzug der irakischen Truppen zu Beginn
dieses Tages. Bagdad fängt an, internationale Rundfunksendungen einschließlich der arabischen Sendungen der Stimme Amerikas zu stören.
US-Au ßenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse veröffentlichen erstmals eine
gemeinsame Erklärung, in der sie die Invasion Kuwaits
durch den Irak verurteilen.
Belgien, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg
schließen sich Bestrebungen an, kuwaitische Vermögenswerte in ihren Ländern einzufrieren. Die irakische
Invasion wird von der Europäischen Gemeinschaft,
Luxemburg, Österreich, Griechenland, Spanien und
Brasilien verurteilt.
4. August: Satellitenfotos deuten auf eine Verstärkung, keinen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
hin.
Kanada verhängt ein Embargo auf ölimporte aus
Kuwait und dem Irak und bereitet neben anderen

AMERIKA DIENST 35

�Sanktionen Exportkontrollen für den Irak vor. Das
stark von importiertem Öl abhängige Japan erklärt, es
werde Ölimporte aus dem Irak und Kuwait ebenso wie
Exporte in diese Länder boykottieren. Die Europäische Gemeinschaft spricht sich für die Verhängung
ähnlicher Sanktionen aus.
6. August: König Fahd bittet befreundete Streitkräfte
zur Verstärkung seiner Verteidigung nach Saudi-Arabien, Bush entsendet ein Geschwader von Kampfflugzeugen des Typs F-15 und die 82. Luftlandedivision
auf einen saudiarabischen Luftstützpunkt.
Die Vereinten Nationen stimmen 13:0 für ein obligatorisches Embargo gegenüber dem Irak. Der Gesandte
der US-Botschaft, Joseph Wilson, trifft Saddam Hussein in Bagdad und bekräftigt Washingtons Forderung
nach einem Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Saddam verkündet, seine Annexion Kuwaits sei "nicht
rückgängig zu machen".
7. August: Die Truppenbewegungen von US-Streitkräften werden der Öffentlichkeit bekanntgegeben und
Tausende von Soldaten bereiten ihre Verlegung auf
saudiarabische Luftstützpunkte vor.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte trifft die neutrale
Schweiz die Entscheidung, sich der Staatengemeinschaft anzuschließen und verhängt Sanktionen gegen
den Irak.
Venezuela informiert Washington, die OPEC werde
die durch das internationale Embargo gegen den Irak
und Kuwait verursachten ölengpässe ausgleichen.
8. August: In einer Fernsehansprache gibt Bush
offiziell die Stationierung von Truppen im Nahen Osten
bekannt und bittet US-Bürger um ihre Unterstützung
für diese Maßnahme, denn "die souveräne Unabhängigkeit Saudi-Arabiens ist von entscheidendem Interesse für die Vereinigten Staaten." Er betont, "Appeasement - eine Beschwichtigungspolitik - funktioniert
nicht".
Bush erklärt die vier Grundsätze amerikanischer Politik: die Forderung nach Abzug irakischer Truppen aus
Kuwait, Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits, das amerikanische Engagement für
Frieden und Stabilität am Persischen Golf und der
Schutz des Lebens amerikanischer Bürger in der Region.
Der Irak verkündet die Annexion Kuwaits.
Großbritannien entsendet zusätzliche Luftwaffen- und
Marineeinheiten zur Verteidigung Saudi-Arabiens.
9. August: Arabische Führer treffen sich in Kairo in
dem Versuch, die Lage unter sich zu lösen, aber die
Gespräche werden um einen Tag verschoben. Das
US-Außenministerium bringt seine wachsende Sorge
über die 3 000 Amerikaner zum Ausdruck, die durch
die Invasion in Kuwait festgehalten werden. Ein Spre-

AMERIKA DIENST 35

cher des Außenministeriums bekräftigt, die irakische
Regierung habe sich am 2. August verpflichtet, die
Sicherheit amerikanischer Bürger und anderer Ausländer zu garantieren.
Präsident Bush unterrichtet den Kongreß offiziell über
die Vornestationierung der Truppen im Nahen Osten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärt die
irakische Annexion Kuwaits einstimmig für "null und
nichtig". Ein Sonderausschuß wird zur Überwachung
der Einhaltung von Sanktionen gegenüber dem Irak
gebildet.
10. August: Der Irak fordert zum "heiligen Krieg"
gegen Amerikaner und Israelis auf und verfügt die
Schlie ßung aller Botschaften in Kuwait. Die Arabische
Liga vereinbart die Entsendung von Friedenstruppen
nach Saudi-Arabien. Zwölf von zwanzig Mitgliedern
stimmen dafür, drei dagegen (Irak, Libyen und die
PLO), zwei enthalten sich der Stimme (Jemen, Algerien), und ein Mitglied ist nicht anwesend (Tunesien).
Jordanien, Mauretanien und Syrien bringen ihre "Vorbehalte" zum Ausdruck.
Die NATO-Minister in Brüssel versichern der Stationierung im Golf ihre "einhellige Unterstützung" und erklären Maßnahmen von Mitgliedern, etwa das Engagement der Marine Frankreichs und Gro ßbritanniens und
die Entscheidung Italiens, Spaniens und Portugals zur
Bereitstellung von Luftstützpunkten für gerechtfertigt.
Bush erweitert alle Sanktionen gegenüber dem Irak
auf Kuwait.
11. August: Ägyptische und marokkanische Truppen
landen in Saudi-Arabien, um der Bedrohung einer
irakischen Invasion vorzubeugen. Vertreter Syriens
erklären, Damaskus werde sich wahrscheinlich an den
gemeinsamen islamischen Bestrebungen beteiligen.
12. August: Präsident Bush erklärt, er werde USTruppen anweisen, irakische ölexporte und alle Importe in dieses Land außer einige Nahrungsmitteltransporte abzufangen. London gibt bekannt, ein britischer Geschäftsmann sei bei dem Versuch, aus dem
Irak zu fliehen, erschossen worden.
13. August: König Hussein von Jordanien beschuldigt
die Vereinigten Staaten, im Nahen Osten eine "explosive" Lage zu schaffen. Vertreter der Vereinigten
Staaten erklären, der jordanische Hafen Akaba solle
geschlossen werden (Jordanien hatte erklärt, es würde sich den UNO-Sanktionen anschließen).
Pakistan äußert seine Bereitschaft, der islamischen
Streitmacht in Saudi-Arabien beizutreten.
14. August: Diplomatische Bestrebungen zur Lösung
der Golfkrise werden verstärkt und Gespräche zwischen amerikanischen und europäischen Außenministern, kuwaitischen Vertretern im Exil, irakischen

Seite 3

�Vertretern und den Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen aufgenommen. Die
Amerikaner und Briten im Irak werden als "Festgehaltene" bezeichnet. Immer mehr Bürgern anderer Nationalitäten wird die Ausreise verwehrt.
Saddam Hussein bietet an, "endgültig Frieden" mit
dem Iran schließen, Territorium zurückgeben und
Kriegsgefangene austauschen zu wollen.
16. August: Nach der Zusammenkunft mit dem jordanischen König Hussein erklärt Präsident Bush, Jordanien bekräftige seine Verpflichtung zur Einhaltung der
UNO-Sanktionen. Bush weist die US-Marine an, die
Schiffahrt von und nach dem Irak und Kuwait zu
unterbinden. Die irakische Regierung befiehlt Amerikanern und Briten in Kuwait, sich in bestimmten Hotels
einzufinden.
17. August: Der Sprecher des irakischen Parlaments
Sadi Mahdi erklärt, Bürger "aggressiver" Länder würden nicht freigelassen, bis die Bedrohung eines Kriegs
gegen den Irak endet.
18. August: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet einstimmig Resolution 664 mit der
Forderung, daß der Irak die unverzügliche Ausreise
der Ausländer aus Kuwait und dem Irak "gestattet und
erleichtert". Darüber hinaus fordert die Resolution, der
Irak solle keine Schritte unternehmen, um die Sicherheit oder das Wohlergehen dieser Bürger aus Drittstaaten zu gefährden, den unmittelbaren und ständigen Zugang von Konsularbeamten gewährleisten, seinen
Befehl zur Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait und Aufhebung der
Immunität von Botschaftspersonal zurückziehen.
19. August: Der irakische Präsident Hussein bietet
die Freilassung der Internierten an, wenn Präsident
Bush schriftlich garantiert, daß die amerikanischen
Streitkräfte aus Saudi-Arabien abgezogen werden und
der Wirtschaftsboykott gegen den Irak eingestellt wird.
Er läßt keinen Zweifel daran, daß die Ausländer als
Schutzschild benutzt würden. "Ihre Präsenz und die
irakischer Familien an lebenswichtigen Zielen kann
eine militärische Aggression verhindern," erklärt er.
Besorgt über Berichte, denenzufolge französische
Bürger widerrechtlich in Bagdad festgehalten werden,
weist die französische Regierung ihre Flotte in der
Golfregion an, gegebenenfalls Gewalt anzuwenden,
um die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen den
Irak sicherzustellen.
20. August: Präsident Bush nennt die irakischen
Beschränkungen gegenüber "unschuldigen Zivilisten
aus zahlreichen Ländern" unannehmbar und eine
"Verletzung aller internationalen Verhaltensnormen".
Er fordert die Führung des Iraks auf, "alle Ausländer
unverzüglich freizulassen" und ihnen das Recht zu

Seite 4

geben, "zu kommen und zu gehen wann sie wollen".
Zum ersten Mal seit Beginn der Krise bezeichnet Bush
die festgehaltenen Ausländer als "Geiseln".
21. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
fordert Präsident Bush auf, eine friedliche Lösung der
Golfkrise anzustreben, andernfalls werde er ein weltweites "Desaster" verursachen. Gleichzeitig betont
AußenministerTarik Aziz die Bereitschaft des Iraks zu
Gesprächen mit den Vereinigten Staaten, solange ein
Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait keine Vorbedingung sei. In einer Erklärung in Amman fordert
Aziz die Vereinigten Staaten auf, mit dem Irak Verhandlungen über alle Aspekte der Krise aufzunehmen.
Das Weiße Haus antwortet dem Irak unverzüglich, daß
keine Gespräche möglich sind, bevor der Irak nicht
bedingungslos die Forderung der Vereinten Nationen
nach Abzug seiner Truppen aus Kuwait erfüllt.
22. August: Die Außenminister der 12 EG-Mitgliedstaaten lehnen die vom Irak für die Schließung der
ausländischen Botschaften in Kuwait gesetzte Frist bis
zum 24. August ab.
23. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
tritt mit britischen Geiseln im irakischen Fernsehen
auf.
Die Europäische Gemeinschaft kündigt an, daß sie 1,3
Millionen Dollar bewilligt hat, um Flüchtlinge aus Jordanien auszufliegen. Die Türkei und andere Staaten,
deren Volkswirtschaften besonders stark unter der
Golfkrise leiden, erhalten Finanzhilfen.
24. August: In Anerkennung der Lasten, die Jordanien durch die Zehntausende von Flüchtlingen aus
dem Irak und Kuwait aufgebürdet werden, bewilligen
die Vereinigten Staaten eine Million Dollar, um dringende humanitäre Erfordernisse in Jordanien zu erfüllen.
25 Staaten haben sich geweigert, den irakischen Forderungen nach Schließung ihrer Botschaften in Kuwait
nachzukommen. Mindestens neun, darunter die Missionen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens,
sind von Truppen umstellt, nachdem die Diplomaten
eine irakische Anordnung zur Schließung mißachten.
Über 100 amerikanische Botschaftsangehörige, darunter etwa 30 Kinder, verlassen Kuwait und reisen
nach Bagdad.
24. August: Der sowjetische Präsident Gorbatschow
sendet Saddam Hussein eine dringende Botschaft mit
der Warnung, daß die Situation im Persischen Golf
"extrem gefährlich" sei. Mit dem Bruch seines Schweigens zur Durchsetzung der Sanktionen gegen den Irak
signalisiert Gorbatschow, daß er bereit ist, zusätzliche
Maßnahmen zur Verschärfung des UNO-Embargos
zu unterstützen.

AMERIKA DIENST 35

�25. August: In einer überwältigenden Abstimmung
von 13:0 bei Stimmenthaltung von Jemen und Kuba
verabschiedet der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 665, die "Maßnahmen... die gegebenenfalls notwendig sind", einschließlich militärischer
Maßnahmen, vorsieht, um das Wirtschaftsembargo
gegen den Irak durchzusetzen.

»

Der Irak sichert zu, die in Bagdad festgehaltenen
Familienmitglieder der amerikanischen Diplomaten aus
Kuwait ausreisen zu lassen. Der irakische Botschafter
in den Vereinigten Staaten erklärt, daß die in Kuwait
akkreditierten Diplomaten nicht freigelassen werden
können, "weil sie keinen diplomatischen Status haben".
26. August: Der sowjetische Außenminister Eduard
Schewardnadse erklärt, Moskau werde sich zwar dem
Einsatz militärischer Mittel zur Unterstützung des UNOEmbargos durch andere Staaten, einschließlich der
Vereinigten Staaten, nicht widersetzen, aber die Sowjets
hätten "keine Pläne zur Anwendung von Gewalt oder
Beteiligung an einer solchen Maßnahme".
Die Vereinten Nationen kündigen an, daß Generalsekretär Perez de Cuellar am 30. August in Jordanien mit
dem irakischen Außenminister zusammentreffen werde,
um die Golfkrise zu erörtern.
Der Irak gestattet 55 Frauen und Kindern als Familienmitgliedern amerikanischer Diplomaten an der USBotschaft in Kuwait die Reise von Bagdad in die Türkei

*

AMERIKA DIENST 35

in einem Autokonvoi. Bei Erreichen der Grenze wird
nur 52 die Ausreise in die Türkei erlaubt. Drei junge
Männer, die vom US-Außenministerium als Familienangehörige amerikanischer Diplomaten bezeichnet
werden, werden ohne Erklärung nach Bagdad zurückgeschickt.
27. August: Als Antwort auf die illegale Anordnung
des Iraks zur Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait kündigt das US-Außenministerium an,
daß "das zulässige Personal an der irakischen Botschaft in Washington von gegenwärtig 55 auf 19
verringert" wird. Die amerikanische Maßnahme stehe
"peinlich genau mit amerikanischem und internationalem Recht in Einklang".
28. August: Ein nicht identifizierter Amerikaner, der
im Irak als Geisel gehalten wird, verstirbt nach Angaben des US-Außenministeriums, das sich auf die
irakischen Behörden beruft. Der Amerikaner, angeblich ein Mann Mitte 50, soll in Basra an einem Herzanfall gestorben sein. Die irakische Regierung erklärt,
sein Leichnam werde der amerikanischen Botschaft in
Bagdad übergeben.
Das US-Außenministerium kündigt ferner an, daß der
Irak als Antwort auf die amerikanische Entscheidung
vom 27. August, 36 irakische Botschaftsangehörige
bis 30. August aus den Vereinigten Staaten auszuweisen, eine ungenannte Anzahl amerikanischer Diplomaten in Bagdad ausweisen wolle.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

KONGRESS UNTERSTÜTZT PRÄSIDENT BUSHS
MASSNAHMEN ZUR GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten aus dem Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush genießt für
seine Politik zur Eindämmung der irakischen Aggression im Nahen Osten breite überparteiliche Unterstützung im Kongreß.

Der demokratische Senator John Kerry aus Massachussetts stellte vor Reportern fest, daß seiner Meinung nach "die Unterstützung des Kongresses (für die
Politik Präsident Bushs) sehr, sehr stark" ist.

Presseberichten zufolge unterstützen die meisten
Parlamentarier Bushs grundsätzlich harte Haltung in
der Region. Nach einem Treffen mit dem Präsidenten
im Weißen Haus am 28. August 1990 wird er jedoch
zunehmend gedrängt, sich um mehr finanzielle Unterstützung von Verbündeten für den US-Militäreinsatz
am Golf zu bemühen.

Am 29. August erklärte Kerry in einem Fernsehinterview, "Meiner Ansicht nach zollten meine Kollegen bei
dem gestrigen Informationsgespräch der Art und Weise,
wie der Präsident bisher vorgegangen ist, einmütig
Respekt, wenn nicht sogar Bewunderung".

Der republikanische Senator Richard Lugar aus Indiana, ein einflußreiches Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Senats, nahm eine weit härtere Haltung
ein als Bush, indem er den Sturz Saddam Husseins
und die Zerstörung der irakischen Chemiewaffen und
nuklearen Anlagen forderte.
Selbst nach einem Abzug des Iraks aus Kuwait, so
Lugar, müssen die irakischen Chemiewaffen und die
potentiellen nuklearen Fähigkeiten des Landes "als
Bedrohung beseitigt werden. Andernfalls müßten die
Vereinigten Staaten und andere Mitglieder der Vereinten Nationen zweifelsohne lange Zeit in Saudi-Arabien
und anderen Ländern des Nahen Ostens bleiben."
Lugar erklärte, er sei "pessimistisch" im Hinblick auf
Möglichkeiten, den Rücktritt Saddam Husseins auf
dem Verhandlungsweg zu erreichen.
Die Invasion in Kuwait hat Lugar zufolge dem Irak "die
Kontrolle über Preis und Verfügbarkeit" eines großen
Teils der Weltölversorgung verschafft. Deshalb besitze Saddam Hussein heute die "Fähigkeit, andere zu
erpressen und ihm die Mittel zu liefern, die er benötigt,
um nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch Teile Europas, die Sowjetunion und Asien zu terrorisieren".
AMERIKA DIENST 35

"Senator Lugar und ich teilen wohl die Ansicht, daß es
sich hierbei um eine außerordentlich bedeutsame
Entwicklung handelt ... das Vorgehen der Vereinten
Nationen und der weltweite Konsens, der mit Beteiligung der Sowjetunion erarbeitet wurde ... all dies
drängt zu einer Lösung in der Region", fügte er hinzu.
Kerry fuhr fort, "hierin Massachusetts befindet sich die
Volkswirtschaft in einer Krise, und zwar in vielen Teilen
des Landes. Es fällt uns schwer, das Geld (für die
Militäroperation) aufzubringen, andererseits hat der
Präsident jedoch eindeutig klargestellt, daß er auf eine
größere Lastenverteilung und intensivere Beteiligung
anderer Länder drängt. Meines Erachtens wird dies
geschehen, und ich glaube, es ist sehr wichtig, so
vorzugehen. Wir sollten nicht die Volkswirtschaften
anderer Länder aussparen und unserer eigenen schaden."
Aber "die Kritik, die ich vom Mann auf der Straße höre",
erklärte der Kongreßabgeordnete William S. Broomfield aus Michigan, "kommt von denjenigen, die fragen,
'Was tut die Bundesrepublik?', 'Was tut Japan?'. Diese
beiden Länder profitieren am meisten von Ölkrise."
Auch die demokratische Vertreterin des Repräsentantenhauses Patricia Schroeder aus Colorado betonte
die wirtschaftlichen Bedenken des Kongresses und
Seite 1

�stellte fest, "Ich frage mich wirklich, wie wir es anstellen, abgesehen von Stimmabgaben in den Vereinten
Nationer; sehte Unterstützung durch unsere Verbündeten zu erhalten. Es geht hier darum, die Wirtschaft
unseres Landes zu schützen, und wenn wir unsere
Wirtschaft ruinieren, während wir die Volkswirtschaften alier anderen Länder aussparen, wäre das nicht
sonderlich klug.
Der Vorsitzende der demokratischen Mehrheit im
Repräsentantenhaus Richard Gephardt aus Missouri
fügte hinzu, "Wenn bisher Einigung über den Haushalt
erforderlich war, benötigen wir sie noch dringlicher,
seit dies passiert ist."
"Wenn wir die Verteidigungsausgaben zu dem hinzuaddieren, was bereits vorhanden war," erklärte
Gephardt, "dann müssen wir uns beim Haushalt zweifelsohne dahingehend einigen, daß Einsparungen an
anderer Stelle vorgenommen werden müssen oder
irgendetwas auf der Einnahmenseite geschehen muß."
Der demokratische Senator Patrick Leaky aus Vermont erklärte gegenüber Journalisten, er habe den
Präsidenten aufgefordert, eine neue Sondersteuer zu
erheben, um den Truppenaufmarsch am Golf zu finanzieren und "der Welt zu demonstrieren, daß wir uns
dort langfristig engagieren".
Presseberichten zufolge erklärte Bush den Abgeordneten, seine Strategie laute jetzt, abzuwarten, ob das
von den Vereinten Nationen gebilligte Embargo aus-

*

Seite 2

*

reicht, um den Irak "ohne weitere Gewaltanwendung"
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen.
Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, George
Mitchell aus Maine, erklärte, der Präsident "hat die
richtige Entscheidung getroffen", als er US-Streitkräfte zur Verteidigung Saudi-Arabiens und Durchsetzung
des Embargos gegen den Irak entsandte, aber er
antwortete auf die Frage, ob Bush einen "Blankoscheck" von den Politikern erhalten habe, "eine Zustimmung zu den bisherigen Aktionen ist keine automatische Zustimmung zu allen künftigen Aktionen,
wenn der Charakter dieser Aktion nicht bekannt ist".
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der demokratische Senator Thomas S. Foley aus Washington,
erklärte, Bush habe bis jetzt "den Einsatz von Gewalt
klugerweise eingeschränkt". Der Abgeordnete Jim
Leach, ein Republikaner aus Iowa, stimmte zu, daß
"bis jetzt keine einzige Kritik an der Aktion laut geworden ist"., obwohl "schwierige Entscheidungen anstehen".
Der demokratische Senator Claiborne Pell aus Rhode
Island verwies darauf, es sei "ein glücklicher Umstand", daß bei diesem Problem "die Vereinten Nationen Geschlossenheit zeigen".
Das amerikanische Volk sollte darüber informiert werden,
daß es keine Patentlösungen gibt und "wir einen
langen Weg vor uns haben", fügte der republikanische
Senator John H. Chafee aus Rhode Island hinzu.

*

*

AMERIKA DIENST 35

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