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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Embassy of mc ui
Deiclirnanns Aue 29
5300 Bonn 2
22. August 1990

33

GOLFKRISE

US-ZIEL: AGRESSIONEN BEKÄMPFEN UND
SOUVERÄNITÄT ERHALTEN
Präsident Bushs Rede im Pentagon
BUSH VERURTEILT IRAKS
"RÜCKSICHTSLOSEN ANGRIFF"
AUF DIE WELTORDNUNG
Rede des Präsidenten vor Kriegsveteranen
SADDAM HUSSEIN FÜR DIE SICHERHEIT
DER AUSLÄNDER VERANTWORTLICH
Rede von Botschafter Thomas Pickering

MEINUNGSUMFRAGEN

DAS MEINUNGSBILD DER AMERIKANER
Eine Übersicht zu jüngsten Umfrageergebnissen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
22. August 1990

US-ZIEL: AGGRESSION BEKÄMPFEN UND
SOUVERÄNITÄT ERHALTEN
Präsident Bushs Rede im Pentagon
WASHINGTON - (AD) - Im Hinblick auf die Zielsetzungen der Vereinigten Staaten im Golf erklärte Präsident
Bush am 15. August 1990 im Pentagon, bei der amerikanische Vorgehensweise dort "geht es um die Bekämpfung einer Aggression - und die Erhaltung der Souveränität von Staaten".
"Was auf dem Spiel steht, ist eminent wichtig" und beinhaltet die Aufrechterhaltung des Zugangs zu
Energiequellen, denen eine Schlüsselrolle für das Funktionieren der ganzen Welt zukommt, erklärte der
Präsident.
"Unsere Arbeitsplätze, unser Lebensstil, unsere Freiheit und die Freiheit befreundeter Länder in der ganzen Welt
würden Schaden nehmen, wenn die Kontrolle über die großen Erdölreserven der Welt Saddam Hussein in die
Hände fielen," so Bush.
Der Präsident erklärte ferner, das amerikanische Volk, der Kongreß, die Verbündeten der Vereinigten Staaten
und "die große Mehrheit des arabischen Volkes" unterstützten die Politik der Regierung im Golf im Hinblick auf
die irakische Aggression gegen Kuwait. Und "niemand sollte unsere Ausdauer oder unsere Entschlossenheit
anzweifeln", erklärte Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

In den letzten zehn Tagen haben Sie das in Gang
gesetzt, was als eine der wichtigsten Stationierungen
einer verbündeten Streitmacht seit dem Zweiten Weltkrieg in die Geschichte eingehen wird.
Erst vergangene Woche habe ich dem amerikanischen Volk erklärt, niemand dürfe unsere Entschlossenheit, der Aggression entgegenzutreten, unterschätzen. Sie - als Beschäftige des Verteidigungsministeriums - setzen diese Worte in Taten um, mit denen
Hoffnungen und Versprechungen Wirklichkeit werden.
Ich komme gerade von einem Informationsgespräch
mit Verteidigungsminister Cheney und General Powell. Unsere Ziele liegen klar auf der Hand: unverzüglicher, vollständiger und bedingungsloser Abzug aller
irakischen Streitkräfte aus Kuwait, Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung, Sicherheit
und Stabilität in Saudi-Arabien und im Persischen Golf
und der Schutz des Lebens amerikanischer Bürger im
AMERIKA DIENST 33

Ausland. Diese ehrenvollen Ziele werden wir erreichen.
Seit Jahrzehnten arbeiten wir an der Entwicklung einer
Weltordnung - an gemeinsamen Normen und Rechtsstaatlichkeit, um Konflikte durch Zusammenarbeit zu
ersetzen. Wir wissen, daß diese Ordnung noch nicht
perfekt ist. Aber ohne sie sind Frieden und Freiheit
unmöglich. Die Rechtsstaatlichkeit löst das Gesetz
des Dschungels ab. Wenn also die Frage gestellt wird:
Wo steht Amerika? antwortete ich: Amerikas Standpunkt hat sich nicht verändert - es ist immer noch
gegen Aggression.
Heute halten tapfere amerikanische und verbündete
Truppen in Wüsten und vor den Küsten Saudi-Arabiens Wache. Sie sind dort zu einem bestimmten
Zweck: um der Sache der Gerechuykeii und Freiheit
zu dienen - einer Sache, die die ganze Welt unterstützt.

Seite 1

�Aber Saddam Hussein möchte uns Glauben machen,
daß diese nicht provozierte Invasion einer befreundeten arabischen Nation ein Kampf zwischen Arabern
und Amerikanern ist. Das ist eindeutig falsch. Es ist
Saddam, der seine arabischen Nachbarn belogen hat.
Es ist Saddam, der in einen arabischen Staat eingefallen ist. Es ist Saddam, der jetzt die arabischen Länder
bedroht. Im Gegensatz dazu wollen wir unseren
arabischen Freunden in ihrer Stunde der Not beistehen.
Saddam Hussein hat erklärt, dies sei ein heiliger Krieg
der Araber gegen die Ungläubigen. Dies hören wir von
einem Mann, der Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt hat - der den Iran in einen Krieg
getrieben hat, der das Leben von über einer halben
Million Moslems gefordert hat und der jetzt Kuwait
plündert. Saddams Soldaten und Gefolgsleute haben
Greueltaten verübt. Die Berichte aus Kuwait sprechen
eine deutliche Sprache von ihrer Brutalität.
Darüber hinaus will uns Saddam glauben machen,
dies sei ein Kampf zwischen reich und arm. Aber der
Irak gehört zu den Reichen - nach Saudi-Arabien
verfügt der Irak über die größten ölreserven der Welt.
Aber dank Saddam Husseins ruinöser Politik des
Kriegs gegen andere Moslems hat er Wohlstand in
Armut verwandelt. Bedauerlicherweise ist es heute
das irakische Volk, das unter den unverhüllten Ambitionen Saddam Husseins auf fremdes Territorium leidet.
Unsere Aktion im Golf hat ihren Hintergrund nicht in
Religion, Gier oder kulturellen Unterschieden - wie es
uns der irakische Führer glauben machen will. Was auf
dem Spiel steht, ist eminent wichtig.
Bei unserer Aktion im Golf geht es um die Bekämpfung
einer Aggression - und die Erhaltung der Souveränität
von Staaten. Esgeht darum, daß wirunser Wort halten
und alten Freunden beistehen. Es geht um unsere
eigenen nationalen Sicherheitsinteressen und darum,
Frieden und Stabilität in der Welt zu gewährleisten.
Darüber hinaus sind wir bestrebt, den Zugang zu
Energiequellen aufrechtzuerhalten, die eine Schlüsselfunktion besitzen - nicht nur für das Funktionieren
dieses Landes, sondern der gesamten Welt. Unsere
Arbeitsplätze, unser Lebensstil, unsere Freiheit und
die Freiheit befreundeter Länder in der ganzen Welt
würden Schaden nehmen, wenn die Kontrolle über die
großen Erdölreserven der Welt Saddam Hussein in die
Hände fiele.
Wir haben also Stellung bezogen - nicht nur, um
Bodenschätze oder Ländereien zu schützen, sondern
um die Freiheit der Nationen zu schützen. Wir lösen
seit langem bestehende Zusicherungen zum Schutz
und zur Verteidigung unserer Freunde ein, die den Mut

haben, sich gegen das Böse zu stellen und uns um
Hilfe bitten.
Wir schlagen eine Bresche für das Prinzip, daß Macht
nicht vor Recht kommt. Kuwait ist klein. Aber eine
eroberte Nation ist eine zu viel.
Vor 50 Jahren zahlten unser Land und die Welt einen
hohen Preis für die Beschwichtigung eines Aggressors, dem man hätte Einhalt gebieten sollen - und
können. Wir werden denselben Fehler nicht zweimal
begehen.
Heute ist der Irak des Saddam Hussein von den
Arabern und seinen islamischen Nachbarn isoliert. Die
Arabische Liga hat die Aggression des Iraks verurteilt.
Wir stehen ihnen bei - und wir sind dabei nicht allein.
Die Sanktionen funktionieren. Die Armeen und Luftstreitkräfte Ägyptens, Marokkos, Großbritanniensund
der Staaten des Golf-Kooperationsrats stehen Seite
an Seite mit uns zur Verteidigung Saudi-Arabiens
bereit. Schiffe zahlreicher Länder fahren gemeinsam
mit unseren, um sicherzustellen, daß die ohne Gegenstimme verhängten UNO-Sanktionen durchgesetzt
werden. Gemeinsam müssen wir gewährleisten, daß
keine Waren in das Land gelangen - und kein Tropfen
Öl das Land verläßt.
Das amerikanische Volk steht hinter uns. Der Kongreß
steht auf unserer Seite. Unsere Verbündeten stehen
hinter uns, und die große Mehrheit des arabischen
Volkes ist auf unserer Seite. Niemand sollte unsere
Ausdauer oder unsere Entschlossenheit anzweifeln.
Wir befinden uns in einem neuen Zeitalter - einem
Zeitalter voller Verheißungen. Aber die Ereignisse der
vergangenen zwei Wochen mahnen uns, daß es keinen Ersatz für amerikanische Führung gibt. Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten kann ohne amerikanische Stärke jedoch nicht zum Tragen kommen.
Ich bin mir bewußt, daß diese Stärke nicht billig oder
leicht zu erreichen ist. Sie bezahlen dafür jeden Tag in
Gestalt Ihrer Arbeit, durch die Opfer, die Sie in der Zeit
bringen, die Sie von Ihren Familien getrennt sind. Ich
baue auf Sie bei der Gestaltung der Streitkräfte der
Zukunft - zur Bewahrung des Friedens und der Freiheit
angesichts neuer Bedrohungen und neuer Gefahren.
General Powell hat mir heute gesagt, es sei eine große
Ehre, in diesen gefährlichen Zeiten als amerikanischer
Soldat zu dienen. Ich weiß, daß es für mich eine große
Ehre ist, als Ihr Oberbefehlshaber zu dienen.
Ich danke Ihnen und schließe mich den Menschen an,
die für Sie beten, für diejenigen, die an vorderster Front
stehen und für die Vereinigten Staaten von Amerika.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 33

�GOLFKRISE
22. August 1990

BUSH VERURTEILT IRAKS "RÜCKSICHTSLOSEN
ANGRIFF' AUF DIE WELTORDNUNG
Rede des Präsidenten der Kriegsveteranen
BALTIMORE - (AD) - In einer Ansprache vor amerikanischen Kriegsveteranen in Baltimore unterstrich Präsident
Bush am 20. August 1990, der Irak sei nicht nur in einen kleinen Nachbarstaat einmarschiert, sondern habe einen
"rücksichtslosen Angriff" auf die internationale Ordnung vorgenommen. Zum ersten Mal bezeichnete Bush die
im Irak und in Kuwait festgehaltenen Ausländer als Geiseln und erklärte, er werde die irakische Regierung für
Sicherheit und Wohlergehen der rund 3 500 an der Ausreise gehinderten Amerikaner verantwortlich machen.
Der Präsident verurteilte die Krise im Golf moralisch und stellte fest, die Amerikaner hätten "gelernt, sich dem
Bösen zu stellen" und er habe amerikanische Streitkräfte in den Golf und zur Verteidigung Saudi-Arabiens
entsandt, weil "unsere Sache gerecht ist".
Bush beschuldigte den Irak, die Festsetzung ausländischer Staatsbürger sei eine Verletzung "aller internationalen Verhaltensnormen" sowie der Lehren des Islam und der Traditionen arabischer Gastfreundschaft.
Bagdad, so Bush, sei nicht nur in Kuwait einmarschiert, als es Horden von panzergeführten Truppen über die
Grenze geschickt habe, sondern gleichzeitig "einen rücksichtslosen Angriff auf die internationale Ordnung und
zivilisierte Ideale an sich vorgenommen". Bush fügte hinzu, die Festsetzung von Ausländern sei eine "weitere
Verletzung" zivilisierter Normen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Wie Sie wissen, wird die Welt zur Zeit von Ereignissen
erschüttert, und ich mußte einige Telephongespräche
mit guten Freunden der Vereinigten Staaten - dem
türkischen Präsidenten Özal und Premierministerin
Thatcher - führen. Und ich mu ß sagen, ich bin stolz auf
die Unterstützung, die wir weltweit erhalten.
Darüber hinaus danke ich für diese besondere Gelegenheit zur Erörterung eines Themas, das allen
Amerikanern große Sorge bereitet - der Krise im
Persischen Golf. Eine Krise, die planvolles Handeln,
Geduld und auch persönliche Opfer von den Vereinigten Staaten fordern wird. Aber eine Krise, der wir uns
stellen müssen und werden, wenn wir Aggression
Einhalt gebieten, unseren Freunden helfen und unser
Interesse an Frieden und Stabilität weltweit schützen
wollen.
Vor 18 Tagen haben diese Überzeugungen mich veranlaßt, Maßnahmen im Nahen Osten zu ergreifen, um
die Souveränität Kuwaits wiederherzustellen und die-

AMERIKA DIENST 33

jenigen abzuschrecken, die freundlich gesinnte Länder und die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten
bedrohen. Und ich habe in dem Wissen gehandelt,
daß unsere Sache nicht leicht sein würde, aber unsere
Sache gerecht ist. Niemand sollte diejenigen unterschätzen, die den Frieden gefährden, ein noch größerer Fehler wäre jedoch, das Engagement der Vereinigten Staaten gegenüber ihren Freunden zu unterschätzen, wenn sie in Gefahr sind oder unser Engagement
für die internationale Ordnung, wenn auch sie bedroht
ist.
Heute ist das Ergebnis noch nicht absehbar. Schwere
Entscheidungen müssen getroffen werden, aber einer
Sache sind wir uns sicher - die Vereinigten Staaten
lassen sich nicht einschüchtern. Auf die Frage: Welche Position beziehen die Vereinigten Staaten? antworten wir, die Vereinigten Staaten beziehen die Position,
die sie immer bezogen haben - gegen Aggression,
gegen diejenigen, die Gewalt anstelle der Rechtsstaatlichkeit anwenden. Und wer wüßte besser als diese
Seite 1

�hier versammelte Gruppe, daß wir im gesamten Verlauf der Geschichte gelernt haben, uns dem Bösen zu
stellen. Die letzten 18 Tage haben diese Wahrheit
bekräftigt. Und ihre Lektionen sind Beispiel für die
Vereinigten Staaten und die ganze Welt.
Die erste Lektion ist noch so lebhaft im Gedächtnis wie
die Erinnerung an die Normandie, Khe Sanh und Pork
Chop Hill. Uns ist erneut vor Augen geführt worden,
daß der Aggression Einhalt geboten werden muß und
wird. Auf Bitten unserer Freunde haben wir daher
amerikanische Streitkräfte in den Nahen Osten entsandt, zögernd, aber in dem Wissen - wie Teddy
Roosevelt es formuliert hat -, daß Amerika vieles
bedeutet, unter anderem, gleiche Rechte und daher
auch gleiche Pflichten. Und dennoch handeln wir nicht
allein, sondern gemeinsam in der Hoffnung, unsere
eigenen wie auch die Sicherheitsinteressen der internationalen Staatengemeinschaft zu schützen.
Damit komme ich zur zweiten Lektion, die in den
vergangenen 18 Tagen bekräftigt wurde. Alleine können
die Vereinigten Staaten viel tun - gemeinsam mit ihren
Freunden und Verbündeten können sie noch sehr viel
mehr für Frieden und Gerechtigkeit tun. Erinnern Sie
sich gemeinsam mit mir an den Zweiten Weltkrieg, als
Verbündete sich gemeinsam einem Schrecken stellten, der die Hölle auf Erden verkörperte. Oder Korea,
wo die UNO-Streitmacht Totalitarismus bekämpfte.
Heute haben sich erneut zahlreiche - häufig moslemische - Nationen vereint, um Aggression abzuwehren
und so den Frieden wiederherzustellen.
Unsere saudischen Freunde bitten unter der klugen
Führung von König Fahd um unsere Hilfe bei der
Abschreckung weiterer Aggressionen des Iraks. Und
ich beglückwünsche die vielen Länder, die mutig auf
Saudi-Arabiens Bitte reagiert haben. Ich beglückwünsche auch die Regierungen, die auf den Appell des
kuwaitischen Emirs nach vollständiger Durchsetzung
der UNO-Sanktionen geantwortet haben. Wir dürfen
keine Augenwischerei betreiben. Iraks Invasion war
mehr als ein militärischer Angriff auf das winzige
Kuwait - es war ein grausamer Angriff auf die internationale Ordnung und zivilisierte Ideen an sich.
Und jetzt hat der Irak in einer weiteren Verletzung aller
internationalen Verhaltensnormen unschuldigen Zivilisten aus zahlreichen Ländern Beschränkungen auferlegt. Das ist unannehmbar, und aus diesem Grund hat
der UNO-Sicherheitsrat am Samstag (18. August) die
Maßnahme des Iraks einstimmig verurteilt, ebenso wie
er zuvor bereits die Invasion selbst verurteilt hatte. Sie
wissen ebenso gut wie wir, daß Politiker, die Menschen als Faustpfand benutzen, zu Recht die Verachtung und Verurteilung der ganzen Welt erfahren.
Und deshalb werde ich nun den Führern des Iraks
gegenüber zwei Punkte klarstellen: Mit der Verschleppung ausländischer Staatsbürger verletzen Sie die
Normen Ihrer eigenen Religion. Sie wenden sich

Seite 2

gegen die uralte arabische Tradition der Gastfreundschaft. Deshalb lautet meine Botschaft: Lassen Sie
alle Ausländer unverzüglich frei. Geben Sie Ihnen das
Recht, zu kommen und zu gehen wann sie wollen.
Achten Sie das Völkerrecht und die Resolution 664 des
UNO-Sicherheitsrats.
Wir haben gezögert, den Begriff "Geisel" zu benutzen,
aber wenn Saddam Hussein eindeutig anbietet, die
Freiheit dieser Bürger zahlreicher Staaten, die er gegen
ihren Willen festhält, gegen Konzessionen einzutauschen, kann es kaum einen Zweifel daran geben, daß
diese unschuldigen Bürger - wie immer man sie nennen mag - in der Tat Geiseln sind.
Ich möchte sicherstellen, daß hier kein Mi ßverständnis
aufkommt. Ich werde die Regierung des Iraks für die
Sicherheit und Unversehrtheit der gegen ihren Willen
festgehaltenen amerikanischen Bürger verantwortlich
machen.
Erlauben Sie mir, daß ich Präsident Gorbatschow für
seine jüngste Verurteilung der irakischen Invasion
danke. Sollte irgenc|emand noch Zweifel gehabt haben,
so hat er bewiesen, daß die Staaten, die sich beim
Kampf gegen die Aggression im Zweiten Weltkrieg
zusammengeschlossen haben, zusammenarbeiten
können, um die Aggressoren von heute aufzuhalten.
Eine dritte Lektion wurde in den vergangenen 18
Tagen bekräftigt. Als Veteranen wird Sie der beständige Charakter des amerikanischen Willens nicht verwundern. Blicken Sie auf die Wüsten Saudi-Arabiens
und die davorliegenden Gewässer, wo mutige Amerikaner ihre Pflicht erfüllen, wie Sie dies bei Anzio,
Inchon und am Hamburger Hill taten. Denken sie an
die Männer und Frauen an Bord unserer Flugzeuge
und Schiffe, jung, allein und so weit weg von zu Hause.
Sie erfüllen uns mit Demut. Sie machen uns stolz. Und
ich grüße die besten Soldaten, Seeleute, Flieger und
Marineinfanteristen, die sich eine Nation nur wünschen kann. Darüber hinaus gelobe ich, daß wir alles
in unserer Macht Stehende tun werden, um ihnen bei
der Erfüllung ihres Auftrags zu helfen.
Das bedeutet ferner, sich der vierten Lektion bewußt
zu werden, die in den vergangenen 18 Tagen bekräftigt
wurde. Obwohl der Umfang der amerikanischen Streitkräfte in den kommenden Jahren geringer ausfallen
wird, da sich die Bedrohung unserer Sicherheit wandelt, muß die amerikanische Verteidigungsfähigkeit
um so mehr aus einer abgespeckten, starken Kampfmaschinerie bestehen. Unseren Schätzungen zufolge
können im Jahr 1995 unsere Sicherheitserfordernisse
von einer aktiven Streitmacht erfüllt werden, die 25
Prozent kleiner ist als die von heute. Das ist der
geringste Umfang seit 1950. Trotzdem müssen wir
gewährleisten, daß eine zahlenmäßige Verringerung
nicht auch eine Reduzierung der amerikanischen Stärke
bedeutet.

AMERIKA DIENST 33

�Die Operation Wüstenschild führt uns lebendig vor
Augen, daß wir uns statt der Beschäftigung mit den
Erfordernissen der Vergangenheit auf die Herausforderungen der neunziger Jahre und danach einstellen
müssen.
Indem wir sicherstellen, daß unsere Truppen einsatzbereit und gut ausgebildet sind, können wir unsere
Präsenz in wichtigen Bereichen zum Tragen bringen
und effektiv auf Krisen reagieren. Diese Einsatzbereitschaft wird in Stunden und Tagen gemessen, nicht in
Wochen und Monaten, und die Operation Wüstenschild hat bekräftigt, daß wir in der Lage sein müssen,
unsere Soldaten dorthin zu bringen, wo und wann sie
gebraucht werden. Diese Art Reaktionsfähigkeit wird
in künftigen Krisen von entscheidender Bedeutung
sein.
Unser hervorragender Vorsitzender der Vereinigten
Stabschefs, General Colin Powell, hat unlängst über
dieses Thema gesprochen, als er die besten Friedensstreitkräfte in der Geschichte der Vereinigten Staaten
würdigte. Wir werden der Truppenstärke nach kleiner
und neu strukturiert sein, aber wir werden entschlossen, stolz und effektiv bleiben. Denken Sie nur an die
letzten 18 Tage. Die Operation Wüstenschild ist ein
klassisches Beispiel für die hervorragende Qualität der
amerikanischen Streitkräfte.
Ich denke da an den Luftwaffengefreiten Wade West,
der gerade auf Heimaturlaub war, um zu heiraten. Am
7. August wurde er einberufen, und innerhalb einer
Stunde war die Trauung vorüber, und er befand sich
auf dem Weg in den Nahen Osten. Er ist heute in
Saudi-Arabien stationiert. Das ist ein Mann, der seine
Pflicht erfüllt. Mit seiner Frau, wo immer sie sein mag
- das möchte ich betonen. Ein weiteres Beispiel - vor
sieben Jahren sorgte sich Diana Kroptovich zu Hause
um ihren Mann, der zum Schutz der Marines vor der
Küste des Libanon Dienst auf der USS New Jersey tat.
Heute sind ihre Rollen umgekehrt. Nach Ableistung
seines Dienstes ist Walter heute zu Hause mit dem
6jährigen Sohn, während Diana an Bord des Zerstörers USS Yellowstone dient. Und noch ein Soldatenehepaar. Joseph Hooter, ein Fallschirmjäger der 82nd
Airborne Division dient heute in Saudi-Arabien, und
seine Frau, die Krankenschwester Dominique Allen
von der 44th Medical Brigade, wird in den nächsten
zwei Wochen ebenfalls dort stationiert werden.
Denken Sie schließlich an die Achtjährige, die, als sich
ihr Vater zum Einsatz im Mittelmeer verabschiedete,
die Wahrheit aus Kindermund aussprach: "Ich meine,
sie sollten die Väter nicht so lange fortgehen lassen,
aber sie müssen es tun, um die Welt sicher zu erhalten."
In diesen Geschichten kommt die wahre Stärke der
Vereinigten Staaten und die Quintessenz unserer Mission
zum Ausdruck. Darüber hinaus erinnern sie uns an die
fünfte und letzte Lektion, die in den vergangenen 18
Tagen bekräftigt wurde, die Notwendigkeit eines dauAMERIKA DIENST 33

erhaft starken Verteidigungsetats, um die amerikanischen Truppen zu unterstützen. Oder, um die Worte
George Washingtons bei seiner ersten Amtseinführung in Erinnerung zu rufen: "Für den Krieg bereit zu
sein, ist eines der effektivsten Mittel, um den Frieden
zu bewahren." Die Geschichte hat die Weisheit dieser
Worte bewiesen, insbesondere in diesem Jahrhundert. Die Operation Wüstenschild hat gezeigt, daß die
Vereinigten Staaten den Frieden sichern können, indem sie militärisch stark bleiben.
Ich weiß natürlich um unsere angespannte Haushaltslage. Uns stehen nur begrenzt Mittel zur Verfügung.
Wir müssen sie klug einsetzen. Das Haushaltsdefizit
stellt eine Bedrohung für unsere wichtigsten nationalen Interessen dar, und die Bedrohungen im Ausland
machen es uns nicht leichter. Es ist allgemein bekannt, daß das Defizit zu hoch ist und abgebaut
werden muß. Der Kongreß muß daher mutig und
unverzüglich handeln, wenn er aus der Sommerpause
zurückkehrt.
Aber genau das ist der Punkt. Wir dürfen das Defizit
nicht abbauen, indem wir das Herzstück unserer Streitkräfte angreifen - engagierte Soldaten, die motiviert
und einsatzbereit sind. Vergangene Woche habe ich
den Kon gre ß gebeten, zu tu n, was wir getan habe n u nd
eine Haushaltsvorlage unter Einbeziehung der Verteidigung zu erarbeiten, die sowohl unseren Bedürfnissen gerecht wird als auch verantwortungsvoll und vor
allem fair ist. Wenn sie das tun, werde ich zuhören,
aber ich werde das Vertrauen der Soldaten nicht
enttäuschen, die unser Land verteidigen. Um keine
Mißverständnisse aufkommen zu lassen - um eine
Aggression zu verhindern und Amerikas militärische
Bereitschaft zu erhalten, werde ich mich den drastischen Kürzungen im Verteidigungshaushalt widersetzen, die nicht dem gerecht werden, was die Vereinigten Staaten benötigen, um Freiheit zu gewährleisten.
Sie wissen - wie die meisten Amerikaner-, daß bei der
nationalen Verteidigung der zweite Platz auch der
letzte Platz ist. Deshalb sind sie gegen die kürzlich
vom Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses unterbreiteten Vorschläge - unannehmbare Kürzungen unseres Verteidigungshaushalts im Haushaltsjahr 1991. Darüber hinaus wissen die meisten Amerikaner, daß ein Engagement für den Frieden nicht
bedeutet, Risiken einzugehen und stimmen zu, daß
das Militär die Instrumente erhalten muß, die es zur
Ausübung seiner Arbeit braucht: PEACEKEEPER,
MIDGETMAN, den B-2-Bomber und die Strategische
Verteidigungsinitiative. Die Amerikaner wollen erfolgreiche Rüstungsverhandlungen, wissen aber, daß auch
kein START-Vertrag unserer Sicherheit dienen kann,
wenn wir einseitig abrüsten.
Wir dürfen niemals vergessen, daß unsere starke
nationale Verteidigungspolitik zur Erlangung des Friedens beigetragen hat. Wir brauchen heute eine starke
Verteidigung, um diesen Frieden zu erhalten. Und für
Seite 3

�diese Verteidigung werde ich kämpfen und benötige
dazu Ihre Hilfe. Helfen Sie mir, den Kongreß zu
überzeugen, angesichts der jüngsten Ereignisse eine
eingehende Überprüfung vorzunehmen und unseren
Verteidigungshaushalt angemessen zu finanzieren.
Ich möchte Ihnen anhand einer kleinen Geschichte
illustrieren, warum ich diese Meinung vertrete. Ich
habe mit einem der jungen Soldaten gesprochen, die
Panama befreit haben. Sie waren mit General Thurman und anderen zu einem Informationsgespräch im
Kabinettsaal eingeladen. Ich habe einen von ihnen einen Arzt - über die Operation befragt. Der Obergefreite Roderick Ringstaff sprach über den Kampf und
die Heldentaten anderer, nicht aber über seine eigenen. Neben ihm stand sein Kommandeur, der die
Schilderungen ergänzte. Dieser Arzt hatte trotz seiner
Verwundungen wiederholt andere Verletzte aus dem
Gefechtsfeuer gerettet und einen Soldaten nach dem
anderen in Sicherheit gebracht. Dafür erhielt er die
Tapferkeitsmedaille "Silver Star". Während ich zuhörte, dachte ich bei mir, ich würde niemals junge Soldaten ohne das Beste in den Kampf schicken, was ihnen
dieses Land bieten kann. Ich werde Amerikaner wie
diesen Mann niemals im Stich lassen.
Im August 1990 sind wir Zeuge von Ereignissen geworden, die als eine der wichtigsten Stationierungen
verbündeter Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg in die
Geschichte eingehen werden. Vor zwei Wochen habe
ich den vollständigen, unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait gefordert. Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits. Drittens die Sicherheit und
Stabilität in Saudi-Arabien und im Persischen Golf.
Und viertens die Sicherheit und den Schutz amerikanischer Bürger im Ausland.

Diese Zielsetzungen sind und bleiben unverändert.
Wird ihre Verwirklichung lange dauern? Natürlich, weil
es bei dieser Sache um mehr geht, als um uns selbst.
Um eine Sache, die sich wohl am besten mit den
Worten ausdrücken läßt, an die sich viele von Ihnen
erinnern werden - die Worte eines der größten Amerikaner unserer Zeit - an die verbündeten Soldaten,
Seeleute und Flieger.
"Die Augen der Welt ruhen auf Ihnen", erklärte er. "Die
Hoffnungen und Gebete der freiheitsliebenden Menschen auf der ganzen Welt begleiten Sie." Und dann
schloß er mit diesem bewegenden Gebet: "Laßt uns
den Segen des allmächtigen Gottes für dieses große
und ehrenvolle Unternehmen erbitten."
Liebe Veteranen, die meisten von Ihnen haben im
Zweiten Weltkrieg gekämpft. Viele von Ihnen dienten
unter dem Mann, der diese Worte gesprochen hat,
Dwight D. Eisenhower. Sie wissen, daß Amerika die
Hoffnung freiheitsliebender Menschen auf der ganzen
Welt bleibt. Vor fünfzig Jahren hatte die Welt Gelegenheit, einem rücksichtslosen Aggressor Einhalt zu
gebieten und hat sie verpaßt. Und ich fordere Sie auf,
diesen Fehler nicht zu wiederholen.
Zusammen können wir der Tyrannei die Stirn bieten
und denjenigen Ländern helfen, die auf unsere Führungsrolle und Vision bauen. Ich danke Ihnen für Ihre
Unterstützung und Ihre Gebete. Gott möge das Land
schützen, das wir so sehr lieben, die Vereinigten
Staaten von Amerika.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 33

�GOLFKRISE
22. August 1990

SADDAM HUSSEIN FÜR DIE SICHERHEIT DER
AUSLÄNDER VERANTWORTLICH
Rede von Botschafter Thomas Pickering
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Forderung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, alle Ausländer aus
Irak und Kuwait ausreisen zu lassen, ist "eine eindeutige und klare Botschaft an Saddam Hussein", daß "er und
sein Regime die Verantwortung für die Gesundheit und Sicherheit der Bürger aus Drittländern tragen müssen,
die jetzt in seinem Land eingeschlossen sind", erklärte US-Botschafter Thomas Pickering am 18. August 1990.
Nach der einstimmigen Verabschiedung einer Resolution, die unter anderem forderte, der Irak dürfe nichts
unternehmen, das die Gesundheit und Sicherheit ausländischer Bürger gefährdet und müsse seinen Befehl zur
Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait zurückziehen, erklärte Pickering im
Sicherheitsrat, "er (Saddam Hussein) muß gegenüber der Staatengemeinschaft und der internationalen
öffentlichen Meinung die volle Verantwortung für seine Behandlung dieser Menschen übernehmen".
Es widerspricht Botschafter Pickering zufolge "dem Völkerrecht und allen Regeln arabischer Gastfreundschaft,
Gäste als militärischen Schutzschild zu benutzen".
Pickering erklärte ferner, die Vereinigten Staaten betrachteten es als unabdingbar, daß der Rat "eindeutig und
nachdrücklich auf die von Irak in der Charta der Vereinten Nationen eingegangenen hehren Verpflichtungen
verweist, die er respektieren muß". "Jeder von uns hat das Recht und die Verpflichtung zum Schutz seiner
Bürger", so Botschafter Pickering. "Heute machen wir deutlich, daß es nicht nur unser individueller, sondern
unser kollektiver Beschluß ist, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das Leben, die Sicherheit und das
Wohlergehen unschuldiger Bürger zu schützen, die jetzt in dieser unheilvollen Verschwörung von Aggression
und Verrat gefangen sind."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Pickerings Rede im Wortlaut.
Gestern hat dieser Rat seine Furcht und Sorge über
die Situation ausländischer Bürger im Irak und in
Kuwait zum Ausdruck gebracht. In den folgenden 24
Stunden hat das irakische Regime die ernste und
einhellige Sorge des Sicherheitsrats mit neuen Aktionen und Drohungen gegen unschuldige Menschen
beantwortet. Wir sind entsetzt und abgestoßen.
Der Generalsekretär hat inzwischen reagiert. Wir
begrüßen seine Erklärung außerordentlich, bald eine
Sonderdelegation in das Gebiet entsenden zu wollen.
Nach unserer gestrigen Zusammenkunft verweigert
Bagdad Amerikanern und anderen Staatsbürgern
weiterhin den Zugang zu ihren Botschaften in Kuwait
und im Irak. Nur wenige Stunden später überschritt der
Irak den Rubikon, als der Sprecher des irakischen
Parlaments verkündete, Ausländer würden festgenommen und in Lager oder an andere Orte in der Nähe
militärischer und strategischer Einrichtungen gebracht.

Herr Präsident, als wenn das noch nicht genug wäre heute morgen haben wir gehört, daß der Irak auch
besondere Maßnahmen gegen die schwächsten und
unschuldigsten Mitglieder dieser Gruppe ausländischer
Besucher und Einwohner im Irak und in Kuwait ergreifen will. Das Regime von Saddam Hussein hat Kinder
zur Zielscheibe für besondere Lebensmittelbeschränkungen gemacht. Es hat darüber hinaus auf die
Älteren und ihre besonderen Bedürfnisse verwiesen
und eine Verweigerung von Lebensmitteln angedeutet. In der Erklärung wurden keine Unterschiede
zwischen Ausländern gemacht. Es wurde eindeutig
darauf verwiesen, daß alle Ausländer in dieser Hinsicht gleich behandelt würden.
Schließlich hat die Erklärung die wichtigste Sorge des
Sicherheitsrats völlig ignoriert, daß diejenigen Bürger,
die den Irak und Kuwait verlassen wollen, ausreisen
dürfen. Natürlich sollten diese Menschen statt des
Geredes über die Zuteilung der Lebensmittel bei

AMERIKA DIENST 33

Seite 1
•

�Sanktionen die Erlaubniserhalten, den Irakund Kuwait
unverzüglich zu verlassen, wozu sie nach dem Völkerrecht und im Einklang mit allen Regeln der Menschenwürde das Recht haben. Statt dessen müssen wir
erfahren, daß sie in die - militärisch - sensibelsten
Gebiete des Iraks und Kuwaits gebracht werden. Die
Lektion ist offensichtlich: Iraks brüske Zurückweisung
der Anliegen und Bitten des Rats ist eindeutig. Aus
diesem Grunde findet hier erneut eine Zusammenkunft statt.
Dies ist eine weitere Beleidigung und Verletzung neben denjenigen, die das irakische Regime der Staatengemeinschaft bereits zugefügt hat:
Es hat, ohne provoziert worden zu sein, ein Mitgliedsland der Vereinten Nationen angegriffen.
Es hat, im Gegensatz zu seinen eigenen Äußerungen,
das Territorium dieses Staats annektiert.
Es hat auf jede mögliche Art und Weise versucht, die
Resolution der Vereinten Nationen zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug seiner Streitkräfte
zu verhöhnen.
Es hat auf jedwede Art und Weise versucht, sich den
Sanktionen zu entziehen, die mit der Resolution 661
des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen verhängt
wurden.
Es hat auf schamlose Art und Weise versucht, im
Hinblick auf die Behandlung der Ausländer im Irak und
Kuwait das Völkerrecht und seine Bestimmungen zu
verletzen und den Befehl erteilt, Botschaften und
Konsulate in Kuwait zu schließen und die diplomatische Immunität des Personals aufzuheben.
Es hat die Verurteilungen der Staatengemeinschaft für
seine Invasion und Aggression zurückgewiesen.
Und jetzt hat es begonnen, in Kuwait unschuldige
Bürger der Vereinigten Staaten und anderer befreundeter Länder zusammenzutreiben. Es hat ferner
begonnen, die zivile Bevölkerung von Drittländern
umzusiedeln und sie dem Schutz ihrer Regierungen zu
entziehen. Das Regime plant, sie als menschlichen
Schutzschild für militärische und strategische Einrichtungen im Irak und in Kuwait zu nutzen.
Herr Präsident, jeder der hier genannten Schritte ist für
die internationale Staatengemeinschaft unannehmbar. Der kumulative Effekt ist umso weniger zu tolerieren.
Kein Land kann solche Maßnahmen gegen seine
eigenen Bürger gestatten, ohne daß es eine umfassende Reaktion darauf gäbe. Dies ist eine Vorgehensweise des Iraks, die die volle und konzertierte Solidarität aller Länder erfordert. Dieser Rat ist der Ort, an
dem diese Maßnahmen ergriffen werden können und
müssen.
In dieser Hinsicht ist die Forderung des Sicherheitsrats
Seite 2

der Vereinten Nationen, alle Ausländer aus Irak und
Kuwait ausreisen zu lassen, eine eindeutige und klare
Botschaft an Saddam Hussein. Er und sein Regime
müssen die Verantwortung für die Gesundheit und
Sicherheit der Bürger aus Drittländern tragen, die jetzt
in seinem Land eingeschlossen sind. Er muß gegenüber der Staatengemeinschaft und der internationalen
öffentlichen Meinung die volle Verantwortung für seine
Behandlung dieser Menschen übernehmen. Es widerspricht dem Völkerrecht und allen Regeln arabischer
Gastfreundschaft, Gäste als militärisches Schutzschild
zu benutzen. Sowohl die Bürger- als auch die Menschenrechte dieser Personen werden eindeutig verletzt, und unserer Ansicht nach muß sich die internationale Staatengemeinschaft mit einer Stimme, eindeutig und klar, zu diesem Problem äußern.
In dieser Krise steht die Staatengemeinschaft, wie sie
hier in diesem Rat vertreten ist, fest zu ihrem Entschluß. Jetzt ist es an der Zeit, weiterhin Entschlossenheit zu demonstrieren. Die Regierung der Vereinigten Staaten betrachtetet es als unabdingbar, daß
der Rat eindeutig und nachdrücklich auf die von Irak in
der Charta der Vereinten Nationen eingegangenen
hehren Verpflichtungen verweist, die er respektieren
muß. Wir müssen das Problem beim Namen nennen.
Wenn der Irak das Völkerrecht verletzt, unschuldige
Bürger als militärischen Schild einsetzen will und
andeutet, daß er nicht länger seine hehren Verpflichtungen nach der Charta und dem Völkerecht respektiert, müssen wir uns eindeutig, fest und mit Nachdruck
aussprechen.
Heute müssen wir noch mehr tun, da das Leben Hunderttausender von Menschen aus allen Ländern der
Welt gefährdet sind. Wir müssen jetzt etwas unternehmen, um unsere Bemühungen zur Sicherstellung ihrer
Freilassung eindeutig unter Beweis zu stellen. Die
vorliegende Resolution ist ein solides Dokument. Sie
fordert den Irak auf, diesen Menschen unverzüglich die
Ausreise zu gestatten und verurteilt eindringlich alle
irakischen Bestrebungen zur Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait, die
diese Menschen schützen könnten.
Jeder von uns hat das Recht und die Verpflichtung zum
Schutz seiner Bürger. Heute machen wir deutlich, daß
es nicht nur unser individueller, sondern unser kollektiver Beschluß ist, alles in unserer Macht Stehende zu
tun, um das Leben, die Sicherheit und das Wohlergehen unschuldiger Bürger zu schützen, die jetzt in
dieser unheilvollen Verschwörung von Aggression und
Verrat gefangen sind. Herr Präsident, meine Delegation hat hart an der vorliegenden Resolution gearbeitet, und wir werden ihre Verabschiedung und Durchführung unterstützen.
Herr Präsident, ich danke Ihnen.

*

*
AMERIKA DIENST 33

�MEINUNGSUMFRAGEN
22. August 1990

DAS MEINUNGSBILD DER AMERIKANER
Eine Übersicht zu jüngsten Umfrageergebnissen
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht zum Meinungsbild der Amerikaner bei verschiedenen Themenkomplexen, wie es sich in den Ergebnissen jüngster Meinungsumfragen darstellt. Die Daten zu den
Meinungsumfragen wurden vom Roper Center for Public Opinion an der University of Connecticut ermittelt.

Die Bewertung der Amtsführung von Präsident
Bush
Einen Monat nach dem Washingtoner Gipfeltreffen mit
Michail Gorbatschow lag die Zustimmungsquote für
Präsident Bushs Handhabung der Beziehungen zur
Sowjetunion bei 82 Prozent. Vom 6. - 8. Juli 1990
befragte die Gallup Organization landesweit einen
repräsentativen Querschnitt von 1 240 Amerikanern,
ob sie der Amtsführung von Präsident Bush bei verschiedenen Problemen ablehnend oder zustimmend
gegenüberstünden. Dabei wurden folgende Antworten gegeben:
Beziehungen mit der Sowjetunion
Zustimmung

82 %

Ablehnung

12%

Keine Meinung

6%

Zur Lage in Osteuropa

Zur Wirtschaftslage in den USA
Zustimmung

40 %

Ablehnung

53 %

Keine Meinung

7%

Zu Umweltfragen
Zustimmung

42 %

Ablehnung

46 %

Keine Meinung

12%

Zum Drogenproblem
Zustimmung

46 %

Ablehnung

48 %

Keine Meinung

6 %

Zustimmung

63 %

Ablehnung

20 %

Zustimmung zur Außenpolitik des Präsidenten

Keine Meinung

17 %

In der Gallup-Umfrage wurde ferner gefragt, ob die
Teilnehmer die Außenpolitik von Präsident Bush zustimmend oder ablehnend beurteilten. Die Antworten
lauteten:

Zustimmung

42 %

Zustimmung

62 %

Ablehnung

39 %

Ablehnung

26 %

Keine Meinung

19%

Keine Meinung

12%

Zur Lage in Mittelamerika

AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�Dieses Meinungsbild ist ziemlich identisch mit dem
einer Gallup-Umfrage vom 9.-12. November 1989:
Zustimmung

65%

Ablehnung

21 %

Keine Meinung

14%

Eine landesweite Meinungsumfrage, die etwa in der
Mitte zwischen den beiden vorgenannten Umfragen
vom 30. März bis 2. April 1990 im Auftrag der CBS
News/New York Times durchgeführt wurde, erbrachte
folgendes Ergebnis:
Zustimmung

61 %

Ablehnung

25%

Keine Meinung

14%

Rassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten
Eine Mehrheit der Befragten in derselben NBC News/
Wall Street Journal-Untersuchung waren der Ansicht,
daß die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in den Vereinigten Staaten in den vergangenen
fünf Jahren in etwa unverändert geblieben sind, es den
Schwarzen heute jedoch etwas besser ginge als vor 10
Jahren. 68 Prozent der Befragten gaben an, sie seien
für Gleichstellungsprogramme, mit denen Schwarze
bessere Arbeitsplätze erhalten würden. Bei der Charakterisierung der Beziehungen zwischen Weißen und
verschiedenen Minderheiten meinten zwei Drittel, die
Beziehungen seien sehr gut bis mittelmäßig mit Schwarzen, Hispano-Amerikanern und Amerikanern asiatischer Abstammung. Auf die Frage, ob diese Minderheiten ihrer Ansicht nach fair oder diskriminierend
behandelt würden, meinte die überwiegende Mehrheit,
die Behandlung sei fair. Es wurden folgende Antworten gegeben:
Zwischen Schwarzen und Weißen in den letzten fünf
Jahren

Südafrika
Nach dem kürzlichen Besuch des ANC-Vizepräsidenten Nelson Mandela in den Vereinigten Staaten waren
etwas weniger als die Hälfte der befragten eingetragenen Wähler der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten
an ihrer Politik der Wirtschaftssanktionen gegen die
Regierung Südafrikas festhalten sollten, während etwas
mehr als die Hälfte meinten, man solle dem ANC keine
Hilfe gewähren, da sich dieser geweigert habe, auf
Gewaltanwendung zu verzichten. Eine vom 6 . - 1 0 .
Juli 1990 von den Meinungsforschungsinstituten Hart
und Teeter im Auftrag von NBC News/Wall Street
Journal durchgeführte Telefon umfrage unter 1 555
eingetragenen Wählern erbrachte folgende Antworten:
Sanktionen

Besser

37%

Schlechter

22%

Ungefähr gleich

39%

Unentschieden

2%

Schwarze heute, verglichen mit vor 10 Jahren
Sehr viel besser

23%

Etwas besser

45%

Ungefähr gleich

19%

Etwas schlechter

8%

Fortsetzung

48%

Sehr viel schlechter

2%

Verringerung

15%

Unentschieden

3%

Beseitigung

16%

Erweiterung

5%

Unentschieden

16%

Hilfe für den ANC

Gleichstellungsprogramme für Schwarze
Dafür

68 %

Dagegen

18%

Unentschieden

14%

Dafür

32%

Dagegen

54%

Verhältnis zwischen Weißen und Schwarzen

Unentschieden

14%

Sehr gut

Seite 2

6 %

Relativ gut

30 %

Mittel

30 %
AMERIKA DIENST 33

�Nicht so gut

21 %

Behandlung der Amerikaner asiatischer Abstammung

Mäßig

10%

Besondere Vorteile

14 %

Faire Bahndlung

48 %

Diskriminiert

21 %

Unentschieden

17 %

Unentschieden

3%

Verhältnis zwischen Weißen und Hispano-Amerikanern
Sehr gut

5%

Relativ gut

25%

Mittel

35%

Nicht so gut

19%

Mäßig

7%

Unentschieden

9%

Das Ansehen führender Politiker
Teilnehmer der NBC/Wall Street Journal-Umfrage
wurden femer befragt, wie sie eine Reihe führender
Politiker bewerten würden. Zwei Drittel waren Präsident Bush und dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow gegenüber positiv eingestellt. Der Mehrheit war
der Name des Präsidenten der Russischen Republik
Boris Jeltzin unbekannt und etwas mehr als die Hälfte
waren dem ANC-Vizepräsidenten Nelson Mandela
gegenüber positiv eingestellt. Die Antworten lauteten:

Verhältnis zwischen Weißen und Amerikanern asiatischer Abstammung
George Bush
Sehr gut

8%

Relativ gut

30%

Mittel

31 %

Nicht so gut

14%

Mäßig

Sehr positiv

26%

Relativ positiv

42%

Neutral

16%

Relativ negativ

10%

7%
Sehr negativ

Unentschieden

5%

10%
Name unbekannt/
Unentschieden

1%

Behandlung der Schwarzen
Besondere Vorteile

14%

Faire Behandlung

43%

Diskriminiert

36%

Michail Gorbatschow

Unentschieden

Sehr positiv

22%

Relativ positiv

43%

Neutral

17%

7%
Relativ negativ

8%

Sehr negativ

5%

Behandlung der Hispano-Amerikaner
Besondere Vorteile

11 %

Faire Behandlung

47 %

Diskriminiert

27 %

Unentschieden

15 %

Name unbekannt/
Unentschieden

AMERIKA DIENST 33

5%

Seite 3

�Boris Jeltzin
Sehr positiv

Nelson Mandela
2%

Sehr positiv

27 %

Relativ positiv

10%

Relativ positiv

25 %

Neutral

14 %

Neutral

19%
10%

Relativ negativ

5%

Relativ negativ

Sehr negativ

3%

Sehr negativ

Name unbekannt/
Unentschieden

Seite 4

9%

Name unbekannt/
66 %

Unentschieden

10%

AMERIKA DIENST 33

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