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amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juni 1990

24

DEUTSCHLAND

"UNGETEILTES, FREIES" EUROPA UND
DEUTSCHLAND IN GREIFBARER NÄHE
Erklärung von Außenminister Baker
vor Senatsausschuß

KSZE

KAMPELMAN: VEREINIGTE STAATEN
WÜNSCHEN PERESTROJKA ERFOLG
Rede des US-Delegationsleiters
bei der KSZE

CHINA

US-CHINAPOLITIK: ENGAGEMENT UND
SANKTIONEN
Die amerikanisch-chinesischen
Beziehungen seit dem
Tiananmen-Massaker

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHLAND
20. Juni 1990

"UNGETEILTES, FREIES" EUROPA
UND DEUTSCHLAND IN GREIFBARER NÄHE
Erklärung von Außenminister Baker vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats hat Außenminister Baker am 12. Juni 1990
erklärt, daß im Rahmen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen "Fortschritte zur Erlangung eines
ungeteilten und freien Europas und damit zu einem ungeteilten, freien Deutschland" erzielt wurden.
Auch in den Bereichen Rüstungskontrolle, regionale Konflikte und Wirtschaftsbeziehungen seien Fortschritte zu
verzeichnen. Der Minister bekräftigte, daß "die Vereinigten Staaten die vor ihnen liegenden enormen Herausforderungen am besten durch eine wahrhaft überparteiliche Außenpolitik bestehen" können.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Bakers vor dem Ausschuß im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute morgen vor Ihrem Ausschuß Stellung nehmen zu dürfen. Dabei möchte ich
auf die jüngsten Entwicklungen eingehen, insbesondere diejenigen, die die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen berühren und einen Ausblick in die Zukunft wagen. Wir haben soeben einen amerikanischsowjetischen Gipfel abgeschlossen und befinden uns
mitten in den Vorbereitungen auf einen NATO-Sondergipfel. Ihr Rat und Ihr Sachverstand sind bei der
Behandlung dieser Angelegenheiten wichtig. Wie der
Präsident und ich schon häufig unterstrichen haben,
können die Vereinigten Staaten die vor ihnen liegenden enormen Herausforderungen am besten durch
eine wahrhaft überparteiliche Außenpolitik bestehen.
Die jüngsten internationalen Entwicklungen, insbesondere der Trend zu Demokratie und Wirtschaftsreformen, bestätigen unsere traditionellen Werte und
liegen eindeutig in unserem langfristigen Interesse.
Ebenso eindeutig steht fest, daß die Nachwirkungen
der politischen Erdbeben des Jahres 1989 eine komplexe Ära des Wiederaufbaus zerrütteter Strukturen,
der Veränderung und - in einigen Fällen - des Auf baus
neuer Strukturen eingeleitet haben. Es wird Nachbeben geben, und es werden daneben große Chancen
zur Schaffung einer demokratischeren, wohlhabenderen und sichereren Welt bestehen.
Diese Chancen hängen zum großen Teil davon ab, ob
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion eine

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dauerhafte Verbesserung ihrer Beziehungen manifestieren können. Wir bemühen uns gegenwärtig umfassend, dies zu erreichen, indem wir nach Punkten
beiderseitigen Vorteils suchen. Diese Suche wird von
unserer Entschlossenheit geleitet, wie es der Präsident ausdrückte, über die Politik des Containment
hinauszugehen und eine neue Welt aufzubauen, die
den kalten Krieg und die ihm vorausgehenden Konflikte überwindet. Sie wird ferner von dem Potential der
Perestrojka bestimmt, dem Versuch der Sowjetunion,
ihre Wirtschaft und praktisch ihr gesamtes Gesellschaftssystem zu reformieren. Die Perestrojka verdient unsere Unterstützung genau deshalb, weil sie
eine Chance für eine konstruktivere sowjetische Außen- und Verteidigungspolitik und letztlich eine demokratischere Sowjetunion bietet.
Wir wissen, daß es nicht immer leicht oder rasch
möglich sein wird, Punkte beiderseitigen Vorteils auszumachen. Wie mir Dean Rusk im vergangenen Jahr
schrieb, haben wir "viel, an das wir uns erinnern
müssen und viel zu vergessen", bevor wir zu dem
Schlu ß kommen, daß die neue Ära von Dauer ist. Aber
es hat Fortschritte gegeben, und es bestehen Aussichten auf weitere Fortschritte.
Ich möchte Ihnen nun darlegen, was wir in den vergangenen Monaten in den wichtigsten Bereichen der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen erreicht haben.

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�Ein ungeteiltes und freies Europa
Erstens haben wir Fortschritte zur Erlangung eines
ungeteilten und freien Europas und damit zu einem
ungeteilten, freien Deutschland gemacht. Im vergangenen Monat habe ich in Bonn an den ersten Zweiplus-Vier-Gesprächen teilgenommen. Wir haben klargestellt, daß der Zweck dieses Prozesses darin besteht, den eindeutigen Willen des deutschen Volkes zu
bestätigen, sich in Frieden und Freiheit zu vereinigen
sowie gleichzeitig darin, ein Forum zur Verfügung zu
stellen, um über die äußeren Auswirkungen der Vereinigung zu diskutieren.
Die Gespräche zwischen den beiden deutschen Regierungen über die inneren Aspekte der Vereinigung
schreiten rasch fort. Währenddessen bemühen wir
uns, die äußeren Folgen der Vereinigung in den Griff
zu bekommen, darunter die Grenzen, Berlin, die nach
dem Völkerrecht verbleibenden Recht der Vier Mächte
und militärpolitische Fragen. In diesem Zusammenhang haben die Vereinigten Staaten betont, daß es
kontraproduktiv wäre, für Deutschland einen Sonderstatus zu zementieren oder irgendwelche Beschränkungen der deutschen Souveränität zu verlängern.
Diskriminierende Beschränkungen könnten nur ein
Fundament künftiger Instabilität legen. Aus diesem
Grund lehnen wir es ab, diese Gespräche zu benutzen,
um rein deutschen militärischen Fähigkeiten Beschränkungen aufzuerlegen. Solche Begrenzungen und andere
vertrauensbildende Maßnahmen gehören zu Recht in
die KSE-Verhandlungen, die VSBM-Gespräche und
die kommenden Gespräche über nukleare Kurzstrekkensysteme (SNF).
Mit einem geeinten Deutschland wird ein neues Kapitel
der europäischen Nachkriegspolitik aufgeschlagen.
Dieses neue Kapitel sollte jedoch auch die Lektionen
enthalten, die wir aus den alten gelernt haben. Die
Europäische Gemeinschaft und die NATO repräsentieren den Willen freier Völker, die auf beiden Seiten
des Atlantiks zusammenarbeiten, um Demokratie,
Frieden und Wohlstand zu sichern. Aus diesem Grund
gehen wir zusammen mit vielen Europäern, einschließlich der Deutschen, davon aus, daß das neue Deutschland Vollmitglied einer vitalen NATO sein sollte.
Wie alle europäischen Institutionen wird sich die NATO
weiterentwickeln, um der neuen Lage gerecht zu werden.
Eines jedoch ist sicher: Sie wird ein Verteidigungsbündnis mit einem geeigneten Mix nuklearer und
konventioneller Streitkräfte bleiben, die der Bewahrung von Frieden und Sicherheit dienen, nicht der
Auslösung eines Krieges. Wie ich vergangene Woche
vor der KSZE-Konferenz in Kopenhagen erklärt habe,
wird sie darüber hinaus auch weiterhin als unerläßlicher Garant des Friedens dienen.
Die Sowjetunion lehnt die Vollmitgliedschaft eines
vereinigten Deutschlands in der NATO ab. Beim
Moskauer Außenministertreffen im Mai und dann beim

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Washingtoner Gipfel haben wir der sowjetischen Führung
erklärt, daß die NATO ein freiwilliger Zusammenschluß freier Völker ist. Ihr Zweck ist nicht - und war
niemals -, die Sowjetunion oder irgendein anderes
Land zu bedrohen oder anzugreifen, sondern Aggressionen zu verhindern und einen Anker gegen die
Stürme der Ungewißheit und Instabilität zu bieten.
In Abstimmung mit ihren Verbündeten in der NATO
haben die Vereinigten Staaten ein Neun-Punkte-Paket
künftiger Sicherheitsmaßnahmen vorgeschlagen, die
unseren Ansichten Nachdruck verleihen. Dazu gehören die folgenden Elemente: 1. KSE-Folgeverhandlungen für ganz Europa, die auch die Streitkräfte in der
Region Europa Mitte umfassen würden; 2. SNFVerhandlungen, die unmittelbar nach Unterzeichnung
eines KSE-Vertrages aufgenommen werden sollen; 3.
Bekräftigung der Verpflichtung Deutschlands, atomare, biologische oder chemische Waffen weder herzustellen noch zu besitzen; 4. Eine Überprüfung der
NATO-Strategie, um Umfang der nuklearen und konventionellen Streitkräfte sowie deren Strategie der
veränderten Lage anzupassen; 5. NichtStationierung
von NATO-Streitkräften auf dem Gebiet der heutigen
DDR während einer Übergangsperiode; 6. Unterstützung für das Interesse Deutschlands an einer Übergangsperiode bis zum Abzug der sowjetischen Truppen aus der DDR; 7. Eine endgültige Lösung der
Grenzfrage, die darin besteht, daß das Territorium
Deutschlands nur die Bundesrepublik Deutschland,
die DDR und Berlin umfaßt; 8. Die Bereitschaft zur
Stärkung der KSZE; 9. Die Lösung deutsch-sowjetischer Wirtschaftsfragen in einer Weise, die zur Unterstützung der Perestrojka beiträgt.
Zusammenfassend kann man sagen, daß wir versuchen, Moskaus Sicherheitsbedenken zu berücksichtigen. Es liegt jedoch auch an der Sowjetunion, zu
verstehen, warum die NATO für uns und die meisten
europäischen Staaten unerläßlich ist. Ich gehe davon
aus, daß letztlich die Sowjetunion bei dieser Frage
nicht isoliert dastehen möchte.
.
Bevor ich mich dem nächsten Bereich unserer Suche
nach Punkten beiderseitigen Vorteils zuwende, möchte ich kurz zu den jüngsten Wahlen in Mittel- und
Osteuropa Stellung nehmen.
Zwei weitere Länder haben jüngst mit ihren ersten
freien Wahlen seit der Revolution von 1989 die Probe
aufs Exempel gemacht. In der Tschechoslowakei
wurde allen Informationen zufolge sowohl dem Geist
als auch der Praxis freier Wahlen Rechnung getragen.
Das Bürgerforum und seine slowakische Partnerorganisation, Öffentlichkeit gegen Gewalt, erhielten eine
große Stimmenmehrheit, aber die große Gewinnerin
war die Demokratie.
Am 10. Juni 1990 gingen die Bulgaren zur ersten
Runde der Wahlen für ein neues Parlament an die
Urnen. Offiziellen Ergebnissen zufolge errang die

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�regierende Bulgarische Sozialistische Partei - die früheren Kommunisten - vor den Stichwahlen und der
Präsidentenwahl nahezu die Hälfte der Stimmen. Wir
können zur Zusammensetzung des Parlaments oder
zu möglichen Koalitionen nicht Stellung nehmen, bevor
diese Wahlgänge entschieden sind.
Fragen über mögliche Wahlmanipulationen werden
von der Regierung und Parteivertretern untersucht.
Wir möchten uns ein Urteil über diese Fragen vorbehalten, bis wir die Berichte der bulgarischen und ausländischen Wahlbeobachter, darunter auch eine USDelegation, geprüft haben. Wir haben unser Mißfallen
in mehreren Punkten zum Ausdruck gebracht, die
Fairneß im Wahlkampf, einschließlich der Einschüchterung von Oppositionsaktivisten und deren Anhängern, tiefgreifende Ungleichbehandlung im Hinblick
auf Wahlkampfmittel und Medienzugang sowie Unregelmäßigkeiten bei den Wählerlisten betreffen.
Wir werden weiterhin mit allen Bulgaren an der Entwicklung von politischem Pluralismus und demokratischen Institutionen arbeiten.
Rüstungskontrolle
Dies ist der zweite Bereich, in dem wir mit der Sowjetunion Vorteile für beide Seiten anstreben. Unser Ziel
besteht darin, strategische Stabilität und Berechenbarkeit zu verbessern und Abschreckung auf niedrigeren Streitkräfteniveaus und bei geringerer Gefahr von
Mißverständnissen oder Fehleinschätzungen beizubehalten. Sowohl strategische als auch konventionelle Rüstungskontrolle müssen in unsere Politik integriert werden, weil beide Aspekte des strategischen
Gleichgewichts eng miteinander verknüpft sind. Schließlich wollen wir das traditionelle Rüstungskontrollprogramm so erweitern, daß es neuen globalen Gefahren
wie etwa der Weiterverbreitung von Raketen und - als
altes, aber leider wieder aktuelles Problem - chemischen Waffen gerecht werden kann.
In einigen, wenn auch nicht in all diesen Bereichen
waren Fortschritte zu verzeichnen. Beim Gipfel haben
die Präsidenten Bush und Gorbatschow eine gemeinsame Erklärung zu START und künftigen Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen unterzeichnet.
Die Erklärung zu START zeigt eine Übereinstimmung
in nahezu allen wichtigen Punkten. Bevor ein Vertrag
unterzeichnet werden kann, müssen jedoch noch einige schwierige Probleme gelöst und komplexe, intensive Arbeit geleistet werden. Dennoch können wir
meiner Ansicht nach diese letzten Hürden bald nehmen, um die Zielsetzungen beider Präsidenten zu
erfüllen und noch Ende des Jahres einen Vertrag zu
unterzeichnen.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion engagieren sich für weitere Verhandlungen über strategische
Waffen. Unser Streben nach einer Verringerung der
Gefahr eines Atomkriegs wird nicht mit START been-

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det sein. Mit diesen künftigen Verhandlungen sollen
strategische Stabilität und Berechenbarkeit insbesondere durch den Abbau von Anreizen für einen Erstschlag verbessert werden. Wir verpflichten uns beide
dazu, die Anzahl der Gefechtsköpfe auf strategischen
Waffen - vor allem schweren Raketen und Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen - zu reduzieren.
Bei Atomtests haben wir einen langen Verhandlungsprozeß mit der Unterzeichnung von Protokollen zum
Schwellenvertrag und zum Vertrag über Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken beendet.
Beim Gipfel haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion darüber hinaus ein historisches bilaterales Abkommen unterzeichnet, um den größten Teil des
Arsenals unserer chemischen Waffen zu zerstören.
Beide Seiten sollen die Herstellung stoppen, auf gleiche niedrige Niveaus reduzieren und angemessene
Verfahrensweisen zur Inspektion entwickeln. Ferner
sind wir aufgefordert, zusammenzuarbeiten, um alle
Länder davon zu überzeugen, daß sie mit uns die
Zerstörung aller chemischen Waffen anstreben sollen.
Bei konventionellen Waffen in Europa ist der KSEVertrag, der erhebliche Reduzierungen sowjetischer
Streitkräfte und sowjetischen Geräts vorsieht, ein
wichtiger Baustein für ein ungeteiltes und freies Europa. Der Präsident und ich waren daher ermutigt durch
jüngste Erklärungen der Sowjets, in denen sie ihr
Engagement für eine baldige Einigung bei KSE bekräftigten. Ich möchte hinzufügen, daß Präsident Gorbatschow beim Gipfel unsere Forderung, vor Unterzeichnung eines KSE-Abkommens solle kein KSZE-Gipfel
stattfinden, akzeptiert hat.
Wir sind mit unseren NATO-Verbündeten übereingekommen, daß Gespräche über die Reduzierung atomarer Kurzstreckenraketen nach Unterzeichnung eines
KSE-Vertrags aufgenommen werden sollten. Darüber
hinaus habe ich bereits darauf verwiesen, daß unsere
neun Punkte zur Vereinigung beider deutscher Staaten KSZE-Folgeverhandlungen umfassen, die Streitkräfte im Bereich Europa Mitte betreffen. Es ist
entscheidend, daß KSE mit den gegenwärtig erfolgenden schnellen politischen Veränderungen Schritt hält.
Es steht für beide Seiten zuviel auf dem Spiel, als daß
es verschleppt werden könnte.
Regionale Konflikte
Dies ist der dritte Bereich, in dem wir mit der Sowjetunion Vorteile für beide Seiten anstreben. Im Kongreß
und in unseren öffentlichen Erklärungen haben wir die
Bedeutung amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit betont, um diesen schrecklichen und unnötigen
Kriegshandlungen ein Ende zu machen. Diese Zusammenarbeit hat im letzten Jahr gute Ergebnisse im
südlichen Afrika gezeitigt, wo ein unabhängiges Namibia
ein erster und hoffentlich nicht der einzige Lichtblick ist.

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�In Mittelamerika hat der Sieg der Demokratie durch die
Wahlen in Nicaragua die Aussichten für den Frieden
verbessert. Wir sind immer noch besorgt über die
sowjetische Unterstützung für Kuba und die kubanische Unterstützung für die Rebellen in El Salvador.
Die kontinuierliche Militärhilfe an Kuba ist eine krasse
Ausnahme des "neuen Denkens" der Sowjetunion zu
regionalen Fragen.
Die Präsidenten Bush und Gorbatschow haben beim
Gipfel weitreichende Gespräche über alle regionalen
Probleme geführt. Ein Ergebnis dessen war die am 2.
Juni von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
veröffentlichte gemeinsame Erklärung über Äthiopien.
In einem bemerkenswerten Beispiel unserer Kooperationsbereitschaft sind wir übereingekommen, daß
amerikanische Nahrungsmittel mit sowjetischen Flugzeugen dorthin transportiert werden sollen, um der
Hungersnot in diesem Land abzuhelfen. Darüber
hinaus unterstützen wir gemeinsam mit den Sowjets
eine internationale Regierungskonferenz unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, um zumindest die schrecklichen Konflikte am Hörn von Afrika
beilegen zu helfen.
Wirtschaftsbeziehungen
Der vierte und letzte Punkt, den ich heute ansprechen
möchte, ist der Handel zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion. Die Sowjets haben
ferner einem langfristigen Getreideabkommen zugestimmt.
Zwischen dem Getreideabkommen und dem Handelsabkommen gibt es keinen direkten Zusammenhang.
Amerikanisches Getreide ist gemäß bestehender
Abkommen seit Anfang der siebziger Jahre an die
Sowjetunion, unseren größten Einzelabnehmer, geliefert worden. Das Getreideabkommen ersetzt ein
bestehendes Abkommen, das den Absatz bis Ende
1990 regelt und stellt eine Erweiterung dessen dar.
Gemäß der Jackson-Vanik-Gesetze sind für die
Gewährung des Meistbegünstigungsstatus sowohl der
Verzicht auf Jackson-Vanik als auch der Abschluß
eines Handelsabkommens erforderlich. Aber die
Zustimmung hängt von den Maßnahmen ab, die die
Sowjets zu Ausreisegenehmigungen treffen. Der
Präsident hat deshalb darauf verwiesen, daß er weder
den Jackson-Vanik-Zusatzartikel aufheben noch dem
Kongreß ein Handelsabkommen vorlegen will, bevor
der Oberste Sowjet seine Ausreisegesetze verabschiedet hat. Außenminister Schewardnadse hat mir
versichert, daß sowjetischen Juden die freie Ausreise
weiterhin ermöglicht wird und daß Präsident Gorbatschows jüngste Äußerungen zu diesem Thema keine
anderslautende Meinung zum Ausdruck bringen wollten.
Der Präsident erklärte Gorbatschow, was bereits der
Senat eindeutig erklärt und das Repräsentantenhaus

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bestätigt hat. Wir sind nicht der Meinung, daß der
Kongreß dem Handelsgesetz zustimmen wird, bevor
der tote Punkt bei Litauen überwunden ist. Das ist ein
Faktor des politischen Lebens.
Ich wünschte, Ihnen mitteilen zu können, daß sich bei
der amerikanischen und sowjetischen Haltung zu Litauen eine Annäherung vollzogen hat, aber das ist
nicht der Fall. Dennoch hat Präsident Gorbatschow
sein Engagement bekräftigt, die Krise in Litauen friedlich lösen zu wollen. Wir glauben darüber hinaus, eine
Kompromißbereitschaft herausgehört zu haben und
sind ermutigt, daß die Spitzenpolitiker der baltischen
Staaten jetzt in Moskau weilen. Wir hoffen, daß es
hierbei nicht nur zu Treffen mit der sowjetischen Führungsspitze, sondern zu einem systematischen Dialog
und letztlich einer friedlichen Lösung kommen wird.
Aber ob es tatsächlich zu einer Verringerung der Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion
und Litauen kommen kann, ist fraglich.
Zusammenfassung
Herr Vorsitzender, Sie sehen, daß wir in vielen wichtigen Bereichen, die die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion gleichermaßen betreffen, engagiert sind.
Unser Ziel besteht darin, die Punkte beiderseitiger
Vorteile herauszuarbeiten, die eine solide Grundlage
für die dauerhafte Verbesserung der amerikanischsowjetischen Beziehungen bilden werden. Mit den
ungeheuren Veränderungen, die jetzt alte Ideologien
und Diktaturen hinweggefegt haben, bietet sich unseren Ländern eine historisch einmalige Chance. Wie ich
eingangs ausgeführt habe, hat jedes Erdbeben Nachbeben. Die Arbeit des Wiederaufbaus und Neuaufbaus hat gerade erst begonnen. Aber ich denke, wir
haben einen guten Anfang gemacht.
Teil dieses guten Anfangs ist die Beziehung, die wir
beim Gipfel zwischen den Präsidenten Bush und
Gorbatschow wahrgenommen haben. Ungeachtet der
Meinungsverschiedenheiten waren der Ton und die
Atmosphäre der Gespräche sehr entspannt. Dies
zeigt meiner Ansicht nach den grundlegenden Wunsch
an, Probleme zu lösen, und diese Haltung schafft
Vertrauen für die Zukunft.
Eine weitere wichtige vertrauensbildende Maßnahme
ist der Fortschritt, den wir gerade beim Treffen des
Nordatlantikrats in Schottland erzielt haben. Wie Sie
wissen, hat der Präsident im kommenden Monat einen
NATO-Sondergipfel einberufen, um die politische Rolle
der NATO zu erörtern und Anpassungen bei der militärischen Strategie und Struktur der NATO vorzunehmen, mit denen der Frieden im neuen Europa garantiert werden soll. Wir haben in Turnberry sehr gute
Gespräche geführt. Ich könnte sie zusammenfassen,
indem ich darauf hinweise, daß die NATO mehr zu tun
beabsichtigt als einen Krieg zu verhindern - sie ist
bereit und in der Lage, den Frieden zu bringen. Wir
wollen einen Frieden, der nicht nur bedeutet, daß es

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�von derOstsee bis zur Adria keinen Krieg gibt, sondern Arbeit beschleunigen und intensivieren, wenn sie ihrer
der in gemeinsamen demokratischen Werten besteht, Rolle als Gewissen Europas gerecht werden will. Aber
die vom Atlantik bis zum Ural Gültigkeit haben.
wir und all die anderen Länder, die am Aufbau des
neuen Europas teilnehmen, dürfen ein grundsätzliIch möchte mit den Worten schließen, die ich bereits ches Ziel nie vergessen. Wir müssen auf dem Fundabei der KSZE-Konferenz über die Menschliche Dimen- ment eines unveräußerlichen Rechts bauen: der Freiheit
sion in Kopenhagen verwendet habe. Auf Drängen der des Menschen.
Vereinigten Staaten und anderer muß die KSZE ihre

* * * * *

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�KSZE
20. Juni 1990

KAMPELMAN: VEREINIGTE STAATEN WÜNSCHEN
PERESTROJKA ERFOLG
Rede des US-Delegationsleiters bei der KSZE
KOPENHAGEN - (AD) - Bei seiner Rede anläßlich der KSZE-Konferenz über die Menschliche Dimension
erklärte Botschafter Max Kampelman am 12. Juni 1990, die Vereinigten Staaten wünschten den politischen und
wirtschaftlichen Reformen des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow den Erfolg. "Wir betrachten Perestrojka
als einzigartige sowjetische Reaktion auf ein Vermächtnis sich auftürmender politischer und wirtschaftlicher
Probleme. Sie ist darüber hinaus ein Versuch, die Strukturen einer überkommenen politischen Kultur zu
verändern," erklärte Kampelman bei der KSZE-Konferenz.
"Wir betrachten es als sehr wichtig und begrüßen es, daß Präsident Gorbatschow die Errichtung einer offenen,
humanen, rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaft als unabdingbar für den Erfolg der Reformen
betrachtet. Wir sind uns der Probleme bewußt, die sich mit der eher zu- als abnehmenden Zustimmung zu den
bereits erfolgten großen Leistungen ergeben."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Kampelmans Rede im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, in diesen für die Menschenrechte
so hoffnungsvollen Zeiten zur KSZE zurückzukehren.
Als ich zum letzten Mal von 1980 bis 1983 an diesem
Prozeß teilnahm, hätte die Teilung zwischen Ost und
West nicht drastischer sein können. Trotz dieser
Atmosphäre konnten wir in Madrid kleine Schritte nach
vorn machen. • In Wien gab es dagegen große Fortschritte. Und heute können noch größere Fortschritte
erzielt werden. Bei diesem Treffen in Kopenhagen
können wir viel tun, um sicherzustellen, daß wir uns
weiterhin vorwärts bewegen. Ich spüre, daß bei dieser
Zusammenkunft eine sehr konstruktive Atmosphäre
herrscht.
Zum Abschluß des dreijährigen Madrider Treffens
zeichnete sich bei den Menschenrechten ein düsteres
Bild ab. Ich habe damals erklärt, daß die Vereinigten
Staaten das Schlußdokument begrüßten, weil "das
Streben nach Frieden zu entscheidend, die Notwendigkeit des Verständnisses unerläßlich und die Bedeutung der Schlußakte von Helsinki zu groß sind, als daß
uns die vor uns liegenden Aufgaben oder die damit
verbundenen Hindernisse entmutigen könnten".
Meine Regierung hat es als ebenso entscheidend,
ebenso unerläßlich und ebenso wichtig angesehen,
daß diesen Worten direkte Taten folgen müssen. Wir
AMERIKA DIENST 24

haben daran geglaubt. Wir glauben jetzt noch daran.
Der wahre Maßstab für Fortschritte bei KSZE ist das
Ausmaß, in dem die Verpflichtungen unserer Regierungen sich im Leben der Menschen in unseren Ländern widerspiegeln.
Die jüngsten vor allem in Mittel- und Osteuropa erzielten Fortschritte bei den Menschenrechten sind bedeutend und beeindruckend. Wir sind uns alle darüber
einig, daß noch viel zu tun bleibt. Außenminister Baker
hat vergangene Woche darauf verwiesen, "wir müssen weiterhin drängen, bis die strengen Menschenrechtsnormen der KSZE in ganz Europa Gültigkeit
haben, bis sie jeden einzelnen erfassen". Unsere
Tagesordnung fordert deshalb eine Überprüfung der
Durchführung und berücksichtigt damit den Grundgedanken dieser Rede. Unser Hauptaugenmerk wird in
Kopenhagen eher die Zukunft als die Vergangenheit
sein.
Die Botschaft Präsident Havels an diese Konferenz
hat mich bewegt. Er schreibt, daß die jüngsten dramatischen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa "Bedingungen geschaffen haben, unter denen der Schutz der
Menschenrechte nicht mehr Gegenstand hitziger
Debatten sein muß und zu dem werden kann, was er
immer schon hätte sein müssen - ein Bereich des
Seite 1

�kontinuierlichen, regelmäßigen und zielgerichteten
Informationsaustauschs", der sich die Achtung der
Menschenrechte zum Ziel gesetzt hat. In diesem
Bewußtsein haben sich auch die Delegierten der DDR
geäußert: "Was in Europa seit Herbst letzten Jahres
erzielt worden ist, darf ... nicht zu Gleichgültigkeit
führen."
Meine Delegation hat darüber hinaus aufmerksam der
Rede von Minister Reschetow über die ungeheuren
Reformen in der Sowjetunion zugehört. Wir stimmen
mit seiner Beobachtung überein: "All unsere Völker
haben zum einen oder anderen Zeitpunkt demokratische Prozesse durchgemacht, wobei überall Probleme aufgetreten sind. Niemand war in der Lage, über
Nacht von einer Phase in die nächste zu springen."
Aus der Erfahrung, die unser Land in den vergangenen
zweihundert Jahren gemacht hat, erkennen wir, daß
es keine einfache Formel für erfolgreiche Demokratiebildung gibt. Die amerikanische Demokratie ist mit
ihrem unvollendeten Programm keineswegs perfekt.
Gleichzeitig verleiht die Tatsache, daß wir eine Demokratie sind, unserer Nation die Stärke und Flexibilität,
alte Fehler auszubügeln und uns neuen Herausforderungen zu stellen. Regierungen können niemals vollkommen sein, weil sie aus Menschen bestehen, die
niemals perfekt sind. Aber Regierungen können vervollkommnet werden, wenn sie auf der Grundlage
bürgerlicher und politischer Freiheiten errichtet werden.
Heute teilen sich die Vereinigten Staaten das demokratische Haus mit vielen Nationen. Dieses gastliche
Haus hat viele Wohnungen. In jeder werden zweifellos
die Menschenrechte geachtet, und alle sind politisch
legitimiert. Wir sollten unsere Bestrebungen fortsetzen, um ein dauerhaftes Fundament der Menschenrechte und Demokratie für uns alle und unsere Bürger
zu errichten.
Meine Regierung wünscht Perestrojka allen erdenklichen Erfolg. Wir betrachten Perestrojka als einzigartige sowjetische Reaktion auf ein Vermächtnis sich
auftürmender politischer und wirtschaftlicher Probleme. Sie ist darüber hinaus ein Versuch, die Strukturen
einer überkommenen politischen Kultur zu verändern.
Wir messen ihr gro ße Bedeutung bei und begrü ßen es,
daß Präsident Gorbatschow die Errichtung einer offenen, humanen, rechtsstaatlichen und demokratischen
Gesellschaft als unabdingbar für den Erfolg der Reformen betrachtet. Wir sind uns der Probleme bewußt,
die sich mit der eher zu- als abnehmenden Zustimmung zu den bereits erfolgten großen Leistungen
ergeben.
Wir konnten die Anfänge freier Wahlen für nationale,
regionale und kommunale Ämter beobachten. Wir
begrüßen die Zurückweisung von Gesetzen, mit denen einstmals der friedliche Widerstand zum Verbechen erklärt wurde. Glasnost tritt immer deutlicher

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zutage. Religionsfreiheit, Redefreiheit und Versammlungsfreiheit entwickeln sich positiv. Aus politischen
oder religiösen Gründen in psychiatrischen Anstalten
Inhaftierte sind freigelassen worden. Ausreisen und
Reisen ins Ausland sind drastisch gestiegen. Die
Institutionalisierung der Reformen ist im Gange, da - so
sagt man uns - Legislative, Judikative und Exekutive
Methoden erarbeitet haben, um gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen und damit ihren Verpflichtungen gemäß der Schlußdokumente von Helsinki, Madrid und Wien nachkommen.
Herr Vorsitzender, an diesem Punkt scheint mir ein
anerkennendes Wort angemessen, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten im Geist der KSZE
zusammengearbeitet und damit auf hoher Ebene den
Dialog über die menschliche Dimension aufrechterhalten haben. Sowjetische Behörden waren bei diesem
Austausch sehr kooperativ und haben Rechtsstaatlichkeit gefördert, die Praktiken in der Psychiatrie
verbessert und neue Bedingungen für ältere und behinderte Menschen geschaffen. Wir möchten dem
Leiter der sowjetischen Delegation bei dieser Konferenz - der bei diesen bilateralen Gesprächen einer
unserer wichtigsten Gesprächspartner war - und seinen Mitarbeitern unsere Befriedigung über die Zusammenarbeit ausdrücken.
Präsident Gorbatschow hat erklärt, daß es auf dem
Weg zu Reformen kein Zurück gibt. Unserer Ansicht
nach ist ein Prozeß eingeleitet worden, der stetig
vollendet werden muß. Mit diesen Erwartungen sehen
wir den Moskauer Treffen dieser Konferenz im Jahr
1991 entgegen.
Seit unserer Zusammenkunft in Paris vor einem Jahr
hat die sowjetische Regierung alle bekannten Gefangenen aus den Arbeitslagern und aus der Verbannung
entlassen, die aufgrund politischer oder religiöser
Verfehlungen nach dem Strafrecht verurteilt waren.
Wir erwarten jetzt den Abschluß der Reformen dieser
Gesetze. Wir tauschen auch zu anderen Fällen, bei
denen politische Faktoren zu Verurteilungen geführt
haben, ständig Informationen aus.
Wir begrüßen eine Reihe von erfolgten Freilassungen
aus dem Lager 35 in Perm, aber es gibt immer noch
zwei Dutzend Gefangene in dem Lager, bei denen die
Länge der Strafe und die strengen Haftbedingungen
auf "altes Denken" hindeuten und nach Überprüfung
verlangen. Wir hoffen, daß eine solche Überprüfung
durchgeführt wird. Ich möchte in diesem Zusmmenhang darauf hinweisen, daß die Vereinigten Staaten
als Teil ihres kontinuierlichen bilateralen Informationsaustauschs die sowjetischen Forderungen nach Aufklärung über mutmaßliche politische Gefangene in den
Vereinigten Staaten erfüllen.
Die außergewöhnlich stark angestiegene Zahl der
Auswanderungen aus der Sowjetunion und die besseren Möglichkeiten für sowjetische Bürger, Reisen ins

AMERIKA DIENST 24

�Ausland zu unternehmen, haben uns beeindruckt. Wir
erwarten die baldige Verabschiedung der versprochenen Ein- und Ausreisegesetze. Sie sollen einen langen Weg zur Institutionalisierung der liberalisierten
Verfahren zurücklegen, die die Sowjets seit 1986
anwenden und dazu beitragen, daß die Probleme der
Vergangenheit niemals wiederkehren.
In Wien haben sich die teilnehmenden Staaten verpflichtet, "die notwendigen Schritte zu unternehmen,
um alle Gesuche auf der Grundlage der... Bestimmungen über menschliche Kontakte (der KSZE)... binnen
sechs Monaten einer Lösung zuzuführen". Diese Frist
von sechs Monaten lief am 19. Juli 1989 ab. Trotzdem
gibt es weiterhin ungefähr 60 seit langem bestehende,
ungelöste Fälle, und es stehen etwa zehn Personen
auf der amerikanischen Liste von bilateralen Fällen,
denen die Ausreisegenehmigung verweigert wird. Einige
dieser Menschen, die um Unterstützung nachsuchen,
warten bereits seit über zehn Jahren. Die Zahl ist
heute ziemlich gering. Es wäre gut, wenn sie auf Null
reduziert werden könnte.
Der sogenannte "KSZE-Mechanismus der menschlichen Dimension" ist in diesem Saal gelobt worden. Wir
schließen uns denjenigen an, die ihre anhaltende
Unterstützung dafür bekundet haben. Der Mechanismus wird unser gegenseitiges Verständnis erweitern
und die Spannungen zwischen uns reduzieren.
In diesem Zusammenhang muß ich allerdings kurz auf
ein zusätzliches noch ungelöstes Problem aus der
Vergangenheit eingehen, das von unserer Tagesordnung gestrichen werden sollte. Ich beziehe mich auf
das Verschwinden von Raoul Wallenberg in Ungarn im
Januar 1945 und seine Inhaftierung in der Sowjetunion, nachdem er eine humanitäre Mission für die jüdische Gemeinde durchgeführt hatte.
Das Nachrichtenmagazin Time hat unlängst im Vorabdruck Auszüge aus den Memoiren Andrej Sacharows
veröffentlicht. Darin kommentiert der Nobelpreisträger die offizielle sowjetische Position, derzufolge
Wallenberg im Jahr 1947 in der Haft starb. Sacharow
kam zu dem Schluß, daß diese Behauptung "ganz
sicher unwahr ist". Er forderte: "Diplomaten sollten
weiter die sowjetischen Behörden drängen, das Geheimnis um Wallenberg aufzuklären." In diesem
Bewu ßtsein und im Geist von Glasnost fordert unsere
Delegation erneut eine vollständige Information. Wir
können uns nicht mit der Erklärung zufrieden geben,
die Akten seien verschwunden. Wir möchten die volle
Wahrheit wissen und gehen davon aus, daß wir alle
von ihrer Enthüllung profitieren werden.
Um eine bessere Zukunft aufzubauen, müssen alle
Nationen mit der Vergangenheit ins reine kommen mit dem Vermächtnis des kalten Krieges und den
Konflikten, die ihm vorausgingen.
Nach Ansicht meiner Regierung gebietet es die Zukunft, daß die Sowjetunion das tragische Vermächtnis
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des Hitler-Stalin-Pakts in den Griff bekommt. Wir alle
wissen um die Tatsache, daß uns Gesuche auf Gewährung eines Beobachterstatus bei unseren Zusammenkünften für Vertreter Litauens, Lettlands und Estlands vorgelegt wurden. Es besteht kein Konsens zur
Unterstützung dieser Gesuche. Ich bekräftige hiermit,
daß die Regierung der Vereinigten Staaten dem Tag
entgegensieht, an dem solche Ersuchen von allen 35
Mitgliedstaaten akzeptiert werden können. Die Vereinigten Staaten stimmen mit dem Beschluß des sowjetischen Kongresses der Volksdeputierten vom 24.
Dezember 1989 überein, wonach der sogenannte
Molotow-Ribbentrop-Pakt - der Pakt zwischen Nazis
und Sowjets von 1939 - von Anfang an null und nichtig
war. Die Folgen der geheimen Zusatzprotokolle zu
diesem Vertrag - insbesondere die zwangsweise Eingliederung von Lettland, Litauen und Estland in sowjetisches Staatsgebiet, das sowjetischen Gesetzen und
sowjetischer Autorität unterliegt - sind somit automatisch rechtswidrig. Dies entspricht seit langem unserer
Auffassung.
Wir verstehen, daß Erklärungen allein eine fünfzigjährige Beziehung nicht von selbst zu einem friedlichen
und stabilen Ende bringen. Es gibt Probleme mit
Grenzen, Handel, Minderheitenrechten, Eigentum,
Sicherheit und einer Vielzahl weiterer komplexer und
einfacher Fragen. Diese Probleme erfordern unverzügliche, anhaltende und geduldige Verhandlungen.
All diese Mittel zur friedlichen Schlichtung werden von
Wirtschaftsembargos, nächtlichen Panzerbewegungen auf den Straßen, dem gewaltsamen Eindringen
von Truppen, der zwangsweisen Isolierung von der
Presse und anderen bedrohlichen Taten und Worten
untergraben.
Wirfordern die Sowjetunion auf, zu tun, was sie, wie sie
selbst wei ß, früher oder später in ihrem besten Interesse tun muß - verhandeln. Die ständig verbesserte
Bilanz der Einhaltung der Schlußakte von Helsinki
sollte nicht getrübt werden.
Herr Vorsitzender, die Serie neuer nationaler Wahlen,
die gerade in den aufstrebenden Demokratien Europas stattgefunden haben, ist nur der erste Schritt im
andauernden Prozeß des Aufbaus der Demokratie.
Die neugewählten Regierungen müssen mit der Erblast von Jahrzehnten der Unterdrückung fertigwerden.
Alte Gewohnheiten sind schwer abzuschütteln. Totalitäre Strukturen - die ihrem Charakter nach allgegenwärtig sind und in alle Lebensbereiche eingreifen lassen sich nur schwer abbauen. Menschen, die lange
Zeit in der Dunkelheit gelebt haben, müssen sich an
das Licht gewöhnen. Alle Regierungen tragen große
Verantwortung dafür, ihren Gesellschaften zu helfen,
erfolgreich den Übergang von Unterdrückung zur Demokratie zu bewältigen. Dabei müssen sie sowohl
ihren eigenen Bürgern als auch der internationalen
Staatengemeinschaft gegenüber Rechenschaft ablegen.

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�Herr Vorsitzender, während Gesellschaften darum
kämpfen, sich vom Eis der Repression zu befreien und
den Samen der Demokratie zu säen, laufen sie Gefahr,
sich in Streit und Intoleranz zu verlieren. Zu unseren
wichtigsten Menschenrechtsanliegen nicht nur in der
Sowjetunion, sondern auch andernorts in Mittel- und
Osteuropa gehört der Schutz von Minderheitenrechten - eine Frage, mit denen die neuen Regierungen von
Anfang an konfrontiert sind. Antisemitismus sowie
rassisch, religiös, ethnisch oder anders begründeter
Ha ß sind ein Symptom dieser Gefahr. Die Zeit verlangt
eine energische, systematische und öffentliche Verurteilung solcher Vorurteile durch die höchsten staatlichen Stellen. Für energische moralische Führung gibt
es keinen Ersatz.
Auf die mit der Sicherung von Minderheitenrechten
zusammenhängenden Fragen gibt es keine einfachen
Antworten. Die Regierungen können Vorurteile und
seit langem bestehende Animositäten nicht auslöschen. Aber die Regierungen können Maßnahmen
ergreifen, um der Diskriminierung und Verfolgung Einhalt
zu gebieten. Die Regierungen können Teil der Lösung
oder Teil des Problems werden. Wenn die Regierungen die Ordnung auf Kosten der Grundfreiheiten herstellen, wenn sie die Flammen der Intoleranz anfachen
oder beiseite stehen und nichts tun, während ihre
Gesellschaften von Haß verzehrt werden, dann sind
sie Teil des Problems. Wenn sie dagegen gleichen

* *

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Schutz durch gerechte Gesetze gewährleisten, wenn
sie kulturelle Vielfalt begrü ßen, wenn sie in der Off ent
lichkeit eine feste Haltung gegen Vorurteile einnehmen, dann sind sie Teil der Antwort.
Der wichtige Beitrag von Kopenhagen zu diesem Prozeß
wird darin bestehen, daß dieses Gremium die Grundsätze von freien Wahlen, politischem Pluralismus und
Rechtsstaatlichkeit stärkt. Gleichzeitig müssen wir die
Richtung weisen, der die KSZE folgen muß, wenn sie
Europa helfen soll, die Minderheitenkonflikte in den
Griff zu bekommen, mit denen wir konfrontiert sind.
Die Völker Mittel- und Osteuropas wissen besser als
jeder andere, wie weit ihre Länder gekommen sind, wie
weit sie noch gehen müssen und wie sehr die KSZE im
Lauf der Jahre dazu beigetragen hat, ihren Bürgern die
Menschenwürde zu sichern. Wir staunen angesichts
des schieren Umfangs dieser Aufgabe und erkennen
ihre historische Bedeutung an.
Durch die Verwirklichung der KSZE-Prinzipien und Vorschriften können die Teilnehmerstaaten dazu beitragen, Europa eine bessere Zukunft zu sichern. Der
Tag, an dem alle Menschen dort in Freiheit, Wohlstand
und Frieden leben können, ist noch nicht gekommen.
Aber er wird gekommen. Und mit unseren Bemühungen hier in Kopenhagen können wir seinen Anbruch
beschleunigen.

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*

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�CHINA
20. Juni 1990

US-CHINAPOLITIK: ENGAGEMENT UND SANKTIONEN
Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen seit dem
Tiananmen-Massaker

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Politik
gegenüber China ist seit dem Massaker aut dem Platz
des Himmlischen Friedens im Juni 1989 bestrebt,
Reformen und Menschenrechte durch eine ausgewogene Mischung von Engagement und Sanktionen zu
fördern.
In diesem Zusammenhang erklärte der Abteilungsleiter im Au ßenministerium, Richard Solomon, am 6. Juni
1990 vor dem Senat: "Unsere Haltung wird durch den
Versuch gekennzeichnet, eine wichtige Beziehung zu
erhalten, die bedeutenden nationalen Interessen dient
und gleichzeitig eine klare Botschaft auszusenden,
daß das Verhalten Pekings im Bereich Menschenrechte inakzeptabel war - und bleibt - und damit eine völlige
Normalisierung des Verhältnisses ausschließt."
Die abscheuliche Ermordung gewaltloser Demonstranten durch Pekinger Truppen im vergangenen Jahr hat
Administration und Kongreß dazu veranlaßt, eine Reihe
von Sanktionen gegen China zu verhängen. Die
Reaktion der Bush-Administration auf das Massaker in
Peking erfolgte rasch und unmißverständlich. Präsident Bush war der erste wichtige Politiker der Welt, der
dieses Vorgehen verurteilte, und er verhängte umgehend ein Paket von Maßnahmen, um zu zeigen, daß es
solange keine "normalen" Beziehungen geben kann,
wie die Atmosphäre der Unterdrückung bestehen bleibt.
Bei der Verurteilung der Gewaltakte hat der Präsident
eindeutig erklärt, daß die Vereinigten Staaten denjenigen zur Seite stehen, die mehr Freiheit und Demokratie anstreben.
Am 5. Juni 1989 - dem Tag nach dem TiananmenMassaker - ordnete der Präsident eine Aussetzung
aller Besuche zwischen hochrangigen Militärs beider
Länder sowie bei staatlichen und privatwirtschaftlichen Waffenexporten an, ferner eine interministerielle
Überprüfung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen. Darüber hinaus verkündete der Präsident,
daß er alle Ersuchen chinesischer Studenten um
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Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis wohlwollend
prüfen werde. Am 20. Juni 1989 ordnete der Präsident
dann die Einstellung von Kontakten zwischen hochrangigen Regierungsvertretern an und sagte geplante
Reisen von Wirtschaftsminister Mosbacher und Finanzminister Brady in Peking ab. Die Administration
bemühte sich femer mit Erfolg darum, die weitere
Vergabe von neuen Krediten an China durch internationale Finanzinstitutionen zu vertagen.
Diese Sanktionen bleiben bestehen,
stellt sich heute folgendermaßen dar:

Die Situation

Vor dem Tiananmen-Massaker gab es regelmäßig und häufig Treffen hochrangiger Regierungsvertreter der Vereinigten Staaten und
Chinas, von Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegationen und Kulturgruppen. Solche Kontakte finden heute selten und in großen Abständen statt: mit Ausnahme der Scowcroft-Eagleburger-Missionen wurden alle offiziellen Treffen
von der Abteilungsleiterebene an aufwärts eingestellt.
Die Vereinigten Staaten und China unterhielten
vier Programme über die Lieferung von Militärgütern (Foreign Military Sales). Sämtliche Lieferungen im Rahmen dieser Programme wurden eingestellt. Das größte Programm - ein
Avionik-Projekt im Wert von 500 Millionen Dollar
- wurde gekündigt. Gespräche über künftige
Programme wurden ebenso wie private Lieferungen eingestellt.
Bis zum Tiananmen-Massaker war China einer
der Hauptempfänger von Krediten der Weltbank
und der Asiatischen Entwicklungsbank. Zwischen Juni 1989 und Januar 1990 wurden Kredite beider Institutionen eingefroren, außer bei
einer Handvoll von Projekten zur Befriedigung
von Grundbedürfnissen. Präsident Bush hat die

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�Führung dabei übernommen, die Vergabe von
Weltbankkrediten von erheblichen Verbesserungen in der Menschenrechtssituation abhängig zu machen.
China hat seit 1984 erheblich von der Liberalisierung der Technologieexporte gemäß dem
COCOM-Regime profitiert. Eine im Jahr 1989
diskutierte weitere Liberalisierung der COCOMKontrollen wurde nach dem Juni vergangenen
Jahres ausgesetzt.
Die amerikanische Gesellschaft für Privatinvestitionen im Ausland (OPIC) hat seit den Ereignissen auf dem Tiananmen keine Versicherung
für Unternehmen gewährt, die in China investieren wollen.
Solomon zufolge war das Sanktionspaket so beschaffen, daß weitere Härten für das chinesische Volk
vermieden werden sollten und der Regierung gleichzeitig klargemacht wurde, daß die gewaltsame Unterdrückung abweichender Meinungen ernsthafte Konsequenzen nach sich zieht. "Wir waren bestrebt,
bestimmte Kernelemente der amerikanisch-chinesischen Beziehungen zu bewahren - die von fünf Administrationen in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit
viel Mühe geschaffen wurden -, da dies der einzige
Weg ist, um weiterhin unser Engagement für Reformen und Offenheit in China zum Tragen zu bringen",
erklärte Solomon.
Die Verbündeten der Vereinigten Staaten in der G-7 Kanada, Frankreich, Großbritannien, Japan, Bundesrepublik Deutschland und Italien - verfolgen im allgemeinen die gleiche Linie. Bei regelmäßigen Konsultationen war die G-7 in der Lage, seit Juni 1989 eine
gemeinsame westliche Position zu den wichtigsten
Fragen, wie etwa die Einstellung von Waffenexporten
nach China, die Beschränkung der Kreditvergabe durch
Weltbank und Asiatische Entwicklungsbank sowie eine
Begrenzung hochrangiger staatlicher Kontakte aufrechtzuerhalten. "Diese westliche Solidarität", erklärte Solomon, "hat der chinesischen Führung eine eindeutige Botschaft übermittelt, daß normale Beziehungen mit der internationalen Staatengemeinschaft nicht
möglich sind, wenn eine Regierung zur gewaltsamen
Unterdrückung ihres Volks greift und die Notwendigkeit wirtschaftlicher und politischer Reformen ignoriert."
Als Antwort darauf hat die chinesische Führung durch
eine Reihe positiver, wenn auch bescheidener Schritte
in den letzten Monaten ihren Wunsch signalisiert, das
amerikanisch-chinesische Verhältnis zu bewahren:
Aufhebung des Kriegsrechts in Peking und Lhasa;
Haftentlassung von zunächst 573 und dann kürzlich
noch einmal 211 Gefangenen; Gestattung des Zugangs nach Tibet für Diplomaten; Akkreditierung eines
Korrespondenten der Stimme Amerikas; die Zusage,
keine Mittelstreckenraketen in den Nahen Osten zu

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liefern; Wiederaufnahme des Fulbright-Programms;
Einladung von Freiwilligen des Entwicklungsdienstes
Peace Corps.
Die Bush-Administration ist jedoch enttäuscht, daß die
chinesische Regierung keine entschiedeneren Schritte unternommen hat, um ihr Engagement für die international anerkannten Menschenrechte zu demonstrieren. "Unter den gegenwärtigen Umständen", so Solomon, "finden die vom Präsidenten verhängten Sanktionen weiterhin Anwendung".
Er verwies ferner darauf, daß die Vereinigten Staaten
sich weiterhin auf die Politik stützen werden, mit der in
den letzten zehn Jahren positive Entwicklungen in
China gefördert und Aktionen vermieden wurden, mit
denen die in vielen Teilen der chinesischen Gesellschaft immer noch aktiven Kräfte des Fortschritts
unterminiert werden könnten. "Der Ausbau unserer
Beziehungen zu China seit der Normalisierung im Jahr
1979 zielte darauf ab, die wirtschaftliche und soziale
Modernisierung zufördern", erklärte Solomon. "In den
letzten zehn Jahren haben wir mit China viele offizielle
und private Kontakte zwischen Institutionen und Privatpersonen aufgebaut, die tiefgreifende Auswirkungen auf die politischen und wirtschaftlichen Reformen
und die chinesische Haltung zu den Menschenrechten
hatten."
Darüber hinaus wurden Solomon zufolge "die bilateralen Handelsbeziehungen zu China ausgebaut, unter
anderem, um die Hinwendung zu einer Marktwirtschaft
zu fördern und die Entwicklung des multilateralen
Handels und der finanziellen Verbindungen einzuleiten, mit denen China seine Integration ins Weltwirtschaftssystem vollziehen kann."
Diese letzte Politik liefert den Grundstein für die Entscheidung des Präsidenten, China weiterhin Meistbegünstigungsstatus zu gewähren. Die Vereinigten Staaten
sind der Ansicht, daß ein Rückzieher an diesem Punkt
in Chinadie Anreize für Reformen und Maßnahmen bei
den Menschenrechten verringern und darüber hinaus
andere wichtige außenpolitische Ziele der Vereinigten
Staaten gefährden könnte, erklärte Solomon. "Wir
wollen, daß China unsere Ansichten zu einem großen
Spektrum von regionalen und internationalen Fragen
berücksichtigt, etwa bei der Verbreitung von Raketen
und Rüstungsexporten, Handelspraktiken, Umweltschutz und bei der friedlichen Lösung regionaler Konfikte. Eine Verweigerung der Meistbegünstigungsklausel würde bedeuten, daß China nichts mehr zu
verlieren hätte, wenn es unsere Bedenken in diesen
Bereichen außer acht ließe."
Solomon verwies insbesondere darauf, daß Wirtschaftsbeziehungen unabdingbar sind, wenn die Vereinigten
Staaten Reformen in China unterstützen wollen. "Der
Meistbegünstigungsstatus liefert das Fundament für
unsere Wirtschaftsbeziehungen. Und die Dynamik
unserer Wirtschaftsbeziehungen hat eine aktive Prä-

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�senz der Vereinigten Staaten in China auf vielen
Ebenen und Tausenden von chinesischen Unternehmen, ihren Managern und Mitarbeitern den Kontakt zu
amerikanischen Firmen ermöglicht. Diese Kontakte
leisten mehr als nur die Erleichterung von Handel und
Investitionen. Sie fördern das Verständnis unseres
Lebensstils, unserer politischen Werte und unseres
freien Unternehmertums. Ereignisse auf der ganzen
Welt bestärken uns in unserer Meinung, daß der
Welthandel ein wichtiger Katalysator für Veränderungen ist. Wie wir in Osteuropa und der Sowjetunion
beobachten konnten, können erfolgreiche Wirtschaftsreformen nicht ohne politische Reformen erfolgen."

Schluß, daß der Meistbegünstigungsstatus für China
weiterhin im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
Daher hat er am 24. Mai 1990 Schritte unternommen,
um China durch eine Verlängerung der Ausnahmeregelung vom Jackson-Vanik-Zusatzartikel (Abschnitt
402) des Handelsgesetzes für ein weiteres Jahr den
Meistbegünstigungsstatus einzuräumen.
Der Präsident hat Solomon zufolge entschieden, Chinas Meistbegünstigungsstatus zu verlängern, weil dies
eindeutig den Interessen der Vereinigten Staaten dient:
er fördert die Ziele der Reformierung, Modernisierung
und Förderung der Menschenrechte, durch ihn können
produktive offizielle Kontakte erhalten werden, er schützt
die Interessen amerikanischer Firmen und Verbraucher, und er trägt zur Erhaltung der Stabilität und
künftigen Lebensfähigkeit Hongkongs bei.

Die Aufhebung des Meistbegünstigungsstatus würde
größere Härte für die Menschen in China bedeuten,
ohne daß damit die erwünschten Verbesserungen bei
der Menschenrechtssituation oder eine Rückkehr zu
wirtschaftlichen und politischen Reformen erzielt würden. "Stattdessen", erklärte er, "würden damit unser
Einfluß zunichte gemacht, amerikanische Unternehmen gestraft und konservative, isolationistische Kräfte
in der chinesischen Führung bestärkt. Kurzum: es
handelt sich dabei um das falsche Mittel".

"Wir dürfen die Macht des Welthandels als treibende
Kraft des Wandels nicht unterschätzen", erklärte Solomon. "Solange China sich wirtschaftlich engagiert,
sind die Reformkräfte vom Platz des Himmlischen
Friedens noch aktiv. China kann nicht gegen den Wind
des Wandels ansegeln.

Aus diesem Grunde kam der Präsident nach Erwägung der anderen verhängten Sanktionen zu dem

* *

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