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dicrv&gt;t

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

*

&lt;

29. August 1990

34

GOLFKRISE

BUSH: GOLF-STRATEGIE LIEGT IM
GRUNDSATZ FEST
Informationsgespräch des
Präsidenten im Weißen Haus
USA REDUZIEREN IRAKISCHES
BOTSCHAFTSPERSONAL IN WASHINGTON
Erklärung des US-Außenministeriums

OSTEUROPA

DIE MITTEL- UND OSTEUROPAINITIATIVEN
DES PRÄSIDENTEN
Eine Übersicht

KERNWAFFEN

DER VERTRAG ÜBER DIE NICHTVERBREITUNG VON KERNWAFFEN 1970-90
Eine Übersicht des ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

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t

�I

GOLFKRISE
29. August 1990

BUSH: GOLF-STRATEGIE LIEGT IM GRUNDSATZ FEST
Informationsgespräch des Präsidenten im Weißen Haus
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge liegen die Grundbestandteile der Strategie fest, mit der irakischer Aggression Einhalt geboten werden soll, und die Aufgabe besteht nunmehr darin, den Irak davon zu
überzeugen, sich aus Kuwait zurückzuziehen.
Bush erklärte am 28. August 1990 im Rahmen eines Informationsgeprächs mit Kongreßabgeordneten über die
Lage am Golf, "Wir und in der Tat nahezu jedes Land auf der Welt beabsichtigen, den Irak davon zu überzeugen,
sich zurückzuziehen, auf daß der Irak keinen Vorteil aus dieser illegalen Besetzung ziehen kann, daß er einen
hohen Preis für eine fortgesetzte Besetzung zahlen muß und einen noch höheren Preis, wenn er den Konflikt
ausweitet. Und wir müssen dieses Ziel natürlich ohne weitere Gewaltanwendung erreichen."
Bei seinem Informationsgespräch verwies Bush nochmals auf die schnelle Reaktion der Vereinigten Staaten, der
Vereinten Nationen und vieler anderer Länder auf die irakische Aggression. "Die Welt reagierte auf die
Handlungen des Iraks mit nahezu einmütiger Verurteilung," erklärte Bush. "(...) Der Irak hat die Mehrheit der
arabischen Welt gegen sich, ebenso wie er den Rest der Welt gegen sich hat."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Ansprache im Wortlaut.

Zunächst möchte ich allen Kongreßabgeordneten
danken, die heute hierhergekommen sind, um die
Lage zu erörtern, die allen Amerikanern Grund zur
Sorge gibt. Ich werde eine kurze Ansprache halten,
und dann werden wir im Plenum Gespräche führen,
und ich werde gern auf Ihre Fragen eingehen, so gut
ich dies vermag und mit Unterstützung meiner hier anwesenden Mitarbeiter.

4

Diese Herausforderung im Persischen Golf kann jedoch nicht von mir oder dieser Regierung allein bewältigt werden. Wir können nur Erfolg haben, wenn wir
alle - Exekutive und Legislative, Republikaner und
Demokraten - zusammenarbeiten. Und das war einer
der Gründe, warum ich Sie heute hierhergebeten
habe. Niemand in unserem Land soll an meinem
Engagement zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß
zweifeln, und im Ausland soll kein Zweifel über unsere
nationale Einheit oder unser Durchhaltevermögen
herrschen.
Zunächst möchte ich Ihnen einige Hintergrundinformationen über das sich im Golf entwickelnde Drama
geben. Und später möchte ich Ihre Meinung dazu
hören und dann auf Fragen antworten.

AMERIKA DIENST 34

Zunächst der Hintergrund. Bei Amtsantritt dieser
Regierung strebten wir danach, den Waffenstillstand
zwischen Iran und Irak zu festigen und die Beziehungen zum Irak zu verbessern. Wir geben uns darüber
jedoch keinen Illusionen hin. Wir hofften zusammen
mit vielen Kongreßabgeordneten, daß der Irak ein
zurückhaltenderes Verhalten an den Tag legen würde.
Aber sogar vor der gegenwärtigen Krise suchte der
Irak unsere Interessen und die vieler anderer Länder
der Welt zu unterlaufen. Deshalb haben wir die
landwirtschaftlichen Kredite gesperrt und den Export
von Hochöfen eingestellt, die potentiel einen Beitrag
zu den nuklearen Fähigkeiten des Iraks leisten könnten.
Sie alle kennen die Ereignisse der vergangenen Wochen.
Der Irak bedrohte Kuwait, log im Hinblick auf seine
Absichten und führte schließlich eine Invasion durch.
Innnerhalb von drei Tagen hatte der Irak 120 000
Soldaten und 850 Panzer in Kuwait stationiert und
bewegte sich nach Süden zur saudischen Grenze.
Und genau diese eindeutige und rasch eskalierende
Bedrohung veranlaßte den saudiarabischen König Fahd,
uns um Hilfe zu bitten. Wir wußten, daß ein Land wie
der Irak, das über die mächtigste Kriegsmaschinerie

Seite 1

�im Golf verfügt und 20 Prozent der vorhandenen
Ölreserven der Welt kontrolliert, eine Bedrohung für
den Persischen Golf, den Nahen Osten und die ganze
Welt darstellt.

Türken für ihre führende Rolle bei all diesen Maßnahmen danken. Ferner liegen mir Berichte von heute vor,
denenzufolge der Verkehr über Akaba praktisch zum
Erliegen gekommen ist.

Wir haben schnell und ohne zu zögern darauf reagiert.
Unsere Zielsetzungen waren von Anfang an eindeutig:
der unverzügliche, vollständige und bedingungslose
Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait, die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung, Sicherheit und Stabilität in Saudi-Arabien und am
Persischen Golf sowie der Schutz amerikanischer
Bürger im Ausland.

Amerikanische Streitkräfte stehen Seite an Seite mit
Einheiten vieler arabischer und europäischer Staaten,
um einen Angriff auf Saudi-Arabien abzuschrecken
und gegebenenfalls zurückzuschlagen. Amerikanische Marineeinheiten sindgemeinsam mit denen vieler
anderer Staaten im Einsatz, um die Sanktionen so undurchlässig wie möglich zu machen. Es handelt sich
also nicht, wie Saddam Hussein behauptet, um die
Vereinigten Staaten gegen den Irak. In Wahrheit hat
der Irak die Mehrheit der arabischen Welt gegen sich,
ebenso wie er den Rest der Welt gegen sich hat.

Unsere Maßnahmen zur Erlangung dieser Zielewaren
ebenso eindeutig. Innerhalb von Stunden nach dem
Angriff handelten die Vereinigten Staaten, um die
irakischen Vermögenswerte einzufrieren und die
kuwaitischen zu schützen. Ich entsandte Verteidigungsminister Cheney nach Saudi-Arabien, Ägypten
und Marokko, um die militärische Kooperation zwischen uns und diesen wichtigen arabischen Staaten
vorzubereiten. Ich entsandte Außenminister Baker in
die Türkei und nach Brüssel, um die Unterstützung
durch unsere Verbündeten in der NATO sicherzustellen. Beide Missionen waren außerordentlich erfolgreich. Die Welt reagierte auf die Handlungen des Iraks
mit nahezu einmütiger Verurteilung.
Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedete umgehend
fünf Resolutionen. Darin wurden der irakische Einmarsch in Kuwait verurteilt, der unverzügliche und
bedingungslose Abzug des Iraks aus Kuwait gefordert
und die Annexion Kuwaits durch den Irak abgelehnt.
Darüber hinaus verhängten die Vereinten Nationen
Sanktionen gegen den Irak gemäß Kapitel VII und
unterstützten alle Maßnahmen, die zur Durchsetzung
dieser Sanktionen erforderlich sind. Die Vereinten
Nationen haben ferner die Forderung an den Irak
gestellt, alle ausländischen Staatsbürger, die gegen
ihren Willen festgehalten werden, unverzüglich freizulassen.
Die Sanktionen der UNO sind in Kraft und haben
bemerkenswert gut funktioniert, sogar auf freiwilliger
Basis. Kein irakisches Öl fließt mehr durch die Pipelines zu Häfen in der Türkei und in Saudi-Arabien. Ich
möchte an dieser Stelle nochmals den Saudis und den

*

Seite 2

Die grundlegenden Elemente unserer Strategie sind
also verwirklicht worden. Was möchten wir damit
erreichen? Wir und in der Tat nahezu jedes Land auf
der Welt beabsichtigen, den Irak davon zu überzeugen, sich zurückzuziehen, auf daß der Irak keinen
Vorteil aus dieser illegalen Besetzung ziehen kann,
daß er einen hohen Preis für eine fortgesetzte Besetzung zahlen muß und einen noch höheren, wenn er
diesen Konflikt ausweitet. Und wir müssen dieses Ziel
natürlich ohne weitere Gewaltanwendung erreichen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen den Generalsekretär der UNO und andere führende Persönlichkeiten, die sich auf der Grundlage der Resolution 660 des
Sicherheitsrats um eine friedliche Lösung dieser Krise
bemühen.
Ich bin darüber hinaus weiterhin tief besorgt über die
amerikanischen und anderen ausländischen Geiseln
im Irak. Wie ich bereits erklärt habe, werde ich Bagdad
für die Sicherheit und das Wohlergehen der gegen
ihren Willen festgehaltenen Amerikaner verantwortlich
machen.
Soweit möchte ich die Sachlage öffentlich kommentieren. Ich möchte nun vorschlagen, daß wir, nachdem
die Presse den Raum verlassen hat, in die nichtöffentliche Sitzung eintreten, so daß ich noch ein oder zwei
Anmerkungen machen kann und dann Fragen beantwortet werden. Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 34

�GOLFKRISE
29. August 1990

USA REDUZIEREN IRAKISCHES
BOTSCHAFTSPERSONAL IN WASHINGTON
Erklärung des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Als Reaktion auf die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait durch
den Irak "wird das zulässige Personal an der irakischen Botschaft in Washington von gegenwärtig 55 auf 19
verringert".
In einer am 27. August 1990 veröffentlichten Erklärung verweist das US-Außenministerium darauf, daß diese
angemessenen Schritte "peinlich genau mit amerikanischem und internationalem Recht in Einklang stehen". Zu
den verhängten Maßnahmen gehören darüber hinaus eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit für irakisches
Botschaftspersonal in Washington sowie die Einführung neuer Bestimmungen für die Erteilung von Visa.
"Irak hat durch eine Reihe von Maßnahmen die unverhüllte Mißachtung des Völkerrechts und der Normen
zivilisierter Gesellschaften demonstriert," heißt es in der Erklärung, deren vollständigen Wortlaut wir nachfolgend
wiedergeben.

Seit seiner brutalen Aggression gegen Kuwait am 2.
August hat der Irak durch eine Reihe von Maßnahmen
die unverhüllte Mißachtung des Völkerrechts und der
Normen zivilisierter Gesellschaften demonstriert, darunter:
Militärische Besetzung Kuwaits.
Sturz der rechtmäßigen Regierung dieses Landes.
Einsetzung einer völlig unrechtmäßigen Marionettenregierung.
Die angebliche Zugehörigkeit Kuwaits zu Irak.
Verweigerung des Grundrechts auf Ausreise für
Zehntausende von Ausländern in Kuwait und
Irak, einschließlich von Diplomaten aus den
Vereinigten Staaten und anderen Ländern.
Die gewaltsame Verschleppung einer großen
Zahl internierter Ausländer, darunter auch amerikanischer Staatsbürger, aus Kuwait in den
Irak.
Verweigerung konsularischer Betreuung für die
Internierten.
AMERIKA DIENST 34

Einführung von Geiselnahmen in großem Stil,
wobei ausländische Staatsbürger, darunter auch
Amerikaner, als menschliche Schutzschilde
benutzt werden.
Der Irak hat den bindenden Resolutionen des UNOSicherheitsrats zum Trotz die Schlie ßung aller ausländischen Botschaften in Kuwait, auch der amerikanischen Botschaft, angeordnet. Irakische Stellen haben
unter anderen unserer Botschaft Strom und Wasser
gesperrt.
Als Reaktion auf all diese Maßnahmen, insbesondere
aber die unrechtmäßige Anordnung zur Schließung
unserer Botschaft in Kuwait, haben die Vereinigten
Staaten peinlich genau im Einklang mit amerikanischen und internationalem Recht entschieden, folgende angemessene Schritte zu unternehmen:
die Zahl des zulässigen irakischen Personals
der irakischen Botschaft in Washington wird von
gegenwärtig 55 auf 19 Mitarbeiter gekürzt,
von den zur Ausreise aufgeforderten 36 Mitarbeitern sind sieben akkreditierte Diplomaten,
einschließlich derjenigen, die in der Wirtschaftsoder Finanzabteilung tätig waren,

Seite 1

�die Bewegungsfreiheit von Mitarbeitern der irakischen Botschaft in Washington wird auf einen
Umkreis von 25 Meilen um die Botschaft begrenzt,
alle irakischen Diplomatenvisa gelten nicht mehr
für eine mehrmalige, sondern nur noch für eine
einmalige Einreise,
neue Verfahren werden für Anträge irakischer
Bürger über 16 Jahren auf nichtoffizielle amerikanische Visa eingeführt,

Die Verwendung von Mitteln der irakischen
Botschaft für Studenten und andere angeblich
humanitären Zwecke wird eingehend geprüft
werden.
Die Vereinigten Staaten fordern andere Regierungen,
insbesondere diejenigen, deren Botschaften in Kuwait
von irakischen Übergriffen betroffen sind, auf, ähnliche
Maßnahmen gegen die offizielle und inoffizielle Präsenz des Iraks in ihren Ländern zu ergreifen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�OSTEU ROPA
29. August 1990

DIE MITTEL- UND OSTEUROPAINITIATIVEN
DES PRÄSIDENTEN
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Die US-Regierung führt zur Förderung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in
Mittel- und Osteuropa beispielhafte Initiativen durch, über die regelmäßig in der Publikation Focus on Central
and Eastern Europe berichtet wird. Die nachfolgende Übersicht ist dieser Veröffentlichung des USAußenministeriums entnommen.

Die Rolle des Privatsektors
Nach den Revolutionen von 1989 treten die Länder
Mittel- und Osteuropas in eine neue Phase politischer
und wirtschaftlicher Reformen. Auf die dramatischen
Ereignisse des vergangenen Jahres folgte eine Periode der Konsolidierung, der Experimente, harter Arbeit
und vieler Härten.
Die von den Vereinigten Staaten seit langem propagierten und verkörperten Grundsätze Menschenrechte und Respektierung des einzelnen haben die Revolution angefacht. Die Osteuropäer blicken jetzt auch
auf die Vereinigten Staaten, damit sie ihnen diese
Grundsätze in freien bürgerlichen Gesellschaften
garantieren. Amerikaner können daher diesen Ländern praktische Hilfe leisten, indem sie die Mechanismen der Demokratie und freien Marktwirtschaft einführen.

Alle Impulse der Reformen in diesen Ländern deuten
auf eine Verlagerung hin - von Zentralisierung zum
Pluralismus, von staatlicher Kontrolle der Industrie und
Unternehmen zu Privateigentum, von staatlicher
Kontrolle des politischen Systems und des Lebens der
Menschen zu Demokratie und Freiheit des einzelnen.
Die Hilfe des amerikanischen Privatsektors für die
Länder Mittel- und Osteuropas sollte das ganze Spektrum politischer, wirtschaftlicher und sozialer Reformen abdecken.

Förderung demokratischer Institutionen und Praktiken
und

Die Integration der Länder Mittel- und Osteuropas in
die internationale Staatengemeinschaft wird stattfin-.
den, wenn diese Länder durch Handel, Investitionen
und andere finanzielle Verbindungen am Weltwirtschaftssystem beteiligt sind. Handel und Privatinvestitionen in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas werden unabdingbar sein, wenn politische und wirtschaftliche Reformen Bestand haben sollen. Die US-Regierung kann helfen: Sie hat die Führungsrolle übernommen und 14 Milliarden Dollar an internationaler Wirtschaftshilfe und Investitionskrediten für diese Länder
aufgebracht. Sie hat femer Fonds zur Stabilisierung
der Währung den Weg bereitet. Aber der Motor des
Wachstums und die Quelle des Kapitals muß aus den
westeuropäischen, japanischen und amerikanischen
Privatsektoren kommen.

Entwicklung marktorientierter Wirtschaftssysteme.

Verschiedene Länder - unterschiedlicher Bedarf

Die US-Regierung hat Programme ins Leben gerufen,
mit denen diese Ziele verwirklicht werden sollen, dennoch
müssen sich auch amerikanische Bürger und private
Organisationen aktiv daran beteiligen.

In Ungarn ist mit Hilfe der Vereinigten Staaten ein
Internationales Managementinstitut entstanden. In
Rumänien haben amerikanische Ärzte dazu beigetragen, daß die unhaltbaren Zustände in Krankenhäusern
und Heimen für körperlich und geistig Behinderte

Ziele der Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten verfolgen bei der Hilfe für die
Länder Mittel- und Osteuropas zwei grundlegende
Ziele:

AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�verbessert wurden. In Polen haben die Vereinigten
Staaten dem neuen Parlament geholfen, sich als effektive demokratische Institution zu etablieren, die
dem Volk Rechenschaft ablegt. In der gesamten
Region wird von amerikanischer Seite Englisch unterrichtet, weil sich viele von Russisch als der aufgezwungenen ersten Fremdsprache abwenden und Englisch
als Weltsprache lernen wollen.
Solche Programme werden jetzt ins Leben gerufen. In
den nächsten Monaten werden sie weitere Verbreitung
finden. Die Rolle der US-Regierung besteht darin,
Hilfestellung und Koordination zu leisten und in manchen Fällen die Anschubfinanzierung zu übernehmen.

Förderung des englischen Sprachunterrichts.
Unterstützung der Gründung pluralistischer
nichtstaatlicher Organisationen, einschließlich
freier Gewerkschaften und Verbraucherverbände.
4.

Unterstützung unabhängiger Medien
Hilfe bei der Gründung unabhängiger Rundfunk- und Fernsehsender.
Hilfe bei der Gründung und Veröffentlichung
unabhängiger Zeitungen.
Ausbildung von Journalisten.

Demokratische Initiativen für politische Reform
Demokratische Initiativen für Wirtschaftsreformen
Bei den demokratischen Initiativen für politische Reform fördert die US-Regierung Programme des Privatsektrors vor allem in vier Bereichen.
1.

Politischer Prozeß
Ausbildung neu gewählter Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaften auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene.
Ausbildung in öffentlicher Verwaltung auf allen
Ebenen.
Ausbildung in der Durchführung politischer
Kampagnen.
Unterstützung politischer Parteien und Bürgerinitiativen.
Bereitstellung von Gerät und technischer Hilfe
zur Errichtung von Datenbanken und damit einhergehenden Dienstleistungen.

2.

Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte
Unterstützung bei Entwurf oder Überarbeitung
von Verfassungen, Straf- und Zivilgesetzen sowie
Verwaltungsbestimmungen.
Unterstützung bei Aufbau und Verwaltung einer
unabhängigen Judikative.

3.

Bei Wirtschaftsreformen sollte sich die Unterstützung
auf Bereiche konzentrieren, in denen sie zur raschen
Umgestaltung von Schlüsselsektoren beiträgt, gleichzeitig die Lebensqualität verbessert und den Grundstein für die Schaffung eines sozialen Sicherheitsnetzes legt. Vordringliche Bereiche sind: Landwirtschaft,
Wohnungsbau, Umwelt, Gesundheitswesen, finanzielle Dienstleistungen und Banken sowie Telekommunikation.
Bestrebungen auf dem Privatsektor könnten unter
anderem dazu beitragen,
Unternehmen für die Privatisierung vorzubereiten,
Hilfe bei der Schaffung der institutionellen Infrastrukturzu leisten, diezurfreien Marktwirtschaft
führt (beispielsweise bei finanziellen Dienstleistungen, Steuern, Rechnungswesen und Wertpapierbörsen),
kurzfristig die Ausbildung von Managern, Rechnungsprüfern und anderen in Grundlagen der
Ökonomie zu übernehmen,
Hilfe bei der Einführung neuer Umweltverordnungen zu leisten, die im Einklang mit dem Wirtschaftswachstum stehen,

Unterstützung bei der Erarbeitung von Verfahren zum Schutz der Rechte von Minderheiten
sowie Abbau von Diskriminierung aufgrund der
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, Nationalität, Rasse, Religion oder gesellschaftlichen Stellung.

Energieprogramme zur Verbesserung von Effizienz und Umweltverträglichkeit zu fördern,

Unterstützung religiöser und anderer individueller Freiheiten.

Auf all diesen Gebieten haben die Amerikaner Erfahrung und besonderes Fachwissen erworben, das sie
mit den aufstrebenden Demokratien und Marktwirtschaften der Länder Mittel- und Osteuropas teilen
können.

Soziale Fortschritte und kultureller Pluralismus

Demonstrationsprojekte in den Bereichen Umwelt,
Energie, Gesundheitswesen und Wohnungsbau durchzuführen.

Unterstützung für Lehrplanreformen, die die
marxistisch-leninistischen Programme des alten Regimes ersetzen sollen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�Führungsrolle der amerikanischen Regierung
Um den Privatsektor zu unterstützen, organisiert oder
fördert die amerikanische Regierung eine Reihe von
Koordinierungsmechanismen.
Bürgerkorps Demokratie
Das von Präsident Bush im Mai 1990 vorgeschlagene
Bürgerkorps Demokratie dient als Anlaufstelle für Informationen über Amerikaner, die Hilfe für Mittel- und
Osteuropa anbieten. Das Bürgerkorps Demokratie
wird von einem prominenten Amerikaner geleitet und
hat einen aus Vertretern der Schlüsselbereiche der
amerikanischen Gesellschaft zusammengesetzten
Vorstand. Über die Funktion als Anlaufstelle hinaus
will das Bürgerkorps Demokratie die Ressourcen der
amerikanischen Privatwirtschaft verwalten, um die
vordringlichsten Bedürfnisse in der Region zu decken.
Zentrum für unabhängige Medien
Auf Vorschlag von Außenminister James A. Bakerwird
ein neues Zentrum für unabhängige Medien gegründet, das unabhängig Medien in Mittel- und Osteuropa
fördern soll. Dieses Zentrum greift auf amerikanische
Medienorganisationen und einzelne Journalisten,
Herausgeber und andere Fachleute zurück, damit
unabhängige Rundfunk- und Fernsehsender sowie
Zeitungen in der Region gegründet werden können.
Entwicklungsdienst Peace Corps
Das Peace Corps ist eine Organisation, durch die
unmittelbare Hilfe in Mittel- und Osteuropa geleistet
werden kann. Das Peace Corps konzentriert sich
besonders auf Englischunterricht, obwohl es auch in
anderen wichtigen Bereichen, etwa dem Gesundheitswesen, eine Rolle spielen wird.
Die amerikanische Regierung unterstützt darüber hinaus
den Privatsektor, indem sie privaten amerikanischen
Institutionen, die in vorrangigen Bereichen tätig sind,
Zuschüsse gewährt. Programme wurden bereits zur
Reform des Rechtswesens, Ausbildung von Kommunalpolitikern und Journalisten eingeleitet.

Osteuropas im Jahr 1990 Wahlen statt, jedoch war der
Grad von Freiheit und Fairneß unterschiedlich. Die
Wahlen in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und
der DDR waren ohne jeden Zweifel "frei und fair". Das
gleiche gilt für die Wahlen in den jugoslawischen
Republiken Slowenien und Kroatien. Weniger befriedigend waren jedoch die Wahlen in Bulgarien, und die
Wahlen in Rumänien wurden durch Druckausübung
und andere unfaire Praktiken der Regierungspartei
stark beeinträchtigt.
Insgesamt sind drei unterschiedliche Niveaus der Hilfeleistung an Länder Mittel- und Osteuropas vorgesehen, die kurz-, mittel- und langfristigen Zielen dienen.
Kurzfristige Ziele
Mit Programmen für Nahrungsmittel- und medizinische Hilfe versucht die amerikanische Regierung,
unmittelbaren Grundbedürfnissen gerecht zu werden.
Wir haben in Polen und Rumänien erhebliche Hilfe in
diesen Bereichen zur Verfügung gestellt. Darüber
hinaus bemühen wir uns, rumänischen Kindern dringend notwendige Unterstützung zu gewähren.
Mittelfristige Ziele
Bei unserer mittelfristigen Unterstützung konzentrieren wir uns auf demokratische Institutionen, technische Hilfe für die Industrie und Unternehmen (sowie
das Bildungswesen) und die Normalisierung der Handels- und Investitionsbeziehungen. Unsere mittelfristigen Bemühungen sind hauptsächlich auf den Transfer von Know-how ausgerichtet. Wir führen demokratische Initiativen durch, um den Ländern Mittel- und
Osteuropas bei der Entwicklung funktionsfähiger, den
Bürgerwillen berücksichtigender politischer Systeme,
unabhängiger Rundfunk- und Fernsehsender und
Zeitungen sowie Gemeindeverwaltungen zu helfen.
Darüber hinaus unterstützen wir diese Länder bei der
Erarbeitung von Gesetzen, die den Bürger schützen,
anstatt ihn zu kontrollieren. An der ökonomischen
Front ist Ausbildung ein Schlüsselelement unserer
Hilfe. Insbesondere möchten wir technische Beratung
bei der Privatisierung staatlicher Unternehmen anbieten.

Staatliche Hilfen
Langfristige Ziele
Die Unterstützung der amerikanischen Regierung für
Hilfen des Privatsektors ist lediglich ein Teil der gesamten amerikanischen Hilfsmaßnahmen für Mittelund Osteuropa. Die amerikanische Unterstützung
basiert auf der Politik der "demokratischen Differenzierung" - derzufolge die amerikanischen Beziehungen zu jedem Land den Umfang der auf dem Weg zu
politischen und wirtschaftlichen Reformen in den betreffenden Ländern erzielten Fortschritte widerspiegeln.
Ein wichtiger erster Schritt zu Reformen ist die Bereitschaft der Führung eines Landes, freie und faire Wahlen
abzuhalten. Zwar fanden in allen Staaten Mittel- und
AMERIKA DIENST 34

Langfristig hat die amerikanische Regierung Programme entwickelt, die in Zusammenarbeit mit den Bemühungen unserer Verbündeten danach streben, die
Stabilisierung und strukturelle Anpassung der Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas während des
Übergangs zu marktwirtschaftlichen Systemen zu
unterstützen. Ferner wollen die Vereinigten Staaten
die Integration dieser Länder in die Weltwirtschaft
durch Mitgliedschaft in internationalen Handels- und
Finanzinstitutionen fördern, etwa im Allgemeinen Zollund Handelsabkommen, dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die
Seite 3

�amerikanische Regierung wird sich voraussichtlich an
der neuen Europäischen Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung beteiligen. Darüber hinaus liberalisieren
wir den Zugang zu amerikanischer Spitzentechnolo-

gie. In Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
lockern wir femer die Kontrollen des aus 17 Staaten
bestehenden Koordinationsausschusses für ost-westliehen Handel (COCOM).

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 34

�KERNWAFFEN
29. August 1990

DER VERTRAG ÜBER DIE NICHTVERBREITUNG
VON KERNWAFFEN 1970-90
Eine Übersicht des ACDA
Die folgende Übersicht zum Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen wurde im August 1990 vom Amt
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen
(NPT) ist einer der größten Erfolge in der Geschichte
der multilateralen Rüstungskontrolle. Seit seinem
Abschluß im Jahr 1968 und Inkrafttreten im Jahr 1970
hat der Vertrag all seinen Unterzeichnern sicherheitspolitische und wirtschaftliche Vorteile gebracht, indem
er dazu beitrug, die Verbreitung von Kernwaffen zu
verhindern, den Einsatz der Kernenergie zu friedlichen
Zwecken zu fördern und das Klima bei anderen Rüstungskontrollverhandlungen zu verbessern.
Die Vorteile des NPT kommen allen Parteien zugute.
Jedoch werden die Entwicklungsländer, die dem Vertrag beigetreten sind, in besonderem Maße von seinem Fortbestand profitieren. Während die traditionellen Gegensätze zwischen Ost und West abgebaut
werden, sind die Sicherheitsprobleme der Entwicklungsländer, die schon immer ernster Natur waren,
nicht in dem gleichen Maß verringert worden. Trotzdem hat der NPT zum Abbau regionaler Spannungen
beigetragen und damit den Entwicklungsländern gestattet, knappe menschliche und materielle Ressourcen für friedliche Zwecke zu verwenden, frei von
Furcht vor einem atomaren Rüstungswettlauf mit
Nachbarstaaten. Diese Ressourcen können von den
Entwicklungsländern eingesetzt werden, um ihre wissenschaftliche, technische und industrielle Basis aufzubauen und die friedliche Nutzung der Kernenergie
zu erforschen. Für diese Staaten, die am meisten der
Stabilität und Sicherheit bedürfen, um ihre entwicklungspolitischen Ziele zu verfolgen, ist der NPT eine
Quelle der Stabilität in einer sich wandelnden Welt.
Ziele und Verpflichtungen des NPT
Der NPT war bei seiner Entstehung der kühnste Versuch eines multilateralen Ansatzes, um Anliegen der
internationalen Sicherheit mit dem Wunsch in Einklang

AMERIKA DIENST 34

zu bringen, die Kernenergie zu friedlichen Zwecken
einzusetzen. Die operativen Artikel des Vertrags
unterstreichen eindeutig die Notwendigkeit eines ausgewogenen Verhältnisses von Rechten, Pflichten und
Vorteilen der Vertragsparteien.
Wie lauten die Ziele des NPT und die Verpflichtungen
seiner Parteien? Ein Hauptziel des Vertrags ist die
Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen
an Staaten, die keine derartigen Waffen besitzen. Die
in den ersten drei Artikeln festgelegten Verpflichtungen der Vertragsparteien sind dazu bestimmt, die
Verwirklichung dieses Ziels sicherzustellen.
Artikel I verfügt, daß sich die im Besitz von Kernwaffen
befindlichen Staaten (NWS) verpflichten, keine Kernwaffen oder andere nukleare Sprengsätze an Nichtkernwaffenstaaten zu liefern und diese Staaten nicht
dabei zu unterstützen, Kernwaffen oder andere nukleare Sprengsätze herzustellen oder anderweitig zu
erwerben. Artikel II zufolge verpflichtet sich jeder
Nichtkernwaffenstaat, Kernwaffen oder andere nukleare Sprengsätze weder anzunehmen noch diese
herzustellen oder anderweitig zu erwerben und Beistand zur Herstellung von Kernwaffen oder anderen
nuklearen Sprengsätzen weder anzustreben noch
anzunehmen. Artikel III sieht vor, daß sich jeder dem
Vertrag beigetretene Nichtkernwaffenstaat internationalen Sicherheitsvorkehrungen unterwirft, die mit der
Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) ausgehandelt werden müssen. Diese Schutzmaßnahmen
tragen dazu bei, die Abzweigung spaltbaren Materials
für den Bau von Kernwaffen zu verhindern. Artikel III
legt darüber hinaus fest, daß spaltbares Material und
bestimmte Ausrüstungsgegenstände nur gemäß den
Regeln der IAEO an Nichtkernwaffenstaaten exportiert werden dürfen.

Seite 1

�Ein weiteres vorrangiges Ziel des Vertrags ist die
Förderung der Zusammenarbeit bei der friedlichen
Nutzung der Kernenergie, wenn diese im Einklang mit
dem Ziel der Nichtverbreitung steht. Während Artikel
IM Schutzvorkehrungen bei friedlichen Nuklearmaßnahmen enthält, stecken Artikel IV und V den Rahmen
für die friedliche Zusammenarbeit ab. Artikel IV fordert
alle Parteien auf, den Austausch von Ausrüstung,
Material sowie wissenschaftlichen und technologischen
Erkenntnissen für die friedliche Nutzung der Kernenergie zu erleichtern, insbesondere zum Nutzen der dem
Vertrag beigetretenen Nichtkemwaffenstaaten und unter
besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der
Entwicklungsländer. Artikel V bekräftigt das Prinzip,
demzufolge unter angemessener internationaler Überwachung und mit den geeigneten Verfahren die möglichen Vorteile von Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken allen Nichtkemwaffenstaaten ausnahmslos
zugänglich gemacht werden sollen.
Ein drittes Ziel des NPT ist die Förderung von Rüstungskontrollbemühungen und zwar sowohl im nuklearen als auch im nichtnuklearen Bereich. Artikel VI
zufolge verpflichten sich alle Staaten, in gutem Glauben Verhandlungen über effektive Maßnahmen anzustreben, die der baldigen Beendigung des nuklearen
Rüstungswettlaufs, der nuklearen Abrüstung und der
Erarbeitung eines Vertrags über allgemeine und vollständige Abrüstung unter strenger und effektiver internationaler Kontrolle gewidmet sind. Darüber hinaus
erkennt Artikel VII das Recht jeder Gruppe von Staaten
an, regionale Verträge abzuschließen, die Kernwaffen
vollständig vom Territorium der vertragschließenden
Parteien verbannen.
Vorteile für die Sicherheit
Der NPT ist das Kernstück der internationalen Bemühungen zur Nichtverbreitung. Es besteht zunehmend
Einigkeit darüber, daß die weitere Verbreitung von
Kernwaffen die Sicherheit aller Länder gefährden,
weltweite und regionale Stabilität bedrohen und die
Bemühungen zur friedlichen Beilegung bestehender
Probleme zwischen den Staaten untergraben würde.
Seit Inkrafttreten des NPT hat lediglich ein Nichtkernwaffenstaat nachweislich einen nuklearen Sprengsatz
zur Explosion gebracht. Die Verbreitung von Kernwaffen verlief deshalb wesentlich langsamer als vor 20
oder 30 Jahren angenommen wurde. Damals ging
man allgemein davon aus, daß heute bis zu 25 Staaten
im Besitz von Kernwaffen sein würden. Es ist ma ßgeblich auf den NPT zurückzuführen, daß diese gefährliche Verbreitung nicht stattfand.
In der Abschlußerklärung der dritten NPT-Überprüfungskonferenz im Jahr 1985 brachten die Parteien
zum Ausdruck, daß ihrer Überzeugung nach der Vertrag unerläßlich für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit ist und stellten fest, der Vertrag habe
einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit der Ver-

tragsparteien wie auch von NichtVertragsparteien geleistet. Die NPT-Parteien äußerten sich tief besorgt
darüber, daß einige Nichtvertragstaaten durch ihre
nationalen Atomprogramme in den Besitz von Kernwaffen gelangen könnten. Die Parteien erklärten, daß
jede weitere Explosion eines nuklearen Sprengsatzes
durch einen Nichtkernwaffenstaat eine ernste Verletzung des Ziels der Nichtverbreitung bedeuten würde.
Auch die zahlreichen Länder, die dem NPT nicht
beigetreten sind, konnten sich dem Einfluß dieses
Vertrags nicht entziehen. Aufgrund der mit dem NPT
im Hinblick auf die Weiterverbreitung von Kernwaffen
geschaffenen Norm gilt der Erwerb von Nuklearwaffen
durch neue Staaten als Verletzung der internationalen
Standards und des Interesses an weltweiter Sicherheit
und Stabilität. Frühere Ängste über die Weiterverbreitung sind noch nicht vollständig abgebaut, und es wird
immer deutlicher, daß eine Welt mit Dutzenden von
atomar bewaffneten Staaten nicht mehr unvermeidlich
ist.
Die Forderung der Nichtkemwaffenstaaten, keine solchen Waffen herzustellen oder zu erwerben, schafft
zusammen mit den Sicherheitsmaßnahmen der IAEO
Vertrauen unter den Vertragspartnern, daß ihre Sicherheit nicht durch das Entstehen eines nuklear
bewaffneten Nachbarn gefährdet ist. Gleichzeitig erhält
ein Land mit seinem Beitritt zum NPT die Möglichkeit,
seinen Nachbarn zu demonstrieren, daß es keine
nuklearen Ambitionen hat. Mit anderen Worten, der
NPT schafft ein Umfeld, in dem Sicherheitsanliegen
befriedigt werden, ohne daß die kargen Ressourcen in
Kernwaffenprogramme fließen müßten.
Im Zusammenhang mit dem NPT versuchen die drei
NWS-Vertragsparteien (die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion), den Nichtkemwaffenstaaten zu garantieren, daß ihre Sicherheit am besten
durch den Beitritt zum NPT gewährleistet ist und nicht
durch den Erwerb von Kernwaffen. Die US-Regierung
hat zum Beispiel erklärt, die Vereinigten Staaten
würden keine Kernwaffen gegen ein Nichtkernwaffenmitglied des NPT oder einer vergleichbaren international verbindlichen Verpflichtung zum Nichterwerb von
Kernwaffen einsetzen, außer im Falle eines Angriffs
auf die Vereinigten Staaten, ihre Territorien, Streitkräfte oder Verbündeten durch einen schon mit einem
NWS-Land verbündeten Staat. Unserer Ansicht nach
bietet unsere Zusicherung allen Nicht-KernwaffenStaaten und Mitgliedern des NPT oder anderer international verbindlicher Verpflichtungen, keine Kernwaffen zu erwerben, erhebliche Sicherheitsvorteile.
Vorteile für die Rüstungskontrolle
Seit Beginn des Atomzeitalters haben die Vereinigten
Staaten versucht, den Krieg zu verhindern und einen
sicheren Frieden für alle Länder zu gewährleisten.
Einer der Wege, den wir zur Erlangung dieses Ziels
eingeschlagen haben, waren Verhandlungen über

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•'

�effektive und wirksam verifizierbare Rüstungskontrollabkommen über Kernwaffen und andere Bereiche.
Insbesondere seit der NPT-Folgekonferenz im Jahr
1985 hatte die Rüstungskontrolle Erfolge zu verzeichnen:
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
den INF-Vertrag über Mittelstreckenraketen geschlossen, der die Beseitigung einer ganzen Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Kernwaffen vorsieht.
Das bei der Stockholmer Konferenz über Abrüstung in
Europa geschlossene Abkommen über Benachrichtigung und Inspektionen wichtiger militärischer Übungen.
Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über die
Zerstörung chemischer Waffen, das die Vernichtung
Tausender von Tonnen chemischer Waffen vorsieht.
Die amerikanisch-sowjetischen Protokolle zum Schwellenvertrag und zum Vertrag über Kernexplosionen zu
friedlichen Zwecken.
Darüber hinaus gab es zahlreiche erfolgreiche multilaterale Konferenzen über ein breites Spektrum von
Rüstungskontrollthemen. Gegenwärtig handeln die
Vereinigten Staaten einschneidende und stabilisierende Reduzierungen bei den nuklearen und konventionellen Streitkräften sowie die vollständige Beseitigung
chemischer Waffen aus.
Diese Abkommen und Verhandlungen zeigen eindeutig, daß die Vereinigten Staaten und andere NPTStaaten im Besitz von Kernwaffen bei ihren Verhandlungen ein umfangreiches Programm verfolgen, daß
Fortschritte zunehmend ermöglicht werden und die im
NPT enthaltene Vision realisiert wird.
In den von den Vereinigten Staaten seit 1970 verfolgten Verhandlungen wurden die Verpflichtungen aus
Artikel VI immer berücksichtigt. Zum Beispiel gehen
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in der
Präambel des INF-Vertrags auf ihre Verpflichtungen
aus Artikel VI des NPTs ein. Wir werden unsererseits
die Verhandlungen im Vertrauen auf nukleare und
nichtnukleare Rüstungskontrolle führen, wobei unsere
Priorität auf gerechten und stabilisierenden, wirksam
verifizierbaren Abkommen liegt.
Erwartungsgemäß werden der START-Vertrag und
der KSE-Vertrag bis Ende dieses Jahres unterzeichnet werden. Damit werden die strategischen nukleraren und die konventionellen Streitkräfte erheblich reduziert, ein stabileres militärisches Gleichgewicht geschaffen und unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten erheblich verbessert.
Mit der beim Washingtoner Gipfel veröffentlichten
Gemeinsamen Erklärung zu künftigen Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen und die Verbesse-

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rung der strategischen Stabilität verpflichten sich die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, "neue Verhandlungen über strategische Offensivwaffen und über
das Verhältnis zwischen strategischen Offensiv- und
Defensivwaffen aufzunehmen". Es ist wichtig, daß die
Gemeinsame Erklärung andere Staaten zu einem
Beitrag, insbesondere im Bereich der Nichtverbreitung
von Kernwaffen, auffordert. Die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion forderten alle
Länder auf, "die neuen Möglichkeiten zum Engagement bei den gemeinsamen Bestrebungen der Menschheit zu ergreifen, das Risiko eines Kriegsausbruchs zu
beseitigen".
Von besonderer Bedeutung sind die Rüstungskontrollerfolge der vergangenen fünf Jahre. Unser Rüstungskontrollprogramm ist umfangreicher denn je, und die
Aussichten für die Erlangung neuer Abkommen sind
besser als jemals zuvor. Der NPT fördert und erleichtert diese Verhandlungen und wird deshalb mit der
Erlangung von Abkommen die internationale Sicherheit, Stabilität und die Aussichten für den Weltfrieden
verbessern.
Vorteile für die Zukunft
Der NPT bietet den Rahmen für den Ausbau der
Kooperation im nuklearen Bereich zwischen den Parteien. Der NPT verhindert den Mißbrauch der nuklearen Kooperation und hat den Technologietransfer
und die Vorteile ermöglicht, die sich aus der friedlichen
Nutzung der Kernenergie für die Stromgewinnung, die
Industrie, Wissenschaft, Medizin und Landwirtschaft
ergeben.
Die Vereinigten Staaten und andere Anbieter von
Kernenergie, die NPT-Vertragsparteien sind, haben
seit langem erkannt, daß Vertragsparteien - insbesondere die Entwicklungsländer - im Bereich der friedlichen atomaren Zusammenarbeit besonders berücksichtigt werden und besonders davon profitieren sollten. Für die Anbieterstaaten sind die NPT-Verpflichtungen der Empfängerländer wichtige Kriterien, da sie
eine Garantie bieten, daß die Zusammenarbeit für die
vorgesehenen friedlichen Zwecke genutzt wird.
Die jeweiligen Länder haben natürlich unterschiedliche
Bedürfnisse und Prioritäten. Der NPT trägt dazu bei,
die Unterstützung beim Einsatz von Kernenergie zu
friedlichen Zwecken je nach Bedarf zu erleichtern.
Artikel IV des NPT fördert die Nutzung von Kernenergie zu friedlichen Zwecken durch uneingeschränkte
Zusammenarbeit mit allen Parteien, insbesondere den
Entwicklungsländern. Für diejenigen Staaten, die sich
seit 1970 für Kemenergieprogramme entschieden haben,
sind die wirtschaftlichsten und technologisch fundiertesten Programme die der NPT-Vertragsparteien. Die
Verfügbarkeit von Hilfe für die NPT-Vertragsparteien
ist nach wie vor der verläßlichste und schnellste Weg
für potentielle Kemenergieproduzenten, ihr Ziel zu
erreichen.

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�Nicht alle Staaten können zur Erzeugung von Elektrizität von Kernenergie profitieren, aber alle Staaten
werden zweifelsohne aus dem Einsatz von Kernenergie in Industrie, Landwirtschaft und Medizin Nutzen
ziehen. Radioisotope und kontrollierte Strahlung werden
verwendet, um Ernten sowie die Produktivität und
Gesundheit von Haustieren zu verbessern, Schädlinge zu bekämpfen oder auszurotten und Nahrungsmittel zu konservieren. Darüber hinaus finden sie bei der
Lokalisierung und effizienten Nutzung von Grundwasser, Sterilisierung von Verbandmaterial, verbesserter
medizinischer Diagnostikundtherapeutisehen Verfahren sowie bei der Analyse von Hormonen und Enzymen Anwendung. Nicht zuletzt werden sie auch für
Röntgenaufnahmen von Rohrleitungen verwendet, um
Verstopfungen und undichte Stellen zu lokalisieren.
Diese Einsatzmöglichkeiten von Kernenergie haben
Auswirkungen auf den Alltag aller Menschen und
sprechen direkt einige der beunruhigendsten Probleme an, mit denen sich die Entwicklungsländer konfrontiert sehen.
Die Verpflichtung der NPT-Vertragsparteien zu den
Bestimmungen von Artikel IV ist eindeutig. In der
Abschlußerklärung der Dritten Überprüfungskonferenz
aus dem Jahr 1985 bekräftigten die Teilnehmer erneut
"die Verpflichtung der Parteien zu dem Vertrag, um
durch Zusammenarbeit allein oder gemeinsam mit
anderen Staaten oder internationalen Organisationen
einen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Nutzung
von Kernenergie zu friedlichen Zwecken, insbesondere in den Gebieten der Nichtkernwaffenstaaten des
Vertrags zu leisten. Dabei werden die Bedürfnisse der
Entwicklungsgebiete der Welt vornehmlich berücksichtigt . Ferner trägt die Konferenz den besonderen
Bedürfnissen am wenigsten entwickelter Länder in
diesem Zusammenhang Rechnung."
Seit 1970 wurden Hunderttausende von Studenten
aus Entwicklungsländern, die Unterzeichner des Vertrags sind, in Kernenergie und verwandten Wissenschaften ausgebildet. In Dutzenden dem Vertrag
beigetretenen Entwicklungsländern wurden Kernforschungszentren eingerichtet, und praktisch alle NPTStaaten haben jetzt begonnen, Radioisotope und
radioaktive Strahlung in Medizin, Landwirtschaft und
Industrie effektiv zu nutzen. Technische Hilfe und
Technologietransfer aus den Vereinigten Staaten erfolgte für zahlreiche NPT-Staaten. Die bevorzugte
Behandlung von NPT-Staaten durch die Vereinigten
Staaten und besondere Hilfsleistungen an Entwicklungsländer, die NPT-Vertragsparteien sind, wurden
eindeutig unter Beweis gestellt. Im folgenden einige
Beispiele:
Die amerikanische Import-Export-Bank hat
Kredite und Bürgschaften für kernenergiegebundene Projekte an NPT-Vertragsparteien in
Höhe von 8,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt, einschließlich Abkommen mit

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Griechenland, Indonesien, Jugoslawien, der
Republik Korea, den Philippinen, Rumänien und
Spanien.
Seit 1985 erstreckten sich alle von den Vereinigten Staaten im Bereich der Kernenergie getroffenen Vereinbarungen über "Tochterlabors" und
"gemeinsame Ausschüsse" auf Parteien des
NPT und/oder des Vertrags von Tlateloco. Dies
beinhaltet auch Vereinbarungen mit Ägypten,
Griechenland, Indonesien, Kolumbien, der
Republik Korea, Mexiko und Thailand.
Die Vereinigten Staaten haben zwischen 1985
und 1989 Beiträge an die IAEO in Form von
technischer Hilfe, einschließlich Hilfe in Sachleistungen und außeretatmäßigen Mitteln in Höhe
von insgesamt rund 100 Millionen US-Dollar
entrichtet. Entwicklungsländer, die Unterzeichner des Vertrags sind, waren Hauptnutznießer
dieser Mittel.
98 Prozent aller von den Vereinigten Staaten
unter der Schirmherrschaft der IAEO von 19851989 vergebenen Stipendien erstreckten sich
nahezu ausschließlich auf NPT-Vertragsparteien, einschließlich Ägypten, Costa Rica, Ecuador, Ghana, Griechenland, Indonesien, Jugoslawien, Kenia, Kolumbien, Malaysia, Mexiko,
Nigeria, Peru, Philippinen, Republik Korea,
Senegal, Sri Lanka, Sudan, Thailand, Türkei,
Uruguay, Zaire und Zypern.
Seit der NPT-Überprüfungskonferenz des Jahres 1985 waren von außeretatmäßigen Beiträgen der Vereinigten Staaten an die IAEO finanzierte Projekte für Entwicklungsländer bestimmt,
die NPT-Vertragsparteien sind. Im Zeitraum
von 1985-89 erstreckten sich die Projekte auf
den Einsatz von Kernenergie in der Landwirtschaft, Medizin und Industrie, Probebohrungen
und Förderung, Sicherheit von Kernkraftwerken
sowie allgemeine Kernenergieentwicklung.
Gemäß Artikel V des NPT steht den Vertragsparteien
jegliche Nutzung von Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken zu, die unter angemessener internationaler
Beobachtung und entsprechenden Verfahren demonstriert werden. Dennoch hat sich der wirtschafliche
Nutzen von Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken,
deren Technologie nicht von der für Kernwaffen zu
unterscheiden ist, nicht erwiesen. Die Vereinigten
Staaten haben aus Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken keinen Nutzen gezogen und unterhalten
keine Programme in diesem Bereich.
Ein multilateraler Erfolg
Der NPT hat einen maßgeblichen Beitrag zur internationalen Sicherheit geleistet: er trägt dazu bei, daß
bilaterale oder regionale Konflikte sich nicht verschärfen, indem er der Verbreitung von Kernwaffen rechtliAMERIKA DIENST 34

�che und politische Zwänge auferlegt, ihrer Weiterverbreitung technische Hindernisse in den Weg legt und
dadurch Verdachtsmomente und Spannungen abbaut.
Auf diese Weise schafft er ein Umfeld, in dem Sicherheitsprobleme wahrscheinlich eher mit friedlichen Mitteln
gelöst werden.
Ebenso wichtig ist, daß der Nutzen des NPT sich nicht
nur auf traditionelle Sicherheitsprobleme erstreckt. Da
die Dimensionen der Sicherheit anerkanntermaßen
zunehmend über militärische Belange hinausgehen
und inzwischen auch Fragen der Wettbewerbsfähigkeit und der Verhütung weiterer Umweltverschmutzung umfassen, hilft der NPT allen Vertragsparteien,

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ihre Aufmerksamkeit auf die Probleme zu lenken, mit
denen sie sich im 21. Jahrhundert konfrontiert sehen
werden. Der NPT gewährleistet, daß sie diese Probleme mit dem erheblich verringerten Risiko eines Atomkriegs oder nuklearer Erpressung angehen können.
Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist die
Anwendung von Kernenergie für alle Nationen von
Bedeutung. Der NPT ist nach wie vor das beste Mittel
zur Sicherstellung der Nutzung von Kernerergie zu
friedlichen Zwecken. Aus all diesen Gründen bildet der
NPT an der Schwelle zum 21. Jahrhundert eine solide
Grundlage für Fortschritt sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrienationen.

*

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