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DEUTSCHLANDPOLITIK

18. Juli 1990

VEREINIGTE STAATEN BEGRUSSEN
NATO-MITGLIEDSCHAFT EINES
VEREINIGTEN DEUTSCHLANDS
Erklärung von Präsident Bush

EIN VEREINIGTES DEUTSCHLAND IN
DER NATO: "DER WEG ZUM ZIEL"
Erklärung von Präsident Bush

BAKER: VEREINIGTES DEUTSCHLAND IN
GREIFBARE NÄHE GERÜCKT
Erklärung des Außenministers bei
den Pariser Zwei-plus-Vier-Gesprächen

HAUSHALT

US-HAUSHALTSDEFIZIT ÜBERSTEIGT
PROGNOSEN
Weitere Kürzungen erforderlich

RÜSTUNGSKONTROLLE

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND
WELTRAUMWAFFEN: AMERIKANISCHE UND
SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
Eine Übersicht des ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHLANDPOLITIK
18. Juli 1990

VEREINIGTE STAATEN BEGRÜSSEN
NATO-MITGLIEDSCHAFT
EINES VEREINIGTEN DEUTSCHLANDS
Erklärung von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat es begrüßt, daß der sowjetische Präsident Gorbatschow das Recht
eines vereinigtes Deutschlands anerkennt, sich frei für die Mitgliedschaft in der NATO zu entscheiden und
erklärte, es "beweise staatsmännisches Verhalten und ehrliches Bemühen um den Aufbau dauerhafter
Bindungen auf partnerschaftlicher Basis."
Die Erklärung von Präsident Bush wurde am 16. Juli 1990 im Anschluß an die gemeinsame Pressekonferenz
von Gorbatschow und Bundeskanzler Kohl veröffentlicht, die auf die in Moskau verkündete Entscheidung folgte.
Im US-Außenministerium erklärte der Stellvertretende Sprecher Richard Boucher: "Wir haben immer die
Auffassung vertreten, daß Deutschland die Freiheit haben sollte, seine Bündniszugehörigkeit gemäß der
Schlußakte von Helsinki zu wählen. Unserer Meinung nach sollte ein vereinigtes Deutschland Vollmitglied der
NATO sein. Das ist auch die Haltung der Deutschen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Erklärung im Wortlaut.

Ich begrüße Präsident Gorbatschows Erklärung bei
seiner Pressekonferenz mit Bundeskanzler Kohl, derzufolge er das Recht eines vereinigten Deutschlands
anerkennt, sich frei für die Mitgliedschaft in der NATO
zu entscheiden. Diese Äußerung beweist staatsmännisches Verhalten und ehrliches Bemühen um den
Aufbau dauerhafter Bindungen auf partnerschaftlicher
Basis. Sie kann vielleicht zum Teil als Reaktion auf das
Ergebnis des NATO-Gipfels in London betrachtet
werden, wo das Bündnis seine Bereitschaft zum Ausdruck brachte, sich den neuen Realitäten in Europa
anzupassen und den früheren Gegnern im Osten die
Hand zu reichen.

Vor fünf Monaten - im Februar - haben Bundeskanzler
Kohl und ich vereinbart, daß ein vereinigtes Deutschland Vollmitglied des Nordatlantischen Bündnisses
einschließlich dessen militärischer Struktur sein soll.
Auch DDR-Ministerpräsident de Maiziere unterstützt
die gesamtdeutsche NATO-Mitgliedschaft.
Die
Schlußakte von Helsinki garantiert das Recht Deutschlands auf seine eigene Wahl, und wir sind der Meinung,
daß diese Lösung voll und ganz im Interesse aller
Länder Europas und auch der Sowjetunion liegt.

* * * * *

AMERIKA DIENST 28

Seite 1

�D E U T S C H LAN P O L I T I K
18. Juli 1990

EIN VEREINIGTES DEUTSCHLAND IN DER NATO:
"DER WEG ZUM ZIEL"
Erklärung von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush würdigte die eindeutige Geste der Freundschaft und Kooperation der
NATO gegenüber der Sowjetunion beim Londoner Gipfel und in der Erklärung vom 6. Juli 1990, die der NATOMitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands den Weg bereitet hat.
In einer Rede vor Zeitschriftenverlegern erläuterte Bush am 17. Juli eine Reihe von Schritten, die dieses Ziel in
greifbare Nähe gerückt haben. Der wichtigste Schritt, Präsident Gorbatschow von diesem Ziel zu überzeugen,
bestand darin, ihm zu beweisen, daß ein "umgewandeltes Bündnis" nicht sein Feind ist, sondern "eine
stabilisierende Kraft, die den neuen Realitäten in Europa gerecht werden kann".
Bush erklärte, daß Gorbatschow bei seiner Zustimmung zu einer deutschen NATO-Mitgliedschaft die "sehr
wichtigen Impulse" der Londoner Erklärung als Schlüssel zu der Vereinbarung bezeichnete.
Der Präsident gratulierte sowohl Gorbatschow als auch Bundeskanzler Kohl zu ihren "hervorragenden
Führungsqualitäten" bei der Erlangung des Abkommens vom 16. Juli 1990.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Erklärung im Wortlaut.

Heute morgen hatte ich längere Unterredungen von
jeweils etwa 30 bis 40 Minuten mit Bundeskanzler Kohl
und Michael Gorbatschow. Meiner Ansicht nach ist
das gestern verkündete Abkommen zwischen Gorbatschow und Kohl außerordentlich bedeutsam und sehr
wichtig, und ich möchte kurz darauf eingehen, wie wir
dies vollbracht haben - ich sage "wir", weil die Vereinigten Staaten als erste vorgeschlagen haben, der beste
Weg für Stabilisierung und Frieden sei ein vereinigtes
Deutschland als Vollmitglied der NATO.
Ich möchte Ihnen also den Weg zum Ziel darlegen.
Zunächst mu ßte sich jeder darüber im klaren sein, daß
diese Vereinigung stattfinden mußte, stattfinden würde und daß sie richtig war. Und man mu ß garnicht weit
zurückdenken, um zu vergegenwärtigen, daß einige
Diskussionen über das Tempo der Vereinigung und
darüber stattfanden, ob ein vereinigtes Deutschland
wirklich ein Faktor für den Frieden sein würde.
Im Oktobef vergangenen Jahres, vor dem Fall der
Berliner Mauer, habe ich der Presse gegenüber erklärt, wenn wir die Einheit Deutschlands unterstützten,
meinten wir das ernst und ohne Vorbehalte. Nach den
AMERIKA DIENST 28

Wahlen in der DDR im März wurde den Menschen
bewußt, daß die Wiedervereinigung noch in diesem
Jahr stattfinden könnte, und ich war der Meinung, je
eher desto besser. Und ich vertrete die Auffassung,
die Menschen in Deutschland begrüßen die Haltung
der Vereinigten Staaten.
Der zweite Schritt bestand darin, eine solide westliche
Position zu den äußeren Aspekten der deutschen
Einheit zu beziehen. Im Februar habe ich mit Bundeskanzler Kohl in Camp David ein langes Gespräch über
die Bündniszugehörigkeit eines vereinigten Deutschlands geführt, und nach diesen Gesprächen waren wir
uns einig, daß ein vereinigtes Deutschland Mitglied der
NATO und darüber hinaus voll in die militärische
Struktur integriert sein muß.
Premierministerin Thatcher und Präsident Mitterand
haben ebenso wie andere Staats- und Regierungschefs im Bündnis gedankliche Übereinstimmung zur
deutschen Einheit erzielt.
Der dritte Schritt bestand dann darin, die Sowjetunion
zu überzeugen. Präsident Gorbatschow und ich ha-

Seite 1

�ben darüber in Washington Gespräche geführt, und
am Samstag fanden eingehende Unterredungen in
Camp David statt. Und in unserer gemeinsamen
Pressekonferenz habe ich erklärt, meiner Ansicht nach
seien wir übereingekommen, Deutschland solle frei
wählen können, welchem Bündnis es angehören wolle.
Sie werden sich erinnern, daß Gorbatschow keine
Einwände erhoben hat, und wir hielten dies für ein
gutes Zeichen, da sich die Sowjets, wie Sie wissen,
gegen die gesamtdeutsche NATO-Mitgliedschaft
ausgesprochen hatten. Aber sie hatten der Idee nichts
entgegenzusetzen, daß jeder das Recht haben sollte,
zu wählen, welchem Bündnis er angehören wolle.
Darüber hinaus mußten wir ihm erklären, daß die
NATO nicht sein Feind ist, sondern eine stabilisierende
Kraft, die den neuen Realitäten in Europa gerecht
werden kann. Und deshalb war der soeben beendete
NATO-Gipfel so wichtig, bei dem all meine Kollegen
unseren Vorschlägen für das veränderte Bündnis
zustimmten.

Arbeitsgrundlage und liegen diesem Abkommen zugrunde.
Gestern hat Präsident Gorbatschow darauf verwiesen, daß es - ohne die "sehr wichtigen Impulse" der
Londoner Erklärung schwierig gewesen wäre, Fortschritte zu erzielen. Die Sowjets betrachteten die
NATO-Vereinbarung als etwas, das für sie wichtig ist
und von Seiten der NATO keine Bedrohung darstellt.
Sowohl Kohl als auch Gorbatshow haben meiner Ansicht
nach in dieser Zeit der Herausforderungen hervorragende Führungsqualitäten bewiesen. Als Politiker
habe ich Präsident Gorbatschow zu den Ergebnissen
seines Parteitages beglückwünscht. Er mag von allen
Seiten attackiert werden, aber ich bin zuversichtlich
über die Entwicklungen in diesem Land.

Natürlich weiß ich es nicht. Aber ich muß sgen, daß es
mich mit Stolz erfüllt, zu sehen, wie Europa in dieses
neue Zeitalter der Freiheit eintritt. Es ist ein Ziel, an
dessen Verwirklichung wir Amerikaner lange gearbeitet haben. Es bleiben immer noch sehr wichtige
Probleme zu lösen, aber es ist eine schwierige und
Und ich bin sehr stolz, daß meine Mitstreiter, die sehr aufregende Zeit, um Präsident der Vereinigten
höchsten außen- und sicherheitspolitischen Vertreter Staaten zu sein. Und ich denke, daß auch die Staats- Jim Baker, Brent Scowcroft - dort diese Haltung, und Regierungschefs im Bündnis so empfinden. Bei
diese Führungsrolle für die Vereinigten Staaten formu- Gorbatschow bin ich mir noch nicht so sicher. Aber ist
liert haben. Vor dem NATO-Gipfel habe ich entspre- es nicht aufregend, sich vorzustellen, wo wir noch vor
chende Papiere verteilen lassen. Diese dienten als einem Jahr waren und wo wir jetzt stehen?

* *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 28

�DEUTSCHLANDPOLITIK
18. Juli 1990

BAKER: VEREINIGTES DEUTSCHLAND
IN GREIFBARE NÄHE GERÜCKT
Erklärung des Außenministers bei den Pariser
Zwei-pl us-Vier-Gesprächen
PARIS - (AD) - Außenminister Baker zufolge sind ein vereinigtes Deutschland und ein stabiles Sicherheitsumfeld für Europa jetzt "in greifbare Nähe gerückt".
In der AbSchlußerklärung zum Zwei-plus-Vier-Ministertreffen in Paris verlieh Baker am 17. Juli 1990 seiner
Erwartung Ausdruck, daß die Vereinigten Staaten und die anderen vier Mächte beim Jahrestag des vor sechs
Monaten abgehaltenen Treffens in Ottawa, bei dem der Zwei-plus-Vier-Prozeß eingeleitet wurde, "ein vereinigtes, demokratisches und souveränes Deutschland begrüßen werden, das einen wertvollen Beitrag zur
Förderung und Erhaltung eines ungeteilten und freien Europas leistet".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenminister Baker im Wortlaut.

Vor rund sechs Monaten haben wir den Zwei-plusVier-Prozeß in die Wege geleitet. Es war ein neuer
Prozeß, den neuen Zeiten angepaßt. Unsere Zielsetzung war ehrgeizig, jedoch keineswegs zu hochgesteckt für dieses neue Zeitalter europäischer Hoffnung
und Freiheit. Unser Ziel war die Erleichterung der
friedlichen und demokratischen Vereinigung Deutschlands und die Aussöhnung Europas. Heute sind wir
diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen.
Wir halten das zur Beendigung unserer Arbeit erforderliche Tempo und verwirklichen unser Ziel - die Aufhebung der Rechte und Pflichten der vier Mächte sowie
die Gewährung der vollen Souveränität für Deutschland zum Zeitpunkt der Vereinigung im Jahr 1990. Vor
nur sechs Wochen hat Präsident Bush Präsident
Gorbatschow beim Washingtoner Gipfeltreffen neun
Punkte vorgelegt, in denen unsere feste Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht wird, die legitimen
sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Interessen
der Sowjetunion anzusprechen.
Vor zwei Wochen haben die NATO-Mitgliedstaaten in
London eine Erklärung verabschiedet, die diese Absicht in Anweisungen umsetzte - spezifische Verpflichtungen, um dem Osten zur Seite zu stehen, die Verteidigungsdoktrin und Strategien der NATO zu modifizieren, unsere Rüstungskontrollverpflichtungen zu erweitern und schrittweise neue KSZE-Institutionen für ein
AMERIKA DIENST 28

Europa aufzubauen, das sich des Friedens und der
Freiheit erfreut.
Am 16. Juli 1990 haben sich die Bundesrepublik
Deutschland und die Sowjetunion in Stawropol auf
acht Punkte geeinigt, die uns gestatten, die Rechte der
vier Mächte zum Zeitpunkt der Vereinigung aufzuheben - die volle Souveränität Deutschlands und uneingeschränkten Vorrechte gemäß der Schlußakte von
Helsinki wiederherzustellen - und damit eine solide
Grundlage für europäische Sicherheit und Stabilität zu
schaffen.
Heute kommen wir mit unserem polnischen Kollegen,
Außenminister Skubiszewski, in Anerkennung des
besonderen Interesses zusammen, das wir alle an der
Sicherstellung der Gültigkeit der polnisch-deutschen
Grenze haben. Alle stimmen darin überein, daß ein
vereinigtes Deutschland aus der Bundesrepublik, der
Deutschen Demokratischen Republik und Berlin bestehen wird - nicht mehr und nicht weniger. Nach
Gesprächen mit unserem polnischen Kollegen haben
wir uns auch nach dem Einlenken der polnischen Seite
auf eine Reihe von Prinzipien geeinigt, die uns bei der
endgültigen Beilegung der Grenzfrage leiten sollen.
Darüber hinaus haben wir natürlich die Erklärung der
deutschen Seite begrüßt, den Grenzvertrag unverzüglich nach der Vereinigung im Einklang mit den bereits
von den beiden deutschen Parlamenten eingegangeSeite 1

�nen Verpflichtungen in Angriff zu nehmen, Als nächstes werden unsere Regierungsvertreter anhand der
von ihnen erstellten Liste außenpolitischer Fragen ein
abschließendes Dokument vorbereiten.
Abschließend möchte ich die Freude der Vereinigten
Staaten darüber zum Ausdruck bringen, daß wir uns
auf dem Weg zu einem souveränen und vereinigten
Deutschland sowie einem stabilen Sicherheitsumfeld
für Europa befinden. Wir ersetzten die historischen
nationalen Interessen, die uns geteilt haben, durch

gemeinsame europäische und atlantische Interessen,
die uns vereinigen.
Das Ergebnis, auf das wir so lange hingearbeitet
haben, ist jetzt in greifbare Nähe gerückt. Beim
Jahrestag des Treffens in Ottawa werden die Vereinigten Staaten und die anderen vier Mächte erwartungsgemäß ein vereinigtes, demokratisches und souveränes Deutschland begrüßen, das einen wertvollen Beitrag
zur Förderung und Erhaltung eines ungeteilten und
freien Europas leistet.

•
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AMERIKA DIENST 28

�HAUSHALT
18. Juli 1990

US-HAUSHALTSDEFIZIT ÜBERSTEIGT PROGNOSEN
Weitere Kürzungen erforderlich

WASHINGTON - (AD) - Der Bush-Administration zufolge wird das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr
die Prognosen vom Januar noch übersteigen und so
gravierend sein, daß massive Kürzungen bei staatlichen Dienstleistungen unabdingbar sind, wenn Kongreß und Präsident sich nicht unverzüglich auf ein alternatives Maßnahmenpaket zum Abbau des Defizits
einigen können.
Ein vom Wei ßen Haus am 16. Juli 1990 veröffentlichter
Bericht geht davon aus, daß sich das Defizit für das am
30. September 1991 endende Haushaltsjahr auf 168,8
Milliarden Dollar belaufen wird, verglichen mit dem
Defizit in Höhe von 100,5 Milliarden Dollar, das vor
noch nicht ganz sechs Monaten prognostiziert worden
war.
Angesichts der im Rahmen des Gramm-RudmanGesetzes festgesetzten Obergrenze des Defizits von
64 Milliarden Dollar würde ein Fehlbetrag dieser Größenordnung automatische, prozentuale Kürzungen von
weit über 100 Milliarden Dollar bei einem breiten
Spektrum verteidigungs- und innenpolitischer Programme erforderlich machen, wenn keine andere Haushaltsvereinbarung erzielt werden kann.
Selbst diese massiven neuen Defizitprognosen berücksichtigen noch nicht die Kosten zur Bewältigung
der Sparkassenkrise - Kosten, die Schätzungen der
Administration zufolge das Defizit für 1991 auf insgesamt 231,4 Milliarden Dollar aufblähen könnten.
Direktor Richard Darman vom Haushaltsbüro des
Präsidenten erklärte Journalisten gegenüber, wenn
die Gramm-Rudman-Kürzungen verwirklicht würden,
könnten sie die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte
ernsthaft beeinträchtigen und Inlandsprogramme,
angefangen von der Flugsicherung über Essen auf
Rädern, Fleisch- und Geflügelkontrollen bis hin zu

AMERIKA DIENST 28

Aufklärungskampagnen über AIDS und Drogenbekämpfungsmaßnahmen zunichte machen.
Darman zufolge würde der Fehlbetrag in Höhe von 100
Milliarden Dollar Kürzungen von 38,4 Prozent bei
steuerpflichtigen Inlandsprogrammen und zwischen
25,1 und 41,3 Prozent bei Verteidigungsausgaben
erforderlich machen, abhängig davon, ob Militärpersonal ausgenommen ist. Sollte das Personal nicht
ausgeklammert werden, würde dies die Entlassung
von bis zu 1 Million weiblicher und männlicher
Militärangehöriger zur Folge haben - rund die Hälfte
der gesamten derzeitigen Truppen, so Darman.
Darman und andere Regierungsvertreter stellten eindeutig klar, daß der Administration zufolge die automatischen Kürzungen am 1. Oktober 1990 wirksam würden, wenn der Kongreß nicht in den derzeit stattfindenden hochrangigen Gesprächen mit der Administration
einem ihrer Ansicht nach glaubwürdigen, mehrjährigen, "wachstumsorientierten" Maßnahmenpaket zum
Abbau des Defizits zustimmt.
"Sollte ein Sequester (der Terminus technicus für die
automatischen Kürzungen) erforderlich sein, damit der
Kongreß versteht, daß das amerikanische Volk dieses
Problem gelöst haben will, dann wird dies geschehen",
erklärte Finanzminister Nicholas Brady.
Teilnehmer an den Haushaltsgesprächen zwischen
Kongreß und Administration bemerkten, sie zielten auf
ein Paket von Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen von insgesamt 50 bis 55 Milliarden Dollar ab.
Selbst das wäre weit davon entfernt, die GrammRudman-Anforderungen zu erfüllen - wenn die neuen
Regierungsprognosen sich als richtig erweisen sollten
- und legen den Schluß nahe, daß das Gesetz in jedem
Fall gelockert werden muß.

Seite 1

�Der neue Bericht trägt dieser Tatsache Rechnung und
stellt fest, "aus den hier vorgelegten Zahlen geht
hervor, daß entsprechende Anpassungen an den ...
(Gramm-Rudman) Defizitrahmen vorgenommen werden müssen, wenn ein zufriedenstellendes mehrjähriges Abkommen bei den Haushaltsgesprächen erzielt
und verwirklich wird."
Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten, Michael Boskin, brachte bei der Pressekonferenz
am 16. Juli das Argument vor, Kürzungen des Defizits
für 1991 von über 1 Prozent des Bruttosozialprodukts
(BSP) "würden unnötige Risiken für die Wirtschaft
bedeuten". Bei einem BSP - dem gesamten Ausstoß
an Waren und Dienstleistungen des Landes - das sich
auf jährlich rund 5,4 Billionen Dollar im ersten Quartal
1990 beläuft, würde dies Kürzungen in der Grö ßenordnung bedeuten, die von den Unterhändlern erörtert
wurden.
Die halbjährliche Wirtschaftsbilanz der Administration
legt darüber hinaus auch korrigierte Wirtschaftsprognosen vor, die weniger optimistisch als die vom Januar
sind.
Das Wachstum des BSP wird jetzt auf die vier Quartale
1990 bei 2,2 Prozent angesetzt, verglichen mit 2,6
Prozent in der Haushaltsvorlage vom Januar. Der
Bericht sieht jedoch eine Gesundung der Wachstumsrate vor, die sich im Kalenderjahr 1991 auf 2,9 Prozent
und in jedem der folgenden vier Jahre auf 3 Prozent
oder mehr belaufen würde.
Dem neuen Bericht zufolge liegt die Inflation der Verbraucherpreise bei 4,8 Prozent in den vier Quartalen
des Jahres 1990, eine Steigerung gegenüber den im
Januar-Haushalt geschätzen 4,1 Prozent. Die neuen
Zahlen tragen dem starken Preisauftrieb im ersten
Quartal Rechnung. Dem Bericht zufolge soll die
Inflationsrate im Jahr 1991 auf 4,2 Prozent zurückgehen und in den darauffolgenden vier Jahren weiterhin
rückläufig sein.
Die Arbeitslosenquote soll sich im vierten Quartal 1990
und 1991 bei konstant 5,6 Prozent einpendeln und bis
1995 auf 5,2 Prozent sinken.
*

Seite 2

*

Die neuen Wirtschaftsprognosen sind nunmehr fester
Bestandteil bei der Erarbeitung der Haushaltsvorlage
und werden auch in allen künftigen Defizitberechnungen nach dem Gramm-Rudman-Gesetz Anwendung
finden.
Unmittelbar nach Freigabe des Berichts veröffentlichte Präsident Bush eine Erklärung, in der er warnte, die
künftigen automatischen Kürzungen würden "nahezu
alle Bereiche der Bundesregierung betreffen".
Bush erklärte, die neuen Schätzungen machten es
"umso wichtiger, daß die Haushaltsgespräche bald zu
einem Ergebnis kommen - und der Kongreß vernünftige Beschlüsse zum Defizitabbau faßt."
Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Senat, James Sasser, erklärte, Präsident Bush müsse
den nächsten Schritt tun. "Meiner Ansicht nach ist es
klar, daß der Präsident ein Paket auf den Tisch legen"
und dann das Problem und seine Lösungsvorschläge
in einer Femsehansprache darlegen muß, stellte Sasser
vor Journalisten fest.
Er bedauerte, "daß die Haushaltsgespräche jetzt, offen gesagt, an einem toten Punkt angelangt sind" und
erklärte ferner, das würde voraussichtlich so bleiben,
wenn der Präsident nicht die Initiative ergreift.
Die Prognosen über das Defizit der neuen Regierung
entsprechen der letzten Schätzung des unabhängigen
Haushaltsbüros im Kongreß. Das Büro bezifferte den
Fehlbetrag im Haushaltsjahr 1991 auf 162 Milliarden
Dollar ohne die Kosten für das Sparkassensanierungsprogramm und auf 232 Milliarden Dollar, wenn diese
einbezogen werden.
In dem neuen Bericht wird das Defizit für das laufende
Haushaltsjahr 1990 - ohne die Stützungskosten für das
Sparkassenprogramm - auf 161,3 Milliarden Dollar
geschätzt. Bei der Verabschiedung des Haushalts für
1990 haben der Kongreß und der Präsident erklärt, er
würde die mit dem Gramm-Rudman-Gesetz fürdieses
Jahr geforderte Obergrenze von 100 Milliarden Dollar
nicht überschreiten.

*

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AMERIKA DIENST 28

�RÜSTUNGSKONTROLLE
18. Juli 1990

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND
WELTRAUMWAFFEN:
AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
- Eine Übersicht des ACDA Die folgende Übersicht wurde am 3. Juli 1990 vom Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.

START - Gespräche über die Begrenzung strategischer Rüstungen
Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Stufenweise Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf gleiche Niveaus, die vom Zeitpunkt des
Inkrafttretens dieses Vertrags über sieben Jahre hinweg in drei Phasen durchgeführt werden muß. Insbesondere müssen am Ende jeder Phase gleiche Zwischenobergrenzen für bestimmte Kategorien strategischer Offensivwaffen erzielt werden.
Sowjetunion
Die Haltung der Sowjetunion ist mit der amerikanischen Haltung identisch.

führung eines kooperativen Übergangs zu größerem
Vertrauen auf strategische Verteidigung oder bestimmte Erprobungen der Raketenabwehr im Weltraum den
Rückzug der Sowjets vom ABM-Vertrag rechtfertigen
würde.
Sowjetunion
Der Abschluß des START-Vertrags ist nicht abhängig
von einer Einigung über Weltraumverteidigung. Die
Sowjets stehen jedoch auf dem Standpunkt, daß sie
das Recht zur Kündigung eines START-Vertrags
besitzen, wenn sie zu dem Schluß kommen sollten,
daß die Vereinigten Staaten den ABM-Vertrag verletzen, wie er von den Sowjets interpretiert wird.
Vereinigte Staaten

Der Vertrag wird 15 Jahre gültig sein, wenn er nicht
durch ein Folgeabkommen außer Kraft gesetzt wird.
Vorbehaltlich des Einverständnisses beider Seiten kann
der Vertrag für weitere Fünfjahreszeiträume verlängert werden, wenn nichts anderes vereinbart wird.

Es können keine weiteren Rüstungskontrollverträge
mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange
diese nicht die Verletzung des ABM-Vertrags durch
das Radar von Krasnojarsk in einer verifizierbaren
Weise einstellt, die amerikanischen Kriterien entspricht.
Die Vereinigten Staaten haben sich befriedigt über die
Ankündigung der Sowjets geäußert, das Radar von
Krasnojarsk vollständig zu beseitigen.

Sowjetunion

Sowjetunion

Die Haltung der Sowjetunion ist mit der amerikanischen Haltung identisch.

Die Sowjets haben sich bereiterklärt, das Radar von
Krasnojarsk vollständig abzubauen.

Vereinigte Staaten

Vereinigte Staaten

Der Abschluß des START-Vertrags ist nicht abhängig
von einer Einigung über Weltraumverteidigung. Die
Vereinigten Staaten akzeptieren nicht, daß die Durch-

Keine Seite wird die Bestimmungen eines Start-Vertrags durch den Transfer von strategischen Waffen in
Drittländer unterlaufen, mit der Ausnahme, daß beste-

Vereinigte Staaten

AMERIKA DIENST 28

Seite 1

�hende Kooperationen in diesem Bereich davon nicht
betroffen sein sollen.
Sowjetunion
Es bestehen noch Meinungsverschiedenheiten über
den Umfang der Kooperationen.
Trägersysteme
Vereinigte Staaten

Sowjetunion
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren ICBMs. Produktion, Flugerprobung
und Stationierung neuer Typen schwerer ICBMs verboten. Entwicklung, Erprobung oder Modernisierung
neuer Typen schwerer ICBMs gestattet, schwere SLBMs
und ihre Abschußvorrichtungen verboten.
Wurfgewichte

Eine Obergrenze von 1 600 strategischen Trägersystemen (SNDVs) in Form von stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs) und deren Abschuß Vorrichtungen, stationierten U-Boot-gestützten ballistischen
Raketen (SLBMs) und deren Abschußvorrichtungen
sowie schweren Bombern.

Vereinigte Staaten

Sowjetunion

Sowjetunion

Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.

Im Prinzip identisch mit der US-Position. Es bestehen
jedoch weiterhin Meinungsverschiedenheiten über die
Bestimmung der anzurechnenden Wurfgewichte. Die
Reduzierung soll auf der Basis des bei Unterzeichnung
des Vertrags bestehenden Niveaus der Wurfgewichte
stattfinden.

Gefechtsköpfe
Vereinigte Staaten
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich
der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs und SLBMs
sowie atomar bestückter ALCMs (luftgestützter Marschflugkörper) großer Reichweite; jeder nur mit atomaren
Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite
(SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber zählt als ein
Gefechtskopf.
Sowjetunion
Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen
Vereinigte Staaten
Untergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und 3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf
ICBMs. Untergrenzen von 1 100 Gefechtsköpfen auf
mobilen ICBMs.
Sowjetunion
Untergrenze von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen. Im Falle einer Untergrenze von 3 300
Gefechtsköpfen auf ICBMs muß eine ebensolche
Untergrenze von 3 300 Gefechtsköpfen für SLBMs
gelten. Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf
mobilen ICBMs.
Schwere ICBMs

Die Wurfgewichte der sowjetischen ICBMs und SLBMs
zusammengenommen werden um 50 Prozent des am
31. Dezember 1986 bestehenden Wurfgewichts reduziert. Während der Laufzeit des Vertrags wird keine
Seite dieses Niveau überschreiten.

Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
Vereinigte Staaten
Jeder Gefechtskopf auf ballistischen Raketen zählt als
ein Gefechtskopf unter der Obergrenze von 6 000.
Verbot der Flugerprobung und Stationierung bestehender Typen von ICBMs oder SLCMs, deren Zahl an
Wiedereintrittsflugkörpern die in der Washingtoner
Gipfelerklärung vom Dezember 1987 festgelegte Zahl
überschreitet. Für die bestehenden Typen wird eine
Quote von Vor-Ort-Inspektionen festgesetzt, um zu
verifizieren, daß die beim Washingtoner Gipfel 1987
für stationierte Raketen deklarierte und vereinbarte
Zahl von Gefechtsköpfen nicht überschritten wird.
Sowjetunion
Identisch mit der US-Position.
Vereinigte Staaten
Verbot neuer Typen von ICBMs und SLCMs mit mehr
als 10 Gefechtsköpfen.
Vereinigte Staaten
Die Zählweisen und Verfahren für künftige Typen und
die Entmunitionierung von Gefechtsköpfen bestehender Typen müssen noch vereinbart werden.

Vereinigte Staaten
Mobile ICBMs
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot von
Produktion, Flugerprobung oder Stationierung neuer
Typen schwerer ICBMs. Schwere SLBMs und ihre
Abschußvorrichtungen sind verboten.
Seite 2

Vereinigte Staaten
Begrenzung auf 1 100 mobile ICBM-Gefechtsköpfe.
Die Unterhändler müssen wirksame Verifizierungsme-

AMERIKA DIENST 28

�thoden ausarbeiten, (siehe Verifizierung der Einhaltung). Mobile Abschußvorrichtungen schwerer ICBMs
verboten.

ALCMs

Sowjetunion

Nichtstationierte Raketen

Der Vertrag wird atomare luftgestützte Marschflugkörper (ALCMs) mit einer Reichweite über 600 Kilometer
begrenzen. Es gelten keine Einschränkungen für
neue, konventionell bestückte ALCMs, einschließlich
des amerikanischen ALCM vom Typ Tacit Rainbow,
die sich von atomar bestückten ALCMs unterscheiden.

Vereinigte Staaten

Sowjetunion

Zahlenmäßige Begrenzungen (die genauen Obergrenzen müssen noch ausgehandelt werden) werden bei
nichtstationierten ballistischen Raketen und den zugehörigen Getechtsköpfen für alle Typen von ICBMs, die
bereits von mobilen Abschußrampen aus im Flug
erprobt wurden, festgelegt. Für andere nichtstationierte ballistische Raketen werden keine zahlenmäßigen
Begrenzungen eingeführt, aber Stationierungsorte und
Verlegung werden Beschränkungen unterworfen. Beide
Seiten haben ferner vereinbart, daß es keinerlei Beschränkungen für nichtstationierte Marschflugkörper
und nichtstationierte Waffen auf schweren Bombern
geben wird. Das schnelle Nachladen von ICBMAbschußvorrichtungen ist verboten.

Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten

Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.
Einige Einzelheiten müssen noch gelöst werden.

Vereinigte Staaten

Vereinigte Staaten

Sowjetunion

Zum Zweck der Anrechung auf die Obergrenze von
6 000 Gefechtsköpfen werden die Gefechtsköpfe den
schweren Bombern wie folgt zugeschrieben: mit der
im folgenden beschriebenen Ausnahme wird jeder
bestehende und zukünftige für ALCMs ausgerüstete
schwere und US-Bomber wie 10 Gefechtsköpfe zählen und darf mit höchstens 20 ALCMs bestückt sein.
Mit der im folgenden beschriebenen Ausnahme wird
jeder bestehende und künftige sowjetische schwere
und für ALCMs ausgerüstete Bomber wie 8 Gefechtsköpfe zählen und darf nicht mehr als 12 ALCMs
transportieren.

Identisch mit der amerikanischen Haltung.

Vereinigte Staaten

Schwere Bomber

Die Vereinigten Staaten können die oben genannte
Zählweise auf bis zu 150 für ALCMs ausgerüstete
schwere Bomber anwenden, und die Sowjets können
die oben genannte Zählregel auf bis zu 210 sowjetische für ALCMs ausgerüstete schwere Bomber anwenden.

Vereinigte Staaten
Jeder schwere Bomber zählt als ein strategisches
Trägersystem (SNDV). Jeder nur für Freifallbomben
und Angriffsraketen kurzer Reichweite ausgerüstete
schwere Bomber würde im Rahmen der Obergrenze
von 6 000 als ein Gefechtskopf zählen. Eine vereinbarte Zahl von schweren Bombern könnte durch
Umrüstung zu rein konventionellen Systemen von der
SND V-Obergrenze von 1 600 ausgenommen werden.
Für atomare ALCMs längerer Reichweite ausgerüstete schwere Bomber werden von anderen schweren
Bombern zu unterscheiden sein.

Vereinigte Staaten
Für alle für ALCMs ausgerüstete schwere Bomber
über den angegebenen Grenzen ist die Zahl der zulässigen Gefechtsköpfe gleich der Zahl der ALCMs, für
die die Bomber ausgerüstet sind. Atomare ALCMs mit
Mehrfachgefechtsköpfen längerer Reichweite sind
verboten.

Sowjetunion

SLCMs

Identisch mit der US-Position.

Vereinigte Staaten

Vereinigte Staaten

Seegestützte, nuklear bewaffnete Marschflugkörper
(SLCMs) werden im START-Vertrag nicht begrenzt.
Jede Seite wird der anderen eine politisch bindende
Erklärung über atomare SLCMs abgeben. In jährlichen Erklärungen wird die Höchstzahl der stationierten
nuklear bewaffneten SLCMs für jedes der folgenden
fünf Vertragsjahre festgelegt, vorausgesetzt, die Anzahl ist nicht höher als 880. Über nuklear bewaffnete
SLCMs mit einer Reichweite von 300 bis 600 Kilometern wird ein jährlicher vertraulicher Datenaustausch

Die Sowjets sollten eine politisch bindende Erklärung
über Anzahl und Fähigkeiten ihrer Bomber des Typs
Tupolev 22-M (Backfire) abgeben.
Sowjetunion
Die Sowjets haben der Haltung der Vereinigten Staaten nicht zugetimmt, weil sie behaupten, beim Backfire
handele es sich nicht um einen strategischen Bomber.

AMERIKA DIENST 28

Seite 3

�stattfinden. Beide Seiten werden keine atomaren
SLCMs mit Mehrfachgefechtsköpfen produzieren oder
stationieren.
Sowjetunion
Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.
Vereinigte Staaten
Die Vertragspartner werden beiderseits akzeptable
und effektive Methoden zur Verifizierung nuklear
bewaffneter SLCMs anstreben, dennoch haben die
Vereinigten Staaten darauf verwiesen, daß sie noch
keine effektive Verifizierungsmaßnahme für SLCMs
gefunden haben.

Vereinigte Staaten
Weiterhin wurde vereinbart: die Verbesserung der
Verifizierung mobiler ICBMs, Regeln über die Art und
Weise der Stationierung mobiler ICBM-Abschußvorrichtungen und ihrer Raketen und angemessene
Beschränkungen von deren Bewegungen. Die Anzahl
der nichtstationierten ICBMs für mobile Abschußvorrichtungen und die Zahl der nichtstationierten Abschußvorrichtungen wird begrenzt sein. Mobile ICBMs
und ihre Abschuß Vorrichtungen müssen identifiziert
werden ("Tagging").
Sowjetunion

Sowjetunion

Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staten, mit
der Ausnahme, daß mobile Abschußvorrichtungen
nicht der Identifizierung durch "Tagging" unterliegen.

Die Vertragspartner werden sich um beiderseits akzeptable und effektive Methoden zur Verifizierung
nuklear bewaffneter SLCMs bemühen.

Vereinigte Staaten

Verifizierung der Einhaltung
Vereinigte Staaten
Folgende Bestimmungen wurden vereinbart: vor
Vertragsunterzeichnung ein Datenaustausch über
Anzahl, Stationierungsort und technische Merkmale
strategischer Offensivwaffen, mit regelmäßig auf den
neuesten Stand gebrachten Versionen während der
Dauer des Vertrags, zwölf Arten von Vor-Ort-Inspektionen, einschließlich der Inspektionen zur Verifizierung von Daten und Beobachtung der Zerstörung von
Waffen und ihrer Produktionsanlagen, kurzfristig anberaumte Inspektionen von Standorten, an denen
strategische Offensivwaffen vermutet werden, Inspektionen an mutmaßlichen Standorten, Inspektionen zur
Verifizierung der Anzahl von Gefechtsköpfen auf stationierten ballistischen Raketen und verschiedene
Vorführungen, kontinuierliche Überwachung von Produktionsstätten für mobile ICBMs.

Viele Einzelheiten müssen noch gelöst werden, insbesondere im Bereich der Verifizierung mobiler ICBMs.
Sowjetunion
Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß
beide Seiten eine Beschleunigung ihrer Bestrebungen
vereinbaren und sobald wie möglich mit der Durchführung von Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilisierung beginnen, um praktische Erfahrung zu sammeln
und Fragen der Verifizierung schneller zu lösen. Zu
den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen: die Aufnahme von Vor-Ort-Inspektionen im Umkreis und an
den Zugängen zu bestimmten Raketenproduktionsstätten, Datenaustausch über die strategischen Nuklearstreitkräfte beider Seiten und Erörterung des
Problems von SLBMs mit kurzer Flugzeit.
Sowjetunion

Sowjetunion
Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.
Vereinigte Staaten
Weitere vereinbarte Bestimmungen: gemeinsame
Maßnahmen zur Verbesserung der Effektivität Nationaler Technischer Mittel (NTM) der Verifizierung und
ein Verbot von deren Behinderung, Übereinstimmung
über die Veröffentlichung aller telemetrischen Informationen von Testflügen der ICBMs und SLCMs und ein
Verbot aller Praktiken, die den ungehinderten Zugang
zu allen telemetrischen Informationen verwehren. Hierzu
gibt es streng definierte Ausnahmen.
Sowjetunion
Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.

Seite 4

Die Sowjets haben das Prinzip von Maßnahmen zur
Verifizierung und Stabilität akzeptiert, einige eigene
Vorschläge unterbreitet und die amerikanischen Vorschläge in Genf eingehend erörtert.
Vereinigte Staaten
Mit den Sowjets wurde Einigung über folgende Maßnahmen erzielt:
1.

Vorankündigung einer wichtigen Übung mit
schweren Bombern pro Kalenderjahr.

2.

Vorführung eines schweren Bombertyps auf
jeder Seite, um Verifizierungsverfahren zur Unterscheidung der mit ALCMs bestückten schweren Bomber von nicht mit ALCMs bestückten
schweren Bombern zu demonstrieren. (Die
Vorführung des sowjetischen schweren Bom-

AMERIKA DIENST 28

�bers Tupolev 95 hat am 18. April 1990 stattgefunden, die Vorführung des amerikanischen
schweren B-1 Bombers am 11. Mai 1990).
3.

Demonstration der von jeder Seite vorgeschlagenen Verfahren zur Vor-Ort- Inspektion von
Wiedereintrittsflugkörpern der ballistischen
Raketen jeder Seite. (Die Vorführung der USICBM Peacekeeper fand vom 25. bis 26. April
1990 statt, die Vorführung der sowjetischen SS18. am 11. Mai 1990, die Vorführung der USSLBM vom 29. bis 30. Mai 1990, die Vorführung
der sowjetischen SLBM am 12. Juni 1990.)

Beide Seiten haben ferner Informationen über Techniken zur Identifizierung von Raketen ("Tagging") ausgetauscht. Beide Seiten sind sich über wichtige Elemente eines Regimes einig, mit dem die Nichtverweigerung telemethscher Daten während der Flugerprobung von START erfaßter ballistischer Raketen sichergestellt wird. Diese Verfügungen werden in den
START-Vertrag aufgenommen, aber durch einen Briefwechsel bereits bei der Unterzeichnung des Vertrags
in Kraft gesetzt.
Sowjetunion
Mit den Vereinigten Staaten wurde Einigung über
folgende Maßnahmen erzielt:
1.

Vorankündigung einer wichtigen Übung mit
schweren Bombern pro Kalenderjahr.

2.

Vorführung eines schweren Bombertyps auf
jeder Seite, um Verifizierungsverfahren zur Unterscheidung der mit ALCMs bestückten schweren Bomber von nicht mit ALCMs bestückten
schweren Bombern zu demonstrieren. Die
Vorführung des sowjetischen schweren Bombers Tupolev-95 fand am 18. April 1990 statt,
Vorführung des schweren US B-1 Bombers am
11. Mai 1990).

3.

Demonstration der von jeder Seite vorgeschlagenen Verfahren zur Vor-Ort-Inspektion von
Wiedereintrittsflugkörpern der ballistischen
Raketen jeder Seite. (Vorführung der US-ICBM
Peacekeeper fand vom 25. bis 26. April 1990
statt, die Vorführung der sowjetischen SS-18
am 11. Mai 1990, die Vorführung der US-SLCM
vom 29. bis 30. Mai 1990, die Vorführung der
sowjetischen SLBM am 12. Juni 1990).

Beide Seiten haben ferner Informationen über Techniken zur Identifizierung von Raketen ("Tagging") ausgetauscht. Beide Seiten sind sich über wichtige Elemente eines Regimes einig, mit dem die Nichtverweigerung telemetrischer Daten während der Flugerprobung von START erfaßter ballistischer Raketen sichergestellt wird. Diese Verfügungen werden in den
START-Vertrag aufgenommen, aber durch einen Brief-

AMERIKA DIENST 28

wechsel bereits bei der Unterzeichnung des Vertrags
in Kraft gesetzt.
Verteidigung im Weltraum
Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten streben einen erleichterten
gemeinsamen Übergang zu einem stabilisierenden
Gleichgewicht bei den offensiven und defensiven Streitkräften an, wenn sich eine effektive Verteidigung gegen
strategische ballistische Raketen als durchführbar
erweist. Die Vereinigten Staaten wollen sich darüber
hinaus die Option erhalten, in angemessenem Tempo
und auf kooperative Art und Weise moderne Verteidigungssysteme zu entwickeln und zu stationieren, wenn
diese einsatzbereit sind. Fragen der Verteidigung im
Weltraum sollten in einem neuen Vertrag behandelt
werden, der auf der Sprachregelung der Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington 1987 aufbaut
sowie diese erläutert und das Ergebnis des Außenministertreffens in Wyoming bekräftigt, um die unmißverständliche Bedeutung von Verpflichtungen zu gewährleisten, die in künftigen Verträgen eingegangen werden.
Sowjetunion
Fragen der Verteidigung im Weltraum sollten jetzt in
Form eines Protokolls zum ABM-Vertrag und nicht in
einem neuen Vertrag über Verteidigung im Weltraum
abgehandelt werden. Die Sowjets haben ein Protokoll
vorgeschlagen, das vom ABM-Vertrag erlaubte und
verbotene Maßnahmen beinhaltet. Ferner haben sie
Maßnahmen zur Berechenbarkeit als integralen Bestandteil des ABM-Vertrags vorgeschlagen, um Vertrauen zu bilden und die Einhaltung des ABM-Vertrags
sicherzustellen. Fragen, über die beide Seiten bis zum
Abschluß des START-Abkommens keine Einigung
erzielt haben, sollen in Gesprächen über strategische
Stabilität nach dem START-Vertrag behandelt werden.
Vereinigte Staaten
Mit der Sowjetunion können keine weiteren Verträge
über strategische Rüstungskontrolle geschlossen
werden, wenn sie nicht ihre Verletzung des ABMVertrags durch das Radar von Krasnojarsk auf verifizierbare Art und Weise und nach amerikanischen
Kriterien korrigiert. Die Vereinigten Staaten haben
sich befriedigt über die Ankündigung der Sowjets
geäußert, das Radar von Krasnojarsk vollständig
abzubauen.
Sowjetunion
Die Sowjets haben erklärt, daß sie das Radar von
Krasnojarsk vollständig beseitigen werden.

Seite 5

�Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag
Vereinigte Staaten
Beide Seiten haben vereinbart, den Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.
Sowjetunion
Beide Seiten haben vereinbart, den Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.
Aktivitäten gemäß ABM-Vertrag
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben Initiativen vorgeschlagen, um die Bedeutung der Sprachregelung "erforderliche Forschung, Entwicklung und Erprobung wie im
ABM-Vertrag gestattet" klären zu helfen.

Vereinigte Staaten
Die Benachrichtigung über die Erprobung von ABMTest-Satelliten würde im Protokoll über die Berechenbarkeit (siehe unten) Eingang finden.
Sowjetunion
Die Sowjets haben die Aufnahme intensiver Gespräche über die strategische Stabilität nach Abschluß
eines START-Vertrags vorgeschlagen.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben darüber hinaus vorgeschlagen, daß jede Partei uneingeschränkt weltraumgestützte ABM-Radars oder andere Sensoren entwickeln, erproben oder stationieren darf. Dieser Vorschlag dient dem Ziel, künftige Definitions- und Verifizierungsprobleme auszuschließen und die Entwicklung stabilisierender weltraumgestützter Sensoren zu
fördern.

Sowjetunion

Vertragsdauer/Koppelung

Die Sowjets streben Übereinstimmung zu nach dem
ABM-Vertrag erlaubten und verbotenen Aktivitäten in
Form eines Zusatzprotokolls zum ABM-Vertrag an.
Die Sowjets würden Aktivitäten auf eine Interpretation
des ABM-Vertrags begrenzen, die restriktiver ist als
beide Parteien dies 1972 vereinbart haben und möglicherweise noch restriktiver als die "enge Interpretation".

Vereinigte Staaten

Vereinigte Staaten
Um zu demonstrieren, daß die amerikanische Erprobung weltraumgestützter Komponenten von ABMSystemen, die auf "anderen physikalischen Prinzipien" beruhen und die Fähigkeit haben, eine ABMAbfangrakete zu ersetzen - was nach dem ABMVertrag erlaubt ist - nicht mit der Stationierung solcher
Komponenten gleichzusetzen ist, sind die Vereinigten
Staaten bereit, diese erlaubte Erprobung nur von
bestimmten ABM-Test-Satelliten aus durchzuführen.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die
Anzahl der gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten dieses Typs nicht die Zahl überschreiten soll, bei der man gemeinhin bereits von einer
stationierten Fähigkeit ausgehen würde. Den Vereinigten Staaten zufolge liegt die Zahl 15 weit unter
dieser Grenze.
Sowjetunion
Die Sowjets haben die Initiative der Vereinigten Staaten zur Erprobung im Weltraum (ABM-Test-Satelliten)
und auch den Vorschlag über weltraumgestützte ABMRadars oder andere Sensoren zurückgewiesen und
geltend gemacht, sie liefen dem ABM-Vertrag und der
Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington von
1987 zuwider.

Seite 6

Ein Abkommen über Verteidigung im Weltraum wäre
unbefristet. Der ABM-Vertrag wird eingehalten, bis
eine Partei das Recht zur Stationierung ausübt (siehe
unten, Übergang zu Verteidigungssystemen).
Sowjetunion
Die Sowjetunion hat eingewilligt, daß der Abschluß
eines START-Vertrags nicht von einer Einigung über
Fragen der Weltraum Verteidigung abhängt. Die Sowjets nehmen jedoch weiterhin das Recht für sich in
Anspruch, den START-Vertrag zu kündigen, wenn sie
zu dem Schluß kommen sollten, daß die Vereinigten
Staaten den ABM-Vertrag, wie die UdSSR ihn definiert, verletzt haben.
Vereinigte Staaten
Ein Vertrag über Verteidigung im Weltraum mu ß unabhängig sein. Der Abschlu ß eines START-Vertrags und
die Einhaltung des Vertrags sollte nicht an die Lösung
von Problemen der Verteidigung im Weltraum gekoppelt sein. Die Vereinigten Staaten weisen sowjetische
Vorschläge als ungerechtfertigt zurück, mit denen sie
das Recht für sich in Anspruch nehmen, den STARTVertrag zu kündigen, falls sie zu dem Schluß gelangen
sollten, die Vereinigten Staaten hätten den ABMVertrag, wie die UdSSR ihn interpretiert, verletzt.
Übergang zu Verteidigungssystemen
Vereinigte Staaten
Der ABM-Vertrag würde auch einem Vertrag über
Verteidigung im Weltraum zufolge in Kraft bleiben.
Jeder Seite wäre es jedoch gestattet, ihre Absicht zu
bekunden, Verteidigungssysteme gegen strategische

AMERIKA DIENST 28

�ballistische Raketen über die Begrenzungen des ABMVertrags hinaus zu stationieren. Nach einer solchen
Ankündigung würde die initiierende Seite spezielle
Maßnahmen für einen kooperativen Übergang zu einem
strategischen Regime vorschlagen, das Verteidigungssysteme zusätzlich zu den vom ABM-Vertrag gestatteten vorsieht. Beide Seiten würden dann intensive
Gespräche über diese speziellen Maßnahmen und die
strategische Stabilität aufnehmen. Nach Ablauf von
drei Jahren und danach könnte jede Seite nach einer
sechsmonatiger Vorankündigung Verteidigungssysteme gegen strategische ballistische Raketen stationieren, falls nicht in der Zwischenzeit eine andere Vereinbarung getroffen wird.
Sowjetunion
Die Sowjetunion lehnt einen Übergang zu Verteidigungssystemen ab, die über die vom ABM-Vertrag
erlaubten hinausgehen.
Sowjetunion
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität
werden nach Abschluß eines START-Vertrags aufgenommen. Die Sowjets schlagen vor, daß diese Gespräche sich mit den "Problemen der ABM-Verteidigung (beschäftigen) und dabei die neue Situation
berücksichtigen, die sich aus Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen ergibt". Wenn keine anderslautenden Vereinbarungen getroffen werden, wird nach
diesen Gesprächen jede Seite für sich über ihr weiteres Vorgehen in bezug auf den ABM-Vertrag und den
START-Vertrag bestimmen, wenn sie dabei die entsprechenden Modalitäten dieser Verträge einhält. Die
Sowjets vertreten die Auffassung, daß beim Washingtoner Gipfel von 1987 kein "Stationierungsrecht" vereinbart wurde, jedoch die im ABM-Vertrag enthaltenen
Rechte das Vorgehen beider Seiten bestimmen.
Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten
Die Beteiligten werden Möglichkeiten erörtern, um die
Berechenbarkeit bei der Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen
Bereich zur Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges zu gewährleisten. Als vertrauensbildende
Maßnahmen und um für die strategischen Verteidigungsprogramme der jeweils anderen Seite Berechenbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen, haben
die Vereinigten Staaten die folgenden Maßnahmen
vorgeschlagen, die auf der Grundlage von Gegenseitigkeit, Vergleichbarkeit und Freiwilligkeit verwirklicht
werden sollen: jährlicher Austausch programmatischer Daten und Expertentreffen, Informationsgespräche, Besuche von Labors, Benachrichtigung über die
Erprobung von ABM-Satelliten und Beobachtung von
Versuchen. Die Vereinigten Staaten lehnen die An-

AMERIKA DIENST 28

wendung von Maßnahmen zur Berechenbarkeit für
Zwecke der Einhaltung des ABM-Vertrags ab. Solche
Maßnahmen sollten dazu dienen, die Transparenz zu
verbessern und Vertrauen zu bilden. Dadurch könnten
technologische Überraschungen vermieden werden.
Sowjetunion
Die Beteiligten sollen Möglichkeiten erörtern, um Berechenbarkeit bei der Entwicklung des amerikanischsowjetischen Verhältnisses im strategischen Bereich
zu gewährleisten und damit das Risiko eines Atomkrieges zu vermindern. Die Sowjets haben einige der
amerikanischen Konzepte für vertrauensbildende
Maßnahmen akzeptiert, darunter Datenaustausch,
Expertentreffen, Besuche in Labors und Beobachtung
von Versuchen. (Die Sowjets haben dem amerikanischen Vorschlag nicht zugestimmt, wonach jährlicher
Datenaustausch Forschungsmaßnahmen umfassen
soll, die durch Nationale Technische Mittel nicht erfaßt
werden können.) Die Sowjets betrachten diese Maßnahmen zur Berechenbarkeit jedoch als Mittel, um die
Einhaltung des ABM-Vertrags zu verifizieren. Darüber
hinaus haben die Sowjets einen freiwilligen Informationsaustausch vorgeschlagen, um Zweifelsfälle im
Hinblick auf den ABM-Vertrag zu klären, der parallel
zur dem für die Lösung von Fragen der Vertragseinhaltung vorgesehenen Mechanismus - dem Ständigen
Konsultativausschuß - stattfinden soll.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben ein unabhängiges
Durchführungsabkommen, das nicht an den ABMVertrag gekoppelt ist, über Maßnahmen der Berechenbarkeit im Bereich der Verteidigung gegen ballistische Raketen verabschiedet. Der Vorschlag, der Vertrauen schaffen soll, würde einen Datenaustausch umfassen, ferner Expertentreffen, Informationsgespräche, Besuche von Labors, Beobachtungen von Tests
und Benachrichtigung über ABM-Test-Satelliten.
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten ein auf
Gegenseitigkeit beruhendes Pilotprogramm zur Verwirklichung dieser von amerikanischer Seite unterbreiteten Maßnahmen zur Berechenbarkeit vorgeschlagen. Im Rahmen dessen müßte jede Seite ein bestimmtes Projekt aus dem Bereich der Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen auswählen und
die obengenannten Maßnahmen zur Berechenbarkeit
bei diesem Projekt ein Jahr lang durchführen.
Vereinigte Staaten
Im Dezember 1989 besuchten sowjetische Regierungsexperten auf Einladung der Vereinigten Staaten
zwei amerikanische Einrichtungen, die Forschungsarbeiten über Verteidigungssysteme gegen ballistische
Raketen durchführen.

Seite 7

�Sowjetunion
Im Dezember 1989 besuchten sowjetische Regierungsexperten auf Einladung der Vereinigten Staaten

zwei amerikanische Einrichtungen, die Forschungsarbeiten über Verteidigungssysteme gegen ballistische
Raketen durchführen,

* * * *

Seite 8

*

AMERIKA DIENST 28

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