<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2148" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2148?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:46:35+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2159">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/cc3dce9fb4bbfeed7df85b342c78aaad.pdf</src>
      <authentication>aecc34f3d2db512d1feb5dcca18ad954</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10867">
                  <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

# ,o(S

...3V'

13. Juni 1990

BAKER: UNGETEILTES UND FREIES
EUROPA IN GREIFBAR NÄHE GERÜCKT
Rede des US-Außenministers bei
der KSZE

^

NATO

BAKER: NEUN ZUSICHERUNGEN AN
DIE SOWJETS
Rede des US-Außenministers beim
Nordatlantikrat

VSBM

NATO SCHLÄGT NEUEN SICHERHEITSMECHANISMUS VOR
Von Botschafter John J. Maresca
US-Delegationsleiter bei den
VSBM-Gesprächen in Wien

ILO

ILO ERHALT AMERIKANISCHE ZUSCHUSSE
FÜR ARBEIT IN OSTEUROPA
Rede von Arbeitsministerin
Elizabeth Dole

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�KSZE
13. Juni 1990

BAKER: UNGETEILTES UND FREIES EUROPA IN
GREIFBARE NÄHE GERÜCKT
Rede des US-Außenministers bei der KSZE
KOPENHAGEN - (AD) - In seiner Rede bei der KSZE-Konferenz über die Menschliche Dimension erklärte USAußenminister James Baker am 6. Juni 1990: "Wir sind der Verwirklichung der langgehegten Vision eines
ungeteilten und freien Europas näher als je zuvor." Baker zufolge waren die Aussichten für die Achtung und den
Schutz der Menschenrechte "niemals besser", und seiner Ansicht nach ist es an der Zeit, daß die KSZE
zusätzliche Aufgaben übernimmt, um die "Freiheit aller Menschen" sichern zu helfen.
Damit die KSZE ihre Aufgabe erfüllen kann, unterbreitete Baker eine Reihe von Vorschlägen zur Stärkung des
KSZE-Prozesses: regelmäßige Konsultationen von Ministern und hochrangigen Regierungsvertretern, häufiger
stattfindende Folgekonferenzen, in Kopenhagen die Verabschiedung und beim KSZE-Gipfel die Bestätigung des
Grundsatzes von freien und fairen Wahlen, politischem Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit.
Bei diesem Ministerireffen werden Vorbereitungen für einen KSZE-Gipfel Ende des Jahres getroffen, wo die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erwartungsgemäß ein Abkommen über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) unterzeichnen werden. Baker erklärte dazu, "Präsident Gorbatschow hat vergangene Woche
angedeutet, daß er diese Auffassung teilt," und verwies darauf, gerade die KSZE sei das Forum, indem die
Vereinigten Staaten, Kanada und alle Länder Europas eine gemeinsame Basis finden können, um diesen
Herausforderungen gerecht zu werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede "Die KSZE: Das Gewissen des Kontinents" im Wortlaut:

Wir werden gegenwärtig Zeuge der Entstehung eines
neuen Zeitalters in Europa.

Deshalb sind wir hier.

Wir leben in einer Zeit der Gespräche über neue
Strukturen, Gremien, Ausschüsse, Bündnisse und
gemeinsame Häuser.

Der Begriff Menschenrechte ist ein moderner Begriff.
Aber er geht auf die Worte - und das Bewußtsein engagierter Menschen in der langen Geschichte Europas zurück.

Dies sind zweifellos gewichtige Themen.

Auf die Kodizes von König Knut.

Aber all diese Überlegungen der Politiker und Diplomaten, Wissenschaftler und Gesetzgeber werden zu nichts
führen, wenn man eine Grundannahme außer acht
läßt.

Die Magna Carta.

Diese Prämisse lautet, daß "alle Menschen gleich
geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit
gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind;
daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück
gehören".
"Zur Sicherung dieser Rechte (müssen) Regierungen
unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre i echtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten
ableiten."
AMERIKA DIENST 23

Die Bill of Rights.
Die Erklärung über die Rechte des Menschen.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.
Die Schlußakte von Helsinki.
Es gab Zeiten, da blieben diese Worte wegen schreiender Massen, Gefängnistore und Geheimpolizei
ungehört. Es gab auch Zeiten, da diese Worte verbrannt und verboten wurden.

Seite 1

�Aber die nachfolgenden Generationen führten sie dann
wieder im Mund.

eingehaucht. Sie haben den Worten neue Bedeutung
verliehen.

Sie konnten nicht zerstört werden - weil sie den Menschen aus der Seele sprechen.

Bald darauf haben diese Worte zu mutigen Taten
geführt, die Diktatoren und Einparteienstaaten nicht
begreifen konnten.

Genau dieselben Ideen, die schon Jefferson und
Montesquieu bewegten, liegen heute den Worten von
Havel und Geremek zugrunde. Sie bestimmen unsere
Erinnerung an die Geschichte und weisen uns den
Weg in die Zukunft.
Immer wieder konnten wir beobachten, wie die Verachtung der Menschenwürde durch Regierungen zu
beispiellosen Leiden geführt hat. Jede Generation,
auch unsere, hat die Lektion unserer Gründerväter
gelernt - daß wir gemeinsam in Gefahr geraten, wenn
wir unsere Augen vor den Leiden verschließen, die
Intoleranz und Unterdrückung mit sich bringen.
Thomas Jefferson hat es vor zweihundert Jahren so
formuliert: Wir müssen "auf Gottes Altar jeder Form
der Tyrannei über den menschlichen Geist ewige
Feindschaft schwören".
Und somit müssen wir uns als Vertreter der Menschen
aus 35 Ländern wiederum der Sache der Menschenrechte verschreiben, und wir müssen die demokratischen Werte bestätigen, die unser Vermächtnis der
Vergangenheit sind.
Wir sind der Verwirklichung der langgehegten Vision
eines ungeteilten und freien Europas näher als je
zuvor. Aber wenn wir die Arbeit aufnehmen und große
Entwürfe und langfristige Konzepte in Erwägung ziehen, müssen wir die Richtung finden, indem wir uns
eine Zusammenkunft vor 15 Jahren ins Gedächtnis
zurückrufen. Damals lebten die Völker Mittel- und
Osteuropas noch in einem künstlich geteilten Europa,
isoliert hinter einer Mauer, einem dunklen Vorhang,
der das Licht der Welt nur schwach durchließ.
In diesen schweren Zeiten setzte eine Gruppe unerschrockener Menschen in einer kleinen Wohnung in
Moskau ihre Freiheit aufs Spiel, um die erste KSZEBeobachtergruppe zu bilden. Sie verurteilte die Dunkelheit der Tyrannei und gelobte, die Verweigerung der
Menschenrechte ans Licht zu bringen. Ihr Leiter Juri
Orlow, der heute hier bei uns ist, rief die HelsinkiBewegung mit einem Trinkspruch ins Leben, der ebenso
maliziös wie herausfordernd war: "Auf den Erfolg
unseres hoffnungslosen Unterfangens."
Dr. Orlow und seine Mitstreiter haben für dieses Gelöbnis teuer bezahlen müssen. Sie wurden einer nach
dem anderen verfolgt, eingesperrt und ausgewiesen.
Alle haben gelitten, und einige sind gestorben. Dennoch sind viele nach und nach ihrem selbstlosen
Beispiel gefolgt und haben in der Sowjetunion, in
Mittel- und Osteuropa die Idee von Helsinki aufgegriffen. Und diese mutigen Männer und Frauen haben
einer nach dem anderen dem KSZE-Prozeß Leben

Seite 2

In Katowice in Polen maßen die Aktivisten für die
Demokratie der Schlußakte so große Bedeutung bei,
daß sie den Sicherheitskräften die Stirn boten, um
Kopien an ihre Nachbarn verteilen zu können. Und an
das Madrider Treffen der Unterzeichnerstaaten der
KSZE-Schlußakte wandten sich im Exil lebende Führer der Gewerkschaft Solidarität nach Verhängung des
Kriegsrechts und proklamierten, sozialer Frieden ohne
soziale Gerechtigkeit sei nicht möglich.
Die Charta 77 in der Tschechoslowakei führte zur
Verteidigung ihrer zu Unrecht verfolgten Landsleute
immer wieder die Schlußakte von Helsinki an. Sie
wurden verfolgt, weil sie "ein ehrliches Leben" lebten
und - wie Vaclav Havel es nannte, die lobenswerte
Ungeheuerlichkeit besaßen, zu glauben, ihre Worte
und Ideale könnten etwas ändern. Jetzt führen die
Gründungsmitglieder der Charta - Präsident Havel und
Minister Dienstbier, um nur zwei zu nennen - die neue
Republik der Tschechen und Slowaken in die Demokratie.
Als Bukarests wundervolle alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wurden und die Existenz ganzer
Dörfer von der Willkür eines Diktators bedroht waren,
wandten sich die Menschen an die Menschenrechtskonferenz der KSZE, um die weitere Zerstörung des
einmaligen kulturellen Erbes in Rumänien aufzuhalten.
Unmittelbar bevor die Berliner Mauer fiel, suchten
unzählige DDR-Flüchtlinge über Ungarn den Weg in
die Freiheit. Die ungarische Reformregierung wurde
von Forderungen der DDR-Behörden bedrängt, den
neuen Freiheiten alte Regeln in den Weg zu stellen,
aber sie wandte sich anderen Regeln zu. Die Ungarn
führten ihre KSZE-Verpflichtungen ins Feld, um den
entscheidenden Akt der freien Durchreise zu rechtfertigen.
Und die KSZE-Umweltkonferenz in Sofia hat die
demokratische Opposition zusammengeschmiedet und
die Bewegung eingeleitet, die beispiellose Veränderungen in Bulgarien erwirkt hat.
Beim Ausgang des kalten Kriegs sehen wir uns immer
noch mit zahlreichen schwelenden nationalen, religiösen und ethnischen Konflikten konfrontiert, die unserer
Zivilisation solange Unglück beschert haben. Die
KSZE, die NATO, die EG und andere demokratische
Institutionen in Europa müssen jetzt eine grö ßere Rolle
bei Vertiefung und Ausbau der europäischen Einheit
spielen. Wir müssen gewährleisten, daß diese Organisationen sich weiterhin ergänzen und stärken.

AMERIKA DIENST 23

�Die NATO wird weiterhin unerläßlicher Garant für den
Frieden sein - und damit echter Hüter von Demokratie
und Wohlstand. Das Bündnis wird daran arbeiten,
stabilisierende Rüstungskontrollabkommen festzuschreiben, seine Verteidigungsstrategie umzugestalten, um sie den grundlegend veränderten Bedingungen anzupassen und Brücken der politischen Kooperation zu den aufstrebenden Demokratien Osteuropas
bauen. Präsident Bush hat bei seinem Gipfeltreffen
mit Präsident Gorbatschow letzte Woche in Washington betont, daß die NATO unserer Ansicht nach Eckpfeiler der militärischen und politischen Legitimität im
neuen Europa bleiben wird.
Mit ihrer Zusammenarbeit können die G-24, die OECD,
die Europäische Gemeinschaft, die EBWE, der Europarat, die Vereinigten Staaten und Kanada eine allumfassende europäische Ordnung unter Beteiligung der
Länder Mittel- und Osteuropas und der Sowjetunion
schaffen, indem sie marktorientierte Reformen auf den
Weg bringen und demokratische Institutionen aufbauen.
Die Aussichten für Achtung und Schutz der Menschenrechte waren niemals besser. Es ist jetzt an der Zeit,
daß die KSZE neue Aufgaben übernimmt - aber niemals um den Preis des Vergessens ihres vornehmesten Ziels: wenn die KSZE den Aufbau eines neuen
Europas fördern will, eines Europas, das sich von allen
vergangenen Reichen und Regimen unterscheidet,
dann muß dem die Freiheit des Menschen zugrunde
liegen.
Wir müssen drei Herausforderungen bewältigen:
Erstens müssen wir sicherstellen, daß die soeben
gewonnenen Freiheiten in Gesellschaften verwurzelt
sind, deren Grundsätze Rechtsstaatlichkeit und die
Zustimmung der Regierten sind.
Zweitens müssen wir gewährleisten, daß alle Völker in
Europa den Wohlstand kennenlernen, der sich aus
wirtschaftlicher Freiheit und wettbewerbsfähigen Märkten ergibt.
Und drittens müssen wir sicherstellen, daß wir nicht
unabsichtlich in Konflikte verwickelt werden oder sich
die Streitigkeiten wiederholen, wie sie vor dem kalten
Krieg stattfanden.
Die KSZE ist das Forum, in dem sich unsere Länder
auf einer gemeinsamen Basis treffen können, um unseren politischen Willen so zu kanalisieren, daß wir
diesen Herausforderungen auf dem ganzen Kontinent
gerecht werden können. Die drei Körbe der KSZE
entsprechen den politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Wenn die KSZE auch nicht über militärische oder
wirtschaftliche Macht verfügt, kann sie sich doch mit
einer mächtigen und lauten Stimme Gehör verschaffen. Sie kann Europas gemeinsame Sorgen und

AMERIKA DIENST 23

Interessen ansprechen. Sie kann, wenn Sie so wollen,
"das Gewissen des Kontinents" werden.
Vertiefung des Konsenses über Menschenrechte
Heute möchte ich Ihnen unsere Auffassungen darlegen, wie eine gestärkte KSZE der ersten vor uns
liegenden Herausforderung gerecht werden kann: durch
die Bildung eines tiefen Konsenses über Menschenrechte, politische Legitimierung durch freie Wahlen
und Rechtsstaatlichkeit.
Sie alle kennen das Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, "Des Kaisers neue
Kleider". Obwohl es vor über hundert Jahren entstand,
ist es Parabel für die heutige Zeit. Die Autorität hüllt
sich in attraktive Lügen und betrügt sich dabei selbst.
Aber am Ende kommt die nackte Wahrheit durch eine
kleine beharrliche Stimme zutage, die sich nicht täuschen lassen will. Sie mündet in einen allgemeinen
Aufschrei.
Das Jahr 1989 war kein gutes Jahr für die stalinistischen Diktatoren, die sich in falsche Autorität hüllten
und die beharrliche Stimme und den Willen des Volkes
ignorierten. Heute arbeiten in Mittel- und Osteuropa
die aufstrebenden Demokratien am Aufbau legitimierter und dauerhafter politischer Ordnungen. Die KSZE
kann zur Vertiefung unseres Konsenses über die wichtigsten Bausteine der Freiheit beitragen - freie Wahlen,
politischer Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit.
Die neuen Gesellschaftsverträge zwischen Regierung
und Regierten, die heute in Ost- und Mitteleuropa
geschrieben werden, müssen ständig durch freie Wahlen
erneuert werden. Wie wir alle sehr wohl wissen, ist die
Demokratie - wie die KSZE - ein Prozeß. Die Demokratie entwickelt sich durch Geben und Nehmen,
Konsensbildung und Kompromisse. Sie gedeiht auf
der Grundlage von Toleranz, so daß der politische
Wille der Mehrheit die Grundrechte der Minderheit
nicht verdrängt.
Der von Großbritannien und den Vereinigten Staaten
im vergangenen Jahr in Paris eingebrachte Vorschlag
über freie Wahlen hat durch die dramatischen Ereignisse des letzten Herbstes und die neuen Wahlen
dieses Frühjahrs zusätzlich an Gewicht gewonnen.
Bei meinen Reisen nach Ost- und Mitteleuropa erfuhr
dieser Vorschlag die begeisterte Unterstützung der
aktiven Demokraten. Diese unterstrichen darüber
hinaus die Bedeutung, die sie der Präsenz internationaler Beobachter beimessen, wenn ihre Länder zum
ersten Mal mit freien Wahlen in Berührung kommen.
Im Februar habe ich in Prag die KSZE-Staaten aufgefordert, Beobachterdelegationen zu den Wahlen in
Ost- und Mitteleuropa zu entsenden. Ich freue mich,
daß viele Staaten sich uns bei diesem Vorhaben
angeschlossen haben.
Unser überarbeiteter Vorschlag spiegelt unsere Erfahrungen bei der Beobachtung von Wahlen wider - nicht
Seite 3

�nur am Wahltag selbst, sondern auch während des
Wahlkampfs. Wir begrüßen die starke Unterstützung,
die unser Text erfährt und werden uns dafür einsetzen,
daß er hier in Kopenhagen verabschiedet wird. Wenn
die 35 Staaten Vorschläge zur Institutionalisierung der
KSZE behandeln, dann fordere ich Sie alle auf, mit
Mechanismen zu beginnen, die gewährleisten, daß die
Regierungen frei vom Volk gewählt werden.
Aber freie und faire Wahlen allein können den Erfolg
der neuen Demokratien nicht sichern. Neben rechtlich
einwandfreien Wahlen besteht die unerläßliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Demokratie eindeutig
darin, daß grundlegende Freiheiten des einzelnen
durch eine Beschränkung staatlicher Macht garantiert
werden. Wo diese Garantien nicht bestehen, gibt es
keine echte Demokratie. Wo sie nicht vorhanden sind,
droht stets das Risiko der Diktatur.
Aus diesem Grund ist Rechtsstaatlichkeit die Losung
der Reformer überall. Wie der verstorbene Andrej
Sacharow erklärt hat, muß sich der demokratische
Wandel mit demokratischen Methoden vollziehen friedlich, durch rechtsstaatliche Prozesse.
Was genau aber meinen wir mit dem Begriff Rechtsstaatlichkeit? Das Gesetz wurde ja als Werkzeug der
Unterdrückung in Gesellschaften eingesetzt, in denen
die Herrscher die Gesetze machen, die ihnen dienen
sollen und nicht dem Volk. Wie Präsident Bush vergangenen Monat in einer Rede an der University of
South Carolina betonte, bedeutet Rechtsstaatlichkeit
die Oberhoheit von Gesetzen, die durch demokratische Prozesse zustandegekommen sind, für alle gleichermaßen gelten und von einer unabhängigen Gerichtsbarkeit bewahrt werden.
Deshalb unterstützen wir voll und ganz die Bemühungen im Rahmen dieser Konferenz, für die KSZE die
Elemente einer demokratischen Gesellschaft, die dem
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit folgt, zu definieren. In
dieser Hinsicht hat Präsident Bush Präsident Gorbatschowerklärt, wie sehr wir die sowjetischen Bemühungen schätzen, Rechtsstaatlichkeit, Glasnost und
Demokratisierung in der UdSSR zu verankern.
Mit diesem Ziel beteiligen wir uns an gemeinsamen
technischen Bemühungen, um die demokratischen
politischen Kulturen und Institutionen in Mittel- und
Osteuropa zu stärken.
Zum Schluß möchte ich noch einen Gedanken zur
Tagesordnung im Bereich Menschenrechte einbringen: Während wir uns der ehrgeizigen Aufgabe zuwenden, die Demokratie in ganzen Gesellschaften zu
konsolidieren, dürfen wir die Freiheit des einzelnen
nicht aus den Augen verlieren. Denn Demokratie
beginnt und endet mit dem einzelnen und seinen
Rechten. Trotz der dramatischen Fortschritte bei den
Menschenrechten, deren Zeugen wir heute sind, müssen
die Menschen in einigen Teilnehmerstaaten noch immer

Seite 4

leiden, weil sie frei sein wollen, sind sie immer noch Ziel
der Intoleranz, können immer noch nicht auswandern
und immer noch nicht ihre vollständigen Rechte gemäß der Schlußakte von Helsinki wahrnehmen. Wir
müssen weiterhin drängen, bis die strengen Menschenrechtsnormen der KSZE in ganz Europa Gültigkeit haben, bis sie jeden einzelnen erfassen.
Bevor wir uns Möglichkeiten zur Stärkung der KSZE
zuwenden, möchte ich noch ein Wort zu Litauen,
Lettland und Estland sagen. Beim Washingtoner
Gipfel hat Präsident Bush unsere ernsten Befürchtungen im Hinblick auf die sowjetische Politik gegenüber
den baltischen Unabhängigkeitsbestrebungen zum
Ausdruck gebracht. Er hat unsere Ansicht bekräftigt,
daß ein systematischer Dialog eingeleitet werden muß,
um die Bestrebungen der baltischen Völker zu erfüllen.
Ein neuer Konsens zur Stärkung des KSZE-Prozesses
Das Feld für eine bedeutsame Zusammenarbeit in der
KSZE wird größer, und unser Konsens über die menschliche Dimension der KSZE vertieft sich. Um jedoch das
Potential der KSZE in diesem Bereich und bei den
anderen Körben der Schlußakte voll auszuschöpfen,
muß der KSZE-Prozeß selbst gestärkt werden.
Ich habe unlängst Kollegen gegenüber sechs Gedanken dazu erläutert, wie wir zusammenarbeiten können, um die KSZE als Proze ß zu verbessern, indem wir
die Organisation der KSZE stärken.
Erstens treten die Vereinigten Staatenfür regelmäßige
Konsultationen der Unterzeichnerstaaten ein. Die
Minister könnten sich mindestens einmal pro Jahr
treffen, und ihre engsten Mitarbeiter sollten mindestens zweimal im Jahr zusammenkommen. Solche
Gespräche werden die KSZE als Forum für einen
hochrangigen politischen Dialog stärken.
Zweitens unterstützen wir die häufigere Abhaltung von
KSZE-Überprüfungskonferenzen, vielleicht alle zwei
Jahre und mit einer festgesetzten Dauer von etwa drei
Monaten.
Drittens möchten wir in Kopenhagen die Verabschiedung und beim Gipfeltreffen die Bestätigung des Prinzips freier und fairer Wahlen, des politischen Pluralismus und der Rechtsstaatlichkeit erreichen, um zu
gewährleisten, daß die von uns in der KSZE eingegangenen Verpflichtungen die politische Legitimation stärken.
Viertens möchten wir beim Gipfel eine Bestätigung der
Bonner Prinzipien zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit erreichen. Diese Prinzipien stellen unser allseitiges Engagement für das sich gegenseitig unterstützende Verhältnis zwischen politischer und wirtschaftlicher Freiheit klar. Insbesondere werden die 35 Nationen danach trachten, einen freien Fluß von Handel und
Kapital, Marktwirtschaften mit auf Angebot und Nach-

AMERIKA DIENST 23

�frage basierenden Preisen sowie den Schutz allen
Eigentums, einschließlich von Privateigentum und
geistigem Eigentum, zu erlangen oder aufrechtzuerhalten.
Fünftens kann die KSZE eine wichtige Rolle bei der
Schlichtung von Streitigkeiten spielen. Wir hoffen
deshalb, daß der KSZE-Gipfel das Mandat der für
Januar 1991 in Valletta anberaumten Konferenz über
die friedliche Beilegung von Streitigkeiten stärken wird,
damit sie konkrete Ergebnisse hervorbringen kann.
Wir sind ferner davon überzeugt, daß die KSZE durch
innovative Vorschläge bei den Wiener VSBM-Gesprächen, wie etwa den Vorschlag für einen Mechanismus
zur Klärung ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten,
militärische Offenheit und Transparenz fördern kann.
Insbesondere gehen wir davon aus, daß die KSZE
einen Mechanismus zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Mitgliedstaaten erwägen sollte.
Unser Ansatz könnte grundsätzlich, wenn nicht sogar
strukturell, dem Mechanismus ähneln, den wir im
Bereich der menschlichen Dimension etabliert haben
sowie auch der für die VKSE geplanten Verfahrensweise. Wir sollten einen Weg zur konstruktiven Behandlung von Fragen der Einhaltung der KSZE-Sicherheitsverpflichtungen finden. Dazu könnten Beobachtungen sowie Inspektionsberichte im Einklang mit
den Stockholmer Vereinbarungen gehören. Wir sollten Treffen ins Leben rufen, um Informationen auszutauschen und über die Auswirkungen militärischer
Aktivitäten und anderer ungewöhnlicher Vorkommnisse von sicherheitspolitischer Bedeutung zu sprechen.
Sechstens habe ich vorgeschlagen, daß wir durch ein
Treffen auf Beamtenebene diesen Sommer Vorbereitungen für einen möglichen KSZE-Gipfel in die Wege
leiten - und ich bin selbstverständlich erfreut darüber,
daß sich die 35 Nationen geeinigt haben, ein solches
Treffen nächsten Monat in Wien zu veranstalten.
Ich freue mich ferner darüber, daß die 35 Staaten
unserem Angebot zugestimmt haben, diesen Herbst in
Zusammenhang mit der Generalversammlung der
Vereinten Nationen ein KSZE-Ministertreffen auszurichten.
Beim KSZE-Gipfel erwarten wir dann die Unterzeichnung eines KSE-Abkommens, und Präsident Gorbatschow hat vergangene Woche angedeutet, daß er
diese Ansicht teilt. Beim Gipfel der 35 Nationen
erwarten wir ferner eine Überprüfung, schriftliche Fixierung und Konsolidierung der Fortschritte bei allen
drei Körben von Helsinki, die Stärkung der KSZE als
Prozeß und die Planung für die Folgekonferenz im
Jahr 1992.
Unsere Arbeit vor dem Gipfel und beim Gipfel mu ß sich
ferner dem Thema der Institutionalisierung der KSZE
widmen.

AMERIKA DIENST 23

Bis heute hat die KSZE eine bemerkenswerte Fähigkeit bewiesen, die Zeiten widerzuspiegeln und sich
ihnen anzupassen. Ich bin zuversichtlich, daß dies
auch weiterhin der Fall sein wird, unter der Voraussetzung, daß wir die Flexibilität bewahren, die ihr Effektivität verliehen hat. Wenn wir Vorschläge zur Entwicklung der KSZE erörtern - entweder zur Verabschiedung beim Gipfel oder zur Überweisung an weitere
KSZE-Treffen durch die Gipfelteilnehmer -, werden
sich die Vereinigten Staaten von drei Hauptprinzipien
leiten lassen.
Erstens sollten die Vorschläge grundlegende demokratische und marktwirtschaftliche Werte stärken.
Zweitens sollten Vorschläge für neue Institutionen die
von bereits bestehenden Institutionen und Foren
wahrgenommenen Aufgaben ergänzen und nicht
duplizieren. Drittens sollten die Vorschläge zu einem
verstärkten transatlantischen Dialog- und Konsultationsprozeß über die Zukunft Europas führen.
Die amerikanische Delegation bei diesem Kopenhagener Treffen, die von Botschafter Max Kampelman
geleitet wird und das volle Vertrauen von Präsident
Bush und natürlich auch mir selbst genießt, wird sich
von diesen Kriterien leiten lassen.
Die KSZE: Das Gewissen des Kontinents
Ich begann meine Ausführungen mit einer Huldigung
an die KSZE-Beobachter, die ihr Leben und ihre Freiheit aufs Spiel setzten, um die Sache der Freiheit für
andere zu fördern. Viele haben die Morgendämmerung eines wesentlich hoffnungsvolleren Tages erlebt.
Einige dieser Beobachter sind heute bei uns in diesem
Saal, und viele von ihnen sind gewählte Vertreter der
neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa. Einer
der Gründer der Charta 77 erweist uns die Ehre, die
Delegation der Tschechischen und Slowakischen
Föderativen Republik zu leiten. Botschafter Hajek, Sie
und Ihre mutigen Mitstreiter sind die wahre Verkörperung der menschlichen Dimension der KSZE.
Sie haben diesem Prozeß ein Herz, einen Geist und
ein forschendes Gewissen gegeben. Als viele die
KSZE mit Zynismus betrachteten, haben Sie mit Dynamik
geantwortet. Sie haben uns gelehrt, unseren Blickwinkel zu erweitern und unsere Stimmen zu erheben.
Auch die dänische Autorin Isak Dinesen glaubte an die
Macht des menschlichen Willens. Eines ihrer bevorzugten Mottos war "Je responderay". Ich werde
antworten. Sie lebte nach diesem Prinzip und war stolz
darauf, wie das besetzte Dänemark in den dunklen
Tagen des Zweiten Weltkriegs nach diesem Prinzip
lebte. Das dänische Volk unternahm den Versuch, die
gesamte jüdische Gemeinde von Dänemark - etwa
8 000 Männer, Frauen und Kinder - zu retten. Indem
sie die Würde des Menschen und die uns alle verbindenden Bande achteten, durch ihre Anstrengungen

Seite 5

�und die Gnade Gottes, war ihnen über alle Erwartungen hinaus Erfolg beschieden.

nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft seines
Landes bestimmen kann.

Ihr Beispiel ist ein positiver Beweis dafür, daß es auf
das Engagement des Willens ankommt, auf die Verantwortung anderen gegenüber und daß die Freiheit
des einzelnen, zu handeln, denken und fühlen, nicht

Diese Stärken müssen auch die Zukunft Europas
prägen. Auf dem Weg über die KSZE können sie zum
Gewissen des Kontinents werden.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 23

�NATO
23

13. Juni 1990

BAKER: NEUN ZUSICHERUNGEN AN DIE SOWJETS
Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat
TURNBERRY - (AD) - Beim Treffen des Nordatlantikrats in Tumberry verwies Außenminister Baker am 7. Juni
1990 auf "neun Zusicherungen, die wir und andere angeboten haben und die unserer Meinung nach viele
Bedenken der Sowjets berücksichtigen". Die erste dieser Zusicherungen ist Baker zufolge eine Verpflichtung
zu KSE-Folgeverhandlungen.
Weitere Zusicherungen:
Verhandlungen über Kurzstreckenraketen werden vorverlegt, damit sie unmittelbar nach Unterzeichnung
des KSE-Vertrags aufgenommen werden können.
Deutschland wird seine Verpflichtung bestätigen, keine nuklearen, biologischen und chemischen Waffen
herzustellen oder zu besitzen.
Die NATO führt "eine umfassende Überprüfung ihres Bedarfs an konventionellen und nuklearen Waffen
durch und erarbeitet eine Strategie, die sich den veränderten Bedingungen anpaßt".
NATO-Streitkräfle werden während einer Übergangszeit nicht auf dem früheren Gebiet der Deutschen
Demokratischen Republik stationiert.
Die Deutschen einigen sich auf eine Übergangsphase bis zum Abzug sowjetischer Truppen aus der DDR.
Deutschland wird Stellung zu seinen Grenzen beziehen und klarstellen, daß das Territorium eines
vereinigten Deutschlands lediglich die Bundesrepublik, die DDR und Berlin umfassen wird.
Der KSZE-Prozeß wird gestärkt.
Deutschland wird seine wirtschaftlichen Probleme so zu lösen suchen, daß damit die Perestrojka
unterstützt wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede in wesentlichen Auszügen.
Nächsten Monat werden unsere Staats- und Regierungschefs in London zu Planungen über die Zukunft
dieses Bündnisses zusammentreffen. Ihre Aufgabe
bei dieser ersten Zusammenkunft seit den befreienden
demokratischen Umwälzungen im Jahr 1989 wird darin
bestehen, Auftrag und Fähigkeiten der NATO an eine
Welt anzupassen, in der Konflikte, die den Kontinent
für die Dauer einer Generation geteilt haben, nicht
mehr existieren. Die NATO muß in den kommenden
Jahrzehnten den Frieden ebenso effektiv konsolidieren wie sie vierzig Jahre lang den Krieg verhindert hat.
Kurzum, unser Bündnis muß der Aufgabe gewachsen
sein, Legitimität, Wohlstand und Stabilität des neuen
Europas zu sichern und gleichzeitig die Fähigkeit
erhalten, Agressionen einzudämmen und abzuschrekken.
AMERIKA DIENST 23

Unsere Aufgabe ist es, den Grundstein für einen
erfolgreichen Gipfel zu legen und den laufenden Prozeß der Überprüfung und Erneuerung im Bündnis zu
beschleunigen. Diese Aufgabe möchte ich heute zu
erfüllen beginnen, indem ich mit ihnen das Treffen der
letzten Woche zwischen Präsident Bush und Präsident Gorbatschow und dessen Auswirkungen auf unsere
Arbeit erörtere,
Die

Zusammenkunft des Präsidenten mit Präsident
Gorbatschow war ein Erfolg, weil Abkommen geschlössen wurden und sich das Verhältnis - die "Chemie"
• zwischen beiden positiv entwickelt hat. Beide sprache n frei u n d oHen
miteinander und verbrachten einen
ganzen Tag mit Gesprächen in zwangloser Atmosphä-

Seite 1

�re. Auch bei Meinungsverschiedenheiten bekamen
die Gespräche niemals einen aggressiven Unterton.
Die Suche nach Bereichen gemeinsamen Interesses
spiegelte sich auch in den erzielten Abkommen wider.
Obwohl Gorbatschow und die Führung eindeutig unter
Druck stehen, hat er seine Entscheidungsfähigkeit
demonstriert.
Bei nuklearer Rüstungskontrolle haben wir gemeinsame Erklärungen über START und die künftigen Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen abgegeben. Unsere gemeinsame Erklärung zu START verzeichnet Übereinkunft in allen wichtigen grundsätzlichen Fragen. Einige der verbleibenden Probleme sind
schwierig - zum Beispiel die Erprobung schwerer Raketen
und sowjetische Zusicherungen beim BACKFIREBomber. Aber wir denken, daß sie gelöst werden
können, und wir denken auch, daß es uns gelingen
wird, das von den Präsidenten gesteckte Ziel zu erreichen und den Vertrag noch Ende des Jahres zu
unterzeichnen.
Unsere Erklärung über künftige Verhandlungen legt
eindeutig dar, daß der Prozeß nuklearer Rüstungskontrolle nach START fortgeführt wird. Mit dieser Erklärung bewegen wir uns in eine sehr wichtige Richtung.
Sie spiegelt eine gemeinsame Verpflichtung wider,
das Streben nach strategischer Stabilität und Berechenbarkeit auszubauen. Insbesondere ist darin die
Verpflichtung zur Reduzierung der Konzentration von
Gefechtsköpfen auf strategischen Waffen enthalten,
vor allem auf schweren Raketen und Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen. Die Tendenz
zur Reduzierung der Mehrfachgefechtsköpfe auf bodengestützten Raketen wird unserer Ansicht nach die
strategische Stabilität erheblich fördern und die potentielle Angst vor einem Erstschlag abbauen.
Bei Atomtests haben wir mit der Unterzeichnung der
Protokolle zum Schwellenvertrag und zum Vertrag
über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken fünfzehnjährige Bestrebungen beendet.
Bei chemischen Waffen haben wir ein bilaterales
Abkommen unterzeichnet, demzufolge der größte Teil
unserer Arsenale zerstört werden soll. Dieses Abkommen und die darin vorgesehene Zerstörung großer
Mengen chemischer Waffen ist als Einzelergebnis
wichtig und zeigt den Kurs auf, wie das Ziel des
Präsidenten - ein weltweites Verbot dieser schrecklichen Waffen - verwirklicht werden kann. Es demonstriert ein Engagement von Ost und West zur Erweiterung der Tagesordnung bei der Rüstungskontrolle, um
mit den bei regionalen und weltweiten Konflikten eingesetzten gefährlichen Waffen fertigzuwerden. Ich
hoffe, daß dadurch das Bündnis Impulse erhält, um bei
der Beschleunigung der Genfer Verhandlungen die
Führungsrolle zu übernehmen.

Seite 2

Darüber hinaus haben wir ein langfristiges Getreideabkommen und ein Handelsabkommen unterzeichnet.
Das Handelsabkommen werden wir dem Kongreß
nicht eher vorlegen, bis die Sowjets Auswanderungsgesetze verabschiedet haben. Ferner haben wir erklärt, daß der Kongreß diesem Abkommen wahrscheinlich nicht zustimmen wird, bis der tote Punkt mit
Litauen überwunden ist.
Litauen war einer der beiden Bereiche, in denen Präsident Bush und Präsident Gorbatschow völlig unterschiedlicher Meinung blieben. Wir haben von Präsident Gorbatschow erneut die Versicherung vernommen, die Krise mit Litauen friedlich und in einem Dialog
lösen zu wollen. Wir glauben ferner, die Bereitschaft
zum Kompromiß herausgehört zu haben. Die Kluft
zwischen den Sowjets und den Litauern könnte sich
verringern, aber das Problem an sich ist noch nicht
gelöst.
Beide Präsidenten haben lange intensive Gespräche
über die deutsche Frage geführt. Der Präsident hat
unseren Ansatz zur Vereinigung beider deutscher
Staaten und dem Zwei-plus-Vier-Prozeß vorgetragen.
Er erklärte, die friedliche Vereinigung eines demokratischen Deutschlands könnte auf eine Weise vollzogen
werden, die das ganze Europa stärker und sicherer
macht. Er betonte, die Rechte der vier Mächte sollten
zum Zeitpunkt der Vereinigung beider deutscher Staaten aufgegeben werden, ohne Einschränkungen der
Souveränität und ohne Singularisierung eines ungeteilten demokratischen Deutschlands. Präsident Bush
hat Präsident Gorbatschow darüber hinaus versichert,
niemand wolle die Sowjets isolieren. Aber die eigene
Deutschlandpolitikk der Sowjets könnte diesen Effekt
haben, wenn die Sowjets eine negative Haltung zu den
außenpolitischen Aspekten der Vereinigung einnehmen. In diesem Falle stünde ihre Haltung im Widerspruch zu den meisten europäischen Regierungen in
Ost und West. Damit würde das neue Denken auf den
Kopf gestellt. Die Sowjets würden damit die Gelegenheit verpassen, konstruktive Beziehungen mit einem
ungeteilten Deutschland und den anderen Demokratien Ost-, Mittel- und Westeuropas zu entwickeln.
Wir haben neun Zusicherungen dargelegt, die wir und
andere angeboten haben und die unserer Meinung
nach viele Bedenken der Sowjets berücksichtigen.
Erstens befürworten wir KSE-Folgeverhandlungen für
ganz Europa, die auch die Streitkräfte in der Region
Europa Mitte umfassen sollen. Zweitens haben wir
uns darauf geeinigt, mit den Verhandlungen über die
atomaren Kurzstreckensysteme (SNF) unmittelbar nach
Unterzeichnung des KSE-Vertrags zu beginnen. Drittens wird Deutschland seine Verpflichtungen bekräftigen, atomare, biologische und chemische Waffen weder
zu produzieren noch zu besitzen. Viertens führt die
NATO eine umfassende Überprüfung ihres Bedarfs an
konventionellen und nuklearen Waffen durch, und

AMERIKA DIENST 23

�erarbeitet eine Strategie, die sich den veränderten
Bedingungen anpaßt.
Fünftens werden die N ATO-Streitkräfte während einer
Übergangsperiode nicht auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert. Sechstens haben die Deutschen
für eine Übergangsperiode dem Verbleib sowjetischer
Truppen auf dem Gebiet der DDR zugestimmt. Siebtens wird Deutschland feste Verpflichtungen in bezug
auf seine Grenzen eingehen und damit sicherstellen,
daß das Territorium eines vereinigten Deutschlands
nur die Bundesrepublik Deutschland, die DDR und
Berlin umfassen wird. Achtens wird der KSZE-Prozeß
gestärkt werden. Neuntens hat Deutschland klargestellt, daß es danach streben wird, wirtschaftliche
Fragen so zu lösen, daß die Perestrojka unterstützt
werden kann.
Obwohl diese Punkte zu Gorbatschows Beruhigung
beitrugen, blieb die gesamtdeutsche Mitgliedschaft in
der NATO - und die sowjetische Position in Europa
nach der Wiedervereinigung - sein Hauptanliegen.
Präsident Bush betonte, daß ein ungeteiltes, demokratisches Deutschland keine Bedrohung der sowjetischen Sicherheit darstellen werde und daß die Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO ein Faktor der
Stabilität und Sicherheit in Europa sei. Er bekräftigte
seine Unterstützung für die Vollmitgliedschaft Deutschlands in der NATO, einschließlich seiner Beteiligung
an den integrierten militärischen Strukturen. Er erklärte, Deutschland müsse das in der Schlußakte von
Helsinki verbriefte Recht genießen, seine Bündnis und
Sicherheitsarrangements frei zu wählen. Gorbatschow
schien diesen Punkt zu akzeptieren.
Wir können und sollten bereit sein, begründeten sowjetischen Bedenken Rechnung zu tragen. Bemühungen, die Wiederherstellung der vollen Souveränität
Deutschlands zu blockieren oder vorgeschobene Sicherheitsanliegen in bezug auf Deutschland als Mittel
zur Schwächung des Bündnisses zu benutzen, können wir jedoch nicht dulden.
Ich möchte mich nun den wichtigsten Fragen zuwenden, die dem Präsidenten zufolge entweder im Gipfelkommunique oder in einem von diesem Gipfel eingeleiteten tiefgreifenden Überprüfungsprozeß anzusprechen sind.
Bei den konventionellen Streitkräften müssen wir einen gründlich durchdachten Ansatz für die künftigen
KSE-Verhandlungen entwickeln. Ich freue mich, daß
sich die NATO zur weiteren Verbesserung der konventionellen Rüstungskontrolle nun auf den Gedanken
eines Stabs zur Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen verständigt hat, den wir im vergangenen
Dezember eingebracht hatten. Damit würde sich das
Bündnis positiv weiterentwickeln.
Darüber hinaus müssen wir die Struktur unserer konventionellen Streitkräfte überdenken. Wenn - was wir

AMERIKA DIENST 23

hoffen und erwarten - die sowjetischen Truppen hinter
die sowjetischen Grenzen zurückgezogen werden,
sollten wir untersuchen, wie das Ziel des Schutzes des
gesamten Territoriums all unserer Mitglieder am besten gewährleistet werden kann. Wir müssen entscheiden, wie dies auf niedrigeren konventionellen
Streitkräfteniveaus erreicht werden kann, die für eine
mobile Verstärkung strukturiert sind. Wir stimmen aus
ganzem Herzen zu, daß multinationale Einheiten eine
wichtige Rolle bei der Neustrukturierung unserer Streitkräfte spielen können.
Bei den Nuklearstreitkräften müssen wir unsere Neubewertung rasch abschließen. Wir müssen die strategische Einschätzung, die militärische Effektivität und
die politische Lebensfähigkeit der Veränderungen in
unserem nuklearen Einsatzkonzept berücksichtigen.
Unsererseits möchten wir das nukleare Risiko innerhalb des Bündnisses so breit wie möglich verteilen und
gleichzeitig ein nukleares Einsatzkonzept aufrechterhalten , das von unserer Öffentlichkeit und dem übrigen
Europa als politisch beruhigend empfunden wird.
Bevor ich mich den politischen Dimensionen unserer
Sondierungen zuwende, möchte ich einen Punkt unterstreichen, der es verdient, wiederholt zu werden:
Wir möchten einen Krieg in Europa nicht führbarer
machen, weder konventionell noch nuklear. Jeder von
uns erörterte Vorschlag muß danach beurteilt werden,
wie gut er unserem grundlegenden Ziel dient: Der
Verhinderung des Kriegs und der Abschreckung von
Aggressionen durch die Aufrechterhaltung westlicher
Geschlossenheit - politisch und militärisch.
In Zusammenhang mit der militärischen Neustrukturierung des Bündnisses müssen wir seinen politischen
Platz in einem ungeteilten Europa eindeutig definieren.
In der Rede des Präsidenten in Stillwater (Oklahoma)
kamen zwei miteinander verflochtene Fragen zur
Sprache, die die Zukunft der NATO in dieser neuen
Welt im Kern berühren: Wie sollte die künftige Aufgabe
der NATO aussehen? Welches sollte das gemeinsame Ziel der Verbündeten für die Zukunft der KSZE
sein? Lassen Sie mich die zweite Frage zuerst beantworten.
Die KSZE kann dem gemeinsamen europäischen Interesse am besten gerecht werden, wenn sie als
Forum dient, in dem die Staaten Europas gemeinsame
Probleme und Anliegen diskutieren. Ich habe sie als
"das Gewissen des Kontinents" bezeichnet, einen Ort,
an dem der politische und moralische Konsens der Zeit
auf der Grundlage demokratischer Werte geformt werden
kann. Durch ihre drei Körbe eignet sich die KSZE auf
einzigartige Weise, die wesentlichen Herausforderungen für Europa zu bewältigen: Gewährleistung von
politischer Legitimation, wirtschaftlicher Freiheit und
Wohlstand sowie von strategischer Stabilität und
Berechenbarkeit. Wie ich bereits gestern (6. Juni) in
Kopenhagen betonte, sollte die KSZE auf den Grundsteinen der Demokratie aufbauen: Freie und faire

Seite 3

�Wahlen, politischer Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit.

gressionen und Verhinderung von Krieg zusammenschließen.

Aber gerade aufgrund ihres Charakters - 35 grundverschiedene Staaten, von denen jeder ein Vetorecht hat
- ist es unwahrscheinlich, daß die KSZE die schwierigen Entscheidungen treffen kann, die zur Gewährleistung der Sicherheit erforderlich sind. Das bedeutet
nicht, daß wir eine Chance auslassen sollten, an der
Stärkung der KSZE zu arbeiten. Wir sollten uns dieser
Herausforderung stellen. Die meisten von uns, wie
auch die Sowjets, haben Vorschläge unterbreitet, und
wir sehen der kommenden Vorbereitungskonferenz
entgegen, auf der diese Ideen untersucht und ausgewertet und einige in Vorlagen zur möglichen Beschlußfassung umgesetzt werden sollen. Es scheint, daß
sich gemeinsame Ansichten über praktische, realistische Schritte herausschälen, mit denen die KSZE
gestärkt werden kann. Wir können eine effizientere
und bedeutsamere KSZE aufbauen, die eine Ergänzung zur NATO ist. Wir müssen beim Ausbau der
KSZE jedoch deren Stärken und Schwächen berücksichtigen, und wir sollten nicht versuchen, sie zu etwas
zu machen, das sie nicht ist: ein Bündnis, das den
Frieden bewahren kann.

Heute jedoch, da eine eindeutige und bestehende
militärische Gefahrenquelle abnimmt, kann das Bündnis sicherlich über die engere Aufgabe der Kriegsverhinderung hinaus auf die umfassendere des Friedensaufbaus blicken. Das Mandat dafür läßt sich eindeutig
dem Artikel II des Nordatlantikvertrags entnehmen, in
dem es heißt: "Die Parteien werden zur weiteren
Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationaler Beziehungen beitragen, indem sie ihre freien
Einrichtungen festigen, ein besseres Verständnis für
die Grundsätze herbeiführen, auf denen diese Einrichtungen beruhen und indem sie die Voraussetzungen
für den Zusammenhalt und das Wohlergehen fördern."

Wir gehen davon aus, daß diese Aufgabe letztlich
weiterhin primär von der NATO wahrgenommen werden muß. Wir alle wissen, was die NATO in der
Vergangenheit war: das erfolgreichste Bündnis freier
Nationen in der Geschichte. Und wir alle wissen, was
die NATO weiterhin ist: ein Eckpfeiler der Stabilität in
einem Zeitalter der Ungewißheit und sogar der Verwirrung.
Die eigentliche Frage lautet: Welche Rolle wird das
Bündnis in der Zukunft Europas spielen? Die NATO
wird weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Legitimation
und Stabilität des neuen Europas beitragen, obwohl
sich ihre Funktionen und Fähigkeiten mit den neuen
Zeiten sich wandelnder Herausforderungen weiterentwickeln werden. Die Verantwortlichkeiten zwischen
NATO, EG, KSZE und anderen Organisationen lassen
sich nicht streng voneinander trennen. Europa ist mit
vielen einander überlappenden Problemen konfrontiert, nicht mit einem einzelnen. Wir sind davon überzeugt, daß einander überlappende, vielfältige Institutionen eine vernünftige Antwort auf mannigfaltige,
miteinander verbundene Probleme sind. Die NATO
muß eindeutig als unersetzlicher Bund freier Staaten
erhalten bleiben, die sich zur Abschreckung von Ag-

*

Seite 4

Eine Entwicklung in diese Richtung erfordert keine
Revolution in unserem Denken. Sie erfordert lediglich,
daß wir uns den neuen Realitäten anpassen und ein
umfassenderes Konzept der Sicherheit auf unsere
erprobte kollektive Verteidigungsstruktur gründen.
Dieses Konzept muß anerkennen, daß die NATO nicht
nur den Krieg verhindern, sondern auch den Frieden
aufbauen kann und daß der Weg zum Aufbau des
Friedens darin besteht, die Mittel- und Osteuropäer
und die Sowjets zu versichern, daß sie nicht aus dem
neuen Europa ausgeschlossen werden.
Wie auch andere Organisationen ihr Mandat erweitern, um die neuen Demokratien des Ostens einzubeziehen, so kann auch die NATO ihre Bindungen an das
übrige Europa verstärken. Wie ich vor einem Monat in
einer Rede in New York betonte, könnten wir dies zum
Beispiel durch einen soliden Dialog und sogar regelmäßige Konsultationen, militärisch und politisch, erreichen. Dies muß nicht notwendigerweise von Block zu
Block geschehen. Es könnte sogar vorteilhaft sein,
wenn die NATO ihre Kontakte mit ganz Europa vertieft,
einschließlich der neutralen und blockfreien Staaten.
Indem er auf das ungeteilte und freie Europa zugeht,
kann der Londoner Gipfel der Welt zeigen, was wir
bereits wissen: Die Arbeit unserer 16 Demokratien im
Rahmen der NATO wird einige Funktionen eines vergangenen Zeitalters in Europa aufrechterhalten und
sich gleichzeitig dem nächsten Zeitalter anpassen. Im
weitesten Sinne der historischen Ziele der NATO hat
die wirkliche Arbeit zur Förderung und Sicherung eines
ungeteilten und freien Europas gerade erst begonnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 23

�VSBM
13. Juni 1990

NATO SCHLAGT NEUEN
SICHERHEITSMECHANISMUS VOR
Von Botschafter John J. Maresca,
US-Delegationsleiter bei den VSBM-Gesprächen in Wien

Die sechzehn Mitglieder des Nordatlantischen Bündnisses haben einen neuen Sicherheitsmechanismus
vorgeschlagen, mit dem die Stabilität in Europa in einer
Zeit revolutionären Wandels gestärkt werden soll. Am
18. Mai 1990 haben die Verbündeten bei den Wiener
Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), an denen 35 Staaten
teilnehmen, ihr Konzept zur Einführung eines Mechanismus vorgestellt, demzufolge im Falle ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten eine Erklärung verlangt
werden kann.
Diese neue Vereinbarung sieht drei Schritte vor, die
von jedem KSZE-Mitgliedstaat in Anspruch genommen werden könnten. Als erster Schritt könnte ein
Staat nur eine umfassende Erklärung einer ungewöhnlichen militärischen Maßnahme verlangen -als außerplanmäßiges Vorkommnis mit Truppen außerhalb ihres gewöhnlichen Standorts umschrieben -, die auf
dem Territorium eines anderen KSZE-Staats in Europa stattfindet. Das Land, an das eine solche Anfrage
gerichtet ist, wäre innerhalb von 48 Stunden zur Beantwortung verpflichtet. Anfragen und Antworten würden
auch allen anderen KSZE-Teilnehmerländern zu deren Information übermittelt.
Der anfragende Staat kann ferner um bilaterale Konsultationen ersuchen, die innerhalb von 48 Stunden
stattfinden müssen und der Erörterung der fraglichen
Aktivität dienen. In einem dritten Schritt kann ein Staat
ein Treffen aller 35 KSZE-Staaten einberufen, um über
die ungewöhnliche militärische Aktivität zu diskutieren.
Das Treffen würde zum frühestmöglichen Zeitpunkt
eröffnet werden und der Staat, dessen Maßnahme in
Frage steht, wäre verpflichtet, daran teilzunehmen.

AMERIKA DIENST 23

Dieser Vorschlag markiert den Höhepunkt einer jahrelangen Neuorientierung der Verhandlungen über Sicherheits- und Vertrauensbildung von einem Vorschlagspaket, das sich hauptsächlich auf die Beobachtung der
Aktivitäten von NATO und Warschauer Pakt beschränkte, zu neuen sicherheitspolitischen Maßnahmen, in
denen sich die in Osteuropa erfolgten historischen
Veränderungen widerspiegeln und berücksichtigt
werden. Weitere vorgeschlagene Maßnahmen in Sinne
dieses Ansatzes sind:
Ein jährlicher Informationsaustausch über die
Militärhaushalte, die Gegenstand von Fragen
und offenen Diskussionen werden. Ein solcher
Vorschlag wurde in der Vergangenheit nicht
unterbreitet, weil der Westen nicht darauf vertrauen konnte, daß die Sowjets einen ehrlichen
Beitrag liefern würden. Heute ist man allgemein
der Ansicht, daß es der Mühe wert ist, größere
Offenheit der Sowjets im Hinblick auf ihre Militärausgaben zu ermutigen.
Ein jährliches Treffen mit Gesprächen darüber,
wie VSBM-Abkommen durchgeführt wurden.
Damit soll ein konstruktiver Dialog über die
Sicherheit in Europa geführt werden, der bis vor
kurzem nicht als fruchtbar gegolten hätte.
Ein Kommunikationssystem für schnellen und
verläßlichen Austausch militärischer Daten
zwischen den 35 Teilnehmerstaaten.
Der Vorschlag für einen Mechanismus von Gesprächen über ungewöhnliche militärische Aktivitäten basiert
auf dem amerikanischen Konzept, das den NATO-

Seite 1

�Verbündeten im Januar vorgelegt wurde. Es ist im
Konsultationsprozeß der NATO weiterentwickelt worden und stieß unmittelbar nach seiner Einbringung in
das Forum der 35 Teilnehmer aut breite Unterstützung.
Es basiert auf Ideen, die Präsident Bush und Außenminister Baker vorgelegt haben und soll nicht nur
zwischen Ost und West, sondern auch unter Nachbarstaaten, ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zu gegnerischen Blöcken, gelten. In diesem Sinne spiegelt es die
Tatsache wider, daß angesichts des schnell erfolgenden Wandels Bedarf an der Gewährleistung der Stabilität in ganz Europa besteht.

Während des Seminars wurde deutlich, daß die NATO
erforderlich ist, um die kollektive Verteidigung des
Westens sicherzustellen. Darüber hinaus wurde die
Notwendigkeit erkannt, die neuen Demokratien Osteuropas zu erfassen und sie in einen Rahmen einzubinden, der ihnen Vertrauen gibt und ihre Teilnahme am
gemeinsamen europäischen Haus erleichtert.

Die gegenwärtig bei den Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
erarbeiteten sicherheitspolitischen Maßnahmen und
insbesondere der Mechanismus über ungewöhnliche
militärische Aktivitäten können dazu beitragen. Dieser
Mechanismus gibt jedem europäischen Land eine
Verfahrensweise an die Hand, mit der es von ihm als
Ein Schlüsselelement bei der Neuorientierung westli- Bedrohung angesehene militärische Aktivitäten intercher Vorschläge auf das gegenwärtige und zukünftige national bekannt machen und damit abschrecken kann.
Sicherheitsgefüge in Europa war das von den hier Gleichzeitig unterläuft der Mechanismus nicht die NATO
anwesenden Verhandlungspartnern im Januar mit den und stellt keine Provokation oder Bedrohung für sowjeStabschefs der Teilnehmerländer durchgeführte Seminar tische Sicherheitsinteressen dar. Die meisten euroüber Militärdoktrinen. Das Seminar hat gezeigt, daß päischen Länder haben das Konzept enthusiastisch
die politischen Veränderungen trotz vieler gleichblei- als wichtigen neuen Beitrag zum Maßnahmenspekbender Aspekte der europäischen Sicherheit Einfluß trum begrüßt, mit dem Stabilität und Sicherheit in
auf die militärische Lage haben und nunmehr über die Europa erhalten werden können.
Ost-West-Konfrontation hinausgedacht werden muß.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�ILO
13. Juni 1990

ILO ERHÄLT AMERIKANISCHE ZUSCHÜSSE FÜR
ARBEIT IN OSTEUROPA
Rede von Arbeitsministerin Elizabeth Dole
WASHINGTON - (AD) - In ihrer Rede bei der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf erklärte US-Arbeitsministerin Elizabeth Dole, die Vereinigten Staaten gewährten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)
Zuwendungen für eine Zusammenarbeit mit dem im August in Budapest öffnenden Umweltzentrum für Mittel und
Osteuropa, im Rahmen derer Kontrollmöglichkeiten für Arbeitsplatzrisiken erarbeitet werden sollen.
Dole forderte die ILO zur Zusammenarbeit mit dem Zentrum auf, das sie als wichtige persönliche Initiative von
Präsident Bush bezeichnete, "ein technisches Hilfsprogramm zu erarbeiten, mit dem das Verständnis der
Arbeitnehmer für Umweltprobleme am Arbeitsplatz in Osteuropa geschärft wird".
Darüber hinaus forderte Dole die Organisation auf, Osteuropa zu helfen, und "mit Rat zur Seite zu stehen, wie
die unangenehmen Begleiterscheinungen der Reform auf ein Minimum beschränkt werden können".
Nachfolgend veröffentlichen wir Doles Rede im Wortlaut.

Es ist mireine große Ehre, die Vereinigten Staaten von
Amerika bei dieser 77. Sitzung der Internationalen
Arbeitskonferenz zu vertreten. Im Namen meines
Landes möchte ich Herrn Triaca zu seiner Wahl zum
Präsidenten dieser Konferenz beglückwünschen und
in diesem Zusammenhang auch dem Generaldirektor
zum Beginn seiner zweiten Amtsperiode unsere Wertschätzung versichern. Ich habe Herrn Hansenne
bereits bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten
getroffen und konnte ihm bei dieser Gelegenheit die
anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten für
die ILO zusichern.
Ich habe mein Versprechen gehalten und freue mich,
dem Generaldirektor heute morgen die von den Vereinigten Staaten ratifizierte ILO-Konvention No. 160 zur
Arbeitsstatistik vorlegen zu können. Dies ist die dritte
Ratifizierung meines Landes in den letzten zwei Jahren. Darüber hinaus hat erst vor zwei Monaten unser
Konsultativausschuß zu ILO-Fragen einstimmig eine
Empfehlung zur Ratifizierung der ILO-Konvention 105
über Zwangsarbeit ausgesprochen. Und wir prüfen
weiterhin ILO-Normen im Hinblick auf ihre mögliche
Ratifizierung.
Unterstützung demokratischer Reformen
Vor einem Jahr stand ich zum ersten Mal als Arbeitsministerin meines Landes vor Ihnen. Damals habe ich
AMERIKA DIENST 23

erklärt: "Die Welt wird von mächtigen Kräften demokratischer Veränderungen bewegt." Wer von uns
hätte zu träumen gewagt, daß diese Kräfte demokratischer Veränderungen so weite Kreise ziehen wie im
vergangenen Jahr? Welche bemerkenswerten Ereignisse konnten wir in Osteuropa, in Mittelamerika, Afrika und auf dem gesamten Erdball beobachten.
Die Ideale, die in diesem vergangenen Jahr von den
Kräften des demokratischen Wandels erkämpft und
errungen wurden, sind bereits in der Erklärung der ILO
von Philadelphia verankert: Das Recht des einzelnen,
"materiellen Wohlstand und... geistige Entwicklung in
Freiheit und Würde, mit wirtschaftlicher Sicherheit und
Chancengleichheit zu verwirklichen".
Tatsache ist, daß die ILO in Polen, Ungarn und anderen Ländern Osteuropas aktiv war und technische Hilfe
geleistet hat, mit der vielen nachfolgenden demokratischen und wirtschaftlichen Reformen der Weg bereitet
wurde.
Heute ist die ILO immer noch in der gesamten Region
aktiv und stellt ihre neuen Erfahrungen zur Verfügung,
um überflüssige und einschränkende Arbeitsgesetze
abzuschaffen, die so dringend benötigte Arbeitsverwaltung aufzubauen und neugeschaffene Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen zu unterstützen.
Seite 1

�Ich beglückwünsche den Generaldirektor zu dem
hervorragenden Beitrag, den die ILO beim Aufbau der
Demokratie und Neubelebung der Volkswirtschaften
in Osteuropa geleistet hat und sichere Ihnen die kontinuierliche Kooperation und Unterstützung meiner
Regierung zu.
Ich habe diese Botschaft der Unterstützung persönlich
im August vergangenen Jahres übermittelt, als ich
genau am Tag der historischen Wahl von Ministerpräsident Mazowiecki in Polen eintraf. Ende des Jahres
hatte ich als Mitglied einer Delegation des Präsidenten
in Polen Gelegenheit, mit dem Ministerpräsidenten
zusammenzutreffen und später dann bei seinem Besuch
in den Vereinigten Staaten. Sicher werden Sie seiner
morgigen Rede mit Interesse entgegensehen.
Bei unserer Zusammenkunft habe ich mit Ministerpräsident Mazowiecki erörtert, wie die Vereinigten Staaten Polen und seinen Menschen am besten helfen
können. Und wir haben - mit Hilfe eines drei Gruppen
umfassenden Teams aus amerikanischen Regierungsvertretern, Gewerkschaftsführern und Arbeitgebern,
die auch Mitglieder der Delegation des Präsidenten
waren - einen gemeinsamen Plan entwickelt.
Gegenwärtig helfen wir Polen dabei, eine effektive und
dringend erforderliche Arbeitsmarktstrategie zu entwickeln, ferner ein System der Arbeitslosenversicherung und Arbeitsstatistik, die in einer freien Marktwirtschaft unabdingbar sind. Ähnliche Hilfe wird auch
Ungarn geleistet.
Darüber hinaus hat Polen mit der Wohnungsnot ein
sehr vordringliches Problem. Arbeitnehmer sind daran
gehindert, ihren Wohnort dorthin zu verlegen, wo neue
Arbeitsplätze geschaffen werden. Die amerikanische
Regierung, die Industrie und Gewerkschaften arbeiten
zusammen und werden bald ein Ausbildungszentrum
für Bauberufe in Praga, einem Vorort von Warschau,
eröffnen. Bald werden Installateure, Schreiner, Elektriker, Maurer und Stahlarbeiter nach Polen gehen, um
dort von Arbeiter zu Arbeiter und von Freund zu Freund
zu arbeiten.
Unsere Hilfsangebote für Polen und Ungarn konzentrieren sich auf die Hilfe für den einzelnen. Was ist der
Zweck der gegenwärtigen Umstrukturierung und Reformen, wenn nicht Hilfe für die Arbeiter, deren Hoffnungen auf Freiheit und Würde die Triebfeder des
Wandels waren.
Wenn entscheidende Wirtschaftsreformen Erfolg haben
sollen, müssen sie von einer Politik des Mitgefühls für
den Menschen getragen sein. Neue Strukturen sind
unbedingt erforderlich, um ein "soziales Netz" für
diejenigen zu knüpfen, die kurzfristige Nachteile der
Reformen zu spüren bekommen, wenn Staatsbetriebe
verkleinert, privatisiert oder geschlossen werden.
Die ILO kann dabei perfekte Hilfe leisten. Obwohl sie
in anderen Zeiten gegründet wurde, ist ihr Ziel der
Seite 2

Förderung dauerhaften Friedens durch soziale Gerechtigkeit heute so aktuell wie 1919. Deshalb sind die
Vereinigten Staaten der Auffassung, daß die ILO Teil
des G-24 Prozesses - Koordinierung der Hilfe für
Osteuropa - sein, mit Rat zur Seite stehen soll, wie die
unangenehmen Begleiterscheinungen der Reform auf
ein Minimum beschränkt werden können und ihre
Fähigkeiten einsetzen soll, um effektive Programme
zu entwickeln, die den Arbeitnehmern und ihren Familien
beim Aufbau einer besseren Zukunft helfen.
Die Reaktion auf den Umweltbericht des Generaldirektors
Während die Welt die Geburt einer Reihe neuer
Demokratien im vergangenen Jahr feierte, begingen
wir darüber hinaus zum 20. Mal den Earth Day - und
dieser Jahrestag läßt den Bericht des Generaldirektors über "Umwelt und Arbeitswelt" als besonders
angemessen erscheinen.
Herr Generaldirektor, wir in den Vereinigten Staaten
betrachten Ihren Bericht als zeitgemäß und sachdienlich und unterstützen Ihren Plan, den Umweltschutz
weiterhin als eines der vier Hauptthemen der ILO im
Zweijahreszeitraum 1992-93 zu verankern. Der Gesundheitsschutz amerikanischer Arbeitnehmer am
Arbeitsplatz ist eine vordringliche Aufgabe, der ich im
vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit gewidmet habe.
Die vor uns liegende Herausforderung besteht darin,
daß die Arbeitswelt in all ihren Facetten mit der verstärkten Produktion von Gütern und Dienstleistungen
Schritt hält und gleichzeitig unsere Natur und unsere
Humanressourcen schützt.
Präsident Bush hat erklärt: "Für unsere Umwelt gibt es
keinen besseren Verbündeten als starke Volkswirtschaften. Volkswirtschaften, die es uns durch verbesserte Wirtschaftlichkeit ermöglichen, umweltpolitische
Fortschritte zu machen... Volkswirtschaften, die neue
Technologien hervorbringen und uns damit helfen, die
von uns verursachte Schädigung der Umwelt aufzuhalten und rückgängig zu machen... Volkswirtschaften, die es uns gestatten, lebenswichtige Investitionen
in unsere gemeinsame Zukunft vorzunehmen."
Wenn die Vereinigten Staaten aus Jahrzehnten von
Untersuchungen und Maßnahmen in diesem Bereich
eine Lehre gezogen haben, dann die, daß die Verbesserung von Umwelt- und Arbeitsschutz nicht ohne
Partnerschaft von Arbeitnehmern, Unternehmen und
Staat stattfinden kann - und das genau trifft den
Wesensgehalt der ILO.
In den Vereinigten Staaten betonen wir die Tatsache,
daß die Arbeitgeber dafür verantwortlich sind, sichere
und gesundheitlich einwandfreie Bedingungen am
Arbeitsplatz zu gewährleisten und die Arbeitnehmer
zur Identifizierung und Beseitigung gefährlicher Arbeitsbedingungen beitragen sollten.

AMERIKA DIENST 23

�Meine Regierung ermutigt durch das von mir beaufsichtigte Amt für Arbeitsschutz (OSHA) die Einhaltung
von Sicherheitsnormen durch die Bereitstellung von
Unterstützung und Ausbildung zur Verwirklichung
verantwortungsbewußter und wirksamer Programme.
Ich fühle mich heute an die Worte des amerikanischen
Dichters Archibald MacLeish erinnert, der, inspiriert
durch den großartigen Blick auf unseren Planeten, der
unseren Astronauten vor über zwei Jahrzehnten zuteil
wurde, schrieb: "Die Erde zu sehen, wie sie wirklich ist,
klein und blau und schön in jener ewigen Stille, in der
sie treibt, bedeutet, uns selbst gemeinsam als Reisende auf der Erde zu sehen, Brüder auf jener leuchtenden Lieblichkeit ... Brüder, die jetzt wissen, daß sie
wirklich Brüder sind."
Herr Generaldirektor, Ihr Bericht stellt zu Recht fest,
daß wir in der Tat alle Brüder und Schwestern sind ...
alle "gemeinsam als Reisende auf der Erde". Die
unausweichliche Tatsache unserer gegenseitigen
ökologischen Abhängigkeit erfordert nicht nur die
Zusammenarbeit zwischen Staat, Arbeitnehmern und
Arbeitgebern, sondern auch auf internationaler Ebene.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die
Vereinigten Staaten durch einen vielfältigen internationalen Informationsaustausch sowohl ihre Erfolge mit
anderen geteilt als auch von anderen gelernt. Wir
haben enge Beziehungen zu vergleichbaren Institutionen für Arbeits- und Umweltschutz in Großbritannien,
Schweden, Israel und der Panamerikanischen Union
aufgebaut. Wir beteiligen uns voll und ganz an Arbeitsschutzmaßnahmen der ILO, der Europäischen Gemeinschaft und der Weltgesundheitsorganisation.
Um unser Haus in Ordnung zu bringen, muß jedoch
noch mehr getan werden, und ich versichere hiermit
die ILO der weiteren Zusammenarbeit der Vereinigten
Staaten bei der Bekämpfung von Umweltproblemen in
ihrem Verantwortungsbereich.
Darüber hinaus freue ich mich, mitteilen zu können,
daß unser Arbeitsministerium in Zusammenarbeit mit
der US-Umweltschutzbehörde der ILO einen Zuschuß
gewährt, um Umweltprobleme am Arbeitsplatz in
Osteuropa zu untersuchen.
Mit diesem Zuschuß wird die Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen der ILO und dem neuen Regionalen Umweltzentrum für Mittel- und Osteuropa in Budapest unterstützt. Die Einrichtung dieses Zentrums,
das im August eröffnet wird, geht auf eine wichtige
persönliche Initiative von Präsident Bush zurück, die
das Ziel verfolgt, regionale und internationale Zusammenarbeit zu fördern.
Meine Regierung lädt die ILO ein, mit uns in diesem
Zentrum zusammenzuarbeiten, um ein technisches
Hilfsprogramm zu erarbeiten, mit dem das Verständnis
der Arbeitnehmer für Umweltprobleme am Arbeits-

AMERIKA DIENST 23

platz in Osteuropa geschärft wird. Eine wichtige
Maßnahme wird die Entwicklung eines Ausbildungsprogramms zum Arbeitsschutz beim Umgang mit
chemischen Stoffen sein. Wir schlagen die Veranstaltung von drei Ausbildungsseminaren unter der Leitung
des Regionalen Umweltzentrums vor.
Die Vereinigten Staaten würden ferner die Teilnahme
der ILO an einem für September geplanten Workshop
in Budapest über Vorkehrungen und Maßnahmen
gegen Chemieunfälle und deren Prävention begrü ßen.
Dieser Workshop wird in Zusammenarbeit mit dem
Regionalen Umweltzentrum veranstaltet und von der
US-Umweltbehörde sowie dem ungarischen Umweltministerium unterstützt.
Es gibt noch viele andere Möglichkeiten und Projekte,
aber die Grundtatsache steht außer Frage: Es ist
unerläßlich, daß wir alle zusammenarbeiten, um die
tiefgreifenden Umweltprobleme Osteuropas in den
Griff zu bekommen.
Herr Präsident, dies ist die erste ILO-Konferenz der
neunziger Jahre. In wenigen Jahren werden wir den
Beginn eines neuen Jahrhunderts feiern. Werden wir
stolz auf das sein, was wir geleistet haben? Werden
alle Bewohner dieses kleinen Planeten die grundlegenden Menschenrechte und eine bessere Zukunft
genießen? Wird eine saubere Umwelt, am Arbeitsplatz und außerhalb, unser Vermächtnis für die nächste Generation sein?
Wenn wir zusammenarbeiten, besitzen wir das Potential, all dies zu leisten und noch mehr. Die überwältigenden Ereignisse des vergangenen Jahres haben
gezeigt, wieviel entschlossene Menschen erreichen
können, wenn ihre Entschlossenheit fest und ihre Ziele
klar sind.
Während an vielen Orten auf der Welt Grund zum
Feiern besteht, müssen wir gleichzeitig unsere Anstrengungen intensivieren. Wir müssen uns energischer denn je darum bemühen, die Ideale zu fördern,
die sich die Begründer der ILO vor 71 Jahren zum Ziel
setzten. Die große Leidenschaft für Menschenrechte
und Menschenwürde, die Woodrow Wilson und andere Delegierte in Versailles im Jahr 1919 beflügelte,
treibt heute führende Persönlichkeiten der Weltpolitik
wie Ministerpräsident Mazowiecki, Vaclav Havel und
Violeta Chamorro an.
All diese Politiker wurden von dem Traum geleitet, daß
ihre Völker eine Zukunft der Freiheit, Würde und
Hoffnung verdienten. Und alle stehen sie vor enormen
Herausforderungen, da sie die demokratischen und
wirtschaftlichen Reformen durchführen, die zur Erfüllung ihres Traums notwendig sind.
Ihre Bemühungen zur Bewältigung dieser Herausforderungen und die Bemühungen anderer weitsichtiger
Persönlichkeiten in Staat, Gewerkschaften und Unter-

Seite 3

�nehmen in der ganzen Welt verdienen unsere uneinge- dieser Erde" können wir dazu beitragen, ihre - und
schränkte Unterstützung.
unsere - Träume zu verwirklichen.
Mit Engagement, Zusammenarbeit und vor allem Mitgefühl und Verständnis für unsere "Mitreisenden auf

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 23

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10862">
              <text>13.06.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10863">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10864">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10865">
              <text>Amerikadienst 13.06.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10866">
              <text>&lt;strong&gt;1. KSZE&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Baker: ungeteiltes und freies Europa in greifbar Nähe gerückt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers bei der KSZE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: neun Zusicherungen an die Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. VSBM&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO schlägt neuen Sicherheitsmechanismus vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Botschafter John J. Maresca US-Delegationsleiter bei den VSBM-Gesprächen in Wien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. ILO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ILO erhält amerikanische Zuschüsse für Arbeit in Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Arbeitsministerin Elizabeth Dole&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
