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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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11. April 1990

14

BAKER-SCHEWARDNADSETREFFEN

BAKER: "ES BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN"
Pressekonferenz des Außenministers

DROGEN

DROGENKONFERENZ FORDERT
ANTI-DROGENSTRATEGIE
Rede von Gesundheitsminister Sullivan

RÜSTUNGSKONTROLLE

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND
WELTRAUMWAFFEN: AMERIKANISCHE
UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
Eine Übersicht des ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 200300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�BAKER-SCHEWARDNADSE-TREFFEN
11. April 1990

BAKER: "ES BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN"
Pressekonferenz des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Nach dem 3tägigen Treffen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse
erklärte Außenminister Baker bei einer Pressekonferenz in Washington am 6. April 1990, vor dem für 30. Mai
1990 in Washington beginnenden Bush-Gorbatschow-Gipfel "bleibt im Bereich der Rüstungskontrolle noch viel
zu tun".
Dem Außenminister zufolge seien in einer Reihe von Rüstungskontrollfragen Fortschritte erzielt worden und die
Parteien "hoffen, bis zum Gipfeltreffen die wesentlichen Rüstungskontrollfragen geklärt zu haben".
Das nächste Ministertreffen vor dem Gipfel soll vom 16. bis 19. Mai 1990 in Moskau stattfinden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminister Baker im Wortlaut.

Wir haben gerade ein Arbeitstreffen auf Ministerebene
beendet, bei dem die gesamte Bandbreite unserer
Tagesordnungspunkte erörtert wurde. Wir haben hart
gearbeitet, aber Außenminister Schewardnadse und
ich stimmen darin überein, daß in den sieben kurzen
Wochen vordem Gipfeltreffen noch ziemlich viel zu tun
bleibt.
Unser erstes Thema - Litauen - haben wir an jedem
Tag des Ministertreffens sehr ernsthaft und freimütig
erörtert. Sowohl der Präsident als auch ich haben
eindeutig klargestellt, daß ein Prozeß zur friedlichen
Lösung dieser Frage entwickelt werden muß. Wir
haben die Hauptgefahren für die Sowjetunion und ihr
Verhältnis zu uns und anderen aufgedeckt, wenn
dieser Kurs nicht verfolgt wird.
Wir haben die Schritte zur Kenntnis genommen, die
Litauen zur Vermeidung einer Konfrontation unternommen hat - vor allem, das Prinzip eines Referendums zu akzeptieren und das Zugeständnis, daß der
Prozeß schrittweise erfolgen muß. Wir haben den
Vorschlag unterbreitet, daß auch die Sowjetunion
Maßnahmen zur Beruhigung der Lage ergreifen sollte.
In diesem Zusammenhang haben wir die Sowjets
ermutigt, das Konzept eines Referendums weiterzuverfolgen, das sie ihrerseits jetzt vorgeschlagen haben. Außenminister Schewardnadse hat sowohl öffentlich als auch unter vier Augen erklärt, daß Dialog
die einzige Antwort ist und tatsächlich ein friedlicher
Weg gefunden werden könnte, um das Problem auf
eine Art und Weise zu lösen, die den sowjetischen und
litauischen Belangen gerecht wird.
AMERIKA DIENST 14

Ich möchte nun kurz auf die anderen von uns erörterten Themen eingehen.
Im Bereich der Rüstungskontrolle haben wir bei einer
Reihe von Fragen im Hinblick auf START auch bei der
Verifizierung mobiler Raketen und Nichtumgehung
Fortschritte erzielt. Bei luft- und seegestützten Marschflugkörpern (ALCMS und SLCMs) konnten wir jedoch
die Gespräche nicht zum Abschluß bringen. Das ist
enttäuschend, und wir müssen weiterhin an dieser
Frage arbeiten.
Auch in anderen Bereichen unseres Rüstungskontrollprogramms haben wir Fortschritte erzielt - KSE, chemische Waffen und nukleare Erprobung, Verbreitung
von Atomwaffen und Raketen - dennoch bleibt in all
diesen Bereichen noch viel zu tun. Bei regionalen
Konflikten habe ich das Gefühl, daß sich unsere Standpunkte annähern.
Erfreulicherweise stimmen wir darin überein, daß Wahlen
ein entscheidender und angemessener Mechanismus
zur Entschärfung regionaler Konflikte und Einleitung
eines wirksamen diplomatischen Prozesses sind. Unsere
beiden Länder wurden Zeuge der erfolgreichen Wahlen in Namibia und Nicaragua und sind der Ansicht,
daß sie in Afghanistan, Angola, Kambodscha und nicht
zuletzt im Nahen Osten einen Beitrag leisten können.
Zweifelsohne bleibt noch viel zu tun, aber bei den
Verhandlungen über eine Reihe dieser regionalen
Konflikte finden wir zunehmend eine gemeinsame
Sprachregelung.

Seite 1

�Menschenrechte haben wir ausführlich erörtert, und
meines Erachtens kommen wir unserem Ziel in der
Frage der Dissidenten, Erleichterung der Ausreise
sowjetischer Juden und der Erarbeitung einer neuen
Tagesordnung in diesem Bereich näher- einer Tagesordnung, bei der dem Rechtsstaat oberste Priorität
eingeräumt wird.
Darüber hinaus haben wir transnationale und Wirtschaftstragen erörtert und geprüft, wie unsere Projekte der technischen Zusammenarbeit vorangebracht
werden können. Bei einer Bilanz der Fortschritte bei
Wirtschaftsabkommen haben wir uns darauf konzentriert, bis zum Gipfeltreffen ein Handelsabkommen
vorlegen zu können und diskutiert, welche Maßnahmen dies für die Auswanderungsgesetze erfordern
würde sowie Einigung über wirksamen Schutz geistigen Eigentums erzielt.
Im Hinblick auf Deutschland habe ich die Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands in der NATO
hervorgehoben, die meines Erachtens ein Rezept für
langfristige Stabilität ist. Ich habe ferner festgestellt,
daß die Deutschen und viele Europäer bis hin zu
Mitgliedern des Warschauer Pakts darin tatsächlich
eine Formel für Stabiität sehen. Obwohl ich nicht
sagen kann, daß die Sowjets dieser Formulierung
zustimmen - was sie wohl in der Tat auch nicht tun gelangen sie doch zunehmend zu der Erkenntnis, daß
Neutralität nicht die Antwort ist. Wir werden unsere
Gespräche zu diesen und anderen Themen fortsetzen
und noch vor dem nächsten Ministertreffen an unserer
Tagesordnung weiterarbeiten, das, wie Sie wissen,
vom 16. bis 19. Mai in der Sowjetunion stattfinden wird.
Frage: Herr Außenminister, was ist das Problem bei
ALCMs und SLCMs?
Antwort: Es gibt eine Reihe von Problemen. Bei der
Abreise aus Moskau hatten wir diese Probleme noch
nicht gelöst. Einige Fragen müssen noch geklärt
werden, zu denen ich hier nicht ins Detail gehen
möchte. Einige sind technischer Art, andere liegen in
der Tatsache begründet, daß man sehr häufig bei
technischen und detaillierten Beschreibungen auf
Schwierigkeiten stößt, wenn man versucht, Vereinbarungen in Vertragsformulierungen umzusetzen. Darüber hinaus müssen noch Fragen der Reichweite bei
ALCMs und SLCMs geklärt werden. Bei den SLCMs
haben wir das Problem der Abgrenzung zwischen
atomar- und konventionell bestückten SLCMs. Zur
Klärung einer Reihe weiterer Fragen ist noch harte
Arbeit erforderlich.
Frage: Sie haben als Schlüssel zur Lösung des
litauischen Problems das Instrument eines Referendums genannt. Bedeutet das, daß die Vereinigten
Staaten sich die offensichtliche Position Moskaus zu
eigen machen, in Litauen müssen man nach dem
neuen Sezessionsgesetz vorgehen, das natürlich
ebenfalls von einem Referendum abhängt und ein
völlig anderer Ansatz wäre, als wenn sie ihre Unabhän-

Seite 2

gigkeit erklären, weil sie rechtlich niemals Teil der
UdSSR waren? Schließen wir uns dieser Argumentation an?
Antwort: Wir machen uns keine bestimmte Formel zu
eigen. Die Vereinigten Staaten erkennen die Eingliederung der baltischen Republiken nicht an und unterstützen den Wunsch des baltischen Volkes nach Selbstbestimmung.
Wir unterstützen das Konzept uneingeschränkt, daß
diese schwierige, komplexe und sehr sensible Frage
durch Dialog und mit friedlichen Mitteln gelöst werden
muß. Wir hatten das Gefühl, daß der Gedanke eines
Referendums einen Prozeß oder Mechanismus in die
Wege leiten könnte, dank dem die Parteien sich engagieren könnten und der den Ausdruck des Willens des
litauischen Volkes gestatten würde.
Meines Erachtens ist es offensichtlich, daß außerordentlich schwierige und komplexe Themen noch
bewältigt werden müssen, selbst wenn dem Recht auf
Selbstbestimmung Ausdruck verliehen wird. Es gibt
weitreichende Wirtschaftsbeziehungen. Es bestehen
Fragen bezüglich des tatsächlichen Territoriums und
der Grenzen sowie Litauen in den Grenzen von 1940
verglichen mit der heutigen Republik Litauen. All dies
muß mittels einer Art von Dialog gelöst werden.
Frage: Ich habe eine Anschlußfrage. Entschuldigen
Sie - dies alles klingt wirklich vernüftig, aber es klingt
auch sehr nach Moskau. Zweifelsohne nicht wie alles,
was wir aus Moskau vernehmen, aber auch dort wird
immer wieder gesagt, "Wir brauchen ein Referendum
und dann benötigen wir sehr viel Zeit, um die wirtschaftlichen und territorialen Fragen zu klären, und so
weiter". Das klingt sehr vernünftig, allerdings sehr viel
anders als was Landsbergis und sein Volk gesagt
haben: "Wir haben die Unabhängigkeit erklärt. Das
war illegal - aber wir sind unabhängig."
Antwort: Es ist dasselbe, was Landsbergis gesagt
hat. Er hat wohl gesagt, daß wir die Idee eines
Referendums unterstützen und dies als einen schrittweisen Prozeß anerkennen. Der von Ihnen angedeutete Unterschied besteht meiner Ansicht nach nicht.
Ich glaube nicht, daß ich mit Ihnen übereinstimme.
Frage: Vielleicht sollte man ihn nicht wörtlich nehmen,
aber Außenminister Schewardnadse hat erklärt, für
ihn führe das Gipfeltreffen zu Rüstungskontrollabkommen. Dies ist im Futur formuliert. Vielleicht liege ich
falsch, aber ich dachte, Sie und er würden sich praktisch jeden Monat treffen und jedes Mal zwei oder drei
dieser Probleme anpacken und hoffentlich bewältigen.
Beim letzten Treffen haben sie offensichtlich zweieinhalb oder drei Fragen gelöst. Hinkt der STARTProzeß hinterher?
Antwort: Wir müssen eine Tatsache im Gedächtnis
behalten - Termin für den Gipfel ist der 30. Mai, nicht
etwa die letzte oder vorletzte Woche im Juni. Natürlich
haben wir zeitweise das Für und Wider dieser Termine

AMERIKA DIENST 14

�erwogen. Es stellte sich heraus, da ß diese Termine für
keine Seite vorteilhaft waren. Das ist der einzige
Grund für den anderen Termin.

KSZE und zu dem in Europa Verbreitung findenden
Gedanken, daß die KSZE im Lauf der Zeit die Bündnisse außer bei militärischen Fragen ersetzen wird?

In nur sieben Wochen bleibt noch eine Menge zu tun.
Es wurde bereits viel erreicht. Wie ich schon andeutete, bleiben noch einige sehr schwierige Fragen zu
lösen. In Malta haben die beiden Präsidenten erklärt,
sie hofften, eine Einigung bei den wichtigsten Fragen
zu erzielen und nicht, einen Vertrag wirklich unterzeichnungsreif zu haben. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir stets erklärt, daß dies unseres Erachtens
wahrscheinlich unrealistisch wäre.

Antwort: Wie Sie vielleicht wissen, habe ich den
Ausbau des KSZE-Prozesses gefordert und erklärt,
daß einige Körbe - etwa der Wirtschafts-Korb - in der
Vergangenheit nicht vollständig genutzt wurden. In
allen drei Körben liegen nun aktive Vorschläge, insbesondere im Wirtschafts-Korb und im MenschenrechtsKorb.

Wir hoffen immer noch, daß die wichtigsten Fragen bis
zum Gipfel gelöst werden können. Wie ich jedoch
schon gestern (5. April) erklärte, wird dazu von beiden
Seiten noch viel zu tun sein. Ich kann Ihnen gegenüber
heute keine Garantie dafür geben.
Frage: Könnten Sie uns bitte erklären, was Sie, Ihre
Berater oder der Präsident bei diesem Treffen oder in
den vergangenen Wochen den Sowjets über die mit
Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten Raketen gesagt
und wie diese darauf reagiert haben?
Antwort: Nein. Es tut mir leid, aber das werde ich
nicht tun. Es gibt ein paar Dinge, über die wir keinen
Kommentar abgeben werden, insbesondere, wenn die
Möglichkeit besteht, daß sie immer noch in unseren
Verhandlungen eine Rolle spielen.
Frage: Möchten Sie damit andeuten, daß dieses
Thema weiterhin Verhandlungsgegenstand zwischen
beiden Seiten ist?
Antwort: Ich möchte damit nur andeuten, daß wir
viele Vorschläge und Gegenvorschläge austauschen.
Es findet eine umfassende Diskussion statt, und über
einige Dinge werde ich nichts sagen, und das ist einer
dieser Punkte.
Frage: Wenn man davon ausgeht, daß die Sowjets
kein vereinigtes Deutschland als Mitglied der NATO
wünschen und Ihre Aussage berücksichtigt, daß sie
von ihrem Beharren auf einer deutschen Neutralität
abrücken, wäre für Sie dann eine vom Außenminister
ins Spiel gebrachte Mitgliedschaft Deutschlands in
beiden Bündnissen eine mögliche Lösung?
Antwort: Ich habe diesen Vorschlag gehört. Ich muß
zugeben - ich habe ihn im Verlauf dieser Pressekonferenz gehört. Ich muß zugeben, daß ich ihn hier zum
ersten Mal gehört habe. Ich möchte Ihnen sagen, daß
eine Reihe von Mitgliedern des Warschauer Pakts
wünscht, daß ein vereinigtes Deutschland Mitglied der
NATO sein soll.
Frage: Au ßenminister Schewardnadse hat von neuen
Sicherheitsvereinbarungen in Europa gesprochen, und
Minister Genscher war diese Woche hier und sprach
ebenfalls über die Ausweitung der KSZE auf eine
Reihe neuer Bereiche. Was ist Ihre allgemeine Haltung zur Errichtung von Strukturen im Rahmen der

AMERIKA DIENST 14

Im Hinblick auf den Sicherheits-Korb der KSZE sollten
wir etwas langsamer vorgehen. Es gibt Bereiche, in
denen er eine Ergänzung zur NATO sein kann, aber wir
möchten auf keinen Fall andeuten, daß die KSZE
Funktionen der NATO übernehmen kann. Dies ist die
Haltung der Vereinigten Staaten.
Es wird sicherlich einen Ausbau der KSZE geben. Ich
wäre nicht überrascht, wenn es letztlich zur Institutionalisierung dessen käme, was heute nur ein Prozeß
ist, mit regelmäßigen Treffen und ähnlichen Elementen. Aber im Hinblick auf den Sicherheits-Korb sollten
wir vorsichtig sein und sicherstellen, daß unsere
Maßnahmen in diesem Bereich die NATO ergänzen
und ihre Bedeutung nicht verringern oder sie ersetzen.
Frage: Die Sowjets haben doch versucht, zu sagen,
sie könnten verstehen, warum wir ein Deutschland in
der NATO - der wir ja auch angehören - als beruhigend
oder stabilisierend ansehen, aber daß es ihnen widerstrebte, diesen Bereich einer Institution zu überlassen,
der sie nicht angehören. Können Sie sich eine Sicherheitsstruktur vorstellen, an der die Sowjets beteiligt
sind, die ihnen ein Gefühl der Sicherheit in bezug auf
Deutschland verschafft?
Antwort: Nun, die KSZE hat eine Sicherheitskomponente, und meines Erachtens ist die KSZE ein Forum,
in dem die 35 Mitgliedstaaten aus West-, Mittel- und
Osteuropa alle Sicherheitsfragen ansprechen können.
Dies ist keine Situation des Entweder-Oder, was ich in
meiner ersten Antwort zu Ihrer früheren Frage bereits
zu sagen versucht habe.
Es gibt eine Sicherheitsrolle, aber sie sollte die Aufgaben des Bündnisses nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Frage: Betrachtet man die beiden letzten Ministertreffen, so erscheint es mir - auch wenn keine direkte
Verbindung zwischen den Fragen besteht -, als habe
Litauen andere Fragen überschattet, die bei diesem
Ministertreffen zur Sprache kamen und Fortschritte bei
anderen Fragen behindert. Würden Sie dem zustimmen?
Antwort: Nein, das würde ich nicht. Ich habe bereits
angedeutet, daß Litauen sehr wichtig ist, und wir
haben ziemlich ausführlich darüber gesprochen, weil
dieses Thema, wie ich bereits sagte, für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion insgesamt von Bedeutung ist.

Seite 3

�Ich würde jedoch nicht sagen, daß es andere Aspekte
unserer Arbeit "überschattet" hat. Wir haben zwar in
einigen Bereichen von START nicht die erhofften
Fortschritte erzielt, aber wir waren in anderen Bereichen von START erfolgreich. Wir haben gute Fortschritte bei den Atomversuchen gemacht. Wir waren
bei den chemischen Waffen und der Nichtverbreitung
erfolgreich, und diese Fortschritte werden sich beim
Gipfel in konkreten Ergebnissen niederschlagen.
Frage: Seit Ihrem Amtsantritt hat die Sowjetunion eine
Art linear fortschreitender Entwicklung durchgemacht
- Gorbatschow zog sich aus Osteuropa zurück, Wirtschaftsreformen und so weiter. Was halten Sie von
seiner Haltung gegenüber Litauen - sind bei Ihnen
dadurch Zweifel an den Zielen dieses Mannes aufgekommen? Sind Sie sich heute noch ebenso sicher wie
vor ein oder zwei Monaten, daß sich dieser Mann
einem bestimmten Weg verpflichtet fühlt und daran
festhält?
Antwort: Nun, das wurde uns jedenfalls erklärt. Sie
haben selbst in den vergangenen drei Tagen diese
Erklärungen aus dem Munde des Ministers vernommen, und in meinen Erklärungen habe ich bereits
darauf verwiesen, daß er sich auch in unseren vertraulichen Gesprächen entsprechend geäußert hat. Dasselbe hören wir von Präsident Gorbatschow.
Wir beobachten weiterhin nicht nur in Osteuropa,
sondern auch in der Sowjetunion einen dramatischen
Reformprozeß, und wir sehen ein Engagement zumindest verbal -, diese sehr schwierige und komplexe Frage auf friedlichem Weg zu lösen.
Frage: In seiner Rede vor der Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungs-Chefredakteure erklärte Präsident
Bush: 'Im Hinblick auf Litauen steht für uns in den
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine Menge
auf dem Spiel'. Sein Sprecher Fitzwater erklärte
heute: 'Unsere Beziehungen zur Sowjetunion werden
in Litauen gefährdet.'
Welche Absichten verfolgen Sie und die Administration, wenn Sie dies erklären? Werden Sie die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion bei Rüstungskontrolle
oder regionalen Fragen einstellen, wenn die Dinge sich
in Litauen negativ entwickeln? Werden Sie es ablehnen, im Hinblick auf wirtschaftliche Zusammenarbeit
Maßnahmen zu treffen, die Sie andernfalls treffen
würden?
Was möchten Sie der Sowjetunion und auch dem
amerikanischen Volk sagen, wenn Sie solche Sätze
benutzen?
Antwort: Wir sagen den Sowjets und dem amerikanischen Volk genau, was diese Sätze bedeuten, nämlich, wenn sich die Dinge weiter in die falsche Richtung
entwickeln, würde das unsere Beziehungen gefährden.
Ihre Frage ist allerdings sehr hypothetisch, und es
wäre für mich nicht ratsam, sie zu beantworten und zu

Seite 4

erklären, 'wenn sie das täten, würden wir dies tun' oder
so ähnlich. Ich werde nicht darauf antworten. Es ist zu
spekulativ und zu hypothetisch.
Der Punkt ist aber - und ich hoffe dieses Signal
unmittelbar und unmißverständlich weitergegeben zu
haben -, daß dies für die Vereinigten Staaten eine
Angelegenheit von äußerster Bedeutung ist. Sie betrifft unsere fundamentalen Werte und eine Haltung,
die wir seit über 40 Jahren vertreten. Sie ist sehr, sehr
wichtig. Ich kann aber nicht noch mehr ins Detail
gehen.
Frage: Sind Sie besorgt über die Äußerung von
Schewardnadse vor dem Eingang zum Weißen Haus,
es könnte einen Konflikt in Litauen geben und gewisse
administrative Maßnahmen ergriffen werden, um die
Ordnung wiederherzustellen?
Antwort: Soweit ich sagen kann, ist das ebenfalls eine
hypothetische Frage. Natürlich wären wir besorgt,
wenn ich der Meinung wäre, daß der Konflikt eskalieren würde. Ich glaube nicht, daß irgendjemand dies
wünscht. Wir haben uns darüber seit längerem geäußert, und wir würden es begrüßen, wenn diese Angelegenheit friedlich und nicht durch einen Konflikt gelöst
würde.
Frage: Sie haben angedeutet, daß es auch Fortschritte bei den konventionellen Streitkräften gegeben hat.
Können Sie uns sagen, welche Fortschritte bei diesem
Ministertreffen in bezug auf die Reduzierung von Truppen und Ausrüstung in Europa erzielt wurden?
Können Sie uns noch sagen, ob sie erwartungsgemäß
beim Gipfel einen Briefwechsel oder andere offizielle
Vereinbarungen abzeichnen werden, die das beiderseitige Engagement für eine Reduzierung auf 195 000
Soldaten in Mitteleuropa kodifizieren?
Antwort: Zielt Ihre Frage darauf ab, ob dazu beim
Gipfel ein Abkommen unterzeichnet wird?
Frage: Richtig.
Antwort: Ich denke nicht, daß wir dies notwendigerweise als spezielle Zielsetzung des Gipfels betrachten
sollten, aber es wird sicher in die in Wien zu schließenden Abkommen einfließen. Ich möchte mich zu den
Besonderheiten von KSE nicht im Detail äußern, bis
wir Gelegenheit zu weiteren Konsultationen hatten.
Frage: Aber es gibt nichts, das sie festschreiben
möchten?
Antwort: Wenn ich KSE einbeziehe, möchte ich damit
sagen, daß wir bisher Schwerpunkte beim Nichtverbreitungsvertrag (NPT) und dem Schwellenvertrag
(NTT) sowie den beiden Bereichen, in denen bei
START Fortschritte erzielt wurden, gesetzt haben.
Meiner Ansicht nach waren bei START Fortschritte zu
verzeichnen. Ich möchte offen zugeben, daß wir im
Hinblick auf Flugzeuge keine Fortsehnte erzielt haben.
Hier bestehen immer noch Probleme. Den uns zu den
Flugzeugen unterbreiteten Vorschlag finden wir nicht

AMERIKA DIENST 14

�attraktiv - lassen Sie es mich so umschreiben - und
davon haben wir den Außenminister auch in Kenntnis
gesetzt.
Frage: Welche Garantien erwarten Sie von den
Israelis (unverständlich) die Sowjetunion im Hinblick
auf die Einigung und die Emigration der Juden in das
besetzte Territorium?
Antwort: Nun, zunächst haben wir Israel nicht um
Garantien zur sowjetischen Emigration gebeten, weil
wir die Auswanderung aus der Sowjetunion bedingungslos unterstützen. Deshalb haben wir keine
Garantien gefordert. Wir haben hingegen den Vorschlag gemacht - als die Sowjets erklärten, in bezug
auf die sowjetische Emigration angesichts der Möglichkeit nicht nachgeben zu können, daß Emigranten in
die besetzten Territorien gehen - und die Sowjets
befragt, ob sie erwogen hätten, sich im Hinblick auf die
Möglichkeit von Garantien an Israel zu wenden. Sie
mußten das verneinen, betrachteten es aber als Idee,
die eine Überlegung wert sei.
Wir fordern keine Garantien. Wir unterstützen die
sowjetische Emigration bedingungslos.
Frage: Außenminister Schewardnadse hat die Befriedigung der Sowjetunion über die Bestrebungen Ihrer
Regierung zum Frieden im Nahen Osten übermittelt
und fordert eine aktivere Rolle des Sicherheitsrats und
der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, damit
im Nahen Osten eine internationale Friedenskonferenz stattfinden kann. Wie denken Sie über diese
sowjetischen Ideen?
Antwort: Ich habe meinem Amtskollegen dasselbe
wie immer gesagt, wenn er diesen Vorschlag geäußert
hat - daß meiner Ansicht nach die Zeit dafür nicht reif
ist und ich diese Übung für wenig produktiv halte. Wir
befinden uns im Hinblick auf die Möglichkeit eines
Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern in einer
etwas kritischen Phase, und gegenwärtig sollten wir
unsere Aufmerksamkeit und alle Anstrengungen darauf verwenden, diesen Dialog einzuleiten.

*

AMERIKA DIENST 14

Frage: Außenminister Schewardnadse hat die nächsten sieben Wochen als eine Zeit bezeichnet, in der wir
schwierige Entscheidungen treffen und Kompromisse
eingehen müssen. Wie sehen die schwierigen Entscheidungen aus, mit denen sich die Vereinigten Staaten in den kommenden sieben Wochen konfrontiert
sehen? Und ist insbesondere bei Marschflugkörpern
ein Kompromiß in Sicht, und wie könnte er aussehen?
Antwort: Dazu möchte ich jetzt nicht Stellung nehmen. Ob ich generell der Auffassung bin, wir könnten
das Problem lösen? Das hoffe ich doch. Das war und
ist unser Ziel. Daran werden wir weiterhin arbeiten.
Auch Außenminister Schewardnadse hat Ihnen gegenüber erklärt, er sei da zuversichtlich. Wir haben die
Absicht, hart daran zu arbeiten. Was einen möglichen
Kompromiß angeht, so möchte ich dazu auf die Verhandlungen verweisen und nicht hier darüber spekulieren.
Frage: Haben Gespräche darüber stattgefunden,
was die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten im
Hinblick auf die Vereinigung der beiden deutschen
Staaten tun können, damit ein Viertes Reich verhindert
werden und kein Hitler mehr aufstehen kann, um die
Macht an sich zu reißen und Deutschland wieder in
altem Glanz und Gloria erstrahlen zu lassen. Schließlich wiederholt sich die Geschichte in gewissem Sinne.
Und haben Sie mit den Deutschen über die Währungsunion gesprochen, damit die Finanzmärkte vor dem
Zusammenbruch bewahrt werden können?
Antwort: Zu Ihrer ersten Frage möchte ich sagen, daß
meiner Ansicht nach jeder Teilnehmer an den Zweiplus-Vier-Gesprächen, auch die Bundesrepublik und
die DDR .eine Art der Wiedervereinigung wünschen,
die ein Ergebnis, wie Sie es gerade darstellten, ausschließt. Darüber sind sich alle Beteiligten einig.
Was die Währungsunion betrifft, so habe ich darüber
mit den Deutschen, aber nicht mit den Sowjets geprochen.

*

Seite 5

�DROGEN
11. April 1990

DROGENKONFERENZ FORDERT
ANTI-DROGENSTRATEGIE
Rede von Gesundheitsminister Sullivan
LONDON - (AD) - Dem amerikanischen Gesundheitsminister, Louis Sullivan, zufolge kann die zur Zeit in London
veranstaltete Konferenz von Ministern aus aller Welt über den Abbau der Nachfrage nach Drogen "Maßnahmen
zur Kontrolle, Begrenzung und Vernichtung von Drogen fördern".
Sullivan erklärte in der Plenarsitzung am 9. April 1990, "wir müssen ein Klima der Verantwortung schaffen, um

dem Drogenmißbrauch Einhalt zu gebieten". Die von
ihm erläuterte amerikanische Anti-Drogenstrategie hat
zwei Komponenten - Abbau der Nachfrage und Reduzierung des Angebots.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Gesundheitsminister Sullivan im Wortlaut.

Die internationale Staatengemeinschaft befindet sich
inmitten eines von ihr selbst entfachten Wirbelsturms.
Unsere bisher an den Tag gelegte Toleranz gegenüber
Drogen hat unvorstellbare Kräfte der Gewalt und des
Hasses freigesetzt. Die Zerstörung ist für uns alle
offenkundig - wir haben sie gesehen, gefühlt und
verdammt. Auf dieser Konferenz können wir Maßnahmen zur Kontrolle, Begrenzung und Vernichtung von
Drogen fördern. Wir müssen ein Klima der Verantwortung schaffen, um dem Drogenmißbrauch Einhalt zu
gebieten.
Die Vereinigten Staaten müssen dabei eine wichtige
Rolle spielen. Als Abnehmer illegaler Drogen bemüht
sich unser Land energisch um den Abbau des Drogenkonsums und damit um die Zerschlagung des Drogenmarkts. Der Drogenkonsum schädigt die Bewohner
unseres Landes und der ganzen Welt. Aber wir hoffen,
mit dem Engagement und der Kooperation von Familie
und Nachbarn in unserem Land sowie durch Partnerschaft mit den Regierungen unserer Nachbarn und
Freunde in der ganzen Welt die Nachfrage nach Drogen erheblich abbauen zu können. Aus diesem Grund
unterstützt meine Regierung dieses Treffen uneingeschränkt.

AMERIKA DIENST 14

Wir wissen, daß Drogenkonsum hohe Kosten verursacht und inakzeptabel ist. Sucht, Siechtum und Tod
können von keiner verantwortungsbewußten Regierung hingenommen werden. Wir können nicht zusehen, wie ganze Bevölkerungsschichten verführt und
Opfer des Drogenkonsums und dessen Folgen werden. Wir schulden es uns selbst und jedem Mitglied
der internationalen Staatengemeinschaft, eine endgültige Lösung für dieses Problem zu finden.
Bevor ich die Reaktion der Vereinigten Staaten erläutere, möchte ich über eine Lektion sprechen, die wir
gelernt haben: Drogenkonsum ist kein Verbrechen
ohne Opfer. Er ist ein Teufelskreis. Drogenmißbrauch
verschlingt den Konsumenten. Aber seine Folgen
berühren auch die Familie, Freunde, Nachbarn, die
Gemeinde und das ganze Land. Präsident Barco hat
unseren Bürgern vor Augen geführt, wie die Nachfrage
nach Drogen in unserem Land Drogenproduktion und
Rauschgifthandel in seinem Land und in anderen
Ländern der Welt antreibt. Aber illegale Drogenproduktion und Rauschgifthandel produzieren auch weitere Nachfrage. Das ist die Wirklichkeit dieses Teufelskreises.
Die organisierten Strukturen des Drogenkartells haben diesem gut gedient. Zu seiner Vernichtung werden ebenso gut organisierte Strukturen benötigt. Indem
wir zusammenarbeiten - als Familie, Freunde, Kollegen, Nachbarn und Mitbürger -, können wir der Drogengefahr Herr werden. Indem wiralsStaatengemeinschaft zusammenarbeiten, können wir die Verstecke
ausfindig machen, in denen Drogenhändler, Finan-

Seite 1

�ziers und Drogenbarone Zuflucht suchen. Mit solcher
Kooperation - entschlossen, zuverlässig, solide und
dauerhaft - können wir diesen Kampf gewinnen, selbst
gegen einen so finanzkräftigen, gut organisierten und
äußerst heimtückischen Feind.
Unsere nationale Strategie zur Drogen bekämpf ung in
den Vereinigten Staaten hat zwei Komponenten Abbau der Nachfrage und Reduzierung des Angebots.
Nur indem wir das Drogenproblem von beiden Seiten
angehen, können wir den Drogenkonsum verringern.
Ein Hauptziel unserer Strategie besteht darin, die
Besorgnis und das Engagement der Bürger bei den
Bemühungen um beide Komponenten zu erhöhen, die
dem selben Zweck dienen - der Beseitigung illegaler
Drogen. Im Hinblick auf die Reduzierung der Nachfrage nach Drogen zeigen die Meinungsumfragen, daß
die Mehrheit unserer Bürger den Drogenkonsum als
wichtigstes innenpolitisches Anliegen betrachten. Sie
wissen, daß sie vor Konsumenten und Händlern nicht
sicher sind, bis die Vereinigten Staaten der Nachfrage
nach Drogen ein Ende gesetzt haben. Die Bemühungen zur Eindämmung der Nachfrage müssen an zwei
Fronten geführt werden: Wir müssen ein Klima der
Verantwortung schaffen, und wir müssen geeignete
Forschungs-, Präventiv- und Behandlungsmaßnahmen
verstärken, um die öffentliche Ablehnung gegenüber
Drogen aufrechtzuerhalten.
Beim Kampf gegen Drogen muß die Bedeutung des
menschlichen Charakters und eine Kultur, die Werten,
Selbstdisziplin und persönlicher Verantwortung positiv
gegenübersteht, hervorgehoben werden. In den Vereinigten Staaten habe ich versucht, diese Werte als
Teil unserer Bemühungen zu mobilisieren, Gesundheitsvorsorge und Präventivmaßnahmen zu einem
nationalen Kreuzzug zu machen - der obersten Priorität. Einige Länder machen sich diesen langfristigen
Ansatz ebenfalls zu eigen. Ein drogenfreier, gesunder
Lebensstil gewährleistet ein Höchstmaß an Freiheit,
Unabhängigkeit und Menschenwürde.
Unsere Bürger haben begonnen, ihre Wohnviertel und
Gemeinden durch die Schaffung eines drogenfreien
Umfelds für sich und ihre Kinder neu aufzubauen.
Diese Anstrengungen tragen in Verbindung mit verbesserten Präventiv-, Behandlungs- und Forschungsprogrammen zu unserer langfristigen, endgültigen
Lösung bei - der Eindämmung der Nachfrage nach
Drogen.
Strategien zum Abbau der Nachfrage werden ohne
eine gute Strategie auf der Angebotsseite ihre Ziele
niemals erreichen. In den Vereinigten Staaten haben
wir unsere Bemühungen zur Unterbindung des Drogennachschubs intensiviert. Wir haben unsere Maßnahmen an den Landesgrenzen verstärkt. Wir haben
unsere nachrichtendienstlichen Erkenntnisse eingesetzt, um Drogenhändler aufzuspüren, ihren Plänen

Seite 2

zuvorzukommen und ihre Fähigkeit zu Operationen in
unserem Land zu zerschlagen. Wir haben unsere
Strafverfolgungsmaßnahmen innerhalb unserer Grenzen verstärkt.
Wir arbeiten mit anderen Ländern zusammen, um ihre
Fähigkeiten zur Zerschlagung der Drogenkartelle zu
verbessern, die Lieferung chemischer Grundstoffe zu
stoppen, Geldwäsche zu verhindern und den Anbau
von Drogenpflanzen zu entmutigen. Wir haben die
Botschaft übermittelt, daß Drogenkonsum nicht länger
toleriert und die Konsumenten illegaler Drogen zur
Rechenschaft gezogen werden. Wir bauen mehr
Gefängnisse und versuchen, für Drogenkonsum und handel Abschreckungsmittel zu schaffen, indem wir
garantieren, daß alle Beteiligten sich der Bestrafung
nicht entziehen können.
Kurz gesagt, haben wir Drogenbekämpfung zur obersten nationalen Priorität erhoben.
Unsere Anstrengungen finden auf vielen Ebenen statt.
Wir versuchen, den Drogenfluß ins Land mit allen
Mitteln zu unterbinden. Mit unserem Strafvollzug und
unseren Bemühungen zur Unterbindung des Nachschubs werden unsere soziale und legale Mißbilligung
stärker betont und stimuliert. Wir müssen uns in nie
dagewesenem Maße darauf konzentrieren, daß wir
denjenigen, die ein Drogenproblem haben, Behandlungsmöglichkeiten bieten und das Bewu ßtsein für die
Gefahren des Drogenkonsums schärfen, um denjenigen zu helfen, die keine Drogenkonsumenten sind,
damit sie den Verlockungen des Rauschgifts nicht
erliegen. Und unsere gesellschaftliche Intoleranz schafft
ein Klima, das Angebot und Nachfrage weniger förderlich ist. So müssen wir den Teufelskreis des Drogenproblems angreifen - an allen Fronten gleichzeitig.
Ich möchte Ihnen unsere Arbeit im einzelnen darlegen.
Zunächst müssen wir auf der Nachfrageseite an der
Entwicklung erfolgreicher Präventiv-, Behandlungsund Forschungsmaßnahmen arbeiten, um den Markt
für Drogen zu zerschlagen.
Vorbeugung erfordert eine verständliche, genaue und
glaubwürdige Botschaft zur Bekämpfung von Drogen,
die alle gesellschaftlichen Gruppen erreichen muß.
Jeder einzelne muß diese Botschaft verstehen und
beachten.
Die Medien haben viele Jahre lang Drogen verherrlicht. Das hat die Toleranzschwelle erhöht und zu einer
Akzeptanz des Mißbrauchs von Suchtstoffen geführt.
Als die Regierung sich der Drogenbekämpfung verschrieb, standen sich Regierung und Medien als erbitterte Gegner gegenüber. Aber diese Spannungen und
Gegensätze sind jetzt abgebaut, und die Medien haben
sich der Regierung angeschlossen. In diesem Zeitalter der Medienpräsenz müssen wir die Medien auf
unserer Seite haben und sie voll und ganz nutzen.

AMERIKA DIENST 14

�Auch einf lu ßreiche Vertreter aus den Bereichen Unterhaltung, Film und Musik arbeiten daran, Drogenkonsum als das darzustellen, was es ist - zerstörerisch,
verabscheuungswürdig und ein Zeichen der Schwäche. Werbestrategen und Werbeagenturen haben
ihre Talente zur Verfügung gestellt und Milliarden
Dollar in Sendungen und Werbung zur Drogenbekämpfung gesteckt. Rundfunk und Fernsehen haben
auf lokaler und nationaler Ebene Drogenbekämpfungsprogramme entwickelt, um auch Arme und Minderheiten auf die Drogengefahr aufmerksam zu machen und
durch Information über Behandlungsmöglichkeiten und
andere Hilfsquellen Hoffnung zu machen. Und die
Eltern als größte Befürworter dieses Programms werden zur Zusammenarbeit mit der Regierung mobilisiert. Nicht zuletzt waren sie es, die die Regierung
aufforderten, mehr zu tun.

tungen in den Vereinigten Staaten wenden vielfältige
Methoden an und haben höchst unterschiedliche Erfolgsquoten. Es gibt keine eindeutige Antwort darauf,
welche Therapie oder Kombination unterschiedlicher
Behandlungsmethoden auf lange Sicht Erfolg hat. Wir
stützen uns auf Forschung und Erfahrung, um diese
Antworten zu finden.
Drogenabhängigkeit ist eine chronische Krankheit mit
extrem hoher Rückfallquote. Patienten werden weder
über Nacht noch in wenigen Monaten völlig geheilt. Es
ist ein langwieriger therapeutischer Prozeß, der medizinische und psychosoziale Eingriffe erforderlich macht.
Wir wissen jedoch, daß die Therapie generell den
Drogenkonsum proportional zur Therapiedauer verringert. Je länger jemand Therapie erhält, um so mehr
wird er sich des Drogenkonsums enthalten und wieder
zu sich selbst zu finden.

Das Ziel unseres Präventivprogramms besteht darin,
die Zahl der Konsumenten zu verringern und - wenn
unsere nationalen Untersuchungen stimmen - haben
wir das bei allen Konsumentengruppen, auch den
Gelegenheitskonsumenten, erreicht. Unser Engagement für die Vorbeugung ist stark, allein in meinem
Ministerium hat die Zahl der Präventivprogramme
drastisch zugenommen, und von 1989 bis 1990 sind 95
Prozent mehr Mittel aufgewendet worden.

Dennoch müssen wir noch viel darüber lernen, wie
man den Drogenkonsumenten von Drogen fernhalten
kann, insbesondere im Bereich des Arzneimittelmißbrauchs. Für die amerikanischen Bestrebungen ist
Forschung unabdingbar, und wir sehen der Fortsetzung unserer gegenwärtigen Zusammenarbeit mit
zahlreichen Ländern und der Aufnahme neuer Projekte mit anderen hoffnungsvoll entgegen.

Für Drogenabhängige ist eine Therapie lebenswichtig.
Sie muß verfügbar, leicht zugänglich und erfolgreich
sein.

Ich möchte unser starkes Engagement in diesem
Bereich nochmals betonten. Der Etat des Nationalen
Suchtstoff-Kontrollamts (National Institute on Drug

Ein Problem besteht im Mangel an verfügbaren Therapieplätzen. Öffentliche und private Mittel waren bisher
zur Erfüllung des Bedarfs nicht ausreichend. Kürzlich
haben Präsident Bush und der Kongreß die Mittel
aufgestockt, was eine Verdoppelung der staatlichen
Therapieplätze von 1987 bis 1990 zur Folge haben
wird.
Aber nur Geld bereitzustellen, ist nicht genug. Wir
müssen unsere Anstrengungen für einen wirksameren
Einsatz derTherapiegelder verdoppeln. Der Therapiebedarf muß an die Einrichtungen und Programme
angepaßt werden, die dem Drogenabhängigen am
besten helfen können. Wir streben bessere Zusammenarbeit zwischen Therapieeinrichtungen und den
Sozial-, Gesundheits- und Arbeitsämtern an, damit
die Abhängigen die erforderlichen Leistungen erhalten, um ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben.
Diese Betonung auf Therapie spiegelt die klare Erkenntnis wider, daß der harte Kern der Drogenabhängigen und diejenigen, die nicht alleine von der Sucht
loskommen, so bald wie möglich Hilfe erhalten müssen.
Wir können jedoch nicht erwarten, daß eine Aufstokkung der Mittel per se zu einem raschen Abbau der
Nachfrage führen wird. Therapie ist ein langwieriger,
komplexer Prozeß. Die über 5 000 Therapieeinrich-

AMERIKA DIENST 14

Abuse - NIDA) wurde 1989 von 192 Millionen auf 255

Millionen Dollar im Jahr 1990 aufgestockt, was einer
Steigerung von 33 Prozent entspricht. Die Haushaltsvorlage der Bush-Adminstration für 1991 fordert die
Bereitstellung von zusätzlichen 45 Millionen Dollar für
Forschung über Drogenmißbrauch - eine Aufstockung
von 57 Prozent von 1989 bis 1991.
Eine Strategie zur Bekämpfung des illegalen Drogenkonsums kann nur unter Einbeziehung der entscheidenden Rolle der StrafJustiz Erfolg haben. Der Rechtsstaat besteht nicht nur aus Gesetzen - er ist ein Spiegel
der Wünsche und Bedürfnisse des Volkes und das
moralische Gewissen einer Gesellschaft. Er läßt uns
wissen, was unsere Mitbürger von sich und anderen
erwarten.
Unsere Bürger wissen, daß Drogenkonsum eine
Bedrohung für unser Land und die Welt insgesamt
darstellt. Das ist keine graue Theorie - es ist für
Millionen Amerikaner Realität. Ihre Familien wurden
getrennt. Ihre Nachbarschaft wurde zur Kriegszone.
Ihre Kinder wurden in der Schule belästigt und bedroht.
Die öffentliche Sicherheit steht auf dem Spiel, wenn
Drogen am Arbeitsplatz Einzug halten oder sich ein
Drogenabhängiger ans Steuer setzt. Solche Bedrohungen erfordern eine entschiedene und konsequente
Antwort der Polizei, die vornehmlich auf Gemeindeebene arbeitet.

Seite 3

�Präsident Bush und der Kongreß arbeiten mit den
Bundesstaaten und Gemeinden an geeigneten Maßnahmen. Wir haben unsere Bestrebungen zur Unterbindung des Nachschubs verbessert und die Patrouillen an den Grenzen und in den Hoheitsgewässern
verstärkt. Während der Drogenkonsument oder
-händler bisher nur gelegentlich zur Rechenschaft
gezogen wurde, wird der Arm des Gesetzes dank
unserer Bestrebungen heute unweigerlich nach ihm
greifen. Unser Drogenbekämpfungsgesetz fordert die
obligatorische Verurteilung, und unsere Richter sind
zu gerechter Bestrafung bereit. Wir werden alle verfügbaren rechtlichen Mittel ausschöpfen, einschließlich der neuen UN-Konvention.
Wir haben mehr Polizei beamte zur Konfiszierung von
Vermögen, Abbau des Profits für Drogenhändler und
Zerschlagung der Drogenkartelle. Dank der jüngsten
vom Präsidenten eingebrachten und vom Kongreß
verabschiedeten Gesetze werden die Mittel zum Bau
weiterer Gefängnisse aufgestockt, womit sichergestellt wird, daß diejenigen, die wegen Gesetzesverstößen verfolgt und verurteilt wurden, tatsächlich ihre
volle Strafe verbüßen.
Darüber hinaus haben wir Drogentests bei Verhafteten, Gefangenen, auf Hafturlaub befindlichen und auf
Kaution freigelassenen Personen im gesamten Strafvollzug vorgeschlagen. Staatliche Mittel wurden ferner für die Planung, Entwicklung und Durchführung
alternativer Strafvollzugsprogramme für nicht gewalttätige Drogenkriminelle, einschließlich Hausarrest und
Rekrutenlager bereitgestellt.
Auch die Mittel zur Vernichtung des Marihuanaanbaus
im Inland wurden aufgestockt. Damit soll das Problem
der Marihuanaproduktion in unserem Land bewältigt
und unsere Bemühungen unterstützt werden, andere
Länder zur strikten Kontrolle der Produktion illegaler
Drogen in ihrem Land zu ermutigen.
Trotz dieser Fortschritte gibt es einige - eine sehr
kleine, aber lautstarke Minderheit - die unsere Gesellschaft in ein noch tieferes Chaos stürzen wollen. Wir
müssen uns vor denjenigen hüten, die das Argument
vorbringen, ein Ende des Suchtstoffmißbrauchs erfordere zu viel Anstrengung, Zeit und Mittel. Einige dieser
Kritiker behaupten, Legalisierung sei die Antwort. Wie
wir in den Vereinigten Staaten feststellen mußten, ist
das jedoch überhaupt keine Antwort. Trotz der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten in den sechziger und
siebziger Jahren beträchtliche Mittel in Präventivmaßnahmen gesteckt haben, wurde in diesen zwei Jahrzehnten eine Pseudolegalisierung und gesellschaftliche Toleranz gefördert. In den Vereinigten Staaten
haben unsere Erfahrungen mit diesen zwanzig Jahren
den Preis demonstriert, den wir für eine Beschwichtigungspolitik zahlen müssen - mehr Drogen, mehr
Abhängige und mehr Tote. Eine Legalisierung würde
dem Drogenkonsum das Stigma, den Druck nach

Seite 4

Therapie und die wenigen Engpässe nehmen, die bei
Kosten und Nachschub bestehen. Eine Legalisierung
wäre ein tragischer, entsetzlicher Fehler und ihre Sinnlosigkeit ist so offensichtlich geworden, daß niemand
sie ernsthaft als Alternative erwägen kann. Eine
Legalisierung würde den Menschen die Botschaft
übermitteln, daß unsere Gesellschaft dem schädlichen Drogenkonsum moralisch indifferent gegenübersteht. Eine solche Botschaft würde unser moralisches
Bewußtsein in Zweifel ziehen.
Wir sind heute hier im Bewußtsein unserer Verantwortung als internationale Staatengemeinde zusammengekommen. Wir wissen, daß Drogen weiterhin unsere
Kinder und Gemeinden terrorisieren werden, wenn wir
nicht zusammenarbeiten. In diesem entscheidenden
Punkt sind wir uns einig.
Die Bedeutung unserer Zusammenarbeit wurde beim
jüngsten Gipfeltreffen in Cartagena unterstrichen. Dort
hat Präsident Bush zusammen mit den Präsidenten
Barco, Garcia und Paz das Versprechen gegeben, die
Händler von Drogen und Tod auf allen Ebenen zu
bekämpfen: Produktion, Vertrieb, Finanzwesen und
Konsum. Dort wurde auch das erste Drogenbekämpfungskartell der Welt gegründet, mit dem die Notwendigkeit eines starken internationalen Engagements
hervorgehoben wurde.
Beim Gipfeltreffen in Cartagena wurde auch die Notwendigkeit für alle Länder bekräftigt, so bald wie möglich
die Konvention der Vereinten Nationen über den unerlaubten Handel mit Drogen und psychotropen Stoffen
zu ratifizieren. Nach ihrer Ratifizierung wird die Konvention aus dem Jahr 1988 die weltweite Zusammenarbeit in Bereichen wie Geldwäsche, Beschlagnahme
von Vermögenswerten, Kontrolle chemischer Grundstoffe, Auslieferung, Fahndung, Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und Informationsaustausch
fördern. Ich freue mich, berichten zu können, daß die
Vereinigten Staaten die unterzeichnete Ratifizierungsurkunde am 20. Februar 1990 den Vereinten Nationen
übergeben haben.
Eine größere Rolle der UNO ist unabdingbar. Die
Vereinten Nationen spielen eine entscheidende Rolle
bei der Förderung weltweiter Kooperation. Ich fordere

die Länder, die die UN-Konvention von 1988 noch nicht
ratifiziert haben, auf, dies zu tun. Unser Ziel sollte darin
bestehen, die UN-Konvention bis Ende dieses Jahres
in Kraft zu setzen. Dies erfordert die Ratifizierung
durch 20 Nationen.
Ebenso wie sich Bürgerinitiativen in den amerikanischen Städten zur Drogenbekämpfung organisiert
haben, müssen wir als internationale Staatengemeinschaft Drogen den Kampf ansagen. Die Nachfrage
nach Drogen wird weiterbestehen und steigen, wenn
wir nicht einen Schlußstrich ziehen und als Gemeinschaft zusammenarbeiten.

AMERIKA DIENST 14

�Diese Konferenz wird meines Erachtens dazu beitragen, voneinander zu lernen und zusammenzuarbeiten. Wenn uns dies gelingt, wird es den Drogenbaronen und -händlem eine Warnung sein, die sie sich zu
Herzen nehmen sollten, denn es bedeutet ihren sicheren Untergang. Ihre Tage sind gezählt.
Und den Drogenkonsumenten werden wir die Botschaft übermitteln, daß sie die Verantwortung für die
Verbreitung des Drogenproblems tragen. Wir müssen

AMERIKA DIENST 14

den Konsumenten vermitteln, daß Hilfe für sie zur
Verfügung steht, es aber an ihnen ist, diese Hilfe in
Anspruch zu nehmen.
Das letzte Kapitel im Drama der weltweiten Drogenepidemie könnte sehr viel früher geschrieben werden,
wenn wir Konferenzen wie diese nutzen, um Kooperation und Engagement zur Beendigung der Drogenkrise
zu fördern.

Seite 5

�RÜSTUNGSKONTROLLE
11. April 1990

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND
WELTRAUMWAFFEN:
AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
- Eine Übersicht des ACDA Die folgende Übersicht wurde am 4. April 1990 vom Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.

START - Gespräche über die Begrenzung strategischer Rüstungen
Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Stufenweise Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf gleiche Niveaus, wobei zu vereinbarten
Terminen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags gleiche Zwischenobergrenzen erzielt
werden müssen.
Sowjetunion
Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf
gleiche Niveaus, durchzuführen in zwei Phasen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags, wobei nach Phase 1 gleiche Obergrenzen gelten
müssen.

Vereinigte Staaten
Es können keine weiteren Rüstungskontrollverträge
mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange
diese nicht die Verletzung des ABM-Vertrags durch
das Radar von Krasnojarsk in einer verifizierbaren
Weise einstellt, die amerikanischen Kriterien entspricht.
Die Vereinigten Staaten haben sich befriedigt über die
Ankündigung der Sowjets geäußert, das Radar von
Krasnojarsk vollständig zu beseitigen.
Sowjetunion
Die Sowjets haben sich bereiterklärt, das Radar von
Krasnojarsk vollständig abzubauen.
Trägersysteme
Vereinigte Staaten

Abschluß eines START-Abkommens nicht abhängig
von einer Einigung über Fragen der Weltraumverteidigung.

Eine Obergrenze von 1 600 strategischen Trägersystemen (SNDVs) in Form von stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs) und deren Abschuß Vorrichtungen, stationierten U-Boot-gestützten ballistischen
Raketen (SLBMs) und deren Abschußvorrichtungen
sowie schweren Bombern.

Sowjetunion

Sowjetunion

Abschluß des START-Vertrags nicht abhängig von
einer Einigung über Weltraumverteidigung. Die Sowjets stehen jedoch auf dem Standpunkt, daß sie ein
Recht zur Kündigung eines START-Vertrags besitzen,
wenn sie zu dem Schluß kommen sollten, daß die
Vereinigten Staaten den ABM-Vertrag verletzen, wie
er von den Sowjets interpretiert wird.

Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.

Vereinigte Staaten

AMERIKA DIENST 14

Gefechtsköpfe
Vereinigte Staaten
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich
der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs und SLBMs

Seite 1

�sowie atomar bestückter ALCMs (luftgestützter Marschflugkörper) großer Reichweite; jeder nur mit atomaren
Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite
(SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber zählt als ein
Gefechtskopf.
Sowjetunion
Identisch mit der Haltung der Vereinigten Staaten.
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen
Vereinigte Staaten
Untergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und 3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf
ICBMs.
Sowjetunion
Untergrenze von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen. Im Falle einer Untergrenze von 3 300
Gefechtsköpfen auf ICBMs muß eine ebensolche
Untergrenze von 3 300 Gefechtsköpfen für SLBMs
gelten. Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf
stationierten schweren Bombern.
Schwere ICBMs
Vereinigte Staaten

Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
Vereinigte Staaten
Jeder Gefechtskopf auf ballistischen Raketen zählt als
ein Gefechtskopf unter der Obergrenze von 6 000. Für
die bestehenden Typen wird eine Quote von Vor-OrtInspektionen festgesetzt, um zu verifizieren, daß die
beim Washingtoner Gipfel für stationierte Raketen
deklarierte und vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
nicht überschritten wird.
Für künftige Typen sowie Veränderungen bei der Zahl
von Gefechtsköpfen auf bestehenden Typen müssen
die Verfahrensweisen noch festgelegt werden.
Sowjetunion
Bei den bestehenden Typen identisch mit der USPosition.
Mobile ICBMs
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben das Verbot von mobilen ICBMs aufgehoben. Die START-Unterhändler
müssen jetzt die Einzelheiten für die Anwendung der
Begrenzungen auf mobile ICBMs sowie wirksame
Verifizierungsmaßnahmen ausarbeiten.

Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot von
Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer oder bestehender Typen schwerer ICBMs.

Sowjetunion

Sowjetunion

Nichtstationierte Raketen

Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren ICBMs. Produktion, Flugerprobung
oder Modernisierung bestehender Typen schwerer
ICBMs zulässig. Entwicklung, Erprobung und Stationierung neuer Typen schwerer ICBMs verboten.

Vereinigte Staaten

Wurfgewichte
Vereinigte Staaten
Die Wurfgewichte der sowjetischen ICBMs und SLBMs
zusammengenommen werden um 50 Prozent des am
31. Dezember 1986 bestehenden Wurfgewichts reduziert. Während der Laufzeit des Vertrags wird keine
Seite dieses Niveau überschreiten.
Sowjetunion
Im Prinzip identisch mit der US-Position. Es bestehen
jedoch weiterhin Meinungsverschiedenheiten über die
Bestimmung der anzurechnenden Wurfgewichte. Die
Reduzierung soll auf der Basis des bei Unterzeichnung
des Vertrags bestehenden Niveaus der Wurfgewichte
stattfinden.

Zulässig mit zahlenmäßigen Begrenzungen für Abschuß Vorrichtungen und Gefechtsköpfe.

Zahlenmäßige Begrenzungen (die genauen Obergrenzen müssen noch ausgehandelt werden) werden bei
nichtstationierten ballistischen Raketen und den zugehörigen Gefechtsköpfen für alle Typen von ICBMs, die
bereits von mobilen Abschußrampen aus im Flug
erprobt wurden, festgelegt. Für andere nichtstationierte ballistische Raketen werden keine zahlenmäßigen
Begrenzungen eingeführt, aber Stationierungsort und
Verlegung werden Beschränkungen unterworfen. Beide
Seiten haben ferner vereinbart, daß es keinerlei Beschränkungen für nichtstationierte Marschflugkörper
und nichtstationierte Waffen auf schweren Bombern
geben wird.
Sowjetunion
Identisch mit der amerikanischen Haltung.
Schwere Bomber
Vereinigte Staaten
Jeder schwere Bomber zählt als ein strategisches
Trägersystem (SNDV). Jeder nur für Freifallbomben

AMERIKA DIENST 14

Seite 2
i

�und Angriffsraketen kurzer Reichweite ausgeröstete
schwere Bomber würde im Rahmen der Obergrenze
von 6 000 als ein Gefechtskopf zählen. Eine vereinbarte Zahl von schweren Bombern könnte durch
Umrüstung zu rein konventionellen Systemen von der
SNDV-Obergrenzevon 1 600 ausgenommen werden.

jedem folgenden Jahr wird eine Höchstzahl für das
nächstfolgende Jahr nach dem ersten Fünfjahreszeitraum deklariert. Die deklarierten SLCMs werden von
allen START-Verfügungen - den Begrenzungen auf
6 000 Gefechtsköpfe und 1 600 strategische Trägersysteme (SNDVs) - ausgenommen.

Sowjetunion

Verifizierung der Einhaltung

Identisch mit der US-Position, außer in der Frage, daß
die sowjetische Zustimmung zur Umrüstung von schweren Bombern zu rein konventionellen Systemen von
der amerikanischen Zustimmung zur sowjetischen
Position über die Reichweite von ALCMs abhängig
gemacht wird.

Vereinigte Staaten

ALCMs
Vereinigte Staaten
ALCMs werden als luftgestützte, nuklear bestückte
Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 1 000
Kilometern definiert. Eine vereinbarte Zahl von ALCMs
(10 auf amerikanischen schweren Bombern, 8 auf
bestehenden sowjetischen schweren Bombern, 10 auf
künftigen sowjetischen schweren Bombern) sollen jedem
für ALCMs ausgerüsteten Typ schwerer Bomber zugerechnet und auf die Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen angerechnet werden. Die amerikanischen schweren Bomber könnten eigentlich für bis zu
20 ALCMs ausgerüstet werden, während die bestehenden sowjetischen schweren Bomber bis zu 12
ALCMs und künftige sowjetische schwere Bomber bis
zu 20 ALCMs aufnehmen könnten.
Sowjetunion
Identisch mit der amerikanischen Haltung, außer, daß
ALCMs als luftgestützte Marschflugkörper mit Reichweiten über 600 Kilometern definiert werden.
SLCMs
Vereinigte Staaten
SLCMs werden als seegestützte, nuklear bewaffnete
Marschflugkörper mit einer Reichweite über 300 Kilometer definiert.
Sowjetunion
Identisch mit der amerikanischen Haltung, außer, daß
SLCMs als seegestützte, nuklear und konventionell
bewaffnete Marschflugkörper mit einer Reichweite über
600 Kilometer definiert werden.
Vereinigte Staaten
Während der Vertragsdauer werden beide Seiten
parallele, politisch bindende Erklärungen über die
maximale Anzahl von SLCMs, die sie zu stationieren
gedenken, abgeben. Die erste Erklärung von jeder
Seite wird die maximale Anzahl enthalten, die in jedem
derersten fünf Vertragsjahre stationiert werden soll. In
AMERIKA DIENST 14

Die Bestimmungen müssen mindestens folgende Punkte
enthalten: Datenaustausch vor und nach der Durchführung von Reduzierungen; Vor-Ort-Inspektionen zur
Verifizierung von Daten und zur Beobachtung der
Beseitigung der Waffen; kontinuierliche Vor-Ort-Überwachung von Zugängen und Gelände der entscheidenden Produktionsstätten; kurzfristig anberaumte
Inspektionen von Standorten, an denen vertraglich
begrenzte Systeme sowohl während als auch nach
dem Reduzierungszeitraum stationiert sind. Inspektionen von Standorten, an denen eine Vertragspartei
die geheime Produktion, Lagerung, Instandsetzung
oder Stationierung vermutet.
Recht auf kurzfristig anberaumte Inspektionen von
"verdächtigen Standorten". Recht zur Beantragung
von Inspektionen anderer "verdächtiger Standorte".
Falls die beschuldigte Partei die Inspektion verweigert,
muß sie sich ernsthaft um die Ausräumung der Anschuldigungen bemühen.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß
beide Seiten eine Beschleunigung ihrer Bestrebungen
vereinbaren und sobald wie möglich mit der Durchführung von Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilisierung beginnen, um praktische Erfahrung zu sammeln
und Fragen der Verifizierung schneller zu lösen. Zu
den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen: die Aufnahme von Vor-Ort-Inspektionen im Umkreis und an
den Zugängen zu bestimmten Raketenproduktionsstätten, Datenaustausch über die strategischen Nuklearstreitkräfte beider Seiten und Erörterung des
Problems von SLBMs mit kurzer Flugzeit.
Sowjetunion
Die Sowjets haben den größten Teil der amerikanischen Haltung zur Verifizierung akzeptiert, obgleich es
noch viele Detailfragen zu lösen gilt, insbesondere im
Bereich der Verifizierung mobiler ICBMs.
Die Sowjets haben das Prinzip von Maßnahmen zur
Verifizierung und Stabilität akzeptiert, einige eigene
Vorschläge unterbreitet und die amerikanischen Vorschläge in Genf eingehend erörtert.
Vereinigte Staaten
Mit den Sowjets wurde Einigung über folgende Maßnahmen erzielt:

Seite 3

�1.

Vorankündigung einer wichtigen Übung mit
schweren Bombern pro Kalenderjahr.

2.

Vorführung eines schweren Bombertyps auf
jeder Seite, um Verifizierungsverfahren zur Unterscheidung der mit ALCMs bestückten schweren Bomber von nicht mit ALCMs bestückten
schweren Bombern zu demonstrieren.

3.

Demonstration der von jeder Seite vorgeschlagenen Verfahren zur Vor-Ort-Inspektion von
Wiedereintrittsflugkörpern der ballistischen
Raketen jeder Seite.

Beide Seiten haben ferner Informationen über Techniken zur Identifizierung von Raketen ("Tagging") ausgetauscht. Beide Seiten sind sich über wichtige Elemente eines Regimes einig, mit dem die Nichtverweigerung telemetrischer Daten während der Flugerprobung von START erfaßter ballistischer Raketen sichergestellt wird. Diese Verfügungen werden in den
START-Vertrag aufgenommen, aber durch einen Briefwechsel bereits bei der Unterzeichnung des Vertrags
in Kraft gesetzt.
Sowjetunion
Mit den Vereinigten Staaten wurde Einigung über
folgende Maßnahmen erzielt:
1.

Vorankündigung einer wichtigen Übung mit
schweren Bombern pro Kalenderjahr.

2.

Vorführung eines schweren Bombertyps auf
jeder Seite, um Verifizierungsverfahren zur Unterscheidung der mit ALCMs bestückten schweren Bomber von nicht mit ALCMs bestückten
schweren Bombern zu demonstrieren.

3.

Demonstration der von jeder Seite vorgeschlagenen Verfahren zur Vor-Ort-Inspektion von
Wiedereintrittsflugkörpern der ballistischen
Raketen jeder Seite.

Beide Seiten haben ferner Informationen über Techniken zur Identifizierung von Raketen ("Tagging") ausgetauscht. Beide Seiten sind sich über wichtige Elemente eines Regimes einig, mit dem die Nichtverweigerung telemetrischer Daten während der Flugerprobung von START erfaßter ballistischer Raketen sichergestellt wird. Diese Verfügungen werden in den
START-Vertrag aufgenommen, aber durch einen Briefwechsel bereits bei der Unterzeichnung des Vertrags
in Kraft gesetzt.
Verteidigung im Weltraum
Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten streben einen erleichterten
Gemeinsamen Übergang zu einem stabilisierenden
Gleichgewicht bei den offensiven und defensiven StreitSeite 4

kräften an, wenn sich eine effektive Verteidigung gegen
strategische ballistische Raketen als durchführbar
erweist. Die Vereinigten Staaten wollen sich darüber
hinaus die Option erhalten, in angemessenem Tempo
und auf kooperative Art und Weise moderne Verteidigungssysteme zu entwickeln und zu stationieren, wenn
diese einsatzbereit sind. Fragen der Verteidigung im
Weltraum sollten in einem neuen Vertrag behandelt
werden, der auf der Sprachregelung der Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington aufbaut sowie
diese erläutert und das Ergebnis des Außenministertreffens in Wyoming bekräftigt, um die unmißverständliche Bedeutung von Verpflichtungen zu gewährleisten, die in künftigen Verträgen eingegangen werden.
Sowjetunion
Fragen der Verteidigung im Weltraum sollten jetzt in
Form eines Protokolls zum ABM-Vertrag und nicht in
einem Vertrag über Verteidigung im Weltraum abgehandelt werden. Die Sowjets haben ein Protokoll
vorgeschlagen, das vom ABM-Vertrag erlaubte und
verbotene Maßnahmen beinhaltet. Ferner haben sie
Maßnahmen zur Berechenbarkeit als integralen Bestandteil des ABM-Vertrags vorgeschlagen, um Vertrauen zu bilden und die Einhaltung des ABM-Vertrags
sicherzustellen. Fragen, über die beide Seiten bis zum
Abschluß des START-Abkommens keine Einigung
erzielt haben, sollen in Gesprächen über strategische
Stabilität nach dem START-Vertrag behandelt werden.
Vereinigte Staaten
Mit der Sowjetunion können keine weiteren Verträge
über strategische Rüstungskontrolle geschlossen
werden, wenn sie nicht ihre Verletzung des ABMVertrags durch das Radar von Krasnojarsk auf verifizierbare Art und Weise und nach amerikanischen
Kriterien korrigiert. Die Vereinigten Staaten haben
sich befriedigt über die Ankündigung der Sowjets
geäußert, das Radar von Krasnojarsk vollständig
abzubauen.
Sowjetunion
Die Sowjets haben erklärt, daß sie das Radar von
Krasnojarsk vollständig beseitigen werden.
Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag
Vereinigte Staaten
Beide Seiten haben vereinbart, den Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.
Sowjetunion
Beide Seiten haben vereinbart, den Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vert/ac fallenzulassen.

AMERIKA OIF MST 14

�Aktivitäten gemäß ABM-Vertrag
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben Initiativen vorgeschlagen, um die Bedeutung der Sprachregelung "erforderliche Forschung, Entwicklung und Erprobung wie im
ABM-Vertrag gestattet" klären zu helfen.
Sowjetunion
Die Sowjets streben Übereinstimmung bei nach dem
ABM-Vertrag erlaubten und verbotenen Aktivitäten in
Form eines Zusatzprotokolls zum ABM-Vertrag an.
Die Sowjets würden Aktivitäten auf eine Interpretation
des ABM-Vertrags begrenzen, die restriktiver ist als
beide Parteien dies 1972 vereinbart haben und möglicherweise noch restriktiver als die "enge Interpretation".
Vereinigte Staaten
Um zu demonstrieren, daß die amerikanische Erprobung weltraumgestützter Komponenten von ABMSystemen, die auf "anderen physikalischen Prinzipien" beruhen und die Fähigkeit haben, eine ABMAbfangrakete zu ersetzen - was nach dem ABMVertrag erlaubt ist - nicht mit der Stationierung solcher
Komponenten gleichzusetzen ist, sind die Vereinigten
Staaten bereit, diese erlaubte Erprobung nur von
bestimmten ABM-Test-Satelliten aus durchzuführen.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die
Anzahl der gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten dieses Typs nicht die Zahl überschreiten soll, bei der man gemeinhin bereits von einer
stationierten Fähigkeit ausgehen würde. Den Vereinigten Staaten zufolge liegt die Zahl 15 weit unter
dieser Grenze.

zierungsprobleme auszuschließen und die Entwicklung stabilisierender weltraumgestützter Sensoren zu
fördern.

Vertragsdauer/Koppelung
Vereinigte Staaten
Ein Abkommen über Verteidigung im Weltraum wäre
unbefristet. Der ABM-Vertrag wird eingehalten, bis
eine Partei das Recht zur Stationierung ausübt (siehe
unten, Übergang zu Verteidigungssystemen).
Sowjetunion
Die Sowjetunion hat eingewilligt, daß der Abschluß
eines START-Vertrags nicht von einer Einigung über
Fragen der Weltraumverteidigung abhängt. Die Sowjets nehmen jedoch weiterhin das Recht für sich in
Anspruch, den START-Vertrag zu kündigen, wenn sie
zu dem Schluß kommen sollten, daß die Vereinigten
Staaten den ABM-Vertrag, wie sie ihn definieren,
verletzt haben.
Vereinigte Staaten
Ein Vertrag über Verteidigung im Weltraum muß unabhängig sein. Der Abschlu ß eines START-Vertrags und
die Einhaltung des Vertrags sollte nicht an die Lösung
von Problemen der Verteidigung im Weltraum gekoppelt sein. Die Vereinigten Staaten weisen sowjetische
Vorschläge als ungerechtfertigt zurück, mit denen sie
das Recht für sich in Anspruch nehmen, den STARTVertrag zu kündigen, falls sie zu dem Schluß gelangen
sollten, die Vereinigten Staaten hätten den ABMVertrag, wie sie ihn interpretieren, verletzt.

Sowjetunion
Die Sowjets haben die Initiative der Vereinigten Staaten zur Erprobung im Weltraum (ABM-Test-Satelliten)
und auch den Vorschlag über weltraumgestützte ABMRadars oder andere Sensoren zurückgewiesen und
geltend gemacht, sie liefen dem ABM-Vertrag und der
Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington zuwider.
Die Sowjets haben die Aufnahme intensiver Gespräche über die strategische Stabilität nach Abschluß
eines START-Vertrags vorgeschlagen.
Vereinigte Staaten
Die Benachrichtigung über die Erprobung von ABMTest-Satelliten würde im Protokoll über die Berechenbarkeit (siehe unten) Eingang finden.
Die Vereinigten Staaten haben darüber hinaus vorgeschlagen, daß jede Partei uneingeschränkt weltraumgestützte ABM-Radars oder andere Sensoren entwickeln, erproben oder stationieren darf. Dieser Vorschlag dient dem Ziei, künftige Definitions- und VerifiAMERIKA DIENST 14

Übergang zu Verteidigungssystemen
Vereinigte Staaten
Der ABM-Vertrag würde auch einem Vertrag über
Verteidigung im Weltraum zufolge in Kraft bleiben.
Jeder Seite wäre es jedoch gestattet, ihre Absicht zu
bekunden, Verteidigungssysteme gegen strategische
ballistische Raketen über die Begrenzungen des ABMVertrags hinaus zu stationieren. Nach einer solchen
Ankündigung würde die initiierende Seite spezielle
Maßnahmen für einen kooperativen Übergang zu einem
strategischen Regime vorschlagen, das Verteidigungssysteme zusätzlich zu den vom ABM-Vertrag gestatteten vorsieht. Beide Seiten würden dann intensive
Gespräche über diese speziellen Maßnahmen und die
strategische Stabilität aufnehmen. Nach Ablauf von
drei Jahren und danach könnte jede Seite nach einer
sechsmonatiger Vorankündigung Verteidigungssysteme gegen strategische ballistische Raketen stationieren, falls nicht in der Zwischenzeit eine andere Vereinbarung getroffen wird.

Seite 5

�Sowjetunion
Die Sowjetunion lehnt einen Übergang zu Verteidigungssystemen ab, die über die vom ABM-Vertrag
erlaubten hinausgehen.
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität
werden nach Abschluß eines START-Vertrags aufgenommen. Die Sowjets schlagen vor, daß diese Gespräche sich mit den "Problemen der ABM-Verteidigung (beschäftigen) und dabei die neue Situation
berücksichtigen, die sich aus Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen ergibt". Wenn keine anderslautenden Vereinbarungen getroffen werden, wird nach
diesen Gesprächen jede Seite für sich über ihr weiteres Vorgehen in bezug auf den ABM-Vertrag und den
START-Vertrag bestimmen, wenn sie dabei die entsprechenden Modalitäten dieser Verträge einhält. Die
Sowjets vertreten die Auffassung, daß beim Washingtoner Gipfel kein "Stationierungsrecht" vereinbart wurde,
jedoch die im ABM-Vertrag enthaltenen Rechte das
Vorgehen beider Seiten bestimmen.
Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten
Die Beteiligten werden Möglichkeiten erörtern, um die
Berechenbarkeit bei der Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen
Bereich zur Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges zu gewährleisten. Als vertrauensbildende
Maßnahmen und um für die strategischen Verteidigungsprogramme der jeweils anderen Seite Berechenbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen, haben
die Vereinigten Staaten die folgenden Maßnahmen
vorgeschlagen, die auf der Grundlage von Gegenseitigkeit, Vergleichbarkeit und Freiwilligkeit verwirklicht
werden sollen: jährlicher Austausch programmatischer Daten und Expertentreffen, Informationsgespräche, Besuche von Labors und Beobachtung von Versuchen. Die Vereinigten Staaten lehnen die Anwendung von Maßnahmen zur Berechenbarkeit für Zwekke der Einhaltung des ABM-Vertrags ab. Solche Maßnahmen sollten dazu dienen, die Transparenz zu verbessern und Vertrauen zu bilden. Dadurch könnten
technologische Überraschungen vermieden werden.

sowjetischen Verhätnisses im strategischen Bereich
zu gewährleisten und damit das Risiko eines Atomkrie
ges zu vermindern. Die Sowjets haben einige der
amerikanischen Konzepte für vertrauensbildende
Maßnahmen akzeptiert, darunter Datenaustausch,
Expertentreffen, Besuche in Labors und Beobachtung
von Versuchen. (Die Sowjets haben dem amerikanischen Vorschlag nich' zugestimmt, wonach jährlicher
Datenaustausch Forschungsmaßnahmen umfassen
soll, die durch Nationale Technische Mittel nicht erfaßt
werden können.) Die Sowjets betrachten diese Maßnahmen zur Berechenbarkeit jedoch als Mittel, um die
Einhaltung des ABM-Vertrags zu verifizieren. Darüber
hinaus haben die Sowjets einen freiwilligen Informationsaustausch vorgeschlagen, um Zweifelsfälle im
Hinblick auf den ABM-Vertrag zu klären, der parallel
zur dem für die Lösung von Fragen der Vertragseinhaltung vorgesehenen Mechanismus - dem Ständigen
Konsultativausschuß - stattfinden soll.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben ein auf Gegenseitigkeit
beruhendes Pilotprogramm zur Verwirklichung der von
amerikanischer Seite unterbreiteten Maßnahmen zur
Berechenbarkeit vorgeschlagen, in dessen Rahmen
jede Seite für ein bestimmtes Projekt jeder Seite einen
Einjahreszyklus von Datenaustausch, Expertentreffen, Informationsgesprächen, Besuchen in Labors,
Beobachtung von Versuchen und Demonstrationen
von Benachrichtigunsverfahren im Hinblick auf ABMTest-Satelliten durchführen würde.
Im Dezember 1989 besuchten sowjetische Regierungsexperten auf Einladung der Vereinigten Staaten
zwei amerikanische Einrichtungen, die Forschungsarbeiten über Verteidigungssysteme gegen ballistische
Raketen durchführen.
Sowjetunion
Im Dezember 1989 besuchten sowjetische Regierungsexperten auf Einladung der Vereinigten Staaten
zwei amerikanische Einrichtungen, die Forschungsarbeiten über Verteidigungssysteme gegen ballistische
Raketen durchführen.

Sowjetunion
Die Beteiligten sollen Möglichkeiten erörtern, um Berechenbarkeit bei der Entwicklung des amerikanisch-

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AMF.RKA DIENST 14

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