<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2151" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2151?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:48:24+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2162">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/52fb9fcd7d8ff085f2bbb8917dd3b3d0.pdf</src>
      <authentication>3b8c839d07de0ec8e6cdd23b4d0ac899</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10885">
                  <text>^ e 2^&gt;

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
:. \\
.' • V

26

' 5300 Ö O ^ 2

3. Juli 1990

AUSSENPOLITIK

BAKER: NATO-GIPFEL WICHTIGER
SCHRITT ZU FREIEM EUROPA
Pressekonferenz des
US-Außenministers

NATO

DIE POLITISCHE ROLLE DER NATO:
VORSCHLÄGE FÜR EIN NEUES EUROPA
Von Botschafter John Maresca

UMWELT

SCHUTZ DER OZONSCHICHT NICHT OHNE
ENTWICKLUNGSLÄNDER MÖGLICH
Rede des Leiters der
US-Umweltschutzbehörde

UMWELTINITIATIVEN DER USA
Eine Übersicht des
US-Au ßenministeriums

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�AUSSENPOLITIK
3. Juli 1990

BAKER: NATOGIPFEL WICHTIGER SCHRITT
ZU FREIEM EUROPA
Pressekonferenz des US-Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Anläßlich einer Pressekonferenz hat Außenminister Baker am 28. Juni 1990 in
Washington die NATO als "erfolgreichstes Verteidigungsbündnis der Geschichte" und den bevorstehenden
NATO-Gipfel in London als "einen weiteren wichtigen Schritt auf dem entscheidenden Weg, der zu einem

ungeteilten und freien Europa führt" bezeichnet. Im Hinblick auf die Sowjetunion verwies der Minister darauf,
daß dieses Land zwar den Weg zur Marktwirtschaft beschreiten wolle, es aber seiner Einschätzung nach "noch
nicht den Punkt erreicht hat, an dem es die nötigen Schritte zur Erlangung dieses Ziels unternehmen kann".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Pressekonferenz in wesentlichen Auszügen.

Der bevorstehende NATO-Gipfel geht, wie Sie sicherlich wissen, auf eine Anregung des Präsidenten zur
umfassenden Überprüfung der NATO-Strategie zurück, die von unseren Verbündeten unterstützt wurde.
Um den Charakter dieser Überprüfung zu verstehen,
ist es meines Erachtens notwendig, dieses Ereignis in
seinem historischen Zusammenhang zu betrachten.
Denken Sie nur an einige der Veränderungen, die seit
den Feiern zum 40jährigen Bestehen der NATO im
vergangenen Jahr stattgefunden haben.
Während jenes Gipfeltreffens forderten wir den Abriß
der Berliner Mauer. Erst letzte Woche wurde der
Checkpoint Charlie abgebaut, und die Mauer selbst ist
bereits Geschichte. Im vergangenen Jahr forderten
wir darüber hinaus mehr politische und wirtschaftliche
Reformen in Osteuropa. Dieses Jahr existieren die
kommunistischen Regime in Osteuropa mit ein oder
zwei Ausnahmen nicht mehr. Sie wurden mit friedlichen Mitteln und durch freie Wahlen abgelöst.
Im vergangenen Jahr verpflichtete sich das Bündnis,
die Spaltung Europas und - in dessen Mitte - die
Teilung Deutschlands zu überwinden. Letzte Woche
fand das zweite Ministertreffen im Rahmen der Zweiplus-Vier-Gespräche statt, deren Zweck die Regelung
der äußeren AspeWe der schnellen Vereinigung Deutschlands ist.
Schon die bloße Aufzählung dieser Ereignisse vermittelt Ihnen einen Eindruck von der Plötzlichkeit und
Schnelligkeit des Wandels. Natürlich bringen solche

AMERIKA DIENST 26

Veränderungen nicht nur große Hoffnungen, sondern
auf große Ungewißheit und Gefahren mit sich. Die
Überprüfung der NATO-Strategie muß deshalb bestrebt sein, unser nach wie vor bestehendes Ziel eines
Bündnisses zu gewährleisten, das in der Lage ist,
neuen Herausforderungen gerecht zu werden und den
Frieden zu bewahren.
Ich möchte kurz einige Bereiche anschneiden, in denen
der Gipfel die künftige Haltung der NATO zum Ausdruck bringen wird. Erstens ist dies die Rolle der NATO
als politische Kraft. Dem Nordatlantikvertrag zufolge
sind die Verbündeten bestrebt, "die Freiheit, das
gemeinsame Erbe und die Zivilisation ihrer Völker, die
auf den Grundsätzen von Demokratie, Freiheit des
einzelnen und der Rechtsstaatlichkeit beruhen, zu
gewährleisten". Um dies zu tun, muß die NATO laut
Präsident Bush Wege finden, um zur Vereinigung
Deutschlands beizutragen und die Vollmitgliedschaft
des vereinigten Deutschlands in der NATO zu erhalten. Darüber hinaus müssen wir friedliche demokratische und wirtschaftliche Veränderungen in Osteuropa
und der Sowjetunion ermutigen.
Zweitens die Rolle der konventionellen Streitkräfte der
NATO. Die in Europa stattfindenden politischen und
militärischen Veränderungen haben sicherlich Konsequenzen für unser konventionelles Einsatzkonzept.
Bei den Gesprächen über konventionelle Streitkräfte
verhandeln wir gegenwärtig über einschneidende
Reduzierungen aller Streitkräfte in Europa. Wir hoffen,
ein solches Abkommen noch dieses Jahr zu erreichen.

Seite 1

�Mit dem Abschluß eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte wird die militärische Landkarte in
Europa grundlegend anders aussehen. Deshalb ist
eine gründliche Überprüfung unserer gegenwärtigen
Strategie und der Streitkräftestruktur, -Zusammensetzung und -dislozierung sowie der Verstärkungsfähigkeit der NATO vonnöten.
Trotzdem werden die Sowjets auch nach dem Abzug
sowjetischer Truppen die größte Armee in Europa
unterhalten. Militärisch bedeutsame amerikanische
Streitkräfte müssen deshalb solange in Europa bleiben, wie unsere Verbündeten sie wünschen und benötigen.
Drittens die Zukunft der Atomstreitkräfte. Sowohl die
politischen als auch die militärischen Veränderungen
weisen darauf hin, daß wir einen geringeren Bedarf an
nuklearen Kurzstreckensystemen haben könnten. Die
NATO muß Mindestzahl und Art von Kernwaffen
ermitteln, die zur Aufrechterhaltung der Abschreckung
und der strategischen Stabilität erforderlich sind. Wir
sollten eine Positionsbestimmung für die Rüstungskontrollverhandlungen mit der Sowjetunion über den
Abbau der Kurzstreckensysteme vornehmen.
Als letzten Punkt muß die NATO eine Position zur
Zukunft der KSZE erarbeiten. Ich habe die KSZE als
"Gewissen des Kontinents" bezeichnet - ein Forum, in
dem die 35 Staaten Europas sowie die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammenkommen können, um
einen Konsens zu den Normen für Sicherheit, wirtschaftliche und Menschenrechte zu finden, die von
jedem Land erfüllt werden sollten.
Heute, wo Demokratie und Marktwirtschaft auf dem
Vormarsch sind, sollten wir feststellen, wie die NATO
dazu beitragen kann, die Effektivität der KSZE zu
steigern. Ja, wir sollten herausfinden, wie die KSZE
eingesetzt werden kann, um der Sowjetunion und allen
Ländern Europas die Hand zu reichen und ein Gefühl
der Einbeziehung anstatt der Ausgrenzung zu schaffen.
Natürlich gibt es in jedem dieser Bereiche Folgewirkungen, die zur Sprache kommen könnten. Ich möchte meine heutigen Ausführungen abschließen, indem
ich eine offenkundige Tatsache wiederhole, nämlich,
daß die NATO das erfolgreichste Verteidigungsbündnis der Geschichte ist. Sie ist eine einheitliche Kraft für
den Frieden, und das muß auch in Zukunft so sein. Wir
sehen einem konstruktiven Gipfel entgegen. Er ist ein
weiterer wichtiger Schritt auf dem weiten Weg, der zu
einem ungeteilten und freien Europa führt.
Frage: Was genau möchten die Vereinigten Staaten
bei diesem Gipfel erreichen?
Antwort: Nun, es gibt eine Reihe von Punkten, die wir
erreichen wollen, aber natürlich möchte ich zu diesem
Zeitpunkt nicht näher darauf eingehen und dem Gipfel
vorgreifen. Wir haben ein sich weiter entwickelndes
Seite 2

Bündnis. Wir haben ein Bündnis, das beginnt, Flexibilität zu zeigen. Der Wandel in Europa ist ziemlich
dramatisch, wie ich in meiner Erklärung festgestellt
habe.
In London werden wir uns bemühen, Leitlinien für
unsere künftige Arbeit und die künftigen Positionen der
NATO zu entwickeln. Wie ich soeben erklärte, werden
wir unsere Strategie im Hinblick auf konventionelle und
nukleare Streitkräfte eingehend überprüfen. Wir werden einige spezielle Vorschläge in bezug auf Ausgestaltung und Institutionalisierung des KSZE-Prozesses einbringen, wie das auch andere Staaten tun
werden. Ich bin sicher, daß es eine umfassende
Diskussion über Aussichten und Stand der Gespräche
über die deutsche Vereinigung geben wird. Darüber
hinaus wird ein breiter Meinungsaustausch über die
Rolle der NATO im Hinblick auf die Länder Mittel- und
Osteuropas und die Sowjetunion sowie eine Erörterung ihrer Rolle gegenüber dem Warschauer Pakt
stattfinden, der sich gegenwärtig in einem Prozeß des
Zerfalls befindet.
Um es allgemein auszudrücken: Wir werden viel Zeit
damit verbringen, die verstärkte politische Rolle des
Atlantischen Bündnisses zu betonen, was jedoch nicht
völlig zu Lasten seiner Verteidigungs- oder Sicherheitsrolle und -pflichten gehen wird.
Frage: Die Regierung - der Präsident, Sie und andere
- hat angedeutet, daß die mögliche Beteiligung der
Vereinigten Staaten an einem westlichen Hilfsprogramm von einer Reihe bestimmter Faktoren abhängt,
wobei ein echtes Reformprogramm in der Sowjetunion
nach internationalen oder unseren Maßstäben dabei
eine wichtige Rolle spielen würde. Liegen Ihnen nach
ihren eingehenden Konsultationen mit Schewardnadse, beim Gipfel und anderen Treffen Informationen
darüber vor, ob ein solches Programm, das etwa den
Maßstäben des IWF oder internationalen Normen
gerecht würde, in der Sowjetunion eingeführt wird oder
möglich ist?
Antwort: Meiner Ansicht nach streben die Sowjets
eine Hinwendung zur Marktwirtschaft an. Ich glaube
jedoch nicht, daß sie bereits den Punkt erreicht haben,
an dem sie konkrete Schritte unternehmen können.
Sie haben jedoch bereits einige Maßnahmen angekündigt und werden diese meiner Meinung nach auch
einleiten.
Ich nehme auf Seiten der Sowjetunion eine größere
Bestimmtheit wahr als je zuvor, wenn es darum geht,
Entscheidungen zu treffen, mit denen zum Beispiel
eine Preispolitik gestaltet, der Überhang des Rubels
angegangen und ein soziales Netz geschaffen werden
kann. Wenn Sie den Überhang des Rubels wirklich
beseitigen wollen, sind dies wichtige Maßnahmen.
Damit erhält das System ein gewisses Maß an Wettbewerb und Anreizen, die es siebzig Jahre lang nicht
hatte.

AMERIKA DIENST 26

�Aber es ist eine außerordentliche Aufgabe, weil sie die
Prinzipien und Richtlinien verändern müssen, die ihre
Wirtschaftspolitik seit 70 Jahren bestimmt haben.

politische Reaktion zeigen sollten, weil man den Mittler
unterstützen muß, wenn man Veränderungen beobachten will?

Sie haben sicherlich recht. Wir - der Präsident und ich
- haben wichtige Hindernisse aufgezeigt, die wir im
Hinblick auf unbegrenzte Wirtschaftshilfe an die Sowjetunion wahrnehmen. Zunächst wollen weder wir
noch irgendjemand von unseren Verbündeten dieselben Fehler machen wie in den siebziger Jahren bei
Polen, als Geld in das Land floß, ohne daß jemand auf
Reformen bestanden hätte. Die Mittel wurden nicht
bestmöglich verwendet und manche würden sagen,
verschwendet. Und das Resultat sehen wir jetzt in
Polens Kampf um die Zukunft seiner Wirtschaft.

Antwort: Meiner Meinung nach ist dies ein logisches
Argument, das ich verstehe. Ich denke, wir sind in den
siebziger Jahren bei Polen auf dieses Argument eingegangen, und es hat nicht funktioniert. Ich will damit
sagen: Wenn wir Zeugen von Reformen würden, die
für eine Marktwirtschaft wirklich notwendig sind, wäre
es an der Zeit, die Frage direkt - oder vielleicht noch
direkter - anzusprechen. Dazu wäre es erforderlich,
daß es sich um echte Reformbestrebungen handelt,
die von Anfang bis Ende durchgeführt werden.

Ferner haben wir Probleme mit den Verteidigungsausgaben der Sowjetunion. Wir haben juristische Probleme in den Vereinigten Staaten im Hinblick auf Gesetze, die es uns verbieten, Hilfe zu leisten. Wir haben
politische Probleme mit der sowjetischen Hilfe an
Regime, die den Vereinigten Staaten in der Vergangenheit nicht freundlich gesonnen waren.
All diese Dinge müssen bei dieser Situation berücksichtigt werden. Meiner Ansicht nach werden eingehende Gespräche über die Frage der Wirtschaftshilfe
an die Sowjetunion stattfinden und dabei wird die
Meinung der Vereinigten Staaten ebenso Gehör finden
wie die Meinung anderer Länder.
Frage: Hat der Westen die Chance, die Möglichkeit zu
steigern, daß die richtigen Schritte unternommen werden,
wenn er Bedingungen stellt?
Antwort: Meiner Ansicht nach können die westlichen
Industriestaaten durch einen konzertierten Ansatz,
wie sie ihn im Hinblick auf andere Kommandowirtschaften verfolgen, positive Impulse geben, mit denen
die Sowjetunion die erforderlichen Maßnahmen ergreift, um ihre Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft zu verwandeln.

i

Dabei stellt sich jedoch die Frage nach den Prinzipien,
den Leitlinien und wie das alles durchgeführt werden
und sich entwickeln soll. Und es muß eindeutig - so
scheint es mir wenigstens - eine Definition der Erfordernisse geben. Sowohl die Sowjets als auch die
Länder, die sich sagen: wir sind - wenn wir die
politischen und den Verteidigungshaushalt betreffenden Probleme einmal außer acht lassen - zu Hilfsleistungen bereit, wenn wir echte Reformen sehen. Man
muß Übereinstimmung darüber erzielen, was wirklich
notwendig ist und wer Hilfe leisten soll.
Frage: Dazu noch eine Frage. Der Unterschied
zwischen heute und Polen in den siebziger Jahren
scheint mir darin zu bestehen, daß Gorbatschow die
Mittlerrolle bei diesen Veränderungen spielt. Und Kohl
und Mitterrand sagen dazu, daß er jetzt in Not ist.
Stehen Sie dem Argument der Europäer positiv gegenüber, daß die westlichen Demokratien zumindest eine
AMERIKA DIENST 26

Damit lasse ich all die von mir erwähnten politischen
Probleme einmal beiseite.
Frage: Darf ich hier nachhaken? Ich versuche den
möglicherweise zwischen der amerikanischen und der
deutschen Haltung bestehenden Unterschied zu erkennen. Wollen Sie sagen, daß die Vereinigten Staaten für den Aufbau einer Marktwirtschaft Hilfe in einer
bestimmten Größenordnung leisten müssen?
Antwort: Nein.
Frage: Wären Sie damit einverstanden, wenn ein Teil
des Geldes verwendet würde, um Schulden an die
Deutschen zurückzuzahlen?
Antwort: Wir befinden uns immer noch im Stadium
der Erarbeitung möglicher Leitlinien und Prinzipien, die
wir noch nicht mit unseren Verbündeten besprochen
haben, was aber beim Wirtschaftsgipfel getan wird.
Die Europäer haben gerade ihren EG-Gipfel beendet
und darüber eingehendere Gespräche geführt als wir.
Frage: Da bei diesem Gipfel die künftige politische
Rolle der NATO erarbeitet werden soll, halten Sie es
für entscheidend, daß die NATO eine gemeinsame
Haltung zur Wirtschaftshilfe für die Sowjetunion einnimmt? Und wären die Vereinigten Staaten bereit,
flexibel zu sein, inwieweit das Deutschland und Frankreich ... abhalten kann ...
Antwort: Ich denke nicht, daß dieses Problem beim
NATO-Gipfel so direkt angesprochen werden wird wie
beim Wirtschaftsgipfel. Sie haben von einer gemeinsamen Haltung der NATO gesprochen. Es wird die
NATO eher marginal betreffen. Ich denke, wenn alle
wichtigen demokratischen Industrieländer sich auf die
Prinzipien einigen, wäre das sehr nützlich. Aber ich
habe Ihnen bereits erklärt, daß die Vereinigten Staten
bestimmte Probleme haben, die andere Länder nicht
haben. Es handelt sich dabei um rechtliche Probleme
und unter Umständen auch um größere politische
Probleme. Dabei denke ich insbesondere an eines,
das der Präsident und ich öfter angesprochen haben an Kuba.

Seite 3

�Frage: Minister Cheney hat dazu erklärt, der Hauptgrund, aus dem wir gegen Hilfe für die Sowjetunion
sind, sei, daß bis zur tatsächlichen Durchführung der
Reformen die Hilfe zum größten Teil dem sowjetischen
Militär zufließen würde.

Themen angesprochen wie die Frage, ob wir weniger
Nuklearwaffen kürzerer Reichweite benötigen, gingen
Sie dann davon aus, daß dieses Gipfeltreffen eine
Überprüfung dieser Themen auslösen würde oder
tatsächlich neue Positionen der NATO zu ...

Aber dies ist zweifellos nicht allein ein Problem der
Vereinigten Staaten, sondern auch der Europäer.

Antwort: Im Hinblick auf Nuklearstreitkräfte kürzerer
Reichweite werde ich eine Überprüfung bezüglich der
Verhandlungsposition des Bündnisses in die Wege
leiten, wenn die Verhandlungen beginnen. Die Verhandlungen sind natürlich durch die jüngste Ankündigung des Präsidenten beschleunigt worden, bereits
heute mit dem Abschluß eines KSE-Abkommens zu
beginnen.

Antwort: Das ist richtig. Ich habe es auch erwähnt...
Aber es ist ein Problem mit wichtigen Fragen für die
Vereinigten Staaten, wenn Sie sich das Gleichgewicht
strategischer Nuklearwaffen vor Augen führen.
Frage: Wir wären also praktisch in der Lage, einseitige
Bestrebungen der europäischen Länder zur Bereitstellung von Hilfsleistungen abzulehnen...
Antwort: Ich möchte hier nicht vorab Stellung nehmen - weder im Hinblick auf die Prinzipien, die aus
unserer Sicht angewendet werden müssen noch auf
unsere Position beim Weltwirtschaftsgipfel. Sie wird
sich entwickeln, und wir werden sie im Einklang mit
unseren Verbündeten erarbeiten. Es wäre also verfrüht, wenn ich unsere Haltung bereits jetzt exakt
darlegen würde. Meines Erachtens habe ich jedoch
die wirtschaftlichen und politischen Prinzipien erläutert, die in unserem Kalkül berücksichtigt werden müssen.
Frage: Können Sie die Deutschen in irgendeiner
Weise bremsen, den Sowjets Hals über Kopf zu Hilfe
eilen zu wollen?
Antwort: Ich habe weder gesagt, daß wir das versuchen wollen noch daß wir es tun werden. Sie nehmen
vielleicht eine andere Position ein und befinden sich in
einer anderen Lage als wir. Sie werden uns ihre
Gedanken beim Wirtschaftsgipfel im einzelnen darlegen, ebenso wie es Frankreich, Japan, Italien und die
anderen Länder tun werden.
Die Japaner haben bestimmte Probleme vorgebracht,
die nur sie haben. Jedes Land muß also die Situation
im Lichte der eigenen Gegebenheiten prüfen. Falls wir
jedoch einen multilateralen Ansatz anstreben, könnte
uns dies mißlingen. Es könnte sein, daß jedes Land
seinen eigenen Weg gehen mu ß. Wenn uns jedoch ein
multilateraler Ansatz gelingt, dann müssen wir ihn auf
der Grundlage bestimmter Prinzipien verwirklichen,
die von uns allen getragen werden können.
Frage: Aber wenn jedes Land einen eigenen Weg
geht, was geschieht dann mit unserem Bündnis?
Antwort: Sie meinen wohl den Wirtschaftsgipfel, nicht
das Bündnis. Ich habe an den letzten 10 dieser
Weltwirtschaftsgipfel teilgenommen, und bei keinem
ist je vollständige Einigung zu allen Themen erzielt
worden.
Frage: Ich möchte etwas zur Aufgabe des NATOGipfels klarstellen. Als Sie gesagt haben, es würden

Seite 4

Frage: Und im Hinblick auf die Haltung der NATO zu
größerer Institutionalisierung der KSZE - werden Sie
auch das nur zur Überprüfung vorlegen oder sehen Sie
tatsächlich neue...
Antwort: Ich glaube, das müßte getrennt behandelt
werden.
Frage: Vor einigen Wochen haben Sie den Vorschlag
unterbreitet, der Ersteinsatz von Nuklearwaffen sollte
Teil der Überprüfung sein. In den vergangenen Tagen
haben einige Mitglieder der Administration eingeräumt,
daß dieses Thema der amerikanischen Position zufolge nicht auf den Verhandlungstisch kommt. Welche
Position beziehen die Vereinigten Staaten? Sollte die
NATO diese Frage überprüfen, und wenn nicht, warum
nicht?
Antwort: Was ich bei der Anhörung vor dem Kongreß
gesagt habe - und offen gesagt, ist der Bericht in der
heutigen Presse unrichtig - war folgendes: Wenn 16
Nationen sich an einen Verhandlungstisch setzen und
eine Überprüfung der nuklearen und konventionellen
Strategien vornehmen, so ist es für mich unvorstellbar,
daß niemand ein Wort über diese Doktrin sagen wird.
Ich habe zu keinem Zeitpunkt andeuten wollen, es
gäbe eine Änderung. Ich weiß nicht, ob es eine geben
wird oder nicht, vemute jedoch, daß es keine Änderung
geben wird.
Frage: Warum nicht? Warum vertreten die Vereinigten Staaten die Position, daß keine Änderung stattfinden sollte?
Antwort: Wir sollten einen Krieg in Europa nicht
führbarer machen, das ist der Grund.
Frage: Ist das der Grund für die vorgeschlagenen
Steuererhöhungen - für Hilfe an die Sowjetunion und
andere Länder?
Antwort: Gefällt Ihnen dieser Gedanke?
Frage: Ich möchte nur wissen, ob die von uns geleistete Hilfe nicht für 1 000 Paar Schuhe für Raissa
Gorbatschow verwendet wird wie es bei Imelda Marcos der Fall war?

AMERIKA DIENST 26

�Antwort: Wie ich bereits sagte, haben wir gewisse
Probleme mit dieser Frage, die vielleicht in anderen
Ländern nicht existierten.

Antwort: Eine ganze Reihe von Themen dieser Art
sind auf dem Verhandlungstisch, die wir erörtern werden.

Frage: Welche Art von Versicherungen von Pakt zu
Pald sind Sie bereit, den Sowjets zu geben, um Deutschlands Beitritt zur NATO zu erleichtern?

Frage: Sie sagten, es wäre nützlich, wenn die Verbündeten sich auf Prinzipien bezüglich möglicher Hilfsleistungen an die Sowjetunion einigen könnten. Beabsichtigen die Vereinigten Staaten den Vorschlag einer
Reihe von Prinzipien beim Wirtschaftsgipfel in Houston? Und erwarten Sie ein Vorgehen in dieser Richtung?

Antwort: Zunächst möchte ich eine allgemeine Antwort geben. Ich möchte Sie und andere, die mit dem
Thema vielleicht nicht so vertraut sind wie Sie, auf die
neun Punkte verweisen, die wir erarbeitet und in den
vergangenen Monaten immer wieder betont haben.
Meiner Ansicht nach ist es angemessen, den Gedanken zumindest zu erwägen, von Pakt zu Pakt Erklärungen über Nichtangriff, defensive und friedliche Absichten abzugeben. Ich habe festgestellt, daß der Präsident am 27. Juni 1990 in einem Interview erklärt hat,
etwas dieser Art könnte erwogen, und aus meiner
Sicht sollte es beim NATO-Gipfel erörtert werden.
Frage: Können Sie zu Schewardnadses kürzlich in
Berlin unterbreitetem Vorschlag über einen Konsultativrat, einen Mechanismus zwischen den beiden Bündnissen, Stellung nehmen?

AMERIKA DIENST 26

Antwort: Ich möchte nicht ausdrücklich sagen, daß
wir das erwarten, da wir unser Vorgehen selbst noch
überdenken. Es könnte sich erweisen, daß dies nicht
der beste Ansatz für Houston ist, er deckt sich jedoch
im großen und ganzen mit der Vorgehensweise der
EG. Sie hat erklärt, sie wolle zunächst einmal feststellen, wo das Problem liegt und welche Schritte unternommen werden müßten. Lassen Sie uns also eine
Problemanalyse im Hinblick auf die sowjetische Volkswirtschaft vornehmen. Diese kann auf dem Weltwirtschaftsgipfel erfolgen oder auch nicht. Wir sind immer
noch dabei, unsere Position zu entwickeln.

Seite 5

�NATO
3. Juli 1990

DIE POLITISCHE ROLLE DER NATO:
VORSCHLÄGE FÜR EIN NEUES EUROPA
Von Botschafter John Maresca
Botschafter John J. Maresca ist Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Vertrauens und
Sicherheitsbildende Maßnahmen in Europa.

Mit der Auflösung des Warschauer Pakts zeichnet sich
eine klarere politische Rolle der NATO ab. Bei den
Wiener Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) hat das Bündnis
vor kurzem eine Reihe sicherheitspolitischer Maßnahmen unterbreitet, die beträchtlich von bisherigen VSBMKonzepten abweichen. Sicherheitspolitische Maßnahmen stellen eine Alternative zur herkömmlichen
Art der Rüstungskontrolle dar und sind nicht als Konfrontation gegenüber der UdSSR gedacht. Darüber
hinaus bieten sie die Möglichkeit, die aufstrebenden
Demokratien Osteuropas in kooperative Sicherheitsvereinbarungen einzubeziehen, ohne das westliche
Bündnis zu unterhöhlen.
Das sicherheitspolitische Konzept ist ein Anreiz für
diejenigen, die hoffen, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des von der NATO gebotenen Schutzschilds über
die Ost-West-Konfrontation hinauszugelangen. Mit
der Unterbreitung dieser Vorschläge demonstriert die
NATO einmal mehr ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit und hat beim Aufbau gesicherter Stabilität in
einer neuen europäischen Sicherheitsgleichung die
Führungsrolle übernommen.
Historische Tendenzen widerlegen gelegentlich die
Logik früherer Zeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurden wir Freunde unserer ehemaligen Gegner, halfen
ihnen und entwickelten eine multinationale militärische
Organisation zur Verteidigung gegen unsere Verbündeten von ehedem. Die Geschichte hat die Grundlagen unserer Position umgekehrt, und sie werden entsprechend überprüft. Unsere Erfahrungen sind reich
an weniger dramatischen Beispielen desselben Phänomens.

AMERIKA DIENST 26

Es sollte uns daher nicht überraschen, daß die dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahres in Osteuropa und der Sowjetunion viele der Prämissen verändert haben, auf die unser Ansatz in der Frage der
europäischen Sicherheit gegründet war. Diese Ereignisse fanden so plötzlich statt, und ihre Auswirkungen
sind so tiefgreifend, daß wir immer noch mit ihrer
Analyse befaßt sind und der volle Umfang der erforderlichen Anpassungen noch nicht eindeutig klar ist.
Zweifelsohne wird der Westen weiterhin der kollektiven, von der NATO gebotenen Sicherheit bedürfen.
Gleichzeitig liegt es auf der Hand, daß einige vielleicht
weitreichende Anpassungen bei den politischen, strategischen und militärischen Aspekten des europäischen Gleichgewichts notwendig sein werden. Außenminister Baker zufolge soll die Stärkung der sicherheitspolitischen Rolle der KSZE die NATO ergänzen,
nicht ersetzen. In Europa besteht weithin der Wunsch,
die neuen Demokratien Osteuropas und die Sowjetunion in einen Rahmen einzubinden, der ihre Sicherheitsinteressen berücksichtigt.
Die Notwendigkeit für Anpassungen ist bereits im
Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle spürbar, wo eine Vielzahl von Faktoren den Druck verstärkt, relativ kurzfristig Ergebnisse hervorzubringen.
Bei den Verhandlungen über Vertrauensbildende
Maßnahmen wurden dadurch neue Aktivitäten stimuliert und neue Vorschläge zu diesen politischen Veränderungen eingebracht. Das Phänomen läßt möglicherweise Rückschlüsse auf neue Tendenzen in der
Sicherheit Europas zu.

Seite 1

�Die VSBM-Verhandlungen werden unter Beteiligung
aller Länder Europas und Nordamerikas geführt, mit
Mitgliedern beider Bündnisse und neutralen/blockfreien Staaten. Aus Prinzip nehmen alle als einzelne
Länder und nicht als Blöcke teil, obwohl das Atlantische Bündnis sich auf informeller Ebene eingehend
abstimmt. Die Zielsetzungen sind politischer als in
anderen Bereichen der Rüstungskontrolle. Dazu
gehören Offenheit in militärischen Fragen, Informationsaustausch und Instrumente für die Erhöhung
gegenseitigen Vertrauens. Es wird kein Versuch zur
Reduzierung oder Beschränkung von Streitkräften oder
ihren Aktivitäten unternommen.
Seit Anfang des Jahres haben bei den VSBM-Verhandlungen neue, dynamische Entwicklungen stattgefunden. Im Januar fand ein Seminar über Militärdoktrinen statt, bei dem sich hochrangige Offiziere zu
Gesprächen über Fragen von allseitigem Interesse
trafen. Dieser einmalige Dialog diente vor allem der
Suche nach Ideen über die strenge Verhaftung in den
Annahmen der Vergangenheit hinaus.
Seit dem Seminar haben die westlichen Verbündeten
eine Reihe neuer Vorschläge unterbreitet, die sich
qualitativ von früheren Rüstungskontrollansätzen und
auch von früheren Formen vertrauensbildender Maßnahmen unterscheiden. Die neuen Maßnahmen basieren auf sicherheitspolitischen Konzepten und spiegeln die öffentlich vorherrschende Überzeugung wider, daß es möglich geworden ist, an gemeinsame
Sicherheitsanstrengungen in bestimmten Bereichen
oder an Bestrebungen zu denken, die von einer allseitigen Bereitschaft zu gleichen Beiträgen für ein gemeinsames Unternehmen abhängen.
Diese neuen
beinhalten:

sicherheitspolitischen

Vorschläge

Eine jährliche Veröffentlichung der Militärhaushalte, die Gegenstand von Fragen und offenen
Gesprächen sein sollen. Ein solcher Vorschlag
ist bisher nicht unterbreitet worden, weil uns
keine Beweise über die sowjetische Bereitschaft
vorlagen, einen ehrlichen Beitrag zu leisten.
Ein jährliches Treffen, um über die Durchführung vertrauensbildender Abkommen zu sprechen . Dies ist eine weitere Bemühung um einen
Dialog im Sinne des Seminars über Militärdoktrinen, der bis vor kurzem nicht als fruchtbar
gegolten hätte.
Ein Kommunikationssystem für den Austausch
militärischer Daten zwischen den 35 Teilnehmerstaaten. Ein solches System wäre bis vor
kurzem durch Mißtrauen blockiert worden.
Ein Mechanismus, der Erklärungen im Falle
ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten zwingend vorschreibt. Damit sollen Ereignisse entschärft werden, die zu Verdacht Anlaß geben
Seite 2

könnten. In dem früheren Klima militärischer
Konfrontation wäre dies nicht als nützlich erachtet worden.
Es trifft zu, daß das neuerliche Interesse an der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) darüber hinaus das Interesse an den
Rüstungskontrollbestrebungen der 35 Teilnehmerstaaten gestärkt hat. Einige der neuen VSBM-Vorschläge
stellen wichtige institutionelle Schritte dar, die den
Weg für die Institutionalisierung des gesamten KSZEProzesses ebnen könnten.
Die verstärkte Betonung eines eher politischen Ansatzes in der Rüstungskontrolle spiegelt jedoch auch
andere Tendenzen wider. Viele Europäer gehen heute
davon aus, daß die Streitkräftestrukturen auf ihrem
Kontinent mit oder ohne Rüstungskontrollvereinbarungen abgebaut werden, auch wenn sie in ihrer großen
Mehrheit den Abschluß von Rüstungskontrollabkommen unterstützen, mit denen diese einseitigen Reduzierungen festgeschrieben und noch tiefere Einschnitte und Umstrukturierungen der sowjetischen Streitkräfte erforderlich werden. Der Abzug der sowjetischen Streitkräfte wird von einem neuen, unabhängigen Osteuropa erzwungen, und alle Länder sehen sich
der wachsenden ökonomischen und politischen Notwendigkeit ausgesetzt, ihre Verteidigungsausgaben
zu senken. Die Europäer betrachten ferner zumindest
Osteuropa heute als eine befreundete Region. Sie
möchten Wege finden, um den neuen osteuropäischen
Demokratien die Hand zu reichen und sie in kooperative Sicherheitsvereinbarungen einzubeziehen, die nicht
auf Konfrontation angelegt sind und sie nicht auf ewig
zu den Überresten des Warschauer Pakts verbannen.
Das vorgeschlagene Kommunikationssystem ist das
beste Beispiel für diese Haltung, da es die
osteuropäischen Hauptstädte symbolisch mit dem
Westen verbinden würde.
Auch die sowjetische Seite scheint ein Interesse an
politischen Maßnahmen zu haben. Dieses Interesse
unterscheidet sich merklich von den traditionellen,
propagandistisch gefärbten sowjetischen Vorschlägen, da die neuen sicherheitspolitischen Maßnahmen
die Sowjets in Bereiche einbinden werden, die das Ziel

verfolgen, evolutionären Wandel zu fördern. Offenkundig sehen die Sowjets für sich selbst Vorteile, zum
Beispiel bei der Offenlegung der Militärhaushalte. Sie
sind mit aufkeimendem innerem Druck im Obersten
Sowjet konfrontiert, die Militärausgaben unter Kontrolle zu bringen. Die Sowjets sprechen in jüngerer Zeit
von der Notwendigkeit, militärische Garantien durch
"politische Garantien" zu ersetzen, und sicherheitspolitische Maßnahmen könnten es ihnen ermöglichen,
eine Situation allgemeinen militärischen Abzugs und
umfassender Reduzierungen leichter hinzunehmen.
Die Tatsache, daß die NATO die Führungsrolle bei der
Formulierung dieser sicherheitspolitischen Vorschläge übernommen hat, ist ebenfalls bedeutsam. Seit der
AMERIKA DIENST 26

�Harmel-Bericht im Jahr 1967 eine Politik der Verteidigung und Entspannung begründete, ist die NATO eine
Kraft zur Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses.
Durch das Streben nach Maßnahmen, die über die
Ost-West-Konfrontation hinausgehen sollen, spiegelt
die NATO die ersten Reaktionen auf die Revolutionen
des Jahres 1989 wider. Denjenigen, die sich über eine
"politische Rolle" der NATO Gedanken machen, zeigen diese Vorschläge deutlich Umfang und Potential
der Bemühungen der Bündnispartner auf, ein sicheres
und stabiles Europa in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen zu gewährleisten.

Die positiven Entwicklungen in den Verhandlungen
über Vertrauensbildung sind Ausdruck eines weit verbreiteten Wunschs, die sicherheitspolitischen Schritte
jetzt voranzutreiben. Diese Tendenz steht nicht im
Widerspruch zu den klassischen Rüstungskontrollbestrebungen. Im Gegenteil, sie können diese ergänzen,
solange die westliche Verteidigung nicht unterlaufen
wird. In jedem Fall ist sie ein verwandter und relevanter
Faktor und sollte ins Kalkül gezogen werden, wenn wir
das Bild der europäischen Sicherheit in den neunziger
Jahren betrachten.

* *

AMERIKA DIENST 26

*

Seite 3

�UMWELT
3. Juli 1990

SCHUTZ DER OZONSCHICHT NICHT OHNE
ENTWICKLUNGSLÄNDER MÖGLICH
Rede des Leiters der US-Umweltschutzbehörde
LONDON - (AD) - In seiner Rede zur Eröffnung einer dreitägigen internationalen Umweltkonferenz in London
erklärte der Leiter der US-Umweltschutzbehörde, William Reilly, am 27. Juni 1990, ein Schutz der Ozonschicht
in der Atmosphäre sei nur in Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern möglich.
Reilly erklärte ferner, die Vereinigten Staaten würden den Entwicklungsländern technische und finanzielle Hilfe
leisten, die das internationale Abkommen über ein Verbot von Herstellung und Einsatz der Chemikalien
ratifizieren, die die Ozonschicht schädigen.
Bei der Konferenz, an der 88 Länder teilnahmen, werden strengere Kontrollen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderen Chemikalien gefordert, die zur Zersetzung der Ozonschicht beitragen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reillys Rede im Wortlaut.

Es ist den Vereinigten Staaten eine Ehre, gemeinsam
mit anderen Ländern am Zweiten Treffen der Parteien
des Montrealer Protokolls über Substanzen teilzunehmen, die zur Schädigng der Ozonschicht beitragen.
Die Vereinigten Staten danken insbesondere der
Regierung Großbritanniens für ihre großzügige Gastfreundschaft bei der Veranstaltung dieser historischen
Zusammenkunft. Wir möchten in diesem Zusammenhang die Führungsrolle von Premierministerin Thatcher hervorheben, mit der sie bei der Londoner Konferenz im März 1989 und auch bei diesem Treffen eine
eindeutige und schnelle weltweite Reaktion auf den
Ozonschwund gefordert hat. Wir möchten darüber
hinaus den Mitgliedern der Organisation zu ihrer Wiederwahl gratulieren und Herrn Dr. Mostafa Tolba und
dem Sekretariat des Umweltprogramms der Vereinten
Nationen (United Nations Environment Programme UNEP) für sein Engagement und seine Sachkenntnis
danken. Schließlich möchten wir der im Rahmen des
Protokolls eingerichteten, zeitlich unbefristeten Arbeitsgruppe danken, die im vergangenen Jahr hart
gearbeitet hat - in Nairobi, Genf und letzte Woche hier
in London - um die Meinungsverschiedenheiten abzubauen und unsere Bemühungen zu einem erfolgreichen Abschluß zu führen.
AMERIKA DIENST 26

Im vergangenen Jahr wurde ein nie dagewesenes
Maß an Flexibilität und Kompromißbereitschaft demonstriert. Wir sind insbesondere dankbar für Führungsqualitäten und Anregungen der beiden Vorsitzenden, Botschafter llkka Ristimaki aus Finnland und
Victor Buxton aus Kanada.
Theodore Roosevelt, der in den ersten zehn Jahren
dieses Jahrhunderts Präsident der Vereinigten Staaten war, lehrte seine Kinder, wie sie eine sehr schwierige und wichtige Aufgabe lösen sollten. "Wenn man
Dich fragt, ob Du wei ßt, wie man sie löst, antwortest Du
'sicher' und machst Dich dann daran, den Lösungsweg
herauszufinden." Es scheint mir, daß die Staatengemeinschaft zunächst in diesem Sinne die Aufgabe des
Schutzes der Ozonschicht angegangen ist. Vor drei
Jahren sind die Länder der Welt erstmals in Montreal
zusammengekommen, um in die letzte Verhandlungsphase über ein Protokoll zur Wiener Konvention einzutreten. Das dort verabschiedete Protokoll schien
angesichts der damals verfügbaren Informationen
vernünftig, dennoch haben die Unterhändler - von
denen heute viele hier anwesend sind - vorausschauend die sehr innovativen Bestimmungen in Artikel 6
aufgenommen, demzufolge eine regelmäßige Überprüfung der Kontrollmechanismen und anderer BeSeite 1

�Stimmungen des Protokolls auf der Basis der neuesten
wissenschaftlichen, ökologischen, wirtschaftlichen und
politischen Informationen stattfindet.
Die Ergebnise dieser vier - im vergangenen Jahr
erstellten - Beurteilungen liefern der internationalen
Staatengemeinschaft die Informationen, auf deren
Grundlage sie handeln kann. Die wissenschaftlichen
und ökologischen Bewertungen bestätigen unsere
Erkenntnis, daß Anpassungen und Zusatzartikel dringend erforderlich sind.
Der ausgezeichnete Film, den die britische Regierung
produziert und uns heute morgen gezeigt hat, verdeutlicht den wichtigen Beitrag amerikanischer Wissenchaftler als Partner bei den internationalen wissenschaftliche Bestrebungen zur Ozonschicht und haben
bei den Arktis- und Antarktiskampagnen zu Untersuchungen über Ozonschwund geführt. Darüber hinaus
werden im nächsten Jahr startende Satelliten Informationen für die erste umfassende Untersuchung über
die Auswirkungen beschaffen, die Mensch und Natur
auf die Ozon Schicht haben.
Wissenschaftliche Forschung, Prüfungen und Satellitenbeobachtung lassen keinen Zweifel daran, daß das
Ozonloch keine graue Theorie ist, sondern Krebs und
grauem Star Tür und Tor öffnet. Diese Tür muß
geschlossen werden.
Technischen und wirtschaftlichen Schätzungen zufolge sind zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung des
Ozonschwunds möglich. Die Vereinigten Staaten
haben im Jahr 1978 mit dem Verbot von FCKW in
Spraydosen erste Schritte zum Schutz der Ozonschicht unternommen. Zahlreiche wirtschaftliche und
wirksame chemische Ersatzstoffe, Produkte und
Technologien stehen bereits zur Verfügung, andere
werden in absehbarer Zukunft nutzbar sein. Am 1.
Januar 1990 trat in den Vereinigten Staaten eine neue
Steuer für die Herstellung von FCKW in Kraft. Diese
Steuer ist höher als die Kosten der FCKW selbst und
wird in den kommenden Jahren drastisch angehoben.
Dank dieser Steuer können in diesem Jahr zusätzliche
Einnahmen in Höhe von 400 Millionen Dollar und in den
kommenden 5 Jahren von 5 Milliarden Dollar verbucht
werden. Diese zusätzlichen Kosten der FCKW senden ein starkes Signal aus: Ersatzstoffe müssen rasch
gefunden werden. Und sie verringern den wirtschaftlichen Vorteil, den FCKW gegenüber den teureren
Ersatzstoffen haben würden. Aufgrund dieser Steuer
haben die Vereinigten Staaten die vereinbarten Ziele
für den Abbau von FCKW bereits früher als gefordert
erreicht.
Weltweit hat der Privatsektor auf die Herausforderung
reagiert, akzeptable Ersatzstoffe für FCKW und Halone zu finden. Obwohl es sich hierbei um keine leichte
Aufgabe handelt, sind bis heute ermutigende Fortschritte erzielt worden.

Seite 2

Es liegt jetzt an der internationalen Staatengemeinschaft, auf die von den vier Bewertungsausschüssen
vorgelegten Informationen zu reagieren. Es ist an der
Zeit, die von der Arbeitsgruppe entwickelten Empfehlungen zu erörtern und entsprechend zu handeln.
Obwohl noch einige Meinungsverschiedenheiten bestehen, die in den nächsten Tagen ausgeräumt werden müssen, fühlen wir uns durch den generellen
internationalen Konsens und Geist der Zusammenarbeit ermutigt, den wir beobachten können.
Wir sind besonders erfreut, daß 59 Nationen jetzt das
Protokoll unterzeichnet haben - praktisch doppelt soviele
Staaten wie bei unserem letzten Treffen in London vor
15 Monaten. Uneingeschränkte internationale Beteiligung und die Durchführung des Protokolls sind für
seine Wirksamkeit unabdingbar. Wir fordern daher
alle Nationen auf, sowohl dem Protokoll als auch dem
Rahmenabkommen - der Wiener Konvention über den
Schutz der Ozonschicht - beizutreten.
In diesem Zusammenhang möchte ich unsere Position
im Hinblick auf die wichtigsten vorgeschlagenen Anpassungen und Zusätze erläutern. Bezüglich der fünf
bereits vom Protokoll erfaßten FCKW und aller anderen vollständig halogenierten FCKW unterstützen die
Vereinigten Staaten ein vollständiges Verbot bis zum
Jahr 2000 mit schrittweisen Reduzierungen um 20
Prozent im Jahr 1993 und 85 Prozent im Jahr 1997.
Bei Halonen befürworten wir eine 50prozentige Reduzierung bis zum Jahr 1995 und ein vollständiges Verbot (außer in von den Vertragsparteien festgelegten
und vereinbarten begrenzten Ausnahmefällen) bis zum
Ende des Jahrhunderts. Die Vereinigten Staaten
schlagen die Gründung einer Protokoll-Arbeitsgruppe
vor, die den möglichen unerläßlichen Einsatz von
Halonen prüft und dem nächsten Treffen der Vertragsparteien Bericht erstattet.
Wir hoffen, die jüngsten Ankündigungen der Industrie
über mehrere mögliche Halonsubstitute werden den
Übergang von diesen zu anderen Feuerlöschwirkstoffen erleichtern und die Notwendigkeit für Halone bis
Ende dieses Jahrhunderts minimieren, wenn nicht
sogar vollständig beseitigen.
Angesichts der Notwendigkeit, die Liste der gemäß
dem Protokoll kontrollierten Substanzen zu erweitern,
haben die Vereinigten Staaten als erste auf die Einbeziehung von Kohlentetrachlorid und Methylchloroform
gedrängt. Wir befürworten einen 85prozentigen Abbau von Kohlentetrachlorid bis 1995 und ein vollständiges Verbot bis zum Jahr 2000, wobei 1989 als
Ausgangsjahr gilt. Wir unterstützen eine Einfrierung
für Methylchloroform bis 1993, einen 30prozentigen
Abbau bis 1995 sowie eine 50prozentige Verringerung
bis zum Jahr 2000, wobei 1989 wiederum als Ausgangsjahr dient. Ferner haben wir uns für eine Resolution über ein baldmögliches Verbot dieser Substanz
ausgesprochen.

AMERIKA DIENST 26

�^

Schlie ßlich drängen wir auf Maßnahmen der Vertragsparteien zur Festsetzung eines Termins für ein schrittweises Verbot der halogenierten FCKW. Alle Parteien
sind sich meines Erachtens bewußt, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Einführung von halogenierten
FCKW unabdingbar ist, wenn FCKW dem erwogenen
beschleunigten Terminplan zufolge verboten werden
sollen. Gleichzeitig tragen wir auch der Tatsache
Rechnung, daß halogenierte FCKW nicht unbegrenzt
zunehmen dürfen, da sie Chlor enthalten. Die Festsetzung eines Termins für den vollständigen Verzicht auf
halogenierte FCKW bringt diese beiden Perspektiven
in Einklang und bietet den Unternehmen die erforderliche Sicherheit, in Herstellung und Anwendung dieser
Substanzen bei gleichzeitiger Begrenzung des Zeitraums ihrer Verwendung zu investieren, um sicherzustellen, daß sie nicht zu einer langfristigen Gefahr für
die Ozonschicht werden. Wir gehen von einem Verbot
für halogenierte FCKW bis spätestens 2040 aus.

unseren freiwilligen Beitrag zur Finanzierung der zusätzlich benötigten Mittel zu leisten, einen Beitrag, der
wahrscheinlich doppelt so hoch ist wie der des nächstgrößten Spenders.

Die Verschärfung der Kontrollen für FCKW und Halone
und die Hinzufügung neuer gechlorter Verbindungen
sind für den Schutz der Ozonschicht unerläßlich. Wir
müssen jedoch erkennen, daß sich diese Bemühungen letztlich als unwirksam erweisen, wenn sich nicht
alle Staaten diesem Vorhaben anschließen. Wir können diesen Ort am Freitag (29. Juni) nicht in dem
Gefühl verlassen, etwas geleistet zu haben, wenn wir
die Frage der Beteiligung der Entwicklungsländer nicht
erfolgreich lösen.

Diese vier Bedingungen werden im Fall des Ozonproblems erfüllt, was möglicherweise in anderen Fällen
nicht zutrifft. Aus diesem Grund sollte das von uns
befürwortete Programm nicht als Präzedenzfall für
andere Fragen oder Verhandlungen betrachtet werden.

Die Vereinigten Staaten unterstützen ein Programm,
das darauf abzielt, denjenigen Entwicklungsländern,
die dem Protokoll beitreten, technische und finanzielle
Hilfe zu gewähren. Ich möchte nun über eine Reihe
von Prinzipien sprechen, auf denen ein solches Programm basieren muß.

^

Erstens ist es für uns wichtig, daß dieses Programm
sorgfältig strukturiert ist, um die Ziele des Protokolls zu
erreichen ohne neue Bürokratie zu schaffen. Die
Vereinigten Staaten stimmen dem Programm zur finanziellen Zusammenarbeit zu, das sich 1. das
Umweltprogramm der Vereinten Nationen zunutze
macht, um die Verwendung der finanziellen Mittel zu
steuern, 2. die Weltbank in Anspruch nimmt, um die
benötigten Investitionen zu finanzieren und 3. das
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen einsetzt, um Hilfe bei der Erstellung von Projektstudien
und Investitionsplanung zu leisten. Wir sind bereit,

*

AMERIKA DIENST 26

*

Zweitens mu ß die Aufmerksamkeit auf die schlüssigen
wissenschaftlichen Beweise im Hinblick auf den Abbau der Ozonschicht und die daraus hervorgehenden
Gefahren für das Ökosystem unseres Planeten gelenkt werden.
Drittens muß von dem Programm und den damit
einhergehenden Maßnahmen nach Sicherstellung der
Finanzierung erwartet werden, daß es das Problem
des Abbaus der Ozonschicht lösen kann.
Viertens muß die Höhe der Mittel zur Behandlung
dieses Problems begrenzt und in vernünftigem Rahmen berechenbar sein, wie bereits von internationalen
Studien empfohlen wurde.

Wir müssen jedoch ein wichtiges Problem zur Sprache
bringen. Es ist für uns als größtem Beitragszahler für
das zu beschließende Programm zur finanziellen
Zusammenarbeit von großer Bedeutung, daß wir ständig im Exekutivausschuß für dieses Programm vertreten sind. In diesem Zusammenhang erwarten wir eine
konstruktive Zusammenarbeit mit allen Parteien, um
unser Ziel des Schutzes der Ozonschicht zu verwirklichen.
Ich hoffe, die nächsten drei Tage werden auf vor
weniger als drei Jahren in Montreal erzielten bemerkenswerten Errungenschaften aufbauen. Es ist ernüchternd, festzustellen, daß selbst im Falle eines
Erfolgs unserer ehrgeizigen Bemühungen zur Abschaffung von ozonabbauenden Chemikalien, FCKW
und Halone das stratosphärische Ozon noch lange
nach unserem Tod zerstören werden.
Mit einem Gefühl verschärfter Dringlichkeit, das durch
schlüssige Beweise untermauert und durch das potentielle Vorhandensein von Ersatzstoffen unterstützt wird,
fordere ich alle Staaten zum Handeln auf.

*

*

Seite 3

�UMWELT
3. Juli 1990

UMWELTINITIATIVEN DER USA
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Außenministerium herausgegebene
Übersicht über die jüngsten Umweltinitiativen und Leistungen der amerikanischen Regierung.

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten können auf eine positive und
breitgefächerte Bilanz umweltpolitischer Maßnahmen
des vergangenen Jahres zurückblicken. Präsident
Bush ist bei der Bewältigung der Umweltprobleme
davon geleitet, sowohl der Notwendigkeit für zunehmenden Umweltschutz als auch für dauerhaftes Wirtschaftswachstum Rechnung zu tragen. Im folgenden
werden die Gesetzesinitiativen, Verwaltungsbestimmmungen und Initiativen zu deren Durchführung erläutert sowie eine Liste zusätzlicher Maßnahmen aufgeführt, die von den Vereinigten Staaten als Reaktion auf
Umweltbelange ergriffen wurden. Die Initiativen und
Maßnahmen bauen auf einem umfassenden gesetzlichen und institutionellen Rahmen auf, der über die
vergangenen 20 Jahre hinweg entwickelt wurde und
Auswirkungen auf die Umwelt, das Mitspracherecht
des Bürgers bei der Umweltpolitik sowie umweltpolitische Verfügungen zum anerkannten und integralen
Bestandteil öffentlicher und privater Unternehmen in
den Vereinigten Staaten macht. Die Vereinigten Staaten haben die strengsten und am weitesten entwickelten Umweltschutzmaßnahmen aller Länder und nehmen bei der Erarbeitung einer soliden Umweltpolitik
nach wie vor eine führende Rolle ein.
Gesetzesinitiativen
Die Bush-Administration hat folgende Vorschläge
unterbreitet:
Die erste umfassende Überarbeitung des Emissionsschutzgesetzes seit über 10 Jahren zur
Reduzierung von Emissionen, die sauren Regen, Smog und toxische Luftverschmutzung
verursachen. Repräsentantenhaus und Senat
haben den Gesetzentwurf bereits verabschiedet, und auch der Konferenzausschuß wird ihm
AMERIKA DIENST 26

voraussichtlich binnen kurzem zustimmen. Der
Gesetzentwurf sieht neben anderen Verfügungen ein innovatives - sowohl von Umweltschützern als auch der Industrie unterstütztes - Emissionsschutzsystem vor, demzufolge saure Ablagerungen bis zum Jahr 2000 bei geschätzten
Einsparungen von rund 1 Milliarde Dollar pro
Jahr verglichen mit den herkömmlichen Kontrollbestimmungen um 50 Prozent reduziert werden sollen.
Aufstockung der Mittel für Klimaforschung um
43 Prozent im Jahr 1990 und eine weitere 57prozentige Erhöhung auf 1 Milliarde Dollar für 1991.
Die Umweltschutzbehörde einem Ministerium
gleichzustellen.
Eine 12prozentige Etataufstockung zur Erweiterung der Programme der Umweltschutzbehörde sowie zusätzliche 750 Millionen Dollar für
umfassende Bestrebungen zur landesweiten
Beseitigung der Abfälle von Bundeseinrichtungen.
Zusätzliche Mittel für saubere Kohletechnologie.
Andere Gesetzesinitiativen für wirtschaftliche
Energienutzung und erneuerbare Energieressourcen.
Verwaltungsbestimmungen
Die Vereinigten Staaten haben:
Die Verwendung von Asbest praktisch vollständig verboten.
Den Import von afrikanischem Elfenbein in die

Seite 1

�Vereinigten Staaten unterbunden - ein Schritt,
der bereits positive Auswirkungen auf den Elefantenbestand gezeitigt hat.
Ein Verbot des Pestizids "Alar" sowie des Einsatzes von 40 EBOCs vorgeschlagen, einer
Familie von Pestiziden, die häufig im Getreideanbau verwendet wird und Wissenschaftlern
zufolge vermutlich Gesundheitsrisiken birgt.
Die Grundsatzübereinkunft unterzeichnet, um
den umweltverträglichen Export von Sondermüll und Haushaltsabfällen ebenso wie der
Rückstände aus den Gemeindeverbrennungsanlagen sicherzustellen und die Erarbeitung
von Vorschlägen angeordnet, die gewährleisten, daß Sondermüll nicht widerrechtlich ins
Ausland exportiert wird.
Den Flottenverbrauch für Automobile auf 27,5
Meilen pro Gallone festgesetzt.
Einen neuen Superfonds zur Behebung von
Mängeln auf Sondermülldeponien eingerichtet.
Durchführung
Das umfassende Umweltschutzprogramm der BushAdministration hat:
Die Abfallbeseitigungsprogramme unter dem
Superfonds umfunktioniert, so daß "die Durchführung an erster Stelle steht", unter besonderer Berücksichtigung ehemaliger Sondermülldeponien. Infolgedessen wurden in den vergangenen zwei Jahren so viele Prozesse anberaumt wie in den ersten sechs Jahren des
Superfondsprogramms zusammengenommen.
Von den bis heute über 1 Milliarde Dollar an Prozeßgewinnen des Superfonds (einschließlich
Deckung der Kosten und einstweiliger Verfügungen) wurden über 50 Prozent in den vergangenen beiden Haushaltsjahren eingenommen.

mission Corporation zahlte eine Zivilstrafe in
Höhe von 15 Millionen Dollar und stimmte
Säuberungsarbeiten an 85 Standorten in 14
Bundesstaaten in Höhe von schätzungsweise
400 Millionen Dollar zu.
Den Exxon-Konzern und die Exxon-Schiffahrtsgesellschaft wegen insgesamt 10 Kapitalverbrechen und Vergehen aufgrund der Verursachung der größten Ölpest in der Geschichte der
Vereinigten Staaten in der Nähe von Valdez in
Alaska verklagt.
Eine Strafe in Höhe von 2,25 Millionen Dollar
gemäß dem Alternativen Strafgesetz gegen
Ashland Oil für ihr fahrlässiges Verhalten bei der
Wartung ihrer Öltanks (das zu deren Riß am
Fluß Monongahela führte) erwirkt.
Zivilprozesse gegen 34 Unternehmen und Personen angestrengt, um Verletzungen der Bundesgesetze bei der sicheren Entfernung von
Asbest und darauffolgenden Renovierung der
Gebäude zu unterbinden.
Wegen Verletzung der Wasserbehandlungsvorschriften gemäß dem Wasserreinhaltungsgesetz Zivil- und Verwaltungsklagen gegen 61
Städte angestrengt.
Andere Maßnahmen
Die Bush-Administration hat:
Ein Programm verabschiedet, bei dem im Rahmen der Initiative "America the Beautiful" pro
Jahr 1 Milliarde neuer Bäume in den Vereinigten
Staaten gepflanzt werden.
Ein weltweites schrittweises Verbot von FCKW
vorgeschlagen, mit entsprechenden Bestimmungen für sichere Ersatzstoffe, um die Ozonschicht der Stratosphäre zu schützen.

Im Haushaltsjahr 1989 359 mal Anklage erhoben, 353 Verurteilungen und Schuldgeständnisse wegen Umweltvergehen (einschließlich Verletzung der Umwelt- und Artenschutz bestimmungen) erreicht - mehr als je zuvor. Dies hatte
nahezu 13 Millionen Dollar an Geldstrafen und
168 Jahre an Haftstrafen zur Folge, von denen
43 Jahre zu verbüßen waren.

Eine internationale Konferenz des Weißen
Hauses über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung im Zusammenhang mit den
globalen Umweltveränderungen veranstaltet und
angeboten, Gastgeber der ersten Verhandlungsrunde zu sein, bei der eine internationale Rahmenkonvention über Klimaveränderungen erarbeitet werden soll.

Im Haushaltsjahr 1989 Zivil-und Ordnungsstrafen in Rekordhöhe verhängt (etwas unter 35
Millionen Dollar).

Sich dem Ziel der Erhaltung von Feuchtgebieten verschrieben. Dazu zählen eine Reihe in
diesem Sommer abzuhaltender öffentlicher
Treffen über diese Politik.

Den höchsten Einzelbetrag an Abfindung erhalten, der je bei einem Gerichtsverfahren der
Vereinigten Staaten gegen eine Körperschaft
aufgrund von Verletzung des Bundesumweltgesetzes gezahlt wurde. Die Texas Eastem Trans-

Durch die Betonung von Umweltproblemen beim
Weltwirtschaftsgipfel und bei bilateralen Gesprächen mit Verbündeten und anderen führenden Industrienationen im vergangenen Jahr

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�internationale Zusammenarbeit und Engagement ermutigt.
Den osteuropäischen Ländern technische Hilfe
angeboten, die jetzt nach Jahren der Vernachlässigung versuchen, ihre Umweltprobleme im
Inland in den Griff zu bekommen.
Mit der Ausbildung von Freiwilligen des Friedenskorps in Umweltschutz und Wiederaufforstungstechniken begonnen.
4

I

des andere Land zum IPCC-Treuhandfonds für
die Teilnahme der Entwicklungsländer beigetragen.
Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die
notwendige Entwicklung sauberer alternativer
Brennstoffe gelenkt - Bestrebungen, die mehrere führende Ölkonzeme bereits veranlaßt haben, Benzin in anderer Zusammensetzung auf
den Markt zu bringen.

Ein Pilotprogramm in die Wege geleitet, damit
Anspülungen von medizinischem Müll verhindert werden, von denen die Strände der Vereinigten Staaten vor nur zwei Jahren heimgesucht wurden.

Einen Sieben-Punkte-Plan zur Verbesserung
der Gesetze über Nahrungsmittelsicherheit
vorgelegt. Diesem Plan zufolge können unverzüglich Maßnahmen gegen problematische
Pestizide und schärfere Strafen bei Mißbrauch
verhängt werden.

Eine führende Rolle bei der Gründung und Arbeit
der Zwischenstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (IPCC) unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen übernommen,
den Vorsitz der Arbeitsgruppe Reaktionsstrategien geführt, zwei Arbeitstagungen und zwei
Plenarsitzungen veranstaltet und mehr als je-

Programme für Barvergütungen in Höhe von bis
zu 5 000 Dollar für Lehrer der Grund- und
Oberstufen in den 50 Bundesstaaten, dem Distrikt
von Columbia und den Gebieten vorgeschlagen, die innovative, wirksame Lehrpläne zum
Umweltschutz entwickeln.

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10880">
              <text>03.07.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10881">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10882">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10883">
              <text>Amerikadienst 03.07.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10884">
              <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: NATO-Gipfel wichtiger Schritt zu freiem Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die politische Rolle der NATO: &lt;br /&gt;Vorschläge für ein neues Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter John Maresca&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schutz der Ozonschicht nicht ohne Entwicklungsländer möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Leiters der US-Umweltschutzbehörde&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltinitiativen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
