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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
&gt;&lt;*

23. Mai 1990

20

AUSSENPOLITIK

BUSH: DIE ZEIT DER DIKTATOREN
IST ABGELAUFEN
Auszüge aus einer Rede an der
University of Texas

USA - UDSSR

BAKER ERWARTET PRODUKTIVEN
GIPFEL BUSH-GORBATSCHOW
Erklärung in Moskau

VSBM

VSBM: NEUE VORSCHLAGE DES WESTENS
Rede des US-Delegationsleiters
John Maresca

OSTEUROPA

MOSBACHER: VIELVERSPRECHENDE AUSSICHTEN FÜR HANDEL MIT OSTEUROPA
Rede des US-Wirtschaftsministers

COCOM

MOSBACHER BEFÜRWORTET VORSICHTIGE
LOCKERUNG VON EXPORTKONTROLLEN
Rede des Wirtschaftsministers
im Kongreß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2366
Telex: 8-85432

�AUSSENPOLITIK
23. Mai 1990

BUSH: DIE ZEIT DER DIKTATOREN IST ABGELAUFEN
Auszüge aus einer Rede an der University of Texas

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede anläßlich der Abschlußfeier an der University of Texas erklärte Präsident
Bush am 19. Mai 1990 unter Verweis auf die Leistungen großer Persönlichkeiten in Osteuropa, die ihre Länder
zum Triumph der Freiheit über den Kommunismus geführt hätten, daß "die Zeit der Diktatoren abgelaufen ist".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede des Präsidenten, die außenpolitische Aspekte betreffen.

Außerhalb der Vereinigten Staaten schrumpfte damals (vor 42 Jahren) die Zahl der freien Staaten, und
Winston Churchills Prophezeiung, daß ein Eiserner
Vorhang Europa in zwei Lager spalten werde, wurde
schon bald wahr. Ein Eiserner Vorhang schnitt Osteuropa vom Westen ab und trennte die beiden Teile
Deutschlands voneinander. Und als jeder Mauerstein,
jeder Wachturm und jeder Meter Stacheldraht an
seinem Platz war, existierten zwei Welten. Eine Welt
freier Menschen mit der Freiheit der Wahl und eine
Welt der Tyrannei und Unterdrückung.
In der Folgezeit wurde Millionen von Männern und
Frauen gesagt, was sie zu denken und zu lernen,
welchen Arbeitsplatz sie anzunehmen und wo sie zu
leben hatten. Stellen Sie sich all diesen Mi ßbrauch und
diese Verschwendung von Elan, Talent und Phantasie
vor. Und doch hielten viele immer noch an ihren
Überzeugungen fest. Selbst im Angesicht des Todes
leisteten sie Widerstand.
Das war die Überzeugung des Andrej Sacharow, der,
wie Sie sich erinnern werden, Chruschtschow mit der
Wahrheit über überirdische Atomversuche konfrontierte. Das ist ein Grund, warum das sowjetische Volk
heute sein Andenken verehrt.
Das ist die Überzeugung eines Elektrikers aus Gdansk,
auf dessen Bekanntschaft ich stolz bin - Lech Walesa,
der das polnische Volk in die Freiheit führte.
Und das ist die Überzeugung von Vaclav Havel aus der
Tschechoslowakei, des inhaftierten Dramatikers, der
heute an der Spitze einer großen Nation steht.

AMERIKA DIENST 20

Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte über Präsident Havel und einige andere mutige Persönlichkeiten
aus Osteuropa erzählen. Erst kürzlich hatte ich die
Ehre, diesen Mann in das Weiße Hause einzuladen
und ihm bei dieser Gelegenheit das Lincoln-Zimmer zu
zeigen. Präsident Havel war voller Ehrfurcht, denn er
wußte, daß dieses Zimmer wirklich das Arbeitszimmer
von Präsident Lincoln gewesen war. Es war die Stätte
gewesen, an der Lincoln arbeitete, diskutierte und
einen schrecklichen Krieg durchlitt. Aber Präsident
Havel wußte auch, daß dieses Zimmer aus einem
überragenden Grund ein heiliger Ort ist - es war der
Ort, an dem Präsident Lincoln die Emanzipationsproklamation unterzeichnete. In diesem Zimmer befreite
er ein Volk. Und in diesem Zimmer bemerkte ich, wie
Präsident Havel zu Tränen gerührt war in dem Wissen,
daß die Glocke der Freiheit endlich auch für seine
geliebte Tschechoslowakei erklungen war.
Was für den einen die Geschichte, ist für den anderen
die Musik. Präsident Landsbergis von Litauen, der
Beethovens Neunte zur Hymne der Bewegung seines
Volkes erklärte, wurde einmal gefragt, warum Beethovens Klänge in den Straßen und auf den Plätzen von
Wilna erklingen sollten. Er antwortete, der Grund sei,
daß die Neunte eine "Symphonie der Freiheit und des
Sieges über Sklaverei, Heimtücke und tiefsten Haß
ist".
Und was für den einen die Musik, ist für den anderen
das Wort. Betrachten Sie einmal den Fall eines
Mannes mit Namen Cestimir Suchy, eines tschechischen Journalisten, der sich weigerte, den sowjetischen Einmarsch von 1968 als Akt brüderlicher Liebe

Seite 1

�zu beschreiben. Suchy wurde wegen seiner Ehrlichkeit entlassen. Aber es wurde ihm gestattet, sich
seinen Lebensunterhalt in einem neuen Beruf zu verdienen - als Fensterputzer. Wenn man ihn heute um
seine Visitenkarte bittet, dann steht darauf immer
noch: Suchy, Fensterputzer. Das ist ein Beispiel für
den unerschütterlichen Humor dieses Mannes, der
heute einen anderen Arbeitsplatz mit einem neuen
Titel hat. Er ist der Dekan der Journalistenschule an
der Prager Karls-Universität.
An allen Universitäten des Ostens sind es heute die
Exponenten marxistischer Dogmen, für die es keine
Arbeit mehr gibt.
Ich möchte Ihnen noch eine letzte Geschichte erzählen - über Arpad Goncz aus Ungarn, der mich gestern
im Oval Office besuchte. Wie Präsident Havel ist auch
Präsident Goncz ein Dramatiker. Ich weiß nicht, wie es
kommt, daß Dramatiker Präsidenten großer Länder in
Osteuropa werden. Aber als ehemaliger Antifaschist
und Zeitungsredakteur wurde er während des Aufstands von 1956 zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach
seiner Freilassung blieb er ein Dissident, und heute
steht er als amtierender Präsident an der Spitze des
ungarischen Volkes.
Die Entschlossenheit von freiheitsliebenden Männern
und Frauen erweist sich als härter als die Mauern, die
sie umgeben. Aufgrund ihres Mutes ist die freie Welt
heute größer als wir alle uns vorzustellen wagten.
Dies ist unsere erstaunliche neue Welt der Freiheit.
Größere Freiheit bedeutet aber auch größere Chancen - in Ost und West. Ob Sie nun Laufbahnen in
Geisteswissenschaften, Wirtschaft, Recht oder Naturwissenschaften einschlagen, dies kannfür Sie nureine
frohe Kunde sein.
Erst heute morgen habe ich in Houston die Stätte
unseres nächsten Weltwirtschaftsgipfels besichtigt,
an dem Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Japan und die Bundesrepublik Deutschland teilnehmen werden. Bei unserem Treffen werden wir mehr
tun, als unsere Bilanzen zu vergleichen. Es wird ein
Akt der Zusammengehörigkeit freier Nationen sein.

*

Seite 2

Diese Nationen haben uns in diesem langen Kampf zur
Seite gestanden, beim Aufbau solider Bündnisse und
den endlosen Vorbereitungen auf einen Krieg, der nie
stattfinden darf. Mit großen Anstrengungen und großen Opfern. Materiellen Opfern, die für schönere Ziele
hätten verwendet werden können. Und das ist der
Preis, den der kalte Krieg von Westeuropa und den
Vereinigten Staaten gefordert hat.
Dieses Opfer wurde jedoch mit der kostbarsten Gabe
von allen belohnt - der Morgendämmerung neuer
Freiheit und neuer Hoffnung für Millionen.
Heute beobachten wir an vielen wichtigen Fronten
Fortschritte. Wie Sie wissen, hat sich Außenminister
Baker diese Woche mit der sowjetischen Führung
getroffen, um das am 31. Mai beginnende Gipfeltreffen
zwischen mir und Präsident Gorbatschow vorzubereiten. Obwohl weitere Arbeit erforderlich ist, bedeuten
Bakers Treffen meines Erachtens einen Schritt nach
vorn. Dieser Durchbruch sollte es uns gestatten, das
von uns in Malta gesetzte wichtige Ziel zu erlangen die Einigung über wichtige, substantielle Elemente
eines historischen Vertrags zur Reduzierung strategischer Waffen.
Darüber hinaus werden wir mit den Sowjets andere
wichtige Rüstungskontrollmaßnahmen abschließen
können, darunter eine Vereinbarung über drastische
Reduzierungen der chemischen Waffen sowie technische und wirtschaftliche Vereinbarungen. Ich bin
zuversichtlich, daß die von uns erzielten Fortschritte
dazu beitragen werden, daß dieses Gipfeltreffen ein
weiterer solider Schritt nach vorn in dem entscheidend
wichtigen amerikanisch-sowjetischen Verhältnis sein
wird.
Heute, wie vielleicht nie zuvor in der Geschichte, setzt
sich die Freiheit in der ganzen Welt durch, weil die
Freiheit funktioniert. Freiheit ist nicht nur richtig, sie ist
praktisch. Sie ist nicht nur gut, sie ist besser. Und es
ist auf den unbezähmbaren Geist des Menschen zurückzuführen, daß die Zeit der Diktatoren abgelaufen
ist.

*

AMERIKA DIENST 20

�USA-UDSSR
23. Mai 1990

BAKER ERWARTET PRODUKTIVEN GIPFEL
BUSH-GORBATSCHOW
Erklärung in Moskau
MOSKAU - (AD) - Zum Abschluß viertägiger Gespräche mit Präsident Gorbatschow und anderen hochrangigen sowjetischen Vertretern hat Außenminister Baker am 19. Mai 1990 in Moskau erklärt, er erwarte ein
"produktives" Gipteltreffen zwischen den Präsidenten Bush und Gorbatschow in Washington. Vor Journalisten
verwies Baker darauf, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion "einige echte Leistungen" für die
Vollendung eines Vertrages über den Abbau strategischer Waffen (START) erzielt hätten, mit dem die nuklearen
Langstreckenraketen beider Seiten'um 30 Prozent reduziert würden.
Die Erklärung von Au ßenminister Baker, die er zu Beginn einer Pressekonferenz abgab, hat folgenden Wortlaut.

Wir haben soeben viertägige, lange und detaillierte
Gespräche mit Präsident Gorbatschow, Außenminister Schewardnadse und ihren Mitarbeitern beendet.
Dies waren einige der intensivsten Gespräche, die wir
in der Amtszeit dieser Administration mit unseren
sowjetischen Partnern geführt haben. Im Endstadium
von Verhandlungen ist es nur vernünftig, eine Zunahme von Intensität und Schwierigkeit der Arbeit zu
erwarten. Um es griffig zu formulieren: Wir haben
Schwerarbeit geleistet, um bis zum Gipfel zwischen
Präsident Bush und Präsident Gorbatschow Abkommen zu fixieren.
Unsere Gespräche haben einige echte Leistungen
hervorgebracht, und diese von uns erzielten Fortschritte stimmen mich optimistisch, daß wir in weniger
als zwei Wochen Zeugen eines produktiven Gipfels in
Washington werden.
In dem fünfstündigen Treffen mit Präsident Gorbatschowkamen eine Reihe von Bereichen zur Sprache,
darunter Rüstungskontrolle, die Lage im Baltikum,
insbesondere der Wunsch Litauens nach Unabhängigkeit, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten
und die sowjetische Wirtschaft. Wir hatten einen
umfassenden Meinungsaustausch zu diesen Themen.
Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, daß in meinen
Gesprächen über Litauen beide Parteien den Wunsch
zum Ausdruck brachten, einen Weg zum friedlichen
Dialog zu finden. Ich kann an dieser Stelle nicht sagen,
daß Sowjets und Litauer bereits eine gemeinsame
AMERIKA DIENST 20

Grundlage für das weitere Vorgehen gefunden haben.
Ich denke aber, daß sie sich jetzt aktiver darum bemühen, diese Basis zu entwickeln, aber sie haben sie
noch nicht gefunden.
Ich möchte nun kurz auf die Ergebnisse unserer
Gespräche eingehen und zum Stand unserer Beziehungen kurz vor dem Gipfel Stellung nehmen.
Bei START war unser Ziel, bis zum Gipfel Einigung
über die wichtigsten substantiellen Fragen zu erzielen,
und wir sind jetzt in der Lage, dies zu tun. Obwohl noch
einige Probleme gelöst werden müssen, haben wir uns
bei diesem Ministertreffen über die beiden komplexesten Fragen der START-Verhandlungen geeinigt: luftund seegestützte Marschflugkörper. Bei den ALCMs
haben wir eine komplizierte Formel vereinbart, die den
Bedürfnissen beider Seiten gleichermaßen gerecht
wird.
Bei den seegestützten ballistischen Raketen (SLCMs)
haben wir uns auf eine politisch bindende Erklärung
geeinigt, die unabhängig vom START-Vertrag ist. Die
Erklärung wird sowohl die strategische Stabilität als
auch die Berechenbarkeit verbessern, ohne daß dabei
einer der beiden Seiten Verifizierungsschwierigkeiten
entstünden.
Wir haben eine Reihe anderer Probleme bei START
gelöst und die Aufnahme der Arbeit an den Zielen von
Folgeverhandlungen über START vereinbart.

Seite 1

�Bei den chemischen Waffen haben wir uns auf ein
beispielhaftes Abkommen geeinigt. Meiner Ansicht
nach ist dieses Abkommen von großer Bedeutung, vor
allem, da es einen echten Weg für ein weltweites
Verbot dieser schrecklichen Waffen aufzeigt, die - wie
wir aus bitterer Erfahrung wissen - tatsächlich eingesetzt werden. Einfach ausgedrückt, ist dieses amerikanisch-sowjetische Abkommen eine bahnbrechende
Vereinbarung, mit der die Initiative des Präsidenten
über chemische Waffen verwirklicht wird.
Bei den Atomtests haben wir die Arbeit zu den Protokollen der Atomtestverträge beendet. Diese sind jetzt
soweit, daß sie beim Gipfel unterzeichnet werden
können.
Darüber hinaus haben wir uns auf eine gemeinsame
Gipfelerklärung über die Nichtweitergabe von Kernund chemischen Waffen sowie Raketentechnik geeinigt.
Ein Bereich der Rüstungskontrolle, bei dem wir weniger Fortschritte erzielt haben als wir erhofft hatten, ist
KSE. Wir hatten Ideen unterbreitet, mit denen dieser
Prozeß gefördert werden sollte, aber unsere Gesprächspartner waren offensichtlich nicht in der Lage, darauf
zum gegenwärtigen Zeitpunkt entsprechend zu reagieren.
Bei den regionalen Fragen haben wir eingehende
Gespräche über Afghanistan geführt. Meiner Ansicht
nach sind wir nahe daran, eine gemeinsame Basis zu
entwickeln, auf derfreie und faire Wahlen durchgeführt
werden können - der sicherste Weg zu Aussöhnung,
Frieden und rechtlich einwandfreien Verhältnissen in
diesem vom Krieg zerrütteten Land.

*

Seite 2

*

Bei Mittelamerika haben unsere Gespräche die Bedeutung der anhaltenden Befolgung des Abkommens
von Esquipulas und die Notwendigkeit erneut hervorgehoben, den Untergrundkampf in El Salvador zu
beenden und einen politischen Dialog auf den Weg zu
bringen.
Bei Menschenrechten und Demokratisierung haben
wir unsere anhaltende Sorge über die noch nicht
gelösten Auswanderungsfälle in der Sowjetunion und
die Notwendigkeit betont, diese sobald wie möglich zu
lösen. Darüber hinaus habe ich meiner Besorgnis über
Antisemitismus Ausdruck verliehen und der sowjetischen Führung nahegelegt, sich dagegen energisch
auszusprechen.
Es hat ein Austausch über Wirtschaft, grenzübergreifende und bilaterale Fragen stattgefunden. Wir haben
mehrere amerikanisch-sowjetische Wirtschaftsabkommen für die Unterzeichnung beim Gipfel vorbereitet,
einschließlich des langfristigen Getreideabkommens
und des Schiffahrtsabkommens.
Im Hinblick auf grenzübergreifende und bilaterale Fragen
sind wir bereit, Abkommen über Seegrenzen, ozeanographische Forschung sowie über die Eröffnung von
Kultur- und Informationszentren in Moskau und Washington sowie möglicherweise andere Abkommen zu
unterzeichnen. Femerwerden wir das Abkommen der
tausend Studenten - einen Austausch von tausend
Studienanfängern zwischen unseren Ländern - unterzeichnen.
Insgesamt haben wir den Weg bereitet, so daß unsere
Präsidenten Punkte beiderseitigen Vorteils festschreiben und institutionalisieren können.

*

*

AMERIKA DIENST 20

�VSBM
23. Mai 1990

VSBM: NEUE VORSCHLÄGE DES WESTENS
Rede des US-Delegationsleiters John Maresca
WIEN - (AD) - Bei der Plenarsitzung der VSBM-Gespräche am 18. Mai 1990 hat der Westen eine Reihe neuer
Vorschläge unterbreitet, die dem Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter John Maresca, zufolge, die
Arbeit und den Kurs der Verhandlungen um eine wichtige neue Dimension bereichern sollte. Maresca zufolge
hoffen die Vereinigten Staaten, daß die neuen Vorschläge "ohne Verzug in die Programme der einzelnen
Arbeitsgruppen aufgenommen werden können".
Botschafter Maresca verwies ferner auf die Möglichkeit eines Gipfeltreffens der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa Ende des Jahres und erklärte, "es könnte jetzt an der Zeit sein, eine Bestandsaufnahme des vorliegenden Materials vorzunehmen", damit im Falle eines Gipfels ein Dokument über vertrauensbildende Maßnahmen erarbeitet werden kann.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Marescas Rede im Wortlaut:

Ich möchte heute morgen das Wort ergreifen, um Sie
der Unterstützung meiner Regierung für die von meinem norwegischen Amtskollegen unterbreiteten Vorschläge zu versichern, die auch wir von Anfang an
gefördert haben.
Mit diesen neuen Vorschlägen haben wir die gegenwärtigen Maßnahmen des Westens zu Kommunikation, Zugang zu Informationen und militärischen Kontakten überarbeitet. Mit dieser Bilanz wird unser
Denken weiterentwickelt, und sie basiert auf der von
anderer Seite bereits geleisteten wertvollen Arbeit.
Meine Delegation sieht der Zusammenarbeit mit allen
Delegation entgegen, im Rahmen derer wir in den
nächsten Wochen gemeinsame Dokumente für den
Bereich Kommunikation und Kontakte erarbeiten werden.
Wir haben zusammen mit Gleichgesinnten vier völlig
neue Maßnahmen unterbreitet, die ich Ihnen im folgenden vorstellen möchte.
Maßnahme 16 betrifft zwei Bereiche der Vertrauensbildung, die meiner Ansicht nach etwas vernachlässigt
worden sind: erstens die Sicherheit des Personals bei
Ereignissen im Zusammenhang mit der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) und zweitens
die Benachrichtung über gefährliche Zwischenfälle wie etwa erst vor kurzem mit dem führerlosen Flugzeug. Dies sind vernünftige Ideen zur Verhinderung
von Unfällen, die wir alle vermeiden wollen.

AMERIKA DIENST 20

Im Rahmen von Maßnahme 17 könnten offizielle
Beobachter die militärischen Stützpunkte der Teilnehmerstaaten besuchen. Das wäre das erste Mal in der
Geschichte der europäischen Rüstungskontrolle, und
damit könnte Vertrauen in einem Bereich geschaffen
werden, der bisher nicht in unsere Bestrebungen einbezogen worden ist. Mit Maßnahme 18 würden sich
einzelne Länder verpflichten, jährlich Informationen
über geplante Veränderungen ihrer militärischen Infrastruktur auszutauschen. Zusammen mit den bereits
vorliegenden Vorschlägen über Streitkräfte, Waffen
und neue Stationierungen und dem Vorschlag für den
Informationsaustausch über Militärausgaben könnte
die Infrastrukturmaßnahme dazu beitragen, eine nie
dagewesene Offenheit bei der militärischen Planung
aller Länder hervorzubringen.
Herr Vorsitzender, ich möchte mich nunmehr Maßnahme 15 zuwenden, die ich absichtlich als letzte anspreche, weil sie meiner Ansicht nach besondere Aufmerksamkeit verdient. Wir haben zusammen mit anderen
Teilnehmern heute die Einführung eines "Diskussionsmechanismus" für ungewöhnliche militärische Aktivitäten vorgeschlagen. Diejenigen von Ihnen, die das
Wiener Schlußdokument kennen, werden bemerken,
daß dieser "Mechanismus" dem Muster der damals
vereinbarten Verfahrensweisen bei der menschlichen
Dimension folgt. Wir hoffen, daß dieser Präzedenzfall
allen hier vertretenen Ländern die Zustimmung zu
unserem neuen Vorschlag erleichtert.

Seite 1

�Dieser neue Vorschlag hat für uns besondere Bedeutung. Im Februar vergangenen Jahres hat Präsident
Bush bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit
Bundeskanzler Kohl potentielle Instabilität als mögliche neue Bedrohung der Sicherheit in Europa bezeichnet. Auf der Grundlage dieser Einschätzung haben wir
gemeinsam mit unseren Verbündeten Konzepte erarbeitet, mit deren Hilfe wir Mi ßverständnisse vermeiden
können, die zu einer solchen Instabilität beitragen.
Bei einer Pressekonferenz in Brüssel hat Außenminister Baker am 3. Mai 1990 erklärt, daß wir die Möglichkeit eines Mechanismus' erwägen, mit dem wir um
Klärung ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten bitten, um damit den KSZE-Proze ß insgesamt zu stärken
und ihn besser an die heutige Situation in Europa
anzupassen.
Unserer Ansicht nach reagieren wir mit der Maßnahme
zu ungewöhnlichen militärischen Aktivitäten auf die
Notwendigkeit, Stabilität in einem Europa dramatischer Entwicklungen zu fördern und auch auf unseren
gemeinsamen Wunsch, die Institution der KSZE weiterzuentwickeln und zu stärken. Qiese Maßnahme
wird keine negativen Auswirkungen auf die Interessen
irgendeines Teilnehmerstaats haben. Sie wird im
Gegenteil einen Beitrag zur Sicherheit eines jeden
Landes leisten.
Herr Vorsitzender, meine Delegation hegt die Hoffnung, daß das von den sechzehn Ländern heute
angebotene Material ohne Verzug in die Programme
der einzelnen Arbeitsgruppen aufgenommen werden
kann. Angesichts der Möglichkeit eines in diesem Jahr
bevorstehenden KSZE-Gipfels könnte es jetzt an der
Zeit sein, eine Bestandsaufnahme des vorliegenden
Materials vorzunehmen, damit noch vor dem Gipfel
eine Übereinkunft erzielt werden kann. Wenn sich die
an diesen Verhandlungen teilnehmenden Länder auf
einen KSE-Vertrag einigen können, wird der Gipfel
zustande kommen, und in diesem Falle werden wir uns
wünschen, ein VSBM-Abkommen in Händen zu halten.
Wenn wir ein solches Abkommen erzielen wollen,
müssen wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit

*

Seite 2

effektiv und flexibel arbeiten. Unsere Zeit ist knapp
und die für jeden einzelnen Punkt zur Verfügung
stehende Zeit äußerst begrenzt. Deshalb müssen wir
uns neue zusätzliche Arbeitsmethoden überlegen, wenn
wir unser gemeinsames Ziel erreichen wollen.
Herr Vorsitzender, die Regierung der Vereinigten Staaten
gibt sich keinen Illusionen darüber hin, was der KSZEProzeß leisten kann und was nicht. Es ist wichtig, sich
vor Augen zu führen, daß er - unserer Ansicht nach in einem Europa, wie es sich gegenwärtig darstellt,
kein System kollektiver Sicherheit liefern kann. Aber er
kann einen Beitrag für unsere Sicherheit, unser gegenseitiges Verständnis und unsere Fähigkeit leisten,
gemeinsam in Frieden und Freiheit zu leben.
Aus diesem Grund war und ist es eines unserer Ziele,
Wege zufinden,wie der KSZE-Prozeß effektiver werden,
besser auf die anstehenden Probleme reagieren und in
Situationen nützlicher sein kann, die wir uns vorstellen
können. Wir möchten dies auf eine Weise tun, die
einfach, praktikabel und funktionsfähig ist und in keiner
Weise die Sicherheit irgendeines Teilnehmerstaats
bedroht.
Mit der schnellen Entwicklung der Ereignisse in Europa gewinnen diese Anstrengungen größere Bedeutung als jemals zuvor. Und diese Entwicklung hat
Möglichkeiten für beherzte Schritte nach vorn eröffnet.
Wir sind bereit, Schritte zu erwägen, die wir verantwortungsbewußt unternehmen können. Gleichzeitig erkennen wir, daß die Stärke des KSZE-Prozesses darin
liegt, daß er Stein für Stein - und von Grund auf aufgebaut wurde.
Unserer Ansicht nach enthalten die heute von uns
unterbreiteten Vorschläge mutige neue Ideen, die einen
wichtigen und vernünftigen Beitrag zur KSZE-Struktur
leisten und uns positiven Abkommen einen Schritt
näherbringen können. Wir empfehlen all unseren
Kollegen, sie zu überdenken und hoffen, daß sie die
Basis für baldige Abkommen in diesen Bereichen
bilden können.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 20

�OSTEU ROPA
23. Mai 1990

MOSBACHER: VIELVERSPRECHENDE AUSSICHTEN
FÜR HANDEL MIT OSTEUROPA
Rede des US-Wirtschaftsministers
WASHINGTON - (AD) - Wie der amerikanische Wirtschaftsminister Robert Mosbacher bei einer Konferenz über
Ost-West-Handel am 21. Mai 1990 erklärte, sind die Aussichten für den Handel mit Osteuropa jetzt "günstiger
als je zuvor".
Die "Christoph Kolumbusse der Weltwirtschaft entdecken - endlich - Osteuropa", so Mosbacher. Im vergangenen Jahr hat der amerikanische Privatsektor zum Beispiel mehr als 500 Millionen Dollar in der Region investiert,
und die Geschäfte im Verhandlungsstadium versprechen "noch viele Millionen mehr". Mosbacher verwies in
diesem Zusammenhang auf sechs Prinzipien, von denen sich die Vereinigten Staaten bei ihrer Osteuropapolitik
leiten lassen.
Im Hinblick auf den Technologietransfer erklärte der Wirtschaftsminister, er vertrete ganz klar die Auffassung,
daß die Sowjetunion noch nicht denselben Zugang zu Hochtechnologieexporten aus den Vereinigten Staaten
haben sollte wie Osteuropa. Die Vereinigten Staaten werden insbesondere den Export in solche Länder
Osteuropas fördern, die zusichern können, daß die Technologie nicht an die UdSSR weitergegeben wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des US-Wirtschaftministers im Wortlaut.

Ich freue mich, in diesem Kreis über eine aufregende
und herausfordernde Region - über Osteuropa und die
Sowjetunion - sprechen zu können und möchte in
diesem Zusammenhang den Senatoren Gorton und
Daschle und den Abgeordneten AuCoin und Frenzel
für Ihre Arbeit am Zustandekommen dieser Konferenz,
die zum richtigen Zeitpunkt stattfindet, danken.
Ihr Engagement ist sicherlich im Sinne der Woche der
Welthandels, die Präsident Bush diese Woche ausgerufen hat, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
auf die entscheidende Rolle zu lenken, die der Handel
in unserer interdependenten Weltwirtschaft spielt.
Ebenso wie der erste Handeltreibende in Amerika,
Christoph Kolumbus, müssen wir mutig und phantasievoll ins 21 . Jahrhundert segeln. Ein wettbewerbsfähiges Amerika muß Wert auf Qualität seiner Waren
und Dienstleistungen, auf die Qualität der Investitionen und Qualität im Bildungswesen legen - und muß
durch aggressive Verhandlungen, altmodische harte
Arbeit und Erfindungsreichtum Märkte öffnen.
Im Jahr 1990 entdecken die Christoph Kolumbusse
der Weltwirtschaft - endlich - Osteuropa. Die Aussichten für den Osthandel sind günstiger als je zuvor. Was

AMERIKA DIENST 20

für eine bemerkenswerte Wende im Vergleich zur
Situation vor einigen Jahren.
Als Lech Walesa im November vergangenen Jahres
eine Rede im Kongreß der Vereinigten Staaten hielt,
rüttelte er das amerikanische Volk mit den Worten auf:
"Wir bitten nicht um Almosen, wir erwarten keine Akte
der Nächstenliebe... wir möchten, daß die Amerikaner
mit Vorschlägen der Zusammenarbeit zu uns kommen, die beiden Seiten Vorteile bringen."
Die Menschen in den Vereinigten Staaten zeigten sich
im Hinblick auf die Bedürfnisse Osteuropas großzügig.
Unser Privatsektor hat 1989 mehr als 500 Millionen
Dollar in Osteuropa investiert - wogegen sich die
Beträge der Vergangenheit verschwindend gering
ausnehmen - und bei den gegenwärtig ausgehandelten Geschäften könnten noch viele Millionen mehr
erzielt werden. Auf Wunsch von Präsident Bush
verabschiedete der Kongreß im vergangenen Jahrein
938 Millionen-Dollar-Paket zur Förderung von Wirtschaftswachstum und politischen Reformen in Polen
und Ungarn.

Seite 1

�Wir haben einen umfassenden Handels- und Wirtschaftsvertrag mit der polnischen Regierung - und ein
Handelsabkommen mit der Tschechoslowakei - unterzeichnet. Erst vor einer Woche hat der Präsident die
Gründung des Bürgerkorps Demokratie verkündet das Ressourcen des Privatsektors mobilisieren soll,
um die Entwicklung in Osteuropa zu fördern.
In seiner Rede hat Lech Walesa einen wichtigen Punkt
angesprochen: nur die Völker Osteuropas selbst können die Schäden beseitigen, die vierzig Jahre kommunistischer Mißwirtschaft verursacht haben.
Der Westen kann dem Osten keinen Plan für den
Fortschritt aufzwingen. Zur Modernisierung der Volkswirtschaften Osteuropas sind Millionen von Plänen
erforderlich, die von den mächtigsten Vertretern des
Fortschritts selbst konzipiert werden müssen - den
Verbrauchern und den Unternehmen.
Um ihre Bestrebungen zu unterstützen, müssen wir
alles in unserer Macht Stehende tun, um die Märkte in Ost und West - offenzuhalten. Westliches Knowhow und Investitionen können alle Ecken und Winkel
Osteuropas erreichen - wie Wasser, das sich seinen
Weg bahnt. Andersherum müssen auch Waren und
Dienstleistungen aus dem Osten freien Zugang zu
westlichen Märkten haben.
Unsere Osteuropapolitik gründet sich auf sechs Grundprinzipien:

Staaten können den Regierungen Osteuropas technische Hilfe anbieten - so daß termingerechte Statistiken
über Verbraucherpreise, Handel und Arbeitslosenquoten erstellt werden können.
Fünftens: Unser Engagement bei den Menschenrechten ist integraler Bestandteil unserer Handelspolitik.
Politische Freiheit und wirtschaftliche Freiheit gehen
Hand in Hand, und grundlegende Fortschritte im OstWest-Handel werden sich parallel zu Fortschritten bei
den Menschenrechten entwickeln.
Sechstens: Trotz der Priorität nationaler Sicherheitserfordernisse macht das neue Zeitalter die Lockerung
von Kontrollen bei Hochtechnologieexporten möglich insbesondere in die Länder Osteuropas, die mit den
Vereinigten Staaten beim Schutz westlicherTechnologie zusammenarbeiten. Präsident Bush und die
amerikanischen Verbündeten unternehmen Schritte,
um die Liste verbotener Güter und Technologien noch
im Sommer dieses Jahres zu straffen.
Diese - auf freier Marktwirtschaft und einer eingeschränkten staatlichen Rolle basierenden - Prinzipien
liegen unseren Handelsbeziehungen zugrunde. Natürlich sind die Bedingungen in den einzelnen Ländern
unterschiedlich. Erwartungsgemäß wird sich der Handel
in den fortschrittlicheren Ländern Osteuropas - wie
Polen - schneller entwickeln, da sich dort politische
Freiheit und wirtschaftliche Reformen schneller verbreiten.

Erstens: Der Ost-West-Handel muß auf gesunden
wirtschaftlichen Entscheidungen basieren. Wir können amerikanische Firmen nicht zur Geschäftstätigkeit in Osteuropa zwingen - und es ist an den dortigen
Regierungen, ein attraktives und profitables wirtschaftliches Umfeld zu schaffen. Bei dieser Art der Förderung können Realinvestitionen vorgenommen, Arbeitsplätze geschaffen, Gerechtigkeit hergestellt und der
Lebensstandard angehoben werden.

In einigen Regionen sind die Volkswirtschaften zentralisierter, und der Lebensstandard hinkt hinterher. Wir
beobachten die Entwicklungen in diesen Ländern
aufmerksam, um sicherzustellen, daß politische Freiheit und Handelsmöglichkeiten wachsen.

Zweitens: Investitionen, einschließlich Joint Ventures,
müssen bei der Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen eine zentrale Rolle spielen. Die effektivste langfristige Hilfe, die die Vereinigten Staaten anbieten können, sind Direktinvestitionen amerikanischer Firmen.

Der Devisenvorrat ist immer noch knapp bemessen und in einigen Ländern ist die Auslandsverschuldung
hoch. Wenn die Reformer Staatsbetriebe privatisieren
und Subventionen kürzen, könnte dies kurzfristig
Arbeitslosigkeit, neue politische Unzufriedenheit und
Schwierigkeiten auf dem Weg der Liberalisierung
verursachen.

Drittens: Um Investitionen zu ermutigen, müssen die
Länder Osteuropas ihr Rechts-, Rechnungs- und
Bankenwesen modernisieren. Gegenwärtig sind polnische Banken zum Beispiel nicht in der Lage, schnelle
Auslandstransfers für Unternehmen durchzuführen.
Geschäftsbanken, wie wir sie kennen, existieren nicht,
und das Rechnungswesen ist unvereinbar mit dem
internationalen System, wie es alle Industrieländer
anwenden. Die US-Regierung leistet in diesen Bereichen technische, wirtschaftliche und praktische Hilfe.
Viertens: Wenn Märkte aufgebaut werden sollen,
müssen Käufer und Verkäufer Zugang zu präzisen
Informationen und Statistiken haben. Die Vereinigten

Seite 2

Die Herausforderungen an die Wirtschaft Osteuropas
sind enorm. Insgesamt beträgt ihr Bruttosozialprodukt
nur ein Viertel dessen der Vereinigten Staaten.

Im großen und ganzen jedoch engagieren sich die
Staaten Osteuropas bemerkenswert stark für den
Wandel. In all diesen Ländern sind die Lohnkosten
sehr niedrig, und in den meisten gibt es ein großes und
gut ausgebildetes Arbeitskräftepotential. Dies sind
einmalige Chancen für das Wachstum in Osteuropa und für die Vereinigten Staaten.
Polen ist vielleicht von allen das ehrgeizigste Land. Es
stellt heute bereits den größten Markt für amerikanische Waren in Osteuropa dar. Unsere Exporte nach
Polen stiegen von 304 Millionen Dollar im Jahr 1988

AMERIKA DIENST 20

�auf 414 Millionen Dollar im Jahr 1989 - ein 36prozentiger Zuwachs. Im Dezember 1989 initiierte die von
Vertretern der Gewerkschaft Solidarität geführte
Regierung ihren berühmten "Big Bang" - ein tiefgreifendes Reformprogramm, das die überwältigende
Unterstützung der polnischen Bevölkerung genießt.
Ziel ist die Senkung der Inflation, der Abbau staatlicher
Subventionen und die Einführung eines freien Markts.
Die Inflation ging bereits von 80 Prozent im Januar auf
5 Prozent im März zurück. Der Preis dafür war hoch steigende Arbeitslosigkeit und ein Rückgang der Produktion. Aber sie müssen ihren Kurs beibehalten, und
ich bin sicher, daß sie es tun und noch rascher dazu
übergehen werden, Hindernisse für die private Unternehmenstätigkeit aus dem Weg zu räumen.
Auch Ungarn bietet gute Aussichten für den Handel mit
den Vereinigten Staaten. Die Ungarn haben heute mit
einer hohen Auslandsverschuldung und niedrigem
Wirtschaftswachstum zu kämpfen - aber ihre relativ
moderne Volkswirtschaft hat eine glänzende Zukunft
vor sich. Ungarn hat im Jahr 1989 seine Wirtschaft
erheblich liberalisiert und beispielsweise den 100prozentigen Besitz ungarischer Unternehmen durch
Ausländer zugelassen. Ein Ergebnis war der Zufluß
ausländischer Investitionen - darunter allein über 100
Joint Ventures mit amerikanischen Unternehmen.
General Electric investierte 150 Millionen Dollar in ein
Geschäft mit dem Lampenhersteller Tungsram, und
General Motors engagierte sich in der Automobilproduktion. Im Jahr 1989 stiegen die amerikanischen
Exporte nach Ungarn gegenüber 1988 um 56 Prozent
an.
Auch in der Tschechoslowakei werden Fortschritte
gemacht. Das Land beendete im vergangenen Jahr
die zentrale Planwirtschaft und wird - vorbehaltlich der
Zustimmung des Kongresses - von den Vereinigten
Staaten den Meistbegünstigungsstatus erhalten.
Das größte Potential für den Handel liegt jedoch in der
Sowjetunion. Hier kann es nur bergauf gehen. Unsere
beiden Länder erzielen zusammengenommen etwa
ein Drittel des Weltbruttosozialprodukts, und doch liegt
unser Jahreshandelsvolumen nur bei 4 oder maximal
5 Milliarden Dollar - bei nur 0,2 Prozent des gesamten
Welthandels.
Viel hängt von der Perestrojka des Präsidenten Gorbatschow ab - der Umgestaltung der sowjetischen
Wirtschaft, die bis jetzt unterschiedliche Resultate
erbracht hat. Einigen neueren Schätzungen zufolge
liegt das sowjetische BSP in Wahrheit wesentlich
niedriger als bisher angenommen - und es geht weiter
zurück.

*

AMERIKA DIENST 20

Andererseits scheint das Engagement Präsident
Gorbatschows für Wirtschaftsreformen von Dauer zu
sein - und die Mehrheit der sowjetischen Bevölkerung
hat eindeutig den Glauben an den Kommunismus
verloren. Die Sowjets sind unlängst der internationalen Staatengemeinschaft nähergerückt, indem ihnen
Beobachterstatus beim GATT eingeräumt wurde. Die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verhandeln
außerdem über Möglichkeiten zur Ausweitung von
Handel und Investitionen - darunter den Meistbegünstigungsstatus für unsere beiden Länder.
Ich möchte meine Ausführungen mit einem Zitat eines
scharfsinnigen Beobachters der internationalen Szene beenden - Dr. Zbigniew Brzezinski, der als einer der
ersten Experten den dramatischen Umbruch in Osteuropa vorhersagte.
In der letzten Ausgabe des Magazins International
Economy sagte Brzezinski: "Ich bin ziemlich überrascht, wie relativ schleppend sich die amerikanische
Wirtschaft diese Chance zunutze macht. Ich denke,
diese Chance ist teilweise der Situation vergleichbar,
mit der die internationale Geschäftswelt vor 20 Jahren
in Spanien und Portugal konfrontiert war."
Ich unterstütze Brzezinskis Erklärung. Spanien und
Portugal haben in den letzten 20 Jahren große Fortschritte gemacht - und dasselbe gilt für die amerikanischen Unternehmen, die sich frühzeitig in diesen Ländern
engagiert haben.
Im Jahr 1990 steht die amerikanische Wirtschaft an
der Schwelle einer weiteren historischen Gelegenheit
- und wir haben einen wahrhaft einzigartigen Vorteil.
Unsere Nation war seit langem ein Symbol der Hoffnung in Osteuropa - nicht nur als Führungsmacht der
freien Welt in den vergangenen 45 Jahren, sondern
seit Jahrhunderten. Wellen von Einwanderern aus
dem Osten zogen nach Westen - von Polen nach
Pittsburgh, aus der Tschechoslowakei nach Chicago.
Sie haben starke ethnische Bindungen zwischen unseren
Ländern geschaffen.
Jetzt ist es für unsere Nationen an der Zeit, diese
besonderen Bindungen zu erneuern. Die amerikanische Geschäftswelt kann bei der Suche nach Möglichkeiten den Weg weisen - zur Schaffung einer neuen
Partnerschaft zwischen Ost und West, um eine bessere Welt hervorzubringen.
Mehr Chancen und eine bessere Welt. Haben unsere
Vorfahren nicht vor Jahrhunderten um dieser Ziele
willen den Ozean überquert - als sie kamen und diese
große Nation aufbauten?
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�COCOM
23. Mai 1990

MOSBACHER BEFÜRWORTET VORSICHTIGE
LOCKERUNG VON EXPORTKONTROLLEN
Rede des US-Wirtschaftsministers im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede vor dem Unterausschuß für Telekommunikation und Finanzen
bezeichnete US-Wirtschaftsminister Robert Mosbacher am 17. Mai 1990 "unsere Beteiligung am Wiederaufbau
Osteuropas als absolut unerläßlich". Mosbacher würdigte Präsident Bushs Vorschlag für "erhebliche Veränderungen" bei den Exportbeschränkungen, wie sie die COCOM-üste für den Handel mit Telekommunikation und
anderen Geräten vorsieht. Er trennte jedoch scharf zwischen den aufstrebenden Demokratien Osteuropas und
der Sowjetunion. Dem Wirtschaftsminister zufolge sollte der Handel mit Telekommunikationseinrichtungen in
die Sowjetunion nicht so stark gelockert werden wie mit Osteuropa. "Wir müssen hier differenzieren," erklärte
Mosbacher.
Trotz der Tatsache, daß die Regierung eine Lockerung der Exportbeschränkungen befürwortet, betonte
Mosbacher die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen, "insbesondere das Recht auf Inspektionen". Er
erklärte, die Länder Osteuropas hätten im Gegensatz zur Sowjetunion solche Sicherheitsmaßnahmen akzeptiert.
Mosbacher wies den Vorwurf zurück, die Regierung unternehme nicht genug, um Osteuropa zu helfen. Ihm
zufolge leistet die Regierung nicht nur Finanzhilfe, sondern stellt auch eine Reihe von Ausbildungsprogrammen
für Osteuropäer bereit. Er verwies ferner auf einen Informationsdienst des Wirtschaftsministeriums, der
amerikanische Unternehmen über neue Märkte unterrichtet.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Wirtschaftsministers im Wortlaut:

Ich freue mich, Ihnen heute die gegenwärtigen Aktivitäten und Pläne des Wirtschaftsministeriums für den
Ausbau des Telekommunikationssektors in Osteuropa und der Sowjetunion darzulegen. Ich möchte dabei
auf den Bedarf dieser Länder im Telekommunikationswesen eingehen und Ihnen die Maßnahmen des Wirtschaftsministeriums und die Exportkontrollinitiative des
Präsidenten, insbesondere im Hinblick auf Telekommunikation, erläutern.
Hintergrund
Nach den dramatischen Ereignissen, die Osteuropa
verändert haben, gehen die politisch Verantwortlichen
dieser Länder jetzt pragmatisch daran, zu erörtern,
was in Vorbereitung auf die neue politische und wirtschaftliche Ordnung für die Infrastruktur ihres Landes
getan werden muß. Reformer in Osteuropa und der
Sowjetunion sind sich bewußt, daß ihre Infrastruktur
und insbesondere ihre Telekommunikationssysteme

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überaus unzureichend sind und im Hinblick auf ihre
Rentabilität modernisiert werden müssen.
Es besteht kein Mangel an Anekdoten und Statistiken,
die den beklagenswerten Zustand des osteuropäischen Telefonsystems belegen. Zum gegenwärtigen
Zeitpunkt beträgt die durchschnittliche Wartezeit für
den Anschluß eines Telefons 13 Jahre. In diesem
Augenblick liegen der dortigen Telefongesellschaft
über zwei Millionen Anträge auf einen Anschluß vor.
Und wenn ein Telefon angeschlossen wird, besagt das
noch nichts über seine Funktionsfähigkeit - weniger als
ein Drittel aller Telefongespräche können nicht zuende
geführt werden. Ein Regierungsvertreter aus Osteuropa hat es so formuliert: "Die Hälfte unseres Landes
wartet auf einen Telefonanschluß, die andere Hälfte
auf ein Freizeichen."
Natürlich beeinträchtigt das die Wirtschaft des Landes.
Heute kann man keine Geschäftsbeziehungen aufSeite 1

�rechterhalten, wenn sich die Kontaktaufnahme mit
potentiellen Kunden oder Lieferanten so schwierig
gestaltet. Westliche Firmen sind kaum daran interessiert, eine Filiale in einem Land zu eröffnen, wo es
lediglich 15 Telefone auf hundert Einwohner gibt, die
Anmeldung eines Auslandsgesprächs Stunden dauert
und Nebengeräusche eine Datenübermittlung unmöglich machen. Die Entwicklung einer ausgereiften und
funktionsfähigen Infrastruktur auf dem Telekommunikationssektor hat daher absolute Priorität und ist ein
wichtiger Schritt, um die effiziente Entwicklung einer
Marktwirtschaft zu gewährleisten. Und sie sollte eine
Kettenreaktion in allen Volkswirtschaften Osteuropas
auslösen.

reagieren. Prioritäten und Aufgaben mußten erarbeitet und Notwendigkeiten und beabsichtigte Maßnahmen abgeschätzt werden. Wir haben außergewöhnlich viele qualifizierte Helfer im Ministerium und im
Privatsektor zusammengerufen, um den dringenden
Bedarf und die Erwartungen der Region abzudecken all dies in einem Umfeld anhaltender Unsicherheit und
gelegentlicher Instabilität. Ganz Osteuropa wird erwartungsgemäß weiterhin dringend die besten Köpfe
aus Regierung und Privatsektor brauchen.

Zur Veränderung dieser Situation sind umfangreiche
Anstrengungen und Investitionen erforderlich. Sowohl
technisches und organisatorisches Know-how als auch
Kapitalinvestitionen werden dazu benötigt. Die Finanzierung dieser Entwicklung wird von einzelnen Unternehmen, durch Einnahmen und Auslandskapital sowie
internationale Kreditgeber geleistet. Die Weltbank
erarbeitet zum Beispiel gegenwärtig einen 120 bis 150
Millionen Dollar-Soforthilfekredit für Polen, mit dem die
Telekommunikation ausgebaut werden soll. Ein entsprechendes Programm für Ungarn ist in der Planung.

Bereits im September letzten Jahres habe ich mit einer
Gruppe amerikanischer Vertreter aus Regierung und
Industrie Polen besucht. Bei diesem Besuch bin ich
mit dem Postminister Kucharski und anderen Vertretern aus dem Telekommunikationssektor zusammengetroffen, um den dortigen Bedarf zu ermitteln.

Einige Länder der Region verfolgen ehrgeizige Pläne
zum Ausbau der Telekommunikation. Polen will zum
Beispiel die Zahl der verfügbaren Telefonanschlüsse
bis 1995 verdoppeln, und das wird schätzungsweise in
den nächsten zehn Jahren 10 Milliarden Dollar kosten,
während das Entwicklungsprogramm in Ungarn bis
zum Jahr 2000 wahrscheinlich einen Umfang von 5
Milliarden Dollar haben wird.
Positiv an dieser Situation sind natürlich die nunmehr
bestehenden Marktchancen. Da große Projekte zum
Aufbau der Telekommunikation gegenwärtig hohe
Priorität in Osteuropa haben, bemüht man sich auf
dem Sektor um westliche Erzeugnisse, Dienstleistungen und technische Hilfe. Möglichkeiten bestehen bei
Mobilfunk, Satelliten, Übertragungsgeräten, Teilnehmereinrichtungen und Datenübermittlung. Zahlreiche
amerikanische Telekommunikationsfirmen nehmen
bereits an aktiv an Ausschreibungen dort teil, und
einige haben auch bereits Zuschläge erhalten. AT&amp;T
gewann eine Ausschreibung in Polen für die Lieferung
einer Vermittlungsstelle für Auslandsgespräche. U.S.
West Cellular hatte Erfolg bei einer Ausschreibung der
ungarischen Regierung für ein Joint Venture, im Rahmen dessen ein Mobilfunksystem in Budapest eingerichtet werden soll. U.S. Sprint International unterzeichnete gerade einen Vorvertrag mit zwei sowjetischen Unternehmen für ein Joint Venture im Bereich
Telekommunikation mit der Sowjetunion.
Initiativen des Wirtschaftsministeriums
Das Wirtschaftsministerium mußte nahezu über Nacht
auf die dramatischen Veränderungen in Osteuropa

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Im folgenden möchte ich Ihnen die Aktivitäten des
Wirtschaftsministeriums erläutern und das von uns
erarbeitete Programm vorstellen.

Bei meinem zweiten Besuch im November war ich
einer der Leiter der Polen-Delegation des Präsidenten,
die sich über wirtschaftliche Aussichten und initiativen
informieren sollten. Bei diesem Besuch haben wir ein
Abkommen geschlossen, in dem einzelne Schritte für
die Kooperation in der Telekommunikation dargelegt
sind. Dieses Abkommen hat eine Reihe von Entwicklungen und Initiativen im Wirtschaftsministerium eingeleitet.
Erstens haben im Februar dieses Jahres in Polen
Folgetreffen zwischen dem polnischen Postministerium und der nationalen Behörde für Telekommunikation und Information (National Telecommunications
and Information Administration - NTIA) stattgefunden.
Dabei wurden Pläne erarbeitet, um polnische Mitarbeiter an der US-Ausbildungungsstätte für Telekommunikation (United States Telecommunication Training
Institute - USSTI) auszubilden - einer privaten Organisation, die von amerikanischen Telekommunikationsfirmen sowie Rundfunk und Fernsehen gefördert wird
und an der die NTIA beteiligt ist. Zusätzlich zur finanziellen Förderung durch den Privatsektor haben wir
etwa 350 000 Dollar von anderen Bundesbehörden
zur Verfügung, um Personal aus Polen und anderen
Ländern Osteuropas am USSTI auszubilden.
Sowohl Polen als auch Ungarn haben bereits Kandidaten für USSTI-Ausbildungsprogramme nominiert, und
die ersten haben letzten Monat ihre Ausbildung in den
Vereinigten Staaten begonnen. Der Lehrplan umfaßt
technische und organisatorische Aspekte von Rundfunk und Fernsehen sowie Telekommunikation. Allein
für Teilnehmer aus Osteuropa sind in diesem Jahr elf
Kurse vorgesehen.
NTIA erörtert ferner mit Polen die Ausbildung für eine
Verwaltung von Rundfunkfrequenzen, die modernen
Ansprüchen genügen. Der Zustand des RundfunksyAMERIKA DIENST 20

�stems und die Verwaltung des Radiofrequenzspektrums in Polen und anderen Ländern Osteuropas
bedarf radikaler Reformen. Ein nicht unerheblicher
Teil der Frequenzen ist dem Militär und den Sicherheitsdiensten vorbehalten. Da nunmehr die zivile
Nutzung in den Vordergrund tritt, gewinnen die zeitgemäße Nutzung des Spektrums und Programme zur
Planung des Spektrums entscheidende Bedeutung.
Das Spektrum muß so gewählt werden, daß Mobilfunknetze eingerichtet werden und neue private Rundfunkkanäle demokratische Alternativen zu den bestehenden staatlichen Einrichtungen werden können.
Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, planen
die NTIA und die Bundeskommission für Kommunikation, eine gemeinsame aus Teilnehmern des öffentlichen und privaten Sektors bestehende Delegation
nach Polen und in andere osteuropäische Staaten zu
entsenden, um die Regierungen bei der Verwaltung
des Rundfunkspektrums zu unterstützen. Wir erwarten eine fortgesetzte Koordinierung im Bereich der
Spektrumverwaltung zwischen den Vereinigten Staaten und Osteuropa und werden weiterhin die in diesem
Bereich erzielten Fortschritte beobachten.
Die NTIA und das polnische Postministerium sprechen
ferner über ein gemeinsames Programm zur Entwicklung des Telekommunikationssektors in den ländlichen Gebieten Polens. In dieser Hinsicht wird die
Telefonvereinigung der Vereinigten Staaten mehrere
Mitglieder nach Polen entsenden, um privaten Telefongesellschaften im ländlichen Bereich Orientierungshilfen zu geben.
Weitere Hilfe des Privatsektors wird von Bell Communications Research, auch als BELLCORE bekannt,
gewährt. BELLCORE hat sich bereiterklärt, eine gründliche Untersuchung von Bedari und Optionen im polnischen Kommunikationssektor durchzuführen. BELLCORE will Polen sodann helfen, Verbesserungen bei
der Netzplanung und Betriebsführung einzuleiten.
BELLCORE stellt diese Leistungen zur Verfügung,
ohne daß den Vereinigten Staaten oder Polen Kosten
entstünden.
Bestimmte Aspekte dieser Initiativen stehen unter
dem Vorbehalt der Verabschiedung des neuen Telekommunikationsgesetzes in Polen. Wir sind jedoch
zuversichtlich, daß die Richtung stimmt und wir in der
richtigen Position sind, um eine angemessene Entwicklung der Telekommunikations-Infrastruktur in Polen
und anderen osteuropäischen Ländern zu fördern.
Zweitens hat die Administration eine umfassende
Überprüfung der von den Vereinigten Staaten und dem
COCOM verhängten Beschränkungen für Exporte von
Spitzentechnologie nach Osteuropa und in die Sowjetunion durchgeführt.
Bis vor kurzem sträubten sich die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten im COCOM dagegen, das Telekommunikationswesen in den Staaten des WarschauAMERIKA DIENST 20

er Pakts zu modernisieren. Unserer Ansicht nach war
es aufgrund strategischer Sorgen im Hinblick auf die
potentielle militärische Bedrohung unklug, die Schaffung robuster Kommunikationssysteme zu erleichtern.
Der plötzliche Umbruch in Osteuropa hat uns und
unsere Verbündeten jedoch dazu veranlaßt, diese
Haltung zu überdenken.
Bei einer Zusammenkunft im Februar verständigten
sich die COCOM-Staaten auf eine beschleunigte
Überprüfung der Exportkontrollen fürTelekommunikationsausrüstung, Computer und Werkzeugmaschinen.
Diese technologischen Schlüsselbereiche wurden als
besonders wichtig für die Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Infrastruktur der sich neu formierenden Demokratien Osteuropas angesehen.
Seither hat der Präsident die Ministerien für Wirtschaft,
Äußeres, Verteidigung und Energie angewiesen, über
diese drei Schlüsselbereiche hinauszugehen, dabei
aber stets unsere strategischen Interessen zu berücksichtigen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen wurden vor zwei Wochen vom Weißen Haus bekanntgegeben. Zur Zeit beraten wir mit unseren Verbündeten
im COCOM über die vorgeschlagenen Veränderungen.
Im Telekommunikationsbereich haben wir die Abschaffung der Kontrollen für Mobilfunkgeräte vorgeschlagen, einschließlich der analogen Zellenkommunikationssysteme, wie sie im zivilen Bereich in den gesamten Vereinigten Staaten eingesetzt werden. Einige
Funksysteme sowie sämtliche Mobilfunksysteme unterliegen gegenwärtig Exportkontrollen. Deren Abbau
würde Systeme etwa für Funkruf und Funktelefon
betreffen. Mobilfunksysteme werden es den osteuropäischen Ländern und der Sowjetunion gestatten, auf
einfache Weise und rasch einen effektiven, normalen
Telefondienst anzubieten. Sie werden nicht den langen, schwierigen und teuren Prozeß durchmachen
müssen, Leitungen zu verlegen, Pole und Kabel zu
installieren, bevor Anschlüsse bereitgestellt werden
können.
Um in der Region die Effizienz der Linientechnik für
Teilnehmerleitungen sowie der Querverbindungsleitungen - die zwischen den Büros der wichtigsten
Telefongesellschaften bestehenden Hauptleitungen zu steigern, haben wir die Abschaffung der Kontrollen
für faseroptische Kabel vorgeschlagen, die im normalen Telekommunikationsnetz eingesetzt werden. Damit
würden die osteuropäischen Länder in die Lage versetzt, ihr völlig unzureichendes Netz von Teilnehmerleitungen, das zur Zeit keinerlei freie Kapazitäten für
zusätzliche Teilnehmer hat, schnell und vollständig zu
erneuern.
Darüber hinaus schlagen wir die Abschaffung der
Kontrollen für Satellitenbodenstationen vor, die für die
zivile Fernseh- und Rundfunkübertragung und den
Femmeldeverkehr sowie für Wetter- und Erdbeobach-

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�tungssysteme eingesetzt werden. Damit wird der
weltweite Informationsfluß nach Osteuropa erleichtert.
Des weiteren schlagen wir die Liberalisierung bei
Datenübertragungsgeräten vor, um die Kommunikation zwischen Computersystemen von Banken, Großhandel, Transportwesen und anderen zivilen Gewerbezweigen zu ermöglichen. Diese Liberalisierung
würde die Lizenzvergabe in diesem Bereich in das
Ermessen jedes COCOM-Mitglieds stellen, ohne das
zuvor ein Konsens im COCOM hergestellt werden
müßte.
Schließlich schlagen wir Veränderungen zur Vorzugsbehandlung solcher osteuropäischer Staaten vor, die
Sicherheitsvorkehrungen gegen die Umleitung von
Importen kontrollierter Güter getroffen haben. Aus
strategischen Gründen ist die Differenzierung zwischen Osteuropa und der Sowjetunion ein wichtiges
Element unserer Vorschläge für das Telekommunikationswesen. Wir haben eine Liberalisierung der Kontrollen für moderne Telefonübertragungsausrüstung sowohl faseroptische als auch Mikrpwellensysteme für diejenigen Länder Osteuropas vorgeschlagen, die
solche Sicherheitsvorkehrungen treffen. Damit könnten in allen osteuropäischen Ländern bedeutende
Verbesserungen im Fernsprechverkehr erzielt werden.
Die von uns erwarteten Sicherheitsmaßnahmen sollten eine nationale Verpflichtung beinhalten, wonach
strategische Güter und Technologie ausschließlich für
den zivilen Gebrauch und zivile Endverbraucher bestimmt sind. Ferner würden wir staatliche Endverbrauchsgarantien, die Erlaubnis zur Durchführung von
Vor-Ort-Inspektionen und andere Sicherheitsvorkehrungen erwarten.
Drittens reagiert das Wirtschaftsministerium auf den
ständig zunehmenden Informationsbedarf der amerikanischen Telekommunikationsindustrie im Hinblick
auf die aufstrebenden Märkte in Osteuropa und der
Sowjetunion. Die verantwortlichen Planer der USTelekommunikationswirtschaft möchten zutreffende,
zuverlässige und sachdienliche Informationen, um die
Chancen und Hindernisse besser verstehen zu können, die berücksichtigt werden müssen, wenn sie ihre
Geschäftsentwicklungspläne für die Region erarbeiten. Die Zahl der in den vergangenen Monaten beim
Ministerium eingegangenen Anfragen nach Information und Hilfe ist erheblich gestiegen. Die Zahl der an
die Telekommunikationsstelle der Internationalen
Handelsadministration gerichteten Anfragen zu wichtigen Telekommunikationsprojekten in Osteuropa liegt
heute dreimal so hoch wie für alle anderen Regionen.
Amerikanische Unternehmen möchten darüberhinaus
Hilfe bei der Herstellung von Kontakten mit den neuen

für das Telekommunikationswesen in diesen Ländern
verantwortlichen Kräften.
Seit Jahresbeginn hat das Wirtschaftsministerium der
Geschäftswelt eine Reihe von Gelegenheiten zur
Handelsförderung angeboten. Die Telekommunikationsstelle der Internationalen Handelsadministration
hat im Februar eine äu ßerst erfolgreiche Handels- und
Investitionsmission in Warschau durchgeführt. Dabei
wurde 16 amerikanischen Unternehmen der Telekommunikationsbranche die Gelegenheit geboten, mit
Entscheidungsträgern des polnischen Telekommunikationssektors zusammenzutreffen, darunter auch
neuemannte Mitglieder der polnischen Regierung. Eine
ähnliche Mission soll im Juni 1990 in der Tschechoslowakei und in Ungarn stattfinden.
Das Wirtschaftsministerium führt darüber hinaus selbst
oder in Zusammenarbeit mit anderen Stellen zahlreiche Marktstudien durch. Wir beobachten eingehend
das Telekommunikationswesen betreffende Entwicklungen in der Region, sammeln Informationen über
neue Pläne zur Entwicklung des Telekommunikationssektors, sich verändernde Organisationsstrukturen,
neue Gesetze und Vorschriften sowie über aussichtsreiche neue Projekte. Marketing-Berichte für das
Telekommunikationswesen sowie Sektorstudien für
die Region werden zusammengestellt. Ferner stellen
wir der amerikanischen Geschäftswelt Informationen
über amerikanische staatlich finanzierte Programme
zur Verfügung. Dazu gehören die Initiativen gemäß
dem Gesetz über die Unterstützung der Demokratie in
Osteuropa, wie etwa der Unternehmensfonds und
Exportfinanzierungsmöglichkeiten sowie das Ergebnis der vorläufigen Durchführbarkeitsstudien über das
Telekommunikationswesen in Polen und Ungarn im
Rahmen des amerikanischen Handelsentwicklungsprogramms.
Wir berücksichtigen bei unseren Verhandlungen über
Handelsabkommen die Belange der amerikanischen
Telekommunikationsindustrie. Der unlängst unterzeichnete amerikanisch-polnische Vertrag über unternehmerische und wirtschaftliche Zusammenarbeit stellt
einen Rahmen für die langfristige Entwicklung und
Zusammenarbeit zwischen den Unternehmern in beiden Ländern bereit. Der Vertrag fördert Kontakte
zwischen der privaten Wirtschaft in Polen und den
Vereinigten Staaten und enthält Leitlinien für Investitionen amerikanischer Firmen.
Wir planen eine Verstärkung dieser Bemühungen, um
zutreffende Informationen über die Entwicklung im
Telekommunikationssektor dieser Region zu sammeln
und zu verbreiten sowie um der amerikanischen Geschäftswelt bei ihren Vermarktungsbemühungen Foren und Hilfe anbieten zu können.

*

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*

AMERIKA DIENST 20

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