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17

I

5300 Bonn 2

2. Mal 1990

VSBM

MARESCA: KSZE-GIPFEL NOCH
DIESES JAHR MÖGLICH
Erklärung von Botschafter Maresca

WELTWIRTSCHAFT

VEREINIGTE STAATEN SCHLAGEN
ZIELE FÜR UNO-GENERALVERSAMMLUNG VOR
Botschafter Pickering über wirtschaftliche Zusammenarbeit

TERRORISMUS

1989 STARKER RUCKGANG
DES TERRORISMUS
Bericht des US-Außenministeriums

I

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�VSBM
2. Mai 1990

MARESCA: KSZE-GIPFEL NOCH DIESES
JAHR MÖGLICH
Erklärung von Botschafter Maresca
WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John Maresca, hat am 27. April 1990 in einer zum
Abschluß der Sitzungsrunde vor dem Plenum gehaltenen Rede erklärt, das Interesse am KSZE-Prozeß habe
"infolge der Entwicklung in Osteuropa in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen. Deshalb erwarten
die politisch Verantwortlichen jetzt einen KSZE-Gipfel noch vor Jahresende, unter der Voraussetzung, daß bis
dahin ein KSE-Vertrag unterschriftsreif ist."
Darüber hinaus stellte Maresca fest, daß trotz "wichtiger Meinungsverschiedenheiten bei einigen Schlüsselfragen" in den Gesprächen die konsensfähigen Bereiche "heute erheblich größer sind". Man könne nun "die
Anfänge eines umfassenden neuen Interesses an substantiellen Fortschritten erkennen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Botschafter Marescas im Wortlaut.

Am Ende dieser Verhandlungsrunde könnte es nützlich sein, eine Bilanz zum Stand unserer Arbeit zu
ziehen. Immerhin tagen wir hier nun schon seit über
einem Jahr. Meines Erachtens haben wir gerade in
dieser Runde einige nützliche Lektionen gelernt, und
sie hat uns dem von uns allen erhofften Ergebnis
wiederum ein paar Schritte nähergebracht.
Der politische Hintergrund war natürlich für unsere
Arbeit hier von Bedeutung. Das Interesse am KSZEProzeß hat infolge der Entwicklung in Osteuropa in den
vergangenen Monaten erheblich zugenommen. Deshalb erwarten die politisch Verantwortlichen jetzt einen
KSZE-Gipfel noch vordem Jahresende, unter der Voraussetzung, daß bis dahin ein KSE-Vertrag unterschriftsreif ist. Dieselben Ereignisse haben der Rüstungskontrolle, einschließlich der VSBM-Verhandlungen, neue Perspektiven eröffnet.
Im Rückblick erscheint das Seminar über Militärdoktrinen als ein Wendepunkt. Bei dieser Gelegenheit
versuchten unsere führenden Offiziere zum ersten
Mal, über die Annahmen der Vergangenheit hinauszudenken. Zumindest zwei Vorschläge berücksichtigten
unmittelbar die Erfahrung dieses Seminars, um den
Horizont dieser Verhandlungen zu erweitern und ihnen
für die Zukunft regulären Charakter zu verleihen. Dies
waren die Vorschläge für einen Austausch der militärischen Haushaltszahlen und für die jährliche Abhaltung von Überprüfungstreffen, die gegenwärtig in unseren
Arbeitsgruppen aktiv untersucht werden. Ein interesAMERIKA DIENST 17

santes Papier über ein Kommunikationssystem stützte sich ebenfalls auf die bei diesem Seminar gewonnenen Erfahrungen.
Welches waren also die bemerkenswerten Leistungen
dieser Verhandlungsrunde über VSBM? Erstens sind
die konsensfähigen Bereiche meines Erachtens heute
erheblich größer. In der Vergangenheit betrachtete
meine Delegation einen Konsens über einen jährlichen
Informationsaustausch, darunter auch Informationen
über die Stationierung wichtiger neuer Waffensysteme, ein System der Überprüfung der gelieferten Informationen nach dem Zufallsprinzip und Verbesserungen der Stockholmer Vereinbarungen als die großen
Bereiche, in denen ein Konsens wahrscheinlich war.
Neben diesen Bereichen zeichnet sich unserer Ansicht
nach ein Konsens über den jährlichen Austausch von
militärischen Haushaltszahlen, über ein alle 35 Hauptstädte einbeziehendes Kommunikationssystem, verstärkte militärische Kontakte und die jährliche Veranstaltung eines Überprüfungstreffens ab. Das ist eindeutig eine erhebliche Erweiterung des Horizonts und
der Komplexität dieser Verhandlungen, verspricht jedoch
darüber hinaus bedeutendere Ergebnisse, als wir uns
noch vor wenigen Monaten vorstellen konnten.
Ein zweites Ergebnis ist der sich abzeichnende und
allseits anerkannte Konsens über die Notwendigkeit,
ein gemeinsames Dokuments zu erarbeiten, das bei
einem möglicherweise Ende des Jahres stattfinden-

Seite 1

�den KSZE-Gipfel verabschiedet werden kann. Ich
akzeptiere die in der Plenarsitzung der letzten Woche
von den Vertretern Frankreichs und der Bundesrepublik Deutschland abgegebenen Erklärungen, ein solches Dokument solle aussagekräftig sein. Es scheint
sich darüber hinaus ein Konsens darüber zu bilden,
daß diese Verhandlungen nach einem möglichen Gipfel
fortgeführt werden sollen. Das ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium für die Planung unserer Arbeit.

Möglichkeiten noch nicht akzeptiert haben, und ihr
mangelnder Enthusiasmus für baldige Fortschritte wird
in scharfem Gegensatz zur großen Mehrheit der Teilnehmer stehen.

Dies sind unserer Ansicht nach die wichtigsten Ergebnisse der soeben beendeten Runde. Aber wir sind
auch auf einige möglicherweise schwierige Probleme
gestoßen. Es bestehen weiterhin größere Meinungsverschiedenheiten bei Grundsatzfragen, undwirbeobachten eine Tendenz, Fortschritte in Bereichen, in
denen bereits ein Konsens erzielt wurde, von Zustimmung zu politischen Positionen abhängig zu machen,
bei denen auch nicht nur annähernd Konsens besteht.
Dies ist gegenwärtig ein unerfreulicher Punkt unserer
Arbeit, der sich bald ändern und in den traditionellen
konsensbildenden Ansatz verwandeln muß, den wir
bei KSZE immer verfolgt haben und der aller Wahrscheinlichkeit nach Ergebnisse hervorbringen wird.

Um unsere Arbeit weiterhin effektiv leisten zu können,
müssen wir innovative Arbeitsmethoden einführen, die
der neuen politischen Situation in Europa gerecht
werden. Wir sollten uns mit der größtmöglichen Flexibilität, die sich mit unseren nationalen Sicherheitsinteressen vereinbaren läßt, an den Verhandlungstisch
setzen, und wir sollten uns alle verantwortungsbewußt
für ein Ergebnis einsetzen, das dem KSZE-Prozeß
zum Vorteil gereicht. Wenn unsere Spitzenpolitiker zu
einem KSZE-Gipfel zusammentreten, dann weil sie
ihrem gemeinsamen Interesse Ausdruck verleihen
wollen, KSZE zu einem echten Rahmen für die Zukunft
Europas zu machen. Unsere Herausforderung wird
darin bestehen, daß dieses Forum aus 35 unterschiedlichen, unabhängigen Ländern einen ernsthaften Beitrag zur Rüstungskontrolle leisten kann, der den heute
in Europa stattfindenden historischen Veränderungen
Rechnung trägt.

Drittens wäre ich nachlässig, würde ich nicht darauf
hinweisen, daß es über den Rahmen dieses KSZEForums hinausgehende übergreifende politische Probleme gibt, die als Damoklesschwert über uns schweben. Diese Probleme könnten einen dunklen Schatten
Sicherlich stellen die ersten vereinbarten Textentwürfe auf die Zukunft dieser Verhandlungen und alle anderen
ein weiteres Ergebnis dar, und unsere Kollegen in den Aspekte der Ost-West-Beziehungen in Europa werArbeitsgruppen - denen die Hauptlast dieser Verhand- fen. Wir hoffen, daß diese Probleme durch friedliche
lungen aufgebürdet wird - verdienen Anerkennung für Verhandlungen und ohne Einsatz von Gewalt gelöst
ihre großen Anstrengungen. Die bis jetzt erarbeiteten werden können, um diese möglichen negativen ImpliTexte gehen natürlich noch nicht auf die schwierigsten kationen zu vermeiden.
Probleme ein, aber diese Konferenz, bei der Entwürfe
auf den Weg gebracht wurden, hat bemerkenswerte Herr Vorsitzender, aus meinen Ausführungen sollte
Erfolge erzielt, und wir sollten in dieser Richtung wei- klar geworden sein, daß meine Delegation ein Arbeitsprogramm für unsere Verhandlungen prognostiziert,
termachen.
das die Vorbereitung eines aussagekräftigen DokuSchließlich bin ich der Meinung, wir können jetzt ein ments zur Verabschiedung vor einem möglicherweise
neuerwachtes Interesse an solch echten Fortschritten dieses Jahr stattfindenden KSZE-Gipfel vorsieht. Wir
erkennen. Dies trägt der Tatsache Rechnung, daß es erwarten ebenfalls die Fortführung dieser Verhandlunnunmehr unsere Pflicht ist, ein aussagekräftiges gen, damit ein zweites VSBM-Dokument vor dem
Dokument für einen möglichen Gipfel zu erarbeiten, Folgetreffen in Helsinki 1992 erarbeitet werden kann.
und wir sollten uns der Tatsache bewußt werden, daß Das ist ein ehrgeiziges Programm, das in den komdie uns zur Verfügung stehende Zeit jeden Tag kürzer menden Monaten unsere gebündelte Energie verlangt.
wird.

Zweitens sind wir uns bewußt, daß der Wunsch nach
Fortschritten zu einem aussagekräftigen gemeinsamen Dokument noch vor einem möglichen KSZEGipfel zwar weitverbreitet, aber nicht überall vorhanden ist. Es scheint Delegationen zu geben, die diese

* *

Seite 2

* *

AMERIKA DIENST 17

�WELTWIRTSCHAFT
2. Mal 1990

VEREINIGTE STAATEN SCHLAGEN ZIELE FÜR
UNO-GENERALVERSAMMLUNG VOR
Botschafter Pickering über wirtschaftliche Zusammenarbeit
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Dem US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Thomas Pickering, zufolge
engagieren sich die Vereinigten Staaten "stark für die Förderung marktwirtschaftlicher Reformen auf der ganzen
Welt", weil sich diese bei der Steigerung von Wachstum und Entwicklung als nützlich erwiesen haben.
Pickering erklärte am 25. April 1990 vor der Sondersitzung der Generalversammlng über internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, als ersten Schritt in Richtung auf eine schnellere Wirtschaftsentwicklung müßten
die Regierungen der Entwicklungsländer eine angemessene Wirtschaftspolitik verfolgen. Er verwies jedoch auch
darauf, daß die Industrieländer zu dieser Entwicklung beitragen müssen, indem sie das Weltwirtschaftswachstum ankurbeln, den Handel ausbauen, die Bedürfnisse der Entwicklungsländer berücksichtigen und sich an
Bestrebungen beteiligen, um "mittels eines vernünftigen und verantwortungsbewußten Dialogs Vorteile für beide
Seiten zu erzielen".
Die Vereinigten Staaten müssen ihm zufolge bei der Sondersitzung "drei konkrete Ziele" verfolgen - aus den
Veränderungen und Lektionen der jüngsten Vergangenheit die richtigen Schlußfolgerungen für die unmittelbare
Zukunft ziehen, eine Reihe von Themen formulieren, die den Vereinten Nationen bei der Förderung von
Wirtschaftswachstum und Entwicklung in den Entwicklungsländern als Leitlinie dienen können undeine Erklärung
verabschieden, die als Richtlinie für eine Reihe von bevorstehenden UNO-Konferenzen über Entwicklungspolitik
dient.
Nachfolgend veröffentlichen wir Pickerings Rede im Wortlaut:

Herr Präsident, "Manchmal muß man wie ein Ökonom
denken".
Mit diesen Worten hat uns ein renommierter amerikanischer Politiker daran erinnert, daß Wunschvorstellungen kein Ersatz für Entscheidungen sein können,
und daß Wünschen Taten folgen müssen, wenn sie
verwirklicht werden sollen.
Es klingt etwas abgedroschen, wenn jetzt noch darauf
verwiesen wird, daß wir uns an einem Wendepunkt der
Geschichte befinden. Wir sind uns der überwältigenden und dramatischen Veränderungen bewußt, die
überall auf der Welt erfolgen. Diese Umwälzungen
beschränken sich nicht auf Osteuropa. Sie betreffen
sowohl die Neubelebung der Volkswirtschaften als
auch die Umgestaltung der politischen Systeme. Die
Veränderungen werden von dem Grundgedanken
geleitet, daß das bisherige Machtmonopol einer regierenden Elite jetzt einem bescheideneren Konzept von
Zielen und Aufgaben des Staates weichen mu ß. Infolge dessen dürfen Einzelpersonen und private Grup-

AMERIKA DIENST 17

pen nunmehr Eigeninititive entwickeln und erhalten die
Gelegenheit zu Vorschlägen, Kreativität, Innovationen
und Führungsaufgaben.
Diese Veränderungen und die damit einhergehenden
Tendenzen und Kräfte haben uns an einem entscheidenden Wendepunkt zusammengeführt. Wenn wir die
jüngsten Entwicklungen aufgreifen, können wir eine
sehr viel produktivere Tagesordnung für kontinuierliches und dauerhaftes Wirtschaftswachstum ausarbeiten. Diese einmalige Gelegenheit hat auch Bedeutung
für die Vereinten Nationen. Sie liefert den Grund für die
heutige aktive und starke Beteilung der amerikanischen Delegation.
Im Laufe dieser Sondersitzung hat die Generalversammlung Gelegenheit, allgemeine Themen der internationalen wirtschaftlichen Zusmmenarbeit in den
neunziger Jahren aufzugreifen. Diese Themen können der Arbeit der Vereinten Nationen als Leitlinie
dienen und insbesondere die Bestrebungen der Zweiten UNO-Konferenz über die ärmsten Entwicklungs-

Seite 1

�länder, die Vorbereitung einer Internationalen Entwicklungshilfestrategie und die Arbeit von UNCTAD
VIII unterstützen.

men auf der ganzen Welt, weil diese Reformen bei der
Steigerung von Wachstum und Entwicklung funktioniert haben und ihren Wert behalten werden.

Die grundlegenden Punkte des Gesamtkonzepts liegen bereits fest:

Nationale wirtschaftspolitische Maßnahmen

1.

Eine von vielen Parteien getragene Demokratie
auf der Basis freier, regelmäßiger und fairer
Wahlen.

2.

Rechtsstaatlichkeit und Beachtung der Gesetze
bei gleichzeitiger Wahrung der Menschenrechte und einem effektiven, allgemeingültigen und
fairen Rechtssystem.

3.

Wirtschaftliche Aktivitäten, die das Recht des
Arbeitnehmers auf Gründung und Beteiligung
an Gewerkschaften berücksichtigen und weder
Zwangsarbeit gestatten noch Diskriminierung
von Arbeitnehmern aufgrund ihres Geschlechts,
ihrer Herkunft, Religion oder politischen Anschauung zulassen.

4.

Freie, offene und wettbewerbsfähige Marktwirtschaften, in denen sich Preise durch Angebot
und Nachfrage regeln.

5.

Unbehinderter Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Einzelpersonen und Unternehmen auf den Binnen- und Auslandsmärkten, wobei direkte Kontakte zwischen Verbraucher und Händler erwünscht sind und ermutigt
werden.

6.

Volle Anerkennung und Schutz der Rechte des
Bürgers auf den Erwerb und Besitz von Eigentum, auch geistigem Eigentum.

7.

Nationale wirtschaftliche Ziele, die sich auf
Produktivität statt auf Produktion als Selbstzweck stützen.

8.

Eine gesunde und durchdachte nationale Finanz- und Währungspolitik.

9.

Internationale und innenpolitische Verfahren zur
Erweiterung des freien und offenen Handels,
des freien Flusses von Investitionsfonds und
anderem Kapital und der uneingeschränkten
Fähigkeit zum Transfer von Kapital und Gewinnen mit konvertierbaren Währungen.

Der Lauf der Ereignisse in den vergangenen Jahren
hat uns vor Augen geführt, daß es diese Ideen sind, die
eine wertvolle und nützliche Leitlinie für die Zukunft
bieten. Und es ist kein Zufall, daß diese Ideen wiederum eng mit grundlegenden Werten wie Menschenrechten, menschlicher Vielfalt und Hoffnungen des
einzelnen verknüpft sind.
Aus diesen Gründen engagiert sich die US-Regierung
stark für die Förderung marktwirtschaftlicher Refor-

Seite 2

Wir sind der Ansicht, daß Volk und Regierung jedes
Landes große Verantwortung für eine erfolgreiche
Entwicklung tragen. Entwicklung hängt zum Großteil
von nationalen Entscheidungen und innenpolitischen
Bemühungen ab - dem Wunsch und der Fähigkeit,
Reformen und andere Maßnahmen durchzuführen,
die zur Förderung ausgewogenen und dauerhaften
Wachstums nötig sind.
Der erste Schritt zur Ankurbelung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung besteht darin, daß jedes
Land geeignete wirtschaftspolitische Maßnahmen
einführt. Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß
Bemühungen dieser Art in vielen Fällen erhebliche
Anpassungen und Reformen erfordern werden. Diese
Veränderungen sind in der Tat die Grundvoraussetzung für die Wiederbelebung der Volkswirtschaften
und die Verbesserung des Lebensstandards in den
Entwicklungsländern. Daneben bekommen sie aufgrund der weltweiten Konkurrenz der Entwicklungsländer um die Vergabe öffentlicher und privater ausländischer Ressourcen einen zunehmend wichtigen
Stellenwert.

4

j

Für diejenigen Entwicklungsländer, die mit binnenwirtschaftlichen Problemen und einer hohen Außenverschuldung zu kämpfen haben, werden makroökonomische Reformen - insbesondere eine solide HaushaltsGeld- und Währungspolitik - weiterhin von entscheidender Bedeutung sein.
Dies allein reicht jedoch nicht aus. Maßnahmen auf
der Angebotsseite, die den Abbau von Verkrustungen
zum Ziel haben, funktionierende Märkte bewirken und
die Produktion steigern ,sind unerläßlich, um Anpassung mit Wachstum zu verbinden. Eine Politik der
Liberalisierung des Handels, Reformierung der Arbeitsmärkte, Entwicklung der Finanzmärkte und Privatisierung von Staatsunternehmen gestattet es dem
Privatsektor, zur Erhöhung von Beschäftigungsstand
und Effizienz beizutragen. Mit Maßnahmen, die zur
Mobilisierung von Ersparnissen und zur Ermutigung
neuer Investitionen beitragen und die Rückkehr von
Fluchtkapital fördern, können die erforderlichen Mittel
aufgebracht werden, um Wirtschaftswachstum anzukurbeln und aufrechtzuerhalten.
Die Vereinigten Staaten tragen der Tatsache Rechnung, daß nationale wirtschaftspolitische Maßnahmen
allein nicht ausreichend sind. Ebenso wichtig ist das
internationale ökonomische Umfeld. In dieser Hinsicht
tragen die entwickelten Staaten eine besondere Verantwortung. Insbesondere die führenden Industriestaaten müssen dauerhaftes weltweites Wirtschaftswachstum und den Ausbau des Welthandels fördern.

AMERIKA DIENST 17

1

�Dabei müssen sie auf die Bedürfnisse der Entwicklungsländer eingehen und eine aktive Partnerschaft in
einem internationalen Klima bewahren, das auf allseitige Vorteile durch einen vernünftigen und verantwortungsvollen Dialog ausgerichtet ist.
Sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern ist die Aufgabe, geeignete nationale wirtschaftspolitische Maßnahmen zu formulieren und zu
verwirklichen, heute schwieriger und komplexer als in
der Vergangenheit. Grenzüberschreitende Probleme
wie Terrorismus und Drogenhandel sind negative
Erscheinungen, die Wirtschaftswachstum und -entwicklung belasten. Die Notwendigkeit von Schutz und
Wiederherstellung unserer gefährdeten Umwelt bedeutet weitere Kosten und Einschränkungen. Die
internationale Staatengemeinschaft muß sich ferner
Fragen in Zusammenhang mit dem Technologietransferwidmen, darunter dem Schutz von Urheberrechten,
Warenzeichen und anderen Formen geistigen Eigentums. Neue Methoden der regionalen politischen und
wirtschaftlichen Zusammenarbeit können der Behandlung dieser Probleme förderlich sein.
Dieses Geflecht von Wachstum und Wandel gibt zu
komplexen Besorgnissen Anlaß, zu deren Ausräumung wir beitragen wollen. Die Vereinigten Staaten
streben die Zusammenarbeit mit anderen Regierungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Vereinten Nationen an. Wir sind uns bewußt, daß alle
Regierungen - und hier spielen die Vereinigten Staaten
eine herausragende Rolle - für die dauerhafte internationale Wirtschafsentwicklung Verantwortung tragen.
Wir nehmen diese Verantwortung ernst und sind bestrebt, ihr gerecht zu werden.
Die äußere Verschuldung
Unsere anhaltenden Bemühungen zur Bewältigung
des Schuldenproblems der Entwicklungsländer spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Auf
Initiative der Vereinigten Staaten hat die internationale
Staatengemeinschaft unlängst die Schuldenstrategie
verstärkt, die sich besonders auf die Reduzierung von
Schulden und Schuldendienst durch die Geschäftsbanken stützt, um den finanzpolitischen Bedürfnissen
der Länder gerecht zu werden.
Letztlich besteht unser Ziel darin, Wirtschaftswachstum und -entwicklung auf Dauer zu unterstützen und
den Zugang zu den privaten Kapitalmärkten wiederherzustellen. Die verstärkte Schuldenstrategie hat
folgende Hauptziele:
Wiederbelebung der Hoffnung in den verschuldeten Ländern und Stärkung ihres Engagements für Wirtschaftsreformen.
Ermutigung der Geschäftsbanken zur Reduzierung von Schulden und Schuldendienst als ein
Mittel, um diese Reformbestrebungen zu unterstützen.
AMERIKA DIENST 17

Vertrauensbildung in den verschuldeten Ländern, um auf diesem Weg Investitionen und die
Rückkehr von Fluchtkapital zu ermutigen.
In Zusammenhang mit diesem Ansatz haben die
Regierungen der Gläubigerstaaten ihr Engagement
erneuert, um die Bemühungen der Schuldnerländer
durch Beiträge von IWF und Weltbank, anhaltende
Exportfinanzierung und den Abbau bilateraler Schuldenverpflichtungen durch Umschuldungsmaßnahmen
des Pariser Clubs zu unterstützen.
Mexiko, Chile, die Philippinen, Costa Rica, Venezuela
und Marokko haben sich die Vorteile dieser Strategie
bereits zunutze gemacht. Wir erwarten, daß andere
Länder denselben Weg beschreiten werden. Die bis
zum jetzigen Zeitpunkt zwischen Schuldnerländern
und Geschäftsbanken erzielten Vereinbarungen verdeutlichen, wie flexibel diese Strategie auf die Erfordernisse eines breiten Spektrums von Schuldnerländern eingeht. Darüber hinaus weisen sie auf erhebliche potentielle Vorteile sowohl bei der Reduzierung
der Schuldenlast als auch bei der wirtschaftlichen
Wiederbelebung der Schuldnerländer hin.
Ferner wurde eine Reihe von Schritten in die Wege
geleitet, um die Schuldenlast für diejenigen der ärmsten Staaten zu verringern, die solide wirtschaftliche
Reformprogramme eingeführt haben. Dazu gehören
besondere Umschuldungsprogramme des Pariser Clubs
und bilaterale Vereinbarungen über den Erlaß von
Schulden. Als Teil dieser Bemühungen sind die Vereinigten Staaten im Begriff, Kredite im Gesamtumfang
von 850 Millionen Dollar abzuschreiben, die als Wirtschaftshilfe an 14 afrikanische Staaten südlich der
Sahara vergeben wurden, da in diesen Ländern Wirtschaftsreformen durchgeführt werden. Schließlich
stellt auch die Internationale Entwicklungsorganisation heute Mittel zur Verfügung, um die Verschuldung
dieser Länder gegenüber Geschäftsbanken in den
Griff zu bekommen.
Wir gehen davon aus, daß diese Bemühungen zur
Bewältigung des Schuldenproblems vernünftige Ergebnisse und weitere Fortschritte zeitigen werden.
Parallel zu unseren Anstrengungen im Bereich der
Verschuldung stützen wir uns weiterhin auf unser
Entwicklungshilfeprogramm, um Wachstum und Entwicklung wiederzubeleben.
Entwicklungshilfe
Die Bilanz der langfristigen Bereitstellung öffentlicher
und privater Hilfe durch die Vereinigten Staaten und
andere Industriestaaten kann sich sehen lassen. Mit
Beiträgen in Höhe von 212 Milliarden Dollar von 1945
bis 1988 standen wir bei der Vergabe von Wirtschaftshilfe weltweit an erster Stelle.
Die amerikanische Entwicklungshilfe verfolgt drei
grundsätzliche Ziele:

Seite 3

�1.

Beitrag zu dauerhaftem Wirtschaftswachstum
in den Entwicklungsländern auf breiter Grundlage.

2.

Hilfe bei der Entwicklung von Humanressourcen mit Schwerpunkt auf Schaffung eines Gesundheits- und Bildungsniveaus, das es den
Bürgern erlaubt, zum wirtschaftlichen Fortschritt
beizutragen und davon zu profitieren.

3.

Ermutigung pluralistischer Werte, darunter die
Förderung von Wettbewerb, Freiheit und Demokratie in den gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Institutionen eines Landes.

Im bilateralen Bereich ist die amerikanische Hilfe auf
die Bedürfnisse und Bedingungen jedes einzelnen
Landes zugeschnitten. Sie bedient sich dabei eines
breiten Spektrums praktischer Ansätze und spezifischer Maßnahmen. Das ist deshalb der Fall, weil die
generelle Notwendigkeit solider wirtschaftspolitischer
Maßnahmen uns kein detailliertes, weltweites Patentrezept für Entwicklung liefert. Erfolg läßt sich aber
auch nicht anhand von global formulierten, begrenzten
Zielen messen.
Neben dem regulären amerikanischen Wirtschaftshilfeprogramm werden die Bemühungen meiner Regierung von einer Reihe äußerst wichtiger Hilfsmaßnahmen für sich entwickelnde Volkswirtschaften ergänzt:
das Bilaterale Investitionsvertragsprogramm, die Initiative für das Karibische Becken, die Private Entwicklungsgesellschaft (OPIC), um nur einige Beispiele zu
nennen. Im Rahmen der Uruguay-Runde streben wir
eine Ausweitung des Welthandels und seiner Vorteile
auf die Entwicklungsländer an. Mit unseren Beiträgen
zu IWF, Weltbank und regionalen Entwicklungsbanken erweitern wir unser Engagement für die Entwicklungshilfe, indem wir uns mit anderen Ländern auf der
ganzen Welt zur Förderung von Wachstum und Entwicklung zusammenschließen.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß trotz
der in einzelnen Ländern erzielten wichtigen Erfolge
nicht überall Fortschritte stattgefunden haben oder
vollzogen sind. Dennoch vertreten wir die Meinung,
eine Fortsetzung der entwicklungspolitischen Debatten der vergangenen dreißig Jahren wäre nicht konstruktiv.
Die Vorteile der effektiven Kanalisierung von Marktkräften sollten für uns ebenso auf der Hand liegen wie
die Vorzüge von Demokratie und freier Marktwirtschaft. Die Vereinigten Staaten setzen sich für die
aktive Beteiligung an dem Dialog ein, mit dem diese
zusammenhängenden Konzepte gefördert werden
sollen, und das ist ein wichtiger Grund für die heutige
Teilnahme meiner Delegation.
*

Seite 4

*

Die Vereinigten Staaten haben drei Zielsetzungen für
diese Sondersitzung der Generalversammlung:
Erstens sollte die Sondersitzung auf die Veränderungen und Lektionen der jüngsten Vergangenheit eingehen und daraus angemessene
Schlußfolgerungen für die unmittelbare Zukunft
ziehen.
Zweitens sollte die Sondersitzung eine Reihe
von Zielsetzungen formulieren, die den Vereinten Nationen bei der Förderung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung in der dritten Welt
als Leitlinie dienen können.
Drittens sollte die Sondersitzung eine Erklärung
verabschieden, die als Richtlinie für eine Reihe
anstehender UNO-Konferenzen über Entwicklungspolitik dient.
Diese Ziele können die Initiative freier Völker auf der
ganzen Welt fördern und inspirieren. Wir wollen eine
beschleunigte und dauerhafte Entwicklung aller Länder im Kontext einer stabilen Weltwirtschaft. Wir
wollen nicht, daß politische Rechte und soziale Errungenschaften einer Theorie zum Opfer fallen müssen,
die dafür fälschlicherweise materiellen Ausgleich verspricht. Es wäre grundfalsch, einen solchen Handel zu
befürworten. Bestrebungen zur Verbesserung des
materiellen Wohlstands können nicht zum Erfolg führen, wenn sie politische Rechte und soziale Errungenschaften mißachten.
Unserer Ansicht nach kann die Sondersitzung diese
Ziele erreichen, indem sie Lehren aus den Erfahrungen der Vergangenheit zieht, ihre Wahl zwischen
funktionierenden und unbrauchbaren Ideen trifft und
an die Fähigkeit des Menschen als Individuum und
Mitglied freier Gesellschaften appelliert, sein Leben
und seine Taten zum Vorteil aller einzusetzen.
In dieser Woche haben wir Ihre Meinungen gehört und
davon profitiert. Dies ist eine Welt, in der die nationalen
Volkswirtschaften zunehmend interdependent sind.
Auf der ganzen Welt hegen immer mehr Menschen die
gleichen Hoffnungen. Das Problem der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und die Neubelebung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung in
der dritten Welt sind viel zu wichtig, als daß man sie mit
Ideologien befrachten oder mit Rhetorik zuschütten
könnte. Unserem gemeinsamen Einsatz für die Wirtschaftsentwicklung ist am besten gedient, wenn wir
unsere jeweiligen Meinungen respektieren und gemeinsam verantwortungsbewußte und konsensfähige
Lösungen erarbeiten. Dies ist sicherlich das Ziel
meiner Delegation und meiner Ansicht nach ein Ziel,
dem wir uns alle verschreiben müssen.

*

*

AMERIKA DIENST 17

�TERRORISMUS
2. Mal 1990

1989 STARKER RÜCKGANG DES TERRORISMUS
Bericht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Dem Jahresbericht des US-Außenministeriums an den Kongreß zufolge hat sich die
Zahl der internationalen Terroranschläge 1989 erheblich vermindert.
Der am 30. April 1990 veröffentlichte Bericht "Patterns of Global Terrorism" verweist darauf, daß die Anzahl der
von Terroristen verübten Attentate von 856 im Jahr 1988 auf 528 im vergangenen Jahr abgenommen hat.
Trotz des Rückgangs der Anschläge um nahezu 38 Prozent hat der Terrorismus im Nahen Osten um 45 Prozent
zugenommen.
Obwohl die Zahl der Terroranschläge auf die Vereinigten Staaten und der Todesfälle 1989 abgenommen hat,
"waren amerikanische Interessen weiterhin häufigste Zielscheibe des internationalen Terrorismus", heißt es in
dem Bericht.
Der Bericht führt aus, daß die Zahl der von bestimmten Länder gesteuerten terroristischen Übergriffe 1989 stark
abgenommen hat. Den größten Anteil (dieser Kategorie) hat dabei Kabul, das seine Bombenanschläge in
Pakistan nach dem Abzug der sowjetischen Truppen offensichtlich verringert hat.
"Trotz des Rückgangs internationaler Terroranschläge im Jahr 1989 können Terroristen Gewaltanwendung,
insbesondere gegenüber den Vereinigten Staaten, potentiell steigern," schreibt der Bericht.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel "Das Jahr im Rückblick" (The Year in Review) im Wortlaut.

Der Umfang des internationalen Terrorismus ist gegenüber 1988 im Jahr 1989 weltweit stark zurückgegangen, was mit 856 Anschlägen im Jahr 1988 gegenüber 528 (1989) einer Verringerung der Anschläge um
38 Prozent entspricht. Die meisten terroristischen
Übergriffe finden nach wie vor im Nahen Osten statt,
das heißt insgesamt 193 Anschläge, 37 Prozent aller
Übergriffe weltweit. Der Anteil der dem Nahen Osten
zugeschriebenen Aktionen erhöht sich allerdings auf
45 Prozent, wenn man die von dort gesteuerten Anschläge in anderen Regionen hinzurechnet. Die Zahlen betragen für 1988 jeweils 36 Prozent und 41
Prozent. Lateinamerika nimmt mit 131 Anschlägen
oder 25 Prozent den zweiten Platz ein. Westeuropa
steht mit 96 Anschlägen an dritter Stelle. Angesichts
des Rückgangs der von Afghanistan gesteuerten
Übergriffe auf Pakistan fiel Asien mit 55 Anschlägen
auf den vierten Platz. Afrika stand mit 48 Fällen an
fünfter Stelle. Vier Anschläge internationaler Terroristen fanden in Nordamerika statt.
In den vergangenen Jahren wurden die Gewalttaten
der Palästinenser gegen ihre Landsleute in den besetzten Gebieten in die Statistik des internationalen
Terrorismus einbezogen, weil Palästinenser als staaAMERIKA DIENST 17

tenlos gelten. Das führte dazu, daß solche Zwischenfälle anders bewertet wurden als Konflikte innerhalb
einzelner Volksgruppen in anderen Teilen der Welt.
Infolge einer eingehenden Prüfung der Kämpfe unter
Palästinensern werden diese in der Statistik der USRegierung über internationalen Terrorismus nicht mehr
berücksichtigt. Dieses neue Konzept der Statistiken
von 1989 gewährleistet ihre Präzision und Zuverlässigkeit. Gewalt unter Palästinensern bleibt jedoch ein
ernstliches Problem.
Ein Anschlag wurde im Laufe des Jahres aus Osteuropa gemeldet, sowjetische und osteuropäische Interessen wurden jedoch auch in anderen Teilen der Welt
angegriffen.
Mehrere Faktoren führten zum Rückgang des internationalen Terrorismus:
Die afghanische Regierung reduzierte ihre terroristischen Übergriffe auf Pakistan nach dem
Abzug der sowjetischen Truppen.
Jassir Arafats Absage an den Terrorismus führte zu einem starken Rückgang der Operationen
von Sympathisanten der PLO.
Seite 1

�Differenzen innerhalb der Gruppe Abu Nidal
(ANO) - früher eine der aktivsten terroristischen
Vereinigungen - und ihre Konzentration auf Auseinandersetzungen zwischen Milizen im Libanon führten zu einem Rückgang der Operationen dieser Gruppe.
Eine Reihe von Ländern, die in den Terrorismus
verwickelt waren, wie etwa Libyen und Syrien,
wollten nicht mehr fortwährend als Sponsoren
des Terrorismus betrachtet werden und haben
ihre Unterstützung eingeschränkt. Einzig der
Iran bildete bei dieser Tendenz die Ausnahme.
Zum Teil infolge innenpolitischer Probleme und
verbesserter Methoden der Terrorismusbekämpfung konzentrierten sich viele terroristische
Vereinigungen auf den Aufbau ihrer weltweiten
Infrastruktur, um in Zukunft Anschläge ausführen zu können.
Die Fähigkeiten zur Terrorismusbekämpfung
sind in den meisten Teilen der Welt verbessert
und die Kooperation zwischen den Regierungen
ist verstärkt worden.
Es gab lediglich einen "spektakulären" internationalen
Terroranschlag im Jahr 1989 - der Bombenanschlag
auf eine Maschine der UTA über Niger am 19. September. Bei diesem Anschlag kamen 171 Menschen ums
Leben, und es gab damit die meisten Toten bei einem
einzigen Anschlag in diesem Jahr. Die Verantwortlichen konnten bis heute nicht ermittelt werden. "Spektakuläre" Terroranschläge werden wohl seltener werden, da Terroristen zunehmend einzusehen scheinen,
daß sie ihre Ziele nicht mit Flugzeugentführungen
erreichen können und daß solche Anschläge immer
schwieriger werden. Darüber hinaus konzentrieren
Gruppen, die zu solchen Operationen am ehesten in
der Lage waren, ihre Energie auf andere Dinge.
Die Schilderung der angeblichen Exekution vom Oberst
der US-Marineinfanterie, William R. Higgins, machte
am 31. Juli Schlagzeilen und führte zur weltweiten
Verurteilung der verantwortlichen Terroristen, hinter
denen der Iran stand. In anderen Teilen der Welt sind
die kolumbianischen Drogenhändler wahrscheinlich
für verschiedene Terroranschläge verantwortlich, um
ihre kriminellen Ziele zu erreichen. Dafür ist der
Bombenanschlag auf einen Avianca-Flug aus Bogota,
bei dem alle 111 Passagiere ums Leben kamen,
möglicherweise ein Beispiel.
Bei den im Jahr 1989 verzeichneten 528 terroristischen Anschlägen wurden 390 Menschen getötet und
397 verletzt. 14 Terroristen wurden getötet und 23
verwundet. Der Unterschied zum Jahr 1988, als 638
Menschen getötet und 1 125 verletzt wurden, ergibt
sich aus diesem Rückgang in der Zahl der Anschläge.
Im Jahr 1988 waren 22 Terroristen getötet und sechs
verletzt worden. Der Anschlag auf Flug 772 der

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französischen Gesellschaft UTA war ein Beispiel für
die steigende Zahl von Opfern in Afrika, wo die Gesamtzahl von 125 Toten und 130 Verletzten im Jahr
1988 auf 269 Tote und 39 Verletzte im Jahr 1989 stieg.
Infolge des reduzierten afghanischen Engagements in
Pakistan wurde in Asien der stärkste Rückgang der
Opferzahl verzeichnet. Im Vergleich zu 1988, als die
Zahl der Toten 156 und die der Verwundeten 599
erreichte, wurden im Jahr 1989 57 Personen getötet
und 153 verletzt. Im Jahr 1989 wurden im Nahen
Osten 29 Personen von Terroristen getötet und 111
verletzt. In Lateinamerika wurden 21 Personen getötet
und 73 verletzt. Die Zahl der Toten und Verletzten in
Westeuropa betrug 14, beziehungsweise 21.
Die Zahl der gegen die Vereinigten Staaten gerichteten terroristischen Anschläge ging im Jahr 1989 im
Vergleich zu 1988 zurück. Dennoch waren amerikanische Interessen weiterhin häufigste Zielscheibe des
internationalen Terrorismus. Im Jahr 1988 waren 193
Anschläge gegen die Vereinigten Staaten verübt worden, während diese Zahl im Jahr 1989 um 15 Prozent
auf 165 zurückging. Auch die Zahl amerikanischer
Opfer ging von 192 Toten und 40 Verletzten im Jahr
1988 auf 16 Tote und 19 Verletzte im Jahr 1989 zurück.
Diese Abnahme ist vornehmlich darauf zurückzuführen, daß kein Anschlag mit einer großen Zahl von
Opfern verübt wurde, wie dies im Jahr 1988 beim
Bombenanschlag auf Flug 103 der Pan Am geschehen
war. Die größte Zahl von Anschlägen - etwa 64
Prozent - fand in Lateinamerika statt, wo die meisten
Vorfälle in Bombenanschlägen gegen teilweise in
amerikanischem Besitz befindliche Öl-Pipelines bestanden. Nahezu 14 Prozent der antiamerikanischen
Anschläge fanden in Asien, 13 Prozent in Westeuropa,
5 Prozent im Nahen Osten und 1 Prozent in Afrika statt.

International operierende Terroristen führten in 60
Ländern Anschläge auf Personen und Sachwerte von
74 Staaten aus. Die Vereinigten Staaten waren häufigste Zielscheibe dieser Anschläge, gefolgt von Israel.
Da die Sicherheitsmaßnahmen für staatliche Einrichtungen und Personen ständig verstärkt werden, wurden die meisten terroristischen Anschläge - 75 Prozent
der weltweiten Gesamtzahl - auf Unternehmen, Touristen und andere nichtstaatliche Ziele verübt. Anschläge auf internationale Organisationen und staatliche
Ziele gingen auf einen Anteil von 19 Prozent an der
Gesamtzahl zurück. Anschläge auf unbeteiligte militärische Ziele nahmen geringfügig zu, auf 41 von 38 im
Jahr 1988, während im Jahr 1987 noch 88 Anschläge
dieser Art verübt worden waren.
Nach Anschlagtyp aufgegliedert, trat wiederum das
bekannte Muster an den Tag. Terroristen verübten am
häufigsten Bombenanschläge (44 Prozent), gefolgt
von Brandanschlägen (28 Prozent). Bei 14 Prozent
der Anschläge wurden Handfeuerwaffen benutzt. Die
Zahl der Entführungen ging geringfügig zurück und
betrug anteilmäßig etwa 5 Prozent. Ungefähr 44

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�Prozent der Entführungen fanden in Lateinamerika
statt, 19 Prozent im Nahen Osten.
Die Zahl der wahrscheinlich staatlich geförderten terroristischen Anschläge nahm 1989 ab. Es gab Beweise für 58 von staatlichen Stellen unterstützte Anschläge im Jahr 1989. Dies bedeutet gegenüber 1988 mit
176 Anschlägen dieser Art einen Rückgang von 67
Prozent. Diese Abnahme läßt sich teilweise darauf
zurückführen, daß eine Reihe von Staaten, die in der
Vergangenheit terroristische Gruppen unterstützten,
in der Lage waren, ihr Engagement wirksam zu verschleiern. Der Rückgang kam zum größten Teil dadurch zustande, daß Kabul nach dem Abzug der
sowjetischen Truppen offensichtlich seine Kampagne
von Bombenanschlägen in Pakistan einschränkte. Eine
iranische Beteiligung an Terroranschlägen wurde im
Jahr 1989 nicht mehr so häufig festgestellt. Es ist
jedoch zu vermuten, daß der Anstieg der Unterstützung terroristischer Aktivitäten in der zweiten Jahreshälfte eine Rückkehr zu einem verstärkten Engagement in dieser Hinsicht bedeutet. Libyen und Syrien
waren im Jahr 1989 nicht direkt in Anschläge verwikkelt, unterstützten jedoch weiterhin auf vielfältige Art
und Weise terroristischen Gruppen Unterstützung zur
Verfügung.
Im Jahr 1989 fanden 43 Aktionen nahöstlicher Terroristen außerhalb der Region statt, 1988 betrug diese
Zahl 45. Infolge dieser Anschläge wurden 1989 181
Personen getötet und 15 verletzt. 31 Anschläge
fanden in Westeuropa statt. Zehn Aktionen wurden in
Großbritannien verübt, zumeist Anschläge auf Buchläden und Unternehmen in Zusammenhang mit Salman
Rushdies Buch "Satanische Verse". Von den verbleibenden wurden sechs Anschläge in der Türkei, je vier
in Pakistan und Belgien und drei in den Vereinigten
Staaten verübt. Je 2 fanden in Österreich, Frankreich
und den Niederlanden statt, je einer in Afghanistan,
Kanada, Zypern, Griechenland, Italien, Niger, Senegal, Schweden, Thailand und der Bundesrepublik
Deutschland.

dung, insbesondere gegen die Vereinigten Staaten,
potentiell steigern. Auf den Philippinen scheinen Terroristen bereit zu sein, ihre Anschläge auf amerikanische Bürger auszuweiten, um den Druck auf die Vereinigten Staaten zu verstärken, ihre Truppen aus dem
Land abzuziehen. Abtrünnige Soldaten könnten aufgrund der amerikanischen Unterstützung für die Regierung Aquino während des fehlgeschlagenen Putschversuchs vom Dezember Vergeltung üben. In Lateinamerika könnten amerikanische Interessen in Panama
Ziel von unverbesserlichen Anhängern General Noriegas sein, und Radikale in der Region und anderen
Teilen der Welt könnten das militärische Eingreifen
Washingtons in Panama als Vorwand für neue Anschläge benutzen. Andere Entwicklungen in der Welt
könnten zu verstärkten terroristischen Operationen
führen. Rivalitäten zwischen Regierungen im Nahen
Osten - insbesondere zwischen Iran und Saudi-Arabien, was bereits zu einer Kampagne der Gewalt durch
den Iran geführt hat - und sich entwickelnde Bündnisse
zwischen nahöstlichen Unterstützern und Gruppen,
etwa zwischen dem Iran und der Volksfront für die
Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC)
und anderen radikalen Palästinensergruppen geben
besonders zu Besorgnis Anlaß. Ethnische Gruppen
im Kaukasus, Moldawien und anderen Gebieten der
Sowjetunion könnten zur Erreichung ihrer Ziele terroristische Methoden einsetzen. Dasselbe könnte auch
bei vielen Gruppierungen in ganz Osteuropa der Fall
sein. Exilgemeinden in Westeuropa und den Vereinigten Staaten könnten in die Unterstützung von Gewalttaten hineingezogen werden. Westeuropäische terroristische Gruppen bilden weiterhin eine starke Bedrohung. Baskische und nordirische Terroristen werden
ihre Operationsfrequenz kaum verringern, und andere
Gruppen, etwa die Rote Armee Fraktion (RAF) in der
Bundesrepublik Deutschland und die Revolutionäre
Organisation 17. November in Griechenland haben
ihre technischen Fähigkeiten ausgebaut. In der Türkei
scheinen innenpolitische Probleme eine Zunahme von
Gewalttaten durch Gruppen zu fördern, die über längere Zeit nicht in Erscheinung getreten sind.

Trotz des Rückgangs internationaler Terroranschläge
im Jahr 1989 können Terroristen die Gewaltanwen-

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