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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

22

6. Juni 1990

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GIPFEL

BUSH UND GORBATSCHOW ZUFRIEDEN
MIT FORTSCHRITTEN BEI START
Gemeinsame Erklärung

WELTMACHTE UNTERZEICHNEN VERPFLICHTUNG GEGEN VERBREITUNG VON WAFFEN
Gemeinsame Gipfelerklärung

BAKER: GESAMTDEUTSCHE NATO-MITGLIEDSCHAFT ERFORDERT GARANTIEN
Fernsehinterview des Außenministers

WIRTSCHAFT

BRADY WARNT VOR ÜBERTRIEBENEN
INFLATIONSÄNGSTEN
Erklärung bei der OECD

URUGUAY-RUNDE

LANDWIRTSCHAFT SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG
DER URUGUAY-RUNDE
Rede der US-Handelsbeauftragten
Hills bei der OECD

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GIPFEL
6. Juni 1990

BUSH UND GORBATSCHOW ZUFRIEDEN MIT
FORTSCHRITTEN BEI START
Gemeinsame Erklärung
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush und sein sowjetischer Amtskollege Gorbatschow äußerten sich am 1.
Juni 1990 befriedigt über die bisher erzielten "großen Fortschritte" auf dem Weg zu einem Vertrag über die
Reduzierung strategischer Waffen. Darüber hinaus bekräftigten sie ihr Ziel, das Dokument "bis zum Ende dieses
Jahres unterschriftsreif" zu haben.
In einer gemeinsamen Erklärung am zweiten Tag ihres Gipfeltreffens gaben sich beide Präsidenten zuversichtlich, daß START "ein Meilenstein sowohl für die Rüstungskontrolle als auch für das Verhältnis" zwischen den
beiden Weltmächten sein werde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Erklärung im Wortlaut.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
George Bush, und der Präsident der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Michail S. Gorbatschow,
sprachen über den Status des Vertrags zur Begrenzung und Reduzierung strategischer Offensivwaffen.
Die beiden Präsidenten äußerten sich befriedigt über
die großen Fortschritte, die bisher in den Verhandlungen über diesen Vertrag erzielt wurden. Insbesondere
begrüßten sie die beiderseitig akzeptablen Lösungen,
die bei wichtigen Fragen dieser Gespräche gefunden
wurden und bekräftigten ihre Entschlossenheit, den
Vertrag bis Ende dieses Jahres fertigzustellen und
unterschriftsreif zu haben. Sie wiesen ihre Verhandlungsdelegationen in Genf an, die Arbeit zur Fertigstellung des gemeinsamen Vertragsentwurfs, der die
Einzelheiten dieser Lösungen enthält, zu beschleunigen, um diesem Ziel gerecht zu werden.
Der START-Vertrag wird ein Meilenstein sowohl für die
Rüstungskontrolle als auch für das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sein. Er ist
das Ergebnis der Erkenntnis, daß beide Seiten eine
besondere Verpflichtung für die Reduzierung des Kriegsrisikos, die Verbesserung der strategischen Stabilität
und die Stärkung des Friedens und der internationalen
Sicherheit tragen. Damit wird der START-Vertrag
einen Wendepunkt in den sowjetisch-amerikanischen
Rüstungskontrollbemühungen zur Herstellung eines
rationaleren, offeneren, kooperativeren, berechenba-

AMERIKA DIENST 22

reren und stabileren Verhältnisses signalisieren. In
bemerkenswertem Maße wird der Vertrag die bedeutenden politischen Veränderungen ergänzen, die in
jüngster Zeit zum Abbau von Feindschaft und Mißtrauen beigetragen haben, und er wird die Reduzierung der
gegenwärtig vorhandenen umfangreichen Bestände
an strategischen Offensivwaffen erleichtern.
Dieser Vertrag bietet zahlreiche Vorteile. Zum ersten
Mal in der Geschichte werden beide Seiten bedeutende Reduzierungen ihrer strategischen Offensivwaffen
vornehmen - um bis zu 50 Prozent bei bestimmten
Kategorien. Noch wichtiger ist, daß diese Reduzierungen dazu dienen, einen Erstschlag weniger wahrscheinlich zu machen. Das Ergebnis werden größere
Stabilität und ein geringeres Kriegsrisiko sein.
Wichtige Vertragsvereinbarungen sind:
Die Gesamtzahl stationierter ICBMs und der zugehörigen Abschußvorrichtungen, der stationierten SLBMs
und der zugehörigen Abschuß Vorrichtungen und der
schweren Bomber wird auf maximal 1 600 begrenzt.
Innerhalb dieser Höchstzahl wird die Zahl der stationierten schweren ICBMs und der zugehörigen Abschußvorrichtungen auf höchstens 154 begrenzt.
Die Gesamtzahl der stationierten ICBMs, stationierten
SLBMs und schweren Bombern zugeschriebenen
Gefechtsköpfe wird auf maximal 6 000 begrenzt. Von
diesen werden höchstens 4 900 Gefechtsköpfe den

Seite 1

�stationierten ICBMs und SLBMs, höchstens 1 540
Gefechtsköpfe den schweren ICBMs und höchstens
1 100 Gefechtsköpfe den mobilen ICBMs zugeordnet.
Die Wurf gewichte der stationierten ICBMs und SLBMs
beider Seiten insgesamt werden auf ein vereinbartes
Niveau reduziert, das annähernd 50 Prozent unter den
gesamten bestehenden Wurf gewichten der stationierten ICBMs und SLBMs der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken an einem noch festzulegenden Zeitpunkt liegt. Diese Grenze wird während der Vertragsdauer nicht überschritten.
Als Träger von weitreichenden, luftgestützten und
nuklear bestückten Marschflugkörpern (ALCMs) ausgerüstete schwere Bomber werden von anderen schweren Bombern zu unterscheiden sein. Für andere
Nuklearwaffen als weitreichende, nuklear bestückte
ALCMs ausgerüstete schwere Bomber werden als ein
strategisches Trägersystem auf die Obergrenze von
1 600 und als ein Gefechtskopf auf die Obergrenze
von 6 000 angerechnet.
Als Träger von weitreichenden, nuklear bestückten
ALCMs ausgerüstete schwere Bomberwerden als ein
Trägersystem auf die Obergrenze von 1 600 und mit
einer vereinbarten Anzahl von Gefechtsköpfen auf die
Obergrenze von 6 000 angerechnet. Bestehende und
zukünftige amerikanische schwere Bomber, die als
Träger von weitreichenden, nuklear bestückten ALCMs
ausgerüstet sind, werden mit je 10 Gefechtsköpfen
angerechnet. Bestehende und zukünftige sowjetische
schwere Bomber, die als Träger von weitreichenden,
nuklear bestückten ALCMs ausgerüstet sind, werden
mit je 8 Gefechtsköpfen angerechnet.
Innerhalb der Obergrenze von 1 600 Trägersystemen
dürfen die Vereinigten Staaten von Amerika maximal
150 als Träger von weitreichenden, nuklear bestückten ALCMs ausgerüstete schwere Bomber besitzen,
die mit je 10 Gefechtsköpfen angerechnet werden. Die
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken kann diese Anzahl schwerer Bomber um maximal 40 Prozent
überschreiten. Falls die Vereinigten Staaten die Zahl
von 150 überschreiten wird jeder zusätzliche, als Träger von weitreichenden, nuklear bestückten ALCMs
ausgerüstete schwere Bomber mit der Anzahl weitreichender, nuklear bestückter ALCMs angerechnet, für
die er tatsächlich ausgerüstet ist. Falls die Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken die Zahl von 210 als
Träger von weitreichenden, nuklear bestückten ALCMs
ausgerüsteten schweren Bombern überschreitet, so
wird jeder dieser schweren Bomber mit der Anzahl von
weitreichenden, nuklear bestückten ALCMs angerechnet, für die er tatsächlich ausgerüstet ist.
Bestehende und zukünftige amerikanische schwere
Bomber dürfen für maximal 20 weitreichende, nuklear
bestückte ALCMs ausgerüstet sein. Bestehende und
zukünftige sowjetische schwere Bomber dürfen für
maximal 12 weitreichende, nuklear bestückte ALCMs
ausgerüstet sein.
Seite 2

ALCMs gelten als weitreichend, wenn ihre Reichweite
600 Kilometer überschreitet. Zukünftige weitreichende, nichtnukleare ALCMs werden den nuklearen nicht
zugerechnet, wenn sie von den weitreichenden, nuklear bestückten ALCMs zu unterscheiden sind. Es
wird keinerlei Begrenzungen für die Stationierung solcher ALCMs auf nicht vertraglich begrenzten Flugzeugen geben.
Die Reduzierungen werden in drei Phasen innerhalb
von sieben Jahren durchgeführt. Besondere, gleiche
Zwischengrenzen für vereinbarte Kategorien strategischer Offensivwaffen werden am Ende jeder Reduzierungsphase erzielt werden.
Die vertraglich geregelten zahlenmäßigen Begrenzungen werden durch Umbau oder Vernichtung im Einklang mit den vereinbarten Verfahrensweisen erzielt
und erfüllt werden.
Seegestützte Marschflugkörper (SLCMs) werden durch
den START-Vertrag nicht begrenzt. Jede Seite wird
der anderen eine einseitige Erklärung ihrer Politik im
Hinblick auf nukleare SLCMs sowie - jährlich während
der Vertragsdauer - unilaterale Erklärungen im Hinblick auf geplante Stationierungen weitreichender,
nuklearer SLCMs, also derjenigen mit einer Reichweite von über 600 Kilometern, zukommen lassen. Diese
Erklärungen werden politisch bindend sein. In den
jährlichen Erklärungen wird die Höchstzahl der stationierten nuklearen SLCMs für jedes der fünf folgenden
Vertragsjahre spezifiziert, vorausgesetzt, die erklärte
Zahl liegt nicht höher als 880. In den politischen
Erklärungen wird im einzelnen dargelegt werden, daß
die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union
Sozialistischer Sowjetrepubliken keine seegestützten
atomaren Marschflugkörper mit Mehrfachgefechtsköpfen herstellen oder stationieren werden. Beide Seiten
bekräftigen ihre Gemeinsame Washingtoner Gipfelerklärung von 1987, weiterhin "beiderseitig akzeptable
und effektive Verfizierungsmethoden" anzustreben.
Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die mögliche
Durchführung verbotener Modernisierung und Ersetzung strategischer Offensivwaffen.
Der START-Vertrag wird besondere Verbote bestimmter Kategorien strategischer Offensivwaffen, Stationierungsarten und -aktivitäten umfassen. Gemäß dem
START-Vertrag werden folgende Verbote ausgesprochen:
neue Typen schwerer ICBMs,
schwere SLBMs und Abschußvorrichtungen
schwerer SLBMs,
mobile Abschußvorrichtungen schwerer ICBMs,
neue Typen von ICBMs und SLBMs mit mehr
als 10 Wiedereintrittsflugkörpern,

AMERIKA DIENST 22

�Flugerprobung und Stationierung bestehender
Typen von ICBMs oder SLBMs, deren Zahl von
Wiedereintrittsflugkörpern größer ist als in der
Gemeinsamen Washingtoner Gipfelerklärung
vom Dezember 1987 festgelegt,

bote zur Beeinträchtigung des Einsatzes solcher Mittel:
Ein Verbot über die Verweigerung telemetrischer Information: beide Seiten haben vereinbart, technische Messungen an Bord von ICBMs
und SLBMs vorzunehmen und alle aus solchen
Messungen gewonnenen telemetrischen Informationen zu übermitteln. Außer für streng definierte Ausnahmen wird es ein Verbot aller
Maßnahmen - einschließlich der Verwendung
von Verschlüsselung, Verkapselung oder Störung - geben, die den vollständigen Zugang zu
telemetrischen Informationen verwehrt.

schnelles Nachladen der ICBM-Abschußvorrichtungen,
mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstete weitreichende nukleare ALCMs.
Die im Vertrag enthaltenen weitreichenden Reduzierungen und anderen Einschränkungen werden von
den gründlichsten und innovativsten Verifizierungsbestimmungen, die jemals ausgehandelt wurden, ergänzt.

Informationsaustausch: Vor Unterzeichnung
des Vertrags werden beide Seiten Daten über
die Anzahl, Standorte und technischen Merkmale ihrer strategischen Offensivwaffen austauschen. Diese Daten werden während der
gesamten Vertragsdauer regelmäßig auf den
neuesten Stand gebracht.

Insgesamt wird das umfassende Verifizierungssystem
des START-Vertrags Transparenz im militärischen
Bereich in einem Umfang gewährleisten, der noch vor
sehr kurzer Zeit undenkbar gewesen wäre. Es wird
nicht nur die effektive Verifizierung der Vertragsbestimmungen sicherstellen, sondern darüber hinaus
das für ein gesundes strategisches Verhältnis unabdingbare gegenseitige Vertrauen erheblich stärken.
Darüber hinaus kann dieses Verifizierungssystem
Vorbildcharakter für künftige Abkommen haben. Das
gegenwärtig erarbeitete Verifizierungssystem sieht vor:
Inspektionen vor Ort: Damit die Verifizierung
der Vertragseinhaltung gewährleistet werden
kann, wird jede Seite auf der Basis der Gegenseitigkeit 12 Arten von Vor-Ort- Inspektionen
durchführen, femer ist die kontinuierliche Beobachtung der Produktionsstätten mobiler ICBMs
im Einklang mit den vereinbarten Verfahrensweisen vorgesehen.
Gemeinsam wird jede Seite kurzfristige Inspektionen von Einrichtungen durchführen, die mit
strategischen Offensivwaffen in Zusammenhang
stehen. Dazu zählen Inspektionen zur Verifizierung der Anzahl von Wiedereintrittsflugkörpern
auf stationierten ballistischen Raketen, Inspektionen zur Verifizierung der Zerstörung strategischer Offensivwaffen und mit ihnen in Zusammenhang stehender Einrichtungen, die Verifizierung von Verdachtsmomenten bei Inspektionen und Vorführungen.
Nationale Technische Mittel zur Verifizierung.
Um die Verifizierung zu gewährleisten, wird jede
Seite im Einklang mit den allgemein anerkannten Völkerrechtsprinzipien die ihr zur Verfügung
stehenden technischen Mittel zur Verifizierung
einsetzen. Der Vertrag wird eine Reihe kooperativer Maßnahmen enthalten, um die Effektivität der nationalen technischen Mittel zur Verifizierung zu steigern. Es ergehen folgende Ver-

Ein umfassendes Abkommen über die Art und
Weise der Stationierung mobiler ICBM-Abschußvorrichtungen und die mit ihnen in Zusammenhang stehenden Raketen und angemessene
Beschränkungen über ihre Standortwechsel,
damit die effektive Verifizierung der Einhaltung
von zahlenmäßigen Beschränkungen gewährleistet ist, wie sie der Vertrag vorschreibt. Darüber hinaus wird die Zahl der nichtstationierten
ICBMs für mobile Abschußvorrichtungen beschränkt, und mobile ICBMs müssen durch Verwendung einzigartiger Erkennungsmarken
("Tags") gekennzeichnet werden.
Zur Einhaltung der Zielsetzungen des Vertrags rufen
beiden Seiten die Gemeinsame Kommission für Einhaltung und Inspektion ins Leben.
Beide Seiten haben eine Vertragsdauer von 15 Jahren
vereinbart, wenn nicht vorher ein weiteres Abkommen
geschlossen wird. Vorbehaltlich der Zustimmung beider
Seiten kann der Vertrag um jeweils fünf Jahre verlängert werden, bis ein neues Abkommen ihn außer Kraft
setzt.
Die oben beschriebenen Fortschritte erfüllen das Ziel,
das sich die Präsidenten der Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken bei ihrer Zusammenkunft in Malta gesteckt
hatten - die Vereinbarung grundlegender Bestimmungen des Vertrags über stratergische Offensivwaffen
bis zum Gipfeltreffen in Washington. Beide Präsidenten bekundeten ihre Zuversicht, daß die Außenminister und die Delegationen beider Länder bei den Genfer
Verhandlungen in den kommenden Monaten Übereinkunft über die gegenwärtig noch auszuhandelnden
Verwendungszwecke erzielen können.

* * * * *
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Seite 3

�GIPFEL
6. Juni 1990

WELTMÄCHTE UNTERZEICHNEN VERPFLICHTUNG
GEGEN VERBREITUNG VON WAFFEN
Gemeinsame Gipfelerklärung
WASHINGTON - (AD) - Die Weiterverbreitung von atomaren und chemischen Waffen sowie von Raketen
"bedroht die Menschheit mit Kriegführung von beispielloser Vernichtungskraft". Dies ist der Tenor einer
gemeinsamen Erklärung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beim Washingtoner Gipfel. Die beiden
Weltmächte verpflichten sich darin zur Zusammenarbeit "untereinander und mit anderen Mitgliedern der
internationalen Staatengemeinschaft", um die Verbreitung dieser Waffen einzudämmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Gipfelerklärung über die Weiterverbreitung von Waffen im
Wortlaut.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken lehnen die Weiterverbreitung von Kernwaffen, chemischen Waffen,
Raketen, die als Träger solcher Waffen in Frage kommen
sowie von anderen Raketen und Raketentechnologien
ab. Je mehr Staaten solche Waffen besitzen, desto
schwieriger wird es sein, dem Wunsch der Menschen
überall gerecht zu werden, effektive Rüstungskontrolle
und Abrüstungsmaßnahmen zu erlangen und das
Kriegsrisiko zu reduzieren. Die Verbreitung von Waffen kann Unsicherheit und Feindschaft zwischen Staaten hervorrufen und verstärken und bedroht die Menschheit mit Kriegführung von beispielloser Vernichtungskraft.
Unsere Gespräche in den vergangenen Monaten weisen
den Weg in ein neues Zeitalter der Beziehungen
zwischen unseren Ländern. Wir haben wichtige Schritte zum Abschluß von Abkommen unternommen, um
unsere strategischen Atomwaffenarsenale zu reduzieren, eine Begrenzung der Atomtests in Kraft zu setzen
und ein weltweites Verbot chemischer Waffen zu erreichen. Zusammen mit den Staaten Europas unternehmen wir beispiellose Schritte zur Reduzierung des
bestehenden Arsenals an konventionellen Waffen als
Teil des Prozesses zum Aufbau einer dauerhaften
Struktur der europäischen Sicherheit. Die von uns
erzielten Fortschritte und die Verpflichtungen, die wir in
diesen bilateralen und multilateralen Rüstungskontrollbemühungen eingegangenen sind, zeigen eindeutig, daß eine Reduzierung von Waffen zu erhöhter

AMERIKA DIENST 22

Sicherheit beitragen kann, selbst wenn zwischen den
Ländern seit langem tiefsitzende Meinungsverschiedenheiten bestanden haben.
Die von uns zur Verbesserung der amerikanischsowjetischen Beziehungen und zur Zusammenarbeit
im Interesse der internationalen Stabilität unternommenen Schritte schaffen die Möglichkeit zu einer noch
engeren und konkreteren Zusammenarbeit in den Bereichen der Nichtverbreitung nuklearer und chemischer Waffen sowie Raketen.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion eingedenk dieser Erwägungen,
erklären ihre Verpflichtung, die Weiterverbreitung von Kernwaffen, chemischen Waffen und
Raketen, die als Träger solcher Waffen in Frage
kommen sowie gewisser anderer Raketen und
Raketentechnologien zu verhindern, insbesondere solcher, die den Verfügungen des Regimes zur Kontrolle von Raketentechnologie
(MTCR) unterliegen;
vereinbaren, eng miteinander und mit anderen
Mitgliedern der internationalen Staatengemeinschaft zusammenzuarbeiten, um konkrete
Maßnahmen gegen die Verbreitung dieser Waffen
zu entwickeln und zu verwirklichen und
fordern andere Staaten dazu auf, sich mit einer
erneuerten Verpflichtung an effektiven Maß-

Seite 1

�nahmen für die Nichtverbreitung als Mittel zur
Sicherung des Weltfriedens und der Stabilität
sowie als Schritt zur effektiven weltweiten Begrenzung von Kernwaffen, chemischen Waffen,
Raketen und Raketentechnologie zu beteiligen.

Sie fordern alle Nichtkernwaffenstaaten, deren
Maßnahmen im Nuklearbereich nicht diesen Sicherheitsrichtlinien unterstehen, auf, diese
Maßnahmen den internationalen Sicherheitsvorkehrungen zu unterwerfen.

Beide Seiten haben besondere Maßnahmen zur Förderung dieser Verpflichtungen in Angriff genommen.

Sie stimmen darin überein, daß strenge Kontrollen für Exporte von kerntechnischem Material,
Ausrüstung und Technologie erforderlich sind,
um zu gewährleisten, daß sie nicht für die Herstellung nuklearer Sprengsätze mißbraucht
werden und fordern alle anderen Staaten, die
zum Export von kerntechnischer Technologie in
der Lage sind, auf ebenso strenge Kontrollen
anzuwenden.

Die Nichtverbreitung von Kernwaffen
Um die Verbreitung von Kernwaffen zu verhindern,
unternehmen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion folgende Schritte:
Sie bekräftigen ihre unerschütterliche und seit
langem bestehende Verpflichtung, der Verbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten und
das internationale Regime über die Nichtverbreitung von Kernwaffen zu stärken.
Sie bekräftigen ihre energische Unterstützung
für den Vertrag über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen (NPT) und stimmen darin überein,
daß dieser weiterhin einen unschätzbaren Beitrag zu weltweiter und regionaler Sicherheit und
Stabilität leistet;
Sie drängen alle Staaten, die dies bisher versäumt haben, den NPT einzuhalten.
Sie drängen alle Vertragsparteien des NPT, ihre
gemäß dem Vertrag bestehenden Sicherheitsverpflichtungen gegenüber der Internationalen
Atomenergieorganisation (IAEO) peinlich genau einzuhalten.
Sie bekräftigen ihre Absicht, miteinander und
mit anderen Vertragsparteien zusammenzuarbeiten, um im Jahr 1990 eine erfolgreiche Überprüfungskonferenz zum Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen sicherzustellen, mit
der die Unterstützung der Ziele des Vertrags
sowie seine Bedeutung für die internationale
Sicherheit und Stabilität erneuert würden.
Sie unterstützen den Vertrag zum Verbot von
Kernwaffen in Lateinamerika (Vertrag von Tlatelolco) und fordern alle Staaten der Region auf,
ihn frühzeitig in Kraft zu setzen.
Sie bekräftigen ihr fortgesetztes Engagement
zur Stärkung der IAEO, deren einzigartiges Sicherheitssystem zur weitverbreiteten friedlichen
Nutzung der Kernenergie für die soziale und
wirtschaftliche Entwicklung beigetragen hat.
Sie unterstützen eine verstärkte internationale
Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung
der Kernenergie gemäß den Sicherheitsrichtlinien der IAEO.

Seite 2

Sie unterstützen weiterhin Bemühungen, um
das internationale Regime zur Kontrolle von Nuklearexporten zu verbessern und zu stärken.
Sie unterstützen Gespräche zwischen Staaten
in solchen Regionen, in denen Besorgnis über
die Verbreitung von Kernwaffen besteht, um
konkrete Maßnahmen zur Reduzierung des
Risikos der Verbreitung von Kernwaffen vorzunehmen und schließen sich insbesondere den
Appellen an die Staaten des Nahen Ostens, des
südlichen Afrikas und Südasiens an, solche
Gespräche aufzunehmen und zu führen.
Sie vereinbaren, ihre regelmäßigen, konstruktiven bilateralen Konsultationen über die Nichtverbreitung von Kernwaffen fortzusetzen.
Die Nichtverbreitung von Raketen und Raketentechnologie
Um der Verbreitung von Raketen und Raketentechnologie Einhalt zu gebieten, haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion folgende Maßnahmen getroffen:
Sie haben den Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite unterzeichnet und damit gezeigt, daß
Kontrollen - und sogar die Vernichtung - solcher
Raketen der nationalen Sicherheit förderlich
sein können.
Sie bekräftigen erneut ihre Absicht, den STARTVertrag noch vor Ablauf des Jahres zu unterzeichnen.
Sie bestätigen ihre Unterstützung für die Zielsetzungen des Regimes zur Kontrolle von Raketentechnologie, das Raketen, bestimmte
Geräte und Technologie für Raketen umfaßt,
die eine Nutzlast von mindestens 500 Kilo-

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�gramm über eine Strecke von mindestens 300
Kilometern transportieren können, und sie fordern alle Länder auf, die das bisher nicht getan
haben, den Geist und die Richtlinien dieses
Regimes zu beachten.
Sie treffen Maßnahmen zur Beschränkung der
Weiterverbreitung von Raketen weltweit, einschließlich Exportkontrollen und anderer nationaler Verfahren.
Sie haben bilaterale Konsultationen aufgenommen, um Informationen über solche Kontrollen
und Verfahrensweisen auszutauschen und
Maßnahmen zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Raketen zu erarbeiten.
Sie sind übereingekommen, sich für die Unterbindung der Verbreitung von Raketen, insbesondere in Konfliktregionen, wie etwa dem Mittleren Osten, einzusetzen.
Sie bestätigen in diesem Bereich ihre Absicht
zur Sondierung regionaler Initiativen, um die Bedrohung der Verbreitung von Raketen zu vermindern, einschließlich der Möglichkeit, ihre guten
Dienste anzubieten, um diese Initiativen zu fördern.
Sie erinnern daran, daß sie internationale Wirtschaftskooperation fördern einschließlich der
Zusammenarbeit zur friedlichen Erforschung
des Weltraums, solange eine solche Kooperation nicht zur Verbreitung von Raketen beiträgt.
Sie fordern alle Länder - Exporteure von Raketen und Raketentechnologie wie auch Käufer auf, sich Beschränkungen aufzuerlegen und
bekunden ihre Bereitschaft, ihren jeweiligen Dialog
mit anderen Ländern über die Nichtverbreitung
von Raketen und Raketentechnologie fortzusetzen.
Sie sind ihrerseits entschlossen, weiterhin an
der Stärkung internationaler Beschränkungen
im Hinblick auf die Verbreitung von Raketen und
Raketentechnologie zu arbeiten.
Nichtverbreitung chemischer Waffen
Um den Einsatz und die Verbreitung chemischer Waffen
einzudämmen, ergreifen die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion folgende Maßnahmen:
Sie erklären, daß eine multilaterale, effektiv
verifizierbare Konvention über chemische Waffen mit einem Verbot von Entwicklung, Herstellung und Einsatz chemischer Waffen und Zerstörung aller Arsenale weltweit langfristig die
beste Lösung ist, um der Bedrohung der internationalen Sicherheit gerecht zu werden, die sich
mit dem Einsatz und der Verbreitung chemi-

AMERIKA DIENST 22

scher Waffen stellt und daß Maßnahmen zur
Nichtverbreitung als Schritt zur Erlangung einer
solchen Konvention betrachtet werden.
Sie werden ihre Zusammenarbeit intensivieren,
um die Verhandlungen in Genf zu beschleunigen, damit noch ausstehende Fragen so schnell
wie möglich gelöst werden und die Konvention
im Entwurf sobald wie möglich abgeschlossen
werden kann.
Sie haben bilaterale vertrauensbildende Maßnahmen eingeführt, einschließlich des Datenaustausche bei chemischen Waffen und gegenseitiger Inspektionen.
Sie haben gerade ein bahnbrechendes Abkommen über die Zerstörung und Einstellung der
Produktion chemischer Waffen sowie über
Maßnahmen zur Förderung der Konvention über
chemische Waffen unterzeichnet.
Sie verpflichten sich in diesem Abkommen zu
praktischen Maßnahmen, mit denen alle Länder, die chemische Waffen herstellen, der multilateralen Konvention beitreten.
Nachdem sie den Besitz chemischer Waffen
zugegeben haben, fordern sie andere Länder
auf, dies auch zu tun, sich nunmehr zu deren
Zerstörung zu verpflichten und unmittelbar damit
zu beginnen, mittels Forschung und Kooperation der Notwendigkeit einer Fähigkeit zur Zerstörung chemischer Waffen gerecht zu werden.
Sie erklären, selbst keine chemischen Waffen
zu verbreiten.
Sie haben Exportkontrollen geschaffen, um die
Verbreitung chemischer Waffen einzudämmen.
Diese Maßnahmen sollen keinesfalls berechtigte chemische Aktivitäten behindern oder in Zweifel
ziehen.
Sie sind übereingekommen, bilaterale Gespräche zu führen, um die Effektivität ihrer jeweiligen
Exportkontrollen zur Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen zu steigern.
Sie führen regelmäßig bilaterale Konsultationen
durch, um die bilaterale Zusammenarbeit zu
verbessern, einschließlich des Informationsaustauschs über Probleme der Verbreitung chemischer Waffen.
Sie bestätigen ihre Absicht zur Durchführung
politischer und diplomatischer Aktionen in Fällen, in denen es Anlaß zu Besorgnis über die
Herstellung, den Einsatz oder die Verbreitung
chemischer Waffen gibt.
Sie unternehmen gemeinsam mit anderen
Ländern multilaterale Bestrebungen zur KoordiSeite 3

�nierung von Exportkontrollen, zum Austausch
von Informationen und Erweiterung der internationalen Zusammenarbeit bei der Eindämmung
der Verbreitung chemischer Waffen.
Sie bestätigen ihre Unterstützung des Genfer
Protokolls von 1925, das den Einsatz chemischer Waffen als Verletzung des Völkerrechts
verbietet.
Sie unternehmen Schritte zur Stärkung des
Genfer Protokolls von 1925, indem sie:
Staaten, die nicht Mitglieder sind, zur Teilnahme
ermutigen,
ihre Absicht bestätigen, dem UN-Generalsekretär aktive
Hilfe bei der Durchführung von Untersuchungen über
angebliche Verletzungen des Protokolls zu leisten,
ihre Absicht bestätigen, die Verhängung von Sanktionen gegen Verletzer des Protokolls in Erwägung zu
ziehen, auch solche gemäß Kapitel VII der Charta der
Vereinten Nationen,
übereinkommen, im Falle einer Verletzung des Protokolls prompt Konsultationen aufzunehmen, um mögliche bilaterale und multilaterale Aktionen gegen den
Verursacher zu erörtern und den Opfern solcher Verletzungen angemessene Hilfe zu leisten.

Seite 4

sie kommen überein, daß die Präsenz und weitere
Verbreitung chemischer Waffen in Konfliktregionen wie etwa dem Mittleren Osten besonders gefährlich sind. Beide Länder bekunden
daher ihre Absicht, regionale Initiativen im Mittleren Osten und anderen Regionen zu sondieren, einschließlich der Möglichkeit, ihre guten
Dienste zur Förderung von Initiativen anzubieten wie etwa:
Bestrebungen zur Förderung des Bewußtseins über
die Gefahren der Verbreitung chemischer Waffen und
ihrer negativen Auswirkungen auf die Durchführung
der multilateralen Konventionen über chemische Waffen,
bilaterale oder multilaterale Bestrebungen zur Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen, einschließlich der Absage an die Herstellung dieser Waffen,
Bestrebungen zur Zerstörung chemischer Waffen noch
vor Inkrafttreten der multilateralen Konvention, wie es
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion tun.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion fordern
alle Länder der Welt, die das noch nicht getan haben,
auf, gemeinsam mit ihnen vergleichbare, effektive
Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen zu ergreifen.

AMERIKA DIENST 22

�GIPFEL
6. Juni 1990

BAKER: GESAMTDEUTSCHE NATO-MITGLIEDSCHAFT
ERFORDERT GARANTIEN
Fernsehinterview des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - In einem Interview in der Fernsehsendung "Meet the Press" erklärte Außenminister
Baker am 3. Juni 1990, wenn ein vereinigtes Deutschland Mitglied der NATO würde, müsse es "angemessene
Sicherheitsgarantien für Deutschlands Nachbarn im Osten geben". Baker zufolge wird der Gedanke einer
andauernden amerikanischen Präsenz in Europa von den NATO-Verbündeten und von drei Mitgliedern des
Warschauer Pakts unterstützt. Sogar die Sowjetunion, so Baker, unterstützt "den Gedanken einer fortgesetzten
US-Präsenz in Europa als stabilisierenden Faktor".
Der Au ßenminister erklärte ferner, er werde die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten und Rüstungskontrollfragen am 5. Juni mit Außenminister Schewardnadse und am 6. Juni mit den NATO-Verbündeten erörtern.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview mit Außenminister Baker in leicht gekürzter Fassung.

Frage: Sie kommen gerade von der Abschiedszeremonie für Präsident Gorbatschow. Wir möchten Ihre
Meinung zu den Ereignissen der vergangenen Tage
hören. Unmittelbar vor dem Gipfel haben viele Regierungsvertreter, unter ihnen der Nationale Sicherheitsberater Brent Scowcroft, erklärt: "Thema war eigentlich nicht die Rüstungskontrolle - bei diesem Gipfel
sollte vielmehr die politische Landkarte Europas, insbesondere Deutschlands, neu gestaltet werden."
Und dennoch scheinen dabei keine Fortschritte erzielt
worden zu sein. Wo stehen wir jetzt? Sind Sie darüber
ein bißchen enttäuscht?
Antwort: Ich denke, niemand hat erwartet, daß wir
hier die Frage der Vereinigung beider deutscher Staaten oder die Frage der Bündniszugehörigkleit eines
vereinigten Deutschlands lösen würden, weil daran wie auch beide Präsidenten in ihrer Pressekonferenz
betonten - auch eine Reihe anderer Länder beteiligt
sind, obwohl natürlich Deutschland in erster Linie
betroffen ist.
Das stand also bei diesem Gipfel nicht zur Debatte.
Auf der anderen Seite war es ein geeignetes Thema für
ernsthafte und eingehende Gespräche, die auch stattgefunden haben.
Es hat natürlich einige konkrete Ergebnisse gegeben.
Im Bereich der Rüstungskontrolle vor allem im Hinblick

AMERIKA DIENST 22

auf chemische Waffen und die möglicherweise erstmalige Reduzierung strategischer Nuklearwaffen.
Frage: Herr Außenminister, auf die Rüstungskontrolle
werden wir später noch zurückkommen, während ich
zu Deutschland und Europa noch Fragen habe. Welche Richtung schlagen wir von diesem Ausgangspunkt
ein? Sie werden mit Au ßenminister Schewardnadse in
Kopenhagen über dieses Thema sprechen ...
Antwort: Ich werde morgen nachmittag nach Kopenhagen reisen, um dort am Dienstag (5. Juni) Außenminister Schewardnadse zu treffen. Am Mittwoch (6.
Juni) werde ich dann zum NATO-Ministertreffen nach
Brüssel aufbrechen, um unsere NATO-Verbündeten
über die Ergebnisse dieses Gipfels zu informieren und
mit ihnen Fragen insbesondere zur Wiedervereinigung
beider deutscher Staaten, aber auch zur konventionellen Rüstungskontrolle, zu erörtern.
Frage: Haben Sie bereits Vorschläge oder Ideen, um
dieser Sackgasse zu entrinnen?
Antwort: Es gibt natürlich Ideen. Sie kennen die
Haltung beider Seiten. Wir haben zum Beispiel bei den
Gipfelgesprächen auf die neun Punkte verwiesen, und
in den Gesprächen mit den Sowjets hat sich erwiesen,
daß wir ihren berechtigten Sicherheitsanliegen Rechnung tragen. Unsererseits steht weiterhin die Entscheidung im Raum, daß ein vereinigtes Deutschland

Seite 1

�Vollmitglied im NATO-Bündnis sein soll, aber wenn
dies verwirklicht wird, dann muß es angemessene
Sicherheitsgarantien für Deutschlands Nachbarn im
Osten geben.
Wir versuchen also, mit diesen Problemen fertigzuwerden. Und dazu haben wir und auch unsere Verbündeten einige Ideen. Wir bleiben am Ball.
Frage: Herr Außenminister, bei Verhandlungen wie
diesen hängt oftmals viel von den Instruktionen ab, die
Sie von Ihren Vorgesetzten bekommen, in diesem Fall
George Bush und Michail Gorbatschow. Haben Sie
neue Instruktionen erhalten, wie bei den Einzelheiten
eines Abkommens vorzugehen sei?
Antwort: Was das Außenministerium betrifft, so
kennen wir die neun Punkte, über die ich hier spreche
- die Idee einer Institutionalisierung des KSZE-Prozesses. Wir könnten bei der Rolle der NATO eine Verlagerung zu einer politischeren Rolle beobachten. Dem
liegt die Idee zugrunde, daß es niemals - zumindest
nicht in absehbarer Zeit - eine Ausweitung von NATOStreitkräften auf das Territorium geben wird, das heute
DDR heißt.
Ein bei diesem Gipfel unterbreiteter Vorschlag, der es
unserer Ansicht nach wert ist, zumindest in Erwägung
gezogen zu werden, war die Möglichkeit eines Abkommens zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt.
Das ist etwas, das wir, offen gesagt, noch nicht im
einzelnen mit unseren Verbündeten erörtert haben.
Der Vorschlag kam erst hier auf. Er wird hier nicht
weiter verfolgt, weil wird darüber erst mit den Verbündeten sprechen müssen. Es könnte möglicherweise
ein politisches Abkommen geben, das den Ländern
Mittel- und Osteuropas die Unterstützung der Idee

einer gesamtdeutschen Vollmitgliedschaft in der NATO
erleichtern und der Sowjetunion helfen könnte, dieser
Idee zuzustimmen. Einzelheiten müssen aber noch
erarbeitet werden, wenn wir auch nur einen Schritt in
diese Richtung unternehmen.
Ich sage damit nur, daß dieser Vorschlag hier unterbreitet wurde, und daß er unserer Ansicht nach zumindest erwägenswert ist. Bis das Abkommen Gestalt
annehmen kann, mu ß es im Hinblick auf die Einzelheiten noch mit Substanz gefüllt werden. Das könnten
vertrauensbildende Maßnahmen sein. Werweiß. Wir
wissen es noch nicht. Aber wir gehen dem nach und
werden es solange tun, bis wir das Problem gelöst
haben.
Frage: Könnte die gegenwärtige Kontrolle der vier
Mächte über Berlin dafür Modellcharakter haben?
Wäre das ein möglicher Rahmen?
Antwort: Nein, das glaube ich nicht. Der Vorschlag
war wirklich nur ganz allgemein und sehr vage.

Antwort: Das habe ich gerade getan. Es wurde die
Frage gestellt: "Wir erkennen diese neun Dinge, mit
denen sie uns gewisse Sicherheiten gegeben haben,
auf die wir bauen und auf die wir auch das sowjetische
Volk hinweisen können. In gewisser Weise reichen
diese Sicherheiten auch aus, aber nicht ganz. Was
können wir noch tun?" Nun, wir könnten zum Beispiel
die Möglichkeit eines Abkommen zwischen der NATO
und dem Warschauer Pakt erwägen. Vielleicht wird es
auch nur ein sich abzeichnender Dialog oder eine
vertrauensbildende Maßnahme. Ich weiß es nicht. Es
ist ein sehr frühes Stadium des Vorschlags, und wir
müssen ihn noch im einzelnen erörtern. Experten
müssen sich damit befassen, und es könnte sich in der
Analyse herausstellen, daß er auf beiden Seiten auf
nur geringe Unterstützung stößt. Aber er ist es wert,
berücksichtigt zu werden.
Frage: Herr Minister, Präsident Bush hat heute erneut
gesagt, die Vereinigten Staaten müßten eine Präsenz
in Europa aufrechterhalten, um Stabilität und Berechenbarkeit in diesem Teil der Welt zu gewährleisten.
Spricht er dabei nicht in Wahrheit unsere eigenen
unterschwelligen Ängste an, so gering sie zur Zeit
auch sein mögen, über ein vereinigtes Deutschland mit
einem militärischen Potential, wenn man daran denkt,
was auch unserem Land im 20. Jahrhundert zugefügt
wurde?
Antwort: Ich glaube nicht, daß er dies meint, obwohl
es stimmt, daß die Vereinigten Staaten in diesem
Jahrhundert zweimal in Europa gekämpft haben. Ein
stabiles Europa liegt in unserem Interesse.
Ich möchte dem noch hinzufügen, daß alle westlichen
Staaten, all unsere Verbündeten in der NATO, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland, den
Gedanken einer fortgesetzten US-Präsenz in Europa
unterstützen, und interessanterweise wird dieses
Konzept auch von drei Staaten des Warschauer Pakts
unterstützt. Die Sowjetunion hat uns gegenüber erklärt, daß sie die Idee einer fortgesetzten US-Präsenz
in Europa als stabilisierenden Faktor unterstützt.
Frage: Herr Minister, ich möchte an die von Ihnen
soeben vorgebrachten Gedanken anknüpfen - diese
Möglichkeit eines erweiterten Dialogs oder Verhältnisses zwischen NATO und Warschauer Pakt. Heute
morgen hat Jewgenij Primakow, ein enger Berater von
Präsident Gorbatschow, in der Sendung Sunday Today erklärt, und er sagte ausdrücklich, dies sei kein
Scherz: "Nun, vielleicht sollte die Sowjetunion der
NATO beitreten." Vielleicht übertreibt er, aber steckt
in seiner Erklärung nicht auch ein Kömchen Wahrheit?
Sie liegt nicht weit entfernt von dem, was sie gerade
beschrieben haben - daß es eine Art von neuem
Bündnis geben muß, das sowohl die Vereinigten Staaten als auch Mitteleuropa und die Sowjetunion umfassen würde.

Frage: Könnten Sie ihn noch einmal für uns umreißen?

Seite 2

AMERIKA DIENST 22

�Antwort: Ich möchte zunächst klarstellen, daß ich
nichts vorschlage, das in irgendeiner Weise die Sicherheitsrolle und Verantwortung der NATO ersetzen würde.
Wir haben zum Beispiel festgestellt, daß vielleicht eine
Institutionalisierung des KSZE-Prozesses stattfinden
sollte und daß dieser dann auch eine Sicherheitskomponente haben könnte, aber nur, wenn er die Rolle der
NATO ergänzt und nicht ersetzt.
Jede Art von Vereinbarung, die man zwischen der
NATO und dem Warschauer Pakt erörtern könnte,
müßte - zumindest von unserem Standpunkt - eindeutig so beschaffen sein, daß die Sicherheitsverantwortung der NATO in keiner Weise verringert würde.
Was Primakows Vorschlag eines NATO-Beitritts der
Sowjetunion angeht, so wurde diese Frage zuerst bei
den Zwei-plus-Vier-Gesprächen in Bonn vor einigen
Wochen zur Sprache gebracht. Die Sowjetunion hat
noch keinen Antrag auf Beitritt zur NATO gestellt.
Wenn sie dies tun würde, so müßten wir meines
Erachtens zunächst einmal auf die Atlantik-Charta
zurückgreifen, eine Charta, die die Schaffung des
Nordatlantikvertrags geleitet hat und, soweit ich mich
erinnern kann, von demokratischen Nationen ausgeht.
Die Sowjetunion, so scheint mir, bewegt sich zwar in
Richtung auf Demokratie und Offenheit, aber sie hat
meines Erachtens noch eine Wegstrecke zu überbrükken, bis sie diesem Anspruch gerecht wird.
Ich möchte dazu noch erklären, daß der Oberste
Alliierte Befehlshaber Europa der NATO stets ein
Amerikaner war, und das ist Tradition und Brauch. Ich
kann mit Ihnen nur darüber spekulieren, ob die Sowjets
dies berücksichtigen, wenn sie den Vorschlag machen, daß sie vielleicht der NATO beitreten möchten.
Frage: Herr Minister, ich möchte Sie etwas über
Rüstungskontrolle fragen - eine technische Frage zur
SS-18-Rakete, einer ihrer schwersten und modernsten. Sie haben versucht, die Sowjets zu einer Begrenzung der Zahl von Flugerprobungen zu bewegen,
die sie jedes Jahr mit der SS-18 durchführten, um eine
Modernisierung dieser Rakete zu verhindern. Werden
Sie durch die Tatsache, daß sie einer Begrenzung der
Flugerprobung der SS-18 nicht zustimmen wollen,
nicht davon überzeugt, daß sie in der Tat die Modernisierung der SS-18 betreiben, um einen Vorteil zu
erringen?
Antwort: Ich glaube, die Tatsache kann nicht bestritten werden, daß sie modernisiert haben oder ihr nukleares Abschreckungspotential weiter modernisieren, wie wir das ja auch tun. Lange Zeit bestand die
Verhandlungsposition der Vereinigten Staaten darin,
daß wir ein ausdrückliches Verbot der Modernisierung
gefordert haben. Als sie jedoch die gleiche Frage an
uns richteten, "seid ihr bereit, mit uns zu vereinbaren,
daß ihr euer nukleares Abschreckungspotential nicht
weiter modernisiert?", haben wir sehr rasch das Interesse an einem solchen Ansatz verloren.

AMERIKA DIENST 22

Wir haben also versucht, sie zu einer Begrenzung der
Flugerprobung dieser schweren Raketen zu bewegen.
Das ist eine der Fragen, die noch auf dem Verhandlungstisch liegen und die wir noch nicht lösen konnten.
Das ist eines der drei Probleme, die noch gelöst
werden müssen, bevor ein START-Vertrag unterzeichnet werden kann.
Frage: Der ehemalige Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium Richard Perle hat behauptet, daß
sie trotz ihrer Bereitschaft zur Halbierung der Anzahl
ihrer SS-18 die noch verbleibenden durch Modernisierung doppelt so effektiv machen können, und Sie dann
am Ende einen Gewinn von Null haben. Welchen
Gewinn erzielen Sie denn dabei?
Antwort: Wir haben meines Erachtens daraus mehr
gewonnen als wir vielleicht während der vergangenen
Administration gewonnen haben, als andere über diese Vereinbarungen verhandelten, und meines Erachtens läuft alles auf diesen Punkt hinaus: Wollen Sie
308 schwere Raketen auf die Vereinigten Staaten und
unser strategisches Abschreckungspotential gerichtet
wissen? Und daß sie diese 308 womöglich noch
modernisieren? Oder wollen Sie, daß sie nur 154
besitzen und 154 modernisieren, insbesondere, wenn
die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, Begrenzungen für die Modernisierung ihres eigenen nuklearen
Abschreckungspotentials zu akzeptieren?
Das ist also die Lage, in der wir uns befinden. Wir
verhandeln weiterhin über die Frage von Begrenzungen der Flugerprobung, und wir werden dieses Problem weiterverfolgen.
Frage: Herr Minister, in diesen informellen Gesprächen, die Sie gestern mit der sowjetischen Delegation,
darunter auch Präsident Gorbatschow, in Camp David
geführt haben, konnten Sie ihn da auch unmittelbar
und persönlich fragen, "Michail, was werden Sie mit
dem Brotpreis in der Sowjetunion am 1. Juli machen,
und wie in aller Welt werden Sie diese wirtschaftlichen
Probleme lösen, die ja auch ein integraler Bestandteil
des Verhältnisses zwischen unserem Land und der
Sowjetunion sind?"
Antwort: Wir haben schon im vergangenen Jahr
Gespräche mit ihnen über einige der Wirtschaftsprobleme geführt. Wir bemühen uns auf vielfältige Weise,
mit ihnen auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet
zusammenzuarbeiten. Sie haben uns um Rat gebeten, sie haben unsere Experten um Rat gefragt, und
eine Reihe von Experten sind ja schon in die Sowjetunion gereist.
Im Hinblick auf die Frage nach dem Brot, ist dies
meines Erachtens ein Bereich, den sie in ihrem wirtschaftlichen Reformprogramm vielleicht ein wenig anders
behandeln müssen. Und während sie die Preise
steigen lassen, so werden sie wahrscheinlich die wirklich Bedürftigen in ihrer Gesellschaft vor diesen Preis-

Seite 3

�erhöhungen zu schützen versuchen, indem sie ein
Netz der sozialen Sicherheit flechten.
Der Brotpreis hat einen solch starken Symbolcharakter, daß sie dieses Problem wahrscheinlich etwas
anders behandeln werden. Vielleicht finden sie einen
Weg, damit niemand durch die Erhöhung des Brotpreises geschädigt wird.
Frage: Wird es dieses Jahr einen weiteren Gipfel
Bush-Gorbatschow in Moskau geben?
Antwort: Nun, Sie haben gehört, daß der Präsident
erklärt hat, wir sollten regelmäßige Gipfeltreffen ha-

ben, und diese sollten häufiger stattfinden. Es wurde
aber noch kein Datum für das nächste Treffen vereinbart.
Frage: Das wäre dann aber im November. Dezember? Können wir davon ausgehen?
Antwort: Nein, ich würde noch nichts überstürzen. Es
ist noch nichts entschieden worden. Es wird aber mehr
geben, wenn die Wünsche der beiden Präsidenten
erfüllt werden, und ich gehe davon aus, daß sie erfüllt
werden.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 22

�WIRTSCHAFT
6. Juni 1990

BRADY WARNT VOR ÜBERTRIEBENEN
INFLATIONSÄNGSTEN
Erklärung bei der OECD
PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge sollten sich die Staaten nicht durch
eine übertriebene Furcht vor Inflationsgefahren davon abhalten lassen, Maßnahmen für die weitere Expansion
der Wirtschaft zu verfolgen.
Beim Ministertreffen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris
erklärte Brady am 30. Mai 1990, die Inflationsprobleme einiger Länder seien wahrscheinlich vorübergehender
Natur. Allerdings sollten die Inflation und auch die Entwicklungen auf den Finanzmärkten aufmerksam
beobachtet werden.
Zum Thema der internationalen Zahlungsbilanzen müssen die Vereinigten Staaten, so der Minister, als
Defizitland ihre Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zugunsten einer erhöhten Sparquote einschränken, während die Überschußländer Japan und die Bundesrepublik Deutschland das Gegenteil tun sollten, also
die Nachfrage ankurbeln und die Investitionstätigkeit erhöhen.
Während Osteuropa und die Entwicklungsländer große Summen aus den weltweit angehäuften Ersparnissen
zur Stimulierung von Investitionen benötigten, sollten Japan und die Bundesrepublik Deutschland dies nicht als
Vorwand benutzen, um ihre Sparquote übermäßig anwachsen zu lassen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Erklärung im Wortlaut:

Die makroökonomische Situation
Das seit unserem letzten Treffen vergangene Jahr war
sowohl von bemerkenswerter Kontinuität als auch
tiefgreifenden Veränderungen in der Weltwirtschaft
gekennzeichnet:
Kontinuität, da sich der weltweite Aufschwung
mit einer dauerhaften Zuwachsrate im achten
Jahr in Folge fortsetzte;
Veränderungen, da Menschen in der ganzen
Welt - besonders in Osteuropa - einen Weg zum
Wohlstand eingeschlagen haben, der auf Marktkräften und politischer Rechenschaftspflicht
basiert.
Als Ergebnis dessen stehen wir heute vor Herausforderungen - einigen alten, einigen neuen -, die uns in
den kommenden Jahren auf die Probe stellen werden,
uns aber gleichzeitig Chancen eröffnen, um dauerhafte Fortschritte bei einigen seit langem bestehenden
Zielen zu erlangen.
AMERIKA DIENST 22

Unsere Hauptaufgabe zu Beginn der neunziger Jahre
besteht in der Förderung gesunder Volkswirtschaften
als Voraussetzung für Erfolge in vielen Bereichen. Wir
teilen das allgemeine Gefühl des Optimismus im Hinblick auf die kurzfristigen Aussichten für die OECDLänder.
Ein reales Wachstum von 3 Prozent erscheint bis Ende
1991 in derOECD als haltbar. Das moderate amerikanische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr dürfte im
Jahr 1991 einem etwas stärkeren Zuwachs Platz
machen. Das Wachstum in Japan dürfte weiterhin weit
überdurchschnittlich ausfallen, und die Aussichten für
Europa sind erheblich verbessert worden. In einigen
Landern hat die Inflationsentwicklung Besorgnis hervorgerufen, sie sollte allerding nach Abschwächung
einiger vorübergehender Faktoren unter Kontrolle
bleiben.
Trotzdem ist in wichtigen Bereichen noch manches zu
tun. Die Entwicklungen auf den Finanzmärkten müssen aufmerksam beobachtet werden, und auch die
Seite 1

�Inflation wird weitere Wachsamkeit erfordern. Gleichzeitig müssen wir eine ausgewogene Sichtweise zu
den Inflationsrisiken beibehalten und dürfen nicht zulassen, daß übertriebene Ängste die Aussichten auf
anhaltendes Wirtschaftswachstum schmälern.
Obwohl beim Abbau der Handels- und Leistungsbilanzdefizite begrüßenswerte Fortschritte erzielt wurden, waren diese doch weniger umfassend als erhofft,
und weitere Fortschritte sind erforderlich.
Länder mit Haushalts- und Außendefiziten, wie etwa
die Vereinigten Staaten, sollten ein gemäßigtes Wachstum der Binnennachfrage und einen Zuwachs der
Spar- gegenüber der Investitionstätigkeit anstreben,
um zum Abbau ihres Leistungsbilanzdefizits beizutragen. Länder in einer starken haushaltspolitischen
Situation im Verein mit außenwirtschaftlichen Überschüssen, wie etwa Japan und die Bundesrepublik
Deutschland, sollten die Binnennachfrage ankurbeln
und danach streben, die Investitions- gegenüber der
Spartätigkeit zu erhöhen. In diesem Zusammenhang
möchte ich die Bedeutung eines weiteren Abbaus der
jeweiligen Ungleichgewichte sowohl in Überschuß als
auch Defizitländern unterstreichen. Zunehmende
Aufmerksamkeit wurde dem wachsenden weltweiten
Bedarf an Ersparnissen und Investitionen in Osteuropa und andernorts zuteil. Dies sollte nicht mit der für
die Überschußländer bestehenden Notwendigkeit
verwechselt werden, ihre außenwirtschaftlichen Überschüsse durch eine Erhöhung der Investitionstätigkeit
gegenüber der Spartätigkeit zu reduzieren. Dies bleibt
für eine ausgewogene außenwirtschaftliche Anpassung ebenso unerlä ßlich wie die Erhöhung der Spartätigkeit gegenüber der Investitionstätigkeit in den Defizitländern.
Ich bin mir bewußt, daß ein Interesse an den jüngsten
haushaltspolitischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten besteht. Ich versichere Ihnen, daß die
Administration entschlossen ist, dieses Problem in den
Griff zu bekommen. Zu diesem Zweck hat Präsident
Bush überparteiliche Gespräche mit dem amerikanischen Kongreß eingeleitet, die auf eine Wiederherstellung des Schwungs zum Defizitabbau im Bundeshaushalt abzielen.
Strukturelle Reformen
Die bestmögliche langfristige Förderung unserer
gemeinsamen Interessen erfordert es, daß wir gesunde und koordinierte makroökonomische Maßnahmen
mit grundlegenden strukturellen Reformen ergänzen.
Wir teilen die Einschätzung des Sekretariats, daß
wesentlich mehr getan werden könnte, um die strukturellen Hemmnisse für Wachstum, internationalen Handel
und die Schaffung neuer Arbeitsplätze abzubauen. So
würde zum Beispiel die Beseitigung restriktiver Vor-

Seite 2

schriften im Hinblick auf Distribution, Verkehrswesen
und Telekommunikationssysteme binnenwirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Fairneß fördern und neue
Chancen für Handel und Investitionen eröffnen. In
vielen Ländern haben arbeitsrechtliche Vorschriften
und Praktiken zusammen mit gut gemeinten sozialen
Leistungsprogrammen zu erheblichen Verkrustungen
auf den Arbeitsmärkten mit sehr hoher Langzeitarbeitslosigkeit und einem schlechten Abschneiden bei
derSchaffung neuer Arbeitsplätze geführt. Subventionen für Industrie und Landwirtschaft sind weiterhin
übermäßig hoch, verschwenden Ressourcen, die
anderswo effektiver eingesetzt werden könnten und
verzerren die internationalen Investitions- und Handelsflüsse.
Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß die Lösung für
diese Art von Problemen hauptsächlich binnenwirtschaftlicher Natur. Es ist jedoch unerläßlich, daß wir
zu der Erkenntnis gelangen, daß strukturelle Verkrustungen bedeutende internationale Auswirkungen
haben. Weil ihre Kosten von vielen getragen werden
- wie ja auch die Vorteile von Reformen vielen zugute
kommen würden -, sind diese Maßnahmen ein geeignetes Thema für internationale Gespräche.
Das Sekretariat der OECD verdient ein besonderes
Lob für die intensive Arbeit, die es im Bereich struktureller Reformen geleistet hat. Indem es die notwendigen Reformen in den einzelnen Ländern identifiziert
und spezifische Empfehlungen für die zu treffenden
Maßnahmen unterbreitet hat, konnte das Sekretariat
einen wichtigen Beitrag zum Entscheidungsfindungsprozeß leisten.
Die OECD bleibt das wichtigste Forum für multilaterale
Gespräche über strukturelle Fragen. Wir unterstützen
voll und ganz die Arbeit, die sie bis heute geleistet hat
und ermutigen sie energisch, auf dem von ihr gelegten
Fundamentweiteraufzubauen. So betrachten wir zum
Beispiel die internationalen Vergleiche von Verkrustungen sowie deren Kosten und die systematischen
Untersuchungen im Hinblick auf die erforderlichen
Reformen als äußerst nützlich.
Ich möchte in diesem Zusammenhang bemerken, daß
die Notwendigkeit struktureller Reformen aufgrund der
Entwicklungen in Osteuropa eine neue Dimension
erhalten hat. Wir begrü ßen die Rolle der OECD bei der
Förderung marktorientierter struktureller Reformen in
diesen Ländern, insbesondere die Einrichtung des
Zentrums für Kooperation mit den europäischen Volkswirtschaften im Übergang. Wir fordern, daß dieses
Zentrum mit angemessenen Mitteln und Unterstützung ausgestattet wird, damit es seinen beabsichtigten Aufgaben gerecht wird und die OECD eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der Umgestaltung zu marktorientierten Volkswirtschaften spielen
kann, die sich gegenwärtig in Osteuropa vollzieht.

AMERIKA DIENST 22

�Umwelt
Wir gehen ferner davon aus, daß die OECD einen
wertvollen Beitrag für die Umwelt leisten kann, indem
sie ökonomische Dimensionen internationaler Umweltfragen untersucht und uns dadurch hilft, umweit und
wirtschaftspolitische Erwägungen besser in den Entscheidungsfindungsprozeß zu integrieren.

*

Unsere Haltung zu Umweltfragen gründet sich auf
einige allgemeine Vorschläge. Erstens können die
Staaten nicht auf die endgültige Klärung noch bestehender wissenschaftlicher Unsicherheiten warten, bevor
sie handeln. Zweitens sollten die Staaten heute schon
solche Maßnahmen durchführen, die bereits durch
ökonomische und andere Gründe gerechtfertigt sind.
Drittens sollte sich jede erwogene Maßnahme auf ein
bestimmtes Ziel konzentrieren und kostenwirksam sein.
Viertens werden die wirksamsten Maßnahmen diejeni-

gen sein, die sowohl die Umwelt schützen als auch die
weitere wirtschaftliche Entwicklung gestatten.
Die bereits in der OECD veranlaßten Maßnahmen darunter beispielsweise die Entwicklung spezifischer
umweit- und wirtschaftspolitischer Indikatoren - werden uns helfen, diese Leitlinien in solide politische
Beschlüsse umzusetzen. Arbeiten wie diese werden
uns allen dabei helfen, einen Ansatz zum Umweltschutz zu formulieren, der nicht einfach auf der Begrenzung des Wachstums basiert, sondern auf der
Gewährleistung eines effizienteren, umweltverträglichen Wachstums.
Wir stehen vor großen Herausforderungen. Aber wir
sind davon überzeugt, daß ein kluger und flexibler
Ansatz, der Kosten und Vorteile berücksichtigt, langfristig die klügste Investition ist.

* *

AMERIKA DIENST 22

*

Seite 3

�URUGUAY-RUNDE
6. Juni 1990

LANDWIRTSCHAFT SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG DER
URUGUAY-RUNDE
Rede der US-Handelsbeauftragten Hills bei der OECD
PARIS - (AD) - In ihrer Rede beim jährlichen Ministertreffen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erklärte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills, Reformen in der Landwirtschaft
seien für den Erfolg der voraussichtlich im Dezember endenden Uruguay-Runde multilateraler Handelsverhandlungen unabdingbar. Hills zufolge müssen die Teilnehmerländer noch vor der Zusammenkunft im Juli Richtlinien
für Reformen beim Zugang zu Agrarmärkten, Stützung der Inlandsmärkte und Exportsubventionen erarbeiten.
Beim im Juli stattfindenden Treffen des Ausschusses für die Handelsverhandlungen (Trade Negotiating
Committee - TNC) beim Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) soll der Kurs für die Arbeit der 15
Arbeitsgruppen der Uruguay-Runde bestimmt werden.
Die US-Handelsbeauftragte erklärte femer, den im Juli aufgestellten Richtlinien müßten politische Verpflichtungen zum Abbau von Schranken in jedem Bereich der Agrarverhandlungen folgen.
Hills appellierte darüber hinaus an die OECD-Mitglieder, die Beteiligung der Entwicklungsländer an allen Teilen
der Uruguay-Runde sicherzustellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Hills' Rede im Wortlaut.

Ich habe kürzlich ein großes Schild bestellt, um es gut
sichtbar vor dem Büro des US-Handelsauftragten
aufzustellen. Die Aufschrift wird täglich geändert.
Heute ist darauf zu lesen: 187 Tage bis Brüssel. Das
bedeutet, bis zum TNC-Treffen im Juli sind es nur noch
53 Tage. Und bis dahin müssen wir in allen Bereichen
der Uruguay-Runde über Entwürfe für Abkommen
oder Arbeitspapiere verfügen.
1

Daher müssen wir jetzt - ganz entschieden - handeln,
wenn wir vorzeigbare Ergebnisse vorweisen wollen.
Die Vereinigten Staatne werden kein Abkommen unterstützen, -das nur marginale Veränderungen im
Handelssystem hervorbringt. Präsident Bush hat letzte Woche in einer Grundsatzrede zur Handelspolitik
erklärt: Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes
Abkommen.
Daher mu ß dieses Gremium seine Anstrengungen auf
Fragen konzentrieren, die im Hinblick auf gute Fortschritte beim TNC-Treffen im Juli Hindernisse aufwerfen und damit den Erfolg der Runde gefährden. Ich
spreche hier von Landwirtschaft, Subventionen und
der Frage des Gleichgewichts bei den Verhandlungen.
AMERIKA DIENST 22

Landwirtschaft
Landwirtschaft ist der Eckpfeiler der Verhandlungen.
Wir haben in Puerto Vallarta deutlich vernommen, daß
sie für einige Länder das einzige Problem ist.
Wenn wir grundlegende Reformen erreichen wollen,
müssen wir bis zum TNC-Treffen im Juli folgendes
erarbeiten: Ein Rahmenwerk zur Erlangung erheblicher, schrittweiser Reduzierungen in jedem Bereich
der Verhandlungen - Marktzugang, Stützung des Binnenmarkts und Exportsubventionen, und wir müssen
uns auf einen Text einigen, der sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen regelt. Danach müssen harte
Verhandlungen darüber aufgenommen werden, wie
weit Reduzierungen in jedem Bereich gehen und wie
schnell sie erfolgen sollen. Die Ergebnisse müssen
dann in bindende Länderprogramme umgesetzt werden, die eine nachweisliche Marktliberalisierung hervorbringen.
Um dies zu erreichen, müssen sich unsere Unterhändler auf Mechanismen konzentrieren, mit denen in jedem Bereich der Agrarverhandlungen greifbare ReduSeite 1

�zierungen hervorgebracht werden können. Solche
Reduzierungen können nicht durch Anwendung einer
einzelnen Maßnahme erlangt werden. Grundlegende
Reformen werden uns vielmehr besondere politische
Verpflichtungen in jedem Bereich abverlangen. Wir
müssen uns zum Beispiel auf folgendes einigen:
wie Schranken zum Marktzugang abzubauen
sind, damit Marktsignale die Agrarproduktion
steuern können,
wie Exportsubventionen nach und nach abgeschafft werden können,
welche Stützungen des Binnenmarktes gestattet werden und welche bestimmten Regeln unterworfen werden sollen,
auf Regeln, mit denen sich sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen steuern lassen.
Ich weiß, daß Landwirtschaftsminister Yeutter zu diesem Thema viel beitragen kann. Ich möchte jedoch
wiederholen, was Präsident Bush in seiner Rede zur
Handelspolitik erklärt hat: "Ohne grundlegende Reformen in der Landwirtschaft kann die Uruguay-Runde
nicht erfolgreich abgeschlossen werden."
Subventionen für die Industrie
Wir wollen den Staat nicht nur aus den landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch aus den Stahlwerken,
Werften und Fabriken auf der ganzen Welt heraushalten. Das heißt, wir müssen uns dafür engagieren, den
Einsatz handelsverzerrender Subventionen zu drosseln.
Die bestehenden Regeln haben uns im Stich gelassen.
Sie haben es den Regierungen gestattet, den Markt
mit massiven Subventionen auf dem Binnenmarkt zu
bestechen. Damit waren die betroffenen Industriezweige nicht in der Lage, zu handeln, bis die sogenannten internationalen "Effekte" aufgetreten sind. Dann
war es natürlich zu spät, um bleibende Schäden abzuwenden.
Wir sollten uns darauf einigen, daß unsere Industrie
von nun an einzig auf der Basis von Preis und Qualität
konkurrieren soll und nicht auf der Basis des Finanzrahmens unserer Regierungen. Dies kann nur erzielt
werden, wenn das bestehende Verbot von Exportsubventionen auf handelsverzerrende Subventionen im
Inland ausgeweitet wird.
Staatliche Subventionen können natürlich eine gewisse Rolle spielen, wenn es darum geht, bestimmte
sozial- und wirtschaftspolitische Maßnahmen zu verwirklichen. Die Vereinigten Staaten sind sich bewußt,
daß viele Länder eine sogenannte "grüne" Kategorie
zulässiger Subventionen schaffen wollen. Darüber
hinaus wollen viele Länder Veränderungen bei den
Gesetzen über Ausgleichszölle.

Seite 2

Die Vereinigten Staaten räumen diesen Vorschlägen
jedoch keine Chance ein, wenn Subventionen im Inland nicht gedrosselt werden. Unsere Unterhändler
kommen morgen in Genf zusammen, um den Entwurf
des Vorsitzenden über Subventionen zu erörtern. Sie
müssen neue Vorschriften für Subventionen im Inland
erarbeiten wie auch für deren Verbot unter bestimmten
Bedingungen.
Integration der Entwicklungsländer
Zum Schluß möchte ich mich einem Bereich zuwenden, der allgemein Anlaß zur Sorge bietet - die Integration der Entwicklungsländer. Es liegt an den Ländern
an diesem Verhandlungstisch, sicherzustellen, daß
Entwicklungsländer alle Vorteile des GATT-Systems
abschöpfen können. Der Vorsitzende hat dazu in
Puerto Vallarta erklärt: "Diese Verhandlungen sollten
mit dem bestehenden Ungleichgewicht im Hinblick auf
die GATT-Verpflichtungen zwischen neuen und alten
Vertragspartnern fertigwerden. Der beste, dem Handel förderliche Weg, auf dem dies zu erreichen ist,
besteht darin, zu gewährleisten, daß sich alle Länder
an den laufenden Verhandlungen beteiligen."
In dieser Hinsicht ist der von mir bereits angesprochene Fortschritt bei den Agrarverhandlungen von entscheidender Bedeutung. Abgesehen von der Landwirtschaft müssen wir handeln, um die Teilnahme der
Entwicklungsländer an den Verhandlungen über Marktzugang, Gatt-Regeln und neue Probleme sicherzustellen.
An den Verhandlungen über Marktzugang nehmen die
Entwicklungsländer noch nicht in ausreichendem Maße
teil. Ich schlage vor, daß wir uns darauf einigen, mit
gutem Beispiel voranzugehen und unter uns bilaterale
Verhandlungen planen, damit wir den Zielsetzungen
von Montreal gerecht werden. Die Vereinigten Staaten
engagieren sich weiterhin für ausgehandelte Ergebnisse in allen Bereichen - von Textilien bis zu tropischen Produkten. Bei Textilien dürfen wir nicht länger
mit Firmennamen und Slogans handeln, sondern müssen
grundsätzliche Fragen ansprechen, wie etwa Verbreitung, Zuwachsraten und Sicherheitsmaßnahmen. Nur
auf diesem Wege werden wir bis Juli erfolgreich ein
Rahmenwerk ausgearbeitet haben.

Bei den Vorschriften sollten die Verhandlungen ausgewogene und effektive Richtlinien zu allen Ausnahmen
von den GATT-Regeln hervorbringen, einschließlich
der Maßnahmen über Zahlungsbilanzen. Die Vereinigten Staaten, Kanada und die Europäische Gemeinschaft haben Vorschläge dazu unterbreitet. Dennoch
müssen sich noch manche an diesem Tisch uns anschließen. Viele Entwicklungsländer müssen sich
noch darauf einigen, derartige Reformen überhaupt
anzusprechen. Diese Situation ist nicht akzeptabel
und kann kein ausgewogenes Ergebnis hervorbringen. Deshalb möchte ich Sie alle bitten, ihre Positio-

AMERIKA DIENST 22

�nen zu überdenken und sich dazu zu äu ßern, damit wir
die erforderlichen Fortschritte bei Zahlungsbilanzreformen machen können.

,

:

Schließlich müssen wir die angemessene Teilnahme
der Entwicklungsländer an umfassenden Abkommen
über neue Probleme sicherstellen. Diese Verhandlungern sollten nicht im Kontext des Nord/Südgefälles
betrachtet werden. Wenn die Märke für den freien Flu ß
von Dienstleistungen und Investitionen geöffnet werden und geistiges Eigentum geschützt wird, werden
damit die Technologie und das Wachstum geschaffen,
nach denen die Entwicklungsländer verlangen. Daher
können wir es uns weder leisten, die Entwicklungsländer von diesen Abkommen auszuschließen noch können
wir für sie nachteilige Regeln aufstellen.

AMERIKA DIENST 22

Zusammenfassung
Wir haben heute die Chance, ein neues Kapitel in der
Geschichte der Wirtschaftsbeziehungen zu schreiben.
Eine erfolgreiche Uruguay-Runde kann das Wachstum im 21. Jahrhundert ankurbeln. Sie kann einigende, nicht entzweiende Wirkung auf den Handel haben
und von Brasilien bis Budapest ein offenes internationales Handelssystem schaffen.
Kurzum: die Runde bietet letztmalig der Welt die beste
Gelegenheit, mit freiem und fairem Handel für alle ins
nächste Jahrhundert einzutreten.
Die Zeit ist kurz, die Aufgabe schwer. Ich möchte mit
den Worten schließen, daß morgen, zum Zeitpunkt
der Veröffentlichung unseres Kommuniques nur noch
186 Tage bleiben, um einen Erfolg zu sichern.

Seite 3

�</text>
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              <text>Amerikadienst 06.06.1990</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Gipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush und Gorbatschow zufrieden mit Fortschritten bei START&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltmächte unterzeichnen Verpflichtung gegen Verbreitung von Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Gipfelerklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: gesamtdeutsche NATO-Mitgliedschaft erfordert Garantien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brady warnt vor übertriebenen Inflationsängsten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei der OECD&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Uruguay-Runde&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Landwirtschaft Schlüssel zum Erfolg der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der US-Handelsbeauftragten Hills bei der OECD&lt;/em&gt;</text>
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