<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2141" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2141?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:50:23+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2152">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6aeea5e8cf1a64e24200fe6e25c2b942.pdf</src>
      <authentication>3984c373a065908e8d46c686bb0e4b02</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10825">
                  <text>cimcrikci
U. S. Information Service ^ 1 | # 5 P
Embassyofthe United States of America ^ J I W H I

i ^ ^ l
Ä ^

SP
&amp;

&lt; » * &gt;

v

9F&amp;
&amp;SP

25. April 1990

START

ERWEITERTE ABSCHRECKUNG
STABILISIERUNGSFAKTOR FÜR
OST-WEST-BEZIEHUNGEN
Rede von Botschafter Burt
zur Abrüstung

NST

DER STAND DER VERHANDLUNGEN
ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN
Botschafter Smith vor der Genfer
Abrüstungskonferenz

VERTEIDIGUNG

NUNN BEFÜRWORTET NEUE
MILITÄRISCHE STRATEGIE
Erklärung im Senat

UMWELT

US-INITIATIVEN ZUR BEKÄMPFUNG
WELTWEITER KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�START
25. April 1990

ERWEITERTE ABSCHRECKUNG
STABILISIERUNGSFAKTOR
FÜR OST-WEST-BEZIEHUNGEN
Rede von Botschafter Burt zur Abrüstung
GENF - (AD) - Dem Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST), Botschafter Richard Burt, zufolge wäre es ein "gravierender Fehler" anzunehmen, die Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) seien von den Ereignissen in Osteuropa eingeholt
worden.
"Es steht eindeutig fest, daß die Strategie der erweiterten Abschreckung eine stabilisierende Wirkung auf die OstWest-Beziehungen und den Weltfrieden gehabt hat", erklärte Burt vor der Genfer Abrüstungskonferenz am 19.
April 1990.
"Der Umbruch in der Sowjetunion und Osteuropa bietet zweifelsohne entscheidende neue Möglichkeiten zum
Abbau des Risikos eines Nuklearkriegs, aber wir müssen jede Modifizierung unserer bestehenden Strategie mit
konstruktiver Vorsicht angehen", stellte Burt fest.
Burt zufolge seien mit den Sowjets bedeutende Fortschritte in wesentlichen Punkten der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen erzielt worden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Burt im Wortlaut.

Vor acht Monaten habe ich hier gesprochen, um die
amerikanischen Ziele bei den START-Verhandlungen
zu erörtern - die Fertigstellung eines Vertrags, der den
Abbau strategischer Offensivwaffen und verbesserte
Stabilität vorsieht und damit das Risiko eines Kriegs
verringert. Damals habe ich gesagt, für Präsident
Bush stehe die Erlangung eines fairen und weitreichenden Abkommens, das den Frieden fördert, an
oberster Stelle der Prioritätenliste.
Seitdem hat sich vieles ereignet, mit dem diese Aussage untermauert werden kann:
Erstens sind die Präsidenten Bush und Gorbatschow in Malta zusammengekommen und
haben sich der Lösung vordringlicher Probleme
bei START bis zum nächsten Gipfeltreffen verpflichtet, das am 30. Mai in Washington eröffnet
wird.
Zweitens fand im Februar ein Treffen zwischen
Außenminister Baker und seinem sowjetischen
Amtskollegen in Moskau statt, um die in Malta
AMERIKA DIENST

16

definierten Ziele und Prioritäten voranzubringen. Im Hinblick auf START hat dieses Treffen
nicht nur zu einem detaillierten Gedankenaustausch, sondern auch zu Übereinstimmung in
einigen entscheidenden Bereichen geführt, auf
die ich in Kürze eingehen möchte.
Drittens haben wir mit den Sowjets Einigung
bezüglich einiger versuchsweise eingeführter
Verifizierungsmaßnahmen erzielt, die von Präsident Bush erstmals im vergangenen Juni vorgeschlagen worden waren. Sie werden sich
vielleicht erinnern, daß Präsident Bush im letzten Juni den Vorschlag unterbreitet hat, die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten
besondere Anstrengungen unternehmen, um
sich auf eine Reihe praktischer Verifizierungsmaßnahmen zu einigen und diese durchzuführen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die
Verifizierung eines START-Vertrags zu verbessern und zur strategischen Stabilität beizutragen. Mit diesen Maßnahmen wird beiden Seiten
Seite 1

�praktische Erfahrung in Verifizierungsverfahren
vermittelt.
Und viertens sind die Außenminister Baker und
Schewardnadse vor zwei Wochen erneut in Washington zusammengetroffen.
Obwohl die
Gespräche nicht zur vollständigen Zufriedenheit verlaufen sind, haben sich die Außenminister auf eine beeindruckende Tagesordnung mit
dem Ziel geeinigt, die umfangreiche Themenliste bis zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen zu bewältigen.
Als Ergebnis all dieser Einzelfaktoren sind bei den
Schlüsselproblemen bedeutende Fortschritte erzielt
worden, und die Verhandlungen haben eine ungeahnte Dynamik entwickelt. Als Beispiel für das Tempo
unserer Gespräche steht die Tatsache, daß ich seit
meiner Rückkehr aus Washington am Montag, dem
16. April bei sieben verschiedenen Gelegenheiten mit
meinem verehrten sowjetischen Amtskollegen, Juri
Nazarkin, zusammengetroffen bin.
Ich möchte nun kurz einige Bereiche erläutern, in
denen Fortschritte erzielt wurden sowie einige der
zusätzlich in Genf erörterten Themen aufgreifen.
Botschafter Smith wird den Stand der Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen im einzelnen erläutern. Ich möchte nur kurz erwähnen, daß die Sowjets
beim Ministertreffen in Wyoming zum Junktim einen
entscheidenden, positiven Schritt nach vorne gemacht
haben. Beim Moskauer Ministertreffen im Februar
haben die Sowjets ihre Position mit der Aussage
erläutert, auch wenn sie die Einbeziehung vereinbarter
Erklärungen über einen Abzug für den Fall, daß eine
Vertragspartei den ABM-Vertrag löst oder von ihm
zurücktritt, in den START-Vertrag bevorzugen würden, sei dies keine Voraussetzung für den STARTVertrag. Damit wird ein wesentliches Hindernis für ein
START-Abkommen aus dem Weg geräumt.
Die Frage von Verhandlungen nach START war für
Botschafter Nazarkin und mich ebenfalls ein vorrangiges Thema. Bei den Moskauer Gesprächen haben die
Außenminister Baker und Schewardnadse uns angewiesen, einen solchen Dialog in die Wege zu leiten.
Die Sowjets haben Vorschläge für diese Gespräche
unterbreitet - die von einigen bereits als NST II bezeichnet werden - obwohl die von solchen Verhandlungen erfaßten Einzelheiten bis zum jetzigen Zeitpunkt
noch unklar sind.
Die Frage der Marschflugkörper hat sich als äußerst
schwieriges und kontroverses Thema erwiesen. Beide Seiten haben beim Moskauer Ministertreffen große
Anstrengungen zur Lösung des Problems luft- und
seegestützter Marschflugkörper (ALCMs und SLCMs)
unternommen. Die Gespräche wurden in Genf und bei
den Washingtoner Gesprächen vergangene Woche
fortgesetzt. Obwohl neue Probleme aufgetreten sind,

Seite 2

hoffe ich, daß die noch bestehenden verfahrenstechnischen Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden können.
Bei ALCMs ist die Einigung auf ein Ansatzpaket in
greifbare Nähe gerückt, das Bestimmungen und Verfügungen zur Unterscheidung nuklearer und konventioneller ALCMs enthält. Die Frage der Obergrenze für
ALCM-Reichweiten steht an oberster Stelle der Problemliste, an deren Lösung wir arbeiten.
Darüber hinaus konnten mit der Einigung auf politisch
verbindliche Absichtserklärungen auch wichtige Einzelheiten für SLCMs geklärt werden. Solche Themen
wie SLCM-Reichweiten und ob sich die Erklärungen
nur auf nukleare oder auch konventionelle SLCMs
erstrecken, sind jedoch unter anderem noch offene
Fragen.
Bei zahlenmäßigen Obergrenzen für nichtstationierte
ballistische Raketen und den ihnen zugeordneten
Gefechtsköpfen haben sich beide Seiten in Moskau
darauf geeinigt, solche Obergrenzen nur bei mobilen
ICBMs einzuführen. Daher werden nichtstationierte,
silogestützte ballistische Raketen, nichtstationierte
Marschflugkörper und nichtstationierte schwere Bomber nicht zahlenmäßig begrenzt. Darüber hinaus
haben sich die Vertragsparteien auf ein Regime über
den Standort und die Verlagerung aller nichtstationierten ballistischen Raketen geeinigt. Die Einzelheiten
dieses Abkommens werden ebenfalls in Genf verhandelt.
Botschafter Nazarkin und ich haben dem Thema der
Offenlegung telemetrischer Daten während der Flugerprobung der von START erfaßten ballistischen
Raketen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Hierbei handelt es sich um den Verifizierungsbereich, der
bestimmen wird, ob ein START-Vertrag unsere Sicherheit und strategische Stabilität verbessert, indem
er Transparenz auf beiden Seiten fördert. Obwohl
noch einige entscheidende Fragen geklärt werden
müssen, haben wir uns auf die wesentlichen Elemente
eines Regimes zur Offenlegung solcher Daten geeinigt. Diese Bestimmungen werden in den STARTVertrag einbezogen und treten bei Vertragsunterzeichnung durch einen Briefwechsel in Kraft.
Beide Seiten haben auch in der Frage der Vertragsdauer beachtliche Fortschritte erzielt. Bei den Washingtoner Gesprächen haben sich die Vertragsparteien grundsätzlich darauf geeinigt, daß der STARTVertrag 15 Jahre lang in Kraft bleiben wird, es sei denn,
er wird durch ein späteres Abkommen ersetzt oder in
beiderseitigem Einvernehmen erweitert. Wir sind derzeit
in Genf mit der Ausarbeitung der weiteren Einzelheiten
befaßt.
Darüber hinaus arbeiten die Delegationen in Genf an
einer Reihe zusätzlicher, entscheidender Themen eher
technischer Art. Beispielsweise führen beide Seiten

AMERIKA DIENST 16

�intensive Gespräche über die Verifizierung mobiler
ICBMs, den Zeitplan der Reduzierungen sowie die
Zuordnung von Gefechtsköpfen für zukünftige Typen
ballistischer Raketen.
Seit der Eröffnung von Runde XIII Ende Januar haben
Botschafter Nazarkin und ich sowie unsere jeweiligen
Delegationen hart an der Vervollständigung des Vertragstexts und der Entwicklung konstruktiver Ideen
gearbeitet, die dem Wunsch unserer beiden Länder
nach Lösung der wesentlichen Fragen bis zum Gipfeltreffen im Juni Rechnung zu tragen.
Beim Ministertreffen in Washington haben Außenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse sich auf einen Themenkatalog geeinigt und
ihre Genfer Delegationen angewiesen, diesen nach
Möglichkeit bis zum Gipfeltreffen zu bewältigen. Es
steht wohl außer Frage, daß die wichtigsten zwei
dieser Themen die Nichtumgehung des Vertrags und
die Einzelheiten solider Verifizierungsregime sind, deren
Kernstück Vor-Ort-Inspektionen bilden.
Zum Thema Nichtumgehung führen Botschafter Nazarkin und ich derzeit die mit unseren Ministern in
Washington vergangene Woche aufgenommenen
Gespräche fort. Beide Seiten haben beachtliche Fortschritte in dieser Frage erzielt und Flexibilität an den
Tag gelegt.
Ein zweiter Problemkreis ist das Verifizierungsregime,
das beiderseitigem Einvernehmen zufolge einzigartige Inspektionsregelungen umfassen wird, die in der
Geschichte ihresgleichen suchen. Wenn Historiker
diesen Vertrag eines Tages analysieren werden, könnte der herausragendste Aspekt von START sehr wohl
in den bemerkenswerten Inspektionsverfahren bestehen, die wir eingeführt haben. Die Inspektoren werden
praktisch jede wichtige strategische Einrichtung der
anderen Seite besichtigen. Die Auswirkungen von
START auf Vertrauensbildung und militärische Transparenz zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion könnten tiefgreifend sein. Dieser vertrauensbildende und Transparenz schaffende Effekt von
START wird meines Erachtens die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern verbessern. Bis heute
sind etwa 13 verschiedene Arten von Inspektionen in
den Vertrag eingearbeitet worden.
In einigen Fällen haben Präsident Bushs versuchsweise eingeführte Verifizierungsmaßnahmen und entsprechende sowjetische Vorschläge mehrere Hindernisse aus dem Weg geräumt, insbesondere diejenigen, die Einigung aufgrund von Mißverständnissen
bezüglich Operationen und Verfahren verhinderten.
Im vergangenen September haben die Außenminister
Baker und Schewardnadse die erste dieser Maßnahmen verabschiedet - ein Abkommen über die Benachrichtigung größerer strategischer Übungen. Darüber
hinaus haben wir Einigung bezüglich anderer Maßnahmen erzielt. Verifizierung und Stabilitätsmaßnahmen

AMERIKA DIENST

16

für frühzeitige Inspektionen von Wiedereintrittsflugkörpern und die Vorführung schwerer Bomber sind zwei
dieser Schritte. Im Rahmen unseres Vorschlags zu
Inspektionen von Wiedereintrittsflugkörpern war beispielsweise vorgesehen, daß jede Seite die von ihr
vorgeschlagenen Inspektionsverfahren demonstriert,
um zu verifizieren, daß bestimmte Typen von ICBMs
und SLBMs nicht über mehr Wiedereintrittsflugkörper
verfügen, als die ihnen zugeordnete Zahl von Gefechtsköpfen. Die erste dieser versuchsweise eingeführten Inspektionen wird nächste Woche stattfinden,
wenn amerikanische und sowjetische Regierungsvertreter den Luftwaffenstützpunkt F.E. Warren in den
Vereinigten Staaten besichtigen werden, um die Zählverfahren für Gefechtsköpfe auf der PEACEKEEPERRakete in die Praxis umzusetzen.
Schließlich haben wir der jeweils anderen Seite Techniken zur eindeutigen Identifizierung von ballistischen
Raketen vorgeführt, das als "Tagging" bezeichnete
Verfahren. Experten aus beiden Ländern kommen
hier zusammen, um an dieser Übung teilzunehmen.
Kurz gesagt ist das "Tag" auf einer Rakete einem
Fingerabdruck vergleichbar, mit dem sichergestellt
wird, daß jede Rakete eindeutig identifiziert werden
kann.
Wie Sie sehen, haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen verwirklicht. Sie tragen zu einer maßgeblichen
Verbesserung von Transparenz und Berechenbarkeit
im Rüstungskontrollprozeß bei und sind wichtige Schritte
zur Vertrauensbildung.
Bei der Annäherung an unser gemeinsames Ziel haben
beide Seiten in den vergangenen Monaten große
Aktivität an den Tag gelegt. Abschließend möchte ich
auf die Bedeutung des START-Vertrags eingehen.
Wir befinden uns in einer Zeit tiefgreifender politischer
Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen. Aufgrund der Auswirkungen dieses Wandels tendieren
einige zu der Annahme, ein START-Vertrag sei von
den Ereignissen überholt worden. Eine solche Denkweise ist ein gravierender Fehler. Es steht eindeutig
fest, daß die Strategie der erweiterten Abschreckung
eine stabilisierende Wirkung auf die Ost-West-Beziehungen und den Weltfrieden gehabt hat. Der Umbruch
in der Sowjetunion und Osteuropa bietet zweifelsohne
entscheidende neue Möglichkeiten zum Abbau des
Risikos eines Nuklearkriegs, aber wir müssen jede
Modifizierung unserer bestehenden Strategie mit
konstruktiver Vorsicht angehen. Wir vertreten die
Ansicht, daß willkürliche Veränderungen der amerikanischen Sicherheitsstrategie und der Doktrin erweiterter Abschreckung zu einem Abbau der Stabilität in
Zeiten tiefgreifender politischer Veränderungen führen
könnten.
Der START-Vertrag wird das erste Rüstungskontrollabkommen der Geschichte sein, das die Anzahl stra-

Seite 3

�tegischer Nuklearwaffen tatsächlich verringert. Gleichzeitig gestatten die Bestimmungen dieses Vertrags
einen strukturierten Ansatz zu diesen die Stabilität
fördernden Reduzierungen. Angesichts der raschen
Veränderungen auf der Welt ist es unabdingbar, unse-

re Errungenschaften und die durch sie geschaffene
Stabilität zu kodifizieren. Vor diesem Hintergrund
sehen die Vereinigten Staaten dem bevorstehenden
Gipfel mit großem Optimismus und einem Gefühl
historischer Leistung entgegen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�NST
25. April 1990

DER STAND DER VERHANDLUNGEN ÜBER
KERN- UND WELTRAUMWAFFEN
Botschafter Smith vor der Genfer Abrüstungskonferenz
GENF - (AD) -

Botschafter David J. Smith zufolge bestand das Hauptziel der Vereinigten Staaten in der

fünfjährigen Geschichte der Gespräche über Kern- und Weltraumwaffen darin, "einen kooperativen Übergang
zu einer stabileren Abschreckung zu gewährleisten, die sich verstärkt auf nichtnukleare Verteidigungssysteme
gegen strategische Raketen stützt, falls sich dies als durchführbar erweist". Vor der Genfer Abrüstungskonferenz erklärte Smith am 19. April 1990 ferner, das heutige strategische Gleichgewicht beruhe "nahezu
ausschließlich auf offensiven Kernwaffen". Durch die bei nichtnuklearen Technologien erzielten Fortschritte sei
es jedoch wahrscheinlich, "daß eine verstärkte Stützung auf moderne Verteidigungssysteme mit stabilisierenden Reduzierungen strategischer Offensivsysteme gekoppelt werden kann, um das Kriegsrisiko weiter zu
verringern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Smith im Wortlaut.

Herr Präsident, ich freue mich über diese Gelegenheit,
der Abrüstungskonferenz unsere Sichtweise zu den
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen vortragen zu können. Mein Vorgänger, Botschafter Cooper,
sprach im August letzten Jahres an dieser Stelle.
Seither haben sich mehrere positive Entwicklungen
vollzogen, obwohl in wichtigen Bereichen weiterhin
Meinungsverschiedenheiten bestehen.
Im Verlauf der fünfjährigen Geschichte der Gespräche
über Kern- und Weltraumwaffen haben die Vereinigten Staaten konsequent ein Ziel verfolgt. Wir bemühen
uns, einen kooperativen Übergang zu einer stabileren
Abschreckung zu gewährleisten, die sich verstärkt auf
nichtnukleare Verteidigungssysteme gegen strategische Raketen stützt, falls sich dies als durchführbar
erweist. Das heutige strategische Gleichgewicht beruht nahezu ausschließlich auf offensiven Kernwaffen.
Fortschritte bei nichtnuklearen Technologien machen
es jetzt jedoch wahrscheinlich, daß eine verstärkte
Stützung auf moderne Verteidigungssysteme mit stabilisierenden Reduzierungen strategischer Offensivsysteme gekoppelt werden kann, um das Kriegsrisiko
weiter zu verringern.

AMERIKA DIENST 16

Um diese Ziele zu erlangen, ist die Haltung der Vereinigten Staaten bei den Gesprächen über Kern- und
Weltraumwaffen zukunftsorientiert. Wir bemühen uns,
uneingeschränkte Erprobungsrechte für moderne
Defensivtechnologien festzuschreiben, wie sie nach
dem ABM-Vertrag von 1972 gestattet sind. Wir streben an, weltraumgestützte ABM-Radarsysteme und
damit vergleichbare Sensoren von den überholten
Fesseln des ABM-Vertrags zu befreien. Die amerikanischen Vorschläge würden ernsthafte und gründliche
Gespräche mit der Sowjetunion über spezielle Maßnahmen für einen kooperativen Übergang erfordern,
bevor eine der Seiten moderne Verteidigungssysteme
stationiert, die den gegenwärtigen Rahmen des ABMVertrags sprengen. Die amerikanischen Vorschläge
würden darüber hinaus nach diesen Gesprächen das
Recht zur Stationierung gewährleisten. Schließlich
bemühen sich die Vereinigten Staaten darum, durch
Berechenbarkeit - darunter verstehen wir vertrauensbildende Maßnahmen - zukünftige technologische
Überraschungen zu vermeiden, indem wir zu mehr
Offenheit bei den Vorhaben beider Seiten im Bereich
der Verteidigung gegen strategische Raketen ermutigen.

Seite 1

�Kernstück des amerikanischen Ansatzes ist der von
uns vorgeschlagene Vertrag über Weltraumverteidigung, der die Erleichterung eines kooperativen Übergangs zum Ziel hat. Der im vergangenen Dezember
ergänzte amerikanische Vertragsentwurf enthält wichtige gemeinsame Elemente, die beim Washingtoner
Gipfel von 1987 erzielt wurden und berücksichtigt das
Ergebnis des Treffens zwischen den Außenministern
Baker und Schewardnadse in Wyoming im September
1989. Bei letzterem ließen die Sowjets ihre Forderung
nach einer Vereinbarung über eine Frist für den Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallen. Die Sowjetunion
verwarf überdies ihr Junktim zwischen Unterzeichnung und Durchführung eines START-Vertrags und
einer Vereinbarung über Weltraumverteidigung. Die
Vereinigten Staaten begrüßten diesen Schritt.
Der amerikanische Vertragsentwurf sieht ein Verfahren vor, demzufolge jede Partei ihre Absicht erklären
kann, strategische Verteidigungssysteme zu dislozieren, indem sie dies ankündigt und besondere Maßnahmen vorschlägt, um einen kooperativen Übergang zu
gewährleisten. Die Parteien wären dann verpflichtet,
dreijährige intensive Gespräche über die vorgeschlagenen Maßnahmen und deren Auswirkungen auf die
strategische Stabilität zu führen. Falls keine anderen
Vereinbarungen getroffen werden, müßte eine Partei
nach diesem Zeitraum - wenn sie die Begrenzungen
des ABM-Vertrags überschreitende Stationierungen
durchführen möchte - dies sechs Monate im voraus
ankündigen.
Dieser vorgeschlagene Mechanismus bietet einen
stabileren Weg für die Stationierung moderner Verteidigungssysteme als die gegenwärtige Alternative, die
darin besteht, die Bestimmung des ABM-Vertrags
über eine Vertragskündigung aufgrund höherer Interessen auszuüben. Der ABM-Vertrag gestattet es jeder
Partei, nach einer Kündigungsfrist von nur sechs Monaten
zu stationieren. Der von uns vorgeschlagene neue
Mechanismus würde dazu beitragen, einen vernünftigen und zeitgerechten Dialog darüber zu führen, wie
ein stabiler und kooperativer Übergang verwirklicht
werden kann.
Der überarbeitete amerikanische Vertragsentwurf
spiegelt darüber hinaus die dem ABM-Vertrag zufolge
uneingeschränkten Rechte der Parteien wider, moderne weltraumgestützte ABM-Systeme und deren Komponenten zu entwickeln und erproben. Um Vertrauen
zu bilden und Fehleinschätzungen solcher Versuche
zu vermeiden, haben die Vereinigten Staaten im Oktober 1988 eine Zusicherung im Hinblick auf Weltraumversuche angeboten. Damit wird der Sowjetunion
zugesichert, daß bei weltraumgestützten amerikanischen ABM-Versuchen, die im Rahmen des ABMVertrags zulässig sind, eine verbotene Stationierung
von Verteidigungssystemen ausgeschlossen würde.
Die Vereinigten Staaten verpflichteten sich, nur von
einer begrenzten Anzahl von ABM-Testsatelliten die

Seite 2

Erprobung einer ABM-Komponente durchzuführen,
die auf anderen physikalischen Prinzipien beruht und
als Ersatz für einen ABM-Abfangflugkörper dienen
könnte. Solche Versuche würden das Ziel verfolgen,
eine strategische Rakete oder deren Elemente im Flug
zu vernichten.
Die Zahl der gleichzeitig in einer
Umlaufbahn befindlichen amerikanischen ABM-Testsatelliten wird wesentlich geringer sein als die für eine
realistische ABM-Fähigkeit erforderliche Zahl. Um
weiteres Vertrauen zu bilden, haben die Vereinigten
Staaten als Maßnahme zur Erhöhung der Berechenbarkeit die Benachrichtigung über Abschüsse, Tests,
Veränderungen der Umlaufbahnen und die Rückführung von ABM-Testsatelliten vorgeschlagen.
Die Vereinigten Staaten haben ferner angeregt, daß
beiden Seiten die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von weltraumgestützten ABM-Radars und damit
vergleichbaren Sensoren uneingeschränkt gestattet
werden sollte. Damit würden künftige Definitions- und
Verifizierungsprobleme vermieden, die voraussichtlich aufgrund der Modernisierung weltraumgestützter
Technologie entstehen würden. Daneben würde die
Entwicklung stabilisierender weltraumgestützter Sensoren gefördert.
Ein weiterer wichtiger Gedanke des amerikanischen
Vertragsentwurfs besteht darin, Berechenbarkeit bei
der Entwicklung des amerikanisch-sowjetischen strategischen Verhältnisses sicherzustellen, um das Kriegsrisiko zu mindern. Dieses Ziel wurde beim Washingtoner Gipfel von 1987 vereinbart. Um dieses Ziel zu
verwirklichen, schlugen die Vereinigten Staaten im
Jahr 1988 Maßnahmen zur Erhöhung der Berechenbarkeit vor. Zu diesen Maßnahmen gehören ein
jährlicher Austausch von Programmdaten, Expertentreffen, Informationsgespräche, Besuche in Labors
und die Beobachtung von Versuchen im Bereich der
Verteidigung gegen strategische Raketen. Diese
Maßnahmen würden auf freiwilliger, gegenseitiger und
vergleichbarer Grundlage durchgeführt. Ihr Zweck ist
die Schaffung eines besseren Verständnisses von den
Vorhaben beider Seiten im Hinblick auf solche Verteidigungssysteme bereits im Forschungsstadium - Jahre
bevor moderne Verteidigungssysteme in der Praxis
auftauchen.
Beim Gipfeltreffen in Wyoming leitete Außenminister
Baker Bemühungen ein, um festzustellen, ob die
Bereiche der Übereinstimmung über Maßnahmen zur
Berechenbarkeit zu einem Bereich beiderseitigen Vorteils
ausgebaut werden können. Um das Verständnis unserer
sowjetischen Kollegen von der amerikanischen Maßnahme "Besuche in Labors" zu fördern, bot Außenminister Baker eine praktische Demonstration aus erster
Hand an. Er lud eine Gruppe sowjetischer Experten
ein, zwei mit SDI-Forschungsarbeiten befaßte amerikanische Labors zu besuchen. Der Besuch fand im
vergangenen Dezember statt und war ein großer Erfolg. Der Leiter der Delegation, Botschafter Juri Nazar-

AMERIKA DIENST 16

�kin, bezeichnete den Besuch als nützliche vertrauensbildende Maßnahme. Die sowjetischen Experten
nahmen an Vorträgen teil, sie konnten Hardware selbst
in Augenschein nehmen und hatten die Gelegenheit,
den mit den Forschungsarbeiten betrauten amerikanischen Wissenschaftlern zahlreiche Fragen zu stellen.
Der Besuch diente dazu, sowohl die Transparenz zu
fördern als auch den Verhandlungen über Maßnahmen zur Berechenbarkeit neue Impulse zu verleihen.
Wir waren sehr erfreut, als die Sowjetunion nach
diesem Besuch dem Konzept von Besuchen in Labors
als Maßnahme zur Erhöhung der Berechenbarkeit
zustimmte.
Beim Treffen der Außenminister Bakerund Schewardnadse in Washington zu Beginn dieses Monats schlugen die Vereinigten Staaten vor, daß sich beide Seiten
in Form eines selbständigen Abkommens - unabhängig vom ABM-Vertrag - über Maßnahmen zur Berechenbarkeit einigen sollten. Der amerikanische Entwurf fordert die Parteien auf, die obengenannten
Maßnahmen zur Erhöhung der Berechenbarkeit zu
verwirklichen.
Um die Funktionsweise eines solchen Abkommens zu
veranschaulichen und unsere Verhandlungsdelegationen zu unterrichten, haben die Vereinigten Staaten
im vergangenen Monat in Genf die Einrichtung eines
auf Gegenseitigkeit beruhenden Pilotprogramms zur
Anwendung der amerikanischen Maßnahmen zur
Berechenbarkeit auf jeweils ein einzelnes Projekt jeder
Seite vorgeschlagen. Die Vereinigten Staaten haben
als ihr Projekt das "Infrared Background Signature
Survey" ausgewählt. Wir haben die Sowjetunion aufgefordert, ein sowjetisches Projekt auszuwählen. Die
Idee der Vereinigten Staaten besteht darin, daß beide
Seiten vor Verwirklichung eines selbständigen Berechenbarkeitsabkommens einen "Probelauf" durchführen sollten. In dieser Hinsicht sind diese Initiativen mit
"Probeläufen" bei anderen Verhandlungen vergleichbar - dem Gemeinsamen Verifizierungsexperiment bei
den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über
Atomversuche, den Verifizierungs- und Stabilitätsmaßnahmen bei START sowie dem bilateralen Datenaustausch- und Verifizierungsexperiment in den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über chemische
Waffen.
Bei den Maßnahmen zur Berechenbarkeit wurden in
jüngster Zeit bedeutende Fortschritte erzielt. Beide
Seiten sind sich einig, daß sie ausgebaut und gestärkt
werden sollten. Bei den verbleibenden Fragen in
unseren Verhandlungen bleibt noch viel zu tun, um
einen Vertrag über Weltraumverteidigung zu erlangen,
der in den kommenden Jahren, wenn uns neue Technologien Wege zur Verringerung der von den ballistischen Raketen ausgehenden Bedrohung eröffnen,
größere Stabilität ermöglicht. Die Verwirklichung dieses Ziels würde für die gesamte internationale Staatengemeinschaft mehr Sicherheit bedeuten und den

AMERIKA DIENST 16

ersten kooperativen Übergang in der Geschichte der
strategischen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion darstellen.
Nachdem ich über unsere diplomatischen Bemühungen zur Erreichung eines kooperativen Übergangs zu
Verteidigungssystemen gegen strategische ballistische
Raketen gesprochen habe, möchte ich auch kurz zum
amerikanischen Engagement für solche Verteidigungssysteme und zum Beitrag, der von ihnen geleistet
werden könnte, Stellung nehmen. Am 7. Februar 1990
erklärte Präsident Bush im Lawrence Livermore National Laboratory: "In den neunziger Jahren sind strategische Verteidigungssysteme sinnvoller denn je...
Dieses rein defensive Konzept bedroht niemanden auf
der Welt. Wenn es, was Gott verhüten möge, jemals
eingesetzt werden müßte, dann gegen Raketen und
nicht gegen Menschen."
Die Betonung des Werts von Verteidigungssystemen
durch den Präsidenten läßt sich am besten durch die
Tatsache verstehen, wie sie zur internationalen Sicherheit und zum Gleichgewicht in diesem und im
nächsten Jahrhundert beitragen können. Es gibt vier
Hauptgründe dafür, warum effektive Verteidigungssysteme eine sicherere Welt bewirken können.
Erstens, die Verhinderung eines Atomkriegs muß ein
grundsätzliches Ziel bleiben. Überlebensfähige und
effektive strategische Verteidigungssysteme würden
die Abschreckung stärken und das Kriegsrisiko verringern, indem sie die Planung und Ausführung eines
Erstschlages mit strategischen Offensivstreitkräften
erheblich komplizierter machen würden.
Zweitens können moderne Verteidigungssysteme im
Zuge einer einschneidenden Reduzierung strategischer Offensivwaffen durch die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion eine wachsende Rolle bei der
Absicherung gegen die Folgen potentieller Vertragsverletzungen, Vertragsbrüche und Betrugsmanöver in
Zusammenhang mit solchen Reduzierungen spielen.
Drittens entwickeln sich neue Bedrohungen, gegen die
effektive nichtnukleare Verteidigungssysteme erheblichen Schutz bieten können. Indem eine steigende
Zahl von Ländern ballistische Raketen und damit einhergehend chemische, biologische und nukleare Waffen
entwickeln, wird sich die Bedrohung für die internationale Staatengemeinschaft verstärken.
Viertens können effektive Verteidigungssysteme Schutz
gegen den versehentlichen oder unbefugten Abschuß
von ballistischen Raketen bieten. Fände eine solch
unwahrscheinliche Katastrophe jemals statt, wäre der
in geretteten Menschenleben ausgedrückte Wert von
Verteidigungssystemen unschätzbar.
Unter Berücksichtigung dieser Ziele und deren Bedeutung sind die Vereinigten Staaten entschlossen, sich
die Option zur Entwicklung und Stationierung effekti-

Seite 3

�ver, moderner Verteidigungssysteme in angemessenem Zeitrahmen und in kooperativer Art und Weise
offenzuhalten. Dies ist unser Ziel in den Gesprächen
über Kern- und Weltraumwaffen.

sche Ihnen einen erfolgreichen Abschluß der Frühjahrssitzung und hoffe, auch in Zukunft wieder die
Gelegenheit zu einer Rede vor diesem Gremium zu
erhalten.

Herr Präsident, es war mir eine Ehre, heute vor der
Abrüstungskonferenz sprechen zu dürfen. Ich wün-

Vielen Dank.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�VERTEIDIGUNG
25. April 1990

NUNN BEFÜRWORTET NEUE
MILITÄRISCHE STRATEGIE
Erklärung im Senat
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede im Senat hat der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im Senat, der
demokratische Senator Sam Nunn, seine Gedanken einer neuen amerikanischen Militärstrategie vorgetragen,
die sich auf die verringerte sowjetische Bedrohung und den "unvermeidlichen" Rückgang der amerikanischen
Militärausgaben gründet.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Senators im Wortlaut.

Herr Präsident, in den letzten Wochen habe ich zwei
Reden über unsere nationale Sicherheit und Haushaltsprobleme gehalten. In der ersten habe ich die
Probleme erörtert, die sich für unseren Ausschuß und
den gesamten Kongreß aus den Lücken in dem vom
Verteidigungsministerium vorgelegten unvollständigen
Fünfjahresverteidigungsplan und im Ergänzungshaushalt für das Haushaltsjahr 1991 ergeben. In der
zweiten gab ich eine Einschätzung der jüngsten Veränderungen in der Welt und ihrer Auswirkungen auf
das Bedrohungsumfeld in den neunziger Jahren. In
meiner heutigen Erklärung möchte ich die wichtigen
Veränderungen erörtern, die im Lichte dieses Wandels
der äußeren Bedrohung und der haushaltspolitischen
Realitäten in unserem Land bei unserer Militärstrategie vorgenommen werden sollten.
Anfang der achtziger Jahre hatte ich auf Bitte des
ehemaligen Botschafters David Abshire die Ehre,
zusammen mit dem damaligen Kongreßabgeordneten
Dick Cheney Vorsitzender einer Studiengruppe des
Zentrums für strategische und internationale Studien
(CSIS) über "Große Strategie" zu sein. Aufgrund
dieser Erfahrung verstehen Dick und ich sehr gut, wie
schwierig es ist, eine zusammenhängende Strategie
zu formulieren - selbst wenn in der Welt nicht das
Unterste zuoberst gekehrt wird. In einer Rede im
Zusammenhang mit dem CSIS-Projekt habe ich festgestellt, daß militärische Strategie folgendermaßen
definiert wird: "Die Kunst, nach Gefahr Ausschau zu
halten, sie überall zu finden, sie unzutreffend zu diagnostizieren und das falsche Gegenmittel zu ver-

AMERIKA DIENST 16

schreiben." Wenn ich heute wiederum über Strategie
spreche, werde ich diese Definition im Gedächtnis
behalten.
Ich hoffe, mit meinen Ausführungen zur sehr notwendigen und überfälligen Strategiedebatte und zum Dialog beizutragen. Wie ich bereits in meiner Rede vor
dem Senat am 29. März erklärt habe, hat sich die
Bedrohung im letzten Jahr erheblich verändert, und
viele dieser Veränderungen bieten Chancen zu einschneidenden Reduzierungen der amerikanischen
Militärausgaben in den kommenden Jahren. Die Frage lautet heute nicht, ob wir die Militärausgaben reduzieren. Das ist unvermeidlich. Die Frage lautet vielmehr, ob wir die Militärausgaben im Rahmen einer
vernünftigen militärischen Strategie reduzieren, mit
der sich die Bedrohungen von heute und von morgen
bewältigen lassen.
Zu Beginn ist es meines Erachtens wichtig, zwischen
nationaler Sicherheitsstrategie und militärischer Strategie zu unterscheiden. Die nationale Sicherheitsstrategie ist darauf ausgerichtet, umfassende und dauerhafte nationale Interessen und Ziele zu schützen und
bewahren. Sie soll ein breites Spektrum von Mitteln in
sich vereinigen, um diese Ziele zu erreichen, darunter
politische, diplomatische, sicherheitspolitische, wirtschaftliche und militärische Instrumente. Die militärische Strategie ist eine enger gefaßte Komponente der
nationalen Sicherheitsstrategie. Sie beschreibt auf
der Grundlage der Bedrohung und der zur Verfügung
stehenden Ressourcen, wie wir unsere Streitkräfte

Seite 1

�strukturieren und einsetzen, um unsere Interessen
und Ziele zu unterstützen.

Bedrohung durch eine gemeinsame Gefahr
nachläßt?

Vergangenen Monat legte Präsident Bush dem Kongreß den Bericht seiner Administration über die Nationale Sicherheitsstrategie für 1990 vor. In seinem
Bericht faßt der Präsident die allgemeinen nationalen
Interessen und Ziele unseres Landes wie folgt zusammen:

Wie wird die Struktur des neuen Europas politisch, wirtschaftlich und militärisch - beschaffen sein, wenn die Staaten des Ostens demokratisch werden und die Einheit Deutschlands
Gestalt annimmt?

Überleben der Vereinigten Staaten als freie und
unabhängige Nation, deren Grundwerte intakt
und deren Institutionen und Bevölkerung sicher
sind.

Wie werden wir die anderen Instrumente der
Politik zur Förderung unserer Interessen und
Ziele einsetzen, wenn in einer Welt mit einem
sichereren Ost-West-Gleichgewicht militärische
Faktoren eine geringere Rolle spielen?

Eine gesunde und wachsende amerikanische
Wirtschaft, um Chancen für individuellen Wohlstand und eine materielle Grundlage für nationale Vorhaben im In- und Ausland sicherzustellen.

Präsident Bushs Strategiebericht stellt die richtigen
Fragen zu den die Vereinigten Staaten betreffenden
Sicherheitsproblemen. Bei der Beschäftigung mit dem
Verteidigungshaushalt 1991 müssen wir beginnen,
diese Fragen zu beantworten.

Eine stabile und sichere Welt, die politische
Freiheit, Menschenrechte und demokratische
Institutionen fördert.

In ihrer hervorragenden neuen Studie über die amerikanische Militärstrategie für die neunziger Jahre forderten die Senatoren Bill Cohen und John McCain zu
Recht eine vorsichtige Haltung zu Veränderungen in
unserem militärischen Einsatzkonzept. Sie machten
jedoch auch zwei wichtige Beobachtungen, die wir in
der andauernden Debatte über unsere nationale Sicherheitspolitik im Gedächtnis behalten sollten.

Solide, kooperative und politisch gefestigte
Beziehungen mit Verbündeten und befreundeten Nationen.
Der Präsident stellte sodann eine Reihe von Fragen für
die Zukunft:
Wie können wir dauerhafte internationale Stabilität sicherstellen, wenn die amerikanisch-sowjetische Bipolarität gegenüber einer weltweiten Interdependenz und Multipolarität in den
Hintergrund tritt?
Wie wird sich die andauernde Führungsrolle der
Vereinigten Staaten darstellen - und wie werden
die von unseren Verbündeten übernommenen
neuen Führungsrollen beschaffen sein?
Wie hoch sind die Risiken, daß die positiven
strategischen Tendenzen von heute rückgängig
gemacht werden, und wie berücksichtigen wir
diese Risiken in unserer Langzeitplanung?
Wieviel Risiko können wir uns in einem Zeitalter
strategischer Veränderungen, haushaltspolitischer Zwänge und großer Ungewißheit leisten?
Wie passen wir unsere Streitkräfte der anhaltenden Herausforderung möglicher Einsatzerfordemisse in anderen Teilen der Welt an, während
wir ein Machtgleichgewicht mit der Sowjetunion
als unabdingbare Priorität amerikanischer Politik aufrechterhalten?
Wie bewahren wir die Geschlossenheit unter
Verbündeten und Freunden, die für die gemeinsame Sicherheit und den gemeinsamen Wohlstand unerläßlich ist, wenn die empfundene

Seite 2

Erstens stellten sie fest, daß "das Gespenst einer
möglichen Rückkehr des kalten Kriegs... nicht benutzt
werden kann, um eine Überprüfung der Verteidigungspolitik zu vertagen, die sogar schon vor den Ereignissen der letzten sechs Monate erforderlich war."
Zweitens erklärten sie, daß "unseres Erachtens das
amerikanische Volk das erforderliche Haushaltsniveau
nur dann unterstützen wird, wenn es der Meinung ist,
daß unsere Verteidigungspolitik mit der sich verändernden Weltlage im Einklang steht."
Herr Präsident, ich stimme mit den Senatoren Cohen
und McCain überein. Wir müssen jetzt handeln, um
eine neue militärische Strategie zu entwickeln, mit der
die veränderte Bedrohung bewältigt und ein Beitrag
zur Festlegung unserer Haushaltsprioritäten geleistet
werden kann.
Mit Blick auf die jüngsten Veränderungen in der Welt
und künftige Verteidigungsbudgets möchte ich die
folgenden wichtigen Aufgaben vorschlagen, die wir
von unseren Streitkräften verlangen und deren Durchführung wir erwarten können:
Abschreckung eines Angriffs auf das Territorium der Vereinigten Staaten.
Abschreckung des Einsatzes von Atomwaffen
durch die Sowjetunion oder andere nuklear
bewaffnete Gegner gegen unser Territorium,
gegen unsere Verbündeten oder unsere irgend-

AMERIKA DIENST 16

�wo auf der Welt stationierten Streitkräfte.
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten bei
der Abschreckung konventioneller sowjetischer
Aggressionen in Europa, wobei der Umfang der
Streitkräfte der abnehmenden Bedrohung angepaßt wird und die Möglichkeit bestehen bleiben muß, innerhalb eines ausreichenden Zeitraums auf ein höheres Niveau aufzurüsten,
wenn die Sowjets versuchen sollten, erneut eine
glaubwürdige Invasionsfähigkeit aufzubauen.
Unterstützung unserer Freunde und Verbündeten in Korea, im Fernen Osten, im Nahen Osten,
in Südwestasien und Lateinamerika mit amerikanischen militärischen Fähigkeiten, die auf eine
Ergänzung - nicht auf den Ersatz oder die Verdoppelung - ihrer eigenen militärischen Fähigkeiten zugeschnitten sind.
Bereitschaft zu gewaltsamen Interventionen in
geringem bis mittlerem Ausmaß.
Sicherung der Seewege.
Bekämpfung von Drogenhandel, Terrorismus
und anderen unkonventionellen militärischen
Bedrohungen.
Bereitstellung genauer, rechtzeitiger und bedarfsgerechter nachrichtendienstlicher Erkenntnisse in Verbindung mit anderen nachrichtendienstlichen Elementen bezüglich der Veränderungen im globalen Bedrohungsumfeld.
Wenn wir eine neue Militärstrategie entwickeln wollen,
die unsere Mittel effektiv mit den soeben umrissenen
Zielen in Einklang bringen soll, dann sollten wir uns
meines Erachtens von den folgenden fünf Komponenten leiten lassen.
I. Obwohl die nukleare Abschreckung gegenwärtig
und auf absehbare Zukunft entscheidende Grundlage
unserer militärischen Strategie bleibt, sollte sie auf
wesentlich geringerem Rüstungsniveau und mit wesentlich höherer Stabilität (mit geringerem Anreiz für
einen Erstschlag mit strategischen Nuklearwaffen auf
beiden Seiten) gewährleistet werden können.
II. Unsere vorne stationierten Streitkräfte sollten im
Einklang mit der veränderten Bedrohung reduziert
werden. Es sollte eine verstärkte Spezialisierung der
einzelnen verbündeten Staaten erfolgen. Das Vertrauen auf Verstärkung unserer Verbündeten durch
herangeführte amerikanische Kampftruppen sollte erhöht
werden.
III. Eine größere Anzahl unserer Truppen sollte in
Reserven konzentriert werden, die insbesondere auf
Verstärkungsoperationen zugeschnitten sind.

AMERIKA DIENST 16

IV. Wir sollten ein Konzept flexibler Bereitschaft, hoher
Bereitschaft für bestimmte Truppen und anzupassender Bereitschaft anwenden.
V. Unser Verteidigungsmanagement und unsere Mittelstrategie sollten von dem Satz des ehemaligen
Botschafters David Abshire geleitet werden, der lautet:
"Think smarter not richer." Diesem Ansatz zufolge
würde ich das Fliegen vor die Beschaffung setzen, die
Kosten für Beschaffung und Instandhaltung von Waffen reduzieren, bestehende Plattformen verbessern
und neue Vorhaben reduzieren. Dazu gehört innovative Forschung zur Erhaltung unserer technologischen
Überlegenheit und die Aufrechterhaltung einer lebensfähigen Rüstungsindustrie.
Diese fünf Elemente bilden den Rahmen, den ich für
eine überarbeitete militärische Strategie vorschlage.
Ich möchte auf jedes dieser fünf Elemente kurz etwas
detaillierter eingehen.
Das erste grundlegende Element einer neuen Militärstrategie ist die Abschreckung eines Atomkriegs auf
niedrigerem nuklearem Rüstungsniveau bei gleichzeitig erheblich verbesserter Stabilität. Dieses Element
beinhaltet zwei Komponenten: Abschreckung eines
direkten sowjetischen Atomschlags gegen die Vereinigten Staaten und Abschreckung des Einsatzes von
Atomwaffen im Rahmen einer sowjetischen Aggression gegen einen Verbündeten der Vereinigten Staaten. Daneben müssen wir zusammen mit unseren
Verbündeten und anderen Staaten, darunter auch der
Sowjetunion und China, dafür Sorge tragen, die Verbreitung von Atomwaffen und Raketentechnologie zu
begrenzen. Wir müssen überdies zusammen mit
anderen Staaten unsere Bemühungen intensivieren,
um den generellen Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch andere Staaten oder terroristische Gruppierungen zu verhindern.
In meiner Rede vor dem Senat habe ich am 29. März
in bezug auf die Bedrohungsanalyse erklärt: "Im
Gegensatz zu den bedeutenden Reduzierungen der
sowjetischen konventionellen Bedrohung hat die
sowjetische Modernisierung der strategischen Atomstreitkräfte im großen und ganzen unverändert angehalten." Aus diesem Grund bleiben die amerikanischen Nuklearstreitkräfte das Fundament der Abschrekkung. Die Modernisierung unserer Nuklearstreitkräfte
wird auch weiterhin erforderlich sein.
Gleichzeitig hat der Rückgang der sowjetischen konventionellen Bedrohung bedeutende Auswirkungen
auf die sowjetische nukleare Bedrohung. Wie ich
bereits letzten Monat festgestellt habe: "Mit der geringeren Wahrscheinlichkeit eines konventionellen Krieges
in Europa hat die Möglichkeit, daß ein Atomkrieg aus
der Eskalation eines europäischen Konflikts entsteht,
ebenfalls stark abgenommen." Ich möchte im folgen-

Seite 3

�den meine Ansichten über die Auswirkungen dieser
Entwicklung auf unser strategisches Einsatzkonzept,
unsere Ziele in der Rüstungskontrolle und die geeignete Rolle strategischer Verteidigungssysteme darlegen.

neuen Strategie noch Platz ist. Landgestützte Atomraketen und nukleare Artillerie in Europa sollten abgezogen werden, am besten im Rahmen von Gesprächen und Vereinbarungen zwischen NATO und Warschauer Pakt.

Die Entwicklung neuer, demokratischer Regierungen
in Osteuropa, der vorgesehene Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Ungarn und der Tschechoslowakei sowie die wahrscheinliche Festsetzung gleicher
Obergrenzen für Panzer, Artillerie, Flugzeuge und
andere Kategorien militärischer Ausrüstung in einem
Vertrag über die konventionellen Streitkräfte (KSE)
haben ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf die
nuklearen Kurstreckenwaffen (SNF) und luftgestützten taktischen Nuklearwaffen des Bündnisses.

Aber selbst wenn dies erreicht ist, besteht die Notwendigkeit zur Abschreckung des Einsatzes von Atomwaffen in Europa durch die Sowjets. Auf europäischem
Territorium stationierte Atomwaffen, einschließlich der
britischen und französischen Nuklearstreitkräfte, bilden eine glaubwürdige Androhung von Vergeltung.
Luftgestützte Systeme bieten den Militärplanern erheblich größere Flexibilität, sie erlauben die Stationierung nuklearer Fähigkeiten in mehreren NATO-Ländern und schaffen nicht die einschneidenden politischen und Sicherheitsprobleme, die Systemen mit
erheblich begrenzterer Reichweite innewohnen.

Gegenwärtig stellen die Vereinigten Staaten mehrere
tausend Atombomben und Atomwaffen zur Verfügung, die von Artillerie, der Kurzstreckenrakete Lance
und taktischen Flugzeugen aus zum Einsatz kommen
können. Ferner wurde eine Reihe amerikanischer UBoot-gestützter ballistischer Raketen (SLBMs) der
NATO zugeordnet, und der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa (SACEUR) hat die Option, weitere strategische und nichtstrategische amerikanische Nuklearstreitkräfte anzufordern.
Der NATO-Doktrin zufolge sollen Atomwaffen drei
entscheidende Funktionen erfüllen:
Erstens sollen sie Abschreckung gegen einen
sowjetischen Ersteinsatz von Atomwaffen in
Europa bewirken.
Zweitens sollen sie jeden massierten Aufmarsch
von Panzerarmeen des Gegners abschrecken
und damit einen Beitrag zur gesamten Abschrekkung der NATO gegen einen konventionellen
Angriff leisten.
Drittens sollen sie im Falle eines Versagens der
Abschreckung konventionelle Unzulänglichkeiten wettmachen. Im Einklang mit ihrer Doktrin
der flexiblen Reaktion ist die NATO davon ausgegangen, daß jeder Angriff des Warschauer
Pakts und alle Feindseligkeiten frühzeitig gestoppt werden könnten, weil das Bündnis bereit
war, einen Atomkrieg zu führen, um seine Freiheit zu verteidigen.
Nach einem KSE-Abkommen mit konventionellem
Gleichstand (einem Zustand, in dem insbesondere die
sowjetischen Panzerarmeen aus Osteuropa abgezogen worden sind) ist ein Rückgriff der NATO auf die
Drohung mit einem frühzeitigen Ersteinsatz atomarer
Kurzstreckenraketen zur Abschreckung eines konventionellen Angriffs nicht mehr glaubwürdig. Ich
glaube nicht, daß für landgestützte Atomwaffen, deren
Reichweite so begrenzt ist, daß sie nur auf dem
Territorium unserer Verbündeten oder der neuen
Demokratien Osteuropas zum Einsatz kämen, in einer
Seite 4

Aufgrund dieser Erwägungen schlage ich vor, daß sich
die NATO auf taktische luftgestützte Atombomben
und -raketen konzentriert, darunter die TASM und ihre
Planung für Modernisierung und Rüstungskontrolle
entsprechend anpaßt. Aus Gründen der Risikoteilung
und Überlebensfähigkeit sollten die taktischen luftgestützten Raketen der NATO auf Luftstützpunkte in
allen NATO-Staaten, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland, verteilt werden.
Das zweite Element einer neuen amerikanischen Militärstrategie besteht darin, die vornestationierten USStreitkräfte zu reduzieren, die Spezialisierung unter
den verbündeten Staaten zu erhöhen und die Verstärkungsfähigkeit auszubauen, einschließlich des Einsatzes von Reserven zur Auffüllung der verbleibenden
vornestationierten amerikanischen Streitkräfte. Dieses Element betrifft besonders Europa und in gewissem Maß auch Korea.
In meiner Senatsrede habe ich im vergangenen Monat
zwei wichtige Schlußfolgerungen im Hinblick auf die
jüngsten Veränderungen der Bedrohungslage vorgetragen:
Erstens ist die Drohung eines Großangriffs des
Warschauer Pakts auf Westeuropa praktisch
beseitigt worden, und ein Angriff der Sowjetunion allein ist sehr unwahrscheinlich...
Zweitens wären jegliche sowjetischen Bemühungen, erneut eine umfassende, glaubwürdige
konventionelle Angriffsfähigkeit gegen die NATO
zu schaffen, äußerst schwierig. Sie würden eine
enorm umfangreiche Mobilisierung erfordern und
damit der NATO viele Monate Vorwarnzeit verschaffen.
In meiner Erklärung habe ich auf die tiefgreifenden
Auswirkungen dieser Entwicklung für die Militärstrategie der NATO hingewiesen:
Der entscheidende Punkt lautet: Selbst wenn man es

AMERIKA DIENST 16

�als notwendig erachtet, sich gegen die auch noch so
entfernte Möglichkeit einer Wiederherstellung der
sowjetischen Invasionsfähigkeit gegen Westeuropa
zu wappnen, bedeutet dies nicht zwingend auch, daß
die geeignete Vorsichtsmaßnahme darin besteht, riesenhafte stehende Heere der Vereinigten Staaten in
Europa zu unterhalten. ... Für die NATO sollte das
Kriterium vielmehr sein, ob das Bündnis in der Lage ist,
die Abschreckung auf niedrigeren Niveaus aufrechtzuerhalten und in Zeiten einer sowjetischen Wiederaufrüstung mobilisieren und auf höhere Niveaus aufrüsten
zu können.
Die NATO spielt weiterhin eine wichtige Rolle bei der
Gewährleistung der Sicherheit Westeuropas - militärisch, politisch und diplomatisch. Unter diesen veränderten Bedingungen mu ß jedoch die NATO der Öffentlichkeit gegenüber ihre Daseinsberechtigung unter
Beweis stellen. Der ehemalige NATO-Botschafter
David Abshire hat einmal gesagt: "Die NATO sollte und zwar politisch für jedermann sichtbar - eine zweifache Studie erarbeiten, um ihre politische und ihre
militärische Strategie auf den neuesten Stand zu bringen." Eine Studie durch eine anerkannte Gruppe von
Fachleuten, ähnlich dem Harmel-Bericht von 1967,
könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, einen neuen
transatlantischen Konsens im Hinblick auf die Verteidigungserfordernisse und das künftige Einsatzkonzept
des Bündnisses zu bilden.
Meines Erachtens muß diese Studie drei Realitäten
berücksichtigen:
Erstens ist der Rückgriff der NATO auf die
Drohung mit dem Ersteinsatz von nuklearen
Kurzstreckenwaffen zur Abschreckung eines
konventionellen Angriffs nicht mehr glaubwürdig.
Zweitens ist die Annahme der NATO, daß die
Vereinigten Staaten auf Dauer 195 000 Mann in
Mitteleuropa stationieren, nicht mehr realistisch.
Drittens ist die gegenwärtige NATO-Strategie
der Vorneverteidigung an der innerdeutschen
Grenze nicht mehr lebensfähig.
Angesichts künftiger Instabilität in Europa, die wahrscheinlich, wenn nicht sogar unvermeidlich ist, sind
Vorsicht und Vernunft am Platze, wenn wir unsere
Streitkräfte in der NATO verringern. Amerikanische
Truppen in Europa können und sollten während dieser
Übergangsperiode eine stabilisierende Rolle spielen.
Trotzdem erlaubt es die erheblich verlängerte Vorwarnzeit vor einem glaubwürdigen sowjetischen Angriff auf die NATO den Vereinigten Staaten, den Umfang
unserer vornestationierten stehenden Heere zu reduzieren und sich statt dessen auf Verstärkungsfähigkeit
zu konzentrieren.
Entgegen der Ansicht der Administration, daß 195 000
amerikanische Soldaten in Mitteleuropa eine MindestAMERIKA DIENST 16

stärke darstellen, die von den Vereinigten Staaten
nicht unterschritten werden darf, müssen wir meines
Erachtens damit beginnen, für die kommenden Jahre
ein erheblich geringeres Niveau einzuplanen. Ich
stimme dem früheren Verteidigungsminister James
Schlesinger zu, daß wir eine in Europa verbleibende
Streitmacht in der Größenordnung von 75 000 bis
100 000 Soldaten innerhalb der nächsten fünf Jahre
planen sollten.
Diese Reduzierungen gehen nicht nur Hand in Hand
mit der Abnahme der Bedrohung, sondern sie werden
auch durch eine sich wandelnde Haltung der Deutschen gegenüber fundamentalen Fragen von Souveränität und Nationalismus erforderlich. Die Opposition
gegen eine umfangreiche amerikanische Militärpräsenz in Deutschland wird immer mehr durch den
wachsenden Verdruß über Ausbildung, Übungen,
Manöver und Tiefflüge motiviert. Daneben verstärkt
der erhebliche Fehlbestand an Wohnungen, Krankenhäusern, Schulen und Freiflächen deutsche Wünsche
nach Rückgabe amerikanischer Militäreinrichtungen
und Liegenschaften, um sie dem deutschen Zivilsektor
nutzbar zu machen.
Kürzlich erhielt ich ein Schreiben eines deutschen
Bundestagsabgeordneten, der Mitglied im Verteidigungsausschuß und ein überzeugter Befürworter der
NATO ist. Erwies darauf hin, daß in seinem Wahlkreis
über 4 000 deutsche Familien auf Wartelisten für
Wohnungen stünden und die Krankenhäuser überbelegt seien. Dann führte er die verschiedenen amerikanischen Stützpunkte, Kasernen und medizinischen
Einrichtungen in seinem Wahlkreis mitsamt der von
ihnen belegten Fläche und ihrem möglichen Freizeitwert auf. Er bat mich, dafür zu sorgen, daß der erste
von Deutschland abgezogene amerikanische Soldat
aus seinem Wahlkreis kommen sollte.
Der ehemalige Verteidigungsminister James Schlesinger erklärte vor unserem Ausschuß: "Was auch
immer ihre gegenwärtigen Präferenzen sein mögen,
eine deutsche Regierung wird nicht umhin kommen,
die öffentliche Meinung zu berücksichtigen. Wir sollten
damit beginnen, uns jetzt schon auf diese absehbare
Entwicklung vorzubereiten."
Viele Jahre lang war die Strategie der NATO in der
Region Europa Mitte darauf ausgerichtet, sich weit
vorne zu verteidigen, an den Grenzen der Bundesrepublik Deutschland zur DDR und zur Tschechoslowakei. Diese Grenze wurde in acht Korps-Sektoren
aufgeteilt, und die Landverteidigung jedes Sektors
wurde den nationalen Streitkräften eines einzelnen
Landes zugewiesen. Innerhalb jedes Korps-Sektors
fallen auch Logistik und Unterstützungsmaßnahmen
in die alleinige Verantwortung des Landes, das für die
Verteidigung des Sektors zuständig ist. Dies ist natürlich das genaue Gegenteil von "Spezialisierung" denn innerhalb ihres Verantwortungsbereichs setzt
jede Nation eigene militärische Fähigkeiten ein, die

Seite 5

�auch in den anderen nationalen Sektoren vorhanden
sind. Darüber hinaus wird die traditionelle Strategie
der Vorneverteidigung gegenwärtig durch die Vereinigung der beiden deutschen Staaten überholt.
Unter der Voraussetzung, daß einseitige und von der
KSE ausgehandelte sowjetische Reduzierungen durchgeführt werden, bieten die Veränderungen in der
Bedrohung und in der Bündnisgeographie die Chance,
das traditionelle Konzept der Korps-Verantwortungsbereiche durchgreifend umzugestalten. Die NATO
muß eine neue Strategie haben, die vom Bündnis als
Ganzes entwickelt werden mu ß. Meine Vorstellungen
im Hinblick auf die Rolle unseres Landes in einer neuen
NATO-Strategie lauten folgendermaßen:
Wir müssen auf spezialisierterer Aufgabenverteilung unter den NATO-Partnern bestehen. Die
europäischen NATO-Mitglieder sollten primär
für die erste Phase der Vorneverteidigung zu
Lande - Bekämpfung der Panzertruppen - verantwortlich sein und sich nicht auf umfangreiche
vornestationierte US-Landstreitkräfte stützen.
Der Einsatz der US-Landstreitkräfte für die NATO
sollte neu strukturiert werden, um statt der NATOVorneverteidigung die mobilen strategischen
Reserven der NATO zu aktivieren.
Die Präsenz der US-Landstreitkräfte in Friedenszeiten sollte vor allem aus Kampftruppen
und Unterstützungseinheiten bestehen. Zu diesen
Unterstützungseinheiten sollten Elemente taktischer Planung zählen, ferner Aufklärungs- und
Überwachungseinheiten, Führungs- und Kommunikationseinheiten und "Empfangs"-Truppen
nach dem Muster, wie es der ehemalige Stabschef des Heeres, General Meyer, vorgeschlagen hat.
Die Vereinigten Staaten sollten weiterhin umfangreiche bereits bestehende Lagerbestände
von Kampf- und Unterstützungsgerät in Europa
unterhalten. Damit könnte eine erste Verstärkung der NATO durch die Vereinigten Staaten
erzielt werden, indem Einheiten des Heeres aus
den Vereinigten Staaten nach Europa transportiert werden, wo sie ihr bereits eingelagertes
Gerät in Empfang nehmen und die Landstreitkräfte der NATO verstärken.
Die Vereinigten Staaten sollten einige Geschwader taktischer Kampfflugzeuge für konventionelle wie nukleare Missionen in Europa beibehalten und sich verpflichten, zur Verstärkung
eine größere Zahl taktischer Kampfflugzeuge
aus den Vereinigten Staaten nach Europa zu
bringen. Diese Zusage wird davon abhängen,
ob die NATO eine angemessene Zahl gehärteter Flugzeughangars, Treibstoff- und Munitionslager und Wartungsbereiche auf gemeinsamen
Einsatzflugplätzen (COB) in Europa zur Verfü-

Seite 6

gung stellen kann.
Da amerikanische Landstreitkräfte in Europa
zahlenmäßig verringert würden und vor allem
aus Einheiten zur Kampfunterstützung bestünden, sollte es möglich sein, die Einsatzzeiten
und die Zahl der mitreisenden Familienangehörigen zu verringern.
Die Vereinigten Staaten sollten sich entschlossen um die Erlaubnis Frankreichs bemühen, im
Notfall französischer Häfen, Flughäfen und Stützpunkte durch amerikanische Verstärkungseinheiten zu nutzen. Dabei müßten in Friedenszeiten keine US-Streitkräfte in Frankreich stationiert werden, aber gelegentliche gemeinsame
Übungen zur Wiederzuführungsfähigkeit würden das Abschreckungskonzept der NATO
erheblich stärken.
In meiner Beurteilung der Bedrohung vom 29. März
habe ich darauf verwiesen, daß von Nordkorea weiterhin eine Invasionsbedrohung für unseren Verbündeten
Südkorea ausgeht. Meiner Ansicht nach ist eine
andauernde Präsenz von US-Streitkräften auf der
Halbinsel Korea erforderlich, um Nordkorea zu verdeutlichen, daß ein Angriff auf den Süden einen Angriff
auf uns darstellen wird. Die amerikanischen Fähigkeiten, Korea mit taktischem Gerät, Marineeinheiten und
Luftstreitkräften auszurüsten, sind beträchtlich. Die
Vereinigten Staaten müssen Korea weiterhin Unterstützung in anderer Form gewähren - bei den Nachrichtendiensten, Führungs- und Kommunikationseinrichtungen sowie den Aufklärungs- und Beobachtungsfähigkeiten.
Da die Grenze zu Nordkorea nur wenige Kilometer von
der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entfernt ist,
zielen Militärberater Südkoreas und der Vereinigten
Staten der Not gehorchend darauf ab, weit vorn zu
verteidigen und einen massiven Angriff Nordkoreas
ohne Verlust von Territorium abzuwehren. Das kann
nur erreicht werden, indem sofort massive Feuerkraft
gegen die angreifenden Feindtruppen eingesetzt wird.
Taktische Kampfflugzeuge stellen dabei eine Möglichkeit dar, die erforderliche Feuerkraft zu gewährleisten,
und diese Aufgabe fällt auch der US-Luftwaffe in der
Region zu. Das US-Heer besteht jedoch zum größten
Teil aus motorisierten Infanterieeinheiten, die keine
umfangreiche, dauerhafte Feuerkraft leisten können.
Den Südkoreanern mangelt es nicht an Infanterie.
Angesichts des Konzepts der Aufgabenverteilung
vertrete ich die Auffassung, daß sich die US-Landkampftruppen in Korea auf Artillerie längerer Reichweite wie etwa Mehrfachraketenwerfersysteme (MLRS)
konzentrieren sollten. Unsere Aufgabe sollte darin
bestehen, der koreanischen Vorneverteidigung stärkere Feuerunterstützung zu leisten, wobei jeweils USEinheiten bestimmte südkoreanische Einheiten unterstützen sollen. Diese Methode erhöhter Feuerkraft

AMERIKA DIENST 16

�sollte mit der Zeit eine erhebliche Verminderung in
Korea stationierter US-Streitkräfte gestatten.
An Orten, wo die Vereinigten Staaten kein Gerät oder
Truppen stationiert haben, gibt es eine Reihe von
Fällen, bei denen sie auf eine Entsendung von USTruppen vorbereitet sein und auf die sie glaubwürdig
reagieren müssen.
Bei den meisten Fällen würde es sich um Bedrohungen
amerikanischer Interessen handeln. Wo unsere vordringlichen Interessen bedroht sind, müssen wir militärisch intervenieren können. Aberwirsollten, wo immer
die Möglichkeit dazu besteht, der Bedrohung durch
diplomatische, wirtschaftliche oder nichtmilitärische
Maßnahmen Herr zu werden suchen, mit der Option
einer steigenden - oder stärker wahrnehmbaren Truppenpräsenz in der Region.
Die Vereinigten Staaten müssen mit ihren Truppen
vielfältige Missionen erfüllen können:
Am unteren Ende der Skala möglicher Einsätze
stehen Missionen, bei denen eine "Präsenz"
der Vereinigten Staaten der Abschreckung
überstürzter Aktionen und Stabilisierung bei
potentiellen Krisen dienen soll. In diese Kategorie fielen auch Aufbauhilfe für einzelne Länder
und Ausbildung ausländischer Streitkräfte.
Die nächste Stufe der Unterstützung bestünde
für die Vereinigten Staaten in der Bereitstellung
indirekter militärischer Unterstützung - wie nachrichtendienstliche Informationen, Überwachung
und Warnung, logistische Unterstützung und
Sicherung in der rückwärtigen Region.
Kampfhandlungen unter Beteiligung von USStreitkräften könnten von Feuerunterstützung
für die einheimischen Streitkräfte von Flugzeugen oder Schiffen aus bis zur Intervention einer
aus den Vereinigten Staaten entsandten Truppe reichen.
Die Ereignisse in und um den Persischen Golf, auf der
Arabischen Halbinsel und in Südwestasien stellen die
amerikanischen Militärplaner vor Herausforderungen
und werfen schwerwiegende Probleme auf. Vor garnicht allzulanger Zeit gab es Konflikte zwischen Israel
und mehreren arabischen Staaten, Nord- und Südjemen und Iran und Irak, femer andauernde Kämpfe im
Libanon. Die Vereinigten Staaten haben in Israel,
Ägypten, Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten
wichtige Sicherheitsinteressen. Darüber hinaus sind
die Volkswirtschaften der westlichen Welt stark vom
freien Öltransport aus den Förderländern des Mittleren
Ostens abhängig. Auch unsere eigene Wirtschaft wird
stärker von Öl aus dem Mittleren Osten abhängig, da
die Förderung im Inland wie auch in anderen wichtigen
Staaten der Hemisphäre zurückgegangen ist.

AMERIKA DIENST 16

Die Golfregion gilt darüber hinaus als eine der am
schwersten bewaffneten Regionen der Welt. Man
verfügt dort über unzählige Panzer, manche Länder
über modernste taktische Kampfflugzeuge, ferner
werden ballistische Raketen weiterverbreitet, sowohl
Boden-Boden-Raketen als auch Raketen zum Einsatz
gegen Schiffe. Jegliche Interventionen der Vereinigten Staaten zur Unterstützung einer freundlich gesinnten Regierung müssen mit einem Umfeld großer
Bedrohungen rechnen. Unsere Fähigkeit zur Gewährleistung dieser Unterstützung wird eine umfangreiche
logistische Infrastruktur in der Region erfordern, auch
Arsenale an Nachschub und Gerät.
Die gegenwärtigen Fähigkeiten der Vereinigten Staaten für Interventionen an Orten, wo nur wenige Stützpunkte und eine beschränkte Infrastruktur zur Verfügung stehen, entsprechen nicht in vollem Maße unseren Bedürfnissen. Die Vereinigten Staaten verfügen
heute über die beste Fähigkeit zur Entsendung von
Streitkräften auf der ganzen Welt. Dennoch sind im
allgemeinen die leichten Truppen des Heeres zwar
schnell stationierbar, verfügen aber nicht über ausreichende Feuerkraft, Durchhaltefähigkeit und Mobilität
zu Lande. Die schweren Truppen des Heeres sind zu
schwerfällig und zu schwer stationierbar, und in den
letzten Jahren sind bei den Marineinfanteristen die
Zuwachsraten bei Gerät viel größer als bei den bereits
unzulänglichen amphibischen Einsatzfähigkeiten. Um
potentielle Interventionen durchführen zu können,
müssen wir unsere Streitkräfte neu strukturieren und
dabei folgende Prioritäten setzen:
Wir müssen uns auf Streitkräfte konzentrieren,
die ihrem Charakter nach mobil und schnell stationierbar sind - seegestützte Expeditionsstreitkräfte, taktische Luftstreitkräfte, auch längerer
Reichweite und leichte Kampftruppen, die mittels amphibischer Fahrzeuge, zur See und in
der Luft transportiert werden können.
Technologien müssen so angewandt werden,
daß unsere Sondereinsatztruppen weniger
Gewicht und mehr Mobilität haben, aber dennoch ihre Feuerkraft und Durchhaltefähigkeit
verbessern.
Besondere Aufmerksamkeit muß der angemessenen Mischung aus Luft- ,See- und amphibischem Transport gewidmet werden, ferner dem
schnellen Transport auf See. Damit soll Abschreckung durch einsatzbereite Fähigkeit zur
Reaktion auf besondere Ereignisse gewährleistet werden.
Wir sollten die Fähigkeiten für Sondereinsätze
weiter verbessern.
Das dritte Schlüsselelement unserer neuen militärischen Strategie ist die stärkere Nutzung der Reserve.
Aufgrund der heute bestehenden längeren Vorwarn-

Seite 7

�zeit und Engpässe im Haushalt müssen wir eine grundlegende Neuüberprüfung des Einsatzes der Reservestreitkräfte vornehmen. Das wird eine schwierige
Herausforderung für die Streitkräfte sein, die aber
bewältigt werden muß.
Es gibt einige Bereiche, in denen ganze Missionen
unseren Reserveeinheiten übertragen werden können. Dabei muß auch aktives Personal bei den Reservestreitkräften eingesetzt werden. Ferner müssen wir
bereit sein, die bestehenden besser zu nutzen, um
Reserveeinheiten in frühen Stadien eines potentiellen
Konflikts zu mobilisieren, wenn dieses strategische
Element Erfolg haben soll.
Als in jüngster Zeit umgef laggte Tanker im Persischen
Golf eskortiert werden mußten, gehörten fast alle
Minensuchboote der Reserve an. Als die Stationierung von Minensuchbooten im Persischen Golf erforderlich wurde, zog die Marine die aus Reservisten
bestehenden Mannschaften ab und ersetzte sie durch
aktive Soldaten. Damit wurde die Stationierung der
Schiffe verzögert. Darüber hinaus übermittelte sie den
aktiven und den Reservestreitkräften eine falsche
Botschaft. Die Marine erklärte den Reserveeinheiten,
mit ihrer Ausbildung und ihren Fähigkeiten sei ein
Einsatz im Notfall nicht möglich und den Aktiven wurde
mitgeteilt, "wir können es uns nicht leisten, auf die
Reserve zu bauen". Wenn wir auf die Reserve bauen
wollen - was wir müssen - und eine echte Politik mit den
Gesamtstreitkräften machen wollen, müssen wir bereit sein, in Zukunft auch Reservestreitkräfte einzusetzen.
Die erheblich gestiegene Vorwarnzeit eines konventionellen Konflikts in Europa erlaubt eine stärkere Verlagerung der schweren Panzertruppen zu den Reservestreitkräften. Wachpersonal und Reserveeinheiten
sollten so strukturiert sein, daß sie innerhalb eines
bestimmten Zeitraums - Wochen oder Monaten - nach
der Entscheidung zur Mobilisierung völlige Kampfbereitschaft erlangen können. Dies alles soll in der
verfügbaren Vorwarnzeit geschehen, die zur Verfügung stehende Transportfähigkeit und das Ausmaß
der sowjetischen Aufrüstung berücksichtigen.
Im Verteidigungsministerium hatte die Luftwaffe beim
effektiven Einsatz ihrer Reserve stets eine Führungsrolle inne. Die Air National Guard und die Reserve der
Luftwaffe haben bereits einen erheblichen Beitrag zu
den Missionen der Luftwaffe insgesamt geleistet. Die
Reserveeinheiten der Luftwaffe könnten in den Bereichen strategischer und taktischer Lufttransport, Luftunterstützung und der Orientierung der Luftwaffe auf
einen Ernstfall in Europa noch stärker zum Einsatz
kommen. Das könnte eine stärkere Versetzung aktiver Piloten zu erweiterten Reservegeschwadern erforderlich machen.
Mit der Abnahme von sowjetischen Operationen in
bündnisfremden Gebieten und anderen Veränderun-

Seite 8

gen der Bedrohung wird die Politik der US-Marine, daß
sich praktisch alle stationierbaren Schiffe auf See
befinden oder innerhalb weniger Tage einsatzbereit
sein müssen, zunehmend unnötig und finanziell weniger tragbar. Die Marine muß den Einsatz von Reservestreitkräften ernsthaft erwägen, die einen Teil der
Flotte übernehmen. Für die aktive Marine darf das
Wort "Reserve" nicht mehr Synonym für "Mottenkugeln" sein.
In Zukunft werden kaum mehr Mittel zur Verfügung
stehen, um die gesamte Flotte der Marine in dem
Umfang zu finanzieren wie zur Zeit des kalten Kriegs.
Die Marine wird somit die Wahl haben zwischen einem
Abbau der operativen Schnelligkeit und vielen Schiffen
im Status der Reserve oder einer kleineren, insgesamt
aktiven Marine. Der stärkste Befürworter der 600
Schiffe umfassenden Marine, der frühere Marineminister John Lehman, hat in jüngster Zeit empfohlen, daß
die meisten Schiffe der Marine den Reserveeinheiten
überstellt werden sollten. Die Marine wird neue Wege
finden müssen, um einen größeren Teil ihrer Flotte auf
Reserveoperationen zu orientieren.
Ich vertrete nicht die Ansicht, daß alle Kategorien von
Schiffen und Flugzeugen der Marine der Reserve
überstellt werden sollen, Flugzeugträger und Unterseeboote wären zum Beispiel für Reserveeinsätze
kaum geeignet. Dennoch bieten sich Schiffe oder
Flugzeuge, die Seetransporte, U-Bootbekämpfung oder
Schutz der Seewege für die NATO leisten, für Reserveeinsätze an.
Darüberhinaus müssen unsere Befehlshaber regionaler Kampftruppen ihre Aufmerksamkeit den Bedingungen für die Flugzeugträgerverbände zuwenden, um
nicht auf See zu große Anforderungen an die aktiven
NATO-Streitkräfte zu stellen. Es liegt auf der Hand,
daß wir in vielen Fällen keine ganzen Flugzeugträgerverbände brauchen, um "Flagge zu zeigen". Andere
Schiffe und ihre Eskorten können diese Mission ausführen. Deshalb muß eine Überprüfung der gegenwärtigen Missionen stattfinden, gegebenenfalls eine
Neubewertung des Umfangs eines Verbands und eine
Betonung des Konzepts, demzufolge Schiffe unabhängig von einem Verband operieren können.
Wenn diese Anpassungen vorgenommen und der
Einsatz der Reserve erweitert wird, kann meiner Ansicht nach die Marine den Erfordernissen der Zukunft
mit 10 bis 12 Flugzeugträgerverbänden gerecht werden.
Mein viertes wichtiges Element ist die sogenannte
"flexible Einsatzbereitschaft", die ich als Anpassung
an den Bereitschaftsstatus unterschiedlicher Streitkräfte an die jeweilige Bedrohung definieren würde, die
Länge der Vorwarnzeit, die Wahrscheinlichkeit, mit der
diese Streitkräfte kämpfen müssen und die Fähigkeit,
sie zum Ort der Kampfhandlungen zu transportieren.
Praktisch wenden die Ministerien für die Teilstreitkräf-

AMERIKA DIENST 16

�te gegenwärtig eine Form der flexiblen Einsatzbereitschaft an. Einheiten, die "als erste kämpfen", werden
als erste mit neuestem Gerät ausgerüstet und am
stärksten bemannt. Andere Einheiten, die nicht für
eine baldige Stationierung vorgesehen sind, haben
älteres Gerät und weniger Personal.
Die Reduzierung der konventionellen Bedrohung und
die starken Engpässe im Haushalt bedeuten, daß der
Umfang aller Streitkräfte verringert werden muß. Aber
die Teilstreitkräfte sind vor die wichtige Wahl gestellt,
in welchem Umfang ihre Streitkräfte verringert werden:
1.
Wir können eine vergleichsweise größere Streitkräftestruktur haben, aber die Bereitschaft dieser Streitkräfte muß auf der Bedrohung, der Vorwarnzeit, der
Wahrscheinlichkeit des Einsatzes und der Fähigkeit,
das Gefechtsfeld zu erreichen, basieren.
2.
Wenn die Streitkräfte diesen Kurs nur zögernd
einzuschlagen bereit sind, werden sie eine erhebliche
geringere Streitkräftestruktur haben als gegenwärtig
im Pentagon erörtert wird.
Der von mir bevorzugten Alternative der flexiblen Einsatzbereitschaft zufolge behielten die Teilstreitkräfte
bestimmte Truppenteile mit hoher Priorität auf hohem
Bereitschaftsniveau bei - die strategischen Streitkräfte, Expeditionsstreitkräfte, vorne stationierte Streitkräfte, Streitkräfte für Sondereinsätze und besondere
nachrichtendienstliche Einheiten. Streitkräfte, die nicht
in diese Kategorie hoher Einsatzbereitschaft fallen,
könnten auf einem angepaßten Bereitschaftsniveau
beibehalten werden. Noch wichtiger ist, daß sie aufrechterhalten werden sollten, damit ihre Einsatzbereitschaft schnell erhöht werden kann, wenn wir gravierende Veränderungen in der Bedrohung feststellen.
Diejenigen Streitkräfte, mit denen wir den in den nächsten Jahren anstehenden Bedrohungen am besten
gerecht werden können, sollen auf hohem Bereitschaftsniveau beibehalten werden. Streitkräfte zur
Bekämpfung weniger wahrscheinlicher Bedrohungen
- wie etwa eine große konventionelle Schlacht gegen
sowjetische Streitkräfte auf dem europäischen Festland - sollten in der Streitkräftestruktur erhalten bleiben, aber auf einem Bereitschaftsniveau, das auf die
erheblich längere Vorwarnzeit bei jeder Steigerung der
Bedrohung zugeschnitten ist.
Ein sorgfältig geplanter Ansatz der flexiblen Einsatzbereitschaft wird kein Militär auf tönernen Füßen hervorbringen. In den siebziger Jahren hatten wir ernsthafte Probleme mit der Moral, weil vielen Einheiten
erklärt worden war, sie müßten innerhalb weniger
Tage in der Lage sein können, ihre Mission auszuführen, aber diese wußten, daß sie dazu nicht die personelle Ausstattung, das Gerät oder die Ausbildung
hatten. Wir hätten keine Probleme mit der Moral, wenn
unsere Soldaten in ausgewählten Einheiten wüßten,
daß ihre Mission darin besteht, mobilisieren und ihre

AMERIKA DIENST 16

Kampffähigkeit schnell erhöhen zu können und nicht
auf der Stelle eingesetzt zu werden. Mit anderen
Worten besteht ihre Aufgabe darin, "bereit werden zu
können".
Die Streitkräfte und das Verteidigungsministerium
müssen dem Kongreß bald einen Plan über den künftigen Kurs vorlegen. Möchte das Heer zum Beispiel
noch mehr schrumpfen, um alle aktiven Divisionen auf
hohem Bereitschaftsniveau zu halten, oder möchte es
lieber etwas umfangreichere Streitkräfte mit einigen
Einheiten auf hohem Bereitschaftsniveau und andere
auf niedrigerem Niveau?
Möchte die Marine erheblich weiter schrumpfen und
alle Schiffe auf hohem Bereitschaftsniveau halten oder
möchte sie lieber eine größere Marine mit wichtigen
Elementen auf hohem Bereitschaftsniveau und anderen auf niedrigerem Niveau?
Möchte die Luftwaffe die Zahl ihrer taktischen Kampfgeschwader erheblich verringern, um alle verbleibenden Geschwader sofort in den Kampf schicken zu
können, oder möchte sie lieber eine etwas größere
Truppe mit einigen Einheiten, die in stärkeren Maße
einsatzbereit sind und anderen, bei denen Anpassungen vorgenommen wurden?
Ich ziehe grö ßere Streitkräfte gemäß dem Konzept der
flexiblen Einsatzbereitschaft vor. Meiner Ansicht nach
wird diese Option unserer Streitkräftestruktur und den
potentiellen Bedrohungen am ehesten gerecht und
berücksichtigt die verfügbaren Ressourcen.
Das fünfte und letzte Element einer neuen Militärstrategie betrifft tiefgreifende Veränderungen der Art und
Weise, wie wir unsere Verteidigungsausgaben handhaben - "thinking smarter, not richer". Ich möchte
dieses Konzept in absehbarer Zukunft eingehender
erörtern, möchte aber heute darauf hinweisen, daß
keine Debatte über eine neue Militärstrategie die wichtigen Veränderungen außer acht lassen kann, die in
Verteidigungsmanagement und Mittelplanung erforderlich werden.
Zum Beispiel müssen wir zum Prinzip der Probe vor
dem Kauf zurückkehren. In allzuvielen Fällen haben
sich Entwicklung, Erprobung und Herstellung von
Waffensystemen überschnitten, und wir mußten viel
Geld ausgeben, um bereits stationierten Waffen funktionsfähig zu machen. Die unnötige Verdopplung bei
einer Reihe von Waffenkäufen - Forschung und Entwicklung für viele bereits bestehende Waffensysteme
- geben Anlaß zu echter Besorgnis. Mit der veränderten Bedrohung müssen wir dies zurechtrücken.
Wir müssen die Kosten der Betreiber für Wartung,
Logistik, Personal und Unterstützung bei der Herstellung neuer Waffensysteme reduzieren helfen. Wir
müssen uns nicht die Frage stellen, ob neue Technologien zu nutzen seien, sondern wir müssen sie einset-

Seite 9

�zen. Die echte Herausforderung besteht darin, unsere
Technologie nicht nur einzusetzen, damit wir an erster
Stelle stehen, sondern um Rentabilität und beste Nutzung
zu gewährleisten. Darüber hinaus müssen wir bestehende Konzepte und Systeme verbessern, weil wir in
Zukunft weniger neue Systeme einführen können.
Wir müssen den Schwerpunkt auf innovativere Konzepte bei Forschung und Entwicklung zur Erhaltung
unserer technologischen Vormachtstellung legen. Das
trifft insbesondere für Systeme und Fähigkeiten zu, die
Aussichten auf "bahnbrechende" Fähigkeiten bergen.
Schließlich müssen wir aggressiv darauf hinarbeiten,
um unsere Rüstungsindustrie lebensfähig zu halten.
Dies wird angesichts der in den nächsten fünf Jahren
vorzunehmenden Anpassungen bei den Verteidigungsausgaben - und künftiger Investitionen in die Verteidigung - umso wichtiger und schwieriger.
Herr Präsident, schließlich möchte ich betonen, daß
die von mir vorgestellte Militärstrategie Teil unserer
nationalen Sicherheitsstrategie ist, die ihrerseits auf
das sich wandelnde internationale Umfeld der neunziger Jahre reagieren muß. Präsident Bush hat darauf
verwiesen, daß Entwicklungen in der kommunistischen Welt auf die Möglichkeit hindeuten, daß wir uns
über das Containment hinaus zu kooperativeren Beziehungen zur Sowjetunion hinbewegen. Wenn man
davon ausgeht, daß die UdSSR ihre angekündigten
einseitigen Reduzierungen in Europa durchführt und
sowjetische Streitkräfte aus der Tschechoslowakei
und Ungarn abgezogen werden, der KSE-Vertrag
geschlossen wird, Demokratie in Osteuropa Fuß faßt
und der Reformprozeß in der Sowjetunion von Dauer
ist, sollten wir tatsächlich in der Lage sein, uns einer
neuen Politik zuzuwenden. Diese Politik muß jedoch
flexibel sein und der Möglichkeit von Rückschritten
Rechnung tragen.
Vor etwa neunzig Jahren schrieb Lenin ein Pamphlet
über Reformen im zaristischen Ru Bland jener Tage mit
dem Titel "Ein Schritt nach vorn, zwei zurück". Die
Entwicklungen in Litauen und anderswo in der Sowjetunion verdeutlichen, daß der Reformprozeß im heutigen Ru ßland ebenfalls sehr uneinheitlich ist, unabhängig davon, ob Gorbatschow an der Macht ist. Im
günstigsten Fall werden wir Zeuge von "zwei Schritten
nach vom und einem Schritt zurück" werden.

*

Seite 10

Es ist keineswegs verfrüht, zu erwägen, welches Konzept
wir angesichts der fortschreitenden internationalen
Veränderungen verfolgen sollten. Mein Vorschlag
wäre eine Politik der "maßvollen Kooperation", einer
Kooperation, bei der unsere Kooperationsbereitschaft
gegenüber der Sowjetunion und anderen Ländern im
Einklang mit dem dortigen Engagement für Menschenrechte, Demokratie und Marktwirtschaft steht.
Ich hoffe, daß Entwicklungen innerhalb der Sowjetunion und anderer kommunistischer Länder eine "maßvolle Kooperation" gestatten, damit Containment an
breiter Front überwunden werden kann. Wir müssen
eine kooperativere Weltordnung fördern helfen und
potentielle Risiken abfangen, bevor sie sich in direkte
Bedrohungen verwandeln.
Wenn wir in der Lage sind, Containment gegen maßvolle Kooperation einzutauschen, müssen wir weitere
Anpassungen bei unserer Militärstrategie vornehmen,
so daß sie ein echtes Spiegelbild einer sich wandelnden nationalen Sicherheitsstrategie wird. Aus diesem
Grund müssen wir unsere nationale Sicherheitsstrategie und unsere Militärstrategie einer kontinuierlichen
und sorgfältigen Überprüfung unterziehen.
Herr Präsident, der plötzliche Zusammenbruch des
kommunistischen Weltreichs im letzten Jahr hat neue
Bedingungen geschaffen und bieten eine neue Gelegenheit für eine Verteidigungsstrategie, die der veränderten Bedrohung gerecht wird und unsere Mittel
realistisch unseren Zielen anpaßt. Unsere Demobilisierungen in der Vergangenheit - nach beiden Weltkriegen, nach Korea und Vietnam - haben zu größeren
Verteidigungshaushalten geführt, um die Fehler unserer Rückzüge wettzumachen. Mit einer neuen Militärstrategie als Leitlinie für unsere Entscheidungen über
die Streitkräftestruktur und unsere Haushaltsmaßnahmen können wir vermeiden, wieder in diese Falle zu
gehen.
Herr Präsident, in den nächsten Tagen werde ich dem
Senat meine Gedanken dazu vorlegen, wie sich die Art
der Militärstrategie, wie ich Sie ihnen vorgestellt habe,
am besten durchführen lassen wird und welche Verteidigungsausgaben dieser Strategie zufolge im Haushaltsjahr 1991 und den kommenden fünf Jahren erforderlich werden.

* * *

*

AMERIKA DIENST 16

�UMWELT
25. April 1990

US-INITIATIVEN ZUR BEKÄMPFUNG WELTWEITER
KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht wurde am 18. April 1990 vom Weißen Hausveröffentlicht.

Im ersten Jahr seiner Amtszeit hat Präsident Bush
zahlreiche Initiativen zur Verbesserung der Umweltqualität verabschiedet. Einige dieser Initiativen werden nach ihrer endgültigen Durchführung maßgeblich
zum Abbau der Treibhausgasemissionen in den Vereinigten Staaten beitragen - bis zum Jahr 2000 um mindestens 15 Prozent, und in den darauffolgenden Jahren zu einem noch höheren Prozentsatz. Die einzelnen Maßnahmen werden im folgenden erläutert.

versorgungsbereich. Der Vorschlag des Präsidenten
zum Emissionsschutz befürwortet darüber hinaus die
Verwendung alternativer Brennstoffe und enthält
Maßnahmen zum Abbau von Kohlenmonoxid, Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen. Diese
beiden Initiativen tragen maßgeblich zur Verringerung
der Treibhausgasemissionen bei.

Vollständiges Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW)

Im Budget des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1991
sind Mittel in Höhe von 175 Millionen Dollar für das
erste Jahr eines mehrjährigen Programms veranschlagt,
das in den nächsten 10 Jahren die Anpflanzung von 1
Milliarde Bäumen vorsieht. Bei einer 20jährigen Laufzeit könnten durch dieses Programm bis zu 5 Prozent
des Jahresausstoßes von Kohlendioxid in den Vereinigten Staaten aufgefangen werden.

Der Präsident hat die Vereinigten Staaten zum Abschluß eines internationalen Abkommens über ein
weltweites Verbot von Produktion und Einsatz von
FCKW bis zum Jahr 2000 verpflichtet. Als weiteren
Schritt hat Präsident Bush ein Gesetz unterzeichnet,
mit dem eine einseitige Abgabe der Vereinigten Staaten auf die Produktion von FCKW erhoben wird. Damit
sollen die FCKW-Emissionen der Vereinigten Staaten
unter die von internationalen Protokollen erlaubte
Höchstgrenze gesenkt werden.

Wiederaufforstung

Aufstockung der Mittel für solare und erneuerbare
Energien sowie für Energieeinsparung

Abbau der Schwefeldioxidemissionen um 10
Millionen Tonnen der im Jahr 1980 freigesetzten
Menge, und

Der Haushaltsplan des Präsidenten für 1991 beinhaltet etwa 360 Millionen Dollar für Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten zu solaren und erneuerbaren
Energien sowie Energieeinsparung. Dies bedeutet
einen 75prozentigen Anstieg gegenüber den im vergangenen Jahr beantragten Mitteln und einen Zuwachs von 10 Prozent verglichen mit den für das
Haushaltsjahr 1990 bewilligten Sätzen. Diese Forschungsarbeiten werden entscheidend zur Entwicklung von Technologien beitragen, mit denen wir unseren Energiebedarf auf umweltverträgliche Art und Weise
decken können.

Festschreibung dieses drastisch reduzierten
Höchstwertes auf unbegrenzte Dauer.

Neue Normen für energiesparende Haushaltsgeräte

Zusammengenommen bilden diese Maßnahmen einen starken Anreiz zur Energieeinsparung im Energie-

Das Energieministerium hat kürzlich neue Normen für
Haushaltsgeräte erlassen, die zu verstärkten Energie-

Emissionsschutzgesetz
Die vom Präsidenten vorgeschlagenen Änderungen
des Emissionsschutzgesetzes fordern zwei Maßnahmen, mit denen die Kohlendioxidemissionen maßgeblich reduziert werden sollen:

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�einsparungen und reduzierter Energienachfrage für
den Einsatz der benutzten Produkte führen werden.
Mit diesen Normen sollen die Kohlendioxidemissionen
in den Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2000 um bis
zu 1 Prozent gesenkt werden.
Verpflichtung zu weiterer Forschung
Neben diesen Maßnahmen zur Reduzierung der
Emission von Treibhausgasen hat sich der Präsident
weiterhin zu umfangreichen Forschungsmaßnahmen

verpflichtet. In seinem Haushaltsplan für 1991 werden
über 1 Milliarde Dollar für Forschungsmaßnahmen zur
Veränderung des Erdklimas veranschlagt. Diese
Forschungsarbeiten haben die Erforschung der Ursachen, Auswirkungen und Folgen der globalen Umweltveränderungen zum Ziel. Diese Mittel werden zusätzlich zu den bereits im Haushaltsjahr 1990 bewilligten
660 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.

* * * *

Seite 2

*

AMIIRIKA DIENST 16

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10820">
              <text>25.04.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10821">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10822">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10823">
              <text>Amerikadienst 25.04.1990</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10824">
              <text>&lt;strong&gt;1. START&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erweiterte Abschreckung Stabilisierungsfaktor für Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Burt zur Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NST&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Stand der Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafter Smith vor der Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verteidigung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nunn befürwortet neue militärische Strategie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung im Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Initiativen zur Bekämpfung weltweiter Klimaveränderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
